Dummer £61 EiliMtig d'°Lm?r Mittwoch. den 6. Dovemver 1918 _ 11 4 Sningang. Dte ,itat* Cages?eiinns" erscheint jeden Werktag. Regelmäßige Beilagen ..Oer Kauer ans Hessen". ..Die Spinnst«!»-". S-rugspr-is: Bei den Postanstalten vierteljährlich Mk. 2.70 l\\W tritt noch das Bestellgeld.' bei den Agenten monatlich 1.00 Mk. einschließlich Trägerlohn. Anreisen: Grundzeile 2b Pfg.. lokale 20 Pfg.. Anzeigen von auswärts werden durch Postnachnahme _ erhoben. Erfüllungsort Friedberg. Schriftleilnng und Derlag vriedberg (Hessen), Hanaueritraße 12. Fernsprecher 48. Poitjcheck-Lonto Nr. 4859. Amt Frankiurt a. M. Ilfdiiüg ilchlkl freut non dem Gegner pjtjcii Schelde nnd Ojje. Mißlungene Durchdruchsversuche. — Dm dru Kaiser. — Putsche in Kiel und Stuttgart. _ - —— . — Der deutsche GeneraMmb : meidet: W. T. K. Brakes KanPtquartier» dcrs 5. November AmLttch- Westlicher Kritgsschauplatz Zwischen der Schelde und Oise haben Engländer und Franzosen ihre großen Angriffe wieder ausgenommen. Durch gewaltigen Einsatz an Artillerie und Panzerwagen suchten sie den Durchbruch auf der mehr als 60 Kilometer breiten Front zu erzwingen. In schweren, bis in die Dunkelheit währendem Ringen gelang es unseren an Zahl weit unterlegenen Truppen, den feindlichen Angriff aufzufangen und den Durchbruch zu verhindern. Südlich der von Dalenciennes nach Nord- osten führenden Straße wiesen wir den Feind vor unseren Linien ab. Die gegen unsere neue Front Sebourg-LPnrgnies le Grand gerichteten Angriffe wurden durch erfolgreiche Gegenstöße auf den Höhen östlich dieser Orte zum Scheitern gebracht. Wargnies le Petit, das vorübergehend in Feindeshand fiel, nahmen wir wieder. Den beiderseits von Le Ouesnoy vorbrechenden Angriff brachten wir südlich von Wargnies le Petit und bei Ioli- metz zum Stehen. Le Ouesnoy, durch beiderseitige Umfassung bedroht, wurde befehlsgemäß geräumt. Der gegen den Wald von Mormal gerichtete Ansturm des Gegners kam in dem westlichen Teil des Waldes zum Stehen. Auch südlich des Waldes wurde der Feind am Vormittag dicht hinter unseren vordersten Linien auf den Höhen westlich des Sambre-Oise-Kanalg abge- wiesen. Am Nachmittage setzte der Gegner seine Angriffe fort. Ihr Schwerpunkt lag nördlich und südlich des Waldes. Nördlich des Waldes fingen wir den Stoß östlich von Iolimetz, südlich des Waldes am Sambre-Oife-Kana! auf. Der Kanalabfchnitr östlich von Ors und EatiNon wurde gegen alle feindlichen Anstürme behauptet. Südlich von Catillon stieß der Feind in etwa 1—2 Kilometer Tiefe über den Kanal vor. Hier brachten ihn an der Straße La Eroife-Oisy nördliche Kampftruppen zum Stehen. Vor der Kanalfront zwischen Fesny und nordöstlich von Etreux und der Oise konnte er an einzelnen Stellen das östliche Nler gewinnen. Auch hier gelang es ihm nicht, über unsere vorderste Stellung hinaus vorzudringen. Südlich der Oise sind dem starken Artilleriefeuer, das sich am frühen Morgen bis zur Serre ausdehnte, heftige Eingriffe südlich von Gusse bei Le Herin nnd gegen Bois le Pargny gefolgt. Der Feind wurde überall, teilweise im Gegenstoß, abgewiesen.. An der Aisne-Front keine Kampfhandlungen. Zwischen Le EbeZne und Sommauthe scheiterten Teilvorstöße des Gegners Auf den Höhen südlich von Beaumont wiesen wir heftige Anrisse der Amerikaner ab. Im Walde von Dieulet wichen vsere Truppen stärkeren Angriffen befehlsgemäß auf das öst- ^.che Maasufer nördlich von Stenay aus. Südlich von Dun wurden feindliche Abtelunqen dei über die Maas vorstießen ruf den Fluß zurückgeworfen. Auf den Höhen östlich der Maas scheiterten starke Angriffe, westlich der Mosel Teiloorstöße der Amerikaner. Der Erste Eeneralquartierw.^istcr: Grüner. Mittwoch 1 Llhr ist Schluß der beichnungeftist für die 9Lc Kriegsanleihe! Darum zeichne unverzüglich, wer noch nicht gezeichnet hat l Abersdberrcht. 93etlin, 5. Nov., abends. (WB. Amtlich.) An der gestrigen Schlacht front zwischen Ccheld e und Oise haben wir uns vorn Gegner abgesetzt. Die Bewegungen find planmäßig verlausen. Heute fanden hier nur einzelne Kämpfe statt. KMeivMche hche kt nijßülhkn Regierung. Berlin, 5. Nov. (WB. Amtlich.) Am 4. November abends traf von Moskau kommend ein Kurier der hiesigen diplomatischen Vertretung der Näteregiecung auf dem Bahnhof Friedrichstraße ein. Beim Heruntertraqen des Gepäcks vom Bahnsteig wurde eine der Kisten durch Anstoßen beschädigt, so daß die darin befindlichen Papiere auf den Boden fielen. Diese Papiere waren, wie sich herausstellte. in deutscher Sprache gedruckte Flugblätter die die deutschen Arbeiter und Soldaten zum sofortigen Uni stürz auffordcrn. Eins der Flugblätter, das von der Gruppe „Internationale" (der Cpar- takusgruppe) unterzeichnet war, enthält einen Aufruf zum Ne- voltionsrampfe, während ein anderes Flugblatt die näheren Anweisungen für diesen Kampf gibt, zum Meuchelmorde und zum Terror auffordert. Auf Ansuchen der Bahnbehörde wurde das gesamte Kuriergepäck in einen geschlossenen und bewachten Raum sichergestellt und das Auswärtige Amt benachrichtigt, um diesen! die Untersuchung und weitere Behandlung der Angelcgen- zu ermöglichen. » Abberufung der amtlichen Vertreter. Berlin, 5. Nov. (WB.) Die deutsche Regierung verlangte von der russischen Negierung Bürgschaften dafür, daß in Zukunft von ihren Organen keinerlei revolutionäre Agitation und Propaganda gegen die staatlichen Einrichtungen in Deutschland betrieben werde, und daß der noch immer ungesühnte Mord an dem Gesandten Grafen Mirbach eine ausreichende Sübne findet Die russische Reaierung wurde ersucht, bis zur Erfüllung dieser Forderungen ihre sämtlichen amtlichen Vertreter aus Deutschland zurückzuziehen. Ebenso wurden die deutschen amtlichen Vertreter in Rußlarü) abberufen. Die WnffknWffniidMshinidlllNM Noch keine Antwort. Berlin, 5. Nov. (WB. Amtlich.) An den Gerüchten, die feindlichen Waffenstillstandsbedingungen seien bereits an die deutsche Regierung gelangt, würden aber der Oefsentlichkeil noch vorenthalten, ist kein wahres Wort Die Regierung hat bisher weder auf amtlichem noch auf anderem Wege von dem Inhalt dieser Bedingungen Kenntnis erhalten. Haag, 5. Nov. Das Hollandfche Nieuwsbureau meldet aus London: Im Unterhause teilte heute Lloyd George mit, daß die Alliierten den Präsidenten Wilson ersucht haben, er möge Deutschland mitteilen, daß es sich, falls es die Waffenstillstands- bedingungen. über die sich die Alliierten geeinigt haben, hören wolle, in üblicher Welse an den Marschall Foch wenden müsse. Haag. 5. Nov. Neuter meldet aus London: Die ..Times" berichtet aus Paris: Die Alliierten sind über die Waffenstill- siandsbcdingu.ngen zur Uebereinstimmung gekommen. Der Erfolg der Alliierten an der französischen Front läßt keinen Zweifel darüber zu, daß Deutschland die Bedingungen annehmen muß Öolidirroiftildir PuNche in Dkiitichland. Kiel, 4. Nov. lieber bedauerliche Vorgänge, die sich am Sonntag in Kiel ereigneten, erstattet die „Kieler Zeitung" heute eine,, Bericht, dem zn entnehmen ist, daß gestern nach- mittag auf dem großen Exerzierplatz eine Versammlung abgehalten wurde, an der zahlreickze Marinemannschaften nnd Arbeiter beteiligt waren. Ein Führer der Unabhängigen hielt eine Ansprache. Nach Beendigung der Versammlung bildete sich ein Zug, der auf dem Wege zur Stadt die Leute aus der Kaserne an der ..Waldwrese" anfnahm, darauf das Innere der Kaserne erheblich beschädigte und aus ihr eine Anzahl Waffen mitnahm. In der Stadt schlossen sich de,,, Zuge viele Personen, unter ihnen zahlreiche Matrosen an. Die Menge beabsichtigte, nach der Militärarrestanten-Anstalt zu ziehen, um dort nntergebrachte Gefangene zu befreien, wurde jedoch an der Karl- und Brunswickerstraße durch Militär aufgehalten. Der befehligende Offizier forderte die Menge zum Auseinandergehen auf. Alle,,, die Masse drängte vorwärts und wich auch nick»t zurück, als eillige blinde Schüsse abgegeben wurde,,. Jetzt erfolgte der Befehl zum fck)arfeu Schießen, dem bedauerlicherweise eine Anzahl Menschenleben zum Opfer sielen. Es gab acht Tote und 29 Verwundete. Deni Vernehmen nach sollen auch aus -er Menge, während sie flüchtete, Schliffe gefallen sein. Die Vorgänge :n Stuttgart. Stuttgart, 4. Nov. (WB.) Zur Berichiiguna der unzutreffenden Darstellung in einigen Abendblättern erfahren wir von zuständiger Stelle über die heutigen Vorgänge in Stuttgart fclgndes: Von der Arbeiterschaft der Daimlerwerke in Unter» türkheim und einiger anderer Werk.e. die heute feierten, zoger einige Tausend Personen, darunter viele Frauen. Mädchen un> junge Burschen auf den Schloßplatz, wo der Führer der unab- hängigen Sozialdemokratie eine Ansprache hielt. Von der Bildung eines Arbeiterrates, wovon in den Abendblättern die Rede ist, ist nichts bekannt geworden. Der Zug bewegte sich vor das Ministerium des Innern. Eine Abordnung der Ar. j beiter bat um Gehör, das vom Minister des Innern aus freien Stücken gewährt wurde. Dieser erklärte, die Vermutung der Arbeiterschaft, daß die Wafsenstillstandsbedingunaen unserer Feinde, obgleich an Deutschland mitgeteilt, der Bevölkerung vorenthalten würden, für grundlos und behielt sich gegenüber dem von den Erschienenen vorgetragenen Programm, das neben bolschewistischen Ideen wirtschaftliche Forderungen entbielt. seine Entschließung über die Erteilung einer Antwort vor Die Menge zerstreute sich 'darauf. Es wurden, jedoch vergeblich, Versuche unternommen, die Arbeiterschaft der Bosch-Werke in Stuttgart und Feuerbach zum Anschluß an die Bewegung zu veranlassen. In den Nachmittagsstrlnden bildete sich von neuem eine große Ansammlung vor dem Ministerium des Innern. Es erschien nochmals eine Arbeiterordnung, der der Minister die Prüfung der ihn berührenden wirtschaftlichen Fragen zulagte, während er die Erörterung der umstürzleriscben Forderungen rundweg ablehnte und auf die Ungeeignetheit solcher Weoe zur Erreichung des allseitig angestrebten Fridens hinwies Nach Bekanntgabe dieser Antwort ging die Menge auseinander. Im Verlaus der ganzen Kundgebungen find keine gewaltsamen Störungen der öffentlichen Ordnung vorgekommen. Die Teilnehmer bestanden nur zum kleinsten Teil aus Anbängern der unabhängigen sozialdemokratischen Partei. Die Polizei war nirgends zum Einschreiten mit der Masse genötigt. Für morgen — Dienstag — ist die Wiederaufnahme der Arbeit bei Daimler und in den anderen Werken angekündigt worden. Aus dem ehemasiaen (Oesterreich. Vorarlberg und Liechtenstein. Bern, 4. Nov. Zn der Bewegung in Voralberg (Bezirk von Bregenz bis zum Arlberg) u„d im Fürstentum Liechtenstein. die den An'chlnß an die Schweiz zum Ziele hat. bemerkt die „Neue Zürcher Zeitung" daß sie von dem Sym- pathiegerühl für die Schweiz gebührend Kenntnis nimmt, aber keine,, Anlaß sieht, die politische und staatsrechtliche Seite der Angelegenheit gegenwärtig zu untersuchen, weil die fchließliche Gestaltung der politischen Verhältnisse Europas heute gänzlich unübersehbar sei. Das Entweichen italienischer Kriegsgefangener. Wien, 4. Nov. (WB.) Amtlich wird festgestellt, daß der Lagerkommandant des Gefangenenlagers Siegmundsherberg nicht die Gefangenen freiließ, sondern nach dem Abgang der Bewachungsmannschaft mit dem rangältesten italienischen Offizier eine italienische Lagerwache zur Aufrechte,-Haltung der Ordnung aufsiellte. was auch gelang. In Manthausen entwich ein Teil der italienischen Kriegsgefangenen, wurde jedoch größtenteils von italienischen Offizierspatrouillen zurückgebracht. Ans de,,, Lager Bruck an der Leitha sollen sich Kriegsgefangene in Richtung Scknadorf entfernt haben. Maßnahmen zur Anhaltung sind ergriffen. Aus dem Lager Feldbach wurde mit der Eisenbahn tausend entwichene Kriegsgefangene in ihre Heimat abbefördert. Der Staats- rat und das Kriegsministerium wenden alles auf. um die Kriegsgefangenen so schnell wie niöglich in die Heimat abzn- schieben, wobei allerdings die Transportschwierigkeiten zu berücksichtigen sind. Die Lage iu Galizien. Warschau, 4. Nov. (WB.) Den letzten Nachrichten an, Ostgalizien zufolge ist die Verbindung mit Przemysl nick, unterbrochen und die San°Brücke nicht gesprengt. Jaroslau, Zancck, Sambour und Grodet sind von den Polen besetzt. Stryj niid Przemysl dagegen von den Rnthenen. Ei» JwiMjfnfall auf dein iüirnfr florMaljitljflf. Wien. 4. Nov. Der heutige Tag verlief in Wien im all- gemeinen ruhig. Der Eisenbahnverkehr steht gonz im Zeichen des Rücktransportes der nationalen Truppenteile nnd d« aus den Kriegsgefangenenlagern abgeleiteten Transporte. Dies Ycu auf den Bahnhöfen große Ansammlungen von Mannschaftstrupps zur Folge, wao heute auf dem Rordbahnhvfe zu einem bedauerlichen Zwischenfall führte, lieber ihn meldet die Korrespondenz Wilhelm: Wie bekannt, werden russische Kriegsgefangene zur Ri ckbe- j Förderung in ihre Heimat an die Grenze des tfchecho-slowa- z kucken Staates gebracht. Der Ncrdbahnhof ist tagsüber von ° Russen umlagert. Heute gegen 12 Uhr mittags wurde ein Trupp von etwa 100V russischen Kriegsgefangenen zum Nordbahnhof eskortiert. Eine Sicherheitswache begleitete die Russen, und sie gingen ganz ruhig und in Ordnung zum Bahnhof. Als die beiden Absperrposten eines Schiitzenregiments die Russen heran- zichsn sahen bemerkten sie nicht, daß die Kriegsgefangenen eskortiert waren, und glaubten, daß sie auch eine solche Horde vor sich hätten, die, wie anderwärts, vielleicht einen Ueberfall auf den Bahnhof plante. Angesichts der erdrückenden Uebermacht gaben die beiden Posten Alarmschüsse in die Luft ab. Die militärische Bahnhofswachc. die die Schüsse hörte, glaubte nun daß cs sich um einen Ueberfall meuternder Russen handele und gab einige Schüsse gegen die Kriegsgefangenen ab Man hörte alsbald Hilferufe und erst fetzt klärte sich der beklagenswerte Irrtum auf. Vom Vabnhof kam alsbald Hilfe. Die verwundeten Russen wurden verbunden uird ins 2jgornohöspital gebracht. Fünf Russen erlitten schwere Schußwunden. Zwei Russen wurden getötet. Ein Gerücht besagt, daß vier Russen ums Leben gekommen sind Eine strenge Untersuchung des Tatbestandes wurde eingeleitet. Unter den anderen Kriegsgefangenen verursachte der Vorfall große Aufregung. Doch gelang es bald, die erregten Gemüter zu beschwichtigen. Gre piflinung sui die rnMe Dst-chlljt. Von amtlicher Seite wird erklärt' „Die deutsche Presse hat sich in den letzten Tagen in auffäl- Nger Weife mit der hiesigen russischen Vertretung beschäftigt und sie als ein gefährliches Zentrum bolschewistischer Agitation in Deutschland hingestellt, dessen man sich baldigst entledigen müsse. Es ist ausgeftihrt worden, daß die Demonstrationen der „Unabhängigen" sich das Gebäude der russischen Vertretung Unter den Linden zum Ziel nahmen, daß eine außergewöhnlich hohe Zahl von russischen Kurieren nach Deutschland einreise, daß wahrscheinlich Gelder vnd Waffen zu umstürzlerifchru Zwecken von Rußland nach Deutschland eingeführt werden, kurz, daß vom bolschewistischen Rußland her eine rege Revolutionsarbeit bei uns betrieben werde und daß dei russische Vertretung der Mittelpunkt und das Werkzeug für diese Arbeit sei. Der deutschen Regierung wird der Vorwurf gemacht, daß sie dieses Treiben dulde und der daraus drohenden furchtbaren Gefahr gegenüber die Augen verschließe. Don einem Blatt ist außerdem unter Zurückweisung aus den Mord an dem Kaiserlichen Gesandten Grasen Mirbach der Vorwurf erhoben worden, daß die Regierung nicht energisch auf einer Sühne dieses furchtbaren Verbrechens bestanden habe, sondern es sich gefallen lasse, daß die Mörder und die Anstifter bisher straffrei ausgegangen sind^ Gegenüber diesen Vorwürfen muß darauf hingewiesen werden, daß die Regierung weder das Streben der bolschewistischen Regierung nach Erregung einer Revolution in Deutschland oußpr acht läßt, noch die nachsichtige Behandlung der Mörder des Gra fen Mirbach ruhig hingenommen hat. Allerdings muß zur Richtigstellung der Presseäußerungen bemerkt werden, daß die darin enthaltenen Angaben über das Treiben der hiesigen russischen Vertretung zum Teil nicht den Tatsachen entsprechen, zum Teil gänzlich unbewiesen sind. Die Zahl der russischen Kuriere hat die üblichen Grenzen nutzt wesentlich überschritten. Die russische Vertretung hat den betreffenden Vorwurf auch schon selbst durch die Presse znrückgewiesen. Die Behauptungen der Blätter über die Einfuhr von Waffen und Geldern zu Revolutiontzzmecken gründen sich lediglich auf Verlautbarung entsprechender Absichten in russischen Blättern. Das find jedoch keine Beweise» um daraufhin ein Einschreiten «egen eine durch das Völkerrecht geschützte Vertretung zu b- «ründen. Daß die deutsche Regierung, wenn sie ein solches Einschreiten vermieden hat. sich nicht etwa von Sympathien für die bolschewistische Regierung leiten läßt, wie ein Blatt zu bemerken für gut findet, ist wohl selbstverständlich. Die deutsche Regierung hat, seinerzeit mit den Bolschewisten den Frieden im Osten schließen mägen, weil sich keine andere Gewalt fand, die genügend Entschlußfähigkeit besaß, um dem Krieg dort ein Ende zu machen, lind sie hat die Beziehungen mit ihnen anfrecht- eryalten. weck sie seither die einzige machthabende Regierunqs- gew^rlt rn Rußland sind und weil sie auch uns gegenüber bisher korrekte völkerrechtliche Beziehungen beobachtet haben. Wenn .allerdings, wie nicht zu leugnen ist, in der letzten Zeit maß- ßeoenle russische Regierungsvertreter augenscheinlich der Ansicht geworden sind daß die gegenwärtige Lage Deutschlands ihnen ch'.n Uebrrschre.tcn drc Grenze internationaler Korrektheit gestatte und aus diesem Anlaß Gedanken über eine Ausdehnung rhrer revolutionären Praktiken auf Deutschland aussprechen, die starr an eine E.nmischung in innere deutsche Vc-Hältnisse streifen - bw ö2Utidje Regierung die Aufgabe heran, zu prüfen welche Konscqueinen sie etwa aus solchem Verhalten hinsichtlich unserer Beziehungen zu der bolschewistischen Negierung zu ziehen ® cr : n tat]cli)Ud} DEise vorliegen, daß die'.hiesige ruj,ische Vertretung oder sonstige amtliche russische Persönlich- ^ * a * men ber ihn-'n gegenüber unseren D^altmssen obliegenden Zurückhaltung überschreiten, so wird sie ebenfalls prüfen, welche Folgerungen daraus nach Lage der ^ache gezogen werden müssen. Was die Sühnung des Mordes am Grafen Mirbach anbetrifft. so hat die deutsche Regierung der russischen keinen Zweifel daruoer gelassen, daß die bisherige Behandlung der Ange.egenheit von russischer Seite hier als unzureichend betrachtet wird und daß deutscherseits auf einer nachhaltigen Verfolgung der Mörder und Anstifter bestanden werden muß Auch -»refe Angelegenheit hat also noch nicht ihren Abschluß gründen. Diese merkwürdige Regierungserklärung muß tn ihrem zweiten Teil die Anschuldigungen gegen die russische Botschaft, die im ersten eingeschränkt oder bemäntelt werden, sich selber gu eigen machen Diese sollen zuerst „zum Teil nicht den Tatsachen entsprechen, zum Teil gänzlich unbewiesen fein. Dann wird ober doch wieder von einem „Ileberschreiten der Grenze in mnatisnaler Korrektheit" gesprochen und auf die ernsten Folgen hingewiesen, die entstehen können, „wenn tatsächlich Beweise vorlegen" Ob eine in so unsicherem und gequälten Ton vorgebrachte Erklärung wohl den erwarteten Eindruck erzielen kann? DkiiWmü M) d'e dcklihewiWie Gefahr. Dsn Bolschewismus als Weltgefahr schilderte in einem Vortrage in der Philharnionie zu Berlin Dr. Eduard Stadler der Zlvei Jahre Kriegsgefangener in Rußland war und die bolschewistische Bewegung in nächster Nähe kennen gelernt hatte. Bei dem Vortrage, in dem er länger über Geschichte und Wesen dos Bolschewismus sprach, richtete er den Blick im besonderen auch auf Deutschland — und auch für Deutschland mußte er eine bolschewistische Gefahr zugeben, nachdem in Bulgarien und Oesterreicb-Ungarn bolschewistische Zerfalls- erscheinungen ja unverkennbar waren. „Bei uns in Deutschland ausgeschlossen!" sagten einst sogar die Sozialdemokraten unter den deutschen Kriegsgefangenen in Rußland angesichts der geistigen Konfusion der Bolschewisten. Bei der Auflösung des Weltkrieges droht nun aber auch uns durch den Bolschewismus Gefahr, nämlich durch seine Idee des Friedens!adikalismus. d h. Frieden um jeden Preis unter Opferung des^ Staates — eine Idee, die ebenso in den Ententeländern lebt. Ter bolschewistische FriedensradikalismuZ führt aber nicht zum Frieden, sondern zur anarchistischen Auflösung und Weltrevolrition. Deshalb Hetzen ja die ruf- tischen Bolschewisten jetzt und versuchen die Gegensätze zwischen Deutschland und der Entente zu schärfen. Ein Scheinfrieden für Deutschland, so rechnen sie, könnte das Bündnis des russischen mit dem deutschen Bolschewismus stärken und dann wäre der bolschewistische Sieg auch im Westen sicher. Die Diktatur des Proletariats wird als Zukunftsstaatsform der- kimdet. Industrie, Handel, Bankwesen sollen mit einem Rucke sozialisiert werden. Nur Zusammenfassung allev nationalen Kräfte kann Staat, Gesellschaft und Wirtschaft retten. Diese Wahrheit gilt nicht bloß für uns, sondern genau so für die Entente. Solche Zusammenfassung der nationalen Kräfte könnte natürlich nicht das Rad der Weltgeschichte zrrrückd- 'en. sondern muß im Blicke auf die Zukunft die soziale und wirtschxft1licl»e Revolution abwehren. Diese Auf. gäbe ist Sache der Regierenden, wie des ganzen Volkes. Die Regierung muß sich de? gewaltigen Friedenshindernisses, das der Volsckewisnms durch seine Ziele darstellt, bewußt werden und in großzügiger Weise den Kampf ausnehmen. Es ist gar nicht zu verkennen, daß sich jetzt der russische Bolschewismus in demselben Siegestanmel befindet, wie der Entente-Imperialismus. Ist es nicht anders, so mich der Bolschewismus gemeinsam mit der Entente auch nach dem Kriege bezwungen werden, der russische nötigenfalls von ausser I)rch der Knoten schürzte, aus der Rordlandreise: und wenn eine Tatsache über jeden Zweifel erhaben und von den schärfsten Gegnern des Kaisers und der Monarchie in Deutschland ebenso anerkannt wird wie von den treuesten Monarchssten, dann ist die, daß Kaiser W'.lhelm H. bis zum letzten möglichen Augenblick alles getan hat. um den Frieden zu erhalten, daß er ein Friedenskaiser war und sein wollte. Daß Herr v. Bethmanr Hollweg selber beim Ausbruch des Krieges zugestehen mußte daß seine Politik zusamiuengestürzt war „wie ein Kartenhaus" daß er durch verfehlte Kriegserklärungen, durch seine Wort, von dem „Fetzen Papier", von dem „Unrecht" an Belgien usw den Krieg schon politisch verloren gemacht hat. ehe'er noch eigentlich militärisch begann, und daß er sich völlig npüihi, zeigte, unsere glünzer-den militärischen Erfolge in den erster Kriegsjahren politisch auszumünzen und uns rechtzeitig einer gedeihlichen Frieden zu erringen, kann heute kaum noch blin dcste Parteileidenschaft verkennen. Ebenso trägt Herr v. Beth mann in erster Linie die Verantwortung für die Politik der Halbheit und Unentschlossenheit im Innern, die schließlich i, den Zusammenbruch dieser Tage arrZmüudete. Für die Gesam! führung unserer Politik im Kriege konnte man zu ei Wege wählen: Entweder den Wog, den unsere Feinde, und doch wohl mi;. Erfolg, gegangen sind, und den alle geschichtliche Erfahrung als den richtigsten Weg während» kriegerischer Erschütterungen erweist: man verstärkte noch die durch die Monarchie gegebene Kcnzentration der staatlichen und völkischen Kräfte und hiell auf diese Weise den inneren Frieden und die GeschloJenheit der Front gegen den äußeren Feind den Krieg hindurch aufrecht; i'er augenfällige große Vorsprung, den uns das monarchisch-mck litärische System für die Kriegführung gegeben hatte, ließ diesen Weg um so mehr als den natürlichen erscheinen, als ja unsere Feinde dieses System nur um so konsequenter und rücksichtsloser bei sich selber einführten, je mehr sie gegen deutsche ..Autokrat!-?' und deutschen „Militarismus" weiterten. Wollte man aber als die Dauer des Krieges immer schwerer abzusehen war. innerc Reformen einsühren, dann mußte das so geschehen, daß dadu-.'.t die monarchische Konzentration der Volkskraft nicht gefährdet sondern Zugleich mit verankert wurde: Zu einer solchen -Po! ick waren aber rechtzeitige Voraussicht und fester Wille, war ebenst eine entschlossene Führung nötig wie zum Durchhauen des erste: Weges. Daß unsere Politik den dritten, unter allen Umstände: falschen Weg. den der Halbheiten und des Sichtreibenlasseus ging, war ihre große Sünde, deren Folgewirkungen wir jetzt vor Augen haben. Will man aber die Schuldsrage aufwersen. dann ergibt sich schon aus den vorstehenden Darlegungen von selber, in wie entscheidendem Umfange auch die tatsächliche Schuld auf die verantwortlichen Ratgeber des Kaisers fällt: für die Führung der auswärtigen Politik gilt das übrigens mindestens für die entscheidenden Jahre der europäischen Krise, die ja erst noch dem Rovembersturm von 1908 einsetzten, ebenso wie für dir Politik, die uns in den Krieg hineinbrachte und die dann den politischen Verlust des Krieges herbeiführte. Und wenn w-'r den Selbstverzicht der Krone im Innern als schweren Fehler beklagen, so ist doch gerade hier für die inneren Gegner der Monarchie nicht der geringste Grund gegeben, gegen sie aufzutreten. Soweit man überhaupt von der Schuldsrage ausgehen will, muß man doch auch dort unbedingt im Auge behalten, daß wir in einer konstitutionellen Monarchie leben, und daß die verantwortlichen Berater des Kaisers verfassungsmäßig allein di?. Verantwortung tragen können. Für uns ist letzten Endes die grundsätzliche Stellung zur Monarchie entscheidend. Entweder ist man Monarchist, oder nicht. Die monarchische Ueberzeugnng kann nicht von der Frage abhängig sein, ob der jeweilige Monarch eine erfolgreiche Politik treibt oder nicht: die gegenteilige Auffassung müßte ja zui Wahlmonarchie führen, die überhaupt keine Monarchie mehr ist Dos beste Beispiel für die Richtigkeit der Erbmonarchie fifck überdies doch gerade die Hohenzollern, die längst nicht durchweg erfolgreiche Regenten waren, trotzdem aber ihren Staat, über manche Wellentäler hinüber, doch ständig vorwärts gebracht haben. Wesen und Wert der Monarchie liegt in der Stetigkeit der Entwicklung und darin, daß mit ihr ein Faktor gegeben ist. der über den Parteien und Einzelinteressen des Landes als ausgleichender und fester Halt des .staatlichen und völkischen Gesa mtinteiesses steht. Wo wollen wir vollends in Deutschland, mit seinem doppelt und dreifach zerrissenen Parteiwesen, mit seinen offenen und unsicheren Grenzen, mit den durch die Verschiedenheiten der Stänime und Bekenntnisse noch so bedenklich vermehrten zentrifugalen Tendenzen, seiner von Natur national weichen Volksart den um so notwendigeren Halt und Zusammen, halt finden, wenn nicht bei der Monarchie? Wenn wir ab«'r jetzt den Kaiser preisgeben wollten, so wäre der Monarchie ar sich ein tödlichrr Stoß versetzt, und der Zerfall des Deutschen Reiches und Volkes wäre die unausbleibliche Folge .... Schließlich besteht gar kein Zweifel, daß es sich für unfen Feinde nicht um die Person des Kaisers, sondern um die Hohen zollern überhaupt handelt: aber nicht als Dynastie, sondern als Träger des deutschen Kaisertums und damit der Reichseinheit und Volkseinheit. Man braucht sich auch nur die Frage vorzu legen, was kommen soll und voraussichtlich kommen würde, wenr Kaiser Wilhelm II. jetzt abdankte. Wenn Wilson wirklich da nach verlangte, so wäre das der letzte Beweis dafür, daß er Deutschland nur bis aufs äußerste demütigen will, um es jede' moralischen Kraft zu berauben und um so leichter zu vernichten, und daß das deutsche Volk, wenn es erst nsch die Schande de: Preisgabe seines Kaisers auf sich genommen hätte, keine Kraf' zum Widerstande gegen weitere Zumutungen in dieser wie i: jeder Richtung mehr haben würde, ist wohl ebenso sicher, wie es weitere entehrende Zumutungen sein würden f Dic Monarchie m Deutschland, und mit ihr außer unserer Ehre auch noch unsere Einheit und Stärke, soll zerbrochen wer- den Dazu die Hand ZU bieten, wäre nicht nur Untreue und Nr-dank, sondern auch schmähliche Selbstaufgabe. In dieser Lao.e kann unser Platz nur an der Seite der Hohenzollern sein, nicht nur aus Treue und Ehrgefühl, sondern vor allem aus Liebs und Pflicht gegen Reich und Volk." Diese Darlegungen treffen im wesentlichen den Standpunkt, den auch wir dem Kaiser gegenüber einnehmen. Wir hätten vielleicht gewünscht, daß der Gegensatz, in dem wir zu der Wilsonschen Politik standen und die kurz gesagt als der „neue Kurs" bezeichnet wird, etwas schärfer betont worden wäre. Jedenfalls ist es lächerlich, wenn sich die „Volksstimme" abermals in Anrempelungen gegen uns gefällt und es so darzustellen beliebt, alZ hätten wir früher: Hosianna! und heute: Kreuzige ihn! gerufen. Wir haben es nirgends an freimütigen Worten gegen die Politik des „Neuen Kurses" fehlen lassen und sind ihr, wo es erschien, entgegengetreten. Sie hat aber stets den „Beifall links" gefunden. Das darf uns aber nicht veranlassen, die Sache , mit der Person zu verwechseln. Wenn uns- ein Hemd nicht paßt, so brauchen wir deshalb nicht zu sagen, wir tragen fetzt überhaupt kein Hemd mehr. Aus welchen Erün- ccii mir trotz alledem zur Monarchie halten, ist im obigen Auf- 'atz treffend dargelegt. Diese Meinung kann nur noch verstärkt werden, wenn wir in den Berichten über Versammlungen der llnabhäneigen lesen, welche Geister für die Abdankung des Kaisers die lautesten Nufer im Streite sind. In einer Versammlung des sozialdemokratischen Vereins sprach, nich einer Meldung der „Voss. Zeitung", der sozialdemokratische Landtagsabgeordnete Warum über die politische Lage und dabei auch über die Abdankung:frage. Er führte dazu aus' !l'ber den Kaiser werden im Nuslande sowohl wie auch im Inlande Stimmen laut, daß seine Abdankung zur Erlangung des Friedens notwendig fei. Bei der Behandlung dieser Frage sollten wir uns nicht von Stimmungen leiten lassen. Gewiß, wir Sozialdemokraten sind Republikaner und haben als solche keine Veranlassung, uns als Cchutzwall vor dic Hoheneollern zu stellen, aber darüber dürfen wir uns lei- ner Täuschung hrngeben: die Mehrheit des deutschen Volkes ist heute noch monarchisch gesinnt. Auch wenn man heute vielfach unbedachte Aeußerungen über den Kaiser zu hören bekommt. von Leuten, die vordem gewaltige Patrioten waren und von denen man solches zuletzt erwartet hätte — für uns üt? Sozialdemokraten handelt es sich darum, daß wir einen Rechtsstaat bekommen. Die Frage mit oder ohne Monarchie ist von untergeordneter Bedeutung. Mir können aber richtige Politik in einem Rechtsstaat nur mit der Mehrheit und nicht \ «egen die Mehrheit des Volkes machen, wenn wir nicht ruf- ßsche Zustände bekommen wollen. Verlangen müffen wir. daß die Monarchen nicht mehr die autokratische Rolle spielen wie bisher. In der Aussprache dankte der sozialdemokratische Stadtrat Dr. Dich dem Referenten für die taktvolle Behandlung der Hchenzollernfrage. Es fei unwahrbaftig. jetzt im Kaiser den Sündenbock linden zu wollen. „Gewiß", so sagte der Redner wörtlich, „wir haben vordem nicht auf dieser Seüe gestanden und haben ihn bekämpft, aber der Kaiser hat umgelernt, wie so viele umlernen müssen. Er hat uns am 4. August 1914 die Hand geboten und wir haben eingeschlagen, und es hat sich ge- zciat, daß während des ganzen Verlaufes der harten Kriegszeit der Kaiser ehrlich zum Volke gehalten hat. Staatsverfasiung und Monarchie sind auch bei uns ebenso wie in anderen Ländern der natürlichen Entwicklung unterworfen." Mit bemerkenswerter Schärfe verlangt die „Frankfurter Zeitung" in ihrem heutigen „Zweiten Morgenblatt" den Rücktritt des Kaisers. Die furchtbare Lage des Vaterlandes erfordere Wahrheit: „Diese Wahrheit ist: daß seit dem 30. September an dem das alle Regime ab- gefetzt wurde und die deutsche Umwälzung begann, und noch mehr seit dem 5. Oktober, an dem die neue deutsche Negierung genoligt wurde, ihr Ersuchen um Waffenstillstand und Frieden an Wilson zu richten, Millionen und Abermillionen von Deutschen die feste Erwartung hegten, es werde der Kaiser (und mit ihm selbstverständlich auch der Kronprinz) freiwillig abdankeu — freiwillig, bevor es gefordert wurde, einfach aus dem Gefühl der eigenen Würde und der natürlichen Konsequenz. Denn, was in diesen fünf Wochen vor sich gegangen ist, das ist, nach innen und nach außen, die Liquidation der dreißigjährigen Reaie- rungszeit Kaiser Wilhelms II., oder dessen, was von ihr noch übrig geblieben ist in der fürchterlichen Katastrophe dieses Krieges. die eben auch die Katastrophe des Kaisers ist. Was wir jetzt erleben, ist Ende und Abschluß- unmöglich schien der Gedanke. daß der Anfang des Neuen, das nun kommen muß. unter demselben Zeiten der Regierung Wilhelms H. (ober seines Sohnes) begonnen werden könnte." Es wird dann weiter auseinandergesetzt, daß ein Verbleiben des Kaisers die Zersetzung des Reiches in Eiuzelstaaten nach sich ^ehen komne und dann würde das deutsche Volk gezwungen sein Frage sehr ernsthaft aichurveeserr, ob es wirklich heute noch Me ZmeiundzwaAzig Dynasten nötig hatte! An anderer stelle bespricht die „Frankfurter Zeitung" die Gtcllungsnahme der Entente zur Kaiserfrüge. Es gäbe zwei deutlich erkennbare Meinungen, die einen die es ehrlich mit Deutschland meinten, verlangten den Rücktritt des Kaisers, weil nur auf biefe Art geordnete Verhältnisse entstehen könnten«. Das Blatt glaubt, Wilson dazu rechnen zu können, wenn er sich aucy grundsätzlich nicht in die inneren Verhältnisse anderer Staaten mischen wollte. Die andere Richtung, zu dem Elemen- teau gehöre, sei von'einem teuflischen Haß gegen Deutschland beseelt und erstrebten dessen völlige Vernichtung. Diese werde aber erfolgen, wenn der Kaiser bliebe. Deshalb seien die ein- geschwcrenen Feinde Deutschlands für ein Verbleiben des Kaisers. Die Absicht, in dem diese Darlegung geschrieben ist. ist doch etwar, zu durchsichtig! : Einigung tu der Sozialdemokratie Die „Frankfurter Ztg." bringt die auffallende Meldung, daß in München, wo sich gerade eben bei einer Ersatzwahl zum Reichstag, die beiden sozialdemokratischen Gruppen erbittert bekämpfen, der Verbuch zu einer Einigung der beiden Achtungen gemacht werde. Es sei eine Kommission gewählt worden, die eine Einigung auf folgender Grundlage erstreben solle: Rücktritt des "Kaisers. Vereidigung der Armee auf die Verfassung, Ablehnung der nationalen Verteidigung und Ausschaltung der reaktionären Elemente bei der Verwaltung, vor allem in Preußen. Gkgkil die Mschmg von MWar. Einen Antrag betr. die in neuerer Zeit erfolgte Schließung von Mühlen hat der Abo. G r ü n e w a l d an die Zweite Kammer gerichtet. Darin wird Beschwerde geführt, daß in der letzten Zeit wiederholt auf Betreiben der Reichsgetreidestelle in Ber !in Beauftragte, deren Person, Herkunft und Zuverlässigkeit nicht kontrolliert werden kann, in den oberhessischen Mühlen erscheinen. meist in hohem Maße selbstbewußt und scharf auftrejen irgendwelche Verstöße gegen die geltenden Bestimmungen fest- ftellcn, mit dem Erfolge, daß sie nach Berlin berichten und die Reichsgetreidestelle an die zuständigen Kreisämter das Ersuchen auf Schließung der Mühlen richtet. Diesem Ersuchen wird meist entsprochen Das Rechtsmittel der Müller gegen dieses Vorgehen ist ein recht kümmerliches. In den meisten Fällen sind die Ver- schlangen nieist ganz geringer Natur, auch in schwereren Fällen ist eine Geld- oder Freiheitsstrafe berechtigt, gegen die Schließung der Mühlen, eine so scharfe und einschneidende Maßregel die nicht nur die Mühlenbesitzer ruiniert, sondern auch die landwirtschaftlichen Kreise schädigt, müsse energisch Einspruch erhoben werden. Diese Maßregel wirkt außerordentlich verbitternd und der Umstand, daß fremde Sendlinge, deren Herkunft aus Berlin nicht ohne weiteres als Empfehlung für ihre Zuverlässigkeit ausgenommen wird, zudem sie alle Verhältnisse durchschnüffeln und weittragende Fcststellungen treffen, vevstärkt dieses Gefühl ganz bedeutend. Auch die öffentliche Brandmarkung der Mühlenbesitzer als unzuverlässige Personen" wirkt kränkend und herabsetzend. Die Kammer niöge die Regierung um eine Aeußerung ersuchen. ob ihr die geschilderten Verhältnisse bekannt sind und welche Schritte sie beabsichtigt, um sie zu verbessern. Dieselben Klagen, die hier gegen die Kontrolleure der Nekchsgetreldestelle in Berlin laut werden, richten sich auch, wie wir wiederholt feststellen konnten, gegen manche Kontrolleure der Landes.Milch- und Fettstelle. Auch hier handelt es sich vielfach um Personen, deren „Person, Herkunft und Zuverlässigkeit nicht kontrolliert werden", was die Betreffenden aber nicht hindert, oftmals recht anmaßend gegen dis Landwirte vorzugehen, sc daß man sich förmlich darnach sehnt, daß die Zeit kommen möge, wo man von diesen Stall- und Scheuer-Ratten befreit wird. Perlchärste AhiieferZmgsMicht. Die „Deutsche Parlaments-Korrespondenz" berichtet: Der Staatskommissar für Volksernährung hat, um Wandel zu schaffen, angeordaet, daß die Landkreise ihre Ablieferungs- schuldigkeit unbedingt erfüllen, d. h. die ihnen auferlegte Kartoffel- und Getreidemenge auf jeden Fall abzuliefern haben. Sollte durch den Schleichhandel eine Kürzung dieser abzuliefernden Mengen Eintreten, so sind die Rationen der Selbstversorger und Besorgungsbercchtigten zu kürzen. Die Bestimmung wird in Zukunft unnachsichtlich durchgefühtt werden. Weitere Zngrinschra«kmrg. Das Zusammentreffen verschiedener ungünstiger Umstände macht energische Maßnahmen notwendig, irm größeren Verkehrsstockungen vorzubeugen. Da die in jüngster Zeit, zuletzt am 1. November vorgenommenen Zugeinschränkungen hierfür noch nnbt ausreichen, nuissen vorübergehend noch Züge Wegfällen, ungeachtet der großen Unannehmlichkeiten, die daraus für den Verkehr, namentlich auch den Berufsverkehr entstehen. Das Publikum wird erneut ersucht nur uuaufschjebliebe Resten zu unternehmen, zumal mit der Erreichung von Anschlnßzügen nicht sicher gerechnet werden kann. Vom Fr!de der Ehre. Dersdorf. Dem Schützen Huga Pfeffer, bei einem badischen Grenadier-Regiment wurde für bewiesene Tapferkeit vor dem Feinde das Eiserne Kreuz zweiter Klasse der- liehen. Ans der Hermat. FC. Bad Nauheim, 3. Nov. Die Bürgermeisterei gißt on die minderbemittelte Bevölkerung Brennholz zürn Preise von drei Mark pro Zentner aus den Vorräten der Stadt ab. Frau Heinrich Pfeffer II. Witwe beging gestern ihren 90. Geburtstag Nus Hessen.Nassau FC. Nus Nassau, 3. Nov. In der letzten Sitzung dsZ Di-! reltoriums des Vereins nassauifchsr Land- und Forstwirte wurde j berichtet, daß neuerdings unter der landwirtschaftlichen Bevölkerung des Taunusgebietes große Erregung darüber entstanden fei, daß die Landräte der Kreise Usingen und Untertaunus, entgegen der Verfügung des Staatssekretärs des Kriegsernährunas- amtes. die ländlichen Oelmühlen ihrer Kreise för die Oelfrucht- erzeuger geschlossen und restlose Ablieferung aller angebauten Oelfrüchte unter Ankündigung späterer Oelverteilungen angeordnet hätten. Von mehreren Sitzungsteilnehmern, insbesondere dem Reich-'tagsabgecrdneten Bürgermeister Hepp-Seelbach und Landwirt Georg Eifel II.-Mcntabaur, wurde sehr nachdrücklich auf die Gefahren hingewiesen, die dem nassauischen Oel- sruchtanbau durch Maßnahmen, wie sie seitens der Kommunalverbände Untertaunus und Usingen ergriffen worden seien, drohen Beinahe noch bedenklicher als die Schädigung des Oeb fruchtanbaues sei im jetzigen Stadium des Krieges die erneute unnötige Belastungsprobe., der die Stimmung der bis zum äußersten verärgerten landwirtschaftlichen Bevölkerung ausgesetzt werden. Dabei erwähnte Landwirt Eise! den Fall, daß Landwirteirauen zwei bis drei Tage lang im Regierungsbezirk herumgereist feien, um ihre Oelfrucht bei einer ländlichen Oel- mühle geschlagen zu bekommen. Es wurde beschlossen, die Landwirtschaftskammer zu ersuchen, daß die ländlichen Oelmühl-n den Oelfruchterzeugern wieder zugängig gemacht werden. FC. Wiesbaden, 1. Roo. Aus dem Garten des Ehr. Voh. uenberger in der Sonnenberger Gemarkung wurden im Juli d. I. Mirabellen und Pfirsickre in erheblichen Mengen gestohlen. Eines Tages legte sich Bohnenberger deshalb mit dem Flurschützen auf die Lauer und beobachtete, wie der Arbeiter Eg. Ullrich mit seinen Brüdern Philipp und Paul aus Wiesbaden den Feldweg herankamen und den Garten „abluxten". Die drei wurden gestellt, bestritten irgend je im Garten etwas gemaust zu haben und dort stehlen zu wollen und gaben an. auf der Pilzsuche zu sein. Auch heute vor der Strafkammer beteuerten die drei ihre Unschuld, doch deponierten einige Zeugen, die Brüder angeblich wieder zu erkennen durch mehrmalige ge^ meinschastlichs Trambahnfahrten, die sie mit ihnen von Sonnenberg brs Wiesbaden gemacht, wobei die drei an verschiedenen Tagen Körbe schwer mit Obst gefüllt mit sich führten. Trotzdem die Frau des Georg Ullrich einen schwunghaften Handel mit Obst, besonders aus dem Hessischen betrieben hat, war das Gericht der Ansicht, daß die Angeklagten als Täter in Frage kommen und erkannte gegen Georg Ullrich auf ein Jahr Gefängnis, gegen Paul Ullrich, der zurzeit Soldat, aber dem bürgerlichen Gerichtej$ur Aburteilung überwiesen wurde, auf drei Monate Gefänanis; Philipp erzielte einen Freispruch. Der Staatsanwalt hatte die Freisprechung sämtlicher Angeklagtem beantragt. FC. Flörsheim, 1. Rov. In einem Hause der Eddersheimcr. straße,. im Anwesen Reith, ereignete sich eine Gasexplosion Frau Reith und ein anwesender Herr erlitten schwere Brandwunden im Gesicht. FC. Aus dem llrstertaiinus, 1. Rov. Kälberhe.usschlachtun- gen werden mit Rücksicht auf die dem Untertaunuskreise aufge- gebenen bedeutenden Fleischlieferungen von jetzt ab nicht mehr, gestattet. Die nicht zur Zucht verwendeten Kälber müssen an den Viehhandelsverband abgeliesert werden. Rinderhaus- sch lach Lungen werden im allgemeinen auch nur in solchen landwirtschaftlichen Betrieben im Untertaunus zugelassen, in denen diese Schlachtungen auch vor dem Kriege üblich waren. FC. Limburg, 4 . Rov. Auf der Viehweide deZ Viehhändlers Ferd. Levi wurde von Gaunern eine Kuh abgefchlachtet und mitgenommen. Rur ein.Stückchen Kuhhaut zeugte auf dem Schlachtplatz von verschwundener Pracht. Von den Tätern fehlt jede Spur. Aus Stalkenburg. Aus dem Rodqan, 1. Nov. Ueber eine kleine Köpenickrade berichtet die „Oberh. Volksztg.": Stellte sich da am Samstag auf der Bürgermeisterei zu Weiskirchen ein gewisser Herr Gahr von Dörnigheim vor, versehen mit einem Ausweis der Landes-Milch- und Fettstelle zu Darmstadt, und wollte hier als Beamter dieser Stelle bei den Knhhaltern Revision abhalten, ob dieselben nicht zuviel Butter und Rahm in Besitz dätten. Mit Hilfe der Gendarinerie wurden verschiedene Häuser besucht und eine Menge Butter beschlagnahmt. Un* geachtet der Sonntagsruhe wurde auch noch am folgenden Tage die Butteriagd fortgesetzt. Montag früh ging dann nach Jügesheim und Dudenhofen, wo der Bnttermarder ebenfalls eine größere Menge Butter 'mitgehen hieß. Montag nachmittag wurde die Tätigkeit im Rodgau beendet und der Revisionsbeamte fuhr mit gefüllten Taschen weiter, versehen mit einer Bescheinigung der Großh. Bürgermeisterei zu Weis" kirchen, Jügesheim, Dudenhofen, daß er seine Tätigkeit dahier ansgeübt habe. Zu,n Abend hatte der Herr Revisor die beiden Herren Gendarmen und den ^errn Milchvertrauensmann zum Abschiedsschoppen eingeladen. Durch irgend eine bis jetzt noch unbekannte Tatsache war einer der hiesigen Gendarmen stutzig geworden, und wäre gern zur Verhaftung des Herrn geschritten, wenn er feiner hätte noch habhaft werden können. Zum Glück stellte sich der bis jetzt noch ahnungslose Beamte am Dienstag nachnnttag wieder ein, um die übrige Butter abZuhostn. Wo er nämlich zuviel Rahm antraf, mußten die Bauern rasch Butter Herstellen und dieselbe in das Gasthaus bringen, wo der Herr abgestiegen war Diesmal aber kam er nicht auf verrostetem Zweirad, sondern in elegantem Wagen. Fast überall, besonders in Oberhessen, wurden ihm Wagen und Pferde nach Belieben zur Ver- stignng gestellt. Ter Herr Revisionsbeamte machte aber große Augen, als der gleich anwesende Wachtmeister entgegen seinem früheren Benehmen, ihn ziemlich unsanft an? dein Wagen herausholte und für verhaftet erklärte. Kirchliche Nachrichten. Gottesdienst in der Stadtkirche. Mittwoch, 6. Nov. abends 8*4 Uhr: Kriegsandacht. Herr Direktor S ch o e l l. Verantwortlich für den politischen und lokalen Teil: Otto Hirsche!. Friedbsrg-. für den Anzeigenteil: N. Heyner. Friedberg. Truck und Verlag der „Neuen Tageszeitung". A G., Zriedbera * Ä Herzerrskiimpfe. Roman non Helene S -tu 11 q, flc&. von Gersbotff, (Copyright 1915 by C- Ackermann.-Stuttgart.) 31) Nachdruck verboten. Run nurd-e noch alles Nötige besprochen, auch das Telegramm an Hilde, welches sic schon morgens um 6 Uhr aus ihren süßesten G-ücksträumen reinen sollte. Dann verabschiedete sich der Marg' s mit überschwänglichen Dankbarkeitsäußerungen l:nd d'm Versprechen, jeden Augenblick jedes Winks gewärtig m sein, von seinem zukünftigen Schwiegervater, — äußerst zufrieden w't sich selbst und seinem Tagen erk. 14. Kapitel. 5i!de fuhr init ihrer Jungfer allein in eineni Abteil erster 5vlasse und hart; dadurch Zeit und Muße, sich ihrem AbschiedZ- sckmeiz nd ihren bangen Sorgen für die Zukunft hinzugeben. Wie würde alles gehen? was stand ihr bevor? Wenn es wirklich zu einem Kampf mit ihrem Vater kommen sollte, wie ihre ieehl untrüglichen Ahnungen »hr zuslüsterten, so würde sie ganz allein denr gegenüberstehen. Sie wußte niemand, der ihr hätte lCHC-en wollen oder können. Ihr geliebter und verehrter Pfarrer Meinhardt und seine Familie, die eiitzigcn Menschen, auf d:c sie sicher rechnen konnte, wohnten nicht in G.. wo sich Antel- nur im Sommer aufhieltrn, sondern in der großen Rheinstadt E., wo Hildes Vater ein palaisartiges Wohnhaus, nebst vielen anderen Häusern und Liegenschaften befaß. Also diese lieben und wahren Freunde konnten in einem Notfall ebenso wenig schnell zu Hilfe eilen, wie Onkel Bernhard und Tante Ella. Nein, es galt allein alles durchkämpfen, fest hinstehen und sich durch nichts einschüchtern lassen. Bei dem Gedanken, ihrem Vater moglücherweise mit eisernem Widerstand gegen- LHertreten zu muffen, überfiel sie ein Zittern, eine Angst, daß ie positw am ganzen Körper bebte und flog. Dann aber schalt sie sich selbst' „Pfui' wie feige? Ist Rcinhold nicht wert, daß ich für ihn leide? Und dann .... gibt es nicht Tinen, der mich nicht verlassen wird? Gott, gib du mir Kraft und iüftrt, mit deiner Hilfe wird alles gut werden!" Sie fühlte, wie ihr mit diesen Gedanken neue Kraft zuströmte. Und dann suchte sie sich zu ttösten. Es brauchte ja gar nicht zum Aeußersten. vielleicht überhaupt nicht schlimm zu kommen. Es war ja möglich, daß der Vater Reinholds Werbung nicht abwies. Er war ja so unberechenbar, man konnte nie vorher wiffen, wie er eine Sache aufitehmen würde. Sie nahm sich vor, sehr ruhig, sehr geduldig, ja, wenn möglich, liebevoll zu sein. Als sie in E. ankam, stand Fräulein Lehmann, sie erwartend, auf dem Perron; sie war wie gewöhnlich sehr elegant und etwas auffallend gekleidet. „Willkommen, Kind, willkomnren! Schön, daß du wieder da bist!" begrüßte sie Hilde sehr lebhaft. „Es ist doch gar zu langweilig zu Hause, wenn du fort bist. Keine Musik, keine Gesellschaft .... Alles öde und st'.ll! Nur deines Papas Launen und Brummen zur Unterhaltng." Als langjährige Leiterin des Hauses und Hildes Erzieherin durfte sie sich diese vertrauliche Sprache erlauben. Sie fuhren in des Geheimrats eigner Equipage bis zu seiner ziemlich entfernt gelegenen Villa. Als sie dort ankamen, wurden sie nur von der Dienerschaft empfangen. Der Eeheimrat fand cs nicht der Mühe wert, fein Zimmer zu verlaßen, um feine Tochter zu begrüßen. Hilde war solche Liebenswürdigkeiten von ihm auch gar nicht gewöhnt und wunderte sich deshalb auch keineswegs darüber. Leichtfüßig sprang sie aus dem Wagen, eilte in das Haus und die Treppen hinauf in ihres Vaters Zimmer. „Da bin ich. Pava" sagte sie eintretend und ihm, wie er es liebte, nach altvaterischer Art die Hand küssend, die er ihr entgegenstreckte, „du hast gerufen und ich bin gekommen." „Du wärst wohl gern noch länger fprt geblieben?" fragte er lauernd. „Allerdings, es war diesmal besonders nett bei Onkel und Tante" gab sie arglos zurück. „So? fragte er. „Warum denn so besonders?" „Nun, Hans Verlobung bringt doch allerlei mit sich was lustig und amüsant ist. Seine Braut ist allerliebst, wir haben uns sehr angefreundet. Und dann fand auch gerade ein Hof. fest statt, zu dem wir alle eingeladen waren. Die Königin selbst war sehr liebenswürdig, sehr freundlich, und außerdem habe ich auch viele interessante Leutnants dort kennen gelernt." „So, so, das ist ja sehr schön. Und du hast dir von einem ganzen Regiment Leutnants die Kur machen lasten, das war wohl das Allerintereffanteste". höhnte der Eeheimrat scheinbar freundlich. „Da war es dem gnädigen Fräulein natürlich nicht angenehm, zu dem aften kranken Vater zurückkommen zu nrüsten!" „Ach, lieber Vater, geht es dir nicht gut?" fragte Hilde teilnahmsvoll, deren Mitleid sogleich erwachte, wenn sie glaubte, daß jemand litt. „Die alte Geschichte", brummte er. „Schmerzen überall, kein Appetit, wenig Schlaf, ein elendes Leben! Uebrigens hast du den Marquis oft gesehen? Er ist ja doch auch in K.?" „Ja wohl. Papa, wir heben fast täglich musiziert. Tantc und Onkel haben ihn uns zu Liebe sehr freundlich ausgenommen. Besonders in den ersten Wochen meines Aufenthalts war er sehr viel bei ihnen." „Warum denn später nicht mehr?* „O, er kam auch später noch oft. Aber die Familie unternahm häufig Ausflüge in die Umgegend zu Wagen, mit de: Dahn, da war er selten dabei." „War da überhaupt nie jemand anders als die Verwandten dabei? fetzte der Eeheimrat fein Znquisttorium fort, sich immer mehr dem Kernpunkt dessen nähernd, was er erfahren wollte. Hilde war erstaunt, d-atz ihr Vater soviel Intcreffe an ihren Erlebnisten zeigte. Das war sie gar nicht bei ihm gewöhnt; bisher war ihm stets alles gleichgültig gewesen, was nicht feine eigene Person betraf. Sollte sie nicht diese gute Stimmung und Gelegenheit benutzen, um Reinbold wnigstcns flüchtig zu erwähnen? ^ a, es konnte nicht schaden, hören muß er ja doch von ihn: Fortsetzung folgt. U!ld Schwager Qurs Vaterland starb am 15. Oktober dss. Is. nach vierjähriger treuer Pflichterfüllung an seiner schweren Verwundung durch Granatsplitter unser guter hoffnungsvoller Sohn, mein heißgeliebter Bräutigam, mein treuer Bruder, Enkel Feldhilfsarzt Albert Fmk Pionier-Kompagnie 112, Inhaber des Eisernen Kreuzes 2. Kl. und des Hessischen Sanitätskreuzes. Wölfersheim. (Sieben. Neustadt i. O.. Beienheim, den 6. November 1918. In tiefem Schmerz: Heinrich Fink, Lehrer Auguste Fink geb. Stein Emmy Krauße Frieda Weber geb. Fmk August Stein, Altbürgermeister Richard Weber, PfarmMent. Es wird gebeten, vom Beileidsbesuchen absehen zu wollen. Für die uns anläßlich unserer Verlobung' erwiesene Aufmerksamkeiten danken wir herzlichst Marie Wentzell August Reß. Niedcr-Erlenbach Nieder-Wöllstadt. Anläßlich meiner Versetzung; von Echzell nach Gönnern allen Freunden und Bekannten ein herzliches Lebewohl. W. Bender, ßahnhofsverwalter, Gönnern. und Familie. Bekanntmachung. Der Geschäftsführer Geiß des Kreisarbeits- nachweifes FlrieSbera, Fernruf 70, beabsichtigt bis Ende November in Bayern und Fuldaer Gegend Feldmädchen für's nächste Jahr zu vermitteln. Femer sind wir bereit, Verträge dort zu erneuern. Interessenten werden gebeten, bis zum 1. Dezember genaue Bedingungen im Geschäftszimmer, Vismarckstr. 30,' pt., bekanntzugeben. Auch machen wir auf stets prompte Vermittlung von Melkerfamilien. ledigen Melkern und Melkerinnen aufmerksam. Sämtliche Vermittlungen sind gebührenfrei. iwsfn WA i Miiiriiiy. WU Geschäftsstelle Frankfurt a. M., Kronprinzenstratze 41. (Kronprinzenbau.) — Fernruf Pömer 420«. «ur-stunden. Momag. Dienstag, Donnerstaa. Freuag, nachmittags ö0, l i-A Uir ; ~~ Eefchaftsanzeigen in diesem Raum nur für nnsere Wtt-1,eder; dieselben sind kostenlos, jedoch muß bei Ausgabe der Anzeige auf die Mitgliedschaft hingewiesen werden. Belgische MMule, gedeckt, wegen Nachzucht zu ver- *’ kaufen. Hugo Biiih, Bauernheim. Offeriere prima breitbucklige Oldenburger Ferkel mit Schlappohren zur Zucht und Schnellmast geeignet, gesund und seuchensrei. gute Freffer 6-8 Wochen 55—75 Mt. 8-10 „ 75-109 „ 10-12 „ 100-120 „ 12—15 „ 120—150 p.St. sämtliche Tiere sind kreisiierärft- lich untersucht. Versand unter Nachnahme. Für gesunde, lebende Ankunst wird garantiett. Peter Stuwer, Düsseldorf, Cölnerstr. 332. Tel. 2940. Forthttdm;gs- Schulc. Nach den: Beschluß des Schul- uud Siadrvorsiandes oal;ier sollen im kommenden Winterhalbjahr diejenigen forlbildungsschulpflich- tigen Knaben hiesiger Stadt, b e Ockern 191s aus der Schule entlasten worden sind, au», Besuch der Fortbildungsschule herangezogen werden. Dieselben haben sich zwecks Anmeldung Donnerstag, o. 7. Nov., nachmittags 5 Uhr im städtischen Schulhaus. Auqustinergaste 10 . pünttlich einuifinden. 2m Sradtieil Fauerbach oll di« Aflmelvung Freitag, d. 8. Nov . nachmittags 5 Uhr. im neuen Schulhaus daselbst erfolgen. Friedberg, den 4 . Nov. 1918 Der Schulvorstand. 2. 93.: D a mm. | Ziehung 19. und 29. November 5, Uebedinger - Münster eldf ofterie 185000 Lose. 6209 Eeldgew. -- Kk. 153000 jjOOOOO -20000 I lOOOO Bar ohno Abzug, ::S;SSiMl!!a 31 . Porto und Liste exfra 45 Pfg. in allen Lotterie-Gescuaucn u. durch Lüd. Inifer sca. R p rl i n \A/ Werderscher i-> c I l I M W. Markt 10. Lose hier bei Lotterie-Einnehmer Stamm. Zuinx^ Sela! achten Alle Sorten Därme sowie Kinds-, Kalbs- und Schweinkblajkll in nur geruchfreier Ware, empfiehlt G-. W. Zoll, Friedverg in Hessen. Fschmanmlchr i?r)ie«R»g Erstklassiges zuchtstarkeO Kalb (Simmentaler),beste Abstammung, zu verkaufen. LudVig ämO. Rodheim *. d.