JSmnMtr 3 74 LLL Oe» 31. r>o«-m^r 1918 _ 11. Jahrgang r —-rrt.ryff 1 ”-” — z2mZ.z?zzt*i, »».»«.r..»... Die iiftitldifu Pllitärliflliinlif. Berlin, 20. Nov. (WB ) Heber die deutschen Militarbe- ^ stände links des Rheins, namentlich soweit die Lebensmittel in Jrnoe kommen, ist folgendes bestimmt wordene Die Lebens- ^ mittel stehen in erster Linie den ducchmarschierenden Truppen , zur Verfügung. Jeder Soldat erhält an Lebensmittel so viel er tragen kann, d. h. also Verpflegung für mehrere Tage. Im übrigen soll der Abtransport sämtlicher Militärbestände unter Aufbietung aller Kräfte bis zum Räumungstermin soweit irgend möglich durchgeführt werden. Deutsche Waffenstillstandskomm ission: Staatssekretär Erzberger. Ktiue förttiüjruna Mia iOnmlM'??. In den linksrheinischen Gebieten ist in weiten Kreisen die Befürchtung verbreitet daß die feindliche Heeresleitung die im Wehrpflicht >aen Alter stehende männliche Bevölkerung entweder als Kriegsgefangene oder zu Arbeitszwecken nach Belgien und nach Nordfrankreich abführen lassen werde. Die Befürchtung entbehrt jeder tatsächlichen Unterlage, denn der Abschnitt 6 des Waffenstillstandsrbkommens bestimmt' In allen geräumten Gebieten ist die Jorisiihrung von Einwohnern untersagt. Dem Eigentum d?r Einwohner darf kein Schaden oder Nachteil zuge- füot werden. Deutsche Wasfenstillstandskonrmisst on: Staatssekretär Erzberger. Zlim (frlafi über dir ^nllabuna in die ijeimnt Berlin, 20. Nov. (WB. Amtlich.) Zu den ..Leuten in mr- entbehrlichen Diensten'', die auf Entlassung warten müssen, bis fl« ersetzt sind. (Absatz 2 des Erlasses), gehört das gesamte Sanitätspersonal Kriegsminister Scheuch. Unterstaatssekretar Göhre. i ? rjf!iiiisj der Pfliinldjafiöflf&iilrfii. Berlin. 18. Nov. Der Vollzugsrat des Ausschusses des A.- und S.-Rates erläßt folgende Verordnung: 1. Mannschaften, die dauernd Arbeitsdienst leisten, sind zu entlassen. Wevden sie wciterbeschästigt, find sie freie Zivil- «ibeiter und als solche zu behandeln. 2. Mannschaften, die vorübergehend zu Arbeitsleistungen die sonst Zivilarbeiter verrick-t-n, herangezogen werden, erhalten für jede Arbeitsstunde 50 Psg. Zulage. 3. Mannschaften, die sich freiwillig zu besonderem Sicherheitsdienst über ihren EntlasiungHtag hinaus mit lOtägiger Kündigungspflicht verpflichten. können für dief-n Dienst angenommen und kommandiert wetten. Sie erhallen eine monat liche Löhnung von 30 Mark und eine tägliche Zulage von 5 Mark als Führer und 3 Mark als Mann. 4 . Die Mannschaften beziehen, so lange sie mobil sind, mobile Löhnung, soweit sie immobil sind, immobile Löhnung, jedoch Gefreite und Mannschaften monatlich 30 Mark. Der Rat der Volksbeauftragten. Eberl. Haale. Dittmann. Scheidemann. Landsberg. Barth. Der Vollzugßrat des Ausfchusies des Arbeiter« und Soldatenrates. Molkenbuhr. Richard Müller. Schlimme Kefürchlnngen. Berlin, 20. Nov. (WTB. Nichtamtlich.) Wie die deutsche Wafsensüllstanhskommission in Spaa meldet, vermehren sich infolge des aufgezwungenen, übereilten Rückzuges die Marfchfchttäerlgkeiten des deutschen Heeres, trotz des bisher günstigen Wetters. Die Franzosen scheinen sich auf keine Verlängerung der Ränmungsfristen einlassen zu wollen. Eine Katastrophe, d. h. die Auflösung des Heeres und zügelloses Zuiückströmen unter Plünderung des Landes und bewaffneter Widerstand gegen den nachdrückenden Feind, kann jederzeit eintrerrn, namentlich wenn schlechtes Wetter ein- tcitt. Berlin, 20. Nov. (WB.) Alle zur Zeit in der Presse austau^nden Nachrichten über erreichte oder uns zngesagte Milderungen der Waffenstillstandsbedingungen entsprechen nicht den Tatsachen. Vielmehr ist festzustellen: Trotz aller Vorstellungen und aller bereits zu Tage getretenen Unzu- trägüchkeiten in der praktisä)en Durchführung der uns auferlegten säweren Bedingungen des Marfenstillstandes ist von unseren Gegnern nicbt das geringste Entgegenkommen gezeigt worden. Die deutsche Waffenstillstandskommission: Staatssekretär Erzberger. Berlin, 20. Nov. (WB.) Ten gegnerischen Regierungen wurde durch Vernlittlnng der schweizerischen und holländischen Negierung folgende Nore übermittelt: Der deutsche Bevollmächtigte bei der Waffenstillstcmds- kommission in Spaa übergab aur 16. November folgende Note an die gegnerischen Vertreter: „Im Aufträge der deutschen Regierung habe ich aus folgendes nachdrücklichst hrnzuweisen: Bei Aufgabe der jetzt besetzten Strecken werden die dort eingesetzten Lokomotiven übergeben. Im ganzen handelt es sich dabei um rund 3000 Lokomotiven. Tie Zuführung der übrigen etwa 2000 Lokomotiven würde den Zusammenbruch des deutschen Eisenbahnbetriebs und damit eine schwere Gefährdung des deutschen Wirtschaftslebens bedeuten. Hungerrevolten mit ihren unausbleiblichen Folgen wären zu erwarten. Außerdem würde infolge der Lahmlegung des Eisenbahnverkehrs die Durchführung bestimmter Waffenstillstandsbedingungen, z. B. der Gefangenenabliefe- rung unmöglich sein. An Eisenbahnwagen werden voraussichtlich etwa 100 060 Wagen im besetzten Gebiet zurückgelasten/ Die Zuführung des Restes der Wagen auS Deutschland stößt bei der gegenwärtigen Lage auf Schwierigkeiten d-eren Behebung nicht abzusehen ist." Hierauf erwiderte Marschall Foch durch folgenden Funk- Spruch- „Die Frage ist nicht klar. Artikel 7 der Konvention' setzt eine Frist von 41 Tagen für die Auslieferung von f.000 Lokomotiven und 150 000 Wagen fest. Tie Frist kann nickt geändert werden. Ich stelle nur anheim, Lie- fenmgsstaffejn vorznschlagen. um die völlige Lieferung in der festgesetzten Frist zu erreichen." Die deutsche Regierung macht eineut auf die unabsehbaren Folgen aufmerksam, die bei strikter Durchführung der Bestimmungen des Artikels 7 der Wassenslillstandskomvention droben und bittet dringend, eine Milderung der Bestimmungen herbeizuführen. gez. Dr. S o l f, Staatssekretär d«s Auswärtigen Amtes. Wetz imd Kolmar. Paris. 19. Rov. (WB. Nichtamtlich.) Nach einer Haoas- meldunq hielt Marschall Petain. der Oberbefehlshaber der fran- zLsi'chen Armeen, nachmittaas seinen Einzug in d'e Stadt Mek an der Spitze der von General Lecomte a^übtten Truppen. Auch Kolmar wurde von den französischen Truppen besetzt. Keine Besetzung Helgolands. Berlin, 19. Rov. Die Besetzung von Helgoland wird nicht eintreten. Jedenfalls würde die Entente kein Recht dazu haben. Dle Waffemtillitandsbedingungen hatten die Besetzung von Helgoland für den Fall angedrobt. d"ß die deutschen Schifte nicht bis zum 18. d. M. in Bewegung fein sollten. Tatsächlich sind diese Schilfe in Bewegung. Im übriaen besieht zwischen den Wafsensiillstandebedingnugen und den Zusotzbestimmungen ein bemerkenswerter Widerspruch. Nach den Dedumunoen sollt.',: die Schisse ..interniert' nerdrn, und zwar in gerüstetem Zu- siand. In den Zusahbestimmungen heißt der Ausdruck ..übergeben". und es wurde g-.'fordert. daß die Uebergabe in volle" Ausrüstung erolceri feilte Für uns gelten selb'tversiändlrch nur die Wassenslillstandsbedingungen und wir baben infolge- dcsien die Schiffs in abgerüstetem Zustand in. Marsch gesetzt. Für die Jlatior,alverlammlmw. Berlin, 20. Noo. (WB.) Staatssekretär Scheidemann erhielt folgendes Telegramm: Der allgemeine Soldatenrat für das Gouoernernent Litauen erklärt, daß er sich uneingeschränkt auf den Standpunkt der Ablehnung jeder wie immer gearteten Diktatur stelle und mit aller Entschlossenheit die konstituierende Nationalversammlung als verfassunggebende einzig berechtrgte Macht ansieht, die geeignet ist, den wahren Willen des Volkes zum Ausdruck zu bringen. Allgemeiner Soldatenrat Litauens: Methner, Botta, Beier. Beim Staatssekretär Scheidemo.nn ist folgendes Telegramm eingetroffen: Der große Soldatenrat Kowno, der Zentralrat der Ostfront nahm in seiner heutigen Delegiertenversammlung einstimmig folgende Resolution an und bittet Sie, diese unverzüglich der Reichsregierung bekannt zu geben. Der Große Soldatenrat Kowno, der Zentralrat der Ostfront, erklärt, daß er sich uneingeschränkt auf den Standpunkt der Ablehnung jeder wie immer gearteten Diktatur stellt und mit aller Entschiedenheit die konstituierende Versammlung als verfassunggebende einzig berechtigte Macht ansieht, die geeignet ist, den wahren Willen den Volkes zum Ausdruck zu bringen. Der Vollzugsausschuß des großen Soldatenrates Kowno. Zentralrat der Ostfront: Asch. Bock, Hilche. Kultsch, Schußler. traurige Dorgtinge in Warschau. Verkitt, 10. Nov. Unter die revolutionären Vorgänge in Warsckra gibt ein VeNrraltungsbeamter im „Lokalanzeiger" 'eine Schilderung. Der Zündstoff habe schon lange in der Lnst gelegen. Verschiedene deutsche Polizeibeamten seien crsck-ossen worden, und von den ersten Novembertagen an mehrten sich die Opser unter den deutschen Soldaten. Am 0. November sei besonders viel auf den Straßen geschossen worden, und die Entwarnung einzelner deutsclnr Soldaten begann. Am 11. November ließ sich die 17 000 Mann starke deutsche Garnison von den 4500 Legionären, die nur etwa 400 Gewehre besaßen, entlvaffnen. Am gleichen Tage ergcw sich die Zitadelle bis auf ein Fort. Am 12 berichteten die polnischen Zeitungen triumphierend über bie Beute. Die „Gazeta Poranna" berichtet darüber: Ten Kürassie,-en wur- den 300 Pferde abgenommen, den Husaren 1000, dem Spital 200 und einem Zug, der aus der Ukraine kam, 400 Pferde. Auf dem Flugplatz Mokatow wurden 30 fertige und 40 demontierte Flugzeuge „erobert". Auf der Chmielna- Straße wurden die Depots für Arzneimittel und Verbandszeug geplündert, deren Wert auf 28 Millionen Mark geschätzt wird. Aus dem Bahnhof Warschau-Praga wurden 61 gefüllte Gebäude mit Proviant, Uniformen, Munition für mehrere Millionen mit Beschlag belegt. Ten Polen mußten 113 000 Waggons mit 15 Lokomotiven, ferner Kabel und alles Zubehör überlassen werden. Der Schaden ohne Eisen- bahn material beläuft sich auf über 700 Millionen Mark. Ter Soldatenrat trat mit PilsudKi, in dessen Händen nun alle Gewalt ruht, in Verbindung. Er versprach den ruhigen Abtransport der Soldaten und Beamten; das sind einschließlich der Frauen etwa 700000 Personen. Er stellte die Bedingung, daß die Abreise obne Waffen und nur mit Nahrungsmitteln für etwa acht Tage erfolgen und niemand mehr-als 1000 Mari bei sich tragen darf. Bürgerkrieg in der Ukraine. Berlin, 19. Nov. lieber einen Bürgerkrieg in der Ukraine melden die Politisch-parlamentarischen Nachrichten: Der §>etmcm hat, wie bereits gemeldet, seine Stellung geändert ein rechtsstehendes großrussisch orientierte» Kabinett berufen und sich — wahrscheinlich in Verbindung mit der Entente — für die Wiederherstellung eines Großrußland ausgesprochen. Der Nationale Bund, der alle linksstehenden Parteien umfaßt und am Programm der ukrainischen Unabhängigen sesthält, hat das nicht ruhig hin- genommen. Unter Führung des Ministers Winnrtlchenks nnd des Generals Pektura haben sich nationale Truppen zu- ^.m mengeschlossen und eine Gegenregierung gebildet. Sie marschieren aus .Kiew zu. Von verschiedenen Stellen der Ukraine werden Kämpfe genleldet. Die deutschen Truppen haben den Befehl erhalten, in diesem Konflikt unter allen Umständen Neutralität zu beobachten und nur die zur Sicher- stz-'llung ihrer möglichst bald erfolgenden Heimkehr iw*- wendigen Maßnahmen zn treffen. Ans Belgien. Amsterdam. 20 Nov (WB.) Hiesigen Blättern zufolge 'st. das belgische Königspaar gestern in Antwerpen angekommen. Amsterdam, 20. Noo. (WB.) Nach den hier vorllegenVen Nachrichten beabsichtigen die belgischen Mlnisier morgen nach. Brüsiel Zurückzukehren. Der König wird die Kammer am Frei tag eröffnen. Das Ministerium wird ummttelbar darauf sein». Entlastung nehmen. Nach den letzten Nachrichten ist das Unglück in Hamont entsetzlich. Die Zahl der Getöteten, meist Deutsche, wirb auf über tausend geschätzt. Holländische AcrKe sind nach Bel«- gien abgereist. Die Station Hamont ist vollständig verwüstet. Ungefähr 2000 Mann belgischer Bürgerivchr besetzten die Grenze. Aus den zum Teil sich widersprechenden letzten Berichten über das Explosionsunglück des deutschen Munilionszuges geht her> vor, daß das Unglück auf Unvorsichtigkeit der Bevölkerung zu- rückzuführen ist. die zusammengeströmt war, um von den in di« Heimat zurückkehrenden deutschen Soldaten Kriegsandenken zu erhalten. ?!iink- imti Mag in Ainmkll. Washington, 12. Nov. (WB.) Drahtlos. Wilson be- stilmnte in einer Proklamation den 28. November zuni Dank- ulld Bettag. In der Proklamation heißt es: Es hat Gott Wohlgefallen, uns Frieder zu geben. Er kommt nicht nur als ein bloßes Aufhören oes Kanrpkes, als Befreiung von der Anstrengung und der Tragödie des Krieges, er kommt als der große Triumph des Rechtes. Der vollständige Sieg brachte uns nicht nur den Frieden, sondern das sickere Vertrauen aus einen ireuen Tag, an dein die Gerechtigkeit an die Stelle von Gewalt und von eifersüchtigen Intrigen unter den Nationen tritt. Unsere tcHsteren Ariueen haben an dem Triumph Teil gehabt, der durch keine Absickst des eigennützigen Angriffes entstellt wurde. In einer S.^che deA Rechtes erwarben sie Unsterblichen Ruhm. Sie dienten ihrer Nation edel, indem sie der Menschheit dienten. Gott ist wahrlich gnädig gewesen. Solch Grund zur Freude belebt und stärkt in »ns allen die bestell Traditionen unserer Ge» schichte. Ein neuer Tag scheint uns; unsere Herzen fasset neuen Mut und sehen rmt n*u«r Hoffmmg den neuen Mw großen Pflichten entgegen. Während wir hierfür danken, dürfen wir nicht vergessen, in der Erfüllung dieser Pflichten die göttliche Führung zu sehen und die göttliche Gnade für alle Irrtümer in Handeln und Wollen zu erbitten, datz in allem, was wir tun, wir die Bande der Freundschaft und der gegenseitigen Achtung zu stärken, auf denen wir neue Ge- bäude des Friedens unter Len Nationen aufzubauen hoffen müssen. Tlemsnreau und Wilson. Amsterdam, 20. Nov. „Allgemeen Handelsblad" meldet aus London: „Daily Mail" berichtet aus Paris, man erwarte, daß 'Elemeneeau zum dauernden Vorsitzenden des Friedenskongresses gewählt werden wird, und daß Wilson ersucht werden wird, bestirnmte Sitzungen, vermutlich, vor allem die Eröffnungssitzung zu leiten. Deutlch-Oestcrreich. Wien. 18 Nov. (WB.) Die heute zusammengetretene pro. visariscbe oberöst"rreichische Land?sversammlung beschloß einmütig eine Erklärung, nach welker Oberösterreich kraft tei Selb'tbestimmunasrechts mit gleichen Rechten den Ländern Niederösterreich, Steiermark. Kärnten. Salzburg. T'rol. Vorarlberg. Deutichböbmen und den Sudstenländern als ein Glied des Staates Deutsch Oesterreich zur Seite trrtt. Die provisorische Landesversammlung erkannt die Nationalversammlung Demsch- Oesterreichs als oberste staatliche Gewalt an. stimmt ihrem Be schlusie über die Erklärung Deutsch-Oesterreichs als Republik zu und beißt insbesondere die Schutte willkommen, die unternommen wurden, um Deutjch-Oesterrerch in den Verband des Deutschen Reiches einzufüaen. Die Urheber des Wellbes-udes. Kristiania. j8. Nov. (WB. Nichtamtlich.) „Mor'cnöladrt" bringt in der Sonntaonummer zwei bemerkenswerte Artikel, in denen energisch Stellung genommen uird gegen besondere fr: porwegi'sben Presiekrcrsen verbreitete Tendenz, Deutschland die Sckiuld für den Krieg in die Schuh? zu schieben und das deutsche Volk für alle Leiden der letzten Jahr» verantworllrch zu machen Wäbiend der bekannte ncrweaifche Philologe Mellby im all^e meinen unl?r scharfen Angriffen aus die norwegischen Hetzer gegen Deutschland, die ihre Shadcnfrrr.de und ihren Haß gegen Deutschland auch setzt unverhohlen zur Schau trügen, seiner Entrüstung über dieses unwürdige Verhalten Ausdruck gibt und ein sofortiges Einsteven dieser „Hctziagd auf Deutschland und di: Deutschen" fordert, legt der Geschlchts^orsä-cr Ions Raube in einem längeren Artikel ..Ist Deutschland der allein Schuldige" an Hand d>s englischen llrkundenmaterials fest, in wie hohn und die Einziehung aller eigentlickren Kriegsgewinne mindestens von M. 50 000 aufwärts gefordert. Die ffbfnentiltriPfr nranng DkMlas-g. Stockholm, 20. Nov. (WB ) „Soenska Dagbladet" betont in einem Leitartikel die Notwendigkeit. daß die Entente Deutschland Lebensmittel schicke. Das Blatt führt aus. Wilson habe nur einem demokratischen Deutschland Zufuhren in Aussicht ge- stellt, nicht aber einem bolschewistischen. Man müste aber be denken, daß der Bolschewismus eben deshalb entstehen könne weil Nahrungsmangel herrsche. Es lei daher schwer, zwischen Ursache und Wirkung zu unterscheiden. Dann fahrt das Blatt fort: Eberls Aeußerunqen gegenüber amerikanisches Pressevertretern zeugen für eine freundliche Stimmung, die sich deutscherseits besonders gegenüber dem amerikanischen Präsidenten geltend macht. Auf ibn vor allem vertraut Las deutsche Volk, wenn es gilt einevErleichterung zu suchen. Es wird sich vielleicht bewahrheiten, was schon gesagt wurde, daß nämlich Wilson Deutschlands bester Freund auf dem Friedenskongreß werden wird. Das traurige Bild der Zustände in Europa, welches der Amerikaner Hoover entworfen hat. spricht für sich selbst und daß es gerade von dieser Seite veröffentlicht wurde, deutet darauf hin daß man es dort mit seinen Versprechungen wirklich ernst meinf. Geht Amerika entschlosten auf dem Wege der Versöhnung mit Unterstützung seiner früheren Feinde und den Neutralen voran so können die Alliierten in Europa solche Bestrebungen nicht vereiteln. Die mächtigen Vereinigten Staaten haben jetzt eine größere Autorität als je, ihren Willen durchzusetzen. Norwegische Fische. Kristiania, *7. Noo. (WB.) „Sozialdemokraten" veröffentlicht eine Eingabe der Leitung der schwedischen Arbeiterpartei an die nerweainbe Regierung, worin diese aufgefordert wird, bei den Ententestaaten auszuwirken daß Norwegen Gelegenheit geneben werde, so rasch wie möglich außer den gemäß des Abkommens mit Amerika festgesetzten Mengen von Lebens Mitteln diejenigen Eßwaren. namentlich Fischprodukte, an denen Norwegen selbst noch Ueberfluß habe, an die deutsche notleidende Bevölkerung, die einer raschen Hilfe dringend bedürfe, zu senden Gerade da allgemein bekennt sei, daß die norwegische Bevölkerung während des Krieges mit den früheren Machthabern Deutschlands keineswegs sympathisiert habe, gelte es jetzt, dem neuen freien Deutschland über die schwierigste Zeit hinwegzu- he-lfen. Drot oder Kolfchemismtto. Es ist kein Zweifel, daß uns von unseren bisherigen Feinden Hilfe in der Ernährung nur kommen wird, wenn es gelingt den Bolschewismus der Spcrtakusleute niederzuhallen. Zn Wilsons Note kommt diese Voraussetzung deutlich genug zum Ausdruck. Auch in den maßgebenden Stellen der deutschen Negierung ist man der Ueberzeugung. daß die von der Entente und den Vereinigten Staaten in Aussicht gestellten Vergünstigungen für die deutsche Ernährung und auch die Milderung der Waffenstillstands- und Friodensbedingungen lediglich mit Rücksicht aus die Zusammensetzung der jetzigen deutschen Regierung zugesagt woroen fino. -rne gegenwärtige Regierung Ebert-Haase gewäyr- leistete Ordnung und Sicherheit und bürge der Entente und den Vereinigten Staaten für eine verständnisvolle Regelung der schwebenden Fragen und für vernünftige Friedensvcrhandlungen. Sollte es dem Bolschewismus gelingen, diese Negierung zu stürzen. so würde zweifellos die Entente alle versprochenen Erleichterungen als hinfällig erachten, den Waffenstillstand kündigen und in Deutschland einrücken. Damit würden dann die Wir«, kungen eintreten, die sich aus einer völlig zerrütteten Ernähr rungswirtschaft in Verbindung mit feindlicher Besetzung ergeben müßten. Auch die „Sozialistische Korrespondenz" macht auf diese Lag* der Dinge aufmerksam und schreibt: „Die Entente läßt auch nicht den mindesten Zweifel, daß sie ein Uebergreifen des Bolschewismus auf Deutschland mit ollen Mitteln verhüten will. Und die Leichtsinnigen, die alls diese Warnungen nicht achten zu müsten glauben, müsten doch vor der neuesten Note Halt machen, die Lansing im Auftrags Wilson an die deutsche Regierung gerichtet hat und in der die Sendung von Lebensmitteln ausdrücklich davon abhängig gemocht wird, „daß in Deutschland nachweislich die öffentliche Ordnung besteht und fortbestehen wird und daß eine gerecht« Verteilung der Lebensmittel nachweislich verbürgt werden kann." Diese ausdrücklichen Erklärungen bestätigen die vertraulichen Nachrichten, die der Neichsregierung aus dem neutralen Aus- lande seit Sonntag zugegangen sind und in denen mit äußerster Schärfe die Erleichterung der deutschen Volksernährung von der Vermeidung des Bolschewismus abhängig gemacht wird. Diese Informationen gehen soweit, mit dem Einrücken der ententi- stischen Truppen im Falle eines Sieges Liebknechts zu drohen und diese furchtbare Möglichkeit sogar dann schon in Aussicht zu stellen, wenn die russische Gesandtschaft unter Joffes Führung, aus Mins nach Deutschland zurückkehren sollte. Charakte- ristischerweise wird hinzugefügt, daß die entcntistischen Besatzungstruppen des Leben der bolschewistischen Vertreter in Deutschland nicht verbürgen könnten!" Die Erwartungen der Extremen, daß auch in den Ententeländern revolutionäre und schließlich bolschewistische Dewegung-n um sich greifen würden, Erwartungen, die eine völlige Verkennung der Psyche eines in solchem Kriege siegreichen Volkes bedeuten. l^nt auch diese Korrespondenz ab: „Ein Umsturz in den Entenieländern als unmittelbare Folge der deutschen Revolution ist nicht zu erwarten. Die Enten der „Weser-Zeitung" über die Ermordung des Feldmarschalls Foch und die Hiffung der roten Fahne auf englischen Schiffen verdienen keine Beachtung. Die starke soziale Bewegung in den Ententestaaten wird allgemein friedlich verlaufen. Denn die Ententestaaten haben sämtlich Land, um den heimischen Arbeitsmarkt zu entlasten und unter dem segensreichen Schutz der eigenen Flagge neue Heimstätten zu gründen. Sie müsien auch Deutschland Siedlungsland für den Abfluß der industriellen Reservearmee gewähren, wenn sie wollen, daß die soziale Entwicklung sich hier ruhig vollzieht." Wie die Dinge liegen hat also das deutsche Volk die Wahl, ob es aus den Nöten des Krieges und ihren Nachwirkungen mög. lichst glimpflich herauskommen oder durch Entfesselung der Anarchie zunächst noch das Schlimmste heraufbeschwören lasse« will. Die Frage steht: Brot oder Bolschewismus. Die Tat» fache, daß sich die Spartakusgruppe für letzteren entschieden, sollte eigentlich zu ihrer Beurteilung für jeden Vernunftbegab, ten genügen. -^— : _Mjr MideMiln öder Drn f'NMrkrm. Das Mitglied der Neichsleitung Scheidemann erklärte einem Vertreter der „Continental Times": „Der Herr Präsident der Vereinigten Staaten hat am 11. November vor dem Kongreß erklärt, datz die Alliierten beabsichtigen, die Mittelmächte mit Lebensmitteln zu vcrseben. Das deutsche Volt anerkennt diese erste Friedenstat und hofft auf schnelle Erfüllung des Versprechens. Was wir dazu tun können, geschieht: eine Kommisiion wird sich unverzüglich zum amerikanischen Gesandten im Haag begeben, um eine Beschleunigung der von dem Präsidenten in Aussicht gestellten Unterstützung zu ermöglichen und vorläufige Sendungen in die Wege zu leiten, ober heute, in der hoffentlich letzten Stunde unseres Martyriums, das angesichts der vernichtenden WafferHiillstandsbe- dingungen vielleicht nur durch ein nelles schlimmeres abgelöst wird, muß sür immer vor aller Welt festgestellt werden: Roch nie ist ein Krieg grausamer und noch nie im Rahmen eines Krieges der Kampf gegen Leben und Gedeihen eines Volkes sp unbarmherzig und nachhaltig geführt worden wie der Hungerkrieg gegen -unsere Frauen und Kinder in der Heimat. Dia Derlustzisfern sind selbst im Vergleich zu den blutigen Verlusten aller Völker unheilvoll. Was aber auf dis Dauer an Eesund- heit und Lebenskraft geschwächt wurde, ist kaum abzuschätzen. Was der Krieg und seine Folgen sür unsere Zukunft bedeuten, das können Sie am besten aus den ersehn. die bei unseren Müttern und Säuglingen gemacht wurden. Sieben- zig Prozent aller Schwangeren und Gebärenden sind unterernährt und kommen so ausgehungert in die Klinik, daß kein Effensrest vor ihnen sicher ist. Unterernährung und Blutarmut haben einen solchen Umfang angenommen, daß die jüngste Erip- peseuche nahezu 20 v. H. alle: Schwangeren und Wöchnerinnen hingerafft hat. Die Kinder können von den Müttern nicht gestillt werden, so daß wir eine Sterblichkeit von mindestens 30 v. H. bei den ehelichen Kindern und 50 v. H. bei den unehelichen Kindern haben. Heute besteht in Deutschland tatsächlich der schreckliche Zustand, daß wir für die Mütter und Neugeborenen der ärmeren Bevölkerung eine vollkommene, die schwersten Opfer fordernde Hungersnot haben. Sie sehen daraus, daß für unsere bisherigen Gegner der Krieg mit dem letzten Schuß tatsächlich vorbei war. wö'brm'd er s'" uns noch im M"rle des Volkes weiter wühlt. Einen wirklichen Frieden kann für uns erst umfasiende Ernährung und damit Neubelebung der Arbeitskraft bedeuten. » v Wie recht wir hatten, als wir vor übertriebenen Hoffnungen auf unsere Lebensmittelversorgung durch die Feindq «Mttttteit, zeigt ein Bericht des amerikanischen Nahrungsmittel. Verwalters Hoover. Wenn man seine Ausführungen gelesen hat, so kommt man zu dem Schluß: Zuerst kommen wir, dann Die Neutralen und dann Deutschland noch lange nicht. Der Bericht lautet: Ich gehe nach Europa, um die weiteren Maßnahmen für die Nchrungsmittelversorgung zu treffen, welche infolge der Einstellung der Feindseligkeiten notwendig sind.. Das Ern LH. rungsproblem in Europa ist heute ein äußerst verwickeltes. Einige Länder bedürfen einer sofortigen Unterstützung. Wir hoben einen Ueberschuß von 189 bis 260 Millionen Tonnen Nah- rungsmittel, wenn dieser Ueberschuß mrd anders kleinere Reserven in der Welt befördert werden können. Im ganzen kontinentalen Europa sind die Viehbestände erheblich herabgemindert worden und es besteht daher Fleisch- und besonders Fettmangel. Die Länder in Europa haben ihre Ernte eingebracht und unter geordneten Umständen würden die Erntevorräte für euren Zeitraum von mindestens zwei Monaten ausreichen. In diesen Zeiten der Transport- und Finanznot haben die Bauern die Neigung. ihre Erzeugnisse nicht auf den Markt zu bringen, und dadurch befinden sich die Stadt- in großen Schwierigkeiten, sogar wenn auf dem Lande genügend Vorräte vorhanden sind. Herr Hoover sagte ferner: Die Bauern und die Dorfbewohner sorgen für sich in der Regel für ein ganzes Jahr vor. Das Problem schrumpft somit auf die kleineren und größeren Städte zusam. men. Uebereinkommen mit den alliierten Regierungen sind schon abgeschlossen worden. Frankreich, England und Italien werden versorgt. Unsere nächste Sorge muß sein, die Vlockademaßnabmen soweit wie möglich beizubehatten. damit die neutralen Staaten in Europa, in denen gegenwärtig die verschiedenen Systeme der Rationierungen ausgehoben werden, imstande sind, für ihre eigene Bevölkerung zu sorgen, um das Anwachsen des Anarchie mus zu verhindern. Ein großes Problem ist dasjenige, welches die Lage der zirka 96 Millionen Menschen in den feindlichen Ländern betrifft. Das Problem besteht nicht darin, die Blockade welche auch während des Waffenstillstandes weiter besteht, zu mildern. um die Vsvölknunn wenigstens mit dem Notwendigsten zu versehen, und eine gewisse Stabilität der Regierungen dadurch zu gewährleisten. Falls die Anarchie nicht unterdrückt und eine Stabilität der Regierungen in den feindlichen Landern nicht erreicht werden kann, wird es niemanden geben, mit dem ein Frieden geschloffen werden kann, und niemand wird vorhanden sein d«"- die T-' 1 < ez -n ^rmilreick und Belgien begangenen fruchtbaren Schäden zu bezahlen gewillt ist. Ich war lange Zeuge des Raubes von Nahrungsmitteln an Frauen tind Kindern. (fiiiiitrnfiinfls* inO MiÄlsim-Aisttüß. Der Einberufungsausfchuß Gießen hat feine Tätigkeit eingestellt. Der Schllchtunasausfchuß für die Provinz Obertassen besteht nur noch für Schlichtungen und Streitigkeiten zwischen der Arbeiterschaft oder eines Teils derselben und dem Arbeitgeber. Das Geschäftszimmer befindet sich in Gießen, Ostanlage 11. 2 Treppen. *>er Vorsitzende des Schlichtung^- und des Einberufungs- Ausschusses. Ins der Heinrat. Frkedberg. 21. Nov. (E v a n g. Gemeinde.)' Nachdem der hiesige Arbeiter- und Soldatenrat bei dem evangelischen Kirck.nvorstand um Ueberlassung der Stadtkirche zur Abhaltung einer auftlärenden Volksversammlung, mit Referat des Herrn Direktor Dr. Strecker, vorstellig geworden war, da ein sonstiger entsprechend großer Raum unter den augenblicklichen Berhältnisien nicht vorhanden sei, hat der. Kirckenvorstand in seiner Sitzung vom 19. d. M. nach gründlicher Aussprache sich dahin schlüssig gemacht, die Kirche trotz naheliegender Bedenken ausnahmsweise zur Verfügung zu stellen unter der selbstverständlichen Voraussetzung, daß diese Volksversammlung zur Auf- 0 klärung und Beruhigung dient, keine Parteipolitik in agitatorischer Art darin getrieben wird und überhaupt der Würde des Raums Rechnung getragen und darum auch auf eine Diskussion innerhalb des Kirchenraums verzichtet wird. Fricdberg-Fauerbach, 21. Rov. Gestern abend fand hier eine von zahlreichen Landwirten besuchte Versammlung statt, in der als Vertreter in den Bauernrat folgende Herren gewählt wurden: Karl R e i ß e l - Fauerbach, Rud. Philippi- Fauerboch und Otto Petri- Friedberg. Friedberg, 21. Nov. Arbeiter-, Bauern- und Soldatenrat. Am Dienstag nachmittag fand unter dem Vorsitz des Herrn Dr. v. H e ! m o l t - Niederwöllstadt eine aus fast allen Gemeinden des Kreises Friedberg besuchte Veisammlung von landwirtschaftlichen Vertretern statt, der auch drei Mitglieder des Arbeiter- und Soldatenrates beiwohnten. Nach eingehender Beratung erklärten sich die Vertreter des Arbester- «nd Soldatenrates für den Kreis Friedberg bereit drei Bauern- Vertreter m ihre Körperschaft aufzunehmen. Als solche wurden gewählt für die nördliche Wetterau Herr Ioh. Bill zu Nieder- Deisel für die mittlere Wetterau Herr Otto Hirsch el zu Frieidberg und für die südliche Wetterau Herr Hrch. Vorbach zu Nodheim v. d. H. Ter Umfang der neutralen Zone. Durch die schon bekannt- gegebenen Zujätze zu den Waffenstillstandsbedingungen wird die 2 . ärmst ad l er Bevölkerung von eurer großen Sorge befreit. Darm- Kadt sollt nicht in die Briick-enkopfzone, wohl aber in das neutrale Gebiet. Der Brückenkopf von Mainz reicht nur bis Darm- stavt und Frankfurt heran. Um den Brückenkopf herum zieht sich dann die zehn Kilometer breite neutrale Zone, zu der unter anderen auch die Ortschaften Egelsbach, Arheilgen. Nieder- un>d Lberranistadt. Ederstaot und Piungstadi gehören. Dagegen werden die Ortschaften Rüffelsheim, Naunheim. Vischofsheim. Astheim. Bauschheim. Trebur. Dörnberg. Ginsheim. Erfelden, Goddelau. Biebesheim, Ltoaftadt. Gneshcrm, Welterstaot, Groß- unü Klein-Gerau. Naulrerm, König,'tubUu, Dtorfelden und Walldorf wohl in die Brückenkopfzone fallen. Alle diese Ortschaften werden also von französischen Truppen besetzt. Dagegen sind die Ortschaften, die zur neutralen Zone gehören, nur von deutschen Truppen zu entblößen. Im übrigen blerben sie unter hessische? Derrraltung. Hoch-Weisel, 19. Nov. Unter dem Vorsitz des Landtagdab- geordneten Diehl hat sich in unserer Gemeinde ein Bürger- und Vauernausschuß gebildet, welchem sich fast die ganze Gemeinde angeschloffen hat. Es fifl 1. die Vertretung der ortseingesessen nen Bürger- und Bauernschaft bilden. 2. Ihre Gleichberechtigung in der kommenden staatlichen Ordnung wahren. 3. Die tätige Mithilfe der Bauernschaft an der Volksernährung gewährleisten 4. Mitwirken, die »öffentliche Ordnung und Sicherheit von Personen und Eigentum in der Gemeinde aufrechtzuerhalten. Diese Organisation ist von großer Bedeutung und muß ffch auf unser ganzes Hessenland erstrecken. Sämtlichen Gemeinden zur Nachahmung empfohlen. FC. Aus Hessen, 18. Nov 25 060 Erkrankungen an Grippe sind bei den hessischen Krankenkassen gemeldet worden. Davon sind über 500 mit dem Tods geendet. Auö Starkcnburg. Darmstadt, 19. Nov. (Bildung einer Vürgerwehr.) Darrm stadt fällt in die neutrale Zone. Da die Verstärkung der Polizei durch Soldaten mit Eintritt der Neutralisierung aufhören muß. ist zur Aufrechterhaltung der Sicherheit und Ordnupa eine Verstärknng der Polizei auf andere Weise notwendig. Es ist deshalb bereits am 11. November von dem Arbeiter- und Soldatenrat. dem Oberbürgermeister und dem Vorstand des Poli- zeiamtes an die Bürger der Stadt, die gedient haben und im Waffenaebrauch geübt sind, die Aufforderung ermnoen. sich zum Sicherheitsdienst in der Stadt zu melden. Diese Aufforderung wiro nochmals drinaenv wiederholt. Darm stadt, 18. Ncv In der heutigen Sitzung be? Arbeiter- und Soldatenrates find unter ander-en auch als Vertreter des Handelsvereins Fabrikant Lutz und für den Kreis Alzey her frühere Landtagsabaeordnete Schott. Bürgermeister zu ttttbofen erschienen. Ter Vorsitzende Stork gibt zunächst bekannt, daß nunmehr das Holzlefen im Walde allgemein erlaubt ist. Ter Abschuß des Wildes in den herrschaftlichen Wald-ern in Hessen soll durch die Iagdpußinhaber unter Aufsicht des Arbeiter- und Soldatenrates an bestimmten Tonen gestattet werden. Tie Munitionsarbeiter sollen noch 14 Tage nach ihrer Entlassung ihren seitherigen Lohn erhalten. Ter im Offizierskasino des Inf.-Regt. 116 beschlagnahmte Wein wurde wieder frejgegeben. Volksbelusttgungen oller Art sind nach Beendigung des Kriegszustandes wieder zu gestatten. Tie Frage des ganzen Militärfuhrwesens wird nach einem Antrag, den ganzen Fuhrpark der Stadt Tarmstedt zu überweisen an den Ausschuß übergeben. Ein Antrag, daß früher selbständige Eristenzen. welche durch den Krieg resp. Einziehung zum Heer-esdienst geschädiat sind, entsprechende Unterstützung erhalten, wird einem Ausschuß überwiesen. Tie Frage der Kompetenz des Frankfurter Arbeiterund Soldatenrates *olle demnächst geregelt werden. Ein Antrag sämtliche Banknoten abstemveln zu lassen oder für ungültig zu erklären, soweit dies nickt geschieht, um dem E-eld- hamstern zu steuern, geht an d-en Finanzausschuß. Hier richtet Bürger Knoblauch eine Warnung an alle diejenigen, welche den Versuch macken sollten, mit Gewalt gegen die fetzige Bewegung vorzugehen, und zu geheimem Widerstand aittzufordern. Tie seht an der Spitze stehenden Vertonen baden nickt die Absicht stillschweigend wieder obzutreten und werden alle Versuchte, die gegen sie gemacht werden, mit allen Mitteln bekämpfen und ibre Stellung verteidigen. Bisher scj kein Blut geflossen, wenn aber leichtfertig mit den Waffen gespielt werden sollte, werde man sie mit allen Mitteln niederringen. e? stehe gllcs bereit, um auf ein Signal hin die Bewegung zu schnitzen. (Beifall.) Ter Antrag des N"cklts- ansstbilsfes. ein Standgericht zu errichten. welche- Plünderungen. Raub. Mord. Sittlichkeitsverbrechen und gewaltsames Vorgeben gegen die ietzige Regierung mit dem Tode oder hoben Freiheitsstrafen belegt, geht noch eingehender Aussprache an den Ausschuß zurück. Der Antrag eine Bürgerwehr von 300 Mann ans allen Volksschichten zum Aukrechterbalten der Ordnung zu errichten, wird angenommen. Ter Antrag dem Polizei direktor ein Mitglied des Arbeiter- und Soldatenrates zur Seite zu stellen, wird gutgeheißen und Bürger Hütich dazu bestimmt. Ans Hrssen-Nassau. FC. Usingen. 15. Nov. In einer großen hier obäehaltenen Volksversammlung wurde die Gründung eines Arbeiter- und Bauernrrtts beschlossen, der seine Ausgabe drrin sieht, etwa vorkommenden Ungerechtigkeiten und WillkürhonLlungen in der Stadtverwaltung entgegen zu treten und eine scharfe Ueber- wachung aller städtischen Angelegenheiten auszuiiben. Eine militärische Sicherheitswache wurde eingerichtet. Die städtischen Behörden und Körperschaften haben sich bereit erklärt, im Sinne des Arbeiter- und Bauernrats die Geschäfte weiter zu führen. FC. Usingen, 15. Nov. Dero Kreistag beschloß einstimmig die Einführung einer Kreisschweine- und Schlachtviehversicherung für Schweine und bewilligte zur Bestreitung der Ausgaben für die reichsgesetzlichen Fo.milienunterstützungen eine weitere Summe von 600 000 Mark. FC. Wiesbaden, 18. Nov. Der Rentner Heinrich Krautwursi war durch seine Beziehungen in der Lage. Kohlen und Briketts nach Wiesbaden einzuführen. Er machte hiervon der Stadl Mitteilung. Diese war gern bereit, den Brennstoff dem Rentner abzunehmen. Krautwurst kam allen seinen Verpflichtungen - nach und bekam hierfür den Bezugsschein. Anfangs ging die Sache ganz glattt, doch nach und nach unterließ der Rentner die rechttnäßige Anmeldung und dirigierte die Kohlen nach Vor-- ortgemeinden oder fetzte sie hier an Bekannte ab. Von letzteren forderte er einen Preis von 3.60 bis 4-— Akk. für den Zentner Briketts- Das war einem Aufschlag von 30 Prozent gleich, während er 10 Prozent nur hätte nehmen dürfen. Das Schöffengericht verurteilte Krauttourst wegen Abgabe von Brennstoff ohne Marken und wegen des übermäßigen Gewinns Eiker der Berück sichtigung, daß er an vorigen Weihnachten 150 Zentner Brennstoff an hiesige bedürftige Einwohner gratis tckgegeben hatte, in eine Geldstrafe von 500 Mark. FC. Wiesbaden, 18. Nov. In der Klopstocksstraße hat sich auf dem Balkon seiner Wohnung ein älterer hessischer Post, beamter erschossen. — Die Leiche des Mädchens, das vor einigen Tagen bei dem gemeldeten Liebesdrama den Tod gefun. den. wurde als die der 17jährigen Reine Eottschalk aus Gel» senkirchen agnosciert. FC. Flörsheim, 18. Rov. In der hier abgehalienen Sitzung der Lebensmittelkommifsson wurde u. a. beschlossen, daß der erst« Holzschlag im hiesigen Eemeindewald restlos zur Verfügung der Bürger gestellt und der Preis für das Holz dem Friedenspreis gleich sein soll. . FC. Flörsheim, 15. Rov. Der hiesige Arbeiter- und Bauern- rat hob die seitherige Lebensmittelkommission auf. Der seitherige Lebensmittelverteiler Mart. Kaus wurde von der Stellv entbunden und an seine Stelle der Bürger Franz Gutjahr IL gewählt. FC. Dotzheim. 14. Nov. Der hier gebildete Arbeiter- und Bauernrat setzte zu seiner Unterstützung die früher gewählte Volkfflebensmittelkommissson wieder ein und setzte die bestehend« amllicb gewählte außer Tätigkeit. FC. Himmighofen, 14 Nov. Tiebe stahlen hier drei fette Hammel. FC. Fravenstein, 14. Nov. Im Anschluß an eine Volks. Versammlung hat sich hier ein Arbeiter- und Bauernrat gebildet- FC Niedernhausen. 15. Nov. Hier wurde ein Arbeiter- und Bauernrat für Niedernhausen und Königshofen gebildet und be* schlossen, an verschiedenen Stellen von Niedernhausen Verpflegungsstationen einzurichten. Das Sandratsamt Langen- fchwalbach hatte Mitteilen lassen, daß reichliche L-ckensmittek berangefchafft werden. Weiter beschloß man e'ne Unterkunfts- stelle für die zuriickkehrenden Krieger, die zu Fuß der Hümat Zuströmen, zu schaffen und eine Vorrichtung zur Desinfektion. Bürgermeister Krissel trat dem Räte bei. FC. Lengenschwalbach. 15. Nov. Für den llnstrtaunuskreiz ist ein Bauern-, Soldaten- und Arbeiterrot gebildet worden. Den Vorsitz fuhrt Lagerhalter Vechtel in Mcken. FC. Aus dem Oberrvestermeld. 18. Nov. Eine überaus stark besuchte Versammlung wurde in der Kirche in Marienberg ab- gehalten, die einen Arbeiter- und Bauernrat aus 19 M'talie- der bestehend, für den ganzen Kreis wäblte. Pfarrer Schütz in Nenkirch wurde zum Vorsitzenden de? Rates gewählt. FC. Schierstem, 15. Nov. Frau Iulckxm Schäfer geb. Schröder, die vor drei Wochen infolge eines Anfall-s von Schwermitt den Tod in dem Rhein gesucht und gefunden hat, ist in Eltville gelandet worden. FC. Eeihenheim 15. Nov. Bürgermeister Dr. Schneidler. der vom ersten Mobilmachunastag eingezoaen war. hat heute die Geschäfte der Bürgermeisterei wieder übernommen. FC. Aus dem Rheingan. 15. Nov. Für den Zentner Trau Len werden hier 120—140 Mk. verlangt. Der Mengeertrag erreicht einen Laiben bis dreiviertel Herbst. FC. Oberlohrrstein, 15. Nov. Hier wurde eine Bürgerwehr gebildet, die die nächtliche Bewachung der Stadt übernommen hat. Aus Rhcinhesseu. Aus Rheinhessen. 13. Nov. Unerhörte Preise werden zur Zelt in den Landgemeinden von allen möglichen Aufkäufern für Schlachtfcbweine geboten. Wer es irgendwie machen kann, sucht sich ein Schweincken zu sichern, um es nach der vorgefchriebenen Wartezeit schlachten zu können. Die dabei gebotenen Preise über, steigen alles in dieser Hinsicht bisher Dagewesene. So wurden in der Wormser Gegend einem Kauttiebhaber für das Pfund Schlachtgewicht 18 Mark gefordert. Ein zwei Zentner schweres Schwein käme also hier auf die ein kleines Vermögen darstellende Summe von 3600 Mark ein Preis, für den man in Frie- denszetten den ganzen Viehbestand eine?- kleinen oder mittleren Landwirts hätte auikcrufen können Ein Metzaer bot für ein nicht ganz 3 Zentner schweres Schwein 2600 Mark, erhielt etz aber zu diesem Preise nicht. FC. Mainz. 15. Nov. Einer armen Frau in der Josefs- ftraße wurde nachts eine Ziege aus dem Stalle gestohlen, einem Schuhmacher in der Wallaufttaße die sauer ersparten Gelder in Höbe von 60 Mark. FC. Mainz, 14. Nov. In der Trei-Kronenstraße beschlagnahmte die Polizei einen Handkarren mit frischgeschlachtetem Ochsenfleisch, im Ernhorngäßcben einen Handkarren der mit frischem Ockfenfleisch ebenfalls beladen war. Als Sckwarz- fchläckter. so ergaben die Erhebungen, komint ein Wirt in der Rbeknstraße in Betracht. Das Fleisch wurde dem städtischen Schlackthof überwiesen. Mainz. 15. Nov. Wie von amtlicher Stelle mitgeteilt wird, sollen auf Grund neuerer Abmachungen im Vielverband französische Truppen das Rheinland und die Städte Köln. Koblenz, Mainz besetzen. Früher war beabsichtigt, daß diese Besetzung durch amerikanische Truppen geschehen sollte. FC. Alzey, 14. Nov. Tie Volksbewegung ist in hiesiger Stadt in aller Ruhe verlaufen. Ein Arbeiter- und Soldatenrat wurde gebildet, die Behörden setzten der Neuordnung t-einerlei Widerstand entgegen. — In der letzten Nacht wurden dem Hairswart des hiesigen Eisenbahneraufenthaltsgebäudes sämtliche Stallhafen, 18 Stück, gestohlen. FC. Worms. 15. Nov. Der 60jährige Johann Paparlie in Mutterstadt ertränkte sich in seinem Brunnen. FC. Oppenheim, 15. Nov. In der Nähe der Stadt stürzt« von einem Schleppdampfer der in Schifferkreisen bekannt« Steuermann Karl Selb von Mainz und ertrank in den Flute» des Rheins. VerantU'ortllck für den politischen und ickalen Teil: Otts Hirsche!. Friedberg: fiir den Anzeigenteil: R H e v n e r. Fiiedberg. Truck und Verlag der »Neuen Lageszeltung^, 31- ($„ Friedbera t LO 0 Herzenskämpfe. Roman von Helene Cck> ü 1 ky. geb. von Gersdorff. ((^op^rigbt 1915 by C. Ackermann-Stuttgart.) 42) Nachdruck verboten. 18. Kapitel Die Nacht vereng schlaflos für Hilde. Nachdem sie etwa elne Stunde in ihrem Zimmer gewesen, schlich sie an die Tür und versuchte, sie leise aufzuklinken. Vergebens. Sie war wieder eingeschlossen. Also traute man ihr noch nicht ganz: man hielt sie eine? Fluchtversuchs fähig. Aus dem Fenster hätte sie allenfalls steigen können, wenn auch ihre Zimmer im eisten Stock lagen, denn unter ihr war das Dach einer Veranda so daß sie wohl unbeschädigt in den Garten gelangen konnte. Liber das wäre doch aus anderen Gründen unausführbar, denn sie zweifelte nicht, daß ihr Vater sie auch von hier ans bewachen lieft. Man würde sie also sogleich bemerken und hindern. Dies konnte nur als allerletztes Rettungsniittel in Frage kommen. Endlich legte sie sich ins Bett löschte ihr Licht und starrte mir großen. brennenden Augen in di-e Höhe Was würde der m^raige Tag bringen? Würde der Marquis sie sreigeben? Wenn das geschah — und er konnte als Kavalier doch kaum anders —. so war das Acrgste verbütet. Ihr Vater würde toben, ober er halte keine Mittel, ihn zu zwingen, wie er sie zn ong. Verzichtete der Marquis auf ihre Hand, so hörte selbst für den Eehchmret die Möglichkeit auf. seinen Willen durchzu seften. Er muhte sich nach und nach beruhigen, und seinen Zorn wollte sie geduldig ertragen. Wenn es aber anders kam. wenn der Marquis sie nicht aufgab, dann blieb ihr noch ein letztes verzweifeltes Mittel- Flucht um jeden Preis. Auch dazu war der Plan in ihrem Kopf schon fertig, ein fast unmöglicher Plan wie sie sich selbst sagte, ober er muhte im äußersten Falle versucht werden. D. uwd sie bossle doch trotz allem, daß es gelingen doft Gott ihr beistehen würde, so oder jo! Er konnte nicht wol len, daß diese große Sünde geschehe! Erst geaen Morgen schloß ein schwerer, unruhiger Schlummer mit ängstlichen Träumen ihre Augen. Als sie aukwachte, stand Lina an ihrem Bett und betrachtete sie mit teilnahmsvollem rreucm Blick. ..Es ist schon spät, gnädiges Fräulein. Sie schliefen so un- rrchig. stöhnten und sahen so bleich aus. daß ich Angst bekam Ci-: könnten krank fein" sagte sie liebevoll. Hilde schoflen bei diesen Worten die Tränen in die Augen. Es war nur eine Dienerin, die zu ibr sprach, aber sie war so verlassen und unglücklich, daß es ihr bis ins innerste Herz Wohltat, überhaupt einen Menschen freundlich zu ihr reden zu hören „Du bist ein gutes Mädchen. Lina, ich danke dir", sagte sie, ibr die Hand aebeud. Lina beugte sich über diese und küßte sie innig „Gnädiges Fraulein, das vergefle ich nie. daß Cie mich ein autes Mädchen nennen, trotzdem ich .... trotzdem ich" sie schluchzte laut. „Gnädiges Fräulein, ich muß, ich muß . ." pc swluchzle io stark, daß sie nickst werter reden konnte. „Sei ruhig, Lina, ich verstehe .... verstehe alles und zürne dir nickst", erwiderte Hilde sanft. »A gnädiges Früul^n, Sie find ein Engel! das habe ich ,mmer gewußt! Aber jetzt sind Sie noch mehr als ein Engel. Eie find eine Heilige!" rief Lina in Begeisterung. „Und ich tue Ihnen auch sicher nichts zu Leide, und wenn sie mir eine Million anbieten!" Hilde verstand. Man hatte dies gute Geschöpf bestechen wollen, um sie zu verraten, aber ihre Anhänglichkeit und Treue hatten gesiegt. .Lina", sagte sie und blickte sie mit ihren schönen tiefen Augen prüfend an „Lina, bist du mir wirklich treu, kann ich mich auf dich verlassen?" „Bis in den Tod getreu, gnädiges Fräulein!" erwiderte Lina und sah sie mit ihren in Tränen schimmernden Augen offen und ehrlich an. „Ich glaube dir. Lina, und es ist möglich, daß du deine Treue sehr bald durch Tat bewe'stn kannst. Für jetzt nur soviel. daß kein Mensch .... veiflehst du? ... keine lebende Seele ahnen darf, daß du meine Freundin bist, daß wir im Einvernehmen sind. Tue alles, was man dir befiehlt, schließe mich ein. gib dir den Anschein, daß du mich bedauerst, daß du jede meiner Mienen bewachst und ihnen als Spionin dienst. Nur auf diese Art kannst du mir hellen, wenns nötig wird. Kannst du, willst du das tun, Kind? Es ist schwer, ich weiß es wohl." „Alles, alles will ich für Sie tun. gnädiges Fräulein! Auch sterben, wenns fe^n muß." ..So schlimm wirds hoffentlich nicht kommen!" erwiderte Hilde. »>Aber sehr, sehr ernst ist meine Lage und wenn du wirk lich zu mir halst, wirst du manches Gefahrvolle durchmachen müflen. Aber jetzt kleide mich geschwind an. und währenddem werde ich dir sagen, um was es sich handelt, denn du hast dir dos Recht auf mein Vertrauen erworben, und du wirst dann auch diese seltsamen Voraänge verstehen." Und während Lina mit geschickten Händen ihrer jungen Her rin behilflich war. erzählte diese ihr in raschen Worten von ihrer Liebe, ihrer Verlobung mit Herrn Leutnant von Germsdorf, wobei ihre Zofe verschmitzt lächelte, denn sie hatte das schon so ziemlich aus eigener Beobachtung gemerkt. „Der liebe schöne Herr Leutnant! Wir alle in K. hatten -hn gern und hofften, daß er und das gnädige Fräulein ein Paar werden möchten" erwiderte sie schmunzelnd. Dies spontane Lob ihres geliebten Neinhold tat Hildes wundem Herzen unendlich wohl Jedermann, der ihn kannte lieble ihn. mußte ihn lieben, und sie wurde wegen ihrer Liebe zu ihm angefeindet. als wenn dieselbe ein großes Verbrechen wäre? Ganz sinnlos erschien ihr das plötzlich. Wie war er geliebt, geachtet, geehrt in allen Kreisen, von den höchsten bis zu den geringsten, und hier allein wollte man ohne irgend einen stichhaltigen Grund, nur aus Laune und Vorurteil nichts vcn ihm wiflen? Cie lächelte Lina freundlich, fast dankbar an und fuhr dann in ihrer Erklärung fort, wie chr Vater nicht nur feine Einwilligung zu ihrer Vereinigung mit Herrn von Eermshoff verweigerte.. sondern sie zwingen wollte, den Herrn Marquis von Repmond zu heiraten. „Du wirst verstehen, daß ich bas nicht kann", Lina nickte eifrig, „und daß mein Vatrs glaubt, mich durch Härte dazu bringen zu können. Daher alle diese strengen Maßregeln." „O. gnädiges Fräulein, ich habe keinen Augenblick geglaubt daß Eie sich unehrerbietig gegen den Herrn Papa betragen haben und die Andern", „und die Andern", sie meinte die übrige Dienerschaft, „glauben das auch nicht. Wir kennen ja alle den Herrn Eeheimrat. halten zu Gnaden, gnädiges Fräulein! Aber wir müflen gehorchen." „Ich weiß, ich weiß", antwortete Hilde gequält. Ihrem vornehmen Sinn war diese Verhandlungen über ihre Familien- rerhöltuifle überaus peinlich. „Nun habe ich scheinbar nachgegeben", fuhr sie fort, „aber nur, um mit dem Herrn Marquis, der noch heute zur Verlobung eintrifft, selber offen reden zu können. Wenn er hört, wie es um mich steht, wird er, denke ich, von selber zurücktreten." „Verzeihen Sie, gnädiges Fräulein, aber das glaube ich ka>um", versetzte Lina. „Warum glaubst du das nicht? Er kann doch eigentlich nicht darauf bestehen, wenn er hört, daß ich einen andern liebe einem andern mein Wort gab." „Aber, gnädiges Fräulein, mir scheint, gerade, nachdem er gemerkt hat. wie es zwischen Ihnen und Herrn Leutnant stand . . . und das konnte man zuletzt ganz gut merken", setzte sie lächelnd hinzu, „gerade dann ist er hierher zum Herrn Geheimrat gefahren und hat ihm alles gesagt" „Wa—s? was sagst du?" fuhr Hilde auf. „er war hier M Papa?" „3a wohl, gnädiges Fräulein, den Tag. ehe Cie das Teke, oramm bekamen, das Sie nach Haufe zurückrief, war er von LNittags bis spät Abends hier und hat immer mit dem Herrn Gebeimrat viel und laut gesprochen. Die andern haben mir« erzählt." „O, Simmel wie abscheulich' Ist es möglich? Von ihm kommt mir also das ganze Unglück!" rief Hilde entsetzt. „Es schien mir doch gleich, als müsse Papa schon etwas erfahren haben. Es war alles so sonderbar, so absichtlich. Nun kann rchs mir leichter erklären, daß Papa gleich so zornig auf Herrn von Eermshoff wurde. Aber das ist schlimm, noch viel sckckim. mer, als ich dachte. Nun sinkt meine Hoffnung, durch den Marquis selbst gerettet zu werden, fast in nichts zusammen. Aber rersuchen muß tchs doch, vielleicht zeiat er sich trotz allem willig wenn ich ihn selbst bitte. Aber ich furchte, ich werde doch zum Aeußersten schreiten müssen, .zur Flucht, und zwar heute noch, heute Nacht. Denn Lina, wenn ich scheinbar nachgebe und ein willige. bin ich von morgen an vor aller Welt die Braut des Marquis, und das könnte ich nicht ertragen, o nein, das könnte ick nicht!" rief sie verzweifelt, „oder wenn ich mich weigere, sperrt man mich ein und braucht allerlei schlimme Mittel, um mich zu zwingen Darum muß ick fort. Lina, beute noch wenn der Marquis wirklich nicht auf mich hört, heimlich fort, und da mußt du mir helfen, mrr mit deiner Hilfe kann mir es gelingen!- Fortsetzung folgt. Betr.: Fleiichoer orgung. Krkrnttntmnchrmg Ich br'nge hierdurch zur öffenl- lichen Kenntnis, daß der Verlaus von Rind- und ftalbflevrt), lowie Wurst jür diese Woche am - reiiag. ten 22. Nov. 191 J , von nachmittags 1 bis 6 Uhr in den sämtlichen hiesigen Metzgerläden stattfindet. Die Veriaufszeit ist genau ein- zuhal'en. Fricdderg. den 20. Nov. l n lS. Ter Bürgermeister I. V.: Damm. Montag den 25. Nov. 1918. nachm.Hais I Uhr anfangend. iommen aus der kiesigen Schä erei 68 Sriick Zuchtschafe und Lämmer zur Versteigerung. Bemerkt w.rd. daß die Versteigerung hinter der Psarrhosraite »tat.finden Kirch-Göns, d. 16. Nov. 1918. 2. A.: H a n a ck, Vürnerm erster. Tüchtiger stitdet daiternd Ve chäftigung bei Echuhmachermri tee Wilh. Klein,. ,Nreee - öllstadt iOber'esfeni. Zuuerrästwes Mädchen, roelches kochen kann, wird gegen Oulcn Lohn oe.ucht. Zu erjla en in der Geschäfts- Delle der ..'Neuen Taiesreuung". Junges tuchilges Mädchen vom Lande ofort gesucht. «•ierll’lMl lilHll. bei Carl Ulrich . Fricdbero. Sägemehl -um räuchern zu haben bei Wilh. Epa/enberg, Echzell. Bekanntmachung des Be;irkskommandos gricdberg i. H. Bett. Auszahlung noch rückständiacr Gebührnisse und scs Entlassun^sgelves («5 Mk.) an Ent- lafferre. Eme Auszahlung der Gebührniffe an die betreffenden Entlassenen kann erst erfolgen, na hdem die Papiere vo?h Truppenteil beim Bezirkskommando eingegangen sind. Diese Papiere werden sosort nach Eingang vom Be- zirkskommando in Ordnung gebracht und jeder Entlassene wird zur Anerkennung der Stammrolle zumBezirkskommand o beordert. Sobald jeder Einzelne die S'.ammrolle anerkennt. kann er gleichzeitig aus Zimmer Nr. 2 des Be- zirkskommandos das Entlassungsgeld gegen Ouittung erhalten. Solche, die die Stammrolle beim Truppenteil anerkannt haben, können das Geld ab 5. 12. erhalten. 2m Aufträge des Arbeiter- und Soldatenrates: Bezirkskoinnlarido: Witt, Oberstleutnant. Stempel und Petschafte für Soldaten-, Bürger-, Bauern- u. Arbeiterräte. Friedr. Streckfuß, mebumiz. Der verehrlichen Einwohnerschaft von Heldenbergen und den umliegenden Ortschaften teile hierdurch mit, daß ich in llel«leni»er^en ein elektrisches Installationsgeschäfi eröffnet habe. Indem ich rasche und gute Bedienung zusichere, bitte ich um geneigten Zuspruch. Hochachtungsvoll ^ Hermann Beutler. Heidenbergen. M-V S Iragrndtt- Stuten del Nlchurächtlgtett uno lonmge Versicherungen Übernimmt Vaterländische Vieh-Versikherurrisgesellscha st. Dresden, Werderstraße 29. Prompte Entschädigung bis zu 90<7 Q der Versicherungssumme. Günstige Verstcherungsoedingungen. Höchste Reieroen. Tüchtige Vertreter überall gesucht. r - Nach mehrjähriger Tätigkeit im hiesigen Börger Hospital öbe ich meine ärztliche Praxis nunmehr Ladwigstrasse 25,1 (im Hause der Fra« Lina Werner) aus. Sprechstunden von 8—9 nnd vcn 11—1 Uhr. Zu den hier in Betracht kommenden Krankenkassen bin ich zugelassen. Telefon 210 Df. 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