Freilag. den 13. Dezember 1018 II. Jlchryrr;:-' Die ..Pe«e e ayeszeilnng" erichemt jeden Werlta^. Neyeimatzige Beilagen ..Ser Bauer aus Hessen". ..Zie Spinnstube". Sezugspreia: Bet den Postanitaiten vlerrellährlich Att. 2 ~& hinzu tritt noch das Bestellgeld.- bei den Änenten monatlich 1.00 Mk. einschließlich Trägerlohn. Anzeigen: (örundzeUe 25 Psg^ lokale 20 4iTg^ Anzeigen von auswäc-s werden durch Postncrchncll erhoben. Erfüllunasort Friedberq. hchriftlettung und Verlag ^riedberq (Hessen), -^anaueräratze 12. Fernivrecher 48. Posts hel-Lonto Nr. 18 .',g. 'stmt Frankfurt a. M. KrKanntmachunsi. Die Entente hat sich das Kontrollrecht in der neutralen Zone Vorbehalten. A.- und S.-Räte werden von ihr nicht ge. duldet, sie sind daher in der neutralen Zone cn'5'vlös^n. Mil. glieder von A.- und §.-Näten, die von der En' in der neu- traten Zone betroffen werden, müssen gewär!; : ^ > n. von der Entente verhaftet zu werden. Unter Hinweis auf vorstehende Bestimmung der Obersten Heeresleitung werden alle A.- und S.-Räte in der neutralen Zon^ hiermit aufgesordert, vom 12. 12. ab ihre Tätigkeit ein- zustellen und ihre bisher ausgeübten Funktionen wieder den zuständigen Behörden zu überlassen. Di: neutrale Zone im Armeebereiche wird durch folgende ungefähren Linien begrenzt: Im Westen Linie Heisterbach' — westlich Di^—Niedernei-- sen — Kaltenholzhausen' — Bechtheim — Wallrabensteln — Walsdorf — Oberreifenberg — westlich Oberurfe! — Westrand Frankfurt — Ostrand Langen — Bayerseich. Im Osten Linie Steeden — Rordrand von Nieder, und Oberbrechen — Niederleuken — Westerfeld — Nordostrand Friedrichsdorf — Vilbel — Bürgel — Bieber — Urberach. Äon seiten des Oberkommandos Der Chef des Generalstabes: gez. Wetzell, Oberstleutnant. Einberufung des Reichstags. Berlin, 12. Dez. (W. B.) Der Präsident des Reichstags hat am 12. Dezember an die Reichstagsabgeordneten folgendes Schreiben gerichtet: An die Herren Reichstagsabgeordneten! Die Frist des Waffenstillstandes läuft in den nächsten Tagen ab. Auch wenn sie verlängert werden sollte, mutz der Abschluß eines Vorfriedens sofort angestrebt werden, wenn das Vaterland vor weiterem ungeheuren Schaden bewahrt werden soll. Die Nachrichten aus den Lagern unserer Feinde lauten nun aber mit immer größerer Bestimmtheit dahin, daß diese der jetzigen Neichsleitung die Verhandlungssähigkeit absprechen, daß sie jedoch die gesetzgebenden Organe des alten Reiches, Vundesrat und Reichstag, als berechtigt anerkennen zur Schaffung einer legitimen Reichsregierung sowohl, wie auch zur Beschlußfassung über das Wahlgesetz für die Nationalversammlung. Meine fortgesetzten Bemühungen. Herrn Ebertim Interesse der Neichsleitung von der Notwendigkeit der Berufung des Reichstages zu überzeugen, sind erfolglos geblieben. Die Not der Zeit verbietet weiter zu warten und verpflichtet mich, auch ohne die Zustimmung der Regierung von der in der Sitzung vom 23. Oktober ds. Is. erhaltenen Ermächtigung zur Berufung des Reichstages Gebrauch zu machen. Ich berufe deshalb hiermit den Reichstag, behalte 'mir aber Bestimmung von Zeit und Ort der Tagung noch vor. Die Herren Kollegen bitte ich. sich zur Abreise bereit zu halten und zu der demnächst einzuberu- senderr Sitzung vollzählig zu erscheinen. gez. Fehrenbach. Präsident des Reichstages. Dieses Schreiben ist auch dem Rat der Volksbeauf- tragien zugegancffn. der Herrn Rechtsanwalt Fehrenbach folgendes geantwortet hat: Auf Ihr gefälliges Schreiben vom heutigen Tage erlauben wir uns folgendes zu antworten: Die Behauptung, daß die Entente der jetzigen Neichsleitung die Verhandlungssähigkeit abspricht, daß sie jedoch den Bundesrat und Reichstag als berechtigt anerkennt, zur Schaffung einer legitimen Reichsregierung sowie zur Beschlußfassung über das Wahlgesetz für die Nationalversammlung, entbehrt der Begründung. Sre ist nur geeignet, die Entente im Widerspruch zu der tatsächliches Macht der gegenwärtigen Negierung in den irrigen Glauben zu versetzen, als ob eine ver- handlungsfähige Negierung nicht vorhanden wäre. Der Rat der Volisbeauftragten legte wiederholt dar, daß durch die politische Umwälzung der Vundes- rat und der Reichstag als gesetzgebende Organe zu exljtreren ausgehört haben. ^ Sollten Sie trotzdem den nicht mehr bestehenden Rerchstag einberusen, so werden Sie die Verantwor- süc alle Folgen zu tragen haben. Der Rat der Volksbeaustragten. Der dritte Tag dkg TniMimiljllßg in Sellin. Berlin, 12. Dez. (W. B.) Am heutigen dritten Truppeneinzugslage herrschte Schmutzwetter mit Schnee und Regen: trotzdem war der Andrang der Bevölke- ^lng zu den Feststraßen so stark wie immer. Die 4. Garde-Insanterie-Dioision rückte unter Generalmajor idrafen Fink von Finckenstein von der Frankfurter Vorstadt her über die Königssträße Unter den Linden ein. Die Truppen trafen von 10Vi ab am Parijer Platz ein, überall jubelnd willkommen geheißen und nahmen auf dem Platz Aufstellung. An der Tribüne hatten sich eingefunden: Der Volksbeauftragte Scheidemann. Kommandant Wels, Kriegsminister von Scheuch und Generalleutnant Lequis. Rach einem Trompetensignal hielt Volksbeaustragter Scheidemann eine Ansprache, die von Beifallsrufen unterbrochen wurde, bei der Erwähnung der Nationalversammlung, dem Hinweis auf Frieden und Freiheit und seiner Bemerkung von d*m kerngesunden deutschen Volk. Nach dem Hoch spielte die Musik „Deutschland, Deutschland über Alles!" Dann trat Kriegsminister von Scheuch an die Brüstung und hielt eine Ansprache, die mit einem Hoch aus die 4. Gardedivision endete. Brausend wurde der Ruf ausgenommen. Die Musik spielte den Parademarsch des 5. Gaideregiments. Dann setzten sich die Truppen in Marsch zum Brandenburger Tor hinaus. Die Sommijsronsverhattdlrrngen in Wilhelmshaven. Berlin, 11. Dez. (W. B.) Die Verhandlungen mit der britischen Kommission in Wilhelmshaven lassen erkennen, daß Milderungen nicht zu erreichen sind. Trotz der deutschen Proteste verlangt der englische Admiral genaue Angaben über die im Bau befindlichen Kriegsschiffe. Trotzdem der englische Vertreter in Spaa auf Ablieserung des Panzerkreuzers „Mackensen" ver- . zichtete und trotzdem, wie deutscherseits mitgeteilt, dieses Schiff nicht vor vier Monaten schleppbereit sein kann, hat der englische Admiral die Richtersüllung seiner Forderung, das Schiff bis Ende Dezember zur Ueber- führung fertig zu stellen, als Nichterfüllung der Waffen- stittstandsbedingungen bezeichnet und in diesem Sinne seiner Negierung berichten zu wollen erklärt. Er besteht ferner auf Auslieferung der nach dem Völkerrecht rechtmäßig in deutschem Besitz übergegangenen Schiffe. Trotz des Hinweises aus die bedenklichen Folgen für die deutsche Volksernährung, zeigte die Kommission kein Entgegenkommen in der Frage der Freigabe der Fischerei und des Verkehrs zwischen den deutschen Häsen und bezog sich auf die diesbezügliche bereits erfolgte ablehnende Antwort Peattys. Der englische Admiral verlangt ferner, daß bis zum 17. Dezember fämtliZie Besatzungen von außer Dienst gestellten Schiffen interniert werden bis auf die Instandsetzungskommandos, wie sie auf einer Hulk verbleiben. Unier einer Hulk versteht man ein altes, ausrangiertes Fahrzeug, das nur noch zu Wohn- und Lagerzwecken dient. Ebenso wie yach der Berichtigung des Linienschiffes „Baden", die durch Richlausführung der vom Hochseekommando im Einvernehmen mit dem Arbeiter- und Soldatcnrat getroffenen Anordnungen seitens einzelner Marine mann chaften gestört wurde, hat auch bei den Vorbesprechungen über die Uebergabe der internierten Entente- schiffe die englische Kommission gedroht, die Waffenstillstandsbedingungen abzubrechen, wenn nicht eine glatte Abwicklung gemäß den in den Kommifsionsver- handlungen festgesetzten Anordnungen ersolgen würde. Entente und A.- und S. Räte. Berlin, 11. Dezbr. (W.B.) Die Mitteilungen des „Berliner Tageblatts" über eine unmittelbar bevorstehende Einbeiusung des Deu fchen Reichstages oder über Beratungen der Regierung in solchem Sinne entbehren jeder Begründung. In dem Organ der Unabhängigen, der „Freiheit", werden die zahlreichen Meldungen, daß die Entente die Regierung und die Arbeiter- und Soldatenrüte nicht anerkennen wolle, als Wünsche des Bürgertums und der Feinde der Revolution hingestellt, und es wird auseinandergesetzt, daß die sozialistische Negierung stark genug sei, das Reich zu repräsentieren, andererseits sei nicht zu verkennen, daß die ausschlaggebenden Männer in den Ententeländern Bourgeois waren, und jo fei die Gefahr einer gegenrevolutionären Einmischung der Entente nicht abzuleugnen. Es bezeichnet den Gedanken der Einberufung des Reichstags als eine lächerliche Komödie. Durch den Zusammentritt des Zentialrals aller Arbeiter- und Soldatenräte und durch die spätere Wahl der Nationalversammlung werde Deutschland genügend konsolidiert werden. Einen anderen Weg gebe es nicht und könne es nicht geben. Der „Vorwärts" dagegen schreibt daß bte 3 Nachrichten von einem bevorstehenden Enlenie-Ultimatum über die Bildung einer ordentlichen, auf eine Willenskundgebung des Volkes gestützte Zentraltzewalt immer bedrohlicher werde. Aurrrika und die Sndflamrn» Laibach, 11. Dezbr. (W. B.) Meldung des Lais öacher Korrespondenzbüros. Wie „Slowenski Rnrod^ aus Pola berichtet, traf dort in der vergangenen Wo äs ein aus amerikanischen, französischen, englischen v d japanischen Schiffen bestehendes Geschwader unter do'.tz Kommando eines amerikanischen Admirals ein. den hierauf eingeleiteten Verhandlungen zwecks Kc l * nähme der südslawischen Flotte wurden die südslawif ck Interessen von dem tschecho-slowakischen Konsul vcc« treten, da die Südslawen die Aufforderung der Italiener, in Pola ein Konsulat zu errichten, mit der Bemerkung abgelehnt haben, daß sie auf dem eigenen Gebiet keine Konsularvertretung brauchen. Das Ergebnis der Verhandlungen war, daß die gesamte südslawische Flo auch die vor einiger Zeit nach Italien gebrachten se ')$ mit Kriegsmaterial beladenen Dampfer, in Pola versammelt und auf ihr die amerikanische Flagge gehißt wurde, während auf der Admiralsjacht „Lacroma" die südslawische Flagge weht. Die Amerikaner übernahmen auch als die am wenigsten interessierte Macht das Kommando über Pola und besorgen auch den Polizei- dienst Holland und Wilhelm II. Haag, 11. Dez. (W.B.) In der gestrigen Sitzung der Zweiten Kammer erklärt der Vorsitzende des Mutt- sterrats Huys de Veerenbrouck, die Negierung würde c«' leichter haben, wenn der frühere deutsche Kaiser sich ni äst als Zufluchtsort Holland ausgesucht hätte. Er fuhr dann fort: Der Kaiser hat aber, wie aus der amtlichen Mit-, teilung des holländischen Gesandten in Berlin hervorgeht. vor seiner Flucht nach Holland auf den Thron verzichtet. Am 11. November folgte dann die bekam ts Urkunde, die in Amerongen unterzeichnet wurde, Am 9. November wußte die Regierung, daß der Kaiser ab-' gedankt hatte. Er teilte das auch am 9. November den holländischen Behörden in Eysden mit. Der Kaiser kam unerwartet auf holländisches Gebiet. Keine einzige Re- gierungsperson hatte etwas dazu beigelragen oder f h einer Zwischenperson bedient, um etwas zu unternehmen.' Auch General von Hautez hat nichts in die er Sache getan. Man hat nichts von der Ankunft des Kaisers gewußt. Alles, was darüber verlautete, war Phantasie. Rach der Thronentsagung konnte von einer Internn- rung keine Rede mehr sein. Es handelt sich einfa ) um'die Frage des Gastrechts und der Gastfreundschaft, um eine Tradition, die in Holland seit Jahrhunderten besteht. Die Negierung wußte, doß Holland dadurch in Schwierigkeiten kommen würde, aber sie wollte nicht gegen diesen Jahrhunderte alten Grundsatz handeln. Die Negierung kann sich nur aus den Standpunkt der vollendeten Tatsachen stellen. Jeden Versuch, der Aufenthalt des Kaisers in Holland als eine unneutrals Handlung darzustellen, weift die Regierung zurück. Jedes andere Staatsoberhaupt würde auf die gleiche »Weise empfangen word n sein. Der augenblicktt he Zustand ist indessen ein vorläufiger. Es hängt von der Entwicklung der internationalen Ereignisse uuö von der inneren Lage ab, was geschehen wird. Ein eventuelles formelles Ansuchen um Ausliefeiung des früheren Kai ers würde auf seine Gesetzlichkeit und auf die bestehenden Verträge hin untersucht werden müssen. Es äst auch möglich, daß ftemde Regierungen wünfä en werden, mit Holland wegen eines neuen Aufenthalts des früheren Kaisers in Unterhandlungen zu treten. Die Regierung würde nicht abgeneigt sein, zuzustimmen, wenn Holland dabei eine Stellung eingeräumt würde, die sich mit der Ehre, und Würde des Landes verträgt. Die Regierung behält sich ibre Entscheidung vor. Gegen etwaige Intrigen wird die Negierung ernstlich au treten. Rußland. Bildung einer Cegenreqierunq im Einverständnis mit der Entente. Storkholm, 11. Dez. Der frühere russische Ministerpräsident Trepow ist nach „Dagens Nyheter" hier mit der Bildung einer neuen russischen Regierung aus Männern des zaristischen Regimes beschäftigt. Darin sollen noch Fürst Wolkowsky, im Kriege Gehilfe des Ministers des Innern, Baron Taube, früher Abteilungs- chef im Ministerium des Aeußeren, Senator Zasfiadko, General Massolsky und andere vertreten sein. Hier befinden sich außer Trepow noch General Tau und der Adelsmarschall Sawitzky. Die Bildung der Negierung erfolgt im Einverständnis mit der Entente. Die Mitglieder sollen sich in Finland versammeln, um sofort nach dem Sturz der Bolschewiki nach Petersburg zu gehen und die Leitung au übernehmen. Me Sie'KMuM vorbereitet wsirbe. eE ^eur- aeLhmit« mit r.r*» nntiortirfw» *f Der Volksbeauftragte Varlh kam noch einmal auf ^die Behauptung Joffes zurück, daß ihn Joffe bei der Vorbereitung der Revolution in Deutschland mit Geld- ^ Mitteln unterstützt habe. Varlh sagt, er wisse nicht, wie und durch welche Ursachen das Telegramm Joffes entstanden sei, aber er müsse noch einmal feststellen, daß nach seinem Wissen keiner von den Genossen, die ihm Geld gegeben hätten, etwas von den Russen erhalten habe. Er leugne natürlich nicht, daß er monatelang die Revolution vorbereitet habe. Mehrere tausend Schußwaffen und mehrere tausend Handgranaten habe er zur Ausrüstung der Berliner Arbeiterschaft besorgt. Er leugne auch nicht, daß die Waffen Lurch eine vorzügliche Organisation über ganz Berlin verbreitet gewesen seien, und daß es keine Großbetriebe in Berlin gegeben habe, die nicht bei dem Ausbruch der Revolution in der Lage gewesen wären, mit ihren Sturmtruppen an der Spitze der Schutzleute Herr zu werden. Wenn es zum Kampf gekommen wäre, hätte es viele Opfer gekostet. Aber ganz energisch müsse er es sich verbitten, von irgend wem und irgend wann sich sagen zu lassen, daß er im Interesse des Auslandes tätig gewesen sei. Es sei nur bedauerlich, daß nicht schon einige Jahre früher die Revolution in Deutschland gekommen sei. Dann wären viele Millionen von Menschenleben erspart worden. Barth sagt weiter, daß von der von ihm geschaffenen illegalen Organisation die Leitung der unabhängigen sozialdemokratischen Partei erst erfahren habe, als daran absolut nichts mehr zu ändern gewesen sei. Dann habe allerdings die Leitung der unabhängigen sozialdemokratischen Parrei nicht die geringsten Bedenken dagegen erhoben, sondern alle ihre Mitglieder hätten gelöbnis auf die bayerische Volksrepublik, ebenso zu einem Treuegelöbnis gegenüber einer aus Volkswahlen heworgegangenen Regierung, gleichgültig, welche Zusammensetzung diese erhalten mag. — Der Bayer, (christl.) Bauernverein wendet sich gegen die den Vauern-Rüten gemachte Zumutung der Unterschreibung eines Reverses, auf Grund dessen sie sich für die Republik verpflichten. „An solch politische Knechtung kann sich kein freier bayerischer Bauer beteiligen. — i in fr ^ ri WrMligk Erhöhung der Eijeuhuhntarise. Berlin, 11. Dez. Durch den preußischen Minister Hirsch war bereits vor einiger Zeit eine beträchtliche Erhöhung der Personen- und Gütertarife angekündigt worden. Jetzt melden die „Berliner politischen Rachrichten". daß Verhandlungen über die Erhöhung des Tarifsatzes schweben. Die außerordentliche Steigerung aller Löhne und Betriebsunkosten haben bewirkt, daß die preußischen Eisenbahnen im Jahre 1918 mit erheblichen Verlusten gearbeitet haben. Die Ilnterbilanz soll durch eine besondere Eisenbahnanleihe gedeckt werden, ferner soll durch organisatorsche Maßnahmen auf eine Herabminderung der allgemeinen Unkosten hingewirkt werden. Als Grund für den Rückgang der Eisenbahnüberschüsse hat Minister Hirsch unter anderem die Bewilligung einer Lohnaufbesserung von 100 Prozent angeführt, was eine Mehrausgabe von jährlich 400 Millionen bedeute. Der neue Eisenöahnminister Hoff hält eine noch stärkere Erhöhung der Tarife für nötig als fein Amts ... -nötig als fein Vorgänger und denkt an einen Zuschlag von 60 Prozent I den Personenverkehr, für den bereits eine Erhöhung Die Aufteilung des Deiches. Die Unabhängige Sozialdemokratie hat bereits ein Programm ausgearbeitet, wonach das Deutsche Reich völlig neu aufgebaut werden soll. Als Verfasser dieses Programms zeichnet Herr Ledebour. Die Reuabgren-- zung soll, wie die „Freiheit" mitteilt, auf Grund einer „wissenschaftlichen Untersuchung der Einzelstarten nach Wirtschaft und Stämmen", durchgesührt werden. Das Ministerium des Innern wird für Preußen nach demselben Blatt der Frage schon in den nächsten Tagen nähertreten. Herr Ledebour ist ohne Zweifel ganz der geeignete Mann, die Abgrenzung der deutschen Stämme in ihrer Eigenart „wissenschaftlich" aözugrenzen. Antisemitismus in Kerlin. Berlin, 11. Dez. Der Vorwärts meldet: Das moralische Zerstörungswerk beginnt dank der massenhaft verteilten anonymen Flugblätter, die im Dienste der Gegenrevolution Judenhetze betreiben, in Berlin zu wirken. Heute weroen zum erstenmal eine Anzahl von Fällen gemeldet, in denen auf öffentlichen Plätzen .Berlins, auf der Straßenbahn usw. Juden und auch Christen, die durch ihr Aussehen nicht genügend gegen den Verdacht geschützt waren' Juden zu sein, körperlich angegriffen wurden. Thyk!en ttttfr Minies fteigelaflen. Berlin, 11. Dez. Die wegen angeblichen Hochverrats verhafteten rheinischen Großindustriellen Thyssen und Stinnes sowie einzelne Direktoren sind auf Anordnung des preußischen Ministeriums des Inneren heule sämtlich sreigelassen worden. Der Kellner der ihr Gespräch belauscht haben wollte, erscheint nicht als unbedingt glaubwürdig. Was unsere Feinde hoffen. Not tut UNS vor allen Dingen, die Schaffung einer allgemeinen nationalen Zentralgewalt, sonst tteiben wir sicher dem wirtschaftlichen und finanziellen Bankerott zu. Unsere Erzfeinde, die Franzosen, von denen allein wir niemals einen Frieden des Rechtes und der Gerechtigkeit erhalten wurden, richten sich schon daraus ein, unsere Ohnmacht auszunutzen. Das Pariser Hetzblatt, der „Temps" schreibt triumphierend, der politischen Krise in Deutschland werde nun die Wirtschaftskrise folgen. Jetzt, wo das innere Jena sich verwirkliche, müßten die Franzosen die Ereignisse ausnutzen. Und noch deutlicher wird das „Echo de Paris", indem es jagt: „Lassen wir alles gehen, wie es wiltz so haben wir den unvergleichlichen Vorteil, Deutschland auseinanderbröckeln zu seh^n. Dies drängt alle Erwägungen, daß die Ordnung in Deutschland uns finanziell nutzen würde, in den Hintergrund". Wir können also die Lage Deutschlands betrachten, von welcher Seite wir wollen, die Verhältnisse schreien überall geradezu nach schleunigster Schaffung einer neuen Rechtsgrundlage. Der verweigerte Cid. Frank. Kurier" zusolce sollte am 7. Dez. auf dem Ueoungsplatz Grafenwöhr die feierliche Eides- leytung aus die Republik statrfinden. Die Vereidigung unterblieb jedoch, da die Offiziere sowohl als auch die Mann,chaften sich nicht geneigt zeigten, die ihnen vorgelegte Eidesformel, „die neue Volksregierung (d. h. das Kabinett Eisner) im Interesse des Volksganzen zu .unterstützen und zu verteidigen", anzuerkennen. Die von durchschnittlich 25 Prozent in Aussicht genommen war, wird jetzt eine Staffelung für richtiger angesehen. Danach soll der Zuschlag in der 4. Klasse 20 Prozent, in der 3. Klasse 25 Prozent, in der 2. Klasse 35 Prozent und in der 1. Klasse 100 Prozent betlagen. Bessert sich das finanzielle Ergebnis wieder, so sollen die Zuschläge ermäßigt oder beseitigt werden. Die O'ntiüfrtana der JmiMjfit Mula. Wir lesen über diese wichtige Frage rm Handesjeil der „Frankfurter Zeitung": Die Entwertung der deutschen Valuta hat leider in den letz, tcn Tagen wied-er außerordentliche Fortschritte gemacht. Die Reichsmark war in der Schweiz gestern bis auf 52% gesunken gegenüber einem normalen Stand von 123.45. (Heute ist eine kleine Erholung auf 54 bis 55 eingetreten.) In Holland, wo die Mark im Frieden 59.26 EtZ. galt, ist sie gestern auf 26% zurückgegangen: in Kopenhagen fand gleichzeitig eine Entwertung auf 49.50 statt und in Stockholm ist die Mark sogar auf 38 gesunken gegenüber einer Friedensparität von 88.89. Gerade jetzt, wo allmählich wieder mit der Möglichkeit eines Warenaustausches mit dem Auslande zu rechnen ist, wo allmählich große Bezüge in Rohstoffen von Uebersee zu beschaffen fein wer den. trifft uns diese Entwertung doppelt hart. Die Gründe für die Abschwächung zu finden, ist nicht schwer. Man wird dabei zunächst an spekulative Machenschaften zu denken haben, die sich ihrer,er s wieoer stützen auf die Berichte aus Deutschland. mentlich auf die Streitereien zwischen den sozialistischen Gruppen, vielleicht aber auch aus die Befürchtung einer zu radikalen und überstülzten Vergesellschaftung der deutschen Betriebe und der damit zusammenhängenden Konkurrenzfähigkeit der deutschen Industrie. Gerade aus diesen Gründen ist^zu hoffen, daß die deutschen Machthaber auf der einen Seile rücksichtslos gegen die phantastischen Gedankengänge» der Spartakusgruppe vergehen und endlich einmal den Ruhestörern den Mund verbieten und daß sie anderserts bei det Durchführung der sozialen Reform auch an die Konkurrenzfähigkeit Deutschlands usw. denken. Ge» rade in diesem letzten Punkte sind wir, wie schon oft betont durchaus zuversichtlich, denn gerade der deutsche Arbeiter ist. wie immer wieder sich zeigt, in diesen Dingen völlig nüchtern und weiß ganz genau, daß sein Interesse nur dann gewahrt werden kann, wenn man bei der Durchführung von Reformen mit den unerbittlichsten Tatsachen rechnet. Reben jenen Erwägungen im Ausland ober scheint doch wohl auch der Umstand mitzuspcechen. daß neuerdings auf die unanständige Aus» legung der Waffenstillstandsbedingungen von Seiten der Entente die Exportmöglichkeiten für die deutsche Industrie weiter schai f begrenzt worden sind, wodurch die Handelsbilanz sich noch weiter zu unseren Ungunsten verschlechtert. Auch diese Zustände sind ganz unhaltbar und die deutsche Negierung sollte mit aller Scharfe und Schnelligkeit versuchen, in diesem Punkte Abhilfe zu schaffen. Kchneidiftkil an der richtigen Stelle! Man schreibt uns: Der letzte Sonntag, das ..Kampffest der Freiheit", hat in uns immerhin einen Funken»von Hoffnung entzündet, daß die soziale Republik vielleicht doch mehr kann, als mit verschränkten Armen zusehen. wie das Ehaos. das Hungerelend und der blutigste Bolschewismus langsam über uns hereinbrechen. Herr Scheidemann hat erklärt, er könne diese Wirtschaft keine acht Tag« länger dulden, er würde jubeln, wenn die Rationalver- sammlung so ftüh als denkbar gewählt werde, und selbst der ..Vorwärts" sieht nunmehr J>ie Notwendigkeit ein. ein „festes mlUräri,ches Ordnungsverhcttlnis" aller,chleunigst ' herzustellFN Daraus klingt eine erfteuliche Entschlußfähigkeit, von der wir nur hoffen wollen, daß sie auch zur Ausführung gelangt. Die sozialdemokratische Regierung weiß, daß das gesamte Bürgertum, der ganze die Regierungsapparat hinter ihr steht, wenn sie endlich Ordnung schaffen, den Schneid au der richtigen Stelle "entwickeln "arfö Miunnffen gegen Me ToÜtzvuslC' besr Cpcrrbakuslagers auch nach dem Worte Vorgehen will: We» Klut vergießt, des Blut soll wieder vergossen werden! Einstweilen entladet sich das, was sie an Schneid noch auft Kudringeu vermag, immer wieder an der falschen Stelle. Mau fällt auf jedes törichte Gerücht hinein und läßt die Sachen anderwett drunter und drüber gehen. Eine große Rolle spiel. Len beim gestrigen „Kampffest der Freiheit" jene fabelhaften Eardetruppen, die sich unter dem General von Lequis zwischen Potsdam und Berlin vereinigten, angeblich, um gegen dis Retchshauptstadl zu marschieren! In Wahrheit sammelte sich dort das Gardekorps, um seine festliche, aber ftiedliche Einkehr nach Berlin vorzubereiten. In Mülheim (Ruhr) hat der dar« tige A.- und S.»Rat die Herren Thyssen, Stinnes und ander- Großindustrielle „verhaftet", weil sie am 5. Dezember in Dortmund beschlossen hätten, die „Arbeiter durch die Cntentetrup» pen züchtigen" zu lassen. Inzwischen ist festgestcllt. daß keiner der „Verhafteten" am 5. 12. in Dortmund gewesen ist! Rach diesem Stile wird im ganzen Reiche verfahren, die Sicherheit der Person und des Eigentums ist auf das stärkste gefährdet, nur in — Posen ist von einem enLMossenen Austreten der sozialdemokratischen Regierung nichts zu spüren. Die deutsche Ostmark, die wehrlos den polnischen Ueber- griffen preisgeaeben ist, schwebt in höchster Gefahr. „Die Oef- fenilichkeit kann, wie von dort geschrieben wird, nur immer wieder dringend davor gewarnt werden, sich durch die in der Presse erscheinenden Versicherungen der Polen täuschen zu lassen. Gleich wie im Oktober 1916, besolgen sie jetzt wieder die Zahlt, uns mit Versprechungen hinzuhalten und vertrauensselig zu machen. Damals fiel die Reichsleitung auf das Versprechen der Ausstellung eines großen polnischen Heeres für uns herein, jetzt wurde Herr von Gerlach in Posen gerade so hinters Licht geführt, wie General von Beseler bis zum letzten Augenblicke in Warschau Tatsächlich vollziehen die Polen in Westpreußen und Posen den Abfall von Preußen in aller Stille. Die Provinz Posen befindet sich bereits in ihrem unumschränkten Besitz. Die preußischen Behörden sind kaltgestellt. Die staatlichen Verwalter der Ansiedlungsgüter sind meist vertrieben, sie rettet-n vielfach nur das nackte Leben. Lebensmittel' werden fast nur noch von den deutschen Landwirten im Osten abgeliefert: die Polen streiken. Sache der verantwortlichen Stellen in Berlin ist, alles Menschenmögliche zu tun. um unabsehbares Unheil für Deutschland. insbesondere für die Reich-Hauptstadt zu verhüten." Die verantwortlichen Stellen in Berlin aber haben bisher allen ihren Schneid gegen die alberne Mär der Gegenrevolution • oon rechts verbraucht, die bald von den Gardetruppen, bald von den Großindustriellen ausgehen soll? Dabei siebt die Pro» vinz Posen in Flammen und mit dem Feuer in Berlin wird nicht von rechts, sondern von links gespielt' Wie gesagt, scheint wenigstens Herr Scheidemann für feine Person zur richtigen Erkenntnis gelangt zu fein, an welcher Stelle tne eisernste Entschlossenheit geboten ist. So uns der nächste Sonntag nicht die Sicherheit einer sofortigen Anberaumung der Wahlen bringt, find wir rettungslos verloren und die Sozialdemokratie baf es sich selbst zuzuschreiben. wenn ihr noch Kinder und Enkel der heutigen Arbeiter den politischen Kredit oerweigern.. 3m Anschluß an obige Ausführungen bringen wir folgende Betrachtungen des „Vorwärts": Rur einige Maschinengewehrs sind vor dem Rerchskairzl-r- haus und anderwärts ihren rechtmäßigen Besitzern geraubt worden, einige Mannschaften der Sicherheitsmoche vor der Reichskanzlei find leicht verletzt! Nur dies, bisher, sonst nrckls! Es ist aber eine Schmach und Schande, daß man schon zufrieden sein muß wenn weiter nichts geschieht, und wenn sich die republikanischen Soldaten prügeln lassen, um nicht morgen als Mörder und Schergen der „Bluthunde Ebert und Sche demann" verichrieen zu werden. Wenn der gestrige Tag. wie wir in diesem Augenblick noch hoffen dürfen, ohne ernstes Blutvergießen verlaufen ist so ist dieses Ergebnis nur der übermenschlichen Selbstbeherr. schung der republikanischen Soldaten und der Berliner Bevölkerung zu verdanken. . Das heißt man einen Zustand? Dabei führt dieses System lediglich dahin, daß die Eatilinarier immer dreister auflreten, weil jede ihrer Ausschreitungen stets mit einem äußerlichen Er. folg für sie endet. Wenn die Regierungstruppen nur hingestellt werden, um sich ihre Waffen von den anderen wegnebmen zu lassen, so ist ee im Interesse der öffentlichen Ruhe und Ordnung schon beinahe sicherer, ihnen Überhaupt nicht erst Waffen z« geben. Der „Vorwärts" sagt: Dag Wort ist ftei. die Masse nicht' Es darf ntemandenr erlaubt sein, mit Maschinengewehren in Berlin herumzufth, ren. außer im äußersten Notfall — den Truppen der Negierung. Es mag jeder jagen, was er meint, aber es darf nicht jeder tun. was ihm beliebt. Dem Wort muß mit dem Wort, andern Argumenten aber mit den gleichen Argumente«^ ent gegen getreten werden! Eine durchaus richtige Auffassung, die aber nicht nur Theo, rie bleiben darf. Bezeichnend für die Stimmung, die unter den Soldaten durch daß Verhalten der Regierung hervorgerufen wird, ist eine Zuschrift, die dem „Vorwärts" von einem der mißhandelten Soldaten zugeht: ..Wir halten den strengen Befehl, keinesfalls von der Waffe Gebrauch zu machen. Das wußten wohl die Sparta, kusleute. Darum zögerten sie auch gar nicht, sich sofort auf unsere Automobile zu stürzen, sämtliche Waffen und selbst W Automobile wegzunehmen. Ich lag auf einem Automobil am Maschinengewehr. Und ich hielt meine Waffe fest im Arm. als man mir sie entreißen wollte. Dafür wurde ich von einem Matrosen mtt Fußtritten traktiert, deren einer auch das Ge stcht ftaf und so schmerzhaft war. daß ich die Kraft zu weite- rem Widerstande verlor. Mein Gesicht wurde dadurch ver» mundet und heute noch ist eß von einer starken Geschwulst der ganzen finken Gesichtsseite völlig entstellt. Bei den Körperverletzungen blieb es aber nicht. Mir wurden auch dt» Taschen geplündert und dabei meine Brotschnitten und Handr sch.che gestohlen; auch meine rote Dienstbinde W mir megge. nommen worden. Ich eeitaZe mir, Sie um Auskunft zu bitten, wie ich mich bei Wiederholung derartiger Vorfälle verhalten soll. Müssen, wir uns das denn gefallen lasten? Welche Zustände müssen daraus erwachsen, Latz die legalen Ek'sherheitsorgan-e ohne Widerstand vor jedem Haufen von verdächtigem Gesindel kapitulieren und die Waffen ablieser?'. muffen? Wenn es dazu kommt. Latz die Anstcherhertsorgane das Recht zum Waffentragen und zum Waffen gebrauch allein au- jUÜocn berechtigt find, und Latz wir lediglich als Prügel-, jungen auf die Strage gehen sollen, mache ich nicht mehr mit. nnd meine Kameraden werdemstch gewiß diesen Entschluß auch zu eigen machen." ,J« jgM!? Skai Md dir ftkie UglktzWille". Vortrag, gehalten am tO. Dezember im großen Hörsaal der Universität Eietzen von Herrn Dr. SkalweiL, Profcstor der Natlonatökonr mie. Auf Anregnng des Gießen er SLuLsntenavsfchvffeS wurden D. tragsabende eingerichtet, die den Zweck verfolgen, auch unsere akeLemische Jugend in dieser pol.-tisch so b^vegten Zeit neu zu orientieren und sie fähig zu machen, als- künftige Führer des Volkes, an ihrem Teil zum Wiederaufbau des Staates Aeizu» kragen. Die Herrn Professoren wurden als die berufenen Lehrer um ihre Mitwirkung gebeten. Sie haben der Einladung gern Folge geleistet und,so konnte die Reihe der Vorträge vor. gestern abend mit dem in der Ueberschcfft genannten Thema von Herrn Professor Skalweit eröffnet werden. Der große Hörsaal war voll besetzt. Wie voran ziehen war, ging der Abend nickt ohne heftige Auseinandersttzungen vorüber. Die von starker persönlicher Anteilna^ne getragenen Ausführungen des Professors £f. begannen mit einer kurzen Charakteristik der gegen- v-artrgen Lage, wie sie sich insbesondere in der linksstehenden Proste spiegelt. Als weithin bekannt.'S Peispiel führte er die „Frankfurter Zeitung" an. Ein Blatt ^as sowohl vor dem Krieg wie auch während seines Verlaufes nur kapitaMjsche Interessen vertrat, das bei Beginn des Völker ringe ns in heller Begeisterung vrn dem Volk „in Blut und Ersen" sang, wird über Nacht Anhänger der sozialiilffchen Idee und entdeckt plö^- lick, daß dasselbe Volk Jahre lang in Ketten geschmachtet hat, daß dieses Volk durch Jahrzehnte , zertreten und geschändet" endlich jubelnd den Tag der Freibeit begrüßen kann. Wje soh'Z in Wirklichkeit im alten Deutschland aus? E i n Verdienst ist dem alten System nicht abzusprechen. Es hat verstanden unV gerade durch seine autekratische Staatsein- richiuna möglich gemacht, den Weg znm „sozialen Staat" mir Erfolg zu beschielten. Die Macht dieses alten Staates ruhte in neutraler Hand: dem Herrscher und dem ihm allein umerstsh- ten Osfnierkorps wie der Vearrtten'chaft. Diele beiden Faktoren waren deshalb in so hohem Maße befähigt, sozial, d. h. zum Wohl des ganzen zu wirken, weil keine persönlichen Interesten bei ihnen ausschlaggebend sein konnten. Sie standen außerhalb jeder Partei oder Interestengruppe und sahen im Wohl des Ganzen ihr erstes Pflichtgebot Die Entwicklung zum sozialen Staat hat bei un§ stetig Fortschritte gemacht. Und darin sind wir der Welt weit vornngegangen In keinem anderen Land werden wir die Verstaatlichung eines solchen Betrie. be§ finden, wie die preußllch-h.-!stsche Eisenbahngemeinschaft. Post und Telegraph sind Staatsmonopol. Ueber die Bergwerks- l-etriebe stand selbst der Regierung schon eine gewisse Kontrolle zu. Und vollends im Krieg war der Weg zur vollkommenen Sozialisierung soweit beschriften daß eine restlose Erfüllung dieses Ideals in grelle»-?? Rabe gebückt zu sein schien. Im demokratischen Frankreich war ein solches Schaffen allein schon deshalb n'cht möglich, weil die Hochfinanz, die dort sicher den größten Einfluß auf die Regierung ausübt. nie die Hand ;n Dingen hergeben wird die ih,»n eignen Interesten zuwider laufen nur aus Intereste gm Wrch? des Volkes. Dazu kommt, daß wir das freieste Wahlsystem besaßen und auch das gesundeste Wahlsystem Denn vor dem notwendigen Uebel aller pcrrlamen. tari ch regierten Lander, der Korruption unter den Abgeordne ten, hat uns ebenfalls dieses autokratische System bewahrt. Wir' brauchen nur die Wahl eines französischen Abgeordneten zu betrachten. um diese erschreckende Tatsache zu begreifen. Drei Dinze sind in Frankreich no wendig, um gew hit zu werden. Vor allem muß der Kandidat 50 000 Franken besitzen, um die „notwendigen Auslagen" zu bestreiten. Dazu bedarf er zweitens der Beziehungen zur Hochfinanz die ihm gegen bindende Per- fvrechunaen für seine spätere Abgeordnetentätigkeit das Geld zur Verfügung stellt Und ganz zuletzt muß er noch die Stimme Wie bitter wahr die Tatsache ist. daß das parlamentarische System Korruption mit sich bringt, beweist deutlich auch^ die Antwort eines sozialistischen Abgeordneten mrf eine diesbezüg- des Volkes besitzen, die er wieder durch Versprechungen gewinnt. !"che Frage, die ihm während der kurzen Zeit unserer parla- mentan'ch n Reqierun"sfv,m. der Periode Prini Mar oo^ Ba den. gestellt worden war: „Sie glauben gar nicht, wie weit es damit schon gekommen ist!" Diesen unbestreitbaren Vorteilen steht aber die verhängnisvolle und traurige Tatsache gegenüber, dab gerade das alte Ne. gime nicht fähig war. das Gefühl der Verantwortlichkeit am Staate im Volke zu wecken Und das vor allem ist die Starte der parlamentarischen Negierungssorm. Dadurch sind ihre Stag, ten groß geworden und das hält sie zusammen. Wir sind zu sehr in den. Gedanken gehalten worden, daß die Regierung, eine uns fremde Große, alles allein zu leiten berufen ist und haben zu ]pa* ernsehen gelernt, daß auch das Dolksganze Verantwortung bragt an der Politik, die sein Schicksal bestimmt. Und dieser Mangel an Verantwortungsgefühl. t*r den Reichstag zu ein-r 'v chuatzerbude degrodielte und das Volk die Regierung stets als Fremdkörper empfinden ließ, hat letzten Endes zum Zusammenbruch geführt. Was ist heute und was wird in Zukunft fein? — Die augenblickliche Regierung ist eine willkürliche Diktatur, die sich -um ErotzleU aus Lalboediideien und jüdi,chen Rechtsanwälleu xusammeiMt. Bon einer Volksreglerung kann unter diesen Umständen nicht die Rede sein. Und auch ohne antisemitische Gesinnung zu besitzen, müsse jeder wvhl ihm, dem Vortragenden, darin zustimmen, daß das deutsche Volk sich auf die Dauer einr Regierung nicht gefallen lassen kann, die in der Mehrzahl aus Juden besteht. Warum gerade das deutsche Volk? — Und wie. 533 eit sind wir sonst gekommen in diesen wenigen Tagen? Die s Schuldenlast erdrückt uns fast,* aber dcr Rat der Volksbeouft j tragien wirst das Eald in unverantwortlicher Weise zum Fenster, hinaus. Soldaten verkaufen Waffen und Pferde für wenige Pfennige. Alles droht zu verkonnnen. wenn nicht bald eine starke Regierung dem Treiben unverantwortlicher Elemente^ Einhalt gebietet. Wir müssen weiter und müssen durch! Da es heute unmöglich geworden ist, zum alten Staat zurüchzukehren, soll zum NeunnsLan eine Regierung erstehen, hinter der der Wille des ganzen Volkes, nicht einzelner Parteien, steht. Un5" diese Negierung muß, lim ihr gesetzt? Ziel eines sozialen Staa. tes §n erreichen, vor allem eme starke Regierung sein. Dazu mithelfen und wirken ist unsere heilige Pflicht! Und Prof. CkalT' weit schloß seine Arrsfuhrunoen mit dom Appell an die Stuben, ten, wie sie hn Kriege Opfer an Gut und Mut fürs Vaterland gebracht hätten, so noch einmal zusammenzustehen und mit den Waffen des Geistes für die Erfüllung dieser unserer Schicksals- ftage zu känrpfen: Der Schaffung einer starken Regierung mir fester, überall anerkannter Autorität. — Dem Vortrag, der durch laute BeifallsbeZMgungev öfters unterbrochen wurde, folgte eine kurze Debatte, in der die M-ft. nungen scharf aufeinenderpravten. Leider war die Aussprache nicht in dem ruhig-sachlichen Ton gehalten, den man in Akademikerkreisen erwarten sollte. Doch dürfte der Abend als so'che^ jedem wohl reichen Gewinn und viel Anregung gebracht haben Hoffentlich werden die Vorträge in ihrer Folge das erreichen, was beabsichtigt ist: Die akademische Jugend zu selbständigem polnischen Denken zu erziehen. Ans der fsiimat. HMe Msimtki! 3j*£“ mals auf die rnsr-en (Sam^iap.) nachmittag 1 ithe im hiLffgcn Ratskeller (KaiserHr. 19) ftatt- fin-entzerr GrunDungsvsrfanrmlung der Hess. BolksparLei aufmerksam. Wir bitten unsere Freunde, der Versammlung beiwohnen zu wollen. Friedkerg, 12. Dez. Die Au'nahme der Wahl- j berechtigten für die am 19. Januar 1919 stattfindende Wahl zur Hessischen Landesversammlung erfolgt durch freiwilligen Hilfsdienst der hiesigen Lehrer u. Lehrerinnen am Freitag, den 13. und Samstag, den 14. ds. Mts. Aufnahme in der Wählerliste finden alle deutschen Männer und Frauen, die am 19. Januar 1919 über 20 Jahre alt find oder an diesem Tage 20 Jahre alt werden, soweit sie in Friedberg ihren Wohnsitz oder dauernden Aufenthalt (etwa als Dienstmädchen. Studierende usw.) haben. Das Gleiche gilt für Militarper- sonen, die hier ihren Standort haben. Wahlberechtigte, die am Montag, den 17. Dezember noch nicht für die Wahlliste vorgemerkt, d. h. durch irgendwelchen Umstand übersehen worden sein sollten, werden ausgefordert, sich rwch an diesem Tage auf Zimmer 4 des Stadthauses zu meiden. > Don der Kriegerkameradscha t tzaffia. 2rz der letzten Nummer des „Hessischen Kamerad" veröffentlichte das Präsidium einen Aufruf, in welchem als Aufgaben des Verbandes bezeichnet werden: Erhaltung der Einheit des deutschen Volkes. Pflege der Vaterlandsliebe und der Kameradschaft. Fürsorge für die Kriegsbeschädigten, die Krieoshinterbliebenen und Kriegsteilnehmer, nachdrückliche Vertretung ihrer Ansprüche auf Versorgung und Hilfe, Au^au der wirtschaftlichen Einrichtungen. 2m Jahre 1917 haben die Haffia und ihre Vereine für Wohlsahrtszi.vecke Mk. 155000.— aufgewendet. Das Präsidium will diese Leistung noch bedeutend steigern. Schotten. Ein bemerkensmerres Ergebnis hat die vom Kreisobstbauoerein durchgeführte Erfassung der Wildsrüchte im hiesigen Krei e gezeitigt. Es wurden im Laufe dieses Herbstes abgeliefert: 134 Zentner Hagebutten, 105 Zentner Mehlbeeren, 400 Zemner Schlehen. 264 Zentner Himbeeren, 101 Zentner Brombeeren. 372 Zentner Hollunderbeeren und 1604 Zentner Vogelbeeren. Den Sammlern wurden hierfür insgesamt 114815 Aiark ausbezahlt. FC. Vom Main. 11. Dez. Bei einer Haussuchung erschoß in Gienick derJagdaufseher Köhler den erst vor einigen Tagen vom Heeresdienst entladenen Tagelöhner Heinrich Hosmann aus Notwehr. Hojmann stand im Verdacht des Wilderns. Bus Storkcnbnrg. Darmstadt, 11 . Dez. Nach nahezu 50jähriger Tätigkeit ist minmehr der Vorsteher der hiesigen Kriminalpolizei, der Poti- zeiral M. Krämer, obwohl er noch einigermaßen rüstig ist. von seinem Posten zurückgetreten und hat sich heute von dem Personal verabschiedet. Gewiß hat K. im Laufe der Jahre, wie es schon der Dienst mit sich bringt, sich manchen Feind erworben. wenn auch sein oft kurz angebundenes Wesen manchmal falsch aufgefaßt wurde. Gewiß ist aber, daß er in den langen Dienstjahren nach besten Kräften bemüht war. den manchmal sehr schwierigen Aufgaben nach Möglichkeit gerecht zu werden, und wenn sein hohes Alter der neuen Richtung weichen muß, so darf man wünschen, daß er die verdiente Ruhe und Erholung noch recht lange genießen möge. — Die Pickelhaube ist auch im Polizeidienste dahier verschwunden. Seit Beginn dieser Woche versehen die im Dienst befindlichen Polizeiwachen den Tages- uird Nachtdienst ohne dieses oft lästige Instrument, wenn auch nicht zu verkennen ist, daß es in Fällen ernster Streitlgkelteä. usw. vielen Schutz geboten und manches Unglück verhütet Hai. — Falsche Zwanzigmarffcherne des Notgeldes der Stadt Dacm- ftadt sind, wie wir erfahren, im Umlauf. Die Nachahmung M auf der Vorderseitc ziemlich täuschend und kaum zu unterschei-- deu, während dir Fälschung bei devl engen Druck auf der Rück- feite vollständig verschwommen und leicht zu erkennen ist. Man^ wird gut tun, besonders auf die Rückseite zu achten. Büttelborn, 11. Dez. Bürgermeister Sennsfelder wurde unter Bewachung gesetzt» nachdem er einer sechs Mann starken Abteilung des A.. und S.-Rates erklärt hatte, daß er keine Kirr» toffeln abgeben könne, da der Ort zum Festungsbereich Mainz gehöre. Mit vielem Hin- und Herrcden brachte man es dennoch fertig, ein nennenswertes Quantum Kartoffeln zu kaden. Bei der dann folgenden Stärkung im „Löwen" sollen zwei Mann der Abteilung versucht haben, die Wirtskosse mitzunehmen, aber durch die Wirtin erwischt worden sein. Der Ehemann soll fpL.- 1 er Ra^e geübt haben. FC. Von der BrrLisirasto, 11. Dez. Wegen Ge- heimschkachterei wurde der Landwirt Adam Schmiedel von Sulzvach in eine Gefänffnisfirafe pan zwei Wochen genommen, sowie in eine Geldstrafe von 1500 Mark. AuS.HrssevRasiau. FC. Herboru, 11. Dez.. Am Vcchniibergang zwischen Guntersdorf und Noth fuhr ein Westerwald,zug in eine marschierende Kolonne. Ein Fuhrwerk wurde übers fahren, ein Mann getötet, einer schwer verletzt und die beiden Pferde des Wagens gelötet. FC. Wetzlar, 11. Dez, Das Ersatzbataillon 81 ist hier eingerückt und hat in der Ilnterofsizierschule Quartiere bezogen. Das aknve Infanterie-Regiment Nr. 81 ist noch unterwegs und erst m einigen Tagen hier zu erwarten. FC. Wiestzaden, 11. Dez. In der Wartburg fand heute die Gensraloerfammlrmg der hiesigen Metzger- Innung statt, die überaus stark besucht war. Obermeister Kiesel leitete sie und begrüßte vor allem die aus dem Felds zuriickgekehrten Meister und gedachte der auf dem Felde der Ehre gefallenen Mitglieder und Gesellen Hierauf wurde in die Tagesordnung eingetreten. De nach dem Bericht des Meisters Albert Baum die finanzielle Lage der Viehverficherung eine äußerst günstige ist, beschlast die Versa mnrlung einstimmig einen namhaften Betrag unter ihre Mitglieder zu verteilen. Zwei Drittel des Betrages sollen den Feldzugsteilnehmem als llnterftützung überwiesen werden, ein Drittel den Daheimgebliebenen. Die durch den Krieg oder Krankheit in Not geratenen hier wohnenden verheira^etek Gesellen sollen aus dem Fonds Unterstützung erhalten. Eine sechsgliedrige Kommiffion wurde gebildet, um diL Mittel richtig zu verteilen. Sie besteht aus den ÜÜ«* stern: Joseph Stern. Viehmann, Ritzert, Hermann und Albert Baum. Der Voifitzende streifte sodann die augenblickliche Lage des Arbeitsmarktes. Ein Angebot über Bedarf sei zu konstatieren. Infolge der politischen Unr- wätzungen sei der von der Innung eingerichtete Arbeitsnachweis aufgehoben.worden. 2n Zukunjt seien somitalle Meister verpflichtet, ihre Gehilfen durch das Arbeitsamt einzustellen. Bestehen bleiben wird, daß die Gehilfen bei den Meistern direkt nach Arbeit Nachfragen können, sich jedoch nachträglich durch das Arbeitsamt in diese Stelle einweisen lasien müssen. 2n der sich anschließenden Diskussion wurde u. A. lebhaft Klage geführt über die letzten minderwertigen Fleischbelieser- ungen für die hiesige Stadt durch die Fleischstelle in Frankfurt a. M. und betont, daß es den Metzgern bei diesem minderwertigen Fleisch ganz unmöglich gemacht werde, mit dem zum Ausschneiden gewährten sieben Prozent Fleisch auszukomnren, ohne daß die Kunden benachteiligt würden. Der Vertrauensmann des städt. Fleischamtes, Peter Schmidt, bemerkte, diese Klage sei sehr berechtigt. Besonders beider letzten Viehablieserung- das durchaus der geringsten Klaffe angehörte, habe er sofort alle Hebel in Bewegung gesetzt, um diesen Mißstand abzustellen. Es sei ihm zugesagt und eine Erhöhung der sieben auf zehn Prozent in Aussicht gestellworden. Aus Rheinhesseu. FC. Worms, 11. Dez. Der französische Oberst de Daulcrainant hat den Posten eines Zivilgouverneurs für Stadt und Kreis Worms übernommen. FC. Worms, 11. Dez. Nach einer summarischen Schätzung hat die Herrschaft der Arbeiter- und Soldaten- rate für die Stadt Worms eine Betastung von 400000 Mark gebracht. vvs der Pfalz. FC. Aus der Pfalz, 11. Dez. 2n Queichheim warf ein zwölfjähriger Schüler einen Feuerwerkskörpek unter ein fahrendes Auto mit ftanzö ischem Militär. Durch die Explosion desselben entstand an dem Auto ein Schaden. Infolge dieses Vorfalls wurde der Gemeinde Quaichheim eine Geldbuße auferlegt, zu der jede Familie herangezogen wird. Die ganze Gemeinde muß unter einen solchen Laus buben lreich leiden. Alit.tsi«ar!rtan;kißkr Offene rtellrn: 42 Knechte, 6 Taglöhner. 3 SchweinefäUerer, 1 Schi hmache^ 1 Müjchinist, 2 HUfsmonteure, l Wagner. 8 teilen!uäesfctT Mehrere Melkerfamilien und ledige Melker. 1 Dtetzger. 3 Polsterer. 4 Bürogehrisen. 3 Bürosrauleins. 2 KinderpäutemL oder Veckäuferinnen, Ge.chäslsleu^e aller Art. 2 Köche. Verantworlllck für den politischen und lokalen ie\\: Cttfl Hirschel, Friedberg', für den Anzeigenteil: C. Schrnidt« Friedberg, Druck und Verlag der »Reuen LageSzeltungE A- Lriedbera i, L. HerxenskKmpse. Roman von Helene § ckütky. geb. von Gersdorff. (Gop^r'lZht 1915 by C. Ackermann.Stuttgart.) 59) Nachdruck Laoten. 23. Kapitel. Während sich die ^anze Stadt mit den Ereignissen im Äntek- mrrnnschsn Hause aufs lebhafteste beschäftigte und Wahrheit und Dichtung bunt durcheinanocr vermengt wurden, verlebte die Heldin dieser phantastischen Gerüchte schöne Tage stillen verborgenen Glücks. Trotzdem sic, wie auch die gute treue Lina sich von den Schrecken und Strapazen ihrer Flucht körperlich vollständig erholt hatten, war es doch bei allen Hausbewohnern wie ein stilles Einvernehmen, daß zunächst niemand ihre so schwer errungene Ruhe stören wollte. Von E. war noch kein Lebenszeichen eingetroffen, keine Antwort auf den Brief des Kommerzienrats es herrschte eisiges Todesschweigen, trotzdenr schon mehr als eine Woche seit Hildes Flucht au§ dem Vaterhause vergangen war. Anlelmann's wußten nicht, wie dies Schweigen zu deuten war. Beim Eeheim- rat war das überhaupt schwer. War es Zorn? war es Rat- losigkeit? war es vielleicht gar ein weichere?, der Reue ähnliche? Gefühl? Jedenfalls waren sie dadurch in der Lage, sich auch nich4 Lcherftiirzen zu müssen, sondern Hilde eine Frist vollständig geistigen und körperlichen Ausruhens gönnen zu können: Neinhold brachte jede Minute seiner dienstfreien Zeit ln Hilde's Gesellschaft zu. Die Liebenden waren glücklich, so wie e? war, und schoben alle Zukunftspläne einstweilen absichtlich beiseite. Ausgehen mochte Hilde gar nicht, ihr graute vor d-un ersten Verlassen der schützenden Mauern in ihre? Onkels Hause, vor, der ersten Berührung mit der Außenwelt. Dennoch kam bald der Zeitpunkt, wo sie sahen, daß dieses süße Sichgehenlassen aushören müsse, daß sie Stellung zu der Sachlage nehmen, einen Entschluß zu fassen genötigt waren. Bei einem Ausgang war Frau Ella mit einer bekannten Dame Zusammengetroffen, durch welche sie eigentlich erst richtig erfahren hatte, bis zu welchem Grade ihre. Familie den Mittel- puickt eine? unglaublichen Klatsches und Tratsches bildete. Neben dem gutartigen, der Wahrheit ziemlich nahekommenden Gerede waren allerlei verleumderische und garstige Gerüchte aufaetaucht, welche sowohl Hilde?, wie Neinholds guten Namen ernstlich zu gefährden drohten. Sehr empor? mE aufgeregt ^am Äe Äontmerzieirratiik nach Hause und lief direkt zu ihrem Gatten, um wie gewöhnlich mit ihm großen Rat zu halten. Das Resultat war, wie nicht anders möglich, daß sie mit Reinhold und Hilde reden mußten, was mm weiter für Maßregeln zu ergreifen seien, um diesen Redereien ein Ende zu machen. - „Die armen Kinder!" seufzte Frau Ella. „Sie sind so glücklich und zufrieden. Und nun muß man sie schon wieder aus ihrer kaum gewonnenen Ruhe ausstöbern! Wollen wir nicht zuerst mit Reinhold allein reden?" ,,Ma? soll das nützen. Frauchen?" antwortete der Kommerzienrat. „Wir wissen ja schon, wie er dazu steht. Ohne Einwilligung de? Vaters ist für ihn als Offizier die Heirat N'.'.t Hilde unmöglich. Daran kann er nichts ändern." „Also Trennung? Aber das ist fürchterlich!" rief Tante Ella ganz außer sich „Besonders, da die nötigen Mittel vorhanden sind, auch ohne fein, de? Rabenvaters, Einwilligung. Das ist keine Lösung des Knotens, das ist nur ein neuer Akt des Dramas." „Aber was bleibt anderes übrig?" erwiderte Onkel Bernhard, ebenfalls niedergeschlagen. „Entweder müssen sie hei- i raten oder sich trennen, und da orsteres unmöglich scheint, so l bleibt nur letztere? möglich." „Und da« soll ich ihnen sagen?" rief Tante Ella fast verzweifelt. „Rein, das bringe ich nicht fertig? Bernhard, ich bitte dich, übernimm du dis Hiobsbotschaft oder soll ich Hans rufen?" „Nein. Ellachen, damit ist nicht? geholfen! Da heißt e?, den Stier bei den Hörnern greifen. Komm, ich werde versuchen, ihnen den Fall klar zu legen. Schließlich sind sie ja beide gute verständige Menschen. Sie werden die Notwendigkeit eins^hen und keine Szenen machen." Nein, sie machten kerne Szenen. Neinhold war gerade an. westnd. Er saß mit Hilde Hand in Hand m Tante Ella's Vou- douir. Sie machten beide gerade sehr ernste Gesichter, als Onkel und Tante eintrglen. * / „Kinder", hob Onkel Bernhard an. „leider ist es die höchste Zeit, daß wir ernstlich besprechen, was nun weiter mit euch beiden geschehen soll. Es ist zwar sehr hübsch so. wie e? jetzt ist. daß e? aber nur ein Uebergangsstadium sein kann, ist klar, nicht wahr?" „Onkel Bernhard, wir waren eben dabei, uns das klar M machen", erwiderte Neinhold. „Hilde weiß alles, wie es stehch _und ist auf das Schlimmste gefaßt." „Äch, da? ist gut, daß sie schon ein wenig orientiert ist", sagte Tante Ella erleichtert aufatmend. „Ich hatte solche Angst, Illusionen bei ihr zerstören zu müssen. Hilde, Liebling, es H doch abscheulich, nicht wahr?" „Tantchen, ja, es ist ein wenig hart, daß nun wieder neu« Hinderenisse sich zwischen un? auftürmen wollen", erwidert« Hilde. „Aber wir müssen eben Geduld haben. Nachdem wir schon so viele Schwierigkeiten glücklich überwunden haben, dür- fen wir jetzt auch nicht verzagem Es ist doch viel, daß wir uns wenigstens sehen dürfen." „Aber, Kind, das ist's ja eben! Das will die böse Welt auch nicht mehr dulden!" entgegnete Tante Ella. Ella seufzt^ und erzählte, was sie vorhin von der bekannten Dame vernom« men hatte. Hilde war starr und auch Neinhold sehr betroffen. „Das geht nicht. Hilde, mein Lieb, daß man deinen Ruf ctn* zutasten wagt!" rief er sehr entschieden. „Das muß aufhörenk^ „Aber wie soll man dem Gerede Schweigen gebieten?" fragte Onkel Bernhard. „Das ist eher gesagt, als getan." „Rein, Onkel Bernhard, es muß auch getan werden!" ev* klärte Reinhold fest. „Und zwar folgendermaßen? bi? sich unser Schicksal entschieden hat. muß ich euer Haus meiden, darf et mit keinem Fuß mehr betreten. Die Welt die alles erfährtz wird auch dies erfahren und ihre Schluffs daraus ziehen." „O. Reinhold!" rief Hilde schmerzlich. ,.E? hilft nichts, Liebstei Es muß fein!" erwiderte eg milde, ober im Tone eines unerschütterlichrn Entschlusses. ..Dei« reiner Name muß mir höher sichen, als alles andere, selbst als deine Sehnsucht nach mir. al? meine nach dir. Uns bleibt j« *immer noch der schriftliche Verkehr als kleiner Trost." „Reinhold hat vollkommen Recht, so leid es mir tut", ös» stätigte der Kommerzienrat dessen Rede. „Indessen ist es nur ein momentaner Ausweg, nicht aber eins rationelle Hilfe." ..Die gibt es vorläufig auch gar nicht" versetzte Reinhold. „Aber nun hört, was wir vorhin schon, ehe ihr kamt, mit einan. der verabredet halten Um die Situation zu Karen, muß ich einen Schritt tun, dessen Ergebnis ich allerdings schon vorher weiß der aber der Form wegen dock getan werden muß. Ich werde bei Hildes Vater schriftlich um ihre Hand anhalten, wa» ja bis jetzt noch gar nicht geschehen ist." Fortsetzung folflt. tn großer Auswahl, noch guten Stoffen, gebe noch billig ab. Einzelne Hosen, Joppen, Arbeitsweften soforc bei Soliiielderel Walt, Front, urt a. Sük, Bleich itr. i6, 1. waren in best. Aus führ, eu billigsten Preisen. Granfuchs. ZobelFucbi». Alaska fuchs, I' eh. Oyossum. Maulwurf. Murmel Felle. Schweife Pelzbesätze fa reicher Auswahl. Neuanfertigungen nnü Umarbeitungen werden geschmackvoll u preiswert ausgeführt. - (A804Ü Eigene Kürschnerei :: im Hause t: Cer! Kapp! FranUturl a. M., 107 Fahrgasse 107 Ecke Töngessrasse. Reizende Gelegenheits- Geschenke für Weihnachten, (Geburtstage u. Konfirmation. Man verlange jetzl ,chon Auswahliendungen von Wilhelm B.olirey. Uhrmacher und Goldarbeiter, Nrever-Florstodt. find und diosden für jeden Geschäftsmann die vortsiihasteste Mkiams. Sie Können jedoch nur dann ihren Lwerk wirklich srMsn, tvmn sie ein gefälliges Aussehen hoben. Sehen Sie derhoid in erster Linie ous einwandfreie Ausführung der von Dhnen zum Druck gegebenen Aufträge. Mir empfehlen uns Zur Anfertigung aller Drucksachen für Geschäfte. Gehörden. Vereine sowie für den persönlichen und famiiiären Sedarf. Mmm LagöLAMmM ffernfprecbecllk. <58 WtlQVVÜtQ 8. fll. Hanauer Llrcchs 12 Zum Schlachten! Ia. werte Kranzdärme, la. weite Mittcldärme, Ia. protze Ochsenbutten, sowie Nmds-, Kalbsund Schweineblasen, rcingemahlenen Pfeffer, Wurstkordel und Pfeffererjatz empfiehlt G©Oi 9 g’ Willi. 2 ZÖ 11 , Friedberg i. H. Kai ersuaße 12, Telefon 410. Militärsormulare, Entlassungspapiere, Vürobedarfsartit'el. Friedr. Streckfuß, Frredbergi.s. Telefon 3b4. Vom Felde zurückgekehrt, habe ich meine Errrg große Thüringer Nei?erbL?eu alle Sorten Bürsten, Besen Strieael, Toiletts-Artikel- prima Rasier- u. Toilette- seise, prima Linoleum- und Parkettwachs alles in großer Auswahl. Theobald Steinsl Bürsienmbri!. Friedbsr^, itoi'erslrgße 117. FFaXSS als Geometer 1. Klasse wieder übernommen. Empfehle mich den verehrten Interessenten in allen VermcssuRgsarbeiten. Bestellungen werden entgegen genommen. Friedberg (Hessen) Kaiserstraüc 199 (Nähe d Ackerbauschule) K. Jäckel, Geometer I. Klasse. Gur erhaltener Geschiiftswagen sbreakartig) zu verlausen. Wo 7 lagt die Ge chäfisstelle der „Reuen Taoes'k'tung" Dienstag, den 17. ds. Mts^ nachmittags V 2 - klhr, sollen arH der Bürgermei,terei Gamdach ejn Eber und ein Ziegenbock beide noch diensttauglich, vevr steigert werden, tvambach. d. 13. Dezember 1918. Bürgermeisterei Gambach. R e uh l. jlfrliftciBiia Irnnrnfcrr Stnitn bei dstrchurächtigteit und onstige Versicherun en üdelnimnu Vater- ländische Viehversichrrungs.eftüschait, Dresden. Weroerstrahe 2g. Prompte Ents äoigung Ins zu tlü 0 /q der Verficherungs.umme. Günstige Vetsicherunasbedingun en V^chste Rejerven. Tüchtige Verireter überall ge acht _ UMtr-Wtlik!! werden wieder ausgeführt, auch auswärts. Phil. A. Dickardt. Maurermstr., Vt'bel. Bestellung durch Postkarte. UefeN jchnell und billig Ne« S«Lesrtit>os Arilderei >. YetUÄ-G. der. Werden durch meln^ V&gimb und Bullenstäbe schnell, billig, bequem and sicher gekettt? Bezug durch TierSrzle. Prospekte gralla'duFffij Or.Piate.'Brügge iw. mhlmid 2• Zimmer wohnosg mit Küche tum 1. Januar geiucht. Zu erfragen in der Eeichä is^ stelle de „ ieuen Tageszeilung" Zlliili. m mehrere Jahre auf Güter tälig. lucht Stellung aus mittelgroßem Gut als HaushäUeiin m>n 1. oder lb. Januar. Familienanschluß ev- wiinicht. Offerten unter Nr. 2761 cm di Ge>hästssteüe der „dteuen Tage» zeitung". grau oi»rr Wlhcu tagsüber gesucht. Kühl, Friedberg, Kaiserstr. 68^ Prutldiflndjrlbnnr, grau mit braunen Platten. V,. Ja alt. auf den Namen Martö h rend entlaufen. Dem Wiederdringer gute BV lohnung Albert Scliudt, Drund-Schwalheim b. Echzell.