Nummer 287 » fflilschreis Freitag, den 6 . Dezember 1918 _ 11. Jahrga ng Die ..zl.ne Ta«es!rit«»g" erichemt ,even Weillai. Rey-lmatzige «eiiaqen „Ser Kauer aus Krisen". „Sie SpinnHndr». Keiugapr.i«! Lei den Poitanltaiten o>er,eI,ährUch Ltt. 2.70 hinzu Hit, noch oas Lellellgeld: de, den Äoenken mono,»» 1.00 Ml. einschlietzlich Trägeriolm. Ln,eigen: chrund,°U- 2b Pch.. iolale 20 v,g^ Aasigen oon ausWano werden durch Lonnachnahm, erhoben. Lriullunosor: ^rtedbera. Schrittleituna und Verlag ^riedbsrq kS-H-nl. ganau-r^atz- 12. ^-rn-orschsr 4S. Boitlbeck.Lonto Hr. «S59, Um» ^r-niiurt a. BI. _ Kelmtttttmachttng. VltJffntfjnH wehrpflichtiger Personen im besetzten Gebiet. Hinsichtlich des Aufenthalts wehrpflichtiger Personen im besetzten Gebiet gilt nach den bisherigen Vereinbarungen der Waffenstillstandskonnnission folgendes: 1. Alle bei Abschluß des Waffenstillstandsabkommens im vom Feinde zu besetzenden Gebiet befindlichen Personen wehrpflichtigen Alters können bei Besetzung des Landes wohnen bleiben, auch wenn sie vor dein liege noch nicht dort gewohnt haben, sondern erst während des Krieges zugezogen sind. 2. Alle nach Abschluß des Waffenstillstandsabkommens entlassenen und zur Entlassung kommenden Offiziere, Militärbeamten und Mannschaften dürfen nur dann im vom Feinde zu besetzenden Gebiet sich aufhalten, »nenn sie schon vor dem Kriege dort ansässig waren. 9. Entlassene Mannschaften pp. denen nach vorstehenden Ziffern 1 und 2 die Rückkehr oder das Verbleiben im von! Feinde zu besetzenden Gebiet nicht möglich ist, werden. wenn sie den Jahrgängen 1896—99 angehören, von den Bezirkskommandos wieder eingezogen und im Korpsbezirk bei ihrer Waffengattung wieder eingestellt. Zu diesem Zwecke haben sich die in Frage kommenden Mannßstatten bei ihren zuständigen Bezirkskommundos zu melden. Anderen Jahrgängen steht der Wiedereintritt frei. 4. Alle entlassenen Militärpersonen müssen vorschriftsmäßige Entlassungspapiere haben. Als ordnungsgemäß gelten nur Militärpapiere, die lediglich mit dkm Adlerstempel und der Unterschrift der entlassenden Dienststelle versehen sind. Unterschriften und Stempel des Arbeiter- und Soldatenrates erkennt der Feind nicht an. 5. Die vorstehuden Bestimmungen unter 1—3 gelten nicht für rreutrake Gebiete. In diesem können alle ordnungsmäßig entlassenen Militärpersonen ohne Rücksicht auf Jahrgänge und früheren Wohnort sich aufhalten. In vorstehender Angelegenheit hierher gerichtete Anfragen finden hierdurch ihre Erledigung. Frankfurt a. M., den 4. Dezember 1918. Im Aufträge des Arbeiter- und Soldatenrats. Das stellv. Generalkommando 18. A.-K. gez. v. S t u d n i tz, Generalmajor. Die Selehuug deutschen Dandrs. Düsseldorf, 5. Dezbr. (WB.) Nachmittags rückten zwei belgische Kavallerie-Abteilungen in Stärke von 800 Mann in den linksrheinischen Stadtteil von Düsseldorf ein. J^der Verkehr zwiscl*en den beiden Nheinufern ist verboten. Auch die Ueberbringung von Lebensmitteln und Milch aus dem besetzten Gebiet in den rechtsrheinischen Stadtteil ist nicht gestattet. Alle Lokale muffen um 7 Uhr schließen. Ansaimn- lungen sind verboten. Belgisck-e Kavallerie rückt nach Kleve weiter und wird durch Infanterie abgelöst. Köln 5 Dezbr. Heute abend treffen 15 englische Offiziere hier ein. die im Ercelsior-Hotel Quartier nehmen. Etwa 8000 bis 10 000 Mann englische Truppen werden im Lcrufe des morgigen Tages erwartet. Köln, 5. Dezbr. (WB.) Heute Nachmittag wurde der linksrheinsche Stadtteil von Oberkassel durch belgische Kavallerie besetzt. In Odenkirchen rückte vormittags ein belgisches Konunando in Stärke von etwa 60 Mann ein, um Quartier ^ machen für etwa 500 Mann, die nachmittags an- .konimen sollen. Tanüt erreiche der Feind nun auch den Müncben-Gladbnck.er Jndusiriebezirk. Düren, 5. Dezbr. (WB.) Von Nidcggen kommend. sind hier gestern abend englische Besatzungtruppen eingetroffen. Die englischen Bekanntmachungen sind in Form und Inhalt viel entgegenkommender gehalten als die der Belgier. In dem Nachbarorte Eichweiler sind ebenfalls fremde Besatzungs- truppen mit Alvei Divisionsgenerälen und einem Stab, sowie je eii^m belgischen Infanterie- und Artillerie-Regiment ein- getrofsen. Ob sie eine ständige Besatzung bilden werden, steht noch nicht fest. Trier, 5. Dezbr. (WB.) Nach Neunkirchener und Merziger Blättern ist in jenen Orten, die von den Franzosen besetzt sind, der Verkehr von 8 Uhr abends bis 6 Uhr morgens Untersagt. Außerhalb der Genieinde muß jeder einen schrift- ^itchen Ausweis führen. Es ist die französische Zeit einge- Ährt. Briefe und Telegramme sind der Zensur uptterworfen. sTie Zivilisten haben den fremden Offizieren gegenüber eine Achtungsvolle Haltung einzunehmen. Polizeidiener, Eisenbahn- und Forstbeamten haben zu grüßet!. L»dwigshasrn, 5. Dezbr. (WB.) Eine interalliierte Kom- .nüssion, bestehend aus vier französischen, einem englischen urrd einem amerikanischen Offizier, ist heute Mittag, mit Sonderzug von Trier kommend, hier eingetroffen und hat sich sofort in das Eisenbahndirekttonsgebäude begeben, um mit den maßgebenden Stellen über einige technische Fragen zu verhandeln. Kaiserslautern, 5. Dezbr. (WB.) Heute vormittag sind hier mehrere Tausend Mann französischer Truppen eingerückt darunter die marokkanische Division. Speyer, 5. Dezbr. (WB.) Nachdem bereits heute vor- nttttag 9 Uhr ein Vortrupp von etwa 100 Man eingerückt war. rückten um 12 Uhr weitere Besatzungstruppen, und zwar das 51. Infanterie-Regiment und die 3. Geniekompagnie, zusammen etwa 1500 Mann, ein. Sie zogen mit klingendem Spiel durch die Stadt. Vor dem Präsidialgebäude nahm der Divisionsgeneral die Parade ab, worauf die Truppen unter Musik zur Kaserne marschierten, wo sie einquarttert wurden. Gin englischer Armeebefehl. Aus dem Haag wird g^melder: „Ve'm Büreten des deutschen Bodens durch die englischen Truppen ist von dem englischen Kommando folgender Tagesbefehl ausgegeben worden. „Die vollkommenste Ordnung muß von den Truppen, die den Vorzug haben, in Deutschland einzurücken, gehalten werden. Mit der Bevölkerung soll so wenig Verkehr, wie irgend möglich stattfinden. aber jederzeit ausgesprochene Höflichkeit und Selbst beschränkung gezeigt werden. Jede Familiarität ist zu vermeiden. Die englische Tradition zu einem geschlagenen Feind ist hochzuhalten: denn alle Maßnahmen zur Herbeischaffunq von Entschädigung und Wiedervergeltunz sind Sache der Behörden selbst. aber nicht des einzelnen." Windernimen. Hohenfalza, 5. Dez. (WB.) Die Plünderungen, die gestern hier vereinzelt vorgenommen wurden, fanden heute ihre Fortsetzung. Von den Beteiligten wurden bereits vier Zivilpersonen polnischer Nattonalität ettchossen. Infolgedessen nahmen polnische Soldaten gegen den Soldatenrat Partei, so daß sich in den Nachmittagsstunden Straßenkämpfe entwickelten, bei denen auch Handgranaten und Maschinengewehre eine Rolle spielten. Sämtliche Geschäfte in den Hauptstraßen und am Markte wurden nachmittags geschloffen. Niemand durfte die Straße vassie- ren. Gegen Abend wurde der Verkehr wieder freigegeben. Posen, 6. Dez. Heute Nacht rückte eine Bande bewaffneter Plünderer. Soldaten und Zivilisten vor das Vekleidungsamt, hob die Wache auf und versuchte einzudringen. Der Sicherheits- Posten im Gebäude ließ ein Maschinengewehr in Tätigkeit setzen. EZ entspann sich ein Kampf, der einen Toten und 15 Schwer- und Leichtverwundete forderte. 26 wurden festgenommen, die übrigen in die Flucht geschlagen. Augsburg, 5. Dez. Wie der Zentrumsführer Dr. Heim auf der kürzlich stattgehabten Tagung der oberpfälzischen Arbeiter-, Soldaten- und Bauernräte mitteilte, wurden von seiten zügelloser Soldaten auf dem Lager Lechfeld bei Augsburg Plünderungen in großem Maßstab verübt. Dort wurden ganze Räumungszüge mit wertvollem Santtätsmaterial ausgeraubt. In den letzten Tagen wurden ferner 3 Millionen Paar Stiefel ge- raicbt, die den heimkehrenden Frontsoldaten zukommen sollten, desgleichen 7 Millionen Kilogramm Bodenleder. Keine Jülmiieniilg der Armee Mnilrenien. Berlin, 5. Dez. (WB.) Die deutsche Waffenstillstandskom- mission hat durchgesetzt, daß von der Internierung der Heeresgruppe Mackensen endgülttg Abstand genommen wird. Die Rückführung der Truppen in die Heimat wird mit der Bahn und zu Fuß fortgesetzt. Eine größere Anzahl von Formationen hat die deutsche Grenze bereits überschritten. Amrilnilchihe Freiheit der Mktre. Haag, 20. Nov. D^e „Tnues" erfahren aus Newyork, daß verschiedene Zttrungskorresrondenten in llvashington mit der Weigerung elnverstarkd.n sind, doß ein wichtiger Teil der neugebauten Ozeanschiffe an ein brittsches Syndikat verkauft werden soll. lleber die Freiheit der Meere, die von» Präsidenten Wilson befürwort.t wird, schreibt die „Eveniug Post". daß sämtliche Anhänger Wilsons genau wüßten, was er darunter versiehe, und daß ec mit seiner Forderung lediglich eine Unterstützung der amerikanische« Kaufsahrteiflotte bezwecke. Das Blatt jagt: ..Man behauptet oft, daß die Wünsche jedes Landes am Konferenztisch zwar uneigennützig klingen, aber tatsächlich nur durch das Bewußtsein der eigenen Intcreffen ditticrt werden. Deshalb hat es Wilson so dargestellt, als ob er lediglich die amerikanischen befürwortet, gleichviel welche Haltung die Konferenz selbst mit Hinsicht auf die abstrakten Prinzipien einnimmt. Die Bereinigten Staaten werden mit dem Bau von Schlachtschiffen und Kreuzern solange fortfahren, bis sie die größte Flotte der Welt haben. Wir haben während des Krieges eine große Kaufsahrteiflotte gebaut und andere Nanonen möchten davon gerne miprofittcren. Die Freiheit der Meere bedeutet für die amerikanischen Geschäftsleute und für das amerikanische Kapital Freiheit des eigenen Handels und Schiffbaues. Falls die europäischen Nationen abgeneigt sind, ein Abkommen über die Gleichberechtigung aller Nationen abzuickließen. werden die Bereinigten Staaten für Mitbcwerb eintreten uni» werden Maßnahmen zur Sicherstellung der gegenwärtigen Einslüffe ergreifen. Die Ermordung der KWnums. Haag, 6. Dez. Reuter meldet aus Charbin: Der Bericht daß die Bolfchewiki in Asapajelsk die Großfürsten Sergius, Nicolai Nicolajewitsch, die Großfürsten Elisabeth Federomna. sowie die Prinzen Johannes. Konstantin. Nicol und Paul ermordet haben, wird bestätigt. Die einzelnen Personen wurden gezwungen, in einen Bergwerksschacht zu springen, wo ihre Leichen jetzt gesunden wurden. Die russischen Blätter melden weiter, daß die Zarin und ihre fünf Kinder, deren Leichen noch nicht gesunden worden sind, von dec gleichen Bande ermordet worden sind. Die Namen der Mörder, die nach Perm abgereist sind, find bekannt. Der König der „Schmarren Serge". Paris, 4. Dez. (WB.) Agence Havas. Die montenegrinische Negierung dementiert die aus Wien stammende Nachricht^ daß die Croß-Skupschtina beschlossen habe. Könia Nikolaus abzusetzen und Montenegro mit Serbien zu vereinigein Allein das vom Volke gesetzmäßig gewählte Nationalparlament habe das Recht, Veschlüffe bezüglich der Souveränität des Staates und Herrscherhauses zu faffen. Die Groß-Skupschtina bestehe nicht verfaffungsgemöß. andererseits sei es unmöglich, augenblicklich das Nationalvarlament zusammenzuberufen. da eine große Zahl der Mitglieder noch in österreichischen Gefängnissen eingekerkert sei oder in fremden, alliierten oder neutralen Ländern wohne. Haag. 4. Dez. Der „Matin" veröffentlicht eine Erklärung des Königs von Montenegro, in dem dieser erklärt, daß der Bericht über seine Absetzung nur ein Probeballon sei. Wenn wirklich eine Zusammenkunft in Podgorica stattgefunden babe. dann könne das mir unter dem Zwange der Bajonette geschehen sein. Eine Bolksgbsttmmung könne nicht mit bewaffneter Macht durch- gesührt werden. Sein Geschlecht regiere seit 244 Jahren in Montenegro, er selbst seit 60 Jahren. Er glaube nicht, schlechte Erinnerungen Hinterlagen zu haben. Trotzdem würde et sich einer Entscheidung des Volkes unterwerfen, denn in seinem Lande seien die Fürsten noch immer die Diener des Staates gewesen. Die Sinnfemer und die Wahlen. Haag, 4. Dez. Das „Vaterland" meldet aus London: Die Sinnfeiner spannen alle ihre Graste an. um die bevorstehenden Wahlen zum Ausgangspunkt einer neuen Periode der irischen Geschichte zu machen. Die nationalistische Partei fürchtet, daß sie sehr vermindert ans den Wahlen bervorgehen wird und wagt nur noch aus etwa 30 Sitze im neuen Parlament zu rechnen, während sie bis jetzt über 70 verfügte. Der Leiter der Sinn- feiner. Dr. Palera. wurde in vier Distrikten zum Kandidaten aufgestellt, u. a. in dem Wahldistrikt von Dillon. dem des parlamentarischen Leiters der nationalistischen Partei. Dag Programm der Sinnfeiner ist ultraradikal. Die Führer der Partei betrachten sich als die Träger der höchsten Macht über das irische Volk. Sie werden in den Versammlungen auftteten wie die Negierungen anderer Länder. Sie werden Steuern erheben und ausländische Anleihen abschließen. Sie werden Armee. Polizei und geheimen Dienst einrichten. Aktiver und Passiver Wider» stand gegen die englische Einmischung soll organisiert werden, und das englische Recht soll ganz aus Irland entfernt werden. Die Wahlen in England. Haag, 5. Dez. Reuter meldet aus London: Die Wahle« finden am 14. Dezeucher statt. Es mckffen 707 Mitglieder gewählt werden gegn 670 nach dem alten Gesetz. 31tan zählt 16 Millionen Wähler. Als Gegenkandidat Llcyd Georges tritt Austin Harrison, der Redakteur der „Jndish Review" auf. Ohne Gegenkandidaten werden gewählt werden Austin Chambertair» in Birmingham, der frühere Lebensmittelkontrolleur Clynes \i% Manchester und der Arbeiterführer Will Croo^ in Woolwich. London, 4 . Dez. (WB.) Reuter. 6 Uhr abends waren 41t Koalitionsunionisten, 28 Koalitionsliberale und Arbeiteryar- teiler, 1 Nationalist. 23 binnfeiner, gegen die keine Kandidaten^ aufgestellt waren gewählt. Balfour wurde in der City Lon< dons gewählt. Frau Hope, die sich als Gegenkandidattn gege«( Asquith in Cupar aufstellen lasten wollte, konnte ihre Kandidatur nicht durchsetzen. Die Sinnfeincr Grafen Plunkett und De- valera sind gewählt. * Russische Zustande. Haag. 29. Nov. Der frühere holländische Gesandte in Pe- korsburg Qudcndyk ist nach Holland zutückgrkehrt und gibt dem «Nieuwe Rotterdamschen Courant" folgenden Bericht über die Zustände in Rußland. Die umfangreiche Darlegung wiederholt in anschaulicher Weise vieles, was inzwischen von der ungeheuren Verwirrung und Verarmung des Landes, den Greueltaten und der Rechtlosigkeit bekannt geworden ist. Ziffernmäßig dürfte Folgendes neu sein: Zum Festtag der Revolution wurden Ehrenpforten errichtet, zu denen man MO 000 Ellen Baumwoll- stoff zu einer Zeit verwendete, wo Hundertlausende ohne Kleidung sind. Arbeiter, die diese Ehrenpforten errichteten, bezogen einen Lohn von 250 Rubel täglich. Den Haß gegen die Bourgoesie illustriert der Gesandte durch Erzählung von ver, schiedenen Fällen, wo ganz kleine Ladenbesitzer, die zufällig nicht Arbeiter waren, ihres Besitzes beraubt und selbstverständlich ins Gefängnis gesetzt wurden. Der Gesandte glaubt nicht daß rrgndwie eine Möglichkeit besteht, selbst wenn Rußland sich zn dem alten Regime bekennen würde, aus eigenen Mitteln Ordnung zu schaffen und das verarmte Land wieder emporzubringen. Die Landwirtschaft besteht praktisch überhaupt nicht mehr, da die Bauern die Felder nicht bestellen, um nicht der Ertragnisie von der Bolsckewitts beraubt zv werden. Rur völlig mittellose Bauern und Gesindel unterstützen mit bewaffneter Hand das gegenwärtige Regime. nen am 4. Dezember zu flofic versammelt, fassen folgenden Be- schloß: In Anbetracht der tiefgreifenden politischen Umwälzung im Deutschen Reich und der Erkenntnis der völligen Unmöglich, keif, in Berlin jetzt eine geordnete Regierung zu schaffen, in der Ueberzeugung. daß die Länder am Rhein und Westfalen poli- kulturell und wlnjchäftlrch ausreichend stmlsbilderde Kräfte besitzen, gibt ore Versammlung ihrem festen Willen Aus- druck, die Einheitlichkeit des Reiches zu wahren und den Wie- deraufbau eines freien deutschen Staatswesens von den Ländern am Rhein und Westfalen aununehmen. Die Versammlung fordert deshalb die anerkannten V-.rtreter des Volkswillcns aller Parteien tm Rheinland Westfalen und den anderen Ländern am Rhein auf. da.di^st die Prc klamierung einer dem Deutschen Reiche angehörigen jelbslL.iöigen rheinisch-westfälischen Republik in die Wege zu leiten. Lkine rM'chrn KollchtMi m Knlin. Berlin. 4. Dez. Zu der EesamttagiM?. der deutschen Ar- beiter- und Soldotenrä'te die am 76. Dezemtcr in Berlin statt- fkndet, haken die Bolschewik! Delegierte anaemeldet und der Berliner Vollzugsrat hat diele russischen Bolschewisten, die ja wohl nicht ganz auf eiaene Faust sich selbsi eingeladen haben, schon im Voraus freundlich begrüßt. Wahrscheinlich aber werden wohl diese russischen Gäsie. die gleichzeitig als Emissäre wirken würden, nicht eintreffen. denn wie der gegenwärtigen Reichsleitung nahestehenden ..Politischen Parlamentarischen Nachrichten" erfahren, hat der Zentralrat der gesamten Ostfront erklärt das, er den russischen Abgesandten auf jeden Fall die Einreise verwehren würde, und daß die gesamten Soldatenräte der Ostfront unbedingt auf diesem Standpunkt verharrten. Die entschiedene Stellungnahme der Ostarmee verdient umso mehr Beachtung, als die deutschen Soldaten im Osten die Bolschewik' ans eigener Erfahrung und am eigenen Leibe kennen lernen konnten Ein RerchslnfiamL. ^rrl,n, 5. Dezbr. (WB.) Erlaß über Errichtung des siMch: luftgmtes. Auf Grund der Verordnung des Rates der volksbeaustragten betreffen- vorläufig« Regelung der L-stfal.rt :om 16. 11 . 1978 tm Rnchsgefetzblatt wird hi-r- mrt bas Rek.ch^lufton't errichtet. Tie Lotung des Amts wird ?l»ll^t (f n l e r crua Frankfurt am Main übertragen, der den Tt'et Untersigatssekrek-ar fuhrt. Dos Neichsluitamt bearbeitet die Angelegenheiten der Luftfahrt selbständig mit de, Matzaabe. daß da» Luft fahrrecht unter seiner Mitwirkung vom Reichsosrt des Innern geocLiret wird. — Staatssetretär ^ Innern Tr Pre cü. des I VkMSßklis- und KrikMlWinnIffkrr. Berlin. 4. Dez. (WB.) In der ..Freiheit bespricht Atlan- tikus das Problem der Kriegsgewinn- und Vermögenssteuer vom streng sozialistischen Standpunkt aus. Er verwirft die anderen Methoden der Kapilalsverringerung. Der Plan die Kapitalisten durch Lohnsteigerung zu „expropriieren". ist unreif und undurchdacht. Eine reelle Lohnerhöhung im sozialen Staat ist nur möglich durch eine Steigerung der produktiven Kräfte und durch geregelt« Beschränkung des Kapitalprof'rks. Deshalb set eine Vermögenssteuer angebracht: st- wurde bei Vermögen von 600 bis 20 000 Mark mit 12 Prozent beginnen und bei Ber. mögen über 2v Millionen Mark bis 80 und 90 Prozent steigen. Sie würde nach Abschätzung des für 1914 deklarierten preußische» Vokksvermögens einen Steuerertrag von 41.3 Milliarden ergebe» haben. Unter den heutigen Verhältnisien wurde das gefa«1e deutsche Volksv-rmögen bei richtiger Erfassung und Zwanqswesier Registrierung aller Vermögen mindestens dar Dreifache des für 1914 iür Preußen deklarierten Betrages er- reichen So kämen wir immerhin auf rund 124 Milliarden Mark Gcfannstenerertrag. Daneben fei eine Kriegzgewinn- ste»« erforder.ich. Verschiedenes. Iesm. 4. Dez. Der Geheime Zuftizrat Dr. Alexander Leist. Professor der Rechte an der Universität Göttingen, hat sich aus ..Verzweiflung über die trostlose Lage des deutschen Vaterlandes" das Leben genommen. Er ist der Sohn des berühmten Jenaer Rechtslehrers Wilhelm Leist. „Die Könige sind alle gleich schlecht l* 3n einem Aufruf der rumänischen Landwirte an das rumänische Volk heißt es: „Den ungarischen König haben wir beseitigt, nun wollen die rumänischen Herren uns den König von Rumänien aufhalstn. während di- Könige doch alle gleich schlecht sind Man will uns in die Hände der rumänischen Bo, ?aren bringen, die das Volk noch ärger unterdrücken, als unsere Grasen es getan haben. Die sozialdemokratische radikale Republik will dem siebenbürgifchen rumänischen Volke Land geben, sie will aber nicht, daß in Siebenbürgen die Fqmilie der Hohen- zollern herrsche, sondern das arbeitende Volk. Wir brauchen Land und Freiheit. Es lebe die sozialdemokratische radikale Republik!" Die Idealisten der Revolution. Mit welch opservollem Idealismus der Vorsitzende des Voll, zugsrats. Herr Richard Müller und seine Frau der Revolution dienen weiß man aus der letzten Soldatenratssitzung. Daß er sich von seiner Umgebung nicht abhebt, zeigen Mitteilungen, die die „Sozialistische Korrespondenz" über den „Sekretär" des Vollzugsrates. Herrn Iufttzrat Dr. James (sie!) Droh: Roch im Jahre 1917 lehnten die „Internationale Korre- spondenz" und die ..Glocke" Aufsätze dieses Dr. Droh ab weil sie abweichend von der Kriegspolitik der Partei rein imperia. llsttsche Gedankengänge enthielten. Jetzt schwingt derselbe Dr. Vroh große unabhängige Prinzroienreden. Er-ist Sekretär des Vollzugsausschusses des Berliner Arbeiter- und Sol. datenrats und bezieht dafür 50 Mark Diäten den Tag. Ra- turlich hat er auch seine Frau dort untergebrocht. die indessen nur 40 Mark Diäten für den Tag bezieht. Mit 2700 Mark Diäten den Monat werden hoffentlich selbst Herr und Frau Instizrat Broh sich in der U. S. P. wohlfühl-en. Es lebe die Revoluttonskarrierek Wie hat ein Sozialdemokrat gesagt? ,Au dem alten Sa- stcmr war vieles, am neuen ist alles schlecht." Jedenfalls „duf. tet es von Tag zu Tag lieblicher gen Himmel. Assschr-eitvuqen gegen den denlfchen Gefangen in Warschau. In Morscharr fanden vor dem Hotel, in welchem der deutsche Gesandte Graf Harry Keßler logierte, große Demonstrationen statt, infolge deren d-r Hotelier den deutschen Gesandten ersuchte. fern Haus zu verlassen. Das polnische Ministerium hat sich deswegen entschuldigt. Keine Kohlen für Berlin! Arrf der so,'. iaLdemokra fischen Parteikonferenz hat Löbe-Bres. lau erklärt, wenn in Berlin nicht bald Ordnung geschaffen werde, wncde der zentrale schlesische Arbeiter- und Soldatenrat beschließe".. ' vc^ändig gegen das übrige Deutschland abzusperren. Dann bekäme Berlin keinen Waggon Kohle mehr, und wir stünden binnen kürzester Zeit vor der Katastrophe. wir können es uns einfach nia>t leisten, Treuer muß sich at 4 f Erregung. Abce.rlung oder Unlust herausreißen mrd une'müd, lich seine PsliLt tun. Wenn z. B. ein Arbeiter, der R^nofte. Haltsabnkate ^dcr Nahrungsmittel erzeugt oder Transport« bewegt, nicht mithilft, dann kann das bedeuten, daß an and.-re» Stellen Volks, und Arä^fien brotlos werden, hungern, frieren Es müssen auch irtzt Arbeitseinstellungen unb^iuat rermleoen werden: jeder Streit kann uns unmittelbar in die Katastrophe hrneintreiben. Wenn wir keine Kohle mehr hiben weil dre Kohlenarbeiter strecken, liegen die Betriebe still, ruht der Eisenbahnverkehr, können wir keine Lebensmittel und'keine Reizstoffe mehr befö-dern Das war das Ende wäre der Tod für dre Volksgemeinschaft und fü- zahllose einzelne Volks z-mos. stn. Es wirk, sttzl auch Nicht gestreikt werden müssend denn di» Vertretungen der Arbiter sind heute stark genug, um jede w.rt- fchaftlich überhaupt mögliche Forderung durchzusctzen. Aul jeden kommt es heute an: jeder, kann Mitwirken, da- ?!* If Ie l ten P ' - 0bet !örm ^ beitragen, es in unsägliches L.end hinabzustogen. Ich glaube an die deutschen Arbeiter, ich glaube daß sie besonnen, pflichttreu und unermüdlich aus der Rot von heute dem Volke zu einer besseren Zukunft helfe» werden. * Wr da lstultchm 4 ' Zwischen der deutschen demokra. ttfchen Partei und der deutschen Volkspartei ist eine Verstän- drgung erzielt worden, die zu dem Eintritt der Volkspartei ln die deutsche demokratische Partei geführt hat. Die deutsche de» mokratische Partei hat dabei den Standpunkt vertreten daß eine Einigung nur auf der Grundlage ihres Anfruies vom 16. November möglich sei, und diejenigen Persönlichkeiten die bei drr Agitation für annexionistische Kriegsziels und bei der Amerika gegenüber vertretenen Politik eine führende Rolle gespielt sowie drejenlgen. die gegen das gleiche Wahlrecht gestimmt ha. ben innerhalb der Partei nicht hervortreten werden. Mit anderen Worten heißt dies, daß sich die Demek.aten und Freifinnigen mit den Rationalliber.rlen des linken Flügels um durch Strefemann und Rießers gruppiert sind, vereinigt Herr Eisner, der Pri»rxipie«feste. Im „Vorwärts" hat Erich Kuftner den Herrn aus Münckiei, mit den „reinen Händen" daran erinnert, daß er bereits am 28. Juli 1914 wußte, der Krieg sei wegen des bevorstehenden Eingreifens Rußlands unvermeidlich, und daß er mit aller Macht ia der Sozialdemokratie dahin gewirkt habe, daß sie sich hinter di« Regierung stelle und die Kriegskredite bewillige Ernst Heil, mann knüpft in der „Sozialistischen Korrespondenz" an dies« interessante Erinnerung an und ergänzt sie wie folgt: „Aber Eisner hat viel mehr getan. Bei der großen Rustungsvorlage des Jahres 1913 dem unmittelbaren Auftakt des kriegerischen Zusammenstoßes, hat Kurt Ecsner im Gegensatz zur gesamten übrigen deutschen Sozialdemokratie dafür Propaganda gemacht, daß wir diese Vorlage nicht wie sou,t die Militärvorlage ablehnen, sondern annehmen sollten Gr hat seine Artikel hierüber tapfer, allerdings nicht mit Ramen unterzeichnet, sondern anonym, in der damals erscheinenden Zeitschrift „März" veröffentlicht. Junge Huren, alte Betschwestern. Herr Eisner hält jetzt Gericht über die ..kompromittierten Persönlichkeiten!" Danach „„fügt Herr Eisner in der Tat i-ber eine Beinen kenswerte Chutzpe. ZelttVeMge Garnisouverlegnngett. Ta? Born (Wnbe zu besetzende imS neutrale Geb-I mnfi """den deutschen Truppen schnellsten- geräumt werden. E, werden nachstehende Ersatzsormationen n'rlegt bezw muh ' >2desUnfl spE-t-stens am 7 . Dezember durchges-ihU tm rhkini!«k-DkAAWt Lt-üdlik. Ätfn, 4. Dez. Die im Westen des Reiches feit einiger Zeit vo« einflußreichen Kreisen geförderten Bestrebungen auf Bil- d«»s einer rheutrschen Republik iw Rahmen des deutschen Freistaates fanden heute abmd stürmischen Ausdruck in einer von d«r .Kölner Zeatrumspariei einberufenen Riefenversammlung. chst gab der Führer des rheinischen Zentrums. Gehermrat Trrmboin. eine beredte Darstellung des neuen Parterpro- gr»»«» Darauf sprach unier angrfpanntester Aufmeryamkerl der Zuhörer Chefiedackteur Tr. Hoetzer. Scharf kritisierte er di« fesenwärtige preußstche Regierrrng. an deren Spitze viele Köpfe, ata kern Kopf stunde. Sie entfesseln den Kampf aller grsen alle. Es bestehe die Gefahr, daß die Länder crm Rhein u: fei« ctruöcl des allgemeinen durch den Berliner Wirrwarr >rvorgeru:euen Bürgerkrieges gerissen würden. Das Rhein- Und je: deshalb auf Selbsthilfe angewiesen. Es fei nunmehr ^.Lsch.osjL.r, »ein polirtzches Ce schick mit eigener Hand zu gestal- kn bevoi Baterlauds-Fremd« und gewissenlos« Bolksverführcr tn Berlin ihm das unausbleibliche Schicksal des Deutschen Rej. ches bereiteten. In der allerletzten Stunde vor der Besetzung Z'l ^ ^ , I ct " Ia,ti) * u Taten (d teiten. Es schlug daraus wl- tfabe Lm-chlitbung vor: 6UÜ0 rheinische Lii-gei und Bürgerin, injpin: Wüitärßgk. Stnti-r-irt, 5. Dezbr. (WB.) Der ..-Stic-t?angeic,e-^ chrei' t Am Mittwoch 4. 12 abends 1 1 Nhr 33 ist a «f dem S'atii'Ejcf Sn'zdoch M-irr d-r au? der Richtung Backncmg kommende Mtttkärzug 6379 auf Len ■§*,»& ^ cm Bahnba- aus^ufende-, Misitärznges Lt27 ankgesießm. Ein So,da, wurde getötet, fünf Soldaten werden vermißt. Mehrers osüterwagen entgleisten und fielen di- Tam-nKöschung hinab. Wesentliche BetmebL-tö-,ingen sind nicht entstanden L«' SaMchaden ist ziemlich erheblich. Arbkiltri — oder nrir gehen zu gründe. ^cr Staatssekretär drs Reichedemobilmachun-samtes, Koeth erklorte ?rnem %tuucn des .Vorwärts": £s schd.int. dotz die meisten von uns sich den furchtbaren Ernst unserer L^t.chaftlicheu Loge voch nicht hinreichend klar- Macke» W.r waudeln an Abgründe,, die uns täglich zn v«r. schli gen drohen, und nur größeres Pflichtbewußtsein. stärkst« Arbeitsanspaunung, eisernL Disziplin aller können das Volk retten. Gelingt es uns nicht, der Volksgcsamtheit 5tahruag Lkckt, Wärme. Unterkunst. Kteiduns zu sichern, sie trotz der un^ getzeurr erfchv ererrden Verhältnisse überall ohne Anterbrechung mit dem zu versorgen, was sie dringend zum Leben braucht. d» Offene Stellen: 34 Knechte, 5 Tagelöhner, t Gärtner. 1 Milchfahrer. 1 Knechte« familie, 1 Wagner. 1 Bäcker. -4 Dienstmägde. 1 Melkerin, 2 Wirtschafterinnen, iO Hausmädchen. 1 Verwalter für jojoit SteHensutbender Mehrere Melkerfamilien und ledige Melker. 3 Bilrofräulein-, 4 Bürogehrlfen, 1 landwirtschaftlicher Verwalter. Verantlvorllich für den politischen und lokalen ?ei> Ott« Hirsche!, Friedöerg: für den Anzeigenteil: E. Schmidt, Fiiedberg. Druck und Verlag der „Neuen Lageszettuw4". 8l- ÖL Friedberg t, H. gerzerrskampse. Vornan von Helene S ch ü t ty, geb. von Gersdorff. (Oop^rixht 191Ö by C. Ackermann-Ctuttgan.) ß4 ) Nachdruck verboten. "Ach. kannst du ihn nicht noch etwas zappeln lasten? Er verdient es gar nicht, daß man ihn gleich aus seiner Angst erlöst. Denn hoffentlich ängstigt er sich gehörig und hat tüchtig Gewissensbisse.'" sagte Tante Ella. „C. Frauchen, da kennst du deinen Schwager immer noch nicht richtig. Mit solch überflüssigen Dingen wie Gewissensbissen gibt er sich überhaupt nicht ab. Er Hot ja immer Recht. Ich zweifle nickt daran, daß er auch bei dieser Gelegenheit alles aui den Kopf stellt und nur von Hildes Ungehorsam und Um fügsamkeit redet und sich als schwer gekränkt betrachtet." „Ja. aber, um's Himmelswillen!" rief die Kommerzienratin angstvoll, „er wird doch nicht etwa fordern, daß sie zu ihm zu- rüäkehrt? Kann er das? darf er das?" „Nein, Machen, beruhige dich? so schlimm steht's nicht, denn Hilde ist ja glücklicherweise volljährig. Nicht wahr, sie wurde doch neulich 22 Jahre alt." Frau Ella nickte. Der Kommerzienrat fuhr fort: „Na. also, das ist ein Glück. Mit der Volljährigkeit hört dle absolute väterliche Machtvollkommenheit auf. Er als Jurist muß das noch bester wisten. wie ich. Deshalb kann er sie nicht positiv zwingen, zu ihm zurückzukehren. Aber er kann etwas anderes tun", fetzte er zögernd hinzu, „und das wird er auch, so wie ich ihn kenne, bestimmt tun, wenn sie nicht doch noch bedingungslos zu Kreuz kriecht" ..Mas? was meinst du? was wird er tun?" fragte feine Frau atemlos vor Spannung. „Er wird sie enterben, soweit es gesetzlich möglich ist", versetzte der Kommerzienrat ruhig. „Enterben?" rief Tante Ella entsetzt. „Und wer sollte all das viele Geld bekommen? Fremde Leute? wie?" „Das kann ich dir wirtlich nicht sagen", erwiderte ihmGatte kachelnd. ~ ‘ .Vielleicht macht er eine öffentliche Stiftung zur Ver yerrlichun-g und Verewigung fernes Namens und wird dann noch als Wohltäter der Menschheit gepriesen." „Aber dann würde Hilde ja noch gar arm? Was sollte fie dann ansangen, so verwohnt, wie sie ist? Ach. und dann", setzte fie traurig hinzu. „dann kann sie ja auch Reinhold Eermshoff nicht heiraten! Wenn er nichts hat und fie auch nicht, das geht ja nun doch leider nicht!" „O. liebes Kind, rege dich doch nicht immer so unnötig auf!" tröstete ihr Gatte, „denn ganz so schlimm tst's nun wieder nicht. Du vergißt, daß ihr auf jeden Fall ihr mütterliches Vermögen bleibt das Karl ihr nicht vorenthalten kann. Und wenn es auch keine Millionen sind, ein Kapital von mehreren hunderttausend Mark muß es immerhin sein." „O. das ist schön, das ist herrlich!" sagte Frau Ella mit einem Seufzer der Erleichterung. ..Wenn stch's so verhält wird den beiden lieben Menschen doch das Aergste. das gänzliche Losreißen von einander, erspart bleiben. Ach. Bernhard, nun ist mir schon wieder bester zu Mute. Du weißt mich doch immer zu trösten und zu beruhigen!" „Ja, und weißt du, Ella, falls ihr Vermögen nicht ganz rmsgereicht hätte, könnten wir's ja auch ein bißchen auffüllen. das brauchten sie gar nicht zu wisten, und wir_nun, wir können'§ ja?" schmunzelte er. „C, du guter lieber, prächtiger Mensch!" ries die impulsive Frau Ella, ihren Gatten herzlich umarmend. „Weil du so gut bist, liebe ich dich jetzt auch noch viel mehr, als vor 25 Jahren wo du mich freilest! - Mit diesem Bewußtsein wird's mir schon leichter werden. Reinhold die ganze tolle Geschichte zu berichten Was er nur sagen wird?" setzte sie hinzu. „Das werden wir bald erfahren. Du mußt ihn bitten, so bald als möglich zu uns zu kommen wegen wichtiger Nachrichten au§ G." erwiderte der Kommerzienrat. Frau Ella setzte sich geschwind an ihres Mannes Schreibtisch. warf einige Zeilen auf's Papier, adressierte und kuver- tierte dieselben, und dann schellte sie. Ein Diener erschien. SWürö! gesucht für die amtliche Entlauft,ngS. anstatt in N-r-iedberg (Berg- kaserne) zum so artigen Eintritt Es weiden gesucht: Ein Aufseher eine Auf eherin. ein Buchsührer.' ein Badewärter, eine Badefrau und ein Heizer. Geeianete zuverlässige Personen wollen sich sofort unter Angabe ihrer Lo.'m- on'prücke an Herrn Geschästs- lüirer K",hn, Allgemeine Orts- lran.entaste Fricdberg. anmelden. Die Arbeitszeit beträgt 8 Stunden. Die Tätigkeit ist eine vorübergehende ; die Dauer kann nicht angegeben werden. Entlastene Dtilit rpersonen haben den Vorzug. Ehemalige Militärk-anken- warter oder im Desinfeklions- we en erfahrene Leute kommen in erster Linie in Betracht. Gesundheitsausschufi für reu Kreis Triedvcrg. „Für Herrn Leutnant von Eermshvsf. S»?ort besorgen!- befahl sie. Schon eine halbe Stunde später stand Reinhold im Zimmer, fast atemlos vom schnellen Laufen und Treppensteigen. „Tantchen! Onkel!" rief er angstvoll. Was gtbt's?" Ist etwas mit Hilde geschehen?" ^inhcld. es ist etwas geschehen, sogar viel ist geschehen. sagte Tante Ella. „Hilde ist hier." „Hier? Hilde ist hier? Ater wo ist sie denn?" rief er auf^ springend. „Laßt mich zu ihr." „Gemach, gemach!" antwortete die Kommerzienrätin. „Du sollst alles hören! Da fetze dich hin und höre ruhig zu!" Und nun erzählte sie ihm von Anfang an soweit sie ihr bekannt waren, die Erlebnisse und Taten Htlde's. oft unterbrochen von Ausrufen des Staunens, der Entrüstung, des Mitleids und der Bewunderung von Seiten Reinholds. Als er vom Marquis hörte, ballten sich unwillkürlich seine Hände und dunkle Zornesglut färbte seine Stirn. „Gott. Gott!" brach es von seinen Lippen, als Tante Ella geonde» halle. „Mein armes Lieb' Und ick, wähle nichls von ihrer Not? konnte sie nicht schützen! ihr nickt besttchen! wenn chr nur all die Ouolen und Aufregungen nicht schaden! Wenn sic nur gesund bleibt?" ..Ich hoffe sicher, daß sie sich gesund schlafen wird", meinte die Kommerzienrätin. „Eine so totale körperliche Erschöpfung habe ich noch nie gesehen " . «B^ir aber wollen unterdessen alles so ordnen und besprechen, dag sie gar keinen Wirrwarr mehr vorfindet. wenn sie erwachs ries Onkel Bernhard. .Das wird am meisten zu ihrer völligen Erholung beitragen. Also, nun höre zu. Reinhold, wie ich's mir denke!" ö Und er entwickelt- ihm dieselben Gedanken, die er vorhin seiner Frau dargelegt hatte, daß er überzeugt sei sein Bruder werde Hilde bis auf das gef-blich« Pflichtteil enterben da er bre Auflehnung gegen seinen Willen niemals vergeben werde geben'" ,im0e " ICflC ' roetbe ” 'br überhaupt keinen Pfennig s^vrtsetzimfl folot. Kclrnnlitmnchiurg Verloren in der Stadt oder auf dem Wege zur Bergkaserne ein weißes Säckchen mit zirka Mk. 1000. Ander erhält eine willkommene Beiobnung. Zu erfragen in der Eeschaflsstelle der ..Neuen Tages- zeitunz". schön gelegen, mit 50 bis 90 Morgen gutem Boden und gutem Wohngebäude. Stallungen rc..oegen Kaste zu taufen ge,acht. Angebote erbittet F. lvissinqer. Darmltadt. Ludwigstr. 13. leichten* 2 2«hre gebrauchten, Cktrcke-Mtt n. SBiii&fr, lgllitthgltkmGtiiWiihtt, Im Egge, 1 fast neuen, ffit 1 zweisp, mittleren hat zu verkaufen Hermann Grietzmer, __Slave n b. F riedberg. 4 Leg-Enten vbzugeben. Friedberg Fauerbach. Fauer bacherstraß e 91. Fahpkuh nut Mutterkalb steht zum Ver laus bei Hairl XtAM*ian>, ^_ Rodheim v. d. H. , ?. oni> w - Dezember 1918 wird von den auf Lager gelegten Preßsteinen in den Pferdeställen er Rest ausgegeben und zwar an jede Haushaltung 6 a ' je 40 Stück zum Preise von 2,40 Mark. Die Ausgabe der Bezugscheine hierfür erfolgt an den aleicken Tagen gegen sofortige Be ahlung des Bettages in der ^ Bolkslesehalle (Eingang Haagstraße) für die Empfangsberechtigten des l. Bezirks Brotkarte Nr. 1—590 Samstag, 7. Dez.,vorm. 8—12 Uhr n „ n 601 u. folg. 7. H na chm.2—5 » m » 1—600 Montag, 9. vorm. 8—12 U » " "i?? 1^^000 „ 9. „ nachm. 2—5 " ,, " „looiu.folg.Dlenstag 10. „ »orm.8—12 m * » " .' k u. folg. „ 10. „ nachm. 2-5 " Es wird roch besonders voraus hingewiesen, daß die Preßsteine lofort nach Emp ang der Bezugsscheine abgebolt werden müssen uno dre Bezugsberechlrgten die oben ange-ebenen Zeiten genou elnzuhatren, sowie für geeignete Tran«po>.mittel zu sorgen haben um ^i nc mogl chst rasche ftorungslo e Abgabe zu ermöglichen. 7 - « >r L Anweuungen der Kontrolleure an den einzelnen Ausgabestellen ist unbedingt Folge zu lei len. Von dem Bezug der Preßste ne ausgeschlossen sind alle Woh- nungsmdaber mit Zentralheizung sowie diejenigen Haushaltungen, dle durch den Armenfonds Preßsteine zugewiesen erhalten. Friedberg, den 6. De.ember 1918. Slädt. yrlskohlenffelle friebbero i. -. ... Damm. Aus dem Felde zurückgekehrt, habe ich meine Praxis wieder dufgenommen. Telefonanschluß werde ich noch veröffentlichen. Bad Homburg Höhnstr. 10 W. Cost, praktt. Tierarzt. .j Bekanntmachung. Zwecks Gründung eines . „ _ Bürqerrates. öcr Mit dem schon bestehenden Arbelter- und Soldatenrate im Interesse der Stadt gemein,am arbeiten soll, werden die hiefioen 'öurflec lVerrreler des Handels, Handwerts und der Angestellten) zu erner J Versammlung auf nächsten Samstag. 7. Dezember, nachmittags 4^Uhr bei Cller- merer emgeladen. Friedberg, den 5. Dezember 1918. Der vorberertenöe Ausschuß: _ Damm, Beigeoroneter. Koch, Lehrer. Militärformulare, Entlassungspapiere, Bürobedarfsartikel. Friedr. Streckfutz, §r>°db-rgi.L Telefon 304. Ken© V I in kräftiger Qualität U Friedberg dem Rathause gegenüber. Intel, (Me aller 6 reien in großer Auswahl, noch guten Stoffen, gebe noch billig ab. Einzelne Hosen. Joppen, Arbeitsweften soforr bei ScSineliierei WoSf, Frank urt a. M.. 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Einfietrasene Mmmmi i assciraiiülar HalUflLtiL Ge^r. 1864. Reichsbank-Giro-Conto. Te!.-No. 15 Entgegennahme ron Spar-Einlagen. ni den höchsten Zinssätzen. Provisionsfreier Checkverkehr. äs Conto-Correnf-Credit- Gewahrung. von Wechseln. Verwahrung u. Verwaltung ron Wertpapieren. Beleihung von Wertpapieren. An- und Verkauf ron Wertpapieren. Einlösung ron Coupons etc. Vermitfelungaller in das Bankfach einschlagenden Geschäfte zu den mässigst. Bedingungen. Garten B feuer- und diebessichere Stahlkammer, io der eiserne Schrankfächer (Safes) in verschied. Grössen vermietet werden. Zelelmungen auf alle an den deutschen Börsen zurAof- lage kommenden neuen Anleihen jeder Art werden von uns U den Ausgabe-Bedingungen angenommen, ohne daß dies in den einzelnen Fallen besondere bekannt gemacht wird. zu pachten oder zu kaufen gesucht. Offenen unter L. 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In' diesem Bericht, den auch die „Deutschs Tageszty." unter Vorbehalt wiedergegeben hatte, schreibt Freiherr von Wangenheim genannter Zeitung: „In der Nr. 601 der „Deutschen Tageszeitung" bringen Sie eine Mitteilung der „Neuen europäischen Korrespondenz" über das ländliche Siedlungswesen, deren Inhalt nicht den Tatsachen entspricht. Ich war als Vorsitzender der Abteilung 3 des Reichsausschusses der deutschen Landwirt- sttzaft zu den erwähnten Verhandlungen im Neichsarbeitsamt «Hge-lLden. Der Herr Vorsilzende Erklärte bei der Eröffnung d.ch' es ll-ch nicht darum Handke Beschlüsse zu fassen, sondern gutachtliche Aeußerungen verschiedener Kreise zu hören. Die Verhandlungen wurden durch die Berichte zweier Professoren eingeleitet, welche die Bildung von Landliefe: ungsverbänden zur Durchführung einer großzügigen Besiedlung unter Inanspruchnahme von etwa ein Drittel der Nutzfläche des über 100 Hektar großen Besitzes empfahlen. Ich habe demgegenüber darauf hingewiesen, daß es zurzeit sehr gefährlich sei, an den größeren Besitz zu rühren, da dieser nach den unwiderleglichen Erfahrungen dieses Krieges in der Hauptsache die Ernährung der großen Städte und Jn- dustriegebiete ermöglicht. Ie^e Gefährdung unserer Ernährung aber führe zum blutigen Zusammenbruch; man solle sich deshalb bitten, an die landwirtschaftlichen Betriebe zu rühren, oder die. Landwirte durch die Ankiindigung derartiger Maßnahmen mißtrauisch zu machen und ihnen die Arbeitsfreudigkeit, auf die jetzt mehr denn je alles ankomme, zu nehmen. Ich habe ferner erklärt, daß wir irgend welche Zwangsmaßnahmen zur Beschaffung von Siedlungsland gar nicht nötig hätten, das freiwillige Angebot sei noch immer ein roßes und werde zweifellos noch zunehmen. Man könne den gemeinnützigen Siedlungsgesellschaiten ein Vorkauitz- recht auf die zum Verkauf kommenden Güter geben. Eine gesunde Mischung der verschiedenen Besitzgrößen und ein gewisses Maß von Großgrundbesitz fei unentbehrlich. Jeder Kreis könne sich aber sehr wohl ein Zukunftsbild machen, was bei ihm noch zur Aufteilung- geeignet sei und was nicht. Wenn man jetzt den Kriegsteilnehmern große Versprechungen -mit Siedlungsland mackst. so sei das ein sehr gefährliches Vorgehen. Diele würden sich dazu melden, welche nichts von ter Landwirtschaft verständen und diese würden sehr bald unter den "ns bevorstehenden schweren Verhältnissen Schiffbruch leiden. Man dürfe nur die geeigneten Leute ansetzen. Es werde auch ganz unmöglich sein, die Mittel zu einer umfassenden Eigentumsübertragung zu beschaffen. Man müsse deshalb nach baltistkem Vorbild den Weg über das Pachtverhältnis gehen. Die Bildung von neuen Siedlungs- gesess'chvften oder . Landlieserungsverbänden fei nicht zu (mpfehlen. untere alten gemeinnützigen Gesellschaften mit 'bren erfahrenen Beamten wären durchaus genügend. zumal es ganz unmöglich sei im Handumdrehen große Massen von neuen Höten zu schaffen. Meinen'Ausführungen traten-nickst nur die-anwesenden übrigen landwirtsclaftlichen Vertreter, sondern auch die zugezogenen Gewerkschaftssekretäre vollständig bei. Auch der Her/Vorsitzende warnte in seinem Schlußwort vor irgend einer Ueberstürzung in der Durchführung der Ansiedlung und betonte nochmals, daß die Verhandlung nicht den Zweck gehabt habe. Beschlüsse zu fassen. Seine sachlichen Ausführungen bewegten sich ungefähr in der Richtung derjenigen. welche in dem bezeichnten Artikel dem Herrn Landwirtschaftsminister zugeschrieben werden. Eine Vereinbarung iiber die Bildung von Landlieferungtzverbänden kam mithin in der Mittwochskonferenz überhaupt nicht in Frage." .MykltNallim" fimrti: Wfipunfi“ Die neue Regierung hat in ihrem Aufrufe an das preußische Volk vom 13. November sich für „Vergesellschaftung der dazu geeigneten industriellen und landwirtschaftlichen Betriebe" erklärt. Das klingt zunächst verhältnismäßig harmlos. Viele Leute werden sich unter dem Worte „Vergesellschaftung" gar nichts rechtes vorstellen können. In Wirklichkeit aber bedeutet das Wort in diesem Sinne doch weiter nichts, als „Enteignung" der betreffenden Betriebe und Uebernabme in den Besitz der Gesellschaft, d. h. des Staates, der Allgemeinheit. Mit solchen Maßnahinen wird aber das Vorgehen gegen den Privatbesitz überhaupt eingeleitel. Es ist doch zweifellos, daß nach den großen Betrieben die kleinen an die Reihe kommen! Ter Berliner „Arbeiterund Soldatenrat" hat ja schon zwei Tage vorher, am 11. November, erklärt, daß die „Vergesellschaftung der kapitalistischen Produktionsmittel durchführbar und notwendig sei." Hier wird also kein Unterschied gemacht zwischen groß und klein. Es liegt ja auch auf der Hand. daß. wenn einmal mit der Abschaffung des privaten Besitzes begonnen worden ist. es dann kein Halten mehr gibt! Wenn sich also dieser oder jener Kleingrundbesitzer durch das Wort „Großbetrieb" etwa täuschen lassen will, vielleicht sogar glaubt, daß bei dieser Gelegenheit etwas aus den Großbetrieben für ihn noch zur Vergrößerung seines Besitzes abfallen könnte, so dürfte er sich, wenn es zum Klappen kommt, bitter getäuscht sehen. Anfängen wird man selbstredend mit den Großen, aber wenn der Stein erst einmal ins Rollen gekommen ist, donn gibt es kein Aushalten, und nach den Großen kommen die Kleinen an die Reihe! Man 'lässe sich daher durch alle möglichen Beruhigungspulver nicht betören. Tenn daß die bisherigen Rechtsbegrifsle für die heute bestehende Regierung nicht mehr existieren haben deren Maßnahmen doch zur Genüge gezeigt. Eine Reichsverwaltung, die lediglich ernannt worden ist von in aller Eile zusammengewählten Delegierten von Arbeitern und Soldaten, ausgerechnet nur aus der Reichshauptstadt Berlin, innter Ausschaltung aller übrigen Berufe, setzt eine Anzahl von Gesetzen außer Kraft und schafft neue Gesetze, die doch nur von wirklich gesetzgehenden Körperschaften beschlossen bezw. abgeschafft werden können! Daher auch die in manchen Kreißen der jetzigen Machthaber vor- bandene offene und versteckte Gegnerschaft gegen eine Nationalversammlung, nur weil man sich vor geordneten gesetzgeberischen Verhältnissen scheut. Darum geht man aber auch nicht fehl mit der Annahme, daß sich die jetzigen Machtfaktoren gegebenenfalls auch über die bisher geltenden Gesetze des Privateigentums hinwegsetzen werden. Das soll sich jeder Herzenskampfe. Romon von Helene Scbütky. geb. von (^ersbsrfs- (Copyright 1915 by C* ‘Mennonn=£tutt v iart.) 65) Nachdruck verboten. rief Reinhold erschüttert, „dann soll sie meinetwegen die Armut kennen lernen' Das ist mir furchtbar, besonders, da ich ihr nichts als meine Liebe bieten kann." „Nun. nun. nur nicht gleich verzagen!" meinte Onkel Bernhard ..Ganz so schlimm stehts nicht'" Und er berichtete, das, Hilde immerhin noch selbständige Besitzerin ihres mütterlichen Vermögens bliebe, das ihr der Vater nicht entziehen könne. ..Welch' ein Glück! welch' ein Glück!" jubelte Relnhold. „Da wird sie doch niemals erfahren, was Not ist'" „Ja. und das belle ist. ihr könnt heiraten, ohne nach ihm zu fragen!" rief Tante Ella. ..Heiraten ohne die Einwilligung des Vaters?" entgegnete Neinhold zweifelnd. ..Wird lle das wellen? wird es überhaupt möcgich sein? Nach militärischen Vorschriften gehört zu der Heirat eines Offiziös die Einwilligung beider Elternpaare, falls sie noch lebend sind " „Das wäre aber verflixt, wenn sich da wieder neue Hinosr- nisse auftürmten!" sagte Onkel Bernhard kopfschüttelnd. „Denn seine Einwilligung, die gibt er nach allem Vorhergeaangenen niemals, ebenso wenig wie der Rhein rückwärts fliegt. And deinen Berns aufgeben das geht doch auch nicht, wo du so mit Lab und Seele Soldat bist und eine so glänzende Karriere vor dir bast. Was tatest du denn auch mit >27 Fahren ohne Beruf, ohne ernste Arbeit^ Nein'das ist unmöglich!" Ein minutenlanges Schweigen folgte. „Ein solches Opstr würde auch Hilde, niemals annehmen", sagte Tnate Ella ..dazu kenne ich sie zu gut. W tzt ihr", fuhr sie fort, um die beiden, die mit ratlosen, bekümmerten Mienen dasaßen, einigermaßen aufzurichten, „kommt Zeit, kommt Rat. Bei komplizierten Umstäirden kommt oft der Zufall auf wunderbare Art zu Hilfe, wenn man etDas zu warten versteht. Mil allen wichtigen Ensschließungen müssen wir ja ohnedies warten, bis Hilde selbst mitreden kann und das wird wohl hoffentlich spätestens morgen sein, denke ich." „Das aber werde ick doch wohl gleich tun müssen, meinen Bruder benachrichtigen", meinte der Kommerzienrat, „mag es sein, wie es will mag er sich neck so abscheulich benommen haben. er bleibt doch immer Hilde's Barer und so. wie ich sie kenne, wäre sie auch sicher damit einverstanden, denn sie war zwar genötigt, sich vor seiner Gewalttätigkeit zu retten, aber jede Rücksichtslcsigkeit oder gar Rachsucht liegt ihr fern" ..Allerdings, hat sie doch das Engelsgemüt ihrer armen Mutter geerbt glücklicherweise doch mil einer guten Dosis „Schneid" vermischt, wenn es darauf ankomml, wie sie eben bewiesen hat", bestätigte Frau Ella. „Also laß nur deine Epistel an den edlen Karl los, aber, bitte, mcht zu milde und sanft!" „Ich werde mich auf d^e rein sachliche Mitteilung beschränken. Aber wissen n'uß er'tz schon deshalb, bannt er keine überflüssigen polizeilichen Recherchen anstellt. was nur Hilde's Namen und die ganze peinliche Famllienassäre unnötigerweise der Oeffentlick'keiL und dem allgemeinen Klatsch preisgeben hieße", erwiderte der Kommerzienrat. „Dem wird sie werden wir alle doch nicht entgehen" meinte Frau Ella achselzuckend, „zu viele Leute wissen davon, als daß es nicht durchsickern sollte And was iut's denn auch? Laß die Leute reden, was sie wollen! . Etwas Schlimmes ist ja nicht dabei. nur romantisch, interessant ist es! Die Geschichte wird sicher manchen Backfisch zu Tranen rühren, und wenn man deinen Bruder recht verabscheut und haßt, so geschieht'Z ihm gerade recht. Verdient hat er's reichlich. „Da hast du ja Recht. Frauchen", entaegnete der Kommerzienrat. über den Grtmm seiner gutherzigen Gattin lächelnd, '..aber ebenso wie er. trotz allem, Hilde's Vater bleibt, ebenso bleibt er mein Bruder, das läßt sich nicht abschütteln. Es ist auch mein Name, der da verunglimpft wird, denn es ist nun einmal derselbe." „Also, schreibe, schreibe, wenn es durchaus sein muß!" erwiderte Frau Ella. Landmann, jeder Bauer immer vor Augen halten, ob er vom wie vor aus seiner Scholle sitzen will, wenn auch bei r kommenden „Hungerfrieden" unter wenig glück schon Vc: haltnissen, oder ob er im günstigsten Falle nur noch auftragter Verwalter einer Allgemeinbeit sein will iv Drahtzieher lediglich in den großen Städten sitzen und a»<- deren Wahl man ihm und seinen Berufsgenossen keinen (ä:u fluß gestattet. Aber auch wenn dem Buchstaben nach keine Enteignup.. der kleinsten Bauern geplant bezw. durchgesiib.1 wird, io bat der sozialistisch^ Zukunftsstaat doch reichlich Mittet, um dasselbe in der tatsächlichen Wirkung zu erreichen. Wir emvii nc",en die wirklich recht haben, die da behaupten. daß es der Münchener Regie. »ig darum zu tun fei. eine Spaltung zwischen Süd und Rord ^-rbeizufuhreu, die unocrmeidlich zu einer selbständigen, vom Reiche °l,o losgelosten süddeutschen Republik führen ,nützte?" «n Gerung. auch nicht gerade Manuel 'erdet hat sich gkeichwohl veranlasst gesehen, folgende? Telegramm an die Reichsregierung in Berlin und an da? Staatsministerium jn München zu richten: „Das Staatsministerium der Republik Hoffen protestiert gegen den vom bayrischen MinisterprSstdenten und Minister s Acutzern für Bayern angeorünetcn Abbruch der Beziehungen zum Auswärtigen Amte in Berlin. Ez steht darin eine. Gefahr für die Einheit des Deutschen Reiches und befurchtet, dost dadurch der Separatismus gefördert werden konnte. Es erwartet vom Gesamt,ninistertum Bayerns den tÜdsänsi * 3“ machen, denn da? na- Elnb deutschen erfordert dringend die klorste e.nhe.ttlchkeit aller deutschen Stämme bei den FnedenZoer. Handlungen aufrecht zu erhalten." »tf ätväst stä *sn dü-ind, vm, Kurt Eisner mit dem Dichter in der Titekrolle Munchen-Schwabinger Naturtheater. Jn fünf Minuten geht der Vorhang herunter und dann ist Schluß. Herrn Eisner wird auch weitere Bitternis nicht erspart' seine Hoffnung in der Schweiz. Professor F. M. Förster findet cs felbjt außer dem Spaße, etwa für feine Kapriolen mit haftbar gemacht zu werden und wendet sich in der „Münchener Post" in aller Oeffentlichkeit und mit aller Schärfe gegen die Politik Eißners. Die Erklärung ist eine offene Absage an die von Ecsner verfolgte Politik. Profesior Förster verlangt, daß die Nationalversammlung unverzüglich einberufen werde, da nach seiner genauen Kenntnis der Dinge die Feinde nur mit einer verhandln ngssähigen deutschen Negierung zum Frieden kommen andernfalls Deutschland Militärisch besetzen wollen. Inzwischen ist in München selbst die Sache soweit gediehen daß Ersner am Sonntag bei einer Revolutionsfeier im Natio- naltheater in aller Form ansgepfiffen wurde. Man wird also wohl noch das erhebende Schauspiel erleben, daß der revolutionäre Ministerpräsident des zweitgrößten Bundesstaates zum Hanswurst herabsinkt. Kasperlekomödie, sagt der „Vorwärts". Der neue Knilnrkainpf. Die ga’pftltkimiitie. Dem bayerischen Minifierpräfideutey widmet der Vorwärts" -ln-n sehr respektlosen Leitartikel. in dem er M-ächst^L Ltteroteuguolitylen gerecht wird, um dam, über den Politiker tn Anführungszeichen folgendes Urteil zu füllen- rtsch« mnVrJZ mb * bk Kunde kam, dost Eisner baye. rtfcher Mimsterprasident geworden sei, erfüllte Heiterkeit die Re- d-lktionsstubeu. st- pflanzte fich fori in die Setzer- und Moschinew °l. Es war keiner unter uns. der Eisner nicht von alt^ Zett achte Dennock'kl: ^ BM mUtt ob " »ffr Dennoch Heiterkeit überall, wohlwollende Heiterkeil Eine? schickt fich nicht für alle. Sehe jeder, wie er's treibe .... Wozu wären wir ein befreites Volk, wenn es nicht erloob. Ee einem alten Freund offen und öffentlich zu sogen- Du hast in deinem Leben schon viele Böcke geschossen aber Bar” h„ 2 ZV: int \T° m ° n5Un Ltte'ratmfr^nden Er ZVV 5 ront bdn °°^grost- SÄ Kffr»' noch Tn st «?r nß spssfä säHSS 9 »” ----- “ —«•* ... Äüs 8 - * haben. Abe/es ^daß ^bm^' ^ Ci§ner gesprochen »f «■ und ,0 ist da. ZwZZrT s i r: st T feimmeln Gestürzter »nd *T 7 aus ne« fur^c «iejcr Phantast bin- «g-rlchiet haben wird. ^ et "Eenloses Unheil W mit dem grasten Ernst Legen,.tz. Ka,perlekoniödi« dlZ L^-iw 'f-Ii s ^eoens, frei mich grcutt We-, Dre Protestaktion des Zentrums gegen den antikirchlichen ^urs des neuen Kultusministeriums wird in der „Germania" mit einem Artikel fortgesetzt, der insbesondere auch die Eil- fertigkeit in den Reformen abhcbt: Diese Hast gehört neben den einseitigen antidemokratischen Magnahmen, der Sorge um Vermehrung genügender Mitsozia- l-,tischen und besonders auch jüdischer Bewe>b-r und der immer mehr zutage tretenden Unzulänglichkeit, Staatsangelegenheiten zu ersoffen und zu vertreten zu den charakteristischen Merkmalen der neuen Machthaber. Man dars freilich nicht verleugnen, daß man vor einem ungeheuer schweren Problem steht. Jedoch m Fliedenszeiten hätte fich Deutschland bezw P-eusten selbst von den Hohenzollern ähnliche nicht bieten taffen. Was wir letzt erleben ist eine Foriletzung der Kriegsdiktatur in anderer tjorm und an andern Eebieten, und dost es ertragen wird ist nur auf die allgemeine Abspannung Entnervung und die leider st spat gestillte FiiedenKlehnsucht zurückzuführen. Aber es kommt auch w.ed-r anders. Man sagt, dast jeder die Behandlung er- fa..rtz die er verdient, und dast jede- Volk die Regierung hat di^e ihm gebührt. Aber nur die besonderen, eben erwähnten Um-' lande hoben °s der heutigen Reichs- und preustischey Staots- e, ung ermöglicht, ihre sonderbaren Experimente zu machen Die Bwolkerung wird schon noch zur Besinnung kommen und ein« ond-e Behandlung. beanspruchen. Die herrschenden Männer muffen selbst dieses Gefühl haben, sonst wurden sie doch nicht über Kopf und Hots die weittragendsten Reformen vornehmen. ' 1 J t ’“ ^ 6ltuaiion in alü)eten Bundesstaaten wird dann Auch austerholb Preustens find die Kultu.kämpfer am Werk Der fachst,che Kultusminister Buck hat einer Abordnung von Kirchenbeamten erklärt, dast der Religionsunterricht in den v luten vom 1. April 1919 ob eingestellt werden solle. Den Kirchen solle das Recht. Kirchensteuern zu erheben, völlig und sofort entzogen werden: die politischen Gemeinden sollen kein Recht haben, die Kirchensteuern (auch nicht gegen Entgelt, mit den Staats- und Gemeindesteuern einzuziehen. In Bayern ist wine der durch die neue Lage entstandenen Fragen die. ob jetzt Kurt E.sner d.e (früher königlichen, kirchlichen Pfründe zu " 9 , ™ * at ’ *?. rt ei5ner ' bet «alizilche Jude, Da- katho. lisch- Bayern schlaft vielleicht, aber nicht lang«. Die Dahl der Wahlberechtrgken. Amtlich wird mitgeteilt: Das Wahlrecht ist durch die Der. ordnunz vom 12. November 1918 -usged-hnf worden a) auf tie Frauen, b) aus die 20—Wjährigen, v, aus die Soldaten. V- T ;n Reichstagswahlen von 1912 14,4 Millionen Wahlberechtigte waren und von diesen fich 12,3 Millionen — 85 an h*" Wahlen beteiligt haben, werden infolge der Uuedehnuug d^ Wahlrechts bei den Wahlen zur verfaffungz- geheuden deutschen Nationalversammlung schätzungsweise 39-40 M-llwnen darunter etwa 21 Millionen Frauen, wahlberechtigt s-.n. a-.ese Summen ergebe» sich aus Erund der folgenden Berechnung: Rach der amtlichen Statistik (Statistik des Deut chen Reiches Bd. 249.2 S. 254, find am 1. Januar lg, 1 au - 18 f’ bet “ l5 ” rtn ^burtsjährgang für di- A ^kffbercchtigung tn Frag- kommt, und früher vorhanden ge- männliche Personen ..... 22 965 829 weibliche Personen ..... 23 964 261 Kirchliche Nachrichten. Evangelische Gemeinde. 2. Sonntag im Advnt. 8. Tezemher 1918. Gottesdienst in der Burglsrche V-rmitt-igs 9?4 Uhr: Herr Pfarrer T i - h I. N i t, 0""3ttag2 11 Uhr Kindergottesdienst. Herr Pfarr« Nachmittags 2 Uhr: Herr Pfarrer D i e h l Tau'b- stummengottesdienst mit hl. Abendmahl. Nachmittags 5 V z Uhr: Herr Pfarrer Ritter. Feie, zur Eröffnung des Konfirmandl-nttlnt-rrichts. Gottesdienst im Stadtteil Fauerbach.' 10 Uhr Gottesdienst. 2 Uhr: Gedächtnisfeier für die im Oktober Gefallenen. Evangelische Stadtmission Friedberg, Ludwkgstratze 24. Sonrttag den 8. Tezbr.. nachmittags 11/ 2 Uhr Sonntags- fcfiUle; 3 y 2 Uhr: Oeffentliche Versammlung. Dienstag, den 10. Tezbr., abends 8 y 2 Uhr: Jugend vereinig-ung. Donnerstag, den 12 Dezbr., abends 81/2 Ubr: Bibeb und Gebetstunde. » Katholische Gemeinde. Sonntag, den 8. T-zbr. 1918. 2. Sonntag im Advent. Beichtgelegenheit am Samstag von 4 Uhr an und Sonntags früh von 6 Uhr an. %7 Uhr Frühmesse. 8 Uhr Militärgotjesdienst (Singnnsse mit Predigt). Genieinsame hl. Kommunion der Jungfrauen. Uhr Hochamt mit Segen und Predigt Nach,nittagS 2% Uhr Predigt und Aufnahme in di- ^ungfrauen-Congregation. Um 4 Uhr: Versammlung des JüngUngsveresn^ - ^Wahrend der Wixhe: Um y 2 7 Uhr hl. Messe'und vm t Uhr Rorateämttr. Freitag abends 6% Uhr- B itt Andacht Verantwortlicb für den politiscbrn und lofalf- ' " f tfo Hirsche l, Fnedberg: für d«n Anzeigenteil: C. Schmidt, Friedberg. Truck und Verlag der „Reuen Lageszettung".' A G.. Fnedberg r K zusammen . . . I . . , . 46 870 090 fSaVZT, 1"? in be l?" 5ten 19U_:I8 °bZusetzen die Sterbe. f°lle. Sie betrugen etwa 666 060 jährlich und oerteilen fich :ZZs\f a ii,Cn Mf Männei und Frauen, zusammen eiwa 4.8 Mllwueu. Abzusetzen find ferner etwa 1.8 Millionen durch Tod 3m «uuö°v find demnach »urch Tod usw. 6,b Millionen (4.2 Millioneu Männer 2 4 Mil- -onen Frauen) von der obigen Summ- der Wahlb^rechtichen ly mmJ U ^ !bem ^ icn ai meben di- Ausländer mit etwa i* M-llw". s-ns-i dagegen kommen di« uns während des MeTvnbll IT" ^uslandsdeuffchen. die in Konkurs befind- idjcn und d e Armenunterstützung beziehenden Personen. Alles tn allem ergibt fich an Wahlberechttgten am 31. Dezember 1918 ^ Summe zwischen 3g und 4» Millionen Personen, etwa 18 8 ann , t 2T?mionen »rauen. Zweifelhaft er. sckt-inl es. ob unsere Krtegsgesangenea (zirka 560 666, in die Lage versetzt werden können, von ihrem Wahlrecht Gebrauch zu machen. Mit dieser Berechnung wird eine kürzlich durch die -blaiter gegangene, auf irrtümlicher Voraussetzung fustende Auf. ItZl'zZ ^ et0a 35 ailUtauea ^dlberechttgte angab. - J Vkißchelii, frantniitr Stntfts w mti. Leibesfrucht. hn . w . .— . -— feite Prämie mit N rck,q l„n t 01 ^ tlqe Dersi.herun'en übemimmi Later. Brown. ^'^-rsich-run--,.sellsch-it. Dresden. Werderstr.j,- 29. prompte Enffaorgung b.s zu W/ 0 der Ve-siherunAS urame. Gunjttge Veisich7runisbed niun ea Hcch'te Re eiven. 2 TSchtige V er trete r überall ge acht JU - kauft mit behördlicher Genehmigung Wilhelm Scherf, Pferdemetzgerei. Friedberg, Kaiserstraße 58 und Usagaffe 19. Geschäft ist täglich geöffnet von 8—12 und von 1—5 Uhr Gutes Linoleum tmci Parketteis wieder elnsetroYlen. 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