Dnmmer 278 (Fiiiifliirfiü ßt Vienstaq. den 26. Uovemvcr 11»1iq^ Anzeigen von auswans nerven durch Bo lnachna nue ertzoi^en. E> siilam^sor, ärtedbera. Lchr-jstieitnn^ nnd cks^ina i-neddem '-äesieui. ,ana>»er traqe 12. ^ernvrey.'r 1 s. Bo t, iet. So iro Jlr. H>1. ’1 nt Franifurt a. M. Kclramiimachuttgeu. Derlin. 25 Nov. (WB.) Amtlich.) Alle Arbeiter- und Co'.datenräie nerden gebeten. Vorkehrungen zu treffen. daß alle Wafien und Ausrüslungsgeaenstcinde. die auf Bahnhöfen oder anderen Orten ron Truppen oder einzelreifenden Heeresange- höligen niederaelegt oder abgegeben sindgesammelt. bewacht und bei der ersten Geleaenbeit dem nächsten Artilleriedepot zu- gerührt nerven. Die Ausführung dieser Weisung wird großc Werte des Dlsiksnermögens erhalten. Unterstaatssekretär Göhre, i. A.: Reinhardt. Frankfurt a. M.. 28 Nov. Hier und da vorgekommene Miß- rr^ständnrsse veranlassen uns. darauf hinzurreisen. doß die Frontlrnppen selbstverständlich nicht zu entwaffnen sind Zu den Fronttruppen zählen auch vorausgeichickte. im dienstlichen Interelle tätige Mililö.rper'.onen, wie Quartiermacher, Derlsin- Lungsoffiziere ufw. Der Arbeiter- und Soldatenrat beim stellvertr Gencralkommondo 18. A.-K. An eie fandbevölkcounp. Berlin. 73. Nov. (WTB Nichtamtlich.) Ar> die Landbevölkerung ? Ibr habt d:e Ausrufe, die euch zur Bildung von Bauernraten Orts-, Gemeinde-. Wirtfchaflsaussckiisien und dergleichen aussordern. zur Kenntnis genommen. Vielerorts hat mcnl diesem Ruse schon Folae geleistet. Es mutz erwartet werden. daß die gesamte Landbevölkerung schleunigst sich dieser Aufgabe widmet und zum Wob! des Vaterlandes mitorbeitel. Di? Aufgaben dieser Körperschaften find zahlreich. Nicht überall ist man über den Wirkungskrers im klaren. Die Unterzeichneten Verbände geben nachstehend Richtlinien für die Tätigkeit bekannt, die Ihr anszuüben berufen seid. Wir erwarten, daß im Interelle der unaehinderten Durchführung der Volksernährung in der Uebergangsbit von allen Bauern- und Landarboiterräten dementsprccsiend gehandelt wird Dieser Name sott ausiprechpn daß im Hauptberuf selbsiändiae Landwirte und Arbeiter in diesen Räten gleikl.berechtiat sind. Auch die Mitarbeit der nicht- landwirtschaftlichen Landbevölkerung ist dringend erwünscht. Ein Bauern- und Landarbeiterrat ist in jeder selbständigen Gemeinde zu wählen Dle Gutsbezirke sind in der Regel der benachbarten Gemeinde anzualiedern. Jeder Rat muß aus mindestens seck-s Personen besteben und zu gleichen Teilen aus den Kreisen der im Hauptberuf selbständigen Landwirte und Arbeiter bezrv nichtlandwirt^chastlicher Landbevölkerung gebildet wroden. Für den Bereich jeder unteren Verwaltungsbehörde ist an deren Sitz ein Kreis- (Bezirks- und dergl.) Bauern- und Lawdarbeiterral zu bilden. Die Unterzeichneten Körnerschaften bilden den Zentral Bauern- und Landarbeiterrat in Berlin, der Anweisungen und Ratschlage erteilt. Die Aufgabe der Vouern- und Londarbeij-rräte ist die Unter^ntzuna der zuständigen Behörden durch: 1 Mitwirkung und Beratung bei Erfassung und Schutz der vorhandenen Lebensmittel, bei Regelung ihrer Ab. lieferung an die hezugsberechtigten Stellen und bei Be Bekämpfung des Schleichhandels: 2. Erhaltung der landwirtschaftlichen Betriebe. Förderung der Erzeugung, insbesondere durch Sicherung von Saataul und Steigerung des Anbaues Winderanshau der Viehzucht. Förderung des Genossens«hcnt?we sens: 8. Mrtwirkunq bei Aufnahme der entlassenen Krieosteil- ncbmer und Beschaffung von Arbeit und Wohnung für diese gemäß den Bestimmungen der Demobilmachurigsbehörde: 4. aeaen- Jeiflae Hille beim Schutz von Personen unid Eigentum. Volks' genollent Die Rot der Zeit fordert die Zusammenfassung aller Kräfte zur Erhaltung der Volkswirtschaft Alles Trennende Hai zurückzutreten. Angesichts der großen Aufgaben tue jeder feine Pflicht. Die Stunde verlangt es gebieterisch. Rechtso.ussch"ß der deutschen Landwirtschaft. Bund der Landwirte. Vereinigung der deutschen Bauernvereine. Deutsche LandnsirtscbastHgeselsicbast Reichsverband der deutschen Landw Genossenschaften. Zentralnerbgnd der deutschen Rell-isen Genossenschaften. Bezugsvereiniaung der deutschen Landwirte. Deutscher Bauernbund. ' Deutscher Landarbeiterverbaud. Zentralverband der Forst-, Land- und Weinbergsarbeiter Deutschlands. Allgemeiner Schweizer-Bund für Deutschland Hauptverband der Landw. Küterbeamtenvereinigungen Deutschlands. Verband der preußischen Landkreise Die Geschäftsstelle des Zentral Bauern- und Landarbeiter- Rates befindet sich in Berlin W 9, Königgrätzerstraße 19. 2. Dahin find alle Zuschriften zu richten Dir llbtnsmItsimlimMg Ltntlll'liUlds. Berlin. 25. Nov. (WB. Amtlich.) Die deutsche Regierung 'erhielt durch VerrZittlung der schweizerischen Regierung in der Frage der Versorgung Deutschlands mit Lebensmitteln nach stehende Antwort des amerikanischen Staatssekretärs Lansing' In der gemeinsamen Sitzung der beiden Häuser des Kongreßes vom 14 November erklärte der Präsident der Vereinigten Staaten, daß die Vertreter der verbundenen Regierungen in dem obersten Kriegsrat in Versailles in einem einst'mmio gefaßten Beschluß den Völkern der Mittelmächte zuaesagt hotten daß alles unter den gegenwärtigen Umständen Mögliche getan werden solle, um sie mit Nahrungsmitteln zu versehen und um die traurige Not zu erleichtern, die an so vielen Orten ihr Leben bedroht, und daß sofort Schritte unternommen werden sol len. dieses Hitsswerk in derselben Weise systematisch zu organisieren, wie dies im Falle Belgiens geschehen sei Der Präsident gab ferner der Ansicht Ausdruck, daß es sich durch die Verwendung der brachliegenden Tonnage der Mittelmäck-te alsdann ermöglichen lasten sollte, der bedrängten Bevölkerung d*r Mil'el mäckste die Furcht vor äußerstem Elend zu nehmen und ihr Ee leaenheit zu geben, ihre Aufmerksamkeit und ihre Kräfte dev großen und gefahrvollen Ausgaben des politischen Neuaufbaues zu widmen, denen sie j.'tzt überall gegenübersteht. In diesem Sinne beauftragt mich der Präsident zu erklären daß er bereit ist. die Versorgung Deutschlands mit Nahrungsmitteln in günstigem Sinne zu erwägen und diese Frage mit den verbündeten Negierungen sssort aufzunehmen, vorausgesetzt, daß er die Versicherung erbölt. daß in Deutschland die öffentliche Ordnung aufrecht erholtem wird und a"ch weiterhin au'recht erholten bleibt, und daß eine gerechte Verteilung der Nahrungsmittel uv,zweifelhaft garantiert wird. Die Freiffaatenkottferem. Berlin, 25. Nov. (WB.) In der Konferenz der beut* scheu Bundesstaaten äußerte nach den, Referat des Vorsitzenden Präsident Eisner schwere Bedenken gegen die Tagesordnung. Die Lage sei bekannt, aber nicht, wie eine neue Lag-' zu schaffen fei. Er schlage vor. die Diskussion in drei' große Gruppen zu gliedern: 1. Waffenstillstands- und F-riedenshedingungen Zugleich mir d«'r Vorfrage nach der Aktionsfähigkeit der Regierung. 2. Politisch-nationaler Zusammenhang 3. Wirtschaftliche Beziehungen der Gliedstaaten zsm Reich. Das alles müsse nicht nur erörtert, sondern entschieden und abgeschlossen werden. Vorsitzender Ebert drang mit feinem Vorschlag durch. daß mit dem Referat zu beginnen und dann die Gruppierung vorzunehmen lei. wie sie Eisner vorschlage. Staatssekretär Tr. Sols- Da die Teilnahme der Vereinigten Staaten am Krieg« sich als ausschlaggebend erwiesen habe, hätten wir uns mit unserem Waffenstillstands- und Friedensangebot auch an sie gewandt. Außerdem habe Wilson als Einziger rin ehrliches pazifistisches Programm Vertreter;, während alle anderen Gegner Imperialisten seien. In unserer Laae sei aber die einzige Rettung eine entschiedene pazifistische Politik und damit eine Eindämmerung des Inwerialismus. Allerdings herrsche auch in Amerika Siegesstimmung und daher llebsreinstiinmung mit den Wasfenstillstandsbe- linounoen. Amerikas Forderung sei, daß in Deutschland die Ruhe und Ordnung ansrechtei halten werde, sonst drohe es nach den Worten Tafts mit de,n Einmarsch. Eben jetzt sei die Anlloo-t Wilsons eingegangen welche die Versorgung in Aussicht stelle, wenn die öffentliche Ordnung auirechter- balten werde. In England habe die hochfahrende Sieges- srimmung gesiegt. Selbst Lansdowne und Henderson seien verstummt Lord Eecils Rücktritt könne man wohl auf f eii*e Stellung zum Völkerbund zurückführen. die der unseren entspreche. Auch in England werde von Deutschland eine gesicherte Majontätsregierng verlangt. Herrsche in England Sieaesjubel, so sei in Frankreich Siegestaumel an der Tagesordnung. Seine öffentliche Meinung dränge vor allem ans die Unterdrückung jeglichen Bolschewismus, ober es scheine fast, als wolle man in Paris gar keinen Frieden, sondern hofsi' durch Förderung des Separatismus das Reich zu zerstören. In Polen fei das Bestreben der Regierung, die Lia'-üdation der deutschen Okkupation ohne Blut zu erleichtern obwohl die Volksstimniung anders gerichtet sei. Dem deutschen Gesandten sei die Mitteilung gemacht worden, daß man auf die freundschaftlichen Beziehungen zum Reiche Wert lege. Ungünstig wäre die Uebernahme der Regierung durch die nalionaldemcckratische Partei, die entcntefieu-ndlich und deutschfeindlich sei. In der Ukraine scheine sich der Gedanke des russischen Föderativstaates durchsetzen zu wollen wenn sich auch Gegenbestrebungen bemerkbar machten. Rußland fei von der alten Regierung int Interesse des notwendigen Friedensschlusses anerkannt. Auch wir wollten mit der Sowjetregierung in Frieden leben, aber gegen die bolschewistische Propaganda in unserem eigenen Lande durch Moskau müßten wir uns auf das Entschiedenste wehren. Tie Verhältnisse in Rußland seien unerträglich geworden. Das Ende der Sowjet! egiervng schein« bevorzustehen. Zusammenfassend kommt Solf auf den unbedingten Ver- r.ichtungswtüen Frankreichs, dem die jeparatistißhen Eigen- n.ö'chtigkeiten im eigenen Lande in die Hände arbeiteten, zu sprechen, so, wenn der Arbeiter- und Soldarenrat in Hamburg selbständig Beziehungen zur Sowjetrepublik angekniipn habe, oder, wenn von anderer Stelle unser Kurier des A»s- lväitigen Amlos auf der Reise nach Wien verhaftet würde. Er habe mit seinen Beamten loyal unter der neuen R gie- rung gearbeitet, aber der Vernichtung des Reiches könne er nicht ohne Protest zusehen. Seine einzige Hoffnung, s>.'i diese Konfeienz: denn die heutigen Verhältnisse zerstörten alle Friedenshofknnngen. (Mehrfacher Widerspruch) /Die Konferenz müsse unbedingt dreierlei betchließen: 1. .Die Fentralgewalt darf keiner Kont'-otle unt-.nstellt sein, tttfiefa die Einzelstaaten nickt anerkennen; 2. Die Auslandsgeiclxsile dlitten nur der Reichsrdgi.'rung obliegen; 3. Für die Nationalversammlung, die nicht in Berlin, sondern in einem zentral gelegenen Ort zu tagen hat, muß baldigster T^'.min festgesetzt werden- d?nn was heute vorhanden lei, könne nur als Provisorium gelten. Soli schloß mit den Worten, daß er dann an eine glücklich^ Zukunft der Revolution glaube, und sie nicht um ihre F. ächte bringen ivolle. Hierauf erstattete Staatssekretär E r z b e r g e r seine Rrkciat über die Waffenstillstondr-nerhandlikugen. Er berichtete zunächst über den Entschluß des Kriegskaoinetts. am 8. November dem französischen Oberbefehlshaber die Kapitulation Deutschlands auszusprechen. Die Verhandlungen füh.ten zu dem Ergebnis, daß Eisaß-Lothringen entgegen den. von Foch mitgeteilten Bedingungen nicht als besetztes Gebiet, sondern als selbständiger Staat bezeichnet wurde. Punkte, in denen die Bedingungen Milderung erfuhren, waren- Verlängerung der Räun?ungsftist von 30 auf 36 Tage, Ablieferung von 5000 Lastkraistvagen statt 10 000, di- Bestimmung, daß die 8tückgabe der deutschen Krtegsge» faugenen im Präliminarfrieden geregelt werde, enolich die Zusicherung der Versorgung mit Lebensmitteln. Vorläufig wickelt sich die Erfüllung der Bedingungen verhältnismäßig gut ab. Das Kriegsmaterial wird ordnungsgemäß übergeben. dagegen konnten nur 3000 Lokomotiven und 100 000 Waggons abgoliesert werden. Tie Abniachung über die deutschen Kriegsgefangenen mrldern zu können, erscheint hoffnungslos. Die Rückkehr der Gefangenen vollzieht sich normal. Unmöglich dagegen ist die Riirktührvng der russischen Kriegsgefangenen vor dem 1. Februar 1919. In her Le- bensmitielfrage ist gestern zum ersten Mal- eine cntgegen- kommend gehaltene Depesche Clenienceaus eingetroffen. Zu erwarten ist auch viel von der Ankunft Hoovers in England. Zu zweifeln tst aber entschieden an der Möglichkeit, die Räumungstermine inne zu halten, und es ist zu befütchten, daß die Entente Rechtsmittel suckle, um in Deutschland einzurücken. Hieraus ergibt sich nach seiner Meinung die dringende Notlvendiakeit eines Präliininarfricdens. Ferner erhofft er von dieieni das endgültige Aushören des Blutvergießens. die Heinik-hr der deutschen Kriegsgefangenen "nd die Wahrung der Reickseinheit. Im Falle der Verzögerung befürchte er Nachteile durch längere Besetzung der linksrheinischen Gebiete und durch die Verwu^ächnng der pol- uischeu Ansprüche in Posen u,:d Oberschlcsien schon während des Waffenstillstandes. 0 i s n e r erklärte darauf: Di' R-serate Solls und Erz- b'rgci-: ließen wirklich nichts dav:n melken daß inzwischen d'e Revolution il'.re Arbeit g-wn l'.ab^. Sicherlich wolle De,'l'chsi nd den Frieden, aber i.i. eire'cken würde es nur du-ch völlia uukompromittierte Lü'mnr-. Man fasse sich an Keys, wenn man die Namen der Wallenstillstandsunter- händsier lese. An ihrer Spitze ständen Leute, wie Erzberger, welche die Weltvergiftnng der iJffenflicfien Meinung organisierten. Solf halte Verhandlungen mit Wilson für angebracht obne zu bedenken, daß er dadurch die anderen der Gegner für minderwertig erklär«. Beides r.iüsie ja den Frieden zum Scheitern bringen. Er könne die Tätigkeit dieser beiden Männer nicht anders als QonremrclmioTi nennen. Er kenne die Entente nicht aus den Zeitungen, sondern aus persönlichen Berichten. Ihre Forderungen leien: 1. Mit Männern zu verhandeln die nicht zu:n allen System gehörten. Elemencea» habe erst neulich e» klärt, die ursprünglichen Waffenstillstandsbedingungen gälten nicht dem deutschen Volke, sondern Kaiser Wilhelm ll. Er sei gegangen, ihm müßten aber auch all die kompromittierten Männer nach Holland solaen, wenn sie nicht wegm Landes- und Volks- ve^rats an geklagt werden sollten. Soll, Enzberper und ihresgleichen seien llir alle Zeiten erledigt. Tie 2. Forderung der Entente sei, Männer an der Spitze der deutschen Regierung zu sehen, die das Vertrauen der Masse genossen. Deutschland brauche eine Reichsreaiernng. die ohne Hemmung eine demokratische u„d soziale Politik treibe. Außerdem schlage er dis Einführung eines provisonschen Präsidiums, anstelle deS Bundesrates vor, das alle Verhandlungen mit der Entente führe. Nur auf Grund dieser seiner Vorschläge könne der Separatismus unterbunden wsrdlli, den er in Bayern bekämpfe. der ober stärker sei denn je. Heine (Anhalt) setzte sich für Erzberger ein. der immer ein Mitkämpfer gegen den Militarismus gewesen fei. Die Entente sei gegen das deutsche Volt und nicht gegen einen einzelnen Unterhändler. E b e r t bat um die Erlaubnis, den Gesandten Deutsch- Oesterreichs. Ludo Hartmann, vorstellen zu dürfen, der als Gast der Versammlung beiwohnen werde. Hartmann dankte für die freundliche Begrüßung und betonte, es dürfe keine Präjudiz fein, wenn er heute als Gast hier weile, er fühle sich schon völlig zugehörig. (Bravo!) E e i 1 n e r (Gotha) fand die Verteidigung Heines erklär- fich, da Erzbergers Sünden auch Heines Sünden seien. Er sehe das Programm in der Frage' Ist uns der Frieden lieber als der Sozialismus? Man müsie für die Sozialisierung sein selbst dann, wenn men sich dadurch eine feindliche Besetzung zu- zrehe. Ihm stehe das Volk über dem sogenannten Vaterland und dem Volke könne nur der Sozialismus helfen. Leprnski (Sachsen) erklärte: Sols will im Intereffe des Friedens alle Sozialisierung hintan stellen, wogegen schärfste Verwahrung einzulegen sei. ebenso wie gegen die Einschränkung der Arbeiter- und Soldatenräte durch die Zentralstelle. Die Natronalversammlung kann zurückgestellt werden bis die Vorbedingungen für sie geschaffen sind. An die Einberufung des Reichstags ist nicht zu denken, denn er rst mit dem alten Regime gefallen. Die sächsische Negierung will zur einheitlichen deutschen Republik kommen, und zwar unter Anschluß von Deutsch-Oesterreich. Alles andere ist als Provisorium zu betrachten. Eine Aufschiebung des Sozialismus zu Gunsten des Friedens darf keinesfalls stattfinden. Beigeordneter rm Auswärtigen Amt Kautsky unterstützte Eisners Forderung nach einer Negierung, die von dem MehrheitZwillen getragen sei und keine kompromittierten Männer enthalte. Die Friedensbedingungen würden nicht so hart sein wie die Wossenstillstandsbedingungen. Der Pazifismus fei allerdinas die Ausgabe der Männer der Regierung, dürfe aber nicht von den einstigen Kriegshetzern getrieben werden. Er bedauere. daß die noch nicht festgenommen feien, die durch die eben verössenttichten bayerischen Berichte so schwer kompromittiert seren. Dies würde dem Frieden wahrhaft dienen. Ulrich (Hessen) erklärte: Das alte Regime Jei durch die Soldaten gestürzt worden, denen sich dann die Arbeiterräte an- geschloiien hätten. Der- Kapitalismus müsse liquidiert werden aber erst handle es sich um den Frieden. Unkompromittierte Leute feien zu seiner Herbeiführung gut. aber diese seien selbst unter den Unabhängigen schwer zu finden. Das Reich müsse bleiben, aber eine Berliner Diktatur gefährde es auf das schwerste. Wir wollen nicht von Berlin los, sondern mit Berlin gemeinsam arbeiten. Bis zur Nationalversammlung seien die Arbeiter- und Soldatenräte deren Ersatz. Daß die Negierung dre allen Männer zum Teil im Amte behalte, sei doch selbstverständlich. ebenso wie die Beibehaltung einzelner Bundesrats- Mitglieder als Informatoren der Einzelstaaten Sü-ddeutsch- land je, für die größte Beschleunigung der Natlonalversamm Ivng In Baden seien die Wahlen zur Landesversammlung am den 5. Januar festgelegt. Württemberg beeile sich ebenfalls. In Hessen werde der Dermin Mitte Januar fern. Gegen das von Eisner oorgeschlagene Präsidium habe er nichts einzuwenden. Bernstein wandte sich gegen die Auffassung, als wenn mau erst den Sozialismus durchführen und dann zum Frieden kommen müsse. Unser weitverzweigtes volkswirtschaftliches Leben sei unmöglich in ganz kurzer Zeit zu sozialisseren. Die wichtigste Frage sei die. so schnell wie möglich zum Frieden zu kom- "*?• ^betrachte es als ein Unglück, daß man Persönlichkeiten mtt der Führung der Wafsenstittstandsverhandlungen beauftrag, habe, die stark belastet seien und sich von den Methoden des alten Systems zu sehr befangen gezeigt halten. Die Wafs-n- stlllstandsbedcngungen wirkten seiner Ansicht nach auf die zioil-n Verhältnisse nicht jo zerstörend, wie allgemein angenommen r njdnc ^^Uck,' Männer zu den Verhandlungen . ! uimaI bQS ^trauen der Gegenseite genössen und sich andererseits auf die Mehrheit des Volkes stützten, du ““ Wlüen ""derum nur durch die Nationalversammlund deutsä^en Republik. Sie verpflichten sich. lediglich im Sinne der Rechtseinheit zu wirken und separatistische Bestrebungen zu bekämpfen. 2. Die Einberufung einer konstituierenden Nationalversammlung wird allgemein zugestimmt. ebenso der Absicht der Neichsleitung. die Vorbereitungen zur Nationalversammlung möglichst durchzuführen. 8. Bis zum Zusammentritt der Nationalversammlung sind die Arbeiter- und Soldatenräte die Repräsentanten des Volks- willens. 4. Dis Neichsleitung wird ersucht, auf die schleunige Herbeiführung eines Präliminarfriedens hinzuarbe'tten. Nardschleswig abgetreten. Berlin, 22. Nov. Wie die ..Tezehoer Nachrichten" aus sicherer Quelle vernehmen, ist Nordschleswig schon abgetreten. Die Chaussee Tondern-Apcnrade-Sonderburg soll die Grenze bilden Es sind danach also abgetreten dre ganzen Kreise Sonderburg und Hadersleben und der nördliche größere Teil der Kreise Ton dern und Apenrade. Ob die Abtretung von der wahrscheinlich dänisch zusammengesetzten A.- u. S Räten der beteiligten Kreist vorgenommen wurde, oder ob sie auf Anweisung von Berlin erfolgte. steht noch nicht fest. Sicher darf man annehmen, daß sie durch einen Mwbtspruch und nicht durch Volksabstimmung auf Grund des Selbstbestimmungsrechtes erfolgt ist. Nach einer Meldung aus Apenrade teilte der Reichstagsabgeordnete Haussen gestern auf einer Volksversammlung ein Schreiben mit. daß ihm von Dr. Sols am 14 November zugegangen ist und besagt, daß die deutsche Regierung aus dein Standpunkt stehe, daß auch die nordschleswigsche Frage in llebereinstimmung mit dem Frie- densprogramm Wilsens auf der Grundlage des Seldstbestim- mungsrecktes gilbst werden solle. Im Anschluß hieran teilt Haussen mit, daß an einem der nächsten Tag-» unter Hinweis aus dieses Schreiben durch den dänischen Gesandten in Berlin die Anfrage an die däni'che Regierung gerichtet weiden solle, ob Dänemark Nordichlesnig aufnchmen würde, wenn dieser Lan ArbchsgrulkWilsl lijMsm Arhmggtöer und -iik!>ütr. Berlin, 24. Nov. (WTB. Nichtamtlich.) In gemeinsamer Sitzung vom 19. November haben sich die großen landwirtschaftlichen Organisationen, vertreten durch den Reichsausschuß der deutschen Landwirtschaft und die Verbände der landwirtschast- lichen Arbeiter und Angestellten, zu einer Arbeitsgemeinschaft ländlicher Arbeitgeber und Arbeitnehmer vereinigt. Die Ar. beitsgemeinschaft ist auf paritätischer Grundlage errichtet. Sit soll den Sitz für ein gemeinsames, von gegenseitigem Vertrauen getragenes Zusammenwirken von ländlichen Arbeitgebern und Arbeitnehmern und zugleich einen zusammenfassenden Mittel. Punkt für die Bestrebungen der einzelnen Verbände bilden. Der landwirtschaftliche Berns mit seinen zahlreichen Zwischenstufe« zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern und dem engen Zu« sammengehörigkeitsgefühl aller seiner Glieder erfordert in die. scn schweren Zeiten vor allem eure Zusammenfassung der Kräfte nm in gemeinsamer Arbeit an dem Wiederaufbau des Wirt schaftslebens auf dem Lande und an der Herbeiführung befriedigender Verhältnisse zwischen Arbertgel>ern und Arbeitnehmer» auf dem Lande mitzuwirken. Die Arbeitsgemeinschaft bilds zugleich einen Zentral-Vauern- und Landarbeiterrat. Die ge. schäftsfiihrende Ließe befindet sich in Berlin SW. 9. König, grätzerstroße 19. 2 Die Ausarbeitung besonderer Satzungen für die Arbeitsgemeinschaft bleibt späterer Zeit Vorbehalten. sie InsaWrinisi ker Gresrhrlnebe. Berlin, 24. Nov. (WB.) Der preußische Finanzminister Simon besprach mit dem Schriftleiter des Volkswirtschaft- lichen Teils der „Deutschen Allgemeinen Zeitung" das Pro , [ blem der Vergesellschaftung und erklärte u. a.: Sckwn die Tatsache, daß die Negierung eine besondere Kommission ihren geltend machen könne. S - Y m a n n lWürttemberg) erklärte: In der Forderung nach unkompiomill,eilen Männern lind wir uns alle einig -b-n!° -rich-inl Soiss Festste,iung richtig, dag kur den Abjchlutz de- Friedens -ine unangekochi-n- Zeniralgewai, nötig ist. Den "" nai> überwi-g-mLer Ansicht sobald wt« "Tn Uni> Soldatenräte baden die Revoiuiion g-!»°„en und bestehen daher zu Recht. Aber rm, den, Lieg Revolution muh auch ihre Umwandlung kommen. Sie sind e.u Prorusor.um bis zur schleunigst einzuberufenden Naiional- versamm.ung. Gelingt der BerUner Versuch, diese zu verzögern dann siegt der Sozialismus. Württemberg steh, durchaus aus dem Boden der Reuhseinheit. aber wir brauchen Ordnung und £ ' Ldbensmrtt-toerh-Itnis,-. Uebcr unz geht di-Soldaten- e „"™ ^ ,nroe3 - D'ir haben viele Tausende van °l äsirssi.chen Finchtl.ngcn zu versorgen. Wir haben keinen Zwei- d i TZ" , ßeIa,ien ’ °>!r auf dem Boden der Demokratie und des Sozialismus stehen, und nur geringen Widerstand gesunden Von anderen führte noch Londsberg aus: Eigner °vve unkornoremittrerie Männer als Friedenounferhändler er k.are aber selbst, datz cs fraglich fei. ob diese wertere Miide- rungen erzrelen konnten. Tic bisherigen Milderungen und die L-densmilieizusage seien den alten Männern genährt worden ua» e»,gegen «isner und Bernstein halte er diese Bedingungen f nertraqlcch. Die zweite Forderung Eisners. daß die Re- *‘S werden müsse, un T.?} . D °! l9, ä "der nichts anderes, als schleunige Etaberusung der Nationaloersammlung. Um I Uhr wurde die Sitzung bis 3 Uhr nachm, ausgesetzt. « In der Nochmillagssitzung einigte man sich auf folgende Forderungen: „ 1. Die Ausrechterhaltung der Einheit Deutschlands ist ein Dringendes Gebot. Alle deutjchen Stämme gehen geschlossen m gewählt hat, in der hervorragende deut'ck>e Volkswirte und zwar sowohl Männer des praktischen Wirtdesteil bei der bevorstehenden Abstimmung sich für die Wieder- ! schaftslebens als auch der Wissenschaft sitzen, beweist dent- m-reinigung mit Dä>'ema,k ansspreckien sollte. Der Vorstand und die Vertrauensleute des Wuhlervereins nahmen mit 57 gegen 2 Stimmen eine Rewlutron an. die den Wünsch aussvricht daß die nordjct.leswigiche Frc.ge derart gelöst werde, daß Nordschleswig. berechne 1 von der Linie, die von Flensburg zur Flensburger Flrde bis zur Kupfermühlenbvcht kolgt. Badburg zur Grenzstation macht, danach südlich Groeslöv vorübergeht und schließlich längs Skelbackken und Didaaen zur Nordsee zieht, als Grenze darüber abstimmen soll, ob es eine Wrederverbindung oder Wieder Vereinbarung mit Dänemark wünscht oder nicht. Die beiden Mitglieder, die gegen die Resolution stimmten, traten der Revolution jedoch unter Vorbehalt betreffend Flensburg unid das umliegende Gebiet ber. Pogrome ln Golrsien. Krakau, 2? Nov. (WB.) Tie galizifchen Zeitungen be* richten über Judenpogrome in Galizien. In den letzten zwei Wochvn fanden in einer großen Zahl galizifcher Ort- schnfftn Pogmune gegen die jüdifcl'e Bevölkerung statt. Wie die Krakauer Zeitung „Nowy Dziennik" mitteilt, fanden ^olche Pagrome in Blizowa, Dobvo. Grodzisko Iwonitz. ^aworzo, Mielia, Morawira. Naswadow, Strzizow, Stczakow, Tzebina, Zator. Tarnow. Gorliza u»nd vielen anderen Orten statt. In allen diesen Ortschoften und ftädten wurden viele Juden mißhandelt und zum Teil ae- tötet. Neberall wurden sämtliche jüdi'che Läden und viele Privathäuftr geplündert. Tie jüdische Bevölkerikng all dieser Städte wurde gezwungen sie zu verlassen, und befindet sich in einer furchtbaren Lage. Tie Ausschreitungen geben überall von ^ polnischen Bevölkerung aus. Die polnische Miliz und die Legionäre verhalten sich vollkomnren passiv, zum Teil haben sie sich an den Ausschreitungen beteiligt: in manchen Städten entwaffneten sie die dort gebildete jüdisch? Selbsiwehr vor den Ausschreitungen. Die Erregung in der ganzen galizischen jüdischen Bevölkerung ist groß. Do 7 i verschiedenen Seiten gingen bereits Telegramme an Wilson und neutrale Staaten mit der Bitte zur Intervention ab. Gegen den Kolkchewismus. Kownv, 22. Nov. (WB) Ter Soldatenrat von Kowno hat 2 n die Berliner Negierung folgende Mitteilung gelangen lassen: Die gestrige Versamknlung der Telegiepten des großen Sodatenrates hat folgend^ Nesolution einstimmig angenommen und sie der Neichskanzlei telegraphisch übermittelt: „An Scheidemann, Neict)skanZlei, Berlin. Wir stehen auf dem Boden der Demokratie. Wir wollen keine Diktatur, von wo sie auch kommen mag. Wir werden uns nicht einer Partei, die nicht das ganze Volk repräsentiert, fügen. Wir wollen, daß der Wille des gesamten Volkes geschieht. Dazu brauZLn wir die konsiituierende Nationalversammlung auf Grund des allgemeinen, gleichen und geheimen Wahlrechts Wir wollen nicht, daß die Diktatur über unser Schicksal entscheidet und der Nationalversammlung bestenfalls die Sanktion des Staatsstreiches überläßt. Und darum erklären wir, daß wir die Negierung, und nur sie. voll und ganz unterstützen, verlangen aber von ihr die Erklärung, daß sie nur provisorisch ist bis zur möglichst schnellen Einberufung der konstitnierenben Nationalversammlung, die dem Neich eine Verfassung und Negierung geben soll. Der Vollzugsausschuß des Arbeiter- und Soldalenrates hat kiaft seiner revolutionären Machtbefugnis das Aufsichtsrecht liber die Negierung, darf aber die exekutive Gewalt derselben nicht einschränken. Er soll erklären, daß er keine pvlitisclie Km Perschaft ist und daß die ganze politische Osewalt in den Händen des deutscl-en Volkes in seiner Gesamtheit liegt." lich. daß die Erperimente. wie sie in Nußl^nd vorg^'.wmmen lvnrden. verniieden werden sollen und daß insbesondere gefährliche llebersiürzungen verhindert werden. Als die oberste Forderung sehe ich die ununterbrochene Fortführung der Produktion an. Es wird besonders Wert daraus gn legen sein, daß durch die Veraesellsckaftung keine Unterbrechung der bisherigen Tätigkeit eintritt. denn wir haben alle gleiches Intei-esse an d?r bisherigen Höchstleistung. Wir müssen nicht nur eine einheitlich organisierte Produktion ei ns Uhren, sondern zugleich auch ein gut durck>dachtes System, das ber kleinstem Aufwand höchste Erträge gibt. Anstelle der Ver- srliwendung, die bisher getrieben worden ist. muß rationelle Ausnützung aller Möglichkeiten treten. Das Tenwo wird \o sebr beschleunigt wie nur möglich, denn Arbeiter und Unter* nehmer haben in gleicher Weise ein Interesse daran, daß Klarheit darüber geschaffen wird, in welck)er Weise die Pro* duktjon organisiert werden kann. Meine persönliche Ansicht geht dahin, daß man nur die Betriebe vergesellick>iftet. die dazu reif sind. Man spricht mit Recht von der Verstaatlichung der Waffenindnsine. Man erwartet auch die Sozialisierung der Elektrizitäts-Industrie. So wird man insbesondere daran denken. Stromgewinnung für den Staat nutzbar zu machen. Alle Monopol-Produkte wie Kohle. Kali usw. gehören unter allen Umständen der Allgemeinheit. Ich denke in erster Neihe an die großzügige Reform der Bodenverteilung. ferner an eine rationellere Ausnutzung der Zementindustrie. der Ziegeleien und dergleichen, wovon der gesamte Vaumarkt gleichen Nutzen haben wird. Auch kann man erwägen, gewisse Formen des Großhandels der Allgemeinheit nutzbar zu nmck^en, sei es in Verteilungsstellen. Am leichtesten wird die Sozialisierung dort vor sich geben, wo es sich um den Erwerb von Privatmonopolen durch Staats- nionovole handelt, wie z. B. in der chomisckxm Industrie und dergleicl>en. In Betracht kommen nur solche Betriebe, bei denen sichere Aussicht besteht, daß Gewinn erzielt wird. Große Gehälter für leitende Persönlichkeiten werden sich ohne Gefahr für die Leistungsfähigkeit der Betriebe senken lassen zu Gunsten besserer Entlohnung der Arbeiter und Angestellten. Wir denken garnicht an Gewaltmaßregeln. In Betracht kommt nur Enteignung, keine Konfiskation. Ich denke nur die Entwickelung so. daß bei jeder Unternehmung die Entschädigung von Fall zu Fall festgesetzt wird. Ist dieser Wcrt festgesetzt, dann würde ich Vorschlägen, daß man eine besondere Anleihe, eine Nationalisierungsanleibe. schafft deren ausschließlicher Zweck ist, dem Staate die Mittel zu geben, die er zur Durchführung des Dergesellschaftspro- gramms braucht. Dir Forderung der Spartakus-Gruppe auf Annullierung der Kriegsanleihen über 5000 Mark bezeichnete Simon in dieser Fassung als ganz undiskutabel. Denn welche Gerechtigkeit liegt darin, wenn man einem Manne, der sein mühsam erspartes Geld im Betrage von 20 000 Mark in Kriegsanleihen angelegt hat, 15 000 Mark fortnimmt, während man dem Kriegsgewinnler, der 50 000 Mark in Aktien einer Kriegsgesellschast anleate. sein Geld läßt? Die Bestände der Sparkassen. Krankenkassen, Invalidenversicherung usw. würden dadurch aufhören zu existieren. waS für die Arbeiterschaft einen ungeheuren Verlust bedeuten würde. Wenn das Reich Geld braucht, so muß es sich solches im Wege der Besteuerung besck)affen. nicht im Wege der Annullierung von Anleiben Die Besteuerung wird so sein, daß sie dem Ge- rockchigkeitspriuzip entspricht «nd den notwendigen sozialen Ausgleich bringt. Da ich im Interesse der breiten Massen (s.unbedingt für nötig halte, die i-ndrrekten Steurrn möglichst vollkommen abzubauen, so denke ich an die Notwendigkeit durchgreifender Einkommen- und Verniögenssteuern. Ferner muß das Erbrecht in weitestem Maße reduziert werden, sodaß auf diese Weise scl-on automatisch die großen Kapitalien bejeitigt werden. Die Svzialisieruna dürste Reichsangeleaenheit bleik^n, denn sonst ist eme ernherrische, zielbewutzte Wirtschrftspolitrk undurchführbar. Diese Tatsachen bedingen auch, daß die lokalen Bestrebungen, die hier Ulrd da ausgetreten sind, unter allen Unrständen verschwinden. Sie Kochen auch mit Wasser. Wir haken neulich einen Aufsatz der Frankfurter ..Volksstimme" gebracht, ans dem ersichtlich ist. dag die nunmehr zur Regierung gelangten Herren zur Einsicht gelangt sind, daß auch sie mit Wasser kochen muffen. Es ist leichter, von dem Standpunkt der Opposition aus die Dinge zu kritisieren, a^s selbst, an das Steuerruder gebracht, das Schiff zu lenken. Das muffen wir euch jetzt wieder bei den Beschlagnahmsmaßregeln des Le- bensmitteldlktators von Frankfurt erleben. Dort sollen nam- : Xtc!) sämtliche Lebensmittelnorröte an Mehl. Fett. Fleisch. Eier und Zucker beschlagnahmt werden und den Betroffenen nur ein Vorrat von je 3 Pfund Mehl. Fett und Fleisch. 4 Pfund Zucker und 20 Eier belassen werden. Die „Vollsstimme" wendet sich gegen den Erlaß mit folgenden Worten. Der vom Arbeiter- und Soldatenrat eingesetzte Lebcnsmit- leldrkrcttor für die Lebensmittoloerforzung in Frankfurt a. D> Ti. Schmv.de hat eine in d.rs Prioatlebeu tief einschneidende Verordnung erlallen, die unseres Erachtens nicht ganz unbedenk lick fst. Er hat verfügt, datz über bestimmte Mengen hinaus Vorräte nicht e.ufaespeichect werden dürfen: mHdesenoere verordnet tr, daß Vorräte an Getreideniehl. Fleisch, Fleischdauer- rvaren. Wurst. Fette und Eier beschlagnahmt sind und längstens bis zum 28. November an den LekanntgegkSenen Ablieferungs stellen zur Abli.'ferung zu bringen sind ZrveisMos ist diele Maßnahme gut gementt. man will danrtt den großen Hamsterern zu Leibe gehen: aber die Wirkung dürfte wohl eine verfehlte sein. Herr Direktor Schmude wird sich doch wohl darüber im klaren fein, daß mit dieser Verfügung feine Bestände an Le- der.smttleln nur um ein ganz geringes bereichert werden dürften. Auf der anderen Seite aber dürfte die Wirkung dieser Verordnung eine starke Dew'uachrgung in weiten Kreisen der Bevölkerung sein. Wir haben im Einvernehmen mit dem städtischen Lebens- mittelaml bisher in schärfster Weise den Schleichhandel und das Hamstern im großen verurteilt und bekämpft- Aber wie die Versorgung sich un 4. Krregslahr gestaltete, muhten selbst das! Ceneralkommandv. die Kommunalverbände und die städtische, Lebensinittelstelle nicht nur ein. sondern be'de Augen zudrücken i gegenüber den Verswben der Bevölkerung, lich über den Nahmen desien, was offiziell zur Becteilung gelangt, Lebensmittel zp beschulsen. Darüber waren sich auch die Amtsstellen klar, dass mit den zugeteilten Ratronen niemand auskommen könnte. Eine Folge der mangelhaften Ernährung, unter der das Volk Ni» bereits seit nahezu 4 Iechrev zu leiden hat. sind die bekannten Krankbeilsenchei'.ungön. die i» den Monaten Tausende von Menschenleben gefordert haben. Wenn angesichts dieser Tatsachen jetzt ein erneuter scharfer Eingriff in die Le- bensmittelbestände der Privathaushaltungen versucht wird, so erscheint uns dies nach jeder Richtung hin äußerst bedenklich. Der Lebensmitteldiktator hätte in feinor Verordnung eine Einschränkung dahin treffen müssen, daß die Bestände, die rechtmäßig erworben sind, von der Beschlagnahme ausgenommen werden. Wir denken dabei an die kleinen Zuwendungen. die Angehörige von Familien, Väter, Brüder oder Söhne zeitweilig aus Rumänien. Polen und der Ukraine- mit Genehmigung der Heeresverwaltung nach Hause geschickt haben. Das gleiche gilt bezüglich der Vorräte, die sich einzelne Haushaltungen tatsächlich erspart haben, z. B. Zucker und andere Sachen Wir wissen 4Nis buhenden von Fällen, daß Hausfrauen ihren Kindern den Zucker kür den Kaffee, entziehen, um ihn zu Tinmachncscken zu eriparen. Soll auch solcher Zucker nunmehr der Beschlagnahme verfallen? Selbstverständlich sind wir damit einverstanden- und wurden es nur begrüßen, wenn seitens des Lebensmitteldiktators gegen ; alle bic»errieten Militärpersonen eingoichritten würde, die jetzt mit Kisten und Kasten voll Lebensmitteln aus der Etappe nach Hause kommen. Aber von diesen dürsten^die wenigsten gefaßt werden. Vielleicht, daß da und dort auch in die Speisevorräte irgend einer reichen Familie im Westend eingegriffen wird, aber das bringt nicht so viel ein. wie man erwartet. Wir befürchten vielmehr bei dieser Beschlagnahme dieselben Wirkungen wie bei dem Vorgehen gegen die Hamsterer seitens des bayerischen Kriegswucheramtes. Die kleinen werden gehängt und die großen läßt man laufen. Nebenbei bemerkt scheint uns die Durchführung dieser Verordnung fast unmöglich, cs sei denn, daß e'n ungeheurer Stab von Kontrolleuren auf die Bevölkerung! losgelaflen wird. Mir sind der Meinung, in einer Zeit der allgemeinen Aufregung, wie wir sie jetzt durchleben, sollte von Maßnahmen abgesehen werden, die nur geeignet sind, ia weite Kreise der Vevölkeruno starke Beunruhigung zu tragen. Wenn man Lebensmittel be schlagnahmen will, dann bietet sich jetzt an den verschiedenen Durchgangs- und Bahnstationen des Militärs viel bessere und 8»hnendere Gelegenheit. Wir haben die Ausführungen im Wortlaut gebracht, weil fitö wir wirklich keine anderen Worte finden könnten, um uns Legem die in Frankfurt beliebten Vorgänge zu wenden. Die Ausführungen aber zeigen, daß auch die „Volksstimme" ansängt mit den-gegebenen Verhältnissen zu rechnen und den Tatsachen xencht werden mutz. Ans Lev Seiumt. Feiedbeeg. 25. Nov. Dom hiesigen Arbeiter- und Soldcffen- rat geht uns folgender Auszug aus einer besonderen Anordnung des stello. Generalkommandos Frankfurt a. M. zu: Heeresgut darf unter keinen Umständen an Private ohne Genehmigung des Generalkommandos oder der Intendantur o^außert werden. Es ist durch Zeitung und öffentlichen Auch ag bekannt zu machen, datz Private, die entgegen dieser Be- f r-unungen Heeresgut kaufen, dadurch kein Besitzrecht erwerben. Um das kn den rwffchaften und an den Landstraßen herum- ^ liegende wertvolle Heeresgut usw. zu bergen, sind bei den De- j zirkskommandos Sammelstellen einzurichten, wo auch militärische Bekleidungsstücke und Waffen von zu entlassenden Mannschaften aufzubewahren sind. Veterinär-, Arznei-, Verbandsmiitel und Geräte sind von den aufzulösenden Formationen an das Deterinärsanitätsdepot Frankfurt a. M., Hohenstaufenstraße 8 abzuliesern. Eines jedermanns — Soldat wie Zivilist — dringendste Pflicht muß es sein. Heeresgut, Waffen ujw^ was auf der Straße und sonstwo gesunden wird, an die genannte Sammelstelle abzuliesern, damit dieses für uns so wertvolle Material nicht verloren geht. Im Aufträge des Arbeiter- und Soldatenrats Das stellv. Generalkommando 18. AK. Frreöberg, 26 Nov. Heute nacht wurde wieder ein auf der Strecke Friedbcra-Noßbach stehender Eisenbahnzug. der mit Mi- li-ärgut beladen war, überfallen. Es hat sich zu einem regelrechten Feuer zwischen Posten und .Zivilpersonen entwickelt. Wie richtig es ist. daß der hiesige Arbeiter- und Soldatenrat rücksichtslos durchgreift, beweisen derartige Fälle aufs neue. Die ' niedrigen Inst'nkte sind bei vielen Leuten so entwickelt, daß } man auf die Allgemeinheit keinerlei Rücksicht nimmt. Eisen- \ babnzüge wurden — wie bereits gemeldet — auch in der Um- ' gegsnd Friedbergs beraubt. Es wird daher vom Arbeiter- und Soldatenrat alles gefcheheu, um dergleichen Fälle zu vermeiden. Auf diese Weise beschlagnahmte Lebensmittel werden der All- gemeincheil zugeführt werden. Augustknrrschule. Wir machen auf die M'itte'ttwng der Direktion der Awanftimschule über die WisLercrufnabmie des Unterrichts, die sich im Anzeigenteil dev heutigen Nummer befindet, aufmerksam. Friedberg, 26. Nm». Die Train-Ersatz-Abj-eilung 16 hält aus der Seewiese am 27. und sorgenden Tagen Pferdever- ft e i g e r u n g e n. Pfe.'^evs?ftesM?smg?n. Von Donnerstag. den 28. November ab finden in Gießen täglich Pferdeverstcigeru-ngen statt. Die Pferdeverstcigerungen werden nicht auf dem Trieb, wie bereits mitgetri.lt, sondern auf dem stäottschen Pferdemarktplatz am Schlachtvieh Hof abgehalten. Sie beginnen vormittags 11 Uhr. Der Kaufpreis ist in bar zu entrichten. Bezahlung in Kriegsanleihe, die zum Nennwert angenommen wird, ist erwünscht. An der Versteigerung dürfen sich in erster Linie nur Landwirke und Gewerbetreibende beteiligen, die durch Bescheinigung der örtlichen Behörde (Bau-crnrat usw.) Nachweisen, daß sie Pfer-de an die Heeresverwaltung abgegeben haben und noch nicht anderweitig ihren Bedarf an Pferden decken konnten. Händler werden nicht zugelassen. Nähere Auskunft erteilt die Geschäftsstelle des Provinz-Bauernrats in Gießen. Friedrichstraße 6 (Telefon 166) oder die Pferdekommission in Gießen (Telefon 2115). Der umgekehrte Schleichhandel. Wenn man so hintenherum sich ein bisclwn Fett, sagen wir ma: ein Pfündchen Butter, verschaffen konnte, so hatte die Freude über diesen Erwerb auch eine reckt unangenehme Kehrseite, nämlich man mußte auch die Cchleichhandelspreise bezahlen, und die sind bekanntlich gepfeffert. weil es ja Pfeffer auch nur im Schleichhandel gibt. Dazu kommt noch das unangenehme Bewußtsein, daß man sich nicht erwischen lassen darf, denn dann ist Butter und Geld weg. und man hat vielleicht auch noch Gelegenheit, im stillen, jedoch nicht gemütlichen Kämmerlein über sein Schicksal nachzudenken. Daß man aber Fett erwerben kann und daran noch Geld verdient und dabei der Allgemeinheit nützt, das scheint doch noch nicht so bekannt zu sein, wie nran es eiaentlich erwarten dürfte. Zu Nutz und Frommen der Mitwelt sei daher das- Verfahren dieses umgekehrten Schleichhandels bckanntgegcben: Gehe in den Wald und sammele Bucheckern, die es in diesem Jahre dort in Hülle und Fülle gibt. Bringe die gesammelten Bucheckern zur öffentlichen Abnahmestelle: man erhält dort für jedes Kilogramm Bucheckern bis Zu Dkk. 1.65 und außerdem einen Oelbezugsschein der wiederum für jedes abgelieferte Kilogramm zum Bezug« von 60 Gramm Oel berechtigt und zwar muß für dieses Del nur der normale Preis gezahlt werden, der etwa 96 bis 95 Pfennig betragen wird. Man hat dann markenfreies Del. außerdem noch einen Geldüberickuß: dazu kommt noch das erhebende Bewußtsein. nicht nur für sich selbst, sondern auch für die andern gesorgt zu haben, denn die Oelmenge. die auf den Bezugsschein geliefert wird, ist etwa die Hälfte dessen, was sich an Speiseöl aus den Bucheckern gewinnen läßt, und die andere Hälfte dient dazu, eine sonst notwendige Verkürzung der allgemeinen Fett- ration zu verhindern. Mährend der Schleichhandel die Allgemeinheit schädigt und den Geldbeutel recht kräitig erleichtert nützt der Bucheckernsammler dem deutschen Volk, versorgt sich mit Fett und füllt obendrein seinen Geldbeutel. Frankfurt a. M.. 22. Nov. Der Frankfurter Magistrat wandte üch ror einigen Tagen mit dem Ersuck)en an die Waf- fenstillstandskomckliffwn, ihm mit Rücksicht aus die Schwierigkeit der Ernährung usw. endgültig Beickeid zu geben, ob Frankfurt in die neutrale Zone oder in das befetzre Gebiet falle. Darauf ist, wie die „Frant'furteL Zeitung" vernimmt, der Bescheid eingegangen. datz nach der neuesten Auslegung der Bedingungen Frankfurt teilweise zum Brückenkopf Mainz gehöre, teilweise neutrale Zone fei. Der Magistrat beschloß darauf, die Waffen stillstandskommissicn und die Oberste Heeresleitung zu ersuche« darauf hinzuwirken, datz Frankfurt überhaupt nicht besetzt werde denn eine geordnete Verwaltung sei in einer teilweise besetzten Stadl nicht möglich. — Heber die Linien, die den Brückenkop» Mainz und das anschließende neutrale Gebiet abgrgnzen. macht jetzt das Kriegsministerium folgende authentische Mitteilung: Das zu besetzende Gebiet findet seine Grenze: Westrand Frankfurt—Reu-Isenburg ausschließlich-Langen einschließlich—Ar- heilgen—einschließlich—Westrand Darmstadt—Pfungstadt aus' schließlich—Gernsheim ausschließlich Die Grenze des neutralen Gebiet-s verläuft von östlich Offenbach—westlich Dieburg—westlich Nieder Modau—westlich Zwinoenborg—westlich Lorsch und von hier in südlicher Richtung 6 Kilometer westlich Weinheim bis 3 Kilometer westlich Heidelberg. ! S AuS Siarkrnbnrg. Darmstadt, 19. Nov. Gut versorg: haben sich eine AnzaÜ Feldgrauer, die von der Front rc{p. aus der (rnin* kamr. m*l nack der Heimat reisten. In Arheilgen wurde gestern etv lirt» bahnwagen beschlagnahmt, der nahezu ganz mti Kletde-rn, P» bensmitteln aller Arr brladen war. darunter auch sine Kuh. die frischmelkend war und auf der Rerse die Kaffeev,cr«h lieferte, enthielt. Auf Veranlassung des hie»5g«n Ätetfecmt«* wurde das Tier heure früh noch dem städrUchen Schiecknb^ übergeführt, um den Fleischmangel nicht ollzufühlbor werv« zu lassen. — Ein bedenklicher Unfall ereignete sich am gestrrgal Tage in E b e r st a d 1. Ein von der Front kommender mHf* Feldgrauen stark besetzter Lastkraftwagen stieß in eiliger Fahrt, mit einem Wagen der elektrischen Straßenbahn zusammen, m» , durch eine Anzahl der Soldaten hernnterfielen und ebenso a»t> eine Anzahl Anderer Verletzungen erlitten, die zum Glück n.ch^ schwerer Natur sind. Der elektrische Wagen erlitt ebenfalls leichte Beschädigungen. Darmstadt. 19. Nov. Schon wieder ereignete sich ein &\xf bruch in der Filiale der Firma Schade Sc Füllgrabe in de Heinrichstraße dahier. Die Diebe schlitgen in der verflossenem Nacht eine Erkerscheibe ein und hatten schon für etwa 300 3JU. Waren aller Art an sich genommen, als sie erwischt wurden. IC. Lensheim, 20. Nov. Der Arbeiter-. Bauern- und Sol- daterrat dahier bej hlagnahmte gestern früh 32 Kisten mit Stearinkerzen, die als Umzugsgut an eine hiesige Ehemisch« Fabrik iakturiert waren. Für die bevorstehende Einquartte. rungszeit ist dieses werlvoNc Beleuchtungsmittel eher willkon^ men. — Vier Stück Pensionsschwrine wurden in Schönberg ausfindig gemacht und nut Beschlag belegt. FC. Groß-Gerau, 20. Now In der hiesigen Zuckerfabrik wurde nachts erngeorochcn und Nahrungsmittel von hohem Werte gestohlen, darunter auch die Hälfte-eines geschlachteten Ochsen. FC. Jugenheim (Bergstraße). 20. Nov. In der Oelmühl« von Friearcch Krämer wurde eingcbrochen und bedeutende Mengen fertigen Oeles and auch Oelfrucht entwendet. FC. Vom Odenwald, 1 A. Nov. Großheizog Friedrich und Großherzogin Hiloa von Baden haben sich mit Gefolge aus Schloß Zwingenberg als Privatpersonen niedergelassen. Der Arbeiter- und Soldatenrat Eberbach hat sofort beschlossen, die Wache auf dem Schlosse zu stellen und dafür zu sorgen, daß die Eroßherzog'ichen Herrschaften ungehindert und unbelästigt dort wohnen. Die ..Eberbacher Zeitung" schreibt dazu: Wir rrchten auch an die Bevölkerung die Dctte, dem Fürstenpaar. das fein badisches Land und Volk stets aufs innigste geliebt hat, den Aufenthalt auf Schloß Zwingenberg so angenehm als möglich zu machen. Der Eroßherzog, der von uns cmmer als ein vor. nehmer, echt ritterlich deutscher Mann anerkannt wurde, soll uns als einer unserer edelsten Bürger mit seiner Gem-shlin am' Neckar herzlich willkommen sein! Aus Rhcinhksse'n. Mainz. 25. Nov. Am Dienstag, gegen 10 Uhr vormittags, rucken die-117er nwcki ihrem nruen Standoxt Friedberg i. H. Die Soldaten marschieren zw Fuß. Der Weg führt über den Kaiser-Wilhelm-Ning und die Große Bleiche, über die Brucks nach Castell über den Rhein. Mainz. 21. Rov. (Cs geht schon Tos*) Der „Hess. Landes? zeitung" schreibt man: Die jetzt frei umherwandelnden eng« U'ichen Offiziere werden in ihrer Heimat ein nettes Bild der Deutschen entwerfen. Nicht nur die Schuljugend, auch erwachsene Mainzer umringen freudestrahlend und lachend diese Leute. Was müssen diese von der Geistesverfassung ihrer Bewunderer denken? Hcffentlich wahren die Mainzer und Mainzerinnew ihre Würde gegenüber der bevorstehenden französtschen Besatzung! — W'e uns von amtlicher Stelle milgeteilt wird, wurden im Laufe des gestrigen Abends sechs Frauenspersonen, die sich in ärgernis.-rregelider Weise mit englischen kriegsge« fangenen Offizieren auf den Straßen und in den Gasthäusern abgaben. von Patrouillen der Militärpolizei aufgegriffen und dem Prcvinz:alarresthaus zugeführt. Das schamlose Verhalten dieser Frauenspersonen ist umso verwerflicher, als gerade in diesen Tagen unstre braven Truppen in die Heimat zurückkehren. FC. Worms, 20. Rov. In einer hier abaehaltenen Volts- rersamm.ung wurde Klage geführt über den Mangel an Ar. beitswilliee. Die Leut«, die sich meldeten, suchten zum Teil die Lage craszunutzen, indem sie außerordentlich Hobe Löhne for- derlen. Deccltstehendcr Hafer hätte wegen Arbeitermangel nicht ausgeladen und weil die vorhandenen Lebens- und Futtermittel aus MaNliel an ArLertskläften nicht hätten transporiiert werden können, hallen »Loldoten auf dem Laude bei den Vaueru requirieren müssen. Dre Bereitstellung von Arbeitskräften fei dringend nötig. FC. Aus Niederhessen. 20. Nov. Ein Flugzeug stürzte bei Dischhausen ab. dre Insassen, zwei Offiziere, waren sofort tot. Der eine derselben wurde als der bekannte Herrenreiter Rittmeister von Görne vom Hufaren-Regiment 14 in Kassel agnos- kiert. _ Kirchliche Nachrichten. Gottesdienst kn der Durgfrrche. Mittwoch. 27. Rov. 1918. abends 8>4 Uhr: Gemeinde- versani'ulung. Herr Direktor Schoell. Offene Stellrn: 28 Knechte. 5 Tagelöhner. 1 Veiwalter, 2 Bäcker. 1 Haus» buttche. 2« Dreiistlwagde, lö Hausmädchen, l Melkerin, 3 Wrrt- schajterrnnen« Stellens uchender Mehrere Melkersamilien und ledige Melker, 1 Wärter, 1 Kaisierelin oder Verkau erin, 1 Pflegerin. Vemntwortlicb fm den politischen und lokalen Tett: Okta Hirsches. Fl iedberp: für den Anzeigenteil: R. Heyn ew 4 Fiiedbelg. Truck lind Verlag der ^Reuen ToaeszcitungE, _ L. G.. Friedbera i, S. 40 ) Fe Herxenskttrnpfe. Roman non Helene Cck: üity. peb von Gersiwrft, 1U15 by C. Äckermann-Stuttgart.) Nachdruck verbalen. Nachdem sie etwa nach eine Stunde gewartet hatte, lautete! Lina erschien sofort. ..Nun? nun? wie stets?" fragte ste fast atemlos vor Spannung. ..Es muh sein. Es gibt keine andere Rettung!" entgegnete Hilde fest ..Der Marquis war unerbittlich." „Das hatte ich vorausgesehen!" triumphierte Lina, voll Genugtuung über ihre Menschenkenntnis. „Lina, prüfe dich nochmals!" mahnte Hilde ernst. „Bist du entschlossen, mir zu helfen?" „Ach, gnädiges Fräulein. freilich, da gibts doch nichts anderes". antwortete Lina. „Di-?" fuhr ste sehr bezeichnend fort, „würden Sie ja halb tot quälen'" „Also, dann abgemacht! Heute nacht, wenn ich von der Verlobungsfeier zurückgekommen bin. kommst du her. um mich auszukleiden. Während der Mahlzeit bringst du alles her. was wir schon verabredet haben und tust es einstweilen in eine Kommodeschublade. deren Schlüssel du abziehst und zu dir steckst. Du kleidest dich so. wie ich dir es schon heute morgen gesagt habe stur die notigen Haus- und Gartentorschkiistel muht du sorgen du kannst ste dir ja leicht verschaffen. Auch vergiß nicht, den Bootsmann zu benachrichtigen Meinst du nicht dah es ohnedem ginge? Wenn wir nun durch ihn verraten würden!" ..Das geschieht nicht, gnädiges Fräulein!" versicherte Lina. .Er ist ein guter Freund von mir und er weih ja nicht, dah Sie »"'kommen Wenn wir ihn erst wecken und 'heraustrommeln wüsten, so macht das zuviel Lärm und wir verliefen Zuviel Zeit falls unsere stlt'chf doch bemerkt und wir verfolgt würden." „Ja. du hast Recht, es ist doch bester KV erwiderte Hilde „llrrb nun vor ollen Dingen: lah dir nichts anmerken! Freue dich mi) den andern über meine Verlobung, trink auf meine Ge- fundbeit. ollerdings nur mäsig. denn du muht lriscb und nüchtern bleiben, aber je mehr die andern trinken, um so bester für mr«. Mchis fchläfer? so fcvt miH fest etit, als Wel« wrb Vier. Und nun schnell, frisiere mich. Neide mich an. mach' mich jchön! Damit ich würdig zu meiner Verlobung erscheine!" Und ste wurde schön. Ein ausgeschnittenes. kurzärmeliges kirschrotes Seitenkleid mit langer Schleppe umraufchte ihre Herr liche Gestalt. In ihrem reichen dunkeln Haar, auf ihrem weihen schönen Halse blitzten kostbare Diamanten. Als ste bald darauf in den neben dem Eßzimmer gekegenen Salon trat, wo die übrigen ste bereits erwarteten, entfuhr dem Marquis unwillkürlich ein ..Ah!" der Bewunderung. Auch ihres Vaters Augen ruhten mit Befriedigung auf seinem schönen Kinde. Fräulein Lehmann war ebenfalls in großer Toilette die Herren im Frack. Nachdem man einander begrüßt und der Diener gemeldet hatte, dah die Suppe aufgetragen fei. bol der Marquis den Arm. um sie in s Eßzimmer zu führen, das mit seiner festlichen Beleuchtung, feiner blumcn- und filbergeschmückten Tafel einen prächtigen Anblick boj. Da olle bemüht waren, heiter zu scheinen, so verging das Mahl bei lebhaften Gesprächen und Scherben. Hildes Augen akübten in fieberhaftem Glanze, ste sprach soviel und so lebhaft daß ste kaum Zeit hatte, von den auserlesenen Speisen zu tosten. Der Geheimrat dachte befriedigt: „Nun. da haben wir's! Cie ist ja schon vollständig ausgesöhnt mit der Sache. Und mehr als das' So lustia habe ich ste kaum noch je aefehen. Es wäre nicht einmal der Mühe wert gewesen, ihr den Willen zu tun selbst wenn ich es gewollt hätte. O, Weiber? Wetterwendisches, charakterloses, elendes Geschlecht" Als der Braten aufgetragen war und der Diener die feinen schlanken Seklgläser mit schäumendem Champagner gefüllt hatte erhob er sich mit folgenden Worten: ..Wir baben schon oft in gleicher Welse miteinander zu Tisch gesesten. wie drei Hausgenossen mit unserem lieben, langjährigen Freunde. Herrn Marquis von Reymond. Er hat es ner standen, durch seine Liebenswürdigkeit, leinen Geist, feine Talente uns alle an sich zu feste!». Also oft. fast unzählige Male waren wir in frohen Stunden mit ihm vereint So möchte es scheinen, als fei fein heutiger Besuch, odwohk' wie immer el» willkommenes Ereignis, doch keineswegs okvaß Besondere». Doch dem ist nicht so. Sein heutiger Besuch hei für mein Haus eine liefere Bedeutung. Er hat bei mir um die Hand meiner einzigen Tochter geworben. Ich habe ste ihm mit Freuden zugesagt. da ich keinen würdigeren Gatten für sie finden konnte. Das junge Brautpaar lebe hoch!" Die Glaser klirrten aneinander. Alle standen auf und schüttelten sich die Hände mit lächelnden Mienen. Es schien olles ln bester Ordnung. Hilde fühlte während des Toastes, wie ihr Herzschlag stockte, wie ihr schwindelig wurde, als sollte ste ohw mächt'.g werden. Doch mit fast übermenschlicher Energie schüttelte ste diese Schwächeanwandlung von sich. Nur jetzt sich nicht verraten! Alles wäre verloren' Aber wie namenlos schwer wurde ihr die Komödie, sie wer der Heuchelei, der Lüge so gänzlich ungewohnt. Sie wunderte sich eigentlich im stillen, daß sie es überhaupt konnte. Dann fetzte man sich wieder und der Gebeimrot begann in breiter, behaglicher Weise Pläne für das Leben des jungen Paares zu schmieden. „Ich denke, ihr werdet nichts dagegen hab-m. wenn die Hochzeit so bald wie möglich stattrindet. Wir wollen ste in unserem Stadlhause in C. feiern und zwar so großartig und glanzend. wie es dem Ehrentag meiner geliebten einzigen Tochter und Erbin entspricht. Alle unsere werten Verwandten und Freunde dort und auswärts wüsten dabei sein Und Sie lasten alle Ihnen Nahestehenden ans Frankreich kommen. Marauis! Der Kostenpunkt irielf dabei keine Rolle. Alle sind weine Gäste auch was die Reise angeht. Und dann wißt ihr. Kinder, was ich tue? Ich richte euch ein hübsches kleines Palais in Paris ein als ständigen Wohnsitz. Solange der Marauis fetzt noch bei den Gesandtschaften und Konsulaten tätig ist geht 'br gelegentlich dorthin. Wenn er mal genug hat. zieht ihr eu^> ganz dorthin zurück. und ihr macht dann non da. eurem f>e\m Reisen wohin es euch beliebt. Nun, was saget ihr dazu? Ist meine Idee gut? was?" ^orttehimg feint Todes-Anzeige. (Seffern Abend entschlief nach langem, schwerem, in Geduld ertranenem Lesden meine unvergeßliche Catlin. unsere liebe trcubcsorgie Müller, Schwiegermutter, Groß, mutter, Urgroßmutter, Schwägerin und Tante Frau Katharine Reitz . . , . oeb. Reich im 71. Lebensjahr«. Echzell und WeSeshelm, den 25 . November 1918. Die trauernden Hinterbliebenen. Die Beengung findet Mittwoch nachmittag 2 3 / 4 Uhr statt. Wkanntrnachmig. Halte Jetzt wieder Spreclist tm den Wochentags: Vormittags von 9 b>s I Unr f nachmittags von 2 bis 6 1 /« Uhr. Sonntags: Vormittags von 9 bis 12 Uhr. Zahn-Praxis Feier Metzler Fernspr. 220 Friedberg i. Hanauerstr. 8. J Arbeiter gesucht. Für die Dauer unserer Campagne suchen wir lür sofort 100 tüchtige Arbeiter. Aktien-ZuckerfaLrik Wetterau. mSr« « t i curn%”r mitr ’ ”°' ra,t,a93 °°° 2Uhr Weißkraut In Mengen von 28 vnd 50 Pjunr. Preis pro Pfund 8 Pfennig L^esberz. Lea 2ö. November 1918. VV ß Der Bürgermeister (städt. Lebcnsmii el-^usschuß) s— ______ 2. A .: Langsd o r f. Versteigerung. Am Freitag, den 20. November 1918, vorm. 10 Uhr fteige?ung'vo^" D0X Cetn HelMchen Hof in Butzbach Ber- 41 FlÜhett (darunter 37 hochträchtigen, 4 frischmelkenden) 4 Tchwcincn, 1 Zentrifuge, 1 Brrtterfatz patt. " 6HrHli n hin r i rt , üt tb ? U nicht zuqelasten. Ersteigerer haben durch be- Sf‘“v ,0 ! cn Juleis ngchzuwei.en. baj sie das Vieh pp. m eigenen Bedarf erwerben wolen und nicht Händler sind. ~ er Nauleis ist sofort zu erlegen, Kriegsanleihe wird in Zahlung genommen. ' Legeben^ ^^"gungen werden vor der Versteigerung bekannt Butzbach, den 25. November 1918. Der Arbeiter- und Soldatenrat: W i t t i a. fc 1 i n n A iEg' 8 s«li saersc §8 ess le ((»ymsiasium und Realschule.) D-r Unterricht wird im beschränklen Umfang am Mittwoch, den 27. dS. MtS.. wieder ausgenommen. Zur Entgegennahme näherer Mitieilurnen haben sich am Mittwoch um Uhr vor mittags einzusinden: Die Schüler der Vorklalle. der 6.. 5.. IV.. V., und lV. im Ho:e oer Seminorkchule (Uiagofse), alle übrigen Schüler im Hofe der Augustinerschuke. Don un eren auswänieen Schülern, insbe andere ron denjeni en aus der näheren Um ebung Friedbergs, erwarten wir. datz sie, wenn irgend möglich, gleichfalls exicheinen. Den Elte n die er Schüler mutz es überlasten bleiben, ihren Söhnen m dieser Hinsicht die nötigen Wei ungen zu geben. Die Direktion: Aitendorf. wieder rlngetroVfrn. Tapelcn- mul liinoleimiiiDus Jean ICIScjlei*, M rlrcSIi erg, Kaiserstrasse 27, Nähe des Rathauses. Reisender gebucht zum Berkow lricgsamUich gen.'qm. Met B daifsariikel. Cffeiten an Hessisches Versandhaus U h. D *11 Friesb-ra. (Sin lriislißkr Smige, welcher Lust hat. das Schmi de- baniwerk zu erlernen, wird sofort angenommen. Kost und Logis im Hau,e. Alfred Kuhwede. Schmiedeinstr.. Vurg-Gräfenrsde Donnerst g, den November lOltt. iiachmittiirS I U rr, kommen aus der hiesigen Sck'ä erer 40 Schafe Lämmer 1 reinrassiger Bork ',ur Verneige r ng. Lang-Köns, 22. Nov. 19l8. Schäsereige eilscha IWI» kl« i ge'ucht, welches täglich ein Heines Kind ausfähri. Zu er r a en in der Geschäftsstelle der ..Reuen Tages eitung". Stempel und Petschafte für Soldaten-, Bürger-, Bauern- u. Arbeiterräte. Friedr. Streckfutz, stieMetni.8. Ein paar prima zugfeste Urchstll hat abzugeben Adolf Coburger Wwe., Binr.enk'eimer Mühle, Station Reichelsheim, Welterau. Freitag, den 29. v. Mts. vor- . mitra-rs 11 Uhr an äugend tom- >men dahier, aus dem Kneiben. erwa m 6 U Ws'lhsfe iüiD Simiiicc zur Versteigerung. Gambach. den 22. Nov. 1918. I A.: N e u h l. Bürgerinei'ter. Mmnifl trqgrnitrr Stoff» 3% --————___ itin ^Tuinir um ^tuazaniun^ uno ion,t,ge Versicherungen übernimmt Batrr- landlsche Vieh-Aersicherun"SAelelIfchait. Dresden. Werderflratze 2» Prompte Entschädigung bis -u Öü% der Versicherun^vjunime. wunstlge Versicherungsbedingungen. Höchste Re-eiven. Tüchtiae VeUreter LveraU gejucht. Wachsamer schöner LLuMd billig zu verkaufen N. Viertel, Ossenheim. Allg Mi In zum Schlachten verkauft Metzger H «K t, Reichelsheim t. d. Wetterau. gegen Ueberlastung der Lämmer nimmt in Wlnterfntter iieMttieGuMtlf Eifenliach bei Lauterbach. Sagemehl zum räuchern zu haben bei Wilh. Sparenberq. 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