Unmmer 291 Einzelpreis Mittwoch, den 11. Dezember 1918 _ 11, Jahrga ng* Die M |tcue Tayesreitung" erichemt ieöen Merilai. Regelmäßige Beilagen „Ser Kauer aus Hessen". ..Sie Spinnssube". Se?«gsprsis: Bei den Poftanitatlen vlecielsahrlich Mt. 2.70 hinzu »ritt noch das Bestellgeld: bei oen 2l.'enter monatlich 1.00 Mk. einschließlich Trägerlodn. Anreigen: Grunlneile 2b Big., totale 20 Btg^ Anzeigen von auswarrs mecoen ourch Bo rnachna me erhoben. Crfüllunasorr Frieobera. hchriNIeituna und Vertan ^rieoberq lHeffeni. ^anaueritratze 12. Fernivrecher 48. Poitjheck.Loino Rr. 4339. Umt Fraatsurt a. M. (Ein ünitidifr Prptfß gegen die Unterbindung des Verkehrs uni de.» beletsen Gebiet. Berlin, 9. Dez. (MB. Amtlich.) Die deutsche Regierung sandte den gegnerischen Regierungen auf dem diplomatischen Wege felgende Rote: Marschall Joch ließ am 6 Dezember der Waffenstillstandskomm ission die Entscheidung zugehen, wonach der Lebensmittel, verkehr und der gesamte Verkehr der geräumten linksrheinischen Gebiete mit der neutralen Zone und dadurch mit den übrigen Teilen Deutschlands unterbunden wird, da die Aufrechterhaltung der Blockade in dem Waffenftillstandsabkommen vorgesehen sei. Die deutsche Regierung ist verpflichtet, gegen diese Anordnung den schärfsten Protest zu erheben, weil diese einseitige Entscheidung mit dem klaren Wortlaut des Waffenstillstands- abkommens in unlösbarem Widerspruch steht. Die angekün- digte und rei'weise schon durchgeführte Maßnahme gibt der bisherigen Blockade eine Ausdehnung auf die Sperrmaßnahmen zu Lande, die mit dem Wesen der Blockade in Widerspruch steht und allen Völkern seit den Zeiten der englischen Kontinental, sperre gegen Frankreich fremd ist Die angeführten Bestimmungen des Waffenstillstandsabkommens über die Blockade finden sich daher auch sinngemäß in dem Abschnitt „clauses nava- les" und fordern -nur die Aufrechlerhaltung der Blockade im gegenwärtigen Umfang. In der peirosfenen Entscheidung lient jedoch eine ganz erhebliche Verschärfung und Ausdehnung der Blockade, unter welchen die deutschen Frauen- und Kinderwelt der rechtsrheinischen Gebiete besonders hart leidet. Diese ist auf die Zufuhr von Milch und anderen unentbehrlichen, rasch verderblichen Lebensmitteln aus den geräumten Gebieten um. somehr angewiesen, als datz deutsche Volk die Versorgung von Lebensmitteln durch die Alliierten, wie sie ein den erwähnten Vlockadebestimmungen des Waffnstillstandes in Aussicht gestellt ist, überhaupt noch nicht erhallen hat. Diese Entscheidung verletzt weiter die Vorschrift des letzten Absatzes des Artikels 4 des Waffenstillstandsabkommens. wonach keine allgemeinen staatlichen Maßnahmen ergriffen werden dürfen, die eine Entwertung der industriellen Anlagen oder eine Verringerung ihres Personals zur Folge hatten. Durch die verfügte Unterbindung des Verkehrs wird die absolut notwendige gegenseitige Zufuhr von Rohstoffen und Halbfabrikaten zur Aufrechterhaltung der industriellen Anlagen unmö"li>h gemacht, wodurch deren Entwertung eintreten muß. Die Pro. duktionsunmöglichkeit zwingt wiederum zur Verringerung des Personals, und Arbeitslosigkeit und neues Elend in den willkürlich abgetrennten urdeutfchen Gebieten sind die unabwendbaren Folgen. Die deutsche Regierung schlagt deshalb vor, ülese Frage bei den bevorstehnden Verhandlungen über die Verlängerung des Waffenstillstandes dahin zu regeln, daß unbeschadet des Aust fichtsrechtes der Alliierten eine vollkommene Verkehrsfreiheit zwischen den geräumten Gebieten und den übrigen Teilen Deutschlands gewährleistet ist. gez. Solf. Staatssekretär des Auswärtigen Amtes. Kkin Ulrhsnökln i>ks VttbaiAs ml dt» A.- und S.-Wc». Köln, 10. Dezbr. Wie di« „Kölnische Zeitung" zuverlässig erfährt, bestätigt sich die Meldung, daß der Verband die Auflösung sämtlicher Arbeiter- und Soldatenräte fordern wird. Tie dahingehende Note des Verbandes steht unmittelbar bevor. Tie bayerische Gesandtschaft in der Schweiz hat bereits eine entsprechende Erklärung seitens der Verbands- rertreter erhalten. Ter Verband lehnt nicht nur jede Verhandlung mit den A.- und S.-Räten ab, andern auch jede endgültige Regelung mit der gegenwärtigen Regierung, die er als eine einseitige sozialistische Regierung nicht als legitimiert erachtet, um im Namen des deutschen Volkes zu sprechen. iUifinüüfrnang dkg lttzün RkWtnIs. Köln, 3. Dezbr. (WB.) Ueber eine Woche sind die Heeressäulen von der Westfront über Köln und Umgegend nach Osten zu marschiert. Als letzte geschloffene Formation rerließ heute mittag kur» nach 4 Uhr das Infanterie Regiment Nr. 371 die Otadt und zog über die Dombrücke ins bergische Land. Aus die- senr Anlaß wurde eine Abschiedsfeier vor dem Südportal des Domes veranstaltet. Hier hatten die Schulen Aufstellung genommen und eine ungemein große Menschenmenge umsäumte den Platz, um den letzten scheidenden Truppen ein Lebewohl nachzu. rufen. Die Militärkapelle spielte und Soldaten sangen Chöre. Der Beigeordnete Albermann als Vertreter des Oberbürgermeisters gab namens der Stadt dem Regiment den letzten Sck-erdegruß mit aus den Weg. Er sprach seinen Dank aus für ihre heldenhafte Verteidigung des Vaterlandes. Als unbesiegbare Truppen kehrten sie zurück und verließen nun die Stadt, welche der fremden Besetzung entgegeicharren muß. Er sprach die Hoffnung aus nichtzu fernes Wiedersehen au§ und gab den scheidenden Truppen die Versicherung, daß, wie auch die Verhalt- niffe sich gestalten mögen, das linke Rheinufer deutsch fühlen, deutsch bleiben und ein untrennbarer Bestandteil des Deutschen Reiches bleiben werde. Der Regimentskommandeur erwiderte mit einer kurzen Danketzreve und mit einem Hoch auf die Stadt Köln. Die erhebende Feier wurde geschloffen mit dem Vortrage des altniederländischen Dankgebetes durch die Musikkapelle, ver. eint mit dem Schülergesang Das Rote Kreuz verteilte Gaben. Junge Mädchen verteilten Blumen an die Truppen, die mit offenen Fahnen in den deutschen Farben, mit Blumen und Fähnchen geschmückten Gewehren im Parademarsch, vorbeidefilierten, um den Weg über die Dombrücke zu nehmen, fortwährend mit lauten Zurufen von dem Publikum begrüßt Biele Augen wurden feucht. Unverkennbar machte sich die tiefe Demut geltend, daß es ganz anders gekommen ist, wie man noch vor nicht allzulanger Zeit hoffte. Einzug der Garde in Äerlin. Ilrtter herzlichster Begrüßung der Bevölkerung hielt gestern ein großer Teil der Garderegim enter feinen Einzug in Berlin. Vorher hatte Ebcrt dem Kommandierenden General Leanin durch.Handschlag verpflichtet, die neuen Gewalten anzuerkennen. Tie Straße, durch die der Einzug erfolgte, waren reich geschmückt. Fahnen wechselten da mit Teppichen und Tannengrün. Auch die Mannschaften die in strammer Haltung, jubelnd begrüßt, marschierten, waren mit Blumen und Schleifen geschmückt. Das Hurrarufen und Tücherschwenten wollte kein Ende nehmen. Es mögen an 7000 Mann einnmn'cknert fein. Am Brandenburger Tor fand die Begrüßung durch die Regierung und die Stadt Berlin statt. Ebert hielt eine Ansprache, in der er hervorhob. daß die Truppen von keinem Feind überwunden worden feien. Ni^ hätten Menschen größeres geleistet und gelitten. Tie Truppen fänden ein neues Deutschland. Aus kern Zusammenbruch wolle man ein neues Deutschland zimmern. Er schloß Vnte Ansprache mit den Worten: Bald schlägt die ersehnte Stunde des Friedens, bald wird die konstitufrende Nationalveramnilnng die Freiheit und die Republik verankern durch den unantastbaren Willen des ganzen deutschen Volles. Ihr legt die Waffen aus der Hand, die. getragen von den Söbnen des Volles, dem Volke nie Gefahr, sondern stets nur Schutz sein sollten. Ihr sollt milschaffen an dem großen Werk der neuen deutschen Zukunft — der Zukunft unseres Volkes, dessen Glück Eure fleißigen Hände erbauen müssen von Grund ans. — Und so laßt mich Eure Treue zur Heimat, die uns allen gemeinsame Liebe zur Einheit Deutschlands, unfern Stolz auf die Freiheit und die große unteilbare deutsche Republik zusammenschließen in den Ruf- Unser deutsches Vaterland, die deutsche Freiheit, der freie Volksstaat Deutschland — sie leben hoch! Nach ibm sprach der Oberbürgermeister Wermuth und rin Feldwebel. Die Waffen des Herrn Joffe. Berlin, 9. Dez. In einem Fuilkspruch an das Mitglied der Reichsregieruna Haase sagt der frühere russische Vertreter Joffe in Berlin, jetzt in Moskau. ..daß die von ih,n in Berlin verbreitete Propaaanda- schrift durch Vermittlung der unabhängigen sozialdemokratischen Partei verbreitet worden ist. Was den Ankauf von Waffen anbelangt, so ist die angeführte Zahl von insgesamt 150 Mauserpistolen, 28 Brownings, und Paralellumpistolen nebst etwa 27 Patronen nicht richtig. Die angeführten Waffen waren nur zur Ausfuhr nach Rußland bestimmt. Die Zahl der angekauften und dem jetzigen Bolksbeaustragten Barth übergebenen Waffen ist, wie Sie wissen, viel höher. Auch entspricht die ungefähre Gesamtsumme der Gelder nicht den Tatsachen. Herrn Barlh sind seinerzeit zum Zwecke der Beschaffung von Waffen nicht 150000 Mark übergeben worden, sondern mehrere hunderttausend. Indem ich das sest- stellen möchte, rühme ich mich, durch diese meine Tätigkeit, die im Einverständnis mit den unabhängigen Ministern Haase, Barth und anderen geschah, auch für meine Person zum Siege verdeutschen Revolutioir nach Kräften milgewirkt zu haben." Dazu erklärt Herr Barth, daß er niemals weder von Joffe noch von einem anderen russischen Genoffen Geld oder Waffen erhalten habe. „Durch meine Hände gingen zur Vorbereitung der Propaganda der Revolution mehrere hunderttausend Mark, die ich lediglich von deutschen Genossen erhielt. Auch Herr Haase erklärt: „Ich hatte keinerlei Kenntnis davon, das die Vertretung der Sowjetregie- rung in Deutschland Waffen, die zur Ausjührung nach Rußland bestimmt waren gekauft hat. Ich kam nicht einmal aus die Vermutung, daß Joffe für Waffenbeschaffung irgendwie tüttg gewesen ist. Ich habe vielmehr angenommen, daß einige wohlhabende deutsche Parteigenossen meinem Kollegen Barth sür diesen Zw.ck Geld zur Verfügung gestellt hätten. Wie es §n drm Watrofen- Anfstand Kam. Die Herren Matrosen der Hochseeflotte nehmen es sehr übel, wenn ihnen die Frontsoldaten vorwerieu, daß sie in den vier Jahren des Krieges nur einmal Gelegenheit gehabt hätten, ihren Mut zu erproben und die Welt mit den Taten der „Blauen Junaens" zu überraschen und daß sie, als ihnen das zum zweiten Male zugemutet wurde, die Halfter ausgestrippt, Revolution gemacht und es vorgezogen hätten, als Prätorianer sür die radikalsten Elementen in den deutschen Großstädten, die mit der See auch nicht im innigsten Zusammenhang ständen, aufzutrelen. Die'er Gedanken- gang wird aber jetzt bestätigt durch eine Dar egung der Vorgänge durch den Obermatrosen Funk in der „Fcantf. Ztg." Er beschwert sich zunächst darüber, daß die Matrosen durch den Dienst schwer in Anspruch genommen worden wären. Wir wollen da die Frage erheben, ob denn etwa die Frontjoldalen einen leichten Dienst gehabt haben, sie haben stets einen unendlichen Kamps eegen die Feinde gekämpft und haben schanzen uno graben und dabei Rot und Entbehrungen auf sich nehn en müssen, von denen die Matrosen ganz gewist ver chont geblieben sind. Außerdem möge der geschützte Obermatrose an das Wort denken: „Müßiggang ist alter Laster Anfang" und daß die Matrosen, hätten sie keinen strammen Dienst gehabt, wohl schon früher aw ihre Gelüste gekommen wären. Des weiteren oiöt der Obermatrose offen zu, daß eine be'ohlene Seeosfensive die größte Erregung unter den Besatzungen der Schiffe heroorgeiusen hätte. Es fei nun von den Besatzungen einzelner Schiffe folgende Resolution au gestellt worden: „Greift der Engländer uns an, so stellen wir unseren Mann und verteidigen unsere Küsten bis zürn Aeußersten, aber wir selbst greifen nicht an. Weiter als bis Helgoland fahren wir nicht, andernfalls wird Feuer ausgemacht." Daraufhin unterblieb das Auslaufen und die verschiedenen Verbände nahmen ihren alten Liegeplatz, bezw. ihren Vorpostenplatz wieder ein. Das dritte Geschwader wurde zur Erholung nach Kiel befohlen. Das ist ja alles ganz gut und schön, aber wir fragen, haben denn die Frontsoldaten si h in hunderten von Schlachten geweigert, zur Offensive vorzugehen? Rein, das taten sie nicht, sondern haben ihre Schuldigkeit getan fürs Vaterland. Sie haben dabei auch nicht erst gewartet, bis der Feind angegriffen hat. Die Matrostn aber haben sich, wie aus der obigen Darstellung hervorgeht, hinter billigen Ausflüchten verkrochen deshalb sind die Vorwürfe der Fronttruppen nicht unberechtigt. §ie englische Ueüernnn tiir die Ailfhtdunz crr Difiiflyfiidjt. London, 9 D^z. (MV.) Reuter meldet: Amtlich wird mitgeteilt, daß die Koalitionsregierung mit der endgültigen Av- stcht zur Friedenskonferenz gehen wird, dort die Aufhebung der M i l i t ä r d i e n st p f l t ch t in ganz Europa vorzuschlagen. Chile und Peru. Bern. 6. Dezbr. Nach Meldung der „Agenzia Romano" hat der Kongreß von Peru in einem geheimen Beschluß bedeutende Kredite für die Mobilisation der Truppen bewilligt, um aus die Mobilffieruirgsmaßncchmen Chiles zu anrworten. In Iquiqu« und Antofagasta kam es zu revolutionären Kundgebungen. Die maximalistischen Arbeiter erklärten den Generalstreik und marschierten gegen die Kaserne. Die Regierung hat zwei Divisionen aufgeboten. Die revolutionäre Propaganda dehnt sich auch nach Argentinien aus. In Buenos Aires kam es -u einer heftigen anarchistischen Kundgebung als Protest gegen die Gefangensetzung des Mörders des Polizeipräfekten, besten Aus. lieferung Chile bewilligt hat. Zahlreiche Personen wurden verwundet. Die Regierung der Vereinigten Staaten wird in den Konflitt zwischen Peru und Chile eingreifen. »Schmach und Schande." Braunsberg, 9. Dez. (WB.) Der Arbeiter-, 6oV baten- und Bauernrat des Kreises Braunsberg teilt mit: Die versammelten A.-, S.- und B.-Räte des Kreises Braunsberg kennzeichnen hiermit öffentlich den in der Presse verbreiteten Antrag des Leipziger A.- und 6.» Rates, Hindenburg -u verhaften und auf Soldaten. mtiort zu setzen, als Schmach und Schande und sprechen solchem A.- und S.-Rat die Berechtigung ab, sich als Vertreter des Volkes zu bezeichnen. Wir erheben flammenden Protest gegen den Beschluß des A.- und S.-Rates. Berlin, 9. Dez. In der Rede, die der Abgeordnete Strobel bei der Kundgebung der Unabhängigen am Vismarckdenkmal hielt, sagte er unter anderem, es sei unerhört, daß der ganse militärische Apparat sich noch immer in den Händen Hindenburgs und seiner Trabanten befinde. Hindenburg sei sicher ein tüchtiger Heerführer» aber auch ein großer Reaktionär. Aus den amtlichen Akten habe er einen Brief Hindenburgs in den Händen, aus dem hervorgeht, daß gerade Hinden- burg es gewesen sei, der den Reichskanzler Vethmann Holweg zur strecke gebracht habe, weil ihm dieser zu reformfreudig und nicht stark genug gewesen sei, für den Siegfrieden einzutreten. Ablehnung d-r A.- und S.-Räte. Berlin. (WB.) Ter..Vorwärts" schreibt: Bei dem Eintreffen der englischen Flotte in den deutschen Gewässern zu dem Zweck, die Ausführung der Waffen'Lill- standsbedingungen zu kontrollieren, verlangte der englische Admiral vom Führer der deutschen Kommission, Vizeadmiral Goethe, sofort die Feststellung, daß sich in ihr kern Vertreter des Arbeiter- und Soldatenra'es befinde. Bei Beginn der Sitzung wiederholte er die Frage, ob kein Vertreter des Arbeiter- und Soldatenrates zugegen fei' er habe strikten Befehl, in diesem Falle nicht zu verhandeln. — Aus dem neutralen Ausland wird den einzelstaatlichen Negierungen berichtet. Wilson und dre Entente würden nur mit einer deutschen Regierung verhandeln, die sich auf das in ordentlichen Wahlen kundgeoebene Vertrauen des Volks stütze. Eine Rote diesen Inhalts sei in Vorbereitung. Ka jrfflüläigf (fbrrtg rm Dir 5'MldlUkslknle. Serlin, 9. Dezember. In einer Versammlung, die am Sonntag in Berlin stattsand, sagte Eoert: , . Gr .^lle fest, daß die Wucht und die Massenhaf- ttgkelt dieser Demonstration den Beweis dafür liefere. qy? r h I e - ^ er ^ ncr Arbeiterschaft in ihrer überwiegenden Mehrheit der sturmerprobten Fahne der alten Sofial- demolratie folge, und führte aus: Wir Sozialdemokraten wollen Frieden, Freiheit und Brot. Gelingt es in den nächsten Tagen ablaufenden Waffen,tlttstand zu erneuern, so sind die Errungenschaften der Revolution verloren. Ihre Sicherheit kann nur erzielt werden, wenn Ordnung und Festigkeit herrschen, und das fetzt voraus, daß die Demokratie reitlos auf allen Gebieten und unangetastet zum Ausdruck gebracht wird. Mcinungs- und Gewissensfreiheit muffen die Grundpfeiler der jungen Republik bleiben Ohne Demokratie keine Freiheit. Gewalt, einerlei von wem sie angewandt wild, ist immer reaktionär. (Stür- Ml,che Zustimmung). Die alten Tyrannen sind verjagt, mit dem Flug des Unglücks, das über uns gekommen ist. Alle Versuche, das alte Regime neu zu beleben werden wir mu äußerster Entschlossenheit Niederkämpfen! Aber ebenso begegnen wir auch der Aufrichtung jeder neuen Gewaltherrschaft, die verhindern will, daß unser Volk tu freier Wahl sein Schicksal selbst bestimmt. Täglich rufen Liebknechts fanatische Anhänger zur Gewalt. täglich verteilen sie Waffen, täglich drohen sie die Regierung der Republik mit Waffengewalt anzu- greifen. Wir werden mit äußerster Enlschloffenheit allen diesen Versuchen begegnen. (Vielfache Zurufe' Wort halten, Zupacken D Wir sind keine Negierung der Gewalt. Un'ere Legitimation der Regierung szeruht einzig und allein auf dem Willen unseres Volkes Solange aber unser Volk nicht in freier Wahl seine Regierung selbst bestimmen kann, solange bleibt jede Regierung ein Provisorium. (Sehr wahr.) Desgleichen rst es unerläßlich, daß nächstens die konstituierende Nationalversammlung kommt. Erst die Konstituante, zud^r Männer und Frauen demokratisch wählen, kann den Sieg der Revolution sichern. Die Konstituante wrrd der Sieg der Sozialdemokratie sein. rave aus dieser Armut, aus der Bedürfnislosigkeit könne uns. so meint der verehrungswürdisse greise Künstler. eine umiberwind. liche Kraft erwachsen. „Jetzt muffen wir durch großes Dunkel hindurch, in der Verworrenheit eines noch unbekannten Schicksals. Nur nicht stehen bleiben im Dunkeln — vorsichtig lastend wollen wir hinausstreben und wollen nach dem Lichte suchen. Das deut- sche Volk will bestehen, doch nicht sein Wille geschieht — das deut. sche Volk muß bestehen, ob es will oder nicht. Dies ist von einer höheren Macht abhängig/es wird seine Vestehungsform aus sich selbst finden, nach seiner Wesensart, die es sich ja auch nicht selbst gegeben hat, die es tragen muß und nach der es immer handeln muß.... Wir wollen das Alte nicht mitfchleppsn, sondern es auf den Kehrichthaufen der Vergessenheit werfen. Mögen da die Geschichtsschreiber darin herumstochern. Wir, die Lebenwollenden, muffen nach dieser schrecklichen Zeit mit wenig Gepäck und leicht, füßig in die Zukunft hineinwandern." Ist das demokratisch? Berlin, 9. Dez. In einer gestrigen Versammlung der U abhängigen verbreitete sich der Kultusminister Ho mann über die Nationalversammlung. wie folgt: „Die Wahlen zur Nationalversammlung' sind viel zu früh ange etzt. Die Errungen cha' en der Revolution wird sich das Volk nicht rauben la sen. Ergeben die Waglen eine sozialistische Minderhe t, so muß die Nationalversammlung eben gesprengt werden. Jeder Parle.angehörige muß dann eben bereit sein, auf die Barrikade zu steigen." Bremen, 7. Dez. Der Bremer A. beiter- und Sol- datcnrar hat die für Sonntag aepianie große bürgerliche Demonstration für die Nationalversammlung und die Wiedereinsetzung von Senat und Bürgerschaft in rhre versanungsmäßigen Rechne bis zur Neuwahl de»- Bürgerschaft un er Hinweis auf die Vorgänge in Berlin verboten. Ter Bürgeraussä)u z legte dagegen scharfen Proten ein, da Arbeiterdemonstrationen nicht verboten worden seren, und hat eine in dieiem Sinne gehaltene Erklärung an den Bolksbeauitragten Ebert abgesandt. „?rmes Deutschland". ^ nennt der Altmeister Sans Thema in den Eugen Diederichs, Blattern das Vaterland. Aber Armut ist keine Schande. Ge. Werbt ftnf dem Fände! Der Staatssekretär des Reichsarbeitsamtes. Bauer, erläßt folgenden Ausruf „an die heimkehrenden Landarbeiter und alle, die auf dem Lande tätig waren": (&e ß nicht in die Städte und JnÄustriebez rke! Dort fehlt es an Wohnungen und ist die Arbeitsgelegenheit schon wegen der 'mangelnden Rohstoffe knapp. Auf dem Lande ist eine durchgreifende Umgestaltung der Besitzverhältnisse im Gange. Mehrere Millionen Hektar — Raum genug für Hunderttausende von selbständigen Vauernstellen — werden unter Mitwirkung der landwinscha'ttichen großen Verussverbände zur Besiedelung bereitgestellt we den. Das Werk wird so schnell vollendet werden, wie die gegenwärtigen Schwierigkeiten der Vau-, Transport- und Geldverhältnisse es gestatten; bis dahin findet Ihr auf dem Lande Unterkunft und lohnende Beschäftigung. Denn mehr als eine Million Kriegsgefangener und Wanderarbeiter verlassen ihre Arbeitsplätze und der Krieg hat große Lücken in den Bestand des Landvolkes gerissen. Wir haben die Ausnahmegesetze gegen die Landarbeiter ausgehoben und die Eeändeordnung außer Kraft gesetzt. Nachdem für die Landarbeiter die gleiche Koalitionsfreiheit gesichert ist wie für die Industriearbeiter , werden die Aibeits- und Lohnverhältnifse durch Tarifverträge zwischen den Organisationen der Landarbeiter und der Gutsbesitzer geregelt. RWlikicu öcs chuiLkg Ln sanLNrik. Wir stellen uns bis zur Schaffung einer auf gesetzlicher Grundlage beruhenden Staal^farm hinter jede Negierung, die gewillt und fähig ist. Ruhe. Ordnung und Sicherheit für Person und Echentrnr aufrecht -u erhalten, die Dollsernährung sicher, z^stetien. die N-'ichsernhcrt zu wahren nrllr einen sofort gen Frieden herberzuführen. Wir halten für geboten: 1 Schleunigste Einberuiung der Nationalversammlung. bis dahin Unterlassung jeglicher Eingriffs in das wirtschaftliche, rechtliche und kulturelle Leben. 2. Förderung eines starken deutschen Volkstums auf christlicher Grundlage und Bekainvfu.rg undeutscher Einflüsse in Kultur uicd Wirtschafts'ebeu. Kerne Trennung von Staat und Kirche. 3. Sicherstellung der Tätigkeit der Bauern- und Landarbeiterräte. 4. Wiederaufbau des Wirtschaftsleben?, gestützt auf eine starke. Lebensfähige und unabhängige Landwirtschaft, di- bald' möglichst von den Feffeln der Zwmvrsu»irisch sS t zu befreien ist Gesunder Wiederaufbau des Mittelstandes und der Industrie 5. Weitgehendste Förderung der Anüedlung von Bauern und Arbeitern in Deutschland, insbesondere der Kriegsteilnehmer 6. Schaffung von Mietwohnungen und Gartenland für freie ländliche Arbeiter in Landgemeinden. 7 Freiheit!icke aber oen ners.bieden.".i B-'rufsgruppen gerecht werdende Gestaltung der Kammnnalaesitze. 8. K-unrjiizf'cke Erhaltung von Eigentum und Erbrecht, unbeschadet einer stufselmeisen Heranziehung der Privatver- mögen zur Deckuno der Kriegslasten 9. Starke Heranziehung der Krstgsyew?nne vnd schärfste -Licherung grgen Abwanderung und Stenerhinterzsehnng heg mobilen Kapitals. M Sparsamkeit in der Staats, und Re.chsaürtfchaft. 1l. Wirfichasilicke Hebung des Landarbekterstandes und Ausbau seiner politischen Rechte. VI Zur Durckfübrimq unserer Bestrebungen wünschen wir erne starke politische Betätigung der Frauen, insbesondere auf dem Lande Zur Durchführung dieser Richtlinien erwarten wir die tatkräftige und cpstrwillige Unterstützung der Gleichgesinnten aus allen Bolkskreßen. unter Ausschaltung der Gegensätze zwischen Stadt und Land, die bisher in so unheilvoller Weise das deutsche Volk trennten und seine Kraft schwächten. Zu diesen Hauptforderungen werden wir noch eine umgehende Erläuterung g>ben. die auf Wunsch unseren Vertrauensmännern zur Verfügung steht. Der engere Vorstand des Bundes der Landwirte: Freiherr v. W a n g e n b e i m. Dr. R o e s i ck e , Vorsitzende. Dr v. V o l l m a n n, Direktor. „Diirger Ernst Ludwig." In der Montags-Sitzung des Arbeiter-, Vauern- und Soldatenrates zu Darmstadt regte Bürger Dr. Wolf die Frage an, wie die Nationalversammlung über das Weuerbestehen der Revublik entscheiden wird. Man werde eine neue Republik Hessen bilden, wenn die „Ra» tionalversammlung eine Monarchie gründen wolle. Dem Bürger Ernst Ludwig sei es zu verdanken, daß er nicht auf den Thron verzichte. Man solle ihm die Pistole auf die Brust setzen. Wenn er nicht abdanke, müsse er außer Landes gehen. Bürger Delp führt aus, daß man über die Frage, ob Monarchie oder Republik, nicht zu diskutieren brauche. Bezüglich des Bürgers Ernst Ludwig ist er auch der Auffassung, daß er vor die Alternative gestellt werden oder abdanken müsse. Er solle die Konsequenzen ziehen. Bürger Knoblauch ist der Auffassung, daß er in der Republik überhaupt keine „von"-Leute geben wird. Der Vorsitzende möchte annehmen, daß die jetzige Aussprache nicht etwa aus der Angst geboren fei. Man solle dem Volk ruhig das Weitere überlassen. Vüraer Dr. Wolf beton^weiter, daß die Verwaltung der Eroßh. Domänen dem Finanzministerium überwiesen wurde, auch das PrioateigentumdesGroßherzogs müsse unterSequstration oestellt werden, um Verschiebungen usw. zu verhüten. Der Amrag wird dem Ausschuß überwiesen. Staats- - minister Ulrich erklärt hierzu, daß man in der Regierung daran ist, diese Fragen zu regeln, das geschehe aber ! nicht im Handumdrehen. Die Tendenz der Anträge sei gut, sie müssen aber in annehmbarer Form eingebracht werden. Man werde tun, was die Republik verantworten kann. Bürger Dr. Wolff hält das Vorgehen der Negierung für zu lang'crm. Staatsminister Ulrich stellt demgegenüber fest, daß man bisher nichts versäumt habe, um das Recht der Republik an dem ; ihr zustehenden Eigentum zu sichern. Der Vorwurf ist zunickmweifin. Derartige Husarenritte, wie sie Dc. Wolff empfiehlt, könne man nicht mittun llliiilßrr Zürich iüirr den Aushgü hi Stdato. lieber den Ausbau der neuen Republik sprach Minister Ulrich am Sonntag vormittag in einer sozial- demolratischen Volksversammlung. U.a. führte er aus: Als er am Revolutionssamstag ins Schloß gerufen wurde, habe er dem vormaligen Großherzog sofort erklärt, wenn Blutvergießen verhindert werden solle, dann müsse der Großherog freiwillig abdanken. Leider habe der vormalige Großber og. dessen tragischem Geschick als Mensch man nicht die Achtung versagen dürfe, anders enlschieden. Daß dennoch Blutvergießen verhindert worden sei. sei der anerkennenswerten opferbereiten Arbeit der Arbeiter- und Soldatenräte zu verdanken. Rach dem schmählichen Verhalten seiner Träger sei der monarchische Gedanke in Deutschland erledigt. Erst wenn die Nationalversammlung, für die aus technischen Gründen leider ein früherer Termin stch nicht habe anberaumen lagen, gebildet ist, wird die Frage der Sozialisierung der dazu geeigneten Großbetriebe erwogen werden können. Die Fideit'o nmisse müssen anderweitig nutzbar gemacht werden. Die hessische Negierung wird da>ür eine Kom Mission einsetzen. ebenso wie für die Frage der Zivilliste und der damit zusammenhängenden Uebersührung der Domänen in ungeteilten Staatsbesitz. Das lasse sich jedoch nicht über Nacht machen. Allerdings, dacan wird nicht nerüttelt werden dürfen, daß die Zeit der lohnkapitalistischen Ausbeutung vorüber sein muß. Die Haupisorge der Regierung sind die Ernährungs- und Berkehrsfragen. Die Landwirtschaft scheint ihrer Pflicht z