Wimmer 305 EilijklMg Montag, de» 30. Dezember 1918 11. Jahrgang« Oie ...veue Lae einqetroffen. Nachdem am Vormittag eine Ovanon volnischer Schulkinder vor Pad'erewski erfolgt war. wurde eine deuts he Gegen- kundgebung angeregt. In der Wilhelmstraße kam es zu den ersten Zusammenstößen. Die Deutschen sangen „Deunchlano, Deutschland über alles", die Polen riesen „hoch lebe Polen!" Gleich darauf fiel der erste Schuß. Dann wurden Truppen alanniert, die schnell heranrückten. Nun kam es an verschiedenen Stellen der Stadt zu regelrechten Feueckämp en, zum Teil mit Maschinengewehren und Handgranaten. Bon deutscher Seite wird zugegeben, daß die deutschen Soldaten durch das Heraushängen von Fahnen feindlicher Mächte, ge en die sie vier Jahre lang gekämpft hatten, aufs höchste gereizt wrren. Neueren Nachrichten zufolge sind die Polen Herren der Sraöt Posen. Der Vertreter der englischen Mission Sottegs hat Protest gegen das Vorgehen der Deu'.fchen erhoben, als ihm die deutsche Erklärung ungenügend erschien verließen die englischen und polnischen Vertreter unter Abbruch der Verhandlungen das General- kommando. VoUchero snrus in Oberschlesien. Bentheu, 28. Dez. Amtlich wird mitgeteilt, daß auf den Gruben des oberschlestschen Zentralkohlenreoiers reiner Bolschewismus und Anarchismus herrsche. Die Generaldirektoren und Direktoren werden zwangsweise in die Zechenhäuser gebracht und unter Bedrohung zu Unterschriften gezwungen. Wenn die Negierung wcht sofort schärfste Maßnahmen ergreift und militärische Hilfe senket, besteht die Gefahr der Stillegung der ober- schlesischen Gruben und damit der Zusammenbruch des ganzen Wirtschaftslebens. Die Zahl der Ausständigen erhöhte sich wieder. Heute streiken die Gruben „Hedwigs- wunsch", „Ludwigsglück", „Dubenske Preußen", „Caftel- lego" und „Brandenburg Friedensgrube". Die Grube „Schlesien" wurde gestürmt, und die Direktion mit Gewalt in's Zuchthaus geschleppt, wo sie gezwungen wurde, jedem Arbeiter 800 Mark Zulage zu versprechen, die bei der nächsten Löhnung ausgezahlt werden sollen. Das würde für den oberschlesischen Kohlenbergbau eine Belastung von 80 Millionen Mark bedeuten. Wahrend der Kravalle wurden Hochrufe auf Liebknecht und der Luxemburg ausgebracht. Wenn nicht unverzüglich regierungstreue Truppen in den 2n- dustriebezirk geschickt werden, so ist in den nächsten Tagen mit der Lahmlegung aller Betriebe durch den kleinen bolschewistischen Teil der Belegschaft, der die anderen Arbeiter terrorisiert» zu rechnen. Schuh gegen die Tschechen. Dresden, 29. Dez. Sachsen zieht an der Grenze starke Truppenmassen zum Schutz gegen einen etwaigen Lschecho-slowakischen Einsall zusammen. Anstand. Wilson in England. London, 27. Dez. (WB) Router. In Dover wurde Wilson vom Herzog von Cannaurcht und dem Bolschoster Davis empfangen. Aui dem Bahnhof verlas der Bürger» rneister von Dover eine Willkommenadresse. Darauf and woriete der Präsident. Wir bab"n oerrciii'am lehr ernste Zeiten dnrckgemackt und können un§ deshalb als Hanrrraden und Bundesgenossen bsn-ackten. da nichts so sehr die Aten- scheu einander näher bringt wie gemeinsames "Verständnis und gemeinsame Ziele. Ich glaube, daß wir trotz aller schicklichen Leiden und Opfer dieses Krieges eines Tages, wenn wir aus ge zur,'ckb-licken, einiehen werden, daß sie frer Mübe wert tror^n; nickt nur wegen der Sicherheit, die si< der Welt gegenüber vor einem ungerechten Angnfs gaben, 'andern anck wea^n des Einverständnisses, das sie zwischen den großen Nationen zur dauernden Erbaltung des Neckts schufen. Es gewährt mir deshalb eine ganz besondere Be- sriedf^ung hier zu weilen, es wird mir damit Gp'en"n^eil geaehen meinen Geist mit denr Geist derjenigen zu r»er. einigen, die dieselbe Absickt haben, bei der großen Bejleaung des Kampfes das Veste zu tun. was getan werden kann. London. 20. Dez. (WB.) Wilson wurde nack seiner Ankunft von der Bevölkerung in buntbeflaggten Straßen lebhatt bearülrt und begab sich dann rnjt d m ! ön'a und > em Herzog nun Ennnaupht in Bealeitung des Hofes, zum Buckingham-Palast. Nach halbstündigen Begrüßungsrufo« der vor dem Palast versammelten Menge erschien Wi'wn enrf dem Balkon, »maeben von dem ^onig der Köniain, Frau Wilson, der Prinzessin Mary und Herzog von Connaual?t und dankte der Londoner Bevölkerung kür ihren Empfang London, 26 Dez. (WB ) R'uter. Biscount Grev wird an der Spitze einer Abordnimg des Pereins für fan Rölk"r- lund vom Präsidenten Wilson am Sonntag vo-'nütma in der amerikanischen Botschaft enipiengen Zu der Abordnung werden gebären- Bi^connt Brioe. Meneral Smuts und Profeffor <^ttbett Murrav. Frankreichs Verluste. Paris, 20. Dez. tWB.) Havas. In der Kammei gav der Untetttaatssek^otär Abrami im Lause der Besprechung des Oiesetzes über die Pensionen folgendes Bitd der französischen Verluste bis tum 3. November 1918: Die OMmnt- Ziffer der Gefallenen. Gegangenen und Vermißter, beträgt 12000 Dffiz-ere «nd 1^68 000 Mannschaften: gefallen sind 31 300 Cffi 5 Tf-t\ 1 010 000 Monnsckasten- vermißt sind 3000 Offizierr^ 3)1 000 Mann: die Zahl der lebenden Gefangenen beträgt 8300 Offiziere, 438 Mannschaften. Gegk-n die Bosichewiki. Ancsterdam 27. Der. (WB.) Die russische Gesandt-- stbast im Haag hat von der russiscl?en Regierung in die telegraph'ttck-e Nackricht erhalten, daß die Arnree dieser Regiernng den bolschewistischen Truppen an der Frcknt von Iekaterinbnrg eine ernsre Niederlage zugesügt hat. Die Bolschewisten ziehen sick in großer Unordnung aut die Madt Perm zurück. Glrickzeitia erfuhr die Gesandtschaft ou-. ^e- katerinordar daß die süd''U^siscl>e Freiwilligenarinee unter dem Befehl des Generals Denisin die Diktatur des Füh° rers der allrussischen Negierung in Omsk, des Admiral? ^oltl'cbak. anerkannt hat. Man bat sick auf folgendes ge» einigt- 1. Wiederherstellung eines einigen, unteilbaren ruf- stfch?en Neickes unter einer Zentralregierung, die den Provinzen ein weites Maß von Selbstverwaltung ein räumen wil^ auf Grund ethnograpbifcher und historischer Anspruch«. 2 Entschlossener Kamvf gogen die bolschewistischen Einrichtungen bis Zn ihrer vollständigen Vernichtung. 3. Enge- imlitärischtes Zusammengehen zwischen der Freiivilligen- armee des Genrals D«nikin und d«r Armee der allrussischen Negierung in Omsk. Die Mnckensenarmee. Budapest. 27. De,. (WB.) Drei «rotze Spitalzüpe der in Foth internietten Mackensen-Armee wurden auf Befehl der Entente bei Preßburg ausgehalten. Man wollte die verwundeten und kranken Soldaten unter der Kontrolle der französischen Militärmijsion in ungarischen Spitälern internieren. Da sich aber in den Spitalzügen zumeist Schwerkranke befanden, die um jeden Preis in ihre Heimat wollten,^ trat die ungarischa Regierung bei der französischen Mission mit Erfolg für die Weiterleüuna der deutschen Spitalzüge ein. $!fg drr Kritgs-artkl bei den englWu Wahlen! Haag. 29. Dez. Reuter meldet aus London: Das Ergebnis bei den Parlamentswahlen stellt sich wie folgt: Gewählt wurden als Mitglieder der Koalition 334 Unio- nisten, 127 .Liberale und 10 Mitglieder der Arbeiterpartei. Ferner wurden folgende Abgeordnete gewählt, die nicht der Koalition angehören: 37 Anhänger von Asquitb, 48 unabhängige Umonisten, 5 andere Unronisten, 65 Mitglieder der Arbeiterpartei, eine Frau, 7 Nationalisten und 70 Sinnfeiner. Drei Wahlbezirke stehen noch aus. Die Koalition hat mit 471 gewählten Abgeordneten eine Majorität von 228. Wahrscheinlich ist jedoch die Majorität noch größer durch die 48 unabhängigen Unionisten. Aus weiteren Reuterberichten geht hervor, daß Lloyd George in Cornavon mit 13993 Stimmen gegen 10195 seines Gegners gewählt wurde. Asquith wurde geschlagen von einem Ünionisten mit 8993 Stimmen gegen 6994 für Asquith. Bonar Law erhielt in Glasgow 17653 Stimmen, sein Gegner von der Arbeiterpartei nur 4733 Stimmen. Der irische Nationalist Dillon wurde von einem Sinnseiner geschlagen. Der Aroeiterminister Henderson erlitt eine Niederlage durch den liberalen Koalitionskandidaten Edwards, der 7972 Stimmen erhielt, Henderson dnzL'en nur 5024 Stim- meU. Auch Friedensfreunde wie Snowden und Ram- say Macdonald erlitten schwere Niederlagen gegen Koalitionskandidaten. Der erste Staat, der nach dem großen Kriege gewählt bat, ist England gewesen und die Wahlen haben mit einem vollen Siege Lloyd Georgs und der von ihm vertretenen Kriegspartei geendet. Bemerkenswert ist die Niederlage aller Kandidaten. die nur im entferntesten im Verdacht standen, Friedens'reunde zu sein und der geringe Erfolg der Arbeiterpartei. Die Wahlen bedeuten wieder einmal einen Zusammenbruch der Lehre von der Völkerverständigung und dem Völkerbund. All* das, was dem deutschen Volke zuVemnn der Revolution worgeredet wurde, daß auch in den Ententelandern die Reoierung gestürzt werde, daß eine Ver brüderuna der Revolution in Aussicht stände usw. hat sich als Wind, als ein eitles Wahngebilde erwiesen. England und Frankreich haben gesiegr und schwelaen im Genuß ihrer Erfolge. Statt daß wir in Deutschland die Lehre daraus zögen und zum mindesten einig würden, zerfleischen wir uns im Innern und sind im Begriff, einen Selbstmord zu begehen, dergleichen ihn «och kein Volk gesehen hat. Gegen dre Z. G. G. Der Zentralveröand des deutschen Großhandels in Berlin wendet sich in einer Zuschrift gegen die ablehnende Haltung des Neichsernährunqsamts zu den Wünschen des Handels, die einen Abbau der Zentral- ein.kaufsqesell schaff zum Ziel hatten. Er bestreitet die angeblichen Leistungen der Z. E. G, und sagt: Die Z. E. G. hat keine Tonne mehr vom Ausland hereingebracht, als der Handel hätte hereinbringen können; denn die Einfuhrmengen hingen nicht von der Geschicklichkeit der Z. E. G. ab, sondern sind trotz der Ungeschicklichkeit der Einkäufer der Z. E. G. zur Einfuhr gekommen, weil die ausländischen Regierungen für die Ausfuhr dieser Mengen auf Grund des Kompenfations- verkehrs gesorgt haben. Die deutsche Volkswirtschaft wird smwer dadurch getroffen, daß die Entente dem Der gute Kamerad. Original-Roman von L o l a S t e i n. S) Nachdruck verboten Dies alles hatte Jost, der .das Testament genau kannte, damals der Mutter erklärt. Wenn Asta auch reich war, so fehlte ihr vorläufig doch die Möglichkeit, ein anderes als ein gut bürgerliches Leben zu führen, sie würde sich wohl fühlen im Hause der Verwandten. Und aus den Vorschlag der Tante traf ein jubelnder Brief des jungen Mädchens ein,- das es dankbar und selig begrüßte, in Zukunft eine Heimat haben zu sollen. Asta Wolfram dachte an diese Zeit und an die drei Jahre, die sie nun schon im Hause seiner Tante lebte, während, sie die Rosen in einer Kristallva^e ordnete und sie aus den gedeckten Tisch im Eßzimmer stellte Noch immer war Jost nicht daheim, er, der früher stets pünktlich zu den Mahlzeiten erschien, vernachlässigte in den letzten Monaten das Haus und die Mutter in auffallender Weise. Und sie, auch sie vernachlässigte er. Das junge Mädchen seufzte tief auf, ein Schatten lag über ihren lichten Zügen. Dann raffte sie sich zusammen und trat mit einem Lächeln auf den Lippen wieder auf die Loggio, wo Frau Wolfram noch immer wartend saß. Der rotbraune Setter lag ihr zu Füßen. Asta setzte sich neben die Tante und streichelte den schönen Kopf des Hundes, den 9t zärtlich in ihren Schoß schmiegte. „Glaubst du, daß Jost wieder bei der^ Baronin .Katschinska ist, Astachen?" Sie zuckte zusammen. „Ich weiß nicht, Tantchen?" „Er erzählte dir doch sonst stets, wie er feine Tage verbrachte, Kind?" „Sonst ja. ° In den ganzen Jahren waren wir ja auch meistens so viel zusammen, daß ich ihn kaum zu fragen brauchte, wo er war. Wir spielten Tennis, wir ritten, wir ruderten, ach was für schöne Stunden haben wir zusammen deutschen Handel die Bewegungsfreiheit auf dem Welt, markt noch vorenthält. Aufgabe einer deutschen Regierung muß es demgegenüber sein, den freien Zugang des deutschen Handels zum Weltmarkt mit Nachdruck zu fordern. Die baldige Ueberleitung zum freien Weltverkehr, von dem die Wiedererstarkung der deutschen Wirtschaft entscheidend abhängt, verbietet das Staatsmonopol und erfordert eine Regulierung der Einfuhr durch Selbstverwaltung der organisierten Kaufmannschaft. Die Arbeitslose» aufs Fand! Berlin, 23. Dez. (WB.) Die Demobilisation und die Stillegung von Betrieben als Folge von Arbeitsund Kohlenmangel hat die Zahl der Arbeitslosen in den Großstädten und besonders in Berlin ins Ungeheuerliche wachsen lasten. Man rechnet für Groß-Berlin mit Einschluß der vom Heeresdienst Entlassenen mit etwa 400000 Arbeitslosen. Das für diese Masten zur Zeit aufnahmefähigste * Arbeitsgebiet ist fraglos die Land- und Forstwirtschaft mit ihrem Bedarf an Arbeitskräften für Drefch-, Meliorationr- und Holzschlagarbeiten. Auch wird ein sehr großer Teil der Arbeitslosen, besonders viele entlassene Heeresangehörige, die Arbeit in der Land- und Forstwirtschaft anderen Arbeitsgelegenheiten vorziehen. Das Ministerium für Landwirtschaft,' Domänen und Forsten hat deshalb ein Referat „Arbeits-Vermittlungsamt des Landwirtschafts-Ministeriums" eingerichtet, das bereits im engsten Zusammenhang mit allen interessierten Stellen Maßregeln ergriffen hat, um die Arbeitsmöglichkeiten festzustellen und für die Arbeitnehmer zeitgemäße Arbeitsbedingungen zu schaffen und sie schnellstens an die ihnen zusagenden Arbeitsstellen zu leiten. -Zur Leitung dieses Amtes ist Herr Heine ins Landwirtschaftsministerium berufen worden. DisstM»! In einem Aufsatz über-. Wehrsragen schreibt Generalleutnant Keim: Ob Republik oder Monarchie, ob Parlamentarismus oder Räteregierung, ob Söldnerheer oder Volksheer, ein Heer kann nur festen Bestand haben, nur dann seinen Zweck erfüllen, dem Staate Macht und Schutzmittel zu sein nach außen wie im Innern, wenn es organisatorisch,' technisch, moralisch, geistig den unveränderlichen Gesetzen entspricht, die sich aus dem Wesen jeder militärischen Betätigung unweigerlich ergeben. Ist das nicht der Fall, so zerfällt jedes Heer in kurzer Frist und wird so für seine Bestimmung so sicher unbrauchbar, als wie die Sonne auf- und untergeht. So ist es seit Jahrtausenden gewesen in Mehr- sragen, und so wird es immer sein allen Theorien und Programmen zum Trotze. Das Grundgesetz aber für alle Wehrftagen läßt sich zusammenfasten in dem Worte — Disziplin! Auch da gibt es keinen Unterschied zwischen einem monarchischen und republikanischen Hezre, wobei beiläufig bemerkt sei, daß im republikanischen französischen und schweizerischen Heere Verstöße gegen die Disziplin ungleich härter geahndet wurden als beim deutschen Militarismus. Es gibt eben nur eine Disziplin, die diesen Namen verdient, und das ist eine gute Disziplin. Die Träger derselben waren und sind überall in erster Linie die Offiziere, dann die Unteroffiziere, weil ohne ein festgefügtes Nangveryältnis Ordnung, gesicherte Befehlserteilung, unbedingter Gehorsam nicht durchführbar, und ohne diese militärische Leistungen nicht zu erzielen sind. Diese Lehren und Tatsachen gehören zum Abc jeder Wehrversastung. Wer gehabt. Jetzt ist es anders geworden. Jetzt gehört feine Zeit nicht mehr uns." „Asta, ich denke soviel daran. Mir will scheinen, diese Frau hat einen großen und nicht sehr guten Einfluß auf Jost gewonnen. Erzählt er dir von ihr? „Nein Tantchen, d.rs tut er nicht. Er schwärmt zu- weilen von ihrer Schönheit, aber immer nur in deiner Gegenwart. Mir allein sagt er nichsts mehr, was ihn bewegt. Weißt du noch, wie er mich ftüher so oft seinen Kameraden nannte? Der bin ich ihm nun nicht mehr." „Du wirst es wieder werden, Asta!" „Glaubst du?" Und es zuckte auf ihren Zügen, ein Heller Schein brach aus ihren tiefblauen dunkelbelvimpertcn Augen. Dann aber meinte sie mutlos: „Er sieht mich ja kaum noch " Cie schwiegen nun beide und dachten an ihn, dem all ihr- Sinnen und Sorgen galt, der der Inhalt ihres Lebens war, und der so anders geworden in der letzten Zeit. Der ihnen weit schien und entrückt. v . Jetzt hob der Hund laisichend den Kopf, sprang auf und stand schrveifwedelnd an der Tür. Und nun hörten auch die beiden Frauen raußen ein helles Pfeifen. Frau Wolfram, die in sich versunken dagesesten und die Straße nicht inehr beachtet hatte, hob froh und wie erlöst den Köpft. >,Da ist Jostl* Und auch über Astätz verträumtes ernstes Gesichtchen flog ein Freudenschimmer. Jost Wolfram betrat mit elasttschen Schritten das Zimmer, durchschritt es und stand nun aus der Schwelle der Loggia Sein kluges, bartloses, edelgeschniitenes Gesicht '.chien wie erleuchtet von eirter großen inneren Freude zu sein, seine dunklen Augen strahlten in einem warmen Glanz. „Guten Abend Mamachen, guten Tag Asiat Ich komme spät, verzeihe, Mama. ' ES lieh sich nicht ändern," Eü sie ausscharren will, ist entweder ein Tor oder ein Ignorant. Schlägt man aber diese Lehren und Ec Nahrungen in den Wind — politischen Theorien zuliebe — so haben den Schaden davon sicher Staat und Volk wett ein Heer ohne Disziplin, ohne straffe Führung schlimmer ift als eine Räuberbande, da es auch die öffentliche Sicherheit gefährden würde unter dem Deckmantel einer staatlichen Einrichtung. Es muß vor allem Sorge der Regierung fein die Autorität der Führer, also in erster Linie der Offiziere unangetastet zu lasten, nachdem sich diese auf den Boden vollzogener Tatsachen gestellt haben. Es. sind da und dort Ausschreitungen voraekommen, die geradezu Schandflecke auf den deutschen Namen genannt werden muffen; selbst unsere Feinde haben ihren Abscheu vor solchem Tretben ausgesprochen. Sie sind — wohl meistens von Deserteuren und Marodeuren, die ein rechtschaffener Soldat stets verachten wird — zum Teil gegen Offiziere begangen worden, die vier barte Kr^s- fahre hindurch im Schlamm des Schützengrabens ' nüt ihren Untergebenen ausgeharrt und nt unzähliacn Kämpfen sie zum Siege geführt haben. Ein Heer "in dem solche Vorkommnisse weiterhin möglich sein könnten, hört auf. eine brauchbare Wehr für Staat und Volk sein. Es wird auch nie eine brauchbare Volkswehr" werden. Ist der Boden unantastbarer Autorität der Vorgesetzten unsicher und schwankend, so bricht das ganze Wehrgebäude zusammen. Hier mit fester Hknd und festem Blick das Nötige durchzuführen, ist Pfli^ jeder Negierung, die diesen Namen verdient. Deutsches Do!k> wach auf! IV. Die Lage an der Westftont war Ende Oktober 1918 keineswegs verzweifelt, unsere Kampftrurwen taten hervorragend ihre Pflicht, die Gefahr eines D'.ncßb -chs wohl nicht unmöglich, so doch im Augenblick nicht zu befürchten. Was wohl die Oberste Heeresleitung drückte, war der Mangel an Ersatz, nicht weil es an Menschen» an Soldaten fehlte — nein, weil der Ersatz aus Heimat und Etappe nicht mehr kämpfen wollte, weil diese Mannschaften den Gehorsam verweigerten — meuterten! Durch den bulgarischen Zusammenbruch der Aussicht auf den Endsieg beraubt, im Westen auf dem Rückzüge, keine Aussicht auf brauchbaren Ersatz an Mannschaften, tagtäglich angeseindet und bekämpft durch die politische Reichsleitung, durch Reichstag und Presse empfahl die Oberste Heeresleitung dringend den Abschluß eines Waffenstillstandes. Wem Unrecht geschah, wer in seinen Handlungen recht hatte, die militärische oder die politische Führung, wer versagte, das zu entscheiden, kann nicht meine Aufgabe sein, bleibt der Geschichte überlassen. Während der Waffenstillstandsverhandlungen brach dann die Revolution los. innerhalb 4 bis 5 Tagen befand sich die qesammte Verwaltung. Heimathtzer, Post, Eisenbahn, Etappe usw. unseres Vaterlandes, in der Gewalt der Arbeiter- und Soldatenräte. Ja, wen trifft die Schuld, daß es so weit kam — wer hat gefehlt? Deutsche Uneinigkeit. — Deutsche Kurzsichtigkeit! Nicht ein Einzelner, nicht eine Gruppe, nicht der Generalstab. nicht die Regierung allein. Nicht allein der Reichstag, nicht allein die Presse! Nein, alle — alle. Die Ueberproduktion unseres Volkes an Kritiken, der. Mangel an Vessermachern! Durch eigene Schuld, durch die Schuld aller, ist unser Vaterland zusammengebro- chen. lächelte geheimnisvoll, rmd dies Lächeln, das die prachtvolle« weißen Zähne zeigte, verschönte sein Antlitz sehr. „Du siehst so froh aus. Jost," sagte die Mutter streichelte zärtlich seine Hand. ..Ich bin auch ftoh. Mamachen, so froh!^ ^Und dürfen wir nicht teilhaben an deiner Freude, mein Junge?" ...Doch, ihr sollt teilhaben. Ich habe euch Wichtiges M erzählen. Aber nachher, bei Tisch will ich das. Ihr seiH gewiß ion sehr hungrig?" „Sicher nicht so, daß du uns nicht schnell jetzt noch sagen kannst, was dir begegnet ist. Isst?" sagte die Mutter und eine leise Unruhe sprach aus ihren Wörtern Ihr Blick suchte Astas Augen, aber das junge Mädchen sah vor sich nieder. Auch ihr Inneres war erfüllt von Furcht, van Zweifeln, von einem geheinten Bangen. Was sollte sie hören? Jost Wolftam setzte sich neben seine Mutter. Er nahm die zarten Leidenshände der Frau in die feinen und sah ihr mit zärtlichem Blick in di? Augen. „Mamachen, du sollst etwas Großes und Wichtige« erfahren." Asta erbob sich, sie wollte still die Loggia verlassen. „Nein. Asta. bleibe," rief Jost. ..Du sollst ebenso früh Horen wie meine Mutter, was geschehen. Bist du nicht mein guter, rnein bester Kamerad gewesen in den ganzen Jahren? Bist du mir nicht wie ein« Schwester geworden," „Schwester, dachte sie bitter und weh. Nur Schwester bin ich ihm. Sie hatte es ja gewußt, immer gewußt, daß sie ihm nicht mehr war als ein lieber, ein guter Kamerad. Aber ihr heißes Herz hatte gehofft, ihm einst mehr zu werden. Doch er hatte nie das Weib in ihr gesehen, das lio» bende. das sehnsüchtige Weib . . * , , Sie fand die Kraft, ihn tapfer anzulächeln. Ach, fis ahnte, was sie vernehmen sollte. Und auch die Mutter ahnte es wohl. Fortsetzung folgt. Ittib doch nicht alle! Frei von Schuld sind allein unsere Kampstruppen. Ueber 4 Jahre haben sie treu und opfermutiq die Heimat geschützt, unbeschreiblich gelitten, übenvältigender Uebermacht an Menschen und Material stand gehalten. Jahrelang haben sie gegen die halbe Welt gekämpft, sind sie von Sieg zu Sieg geschritten! Ungebrochen kehren sie in die Heimat zurück, unbesiegt, unbezwungen vom Gegner! Deutsche Organisation, deutsche Intelligenz und Wiffen- schatt. deutsche Tüchtigkeit und deutscher Mut ließen die Welt erstaunen, erzittern, deutsche Uneinigkeit, deutsche Kurzsichtigkeit stürzten uns in den Abgrund. Wie schon wiederholt in diesem Kriege, so auch bei den Wasienstillstandsverhandlungen. brachten es deutsche Volksgenossen fertige der eigenen Regierung die Lage zu erschweren, den Gegnern Waffen in die Hand zu drücken. Die Kieler Meuterei und in ihrer Folge die Revolution, kosten unserem Staatswesen mehr an Nationalvermögen als der Wert von 3 Kriegsanleihen ausmachte. Die Herren Unabhängigen können stolz auf ihre Leistung sein, sie hatten mit Hilfe der Unterstützung der russischen Gesandtschaft gut vorgearbeitet, und dank der schon oben erwähnten Mißstande in Volk und Heer machte die Nevolution Riesenlori ^chrrne. Viel- leicht verrät uns Herr Scheidemann sp i.sr e-nmal, inwieweit er aktiv an der Vorbereitung der Revolution^ tätig war. Dann erst dürste sich ein klares Bild über sein vaterländisches Wirken und Walten während des Krieges ermöglichen. Alles, einfach alles, brach zusammen und'wieder sind es unsere stolzen Kampftruppen, die bei all dem beschämenden Elends sine ruhmvolle Ausnahme machten. Sie wo' .n nichts wissen von den Zuständen in der Heimat, sie w rcn in der Lage die Gewalt.der Diktatur zu breen; vcus* sie es nicht tun, wenn sie stillschweigend dulden gd ss'bn zur Ruhe mahnen, so zwingt sie hierzu atttt.. Ihre Liebe zur Heimat. die Liebe zu ihrem Volke sur das sie über 4 Jahre gekämpfc und geblutet ha' en. Sie wissen und fühlen, daß die einzige Hoffnung unser Land vor weueren noch schwereren und nutzlosen Opfern zu schützen, allem in der Ausrechterhaltung der Ruhe und Ordnung liegt. Man sollte meinen, daß es den Herren Volksbe- austragten (so nennen sich ?a wohl die Herren Selbst- beauslragten der prov. Regierung) mit einer derartigen Mönge geistiger Größen wie diese ihnen zur Verfügung stehen, im Lause von 6 Wochen gelingen würde, die durch die Revolution gestörte Ordnung endlich wieder herzustellen. Weit gefehlt, der Chaos wird immer größer, ein jeder tut was er will, noch nicht einmal das eigentliche Ziel der Bewegung liegt fest. Millionen deutscher Staatsbürger und -Bürgerinnen wissen heute noch nicht, was die Revolution will. Nicht das gesamte deutsche Volk in der Heimat hat revolutioniert. bewahre, diese Revolution haben einige wenige Parteipo'ttüker systematisch vorbereitet und ins Rollen gebracht. Man hat die Marine und jene unreifen jungen Burschen, die kaum 6 Wochen Soldat waren vorgeschoben und dann als man sah, daß alles unblutig verlief, die Sache persönlich in die Hand genommen. Von besonderem Mute zeugt dies wirklich , nicht! Sollte dies Cew'ihrenlassen des Treibens der Spartakusgruppe heute vielleicht die gleiche Ursache haben? Jedenfalls ist es bezeichnend, daß sich unter den Opfern der Revolution bis heute leine große Kanone befindet. . Interessant ist es auch heute wieder die Tätigkeit der Presse zu beachten, wunderbar war es, wie man in den ersten Tagen der Revolution, mit mehr oder weniger Geschick versuchte alle Klippen zu umschiffen. Das war eine gefährliche Situation, galt es doch in erster Linie der Partei gerecht zu werden und dann auch den Anschluß an die Zukunft nicht zu verlieren. Teilweise hatte man in den ersten Tagen ganz die Sprache verloren oder glaubte an das Uebergreifen der Revolution auf die Völker der Gegner. Man muß es den Führen! der Bewegung lassen, sie haben von der engl. Preß- propaganda für das feindliche Ausland viel gelernt. Die Nachrichten von der Verbrüderung der Fronten im Westen, den Zuständen auf den englischen Kriegsschiffen, vom Sturze der französischen Negierung, der Ermordung Fochs usw. ließen wirklich unser armes betrogenes Volk ' hoffen, daß die Nevolution nur zum Glücke des Vaterlandes dienen könne. ^ Diese Verbreitung unwahrer Nachrichten ist schmachvoll. Wenn man das Volk in den Versammlungen, in Der Presse lehrt, ihr seid jahrelang belogen und betrogen worden, dann ist es doppelt erbärmlich wenn man, kaum ans Nuder gelangt, selbst zu solchen Mitteln greift. Auch die stets wiederkehrende Behauptung, unsere alte Negierung hätte 1916 Frieden mit einem unserer Hauptgegner haben können usw., fällt hierunter. Derartige Nachrichten sind feit 3 Wochen in den Zeitungen gang und gäbe, inan dementiert nach einiger Zeit und das liebe Publikum fft zufrieden! Ist unser Volk in feiner Masse eigentlich wirklich so gutmütig, daß es sich dauernd eine derartige Behandlung gefallen laßt, oder ist es politisch nicht reis? Durch Lügen ist die Reoolu- rion gemacht, mit Lügen hat sie sich behauptet. Die ganze Tätigkeit der augenblicklichen Gewalthaber, ihrer Freunde uno erster Anhänger ist Lüge, mutz Lüge sein! Wollen diese Herrschaften das Volk wirtlich glauben machen, sie selbst seien überzeugt, daß ihre Anordnungen, ihre Tätigkeit, daß der von der Nevolution geschaffene Zustand zum besten unseres Volkes diene? Niemand war vor der Nevolurion über die Miß- Aande in der Heimat, der Etappe, in Heer und Marine besser informiert als gerade die Herrn Volksvertreter Der Mehrheitsoatteiea. Millionen von Briefen aus Volk, Heer und Marine ' schilderten ihnen seit 4 Jahren diese Zustände in bewegten Worten. Man konnte in dieser Zeit vier Regierungen stürzen, die Verfaffung ändern, eine Diktatur der Reichstagsmehrheit schaffen. Alles dies und noch viel mehr konnte man erreichen, nur eines konnte man nicht! All' die Mißstände in der Lebensmittelorgani- sation, all der Wucher und Schwindel in der Heimat, all das Schädliche und Unrecht im Heere blieben bestehen, konnte man nicht ändern. Vielleicht nahm die Mruisterstürzerei, die Parlamentarisierung und Demokratisierung die Herren zu sehr in Anspruch, daß man für diese Kleinigkeiten wirklich keine Zeit fand oder — wollte man vielleicht gar keine Aenderung dieser Verhältniffe? Ein Sprichwort sagt: „Im Trüben ist gut fischen!" Der Reichstag hat sich Rechte angemaßt die ihm nicht zustanden, ohne Rücksicht auf über 10 Millionen deutscher Männer in Waffen, suchte er die Neuorientierung allein nach seinen Wünschen durchzudrücken, Eine größere Zurücksetzung für den deutschen Bürger im Waffenrock läßt'sich'kaum denken. Vielleicht hat die Regierung Ebert—Haase mit der Auflösung des Reichstags ihre einzig wirklich volkstüniliche Tat vollbracht. All das andere was uns die Gewalthaber der Nevolution bis heute brachten hat schwer enttäuscht. Die Herren Kritiker von früher scheinen schlechte Vessermacher zu sein. Ja. sie kochen auch nur mit Wasser! Es scheint tatsächlich richtig zu sein, wenn vielfach gesagt wird: „Laßt sie nur gehen, se länger die Gesellschaft wirtschaftet, desto größeren Gckel kriegt das Volk an ihnen!" Die Schuld der Nevolution an den Zuständen im Heimatheere urid in der Etappe ist riesengroß. Milliar- den-Werte an Material. Lebensmittel und Bskleiouugs stücken sind verloren, Millionen tapferer Soldaten schmeißt man aus die Straße, wer gibt ihnen Arbeit und Brot?t Wucher und Schwindel blühen wie noch nie, Plünderungen sind an der Tagesordnung, die Verschwendung an Material und Lebensmittel kann auch nicht annähernd berechnet werden. Das muß zur Arbeitslosigkeit und Hungersnot, zum blutigen Kampfe aller gegen alle führen! Mit einer der schlimmsten Mißgriffe der Revolution war das Nachahmen der russischen Näte- regierung. Die Bildung von Arbeiter- und Soldaten- räten mußte verwirrend auf die Zivils und Militärorganisation wirken, selbst wenn, in ihnen allein nur Leute mit den besten Absichten tätig wären. Was uns aber die Revolution in der Heimat an Arbeiter- und Soldatenräten bescherte, ist ein Kapitel für sich und es dürste ein interessantes Buch werden, wenn ein Schriftsteller sich der Muße unterzöge. Material zu sammeln. Hinsichtlich der Zusammensetzung der Soldatenräte bei den Ersatz-Formationen in der Heimat ist nur eines interessant, die überwiegende Mehrzahl dieser Herrn Soldatenräte war. trotz vier Jahre Krieg, nie oder nur kurze Zeit im Felde. Es muß doch gefahrloser sein, mit Maschinengewehren in der Heimat friedliche Bürger zu terrorisieren als draußen dem Gegner zu imponieren. Man darf annehmen, daß diese Herren glatt auf ihre Wahl verzichtet hätten, wenn die Dienstsähigkeitsbezeichnung kv. Voraussetzung zur Wahlsähigkeit gewesen wäre. Das Uebergreifen der Revolution auf die Etappe war gleichbedeutend mit deren Auflösung. 2n Belgien und Nordsrankreich plündetten einzelne Etappenforma- tionen die Lebensmittel- und Vekleidungsdepots. Man verkaufte Gewehre, Maschinengewehre, Ausrüstungsgegenstände usw. an die feindliche Bevölkerung. Ganze Eisenbahnzüge wuroen ausgeräubert und verkauft. Zu Hunderten ließen die Etappenmannschaften alles stehen und liegen und fuhren zurück in die Heimat. In Warschau gingen das Leute-Berpflegungsdepot und das Bekleidungs'depot (Milliardenwerte) der gesamten Ostfront an die Polen verloren. Verlief die Revolution in der Heimar fast unblutig, so darf nicht vergeffen werden, daß in Belgien und Polen, in der Etappe noch mancher Deutsche bluten und sterben mußte. Zn de» Wahlen. Bad Nauheim, 29. Dez. Am Samstag, den 28. Dez., sprachen auf Einladung der in Bad-Nauheim anwesenden Offiziere Herr Profeffor Dr. Weber und Herr Rechtsanwalt Dr. Bracher, Bad-Nauheim, elfterer über die allgemeine politische Lage, letzterer über die Ziele der Deutschnationalen Volkspattei und das neue Wahlrecht. Beide Redner ernteten den reichen Beifall der zahlreichen Zuhörer, von denen ein großer Teil sich sofort der Partei (Ortsgruppe Vad-Nauheim) anschloß. Hoch-Weisel, 27. Dez. Am 2. Weihnachtsfeiertag nachmittags 2 Uhr fand in der Wittsthast Dilges zu Fauerbach v. d. H. eine sehr gut besuchte Wählerver- sammlung der hessischen Volkspattei statt. In längeren trefflichen Ausführungen legte Herr Seminarlehrer Leuchtgens-Friedberg das Programm der Partei dar. Er zeigte, mit welchen Mitteln das heutige Deutschland sich neu ausbauen kann. Die Versammlung zollte dem Redner reichen Beifall. In der anschließenden Diskussion wurden einige Anfragen erläutert. Nachdem Herr Bürgermeister Diehl-Hochweisel noch das Wesen der tieueii Wahlordnung erklärt und zur Unterstützung des Wahlvorschlags der hessischen Volkspartei ausge- fordett hatte, schloß die sehr anregend verlaufene Versammlung. Aus der Helmal. Friedberg, 30. Dezbr. Die Herren Beigeordneten und Stadtverordneten werden zu einer Sitzung aus Dienstag, den 31. D. M., nachmittags 4 Uhr ergeben^ eingeladen. Tagesordnung'. 1'. Protest des Arbeite» und Soldatenrates gegen die Vürgermeisterwahl. Friedberg, 30. Dez. (Bürgermeistenvahl.) Geg*n ds« Beschluß d?r Stadiverordnetenmrsammluna. die tung zur Wahl eines Bürgermeisters zu treffen, hat der f>ie» fieje Arbeiter- und Soldaten rat, d^m das Kontrollrecht über die Handlungen der Stadtverordnetenversammlung zustthtz Protest erhoben. Er ist der Ansicht, es sei nicht angängig, daß Stadtverordnete, deren Mandat abgelaufen ist. in einer für die Stadl ft wichtigen Angelegenheit Mitwirken. Im Nebrigen wttd in Folge der Umgestaltung der poli1isä)«V Verhältnisse der Versammlung vor einer gänzlichen Erneue-- rung dieser, das Recht abgesprochen, diese Maßnahme zu treffen. Die Angelegenheit ist der Vorgesetzten Behörde zu? Entscheidung überwiesen. Zwecks Verhütung von Ruhestörungen und 2h» fällen durch Schießen in der Neujahrsnacht, erläßt der hiesige A. und S.-Nat folgende Bestimmung: Jegliches' Schießen in der Neujahrsnacht ist strengstens vszbc'cii Zuwiderhandelnde werden unweigerlich bestraft. Der Sicherheitsdienst der Stadt wird in dieser Nacht durch Patrouillen verstärkt, die angewiesen sind, jeden Ruhestörer fest zu nehmen. 2n Anbetracht dessen, daß sich in der Stadt Lazarette befinden, deren Verwu-tt.-ft n:io Kranke unbedingt der Rühe bedürfen, sowie Büros und Behörden militärischer Art, die die Rächt noch zur Bewältigung ihrer Arbeit hinzunehmen müssen, ist diess Verordnung ein Gebot der Stunde,- ganz abgelebt w von den Unsällen, die durch Schießereien paffirr. u können. Es wird ausdrücklich betont, daß das Ab« schießen von scharfer Munition, werfen von Handara» naten usw. strengstens geahndet wird, zumal Bc'ehle zur Verhütung solcher Leichtsinnigkeiten schon von höheren Stellen ergangen sind. Persönliches in den Hintergrund! DiePrefftabftttnng des hiesigen A.- und S.-Rates ersucht rms-mn A'ufnahme folgenden Artikels: Wenn nicht alle Wahl c -.tt-li' T.t trügt, müssen wir darauf gefaßt sein, daß in den rtca M -cn Wochen, ja Tagen, die Waffenftillstandsverha 'Mvv n abgebrochen werden und die Entente Grund su t, neutrale Zone und Gebiet darüber hinaus zu besetze--. Wir müssen aufs Entschiedenste alle persönlichen Momctte in den Hintergrund stellen, da wir schon die trauu -c Wahrnehmung machen mutzten, daß gerade ein grB Teil unserer Arbeiterschaft die Idee der Nevolutton hauptsächlich als Bewegung ihrer Lohnforderung ansi >. Ausdrücklich müssen wir betonen, daß Warnungen c-> lassen sind, und daß die Gestaltung der Dinge in drn nächsten Tagen unbe^' ' das Konto dieser unbesonnenen Elemente . Wir verlieren durch solche Klei igkeiten, .e es er- meistens in Wirklicher sind, die Ueberstcht über d Gesamte der Bewegung und machen nochmals ausdrücklich darauf aufmerksam, gegen alle Gerüchte und Schwatzereien energisch Front zu machen, da sie die Gesamtlage aufs Aeußerste ßr- sährden. Gießen, 24. Dez. Der Einbrüchen in hiesige Lazarett» wurden erhebliche Mengen an Lebensmitteln und Zigarren erbeutet. Auch eine Klinik wurde ausgeplündert. 8r. Hanau, 27. Dez. Bekanntlich sind durch einen Erlaß des preußischen Ministers für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung die Schüler und Schülerinnen der höheren Lehranstalten aufgefordert worden, Schülerrärs zu bilden. Die Schüler des hiesigen Gymnasiums haben auf dieses Selbstoerwaltungsrecht verzichtet. AuS Starkcnburg. Eberstadt, 27. Dez. Hier fand gestern früh ein Hühner» bentzer die Köpft seiner sämtlichen 19 Hühner vor dem StaL liegend.- frisch abgehauen vor. Der oder die Diebe konnten! mit ihrem gerade jetzt wertvollen Diebesgut das Weite fin* den, ohne das man bis jetzt eine Spur entdecken konnte. Michelstttdtz 27. Dez. , Fn der außerordentlichen Generalversammlung der hiesigen Spar- und Darlehnskaffe wnrds einstimmig die Umwandlung der Kasie in eine solche mit beschränkter Haftpflicht beschlossen. An Stelle des verstorben neu Herrn Prof. Dr. Honig wurde Herr Windisch einstimmig als Direktor gewählt, als Aufsichtsratsnntchied Herr Baumeister Meyer. AuS Minnliesstv. Mainz, 27. Dez. Hier hat der französische KoMmandant für Lebensmittel die Prerft wie folgt festgefttzt: Ochsen* fleisch das Pfund 2 M.. Schweinefleisch 1,80 SR*., Kalbfleisch 1.80 Mk.. Pferdefleisch 1 M., Blutwurst und Sülze 2 Mk., Wuifft 2.20 Mk., Hühnerfleisch 1.50 Mk., eine Gand (lebeich) 19 Mk. das Stück, eine. Ente 11 Mk., Eier 35 Pfg. das Stück, Butter 5.50 Mk. das Pfund, Milch 45 Psg. das Liter, der Laib Roggenbrot 2200 Gramm kostet 1 Marck. Auch für Getränke wurden Höchstpreise festgesetzt und zwar für Bier 40 Psg. das Wer. für gewöhnliche Weine 4—5- Mark und für beffere Sorten 10—12 Mark. , NuS Äurheffeu. Kassel, 24. Dez. (Beim Plündem erschoffen.) Aus dem Verschiebebahnhos erbrachen nachts drei Soldaten Eüterzugwaggons und versuchten sie auszurauben. Su wurden, wie die „F. N." benchten, von Wachtposten bemerkt und erjchoffen. Verantwortlich für den politischen und lokalen Hirsche!, Friedberg; für den Anzeigenteil: C. Schmidt Friedberg. Druck und Verlag der „Storni rageszeituns*, A. Friedberg i^H. Weihnachtsabend gegen 7 1 /* Uhr entschlief sanft nach mit Geduld geirag«. nem Leiden un\zt lieber Onkel Die Beerdigung fand bereits statt und danken wir allen für Me Beweise herzlicher Teilnahme. Büdesheim, Friedberg-Fauerbach, Vauernheim. Die trauernden Hinterbliebenen 2. d. N.' Aug. Schaub. Ankauf von Unsere Baak bleibt bis auf weiteres Dienstags nachmittags geschlossen. Ländern. Kess. conc. Laiittasbank FiliaSe Friedberg. st iteim Stricbwesten Strümpfe Soeben Hemden u. viele anJ. Artikel. CSementine Stern, Frie«lber£, Kalserstr. 51, gegenüber der cnrel-.Apotiicke Jivii Die Gemeinde Burg-G äfen- rods beabsichtigt, ^wei iprung- fäi.i-»e Eber im Alter von 6 und 10 Monaten anzukaufen Besitzer solcher Tiere trollen ihre Angebote bis fr'älesiens 6. Januar 1 1> bei un:er eichneler Bürgermeisterei e nreiti en. ^LTL-Graiesrode, Len 39 Dez. 1918. Die Bürgermeisterei: Hahn. c. G. m. b. H. Hanau a. M. (Kornhans Hanau) Bilanz per 30. Juni 19*3. sehr wachsamer Hund, zu ver- fou'en. Hichard i öi eu. 6 nifüt Ltt SüHüro., 23 7ahre, sucht Stelle als Volontär cur größerem o'aut. Oiterten unter 14. 8Z- GO« an iie Ee chäftsstelle Cer „Neuen Tau s-eitnn'^. Tuch leer lif€ii 9 der schon leii Kindheit den Bern a rsgeüvt, suc!',i eine gjlte Scha.erstelle. Näheres bei . Gck!-arat Müller. Do clsang. Kreis Schwetm. Am runden Teich 51. Aktiva. Kafla-KonLo.... Konto-Korrent-Konto..Debi toren" . . . Waren-Konto . Getreide-Konto . Sack-Konto . . Gebäude-Konto. Grundstück-Konto Maschinen-Konto Geschäftsanteil-Konto „Hei senland" Geschäftsanteil-Konto „Hes senbank" . . Effekten-Konto . Mobil ien-Konto Pserde-Konto , Fuhrpark-Konto. 80 040 284 368 108 692 38 072 51000 133 400 22 686 18 600 25 00Q, 40 0 0 59 319 1 1 1 4 37 50 45 78 71 Passiva. Konto-Korrent-Konto „Gredi- toren". Hypotheken-Konto.... Geschäftsanteil-Konto. . . Kriegsgewinnsteuerfonds- Konto. Neservesonds-Konto . . . Betriebsrücklage-Konto Dellrederefonds-Konto . . Penstonsfonds-Konto. . . Kontroll.onds-Konio . . . Emeuerungsfvnds-Konlo . Gewinn. 534 390 115 298 34 900 29 218 71 698 16 766 17 216 7 000 7 233 • 774 22 686 75 857 182191 857 182(91 LandrvirLschaftl. Ein- und Verkaufs-Genossenschaft t. E. m. b. H., Hanau er. M. _IM. Herch e n rö k b er. ge'. Thylmann. T chliqcr lOcröeluicdjt für alle landw. Arbeiten, und L f*" für's Haus, welches einige Kühe me te*i lar.n, 10 0 t ge ucht. LOeiS^gnt Schlapnmühle, Usin--cn i. T. Suche loiort eine tüchtige Msnatsfrau oder Mädchen für vor- ünd Nül'mittags, ^rie^erq. Lismarck raste 2g!. ■n\ hrge Beam.cn airn tc, 3 Personen, such: per io,ort oder 1. Aplti ^ 3—5*3i:iirfr7jcüfnrn<*. Off. sind zu richten an die Ge- schäz .sstelle der „Neuen Lag,esz g. Kenannimnchnng. Die Veranstaltung von Tammnsrlt ju verlaustn. Ädam Jung, Dorn-Assenhelm. Eine gu:e Fahrkuh Luter zwc» bie Wohl, zu verlausen He.nr ch Stüber Ul.. _ Wöl fersheim. SiiiUntartci rÄ r ptw ^nrnniufi SttAftfi«. $ nil*. luuuuiiuiiauumiiiujiüituimiiiiuitufuuimaiimi'iimiiiuiiimiuitiiiiuuiiimiiiiiiiiiiiiiiiiimiitiiiiiiiiiiiiuiituuütuumiiiuiuuuiuuiiiiiiiiiuuiiuintiunjiiu I^refctimaorchLinesi. ISfleDQCgr? g^csMcsJJcBiPd dßE&XBiP SM1 <3X5X0 Die Wahllisten für die am 19. Januar 1919 stattfindende Wahl zur verfaffungsgebenden Deutschen Nationalversammlung liegen von Montag, d?n 39. Dezember 1918 bis Montag, den 6. Januar 1919, beide Tage einschliestli h, aus dem Stadthaus, Zimmer Nr. 4, zu Jedermanns Einsicht offen. - Die Offenlegung erfolgt von 8 Uhr vormittags bis 1 Uhr nachmittags: am Mittwoch, den t. Januar und Sonntag, den 5. Januar 1919 jedoch nur' von 8 bis 12 Uhr vormittags. Ein'prachen gegen die Nichtigkeit und Vollständigkeit dieser Listen sind bis zum Ablauf der Offenlegungs- ftist bei Meldung des Ausschluffes schriftlich oder mündlich zu Protokoll bei der Bürgermeisterei zu erheben. Friedberg, den 27. Dezember 1918. Lee Bürgermeister: I. B.: 'D n ni m. Pferde-Versteigerung Am Dienstag» den 31. Dezember 1918 kommen in Roäenberg 219 Pferds schweren und leirhten Schlagedarunter belgische Arbeitspferde, die zu landwirtschaftlichen Zwecken gut geeignet sind, des Jni.-Negls. 186 zur Versteigetung. Stall- Halfter und Anbindeketten find mitzubringen. Teilnehmer an der Versteigerung müssen durch behördlichen Ausweis dartun, dag sie keine Händler sind und die Pferde zum eigenen landwirtschaftlichen Betriebe benötigen. !. Cr!. Ka!. Int.-Re--. 168 Demoü.-Abt. Aktiva. Kasseliestand Wer papiere Ge'chas.snuthaben bei Genossenschaften Bank-Guthaben in laufender vtechnur g *, „ Kündigunos-LMlagen Guthaben tn lausender Rechnung bei Genossen Dtt. 51133/3 Guthaben in laufender Rechnung bei Vcreinen IC. Mk. 23"45.59 Dar'ehen aus Schuldscheine Hypo: de len Kauf cyillinge 6235.12 Mk. 192580.93 „ ( 0 .00 „ 39150,31 , 24 »00,00 75370,42 Mk. 3.6S .00 „ 94594,7b „ 21190,00 „ 10382,30 .. 212,25 Mk. 3839,83 Ml. 49b 4 , 54 .. 6240,00 „ 306950,81 Mk. Zrmenreste, jäNige Mio-)'und vorausbe ahlte (Passiv-) Zin en Ausstehende Gerichtslosten Summe der Aktiva jui i,> yjq, Passiva. Reservefonds Bttnedsrürkiage Ge-chäfisgmhaben der Genossen Lpareinla en Mk. 3>.6950.81 Anlehen von privaten gegen Schein ^chulo in laufender Rechnung: a an Genossen Mk. 5262 >.93 b an Sere ne 2C. „ 174-0.87 70110,80 Mk. Unerhobene (Passiv-) und vorausbezahlte (Altiv-) Zinsen 9<873.75 Mk. Summe der Passiva 401999,( > .uu. i eingewmn 1> 18,43 „ Ge^am'kassenumsatz in 1917 Mk. 763846,50 Mitgltederstand Ende 1916: 130 Zugang in 1917: — Abgang in 1317: 3 Mirgliedersland Ende 1917: 127. Griedel, Len 30. November 1918. Spar- «. Darlehenskaffenversißz e. G. m. xu H. Bissel. Wetz. Ohly. Neujahrskarten Neujahrspostkarten Kalender Buchhandlung Friedr. Streckfust, Friedberg.