Nummer 286 (fhtjdprm € 10 Pfennig die Stummer Donnerstag, den 6. Dezember 1918 11. Jahrgang« w . endiemt ,eDen Slterttai. iRepetmafe.ßc Seilaflen ,,S« «lauer ««« siessen". „Di. Kpi-.n»«d--'. S.!ugnp«i-: «°i den P->tar>lta,t-n °,sr-el!a!,r»ch Mt. 2.7« mLm, Das «eitellaeld- h ei »,n «Waten mona.H* 1-00 M«. einIchttetzNch Trägerioiw. An, eigen- Sru»d,«U, 2b Mg., lolole MW«, än,eigen oon ausamts metsen durch «o,-nachn-i"n, 6 * „hoben ErluUnnasar. *rieDbeta «r.dmftUitana und Herl«« kiedde-g fS>eüc«l. ^anauetrhafte 12. ^em.ore'bet 43. P-iticheck-T-nt- -Ne. 4359. Hm. *e««t«urt «. M. Ailflölrmg des ßk!!v. Eki»wHsMil?»l!l»5. Der Kommandierende General des aktiven 18. Armeekorps t. Etzel gibt folgendes bekannt' Das stellvertretende Generalkommando des 18 Armeekorps wird mit dein 9. Dezember 1918 aufgelöst. An feine Stelle tritt mit diesem Tage wieder das aktive Generalkommando des 18. Armeekorps in Nauheim. Von da ab find sämtliche Eingaben betreffend militärische Angelegenheiten nicht mehr an das stello. Generalkommando Frankfurt a. M, sondern an das Generalkommando de§ 18. Armeekorps in Nauheim zu richten. In den Räumen des bisherigen ftellv. Generalkommandos (Frankfurt a. SK.. Taunus-Anlage 2) wird ein „Zivil-Departement für den Bereich des 18. Armeekorps" eingerichtet. Die Leitung dieses „Zivil-Departements" liegt in den Händen des Generalmajors v. Stübnitz. der mit der Auflösung des ftellv. Generalkommandos aus seinem Militärverhältnis ausge- fchieden ist. Auflösung der Kriegsamtßstelle. Die Kriegsamlsstelle Frankfurt a. M. ist am 2. Dezember hat großes Aufsehen hervor gerufen. (fin SdklnfjvrofefesR pn WasseiMklnid. Spaa, 2. Dez. (WB.) Der Vertreter der . Transocean"- Nachrichtengesellfchaft meldet: Die Finanzkommission der internationalen Waffenstillstandskommission Unterzeichnete am 1. Dezember das Schlutzprotokoll. worin n. a. folgende Vereinbarungen milgeleilt sind: Die deutsche Regierung verpflichtet sich, keinerlei Maßnahmen zu ergreifen welche geeignet sind ihren fiskalischen und privatwirtschaftlichen Besitz in irgend einer Weise zu vermindern, da dieser Besitz das gemeinsame Unterpfand der Alliierten zur Deckung der Kriegsschäde" ist. worauf sic Anspruch haben. Weiter verpflichtet sich die deutsche Regierung, die Eisenbahnen. Kanäle. Bergwerke. Forsten sowie Unternehmungen koloniolwlrt- schaftlicher, industrieller und kommerzieller Art. welche ihr gehören. oder woran sie beteiligt ist. weder zu verkaufen noch zu verpfänden. Ferner verpflichtet sich die deutsche Regierung während der Dauer des Waffenstillstandes keine Goldausfuhr vorzunehmen oder zuzulasien Sollte sie sich unbedingt gezwungen sehen, für die normalen Bedürfnisse ihres Wirtschaftslebens von den Bestimmungen dieser Bedingungen abzuweichen, so muß sie vorher hiervon die alliierten Regierunaen in Kenntnis setzen. Die deutsche Regierung vernMchtet sich weiter, außerhalb der normalen Bedürfnisse ihres Wirtschaftslebens aus dem Bestände an Auslandswechfeln. welche dem Reichssibatzamt oder der Reichsbank gehören oder sich in ihrer Eigenschaft als Devisen- zentrale in ihrem Besitz befinden, keinerlei Uebertragung in das Ausland weder direkt noch durch Mittelpcffcnen vorzunebmen Dieselbe Verpflichtung wird eingegangen für die ausländischen Effekten, die der deutschen Regierung oder der Reichsbank gehören. oder die ihnen als Unterlagen fflr Lombcwdvorfibüsss dienen. Jede Handlung, die dieser Vereinbarung widerspricht, wird von den Regierungen den Alliierten als rechtsungültig angesehen. Die deutsche Negierung wird alle möglicherweise daraus zu ziehenden Folgen zu tragen haben. In bezug auf die Rückerstattung der nach Deutschland ühcrgeff'brten Beträge aus den Gebieten der Alliierten- welche im Waffenstill-tandsvertrage vorgesehen ist. wurde vereinbart, daß die Rückzahlung der aus Belgien und NordffankreiÄ stammenden Geldsummen in derselben Währung geschehen soll, in der sie seinerzeit weggeführt wurden. In Fällen, in denen dies nicht möglich ist. soll die Rückerstattung in Mark erkolgen. und zwar zum provisorischen Kurse von 1 25 Franken für die Mark. Jedoch behalten sich die alliierten Regierungen das absolute Recht vor. später den Austausch der Markbeträge gegen französische oder belgische Franken Au dem gleichen Kurse oder gegen Lieferung von Goldwäh- rungswerten auf dor Basis von 1,25 Franken für die Mark zu fordern. Dertmeiligs Berlins. £>fjne jede Gewähr für die Nichtigkeit verzcrckmen wir folgende Meldung: Berlin, 4. Dez. Wie ein. amerikanischer Funkspvuch vom 29. November meldet, sollen alliierte und amerikanische Truppen Berlin zeitn^ilig besetzen, um dort Polizeidienste zu versehen. sehen wie durch Z «Überschlag veränderte. E,ne Unzahl Fabnen in den französischen Farben wurden ausgezogen, so viele, daß man daraus wohl ersehen konnte, wie eifrig im geheimen bereits an ihrer Anfertigung gearbeitet worden war. Von einer Straßenseite zur anderen waren Girlanden in drn französischen Farben gezogen und Triumphbogen, mit WillkomminschrNten versehen, in den Straßen, errichtet worden durch die die Truppen einniarsch:>'ren sollten Besonders feurige, französische Patrioten (!) hatten die Denkmäler Wilhelms I., des Prinzen Friedrich Karl und des Kaisers Friedrich von ihren Sockeln gerissen. An dem Bildnis Kaiser Wilhelms II. das-in der Gestalt des Propheten Daniel auf dem, Portal der Kathedrale angebracht war. halfen die Monge die Handoelenke mit Fesseln umgeben; auf der Brust halten sie einen Zettel mit der Inschrift: „Sic tronsit gloria mundi" angebracht. Genf, 3. Dez. In Straßburg schreiten die französischen Behörden in radikaler Weise zur Besitzergreifung der ganzen Ver« wallung. Der General Hirschauer. der bisherige Befehlshaber der zweiten französischen Armee ist zum Mlttärgoumrneur ernannt wordrn. Der Oberkommissar der französischen Zirilver- waltung Maringer hat den Straßburger Gemeinderat aufgelöst und den Industriellen Ulgemoch zum Vorsitzendeu der Sradt- verwalt'.'.ng ernannt mit Veiretes und Nsunreitrr als Versitzende. Der Präsident Po-incare wird sich am 8. Dezember nach Straßburg 5eg.'b°>n. wo am 9. Dezember in Anwesenheit E'-> menceau. vor Präsidenten des Senates und der Kammer und des dip'or ratschen Korps feierlich die Besitzergreifung des Landes durch Frankreich vorgenommen werden soll. Von d m neuen französischen Bürge''meiste: Prevel wird die deutsche Be völkerung in einem öffentlichen Anschlag zur Ruhe ermahnt unter Hinweis auf d. Zuständigkeit der Kriegsgerickie itts zum Abschluß des Friedens Der Zivilgouvernenr Mirmau tat die Entfernung aller deutschen Ir 'chr her» an öffentlichen Geöäuoen und privaten Geschäftshäusern ane.ordnet und den im öffentlichen Dienst rerblicbenen Beamten b-,fohlen, die denffhon Uniformen obzulcgen und sich mit einer französischen Kokarde zu versehen. Genf. 8. Dez. Der ..Petit Parisien" veröffentlicht eine Unterredung mu dem neuen Eeneralinsvektor des Unterrichtswesens n Effaß-Lothringen. der sich beeilt, der Welt bekannt zu pcben. daß sämtliche deutschen Lehrkurse sowohl an der Unwer- sität Straßburg wie an den Mittel- und Volksschulen des Lan- deZ sofort eingestellt u erden Plünderungen kn Straßburg. Kehl. 2. Dez. Nach Einzug der französischen Truppen kn St.'aßburg fanden bei deutschen Geschoftsbäusern mehrfach Viün- derungen statt. Es hotte sich, ein „Exekutivkomitee" gebildet, dos Zu einzelnen Geschäftsleuten ging und Schließung des „Schwoben laden'' verlairgte widrigenfalls andere Maßnahmen ergriffen würden Dies- andere Maßnahmen waren Plünderungen. So wurde u a. auch das Zigarrengeschäst des Re:chs- tagsabgeordneten Böh!e (Soz.) geplündert und Döhle selbst verwundet. Dem Warenhaus Tietz wurden für etwa 70 000 Mk. Waren gestohlen. Seit dielen Vorgängen haben die größeren deutschen Geschäfte geschlossen Köln, Z. Dz. Wie die ..Kölnische Zeitung" von wohlunter- r'ck'teter Seite erfährt. T>at der Vorsitzende der französischen Wof- fenstillstandskommission in einer der letzten Sitzungen eine Rote überreicht, in der die Bedürfnisse der Vesetzungstruppen für die nächste Zeff angemeldet wurden. Die Engländer verlangen eine vorläufige Kontribution von 10 Millionen Mark. Hiervon sind von der Stadt Düren 10 Millionen Mark bis zum 5. Dezember. von der Stadt Köln 80 Millionen Mark bis zum 12. Dezember zu entrichten. Die Amerikaner verlangen einstweilen 5t Millionen Mark. Ort und Zeit der an Amerikaner. Belgier und Franzosen abzuliefernden Betrage werden noch bekannt gegeben. Aus der Pfalz. Die deutsche Waffenstillstandskommission hat gegen die Verwendung schwarzer Truppen zur Besetzung deutschen Gebiets energisch protestiert. Nachdern die Franzosen durch die Heranziehung von schwarzen Mannschaften die Solidarität der weißen Rasse bereits tief erschüttert haben, krönen fi? diese Kriegspolitik durch die Entsendung schwarzer Truppen zur Besetzung deutscher Städte. Schon jetzt hat sich gezeigt, daß die Franzosen ihre schwarzen Freunde nicht fest in der Hand haben. Die Verbrechen gegen Frauen und Mädchen haben sich gehaust. Das sollte namentlich der, Amerikanern zu denken geben, die aus eigener Erfahrung wissen, daß die Schwarzen zügellos sind, wenn sic freie Hand haben. Jm besetzten Gebiet. Der Einzug der Frarrzoseu in Metz ^ Die Bege'fterung, mit der die französischen Truppen in Metz empfangen wurden. Lberroog, nach einen» ausführlichen ^ Bericht des „Temph", alle Grenzen. Kaum waren die letzten i Deutschs gbgezcgen. als die alte lothringische Stadt ihr Aus» Plünderungen in Köln. Köln, 4. Dll Foch hat sein Einverständnis damit ei-klört, daß die deutschen größeren Städte nicht zu lange ohne Besatzung bleiben. Die Alliierten werden sofort nachriicken. Köln, 4. Tezbr. Trotz scharfer Gegenmaßnahmen dauern die Plünderungen fort. Heute Mittag wurde der auf dem Kölner Werkbundgelände befindliche Heerespark von einer nach Tausenden zählenden Menschenmenae erstlirmt. Einzelne Depots wurden erbrochen, und kostbares Gut wurde fortgeschleppt. Cicherheitsmanufchaften kamen mit Maschinen aewehren herbei, worauf die plündernde Menge das Gelände verließ. Bei dem Zusammenstoß mit Polizefmanw schaffen wurden vier Plünderer getötet. Eine Anzahl Verwundeter befindet sich in Hospitälern. Zahlreiche Plünderer wurden verhaftet. » Pfündcrvng-n. Mainz, 4. D-ezbr. Pionierbeerespark aus der I'vgel- beimer Au fanden Plünderungen statt. Bei der Abwehr durch die Mainzer Bürgern'ehr gab es mehl-ere Tote und Verwundete. Der Kleinverkauf rst infolgedessen eingeß llt worden.' Kein Peichstng. Berlin. 3. Dez. Die Reichtzregierung hat folgendes Tele» gramm an den Präsidenten Fehrenbach auf dessen Protest ae- richtet' Ihre staatsrechtliche Auffassung ist unbegründet. Alle Zivil- und Militärbehörden erkennen mit Recht an. daß die gesetzgebende Eewcrlt beim Rate der Volksbrauftragten ruht. Wir waren deshalb zu den von uns gettoslenen Maß»»abmen befugl und halten sie aufrecht. Eberl. Haafe. Gkttkl die gelktzliche Wüüißrhkrrlchass. Frciburg i. Br^ 4 . D^. (WB.) Auf das Telegramm des Reichsleitung hat der Präsident des Reichstags Fehrenbach folgendes Telegramm an diese gerichtet: Auf Grund der Revolution können Sie den Reichstag auflöfen. Ich würde dagegen protestieren, aber mich fügen. Solange Sie aber nicht auflöfen, find Sie ttotz Revolution an die für ihn geltenden gesetzlichen Besttmmungen gebunden. Nach Ihrer Rechtsauffassung könnten Sie sich ebenso gut über beliebige Bestimmungen des bürgerlichen Gesetzbuches oder des Presserechts hinwegsetzen. Ihr Vorgehen bedeutet die gesetzliche Willkürherrfchast. Dagegen pu* testiere ich. Fehrenbach, Reichstagsprästdent. Krnch Wngarns mit Dentjchla»»d? Wien, 4. Dez. Ungarn hat die diplomatischen VeziehungeM zu Deutschland abgebrochen und den Budapester deutschen Generalkonsul Grafen Fürstenberg aufgefordert, Drcdapest zu vev» Lassen. Die Nachricht des Budapester Regierungsorgans „fc. Vilag", wonach Ungarn an England den Antrag gestellt ha< den Herzog von Connaught zum König von Ungar» r« wählen hat großes Auffehn hervorgerufen. Dorstche^e Nachricht ist zwar nicht beglaubigt, immerbiK ist bei diesen Zigeurprn alles mögliche Wssns Irife \u Lrltdtnslronfernrp Washington, 30. Nov Präsident Wilsons Vorbereitungen Kvm Besuche der Friedenskonferenz sind vollendet. Er schifft sich nächste Woche auf dem Linienschiff „George Washington" ein Dec Personal der amerikanischen Delegation wird bekannt gegeben werden, wenn der Präsident k-ei Eröffnung des Kongresses am Montag oder Dienstag seine Red- halten wird. Es wird eine Marinebefatzunz an Bord des „Eeörge Washington" sein Und mehr als 10 000 Offiziere und Soldaten werden sich im Schutzgeleite befinden, ln welchem der Dreadnought „Pennsylvania" und andere Schiffe der Flotte sich befinden. Washington. 1. Dez. Wilson wird persönlich die Stelle eines Ehefs der amerikanischen Delegation auf der Friedenskonferenz einnehmen. Die anderen Mitglieder werden Lansing, Oberst Houfe. General Blitz, Henry White, früherer Botschafter in Frankreich und in Italien, sein. Aas iirr poraf^isfit? des IMMikudruchs irr Mlelrüchtl. Wien. 29 Nov (Wolff.) Der Berner Korrespondent des „Neuen Wiener Journal" erhalt von einer Persönlichkeit, welche dem Ministerium des Auswärtigen in Wien nahe steht, folgende autbiut'sche Mitteilungen: Graf Eze:n:a erklärte kurze Znt nach seinem Amtsantritt 1917 als Miufter des Aeutzern im Aufträge Kaiser Karls in Berlin Keifer Wilhelm. Oesterreich- llngarn stehe am Ende seiner militärischen und wirtschaftlichen Kräfte und könne den Krieg kaum über den Winter fortsetzen. Czernin lege also Kaiser Wilhelm aufs dringendste nabe. Frieden zu schließen, wenn es fein müßte, mit großen Opfern. Oesterreich- Ungarn erkläre sich seinerseits zu dem weitgehendsten Entgegenkommen bereit. Kaiser Wilhelm wies damals ohne persönlich Stellung zu nehmen. Czernin an das Hauptquartier, wo die Beratung mit Hindenburg und Ludendorff staftfand. wobei ellerdings Hindenburg ziemlich passiv blieb wahrend ? brn* darff daß Wort führte. Czernin leate in sehr bewegten Worten die traurige Lage der Monarchie dar und schloß' Oesterreich-Ungarn steht vor dem Ende. Es kann einfach nicht mehr Länger kämpfen. Ludendorff aber erklärte: Ich bin der Ansicht, daß lediglich das unglückselige Verwottungssysiem an der pessimistischen Austastung schuld ist. die gewaltigen Kräfte der österreichisch-ungarischen Monarchie seien bereis ausgezehrt. Ich Sin, schloß Ludendorff bereit, den Beweis dafür zu lie^rn. indem ich der Verwaltung Oesterreich Ungarns während der Kriegszeit deutsche Kommistore attachiere. Graf Czernin war Lber diese Antwort Ludendorsts in höchstem Grade betroffen und erstattete Kaiser Karl Bericht, der natürlich einen solchen Eingriff in die innere Verwaltung Oesterreich-Ungarns ab- lehnte Kurze Zeit darauf beaab sich Czernin neuerdings ins deustche Hauptguartier und ließ nunmehr zum erstenmal di« Möglichkeit durchblicken. daß OestrrreickpUngorn gezwungen fein könnte bei einer längeren Fortsetzung des Krieges einen Sonderfrieden zu schließen. Auf diese Erklärung hin erhob sich Ludendorff und sagte mit dem größten Ernste: Sagen Sie dem Kaiser Karl, daß an dem Tage, an welchem Oesterreich-Ungarn einen Sonderfrieden schließt, er die Kriegserklärung Deutschlands zu gewärtigen habe Einen solchen Akt von Treubruch konnten wir nur mit dem Beginn der Feindseligkeiten bc nt- worteo Graf Czernin brcch. hierauf das Gespräch ab und kehrte nach Wien zurück wo er Kaiser Karl erklärte: Unser Schicksst ist auf Leben und Tod mit demjenigen Deuffchlands verbunden. Wir können nicht anders, als an ferner Seite ausharren. Der tief erschreckte Saume!. München, 4. Tezbr. Eisner hat heute einen neuen Demonstralionszvg von heimgekehrten Fronttruppen erhalten Unter Führung von Offizieren gefolgt von einer gewaltigen Menschenmenge, zogen die Soldaten, bewaffnet Unter Vor- antragung einer Tafel mit der Aufschrift: Wir fordern die Nationalversammlungk" zum LandtagsgebLude. Es ertönten stürmische Rufe: „Eisner heraus!" Der tief erschreckte Ministerpräsident hat in einer Ansprache die Einherirfung der ^rovisori'chen bayerischen Nationalversammlung innerhalb Meier Tage versprochen. ^ Stockholm, 3. Dezbr. (WB.) ^Sozialdemokraten" beschäftig sich mit der Entwicklung der Dinge in Deutschland r»nd erklärte: Kurt Eisner berührt sich in seiner Stellungnahme zn den Arbeiter-. Soldaten- und Bauernräten mit der Sportakusgruppe Darin liege eine große Gefahr, hie jeden Tag wächst, zumal wenn das Bündnis -wischen den Männern des alten Systems und der neuen Berliner Negierung weiter besteht, denn das begünstigt ständig die demagogischen Northcliffsmänner in London und Paris und die Spartakus- leute in Berlin. Der bolschewistische Skandal. Die Zustände an der Ostfront spitzen sich allmählich zu einem unerhörten Skandal zu. auf den unsere Regierung scheinbar keine Antwort zu geben weiß, als dre berühmten „ernsten Vorstellungen": Leben wir im Kriege mit dem Sowjet-Rußland oder nicht? Dre Herren Vokksbearstragten mögen sich darüber äußern und zwar schleunigst, denn sie tragen für das Blut der dort fallenden deutschen Soldaten dir Verantwortung. Wir hätten einmal den Skandal in der sozialistischen Presse hören mögen, wenn unter dem alten Regime deutsche Soldaten im Lsren von den Russen während des Friedenszustandes erschossen worden wären. Jetzt schweigt dicNbe Presse in allen Tonatten. Ern Vewers für die grenzenlose Verlogenheit dieser Oraane. die sich bisher als Hüter des deutschen Volkes aufge',pi-lt haben. Was geschieht? Die Bolschewisten haben Plestau und Narvo überfallen und stehen dort im wütendsten Kampfe mit den deutschen Nachhuten. Russische Kriegsschiffe haben die Frech- hert. die Stadt Rawa zu beschießen. Das find die brüderlrchen Grütze der russischen Arbeiter-Republik. Eine saubere Brüder- lichkrtt, für die unsere Feldgrauen ffn Osten wenig Verständnis haben werden. JDie „Rote Fahne" ist bereits außer sich darüber, daß deutsche Soldaten überhaupt wagen, sich nicht widerstandslos von Bolschewrsten abschlachten zu lassen. Inzwischen scheint dre Ostarmee eingesehen zu haben, daß es ohne energischen WO derstand nicht gebt. In Mitau ist eine eiserne Division gebildet worden, die unter der Führung von Offizieren den Abmarsch der deutschen Armeen aus dem Osten decken soll. Die „Rote Fahne" bringt es fertig, dazu folgendes zu bemerken: „Der Berliner Soldatenrat und die Regierung müssen schleunigst Abordnungen zu der 8. Armee schicken, um diesen Plan von den unabsehbaren, unheilvollsten Folgen rückgängig zu mack-en und der Ausführung der Epoche machenden Narrheit der 8. Armee entgegenzuwirkcn." Wrr richten an alle Feldgrauen die Frage, ob sie eine derartige Sprache dulden wollen oder nicht? Die „Rote Fahne" verlangt also, daß unsere Soldaten sich im Osten widerstandslos nredermetzeln lassen. Das muß festgehalten werden. Berlin, 3. Dez. Wie sich weiter herousstellt. ließ sich b*e frühere russische Botschaft hier nicht nur die Verbreitung von bolschewistischen Propagandaschrrften. sondern auch die Beschaffung von Waffen angelegen sein. In dem Zuge, der die Bot- schaff an die Grenze brachte, ließ ein Mitglied der Mission ein Päckäien mit Papieren liegen. Darin befanden sich 21 Rechnungen über Ankärffe kleiner Mengen Waffen und Munition. Sie erstrecken sich auf die Zeit vom 21. 9. bis 31. 10. 1918 und lauten auf insgesamt 159 Mauserpistolen, 28 Brownings. 23 Parabellum Pistolen nebst etwa 27000 Patronen für inZgesamr 105 000 Mark. Die Erklärung Radeks, Drittel 2 des Friedensvertrages, habe die russische Regierung nicht grbi idert. in Deutschland re- nolutionäre Propaganda zu treiben, erhielt damrt noch weitere Unterlagen, verschiedenes. . Herr Meier und die Mchlschieber Durch die Presse ist d.e Meldung geaaagra, daß in Bochum während der Revolutionstun'ulle versehentlich auch eine ganze Reihe von Mehlschiebern aus dem Gefängnis befreit worden feien Eine soätere Meldung besagte, daß die Hälfte von rhnen bereits wieder hinter Schloß und Riegel säße. Wo die andere Hälfte geblieben sein mag. weiß man offenbar, nicht. Dabei bandelt es sich hier um eine Gesellschaft, die wirkt,ch näherer Betrachtung wert wäre. Gegen sie b h eine Bande von 55 Schiebern, schweb. ein Monster verfahren. Die Untersuchung ist zwar heute noch lange nicht abgeschlossen, aber das kann heute schon ge;oqt werden, daß die Houxtbelasteten zu ganz exemplo- rischen Strafen dürften oeruriettt werden — und das mit vollstem Rechte. Denn in der niederträchtigsten und g.'mttnsten Weife haben diese Subjekte das Volk betcogen und bestohlen, nur aus Habgier, um während der Zeit, da die Mehrzahl ibrer Volksgenossen darbte und Not litt, sich die Tcrscben zu füllen. Man muß geradezu den vSoyf schütteln, wenn man die Summen hörr. die bei einzelnen der Angefchubdigten beschlagnahmt wer. den konnten, namentlich wenn man be-denkt. daß es sich hier immerhin nur um einen Teil der Beute handelt und daß als gewiß anzunehmrn ist daß sie es fertig brachten, andere Teile davrn irgendwo in Sicherheit zu bringen. Bei Leuten, die vor dem Kriege auch keinen roten Heller besaßen, wurden Beträge vo>. 300 000 Mark. 280 000 Mark. 150 (M Mark ufw. beschlagnahmt Die strengsten Strafen sind also schon daraus gerechtfertigt — sie können freilich das Unheil nicht mehr gutmachen, das durch diese Sorte von Leuten angerichtet wurde. Denn wenn die Dinge im Deutschen Belke dahin gekommen sind, wo sie heur- stehen so ist das N'chr zum Geringsten mit dem ver- brecherifchen Treiben der Diebe, Schieber und Schleichhändler zu vs-danken. Die ersten Spuren von Unstimmigkeiten in der Mehlner- faraung Bochums wurden im Jahre 1916 entdeckt. Allein in diesem Jahre verschwände.; 21236 Doppelzentner Mehl! Und so ist das fröhlich wertergegangen. Wer alles an diesem unerhörte Vclksbettug beteiligt ist. läßt sich heute auch noch nicht im Entferntesten sagen. Festgestellt ist aber leider heute schon, daß die Korruption brs in die Reihen der Polizei ihre Opfer gefunden hat. Von hinter Gefängnismauer« sitzenden Personen, die, wie gesagt, während der Revolution „versehentlich" befreit worden sind sitzt leider bis zur Stunde erst die Halite wieder hinter schloß und Riegel. Auf die Frage: wer denn dieses „Versehen" der Befreiung beging, antwortet eine Notiz des gewiß unverdächtigen „Volksblattes"; „Der Soldat Sally Meier Molfftrnße (ein Mitglied der bekannten Schieberfamilie), erschien als Anrührer einer Gruppe Soldaten im Amtsgerichtsgefängnis und nannte die Schieber, die zu entlassen feien- er arbeitete nach einem aufgestellten De-' freiungsplan." Auch in Biebrich hat sich ein ähnlicher Vorfall ereignet der nicht im Interesse des Volkes liegt. Dort sitzt ein Haupt.' mann Phrlippi der gleichzeitig Hauptteilhaber einer Holz- Handlung ist und sich in seiner Eigenschaft als Hauptmann zu. gunsten feiner Firma Schiebungen zuschulden kommen ließ, die rn dre Hunderttaufende gingen. In seine Angelegenheit wurden zahlreiche Militärpersonen verwickelt. Reben Aberkennung emes Militärdienstgrades wurde Philipp! zu einer empfind- Uchen Freiheitsstrafe verurteilt und das mit Recht, denn solche Volksschadlinge. die die Haupturheber des Unglücks sind, dag uns betroffen hat gehören hinter Schloß und Riegel. Rach bisher unwiderfprock)en gebliebenen Meldungen ist in den Re- rolutionstagen dieser saubere Herr Hauptmaun vom Volke eb nfalls befreit worden. Liegt das etwa im VolkZinteresse? - n „freiwilliger" Hilfsarbeiter des A.- und S-Nates. " Gine nicht beabsichtigte Wirkung hatte die Meldung des Vrauereidirettors und Leiters des Ernährungsamts für den Kreis Hindenburg. Siegfried Haendler. der sich dem A.- und S.-Rat schriftlich als Hilfsarbeiter zur Verfügung stellte. Einmütig wurde das Angebot abgelehnt, dagegen ein Antrag angenommen, dem Herrn ^Ernährungsrat" ein Mitglied des L- vnd S.-Rais zur Ueberwachung zu gebe«. Ein Mitglied deV Soldatenrats plauderte nun aus, was er sn lebenden Tkerer» beim Herrn Direktor alle» gesehen habe, und sofort be»s:h sich eine Militärpatrouille und ein Verlreter und S^Rates nach der Brct'ckerei und stellte fest: 11 große cknd 9 kleine Schweine. 3 Milchkühe, von denen reine Milch abMiefert wurde, '48 Hühner, 26 Enten, 8 lebende. ^ geschlachtete Gänse, 6 groß- Speckseiten. Wild, zirka 300 Flaschen Kognak und mehrere taufend Zigarren Die Vorräte wurden vorläufig beschlagnahmt. „Interes. sank ist", bemerkt dazu die Breslauer „Volkswacht", „daß dev Herr Direktor noch vor kurzer Zeit im Kino bei einem patrio. tischen Bilde auffprang und rief: „Leute, schreit: Hoch Hin- denburg!" ufw. Der Herr Direktor, er war ja satt?" .... Warum vergißt das Blatt hinzuzufugen, wetz Stammes dieser Siegfried ist? Pserdekartem Das Kriegsministerium macht bekannt: Die öffentliche« Versteigerungen der durch Beendigung des Krieges überzählig werdenden Dienstpserde haben aus verschiedenen Gründen bereits beginnen müssen, ehe die hierfür vorgesehenen Ausweise (Pserdekarten) den Zivilverwaltungsbehorden zur Verteilung an die pferdegebrauchende Bevölkerung überwiesen werden konnten. Nachdem dies nunmehr geschehen ist, liegt es im Interesse der Pferdegebraucher, sich zur Erlangung die für ihren behördlich anzuerkennenden Pferdebedarf erforderlichen, Pferdekarten bald- nröglichst bei der zuständigen Stelle (Landratscnnt. Polizeipräsidium. Magistrat ufw.) zu melden, da zu den Versteigerungen in einigen Tagen nur noch Karteninhaber Zutritt erhalten werden. Solche Gebraucher von Pferden, die zu den kleinen, unbemittelten Landwirten und Gewerbetreibenden zählen und zu» Erlangung der unumgänglich nötigen Spannkräfte Vorzugs* weife bLNicksichtigt werden müssen, erhalten rote Pferdekarten. Auf den Versteigerungen sollen zunächst nur die Inhaber roter Karten, die deutlich sichtbar getragen werden müssen, zum Bieten zugelassen werden, die Inhaber weißer Karlen erst dann, wenn erstere abgefunden sind. Sercchenkranke und seuchenver- dächtige Pferde werden nicht versteigert. Seuchenansteckungs- verdächtige Pferde (mit Ausnahme der rotzansteckungsverdäch- tigen) werden gettennt von den gesunden veräußert. Mit Rücksicht auf die allgemeine Transportlage können die Pferdever- steigerungen nur in den Dem'obilmachungsorten der Truppen stattfinden. Als Zahlungsmittel werden Kriegsanleihen zum Nennwert in Zahlung genommen. Landwirtschaftliche Maßnahmen. Berlin, 8. Dez. Wie die der Regierung nahesiehenden „Pcl.-parl. Nachrichten" hören, werden die Arbeiten zur Aufhebung der Gutsbezirke in Preußen beschleunigt. Es handelt sich um 14 000 Gutsbezirke, die außerhalb jeder Gemeindeverfassung stehen und in denen der Gutsherr bisher souverän schaltete. Dste dieselbe Korrespondenz mitteilt, bat das preu. ßifche Landwirtschailsminlsterium angeordnet, daß in de» Stac.tsforsten ein möglichst hoher Abschuß von'Wild Herberge- führt wird. Ebenso soll mit allen Mitteln auf eine Erhöhung der Ergebnisse des Fischfangs hingewirkt werden. Der Fischfang war besonders deswegen zurückgeganqen. weil während detz Krieges der Bestand an Netz-n nicht hatte vervollständigt werden können. Es ist deshalb vorgesorgt, daß die Netze für die Hofireibjagd unt-r entsprechender Umarbeitung den Fischern zur Verfügung gestellt werden. Zur Erweiterung der vorhandenen Anbaufläche ist auch Bedacht darauf genommen. Moore und Oedkand zu kultivieren. Hierfür sollen besonders Arbeitslose engagiert werden. Für angemessenen Lohn, gute Unterkunft und ausreichende Verpflegung der Arbeiter sollen Garantien ge. boten werden. Schließlich ist zur Milderung einer eventuell einttetenden Heizmittelnot die Vermehrung des Holzschlages in den Staatsforsten angeordnet worden. Auch auf die Besitzer von Vrivafforften soll von der Regierung in diesem Sinne einge- wirkt werden. Der deutsche Gettc'dehandel. Hamburg. 1. Dez In der gestrigen Versammlung des Vereins der Eettkidehändlec der Hamburger Börse wurde über Maßncrhnker. berate."., d>e dem Getrttdehandel die Möalichkeit bieten können, an der Versorgung Deutschlands mit Drot'e- tleiü" wieder Mitwirken zu tonnen. Wenn man sich auch nicht der Ansicht verschloß daß nach Lage der Verhältnisse, die ein« Kontrolle der Einfuhr und ver Verteilung noch auf längere Zeit fordern, an eine Wiederaufnahme drs freien Handels nicht zu denken fer. fo müsse doch schon j-rtz! gefordert werden, da^für eine Kontrolle nur die bisher am Getreidehandel beteiiigtei, Kreise in Fcoge kommen, eine Zentralisierung vermieden werden müsse und selbständige Verteilungsstellen in den großen Um- schlogsplätzen eingerichtet werden. Man werde für den Ausbau des deutschen Cettei^ehandels sich das englische Vorbild dienen lassen müssen. Es wurde eine Fünferkommifsion gewählt. die sich mit d»r Angelegenheit eingehend beschäftigen und mit einem annchmbaren Vorschlag an den Verein herantrete» soll. Eine andere Kommission wurde beauftragt. Vorschläge auszuarbeiten. die eine geeignete Grundlage für die Befreiung de§ Getreidehandels von den ihm jetzt auferlegten Fesseln bie. ton können. Mit Bedauern wurde zum Ausdruck gebracht, daß der Getreidehandel im Wirstchastsrat nicht in hinreichender Weife vertreten worden fei. 14 Mark Tagegelder. In Frankfurt hat der stellvertretende Polizeipräsident dem Vorsitzenden der Stadtverordneten ein Schreiben zugehen lassen, worin er Milteilungen über die Errichtung einer Arbeiterwehr macht. Sie umfaßt 1006 Personen, von denen jeder täglich 14 Mark erhält. Die Polizeikosten betragen im Monat 667 960 Mark. Diese Kosten und außerdem 200 000 Mark für den Ar>» Letter- unid SoldaLenrat sollen von der Stadt gedeckt und spate»' vom Staat zu ruckerstatte? werdest. Stadtv. Dr. Bruck (Bp.^ ers klärte, es stehe noch nicht fest, ob der Staat die Summe zurück- erstatte. Wir können nicht umhin, die Unvernunft solcher Lohnzahlungen festzr,stellen. Wir gönnen gewiß Jedem den höchsten Lohn, aber fragen sich die Herren denn nicht, woher die Gelder genommen werden sollen, gerade jetzt, wo uns ein Wirtschaft, licher Tiefstand bevorstebt. Das wissen die Herren ja auch sehr wohl man hat doch in der letzten Sitzung des Frankfurter Soldafenretes hervorgehoben, daß die. Arbeitszeit eventuell auf 6. schlimmstenfalls auf 4 Stunden herabgesetzt werden müßte, damit die Arbeiter nicht stellungslos auf die Straße geworfen würden. Man müsse für Arbeitsgelegenheit und Herbeischaffung non Rohstoffen sorgen. Daß ist zweifellos richtig, aber irH solchen Lohnzahlungen, wie oben angegeben, wird man das Wirtschaftsleben nicht einranken, sondern die Arbeitsgelegenheit vermindern. Eugkn Wring: Soziale Rettung. (Nachdruck erlaubt.) Ein einziger Monn, ein 65jähriger Greis, der blinde Seher Eugen D ü h r i ng, der große Denker und Reformator, hat sein ganzes langes Leben dazu benutzt in seinen Schriften auf die jetzige Smiftut hinzuweifen, die noch dem Gesetz der Rache und Vergeltung Hereinbrechen mußte. Dicking hat sie vorausgeschaut. die ganze deutsche Gelehrten». Zeitur^s- und Schrift- stellerwelt nahm aber von diesem eigenartigen Manne niemals die geringste Notiz, man hat ihn mit Absicht toigeschmiegen. Tausend- deutscher Männer und ganz bestimmt nicht die Untüchtigsten, stehen jetzt ratlos da. Von der Verzweiflung gepackt, fragen ne sich, wohin steuern wir. was soll das werden? Nicht als Schlimmstes sehen sie die äußere Niederlage an, sie erschrecken vor dem Tier im Menschen, das in allen Formen auf- tritt. vor der Bestie, die triumphierend ihc Hrupt erhebt. Sie denken weiter daran, ob wirklich der sozialdemokratische Zwangs- ftaat Mit stiuer persönlichen Unfreiheit das Ende vom Lr-'d sein soll, ob der Mensch zum Herdenvieh werden, ferne persona Kche Freiheit verliern soll. Gibt es gar keinen Halt, kernen Ausblick, kerne Rettung? Eugen D ü h r i n g hat am Abend feines Kämpferlebens der Menschheit in zwei merkwürdigen Büchern den Spiegel vor- gcha'ten. Sie heißen „Waffen Kapital und Arbeit" sowie „Soziale Rettung". Auf jeder Seite bieten sie Ueberraschungen, fordern den Widerspruch und die Kritik heraus, sie reizen aber den ernsten, gebildeten Mann stets von neuem zum Lesen, zum Nachdenken. Man fühlt inst'nktio. daß hier ein Gerstesricse zu der Welt spricht, der rn einem ganz eigenartigen Stil und von einem ganz neuen Standpunkt aus das Leben und Treiben der seitherigen Menschen klarlegl und gelstelt, gleichzeitig aber auch Vorjchläge zur Rettung macht. Glicht der Sozialismus vermag der Menschheit die ersehnte Rettung ans all dem Wrrrsa! zu bringen. Schon die Charaktereigenschaften des größten Teiles seiner Lehrer und Vertreter und vor allem des großen Trostes, der sich jetzt in deren Gerst- ergenlchasr befindet, aus den Sozialismus als die Welterlösung schwört, machen eine solche Hoffnung zu Schanden. Scharfsinn''g hat Diihrrng den Beweis erbracht, daß der Sozialismus die größte Bestbränktheit des Iohrhunderts ist. Im sozialdemokratischen Staate mit seinem Kommunismus regiert der Zwang, die Knute, gestaltet sich das Schicksal der Menschheit noch tausendmal schlimmer als im alten Ständestaat- Transsozial heißt Dührings Losung. lieber das Soziale hinaus ze-' ' v* Dü bring einen Zukunftsweg. Recht und Gerechtigkeit stellt cr zr ^ Spitze. Wäre nur ein bischen mehr Ehrlichkeit. Treue und Nechr ' "'b'il bei den Menschen, um wie viel besser stünde es um sie. Die Grundpfeiler der menschlichen Kulturwelt find und bleiben Familie und Eigentum. Nicht das Kapital bekämpft Dühring, — ist' es doch eine Naturnotwendigkeit —, sondern seine Auswüchse. Entprobung und Eiftprolitorisierung, diese inhaltschweren Worte hat Dühring gebildet. Weg mit dem übermäßigen Reichtum. desien Kehrseite die Züchtung der Proletariermassen g-ew« fev ist Das erstrebenswerte Ziel muß sein: Das Ueberwiegen *»es mäßigen Besitzes und der selbständigen Existenzen, persönliche Freiheit und freieste Wirtschaft: allerpcinlichste Vermeidung von Unrecht an Mitmenschen, strengste Achtung des fremden Eigentums und Rechtes. All dem steht das Wesen des Sozialismus ober fremd und feindlich gegenüber. Sozialismus. Vergesellschaftung läßt Dühring nur für wenige sich dafür eignende Dinge zu wie z. B. die Post, die Eisenbahn, den Wald die Licht- und Wasserversorgung durch Staat und Gemeinde. Weitet darf Staats- und Muni-- zipolwirtschaft nicht gehen. Unrecht abwehren. vor Unrecht und Gewalt schützen, muß des Staates erste Losung sein. Alle Bandenbildungen. Zusammenschlüsse von Gesellschaften Unternehmern und Lohnarbeitern, für sich allein oder, was jetzt in Aussicht steht, untereinander, die damit auf die Ausbeutung anderer Stande, die Gefährdung der Allgemeinheit und der Verbraucher hinzielen hat der Staat mit allen Mitteln zu verhindern. Und hiermit arbeitet dieser Staat schon ans das im Sinne Dührings. der mit Jahrhunderten und Jahrtausenden rechnet für die Zukunft des Menschengeschlechtes entscheidenste Ziel hin. die Ausmerzung des Schlechten, der Raubgsbilde. der Bestien in Menschengestalt, die Züchtung eines körperlich, geistig und sittlich edelgearteten Geschlechts, die Züchtung von Charattermenschen. Es sieht so aus und die jetzige Sintflut scheint es darzutun, daß daß Gute und Edle vom Schlechten und Bösen dauernd überwuchert und erstickt bleiben soll. Dühring aber verzweifelt trotz alledem nicht, er hält die Rettung, den Weg des Guten für «öglich. Wer den Glauben an die Menschheit nicht verlieren will, 9em seien Dührings Bücher zum Lesen und vor allem zum Nachdenken empfohlen. Mit seinen unnachsichtig nach allen Richtungen hin vertretenen Ansichten hat sich Dühring den Haß Einzelner, ganzer Derufsftände, minderwertiger Elemente und Raffen zugezogen, wie sonst kaum einer in der Welt. Systematisch schweigt man daher blasen genickten Denker, bet Dühring jj trotz mancherlei Grundirrtümer ist. tot. Die verhältnismäßig jj wenigen tiefer gebildeten Führer der Cozialdemokratt« wittern | aber in ihm ihren Todfeind, sie ahnen, daß dieses Mannes Lehre ihren morschen Bau stürzen wird. Dr. Eugen Dühring. der 1838 geboren und seit seinem 30. Jahre erblindet ist, hat die meisten seiner Werke aus dem Kopf so in die Feder dittiert, Haß sie nur selten einer kleinen Korrektur bedurften, er hat denkerische, mathematische und na- turwisienschaftliche. volkswirtschaftliche und litteraturgeschicht* liche Bücher geschrieben, die alle von der landläufigen lieber- lieferung abweichen. Dühring hat keiner Lehre entsprechend schlicht und einfach gelebt, hat samt seiner Familie sich von der Inanspruchnahme fremder Hilfe so weit wie möglich ferngehalten. Seine Weltanschauung wird zukünftig in vielen wesentlichen Punkten den Sieg davontragen. Jeder einzelne aber vermag es schon jetzt sich ihr anzupasten er soll nur stets Wort und Treue halten, des Mitmenschen Rechte respektieren, den übertriebenen Luxus meiden, sich keiner Handarbeit mehr schämen. Dann steht er persönlich unabhängig da wird nicht Sklave, sondern Mensch und Freiherr im wahren Sinne des Wortes. Wern üträ 5a!!-lilbk!lkrri!tk. Wir gaben einen Aufruf der im ..Reichsausschuß der deutschen Landwirtschaft vertretenen Körperschaften zur schleunigen Bildung von Bauern- und Landarbeiterräten wieder, desien Hauptteil wir nachstehend wiederholen möchten: Ein „Bauern- und Londarbeiterral" ist in jeder selbständigen Gemeinde zu wählen. Gutsbezirke sind in der Regel einer benachbarten Gemeinde anzugliedern. Jeder Rat muß aus mindestens sechs Personen bestehen und zu gleichen Teilen ans den Kreisen der im Hauptberuf selbständigen Landwirte und Arbeiter hezw. der nicht landwirt- schaftlick'en Landbevölkerung gebildet werden. Für den Bereich jeder unteren Verwaltungsbehörde ist an deren Sitz ein „Kreis- (Bezirks- und dgl.) Bauern- und Landarbeiterrat" zu bilden. Die Unterzeichneten Körperschaften bilden einen Zentral- Bauern- und Landarbeiterrat in Berlin, der Anweisungen und Ratschläge erteilt. Die Geschäftsstelle des Zentral-Bauern- und Landarbeiter-Rates befindet sich in Berlin W. 9. Königgrätzer- Straße 19. H. Dahin sind alle Zuschriften zu richten. Dazu sind von der Regierung folgende Ausführungsbestim- mungen erlasien worden! Vorstehende Vereinbarung der kandwlrtfchgftlichen Verbände tritt mit dem Tage ihrer Bekanntmachung in Kraft. Bauerniäte (Orts-, Gemeinde-, Wirtschaftsausschüsse und dergleichen). die nach anderen Grundsätzen gebildet wurden, sind nach einer Wahlordnung umzuformen, die sich im Sinne der vorstehenden Vereinbarung zu halten hat. Dazu werden auf Grund der Bekanntmachung über Krieosmaßnohmen zur- Siche- rung der Volksernährung vom 22. Mai 1916 (Reichs Gesetzbl. S. 401) folaende Ausführunasbestimmungen erlasien: 1. Die Wahlen zu den beiden in der Vereinbarung genannten Gruppen erfolgen getrennt. Wahlberechtigt sind in beiden Gruppen solche ortsansässige Personen beiderlei Geschlechts, die zur Zeit der Wohl das 20 Lebensjahr vollendet haben. 2. Die erste Wahlgruppe bilden die im Hauptberuf selbständigen Landwirte' die zweite Gruppe bilden die Arbeiter bezw. die nichtlandwirtschaftlichs Landbevölkerung, als welche jedoch nur solche ortsansässige Personen zu gelten haben, die ganz oder vorwiegend landwirtschaftlichen Interessen dienstbar sind. 3. Die Wahlen haben in beiden Gruppen noch dem allgemeinen gleichen. geheimen und direkten Wahlrecht zu erfolgen. Der Wahltermin ist mindestens 48 Stunden vor Beginn der Wahlhandlung bekanntzugeben. 4. Die Vorbereitung und Leitung der Wahl ist Sache der Gemei ndevorftä nde. Der Staatssekretär de? Reichsernährungsamts. Wurm. Jede andere Bestimmung über die Bildung von Bauern- und Landarbeiterräten, wie sie verschiedentlich auch von örtlichen Ar- beiter» und Svldatenräten ..erlasien" wurden sind also unzulässig und ungültig: an Stelle der willkürlich ..gegründeten" Räte sind Bauern- und Landarbeiterrate auf obiger Grundlage zu wählen Das Erforderliche ist sofort von den Gemeindevor- ständen- zu veranlassen.. Im Hinblick auf verschiedene Versuche den Großgrundbesitz auszvschalten. sei ausdrücklich daraus hingewiesen. daß in der Wahlgruppe der „im Hauptberufe selbständigen Landwirte" natürlich jeder Landwirt aktives wie passives Wahlrecht hat: die Größe seines Besitzes spielt dafür überhaupt keine Rolle. Im Hinblick auf die wichtigen Aufgaben, die die Rate in Unterstützung der zuständigen Behörden bei der Durchführung der landwirtschaftlichen Notwendigkeiten haben, ist die schleunige Bildung von Bauern- und, Londarbeiterräfen, soweit sie bisher noch nicht oder nicht rechtmäßig erfolgt ist, dringend zu empfehlen Ans der Heimat. Einhaltung der Lrbeusmittelvorschriften. Dem Vernehmen noch, ist bei der Bevölkerung, namentlich auf dem Lande, die Ansicht verbreitet, daß mit dem Eintritt der neuen Regierungs- form die bisherigen Lebensmittelvorschriften außer Kraft getreten seien. Derartigen falschen Gerüchten ist auf das Ench fchiedenste entgegenzuarbeiten. Die Bevölkerung wird vielmehr erneut darauf hingewiesen. daß die genaue Einhaltung der Vorschriften befr. Abgabe von Nahrungsmitteln nur gegen Kürten, Verfüiterunflsverbote usw.. im geegnwärtigen Augenblick mit verschärfter Genauigkeit durchgeführt werden mästen, wenn eine Stockung der Lebensmittelversorgung in den wichtigsten -Verbrauchsgebieten vermieden werden soll. Wan^ die von den Ententeländern in Aussicht gestellte Zufuhr von Lebensmitteln eintreffen und zur Verteilung kommen kann, und wie groß diese Mengen bemesien sein werden, steht noch in keiner Weise, fest. Nur die strikte Aufrechterhaltung unseres Ernährungssystems und die Beachtung der erlassenen Dl^chriften kann das deutsch^ Volk vor der Hungersnot bewahren. Au- Starkcnburg. Darmstadt. 2. Dez. (Auf was die Todesstrafe ruht.) IO der letzten Vollversammlung des Arbeiter- und Soldatenrote« feilte Bürger Dr Wolfs mit, daß im Erießheimer Lager jung« Soldaten des Inf.Regls- Nr. 177. das dort liegt, die dort aus- hängende rote Fahne abgerisien und verbrannt haben. Der Nechtsausfchuß hat hierüber ernstliche Erwägungen gepflogen, diesen Fall als Dummen-Iungenstreich aufzufasien, in Zutuns- werden aber solche Ueberschreitungen unbedingt mit der anqe- drohten Todesstrafe gesühnt. Es folgt die Beratung eine^ Antrages betr. die Gebührnisie für die Delegierten. Funktionäre des Arbeiter-, Dauern- und Soldatenrates. Als Funktionär wird angesehen, wer laut Auftrag (als Ausschußmilglied usw.) dem A.- und S-Rat Dienste leistet, ohne Angestellte« (Hilfskraft) zu fein. Danach sollen Delegierte für ihre Teilnahme an den Plenar- und Ausschußsitzungen außer Dergutun« eines verloren gegangenen Arbeitsverdienstes je Mk. 3. Funktio. näre an leitender Stellung je Mk. 5 rückwirkend ab 9. November erhalten. Hilfskraft? werden nach den üblichen Sätzen bezahlt. Mitglieder, die über ein Einkommen von mebr al? Mk. 5s>00 haben, erhalten keinerlei Vergütung, nur der Aufwand für auswärtige Dienstreisen wird ersetzt. Innerhalb Hustens wird hierfür der Betrag von Mk 12. halbe Tage, halbe Sätze und für llebernochtung Mk. 7 festgesetzt. Bürger Bastian begründet den Antrag mit dem Hinwe's auf die in der Stadt umschwirrenden Gerüchte über die Höhe der Tagegelder, welch« die Delegierten sich bewilligt hätten und mit Rücksicht auf dt« absolut notwendige Sparsamkeit. Don den meisten Rednern, z« denen die Delegierten Dr. Wolfs. Seliger, Delp Minstterprä. sident Ulrich. der eine Zurückweisung an den Ausschuß beantragte. Sparr. Knoblauch. Stork usw. wird auf die Unzulänglichkeit der Beträge hingewiesen, wählend Dr. Questel ausdrücklich für dieselben eintritt. Der Vorsitzende teilt mit. daß in einer Versammlung der Londeearbeiter und Soldatenrote als Aufwandsentschädigung ein Betrag von 10 Mark festgesetzt wurde. Nach weiteren Ausführungen verschiedener Redner wird al« Aufwandsentschädigung von Mk 5 (außer entgangenen Arbeit-- verdienst) für Delegierte, einen Betrag von Mt. 10 ftir Funktionäre außer dem Arbeitsverdienst festgesetzt. Die Bestimmung wirkt rückwirkend bis 9. November. FC. Benshcim. 2. Dez. Die hiesigen Granit- und Syenit, werke Bensherm Karl Kreuzer. G. m b. H.. bringt ihrer früheren Arbeiterschaft zur Kenntnis, doß sämtliche Arbeiter, die bei der Mobilmachung sowie während des Krieges ihre Arbeite statten bei den Werken zu verlosten gezwungen waren, restlos wieder in Arbeit genommen werdm. FC. Vom Odenwald 2 Dcz. Die 67jährige Witwe Riegqe« in Höchst wurde, da sie einen Sohn im Kriege verloren hat, jctzt infolge der Heimkehr des Heeres zu besten Empfang auch Höchst reichlich geschmückt ist. von Schwermut befallen. Nach dem Besuch des Grabes ihres Sohnes nahm die Frau scharfe Essig Estenz, an der sie kurz darauf verstarb. FC. St. Goarshausen 1. Dez. In Nochern. Lierschied urtfc Paterf.berg fanden größere Pferdeversteigerungen durch das hiesige Landratsamt statt. Sie waren von Landwirten aus den Rheinorlen vor allem überaus stark besucht. Trotzdem waren die Preise sehr gedrückt. Man zahlte für brauchbare Pferde 300 bis 500 Mark. Schlachtpferde kosteten durchschnittlich 100 Mk. Aus Hessen-Nassau. FC. Wiesbaden, 2. Dez. Bei der hiesigen knappen Lebens- mfttelmrlerlung wußte sich die Witwe Kath. Machleidt zu helfen Sie erschien anfangs Juni beim LebenZmitlelamt und klagte, daß ihr die Haushaltausweiskarte abhanden gekommen fei. Die Beamten hatten Verständnis für diesen Verlust und stellten der Frau einen Ersoyschein aus. Doch nach einiger Zeit hatte Frau Machleidt abermals das Pech. Karten, diesmal Markenavsgabekorten. zu verlieren. Auch hierfür bekam steErsatz. Kurz danach aber stellte fick heraus, daß die Frau auf diese WCse für sechs Personen, statt für zwei. Biet bezog. Auch di« anderen Lebensmittel erhielt sie über das ihr zustehende Maß. Die Schöffen verurteilten wegen dieser Verfehlung d:e Witwe nur zu 50 Mark Geldstrafe in Anbetracht ihrer seitherigen makellosen Führung FC. Wiesbaden, 2. Dez. Weil er eine Hausschlachtung ohne Genehmigung ausgeführt und Marken nicht abgegeben hatte, wurde der aus Eltoille gebürtige Dachdecker Johann Rith dahier vom Schöffengericht in eine Geldstrafe von 150 Margenommen. — In den Rhein sprang bei Biebrich der l8jährige Handlungsgehilfe Kombach von hier. Der junge Mann war mit feiner Braut nach Biebrich gegangen und äußerte unterwegs, daß er nicht mehr nach Hause zurückkehre. Im Geschäft feien ihm Dinge nachgesagt worden, die er nicht auf sich fitzen lasten *önne. Am Rheinufer angekommen, sprang er plötzlich in den Strom und kam in den Fluten um. Ave Rbrintzkstkn. FC. Worms, 2. Dez. Der Ivjähnge Adam Becker in Geinsheim machte Jagd auf Spatzen, wobei der Schütze den bfährigen Sohn des Petec Danig mit einer Schrotladung traf, fodaß derselbe kurz darauf verstarb. Ein anderer 14jahriger Jung« wurde ebenfalls dabei verletzt. Au- Kiirhcsirn. FC. Aus Kurhesten. 2. Dez. Tie oberelfäfstschen Flüchtlinge. die seit Beginn des Jahres 1916 in den Gemeinden Amöneburg. Anzefahr, Kirchhain. Mardorf. Neustadt sowie in Roßdorf und Stausebach eingequarliert waren, wurden jetzt in die Heimat zurückbefördert. FC. Kirchhain, 1. Dez. Große Mengen von Lebensmitteln, Kleidungsstücken und Leinen wurden nachts bei dem Gut^be. sitzer Korell in Wasenberg gestohlen, außerdem 4000 Mark bares Ge.'d. Korell befindet sich im Felde und seine Ehefrau war vor Angst nicht in der Lage. Hilfe zu rufen. Perontlvortlich für den polltiick^n und lokalen 5eil: C tto Hirsche!, Friedberg: für den Anzeigenteil: E. Schmidt, Friedborg. Truck und Verlag der „Neuen TugeözeltungE, «. G.. Friedberg i, Ä. r 1 Her^enskämpse Roman von Helene Schvtky. geb. von Gersdorst. (Copyright 1915 by C« Ackermann-Etultgari.) 63) Nachdruck verboten. „Ach, weißt du, Lina, ich bin so müde, daß ich glaube, es ist besser, uenn ich nicht einschlafe." versetzte Hilde, „beim sonst könnte es schwer halten, mich wieder aufzuwecken." „Ja, das kann schon sein", meinte Lina, drum werde ich mich beeilen, so gut es geht." Ei-? schlüpfte hinaus und Hilde setzte sich aus einen Stuhl, vor welchem ein Tisch stand und versuchte, wach zu bleiben. Sie stützte den Kopf mit dem Ellbogen, ihr schwarzes Tuch war hinabgcglitten. Bald aber wurde ihr Kopf schwerer, senkte sich mrt dem Arm immer tiefer und blieb endlich auf dem Tisch liegen, während ihre tiefen regelmäßigen Atemzüge verrieten, >atz sie, trotz der unbequemen Lage, fest eingeschlafen war. Eine ziemlich lange Zeit, wohl eine Stunde, mochte so vergangen jein Qis sich von außen schnelle Schritte näherten und die Tür rasch geöffnet wurde. Auf der Schwelle stand die Kom- meizienrätin in einem weiten, weichen, offenbar schnell über- zewocfenen Morgenkleide. hinter chr Lina und Babette. Hilde, Hilde, mein armes Kind!" rief Tante Ella mit lauter fast schluchzender Stimme, verstummte aber, als sie das rührende so vielsagende Bild vor sich sah: Die vornehme verwöhnte junge Millionenerbin in beschmutzter, durchnäß'er Kleidung. mit wirrem, znsuustem Haar, das in schweren, halb aufgelösten Zöpfen herunterhing, den tiefen Schlaf äußerster Erschöpfung in einer Dienstbotenkammer schlafend. Die lebhafte, gutherzige Tante Ella war tief ergriffen. Unter heroorstürzeuden Tränen eilte sie auf Hilde zu. ergriff *hre eine herabhängende Hand und streichelte und liebkoste sie mit vielen mitleidigen zärtlichen Worten. Hilde aber konnte sich nicht ermannen. Ein Paar unverständliche Worte murmelnd, verändert? sie ihre Lage ein wenig und scklicf ruhig werter. * »Mas sollen wir tun?" sagte Tante Ella ratlos. „Es wäre grausam, sie gewaltsam zu wecken, aber sh hier noch länger ln diesem Zustand liegen zu lasten, geht doch auch nicht. Die findige Lina wußte auch hier Rat. „Gnädige Frau, ich meine, wir könnten sie vorsichtig in ihr eigenes Zimmer tragen, die Babette und ick und noch zwei von den andern Mädchen. Dort entkleiden wir sie so fachte wie möglich und legen sie in ihr eigenes Bett. Dann kann sie ruhig schlafen, solang« es notig ist. und wenn sie aufwacht . . . . o, gnädige Frau! .... wenn sie aufwacht, dann ist sie daheim bei Ihnen in gutem Schutz!" # Dem guten Mädchen fchosten die Tränen in di« Augen vor Mitleid mit ihrer jungen Herrin. Die Kommerzienrätin reichte ihr nur stumm di« Hand und nickte: reden konnte sie nicht. Sie blieb bei Hilde und hielt still ihre Hand ln der ihren, während Lina und Babette davon eilten. Hilfe zu holen. Nach kurzer Zeit kamen sie mit dem Stubenmädchen und der Köchln zurück, denen sie in der Elle nur nntgeteilt halten, das gnädige Fräulein fei nachts gereist, krank und todmüde angekommen und müsse nun möglichst lerse und sanft in ihr eigenes Bett geschasst werden Unter tiefem Schweigen, nur hie und da von einem geflüsterten Wort unterbrechen, hoben vier Paar sanfte, liebevolle Frauenhände die Schlafende auf, trugen sie leise und vorsichtig über Treppen und Gänge in ihr eigenes Zimmer, das hier stets für sie bereit stand, entkleideten ste gewandt und zart und b.'t- teten sie in thr gewohntes, schnell durchwärmtes Bett. Die Kommerzienrätin blieb so lange, bis sie überzeugt war. daß Hilde ruhig und sanft a :iter schlief. Dann sorgte sie dafür, das; auch die trme unermüdliche Lina sich zur Ruhe legte, und eilte dann zu ihrem Gatten, um mrt ihm eine lange B-ratung zu halten, v aZ unter diesen oubergerSöhnlichen, seltsamen Um- ständen zu tun sei. 21. Kovitel. „Bernhard", sprach die sonst rmmer heitere Frau in tiefernstem Tone, „das ist ern furchtbares Ereignis! Denk nur. die stets ruhige, lonfte. verständige, nachgiebige Hilde so weit zu trerben. wre es latsächlrch geschehen ist. dazu gehört ein Ouaa- i»'m von brutaler Bosheit, das man sich kaum vorstellen kann Was muß sie gelitten haben, das arme süße Eeichöpi! Ich we'ß ja noch n'ckin Näheres Aber das Bild, das mir Lina in wenigen Worten entrollt hat. ist herzzerreißend. Stell' dir vor sie wurde «ingejperrt, bewacht, jeder fchLftlich« oder mündfichck Verkehr wurde ihr abgeschnitten, kurz, sie war «ine Gefangen- im wahren Sinne dos Wortes Ist denn so etw zu glauben in unserer Zeit, in unserm Jahrhundert? Dein Unu der ist ein Ungeheuer. Wie kann es nur zwei so vers,bieoe''e Brüder geben? Du die Güte selbst und er ein so starker Ego-st und Despot, daß er wohl einen zweiten Nero abgegeben ha?!t unter ähnlichen Umstanden!" „Ja. Elli, das war schon daheim unserem ElK'rnlmus ein Gegenstand des Staunens, die Verschiedenheit unserer Ekm- raktere und Veranlagung, die sich schon früh bemerkbar machte " entgegnet« der Kommerzienrat „Solche Erscheinungen machen sowohl die Vereibungs-, wie die ErzKhungstheorie recht p^ble, matisch Denn da wir von genau denselben Eltern abstammen und erzogen wurden, mußten wir doch m-'.'igstens einigermaßen das gleiche Resultat ihrer physischen und moralischen Leistungen aufweisen. Aber das n c?atk Gegenteil ist der Fall. Aeußer- lich und mn«rUch. körperlich und peistia kann es nicht zwei grundverschiedenere Individuen -geben, als uns Beide." „Ja, also hör' nur!" fuhr Tante Ella fort, „zuerst hat er ihr. das weißt du ja schon, jeden Gedanken an Reinhotd Germs- hoff verboten. Das gut- Lämmchen hat sich auch wirklich darein gefügt Dann aber kam der zweite Streich. Er wollte sie zwingen, Marquis Reymcnd zu heiraten. Zwingen, sage ich dir. positiv zw'ngcn! Als sie sich weigerte, ordnete er alle dis schon erwähnten Maßregeln an. Natürlich dachte er, sie würde bei uns Schutz suchen anc das wollte er verhindern, Und nun kommt das Tollste! Sie mußte um den Verdacht einzuschläfern, scheinbar nachgeben und auf die Verlobung eingehen. Das hat sie wirklich und wahrhaftig getan: Gestern fand tatsächlich die Verlobung statt. Und in dieser Rocht ist sie mit Hille ihrer Lina, die glucklicherueise treu und standhaft blieb, unter unsäglichen Mühen und Gefahren geflohen und. Gott sei Lob und Dank glücklich bei uns gelandet. Soweit wären wir nun. aber was nun weiter?" „Ja, was nun werter? Das ist allerdings der schwierige Punkt", erwiderte der Kommerzienrat nachdenklich ..Zunächst ward- ick wohl Karl benachrichtigen müssen, d.rtz sie hier bei uns eingetroffen ist." ^orffehuna folak. Todesanzeige. Machen hiermit die traurige Mitteiluna, daß meine liebe Frau unsere gute Mutter. Tochter. Schwester. Schwisgerlochler. Schwägerin, Tante, Enkelin und Nichte Gretchen Stelz 6eb. Hirsch nach kurzer schwerer Krankheit im Alter von 28 Jahren sanft entschlafen ist. Nieder-Florstadt, den 5. Dezember 1918. 2n tiefer Trauer: Heinrich Stelz Hildenart Stelz Heinrich Hirsch Mina Hirsch Hart Hirsch Kätckien Hirsch Ludwin Karl Wllthels Karl Wiltheis. Die Beerdigung findet Freitag nachmittag 2 Uhr statt. F'a.hpfeuli ' wit ^utterkalb steht zum Verlaus bei Eiar2 B^u^uni, . _ Rodheim o. d. H . Prima Säge-Späne zum Räuchern empfiehlt Lofrph Beith, Waguermeister. r _ Ober-Wöll stadt. Extra große Thüringer Reiserb esen alle Sorten Bürsten, Besen, Etrieaek, Toilette-Arttlel, prrma Rasier- u. Torlette- serje, prima Linoleum- und Parkettroachs alles in großer Auswahl. Theobald Stemel Bürsteufabrik. ^Fried bero, Ka i'erltraße 117. gopiift imF Kognak mjchM in^-Lirer-Flaschen, wieder cinge- Iroffen bei Friedrich Miche l, Wknkartkll I Sä? r 5va Ami ftjtal.|*6. 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Dezember v.vorschriftsmäßig bet uns arrzumelde». § l. m Krankheit werden bis auf weiteres nach den Vorschrif en der Reichsverstcherungsordnung versichert: 1. Beniebsbeanue. Werkmeister und andere Angestellte in ähnlich gehobener Stellung sämtlich, wenn diese Belästigung ihren Hauptberuf bildet. ö u t andlungsgehilsen und Gehilfen in Apotheken. ahnen und Orchestermitglieder ohne Rücksicht aus den Kunst- wert der Leistungen, Lebrer und Erzieher, Ecefahr,eilten, soweit sie nicht unter die Ftz 553 bis 55.1b des HanoelsgLfetzbuchs fallen, sowie auf Fahrzeugen der Binnenschiffahrt. wenn sie gegen Entgelt beschäjtiat werden und ihr regelmäßiger Iahresarbeitsverdienst mehr als zweirausendfünfhunderl Mark, aber nicht mehr als fünftausend Mark an Entgelt beträgt. Die §§ 178. 314 Abf. 2 der 'Reichsversicherungsordnung werden ausgeyoden. - A 3 , 13 Elb'. 1 der Reichsversicherungsordnung erhält der letzte Satz folgende Fassung: „Es kann mit Zustimmung des Kallenoorstandes m eine niedere Klasse oder Lohnstuse übertreten." § 3. Mer in der Zeit seit Beginn des Krieges wegen Ueberschreielns derEmkommensgrenze von zweilausendfün Hunden Mark aus feiner Kranken lasse oder knapp chaftlichen Krankenkasse auszechieden ist ber dre er Kasse binnen sechs Wochen nach dem Jnrrafttceten m ^orichrftten dre W.ederaufna-me als Rki gli^ed gemäß 8 313 der Reichsveksicherungsordnung beantragen, sofern er beun Aus- ^cherden zur Weileroersicherung berechtigt war und nicht jetzt nach § 1 ver,icherungspslichüg Kt. x J * f° nn den Berechtigten, wenn er sich zum Beitritt meldet ärztlich unter,uchen lassen. Etne Erkrankung, die beim An prüch"-üfKM:n7-.L^'' iXXanti,e[t Iei " en h . Die Vottchnsttn des Ab-. I 2 netten flnngemStz für Personen, wht e > t >. 33c w nn ^ öc3 ^^ges auf Grund des § 1'8 oder des 8 314 ausgeschieden ^oerftcherungsordnung aus der Kassenmitgliedjchaft 8 4 ^ .^E?inn des Krieges Personen der im § 1 bezeich- J- ! J t0 t ^berschrettens der Eintommensgrenze von zwel- von ihrer Kro-rlenkasse oder knappfchaii. Krank^Lsse werter wie versicherungspslichtige Mriglieder behandelt worden oder Berstcherungsoerechttgte trog Üeberjchreitens Melmatztgen jährlichen Gsiamteinkommens von viertausend geblieben, jo iann die,e Mitgliedjchast ISih!?*?* ni ^*. mc9 i lZngelochlen werden. Dies gilt auch für verf^ren schweb?^ Lntrafttrelen dre,er Borjchri.ten ein Streit- " § 5. (8 <*? 7 e der nach § 1 Verficherungspflichtigen Neichsverslcherungso.dnuug) läuft frühestens mit dem achten Tage nach dem 2nkra.tlrelen dreier Vorichriften ab. Die Mel- gefthehen" vor oem Inkrafttreten dieser Vorschriften ber ^l^tn^Kraft und treten am 2. D^em- Berlin, den 22. November 1918. Der Rat der BolfSbeanftragten Ebert Haase Der Staatssekretär deS ReichSarbeitSamts Bauer. ^merken ausdrücklich, daß die Unterlassung der Anmeldung. S^afe a ge§eflt C iji eT, * ,0lCtC ainrncl0un9 uach § 530 R. V. O. murr Friedbcrg, den 3. Dezember 1918. Der Vorstand. Earl Damm, Vorsitzender. Betr.: Die Flei'chver'orgung der Bevölkerung der Stadl Friedberz. Fekanutmachnng ^ Ich bringe hierdurch zur öffentlichen Kenntnis, daß der Verlauf von Rind- und Kalbfleisch, sowie Wurst für diese Woche am Freitag. den 6. Dezember 1918. nachmittags von 1 bis 6 Uhr, in den iämtlichen hiesigen Metzgeriäden staitfindet. Friedberg, den 4. Dez. misenyeim hat einen 3jähiigen Zicgcnbock abzugeben. KauFiebhaber können sich auf hiesiger Bürgermeisterei melden. Mjrgttmkiüer« 2.93.: Rack, Ve:g ordn. Ein tuch jger Bäckergeselle gesucht. Wo? sagt die Geschäftsstelle der .Neuen Tageszeitung". Sranr?>»» LN'.° Kunst- und Eemüfegärinerei in einem flotten, der Neuzeit eingerichteten Betriebe gejucht. Verpflegung im Hause. Zufchnsten unter Nr. 207 an Daube & Co., frukfirt a. tü Zuverlässiges IleilßiiläWni jucht sofort Fra» E. Kü »mich. FriedderK. Feldgrauer. 48 Jahre, Handels- mann und Metzger, jucht Ftbensgesährli«. Etwas Vermögen erwünscht. Offert, mit Bild unter Nr. UHKfc» postlagernd Nidda.