Nummer 284 kinjchreig LML, Dienstag. de« 3. Dezember 1018 11. Jahrgang. ene Tagesieitmr Die ..1 ene Eavesreitring" erscheint ,eoen Werltai. Negeimatzlge Beitapen „Oer £antr aus fielTen", „dir Spinnktabe". Dezugsprels: Be, ven Poitauitatten oierielrä^rlicti 'JKL 2.7C hinzu liiti noch oas BeiteÜgetd: s, ven Aoenten monaOicb. 1.00 Akk. einschließlich Tragertobn. Anzeigen: wrunv;erte 2b Big.» »olate 20 43?q«. Anzeigen von ausroaris iveroen outet) Bo rnachnabmv erhoben. (£rn/U,m->«ort Frtedberg. ^chriktleitnna und Uerlar nevve^a l^esien'. laaauerttage 12. ^ecnvrechsr 18. Po ti hei-Lr iro llr. i-n; Hraatfuri a. M. Gin Attimat-m Fachs. 'Berlin, 2 Dez. Das bekannte Verlangen der Franzosen nach Auslieferung sämtlicher besten Lokomotiven hat zu einer akuten Zuspitzung geehrt. Gestern ließ Generalissimus Fach der deutschen Wasfenstillstandskommission ein Ultimatum mit 24stündiger Befristung überreichen, in welchem die französische Forderung erneut ausgestellt wird. Der Vorsitzende der deutschen W.rffenstillstaiidskommission, Staatssekreiör Erzberger, hat sofort Einspruch erhoben und erklärt, die Eciüllung der Forderung wäre selbst dann unmöglich, wenn man das ganze berücke Wirtschaftsleben zum Aussuchen der besten Lokomotiven in Unordnung brächte. Er hat den Veimittelungsvorschlag gemalt. daß Deutschland alle gegenwärtig in Reparatur befindlichen Lokomotiven narb Fertigstellung abliefern wird. Als Termin der Auslieferung rst der 1 Februar 1919 in Vorschlag gebracht Der Vermittlungsoorschlag ist an die Bedingung geknüpft daß di-e Franzosen die in Belgien und Nordsrankre'-b beschlagnahmten Lokomotiven in Anrechnung bringen und ibre Zablen nanihast niachen. Die französischen Forderungen gehen über Sinn und Wortlaut des Waffenstillstandsnertrages wert hinaus Die Frist des Ultimatums ist heute vormittag 10 Uhr abaelauseir. Welche Entscheidung gefallen ist. ist noch nicht bekannt. Eine eiserne Division im Meu. Mitau, 30. Nov. Ter Soldatenrot der 8. Armee unter Teilnahme des Reick^kommissars für die baltischen Lande und des Präsidenten des Soldatenrots in Mitou beschloß, als freiwillige Armee eine eiserne Division zu gründen, die den Zweck hat. einen geordneten Abzug der Truppen aus dem Osten zu sickern und dos Hei überfluten einer bolschewistischen Welle mit dgl!n Wlhtl' g fiir ölMklMtk dkg Kr kßk-». Der frühere Berichterstatb-r der „Kölnischen Zeitung", Professor Weg n er. hatte am Tage vor der Kieler Revv- lntion ine dreiviertelstündige Unterhaltung mit dem Deutschen Kaiser, in der dieser erklärte, die ganze Politik der letzten Wochen vor dem Kriegsausbruch sei von Bethmann "nd Iagow allein gemacht worden. ..Ich mußte nichts mehr davon. Sie haben mich durcl)aus gegen meinen Willen nach Norwegen geschickt. Ich wollte die Reise nicht machen, da die Gespanntheit der Lage nach der Ermordung Franz Ferdinands auf der Hand lag. Indessen erklärte der Reichskanzler: ..Majestät müssen die Reise antreten. um den Frieden zu bewahren. Wenn Majestät hier bleiben, dann gibt es sicher Krieg, und die Welt wird Eurer Majestät die Schuld daran zuschieben." Daraufhin bin ich abgereist und habe während der ganzen Zeit keine Nachrichten mehr üb^r die Vorgänge erhalten. Nur aus den norwegischen Zeitungen erfuhr ich .was in der Mlt geschah, so auch von dem Fortgänge der russischen MobilmackRngsvorbereitungen. Als ich von dem Auslaufen dr§ fiirim. Basel, 2. T>'z. Havas meldet aus Amsterdam: Der Exkaiser Wilhelzn ist von einem Nervenfall betroffen worden. Er beabsichtigt sich in ein Sanatorium in der Nähe von Arnheim zu begeben. Drs Derlm. 30. Nov. Die Verordnung über oie Wahlen ?ur verfassunggebenden deutschen Nationalversammlung (Reichswahlgesetz) lautet ln ihren wesentlichen Teilen' § 1. Die Mitglieder der verfassunggebenden deutschen Nationalversammlung werden in allgemeinen, unmittelbaren imfc geheimen Wahlen nacki den Erundsotzen der VerhältniswahL gewählt. — Jeder Wähler hat eine Stimme. § 2. Wahlberechtigt sind alle deutschen Männer und Fraue«, die am Wahltage das 20. Lebensjahr vollendet haben. 8 3. Die Personen des Svldalenstandes find berechtigt. a< der Wahl teilzunehmen. Die Teitnahme an politischen Vereinen und Versammlungen ist ibnen gestattet. 8 4. Ausgeschlossen vom Wahlrecht ist: 1 wer entmündigt ist. oder unter vorläufiger Vormundschaft steht: 2. wer infolge eines rechtskräftigen Urteils der bürgerlichen Ehrenrechte ermangelt. 8 5. Wählbar lind olle Wahlberechtigten, die am Wahltage feit mindestens einem Jahre Deutsche sind 8 6 Die Wahikrelsemteilung und die Zahl der Abgeordneten. die in den einzelnen Wahlkreisen zu wählen stnd. ergibt sich aus der Eirilage — Lie beruht auf dem Grundsatz, daß auf durchschnittlich 150 009 Einwohner nach der Volkszählung vom 1. Dezernber 1919 ein Abgeordneter engfällt und dort, ws Landes- oder Verwaltungsbezirksgrenzen bei der W'hlkreis- cinteilung berücksichtigt werden müssen, ein Uebersibuß von mindestens 75 000 Einwohnern vollen 150 000 glcichgcrechnet wird. 8 7. Jeder Wahlkreis wird in Ltimmbezirke gefeilt, die möglichst mit den Gemeinden zusammenfallen. Größere Gemeinden können in mehrere Tlimmbezirke zerleat. kleinere mit benachbarten zu einem Stimmbezirk vereinigt werden. § 8. Für jeden Wahlkreis wird ein Wahlkommisiar. für jeden Stimmbezirk ein Wahlvorsteher und ein Stellvertreter für die ihnen von der nach der Wahlordnung (§ 22) zustebendr Behörde ernannt. Der Wahlvorsteher ernennt aus den Wahlberechtigten des Stimmbezirks drei bis sechs Beisitzer und eine« Schrrftführer Wahlvorsteher, Beisitzer und Schriftführer bilden einen Wahlvorfland. 8 9. Für jeden Stimmbezirk wird eine Wählerliste angelegt. in die die dort wohnhaften Wahlberechtigten einaetrogen werden. Die Wählerlisten sind spätestens vom . . . bis -um Ablauf der Einspruchsfrist zu jedermanns Einsicht auszulegen. Ort uad Feit werden vorher unter Hinweis auf die Einbruchs- frist öffentlich bekanntgegeben. Einsprüche gegen die Wählerlisten sind bis zum . . . 1919 bei der Gemeindeverwaltnngsbe- hörde einzureichen und bis zum . . . 1919 zu erledigen. Hierauf werden die Listen geschlosien. Heber die nachttägliche Aufnahme von Angehörigen de» Heeres und der Marine die im Januar 1919 aus dem Felds hein'kebren. ergebt eine Wahlverordnung. § 10 Da§ Wahlrecht kann nur in dem Stimmbezirk ass- geübt werden, wo der Wahlberechtigt« in die Wählerliste eingetragen ist. Jeder darf nur fn einem Or^e wühlen. 8 11. Beim Wahlkommisiar sind spätestens am . . . 1919 Wahlrorfchläge einzureichen. Die Wahlvorfchläge musien vo« mindestens hundert im Wahlkreise zur Ausführung der Wahl berechtigten Personen unterzeichnet fein. C'e dürfen nicht mehr Namen enthalten als Abgeordnete im Wahlkreis zu wähle« sind. Von jedem vorgefchlagenen Bewerber ist eine Erklärung über feine Zustimmung zur Ausno.hnie in den Wahlvorschlag en.zuschUeßen In demselben Wahlkreis darf ein Bewerber nur einmal vorgefchlagen werden. 8 12. Mehrere WahlvorfchlLge können miteinander verbunden werden. Die Verbindung mutz von den Unterzeichner« der betreffenden Wahlvorschläge oder ihren Bevollmächtigte« übereinstimmend fpätcstenZ am ... . 1919 beim Wahlkommisiar schriftlich erklärt werden. Verbundene Wahlvorfchläge könne» nur gemeinschaftlich zurückgenommen werden. Die verbundene« Wahlvorschläge gelten den anderen Wahworfchlägen gegenübe« als ein Wahlvorschlag. 9 13. Für die Prüfung d«r Wahloorschläg« und ihrer VE bindung wird für jeden Wahlkreis ein Wahlausschuß gebildet der aus dem Wahlkommisiar als Vorsitzenden und vier Del« fitzern besteht. Der Wahlausschuß saßt feine Befchlüsie miß Stimmenmehrheit. Nach der öffentlichen Bekanntgabe der -M gelasiencn Wahlvorschläge können diese nicht mehr zurückgenomo Men und ihre Verbindung kann nicht mehr aufgehoben werde«»^ 29 Die faach Reichsk-rgswahlkreise 10—14 '1 108 830 30. Die sächl. Reichstogswahlkreise 18—23 1870 214 31. Der Neckurkreis und der Iagstkreis 1 297 538 32. Der Schwarzwaldkrois und der Donaukreis sowie der Regierungsbezirk Sig. maringen 33. Baden 34. Hessen 35. Mecklenburg-Schwerin, Mecklenburg- Sttelitz und Lübeck 36 Die thüringischen Staaten Sachsen-Weimar. Sachsen-Meiningen. Sachstn-Al- tenburg. Sachsen-Coburg Gotha. die beiden Schwarzburg und die beiden Reuß sowie der Reg -Vez. Erfurt und der zur Prov Hessen-Nassau gehörige Kreis Schmalkalden 2100 692 37. Hamburg, Bremen und der Rcg.-Bez. Stade 1 743 545 38. Elsaß Lothringen — § 14. Die Stimmzettel sind außerhalb des Wahlrcnrmer mit den Namen der Bewerber, denrn der Wähler seine Stimme geben will, handschriftlich oder im Wege der Vervielfältigung zu oersehen. Der Namen auf den einzelnen Stimmzetteln darf nur einem der öffentlich bekanntgegebenen Wahlvorschlägen entnommen sein. 8 15. Die Wahlhandlung und die Ermittlung des Wahl- ergebnislos siird öffentlich. 8 16. Gewählt wird mit verstecktem Stimmzettel. Abwesende können sich weder -vertreten lassen, noch selbst an der Wahl teilnehmen. 8 17. Ueber die Gültigkeit der Stimmzettel entscheidet vorbehaltlich der Nachprüfung im Wahlprüiungsverfahren der Wablvorstand mit Stimmenmehrheit. Bei Stimmengleichheit gibt der Wahlvorsteher den Ausschlag. Die ungültigen Stimmzettel sind dem besonderen Protokoll beizufügen. Die gültigen verwahrt der Wahlvorsteher so lange versiegelt, bis die Wahl für gültig erklärt worden ist. 8 18. Behufs Ermittiung des Wahlergebnisses ist vom Wvhlaukschuß k8 13 Absatz 1) festzustellen. wieviel gültige Stimmen obgeaeben und wieviel hiervon auf jeden Wahlvorschlag und au? die verbundenen Wahlvorschläge gemeinschaftlich entfallen sind. 8 19. Die allgemeinen Satze werden auf die Wohlvor- schläge nach dem Verhältnis der ihnen noch dem § 18 zustehenden Stimmen verteilt Die Verechnungsweife wird in der Wahlordnung (8 '-2) geregelt. « § 20 Für die Bcrt.ulung der einem Wahlrorschlag zugeieilten Abgeordnetensitze und die einzelnen Bewerber ist die Reihenfolge der Benennungen aus den Wahlvorschlägen maßgebend. § 21. Wenn ein Abgeordneter die Wahl ablehnf oder nachträglich aus der verfuffunoaeber.den deutschen Nat'cnalversamiw lung ausscheidet, tritt an seine Stelle ohne die Vornahme einer Ersatzwahl der Bewerber der demselben Wahlvorschlag, oder, wenn dieser erschöpf; ist einem mit ihm verbundenen Wahlvor- schlag angchört und nach dem Grundsatz des § 20 hinter dem Abgeordneten an erster Stelle berufen erscheint. Ist ein solcher Bewerber nicht vorhanden, so bleibt der Abgeordnetensitz unbesetzt. Das Wahlverfahren wird auf der Grundlage der feit ist. Dos Parlament der Berliner 1211 047 2 142 833 1 282 051 862 999 8 12 8 14 9 14 12 12 gegenwärtigen Verordnung durch eine besondere Wab'ordnung näher geregelt, die der Staatssekretär des Innern erläßt. 8 23. Die Kosten für die Vordrucke zu den Wahlprotokollen und für die Ermittlung des Wahlergebnisses in den Wahlkreisen werden von den Bundesstaaten. alle übrigen Kosten des Wahlverrahrens von den Gemeinden getragen. 8 24. Dre Wahlen zur verfassunggebenden deutschen Na. ttonaloeriammlung finden Sonntag, den 16 . Februar 1919 statt. Anlage A, Einwohnerzahl Zahl der noch der BoU»« tn d. Wahl- Einea Wahlfrei« bilde»: zählunc, vom 1 -Dezemb. 1910 1 Die Provinz Ostpreußen 2 064 178 2. Die Provinz Westpreußen 1 703 474 3. Die Stadt Berlin 2 071 257 4 . Die Reichstagswahlkreise Potsdam 1—9 soweit sie zum Regierungsbezirk Potsdam gehören 1 544 351 6 . Der Reichstagswahlkreis Potsdam 10 soweit er zum Regierungsbezirk Potsdam gehört 1 314 576 6. Der Regierungsbezirk Frankfurt a. £). 1 233 189 7. Die Prorinz Pomm-rn 1 716 921 8. Die Provinz Posen 2 099 831 9. Der Regierungsbezirk Breslau 1 841 398 10 Der Regierungsbezirk Oppeln 2 207 981 11. Der R.'oierunps.bez'.rk Liegnitz 1 176 583 12. Der Regierungsbezirk Magdeburg und 1 580118 13. 3Vr Regierungsbezirk Merseburg 1 309 510 14 Die Provinz Schleswig-Holstein und das zu Oldenburg gehörige Fürstentum Lübeck 1 602 804 15 Die Regierungsbezirke Aurich und Osnabrück sowie Oldenburg ohne die Fürstentümer B:rkenfeld und Lübeck 1041810 16. Die Regierungsbezirke Hannover. Hildesheim und Lünsburg sowie Braun- schweig 2 356 858 17. Die Regierungsbezirke Münster und M. irden. der zur Prov. Hessen-Ra stau gehörig; K^is Grafschaft Schrum- burg sowie beide Lippe 1 971 49 g 18. Der Reg.erunasbezirk Arneberg 2 399 849 19. Die Provinz Hessen-Nassau ohne die Kreise Schaumburg und Schmalkalden, ferner der Kreis Wetzlar vomReg.-Bez. Koblenz sowie Waldeck 2 251629 20. Die Reg.-De;. Köln und Aachen 1 940 217 21. Die Reg -Bez. Koblenz und Trier ohne den Kreis Wetzlar, ferner das zu Ol- den bürg gehörige Fürstentum Birkenfeld 1 750 819 JL D?e Rerchstagswahlkreise Düsseldorf 1 bis 5. fow-eit sie zum Nez.-Bcz. Düffel- darf gehören 1 820 598 Dre Neickstagswahlkreise 6—12 des Ne- oierungsbeziiks Düffeldorf 1 597 790 Die Regierungsbezirke Oberbayern und y. ^.^aben 2 321 918 25. Tue Regierungsbezirke Niederbayern und Oberpfalz 1 324 615 26. Die Reg lern ugsbezirke Ober-, Mittel- Nk'.terfranten 2 303 673 27. Der Regierungsbezirk Pfalz 937 085 28 . Die fächj. Reichstagswahlkreise 1—9 X 771117 kreise zu IDßl)!enben 81 6 r t 0 ti* n c 1 e s 14 11 14 IQ 9 8 11 14 12 15 8 11 9 11 23 24 16 13 16 15 13 12 12 11 15 15 6 12 ktt „Vomiirls" (wrn dir lladjafiuig KvsillUlds. Berlin, 29. Nov. (WTB. Nichtamtlich.) Ter „Vorwärts" schreibt: Die Gegner der Nationalversammlung behaupten, wir denken nur an die Wahl und Parlainentsspielcrei. Zur Negierung eines»großen Reiches gehört politisch und parlamentarische Schulung, die nicht durch guten Willen und leb' Haftes Temperament ersetzbar sind. Leute, die zeitlebens in der fozial^tiichkn Bewegung stehen, werden von dema- gogifck«r Hetze als vertrauensunwürdig hingestellt. Man dreist das; di? von Narren gerühntte russisck-e Sowjet- regierung ein niederträchtiger Volksbetrug ist. Teutsä>e Soldaten und Arbeiter sind an allgemeiner Bildung und .'wliti'cher Schulung den russischen Leuten turmhoch über- 'eg n Scheitert in Deutschland die Rättversassung, .dann beweist das, daß sie auch im gebildetsten und intelligentesten Volke nicht durchführbar ist, weil sie eine innere Uniriöglicl)- wldatenräte war ein Versuch Deutschland auf den Weg zum russischen Chaos zu treiben. Der Spartakusbund ist in dem großen Irrtum zu glauben, durch Nachäffung des russischen Vorbildes Boden ru gewinnen. Rettung aus dem Wiitwarr bringt nur die Nationalversammlung. Deutschland ist verloren, wenn es sich nicht auf den Weg geordneter Demokratie begibt, und wenn es den Eindruck erweckt, das deutschre Volk sei in Anarchie und nicht imstande z^ir Selbstlegierung. Marschieren dre Gegner in Teulschüand ein, dann werden die Arbeiter* und Soldatenrate ausgelöst, wie es in den besetzten Gebieten bereits geschahen ist. Nur die Demokratie und schleunigst« Einberufung der Nationalversammlung kann uns retten. Führer des deutschen Uolües. Man schreibt dem Zentrumsblatt „Kölnisch)« Volkszeitung" von besonderer Seite- Im Kongreßsaale des deur- sch>m Reichskanzlcrpalais fand am Montag, den 25. Nov.. eine Sitzung statt, in der über di« Geschicke des Reiches be* raten werden sollte. Die' früheren Bundesstaaten batten dazu ihre Vertreter entsandt. Es wurd« ganz wie hei früheren Monarch-enzusamuienkünften, um im Stile der 'ozialdemokratischien Presse zu sprechen, eifrig photographiert, um den wichtigen historischen Moment den Zeitgenossen vor Augen führen und der Nachwelt überliefern zu können. Wenn diese Bilder erscheinen, wird die Mitwelt sagen „Spaß" und die Nackuoelt wird sich wundern. Aus Bayern war im Salonwagen in Begleitung seiner Tochter, die im Vorzimmer und im Sitzungssaal fortwährend zu sehen war, Herr Kurt Cisner gekommen. In seiner Begleitung befand sich weiter ein — die sozialistische Presse pflegte das wohl früher Büchsen- 'panner zu heißen — junger Mann, dessen Jugend nur noch durch die Unerfroren heit seines Benehmens ühertroffen ward Die Delegierten aus den übrigen Teilen des Reiches blickten ncidvoll auf die Freßpakete der bayerischen Delegation, die ans die Nahrungsmittelverhältnisse den besten 'Schluß zulassen. Der derzeitige bayerische Verkehlsmrnister scheint also dem Herrn Ministerpräsidenten Eigner dieselbe-Gefällt g- krit erwiesen zu haben, wi' 'einerzett unter lern wütenden Geschimpfe der sozialdemokratischM Presse Herr von Seid- lein dem Grafen Hertling. Tie Bilder der Konferenz werden ja crdjeiiien; vorläufig mag ein Auszug aus der Namensliste, der dem alphalttischen Verzeichnis entnommen ist. dem deutschen Volke einen Vorgeschmack geben: Adler, Bernstein, Cobn. Ersncr, Fliedner, Gradnatter. Haasc. Haas. Hirsch. Hcvmann. Herzfeld, Kvitsky. Löwengard. Lipinskh Oberländer. Preuß, Rosenfeld, Starosson. Vogtherr, Wurnr. Die Namen zeigen schon, daß es sich hier unzweifelhaft um berufene Führer des deutschen Volkes handelt! Dabei sind diejenigen nicht gezählt, die Herr Haase und Herr Eisner und Genossen als di« Kleinen von d«n §ttnen im Saale wimmeln ließen. Wns England unter einem „gerechten Frieden" versieht. die er: London, 29. Nov. (WB.) Reuter. In einer Rede. Llcyd George heute nachrnittag in Nero Castle hielt sagt« Der Friede, über den bei der kommenden Konferenz entschieden wttden muß, muh ein gerechter, ein unnachgiebig gerechter Friede fern, lieber die Frage der Cntfck)ädigungen erkärte Lloyd George- Es ist Grundsatz gewesen, daß der Verlierende bezahlt, und nach diesen! Grundsatz sollten wir Wgttiiiber Deutschland Vorgehen, das Kriegskosten bis zur Grenze feiner Leistungsfähiglett zahlen uruß. Deutschland darf die Entschädigung nicht auf die Weife zahlen., daß e4 England mit billigen Waren überschwemmt. — Indem er die Frage stellte, ob niemand für das Vttbrech)«n des Krieges zu bestrafen sei, erklärte Lloyd George: Ich wüusck)e teiue Pelittk der Rack)e zu befolgen, aber wir müssen jetzt so handeln das künftig Leute, die sich versucht fühlen, dem Beispiel der H^rrich-er, die di« Welt in diesen Krieg gestürzt haben, zu folgen, wissen was sie schließlich erwartet. Ueber die Sck'uld und die Urheber des Krieges sagt« Lloyd George: Wir meinen, daß die Untersuchung gerecht, aber ohne Konzessionen sein und zu einer endgültigen Abrechnung führen rnuß. Was die Nnlersee'Piraterie angeht, so müssen die Piraten bestraft werden und wer immer das Land eines anderen zerstört. niuß dafür verantwortlich gemacht werden. Wenn niemand für den Krieg verantwortlich gemacht werden soll, der das Leben von Millionen der besten jungen Männer Europas gekostet hat, so ist alles, was ich dazu'sagen kann, dies, daß in diesem Falle für Könige und Kaiser eine andere Gerechtigkeit bestehen würde, wie für arme unglückt!ck)e Der- brecher. In dem Teil seiner Rede, in dem Lloyd George über die Entschädigungen sprach, sagte er noch: Alle Alliierten er* wägen diese Frage. Wir ernannten eine große Kommission in der jede Meinungssck)atLierung vertreten ist. u«; Deutsck)* lands Leistungsfähigkeit zu unttrsuck-en. An der Gerechtigkeit der Forderung ist kein Zweifel. Franttcich untersucht dreie Frage gleichfalls im Lichte der außerordentlich sck-rveren Schäden, die seinen Städten zugefügt worden sind, abge- ^hen von den Kosten der Führung des Krieges. Tie Frag« der Verantwortung für den Einfall in Belgien wurde einigen der größten Juristen dieses Landes übertragen. Sie kamen schließlich zu der Ueberzeugung. daß sich der Kaiier eines Kriminalverbrechens schuldig ge.nacht hat. für das er zur Verantwortung gezogen werden sollte. Zurück! aufs Fand! bin großzügiycr Ansiedlungsplan. Berlin, 1. Dezbr. (WB.) Ein Aufruf Hindenbvrgs teilt mit daß die Vorarbeiten zu einem großzügigen Ali- siedelungswerk im Gange find, wodurch auf billig erworbenem Land mit billigem, öffentlichem Geld für Landwirte. Gärtner und ländlich Handn^lker Hunderttausende von Stellen errichtet werden, für städtisch Arbeiter. Angestellte. Beamten und Angehörige verwandter Berufe Häuser in Gartenstädten und O'.arttnr-orstädten erbaut und gegen mäßige Verzinsung der Selbstkosten übergeben werden. Dev Ausruf schließt mit der Aufforderung an die Kameraden, die bisher mit nicht gekannter Todesverachtung und et>ensolch,n Opfer- mut 50 Monate hindurch die heimatlich Erde schützten das Vaterland nochmals durch deutsche-Manneszucht und deutt kchn Ordnungssinn zu retten und sich die eigene Zukunft »nd da? eigene Glück zu bereiten. Ein Aufruf des StaatSiekretars Bauer fordert die aus dem Krieg heinckehrenden Landarbttrer und alle die P^e- ioven. die auf dem Lande vor dem Kriege tätig waren, auf, nickst in die Städte und Industrikhezirke. sondern aus das Land zu gehen, wo mehrere Millionen Hektar Raum zur Be- stedelung bereitgcswllt wevd«n. Auf dem Lande gebe es jetzt llnterkunft und lohnende Beschäftigung, weil mehr als eine Million Kriegsgefangener und Landarbeiter ihren Arbeitsplatz verlassen. Die alten Ausnahmegesetze gegen die Land- akchester und die Gestndeordnuna seien außer ".Kraft gesetzt. Die Arbeits und Lohnverhältnisse würden durch Tarifverträge zwil'chn den Organisationen der Landarbeiter und der Gutsbesitzer geregelt. Zur Herstellung der nötigen Wohnungen und'zur Bere-itstelluna von Pachtland sollten die G^ meinden verpflichtet werden. Kr'uie vä'Iillk ör ? p':una stliiikfüch! Dem Nachrichtcnamt des Arbeiter- und Soldntenrates geht von der Wassenstillstands-Kommission aus Spaa folgendes Telegramm 3 «: „Besetzung von ganz Frankfurt kommt nicht in Frage/' — Nähere Mitteilungen über den Umfang der Besetzung liegen noch nicht vor, vielleicht kann man an- nehmen, daß der Bahnhof unter Kontrolle gcnomn.cn »mVn soll. Sobald weitere Nachrichten vorlicgcn, werden wir sie sofort bekannt gehen. §er Eilsiüst der 213. WM in jTQnkfurl a. M. Und überall allüberall Auf Wegen und auf Stegen Zog jung und all Dem Iubelschall der Kommenden entgegen. Sie haben zmar nicht selbst den Iubelschall angestimmt. diE Kommenden, aber mit einem Iubelschall sondergleichen wurden sie von den Tausenden und Aberlausenden empfangen, die g». kommen waren, um die Helden, die vor Verdun, an der Somme, der Aisne und in der Champagne ihr Leben für's Vaterland eingesetzt haben, zu ehren. Frankfurt hatte sein Festkleid angelegt. ein wallendes Meer von Fahnen begrüßte den Einzug der zurückkehrenden Truppen. Di« Glocken erschallten und ein tau- sendslimmrger Iubelruf ertönte, als die Spitzen der beimkehren, den Krieger sichtbar wurden. Lanzenreiter. wefterharte. markige Gestalten, mit dem Stohlhelm bewehrt, aufrecht zu Pferde sltzeitd. zogen vorauf: dann folgte ein schwarz weiß-rotes Banner. dahinter General v. d. Marwitz, der Führer der Division. die sich so oft in Schlacht und Graus erprobt halte. Jubelnde Zurufe wurden den Helden zuteil. Hurras und Hochrufe ertönten ohne Unterlaß und Lorbecrkränze wurden dem General zugeworsen. Dann folgten in unübersehbarer Zahl oH* ble Wackeren, die Jahre lang lern von der Heimat den arciM. Italien Gefahren g-rroyr unÄ ihr Blut geopfert hatten. Zn strammer Haltung zogen sie vorüber. Offiziere und Mannschaften. Infanterie. Netter. Artillerie und Train Mag guck manches Ma'l'ihre Uniform abgerissen ausgefehen haben, die Fülle von Blumen und Kränzen, mit denen die Soldaten geschmückt wur- L-en. ließ das leicht übersehen und Allen. Allen sah man die Freude an.-wieder in der Heimat zu weilen, die ihnen einen so herzlichen Empfang bereitet. So kehren keine Besiegten heim, das waren unbesiegte Helden, die stets den Sieg an ihre Fahnen gefesselt hatten, die aber schließlich bezwungen durch die Uebermacht des Feindes, dessen Ueberlegenheit an Material und Munition, den Rückzug in bester Ordnung antreten mußten. Die siegesberauschten Legionen der Feinde können keine besiere Haltung bwcrhren, als-die Soldaten der 213. Division, die unter den Klängen der Marschlieder, die sie so oft zum Sieg geführt haften, ihren Einzug in die alte Kaiserstadt am Mainesstrom gehalten haben. Aber eins muß hcrvorgehoben werden: kein einziges rotes Abzeichen war bei den Truppen zu erblicken, wohl aber flatterten in unzähligen Fahnen und Bannern die Farben fchwarz-weiß-rot und mit Blumen und Fähnlein jeder Art waren Mann und Roß geschmückt, aber nicht einmal sahen wir die rote Farbe allein Am Opernhaus fand die erste Begrüßung statt, die den Fehler hatte, zu lang zu sein. Zuerst sprach ein Vertreter des Soldaten rats und dann der Oberbürgermeister von Frankfurt. General von der Marwitz antwortete: An der Spitze der fünften Armee, die fast vier Jahre an 0er Verdunsront dem Gegner getrotzt hat. ist die 213. Divi- sion, eine kampferprobte. ruhmvolle Division in den Mauern Frankfurts eingezogen. Es folgen ihr die übrigen Teile der fünften Armee die über den Rhein marschiert sind. Wir finden die Heimat in einem neuen Kleid, aber darunter schlägt das alte .Herz. Deutschland kann mir Stolz auf sein Volksheer blicken. Nur dem übermäßigen Drange einer Welt von Feinden weichend, ziehen wir bier ein. Dem Arbeiter- und Soldatenrat gebührt Tank für seine Mitarbeit, die er schon für uns geleistet hat. Ferner gebührt Dank dem Stellvertretenden Generalkommando in Frankfurt, den staatlichen und städtischen Bebörden. Besonders Ihnen, Herr Oberbürgermeister. gebührt besonderer Dank, da von Ihnen die Anregung gekommen ist. daß hier ein geschlossene'' Truppenkörper einzog. Mit besonderer Freude begab ich mich an die Spitze der Truppen, da mir Frankfurt noch aus meiner früheren Tätigkeit bekannt war. Seien Sie überzeugt. dak meine Truppen einen starken Eindruck von der Kraft und dem Gebalt des .reuen deutschen Volkes haben! Wenn nachher die Glocken läuten werden, dann werden wir derer gedenken, die ihre Treue durch den Tod oder lange Krankheit b'.megeln mußten. Möge die schöne Stadt Frank' furt der Mittelpunkt geistigen und kommerziellen Lebens werden und ihr beschieden sein, die Stelle einzunehmen, die ihr an denk westlichen Teil des deutsä^n Vaterlandes gebührtl Auf eine glückliclv Zukunft der altebrwürdigen Stadt Frankfurt und ihrer Bewohner brachte der General ein Hoch aus. Nach den Ansprachen ertönten die feierlichen Klänge von Beethovens: »Tie Himmel rühmen", gesungen vom Opernchor über den Platz. lieber die Zeil die mit ihrem Schmuck und den unzähligen Mensck-en. die bis hoch auf den Dächern und auf allen Gesimsen und Vorsprüngen der Häuser Platz genommen hatten und die Einziehenten mit wehenden Tüchern und Willkommrufen begrüßten, einen »nbeschreibbaren Anblick geboten hat. ging der weitere Einmarsch. An der Friedberger-Anlage fand dann eine Parade statt, bei der nach Ansicht von Sachverständigen alles klappte, wir in den besten Zeiten von früher. Veber das Ganze nur noch ein Urteil der demokratischen „Frankfurter Zeitung" die sich zu allen Zeiten in der Bekämpfung des Militarismus nicht genug tun konnte: „Vieles mag man gegen den preußischen Militarismus zu sagen haben, aber die pom Siegestaumel erfaßten Heere unserer Feinde mögen nicht in strengerer Zucht in ihre glücklichere Heimat zurückkehren als unsere vom Schicksal hart geprüfte Armee nach diesen letzten Monaten der Irreführung und Enttäuschung in ibr mißhandeltes Vaterland, lind das ist Verdienst deutscher Männererziehung seit Generationen. Man mag ihre Schaitense'iten beklagen, aber man muß sie gelten lassen." Sapieuti satl Tem Einsichtigen sagt das genug! ,_ A"s der * e'umt. Fr'edüerg, 3 Dez. Gestern mittag zog zum ersten Mal? die W che der Sicherheitstompagnie nach altem Brauch auf. Den entert Ortsdienst übernahm ein aus dem Felde gekommener Angehöriger des aktiven Infanterie Regiments Nr. 117, Herr Leutnant Hcok. Ohne Zweifel war der Eindruck den die Leute machten, ein recht guter, fodatz die Ko.mpagnie unter Führung des f"wrn Leutnants Blum, der sich ebenfalls an der Front des öfteren hervorragend ausgezeichnet bat. sich des Vertrauens der B>,-vclkerung erfreuen dürste Hotten wir. daß das Bestehen -er Sickerbeitskomprgnie uns der Serge um Nutze und Ordnung enthebt. Vom Generalkommando. Dos Generalkommando des 18. -Irmee'crps wrrd vorläufig seinen Sitz nicht wieder in Frankfurt nehmen, sondern in Bad Nauheim. Das Stellvertretende Generalkommando des 18. Armeekorps dürfte demnächst aufgelöst werden. Das Franlfurter Lrndstnrm-Infan1cr:e-Er- lletz-Bataillon IS« 21 wird nach Dillendurg verlegt, das Insan. Serie-Regiment 81 nach Braunfels bezw. Wetzlar, das Feldart.. Regiment 63 nach Schlüchtern bezw. Sarnau. Dos Frankfurter Kommando der Luftstreitkräfte erhall fernen Standort in Dad° ^arche-m. Die Verlegungen sind notwendig, da Frankfurt in kne vom Militär zu räumende Zone fällt. Mitteilung der städtischen Dekleibungsstelle. Nach der am 27. November d. I. tu Kraft getretenen Bekanntmachung der f Relchsbekleidungssteste brauchen für nachstehend «rufgeführte Gegenstände keine Bezugsscheine mehr ausgestellt zu werden. ■ Handschutze, Bettüberdccken, Wachstuche, Leinenstickereistoffe und leinene undichte Gewebe, Gamaschen. Herren-Schlafröck« und -Westen, imitierte Pelzwaren. Korsetten. Gürte! jeder Art. ob- gepaßte gewebte und bedruckte Tischzeuge, Kragen und Man- fd^tten, Einsätze und Vorstecker. Taschentücher. Spielwaren. Scheuertücher sowie Stoffstücke bis 50 Ztm. lang ohne Rücksicht auf den Kleinhandelspreis. — In der Bezugsschein-Erteilung sind noch einige Erleichterungen eingetreten, insbesondere eine, wonach für die Zeit bis 8. Januar 1919 für jede weibliche Per- fon zwei Bezugsscheine für Frauen und Mädchen Oberkleidung aus Antrag erteilt werden kann. Der eine kann lauten — nach Wahl entweder aus fertige Waren oder auf Stoff — auf ein Kleid beliebiger Art oder Teile desselben. Der zweite Bezugsschein ist auf einen Mantel zu erteilen. Für jede zu versorgende männlick)e Person ist wahrend dieser Zeit auf Antrag ein Männer- oder Knaben-Wintermantel, oder Stoff dazu zu erteilen. Eine gleiche Erleichterung fiir sonstige Männer-Ober- kleidung ist nach Lage' der Dinge vorläufig nicht angängig. Die Viehzählung am 4. Dezeml>er, deren Unterlassung vom Kriegsernährungsamt beantragt war. findet nunmehr doch statt. Sonett die Zählpapiere nicht rechtzeitig in den Gemeinden ein- treffen, ist die Zählung unmittelbar nach Eintreffen der Zählpapiere vorzunehmen. Staats dorlchn. Die Landeskommission für Kriegsdarlehen gibt bekannt, daß vom Kriege betroffene Kriegsteilnehmer Staatsdarlehen erhallen können, deren wirtschaftliche Gefährdung eine Folge des Krieges ist. Voraussetzung ist selbstverständlich die Kreditvürdigkeit. namentlich persönliche Tüchtigkeit. Rückzahlung des Dorlehns soll am Ende des dritten.-vierten und fünften Jahres erfolgen. Ar trage können an die Krcdilgcnossen- schaften, an die Sparkasien des Bezirkes, die Landeshvpotheken- bank. an die Handwerker Zcnfralgenostersckaft oder auch an die Landeskommifsion für Kriegsdarlehen selbst,-Wilhelminenstr. 3, in Darmstadt gerichtet werden. G'cchen, 27. Nov. In Gießen Haffe sich am 12. November ein vorläufiger Kreisbauernrat gebildet. Nachdem nun in fast allen Gemeinden hes Kreises Bauernräte gewählt sind, war dre Möglichkeit gegeben, den Kreisbauernrat endgültig zu konstituieren. Zu diesem Zweck hatte der Vorsitzende des vorläusigen Kreisbauernrats. Herr Landtagsabg. W. Fenchel, Obec- Horgern. d'e Ortsbauernrc'te des Kreises Gießen zu einer Besprechung nach Gießen geladen. Nahezu sämtliche Gemeinden 'des Kreises narcn durch Bauernräte vertreten Der Vorsitzende und Sekretär W a g n e r - Gießen gab"n zunächst der Versammlung über die seither unr-rnommenen Schritte Ausschluß. Haupt- auhrabe jedes einzelnen in dieser schweren Zeit ist es. dazu beirutraaen daß in erster Linie die Ernährung der Bevölkerung sichergestellt wird und Nutze und Ordnung aufrecht erhalten bleibt Die Landwirtschaft hol also große Pfl'.chten zu erfüllen ihr müsien ober auch Rechte zugebilliat werden. Die Bauern müssen willen, was mtt den von ihnen obgelieferten Erzeugnissen geschieht und müsien Ecnfiuß hoben auf die Preisgestaltung kn-r landwirtschaftlichen Erzeugnisie. Deswegen ist der Zusammenschluß der ländlichen Bevölkerung dringend notwendig gewesen, um Hand in Hand mit den Arbeiter- und Soldatenräten diese Fragen zu regeln. Bei der daraus folgenden Diskussion wurden lel-bafte Klagen laut über das zur Zeit bestehende Wirtschaftssystem. Es wurde unter anderem Klcue geführt, dnß die Bezahlung für die abgelieferten Erzeuanisie oft lange auf sich warten ließe, über ungerechtfertigte Abzüge, über Druschprämien und vieles andere. Sekretär Wagner betonte daß die mangelhafte Auszahlung erne Folge des Fehlens der Zahlungsmittel lei. Gegen dte widersinnige Druschprämie baden sich Landtag und Landwirtschoftskommer gewandt, doch wurde von Berlin anders verfügt Auch wurde die Frage gestellt. ob es denn notig sei. daß die Mühlenkontrolle von Berlin ausgeübt würde und cb Hetzen nickst in der Lage sei. vertrau ensrr ürdtge Personen zur Kontroll'» der Mühlen selbst zu stellen Die Milchverlorgung würde bester werden, wenn die örtlichen Bauernräte die Kontrolle über die Milchablieferung in Händen hätten. Das vorläunge Broaromm des K^eisbauern- ratz wurde mit einigen Zusätzen (Punkt 7—9) gutgeheißen. Es lautet' 1. Sicherstellung der Ernährung der Bevölkerung. 2. Nachdruck!ist,-' Bekämosimg des Schleichhandels und der Hamsterei 3. Sicherstellung der Landwirtschaft gegen unberufene Neberqriffe. 4. Arbeitsvermittlung: a) menschliche Arbeitskräfte: b) tieristbe. 5. Kontrolle über die abgelieierten Nahrungsmittel bei den zuständigen Verbänden durch Kommissionen aus Bauern. Bürgern und Arbeitern bestehend. 6. Engste Fühlungnahme mit den Arbeiter-, Soloaten- und Bürgerrcffen. 7. Eintritt für eine gesunde Flnonzwirtschast. 8. Alle seither durch Kommissionen ausgrführten Neckte gehen auf den Bauern- rat über. (Viehkommissioneu usw.) 9 Regulierung der Preise für die Lebensmittel Eine Erweiterung des Programms wird — bei Bedarf — späterer Beschlußfassung Vorbehalten. Darauf wurde zur Vornahme der Wahlen geschritten. Herr Fenchel fi'hite aus. daß die Gczchöfte des Kreisbauernrots seither durch ihn, Sektretär Wagner. Fr. Nazcrenus und die beiden Vertteter des Gießener Vauernrats G o 1 t m a n n und W i n n geführt worden seien. Tue Versammlung wählte die drei erst- genannten Herren in den geschaitsführenden Ausschuß und ist damit emverstonden. daß die beiden Gießener Herren nach wie vor dcm geschäftsführenden Ausschuß ongehcren. Dem ge- jchäftkführenden Ausschuß wurde das Recht zugesprochen, bei Bedarf u eitere Mitglieder her anzuzi eher,. Dem Kreishauern, rat gehören als Mitglieder an. Wilhelm Weckmann-Eber- stadt. Lehrer Iakob-Ober-Bessingen. Gg. Fr. Müller-Belle's. heim. Krd Hannack Sleinbcrg. Karl Iöcko! VI. Grünberg. Hch Meier I-Großen-Bujeck. Eemerndercchner Berlin-Londorf. Hch. Mohn.Grünrngen und Hauptlebrer Bach-Großenlinden. Außerdem wurde noch ein Ernährungsausschuß gebildet, dem folgende Mitglieder angeboren: Bürgermeister Schmidt-Trohe. Heinr. Gg. Scheld-Hungen. Lehrer Weisel-Garbenteich. Ph. Sckmidt- Albach. Krd. Seibert-BirNar, Hrch. Zikann-Lindenstruht. Friedr. Deibel 1 ^ .-Wieseck. Bürgermeister Knauf; Stangenrod. Wilh. Decker-Bersrod, Karl Iung-Hoizhcim und Landwirt Prerß, Gießen. Das Geschäftszimmer des Kreisbauernrats befiidef sich in Gießen. Friede rchstcaße 6 p und ist unter Nr. 166 t^le* fcnisch zu erreichen. Gießen, 29 Nov. Heute tagte in Gießen eine Versammlung tell und frö Denn Ihr wart in Not und in Tod dabei. Ihr tapferen, deutschen Krieger! Franz Hax, Frankfurt a. M. Kirchliche Nachrichten. Gottesdienst in der Burgkirche. ^Mittwoch, den 4. Dezbr.. abends 8% Uhr: Advent? andacht. Herr Pfarrer Ritter. C \rbt ’ffi'Hflrktanifilff’ des frrrjsar-l.eitsnackiu-rise, u. *. ^UfU9dlflllUU!!|fl$lTKjlfsdieustmrld-Zrlls Frledberg. Offene Stellen: 10 landwirifchastliche Tagelöhner. 4 Fuhrleute, 81 Knechte, 1 Knechtefamilte. 10 Tagelöhner zum Weiden d)neiden. 1 Der- waller, 1 wäitner. 2 Bäcker, 1 Hausbu che, 22 Dientzmosde. 1 Wienerin, 3 Wirt,cha,lerinnen, 0 Hausmädchen, 1 Mouarsflau bet guter Bezahlung. Stellensuchende: Mehrere Melkeriamilien und ledige Melker, 2 Bllrofräulein. 1 Dürogehilfe. 1 Verkäuferin oder Kaisiererin. VeramworNlch für den poitischen und lokalen Teil: Otto H i r i d) e l. Fijedberg; für den Anzeigenteil R. ferner, FNedderg. Truck und Verlag txi „Neuen Tageszeitung*,^ A- G., Friedberg i, H. Herzenskiimpfe. j f?oman non Helene S 4 0 t f q, geb von Geisdorff. (Ovp>rixhl 1U15 bj C. ^deimann.Stutl^flit.) *1) Nachdruck verboten. 20. Kapitel. Als sie ins Freie traten, — Hilde und Lina eingehüllt in die warmen Mäntel und Tücher, die d'e vorsorgliche Zofe schon hergebracht hatte. — schlug ihnen ein orkanartiger Wind mit schweren Regentropfen in«; Gesicht, der Josefs tröstende Versicherung, das Wetter habe sich gebessert. Lügen strafte. Nur mit Mühe konnten sie die kleine schlüpfrige Böschung hinunterklet* tern. die zum Flvßuier führte, besonders da es stockfinster war und die Augen sich erst allmählich an die Dunkelheit gewöhnten. I'as festgeankerte Boot schwankte, von den unruhigen Wogen ^in und her gestoben. »Wollt' ihr Mädche es wirklich wage?" fragte Josef noch- nals zweifelnd „Bester wär's schon, ihr ließet's bleibe!" Ohne andere Antwort kletterten beide in den festen, gut gebauten Nacken und liehen sich auf den Seitenbankcn nieder. Zosef machte denselben von dem dicken Pfahl los an welchem rr fesigebunden war rollte das Teil zusammen und sj)eg ebenfalls ein. Dann letzte er sich an das eine Ende, nahm zwei Ruder unter den Bänken vor. lieh dieselben ins Wasser und steuerte das Bort so weit vom Ufer fort, daß es sich ungehindert bewegen konnte Zwei kleine, wetterfeste Laternen am obernen und unteren Ende des Schiffes verbreijet.'n ein mattes Licht in und um das kleine Schiff. Sobald sie im richtigen Fahrwasser waren, beaann Josef kräftig zu rudern Doch ging es nur langsam vorwärts, teils wegen des hohen Wogengangs. teils weil die Fahrt stromaufwärts ging. ..Fosef. wa meinsic wenn ich helfe tät?" rief ihm Lina nach einer halben Stunde zu. „Schade tat'« nicht" rief er zurück. „Nimm die anderen Ruder, du weißt jo. wo sie sind." ^edes Kind aus dem Bolke. das am Rhein ausgewachsen ist. weiß mit Sckiften uwznaehen Geschickt und scknell machte das kräftige Mädchen die Ruder los. ließ sie ins Wasser und war bald am entgegengesetzten Ende des Bootes mit taktmäßigen Schloten bei der Arbeit. . „Bravo. Linche. brav?" lobte Josef. „Du verstehst noch?' Hast in deinem seine Lebe noch nicht vergesse. wie man's macht. Jetzt komme wir nochmal so schnell voran'" Dann wieder langes Schweigen und eifriges Arbe?1en gegen Wind und Wellen. Das Schiss schwankte beständig, bald war es oben, dann unten, hie und ba fuhr eine Welle über den Rand, machte die Reisenden über und über naß und setzte sich bann als kleine Lache u entrichten sind; nach Ablauf die er Frist beginnt die Zwangsbestrei» düng. Es wird hierbei dringend empfohlen. sich der Uederweifung aus 'Dan.- orec Scheckgmhadeu zu bedienen. In diesem Falle ist außer dem lilamen a ich die Heberegistcrnu'nmer des S.euer- ze rels anzugeben Frierderg. den 2. Dez. 1918. Die Etadjkaffe. 213ä‘f)renb der Krankheit und beim Ableben meines lieben Mannes sind mir so zahlreiche Zeichen der aufrichtigen Teilnahme und Trauer entgegenaebrachl worden, dag es mir leider nicht möglich ist, jedem Einzelnen unserer Freunde und Bekannten in Dankbarkeit die Hand zu drücken. Deshalb möchte ich hierdurch Allen meinen und meiner Kinder innigsten und wärmsten Dank für die vielen ehrenden Beweise ihrer Treue sagen« Frledberg, den 3. Dezember 1918. Frau Nina Krombach geb. Diannhardt. !| Wegen Aufgabe der Oelonomie versteigere ich Loiiurroia , der» 5. Dezember, vorm. 10 Uhr, in meiner Hofraite 2 fünfjährige, gut einge- sahrene, mittelst were ArSe tsp'erde (Füchse), 1 Selbstbinder mit Vorderwagen, 1 Zweispänuer-Leiterwa- sen, 1 fieüenschärig. Grubber, 1 Hornburger Pflug, 1 eiserne Egge, 1 Pluhlsah. Ktilinih Leonharöt Balkes ' Ober-Nosbach bet Füedvera. -^trßeißtkllüß. Mittwoch, den 4. Dezember 1918, vormittags 10 Uhr, werden auj dem Vurgplatz zu Vad-Nauheim 30 Pferde leichten und schweren Schlages, öffentlich meistbietend gegen Barzahlung versteigert. Zu der Versteigerung sind Händler nicht zugelassen. Jeder Steigerer muff durch Vorlage eines behördlichen Ausweises varlun, daff er das Pjerd zum eigenen Betrieb benötigt. Bad-Nauheim, den 2. Dezember 1918. 2m Aufträge des Arbeiter- und Soldatenrates: Das Earnisonkommando. Der Schuhlurlus in der <8e, werüefchrile Friedberg beginnt Donnerstag, den 5. Dezem- vcr. nachmittag- Uhr, Zimmer Nr. L4. Angefenigte Schube find in dem Schau.enster der ..Reuen Tageszeitung" ausgestellt. Zum Riiiiilsmi! Vuchen'LSgespäne abzugeben bei Cedrllder Dön-zes. Ockstadt. wieder einfetroften. T^pcfco- iig ul fil iialeumlmiis «lean Kogler, »rlcdiierjr, Kaiserstrasse 27. Nabe des Nathaoses. Ein neuer ich war er Anzug billig zv verkaufen. Kriedderg, Liebfrauenstr. 33. Prima junge Fahrknh hat r« oertaufen PY. 2«c. Vömel. Vilbel, Telefon 207. Licht wach mutz es jetzt bald 5 Uhr lein. Der erste Früdzua verläßt B. um -ib Uhr. Wo find wir wohk jetzt?" „Da drübe muß Remage liege, ich feh' die hohe Türm von der Kirche", entgegnete er. scharf nach dem Ufer auslugend. „Also kann der Zug um a A6 Uhr dort eintressen", meinte Hilde, „und wir fahren die letzte kleine Strecke vollends mit der E.fenbahn. Dann kommen wir vielleicht noch früher bei deiner Mutter an. Linche" sagte sie zu dieser gewendet. „Ja. wenn du meinst. Traudche". erwiderte Lina, daß das ging, so wär's mir'fi schon recht, denn ein bißche müd bin ich doch gervorde." ..ES wird gehen, es muß gehen?" sagte Hilde. „Sie auch. Josef, haben säst Uebermcnschliches geleistet? Rudern Sic. so schnell es geht, ans Land, daß wir zu rechter Zeit auf den Bahnhof kommen!" .Ein brav s. ein gescheites Mädche. dein Büsche. Linche! .... Recht hat sie'" versetzte der Mann beifällig uwd nahm m>t i-stcm Griff die Ruder wieder zur Hand, das Steuer in der Richtung des im zunehmenden Tageslicht sich immer deutlicher ab.zeichncnden Ctödtckens R zuwendeno. Als hätte die kurze Ruhe, sowie die Aussicht aus das baldige Ende ihrer Drangsale dev Ruderern neue Kraft eingeNößt. so munter bewegte sich der Nachen auf den jetzt stiller gewordener, Rheinfluten seinem Ziele zu. Bald stießen sie bei R an'e Land. Mit kräUigcm H^nde, druck verabschiedete fick Joses von den beiden Mädchen, die ihm für seine Bereitwilligkeit und seine geschickte Führung herzlich dan-kten und für sein „Trinche" viele Grüße ouftru«db--ai.s. Teleion 304. Zum Schlachten! !a. weite Kranzdärme, Ia. weite Mitteldärme, Ia. grobe Ochsenbutten, sowie Rinds-, Kalbsund Schweineblasen, reingemahlenen Pfeffer, Murstkordel und Pfefferersatz empfiehlt Georg Willi. Zdll, Friedberg L H. Kaijerslraße 12, Telefon 410. ßrütirr Inniif %**& Kunst- und Gemüsegärinerei in einem flotten, der Neuzeit eingerichteten Betriebe gesucht. Verpflegung im Hause. Zujchristen unter Nr. 207 an Daube & <£•„ iroikfirt i. tS. Bin vom Militär entlasten und nehme wieder Anmeldungen auf entgegen Heinrich Rupp, Kaiierstraße Nr. 181.