K ummer 263 GnMreig ä° Si!» Freitag» den 8. Uovemver ir-18 u. Jahrgang. Die ,,Pene Taars;ciUmg" erscheint jeden Werttag. Regelmäßige Beilagen „A-r Sauer ans Hessen", „Die Spimssrnde". K-rngspreis: Bei den Postanitalten vrenelfährlich ML 2.70 hinzu tritt noch das Bestellgeld; bei den Aoenten monatlich 1.60 Mk. einschließlich Trägerlo.'in. Anzeigen: Grund^eile 25 Pfg., totale 20 Psg^ Än^eigen von auswärts werden durch Postnachnatzme erhoben. Erfüllungsort Frisdberg. Hchrifttoitung und Usrlaz Friedberg (Hessen), oanaueritrage 12. Hecn'precher 48. Bost',heck-Tsnto Nr. 4859. Amt Frankfurt a. M. FuukspruchwechseL zwischen der Obersten Heercstcitttng und Marsch all F-s-ch. — Die Kaiserkrise; ein Ultimatum der sozialdemokratischen Marter. Die Unruhen in Uorddcnt'ch»and. — Einmarsch deutscher Truppen in Tiro!. Der deutsche Generalstak mi c ldet: W. T. B. Großes Harrptq«artier, den 7* Usvember Amtirch. Westlicher Kriegsschauplatz. Nordöstlich von Oudenaarde stießen Franzosen über die Schelde. Im Gegenangriff warfen wir sie zurück. Zwischen Schelde und Oise suchte der Feind die plangemäße Fortführung unserer am 4. 11 eingeleiteten Bewegungen durch heftige Angriffe zu verhindern. Der Schwerpunkt dieser Angriffe lag nordöstlich ron Dalenciennes. südlich der nach Mons führenden Straße bei Bavai und bei Aulnsye an der Sambre. In schweren wechselvollen Kämpfen hielten unsere Truppen dem feindlichen Ansturm stand. Der Feind stand am Abend bei Ouiev- rain, am Westrande von Bavai — östlich von Aulnoye — westlich von La Capelle. Zwischen der Oise und der Aisne hat der Gegner die Linie Bcrvins—Rozoy erreicht. Beiderseits von Reihe! hat er die Aisne überschritten und stand am Abend in Linie Wasigny—Novlon—Porcien und nördlich von Tourieron. Zwischen Aisne und Maas folgte er bis Veudresss und Mouzon. Auf dem Ostufer der Maas setzte der Amerikaner seine heftigen Angriffe fort. Es gelang ihm. seinen Brückenkopf östlich ron Dun zu erweitern. Wir brachten den Feind an den Waldungen östlich von Murvaux und FontaineZ zum Stehen. Oest- lich von Sivry hat die bewährte brandenburgische 228. Infanterie-Division ihre Stellungen voll behauptet. Der Erste Eerrcrakquartierincister: E v 3 n e r. Aberrdbericht. Berlin. 7. Nov.. abend?. (WB. AmtlichF An der Westfront ruhiger Tag. I'ic WllffellßjßstündsJtrhlNldlNßeN. Die deutsche Delegation. Berlin. 8. Nov. Der deutschen Delegation zum Abschluß des Waffenstillstandes und zur Aufnahme der Friedensverhandlungen die heute nachmittag von Berlin abgereist ist, gehören an: Staatssekretär Erzberger, Graf Oberndorfs, der deutsche Gesandte in Kopenhagen Eraf Rantzau. General v. Winlerfeldt General v. Eündek! und Kapitän. Wansoloe. Berlin, 7. Rov. Die Waffenstillstandsabordnung hat zunächst nur den Auftrag, über den Waffenstillstand zu verhandeln. An wohl unterrichteten Berliner Stellen nimmt man aber an. daß sich an den Abschluß des Waffenstillstandes sofort Verhandlungen über den Friedensschluß anschließen dürften. Berlin, 7. Rov. (WB Amtlich.) Folgender Funkspruch ist diese Nacht von deutscher Seite hinausgegangen: Dis deutsche Oberste Heeresleitung auf Anordnung der Negierung an Marschall Fach: Nachdem die deutsche Negierung im Aufträge des Präsidenten der Vereinigten Staaten benachrichtigt ist. datz Marschall Foch ermächtigt ist. beglaubigte Vertreter der deutschen Regierung zu empfangen, um ihnen die Waffenstillstandsbedingungen mitzuteilen, sind folgende Bevollmächtigte ernannt' General d?r Infanterie v. Gündell Staatssekretär Erzberger, Gesandter Traf Oberndorfs General v Winterfeldt und Kapitän z. S. Banselow. Die Bevollmächtigten bitten unr Mitteilung durch Funk- Spruch, wo sie mit Marschall Foch Zusammentreffen können. Sie werden begleitet fein von Kommissaren und Dolmetschern nebst interpersonal und im Kraftwagen an dem zu bezeichnenden Orte cintrefsen. Die deutsche Regierung würde es im Interesse der Menschlichkeit begrüßen, wenn mit dem Eintreffen der deutschen Delegation an der Front der Alliierten eine vorläufige Waffenruhe eintreten könnte. Marschall Foch hat darauf gefunkt: An das deutsche Oberkommando von Marschall Foch: Wenn die deutschen Bevollmächtigten mit Marschall Foch wegen des Waffenstillstandes Zusammentreffen wollen, «lögen sie sich bei den französischen Vorposten auf der Straße Ehimay—Fourmies—La Capelle—Guife einfinden. Es sind Befehle erlassen, sie zu empfangen und sie an den für die Zusammenkunft bestimmten Ort zu geleiten. Ende Uavember? Zürich. 7. Nov. Der „Corriere della Sera" meldet nach den .Times" aus dem Londoner Kriegsamte, datz Neueinberufungen bis auf weiteres nicht mehr stattfinden, und datz die Regierung den Abschluß des Krieges für die letzte Novcmberwoche erhofft. f,vAt Kraftan streu gung: Zürich, 7. Nov. Die „Zürcher Morgenztg." meldet: Unr dem deutschen Rückzug die Freiwilligkeit zu nehmen und der deutschen Heeresleitung die Entfchlußfreiheit aus der Hand zu nehmen, haben die außerordentlichen Verstärkungen der AiZne- und Maastruppen der Verbündeten den Befehl erhalten, mit Anwendung aller Kräfte nordwärts zu stoßen, um die deutsche'! Rückzugs!inien in Belgien zu gefährden und möglicherweise abschneiden zu können. Dieser Heeresbefehl wird seit einigen Tagen von mindestens 2b verbündeten Divisionen und einem ungeheuren technischen Gerät durchgeführt und hat zu heftigen Schlachten zwischen Aisne und Maas geführt, ohne bisher zum Abschluß, aber noch weniger zu einem entscheidenden Schlage zu führen. Die Zurücknahme der deutschen Front in Belgien ist der Armee v. Arnim restlos und ohne große Einbuße geglückt. Svvrnai unter englischem Feuer. Berlin, 5. Nov. (WB.) Wenn dis Engländer vielleicht früher, wie sie ausposaunten, die Absichten hatten, T o u r n a zu schonen, so sind sie jetzt, wie die Tatsachen beweisen, gründlich davon abgekommen. Seit Tagen ist die systematische Beschießung des Innern dieses alten aicheimelnden Flanderr.städtchens im Gange. Bor allem bietet der Teil westlich der Kathedrale das typische Bild einer unter Granaten sterbenden Stadt. Unmittelbar um den Belfried herum sind fünf Hauser schwer getroffen. Ueberall, wo man hinsieht, zerbrochene Scheiben und mit Brettern vernagelte Fensterhöhlen. Auf dem Place de Lille schlugen Volltreffer ein, deren einer das Haus unmittelbar an der St Margaretenkirchc eirtgerissen hat. Die Rue Vonez und die Rue de Lille haben besonders schwer gelitten; die Rue de Douai ist bereits jetzt fast nur noch eine Trümmerstätte. Am Place du Parc durchschlug am 1. November eine Granate einen Keller und Lötete sieben Frauen. Tags darauf wurden drei Einwohner verwundet, zwei getötet. Besonders in den Vorstädten wohnt das Grauen der Zerstörung. Gin MLimatum der sv;m!demoirNe,Nsche;t RarieileiUrnz. Berlin, 7. Nov. Tie Kafferfrage hat plötzlich eine Zuspitzung erfahren. Wie *rir erfahren, har die Parteileitung der sozialdemokratischen Partei heute dem Reichskanzler in Sonn eines Ultimatum? kokende Forderungen überreicht: Tie sozialdemokratische Partei fordert, datz die Abdankung des Kaisers und der Thronverzicht des Kronprinzen dis Freitag nachmittag bewerkstelligt wird, 2. daß die Versammlungsverbote noch heute aufgehoben werden, 3. daß die Polizei und das Militär zu äußerster Zurückhaltung angehalten wird, 4. daß die preußische Regierung sofort im Sinne der Reichsiagsmehrheit umgestaltet wird und 6., daß der sozialdemokratische Einfluß in der Reichs- regierung verstärkt wird. Werden diese Forderungen nicht erfüllt, so Tritt die Sozialdemokratie aus der Regierung aus. Gleichzeitig erging cjne neue Mahnung an die Arbeiter zur Besonnenheit. Die Folgen des Ultimatums. Berlin, 7. Ncv. Durch das sozialdemokratische Ultimatum, das heute nachmittag dem Reichskanzler überreicht worden ist. hat sich die politische Situation aufs äußerste zu- gespitzt. Cs kann im Augenblick noch nicht übersehen werden, welche Wirkungen ein Rücktritt des Kaisers im Laufe des morgigen Tages haben, und ob dadurch eine Klärung der 1 politischen Lago eintreten würde. In maßgebenden politischen Kreisen nimmt man aber als feststehend an, daß im Falls der Nichtabdankung d»'s Kaisers das Ende der gegenwärtigen Volksregierung einL^et^n würde, sei es dadurch, daß Reichskanzler Prinz Mar ''ein Amt niederlegt, oder dadurch, daß die sozialdeniokratischen Mitglieder aus der Regierung aus- scheiden. Wenn das gegenwärtige. a"f einem Programm der Mehrheitsvarteien berußende Kabinett seinen Zusammenhang verliert, dann ist kein Zweifel mehr darüber möglich. ° daß die zur Zeit im Amte befindliche Volksregierung durch j eine rein sozialdemokratische Regierung abgelöst werden würde. Ob diese neue Regierung sich lediglich aus Mitgliedern der Mehrbeitssozialisten zusammensetzen oder ob auch Mitglieder der unabhängigen Sozialdemokratie zu ihr gehören würden, läßt sich heute, wo die Ereignisse noch im Flusse sind, nicht Voraussagen. Die Haltung des Kaisers. Berlin, 7. Nov. Der „Verl. Lokal-Anzeiger" berichtet: Der Kaiser selbst hat sich, wie auf dein Umweg über Vudapester Blätter bekannt wird, auf den Standpunkt gestellt, daß er auf seinem Posten, bleiben müsse. Danach hat der Minister des Innern Dr. Drows dem Kaiser über die Scheide,ncrnnsche Forderung nach Abdankung des Kaisers Bericht erstattet, und nach seiner Rückkehr aus dem Großen Hauptquartier teilte Dr. Drews mit. daß seine Mission erfolglos geblieben sei. Der Kaiser erklärte, daß er mit Rücksicht auf die verworrene Lage freiwillig unter keinen Umständen auf den Thron Verzicht leisten würde. Er könne Deutschland im Augenblick des Friedensschlusses unmöglich der Entente ausliesern Seine Abdankung werde eine völlige Anarchie und ein Ueberhandnehmen des Bolschewismus zur Folge haben. Für solche furchtbaren Zustände wolle er nicht die Verantwortung übernehmen und könne deshalb im gegenwärtigen Augenblick nicht abdanken. Die Fortschrittler für den Kaiser. Derffn, 7. Nov. Auf dem Eroß-Verliner Parteitag der Fortschrittlichen Volkspartei erklärte laut ..Lokalanzeiger" der Abgeordnete Mugdan, die Partei wolle nicht neue Unruhe 'n unser Volk tragen. fit Writhk!! in UrMeilWlliid. Berlin, 7. Rov. (MTV. Amtlich.) Von zuständiger Seite wird über die Lage in den nördlichen Provinzen folgendes mitgeteilt: „Die Unruhen haben sich auf einige weitere Orte ausgedehnt. In Bremen wurden auf dem Marktplatz von einem unabhängigen Sozialisten, der vor wenigen Tagen aus dem Gefängnis entlassen worden war und von einigen Militärpersonen Reden gehalten, die zur Bildung einer sozialistischen Republik und eines Arbeiter- und Soldateurates aufforderten. Der Befreiung von Militär gefangenen schloß sich die Oessnung auch der Zivilgefängnisse an. In den großen Werken ist alles ruhig. Auf den Straßen herrscht Ordnung: Zwischenfälle wurden bisher nicht gemeldet. Für heute abend wurde in einer Versammlung Liebknecht als Redner erwartet. In der Sitzung der Bürgerschaft stand ein sozialdemokratischer Antrag auf Einführung des gleichen und direkten Wahlrechts zur Erörterung. Der Se-' nat soll sich seine Entscheidung Vorbehalten haben. Aus Hamburg wird genreldet: Das Zentralbureau des Arbeiter- und Soldatenrates teilt folgendes mit: Sämtliche Amtsgebäude und militärischen Gebäude sind besetzt. Die Nahrungsmittelmagazine werden bewacht, Plünderer werden mit sofortigem Erschießen bestraft. Zur Zeit finden Verhandlungen mir dem Senat statt. Der Zugverkehr ist bis auf zwei Züge eingestellt. Post- und Telegraphenamt waren bis zur Stunde nicht besetzt. Die Leitung der Bewegung hat einen Aufruf an die Bevölkerung erlassen, die Ruhe und Ordnung aufrecht zu erhallen. Nach vorliegenden Nachrichten ist dies indes nicht gelungen. Es hat Ausschreitungen gegeben. Kleinere Truppen, körper, die sich verteidigten, wurden durch die Massen der Auff ständischen gewaltsam gezwungen, ihnen Gefolgschaft zu leisten. An mehreren Stellen der Stadt sind Mißhandlungen und Mords" vorgekommen. Unter anderem drangen Aufftändisck>e in eine Wohnung in der Lincolnstraße, aus der aus herumziehende Sol-' daten geschossen worden sein sollte und toteren zwei Frauen als angeblich Schuldige, indem sie ihnen die Kehle durchschnitten«, Wahrscheinlich werden alle Theater und Restaurants vom 7. veinber ab geschlossen. Die ganze Nacht vom 6. zum 7. Slovem-. ber sielen in verschiedenen Gegenden der Stadt vereinzelte Schüsse. Das Hamburger „Echo", dos jetzt als Oraan der SIuftL ständischen unter dem Titel „Die rote Fahne" erscheint, veröffentlicht folgende Bekanntmachung an die Bevölkerung Hamburgs und Altonas: Alle Zivilpersonen müssen von heute (7. II.) ab um 6 Uhr abends von der Straße sein. Jede Zivilperson. die sich in der Zeit von 6 Uhr abends bis 7 Uhr morgens auf der Straße aufhält, wird erschossen. In Cuxhaven ist es zu keinen ernsteren Unruhen und Ausschreitungen gekommen. In Kiel ist der Stadtkommandant, Kapitän z. S. Heine in der Nacht vom 5. zum 6. November von einer Patrouille, die den Befehl hatte, ihn abzufuhren, erschaffen worden, da er sich angeblich diesem Befehl widersetzen wollte. „Der rote Soldat". Berlin, 5. Nov. (WB.) Gestern wurde amtlich rnitgetei'.t. datz der Kurier der Berliner diplomatischen Vertretung der Sow- jctregierung in deutscher Sprache gedruckte Flugblätter völkerrechtswidriger Weise nach Berlin gebracht hat, welche die deutschen Arbeiter und Soldaten zum blutigen Umsturz, Meuchelmord und zum Terror auffordcrn und nähere Anweisungen hierzu geben. Heute liegt ein weiterer Fall derartigen agitatorischen Treibens vor, der beweist, daß von amtlicher bolschewistischer Seite revolutionäre Propaganda auch unter unseren Truppen im Osten getrieben wird. Die offizielle Zeitung der russischen Sow- jctregierung „Iswcstija" enthält in ihrer Nummer 227 unter -er Ueberschrift „Der rote Soldat" folgende vom 17. 10. datierte Nachricht aus Smolenik: Hier traf heute die erste Nummer der Zeitung „Der rote Soldat", die vom Kricgsrevolutronsrat der deutschen Ostarmee herausgegeben wird, ein. Die Soldaten werden darin zur sozialen Revolution und zur Bildung einer kommunistischen Partei anstelle der überebbtcn Sozialdemokratie cufgefordert. Wie in Berlin an zuständiger Stelle bekannt ist. wird die Zeitung „Der rote Soldat" in Rußland von amtlicher bolschewistischer Seite als Propagandaorgan gedruckt und über die Grenze geschmuggelt. Bei der Ostarmee besteht weder eine solche Zeitung noch ein Kriegsrevolutionsrat. Die Nachricht ist also eine für bolschewistische Zwecke angebrachte Unwahrheit, wenn auch anzunehmen ist, daß der gesunde Geist unserer Truppen im Osterr diesem agitatorischen Treiben der Bolschewiki-Regierung energischen W-derstand entgegensetzen wird, daß die Truppenführer alle Schutzmaßnahmen getroffen haben, um diese bolschewistische Propaganda unschädlich zu machen, so muß im JnLereffe der Aufklärung unserer Bevölkerung und unseres Heeres doch dieser neue Fall amtlicher bolschewistischer Propaganda als besonders dreist öffentlich gebrandmarkt werden Ein Gruß aus Nil-tt-Merttly. Wien, 5. Nov. Wiener k. und k. Korr.-Bur. Die nieder- österreichischen Landtags- und Neichtzratsabgeordneten haben sich heute als niederösterreichijchs Landesversammlung zusammengetan und einen ffebengliederigen Landesausschvß eingesetzt. Die Landesversammlung hat einen Antrag angenommen, daß die bisherige landesfürstliche Landesregierung mit der Selbstverwaltung des Landes vereint und von dem Landeshauptmann und anderen von der Landesversammlung gewählten Organen geführt wird. Bürgermeister Dr. Weiskirchner begrüßte namens der Versammlung die deutsch-österreichische Nationalversammlung, den Staatsrat und die Staatssekretäre und gelobte ihnen Treue und werktätige Mitarbeit. Von Schmerz über die Waffen- stlllstandsbed'lngungen erfüllt entbot er den Brüdern im Deutschen Reiche herzliche Grüße von Volk zu Volk (lebhafte Heilrufe) und bemerkte: Unsere Grüße sollen künden die Treue, die wir halten und die untrennbare Gemeinschaft aller Deutschen. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) ! !0MM !l! töi Von unserem Berliner Vertreter wird uns geschrieben: Der Warschauer Regentschaftsrat, der niemals rechten Boden im Volke besaß, ist nach den neuesten Meldungen gestürzt und ein neues Ministerium hat auf eigens Faust zur Bildung einer Nationalregierung und damit zur Errichtung einer Volksrepublik unter sozialistischer Führung aufgerusen. Ueberall scheint jetzt der Bolschewismus sein Haupt zu erheben, n'cht zuletzt auf dem Balkan. Man spricht bereits im Ernst von der Umwandlung Serbiens und Montenegros in sozialistische Republiken und nach dem Vorgänge Bulgariens machen sich in Rumänien ähnliche Stimmungen bemerkbar. Die Vorstellungen, von denen die Völker bei diesen bolschewistischen Bestrebungen beherrscht werden, sind wirklich sehr unklar. So findet sich in einem Aufrufe der Offiziere und Soldaten der früheren polnischen Legionen zu Gunsten VilsutzkyZ der Satz, den Kommandanten muß uns die herzoglich-sozialistische deutsch- Regierung herausgeben, und die I polnische Regierungs'.nacht muffe ihn aus Magdeburg herausschaffen, sei es über Berlin, sei es über den Belvedere-Palast. Nur er allein vermöge eine Armee zu schaffen, unter deren Schutz jedermann in Polen den ungebetenen deutschen Vormündern werde sagen können lebt wohl. Die polnische Bevölkerung wird sich ja nach dem bevorstehenden Abzüge der deutschen Truppen über die Segnungen des Bolschewismus klar werden können (flnßtörijjj de«t!chtt ssröMi! in Tiro!. Innsbruck, 6. Nov. (WB.) Die „Innsbrucker Nachr." Trrngen an der Spitze ihrer heutigen Mittagsnummer folgende Meldung: . Das bayerische Kriegsministerium in München übermittelte dem Präsidenten des Tiroler Nationalrates am k. November um %11 Uhr nachts folgende Depesche: Die Waffenstillstandsbedingrrngen zwischen Oesterreich und der Entente zwingen uns, zu der Sicherung unserer Landesgrenzen Truppen nach Nordtirol zu schicken. Gleichzeitig sollen diese Truppen mithelsen, um den Abzug aufgelöster österreichischer Heeresteile nach Osten zu schützen. Unsere Vorbuten überschreiten am 5. November die Grenze und starke Kräfte werden folgen. Wir kommen als Freunde und erwarten, daß uns bei unseren Bewegungen keine Hindernisse von seiten des deutsH-österreichischen Nationalrates und der österreichischen Kommandobehörden in den Weg gelegt werden. Sollte das trotzdem der Fall sein, so sind unsere Trupven angewiesen, sich mit Waffengewalt den Weg zu bahnen. Der kommandierende General Krasft v. Delmen- singen. _ Das Blatt fügt hinzu: Der Waffenstillstand mit der Entente ist abgescklossen und der deutsch-österreichische Nationairnt nahm ihn mit Bedauern zur Kenntnis. Die De. dingungen sind in Durck-fiihrung begriffen. Innsbruck handelte auch bereits danach. Die Bevölkerung jedoch wird mit Rücksicht auf die bereits eingetretenen schlimmen Ereignisse an vielen Lrten Tirols das Erscheinen deuchcher Ordnungs- Mannschaften im Interesse des Landes und der heran- strSmenden Soldaten, die selbst, gleich welcher Nation sie auch angehören mögen, nnier der Unordnung schwi leiden nur begrüßen. Salzburg, 1. Nov. sWB.) Heute Nachmittag trafen hier bayerische Truppen in Stärke von ungefähr zwei Bataillonen ein. die ihre Fahrt ins Gebirge sortsetzen wollten. Die Feld- rransportleitung verweigerte die Weiterbeförderung. Hier- ^ e * n bayerischer Offizier zu dem Kommandanten der MUrtärstalion und forderte die Freigabe des Schienen- roeges. Der Kommandant verweigerte dies und legte, als ^ ffiaier seinem Verlangen beharrte, gegen den Durchzug der bayerischen Truppen Protest ein. Der -Natronalrat legte schriftlich Verwahrung gegen den Durchzug tayerisazer Truppen ein. Die Bayern setzten sodann die Fahrt in der Richtung Schwa rAach—St. Veit fort. (m Aiürnt )kg brujuillha; KrießWinißtl München, 5. Nov. (WB.) Der Kriegs minister erläßt genden Aufruf: Die WaffenstillstandsöeLiugunqen, die unse bisherigen österreichischen Verbündeten auferlegl wurden, er i«n dem Feinde die Möglichkeit, unsere Süd- und Ostgre militärisch zu bedrohen. Das Vayernvolk, das in diesem Kri em^n bewundernswerten Opfermut zeigte, kann auch di. Möglichkeit zuversichtlich entgsgenfehen. Zur Beunruhig! liegt kein Anlaß vor. Vorkehrungen für den Schutz der Heir sind getroffen worden.und im Gange. Dis Bevölkerung d das höchste Vertrauen haben, daß sie unterrichtet wird, sc wrder Erwl-Äen eine unmittelbare Gefährdung des Landes c lollt* Deshalb Ruhe und Zuversicht! Die Drarrdfackel. Mit dem Selbslbestimmungsrecht der Völker hat der Idealist von Washington — wir wollen es heute amnehmen, daß er wirklich ein solcher ist und nicht, wie manche behaupten, lediglich ein kluger Geschäftsmann, der es versteht, die Maske des Idealismus zur geeigneten Stunde eufzusetzen — eine Brandfackel in die Welt geschleudert, anstatt ibr. wie er erhoffte, den dauernden Frieden zu bringen. Schon fallen die Völker des befreiten Oesterreichs sich gegenseitig an und man hat den Eindruck, daß erst jetzt die entfeffelten Machtgelüste der ungezählten kleinen Nationalitäten, die nicht mehr durch Großmächte in Schach gehalten werden, sich aufeinander zu stürzen anfangen. In Galizien hat das bereits begonnen- Die Ukrainer wollen unter keinen Umständen dulden, daß Ostgalizien an Polen fällt, heftige Kämpfe haben sich entsponnen, in deren Verlaufe die Ukrai- I net die wenig zahlreichen, schlecht ausgerüsteten polnischen Truppen aus den wichtigsten Punkten Ostgaliziens vertrieben haben. Man entsinnt sich, daß bereits bei den Brester Verhandlungen die Polen lebhaft protestierten, als Graf Czerny der Ukraine das Eholmer Land zusprechen wollte und seit dieser Zeit haben sich die Gegensätze zwischen Polen und Ukrainern zu dem jetzt ausgebrochenen Kriegszustände zngespitzt. Auch zwischen Tschechen und Polen wird die Lage von Tag zu Tag gespannter. Nach Krakauer Meldungen hat das tschechische Kommando in Prag an alle Kommandos in Schlesien ein Befehl ausgesandt, in welchem gesagt wird, daß Schlesien als tschechisches Gebiet zu betrachten sei. Gleichzeitig wurde die Besetzung von Oderberg durch tschechische Truppen angeordnet. Die Polen in Oderberg haben demgegenüber die Besetzung der Stadt durch tschechische Abteilungen verhindert. Auch im Herzogtum Tschechen, welches von den Polen beansprucht, sind bereits Kämpfe zwischen den Polen und Tschechen im Gange. Es scheint in der Tat, daß die slawischen Nationen Oesterreichs bisher nur durch den Haß gegen das Deutschtum, in dem sie ohne jeden Grund ihren Erbfeind witterten, zusammer.gehalten wurden und daß jetzt nach dem Wegfall dieses Erbfeindes sich auch diese Nationen aufeinander stürzen werden, um sich im Namen der Freiheit und Selbständigkeit gegenseitig zu zerfleischen Es ist schwer zu verstehen, wie ein einigermaßen politisch denkender Kopf ein derartiges Prinzip, wie das Selbstbestimmungsrecht der Völker jemals im Ernst als die Grundlage einer neuen Weltordnung hat aufstellen oder gar auf diese Weife die natürlichen Gegensätze zwischen den Nationen lösen zu können geglaubt hat. Es liegt auf der Hand, daß auch eine derartig kindliche Weise die tiefeinschneidenden Interessen,Zusammenstöße, die bisher die Völker aufeinandertrieben, nicht aus der Welt geschafft werden können, die selbst nach Beseitigung sämtlicher Irregenten auf der Welt immer in ihrer natürlichen Schürfe -bestehen bleiben werden. Der Linfall durch Verkündung des Selbstbestimmungsrechtes den Weltfrieden herboizuführen, ist ungefähr ebenso geistreich, als wenn man durch Aufhebung sämtlicher Zivil- und Strafgesetze die Freiheit des bürgerlichen Lebens konsolidieren und ein für alle Mal das Verbrechen aus der Welt schaffen wollte. Völker wie Indioidien werden, bis sich die menschliche Natur einmal vollkommen verändern sollte, unweigerlich mit einander zusammenstoßen und ebenso wie das bürgerliche Leben Gesetz und Autorität erfordert, erfordert das Leben der Völker, daß die Bestrebungen der einzelnen Nationen durch starke Autoritäten im Zaume gehalten werden, wenn nicht der Krieg aller gegen Alle entstehen soll. „Wer Wst?" ruft die „Frankfurter Zeitung" aus. „Wo sind d's Denker und, Dichter der Deutschen, wo ihre Philosophen und Forscher, wo die Gelehrten aller Wissenschaften, wo sind die Künstler? . . . Ihr seid es eurem Volke schuldig, zu ihm zu treten, es zu trösten, zu stärken, zu befeuern! Beweist ihm aus den Blättern der- Geschichte, daß Deutschlarrd nicht untergehen wird, öffnet ihnv die Schächte, in denen gesammelt ist, was tausend Jahre die, Fülle deutschen Denkens war, und haltet sie strahlend in das Licht, laßt sie vorüberziehen, die Großtaten deutschen Geistes und deutscher Arbeit, stellt in den grauen Tag die Erinnerung an die Meister der Dichtung, der Töne, der Farben, die nicht dem Deutschen allein, die der Menschheit unvergänglicher Besitz: geworden find! Richtet uns auf an der Vergangenheit der deutschen Seele und sagt uns, daß die deutsche Seele bleiben wird bis ans Ende der Tage! Und vor allem ihr, junge Dichter und Künstler, wo seid ihr? Tretet hin ans Licht! Tretet hinaus und kündet euch als Sänger der Freiheit, als Herolde der Liebe und Güte, als Ver- wirklicher des neuen deutschen Geistes! Sagt uns. wie ihr euch und euer Vaterland und die Welt empsindet. reißt die Tore auf zu neuem Land? Brütet ihn ans, euren Tiefstnn, eure Verzückungen. eure Inbrunst, redet zu uns aus erhabenen Gestal« ten! Wenn wn je nach dem Flügelrauschen der deutschen Seele über unseren Häuptern lauschten — nie so sehnsüchtig wie heute? Ihr wollt die Kommenden sein, ihr jungen Künstler, so seid ihr die Kommenden!" Die „Frankfurter Zeitung" wird vergebens auf diese Kom« NMden harren. Sie haben Vefferes zu tun, als sich um dos Vaterlandes Not zu kümmern: sis machen nahezu durchweg in Defaitismus, Pazifismus und ähnlichen Dingen: sie sind dermaßen „westlich orientiert", daß ffe es für Gotteslästerung halten würden, an den deutschen Sieg über Angelsachsen und Romanen zu glauben oder gar für ihn zu wirken. Bei Kriegsbeginn fanden sich einige, die für die Heimat in die Schranken traten („Eh' der Fremde dir eine Krone raubt, Deutschland, fallen wir Haupt bei Haupt"): vierjährige Wühlerei der Ver- stimmungspolitik hat sie stumm gemacht. Jetzt riskiert kein Liffauer und Hauptmann mehr einen Ton und die Jüngsten wiyen nur Hohn und Haß gegen den Krieg, also auch gegen die .nationale Verteidigung", zu speien, von der der Herr Reichskanzler vor Monatsfrist sprach. Es gehört zu den Dokumenten von unserer Zeiten Schande, daß das ausgehöhlte geistige Deutschland von 1918 unter seinen Poeten keine Aufrüttler hat. daß sie vielmehr feig, stumpf und gleichgültig, ja feindselig und' schadenfroh im Kaffeehaus sitzen und die schwarze Stunde Deutschlands als ästhetische Sensation genießen. Erhöhung der KrotrMon. Berlin, 7. Nov. (WB.) Seit vier Jahren hat das deutsche Volk die Lasten und Entbehrungen des Krieges mit bewundernswerter Standhaftigkeit getragen. Jetzt steht der Friede und die Aufhebung der Hungerblockade in naher Aussicht. Damit wird auch eine Entspannung unserer Er* nährungslage eintreten. Am 1. Dezember wird die Brotration erhöht und ander« Erleichterungen werden allmäb- lich folgen. Voraussetzung dafür, wie überhaupt für die Weiterversorgung des Volkes ist die unbedingte Aufrechtem haltimg der Ordnung. Jede Störung verhindert die reget- mäßige Lebensmittelzufuhr und bedroht die Großstädte und Industnebezirke mit unsagbarem Elend. Wir wenden uns .an das gelantte deutsche Volk, diese schwere Gefahr astzu- wenden. Der Staatssekretär und Vorstand des-Kriegsernährungs^ amtes. Der Mgm:e«M des t't'rHslsss. Berlin, 7. Nov. (WB.) Die nächste Sitzung des Reichstags findet Mittwoch, den 1b. November, nachmittags 2 Uhr statt. Die Ueuordnmrg in Argen. Darrnstadt, 7. Nov. (WB.) Die Zweite Kammer vertagt- die Beratungen über die Neuordnung, da die Vorarbeiten in den Kommissionen noch nicht abgeschlossen sind, auf morgen. Staatsminister Ewald gab die Erklärung ab. daß einleitende Schritte getan seien, um eine Begnadigung der wegc- > politischer Verbrechen oder Vergehen gegen die öffentliche Ordnung Verurteilten herbeizuführen. KW.MtMliil rHsrje Flucht. Wir lesen rn der „Wahrheit": Abgeordneter des preußischen Landtags. Mitglied des Kreis- ausschuffes des Kreises Moers, Mitglied des Stadtverordneten- kollegiumZ der Stadt Rheinberg, Schatzmeister vom Roten Kreuz, Mitglied des Mallheser-Ordens, Mitglied des Kirchenvorstandes usw. Diese vielen Aemfer bekleidet der Königl. preußische Kommerzienrat H. Underbe rg in Rheinberg. Dazu noch Inhaber mehrerer Orden, Hoflieferant des Kaisers und Heeres- Lieferant seines berühmten Boonekamp (Semper idem). Leutr, welche nun solche Aemter übernehmen, die übernehmen gewiß auch Pflichten, und zwar große Pflichten. Namentlich in dieser schweren Zeit haben solche Herren vorbildlich zu wirken. Es wäre angebracht gewesen, wenn Herr llnderberg als Landtags-^ abgeordneter Versammlungen anberaumt hätte und darin dem' Volke Mut zugefprocheu und es zur Ruhe nd Einigkeit ermahnt und darauf hingcmiesen hätte, daß auch am Rhein noch keine Gefahr vorhanden sei usw. Statt dessen aber streicht dieser Herr die Segel, er zieht einfach feit von Rheinberg, das nur 2 Kilometer vom Rhein liegt, läßt seine Mitbürger und seinen Wahlkreis im Stich. Ein Möbelwagen nach dem andern (größten Kalibers) fährt vor das Palais und wird vollgepackt. Ten König!, preußischen Kommerzienrat hat eine heillose Angst erfaßt, er hat sich m Duderstadt eine Villa gemietet und richtet sich dort häuslich ein und wartet ab die L-'lnge, die da kommen. Auf das Benehmen dieses Helden hin ist in oer Rheinberger Bürgerschaft eine mächtige Wut entbrannt. In solchen schweren Tagen lernt man den Wert des einzelnen Menschen erst recht kennen. 2-* Friedenszeiten redete dieser Abgeordnete große Töne, seine Reden in den Versammlungen sprudelten über von Patriotismus, und heute scheint er vor lauter Angst die Sprache verloren Zu haebn. Die Rheinberger Bürger haben den Wert dieses Herrn schon langst kennen gelernt und sein jetziges Gebühren dürfte sie wirklich nicht aus der Ruhe bringen. Immerhin ist das Verhalten dieses Mannes, auf den alle Ehren herab- regneten, armselrg genug, sodatz ihn niemand d"r'.-m beneiden rvird Erstaunt mutz man fragen, wie es Nrderberg gelungen *ft, von der Elsenbahndirektion drei Doppelwa"-ons zur Fort- sthaffung seiner Habseligkeiien zu bekommen. S'iif vj derselben Zeit, wo die Bewohner am linken N" 0777' .'-- ;■ cy '• Waggon - Mangel keine Kohlen erhalten können, re 7 n. de?" llnderberg drei Doppelmaggons Zur Flucht gestellt. Dies-s Enige?enkom- sren der Eifenbahndirektlon hat in Rhei?:berg und w^.tcr Um- kebung begreiflicherweise namenlose Empörung ausgelöst. Aus Darmstadt wird uns übriacns mitgeteHt. dost dort Großindustrielle emsig darauf bedacht sind. Gutsbesitz zu erwerben. Dafür ist ihnen aber Hessen, das Rheinland und Westfalen nicht sicher genug. Ihre Sehnsucht richtet sich nach Thüringen, das weiter vom Schutz entiec-it liegt. Dis Sicherung der Deute. Die Kriegsgewinnler schließen jetzt Lebensvcrsicherungsver- Äage über hohe Summen ab aus fünf Jahre und bezahlen die Prämie gleich im voraus. Durch diele Maßnahme sichern sie ehre, während des Krieges gemachte Beute. Rach fünf Jahren Hat das Steuerflucktoesetz seine Gültigkeit verloren, dann werden sie die fällige Versicherungssumme auch dem AuZlande überweisen lassen, um dann die Früchte ihrer „Arbeit" in Ruhe Zu Henießen. Perfan'ends DahrrrogourMel. Llebiiche Zustände herrschen in der Rahe des Bahnhofs & a I a u. Schon von weither kann jeder, der mit der Bahn rcrt vorbeifährt, einen pesiilenziastfchen Geruch oew'mcn. Die Ursachen daran sind ebenso leicht erklärt, wie sie unbegreiflich ^nd. Die in der Rahe des Bahnhofs belogene grosse Calauer ölumentopffabrik ist vor einiger Zeit von einer Frankfurter Firma erworben worden, die dort eine Konservenfabrik grössten Stils errichten will. Mißliche Umstände hinderten sie bisher daran, den Betrieb zu eröffnen; besonders weil sich durch Krankheit des Monteurs die Aufstellung der Maschinen verzögert hat. Inzwischen haben aber die Lieferungsverträge zu laufen begonnen, und ungeheure Quanten von Kohlrabi. Kohl und dergl !ind eingetroffen. Zuletzt sind noch Tausende von Zentnern Kartoffeln dazu gekommen. Insgesamt taxiert man die Menge der fetzt dort äur freiem Felde lagernden, inzwischen natürlich tn Fäulnis überaegangeven Nahrungsmittel auf rund 50 900 Zentner. Diese Tatlachen sprechen eine so beredte Sprache, daß man kein Wort hinzuzufüg-n braucht. Sache der Aufsichtsbehörde aber wird cs zu lein haben, festzustellen, wen die Schuld an dieser geradezu verbrecherischen Vernichiung so dringend notwendiger Nahrungsmitteln trifft. Mit einem achselzuckenden Hinweis auf die bekannte Bürokratie darf es jedenfalls nicht abgetan sein! Mckgang des Mcinbinzss. Die neueste Nummer der „Mitteilungen der Handelspolitischen Vereinigung der Landwirtschaftlichen Körperschaften Bayerns" enthält eine Abhandlung über Weinbas und Weinpreise. Der Verfasser beklagt vor allem den starken Rückgang der Rebenflächen im Deutschen Reich seit 1906 (von 120 207 Hektaren auf 91 815). In der Pfalz ist die Äebenfläche seit 1906 von 15 767 Hektaren auf 12 844, in Unterfranken von 6319 aus 260$ gesunken, im Königreich Bayern beträgt die Abncchnre der ertragsfähigen Nebenfläche in diesem Zeitraum überhaupt 7095 Hektaren. Dieser Rückgang datiert aber keineswegs erst aus den letzten zehn oder zwanzig Jahren Ein Blick auf die vielen zum Teil 'öden oder schlecht gepflegten Berghalden und die Ueberreste der alten Weinberasmauern zeigt uns. welche Bedeutung und Ausdehnung der Weinbau früher bei uns hatte. Seit Ueberncchme Unterfrankens durch die bayerische Regierung, also seit 1811. Hai die Nebenfläche um mehr als zwei Drittel abgenommen. Und mit dem Weinbau sind die anderen edleren Kulturen des Fraukenlandes, sogar der Obstbau zurückgegangen, der Altbau der Medizinalkräuter ist auf ein Minimum geschwunden „Bürokratie in Psststuütur." Die neue Regierungsweise — „Bürokratie in Reinkultur" So urteilt die — „Frankfurter Zeitung" (Nr. 296 Abendblatt vom 28. Oktober 1918). Der sozialdemokratische Abgeordnete Dr. Quarck hatte seiner besonderen Freude darüber Ausdruck verliehen, wie schön demokratisch und Parlamentarisch jetzt Deutschland verwaltet werde, wie keine neue Note mehr heraus- gcgeben würde, ohne daß zuvor die Fraktionen berieten usw. usw. Diese Begeisterung vermag das eben genannte neue Re- gierungsblatt ganz und gar nicht zu teilen. Es verlangt mit Sehnsucht nach einer Regierung, die nicht ängstlich auf Beschlüsse vielköpfiger Kollegien wartet, sondern eigener rascher Entschlüsse fähig ist, und die — man staune - „wirklich führt". „Wirklich führt?" Dasselbe Verlangen haben früher, wenn uns nicht olles täuscht, die ..Reaktionäre" oft genug vergebens aestellt. Die Demokratie, so meint die „Frankfurter Zeitung" Msse jetzt dies Verlangen erfüllen. So wie bisher ginge es Allerdings nicht, „niemand könnte so und nun gar in solchen 'Zeiten wirklich regieren". Der Meinung sind auch wir. D^e sog. „alte" Regierungs- -rveife war von den hier gerügten Mängeln sicherlich nickt fr*! Niemand hat über Unentschlossenheit und Schwanken der Negierungen von Belhmann Hollweg bis Hertling mehr zu klagen gehabt, als die „Reaktionäre". Diese Reaktionäre aber mutzten und wissen auch: Es ist in der Welt nichts so schlecht, daß man's nicht noch schlechter machen könnte. Einen Beweis für die Richtigkeit dieser uralten Wahrheit liefert letzt das Frankfurter Börsenblatt. Die deutsche Demokratie schreit nach dem starken Mann. Nach den bisher offiziös bestätigten Erfahrungen zu urteilen, scheint nur die „Demokratie" des Auslandes, oder was man dort so nennt, starke Männer zu gehören. Schrieb doch sieben Wochen vor dem Siege der deutschen Demokratie der „Berliner Vörsenkurier". gleichfalls jetzt demokratisches Regierungsblatt) (siehe D. T. Nr. 109 v. 12. August 1918): „Unsere Gegner hoben starke Staatsmänner die den Krieg bis zum Weißbluten fortsetzen wollen: wir haben schwache Männer, die den allgemein ersehnten Frieden wollen." Ein zweifellos durchaus zutreffendes Urteil! Auch jeder „Alldeutsche" wäre zufrieden, wenn cs gelänge, mit Hilfe welcher —kratie immer, solche schwachen Männer durch starke zu ersetzen. Leider scheint die deutsche Demokratie für diesen Ersatz nicht aus- kommen zu können. 1 ns» der Heimat. Fricdberg, 8. Nov. (Aushebung der Dienstesnichräntung bei der Fernsprech-Bermittlunqsstelle). Die am 1. November au- geordnete DiensteinschrLnlung bei der hiesigen Fernsprech Ncr- mittlun-gsftclle wird mit Ablauf des 8. November wieder aufgehoben. Friedberg, 8 Nov. Ingen) van heute. Aus dem Kassenschranke der „Neucr. Tageszeitung" verschwanden seit geraumer Zeit gewisse Geldbeträge. Da nur bestimmte Personen den Schlüsse! befaßen, so war das Verschwinden des Geldes unerklärlich und es wurde eine genaue Beobachtung eingeleitet mit dem Erfolg, daß ein junges Mädchen, dgs erst zu Ostern aus der Schule entlassen war, als Diebin entlarvt wurde. Das Mädchen, das täglich nur kurze Zeit in den Geschäftsräumen weilte, hatte den Aufbewahrungsort des Refervefchlüssels ausbaldowert und machte sich dann über die Kasse her. Zur Rechenschaft gezogen, gestand sie den Diebstahl ein. Frirdberg, 8. Nov. (Kirchliches.) Vom nächsten Sonntag an finden bis auf weiteres nach denr Beschluß des evangelischen Kirchenvorstands alle Gottesdienste und Kriegsandachten in der gehetzten Burg kirche statt. Frirdkerg, 8. Nov. (E V. — Lutherfeier.) Entgegen der vorgestrigen Ankündigung wird die Lutherfeier am nächsten Sonntag in der jetzt üblichen Zeit des AbendgottesdiensteZ. also um 1 A6 Uhr in der B u r g k i r ch e siattfiuden. Herr Geh Kirchenrat 1). Schoell wird über das Thema sprechen: „Was Luther der Gegenwart zu sagen hat". Zu der Feier sind alle Gemeindeglieder herzlich eingeladen. Gesangbücher wolle man mrtörtngen. Beim Ausgange ist Gelegenheit geboten, eine Gabe zu opfern, die seit vielen Jahren dem künftigen Bau eines Gemeinde- vud Schwesternhauses dienen soll. Friedberg, 8. Rov. (M u s i k v e 7 e i n.) Die freiwilligen Gaben (Tellerspenden) bei dem Konzert am 3. November zur Erinnerung an das 50jährige Bestehen des Vereins wurden mit Mk. 96.— dem Roten Kreuz, hier, überwiesen. v. Frirdberg, 8. Nov. Die Jahresversammlung des Ober- hcssischeu Vereins für Basler Mission. welche am 24. Oktober in der Burgkirche stattsand. nahm einen recht befriedigenden Verlauf. Der Vorsitzende. Dekan Gußmann-Kirchberg, eröffnete dieselbe mit Schriftlesung und Begrüßung. Er betonte vor allem die entschiedene, klare Stellungnahme der Basler Mis- fionsgesellschast gegenüber Englands' Gewaltmaßnahmen und forderte angesichts der Not unserer Mission zur Treue auf. Pfarrer Vogel-Reichelsheim i d. 2B. gab einen Ueberblick über die Rechnung und den Vermögensstand des Vereins, dem bereits 76 Gemeinden angeboren Ueber „Zukunftssragen der Basler Mission" sprach in einem tiefgründigen, klaren Vortrag Mis- sivnsInspektor Oettli-Vasel. In einem Rückblick zeigte er zunächst. wa§ der Krieg auf den einzelnen Missionsfcldern und in der Heimat Basel genommen und gelassen hat. Er wies auf neue Aufgaben hin, z. B. im Hinblick auf die zukünftige Ausbildung der Missionen, auf die Stellung der Missionsgemeinden zur Musionsgesellsckaft und umgekehrt: er betonte den Segen der reichsdeutschen schweizerischen Arbeitsgemeinschaft, wodurch auch die llebernaticnalität der Mission mitgewahrt werde. Eine nationale Abstempelung schadet der Mission sehr, wobei doch unter anderem die Missionare den Eingeborenen gegenüber als politische Agenterl erscheinen müßten. Wo die Basler Missions- aröeit nach dem Kriege einfetzen werde, liegt vorerst im Dunkel, zunächst bleibt China ihr HauptarbeitZfeld. Missionar Bellon von der Goldküste schilderte sodann seine Kriegserlebnisse und Gefangenschaft, was tief in die Herzen griff. In der gottesdienstlichen Abendfeier sprachen beide Redner nochmal? zur Gemeinde. An freiwilligen Gaben gingen 73 Mk. ein. Die Reisebrotminken über 500 Gramm werden am 15. De- 5 enilv;r ungültig Die Stadt Frankfurt hat derartige Marken v:elsach^ verausgabt. Die 50 Gramm-Reisebrotmarken bleiben vorläufig in Kraft, doch ist auch mit ihrer demnächstigen Abänderung zu rechnen. Bad-Nauheim. 8. Nov. Richard Wagner Abend im Kursus. Dienstag, den 12. November, abends SV, Ufo. Ein außerordentlicher Kunstgenuß ist demnächst §u erwarten: Else Gent- ner-Fischer und Robert von Scheidt — zwei allererste Kräfte vom Frankfurter Opernhaus — geben am kommenden Dienstag einen Richard Wagner-Abend und bringen eine hervorragende Auswahl von Szenen aus Tannhäuser. Parsifal (Erzählung der Kundry. zum erstenmal in Nauheim), Meistersinger von Nürnberg (Wahn-Monolog des Hans Sachs) und drei Stücke aus dem „Holländer" (Arte des Holländer „Die Frist ist um". Ballade der Senta und Duett zwischen Holländer und Senta) zum Fortran. Der Kartenverkauf beginnt Montag früh 10 Uhr am der Kasse des Kurhauses. Da voraussichtlich ein starker An- drass -u erwarten ist, empfiehlt es sich. Eintrittskarten reckt-, Aus Siarkcnburg. Goddelau» 4. Nov. Auf bein hiesigen Bahnhof wurde am Sonntag früh eine weibliche stark verstümmelte Leiche gefunden. Nus den Ermittelungen ergab, daß sie Insassin des Landes- Philipps-Hospitals war und aus Lebensüberdruß sich durch einen Zug überfahren ließ. Darmstadt, 6. Nov. Trotz eines Einkommens von etwa 5000 Mk. im Jahre trieb den 18 Jahre alten in einer Mannheimer Fabrik tätigen Arbeiter Franz Köhler aus Bürstadt, wegen Diebstahls mehrfach vorbestraft, der Drang nach Freiheit und Faulenzerei dazu, seine regelmäßige Beschäftigung im Stichy zu lassen. Er vereinigte sich mit noch vier jungen Burschen aus Bürstadt, trieb sich wochenlang mit ihnen umher und begingehi sie gemeinsam in Bürstadt und anderen Orten eine Anzahl, etwg zehn Diebstähle durch Erbrechen von Kellern. Waldhütten. Jagd« Hütten usw. Ihre Beute war nicht groß und bestand meist aus Nahrungsmitteln. Kleintiere, Hasen. Ziegen usw. Die Strafkammer verurteilte den Anführer Köhler zu 1 Jahr 6 Monaten, die drei andern zu 8 und 10 Monaten Gefängnis. Darrustodt, 4. Nov. Infolge verschiedener Unregelmäßigkeiten rm hiesigen Schlacksthof ist bekanntlich vor einiger Zeit ein Verfahren gegen den Sohn des Schlachthofdirektors eingeleitet worden. Nachdem durch die E,tadtverwa!tung vorläufige Ermittelungen angestellt waren, wurde durch die zur Prüfung dieser Ermittelungen bestellte Kommission beschlossen, die ganzen Akten den ordentlichen Gerichten zur Beurteilung zu übergeben. Ereß-Gersu, 6. Nov. Hier haben rohe Burschen wie Vandalen gehaust, indem sie auf dem israelitischen Friedhofe Grabsteine umstießen oder demolierten und anderen Unfug trieben. Man ist ihnen auf der Spur. FC. Ebcrftadt, 3. Nov. Der Geme'mderat beschloß, daß die Gemeinde, um der Wohnungsnot zu steuern, zunächst fünf Wohnhäuser errichtet und hierfür sofort das Material beschafft. FC. Balkhausen, 3. Nov. Fn einem Streit zwischen hie- sigep juntlen Burschen und solchen aus Hochstädten wurde der 17jährige Karl Ovver von hier durch einen Messerstich in di; Brust schwer verletzt. FC!. Bensheim, 3. Nov. Nach dem das von der Behörde ergangene Ersuchen an die Kartofselei-zeuger die nicht zu ihrer Selbstversorgung freigegebenen Kartoffelmengen zur Ablieferung an die Bezugsschemberechtigten und an den Kam« mnnalverband zu bringen, nur mangelhaften Erfolg gehabt hat und festgestellt wurde, daß trotz alledem die Kartoffeln im Schleichhandel abgesetzt werden, hat das Kreisamt dahier nunmehr beschlossen, die alsbaldige Feststellung der Kar- toffelvorräte durch eine eigens dazu gebildete Kommission anzuordnen. Tie Arbeit der Kommission beginnt am 4. Nvember und erstreckt sich auf die Nachschau sowohl bei den Kartoffelerzeugsrn, als auch bei den Versorgungsöe^ rechtigten. ^ Ans Hessen-Nassau. Schve'dhain i. T.. 5. Nov. Das etwas einsam gelegene Stationsgebäude wurde wehrend einer kurzen Abwesenheit des Dienstleiters am Hellen Mittag ausgeplündert. Dem Riniber fiel ein erbeblicker Geldbetrag in die Finger. FO. Bierstadt. 6. Nov. Die seit einer Woche hier a''.ws- mackte Volksküche erfreut sich lebhaften Zuspruchs. Innerhalb der Woche ist die Zahl der teilnehmenden Kinder von 126 auf 198 pestiea-en- FC. Schierst ein, 6. Nov. Gelandet wurde in der Nabe der Nheinhutte du.rch den hiesigen Fischer Wilhelm Steinheim er die Leiche einer jungen Frau aus Biebrich, die in einem Schwer-' mutsanfalle in den Rhein gegangen war. FO. Vraubach, 6. Nov. Großen Schaden haben im Frühjahr und Sommer d. I. Wildschweine und Rehe in hiesiger Gemarkung angericktet, besonders haben sie die Kartoffelfelder arg mitgenommen. Die Stadt hat weit über 4060 Mk deshalb an Wildschaden zu decken. Einigen Landwirten ist fast die ganze Ernte vernichtet. FO. Oöerlahnster» 6. Nov, Seine Frau unglücklicherweise er'chossen hat'der in der Bahnhofsstraße dahier wohnende Arbeiter Wilhelm Zimmerschied. Zimmerschied hantierte an einem geladenen Revolver herum, als plötzlich ein Schuß losging, der die Frau ins Herz traf, so, daß sie kurz darauf verstarb. Ans Kurhessen. FC. Kassel. 6. Nov. Von den hiesigen königlichen Schlössern kommen zur Verwendung als Lazarette in Frage das gesamte Schloß Wilhelmshöhe mit Ausnahme der. kaiserlichen Gemacher, in denen die wertvollen Kunstgeaenstände und Möbel des Schlosses aufbewahrt werden sollen, das Prinzenhaus, das mit dem benachbarten Friedrich-Gymnasium zu einem Lazarett verbunden werden soll und das Note Valais am Friedrichsplatz. FC. Nus Niederhesse«, 6 Nov. Die Bahmvärterin Elisabeth Becker aus Rönshausen, die in der Nähe des Dorfes dienstlich den Bahnkörper überschreiten wollte, wurde von dem Berlin- Kasseler Schnellzuge überfahren und getötet. Aus der Pfalz. FC. Aus der Pfalz, 6. Nov. Einem jungen Mädchen am Bahnhof Rohrbach wurde in dem Gedränge der Zopf abgeschnitten. ebenso einer weiteren Person. > Offene Stellen: 1 Ordonnanz. 3 Knechte. 4 Tagelöhner. 2 Fabrikschlosser, 2 Hilfsardeiler, Kriegsbeschädigte. 12 Dienstmägde, 2 Wirtschafterinnen, 8 Hausniädchen, 1 Lazarett-Köchin. 1 Melkerin. 1 Weißzeug- be^chlietzerin. Für Etappe: Männer und Frauen aller Berufe, bei elfteren koinmen auch jugendliche in Frage. Stelle nsuch;«der Mehrere Melkersainilien und ledige Melker. VerantwoiUlch für den politischen und !oka!?n Teil: Otto Hirsche!, Friedberg-, für den Anzeigenteil: N. Heyne ri Friedberg. Druck und Verlag der „Neuen Tageszeitune"/ v A- G.. Fnedbera i §. Herzenskiimpfe. /[ Ncm.in von Helene 3 cf» ö i f n, geb. von Gersdorff. (Copyright 1915 by C. Ackermann-Stuttgart.) ?o'. Nachdruck verboten. U'Fiic «ua geschehen? Da war keine Hoffnung, daß ihr SV'. c? je andern Sinnes werden könnte. Niemals würde er feine Einwilligung zu ihrer Verbindung mit Rellrhold geben. Alle/, alles war ans. Und er würde sie auch nie mehr nach K. i.Vcsi lassen, sie würde Reinhold wohl nie, nie wieder sehen. OVa-nt dtttt Seligkeit und heute — Verzweiflung, Jammer, - Nr'.cht und Dinkel? l ,.O, Gtti' Mein Gott?" schrie so: in ihrer Qual, „warum? r.v. Was tat ich um lo namenlos unglücklich zu werden?" lag -ic w hilflos und fassungslos ihrem großen C-.chmcrz-hingegcbcn. Plötzlich aber richtete sie sich auf. „Hildesprach sie mit zuckenden Lippen zu sich selbst, „schä ':?st du dich nicht? Ist das dein Mut? ist das dein Gott- rett-nuen? Willst du gleich beim ersten Hindernis verzagen? Was hrst du Roinhold versprochen^ Akut, Geduld. Liebe. Treue und -stnrnueu auf Gott! ... Ja. ja, du Geliebter, Einziger!" rief itt ganz laut. ..ich halte mein Mort! Ich werde ausharren V':* nie, «;»- von dir lassen, ob wir nun vereinigt werden oder r *. So helf mir Gott! Amen!" Dann stand 'sie auf, legte ihre Neifekleider ab. ohne ihre I'!':gfer zu rufen, kühlte und wusch ihre brennenden, geröteten Augen und setzte sich dann, den Kopf ausgestutzt, in schwerem Sinuc an ihren Schreibtisch. Was sollte sie tun? Sie mußte zunäckit Reinhold und auch Tante Ella benachrichtigen, wie eZ hier stand. Rttnhold durste aus keinen Fall weder kommen noch an ihren Vater schreiben. Wozu ihn dieser nutzlosen Demütigung aussetzen? Sie mußten sich vorläufig — sie lächelte bittrr — wahrscheinlich für immer .... auf schriftlichen Verkehr beschränken und abwarten, ob ihnen das Schicksal irgendwie zu Hilfe käme. Bald flog ihre Feder über das Papier. Sie schilderte ausführlich die ganze Szene ihres Empfanges bei ihrem Vater, ebenso ihre anfängliche Trostlosigkeit und ihre jetzt wiederer- «angte Fassung, bat Reinhold ebenfalls das Unvermeidliche geduldig zu ertragen und versicherte ihn ihrer unwandelbaren Lstbe und Treue. Dann bat sie ihn noch. Tante Ella aus ihrem oorzulojen, was sie und Ör-ktt Bernhard zum Verständnis der Situation, wissen mußten, schloß den Brief in ein großes an die Tante adressiertes Kouvert ein und übergab es ihrer treuen Lina, um es in einen Vrieskasten zu werfen. Darüber waren mehrere Stunden vergangen. Die Diner- zeit nabte heran. Hilde machte eine sorgfäliiae. wenn auch ein- sache Dbmid'oireire und als Vater in's Eßzimmer trat, fand > r: feine Tochter bereits da, ihn mit ruhiger, freui-dsick-r Miene erwartend, als wäre gar nichts von Bedeutung zwischen ihnen r-crgcfallen. Ein triumphierendes Lächeln glitt über feine peroament- artigen, blutleeren Züge. Mar nun feine Diagnose nickt vollkommen richtig gewesen? Da war sie. augenscheinlich schon so gut getröstet über ihre zerstörten Hoffnungen. Vielleicht brauchte er nickt einmal mehrere Tage zu warten, bis er ihr seinen Befehl, den Marquis zu heiraten, mitteilte. Run. das wollte er sich noch überlegen. Bei Tisch unterhielten fle PH von gleichgültigen Dingen, nicht sehr lebhaft, da sie fast gar keine gemeinschaftlichen Berührungspunkte hatten. Hilde hätte von Menschen und Erlebnissen in K. erzählen können, aber sie fürchtete eine gefährliche Wendung des Gesprächs und wußte nicht, ob ihre kauin wiedererrungene Fassung erneuten Angriffen auf ihr Liebstes und Teuerstes standhalten würde. Deshalb bemühte sie sich, von Politik. Tagesneuigkeiten und Büchern zu reden, erfuhr aber auch hierbei, daß ihr Vater, wie von jeher, in allem entgegengesetzter Meinung war und allen feinen Entgegnungen einen bitteren, gehässigen und verächtlichen Ton beimischte. Wieder wollte sic eine große Entmutigung ergreifen. So sollte nun ihr Leben immer weiter sich abrollen? Ein Tag nach dem andern in dieser fürchterlichen moralischen Atmosphäre? Und dazu noch das verzehrende Heimweh nach Reinhold im Herzen, das sie wie einen positiven körperttckwn Schmerz auf sich lasten siihlte! Wieder mußte sie sich mit Gewalt zusammennehmen, um sich nichts anmerken zu lassen. Es war ihre Pflicht, sie mußte stark und mutig sein. Mit mühsamen: Lächeln wandte sie sich an Fräulein Franziska Lehmann, welch - in rauschender Seide und brillantenfunkelnd die dritte Person am Tische war, und versuchte mit ihr ein nichtssagendes Gespräch über Toiletten, Weiter und Dienstboten anzuknüpsct^ den: der Gehcimrat mit ironischem Lächeln zuhörte. Die Tafel blitzte von kostbarem Silber, Kristall und Porzellan, die lecker zubereiteten, luxuiösen Speisen und Getränke wurden von tadellos geschulten Dienern in eleganter Livree serviert, das große, in alldeutschem Stil eingerichtete Eßzimmer strotzte von prächtigen und wertvollen Dingen. Alles war vorhanden, wonach die Mehrheit der Menschen unter dem Begriff „Glück"' strebt. Und doch, wo war das Glück? 15. Kapitel. Marquis von Reymond befand sich in bester Stimmung. Seine großen und kleinen Angelegenheiten gingen ganz nach Wunsch. Während er auf die bedeutsame Nachricht von Hildes Vater wartete, die ihn zur Verlobung nach G. rufen sollte, amüsierte er sich köstlich mit dem kleinen Backfisch Küthe Tront- heim. Sie waren sckon mehrmals auf der bewußten Bank im Park zusammsngctroffen und hatten dort ein Stündchen unter Lacken und Plaudern verbracht. Zwar konnte er sich bis jetzt keiner weiteren Gunstbezeigung der kleinen Dame rühmen, als daß er ihr beim Kommen und Gehen das zarte Händchen küssen durfte, was auch in jedem Salon unter den Augen von hundert Müttern und Anstandsdamen hätte geschehen können. Aber er wollte das scheue Vögelchen schon nach und nach kirre machen. urS p'nstweilcn war es doch ein herzliches Vergnügen, mit der klcr.i' .* quecksilberigen frischen Person heimlich zusammen zu ! kommen und ihr übermütiges munteres Geplauder anzuhören. Eben eilte er wieder dem anaenehmen Ziele zu. Als er eben schnellen Schritts über einen Reit- und Fahrweg der Anlagen gehen wellte, und in den Seite,:p:ad. der zu der bewußten Dank führte, einzubiegen, begegnete ihm ein Reller in Uniform den er, als er nöherkam. als den Leutnant von Naundorfs erkannte. Die Herren grüßte:: sich, wie sie aneinander vorüberkamen. da sie sich natürlich kannten. Dabei traf den Marquis ein eigentümlicher, forschender Blick des jungen Offiziers, der den Franzosen gar nicht angenehm berührte. Oder war es nur «knDUvüng, was man so „schlechtes Gewissen" ivnnt, gewesen?!'' Er suchte sich damit zu trösten, denn woher hätte Naundorfs' etwas von seinem kleinen Abenteuer wissen sollen? Das wär^ nämlich sehr fatal und könnte unangenehme Folgen haben, die der Marquis absolut vermeiden wollte. Leicht verstimmt langte er an der Bank an, wo ihn Käthe "schon etwas schmollend erwartete. „Wenn Sie nicht pünktlicher kommen, Herr Marquis, so können Sie das nächstem«»! überhaupt vergebens auf mich warten". schalt sie verdrießlich und schlug ihm, als er nach ihrer Hand griff, um dieselbe zu küssen, mit ihren Handschuhen, die sie lose in der Hand hielt, beinahe in's Gesicht. „Meinen Sie. ich hätte Lust, hier lange allein zu sitzen? Es ist doch schon schwer genug für mich, immer einen Vorwand zu finde?:, um allein fort zu kommen. Um hier allein zu sitzen und mich zu ärgern, lohnt's all der Anstrengung wahrhaftig nicht. Dafür bedanke ich mich." Sie sah entzückend aus, als sie ihren Zorn in reichen Warten hervorsprudslte. dabei heftig gestikulierend und ihn mit ihren dunklen Augen anblitzend. „Zürnen Sie nicht, liebreizende Catherine?" rief er, ne ggrn Verzückt anstarrend, es war nicht meine Schuld, je vous le jure! Im letzten Augenblick, als ick) schon aus Flügeln der Sebnsvcht hierher eilen wollte, kein ein dummer Mensch und hielt mich fest mit seinem Paß. den er durchaus brauchte. Aber nun »eien Sie wieder gut, sonst bin ich l'homme le plus malheureux du monde. Kommen Sie, setzen Sie sich zu mir auf die Bank und lassen Sie uns plaudern! Was haben Sie diese drei Tage getan. wo ich Sie nicht gesehen habe? O. es war lange, schrecklich lange! Haben Sie sich auch ein wenig nach mir gesehnt, sü'e kleine Catherine?" Käthe war schnell besänftigt und letzte sich neben ihn aus die Bank. Bei seiner letzten Frage lachte sie hell auf. Ob ich mich nach Ihnen gesehnt habe? Aber nicht die Spur! Fällt mir gar nicht ein! Gedacht habe ich wohl an Sie aber" — sie sah ihn schelmisch von der Seite an, „wissen Cie. was und wie?" „Nu,:, nun. was denn? so reden Sie doch!" drängte er gespannt und rückje ihr etwas näher. ..Zch habe gedacht," sagte sie, zögerte und sah ihn wieder lächelnd an, „daß die Geschichte nun sckon anfängt, mich etwas zu langweilen. Jetzt bin ich schon so oft heimlich hergelaufen, nun macht es mir gar keinen Spaß mehr. Cs ist ja immer vas- selbe!" „Sie kleiner Dämon, Sie machen einen ganz toll?" rief er wirklich aufgeregt. „Ich lebe nur von einem Mal zum andern, wo ich Sie sehen, mit Ihnen sprechen darf: ich denke, auch Sie freuen sich, mich zu sehen, mit mir zusammen zu fein, und nun sagen Sie gai^ kühl, daß Sie das langweilt! Nein, Catherine das kann nicht fein, ich liebe Sie so heiß, ich könnte das nicht ertragen! Sagen Sie mir. daß Sie mich auch ein wenig lieb haben, chere petite Catherine!" Er war ihr ganz nahe gerückt und hatte mit einer plotzlicken Bewegung den Arm um sic gelegt und wollte sie- an sich drücken. Sie aber stieß ihn heftig von sich, sprang auf und stand zornglübend vor ihm. „Was fällt Ihnen ein? Wie dürfen Sie sich das erlauben?" rief sie außer sich. _ Fortsetzung folgt. M«, lil, teil! iiiir«! in großer Auswahl, noch guten Stoffen, gebe noch billig ab. Hofen, Joppen, Arbeitswerten sofort bei SoimeMerei Wmf, Frank.riet a. $}„ Bleich tr. IG, 1. Schier Nattenpmtfcher abzugeben. •f-e'ür’ff) TchnWs in Ctrinsurth btt Bad-Nauheim. Fe rnsprech er B ad-Nauhei m Nr.320 1 gebrauchter 9 e> vf" ffc gH IHfc üut erhallen, für zwei Pferde- freifte zu kaufen gesucht. Beschreibung nebst Preis zu richten an die WMSttüft] Eisen Lach bet Lauterbach. r n ^ Uer verehrlichen Einwohnerschaft von Heldenbergen tmd den umliegenden Ortschaften teile hierdurch mit, daß ich in ISeldenherscn ein efeitfrisefsos fnslaüatäensgssehöü eröffnet habe. Indem ich rasche und gute Bedienung zusichere, bitte ich um geneigten Zuspruch. Hochachtungsvoll Hermann Beutler, HeMenbergen V_ r J Bin aus dem Felde zurück und nehme meine Praxis wieder auf. Friedhcrg I. H., Aite Bahnhefstr. 19, Telefon 396. Br. Schneider Tierarzt. Kelraiintmachnnff. Nächsten Montao. den 11. November, verteilen wir in der alten Post für Bezirk 81 Malkefer. J Vormittags von %—9 Uhr für die Nummern 1—2-0 des Bezirks 1! » 8-J9 .. 201-400 „ H » JJ-JJ » - .. .. 401—800 . " II » "-12 - .. «01-800 ' l H nachmittags von 2—3 Uhr für die Nummern 801-1000 des Beürks II - 2-4 „ „ „ .. 1001-1200 .. „ II * 4-5 .. 1201 aufwärts „ II Es werden abgegeben auf Eierkarte blau, Marke 5. 2 Eier zu 90 Pfennig. Die Cierkarten sind vorzulegen. Eier.arten ohne bic betreffenden Marken berechtigen nicht zum Bezug: einzeln abgetrennte Marken sind wertlos. Der Dnrchleuchiungsapparat wird ausgestellt, spätere Netto mationen werden nicht angenommen. Friedbrrg, den 6. November 1918. Der Bürgermeister __ I. V.: Damm. | TascItenlamgieiQ | und filattericEi 3 versendet direkt ins Feld V unter Garantie der tadellosen Ankunft. Postkatte mit genauer Adresse erwün'cht f IVHSaclna Loliify ‘J L ÄI; va lr ii- er i. |li röt r« f luj! ttt. ZHlnnz! JHlsirg! ß-MfMtl!, fditf S Sekanntmachnng. In den hiesigen Kolonialwarengeschästen bringen wir von heule ad M sr f t e =JH a»s nt z ^um Verkauf. Auf leben Ab chnitt „Kaffee-Ersatz" der Brotkarte werden Craisuna verabfolgt. Friedberg, den 6. Noo.mber 1918. Der Bürgermeister. _ I. 93.: Da ni in. Sauerstoff-Bleiche, das Zdcal-Waschmittel. Sn Originaldo.cn zn haben im Versandhaus I’fi. Diener, tt' dberg i. Lessen, Aegenstber d.LeLensmittttausschuß Bekanntmachung. Von nächsten Samstag, dc»» 9. ds. Mts ab, bringen wir in den hiesigen Kolonialwarengeschüfien -um Verkauf. Aus jeden Abschnitt „,v‘- der Brotkarte wird v 2 Psund zum Preise von 5« Pfennig abgegeben. Friedbrrg, den 6. November 1918. Der Bürgermeister. I. V.: D a m tn. nr allen Formaten liefert ichnell uno villig 8 ?ue „Tagesftitnuz" A.-G. Kekanntmachuug. Nächsten Samstar, den 9. Nooernber, verteilen wir in der allen Post jür Bezirk I und IBB Kaliiekr. Vormittags von 9—10 Uhr für die Nummern 1—160 des Bezirks I .. in-" .. .. .. 151—300 „ I » n-12 .. „ „ " 301 —4öo : : i nachmittags von 2—3 Uhr für die Nummern 461-600 des Bezirks l f? 3—4 .. „ 601 aufwärts „ 1 4 ~ 5 .. .. ... des Bezirks II!. Es werden abgegeben aut vtterkatte blau, Marke 8, 2 Eier zu 30 Pfennig. Die Crcrkarten sind rorzulegen. E:erka»ten ohne die betreffenden Marken berechtigen nicht zum Bezug: einzeln abgetrennte Marken sind wertlos. Der Durchleuchtungsapparat wird aufgestellt, spätere Reklamationen werde» nicht angenommen. Friedberg, den 6. November 1018. Der Bürgermeister. 2. B.: Dam»n. VMzik'i Zigaretten kein Ersatz! Liille Mk. 200.—. Gute Ware! Auch in kleinen Posteil. V. Bornemanrr, Hersseld ihlireibt der Jenenser Philosoph Ge. heimrat Professor Dr. Rudolf Euchen in der „Tägl. Rundschau": „Die stürmischen Zeiten der Gegenwart machen manches Zu einem Problem, woran der Augenblick achtlos vorbeigeht; ich muß offen gestehen, daß mir die gegenwärtige Stellung vieler unserer katholischen Volksgellossen nicht recht verständlich ist: ich darf dabei hinzufügen, daß ich ein entschiedener Gegner alles Kulturkampfes bin, und daß ich von aufrichtiger Schätzung, ja Ehrerbietung vor den geistigen Gütern erfüllt bin, die der Katholizismus in weltgeschichtlichen Leistungen verkörpert. Ich halte es auch für einen großen Vorzug des Katholizismus, daß »er sich nicht an eine besondere politische Verfassung bindet; so verstehe ich vollauf auch dieses, wie der gegenwärtige deutsche Katholizismus eine entschiedene Sympathie für die Verwandlung des bloßen Obrig- keitsstaats in einen Volksstaat besitzt, ja überhaupt für eine freiere Gestaltung des staatlichen Lebens, das aber in vollem Gegensatz zu einer engen Burarrkratie. — Aber in den Bewegungen der Zeit handelt es. sich heute um weit mehr als um bloße Verfassungsfragen innerhalb der einzelnen Staaten kein unbefangener Beobachter kann verkennen, daß hier eine gewaltige radikale oder vielmehr revolutionäre Woge sich erhebt und den Gesamtstand des Lebens wesentlich umzuge- stalten strebt. Mit dieser Bewegung aber kann sich nach meiner Ueberzeugung der Katholizismus unmöglich freundlich verständigen; die Gegensätze sind viel zu schroff, als datz eine Vereinbarung oder Milderung möglich wäre. Der' Katholizismus vertritt das Walten ewiger Wahrheiten unA fühlt sich in ihrem Besitz dem Wandel aller bloßen Zeiterr' sicher überlegen, der Radikalismus vertritt einen unbegren^ ten Relativmus. er läßt alle Wahrheit aus der bloßen Zeit entspringen. Der KatholrzZmus verficht mit ganzer Seele übersinnliche, ja übermenschliche Werte; der Radikalismus hat nur eine weltliche Schätzung dieser Dinge; der Katholizismus verwirft die UebersckMung des bloßen Menschen, ex will den Menschen als ein Glied einer göttlichen Ordnung würdigen; 'ihm ist ein wesentliches Grundgefühl die Ehrfurcht; der Radikalismus dagegen stellt alles auf das menschliche Wollen und Meinen, ihm wird der Mensch zum ausschließlichen Maß der Dinge, und von der Ehrfurcht weiß er knchts. Wie schroff diese Gegensätze zusammenstoßen, das zeigt mit besonderer Deutlichkeit die Geschichte der französischen Revolution. Schan im ersten Jahre der Revolution wurde das sämtliche Kirchen- gut konfisziert und wurden die geistlichen und weltlichen Or- den aufgehoben; 1793 wurde eine neue Zeitrechnung und ein neuer Kalender eingefiihrt. das Christentum abgeschafft und dafür der Kultus der Vernunft eingeführt; bis schließlich Robespierre den Kultus des höchsten Wesens einführte. Es kam dann freilich rasch der Umschlag. Das ist zunächst eine bloß geschichtliche Tatsache; aber diese Tatsache gibt dem Menschen manches zu denken, und wenn inan -dab^i Hegels Ansicht teilt, daß die Geschichte Mt das lehre, daß Völker und Fürsten nie aus ihr etwas gelernt haben, so stoßen wir hier auf schwere Probleme, denen ein großer Ernst innewohnt, mtb die keine gütliche Vereinbarung vertragen, die zwingend in ein Entweder-Oder auslaufen. Die Wahrheiten die dabei walten, gehen freilich nicht unter, ober die Völker und Menschen können leicht darüber unter* gehen, und daß bei so eingreifenden Umwälzungen sich das deutsche Volk einen klaren Sinn und ein gesundes Urteil be- wahren möge, daß es sich vor einer Verworrenheit des Urteils hüte, das ist einer von den Wünschen, die wir für Deutschland hegen. Das zum mindesten sollte uns deutlich sein, wieviel jetzt auf dem Spiele ste^ * Bemerkenswerte Arbeitermsrte. Unter der Spitzmarke „Front und Heimat" erörtert ein „Arbeiter" in der liberalen „Köln. Ztg." die Frage, ob unsere Helden an der Front ein Recht hätten, über die Verhältnisse in der Heimat mißgestimmt zu sein und bejaht sie unbedingt, denn: „Jede Schreibstube, jeder Betrieb, jeder Kommnnalver* band ist angefüllt mit reklamierten Kv.-Leuten. Die eine Hälfte (unserer Männer) kämpft draußen wochenlang ohne Ablösung, während die andere Hälfte sich den Genuß guter Löhne, Gehälter und Sicherheit für das Leben verschafft hat... Besonders vergiftet ist die Stimmung der Leute, wenn sie aus dem Urlaub zurückkehren. Stammt der Urlauber vom Lande, so trifft er daheim eine abgearbeitete und verhärmte Frau oder betagte und ebenso.zuschanden gearbeitete Herzenskümpfe. Roman von Helene SLütky. geb. von Gcrsdorff. (Copyright 1915 by C. Ackermann-Stuttgart.) 5?) Nachdruck verboten. „Warum soll ich mir das nicht erlauben?" entgegnete er ,Wir sind ja ganz allein hier, da hat es doch gar keinen Wert, wch länger die Spröde zu spielen. Sie sagten ja selbst, es langweile Sie, eZ sei immer dasselbe. Run, Sie haben Recht, ne Präliminarien haben lange genug gedauert. Kommen Sie. leine süße Hexe, kommen Sie in meine Arme, die sich schon lange danach sehnen, Sie zu empfangen!" Käth starrte ihn mit weitgeöffneten Augen an und wußte nicht, was sie antworten sollte. „Was meinen Sie? Ich verstehe Sie nicht! Lassen Cie rüch gehen! Ich will fort, nach Haufe!" rief sie angstvoll. „Aber süße Catherine, sehen Sie doch nicht so erschrocken °us!" sagte er in beschwichtigendem Tone. „Tue ich Ihnen denn etwas zu leide? Ich habe Sie ja nur so unendlich lieb . . . . das ist mein ganzes Verbrecher,! Run. feien Sie wieder lieb und fetzen Sie sich zu mir. da. . . geben Sie mir Ihr Hündchen! So, nun ist's wieder gut!" ^ Käthe hatte ihm zögernd die Hand gegeben, die er fest hielt; er führte sie zur Bank zurück, wo er sie mit sanfter Gewalt zum Sitzen nötigte. Sie wußte nicht, wie es gekommen war. aber der Marquis mtt seinen glühenden Augen und seinen sonderbaren Reden war ihr plötzlich unheimlich geworden. All ihr Uleber mut, ihre frohe Laune war plötzlich verschwunden. Soll- Ken Mama und Frieda doch Recht haben mit ihren Warnungen «nd Ermahnungen? Sie nahm sich vor, niemals wieder hier mit dem Marquis zusammen zu treffen und bedauerte sehr, es überhaupt getan zu haben. Wenn sie nur schon fort wäre, wenn sie ihn nur nie Wiedersehen müßte! Unterdessen redete er immer weiter beruhigend auf sie ein. ^ie faß mit blassen Mangen und niedergeschlagenen AugeN neben ihm, ohne -u antw->rten. Er wußte nicht, was er aus ihr machen sollte. Endlich, als alle seine Mühe, sie wieder heiter und zutraulich zu machen, vergeblich schien, richtete er ihr gesenktes Köpfchen in die Höhe und sagte so sanft und liebevoll er es vermochte: „Lieber kleiner Engel, sehen Sie mich an und sagen Sie mir, daß Sie mir nickst zürnen, daß Sie mir nieder gut sind! Das nächftemal wollen wir wieder vergnügt und lustig sein. Aber wissen Sie, das nüchstemal wollen wir uns anderswo treffen Es wird ohnedies jetzt bald Herbst und kühl hier, viel zu kühl und rauh für meinen holden Engel. Ich werde ein kleines gemütliches Zimmer besorgen, wo wir ganz ungestört sein können. Sie werden doch kommen, liebe süße Catherine, nicht wahr?" . Ich weiß nicht, ich kann's nicht sagen?" murmelte sie. „Jetzt aber muß ich nach Hause, schnell, eZ ist schon spät. Lassen Sie mich!" „Ich werde Ihnen schreiben, und Sie müssen kommen!" sagte er bestimmt. „Wohin soll ich Ihnen schreiben? Oder kommen Sie noch einmal hierher! Sagen wir in acht Tagen" fügte er nach kurzem Besinnen hinzu, da er sich überlegte, daß er bis dahin wieder aus G. zurückgekehrt fein würde. „Nein, nein, hierher komme ich nie wieder!" sagte sie fast schaudernd. „Am besten überlassen wir es dem Zufall!" setzte sie dann entschlossen hinzu. "„Schreiben Sie mir nicht, wir treffen uns schon einmal wieder in Gesellschaft oder auf der Straße." Was war das? Wollte Sie ihn ganz loswerden? Das ; konnte er kaum glauben? Sie würde sich schon wieder anders besinnen! Die Sache brauchte aber etwas mehr Geduld, als er sich vorgestellt Haitis. Je mehr sie sich wehrte, um so mehr reizte es ihn. „Also, wie Sie befehlen, süßeste Catharine, ich, hin Ihr ganz gehormsamster Sklave", sagte ec scheinbar unterwürfig. Sie nickte ihm nur noch flüchtig zu, und eilte, so schnell sie konnte, davon, während er. wie es stets geschah, noch eine Weile zurückblieh, um dann auf einem andern Wege nach Hause zu gehen. Als sie eine Strecke weit fort war, atmete sie tief, wie befreit auf. dann lief sie schneller, als möchte sie einer Gefahr entrinnen. Wie sie in einen belebteren Gang eiubog. sah sie Herrn vorr Naundorfs, welcher ihr langsam entgegenkam. Er grüßte sie sehr feierlich und sah sie sehr ernst und fragend an. Was hatte er nur? fuhr es ihr durch den Kopf. Sie standen doch sonst aus heiterem Neckfnß mit einander. Sie hatte ihn sehr gern und schwatzte viel mit ihm. Warum sah er sie denn so beinahe vorwurfsvoll an? Er konnte doch nicht wissen, woher sie kam? Oder doch? Und war es denn wirklich etwas so Schlimmes, was sie getan hatte? Jetzt kam es ihr plötzlich selbst beinah« so vor. Und sie hatte doch nur einen Spaß haben wollen. Aber nie wieder, nie wieder' Das stand jetzt mit einem Male fest bei ihr. Es machte ihr eigentlich schon länger keinen Spaß mehr, wie sie vorhin schon gesagt hatte. Die Heimlichtuerei war auf die Dauer gar nicht nett und der Marquis gefiel ihr auch gar nicht mehr so wie im Anfang. Und heute, nein, heut« war er ihr geradezu zuwider gewesen. Was wollte er eigentlich von ihr? Seine Zärtlichkeiten und Vertraulichkeiten stießen ste ab. ste wußte selbst nicht, warum. Ja. heute hatte ste förmlich Angst vor ihm gehabt und alle seine späteren, süßen, sanftem Worte konnten den Eindruck nicht verwischen. Hoffentlich würds er sie in Ruhe lassen und nicht aus ferneren Zusammenkünften bestehen! Gustav Naundorfs war ihr nicht zufällig begegnet. Vov einigen Tagen hatte er bei seinem Morgenritt durch den ent. legeneren Teil der Anlagen den Marquis Reymond mit eiligen Schritten wandern sehen, als strebe er einem bestimmten Ziele zu. Gleich darauf glaubte er, der sich außerovdentlich scharrer sogenannter Falkenaugen erfreute, in einer ziemlich entfernter Seitenallee die kleine zierliche Gestalt Käthe Trontheims ir gleicher Richtung dahineilen zu sehen. Ein heißer Schreck durch fuhr ihn. Sollte das möglich fein? Könnt« das einen Zufam, menhang haben? Marquis Reymond. der angejahrte Lebemann. und Käthe Trontheim. dies süße, blutjunge Ding aui verbotenen Wegen? Plötzlich mutzte er laut auflachen, so ab. surd kam ihm die Vorstellung vor. Doch sofort wurde er wieder ernst. Wenn es doch so wäre? Es war doch gar zu auffallend die Beiden hier zu gleicher Zeit in der Morgenfrühe in d« Anlagen' Eltern. Er hört die bittersten Klagen — nicht wegen der Arbeit, sondern wegen der Drangsalierungen, denen sie von der eigenen Verwaltung ausgesetzt sind. Sie sehen und hören, wie diese Verwaltung das zur Aufrechterhaltung der SSirtfcfttft unbedingt nötige Vieh aus den Ställen zerrt"... Gesteigert wird nach Ansicht dieses Arbeiters die Erbitterung durch die Beobachtung, daß die Verwaltung sich zur Durchführung ihrer Maßnahmen der Hilfe von „Reklamierten, Drückebergern in den Augen der Soldaten", bedient, die ihrem Alter nach in den Schützengraben gehörten. Dieselben Reklamierten seien es. die der Frau des städtischen Urlaubers die oft von weither mühsam zusammengeholten kleinen Nahrungsmittelmengen zur Stillung des Hungers der Kinder fortnehmen. Das verbittere den städtischen Ür- ^uber und daneben die Beobachtung, daß die Hälfte seiner Bekannten, die ihm ebenso wehrfähig erscheinen, wie er selbe! .st irgendwo Unterschlupf gefunden hat, keine Entbehrungen leidet und sich in allen möglichen Vergnügungsstätten amüsiert wie im Frieden. Endlich höre der Urlauber überall das Gerede, daß der Friede nicht erkämpft, sondern en'chwatzt werden müßte und daß wir schon so oft Frieden hätten haben können, wenn wir nur gewollt hätten. Dieses von demokratischer Seite in das Volk geworfene verlogene „Gerede" dient nur dem Zweck, das schlecht unterrichtete Volk, das nicht weiß oder nicht gerade daran denkt, wie oft unsere früheren Negierungsmänner schon direkt oder indirekt unseren Feinden die Friedenshand angeboten haben, gegen die sog. „Militaristen, Nationalisten oder Alldeutschen" aufzuhetzen und daheim wie draußen Mißmut zu erregen. Um anderen Beschwerden von der Front abzuhelfen, fordert der Arbeiter gleichmäßige Verpflegung für Offiziere und Mannschaften. Das ist also dieselbe Maßnahme, die von den konservativen Abgeordneten neben der Solderhöh- ung verlangt worden ist. Nach Abstellung aller berechtigten Beschwerden der Front bezeichnet derselbe Arbeiter (ein gedienter Soldat) die Wiederherstellung der eisernen Zucht als durchaus notwendig Mit Hilfe dieser hätten die Franzosen die schlimmsten Meutereien in ihrem mißmutig gewordenen Heere unterdrückt. Die wichtigsten Mahnungen aber sind in folgenden Sätzen der Arbeiterzuschrift nredergeleat: „Es gilt jetzt, der Armee den Glauben wiederzugeben. Die Sacke ist denn doch durchaus nicht gefährlicher, als sie bei Ausbruch des Krieges war. Laßt uns nun endlich den Krieg im Ernst führen! Zurück mit allen Reklamierten und sogenannten Unabkömmlichen an die Front! Heraus mit den? letzten Lehrer, Oberbürgermeister und Reichstagsabge- ordneten (besonders mit den langgedienten Zivilversorgungsberechtigten bei den Behörden), sofern er sich im wehrpflichtigen Alter befindet. Tie Front muh den Glauben wiederbekommen, daß die Wehrpflicht für alle vorhanden ist. Es kann und darf nur Unabkömmliche geben bei der Herstellung des unmittelbarsten Kriegsbedarfes. Geht der Krieg wirklich verloren, so wird unser Unternehmertum dafür büßen müssen, daß es Drückebergern hilfreich seine Hand ent- gegenstreckte. Auch die wichtigsten unserer Kriegsbetriebe müssen von vornherein die Hälfte ihrer Reklamierten heraus, geben. Vor allem hat eine rücksichtslose Auskämm ung aller militärischen Schreibstuben und Betriebe zu erfolgen. Hier werden starke Männer verwandt, «m die Arbeit von Krüppeln und Frauen zu verrichten. Jegliche Arbeit, die sich nicht um Brot und Waffen dreht, ist zu unterbinden; alsdann wird jeder ersetzt werden kennen und keiner mehr unabkömmlich sein. Der Tod fragt doch auch nicht, ob jemand abkömmlich ist- „Haben wir ganz vergesien, daß wir noch eine Anzahl waffenfähiger Jahrgänge im Rückhalte haben? Schreiber dieses ist jetzt 5V Fahre alt. und er ist knegsbrauch. barer als ein Kind von 19 Jahren. Ein Federstrich kann 50 neue Divisionen aufsiellen: ein Gambetta fände leichtere Arbeit bei »ns, sofern er sich nur zeigen wollte. Unter lauter sozialistischen Arbeitern lebend, vermag ich keinen zu entdecken, der einen Frieden um jeden Preis, der auch nur Lothringer! preisgeben wollte." Das glauben auch wir, daß selbst kein sozialistischer Ar- beiter für die Abtretung Lothringens (oder Oberschlesiens) als Friedenspreis zu haben sein würde, wenn ihm nur klar gemacht wäre, daß damit unserer Schwerindustrie, der Grundlage der gesamten industriellen Entwickelung, der Le- bensfaden abgeschnitten werden würde. Im übrigen wollen wir uns nicht jedes Wort des Kölnischen-Arbeiters zu eigen machen, wohl aber verdient seine Mahnung, unseren Frontsoldaten den Glauben an den Sieg dadurch zu stärken, daß man alle kriegshrauchbaren Männer, die nicht mit Munitions und Broterzeugung beschäftigt sind, alle „Kriegsschieber" und Drückeberger ohne Rücksicht auf ihr Alter oder angebliche Unabkömmlichkeit zu jenen seit Jahren im Feuer liegenden Helden hinausschickt. Das würde ermutigend auf unsere Front, mäßigend auf die Vernichtungsforderungen unserer Feinde einwirken, wenn sie erkennen müßten daß das deutsche Volk bereit ist, auch sein Letztes an Sicherung seiner völkischen Ehre und Zukunft zu setzen. Das würde einen annehmbaren Frieden endlich nahe bringen. Meisterhafte Mckniae. Ein Blick auf die Lage an der Westfront. Von Oberst Immanuel. Soll die Verteidigung auf die Dauer erfolgreich blöiben so darf sie nicht starr und nur vom Willen des Feindes abhängig sein, sondern muß sich biegsam, beweglich, geschmeidig erhalten, um sich ungünstig werdenden Lagen rechtzeitig zu entziehen und hierdurch neue, besiere Kampfbedingungen zu schaffen. Mit wuchtigem Schwünge haften wir im März 1918 aus der Westfront den großen Angriff begonnen, der uns bis zum Juli im Norden über den Kemmel hinaus, in der Mitte vor Amiens und Eompisgne, im Süden bis über die Marne führte und in seiner Fortführung zu den besten Aussichten berechtigte. Allein ein Umschlag trat ein. wie er nun einmal in iedem Kriege möglich ist. Der Feind, durch über Erwarten starken Zuzug verstärkt, in bezug auf Material uns um Vielfaches überlegen. schritt zum Gegenangriff und traf uns hiermit in einer strategischen Lage, die. für den Angriff geschaffen, der Verteidigung nicht günstig war. Sonach entschloß sich die deutsche Heeresleitung, der veränderten Lage sofort Rechnung fragend, zum Dbbrechen des Gefechtes und zum Zurückverlegen der Fronten. Diese Aufgabe aber wuchs zu gewaltigen Schwierigkeiten, weil der Feind über Kräfte verfügte, die den unierigen sehr bedeutend überlegen waren. Wer selbst einen Rückzug im Weltkriege mitgemacht hat. der weiß, daß er Prüfstein für die Nerven der Führer und für die Ausdauer wie für das Vertrauen der Truppen ist. „Zurück?" Ist im Kriege ein bitteres Wort EZ stellt hohe Ansprüche an die Geduld und Moral der Truppe. Heute, wo sich im Lande leider mancher Kleinsinn und viel Nervosität regen, muß mit Nachdruck betont werden, daß dle deutsche Führung und die deutsche Truppe die Prüfung gut bestanden haben, und daß kein Grund zur Verzweiflung. zumZagev vorhanden ist. Es kommt eben nur darauf an, mit Gleichmut und Vertrauen eine ungünstige Lage zu überdauern und durch sie hindurch in eine besiere Zukunft zu blicken Wir müsien durch die innere Gefchlosienheit den Kämpfern an der Fronr den Beweis liefern, daß das deutsche Volk als Ganzes um der Rettung und der Ehre des Vaterlandes willen bis aufs letzte zu kämpfen bereit ist, wenn es sein muß. Was wollten die Feinde? Sie rechneten mit Bestimmtheit daraus, uns entscheidend zu schlagen, strategisch und moralisch an der Front zu brechen, womöglich große Teile des deutschen Heeres einzukesieln und gefangenzunehmen. Ist ihnen daß gelungen? Nein! Also haben sie ihren Zweck nicht erreicht Alle An. Zeichen sprechen überzeugend dafür, daß sie auch im weitere» Verlaufe des Krieges niemals an dieses Ziel gelangen werden. Warum haben sie diesen Zweck nicht erreicht? Weil die deutsche Heeresleitung Herrin der Streitkräft» und der vollen Entfchlußsteibeit geblieben ist, weil sie da, kampferprobte und kriegsgeübte Heer fest in der Hand hält und auch die schwere Kunst des Rückzuges versieht. Worauf kommt es auf dem Rückzug im großen Maßftabe an? Vor allem ailt es. Kräfte zu sparen und Verluste zu meiden, während der Feind sich bei seinem hitzigen Nachdrängen schweren Opfern aussetzt und sich hierdurch mit der Zeit zermürbt. Sodann handelt es sich darum, daß nickt einzelne Teile ge- schlagen oder abgeschnitten werden, daß also die Front geschlos- sen und lückenlos, undurchbrochen und ungelockert so lange zu. rückgeführt wird, bis fe nach der Laae haltgemacht und dauern» der Widerstand geleistet werden kann. Kirchliche Packrichterr _ Evan gelische Gemeinde. 24. Sonntag nach Trin., 10. November 1918. " Gottesdienst in der Burgkirche. Vormittags M Uhr: Herr Pfarrer Kleberger. Vormittags 11 Uhr: Kindergottesdienst. Herr Pfarrer D i e h !. Nachmittags r >!4 Uhr: Veranstaltung der Evangelischen Vereinigung zu Luthers Geburtstag. Vortrag von Herrn Direktor Schöel! über das Thema: W.is hat Luther der Gegenwart zu sogen? Gottesdienst im Stadtteil Fauerbach. Erntedankfest 10 Uhr: Gottes! ienst. Kollekte. 2 Uhr: Kriegsandacht. « Evang. Stadtmission Friedberg, Lndlvigstraße 24: Sonntag: ty 2 Uhr nachm. Sonntagschule, 8 y 2 abends öffentliche Versammlung. Montag: 8 y 2 Uhr abends Frauen-Mimonsstunde. Dienstag- Sy 2 Uhr abends Jugendstunde. Donnerstag: 8 y% Uhr abends Dibelbesprech- und Krieg?, gebetstunde. » Katholische Gemeinde. Sonntag, den 10. Ncv. 1918. 25 Sonntag nach Pfingsten. Beichtgelegenheit am Samstag von 6 Uhr an und Sonntag? früb von 6 Uhr an. Uhr Frühmesse. 8 Ubr Mi!itärao*1esdiensi (Singmesse mit Predigt). }410 Uhr Hochamt mit Predigt. Nachmittags 2 n 4 Uhr Christenlehre und Herz-Maria^ Bruderschafts-Andacht mit Segen. Während der Woche: Um V : 7 und 7 Ubr hl. Messen. Freitag, abends 8 Uhr: Kriegsandacht. Nach dem Hochamt Ausgabe von Büchern aus der Bor- romä'us-Bücherei. Verantwortlich kür den politischen und lokalen Teil: Otta Hirsche!. Friedberg: für den Anzeigenteil: R. § ev n er. Iriedberg. Truck und Verlag der „Neuen Tageszeitung A G.. Friedbera i <5 Jetzt isi es Zeit, die gedeckten Stuten zu versichern. Die Alls. Deutsche Vieh-Vers.- Ees. versich. Stuten auch Kühe mit Einschluß der Leibes rucht zu festen maß. Prämien. Hohe Entschädig. Für Stuten u. Kühe 8l>o/o. für Fohlen u. Kälber 75%. Für güst. gebliebene Tiere Rückzahlung der Prämie od. Gutschrift. Kea! Einschluss der Kofikscbädsn aller Art bei trächtigen Simen gegen geringen Zuschlag. Prospekt u. Auskunft kostenlos durch die bekannten Vertreter od. durch t'Mmkki ü. Walz, itü:jiUi7\ t. lEwinnerftr. 32, Telephon Hansa 5902i Weitere Vertreter u. Reisebe- am cn ucfit. '(% , M > Cerririfugen ? f. Hand- u. Kraftbelri. b, Biiiiär- mul löteten sind trotz der schwierigen Verhältnisse immer noch billig-u haben bei W iIh. 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