Nummer 301 Unjchms gl Montag, den 23. Dezember 1918 ZI. Jahr-Hang. vif i?ayrs)eitung" erscheint icoeu Wertt«'. Reaelmomge BeUagen „Ser Kauer aus Kessen". „Die Z-pmnaubr". Bezugspreis: Bei den Boftanstalten vrerkelkährUch Ml. 27 s hinzu txitt noch das Bestellgeld: bei den Renten monatlich 1.00 Mk. einschließlich Tragerlohn. Anzeigen: Grund',eile 25 Big., totale 20 i>ra„ Anzeigen oon auoniuits -occöcr, durch Bdünachnahm^ erhoben. Erfüllungsort ^riedbera. Schrifileitrrnn und Lkerlng llriedberq f'oeuen), ^anaurr traße 12 . ^srn'vcscher iS. 'Os L; tzeS-Tonto Sr-. Uinr ^eoallurt c M' Gin deutscher Protest. Berlin, 22. Dezbr. Der französische Platzkomman- irant von Höchst ordnete an, daß der gesamte Verkehr zwischen dem besetzten Gebiet und der neutralen Zone, also auch zwischen Höchst und Frankfurt a. M. völlig gesperrt wird. Arie erteilten Pässe sind ungültig erklärt worden. Die Franzosen rissen in der Grenzstadt Nied die Schienen aus. Hierdurch entsteht in den Vororten Frankfurts in kürzester Frist Arbeitslosigkeit. Die französische Besetzung ordnete gleichzeitig die Gestellung von Geiseln an, welche das Wahlverhalten der Arbeiter gewährlei ten sollen. Gegen diese Verordnung, die zum Wortlaut des Waffenstillstand^abko.nmens in Widerspruch steht, ist Protest erhoben worden. Die deutsche Waffenstillstandskommission. • Die deutsche Waffenstillstandskommission teilt mit: Der Vorort Ried bei Frankfurt a. M. ist gestcrn von den Franzo.en besetzt worden. Entgegen den Zusagen von Fach verfügte der französische Ortskommandant, dag alle männlichen Personen, die nicht bereits vor dem Krieg ansässig waren, interniert werden, wenn sie sich nicht innerhalb 43 Stunden entsernen. Diese Anordnung tiifft eine große Anzahl Effenbahnbeamte, und viele hundert Arbeiter der dortigen Hauptwerk- stälte, der größten sür die Entente arbeitenden Lokomo- livwerkstätte, die dadurch vollständig lahmgelegt wird. Diese Maßnahme macht es Deutschland unmöglich, die in Trier übernomniene Ablieferung von Lokomotiven durchzuführen. Von der Waffenstillstandskommission in Spaa ist Protest eingelegt worden. Die deutjche Waffenstillstandskommission. 15 Geschütze ab. Die Stimmung unserer Truppen ist gut. * Von der Heeresgruppe Mackensen kamen anfter der 11. Armee Teile der 2*8. DivNon. 226. Division, der 7. Landwehrdivision und der 16. Landwehrdivision in Deutschland an. Drts Kaiserpaar. Haag. 21. Dez. Der Krankhei'szusiand der Kaiserin ist derart, daß sie wohl kaum d^s neue Jahr erleben wird. Sie hatte vor einigen Monn eu einen Schlag- aniafl erlitten, auch ma ' te ihr Herzleiden während der letzten aufregenden Wochen, als die Auslie erungsftage in der Oeffentlichkeit behandelt wurde, starke Fortschritte, wodurch eine schwere Rervendepr ssion hinzut aft die den Zustand der Kaiserin auf das bedenklichste beeinflußte. Der Kaiser ist ebenfalls ernsthaft erkrankt Sein Ohrenleiden hat sich erheblich verschlechtert-, und es besteht die Gemhr, das; es auf das Gehirn übergre' t Beim Kaiser sind ebenfalls nervöse Erscheinungen als Folge der Aufregungen festzustetlen. Der amerikanische Ftstieuhrm» Annapslrs, 18. Dez. (W. B.) Reuter. Marinesekretär Daniels sagte ineinerRede, die amerikanische Flotte müsse größer und stärker werden, barnit die Vereinigten Staaten in der Lage seien, einen ebenso gros en Anteil an der internationalen Polizeiflotte Leizutragen, als irgend eine andere Nation. Daniels fügte hinzu, er hoffe jedoch, daß die Friedenskonferenz mit dem Wett- bau von Kriegsschiffen ein Ende machen werde. Attstj.ümrg drr Grenzsperre nach tz isasz-Lottrrrnaen. Berlin. 20. Dez. Auf deutsches Drängen wurde ole jranzösis i e Grenzsperre über Elsaß-Lothringen sür die demobilisierten Elsaß-Lothringer am 14. Dezember ausgehoben. Die demobilisierten Elsaß-Lothringer können daher jetzt in die Heimat zurückkehren. Deutsche Waffensii.tstandskommission: Staatssekretär Erzberger. Die neutrale Zone. V-kUn. 20. Tez. (W. V.) Die Einte item 3 der 10 Kilometer breiten neutralen Zone erfolgte entsprechend dem Vesatzungsgebiet der alliierten Truppen so, daß vier Abschltitte entstanden: Abschnitt 1 umfaßt das Gebier der hosiändisrhen Grenze bis zum Nordrand des Bruckenkop.es Köln bei Raingen. Abschnitt 2 das sich daran schließende Gebiet bis zur Ecke zwischen dem Brückenkopf Köln und Koblenz ausschließlich Honnef, Abschnitt 3 gehr bis zur Ecke zwischen den Brückenköpfen Koblenz—Mainz einschließlich Lorch. Abschnitt 4 umiatzt die ganze neutrale Zone von da ab bis zur Schweiz. 2m Abschnitt 1 ist dvr Sieder Kommandantur Wesel. Die Besatzung besteht aus einem Balall- lon Omanterie in We>el, einem Bataillon in Düsseldorf sowie einer Eskadron in Wesel. Die Kommandantur des Abschnitts 2 ist Wipperfürth. Die Besatzung besteht aus einem Bataillon Infanterie in Remscheid, einer Eskadron in Wipperfürth und einer Eskadron in Litorf. Die Kommandantur für den dritten Abschnitt siegt in Westerburg. Die Besatzung setzt sich aus einem Bataillon Infarttene in Hachenburg, einem Bataiuon ln Limburg und einer Eskadton in Westerburg zusammen. Die KonlmandaNlur des letzten großen Äbjchnit- tes ist in Karlsruhe. Die Besatzung besteht aus einer Eskadron in Homburg, einem Bataillon Infanterie m Frankfurt, einem Bataillon Infanterie in Darmstadt, emer Eskadron in Darmstadt, einem Bataillon in Mannheim, einer Eskadron in Schwetzingen, einem lataiuon in Karlsruhe, einer Eskadron in Karlsruhe, einem -uatarUon in Lahr, einer Eskadron in Lahr und nner Eskadron in Müuheim. pte non JHonirnrra K*it Sftli fii. Agram, 21. Dez. Delegierte der montenegrinischen Skupschtina haben gestern in Belgrad die Vereinigung Nkontenegros mit Serbien formell konstatiert. Ist das Freiheit? Berlin, 17. Dez. Eine auf gestern Abend von der Demokratischen Partei einbetuiehe große Akadeinll - Versammlung, in der Tr Hohmann über die Studentenschaft und die politische La^e sprach, nahm einen bewegten Verkauf. Nachdem in der Diskussion die Ho.h- schu llebrer Prozessor Marcks und Pro effor Sauerbrunn dem ^Referenten in der Betonung der vaterländischen Pflichten und in dem riickhaltlo'en Bekenntnis zur Einheit des deutschen Reiches zugestimmt hatten, kam in der wei'errn Debatte u. a. auch der Sekretär des Ministerpräsidenten, Fechenbach, zum Wort. Die Bemerkung dieses Redners, der Krieg sei nicht in Petersburg, sondern in Berlin gemacht worden, rief in der Versammlung hes'.ige Erregung hervor. Sie wandte sich auch gegen eine inzwischen erschienene Abteilung von Soldaten und Matrosen, die den Saal daraufhin zunächst versießen, jedoch, mit Handgranaten und Gewehren bewaffnet, in drohender Haltung zurückkehrten. Ein großer Teil des Publikums drängte nun in panikartiger Flucht den Ausgängen zu. Erst nach geraumer Weile legte sich der Tumult, und Dr. Hohmann konnte vor halbleerem Saal das Schlußwort sprechen. Frankfurt a. M.. 17. Dez. Als in der heutigen Sitzung der Stadtverordneten sich die Demokratie darüber beschwerte, daß ein Flugblatt, das sich gegen ihre Partei richten werde, aus öffentlichen Mitteln gedruckt und verbreitet wurde, beanlwoit.lle der Sozialdemokrat Zietowski; Der Arbeiter- und Soldatenrat müsse das Recht haben, dafür Propaganda zu machen. Wer die Macht hat. hat auch das Recht. (Lebhafte Heiterkeit und Widerspruch.) Wir haben heute die Macht und nützen sie zunächst zur Festigung der sozialistischen Republik aus. 2m Krieg wurden alle möglichen Pkakate auf Staatskosten ausgehängt und niemand protestierte dagegen. Der Rückmarsch der Oftarmee. geräumt. An großen Teilen der O, ront drmgen in ogenem Hoyn auf alle Erklärunqe c>nd ^ertrage reguläre Sowjettruppen nach und versuche ne Bevotterung zu lerrorijieren. In der Ukraine wurde intere Truppen bei Sarny, Shiiomir, Boroiijchem ü n ^eimerinoblaw in Kämpfe verwickelt, da die Boljch v.pc.r dw Auiransporte hinderten. Unsere Truppe ganz geringen eigenen Verlusten überall jie> -ei«). Lte, Skntsmir nahmen wir den Bolschewist« Dnttlches Uolk, mach auf! *) i. Nun sind sie wieder zurückgekommen unsere Kampftruppen, die Helden von der West- und Ostfront, vom Balkan, Kaukasus, Kleinasien und unseren Kolonien. Unsterblichen Ruhm haben sie an ihre Fahnen geheftet und Kind und Kindeskinder werden, nein, so lange *) Wir bringen diese Betrachtung eines einfachen schttchlen Mannes, eines geborenen Wetterauers, der den Felvzug dis zuletzt auf dem Balkan mitgemacht hat, als em wertvolles Etim- Z. mnngsdlld zur allaemelne» Lage. auf Erden noch ein Mund deutsch spricht, wird er die Taten unserer Kampftruppen preisen. Was unsere Kampftruppen, Führer und Mann, in diesen 4 1 /* Jahren Krieg geleistet Hab n, wird und kann ihnen kein Heer eines anderen Volkes nachmachen. Wer denkt nicht heute Zurück an die Tage vor 4*/* Jahren, an jene Augustrage von 1914. Wie blitzten da die Augen, wie klangen da die allen deutschen Kamps- und Vaterlandslieder, mit welcher Begeisterung opferten sich unsere Freiwilligen-Vataillone. Fa t 2 Millionen der Besten unseres Volkes ruhen in fremder Erde, opferten sich sür die Heimat, an rier Millionen bluteten und andere Millionen unserer Soldaten kehren mit siechem Körper zurück. Nun kommen sie wieder unsere Kampftruppen «— unbesiegt — und do h ist der Krieg für uns verloren. All' die Strapazen, all' die Not, all' das Leid, all' das Heldentum unserer Soldaten, all' die Entbehrrm^en, all' die Witwen und Wallen, all' die Krüppel in der Heimat, alt' die Taten, alles, alles umsonst. Kaum faßbar ist es, wie ein Alp wälzte es sich I auf die Seele des deutschen Volkes. Konnte, mußte es wirklich fo weit kommen? Wie war dies möglich? Ungebrochen stand bis zum Waffenstillstand die Westfront, der bulgarische Zusammenbruch reißt die Türkei und Oesterreich-Ungarn mit sich, damit war der Krieg auch für Deutschland verloren. Demjenigen, der das bulamifche Volk kannte, kam dessen militärischer Zusammenbruch nicht unerwartet. Nicht Sympathie oder Liebe zu Deutschland ver- anlaßte die bulgarische Regierung, als unser B mdes- genosse mit in den Kampf einzugreisen, Bulgariens Kriegsziel war allein Rückeroberung früher verlorener Gebiete und Aufbesserung seiner finanziellen Lage durch Empfang einer entsprechenden Knegsent chädig ng. Ter Bukarester Frieden enttäuschte die bulgarische Regierung, Volk rmd Heer. Das bulgarische Volk erlebte durch den Vukarester Frieden die dritte große Enttäuschung mit seinen jeweiligen Verbündeten. 2m Jahre 1877 leisteten die aufständischen Vulgaren den Ruffen Waffenhilfe gegen d-e Türken und zum Danke wurde ihm durch Rußlands Druck die Nord- Dobrudf-Ia zugunsten an Rumänien vorenthalten. 2m ersten Balkankriege 1912 verblutete sich Bulgarien für feine Verbündeten; Serbien, Lkontenegro und'Griechenland. Beim Friedensschluß kam es zu Differenzen zwischen den Verbündeten und Bulgarien wurde im zweiten Bakankriea gezwungen, an Serbien und Griechenland Akazedonien und an Rumänien die Süd-Do- brudscha abzutrelen. Fast sieben Jahre ununterbrochen stand Bulgarien im Kampfe, da kam die dritte und schwerste Enttäuschung. Sieben Jahre schwerster Opfer an Gut und Blut lagen hinter diesem Volke von nur 5 RtUlionen Menschen und wieder war alles umsonst, da ging eine Welle der Empörmtg gegen Deutschland durch das bulgarische Volk, genährt und geschürt durch englische Preß- propaganda und amerikanisches Gold. Ein bulgarischer Ossizier machte Sä.reiber die es gegenüber bei einer Unterredung kurz nach Abschluß des Vukarester Friedens folgende Bemerkung: „Es ist uns Vulgaren unsaßbar, was geschehen ist, glaubt denn der deutsche Reichstag wirklich, dag er das Recht habe, uns, dem freien Volke der Bulgaren, Vorsck,riften machen zu können und uns zu zwingen: einen Frieden ohne Kriegsentschädigung und ohne Annektion schließen zu müssen. Uns, ihrem Verbündeten, geben sie nichts, dem Feinde geben sie Veffarabien mit 3 Millionen Menschen und eine Kriegsentschädigung in Form einer Rente aus seine Oelselder. Die Folgen dieser Handlung werden nicht aus- bleiben, ihre Regierutlg und ihre Reichstagsmehrheit werden diese tragen müssen." Die Väter des allbekannten Reichstagsmehrheitsbeschluffes, der den Ver- ständiaungsfrieden, den Frieden ohne Entschädigung und ohne Anektion bestimmt, sind heute Minister, die Folge dieses Beschlusses trägt das gesamte Deutsche Volk. Der Mangel eines überragenden politischen Führers brachte es mit sich, daß Reichstag und Presse, seit Bismarcks Abgang, die Organe wurden, welche unser Vaterland, die deutsche Reichsregierung, in den Augen des gesamten Auslandes immer mehr und mehr herab- setzten und schlecht machten. Erbärmliches Parteigezänk, Prinzipienreiterei und Pressedrescherei bilde- den die Haupttätigkeit unserer Berufsparlamentarier und Zeitungspolitiker. Kurzsichtig und weltfremd stand diesen Herrerr Abgeordneten, Parteisührern und Presse- Politikern die Partei höher als das Vaterland. Daß die Tätigkeit von Reichstag und Presse nichi ohne Wirkung auf das derrtfche Volt blieb, ist selbst Verständlich. Man kann ruhig sagen, unser ganzes Volk winde ollmählig vollständig politisch vergiftet. Für jeden kleinsten Fehler und Mangel machte man die Neaierung verantwortlich, all das Gute, welches uns unser Vaterland bot, nahm man als selbstverständlich hin imd schließlich in den Jahren hin vor Kriegsausbruch gab es viele Deutsche (nicht allein Geldleute, Fürsten und Junker), die nicht wußten, wie gut es ihnen ging. All dicker Parteihader und die sprichwörtliche deutsche Uneinigkeit wurde von den aut organisierten und im Solde ihrer Regierungen stehenden Pressen Englands und Frankreichs auf die raffinierteste Weise und zum Schaden unseres Vaterlandes ausgenützt. Es wird wenige Deutsche geben, die sich seit 1914 Nicht schon oft gefragt haben, warum haben wir eiaent- lich so wenig Freunde unter den Völkern der Erde. Ja, jeder Staat ist doch in Wirklichkeit nur eine große Familie. Sind in emer Familie die Kinder unter sich Und diese wieder mit den Eltern und schließlich diese selbst unter sich uneinig und machen sie sich gleichzeitig bei i fiten ? acbbarn oegenseittg schlecht, so wird diese Familre, ja jedes einzelne Familienmitglied, bei den Nachbarn in einen schlechten Ruf geraten, selbst wenn sich kein Mitglied der Familie je etwas wirklich böses zu Schulden bat kommen lasten. Freundschaft wird jedenfalls niemonb einer derartigen Familie enlgeoen- brinoen. Alck die (SRogworte der Gegner, wie Barbaren. preuchscher Militarismus, Junker u. s. w. sind deuts!' en Ursprungs und wir dürfen uns heute nicht wundern, wenn er ste für seine Zwecke gegen uns ausnutzt. D^e Kurzsichtigkeit b^r Parteipo^itiker und der deutschen Presse trägt o^ne Zweifel mit in erster Linie ^rould an die em Krrege. Ob und wie weit die alte deutsche Regierung und der Kaiser am Ausbruch des Krieges Schuld trifft, kann erst festgestellt werden, wenn auch die Tehermakten Frankreichs, Englands, Italiens. Amerikas.^ Serbiens. Rumänien^. Japans u. s. w. der Oeffentri-Reit zur Kenntnis gelangen. Vorerst ist es Ärgere Pflicht, die Frage der Schuld unserer alten Regierung und des Kaisers mit der äußersten Vorsicht zu behändern, denn durch das Herausreißen »einzelner Mon.e"te und Tatlachen au^ der Eesamthondlung kann leicht f fi falsches Bild entstehen. Die Geaner taten al.es und werden altes ausbieten, die Schuld am Aus- biuch des Krieges auf unsere Regierung abzuwälzen. Gelmgt ihnen d-es. obne daß es den Tatsachen ent- durch unsere Schuld, so sind wir auch moralisch aus Gnade und Ungnade in deren Hand gegeben. . Die Gegner brauchen in diesem Moment keine weitere moralKche Rüchstcht auf die Neutralen zu nehmen And können ihre Forderungen ins Unermeßliche steigern. Rach alledem, was bis heute über die Schuldfrage bekannt geworden ist. muß der objektive Beobachter zu- geben, daß der Beweis der Schuld unserer alten Regierung lind des Kaisers nicht erbracht ist. Daran andern auch die letzten Veröffentlichungen Kurt Eisners mchts. Die Schuldfrage über die Ursachen und den Ausbruch des Krieges muffen wir späteren Taaen überladen und die Weltgeschichte wird auch hier ihr Urteil fallen. Anders steht es mit der Schuldfraae über den Zusammenbruch unseres Deutschen Vaterlandes. Die direkte Ursache b'eöt ohne Zweifel, wie schon oben gesagt, der Durchbruch der bulgan chen Front. Will man von der Schuld am Zusammenbruch sprechen, so muß man weit zurückgreifen, wenn man obfekriv bleiben will. In erster Linie ist es wohl die lange Dauer des Krieges. Stellt man sich nun die Frage: hätte die lange Dauer des Krieges vermieden werden können, fo lehrt uns der Verlauf desselben, daß wir diese Frage heute mit ja beantworten müssen. Die parlamentarisch regierte Republik Frankreich mit 38 Millionen Einwohnern nützte ihre gesamte Volkskraft aus und schuf sich ein stehendes Heer, welches 1914 über 750000 Mann zählte. Man besaß dort die beste Artillerie der Welt und führte kurz vor Autzbruch des Krieges die dreijährige Dienstzeit ein. Längs seiner ganzen Grenze gegen Deutschland, von der Schweiz bis zum Kanal, schuf es stch einen fast unüberwindbaren Festungsgürtel. Wenn außerdem die Republik Frankreich an die absolute Monarchie Rußland rund 20 Milliarden Francs auslieh, so geschah dies etwa nicht aus Liebe zu Rußland, sondern um sich Rußlands Waffenhilfe zu sichern. Wie aus den veröffentlichten russischen Ceheimakten ersichtlich, wurden diese Milliarden Rußland unter der Bedingung geliehen, daß-Rußland einen Teil dieser Gelder zum Ausbau seines strategischen Vahnnetzes gegen Deutschland und Oesterreich verwende. So hat die Republik Frankreich im Frieden alles getan, um ffch für den Krieg vorzubereiten. Seine männliche Bevölkerung mußte bis zum letzten Mann heran. Materiell und finanziell hat man dort rieffae Opfer gebracht, und es war eine wirklich hohe Versicherungsprämie, die Frankreich im Frieden gegen und für den Kriegsfall geahlt hat. Was tat die konstitutionelle Monarchie Deutschlands mit ihren 70 Millionen Menschen in ihrer gefährdeten zentralen Lage, in der sie infolge des sran. ^üst^ch-ru fischen Bündnisses und des bekannten französischen Revanchegeistes stets mit einem Zweifrontenkrieg rechnen mußte? Deutschlands stehendes Heer be- trug 1914 ungefähr 750000 Mann. In den 60er Jahren hob man die Ausbildung der Ersatzreserve auf und führte die 2jährige Dienstzeit ein. Für den Schutz der Westfront tat man wenig, die Ostfront blieb offen. An Wehrpflichtigen.kamen in den letzten Jahren jährlich rund 700 000 junge Leute zur Ausmusterung, nur knapp &tc Hälfte wurde mit der Waffe ausnebildet, der Rest, darunter nicht das schlechteste Menschenmate- rial-, blieb unausgebildet. Reklamationen, begründete und unbegründete, lagen in Masten vor und wie manch strammer Bursche, der in der Wahl seiner Eltern vor- fichtig gewesen, blieb vom Heeresdienst befreit. So hatte sich zwar im La'ife der Jahrzehnte Deutschland eine Reserve von militärisch-unausgebildetem Menschen- material aufgestapelt, die zahlenmäßig ebenso stark, oder sogar noch stärker war, als.die ausgebildete Mannschaft. Wer erinnert sich nicht der Rededuelle im Reichstage über den Heercsetat zwischen Kanzler und ßriensnrnifter usw. einerseits und Eugen Richter. Bebel usw. anderseits. Wer denkt nicht heute an die stundenlange Debatte über die 6 Kavallerieregimenter kurz vor Ausbruch des Krieges. Ja. wir haben Dank der Tätigkeit der gesamten Reichstags-Fraktionen im Frieden Millionen erspart. Heute nach über 4 Jahren Krieg, hsute in der Zeit des Zusammenbruchs unseres Landes, merken wir, daß der Krieg uns zwang, diese ersparten Millionen durch Milliarden auszuwiegen, mit dem Blute und Leben der Vesten unseres Volkes zu bezahlen, ihnen die Zukunft unseres Volkes auf Generationen zu opfern. Der Krieg, ja nur er allein, der trotz aller Phrasen und Utopien unserer Berufspolitiker der Linken, kam und kommen mußte, er fegte alle die Dogmas und Hirngespinste mit einem Scklage fort. Wo ist denn heute die so viel gepriesene Internationale und wo war sie bei Ausbruch des Krieges? Alle die schönen Warte, aller .Pathos Hilst nicht über die Tatsachen hinweg! Wo bleibt die Sühne des Mordes Jaur6s u. s. w., wie war Die Diktatur rn Den parlamentarisch regierten Republiken Frankreich und Amerika und dem parlamentarisch regierten England möglich, wie konnten unsere Gegner ihren Sozialisten die Püffe nach Kopenhagen verweigern in dem Momentz in dem das monarchische. untek dem preußischen Militarismus schmachtende Deutschland, diese ihren Sozialisten bewil'iate! All' die schönen Worte, all die wirklich lehrreichen und rednerisch vorzüglichen Vorträge der Herren um Paner. Scheidemann. Erzberger u. s. w. waren umsonst, blieben wirkungslos im Ausland, schädigten uns. Aus Mangel an Ersatz von Soldaten, Wa'ten. Material und Munition ging die Marneschlacht 1914 verloren. Millionen aestrnder, kräftiger deutscher Männer mußten mangels Ausbildung und Ausrüstung von der Heimat aus dem Rückzug an der Marne zuseben, ohne helfen zu können. Dank der Bhrase: ..keinen Mann und keinen Grosck en für dieses System" mußten Deutschlands Söhne 1914 an der'Marne zurück, nein über 4 Jahre lang Gsstrndheit und Leben opfern, mußten stch bei Ppern 1914 unsere Freimütigen, kaum ausgebildet, in die Bresche werfen und verbauten. Es gab und gibt außer den Ehai vinisten im eigenen Lande aum solche im Ausland und beute bei den Gegnern. Die Gefährlichsten müßten dock logischerweise die iür unser Land sein, auf welche unsere Friedensapostel keinen Einfluß hatten. Die Gefahr, die von dort droht, schätzte und schätzt man auch Heine noch bei uns viel zu gering ein. Eines Eduard VH. unseligen Angedenkens Tätigkeit scheint man hüben wie drüben ganz vergessen zu haben! Vielleicht soll heute sein Reffe für ihn mitbluten? Es erscheint ganz unglaublich, daß Eduard VII. großzügige Einkreisunaspalitik gegen Deutschland ohne Einfluß auf Belgien blieb. Hatte die Regierung Veth- wann-Hollweg Beweise der Beteiliguna Belgiens am Kriege oder der Duldung englisch-französischer Machenschaften. so war der Einmarsch der deutschen Heere in Belgien Pflicht und eine Entschuldigung derselben ein Fehler, lagen keine Beweise vor. dann mußte der (Sin* und Durchmarsch unterbleiben. Auch hier kann erst in späteren Tagen ein Urteil gefällt werden. Das so e- vannte Völkerrecht ist ein äußerst dehnbarer Begriff, dies lehren uns gerade die Ereignisse dieses Krieges. Hungerblockade, O-Vootkrieg, Beschlagnahme des neutralen Schiffsraumes u. s. w. Zu einem Fetzen Papier, den man im geeigneten Moment vernichtet, darf und kann es nie ohne Schaden für die Völker, die dies tun, erniedrigt werden. Der verschärfte O-Vootkrieg dürste wohl kaum die Ursache zum Eintritt Amerikas in den Krieg gewesen sein. Durch die riesigen Lieferungen von Kriegsmaterial und Munition Amerikas an die Entente war es 1915 und 1916 unseren Gegnern allein möglich, noch Kriea zu führen. Das erste deutsche Friedensangebot wurde am 12. Dezember 1916 unseren Gegnern England und Frankreich übermittelt und von diesen in schärfster Weise abgelehnt. p Hätte Amerika den Frieden gewollt, dann wäre es ihm, ohne große Schwierigkeiten, damals möglich gewesen, dies zu erreichen. Die Tätigkeit der amerikanischen Gesandschaft in Berlin 1914 bis 1916 ist zur Genüge bekannt, die Stellungnahme des früheren Gesandten Gerard in Wott und Schrift Deutschland gegenüber beweist uns, daß er alles andere, nur kein Freund unseres Volkes war und ist. Hat man je ein Wott des Tadels Amerikas geaen England oder Frankreich u. s. w. vor seinem Eintritt in den Krieg gegen uns gehört ? Die Stellungnahme Amerikas war von Anfang an für die Entente und gegen Deutschland. Der ver- Ker§enskampfe. RoM 2 n von Helene ScbLtky. fleb. VM Tersdorff. (Copyright‘l!* 5 by C. &tamann*Stutt,iait.) ß4) Nachdruck verboten „5Tun werden bte neben Laufe in K. wieder etwas zu schwatzen haben", lachte die Gräfin noch zunl Schluß, „da die Leriabünz nuick komplet ist. Adieu, adieu, am Wiedersehen!" Der Kommerzienrat tat sofort alle Schritt- um dem könifl. krchen Befehl entsprechend die Heirat moalichst zu beschleunigen. Ei teilt- seinem Bruder in wenigen Worten mit. daß auf Wunsch Fhrer Majestät die Verbindung auch ohne väterliche Einwillianng stattsinden werde und forderte thri auf. sobald .als mäolich Hilde's mütterliches Vermoaen und anderes persönliches Eigentum an ihn abzuliefern, da Hilde ihm für alles Vollmacht erteilt habe. WenRe Tage darauf wurden ihm durch den Sach- 'Halter des Geheimnis alle schriftlichen Belege und Papiere. welche Hilde's Prwatvermögen .'präsentierten, i'betmUtcIr mit der Mitteilung, daß der übrige Besitz Fräulein Antelmann's, ihre Toiletten, Juwelen, Bücher, Musikalien usw. in wenigen Tagen Nachfolgen würden. Das auch richtig geschah. Kein Wott, keine Silbe von ihm, dem Geheimrat selbst. Dagegen hörte der Kommerzienrat von anderer, ihm befreundeter Seite, daß sein Bruder im Begriff stehe, ein Haus und das Bürgerrecht in der Landeshauptstadt B. zu erwerben, da er nach den dort gültigen Gesetzen seine Tochter auch noch um den nicht unbedeutenden Pflichtteil bringen konnte, welcher ihr nach den rheinischen Gesetzen unter allen Umständen zustand. Als Hilde davon hörte, sagte sie nur: „Also so sehr haßt er mich! Armer Vater!" Aber es sollte anders kommen. Während Hilde und Tante Ella mitten in eifrigen Vorbereitungen für den na h ihren Begriffen bescheidenen Haushalt des lungcn Paares begriffen waren, während auch Rein- hoU- stch ei