U,immer L60 Einstlpreis die Lmkr Dienstag. de» 5. Novem ber 1918 11 . Jahrgang. Die „Peuc Ta»e»,ki»nng- erlchemt ,eden W-rlia^. Repeimatzige Beilagen ..Der Sauer aus rrefTct«“, ..Dir S-!«a»i>r-i»: Be! den Poitanstaiten meneliährlich Mk 2 70 W«ÜU trw noch das Bestellgeld: bei den Aoenten mona.li« I.m Mk. einlchlietzlich Tragerlohn. Ameise«: -Arund-.eile 2d Prg.. lokale 20% An,eigen von anrwär.s werden durch Bostnachirahm. erhoben. Enüllunasor, Friedbera. Schriftleituna und °Jevia \ lriedbery sHessen,. mnausr'tratze 12. Jern-or^chsr 18. Ba;tj 3 eck- Lo rto Nr. 1859. Amt Frankfurt a M. EkmIIigtS Kj,zn> M \t p»ei Kchklde null #i!f. Abermaliger Durchbrnchsverfuch vereitelt. — Die Anfiöi-urg Oesterreichs. — 4<>000 Tonnen versenkt. Der deutsche Geueraistab r== meldet: :—-----— z% W. T. K. Großes Karrptquartier, den 4. November Amtlich. Westlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe Kronprinz Rupprecht. Vorfeldkämpfe vor unseren neuen Linien nördlich von Eent BZir stehen hier am Kanal und am Westrande der Stadt in Eefecktsfühlung mit dem Gegner. Oestlich von Valenciennef- haben wir unsere Front vom Gegner etwas abgesetzt. Der Feind stand am Abend bei Onnaing-Iculain und Villers Pol. Beiderseits von Le Ouesnoy und Landrecies gesteigerter Arlii- leriekampf. Westlich von Landrecies wiesen wir erneute An- ariffe des Feindes im Gegenstoß ab. Heeresgruppen Deutscher Kronprinz und G a l l w i tz. Zwischen Oise und Aisne lebte die Artillerietätigkeit cre. Abend auf. Sie war nördlich von Guise und bei Banogne hier in Verbindung mit erfolglosen Teilanqrisfen des Gegners, von größerer Heftigkeit Im Anschluß an die gestern gemeldete Zu- riickverlegung unserer Front östlich der Aisne nahmen wir auch westlich der Maas unsere Linien etwas zurück. Vorfeldkämpfe südlich von Le Ehesne und bei Verrieres. Clarke Angriffe der Amerikaner zwischen Sommanthe und Vclval brachten wir im Walde südlich von Veloal zum Stehen. Auf dem östlichen Maasufer scheiterten heftige Teilangriffe, zwischen Maas und Mosel mehrfache Vorstöße des Gegners. Westlich der Mosel säuberten wir kleine, aus den letzten Kämpfen noch in Feindeshand gebliebene Grabenstücke. Der Erste Generalquartiermeister: Gröl, er. Am Mittwoch um 1 Ahr wird die Zeichnung auf die 9te Kriegsanleihr geschlossen! Willst Du zögem, bis es zu spät ist? Abendbericht« Berlin, 4. Nov., abends. (WB. Amtlich.) Gewaltiges Ringen zwischen Schelde und Oise. Der von Engländern und Franzosen auf mehr als 60 Kilometer breiter Front erneut erstrebte Durchbruch wurde vereitelt. Zwischen Le O."esn 0 k, und Landrecies fingen Reserven den Stoß des Feindes auf. Auf der übrigen Front brachten unsere vorderen Kampftruppen feinen Ansturm zum Stehen. Westlich der Maas haben sich am Walde von Dicuelt Kämpfe entwickelt. 46000 Tonnen verrenkt. Berlin, 3. Nov. (WB. Amtlich.) Im Sperrgebiet um England haben unsere U-Boote 1 6000 B r ft versenkt. Es handelt stch fast ausschließlich um tiefbeladene, nach den englischen Häfen einlaufend« Dampfer, darunter zwei Tankdampfer. Der Chef des Admiralstabes der Marine. Dank öks Küiikrs ün dag Wtllhttr. Berlin. 1. Nov. (WB. Amtlich.) Dank des Kaisers an bas Westheer. An Heeresgruppe Deutscher Kronprinz! Bei meinem Wiedereintreffen im Großen Hauptquartier hat mir der Generalfeldmarschall v. Hindenbnrg »rn«n4 über die außerordentlichen Leistungen des Westheeres in den letzten Monaten Vortrag gehalten. Allen Führern und Truppen spreche ich meine warme Anerkennung aus. Ich gedenke vor allem der Truppen an der Oise und Aisne. deren Tapferkeit die großen Pläne des Gegners bisher zunichte machte. Ich hege die feste Zuversicht, daß die Heeresgruppe auch fernerhin ihre Pflicht tun wird. Wilhelm I. I!. An die anderen Heeresgruppen des Westens hat der Kaiser ähnlich lautende Tc.'egramme gerichtet. Basel, 4 Nov. Haoas meldet aus Pari?: Die von den Alliierten seit dem 31. Oktober gemachte Beute umfaßt: Gefangene' 2472 Offiziere, 105871 Mannschaften. 2064 Geschütze, 13 639 Maschinengewehre. 1193 Minenwerfer. Die von den Alliierten seit dem 15. Juli gemachte Gesamtbeute beträgt an Gefangenen: 7990 Offiziere, 364 365 Mannschaften, 6217 Geschütze. 38 622 Maschinengewehre, 3907 Minenwerfer. O c st r v r c t ch-U ngarn. Kundgebung des österreichischen StaatsraieS. Wien, 4. Nov (WB.) Da° Präsidium des deutsch-ösier- leichischen Staatsrates verlaEcnt folgende Mitteilungen: Der Staatsrat faßte in ferner heutigen Sitzung folgenden Beschluß: Der Staatsrat hat die Mitteilung des Armeeoberkommando infolge der vollständigen Auflösung der Armee* gezwungen gesehen hat sich den Bedingungen des Siegers zu unterwerfen. Deutsch-Oesterreich bat keine eigene Armee. Seine Truppenkörper sind Verbänden zngeteilt, deren slawisch-magyarische Mehrheit nicht mehr kämpfen will. Daher ist Deutsch-Oesterreich, nicht imstande, den Kampf allein fortzusetzen. Aber wenn auch Deutsch-Oesterreich den Kampf an der Seite des Deutschen Reiches nicht allein fortsetzen kann sieht es doch nach wie vor in treuer Freundschaft zum Deutschen Reiche und will die Friedensverbandlungen in engstem Einvernehmen mit dem Deutsck>en Reiche führen. Es hält an der Hoffnung fest, daß aus dem Zusanunenbruch Oester- reich-llngarns eine staatliche Ordnung hervorgehen wird. Ter Staatsrat erk'ärt schließlich, daß er die deutschen Gebiete Süd- tirols. deren Besetzung durch Italien er nicht verhindern kann als eir^en unabtrennbaren Bestandteil des deutsch-österreichischen Staates betrachtet, unb daß die vorübergehende Okkupation dieser Gebiete das Selbstbestimmungsrecht des deutschen Südtirols nicht aufheben kann. Die italienischen Abgeordneten von Südtirol und^dem Küstenlande sprachen heute bei dem Leiter der Staatskanzlei Tr. Nenner vor. Im Namen ihrer Nation beglückwünschte der Abgeordnete Pittoni die Deutschen Oesterreichs zur Errichtung ihres eigenen Staatswesens rmd gab der Hoffnung Ausdruck, daß sich nach den vorübergehenden Erschütterungen die alte Freundschaft zwischen den beiden Nationen wiederherstellen werde. Dr. Renner dankte im Namen des Staats- lates für diese freundliche Begrüßung. Er hob hervor, daß die Deutschen das Land und Volk Italiens nicht nur geachtet, sondern geradezu geliebt haben und zu ihnen gepilgert sind. Das alte Regime Europas hat diese freundschaftlichen Be° Ziehungen zerstört. Das neue Regime der Demokratie, an dem wir arbeiten, wird hoffentlich diese Beziehungen wieder inniger als jemals gestalten. Anschluß an Deutschland. Wies. 4 . Nov. Der Staatssekretär des Aeußern von Deutsch- Oesterreich, Dr. Viktor Adler, begab stch zu dem deutschen Botschafter. Grafen Wedel, und überreichte ihm eine Kundgebung des Staatsrates. Darin wurde zum Ausdruck gebracht, daß Deutsch-Oesterreich den größten Wert auf eine dauernde Gemeinschaft mit dem Deutschen Reiche legt. Sie wird als Vorläufer des endgültigen Anschlusses an Deutschland aufgefaßt Alls der Tatsache, daß Dr. Adler sich zum Wortführer dieser Kundgebung macht, wird geschlossen, daß sich jetzt auch die Sozialdemokratie für den Anschlllß an das Reich zu entscheiden beginnt. — ■ ' nrff d rtj still Ailtttls du Dkuijch-Okßmkiil'kl-. Wien, 4 Nov. Der deutsch-österreichisck)« Staatsrat veröffentlicht einen Aufruf an das deutsche Volk in Oesterreich, in dem gesagt wird: Das Land ist in Gefahr. Das Heer löst sich in Um ordnung aus Auch die deutschen Soldaten verlassen leider ihr( Truppen, ohne zu bedenken, daß eine nicht ordnungsgemäß durch» geführte Abrüstung die Gefahr einer ungeheuren Arbeitslos^ kett und schrecklichen Hungersnot heraufbeschwört, daß Plünds, rungen und Brandstiftungen in bedrohliche Nähe rücken. Die Gefangenenlager überfluten das Land. Wir richten daher die Aufforderung an alle, sich ungesäumt bei den deutsch-öfter, reichischen Ersatzkörpern freiwillig zu melden, damit'Abteilunger gebildet werden, die zur Verteidigung von Hab und Gut ur c zur Verteidigung der Freiheit dienen sollen Nom, 3 Nov (WB.) Die Agenzia Stefani veröffentlicht folgende Note: Am Sonntag sind italienische Land- und Ma rinetruppen in Triest gelandet. Triest. 3. Nov (WB.) Heute um 4 Uhr nachmittags sin? sechs italienische Torpedojäger eingetroffen und legten as- Molo San Carlo an Der gewesene Triester Bürgermeister Dr Valeria und der Führer der italienischen Sozialdemokrater' Puecher als Vertreter des Triester Wohlfahrtsausschusses er. schienen zur Begrüßung und geleiteten den Befehlshaber der hier eingetroffenen Flottille in den früheren Statthalterpalass zum Sitze des Wohlfahrtsausschusses. Die Menge bereftete den gelandeten Truppen einen festlichen Empfang. Am Freitag nachmittag 4 Uhr waren schon sechs italienisch» Flugzeuge über Triest erschienen und kreisten eine Vierielftund lang in sehr geringer Höhe über Stadt und Hafen. Die zahl, reich angesammelte Menge begrüßte die Flugzeuge zum Teil mit Tücherschwenken und begeisterten Zurufen. Während sich dann fünf Flugzeuge entfernten, ließ stch das 6.. ein Wasser flugzeug, auf das Meer herab. Es wurde von einem Tende ongehalten und fein Insasse, ein italienischer Marineflieger von stürmischen Kundgebungen der Italiener empfangen uni zum Wohlfahrtsausschüsse geleitet. Er erzählte: Morgen mit. tag wird unsere Flotte in Triest eintreffen und in kürzester Frist in Triest und in dem anschließenden Küstengebiet Truppe*. Lebensmittel und das nötige Gerät landen. Die Italiener tit Trient und Triest Basel, 4. Nov. Die Agenzia Stefani berichtet aus. Nom: Unsere Truppen bewhten Trient und landeten in Triest. Tie italienische Trikolore weht -auf dem Schlosse von Bonconsiglio und im Gebiet von San Giuste. Die Kavallerie- spitzen zogen in Udiue ein. In Rom werden die Glocken deZ Monte Eitorio und des Kapitols geläutet. Kaiser Karl legt das Armee-Oberkommando nieder. Wien, 4. Nov. (WB.) Meldung des Wiener K. K. Korr- Bur. Kaiser Karl übergab am 2. November das Armeeoberkommando an Feldmarschall Frbrn. v. Koeveß. Ansgebrochene Kriegsgefangene. Wie», 2. Nov. (WB.) Zu den beunruhigenden Gerüchten über die Lage im Kriegsgefangenenlager Siegmundsherberg im Waldviertel, wonach 8000 kriegsgefangene Italiener aus dem Lager ausgebrochen feien und in der Umgegend plündernd umherziehen. erfährt die „Neue Freie Presse" vom Kriegsministe» rium folgendes: Das Wachtbataillon im Gefangenenlager Siegmundsherberg verließ unter dem Einflüsse der politischer Vorgänge der letzten Tage seinen Posten,' die vielfach aus sla. wischen Elementen bestehende Wachtmannschast ging einfach weg, um in die Heimat zu gelangen. Im Lager entstand infolgedessen große Unruhe, und es ist wahrscheinlich, daß in deren Verlaufe einige Kriegsgefangene tatsächlich entwichen sind: der Lagerbefehlshaber Oberst Buresch setzte sich aber sofort mit dem rangälteften gefangenen italienischen Offizier, einem Obersten, in Verbindung. Eine italienische Lagerwache zur Aufrecht r° Haltung der Ordnung wurde bestellt. Heute mittag hier ein- g gangenen Nachrichten zufolge arbeitet der italienische Wacht« dienst tadellos: im Lager herrscht wieder Ruhe. Damit eile« digen sich auch die Gerüchte, daß die italienisch n Kriegsgefangenen die Stadt Horn besetzt haben und Räubereien und Plünde" rungen im groß n Maßstabe verüben. Die Deute der Euiente. In Triest eingeionfen. Japans Kriegsziele. Die „Times" erfährt ans Tokio, daß Marquis Okuma. der Ministerpräsident war, als der Krieg ausbrach, in dem Blatt „Kokumin" einen Artikel veröffentlicht, in dem er die Bedingungen mirtellt. die Japan in Bezug auf die Angelegenheiten im fernen Osten als Basis betrachtet. England und die Vereinigten Staaten muffen entscheiden, was mit Samoa geschehen soll. Hauptsache ist. daß diese Inselgruppe nicht zur Deute Deutschlands im Stillen Ozean wird. Australien muß den deutschen Teil Neuguineas bekommen. Die Marschall-Jn- feln, die Karolinen und die Marianneninseln, die von Japan besetzt wurden, haben zwar für Japan keinen tatsächlichen Wert, in deutschen Händen aber würden sie eine Gefahr tarstellen. Da aber kein Grund vorliegt, aus dem heraus Japan sie in andere Hände geben sollte, wird Japan sie behalten. D>e jetzt unter japanischer Kontrolle stehenden telegraphischen Verbindungen die asingtau mit der Stillen Südsee verbinden, sollen Japan verbleiben. Auch die Eisenbahn von Tchinan behält Japan. Japan wird sich weiter mit den Alliierten über die Aufreckterhaltung der Ordnung in Sibirien zu verständigen haben. Alle Angelegenheiten in Bezug auf Konzessionen und Interessen in Ost- asien dürfen nickt so geregelt werden, daß sie einer Macht eine vorherrschende Stimme geben. In Bezug auf die Beziehungen Zwischen China und den anderen Mächten muß die Politik der offenen Tür und der gleichen Rechte fortbestehen. Ei» fMlibftrr Diffcriferr irttr (HiölMdlt'nm Einer der berühmtesten englischen Geschichtsschreiber im 19 . Jahrhundert. Edward Aug Fresman, hat in seinen „Ausgewähl- ten Abhandlungen" über die elsässisch-lothringifche Frage vom englischen ^Standpunkt aus Sätze geschrieben, die es verdienen angesichts- der französischen Propaganda mit den „natürlichen Sympathien der Elsäsier für Frankreich" dem Vergessen entrissen zu werden: „Unsere Gewohnheit, alle Plätze mit französischen Namen zu belegen, beschönigt die Schändlichkeit des französischen An- griffr». „Alsace" klingt, als handle es sich um ein von alterZ- her französisches Land. Das deutsche „Elsaß" vermittelt da- gegen eine ganz andere Vorstellung. „Cologne". „Mayence" .^Treves klingen, als wollten sie geradezu zur Annexion ein- laden, ebenso Liege, Malines, Louvain, und es ist kein Wunder, daß man Karl den Großen für einen Franzosen hält, wenn man fein Grab in einer so französisch klingenden Stadt wie 22°. ***** i^ht. Aber Köln. Mainz, Trier, Lüttich. schein, Aachen erbeben sich schon durch ihre Namen als Boll- wcrke gegen^ französische Angriffe. . . . Das Deutsche Reich hat manche ^^tuSelnvg erleiden muffen. Im 10 . Jahrhundert wurden die drei lothringischen Bistümer Mctz, Toul und Verdun durch cm Gemisch von Gewalt und List losgeriffcn Ein Akt ^ama aber uberbietet alle anderen, nämlich bzz staub ^tra^burgs mitten im Frieden durck Ludwig XIV." Dies« Sätze finden sich in Freemans Essay „Die Franken und ber .. 00r 1870 Sefchrieben war. Aus demselben eng-, nlchen Aussatz führt die ..Continental Times" vom 18. Oktober auch noch die folgende höchst zeitgemäße Stelle an: „Für jeden Angriff finden die Franzosen iinmer fein ausgeklügelte Gründe. Sie annektieren ein Land aus französischer Anwendung der Geographie, aus französischer Auslegung der Veroamrenheit ans französischer Auslegung der Sittlichkeit. Verträge werden gebrochen, alte Rechte mit Fiißen getreten, die Gere igkeit in den Wind geschlagen: ein Grund findet sich immer. Französische Schlauheit ist in gleicher Weife geschickt, die Lehre zu beweisin datz -ir, annektiertes Volk di- Annerian wünschen müsse, wie di- Tatsache,-dag es sie wirklich wünscht. { schuft, sondern der Herr Botschafter Joffe selbst, der dabei mir ausführendes Organ seiner Regierung ist. Wir haben schon in diesem Frühjahr Veranlaffung genommon, auf gewiffe intime Verbindungen hinzuweifen, die von Herrn Joffe zu unseren Unabhängigen und auch noch weiter nach links zu den Kommunisten vom Schlage des Herrn Rühle laufen. Diese sind inzwischen soweit gediehen, daß Herr Zubeil in öffentlicher Versammlung erklären konnte, die russische Regierung habe durch einen Vertreter den Unabhängigen offiziell Mitteilen laffen, daß sie die unvermeidliche deutsche Revolution mit allen Mitteln unterstützen werde. Wie. hat die „Prawda" vom 17, d. M. aus- einandergefetzt, indem sie schrieb' Jetzt von Worten zu Taten übergehen, will die Sowjet- regierung ungeachtet der härlesten Verpflegringskrisis denr deutschen Proletariat mit Brot und Waffen und Revolutions- erfahrungen zu Hilfe kommen. Zu diesem Zwecke wird das sozialistische Rußland seine besten Mitarbeiter nach den Ländern des Westens schicken, wo sie fruchtbaren Boden finden werden. Ein Berliner Vorortblatt. die „Zehlendorfer Tageszeitung" macht darauf aufmerksam, daß der letzte Teil dieses Programms schon verwirklicht worden ist durch die allmählige Entsendung von 3—400 „Kurieren" von Moskau nach Berlin und durch die Errichtung von bolschewistischen „Konsulaten" in den deutschen Provinzstädten, deren Tätigkeit man sich nach allem ausmalen knan - Man wörd danach eine Darstellung, die wieder an Ueber- griffe „untergeordneter Stellen" unserer prächtigen Sowjetver- trejung glauben will, als sträflich optimistisch zurückweisen und von der Regierung erwarten müssen, daß sie sich sehr eingehend mit diesen Dingen befaßt, ihre Aufmerksamkeit auch gegebenenfalls dem „Kuriergepäck" zuwendet und Herrn Joffe und seiner Regierung den Rat erteilt, sich freundlickst etwas mehr im Rahmen der Bestimmungen des Friedensschlusses zu halten. Jeldfrüchte stehlen, die schamlose Tauschgeschäfte mit Kriegs gefangenen und Schleichhandel in der Umgegend betreiben. Leider befinden sich auck Unteroffiziere unter diesen Anklagen. In dieser schweren Zeit, wo Ordnung und Selbstzucht dar. erste Gebot sind, versündigt sich ein jeder an seinem Vaterlande. der solche ehrlosen Subjekte nicht zur Anzeige bringt Die vom Kriegsministerium befohlenen Maßnahme, haben sofort in Kraft zu treten solange, bis eine Besserung, erfolgt ist. gez. v. Reßler. 1 Die Schnellmgs-Flchrpreise. »etiin, 29. Oft. lWB) In «ine- h-uiiaen Berliner 3et.' tung findet sich die Mitteilung, daß die deutschen Eisenbahnen den Abbau der Verteuerung der Schnellzngsfahrpreise zum 1 . April 1919 durch Herabsetzung von 50 Prozent beabsichtigen. Diese Nachricht ist unzutreffend An zuständiger Stelle ist von einer solchen Absicht nichts bekannt. Die Verteuerung der Schnellzugspreise ist so gehalten (Lösung der höheren Klassel, daß ihre Beseitigung jederzeit ohne weiteres möglich ist. Sie ist denn auch in Aussicht genommen, sobald die Vetriebsvezhäft- n'ffe es zulassen. Leider ist die Betriebslage zurzeit schwieriger denn je. Solange den Eisenbahnen die Verorderung wichtiger Lebensmittel, wie z. V. Kartoffeln, noch Schwierigkeiten berri- tet. kann an eine Aufhebung der Zuschläge nicht gedacht werden Derkrhr mit HMe,-ftrnchteir. Demokratie und „VAkrr'. und". Non Dr. Karl M e h r m a n n - Koblenz. / Graf v. §chmrrm-Wmch f Berlin. 4. Nov. (WB.) D-r Präsident des Abgeord- netenhauses. Graf von Schwerin-Läwitz, ist heute nachmittag 4 Uhr in seiner Amtswohnung in Berlin seinem Leiden er- Legen. Bolschewismus und Uegiernng. . In -in-r Berliner Vororheitnng, d-r „Zchlendorfer Tageszeitung , werden geradezu abenteuerliche Enthülliuizcn über das Treiben der Berliner diplomatischen Vertretung der Sowjet- regrerung gemacht, die von rechtsstehenden Berliner Blättern nachgedruckt werden. Rach diesen Enthüllungen ist der diplomatische Vertreter der Sowjetregierung. Joffe, an der Arbeit, um das ganze Reich unter dem Schutz der Exterritorialität mit einer Menge anarchistischer Filialen zu überziehen, und zwar sind dies dre Konsulate der Sowjetrepublik, die überall eingerichtet werden. Das Zehlendorfer Blatt weist unter anderem auf den erstaunlichen Kurierverkehr der russischen Botschaft hin und behauptet daß bei Herrn Joffe währen) seiner Berliner Amts- fuhrmrg bisher nicht veniger als 3 biß 400 Kuriere aus Petersburg und Moskau eingetroffen feien, von denen man nicht wiffr. wo sie geblieben feien. Auch fei ein umfangreicher Waffen- fchmuggel aus Rußland im Gang und insbesondere würden Handgranaten 'eingeführt. .. . 3*^» mmmt auch die „Deutsche ^Tageszeitung" Stellung zu dreien Vorgängen, indem sie schreibt: Das Kriegskabinett hat sich in den letzten Sitzungen endlich mrt einer sehr dringlichen Angelegenheit beschäftigt, den bolsche wiittfchen Umtrieben nämlich, die von der hiesigen russischen Botschaft ihren Ausgang nehmen. Es sollen dagegen verschiedene sich als notwendig erweisende Maßnahmen erwogen und Le,chloffen ^worden sein. Wenn die „Zentrums Parlaments-Korrespondenz" in diesem Zusammenhang von „untergeordneten Stellen der russischen Botschaft spricht, so ist das irreführend. handelt sich um Agitationen, die auf direkte Veranlaffung bei Svwjetregierung in Moskau erfolgen, von denen Lenin in aller Oe,fentlrchkeit gesprochen hat, und die in der russischen Bolsche-wistenpreffe eingehend erörtert worden sind. In ihrem Mittelpunkt steht nicht etwa der Türhüter der russischen Bot- Das Eigentümliche der Demokratie ist die Verwischung aller Unterschiede in der kompakten Masse. Es ist kein Wunder, daß I es gerade die demokratische Wcltauffafsuna ist, die für den I Wilsonschen „Völkerbund" schwärmt. Denn Wilson fordert das Verschwinden aller besonderen Staatenzusammenschlüsse innerhalb seiner „Liga der Nationen": Warum dieser Fuchs eine derartige Forderung stellt, ist vom amerikanischen Standpunkt ohne weiteres verständlich. Er weiß, daß für die Vereinigten. Staaten der letzte und heißeste Entscheidungskampf noch aus- j Er fühlt und spürt den amerikanisch-japanischen Gegensatz an allen Ecken des Stillen Ozeans. Er will den künftigen Gegnern jede Möglichkeit einer Mächteverbindung nehmen: er will ihnen insbesondere die Interessengemeinschaft mit einer im Gegensatz zum Angelsachsentum stehenden deutschen Weltmacht zerschlagen. Ihm liegt also an der dauernden Ohnmacht des Deutschen Reiches Er selber aber sucht durch möglichste Befriedigung der Wünsche seiner europäischen Verbündeten deren Kräfte für immer in seinen Dienst zu stellen. Die Zertrümmerung des mitteleuropäisch-balkanisch-vorderasiatlschen Vierbundes ist die Voraussetzung der Niederhaltung oder Bezwingung des Gegensatzes Japans zu Amerika. Es zeugt von dem vollen Unverstand der deutschen Demokratie in Fragen der auswärtigen Politik, daß sie sich dazu her- grbt. Wilsons Verlangen nach Aushebung der Sonderbündniffe in ihr Völkeröundsprogramm aufzunehmen. Es hat noch niemals eine Organisation bestanden, die nicht gegliedert war. Jede Organisation ist U'ber- und Unterordnung. Ein Zwang, der alles gleichmacht, unterdrückt die Besonderheiten der organisierten Menschen oder der organisierten Staaten, raubt also der Menschheitsentwicklung gerade ihre wertvollsten Kräfte. Deutsche Demokraten. die auf den Leim des Eimpelfängers Wil- * son kriechen, arbeiten daher dem Ideal entgegen, das sie Über die nationale Wohlfahrt stellen, der Entwicklung der Mensch- heitskultur. Wir siir unseren Teil, die wir nicht so hohe Sprüche machen, die wir uns begnügen, der Menschheit zu dienen, indem wir die nationale Eigenart des Deutschtums auf's Allerschärfste herauszuarbeiten suchen, wir stemmen uns einer V'ölkerdemokra- tte entgegen, die für das deutsche Volk zum Verderben führt, weil sie unsere Kraft für amerikanische statt für deutsche Jn- teroffen dienstbar machen. Wir wollen frei sein, wie die Väter waren. Pm srr'lggserd'MkttUj int hntie Knipp. Der Dortmunder „General-Anzeiger" berichtet: „Das Vcrdiensttreuz für Kriegshilfe erhielten auf der Kruppschen Villa Hügel und deren Umgebung die Haushälterin Rothe, die Wirtschafterin Kullick, die Haushälterin Holzhüter, der Küchenmeister Dorst, der Diener Groß, der Hausmeister Hirschfeld, der Diener Bechern, der Diener Fiernkothen, der Küchenmeister Schlicker, der Stallmeister Brunner, der Bereiter Buffas, der Kutscher Rercke, der Oberchausfeur Heiseler, der Schneidermeister Keffel, die Haushälterin Behrendt, der Portier Hörnemann, der Waldarbeiter Drießen und verschiedene andere. Es wäre doch interessant zu erfahren, welche Verdienste sich die Herren Haus- und Küchenmeister um den Krieg erworben haben. Ein Zeichen der Zeit. Aus dem Kriegsgefangenenlager Limburg a. d. Lahn wird der „Rh. Ztg." in Köln folgender Jnfpektionsbsfehl übermittelt, den der Kommandierende General v. Reßler dieser Tage an die Angehörigen des Stammlagers erließ: Ich spreche den Angehörigen des Stammlagers mein größtes Mißfallen aus über den Mangel an Zucht und Disziplin, der in diesem Lager herrscht. Dem Kriegsministerium sind Beschwerden zugegangen, in denen die Angehörigen des Lagers nicht als Soldaten, sondern als eine Horde von Strauchdieben bezeichnet werden, die den Bauern rücksichtslos die Die Reichs zetreidestelle hat ein besonderes Rundschreiben über den Verkehr mit Hiufenfrückten^ zu Saatzwecken erlaßen. Sie betont darin, daß schärfere Ueberwachpngsvorschriften als beim Sommergetreide deshalb unbedingt erforderlich sind, weil leider auch noch im vergangenen Jahre erhebliche Mengen wertvollsten Saatgutes für Speisezwecke im Schleichhandel vertrieben worden sind. Es ist deshalb an der bereits im Vorjahre bestehenden scharfen Zentralisation festqehalten worden. Aus der anderen Seite sind jedoch wesentliche Erleichterungen eingetre- ten, aus Grund heren eine glatte Versorgung der Landwirtschaft mit dem. nötigen Saatgut gewährleistet ist. Bei Hülsenfruchtiaatgut sind drei Sorten Saatgut zu unterscheiden' Eemüsesaalgut, Original- und anerkannte Absaaien und gewöhnliches Saatgut (Handelssaatgut). Obwohl nach der B.'itimmung des § 11 der Saatgutverordnung vom 27. Juni 1918 (Reichs.Ee^tzbl. S. 677) Saatgut von Hülsenfrüchten grundsätzlich nur an die Reichsgetreidestelle abgesetzt werden darf, wird die Reichsgetreidestelle den freien Absatz von Ge- müsesaatgut und Original- sowie anerkannten Absaaten an zu- gelasiene Händler oder zngelaffene landwirtschaftliche Veruss- vertrettlngen. Genoffenschaften und dergleichen sowie unmittelbar an Landwirte auf Anttag gestatten. Nötig ist aber in jedem einzelnen Fall ein besonderer Antrag, in dem genau Art und Menge des Saatgutes, das verkauft werden soll, sowie Name und Wohnort des Käufers anzugeb-'n ist. (Sammelan-' träge zulässig). Die sonstigen Bestimmungen der Saalgutverordnung über den Saatgutverkehr, namentlich der Bestimmung über die Saatkarle, bleiben selbstverständlich unberührt und stnd auf das sorgfältigste einznhalien. Als Gemüsesaatgut gelten nur diejenigen Sorten, die io einem besonderen, von der Reichsgetreidestelle im Reicksanzeiger zur Veröffentlichung gelangten Verzeichnis aufgeführt sind. Beim Vertrieb von Gemüsesaatgut dürfen die von der offiziell len Preiskommission ftir Eemüsesamen festgesetzten Richtpreise nicht überschritten werden. Gin Verzeichnis tzpr Richtpreise kanil von der Geschäftsstelle des PreiZuerbandes für Gemüsesamen iw Aschersleben gegen Einsendung von 50 Pfg. bezogen werden. Unter der Bezeichnung „Original- und anerkannte" Absaaien dürfen nur Hülsenfrüchte solcher Wirtschästen veräußert werden,? deren Züchter in dem von der Reichsgetreidestelle im Reichs- anzeiger veröffentlichten Verzeichnis als Erzeuger von Original- oder anerkannten Absaaien ausgeführt sind. Da eine Notwendigkeit für den Vertrieb von Hlllsenfrucht- saatgut im Spätherbst nicht besteht und außerdem eine Entlastung der Bahn im Jntereffe der Getreide- und Kartoffel- transporte dringend notwendig ist, darf der Saatgutverkehr erst nach dem 1. Januar 1919 einsetzen. Obwohl Originalsaaten und anerkannte Absaaten reichlich vorhanden sind, so daß hierdurch der wirtliche Bedarf an Saatgut zu einem erheblichen Teile gedeckt wird, hat die Reichsgetreidestelle besondere Vorsorge getrossen, den Verkehr mit sog. Handelssaatgut möglichst einfach zu gestalten. Als Handels, faatgut gilt nach 8 12 der Saatgutverordnung nur solches Saat, gut, das von der Reichsgetteidestelle oder einer hierzu bestellten Saatstelle, meist die Landwirtschaftskammer, als zur Saat geeignet erklärt worden ist. Ueber den Verkehr mit derartigem Saatgut gilt folgendes: Zunächst sind die Kommunalverbände ermächtigt, den Absatz unmittelbar von Landwirt zu Landwirt zu gestatten, wenn b.ide Landwirte in ihrem Bezirke wohnen, oder wenn das Saatgut nach einem angrenzenden Kommunalverband ausgeführt werden soll. In dem Antrag an den Kommunalverband auf Genehmigung des Verkaufs von Handelssaatgut ist der Rame des Käufers und die Menge genau zu bezeichnen. Ebenso sind selbstverständlich die sonstigen Bestimmungen der Saatgut Verordnung, namentlich über die Saatkarten, einzuhalten. Will ein Landwirt sein Saatgut an einen anderen Landwirt in einem abgelegeneren, nicht angrenzenden Kommunalverband veräußern, so hat er die Genehmigung hierzu ebenfalls bei seinem Kommunalverband in der gleichen Weise zu beantragen. De, Kommunalverband wird alsdann den Antrag an die Reichsge. treidestelle weiterleiten. > Ferner sind die Kommunalverbände. Saatstellen, landwirt-' schaftliche Berufsvertretungen, Saatbauvereine usw. berechtigt, Len Verkehr von Landwirt zu Landwirt innerhalb ihres V> .irks in der Weise zu vermitteln, daß sie Angebot Nachfrage bet sich sammeln und Verkäufer auf diese Weise zusammenbriugem, Endlich wird die Reichsgetreidestelle auf ihren Sammellagcrnl eine größere Menge Saatgut hinlegen, die im Frühjahr durch die Kvmmunalverbände nach Nachweisung des Bedarfs ;uu Vstz» fethmg gelangen wird. Anträge auf Zuweisung von Hülsenfruchtsaatgut sind deshalb stets, soweit der Bedarf nicht unmittelbar von Landwirt zu Landwirt gedeckt werden kann, an den Kemmunaloerband zu richten. Zur Schaffung der Bestände der Neichsgetreidestelle gilt folgendes Verfahren: Will ein Landwirt seine Hülsenfruchte sls Saatwarc an die Geschäftsstelle der Reichsaetreidestelle verankern. so hat er sie grundsätzlich in derselben Weise zur Ablieferung zu bringen, wie die zu Speisezwecken bestimmten Hülsenfrüchte. Die Saatguteigenschaft muh jedoch durch ein besonderes, von der zuständigen Saatstelle ausgestelltes Zeugnis nachgewiesen werden. Dieses Zeugnis kann der Landwirt sich entweder vorher besorgen, ehe er seine Hülsenirüchte als Saatgut dem Kommissionär des Kommunalrerbandes anb'etet. oder aber die Ausstellung des^ Saatguterzeugnisses erfolgt, nachdem die betreffende Partie von dem Kommissionär übernommen und dem Sammellager zugegangen ist. (Die Neichsgetreidestelle wird als Saatgüt nur Mengen über 5 Doppelzentner übernehmen. Es kommt für sie darauf an. nur größere geschlossene Partien einheitlicher Herkunft zu besitzen, um ein gleichmäßiges Saatgut zur Verteilung bringen zu können, was bei Zusammenstellung vieler kleiner Posten unmöglich wäre. Dadurch werden aber die kleineren Landwirte in keiner Weise benachteiligt, da sie die Möglichkeit haben, ihr Saatgut durch unmittelbaren Absatz an Landwirte, nötigenfalls aber durch die vermittelnde Tätigkeit der Kommunalverbände. Lcmdwinschaftskammern oder sonstige landwirtschaftliche Verufsvertretungen abzusetzen. Für den Verkehr mit Buchweizen und Hirse zu Saatzwecken gellen die gleichen Bestimmungen mit der Maßgabe, daß der Saalgutzuschlag nicht 15 Mark, sondern 9 Mark für den Dopvel- zentner beträgt. Soll Buchweizen und Hirse den Sammflstellen als Saatgut angedient werden, dann ist das nach § 12 der Samgutverordnurip nötige Saatzeugnis, welches die zustärrdige Saatstelle auszustellen hat, vorher vorzulegen. Die deutsche Erde. Venn die Stürme des Krieges vorüber sind, wird die deutsche Erde mehr denn je zuvor ihre Pflicht hm müssen, um gute Ernten zu liefern. Kein brauchbares Stückchen Ackerland darf danw ungenutzt bleiben. Und wir haben noch viele j Strecken Landes, die der landwirtschaftlichen Bebauung erschloß 1 jen werden können Auch in Deutschland gibt es noch^Oed- Moor- und Heideländer, die durch zweckentsprechende Behandlung in Frucht liefernde Hektare umgewandelt werden können. Hielbei können bunderttausende von Menschen Beschäftigung finden, die zunächst beim Uebergang vom Krieg zum Frieden beschäftigungslos sein würden, wenn es in den Fabriken noch an Rohstoffen fehlt. Nah den letzten amtlichen Zusammenstellungen gibt es im Deutschen Reiche 31 834 <*74 Hektar Land, die landwirtschaftlich benutzt weroen. Dieses große Arbeitsgebiet verteilt sich auf 5 736 U82 Betriebe. Davon haben 36 759 Brennereien. Die meisten Betriebe haben eine Größe von weniger als einem Hek. tar. Mehr als 1000 Hektar umfaßen nur 369 Betriebe. 500 bis 1000 Hektar groß sind 3100 Betriebe. Von diesen 32 Millionen Hektar Ackerland kommen 21 Millionen aus Preußen, und zwar auf insgesamt 3% Millionen Betriebe mit 5200 Brennereien. Hier finden wir 840 Betriebe mit mehr als 1000 Hektar Ackerland. Da auf das ganze Reick, nur 369 solcher Riesenbetriebe kommen, verteilen sich also auf das übrige Deutschland nur noch 29. Von den zwölf preußischen Provinzen stellt Schlesien das meiste Ackerland zur Verfügung, nämlich mehr als 214 Millionen Hektar, die sich auf 367 000 Betriebe verteilen. Von diesen haben 27 einen Umfang von mehr als 1000 Hektar. Ostpreußen schließt sich mit ebenfalls 2% Millionen Hektar landwirtschaftlich benutzter Fläche an, die von 219 000 Betrieben bearbeitet wird Hier ist aber die Zahl der Großbetriebe auf 68 gestiegen. Mehr als 2 Millionen Hektar Ackerboden bringt die Provinz Dosen auf. wo 205 000 Betriebe gezählt werden, darunter 83 Großbetriebe. In dieser Provinz gibt es also die meisten Güter mit mehr als 1000 Hektar landwirtschaftlich benutzter Vodenfläche. -.uch die Provinz Brandenburg bearbeitet mehr als 2 Millionen Hektar. Sie hat 53 Großbetriebe. Fast 2 Millionen Hektar unter dem Pflug hat die Provinz Pommern, die 51 E'wß- guter aufzuweisen hat. Die Provirrzen Sachsen und Hannover bearbeiten 1.7 Millionen Hektar. Die elftere zählt 319 000 Betriebe die letztere 378 000 Mährend wir in der Provinz Sachsen aber noch 21 Großbetriebe finden, sind es in Hannover nur l. Westpreußen bringt es nur auf 1.5 Millionen Hektar Ackerland mit 32 Großbetrieben,' SchleswigrHolstein auf 1,4 Millionen Hektar mit 2 Großwirtschaften, Rheinland auf 1,3 Millw- nen Hektar mit keinem Betriebe von mehr als 1000 Hektar, ^rer Tinbet sich auch nur ein Betrieb zwischen 500 und 1000 Hek- iat. Westfalen mit 1,2 Millionen Hektar Ackerboden bietet 3 gro^e Euter von mehr als 500 £e!tctr und eins von mehr als !nnÜ %??**’ Hesftn-Nassau hat 735 000 Hektar Ackerfläche, kern 100. Hektar-Gut, wohl aber eins von mehr als 500 Hektar. «chliegUch kommt noch Hohenzollern mit 62 000 Hektar Land. Der größte Betrieb umfaßt hier etwa 300 Hektar. Bon den 37 069 Brennereien, die es im Reiche gibt, liegen 5236 in Preußen. Der Zahl nach die meisten Brennereien hat Baden, näm- Slch 17 349. Das sind meist Obstbrennereien, während die preu, vtzchen Brennereien meist Kartoffeln brennen. Während also Preußen 21 Millionen Hektar Landes zur Fruchtgabe herrichtet, stellt von den anderen Bundesstaaten Bayern 4 2 Millionen Hektar Ackerboden. Güter über 1000 Hektar gibt es hrer mcht. wohl aber 15 mit etwa 600 bis 1000 Hektar Ackerland. Württemberg bietet 1,1 Millionen Hektar und em Großgub Dann folgt Mecklenburg (Schwerin und Stre^ Million Hektar und 22 Großwirtschaften. Das Königreich Sachsen stellt sich mit 975 000 Hektar in die Reihe S5nno m n *T m fMsch-Lothringen mit I“Z 5 1'w ® " mit 712 00 ? S-ktar schlichen sich an. ^luch hier fmdet man die 1000 H-ktar-Erenze nicht überschritten, ff? vereinigte Thüringen wartet mit 698 000 Hektar auf Hessen mit 427 000 Hektar, Oldenburg mtt 340 000 Hektar, Braun- schwetg mit 218 000 Hektar und Anhalt mit 146 000 Hektar. Das kleine Anhalt weist auffallenderweise wieder 5 Betriebe auf, die mehr als 1000 Hektar Ackerland bewirtschaften. Das Gebiet, das im Bereich der Freien Städte landwirtschaftlich benutzt wird, ist naturgemäß nur klein. Immerhin gibt es im Hamburger Lande noch 14 919 Betriebe, die 25 000 Hektar landwirtschaftlich bearbeiten. Die vier größten Betriebe haben je etwa 300 Hektar Umfang. Lübeck stellt mit 5764 Betrieben etwa 19 000 Hektar Ackerboden zur Verfügung, Bremen mit 12 833 Betrieben nur 16 968 Hektar. Hier ist kein Betrieb größer als 100 Hektar. Auch aus diesen Zahlen ersehen wir, daß die Kornkammern Deutschlands im Osten liegen, wahrend Kohlen und Eisen im Westen zu finden sind. Der „Nolksstaat" Hesten. Also Hesien soll nun auch zu einem Volks st aat umgewandelt werden und die Kammer soll in dieser Woche dazu Stellung nehmen. Eigentlich haben wir ja von einer Beeinträchtigung der Volksrechte bisher nichts bemerkt, das Landtagsund Gemeinde-Wahlrecht in Hessen gehörte wohl mit zu den freiesten im ganzen Deutschen Reiche. Außerdem hat man stets auf die Wünsche und Vorschläge der Linken weitgehendste Rücksicht genommen, weil man Angst vor dieser Seite hatte, während auf die Vorschläge der bäuerlichen Vertreter meist nicht gehört wurde. Aber was tut's? Die demokratische Welle schlägt nun auch zu uns über und wir müssen uns wohl oder übel mit den gestellten Anträgen beschäftigen. Die Anträge sind eingebracht von den Abgg. Reh und Henrich, die der freisinnig-demokratischen Partei angehören. Dir Stellungnahme des letzteren Abgeordneten wundert uns nicht denn er fühlt sich als Volksbeglücker von Beruf ausersehen, sich in alle Dinge zu mischen. Dagegen können wir nicht umhin, unsece! ^ars>laar TaUcn soll, ist zu bekämpfen. Wenn nicht eine bestimmte Wohn- dauer vorgesehen ist. so können die Elemente, deren Cache auf nichts gestellt ist, im Falle einer Rachuvahl von Wahlkreis z» Wahlkreis ziehen und jedes Mal ihre Stimmen abgeben. Wenn es schon für die bodenständigen Wähler keine Bevorzugung geben soll, so wäre es aber doch unsinnig, wenn man den Prole» tariern auf Umwegen gewisiermaßen Pluralstimmen gewähre« wollte. Sine weitere Forderung bildet die Verhältniswahl und gegen sie mochten wir am lautesten unsere Stimme erheben. Die Forderung hat anscheinend etwas bestechendes, sie erscheint gerecht, weil die Minderheiten durch sie geschützt werden sollen Sie mag auch für die Städtewahlen eingeführt werden. Aber sie auf's ganze Land auszudehnen, heißt den Wählern das wich, tige Recht ans der Hand zu nehmen, sich den Mann ihres Vertrauens zu erküren. In der Verfassung ist von einer Partei keine Rede, die Wähler sollen in die Volksvertretung einen Vertreter wählen, von dem sie annehmen, daß er ihren Wahl- kreis und damit dem ganzen Staate nützen werde. Bei der Verhältniswahl spielt die Tüchtigkeit des Mannes als solcher keine Rolle mehr, die Partei entscheidet einzig und allein, j Die Parteibonzen und Prinzipienreiter werden aufgestellt und \ die Wähler dürfen nur Ja und Amen sagen. Es werden nicht Verwunderung darüber auszudrücken, daß gerade der Abg. Reh solche Anträge stellt und noch mehr über die Tonart, die ft ihnen zum Ausdruck kommt. Abg. Reh ist persönlich ein durchaus i'-c .i'swLrdiger Mann, dabei ist er als tüchtiger Jurist bekannt unö seine Vereillgung im Verwaltungsleben müßte ihm doch die Erfahrung gelehrt haben, daß man mit demagogischen Phrasen in der Praxis nicht weit zu kommen pflegt. Wir sagten, daß uns die Tonart auffällt, die in den Anträgen zutage tritt. „Die volle gesetzgebende und die Reichsge- walt", so beginnen die Anträge, „gehen auf das Volk über" „Es gibt nur einen gesetzgebenden Faktor, der vom Volk gewählte Landtag". Es liegt so eine 1848er Tonart in diesen Worten und es fehlt nur noch der Zusatz: Ferschte zum Land hinaus! den man damals gesungen hat. Phrasen hat man zu dieser Zeit übergenug gedroschen, aber die deutsche Einheit wurde von keinem parlamentarischenPhrasendrescher, sondern von einem Mann der Tat aufgerichtet. Weiß denn Herr Abg. Reh nicht, daß die schönen Reden von dem souveränen Volk eben nichts sind als Redensarten, die himmelweit von der Wirklichleit entfernt sind. Und wenn er das nicht weiß, dann möge er einmal einest sehr treffenden Aufsatz Nachlesen, den die ihm nahestehende „Frankfurter Zeitung" i. I. 1914 über das parlamentarische System in Frankreich geschrieben hat und in dem vachgewiesen wurde, daß weitaus die meisten Parlamentarier elende Kreaturen der jeweiligen Regierung seien, die es gar nicht wagen dürfen, gegen den Stachel zu loken, ansonsten sie ihrer Pftünde, als die der Parlamentssitz zu betrachten ist, verlustig gingen. Doch zur Sache' Der erste Teil der Anträge befaßt sich milder Verfasiungsurkunde. Daß die Rechte der Krone nur auf eine rein repräsentative Betätigung beschränkt werden soll, wird an dem bestehenden Zustand nicht viel ändern, denn unter dem gegenwärtigen Großherzog ist's schon so gewesen. Daß die besonderen Rechte der Stendesherren und des Lldels beseitigt und die Fideikommiss- aufgehoben werden sollen, ist eine Forderung, über die sich reden läßt. Bedenklich dagegen ist die Forderung, das Familieneigentum des Großherzoglichen Hauses solle in das freie Eigentum des Staates übergehen. Die Forderung hat einen mehr demagogischen Charakter. Bekanntlich kommt heute schon die Nutznießung der Haus-Domänen dem hessischen Staate zu und des ist die Hauptsache. Will man das Eigentumsrecht beseitigen, so darf man aber auch vor den großen Kasienschränken nicht Halt machen. Wir glauben, daß sich dort Vermögen finden, deren Herkommen weit bedenklicher sind, als das des Großh. Hauses und mit deren Konfiskation dann folgerichtig fortgefahren müßte werden. Der zweite Teil der Anträge hat das Wahlrecht zum Ziel. Die erste Kammer soll beseitigt oder höchstens eine berufsständig gegliederte Stcindekammer in Frage kommen. In unserer heutigen Zeit, wo alle Autorität fallen soll, ist ja eine solche Forderung ganz in Ordnung und doch sind wir überzeugt, daß so mancher linksstehende Abgeordnete manches Mal im Herzen froh gewesen ist, daß es eine Erste Kammer gab; gar oft hat so ein Volksrurrtreter einer Forderung von Partei und des Prinzips wegen zugestimmt mit der stillen Hoffnung, daß sie an dem Widerstand der Ersten Kammer doch nicht zur Erfüllung käme. Im übrigen sind wir damit einverstanden, daß bei der Zusammensetzung der Ersten Kammer mehr die berufständige Gliederung in Frage kommen soll. Unseren best. Standesherren fehlt meist das freudige Bekennen zu gefestigten Grundsätzen, wie wir es beim preußischen Adel schätzen,' es haftet ihnen was seniles an, «as schon äußerlitz. dadurch in Erscheinung tritt, daß ein Vertreter des neuen industriellen Adels die geistige Führung in der Ersten Kammer an sich gerissen hat. Unsere größten Bedenken richten sich gegen die beantragten Aenderungen im Wahlrecht zur Zweiten Kammer. Daß die Altersstimme fallen soll, mag hingehen. Sie war gedacht als ein Korrigens gegen die radikale Stimmung, die öfters der Jugend innewohnt; aber wir geben ^u, daß sich auch begründete Bedenken gegen die Alterszusatzstimmen geltend machen lasten können. Gegen das Frauenwahlrecht sind wir grundsätzlich und glauben auch nicht, daß mit dem Wahlrecht einer wahrhaften deutschen Frau ein Gefallen getan oder ein Nutzen geschafft wird. Daß alle Veschrärrkungen zum Wahlrecht, auch die Mohndauer. mehr Männer gewählt, sondern die Stimmen werden für die Parteien abgegeben. Da wir uns nicht für eine Partei- Herrschaft in Reinkultur begeistern, so wüsten wir uns gegen die Verhältniswahl entscheiden. Daß alle drei Jahre neu zum Landtag gewählt werden soll, schließt den Blütenkranz der freisinnigen Forderungen. Offenbar waren die Genosten von der roten Fakultät peinlich berührt, daß ihnen die Rosa'nen den Wind aus den Segeln genommen hatten. Sie tagten in Darmstadt und verlangten „mit gebietender Stimme ein neues Hesten. Hessen wüste ein Volksstaat sein", die „parlamentarische Herrschaft" müste ge- erweitert werden. Das Bundesratsmitglied müste durch das Volk gewählt werden. Inzwischen ist auch ein An- trag der sozialdemokratischen Fraktion im Landtag eingelaufen. der nach dieser Richtung vorgeht. Mit manchem kann man einverstanden sein, so mit einer Aenderung der Mahlen zum Kreistag. Es wird aber verlangt: Verhältniswahl für Staat, Provinz, Kreis und Gemeinde (Männer und Frauen) auf dreijährige Wahlperiode, wobei alle Sicherungen fallen sollen. Hei. das gibt ein fröhliches- Wählen für den Landtag, für den Provinziallandtag und Kreistag, für Gememdcrat und Vundesrat, alle drei Jahre? dazwischen Bürgermeister- und Veigeordnetenwahl. Da kommet wir gar nicht mehr aus den Wahlen heraus und können alle andere Arbeit liegen lasten. Dabei ist es nur ein Vorspiel von dem. was kommen soll, denn vorbeugend lagt der sozialdemo. kratische Aufruf: „Vis jetzt ist nur der Anfang zur Volksregie, rung gemacht, die zerschlagene Bresche muß erweitert werden" Da eröffnen sich ja schöne Aussichten! Umsomehr erwachst dem' ehrlichen Volksvertreter in Hesten die Pflicht, die Anträge unbekümmert um die Zeitströmungen zu prüfen und sich nicht von demagogischen Schlagwörtern verleiten zu lasten. Von der Wählerei ist noch kein Land glücklich geworden und wir fürchten. je mehr die Phrase gebraucht wird, das Volk soll sich selbst regieren, umso weniger hat das Volk etwas zu sagen. ANS htv Heimat. D-rs Aufbewahren des Bucheckernöles. Das Oel der Bucheckern hält, was Güte anbetrifft. etwa die Wage zwischen mittlerem und gutem Leinöl. Es wird sehr schwer ranzig, weil es wenig freie Fettsäuren enthält und gilt raffiniert im Geschmack sicher und beständig. Unsere Mütter, die alle noch viel Buch, cckernöl verbrauchten, haben es in sauberen Krügen, gut verkorkt, im dunklen Keller aufbewahrt, wo es feine Qualität sicher gehalten hat -Daraus folgt, daß man sich nicht übermäßig um das Nachlasten der Qualität beim Aufbewahren, auch des nicht raffinierten Oeles. innerhalb des Wirtschaftsjahres zu sorgen hat. Alles Speiseöl soll unter möglichstem Licht- und Luftab- schluß aufbewahrt werden, weil sowohl Licht wie Luft zersetzend' auf die Glnzerine des Oeles einwirken. Geschieht das, so ist ein Verderben nur dann zu fürchten, wenn das Oel Unreinig-' keiten enthält. die bei ihrem längeren Aufbewahren durch ihrs Zersetzungsprodukte auf das Oel Einfluß nehmen. Dortelweil. In einer der letzten Nächte wurden hier nicht weniger wie 50 Hühner, außerdem noch etliche Gänse gestohlen. Unter dem Betroffenen befindet sich auch ein' Eisenbahner, ein braver Mann, der sich auch redlich plagest, muß und dem seine sämtlichen fünf Gänse gestohlen worden; swd. Dns öftere Vorkommen der Geflügeldiebstähle läßt', ans das Vorhandensein einer organisierten Diebesbande schließen, die in einem benachbarten Dorf ihren Sitz hat. §j\ Hanau, 3. Nov. Nachdem Landrat und PolizeidirektoF Geh. Regierungsrat Frhr. Laur von Münchhofen zum 1. Nov. d. I. als Regierungsrat an die Kgl. Regierung in Hildesheilst versetzt worden ist, wurde der im Ministerium des Innern ii^ Berlin tätige Regierungsrat Schmitt mit der Verwaltung deS Landratscrmtes Hanau betrau. TTO. Oberfcelöcrch, 1 . Nov. Die Mühle des Mühlenbesitzerst Wilhelm Link dahier wurde wegen Unzuverlässigkeit geschlossen. JrtrilsMrtfMjrisftSSÄ Offene Stellen: 3 Knechte. 1 Tagelöhner, 2 Fabrik-Schlosser, 2 Hilfsarbeiter,' Kriegsbeschädigte, 12 Dienstmägde, 2 Wirtschafterinnen. 8 Hausmädchen, 1 Lamrettköchin. 1 Melkerin, 1 Weißzeugbeschlteßerrn. Für Etappe: Männliche und weibliche KrLfte für alle Berufe. Stellensuchender Mehrere Melkerfamilien und ledige Melker. Verantwortlich für den politischen und lokalen Teil: Otto Hirsche!. Friedberg; für den Anzeigenteil: R. Heyne r, Friedberg. Druck und Verlag der „Neuen Tageszeitung*/ A. G.. Friedberg i. G. Norzerrsnampse Roman von Helene Schütky, geb. von Gersborff. ' f (Copyright 1915 by C. Ackermann-Stuttgart.) 30) Nachdruck verboten. DlesL Demut und Verwirrung gefiel dem herrschsüchtigen alten Manne ungemein. Nichts war ihm so angenehm, als wenn jemand vor ihm kroch und fast vor Angst zu vergehen schien. Außerdem nntßie das Verhalten des Marquis wirklich einen vollkommen uneigennützigen Eindruck machen. Er durfte jetzt die Früchte seiner langen Geduld pflücken, wenigstens beim Vater, was für seinen Plan die Hauptsache war. «Ach, was dummes Zeug? Wenn man ein Mädel haben wist, darf man nie bescheiden sein!" polterte der Alte. „Doch wissen SU was, eg ist ja noch nicht zu spät. Nun ich durch eignen Scharfsinn entdeckt habe, wie cs um Sie steht, werde ich die Sache in die Hand nehmen. Das Mädel wird schon wollen, wenn ich will. „Da gibts garnichts anderes. Wenn ich es mir recht über, lege, wützte ich mir gar keinen lieberen Schwiegersohn als Sie. Cie sind beinabe bei einzige vernünftige Mensch, den ich kenne und der mich nicht fortwährend ärgert. Also, topp, abgemacht! Heute abend noch geht das Telegramm ab, morgen kommt Hilde heim und in einigen Tagen feiern wir Verlobung. Halten Sie sich bereit?" Er hielt ihm die Hand hin. die der Marquis mit wärmstem Druck ergriff und, wie überwältigt von seinen Gefühlen, an die Lippen drückte. «Mein treuer Geheimrat, Sie überschütten mich mit Güte Ick. weiß nicht, wie ich Ihnen danken soll, ich bin der glücklichste Mensch auf Erden", stammelte er, „d. h. wenn auch Fräulein Hilde «Sie zweifeln an ibrer Einwilligung?" fuhr der Geheim- rot aus. ,.da kennen Sie sie schlecht und mich noch schlechter. Sie hat noch niemals gewagt, sich gegen mich aufzulehnen. Und ich möchte es ihr auch nicht raten", setzte er drohend hinzu. „Darf ich b'tten, Herr Geheimrat, nicht gleich zu strenge Maßregeln zu ergreifen?" bat der Marquis. Fräulein Hilde, die mich sonst immer ihrer Freundschaft gewürdigt hat, könnte dadurch ein »n Groll gegen mich fassen, der mich hindern würde, sie in der Ehe glücklich zu machen, wie ich cs wünsche." „Diese !leb.'volle Rücksickt ehrt Sie, Herr Marquis, und zeigt, daß Sie das dumme Mädel wirklich gern haben", sagte der Geheimrat beifällig. „Aber glauben Sie mir. Sie kennen Bekannt,„achimy Ich bringe hierdurch zur öffentlichen Kenntnis, daß die von der tlirma Oberhe fische Kra tfutter- werke zu Friedberg gegenüber dem Eilgiitcrschuppen errichtete Vriicken-Waqe In Betrieb genommen worden ist und von jedermann benutzt werden kann. Der Hilfsaufseher Karl Nikolaus zu Schwalheim wurde als Wiege- meister-Stelloenreter eidlich verpflichtet. Friedberq, den 3. Noo. 1918. Der Bürgermeister. 2. V.: Damm. Bekanntmachnng Das Verzeichnis der in der C'adt Friedverg und dem Stadtteil Fauerbach wohnenden Personen. welche zu dem Amte eines Scköffen oder Geschworenen berufen werden köirnen. liegt voin 6. bis einsthließli tz 13. November 1. Is. im hiesigen Stadthau e. Zimmer Nr. 10 zu Jedermanns Einsicht offen. Frredberq, 4. November 1918. Der Bürgermeister 2. V.: Damin. Fortbildungs- Schule. Nach dem Beschluß des Schul- nud Sladtvorstandcs dahier sollen >m lammenden Winterhalbjahr diejenigen fortb.ldungsschuipslich- iigen Knaben hiesiger Stadt, d e Ottern 1918 aus der Schule entlassen worden fii.D, zum Besuch Kr Fortbildungsschule herange- iogen weiden. Dieselben habeit sich zwecks Anmeldung Donnerstag, v. 7. Nov., lach mittags 5 Uhr im städtischen vchulhaus, Augustinergasse 10 , pünltiich cinzusindcn. 2m S adtleii Fauerbach soll die ilnmeldung Freitag, d. 8. Nov. nachmittags 5 Uhr, iin neuen Dchulhaus daselbst erfolgen. Friedberg, den 4. Noo. 1918. J Der Schulvorstand. 3. V.: D a min. Mtüms«'- Pttstchtruilü fl'™ parreapiniTffÄrsin-ÄtBd «„„„w fnr f «Id, nur uuler wohl. ist garuicht drr Mllh. ..wir Len ibr^d. IanC n. ML rowi, ihretwegen viele Faxen zu machen. Zeigen Sie ihr den Herrn, wenn Sie erst verheiratet find. Lehren Cle fie zittern und auf den Wink gehorchen, dann kommt fie auf keine anderen Gedanken und ist glücklich, wenn Cie ihr hier und da ein freundliches Gesicht zeigen. Ich hub's bei meiner verstorbenen Frau so gehalten und mich wohl dabei befunden. Bei Hilde ist es gerade so. Cie zittert, wenn sie mich nur kommen hört. Co ist es recht. Co muß die Stellung dev Mannes im Hause sein." Die Darlegung dieser eigenartigen Ansichten, von denen er vollkommen durchdrungen war, gewährte ihm offenbar große Befriedigung. Der Marquis, so wenig edel seine Gesinnung an und für sich auch war. flihlte sich doch einigermaßen abgestoßen von der Roheit solcher Denkweise, und etwas wie Mitleid mit Hilde wallte ln ihm auf. Nein, wenn sie erst seine Gattin war, sollte sie kein so unwürdiges Leben führen; er würde sie, soweit als möglich, freundlich und rücksichtsvoll behandeln. mit müssen ihr doch sagen, was wir beschlossen haben, damll fie weiß, was fie zu tun hat, wenn Hilde kommt." Der Marquis sprang diensteifrig auf, ging hinaus und kam gleich darauf mit Fraulein Lehmann zurück. „Also hören Sie. Lehmann, und richten Sie sich nach dem, was ich sage", begann er. „morgen Mittag kommt Hilde nach Hausse und einige Tage später findet ihre Verlobung mit Herrn Marquis von Neymond statt." Fräulein Lehmann schrie vor Erstaunen und ließ sich in einen in ihrer Nähe stehenden Sessel fallen. „Schon gut. schon ffut! Sparen Sie Ihre Eefühlsäußerun. gen, wir brauchen dieselben nicht?" fuhr er sie an. „Ich wollte nur meine besten Glückwünsche. . " \a Q \, n, eingeschüchtert. 10 ..Die können Cie am Verlobungstage loslassen! Vorläufig weiß Hilde noch garnichts davon!" sprach der Geheimrat weiter. „Hilde weiß noch nichts davon?" murmelte die Lehmann hilflos von einem zum andern blickend. .Auch die Ziska Lehmann ist ein Beleg für meine Ansicht" i unl) sie soll es auch zuerst von mir erfahren - ver^ untcrdi'ssl'n v><»r tsu. -- I standen? Das Merken Sie sich? Ihre Sache ist es nur, die ÄN' fuhr unterdessen der Geheimrat behaglich fort, „sie hätte es ja doch nicht einmal notig, sich vor mir zu ducken, da wir ja nicht verheiratet sind und sie jeden Tag mein Haus verlassen könnte. Ater cs ist so: Weiber und Hunde brauchen die Knute und küssen die Hand, die sie schlägt. Uebrigens hat sie sich offenbar früher der Hoffnung hingegeben, es würde ihren damals noch weniger verwelkten Reizen gelingen, mich zum zweitenmal in die Fesseln der Ehe zu schlagen. Urrd ich habe es auch tatsächlich überlegt. Denn verlieren wollte ich sie nicht, da sie mich sehr gut verpflegt. Aber als ich sah. daß ich sie ohnedies sicher hatte und sie sich jede Behandlung gefallen ließ, da gab ich es auf. Denn wozu sich bindm. wenn man so gerade so weit kommt? Da haben Cie die Weiber? Pah'" Trotzdem der Marquis sich innerlich angewidert fühlte von diesen modrigen Ansckauungen. nickte er doch wie einverstanden mit dem Kopfe, denn etz galt, den Alten in guter Stimmung zu halten, und Widerspruch irgend einer Art erregte stets seinen Zorn und zwar gegen die Person des Sprechenden. Also mußte er ihn glauben lassen, daß er gleicher. Meinung sei oder noch besser, daß seine, des Geheimrats Ansichten, stets für ihn überzeugend und maßgebend feien. „Bitte, Herr Marquis, rufen Sie mal die Person, die Lehmann, her", fuhr der Geheimrat fort, der so gewöhnt war. sich bedienen zu lassen, daß er fast für unmöglich hielt, selbst einen gelegenheit auf jede Art in meinem Sinn zu fördern und alles bereit zu halten. Die Dienstboten brauchen vorläufig noch nichts davon zu wissen." „Der Herr (tzehermrat können versichert fein, daß ich allez nach bestem Vermögen tun werde, wie es gewünscht und befohlen wird", sprach Fräulein Lehmann unterwürfig. Cie hatte sich inzwischen wieder gefaßt. Zwar hatte sie in diesem Hause schon viel erlebt, aber das soeben Erfahrene hatte sie doch im ersten Augenblick geradezu auf den Kopf geschlagen Aber was ging es sie an? Vielleicht war es ja auch HNde gam recht! Ein reizender, charmanter Mensch war ja der Marquis Ilnd übrigens war es ihr. Franziskas eigner Vorteil, sich blind dem Willen des Gcheimrattz zu fügen. Auch konnte es nur nütz, ltch für sie fein, wenn Hilde ganz nnd gar das Haus verließ. Dann hatte sie den Alten ganz für sich, nnd wenn sie auch ihre Hoffnungen. Frau Geheimrat Antelmann Rr. 2 zu werden ^weren Herzens aufgegeben hatte, so ließ sich doch noch au? ein zu ihren Gunsten abzufassendes Testament einwirlen. das ihren Lebensabend sorglos und behaglich gestalten sollte. Mit Blitzes, schnelle gingen diese Erwägungen durch ihren Kopf, während sie laut in beteuerndem Tone hinzusetzte: „Sie wissen ja. Herr Geheimrat. daß Sie sich ln allem und jeden» auf Ihre getreue Lehmann verlassen können!' Fortsetzung folat. Todes-Arizeige Allen Verwandten, Freunden und Bekannten die traurige Mitteil nq, daß geiiern. den 3. Novmiber, meine innigstgeliebte Frau und treusoraende Mutter unseres Kindes, meine liebe Tochter und Schwester Fm Mime Elislibche Saridjn geb. Wenzel nach langen,, schwerem, mit großer Geduld ertragenem Leiden im fast vollendeten 35. Lebensjahre ver,chieden ist. Ober-Nosbach, den 4. November 1918 Die trauernd Hinterbliebenen: 3. d. N.: Johannes Lvarzecha. Die Beerdigung findet Dienstag, den 5. November, nachmittags 3 Uhr statt. C'ber- mrä ZlUlibABkrkallf. Die Gemeinde Affenheim läßt Donnerst«,. den 7. ds. Mts, auf hiesiiein Rathaus um 1l Uhr einen Eber und Ziegen.ock öffent- lich versteigern. Assenheim, den 4. Nov lf 18. < 5 r. Burger,neilierri Assenheim. Ewald. Fast neues Flobert, 9 mm, mit 109 Schrot- und Kugel- palronen. Friedensmare. feiner Pistolen,chaft, in Tausch abzugeben. fc'iird) Sihiilthkis in Steinfurth b i Bad-Nauheim e>rachtstiiikgiiter werden am 6., 7. und 8. November zur O Beförderung nicht angenommen. Frankfurt (Main), den 4. November 1618. König !. (lcdl»ery, Kaisers t rasse 27, Nähe des Rathauses. Zigaretten lein Ersatz! Mille Mk. 200.—. Gute Ware! Auch in kleinen Posten. V. Bornenmnn, Hcrsfeld (H. N.) Wahnebergerstraße. Rechnungen in alle» Formaten liefert ichnell uno billig Leuk,Jagksjei!u«g" J.-S. an, auch baumwollene. Arbeiten solche billig um, ob Well«* oiler Flor, Srb e oder Uuuiuu olle. in Strümpfen und Socken grosses Lager. Strick -Westen. 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