U,immer 2 92 Cinfklpreig yg, Donnerstag!, den 12. Dezcmder 1918 11. Ial;rga,rg. Dle jr rue tz-aaes,ei1ung" er.chemt leöen Tertia 7 . Reoetmaßige Beitaqen ..Ser R«"'er aus O-N-n". „Sie Sprnnlnbe". Se.uqsprojo: Lei den Poitanstatten üieneiiäljriid) Ätt. 2.70 Kinzu tritt noch das Bestellgeld: >'ei oen'Aaenten monatlich 1.00 Ml. einichliehlich Trägeriodn. Anreisen: Grund-eile 2b Big., totale 20 3iq„ Lnzetgen von auswärts werden durch Lo.'tnachnahme erlioben. Eriüllunnsorr ^riedbera. 5-chriftleitunu und ^lerla'Z vriedbern liehen!. lancruertraszs 12. vern ore bsr 18. Lo t- -rl-Lsnto Nc. 18.'»9. Umt Traitturt a. M. Die ^osiöjttngshcftrevungcn. Bekanntmachung. Berlin. 10. Dez. (WB.) Die in verschiedenen Gegenden d^s preußischen Staates gemachten Versuch.' Telle von Preußen loszutrennen oder in Preußen eigenmächtige obrigkeitliche Befugnisse auszuüben geben uns Veranlassung, darauf hinzuwei- fcn. daß solche Bestrebungen das Gemeiruvohl gefährden. Deshalb muffen dvef« mit allen zu Gebote stehenden Mitteln bekämpft werden. Dies gilt auch besonders für diejenigen gemischtsprachigen Landesteile Preußens, über deren staatliche Zu- gehörigkeil erst durch den Friedensvertrag die Bestimmung getroffen wird. Fm übrigen wird über die künftige staatsrechtliche Gestaltung Pieußens durch die Nationalversammlung entschieden werden. Sämtliche preußischen Behörden werden angewiesen. sich nach dielen Vorschriften unweigerlich zu richten Allen dem zuwiderlausenden Eingriffen ist unnachsichtlich ent- gegenzntreten. Auch erwarten wir in jedem einzelnen Falle sofortige telegraphische Anzeige. Die preußische Negierung gez. Hirsch, Ströbel, Braun, Euaen Ernst. Adolph ^ . N-nann, Rosenseld. Die S.=!iMriitia des 18 . ArnlttKsrp§. Bad-Nauheim. 11 . Dez. (WB.) Heute vormittag selten etwa 200 Angehörige der Sokdatenräte des 18 Armeekorps 7 ., der hiesigen Turnhalle eine Versammlung ab. Den Vorsitz führte der Vertrauensmann des 18. Armeekorps, Sergeant Kremser. Redakteur Altmeier sprach über die innere und äußere Lage der deutschen Republik. Hauptmann Müller cicrk Richtlinien für die Soldatenräte. Oberleutnant Skendelmch hielt einen Dortrag über Demobilisationsfragen. Nach dem Vortrag des Redakteurs Altmeier wurde folgende Entschließung gegen 2 Stimmen angenommen: Die heute in Bad-Nauhe-m tagende Räteverfammlung der Truppen des Bereichs des 18. Armeekorps bekennt sich zu der Negierung Ebert-Haase und fordert die baldmöglichste Einberufung der Natwnolpersamm- lung zur Sicherung und zum Aulbau der Republik. Die Versammlung verurteilt aufs schärfste das unverantwortliche Treiben der Spartaknsleute und verlangt von der Regiernna. daß sie bier sofort mit allen Mitteln ein Ende mache. Als ebenso selbstverständlich muß jeder Versuch gegen die Revolution, der von rechts gemacht wird, aufs fchärffte bekämpft werden. Drohende Einvcrleibnngl Koblenz, 10. Dez. Der hiesige Oberbürgermeister keilte der „Köln. Ztg." zufolge in einer Sitzung des Arbeiterrates aus vollkommen sicherer Quelle mit, daß Frankreich auf Einverleibung des linken Nbeinufers hinziele. Belgien und Italien unterstützten diese Forderung. und England werde in dieser Beziehung auch keine Schwierigkeiten machen. Nur Amerika werde vielleicht dagegen sein. Deshalb müsse man unbedingt dafür sorgen, daß die heutige Negierung anltlich vom deutschen Volke anerkannt werde. Vis dies durch die Nationalversammlung geschehen könne, sei es vie 'eicht schon zu spät. Es bleibe nur noch ein Ausweg übrig! den Reichstag möglichst bald einzuberufen. Der Reichs- tag könne aber unmöglich in Berlin zusammenlreten, weil er doch unter den heutigen Verhältnissen nicht frei arbeiten könne. Er habe daher den Vorschlag gemacht, ihn nach Koblenz oder Kassel einzubensten und habe dementsprechende Telegramme an die Negierung und den Reichstagspräsidenten abgeschickt. Trnppensinzng irr Kerlirr. Der zweite Einzugstag. Berlin, 11. Dez. (MB.) Ter zweite Einzilgstag stand noch unter der schlechten Laune des Wettergottes. Trotz des rieselnden Regens und schnmtzbedecktcr Straßen erschien die Berliner Bevölkerung wieder aus dem Plan, um mit der- ielben herzlichen Begeisterung wie gestern die deutsck>e Jägerdivision zu begrüßen, die schon urehrere Tage vorher in den Ortsckxstten ani Grnnewald eintraf und dort Rast machte. Als sich der Zug mit Lanzenreitern an der Spitze dein Brandenburger Tor nahte, spielten die vereinigten Kapellen unter Leitung ihrer Dirigenten, Obermusikmeister Görisch rnrd Kühle, den Präsentiermarsch. Es war eine Freude, zu .sehen, wie die Peine flogen, als nufere Jäger an dem Kriegs- minister und dem General Lequis vorbeimarschierten, die unaufhörlich mit Kopf und Hand unsere Helden grüßteii, .Offiziere und Mannschaften, Wagen und Pferde, ja selbst die Waffen waren mit frischem Tannengrün geschmückt. Die erste Schwadron des 10. Dragoner-Regiments marschierte zuerst über den Pariser Platz. Dann folgten der Divisionvstab mit dem Generalmajor von Dassel als Führer und in bunter Reihenfolge das Garde-Reserve-Uger-Batml- lon, das Garde-Reserve^Schützen-Bataillou, das Jäger- Regiment 11. das Jägerbataillon Graf Mrk, die Lichterfelder Gardeschützen mit ihrer alten ruhmbedeckten Fahne, eine Pionier-Abteilung, mehrere Batterien des Feldartillerie- Regiments Nr. 24, Nachrichtenformationen, das Jäger- Regiment 12 das Infanterie-Regiment Nr. 189. dis Jäger- Regimenter Nr. 2 und 7 u. a. Als ein Teil der Truppen auf den, weiten Platz Ausstellung nahm, begrüßte als erster Redner Volksbeapstragter Haase unsere Braven. Darauf spielte die Kapelle unter dem Munkinspizienten Grawert Stimmt an mit belle.:, hohem Klang". Als der letzte Ton verhallte hielt der zweite Bürgermeister von Berlin Tr. Reicke im Namen der Stadt eine Ansprache, die mit einem treißachen Hoch allf die Jäger ausklang, in das alle freudig einstimmten. Unter den Klängen des Borckichen Marich-es ging es weiter durch die geschmückten „Linden" den Quartieren entgegen. Dg (Fiiifntf, A - mil> Svüiifr ttüd Rällzsiliß. Serien, 11 . Dez. Der ..Vorwärts" schreibt: ..Mir haben bereits berichtet daß die Entente ein neues Ultimatum an Deutschland oormbereiten scheine, um die sofortige ..Wiederherstellung gesetzmäßiaer Ruße und Ordnung" zu erzwingen. Dieser Schein wird jetzt deutlicher und fast mr Gewißheit Wie der ..Temvs" berichtet, liegt eine Note der Alliiertem an Deutschland auf eine sofortige Auflösung der aesamten Arbeiter- und Soldatenräte der Pariser Konferenz zur Beschlußfassung vor. Die Note, die nach Wllfons Ankunft ab^elandt werden soll stellt eine vierwöchige Trist zur Wiedereinsetzung der rechtsmäßlgen Behörde, nach deren Ablauf die Alliierten selbst die Bekämpfung des Bolschewismus m Deutschland in die Hand nehmen würden. Dazu liegen weitere Londoner Meldungen vor. die die Wchrscbeinlickck^it dieser Deweouna stützen Fock' soll mit der Leitung d;r militärischen Maßnahmen geaea Deutschland betraut werden. Die Zusammenziehung der Truv- pen - der deutschen Grenze dauert karr. Auch die van uns ae- meld.te Ansammlung von 82 000 Engländern in Köln muß damit in Zusammenhang aebracht werden. Die ..Times" schr^dt daß ein Sieg der Liebknechtgruppe für die Alliierten die Aufforderung sei. in Deutschland einzumarschieren, um dort die Ordnung herugstcllen “ Mit dieser Austastung steht folgende Mitteilung des ..Becl. Tageblatts" im Einklang' „Die Entente ist allem Anschein nach tatsächlich nicht geneigt. mit der sozialistischen Negierung und dem Arbeiter- und Soldatenräten Deutschlands zu oerhnndeln. da sie in diesen Körperschaften 'keine Vertretung des gesanrfen deutschen Volkes erblickt. Sie dürfte, nachdem sie seit vier Wochen bereits jeden direkten diplomatischen Verkehr mit der Reichsleijung vermieden hat. morgen bei Beainn der Verhandlungen über die Vor- längerung der Waffenstillstandsfrist in Trier eine dahingehende Erklärung abaeben. Angesichts dieser Sachlage schweben innerhalb des Kabinetts Verhandlungen darüber, den Reichstag wieder einzuberufen. um der gegenwärtigen Regierung eine parlamentarische Grundlage zu geben. Schon letzt kann gesagt werden. daß die Regierung notgedrunaen die Konseguenzen aus dem Verhalten der Entente wird ziehen wüsten. Man rechnet in unterrichteten Kreisen damit, daß der Reichstag bereits Anfang nächster Woche Zusammentritt Tin solcher Beschluß dürfte spätestens im Laufe des morgiaen Tages erfolgen Wir möchten in diesem Zusammenhänge darauf Hinweisen, daß die Reichstagung der Arbeiter- und Soldatenräte auf Montag, den 16. Dezember nach Berlin einbcrufen ist." Ein angeblicher Staatsstreich. Nach dem „B. T." hat der Nat der Volksbeauftragten ermittelt, daß nicht bloß die zwei Beamten des Auswärtigen Amtes, sondern eine Reihe anderer Persönlichkeiten als Urheber des Haftbefehls neuen den Vollzugsrat zu betrachten sind, und daß der Zusammen- lunftsort jener Gruppe, die an den Umtrieben gegen den Vollzugsrat beteiligt war, ein Zimmer im Hotel Bristol sei. Im Salon Nr. 221 des „Bristol" fand man 22 Herren, die dieser „Verschwörung" verdächtig erschienen; sie wurden sämtlich verhaftet. Soviel bisher bekannt ist, befindet sich unter ihnen außer mehreren Studenten der in dem Anschläge erwähnte Herr v. Nheinbaben. ein jüngerer Prinz Hohenlohe und ein Herr Dr. Sack. In einem Nebenraume fand man 300 Gewehre, die mit Beschlag belegt wurden. Weitere Durchsuchungen der Räume und Ermittlungen unter den Gästen ergaben nichts Belastendes. Auch diese Verhaftung hat sich als ein Mißgriff herausgestellt. Nach nahezu elfftündigem Verhör sind sämtliche Festgsnommenen. mit Ausnahme des Referendars Dr. Sack, enthaftet worden. Die Festnahme stand im Zusammenhänge mit der Aufdeckung einer besonderen Studentenwehr, die sich ohne Bewilligung der Regierung gebildet hat, um für die Ausrechterhaltung der Ruhe und Ordnung in Berlin zu sorgen. Ihr Führer mar Referendar Dr. Sack. In der Wehr sind ungefähr 500 Höhrer der Berliner Universität ein- oe.reten. Durch die Vermittlung eines Offiziers des Kriegsminffteriums ist es ihnen gelungen, 500 Gewehre zu erhalten. Die Studentenwehr batte die Absicht, für den Fall eines Putsches der Spartaiusgruppe jcderzei' alarmbereit zu sein. Die Ermittlungen haben bisher ergeben, daß es sich um keine politische.Organisation gehandelt Hot, sondern lediglich um den Wunsch rer Stri' enten, im Interesse der Regierung Ebert-Haase Putsche zu verhindern. Ein Zusammenhang zwischen dieser Studen enwehr und dem Bettuch, im Abgeordnetenhause, den Vollzugsrat zu verhaften, ferner ein Zusamm'mng zwischen Dr. Sack und dem Grafen Maruschka sowie dem Freiherrn v. Nheinbaben aus rem Auswärtigen Amt besteht nicht. Die Festnahme des Dr. Sack ist eriolgt, weil die Regierung es nicht dulden wollte, daß jüngere unerfahrene Leute eventuell auf eigene Faust Waffengewalt ausüben. Die Ablkl-innig dcr rnißfdini ^borkii^. Berlin. 10. Dez. Die vom Vollzugsrat an die russischen Arbeiter- und Soldatenräte gerichtete Einladung zur Tei nähme an dem Zenlralrat der deutschen Arbeiter- und Soldatenräte ist Gegenstand von Erörterungen im Kabinett gewesen. Es wird jetzt von unterrichteter Seite bestätigt, daß die deutsche Negierung an die Russen die Bitte gerichtet hat, mit Rücksicht aus die außenpoliti'che Lage, in der sich Deutschla 'd zur Zeit befindet, x?on ihrem Besuch ab usehen, da ein Eüch-stnen bolschewi.is her Vertreter Deutschland jedenfa in Schwieriakeiten der Entente gegenüber bringen dst sie. Die russische Sowjetabordnung, die aus den Hr.en Joffe und Radek bestand und bereit an der ' ze eingetroffen war, wird nunmehr unverzüglich - ach tan v.rü kehren. Rußland. D e Zummmenstöße mit den deutschen Truppen. Le lin, 8. Dez. (W. B.) Auf den deutschen Ein» spruch wegen der russischen Angriffe aus Ncuwa, Pleskau und Klinüy -Ukraine) hat die rus s e Neuerung durch einen Funkspruch geantwortet, sie habe stets alles getan» das Verhältnis zur deutschen Armee freundschaftlich zu gestalten. Sie fährt dann fort: Wenn jetzt nah dem Abzug der deu schen Truppen gewisse ge enrevol ui insire Elem ne^e mit den Weißgardisten gemeinsame Sa e ma chlen imb mit den russischen Truppen in offenen Krieg tra'.en.. io benutzt das Auswärtige Amt diese Gelegen- heit, um die Handlungsweise der russischen Regierung, d e stets mit allen ihren Kräften na h einer Verständigung mit den deutschen revolutionären Soldaten strebte, als eine der deutschen Armee gegenüber feindliche darzustellen. Das Auswärtige Amt versucht dem deutschen Volke glaubhaft zu machen, daß die russische Negierung den Anzug der deutschen Truppen gefa rden will, nachdem die russische Zen ral- und. Lokalbehörden im Gegenteil jede mögli e Hilfe den abstehenden Truppen stets vorgeschlagen haben. Das Auswärtige Amt spricht sogar den Feindseligkeiten russische-seits, nachdem im Gegenteil die russische Regierung und die russische Armee aus das Zustandebrrngen sreundschaitlicher Ver- bältnisse zu den deutschen Truppen hingearbeitet haben. Die russische Regierung protestiert auf das enlschiedsnste gegen diese Verdrehung der Tatsachen und wird alle ihr zur Verfügung stehenden Mittel benutzen, um dem deutschen Volke die wahre Sachlage zur Kenntnis zu bringen. — Der russische Funkspnih ist der Ostfront zur Aeußerung übermittelt. Diese antwortete folgendermaßen: Es handelt sich sowohl bei Rarwa wie bei Pleskau und Klintzy um wohlvorbreitete russische Angriffe aus unsere Truppen noch vor dem Abzug. Heber die An- griffsvorbereilungen der Russen bei Rarwa und Pleskau Hegen sichere Nachrichten vor. Der russische Funkspruch ist Lüge. Spanien kommt anch noch! Nach einer halbamtlichen Meldung aus Madrid wird der ,stNationalzeilung" aus dem Haag übermittelt daß der neue (deutschfeindliche!) Premierminister Ro- manones den deutschen Gesandten Prinz Ratibor wegen seiner Spionagepropaganda ausweisen wird. Gleich» zeitig wird aus Berlin gemeldet, daß der bisherige spanische Botschafter Polo de Bernabe von seiner Regierung abberusen ist. Ein neuer Botschafter soll erst dann wieder ernannt werden, wenn in Deutschla " wieder gesichette Zustände hergestellt sind. D et* Zeichen des Mißtrauens einer streng neutralen und m den Grenzen dieser Stellung stets wohlwollender Macht, wie es Spanien Deutschland gegenüber in diesem Kriege stets war. ist sehr bedauerlich. Die Ententewühlereien haben also in Spanien ihren Zweck erreicht, denn die angebliche deutsche Spionage ist nur ein Verwand. Gegen den Terror in Wien. Wien, 6. Dez. Aus Wien wird geschrieben: Dr. Hans Ludwig Rosegger, der Sohn des unvergeßlichen steirischen Waldpoeten, hat einen Aufruf an Deutschösterreich gerichtet, in dem er sich in kraftvollen Worten gegen den Terror der Sozialdemokratie in Wien wendet. Hans Ludwig Rosegger der bekanntlich auch ein sehr begabter Dichter ist, tritt für das Bürgertum und die Bauern ein, die sich durch den Terror der Roten nicht einschiichtern lassen sollen. Deshalb verlangt er, die verfassunggebende Nationalversammlung soll nickt in Wien, sondern in einem unabhängigen wirklich deutschen Orte abgehalten werden. Geht der rote Terror so iveiter in Wien dann ist eine Loslösung der Alpenländer von Wien unvermeidlich Tann ist Wien politisch vereinsamt und erhält auch keine Lebensmittel. Die heute noch halbwegs einflußreichen.Kreise des Bürgertums und der Bauern sollen ih-rv Schlappheit abschütteln uwb sich von der roten Schreckensherrschaft befreien: „Darum fort mit der verfassunggebenden Nationalversanimlung aus Wien! Wilhelm II. Haag, 10 . Dezbr. Amtlich wird mitgeteilt, daß im Auswärtigen Amt in Haag nichts von einem Schritt der deutschen Regierung bekannt ist, der Bezug hat auf die Auslieferung des ehemaligen deutschen Kaisers und des Kronprinzen. Marburg (Lahn), 10. Dezbr. Die hiesige Organisation der Demokratischen Partei telegraphierte an den Reichskanzler.- „Obwohl wir die Nachricht der Zeitungen, daß die deutsche Regierung in die Auslieferung des ehenraligen deutschen Kaisers vor ein internationales Gerücht eingewilliat habe, für unwahr, weil unmöglich halten, fordern wir Sie auf, im Namen der nationalen Ehre aufs Schärfste gegen die Möglichkeit einer solchen Handlung unserer Reichsregierung Protest einzulegen." Basel, 10. Dez. Der Korrespondent der „Morningpost" meldet aus dem Haag- Das Verhalten des Kaisers in seinem holländischen Exil läßt immer mehr die Annahme zu, daß^er geisteskrank ist. Er ist von heiterer Laune, ergeht sich in Sckerzen und Witzen über seine Abdankung und spricht von den Vorgängen in Deutschland, als gingen sie ihn nichts an. Er klagt nur über Kopfschmerzen. Irgendeine seelische Einwirkung des katastrophalen Sturzes seines Hauses ist bei chm nicht eine einzige Stunde wahrzunehmen gewesen. Selbst sein Gastgeber ist sprachlos über das Benehmen Wilhelms, das man sich nur durch geistige Erkrankung erklären könne. Eine Erklärung der Großindustrie Düsseldorf. 10. Dez. (W. 33.) Die fortgesetzt in Beriammlungen wiedeikehrende Behauptung, die rheinisch-westfälische Eroßindustne erstrebe aus kapitalistischen Gründen die Erriwtung einer selbständigen rheinisch- westiälischen Republik, veranlaßt die Düsseldorfer Eroß- rnöustrie zu folgender Erklärung: Die heute abend versammelten Vertreter der Düsseldorfer Großindustrie erklären einstimmig, daß sie niemals den Gedanken erwogen haben noch erwägen werden, die Schaffung einer selbständigen rheinisch-westfälischen Republik zu besürworten. Sie halten am Deutschen Reich fest und mißbilligen alle auf Teilung Deutschlands in einzelne Republiken hinzielenden Bestrebungen. Rach Benehmen mit einer großen Anzahl von Industriellen der Großindustrie des Rheinlands und Westfalens sind wir zur Feststellung der Tatsache berechtigt, daß auch diese denselben Standpunkt vertreien und niemals mit einer solchen oder ähnlichen Anregung hervotgetreten sind, sodag die in der Presse und in Versammlungen immer wiederkehrende Behauptung in nichts zusammen- sallt. Ebenso unbegründet und sinnlos ist das Gerede daß die Großindustrie des Westens die Besetzung ihres Gebietes durch feindliche Truppen betreibe. Auch diese Behauptung ist glatt erfunden. Die vorstehend behandelten Versuche zur Zerstückelung Deutschlands zeigen, wie dringend notwendig es ist die Raiwnaiversammlung in allernächster Zeit einzube- ^u,en, da jeder Tag der Verzögerung "die politisch- Berwirrung steigert und außerdem den wirtschaftlichen Zusammenbruch beschleunigt. Die Industrie des Rheinlands und Westfalens muß daher auch von diesem Gesichtspunkt aus schnellste Einberufung der Rattonalverfammlung dringend ,ordern. Die angebliche Gegenrevolution. Die „Rote Fahne" machte folgende Mitteilungen über den angeblich bevorstehenden Putsch gegenrevolutionärer Truppen: Rings um Berlin seien unter dem Generalkommando Lequis ^nigstreue Truppen zusammenge gen, die bestimmt seien, in Berlin eMZurucken für Ruhe und Ordnung zu sorgen, die Re. grerung EbeU-Haese zu stützen und den Spartakusbund zu unter. ^ Gruppen seien mit Munition ausgiebig versorgt g aus jedes Maschinengewehr kämen .10 000 Schuß. Der Einzug lf< "chogeri, er ist in aller Ruhe vor sich gegangen und die vorausgesagte Gegenrevolution blieb ans. ö Das Spartakusblatt kommt sodann noch einmal auf die Vorgänge am Freitag zu sprechen und behauptet, daß der Soldatenrat bereits am Donnerstag von dem Anschlag auf den Voll- zugsrat gewußt und den ganzen Plan Ebert mitgeteikt habe. Der Putsch sei von Wels zusammen mit Marten ausgeheckt wor. den. Ebert sei durch ein Protokoll, das der Soldatenrat hinter- laffen habe, aufs genaueste über den Putsch unterrichtet gewesen, er habe dieses Protokoll unterschlagen und vor den Mitgliedern des Kabinetts Haase-Dittmann verheimlicht. Die Scheidemänner hätten also den blutigen Freitag, die Beseitigung der A.- und S.-Räte, die Niedermetzelung der Spartakusleute, die Errichtung einer Militärdiktatur bis ins einzelne vorbereitet. Sie richtet angesichts dieser angeblichen Vorgänge an die Unabhängigen die dringendste Aufforderung, aus der Regierung sofort auszutreten. Die Mitarbeit mit Scheidemann fei vor dem 6. Dezember eine politische Prinzipienlosigkeit gewesen, sie sei jetzt, nachdem an den Händen Ebert-Scheidemann-Mels das Blut wehrloser Opfer der Metzelei klebe, eine politische Ehrlosigkeit. Falls die Haase und Dittmann nicht sofort alle Brücken zwischen sich und der blutbesudelten Korruption der Scheidemänner abbrächen. dann müsse die Masse der Partei die Brücken zwischen sich und den Haase-Leuten abbrechen. Nebenbei bemerkt, ist die ganze „Rote Fahne" nichts anderes als ein einziger flammender Hetzruf gegen die Regierung: ..Die Sckeidemänner gerichtet vom Proletariat Berlins", „Nieder mit Ebert-Scheidemann". ..Nieder mit den Mördern".'daß ist der Ton auf den der Inhalt des ganzen Blattes sich zusammcn- fassen läßt. Aber auch das Treiben der Unabhängigen wird immer terroristischer. So wurde in einer Versammlung der Unabbängigen übereinstimmend von den politischen Führern mitgeteilt ' Ve Nationalversammlung habe nur die Aufgabe, die ietzigc oder erne andere sozialistyche Regierung zu bestätigen und den Friedensvertrag mit den Feinden a.nzunehmen. Alsdann wird die Nationalversammlung als gegenstandslos angesehen und die ganze politische Macht geht wieder in die Hände der Arbeiter- und Soldatenräte zurück. Diese Vorgangs geben selbst der „Frankfurter Zeitung", die er>t vor wenigen Tagen eine gemeinsame Front des Bürgertums ganz entschieden abichnte. Anlaß, iolgend-s zu schreiben: „Herr Adolf Hoffmann. preußischer Kultusminister, hat am oauntag öffentlich erklärt: „Ergeben di- Mahlen -eine fozii- Iiitlflhe Mehrheit, dann muß die Natiannlversammlung ge. sprengt und h,c Diktatur des Pratetariaiz aufgerichtet werden." ^st dies me Politik der Unabhängigen Sozialdemokratie? Man konnte in Versuchung sein, den Zehngebote-Hoffmann nicht ernst zu nehmen Aber seine Partei hat ihn ernst genug genommen, um ihm das Kultusministerium zu übertragen. Ucberdl-S machen einzelne noch maßgebende Führer der Unabhängigen im chrwaigeiprach gar kein Hehl daraus, daß sie entschlossen sind das Nissische Beispiel nachzuahmen und die Nationalversamm- lung mit Waffengewalt auseinander zu jagen, wenn sie ihnen Nicht zuwillen ist. Zur systematischen Vorbereitung ihres P'a- nes werde» Waffen aiigesammelf und fabriziert. Ihre Absich-en und Vorbereitungen richten sich jedoch nicht nur gegen di- Möa- kichkeit einer bürgerlichen Mehrheit in der Nationalverfamm. lung sondern außerdem ausdrücklich gegen di- Mehrheitssazial- demokratie. Wenn die Partei Ebert-Scheidemann den Versuch machen sollte, gegen di- Politik und Diktatur der Dittinann- .Sarrh in wesentlichen Fragen aufzugehren, dann sollen die Maschinengewehre und Handgranaten der Unabhängigen ebenso gegen sie gerichtet sein wie gegen die bürgerlichen Mitglieder der Nationalversammlung. Gegenüber dies.-r Politik von Man. nein die heute an der höchsten Regierungsstelle sich befinden, ist me,t 2Bt,ffen utli Geldmittel von der russische» , 8^° ?offe HcIiefert worden sind, bedeutend, i Beha ptung steht hier gegen Behauptung. Wer glaubt wohl. mnJ*Z 3 “ ne .. emfn * Uigt. wenn er die positive Mitteilung Zhl ’Jn m ^ 33o((5fcrau f tra S t ™ Barth seien eine große Zahl von Wapen und zur Beschaffung weiterer Waffen mebre-° hunderttausend Mark übergeben worden? Joffe behaupte, nicht Ü (f peinlich in die Hand gedrückt all haben Es hat natürlich vermittelnde Genossen gegeben und damit erledigt sich sehr einfach das scheinbare Dementi des Herrn Barth. Die weitere Frage, ob und wann Haase von die- £ D'Nüen unterrichtet wurde, hat an sich für die 1 mentlichkeit kein Interesse. Viel wichtiger aber wäre es zu isien wie Herr Haase und seine unmittelbare Gefolgschaft zu dem P.ane itehen. die Nationalversammlung, wenn ' sie ein. S?. n ’v 9 hes Dolksstaatcs hin- mu*S♦ r *“”««* P-rsicherung-n m C L Unb ° lhnUM3 -'nrutreten. nichts getan »äE-HSt*- „NckküKr-kDichiHl-lijhe" nnd jBfa^Kffnbnidj. bie < s‘ 0t,b ® eorse am 7 - Dezember in 6 ' lu ; ec r aU l den äußerst bedrohlichen Ernst des A-Bovt-Kneges zu sprechen, und di- Mittel, die die englisckx' Regtemng dresec Bedrohung entgtgensetztt: Schifssnoubau Lr SBt£?£i Sm bE .,Das Geleit-Systenl hat den sein. Oesterreich stürzte zusammen, als es sah, daß die Alliierten durch die Hintertür ins Land kommen konnten. Solange es Italien allein gegen sich hatte, konnte es sich gut halfen. Die Alpen waren ein guter Schuh doch war es vorbei, als die Hintertür aufgemacht wurde. Die große Krise am 21. März 1918 erwähnend, sagte Lloyd George, daß er an Wilson telegraphiert hätte, daß jetzt ame- rrkanische Hilfe unbedingt nötig sei, er möchte umgehend 120 000 Mann nach Europa senden. Am folgenden Tage kam die Antwort. Wilson telegraphierte: Sendet viermal Schiffe her, und dann werden wir 120 000 Mann senden. — Es war ein großes Wagestück, zumal wegen der Der- wrgung mit Lebensmitteln und Rohmaterial. Die Amerikaner haben 1900 000 Mann gesandt, von denen 1 100 006 Mann durch die britische Handelsflotte herübergebracht wurden. Heute befinden sich alle deutschen Tauchboote in britischen Händen, ebenso wie die Schlachtschiffe, Kreuzer und Torpedojäger, die alle in britischen Häsen unter britischer Bewachung stehen. Die britisch)« Armee marschiert dem Rhein zu. Der Sieg ist den Alliierten, dem Unvergleichen Mut und dem Durchhalten der Soldaten- und Matrosen zuzu- schreiben, aber die Regierung darf etwas von diesem Erfolg auch ihrer Arbeit und Organisation zuschreiben. Das Wich- tigste ist die Regelung des Landbesitzes und die Versorgung mit den Bodenerzeugnissen. Jetzt, wo wir den großen Kampf für den menschlichen Fortschritt gewonnen haben, sind wir entschlossen, auch weiter dem Ziel zuzusireben, um England auf ein Niveau heben, das es niemals vorher er^ reicht hat- Wen trifft die Zchnid? lieber diese Frage wird ja in der Gegenwart außerordeni- lich viel geredet und geschrieben. Es ist ja außerordentlich billig, jetzt, wo der Karren in den Dreck geschoben ist tiefsinnige Betrachtungen anzustellen darüber, wie man es hätte besser machen können. Es ist nur schade, daß diese gescheiten Leute damals, wo ihr Rat vielleicht vonrröten gewesen wäre, nicht zur Stelle war. Wir wollen uns auch heute nicht darüber unterhalten, wen die Schuld persönlich trifft an all' dem Unglück, das wir erlitt*?» haben. Wir wollen nur untersuchen, wie es gekommen ist. dad wir, die noch im Sonuner dieses Jahres himmelhoch jauchzenwaren auf einmal in so kurzer Zeit niedergeschmettert waren, nachdem wir durch länger als vier Jahre einer Welt von Feinden Trotz geboten hatten. Da finden wir in der „D. Tagesztg.^ ron einem Frontoffizrer eine vorzügliche Betrachtung, die nach Gesprächen, die wir mit aus dem Felde heimgekehrten Kriege^N hatten, den Nagel auf den Kopf trifft. Wir geben den Aufsatz darum im Wortlaut wieder: Was jetzt, meist allerdings von völlig Unberufenen, über die Gründe und Ursachen für unsere Niederlage geredet und geschrieben wird, ist geradezu unglaublich. Für eine spätere objektive Geschichtsschrorbung. die durch Sachverständige unter Benutzung allen hierzu nötigen Aktenmateriale hoffentlich bald begonnen wird, werden alle augenblicklichen Erörterungen obigen Themas nur von psychologischem Jnteresie sein: irgendwelchen geschichtlichen Wert werden sie wohl kaum haben. Ans allen Aeußerungen fühlt man jedenfalls heraus, daß einmal eine gewisse Absicht besteht, alle Fragen über die Ursachen für den Ausbruch und die Niederlage zusammenzuwt.rfen und die Schuld an allem, wie es jetzt gekommen ist. dem alten System und seinen Anhängern zuzuschreiben. Ferner versuchen alle zu beweisen, daß der Krieg schon verloren gewesen sei. ehe er recht begonnen hätte. Sie hätten alles genau vorausgesehen und stets genau vorhergesagt, wie es jetzt eingetroffen ist. Weil sie das nun alles so schön vorher gewußt hatten, verlangen sie auf Grund ihrer guten Prophetengabe nun von all ihren Mitmenschen, daß sie auch ihren weiteren Prophezeiungen für die Zukunft Glauben schenken. Wodurch haben wir den Krieg verloren und wer trägr hieran die Schuld? Wenn auch nicht offen; denn man möchte den Fr^ssdL^f.. nicht kränken, fs doch Versteckt, wird jetzt häuffg die Ansicht vti* treten, daß dis Heimst e,st i-nfolgs der Vorgänge an der Front seit Sommer dieses Jahres in ihrer Spannkraft nachgelassen hat und dann zusammengebrochen ist. Das ist eine völlige Vor. kennung aller Tatsachen! Gerade das Gegenteil war der Fall! Die Front ist durch die nachlassende Unterstützung von seiten der Heimat geschwächt worden und ihr ist dann gerade in dem Augenblick. wo sie am widerstandsfähigsten hätte sein müssen, durch den Umsturz in der Heimat das Rückgrat völlig gebrochen worden. Dieses geht schon daraus hervor, daß letztere noch immer festhielt, als schon die ersten Bewegungen des Umsturzes in Deutschland begonnen hatten. Wer hat wohl damals im Herbst des Jahres 19 U, als unsere Armeen in einem Siegeszuge ohne, gleichen in Belgien und Frankreich eindrangen, als sie dann vier Jahre lang weit in Feindesland stehend selbst die über, mächtigsten Angriffe unserer Gegner ständig' abschlugen und damit dieselben vom Eindringen in unser Vaterland fernhielten und alsdann unser Heer in Ost und Süd selbst gegen gewaltig« Uebermachten stets siegreich unsere dortigen Feinde nieder,zwang, wer hat wohl damals, frage ich jetzt, unser militärisches System, nachdem wir unsere Truppen im Frieden für den Krieg ausge. blidet hatten, für falsch und unbrauchbar erklärt? Ich behaupte, damals, waren sich alle Sachverständigen mit dem ganzen deuf^ schen Volk darüber einig, daß unser System für den Zweck, dem es dienen mußte, richtig gewesen war. Wenn wir auch, wie d« wertere Gang des Krieges zeigte, in der Verwendung «Niger technischer Mittel bei Beginn des Krieges vielleicht schon etwas weiter hätten sein können. Was den Geist und den inneren Wert der Truppe anlangt, so hat wohl kein Volk jemals mit einer besseren Armee einen Krieg begonnen, als wir tm Jahr Noch im Frühjahr 1917 war der Geist unserer Truppe ausgezeichnet. Die Erfolge unserer damaligen Offensiven sind, für sich betrachtet, militärisch sehr viel höher einzuschätzen, als ^ die späteren Angriffe unserer Gegner. Mit dem Beginn der feindlichen Offensiven im Sommer 1918 trat der Umschwung (in. Die als für döe Verluste bei unserer Frühjahrs- Offensive eintreffenden Mannschaften bestanden hauptsächlich aus Leuten, die aus der russischen Gefangenschaft oder aus der östlichen Etappe kamen. Sie waren vollgestopft von bolschewistischen Ideen und hatten die feste Absicht, diese Ideen auch in die Truppe hineinzutragen. Ferner bestanden sie aus jungen Leuten, die bisher 30 bis 40 Mark täglich in den Munitions- Fabriken verdient halten und die nun sehr wenig damit einverstanden waren, das angenehme Leben in der Heimat mit dem gefahrvollen und entsagungsreichen an der Front vertauschen zu miisien. In dieser Stimmung bildeten sie auch den besten Nähr-, boden für bolschewistische Ideen. Ein solcher Ersatz war naturgemäß den seelischen und körperlichen Anforderungen der Frontkämpfe nicht gewachsen. Erschwerend kam noch hinzu, daß unsere Feinde uns damals durch die Masienoerwendung von Tanks überraschten, auf deren Abwehr wir nicht genügend vorbereitet waren. Bald aber — wie früher schon in ähnlichen Fällen — wurden hiergegen geeignete Maßregeln gefunden, die uns in die Lage vrsetzten, dieser Ungetüme Her: zu werden. Demokratische Mepmeyer! Die Sozialdemokraten fahren fort die neue demokratische Partei mit Hohn und Spott zu ühergießen. So schreibt der bekannte (Kopf-ab) W e n d e l in der Frankfurter „Volks stimme": Was sehen wir statt dessen? Die Furcht vor der „Sozialisierung", die Angst um den Kassenschrank treibt, wie das nahende Gewitter eine Hammelherde, das Bürgertum in hellen Haufen um die kompromittierten politischen Geschäfts- buber von gestern zusammen, und es ist nur eine Art Schutzfärbung, daß sie sich demokratisch nennen und republikanisch gebärden. Denn die Fiickbeck, Kopich und Wiemer Bannerträger des republikanischen Gedankens — wer lacht da nicht! Wenn nämlich die imperialistisch-militärische Gewaltpolitik gesiegt hätte, wenn die ganze Welt unter Ludendorfss Stiefelabsatz geraten wäre und wenn Wilhelm II. in Lohen- grinrüstung seinen triumphalen Einzug durchs Brandenburger Tor hielte, wer anders stände mit erhitzten Bäckchen i'nd gekrümmtem Rücken vor der vordersten Festtribüne als die Fifchbeck, Kopich und Wiemer! Aber es kommt noch besser. In die Deutsche demokratische Partei warf zunächst die Fortschrittliche Volkspartei ihre Konkursmasse hinein, während die Nationalliberalen als Deutsche Volkspartei neu firmiertem Aber die Erkenntnis, daß gegen den vor der Verwirklichung seiner Ziele stehenden Sozialismus eine geschlossene Front aller Nutznießer des Kapitalismus oberstes Gebot sei, führte diese und jene zusammen, und heute ist der nationalliberale und fortschrittliche Kehricht auf einen großen Haufen zusammengefegt, über dem das Schild prangte Deutsche demokratische Partei? Oder unter den offiziellen Buchstaben: Demokratische Piepmeyer! Roch ein Beitrag: Leipzig, 10. Dezbr. Eine von der Leipziger Demokratischen Volkspartei am Montag abend abgehaltene Versammlung im Kristall-Palast ist von den Unabhängigen gestürmt und gesprengt worden. Bei Beginn der Ansprache kletterte eine Gruppe von Soldaten und Matrosen mit dem bekannten Dr. Geyer an der Spitze auf das Podium. Es kam zu einer allgemeinen Schlägerei, und die Bürgerlichen wurden in den Saal hinuntergedrängt, wobei es nicht ohne Verletzungen abging. Sogar Gegenstände, z. B. eine gefüllte Wasserflasche wurden zwischen die Anwesenden geworfen. Die Bürgerlichen verließen darauf den Saal, worauf der „Sieger" die Vorgefundenen Flugblätter der Demokratischen Partei unter Hohn- und Schmährufen verbrannte. Hie hat die Mär ei» Ende! Preist glücklich, die da starben von Feindes Hand den Tod, Die nie n'ehr wieder kehren zu sehn der Heimat Nct. Die jubelnd sind gezogen vor Jahren in diesen Krieg, Zum Tode wund noch kämpfen um einen deutschen Sieg. Nun liegt am Grund zerschlagen all unsre Herrlichkeit, . Drum leget zu den Toten, das einst so weltenwcit Vom Fels zum Meere strebte, das Banner schwarz-weiß-rot, Das hoffnungskühn entfaltet des Kaisers Heergebot. Der Nibelungen Klage rauscht wieder vom Donaustrom, And trauernd läuten die Glocken zu Worms im alten Dom. Den Helden entsinken die Schwerter,' sie stehen stumm und bleich Und wieder hat ein Ende die Mär vom Deutschen Reich. Preist glücklich, die da starben von Fnrides Hand den Tod, Die nie mehr wieder kehren, zu sehn der Heimat Not, Me jubelnd sind gezogen vor Jahren in diesen Krieg, Jum Tode wund noch glaubten an einen deutschen Sieg! (Theodor Mauch in der Münchener Zeitschrift „Deutschlands Erneuerung". 1918, XII.) Akuljlhe pmirii! lind „Sfrlinfr taislatl“. Freudestrahlend berichtet das „Berliner Tageblatt", der ge-. schästsführende Ausschuß des (liberalen) Deutschen Bauernbundes habe beschlossen. ein Bündnis mit der Deutschen Demokratischen Partei abzuschließen. Diese Partei ist bekanntlich von ^err» Theodor Wolff (dem Leiter des Mosieschen Blattes in / der Jerusalemer Straße) gegründet und wird von ihm, ebenso wie von ihrer zweiten Nährmutter der „Frankfurter Zeitung", mindestens zweimal täglich angepriesen. Man wird sich keinen besseren Sachwalter der Vauerninleressen denken können, als den Leiter des „Berliner Tageblattes" und die ihm ebenbürtige Frankfurterin. Herzlichen Glückwunsch? Ans der Heimat. Friedberg, 12. Dez. Es hat mit Recht Befremden erregt, daß so manche Formationen in unserer Stadt völlig sang- und klanglos eingczogen sind, ohne daß nur der mindeste Empfang oder eine Begrüßung stattgefuudsn hat. Sv war beim Einzug des Res.-Jnf.-Regts. Nr. 222, das zur Demobilifation in unsere Stadt gelegt wurde. Das war den Behörden bekannt, sie waren auch über die Zeit des Einmarsches unterrichtet. An den Bürgern hat es'gewiß nicht gelegen, denn die hiesige Bürgerschaft ist dafür bekannt, daß sie den heimkehrenden Kriegern genau den herzlichsten Empfang hätten zuteil werden lassen, d->n die Erbacher den» Vruderregiment 221 bereitet hatten. Diese Un- . terlc.ssung ist umso bedauerlicher, als es sich um ein h e s s i s ch e s Regiment handelt, das in dom Kriege sich unvergänglichen Ruhm erworben hat. Es handelt sich um eine jener Formationen, die vielfach ans Freiwilligen bestehend, im Sommer 1914 neugebildet wurden. Seine Feuertaufe erhielt es in Nordfrankrcich, kam dann mit den Regimentern 221, 223 und 224, die die 48. Dcvision bildeten, nach Polen, wo es sich in den Kämpfen um Lotz aus- zetchnete. Im Januar 1913 kam die Division in die Karpath.en, um das bedrängte Ungarn vor dem Russeneinfall zu schützen. Die Heldentaten der deutschen Siidarmee während des strengen Karpathenwinters sind in das Buch der Geschichte eingetragen. Nach dem Durchbruch bei Tarnow-Gorlice warf sich die deutsche Südarmee aus den Karpathen den Russen in die Flanke und drängte sie bis zur Strypa zurück.- Bei der Brussilow-Offensive im Juni 1916 stand die Armee Vothmer. zu der die 222er zählten, wie ein Fels in der Brandung und rettete die Lage. Nochmals brachen sie den Rusienausturm, als Kerenski seine Getreuen zum letzten Ansü'un bewogen hatte. Im Frühjahr 1917 kam das Regiment nach Frankreich, wo es sich vor Verdun, dieses Jahr in Französisch.-Fland-ern und zuletzt bei Cambrai und Le Cateau rühmlichst ausgezeichnet und bis zuletzt Stand gehalten hat. Da ein öffentlicher Empfang der Tapferen dieses Regiments nicht stattgefuüden hat, so halten wir es für unsere Ehrenpflicht, an dieser Stelle den Viave.. zuzurufen: Herzlichstes Willkommen zu Friedberg in der Wetterau? H FrieLbeiZ, 12. Dez. Die städtische Vekleidungsstelle teilt uns mit: Auch Strümpfe unterliegen von jetzt an nicht mehr der Bezugsschein Pflicht, ebenso brauchen für folgende Artikel keine Bezugsscheine .mehr ausgestellt zu werden: Sweater jeder Art, Damen-Westen. Antertaillen, Kopfschützer und ähnliche Sachen, Schals, Matratzen, gefüllte JnletZ, Kopf- und Umschlageiücher, Decken aller Arten. * Der frühere Ministerialrat und Vorsitzende der Abteilung für alle Schnlangelegenheiten, Staatsrat Ernst Süf- | sert wurde zum Präsidenten der Oberrechnungskammer er* I nan nt. Frankfurt a. M. (N och zwei Tote.) Bei den Vlündernngen und der Schießerei in der Mainzer Landstraße sind außer dem bereits gemeldeten Todesfall noch zwei wertere Personen im Krankenhaus ihren Verletzungen erlegen Aus Starkcnbulg. Darmstadt. Um die Mittagsswn.de zogen gestern mit j klingendem Sviel Angehörige mehrerer Truppengattungen ! durch die Rhe'nst'siße und Wilhelminenstratze. Von den ! Straßengängern aufs freudigste begrüßt bot der Durchzug \ der heiter dreinschauenden Soldaten ein Bild größter Ord- H nung und ungebrochener Kraft. Es dürfte jetzt, wo die Truppendurchmärsche ihr Ende erreicht haben, auch an der Zeit sein, die Straßen ihres Fahnen- unb sonstigen Schmuckes zu entkleiden. An den Eingängen unserer Stadt werden au-st bereits die Ehrenpforten abgebaut. — Gestern wurden am Ostbahnhof etwa IGO Pfund frisches Fleisch beschlagnahmt das aus dem Odenwald, anscheinend von einer Geheim- schlachtu'ag hierhergebracht worden war und einem Abnehmer zugeführt werden sollte. Das Fleisch wurde zunächst ! nach dem Schlachthof gebracht. Darmstadt, 10. Dez. In der gestrigen Sitzung des A.- und t S.-Rates wurde beschlossen, mit Rücksicht auf die drohende Pe. ] setzung von Dannstadt den Arbeiter-, Bauern- und Soldatenrat \ auszulösen und da Air einen V o l k s r a t für die Republik Hessen zu bilden. Alle hessischen A.> und S.-Näte seien aufgefor- ! dert worden, in gleicher Weise vorzugehen. In der gleichen Sitzung wird scharf kritisiert, daß der Großherzog Ernst Ludwig \ nicht dem Beispiel der übrigen Fürsten folge und offiziell auf den Thron verzichte. Man könne die Entscheidung darüber nicht ' der Nationalversammlung überlassen und werde eventuell von \ neuem eine Republik bilden, wenn die Nationalversammlung ! sich eventuell für eine Monarchie aussprechen sollte. Es sei zu befürchten, daß ein Rheinbund mit dem Großherzog an der Spitze üch bilden werde. Für einen Großherzog sei jetzt in Hessen kein Platz mehr Entweder solle er fliehen, oder er müsie interniert werden, wenn er nicht abdanke. Bei der Frage der Sequestration des Vermögens der gt?ßherzoglich>n Familie erklärt der Ministerpräsident Ulrich, daß sich die Regierung mit dieser Frage schon eingehend beschäftigt habe, es seien aber allgemein rechtliche politische und wirtschaftliche Verhältnisse in Betracht zu ziehe-n. Bürger Bastian verbreitet sich über die Steuerpolitik, wobei er den Bedarf des Reiches, des Staates und der Gemeinden auf etwa 14 Millionn Mark rechnet. Dadurch fallen wir unter einen ungeheuren Steuerdruck, der noch durch die Kriegsentschädigung, Beschlagnahme eines großen Teiles der Kohlen, wie des Erzes, sowie Einziehung der im Ausland angelegten Gelder außerordentlich erhöht werde. Es müssen Geldinstitute gebildet werden, welche für die Kapitalien auf- kommen und die Zinsen einziehen. Man müsie dafür sorgen, daß der in Hesien sehr hohe Steuersatz bei den Reichssteuern nicht ungerecht angewendel werde. Aus Rheinhessen. Mainz, 9. Dez. (Die feindliche Bese^Ung.) Heute nachmittag 2V% Uhr zogen die ersten Franzosen tu Mainz ein. Ein Infanterie-Regiment mit leichter Maschinen* gewehrabteist'ng veranstaltete unter Vorantritt einer Musik« tapelle eine Umzug durch die Stadt. Auf Anordnung de- franzö,fischen Militärbefehlshabers für Mainz haben alle deutschen Militärpersonen. (Offiziere, Sanitätsoffiziere, Boomten, Unteroffiziere und Mannschaften) den französischen Offizieren die vorschriftsmäßige Ehrenbezeugung zu erweisen Ungehckrfcrm gegen diesen Befehl wird streng bestraft. Von heute mittag 12 Uhr ab wird der Personenverkehr über di« Mainzer Eisenbahnbrücke eingestellt. Aus Nheinhessen, 9. Dezbr. Die größeren Orte Rhein- Hessens sind nunmehr ausnahmslos mit ranzösischen Truppen besetzt. Kleinere Orte unter 500 Einwohnern sollen, wie verlautet keine Einquartierung erhalten, während größere Genreinden mit etwa 5 Prozent ihrer Einwohnerschaft durch feindliche Besatzung belegt werden. Tie Feinde, die sich der Einwohnerschaft gegenüber selbst zurückhaltend und ruhig verhalten, wurden von der rheinischen Bevölkerung überall mit kühler Zurückhaltung und Würde empfangen. Nirgends ist etwas von Zwischenfällen bekannt geworden. Worms, 8. Dez. Auf dem Transport von Offstein nach dem hiesigen Handelshafen wurden 50 Ballen Kunstbau,n« wolle gestohlen. — Oberbürgermeister Köhler f)at die Verwaltungsgeschäfte wieder übernommen. Ter Arbeiterrcck Recht ien hatte zuvor erklärt, daß er nicht mehr als Kontroll- beamter das Rathaus betreten werde. Wöllstein, 10. Dez. Einen tragischen Tod fand bet Schneidermeister Konrath von hier. Ter in den besten Jahren stehende Geschäftsmann geriet bei einem Gang über Feld in der Dunkelheit vom Wege ab und stürzte in eine Sandgrube, wobei er das Genick brach. Konrath wurde später tot in der Grube aufgesunden. And Hcsicn-Nassau. FC. Aus Nassau, 8. Dez. Der Nassauische ? . M, Beilage zum Amtsblatt der diesseitigen LandwirtsclMs- karnmer schreibt' Die Bildung von Bauernräten schreitet im Nassauer Land schnell vorwärts. Fast ist der ganzr Regierungsbezirk Wiesbaden mit Bauern- und Arbeiterräten überzogen. In einzelnen Kreisen allerdings fehlt eD noch an örtlichen Organisationen. Verschiedentlich hat man geglaubt, es genüge, wenn man einen Kreisbauernrat alK ,.Beratende Stelle beim Landratsamt" bildet. Tiefe An^ nähme ist irrig, und es muß hier von vornherein gesagt wer« den, daß Vauernräte oder Kreis-Bauernräte, die auf Veranlassung des Landratsamtes gegründet werden oder gegründet worden sind, nur von kurzer Lebensdauer sein können. Der Landrat soll nickt in irgend einer Eigenschaft, auch nicht etwa als Vorsitzender eines landwirtschaftlichen Bezirks- Vereins, in der Agitation zur Bildung von Orts-Bauernräten und Kreis-Bauernräten in Erscheinung treten, denn ex ist ja derjenige, der kontrolliert werden soll. FC. Wiesbaden. 8. Dez. Die rote Fahne, die mehrere Wochen auf dem Schloße, dem seitherigen Sitz des Arbeiter- und Soldatenrats wehte, ist eingezogen worden in Anbe-». tracht des Einmarsches der französischen Besatzungstruppen. Die einstige nassaujsche Residenz liegt nun ckieder in Ruhe und Frieden da. FC. Eltville, 6. Dez. In der Villa Marix dahier wurde ein großer Silberdiebstahl cmsgeführt. Als bei Ausbruch des Krieges die Familie in ihre Heimat, nach Frankreich, sich begab, ließ sie auch das gesamte Silber in der Villa zurück. Als später die Besitzung unter deutsche Verwaltung gestellt würbe, verschloß man das Silber in einem Schrank und versiegelte ihn. Jetzt ist festgestellt worden, daß der Schrank auf der Rückseite erbrechen, auch die Siegel gelöst, aber wieder kunstgerecht aufgesetzt waren. Das gesamte Silber ist verschwunden. FC. Eltville, 8. Dez. Von dem zum Transport nach I Würzburg bereits im Schiff lagernden Wein der königlichen Domäne wurden in der Freitag Nacht zwei Viertelstück 15er gestohlen. Branddirektor Bischofs machte jedoch die beiden gestohlenen Fässer ausfindig. Sie befanden sich auf einem Wagen, der zu dem Wagenpark des hier einquartierten Artillerie-Regiments aus Thorn gehörte. Bischofs schaffte mit seinen Wachtmannschatten der Bürgerwehr den mit Wein beladenen Wagen nach dem Rathaushos und stellte den Wein in die Spritzenhalle und schloß sie ab. Als gestern morgen Polizeisergeant Adler auf dem Rathaushos ein Fuhrw^rZ bemerkte, begab er sich dorthin und sah, wie einige Artillerie- Unteroffiziers und Mannschaften das eiserne Tor der Spritzenhalle erbrochen hatten und im Begriffe waren, den Wein wegzuschaffen. Adler schloß schnell das eiserne Tor zu, um den Abtransport zu verhindern. Die Feldgrauen brachen aber auch dieses Tor auf und schafften den Wein weg. Nach längeren Unterhandlungen mit den betreffenden Offizieren gelang es dem Domänenrentmeister Hahn die beiden Fässer mit Wein wieder zu erhalten. FC. St. Goarshausen, 6. Dez. Eine Militär-Pserdever- ste'rgerung fand hier statt. Gegen tausend Käufer und Neugierige ans der näheren und weiteren Umgegend hatten sich eingesunden. Die Preise für die Pferde waren verhältnismäßig hoch, trctz des zahlreichen Angebots. Das Paar Doppel Pony kostete durchschnittlich 1750 Mark. ältere Pferde 150 Mark. Ans Knrhesirn. FC. Frankcnberg, 8. Dez. Der Arbeiter- und Svlda-te?b rat Frankenau ist, wegen fortgesetzter Störung der Organ! sation der Volksernährung und der damit verbundenen öffentlichen Ruhe und Ordnung aufgehoben worden. Verantwortlich für den politischen und lokalen Teil- Ott^ H i r s ch e l, Friedberg; für den Anzeigenteil: C. Schmidt, Friedberg. Truck und Verlag der „Neuen Tageszeitung*,^ A- G., Friedberg t. & Herzenskiimpfe. Roman von Helene S ckt ü 1 k y. geb non Gersdorfi. (Eop^ri^ht 1915 by C. Ackermann-Stuttgart.) 5S) Nachdruck verboten. „Wie kannst du denn das so bestimmt wissen? Du bist noch sehr jung, Haft noch viel Zeit vor dir." ,.^"ng bin ich wohl, aber doch nicht so jung, um nicht schon allerlei vom Lrben gesehen zu haben. Nein. Vater, niemals, niemals werde ich heiraten. Ich passe nicht dazu. Mein Beruf liegt anderswo. O Vater, lieber Vater, bindere mich nicht, ich beschwöre dich! Wie viele Mädchen, vornehme und andere, widmen sich i:t,t großen edlen Lache, der Pflege ihrer leidenden Mi:menschen D, auch wir Frauen brauchen einen Berus, eine ausfnllcnde Tätigkeit! And wo könnte man etwas Lchöne- n-T>, Würdigeres finden? O, liebster Vater, sage wenigstens nicht Nein?" „Frieda, Kind*" sagte der Oberst ergriffen. „Du wärst im. stände, mich zu überreden. Werg Mama schon von deinen Plänen?" „N^in. kein Mensch, Väterchen? Du bist der erste, dem ich enthülle, was stch schon lange in meinem Herzen rr-gt, aber erst jetzt zu einem festen Entschluß geworden ist." „Fr'edä? Maus? Es wird mir sehr schwer dir dazu meine Einwilligung zu geben. Ich hatte ganz andere Pläne für dein Elück im Sinn. Ich hatte immer gehofft, du und der Eerms- hoff. ihr würdet euch zusammen finden Weiß der Himmel, alles hätte so schön gepaßt. Ich hätte den famosen Kerl zu aern zum Schwiegersohn gehabt. Aber nun soll er sich ja mit der Millio- nen-Schönheit. der Antelmann, verlobt haben. Also damit ist's ohntdies nichts. Aber was rst dir?" sagte er. seine Dochte'-, die mit gesenktem Haupte vor ihm stand an beiden Händen näher zu sich ziehend. „Tränen in den Augen? Mein armes Kind habe ich dir weh getan? habe ich eine Wunde berührt?" Papa, Papa?" schluchzte Frieda, beide Arme um seinen Hals legend Da setzte er sich auf's Sofa, zog sie auf seine Knie und streichelte sanft und wertlos ihr blondes Haar, wie er es oft flefan, wenn in früheren Jahren ein kindlicher Kummer ihr Herz bedrückt batte. Es gelang chm auch diesmal, sie zu beruhigen. Ihr wildes Schluchzen, ihr herzzerreißendes Weinen börte allmählich auf. Still lag sie in seinen Armen, die ste fest umschloffen hielten. Nach einer langen Werle sprach der Oberst ganz ruhig: ..Gut mein Kind! Dein Wunsch soll erfüllt werden. Es ,st ein ganz vernönitinsr. guter Entschluß, der dir alle Ebre macht. Es ist wahr, jeder Mensch, der etwas taugt, muß einen r chtigen Beruf, einen Lcbensrnhatt haben. Auch ein junges Mädchen aus vornehmer Familie, wenn pe einigermaßen ernst veranlagt ist. kann genug bekommen von nichts wie Bällen. Theater. Konzerten, Gesellschaften und derlei Krimskrams. Und zwar soll es bald sein, denn wenn man. mal was befchloffen hat. dann lieber gleich dran gehen. Mit Mama werde ich reden. Maus? Die wird große Augen machen Aber schließlich ist sie ja immer mit dem zufrieden, was ich anordne. Und ihr bleibt ja noch Käthe. Gnt, daß deren Pensionszeit gerade vorüber ist! Geh jetzt in dein Zimmer. Maus, ruh' dich aus?" „Papa, wie sott rch dir danken?" „Wie du mir danken sollst? Indem du dein ganzes Leben, lang mein tapferes gutes Mädel bleibst, als das du dich bis jetzt gezeigt hast!" Nachdem ihn Fiieda verlassen hatte, ging er noch lange schweigend im Zimmer aus und ab. Ihm mar schwer um's Herz, daß er feine schöne geliebte Aelteste so von sich lasten sollte. Aber er sah ein, daß es so anl besten für sie war. Sollte das arme Kind mit seinem tiefen Weh im Herzen hier in K. ruhig sitzen bleiben. Reinhold Cermsboff täglich in Gesellschaft tresfen und unmöglich, wenn es so weit kam, sein junges Eheglück mit der andern mit ansehen? Nein, das wäre schrecklich grausam für sie irnd könnte sie für immer zu einem verbitterten, vergrämten Geschöpf machen. Nein, sie war ein Soldctenkind, war seine eigene, echte Tochter. Nicht mit nutzlosem Klagen und Wernen wollte sie ihrem Gram nachhängen, nicht ihn durch Tand und Nichtigkeiten betäuben, sondern ihn mutig bekämpfen durch eine edle selbstverleugnende Tätigkeit. Er konnte stolz auf sein Kind sein, jetzt noch mehr als früher, wo ihre einzige Aufgabe darin bestand, in Gesellschaft zu glänzen. Und er war stolz auf sie. Zu seiner großen Liebe zu ihr hatte sich noch Hochachtung vor ihrem Charakter gesellt. Und was die Trennung betrtf. so hatte Frieda auch Recht. Denn wenn sie sich verheiratet hätte, jo wäre diese unter Umständen noch viel vollständiger gewesen. Jedenfalls hätten die neuen Bande sie ihm innerlich viel mehr entfremdet als ihr Diakonisienberuf es trrn konnte. Jetzt würde sie jedes Jahr ihre Ferien hoben und dann wieder ganz das Knrd seines Hauses und Herzens sein Ja, es war am besten so, wenn es auch vorerst weh lat Und entschlossen. mit heller Stirn und hellen Augen ging er h'nüber in'Z Zimmer seiner Frau, um ihr Friedas Wunsch mrtzuteilen und ihr die Gründe auseinanderzusetzen, welche ihn veranlassen. seine Einwilligung zu geben. Den Hauptgrund aber. Friedas heimliche, unglückliche Liebe, erwähnte er nicht. Daß ste bis jetzt davon geschwiegen, auch ihrer Mutter gegenüber bewies ihm. daß es ihr lieber war. wenn niemand davon wußte Sie wollte rhr lang behütetes Geheimnis nicht on's Licht ziehen: dazu fand er sich nicht berechtigt. Mochte es für alle Zeit begraben sein. tfrau ööit Trontheinr war natürlich aufs Aeußerste betrof. sen Uber btcjc Nachricht. Auch sie hatte anderes für ihr schönes Kind erhofft. Aber sie konnte sich weder den überzeugenden Gründen ihres Gatten verschtteßen, noch wäre sie imstande ge- wesen, dem ernsten Willen ihrer Tochter Widerstand entgegen zu setzen. Nachdem ihr erstes Erstaunen, ihre erste Enttäuschung überwunden war. fing sie sogar an, sich für die Idee zu be- ?^rn und wollte gleich an ihre Kusine. Gräfin Lenorc Secken- SCinCS ?*° 6cn Krankenhauses, schreiben, um von ihr das Nötige zu erfahren. Beim Nachtessen wurde alles noch genau besprochen. Kätbe war sprachlos und sah ihre Schwester nur immerfort erstaunt und bewundernd an. „Nein. Frieda, das könnte ich nicht?" sagte sie endlich. „Puh immerfort unter kranken elenden Menschen sein und die häßliche nnkleidsame Schwesterntracht tragen, nein, nein, schrecklich) tikritzt. rch begreife dich nicht. Ber uns ist's doch so schön!" Und bei sich dachte sie: „Was wird wohl Herr von Naundorfs dazu sagen?" 9 Tt-*r r' 1 ^ erschien ihr bei allem, was geschah, immer da, Wichtigste zu fern. Als Frieda abends in ihr Schlafzimmer kam. das sie allein bewohnte, war eine große Ruhe in ihrem Herzen. Alle Unrast, alle Ouai der letzten Zeit wor von ihr abgefallen. Cie haltein großes edles Ziel vor sich, dem sie chre ganze Kraft widmen wollte^ Gott hatte ihr viel genommen, aber er hatte ihr auch den Weg gewiesen, wo sie Frieden finden konnte. Sie würde RcnchL.d immer l-cbe». ab» wunschlos, selbstlos. - das war rein ein recht. In ihr Tagebuch, das fchcn viele Eraüsie ihres innersten Smps'ndens -nthiell, schrieb sie folgende Verse: Wohl weiß ich daß du, ach. unendlich weit Geschieden bist für alle Ewigkeit' Wohl wttß ich daß ln deines Herzens Raum ..ichtc- mehr dich mahnt an meinen kurzen Traum. Wobl weiß ich es mrt heißem b'tterm Weh, -l. aß ich dich niemals, niemals wiedeiseh'. Wohl weiß ich das - und doch nur dir allein Kann ich uHn Herz und meine Liebe weih'n Ich hoffe nichts! - ich wist allein dich lieben Z ltr ^ ja nichts als dieses Gluck geblieben. Ich klage Nickst, daß du "ilr me-.n kannst werden - Wo gab' es denn Glückseligkeit auf Erden? ^ch klage nicht — nicht brechen wird mein Herz Veredeln nur kann es ein solcher Schmerz. - Dich lieben, heißt ja allcs G-te Heben Was Ertt in ein" M-'nfchenbrust geschrieben. Drum such ich still an nleincm Platz auf Erden, Erfüllend meine Pflicht, octn u ert zu werden! Betr.: Die s^ei choer orgun r der Bevölkerung der Stad: Fnedber 7 . Kekanntmachnng Ilh br nge hierdurch zur öffem- ttchen Kenntnis, daß der Verlaus von Rind- und Kalbfleisch, sowie Wurst für diese Woche am ,tre:- taq. den 18. Dezember ,918. nachmittags von I bis 6 Uhr. in den sämtlichen hiesigen Metzgerläden stattfindet. Die Verkaufszeit ist genau ein- zuhaltcn. Friedberg, den 11 . Dez. 1^18. Der Bürgermeister 2. V.: Dam m. Kekannimachung Pttlöinimkttäii-AllSMSe vni Freitag, den 13. Dezember 1318 auf Zimmer Nr. 9 des Stadlhau es während der üblichen Geschäftsstunden. Auf ieoe Haushaltung ohne ieo* lidje künstliche Beleuchtung eni- ällt ein Liter Petrol um. der zum Prei e von 45 Pfennig in 3?n nachgenannten Geschäften erhältlich ist: Willi Madre. Adolf Bechslein. Kastan Brand. Heinrich Eckel. Michael Gerhard. Ehr. Krämer Wwe., Karl Villa ch. Markus Rosenfeld. Friedrich Michel, Fer- dmand Damm .Nachflg., Georg Mobs, Konsumverein. Beim Bezug der Karten ist die Lebensmittelkarte vorzulegen. Friedberg, den N. De;. 1918. Der Bürgermeister. 2i V.: Dam m. Wcihnachls-Bitte. 1 „.nt nugtii r vielen tigen Kindern eine Weihnachtsfreude be eilen können. Gaben werden danlend enigegengenoinmen von den Vor Mitgliedern: I. Dörr, Kaufmann.' M. Georg,. Apotheker.' I. Heineck. nungsrat,' G. Kleberoer. Pfarrer: Th. Mor,chel. Vauunieim Ph. Philipps Hauvtlehrer: H. Rau,ch. Kau mann: W. Nr Fabrikant.' Dr. L. Seyd. 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