ttt i+t* 9Krt Pfennig (14 mi.i . 1 . Dip m V*ut v anesreitung" ericheint jeDen Übctita■». Regelmäßige Beilagen „Der Saner aus kiellen". ..Die ^mrtnftnbe" i 5 -,.. . -- !)in^u tritt noch Vas Bestellgeld: ^*ci den Aoenten mono»Urt 1.00 Mt. einschließlich Traqerioim. An,eigen: Grund^erle 2b Psg lokale 20 Bia Ärnetaen'na *" an,takten oierkelskiyrltch Rkt. 2.7o erhoben. ErniUunoson Friedbera. ochriN.e.tnna und Verla., ^iedbera lHe.senV '.anauerstraße 12. Mer “ s! *• Ein linier englischer Aurchbruchsver jeifert Fortdauer der Kämpfe in der Fys-Kiedernng, bcidcrkeito Touruai und Ualeucieuues, bei Kouner und auf den Köljen von Kollars. — Die UerlsandlNttgen des Reichstags. Der deutsche Generalstal» meldet: M. T. Trotzes Harr, Kartier, <23. Oktober Amtlich. den Westlicher Kriegsschnuplat,. Heeresgruppe Kronprinz Nupprecht. Die Kämpfe in der Lys-Nlederung dauern an. Heftige Am griffe des Gegners o.:derfells von Deinze. Nördlich der St "dt wurden sie abgewiesen. südlich der Stadt nach anfänglichem Ge- ländegewinn durch Gegenstoß westlich der Straße Tein'. Ol. sene zum Stehen gebracht. Oestlich von Kortrit wurden wir t>om Westrands von Dichte auf den Ostrand zurückgedrängt. Beiderseits des Ortes sind starke feindliche Angriffe gescheitert. In erbittertem Kampfe wurden die Höhen bei Keiberg vom schlesischen Res^rve-Infanterie-Regiment 10 unter seinem Kommandeur Major Grüner gegen vierfachen Ansturm des Gegners gehalten. Teittämpfe in der Scheldeniederung beiderseits von Tournar und Vatenciennes. Heeresgruppe Deutscher Kronprinz. Südlich von Marke räumten wir den vorübergehend verteidigten Brückenkopf an der Cerre und Souche und nahmen unsere Linien hinter die Bachabschnitte zurück. An der Aisnc wiesen wir heftige Angriffe des Gegners beiderseits von Ran- teuil ob. Auf dem östlichen Aisneufer. beiderseits von Bouziers und östlich von Olizp haben die Kämpfe größeren Umfang angenommen. Unter stärkstem Artillerieeinsatz griff der Feind am frühen Morgen zwischen Terrou und Falaise sowie zwischen Olizy und Beaurepaire an. Auf den Höhen westlich von Ballan kannte der Angriff etwas Boden gewinnen. An der übrigen Front ist er vor unseren Linien gescheitert. Auch am Nachmittage brach der Feind nach erneuter stärkster Artillerievorbereitung zum Angriff vor. Das erste bayerische Infanterie-Regiment unter Führung feines Kommandeurs Major Schmidtler hat in zäher Verteidigung die Höhe östlich von Chestres gegen mehrfachen Ansturm überlegenen Gegners gehalten. Auch auf der übrigen Front wurde der Feind unter schweren Verlusten für ihn abgewiesen. Heeresgruppe Eallwitz. Zwischen Argonnen und Maas und zwischen Maas und Mosel rege nächtliche Feuertätigkeit. Teilkämpfe westlich der Maas und westlich der Mosel ohne besonderes Ergebnis. Leutnant Büchner errang seinen 40. Luftsieg Ter Erste (Yknrralguartikrmeister: Ludendorff. Kriegsminister Scheuch über die Kriegsanleihe: Wer nicht Kriegsanleihe zeichnet, handelt falsch, denn dre Kriegsanleihe wird immer mindestens so gut sein wie bares Geld. Beiderseits von Solos.nes und Le Cateau haben wir einen erneuten Durchbruchsversuch der Engländer vereitelt. Heftige Kämpfe fanden in der Linie St. Martin-Neuville-Vousies-Ors- Catillon ihren Abschluß^ Auf dem nördlichen Cerreufer und beiderseits Bouziers westlich von Grand Pre sind Angriffe der Franzosen, auf beiden Maasufern sehr heftige Angriffe der Amerikaner gescheitert Wien. 23. Okt. (WB.) Amtlich wird verlautbart: Italienischer Kriegsschauplatz: Allgemeine feindliche Artil- .Eerle- und Fliegertätigkeit auf der ganzen Front, Unsere albanischen Balkon Kampftruppen näbern sich der montenegrinisch-albanischen Grenze An der westlichen Morava und nördlich Krusevac dauern die Nochhutkämpfe an. Ein feindlicher Uebergangsversuch bei Krajeva wurde vereitelt. Der Eher bei' Generalslabe-. Ule militärische Qige. Die Feinde werden auf. der Tatsache, daß wir ihnen Ostende Lille und den größten Teil der flandrischen Küste überlassen haben, e'non großen Sieg machen. Es muß zugegeben werden, daß die Feinde erneut in der Lage sind dsm Kricgswillen ihrer Völker durch den Hinweis auf die Erfolge in Flandern neue Nahrung zuzuführen, deren diese Völker dringend bedürfen; denn die Kriegsmüdigkeit hat in England Frankreich und Julien einen außerordentlich hoben Grad erreicht. Die Ernährungsschwierigkeiten. mehr jedoch noch die Kohlennot. verschlechtern die Lage unserer Feinde von Tag zu Tag. Die Nachrichten von der Front, welche der Verband zu großen Siegen stempelt, können daher zn-ar vorübergehend die Stimmung der feindlichen Völker erleichtern, einen nachballigen Eindruck aber um so weniger hinterlossen. als das strategische Ziel des feindlichen Oberbefehlshabers in immer weitere Ferne rückt. Dieses Ziel ist der Durchbruch der deutschen Front, welcher allein, mit einer Umfasiung und Vernichtung der deutschen Ctreitkräfte die von Foch unter Einsatz aller verfügbaren Kraft angestrebte Entscheidung des Krieges bringen könnte. Der Durchbruch, die Auseinanderreißung der deutschen Front ist den Feinden nickt gelungen und sie wird ihnen auch nicht gelingen. Trotzdem die gewaltige Kraft fast der gesamten Großmächte der Mlt gegen unsere Front wirkte, ist die deutsche Front ungebrochen geblieben. Wo tie deutsche Führung das Festhalten von Frontab- jchnitten für geboten hielt, behaupteten in heldenhaftem Widerstand unsere braven Truppen ihre Stellungen, wo die Vereitelung des feindlichen Durchbruchs in elastischem Ausweichen zweckmäßig erschien, wurde die Front nicht unter dem Zwange des Feindes, sondern auß freier Entschließung der deutschen Führung zurückgenommen. Ob wir größere oder kleinere Gebiete Belgiens oder Frankreichs aufgeben, spielt für unsere militärische Lage gar keine Rolle. Für uns kommt es aanz allein darauf an. daß die Front ein in sich gefcklosienes Ganzes bleibt. Konnte der Feind in den ersten drei Monaten seines Rinoens um die Entscheidung die deutsche Front nicht zum Zerreißen bringen, obwohl er seine ungeschwächte Angriffekraft einsetzen konnte, so wird die Erreichung seines Zieles angesichts des fortschreitenden feindlichen Kräfteverbrauchs immer aussichtsreicher Wir können daher mit immer größerer Zuversicht den weiteren Kämpfen ent^egenfeben. Die oeutfcke Widerstandskraft ist unerschüttert. W>-it draußen in Feindesland schirmen unsere Truppen die Heimat. Verbindern, daß die Greuel des Krieges in unser Vaterland getraoen werden. Wollen die Feinde den Krieg fortsetzen, so tun sie es auf Kosten de? belgischen und französischen Gebietes, auf Kosten seiner Bewohner. Am den Fried e t. ^osel, 23 Okt. „Daily Telegraph" meldet aus Newyork: Die deutsche Antwort wurde nichtamtlich bereits Montag mittag bekannt. Sie hat keine wesentliche Beeinflusiuug der Börsenlage mehr gebracht. Die Sitzung des Senatsausfchusies am Dienstag wurde vertagt, wie verlautet, weil Präsident Wilson zuvor einen Meinungsaustausch mit den Alliierten ausgenommen hat. Genf. 23. Okt (D.D P.) Auch die zweite deutsche Note ist drahtlos nach Amerika weitergegeben worden. Wie Havas autz Washington unterm 22. Oktober meldet, ist der Inhalt im Staatsdepartement auf diese Weise bereits bekannt, obwohl die formelle Ueberreickung der Note noch nicht stattgefunden hat. Rotterdam, 23. Okt. (WB.) Der Parlamentskorrespondent des „Daily Chronicle" schreibt: Die neue deutsche Antwort bildete gestern abend in den Wandelgängen des Parlaments den Hauptgefprächsstoff. Die Konservativen und die meisten Liberalen betrachten sie mit Argwohn, als einen Versuch, zwischen Amerika und der Entente Zwietracht zu säen. Der neue Befehl, wodurch den U Booten verboten wird. Passagierschiffe zu torpedieren, wurde als ein Wilson listig hingehaltener Köder bettachtet. Einige Radikale und Arbeiterabgeordnete waren der Meinung, daß die neue Note gegenüber den früheren Schritten einen großen Fortschritt darstellt. Basel, 29. Okt. „Daily News" meldet, nach Pariser Berichten stehe Jrarrkreich bis jetzt nicht auf dem Boden der 14 Punkte Wilsons. Auch die übrigen Alliierten verhielten sich ablehnend. Das erscheine als kein günstiges Prognoftikon für die kommenden Friedensverhandlung-en. Berlin, 23. Okt. Nach einem Schweizer Bericht der ..D. Zeitung" meldet der „Corriere della Sera" aus Paris: Cpä- testenZ Ende kommender Woche wird die Klärung und endgültige Entscheidung der Alliierten zur Friedensfrage er- folgen. Budapest, 23. Okt Graf Stephan Tifza verbreitete sich im Abgeordnetenhause über die Vorgänge vor dem Kriege. Er wies durch Verlesung von Originalprotckolttn der Ministerberatuw gen darauf hin. daß die endgültige Festlegung des Ultimatums an Serbien durch ihn und durch die maßgebenden österreichischer und ungarischen Faktoren erfolgt sei. und daß kein deutscher Fak. tor. am wenigsten Kaiser Wilhelm, auf das Ultimatum Ein fluß gewonnen habe. Ein Dementi. Konstautinopel. 23. Okt. (WB.) Agence Milli. Der Minister des Auswärtigen erklärte, daß die von einigen Blättern gebrachte Meldung, wonach der Walt von Smyrna. Rahmi Bey. mit der Führung der Friedensverhandlungen betraut fei. de, Wahrbeit zuwiderlaufe 'und entschieden in Abrede gestellt wer, den müsse. l^ine Niederlage Karolyis. Berlin, 23. Okt., 1 Uhr mittags. Im ungarischen Parlament wurde gestern der Antrag des Grasen Karolyi verhandelt, die volle Selbständigkeit Ungarns sofort artikelmäßig sestzu- legen. Der Antragsteller stellte hierzu folgende Forderungen auf: Die Tschccho-Slowaken müssen als Nation anerkannt werden. es kann ihnen aber kein ungarisches Gebiet abgetreten werden. Die Frage gehört vor eine europäische Konferenz. Deshalb muß Ministerpräsident Wekerle zurücktreten und einer Regierung Platz machen, an der auch die nichtmagyarifchen Nationalitäten und die Sozialdemokraten teilnebmen. Der Krieg muß sofort eingestellt, die Friedensverl>ondlungen müsien sofort eröffnet werden. Die ungarischen Soldaten sollen sofort zurückgezogen werden, um so zum Sonderfrieden zu gelangen. Ungarn wünsche einen eigenen König, der in Budapest wohnt, ein eigenes auswärtiges Ministerium und ein eigenes, nur von Budapest aus geleitetes Heer. Weiter verlangte Graf Karolyi die sofortige Auflösung des BündnisieZ mit Deutschland. A^rken- rung der südslawischen Unabhängigkeit. Wahlrecht für Männer und Frauen und volle Demokratie. Zum Schluß kündigte er unter großem Lärm.der Rechten an. wenn die Regierung jetzt nickt so handle, werde er auf eigene Hand mit der Revolution Vorgehen. Unter ungeheurer Erregung erwiderte Ministerpräsident Wekerle. Er widersprach allen Forderungen Karolyis und hielt an seinem Programm fest. Er könne nicht zurücktreten. solange keine neue Negierung vorhanden sei. die die Ordnung verbürge. Der Drohung mit der Revolution werde er mit allen Mitteln zu begegnen wißen. Ein Eonderfriede komme jetzt nicht in Betracht. Das Haus stimmte dem Ministerpräsidenten zu. Am Nachmittag sprach Tisza. der u. a. feststellte, daß er an dem Ultimatum an Serbien mitgeorbeitet habe und daß weder Kaiser Wilbelm noch sonst ein deutscher Faktor darauf Einfluß gewonnen habe. Es fei schon vor Nbfendung des Ultimatums im gemeinsamen Ministerrat festgestellt worden, daß ein etwa nötig werdenden Feldzug keine Eroberungen bezwecken dürfe. holllind tor&rrl km kfiitldifö Gebiet. Haag. 20. Okt. Eine Extraausgabe des „Niouwe Courant'* vertritt die Ansicht, daß Wilson die bedingungslose Uebergabe der Zentralmächte erstrebe im Gegensatz zum früheren Rechtsfrieden. Aus solchem Zustand würden die Neutralen nur Elend zu erwarten haben. Es sei begreiflich, daß Dänemark für sich die Schleswigzone retten wolle, und daß Deutschland fürchte. Holland würde ähnliches verlangen. Das fei natürlich ausge- schloffen. Für einen Gebietsraub auf Kosten eines Nachbarstaates würde die Regierung keine Mehrheit firmen. Zum schnellen Frieden werde es jetzt nur kommen, wenn Deutschland und Oesterreich militärisch und ökonomisch am Ende ihrer Kräfte seien. Wilsons Antwort habe die Deutschen so gekränkt, daß sie zum äußersten entschlossen feien, und auch die Minderheils-, fozialiften einen schmachvoll auferlegten Frieden abwehren wollen. „Nieuwe Courant" schließt wörtlich: Nimmt daraus die deutsche Regierung die Kraft zu einer Haltung ohne Unsicherheit, dann besteht noch einige Hoffnung auf Vermeidung eines Vernichtungsfriedens, der die europäische Atmosphäre Geschlechter hindurch unsicher machen würde. §cr IkaifrungstDfdjfr! in Ellnß-ftlhristzkn. Straßburg (Elsaß), 22. Oft. (WV.) Die Straßburger Korrespondenz meldet' Der Kaiser hat den Statthalter Dr. v. Dallwitz von dem Amte als Kaiserlicher Statthalter in Elsaß-Lothringen unter Bewilligung der gesetzlichen Pension und unter Verleihung des hohen Ordens vom Schwarzen Adler ab' berufen und an desien Stelle den Oberbürgermeister von Sttaß- berrg, Staatssekretär a. D. Wirklichen Geheimen Rat Dr. Schwander zum Kaiserlichen Statthalter in Elsaß-Lothringen ernannt. Der Kaiser hat den Staatssekretär für Elsaß-Lothringen Wirklichen Geheimen Rat Frhrn. v. Tschammex und Q u a r ck die nachgesuchte Entlastung au§ seinem Amte unter Verleihung des königlichen Kronenordens 1. Klaffe erteilt. Mft der Wahrnehmung der Geschäfte des Staatssekretärs ist das Mitglied des Reichstages und des elsaß-lothringischen Landtags, Vuchdrucke- reibesitzer Hauß berufen worden. Der Kaller hat den llnterstaatssekretären im Ministerium für Elsaß-Sotbrrngen W>,ck7ick-y Geheimräten Koehler, Menge und Gronau die nackac-fuckt« Entlastung unter Versetzung in den einstweiligen Ruhestand bewilligt. SiidUawen. Agram. 21. Okt. (WB.) Der vom Nationalrat der Slowenen, Kroaten. Serben und von der Versammlung der Delegierten aller nationalen Parteien aus Kroatien, Slawonien mit spinne und Dalmatien, Bosnien, Herzegowina. Triest. Krain. Cörz. Steiermark, Kärnten sowie aus dem Gebiet jenseits der Mur und der Murinsel gewählte ZenttalaussHuß trat am 17. 18. und 19. Oktober in Agram zusammen. Er gibt folgende Verlautbarung des Nationalrates der Slowenen, Kroaten und Serben bekannt: Er verkündet dem Volke der Slowenen. Serben und Kroaten, daß er von diesem Augenblick an dazu bemächtigt ist, die Leitung der nationalen Politik in seine Hände zu nehmen. Von nun wird in den allgemeinen nationalen Fragen kerne Partei, sei es der Gruppe, sei es der parlamentarischen Gruppierung nach, irgendwelche gesonderte Politik treiben, noch gesondert mit Faktoren außerhalb des Volkes in Verhandlungen treten. Vielmehr wird künftig in ollen diesen Fragen der einzige Repräsentant und entscheidende Faktor der Nationalrat sein, der sich leiten läßt von den großen Ideen der nationalen Selbstbestimmung. Der Nationalrat fordert die Vereinigung unseres gesamten Volkes der Slowenen Kroaten und Serben auf dem gesamten ethnographischen Territorium ohne Rücksicht auf irgendwelche provinzielle und staatliche Grenzen, Englands Koh'runot steigt. Die Kohlenfrage ist für England zur Lebensfrage geworden, und die Kohlennot steigt "unaufhaltsam und rapid. „Daily Ehronicle" vom 10. Oktober berichtet, daß seinem Vertreter im Bureau des Kohlenkontrolleurs am 9. Oktober erklärt worden fet: „Es besteht keine Aussicht auf irgendwelche Besterung der Kohlen lag« während des Winters?" Die Kohlenknappheit bedroht Industrien, deren Beschränkung in der Feuer,«ngsversoraung sehr viele Menschen zu kurzer Arbeitszeit oder Beschäftigungslos -feit verurteilen wurde Der Ausfall in diesem Jahr, von fetzt an gerechnet wird arll etwa ! 36 Millionen Tonnen berechnet und könnte durch Ersparniste im Hausbrand auf 27 Millionen heruntergedrückt werden. So wurden manche industrielle Verbraucher um 50 v H. beschrankt. Hausbrand dagegen nur um 25 v. H Einige Stapelindustrien haben dem Koblenkonttolleirr schon angezeigt, daß die Kohlen- knappheit ihre Betriebe ernstlich gefährde, zu Lohnreduzierungen Anlaß gebe und die Arbeiterschaft mit Entbehrungen bedrohe. Im August 191? betrugen Londons Vorräte an Hansbrond- kohleu nur 182 000 Tonnen. Anfang März — d. h. an Wirfters- ende — 311 000 Tonnen: für Birmigham waren die entsprechenden Zahlen 2086 Tonnen und 5563, für Liverpool 2368 und 9573. Beinahe 106 000 Bergleute traten in das Heer ein. und kürzlich gab es in den Gruben 75 060 Arbeiter weniger als vor einem Jahr. Angsd-utet wird, daß weitere Kohlenerfparniste rm Bahntransport vorgenommen werden muffen. Jetzt, wo der Winter vor der Tür steht, ist Kohlennot das schlimmste Uebel. Wenn die Aussichten für das kohlenreiche England heute schon ch ungünstig liegen, wieviel schlimmer wird es da erst in den verbündeten Läirdern Frankreich und Italien ausfcbcn. nmg am Platze gewesen fei. Zwar wäre man dann einig gewesen in der Kraft und Geschlostenheit, das Vaterland zu verteidigen, eine Ansicht, die dem Vizekanzler den Zuruf eintrug: Das ist ja die Hauptsache! Für ihn aber ist die Demokratisierung wichtiger und das Vertrauen des Auslandes, das man nicht erhalten könne, wenn die Konservativen in der Regierung säßen. Wir brauchten eine unzweideutige, ehrliche und gerade Politik. Wenn die Konservativen jetzt in der Opposition stünden, so leisteten sie dem Vaterland einen Dienst. Mit dem Antrag, der Negierung das Vertrauen auszusprechen, sei er einverstanden. aber verlangt habe er den Antrag ist. Der Abg. Stychel (Pole) spricht unverhohlen aus. daß das neue Polen auf Grund der alten Gebietsteile wiederhergestellt werden muffe, also auch deutsche Landesteile müßten abgetreten werden. Graf Posadowsky (Deutsche Pariei) bemerkte: Schon seit einiger Zeit hallen sich in unserem Verfasiungsleben die Grenzen zwischen gesetzgebender und vollziehender Gewalt verschoben. Dadurch ist zunächst ein sogenannter Kryptoparlamentarismus entstanden. Heute haben wir ein« rein parlamentarische Regierung. Das ist eine Erlösung gegenüber dem bisherigen Zustand. Run misten wir doch wenigstens, wer die Verantwortung zu tr '-n hat. Es ist Sache der Minderheitsparieien. die Maßregeln ^ neuen Regierung sachlich zu prüfen und danach ihr Urteil einzurichten. Sie werden auf jeden Fall die neue Negierung in allen Maßnahmen zur Verteidigung uud Aufrichtung des Vaterlandes unterstützen. (Sehr richtig?) und nicht verpesten, daß die parlamentarischen Regierungen weniger von den Minderheiten als von ihren eigenen Mehrheiten gestürzt werden. Die Gegner der parlamentarischen Reaierung tragen sich anscheinend mit der s Hoffnung, daß nach dem Kriege alles wieder anders sein werde, j Ich halte das für einen großen Irrtum. Wenn ein Land sich die parlamentarische Regierung erobert, dann ist es ganz aus- gefchlosten. daß die alten Zustände wiederkehren. Das könnte nur erfolgen, wenn das deutsche Volk so gleichgültig würde, daß es sich für die Art der Regierungsform gar nicht mehr interessiere. Wenn der Reichskanzler gestern sagte, daß wir das Recht der airderen Nationen in unseren Nationalwillen mit aufsnehmen muffen, so stnd wir damit einverstanden, aber auch das Gluck der anderen Nationen in diesen Nationalwillen aufzunehmen, lehnen wir entschieden ab. Dieser weltbürgerliche Geist hat einst zum Niederbruch von Jena und Auerstädt geführt. Der Redner bedauert dann die Haltung des preußischen Landtags in der Wahlrechtsfrage. Das Echo des deutschen Friedensangebots laste die schlimm st e n Befürchtungen zu. Die Grenzen unserer Zugeständniste seien erreicht. Abgeordn. Ricklin (Elf.) halt eine zweideutige Rede, in der er u. a sagt, die Autonomie für Elsaß-Lothringen komme zu spät. Die elsaß-lothringische Frage sei international geworden. Nachdem der Dane Hansen Nordschleswig für Dänemark verlangt hotte, erklärte der Vizekanzler, daß er rnorgen zu dieser Frage sprechen werde. Enchert ist %u- LÄcn, zuweilen mehr, als wir wissen, ft'Mver-. stündliche EvLAdlage unseres politischen Handelns, unsere- ganzen Daseins. Eben deshalb rüstet sicher Vernichtunaswills unserer Feinde, gerade gegen diese deutsche Einheit Sturm zu laufen Wenn die Meldung eines holländischen Blattes zu- trlsft, hatte kürzlich selbst der Führer des englischen Liberalis- mus die Wiederauflösung des Deutschen Reiches in Einzelstaaten als Krregszrel aufgestellt. Wir halten Herrn Asquith für m klug, um ihm die Meinung Zuzutrauen, ein Volk wie das deutsche könne gegen seinen Willen in Stücke geschlagen und in Stücken erhalten werden Hat er jenes Ziel aufgestellt, so durfte er zu seiner Erreichung weniger an Mittel der Gewalt als an die der Intrige aedacht haben. Wenn es fetzt zur Auflösung der alten Donaumonarchie kommt und die Deutsch-Oesterreicher bei ihren Volksgenossen im Reiche Anschluß suchen, so mögen sich daraus Verschiebungen des geographischen. konfesstonellen. politischen Schwergewichts im Reiche ergeben, welche unseren Gegnern den Gedanken an seine Intrigen und an Versuche innerer Zerfttzung im deutschen Volke nahelegen können. Unsere Sicherheit gegenüber solchen Versuchen muß in der Klarheit liegen, mit der wir allen Möglichkeiten ins Auge sehen, und in dem festen Willen, ein Volk zu bleiben. Es wird dann rm Weiteren auseinandergefetzt, daß unsere Feinde die Absicht hegen könnten, die Einheit Deutschlands zu zerstören und das Reich wieder in seine Einzelstaaten zu zer- lp^en. Der Aufsatz schließt: Es geht heilte um die Erlltenz des V-'ches. es gebt um die Grundlage der Eristenz jedes Einzelnen von uns. Aber wir sind fest davon überzeugt, daß es weder der Gewalt noch den Intrigen unserer Feinde gelingen wird den Vau des Deutschen Reiches zu erschüttern. Arbeiten tttti» nicht nerpMerfelrr! Von Jürgen Bauer. Dentrchcr Reichstag. (Sitzung vom 23. Oktober 1918.) Es liegt ein Antrag vor, dem Reichskanzler das Vertrauen des Hauses auszusprechen. In der allgemeinen politischen Debatte spricht der Abgeordn. Haase (Bolschewiki) seine Genugtuung über den Zusammenbruch des deutschen Imperialismus aus. Er polemllftrt gegen den verschärften U-Vootkrieg. Die Friedensresolution solle'man begraben lasten, nachdem der Gewaltfrieden von Brest zustande gekommen sei Man solle so schnell wie möglich zum Frieden kommen, eine Besserung für uns sei nicht mehr möglich, denu tote Krafteanspanung könne nicht mehr überboten werden.' Die Kronen rollten jetzt nur noch so auf dem Pflaster. Warum solle sich Deutschland allein noch einen Kronentcäger halten oder orele Kronenträc er? Es gäbe auch bürgerliche Politiker, die Langten, daß der Gegenwärtige Träger der Krone fein Amt »ckederlege. mt müßten fo schnell wie- möglich zu einem Dauer- kLieden kommen bei dem Gerechtigkeit herrschen müsse. Der ^ekanzrer v Payer lehnte es ab. auf diese Ausführungen ^inzugehen. Er feierte dann die Ereignisse im Innern. Die K rächte, die von der Dernokratie jetzt gepflückt werden, feien Überreif (kaul. D. Schriftl.) gewesen, darum seien sie so rasch and schmerzlos gefallen. Tiefgehen-e Reformen seien noch in Vorbereitung. Der Redner bestritt, daß eine KoaMionsregie- strr fernen- feraM? nn KnM. Betlin. 23. Okt. (2BiR) Der Reichskanzler ist an einer leichten Erippe erkrankt. Prinr Alexander u. Hohrn'ohe. Di« „Bayr. Landeszetrung" schreibt: Wie konnte ein deutscher Staatsmann, als den man doch den badischen Thronfolger der 1. badischen Kammer ansprechen durfte, an den Prinzen Alexander Hohenlohe einen Brief schreiben, der wie ein Beichtgeheimnis bewahrt werden sollte?! Um Mißbrauch und Unfug zu verhüten, hatte der Prinz schon einen anderen Vetttr sich beraussuchen sollen, als den, der Ursache hatte, während des Weltkrieges außerhalb Deutschlands in der Schweiz zu verweilen. Man hätte auch von einem Staats- momr voraussetzen dürfen, daß er deutsche Zeitungen liest, in denen von dem Prinzen Hobevkobe erzählt wurde, daß er für franzosenseindlick« Schweizerzeitungen Artikel schreibe, die ihn „hinreichend verdächtig" macken. Hätte Prinz Max mit einem badischen Zeitungsmann vorher über die Sache geredet, so wurde er sicher den Rat bekommen haben, mit Brieten an diese Adresse vorsichtig zu fein. In der Tat hat ein Dritter den Brief des Prinzen Map «nmittelbar n-ack der Uebernahme des Reichs- kanzlerpo'' "eröffentlicht. Ob Hohenlohe dies absichtlich veranlaßt hat, ist nicht nackzuprüfen, aber es gibt Leute, die ihm einen solchen Streich Zutrauen. Wer Grnkt der Stunde scheint allwälig auch den demokratischen Herrschaften zu dämmern und sie scheinen zur Einsicht zu kommen, daß sich unsere Feind« nicht mit Redensarten von Völkerbund und ewigen Frieden besänftigen lasten. Für diesen Wechsel der Stimmung ist ein Lritaussatz der frankfurter Zeitung" bezeichnend und der sehr trüb- die Zukunft beurteilt. Wir lesen da: Die Welt ist in ihren ttefsten Festen erschüttert. Di« uns verbündete Großmacht Oesterreich-Ungarn steht mitten im Zerfall. Unser deutsches Vaterland kämpft bereits auf dem letzten Walle gegen eine Katastrophe, von deren drohender Furchtbarkeit die -.ersten Menschen erstaunlicherweise sich immer noch keine ernsthafte Vorstellung machen. Mit einem unserer Gegner verhandeln wir über einen Rechtsfrieden. Ob auch nur dieser eine seinen laut verkündeten Grundsätzen Treue hallen wird, wissen wir nicht. Daß aber unter seinen Alliietten der Wille. Deutschland zu vernichten, immer unverhüllter, immer rücksichtsloser, immer entschlossener tn den Vordergrund tritt, das können wir leden Tag weniger übersehen. Roch sind wir nicht wehrlos, nicht militärisch und nicht politisch, und es stünde uns schlecht an, an uns selbst zu verzweifeln. Wohl aber ist heute die Pflicht der Menschen, die Geschehnisse dieser Tage und die sich eröffnenden Aussichten bis in die schlimmsten Möglichkeiten hinein ernst zu nehmen. Das alte Habsburgerveich wird nicht von außen zerschlagen. Wenn es sich auflöst, tut es das. weil seinen Völkern der Wille zum geineinsamen Leben fehlt. Unser Deutsches Reich ist nur von einem Volk« bewohnt, und der Wille zur Wenn etwas geeignet ist. daß deutsche Volk in diesem Augenblick aufzurichten, so ist es das Wort von Thomas Car- lyle' „Arbeiten und nicht verzweifeln'" Denn klar müssen sich alle Kreise unseres Volkes darüber fein, daß unsere weltpolitisch« Geltung auf keinem besseren Grunde wieder aufgerichtet wer- den kann als auf unserer' weltwirtschaftlichen Geltung, die wir nack dem Kriege — sei es in noch so harter Arbett — wieder» aufrichten müssen 9koch steht es im Augenblick nicht fest. inwi«. weit uns der Friedensvettrag dis Möglichkeit wieder gebe» wird, unsere wirtschaftlichen Kräfte zur Entfaltung zu bringen. Die Gefahr, daß unsere Feinde bestrebt sein werden, die Lebensadern deutscher Arbeit obzuschnüren, ist natürlich nicht von der Hand zu weisen. Unsere Friedensunterhändler werden daber mit allem Nachdruck darauf zu bestehen haben, daß die von Wilson am 27. September aufgestellte Bedingung daß es keine selbstischen wirtschaftlichen KombiNationen geben darf, kein, Anwendung eines wirtschaftlichen Boykotts in ttgendeiner Fora, o-der Ausschließung nur unter die Paragraphen aufgenom« men wttd. svnd»rn auch dem Geiste nach zur Durchführung ge« langt. Aber was auch kommen rnag. das deutsche Volk darf stch nach dem Kriege keiner unfruchtbaren Verzweiflung hingeben. Das Vertrauen auf die in unserem Volkskorper wurzelnde unverwüstliche Kraft muß auf jeden Fall, aber auch auf jeden Fall, stark genug sein, olle Hände in Tätigkeit zu setzen, wenn es gilt, das Haus unserer Arbeit imi zu zimmern. Neid und Haß. in Ueberfülle auf uns gehäuft, find niemals um das Geständnis her um gekommen, daß der Deutsche fleißig ist und zu arbeiten versteht. Mir fiel kürzlich ein vor dem Kriege verfaßtes Buch eines englischen Gewerkschaftsführers in die Hand, aus dem das hohe Lied der deutschen Arbeitsorganisation und Arbeiterfürsorge und das Zugeständnis der englischen Rückständigkett aut diesen Gebieten klang. Aber die Arbeit, die wtt nach den Kriege zu leisten haben, wird weit hätter sein, als die vo, dem Kriege. Deshalb verzweifeln zu wollen und nicht gerad, deshalb alle Kräfte zusammenzuraffen, würde deutschem Weser nicht entsprechen. Die Folge entsteht nun. ob für die deutsch» Volkswirtschaft — einigermaßen günstiger Wirtschaftsicher Frie. densvertrag vorausgesetzt — die Bedingungen zu ersprießlicher Arbeit und schnellem Wiederaufbau gegeben sein werden. Dabe? muß zunächst das Verlangen aufgestellt wrden, daß wir uns über die richtigen volkswirtschaftlichen Grundlagen für dk ..Uebergongszeit" genannte Zeitspanne nach dem Kriege klar sein müssen. Am 17. April d. I. erklärte der Ünterstaatssekre- tär im Reichswirtschaftsamt. Dr. Eöppert. daß die Regierung nicht beabsichtigt, die Friedenswirtschaft in Bahnen zu lenken, die für geeigneter gehalten werden als die Bahnen, in denen unsere Wirtschaft in Zeiten des Friedens, bis zum 30. Juli 1914 gelaufen ist. Das heißt mit anderen Worten, daß die Zwangswirtschaft des Krieges keine Fortsetzung oder Verewigung er» fahren soll. Aber seit einiger Zeit treten allerhand falsche Pro. pheten auf, die dem deutschen Volk das Heil einer sogenannten „Eemeinwirtsckaft" oder „gemischten Privatwirtschaft" vorspi.' geln. die.in Wirklichkeit nichts anders sein würde, als eine Erdrosselung aller zu wirtschaftlicher Betätigung drängenden Kräfte, als eine Fottführung der von Arbeitgebern wie Arbeitnehmern gleichermaßen als unleidlich empfundenen Kriegs« Zwangswirtschaft. Zu staatssozialistischen Experimenten ist iv dem Augenblick, der der Zusammenraffung aller Kräfte gehoreii muß, kein Raum. Und was die Verwirklichung sozialistischer Ideen für unser Wirtschaftsleben bedeuten würde, dafür bietet dem deutsckxm Arbeiter die bolschewistische Wirtschaftsordnung. — die in Wahrheit gar keine Ordnung ist, — das beste Beispiel. Selbst der russische Arbeiter beginnt einzusehen, daß seine Lage unter diesem System, in dem er dem Namen nach zum Besitzen aller Arbeitsmittel geworden ist, sich nicht gebessert hat. Was jeder vernünftigen Wirtschaftsordnung Ziel sein muß. die Leistungsfähigkeit zu steigern, hat der Wirtschafts-Bolschewismus bis jetzt nicht erreichen können. Wenn wir in der Uebergangswirtschaft unsere Leistungen auf ein Höchstmß zu bringen gedenken, so müssen wir vor allen Dingen im Besitz der Wertarbeit erzeugenden Rohstoffe sein. Die Verminderung des Schiffsraums, der Rohstoffhunger der ganzen Welt sprechen natürlich dafür, daß es rmA erst allmählich Mötzlich sein wird, die für unsere Betriebe wichtigsten Rohstoffe -aus überfeeifä>en Ländern hereinzubringen. Aber es ist nicht zu befürchten, daß dadurch die Mehrzahl unserer Werkstätten feiern muß. da durch das baldige Freiwerden von Heeresgut eine ungeheure Menge von Erzeugungsmitteln der deutschen Wirtschaft wieder zugeführt werden. — Daß es unseren Feinden gelingen wird^ rhre Absichten, sich von den deutschen Waren freizumachen, zu verwirklichen, stcht kaum zu erwarten. Bereits während des Krieges haben wir aus Feindeslager ver- reünftige Stimmen gehört, die "ine Ausschließung deutscher Waren für eine Unmöglichkeit U uen. Aber selbst wenn uns Absatzgebiete verloren gega, , u ,ein sollten, so werden wir etn>a hier entstehenden Ausfall durch weltlich gesteigerte, also bester bezahlte Arbeit wieder wettzumachen haben. Wie man auch die Zukunftsmöglichkeiten der deutschen Volkswirtschaft erwägt. ein Ausweg aus den Schwierigkeiten, die sich vor uns austürmen werden, läßt sich immer finden, steilich aber nur dann, wenn sich alle Glieder unseres Wirtschaftskörpers zu gemeinsamem Schaffen zusamm-nfinden. Gerade in diesen für jeden Deutschen trüben Stunden sollte die Aussicht auf eine zwar von harter Arbeit erfüllte, aber segensreiche wirtschaftliche Zukunft unsere Gemüter wieder aufrichten, sollte unsere Losung fein das Wort: „Arbeiten und nicht verzweifeln!" Z»r Anflrlärrmg. Das ganze deutsche Volk ersehnt einen baldigen Frieden, kern Deutscher, der ihn nicht wünschte. Kein Deutscher, aber mich, der daran denken könnte, auf das. was feindliche Ueber- hebung uns zumutet, einzugehen, sofern er sich klar ist über die Folgen Wilson verlangt völlige Unterwerfung, ehe er über Frieden verhandelt; die besetzten Gebiete sollen wir räumen. Waffen. U-Boote und Flotte ausliefern, die Macht des deutschen Kaisertums vernichten. Dann sollen wir. an Händen und Füßen geknebelt, uns dem sonst von den Demokratien immer verworfenen Machtfrieden unterwerfen, den er im Verein mit ' der Entente diktiert, wonach Elsaß-Lothringen. Oberschlesien. Posen und Westpreußen mit der deutschen Stadt Danzig abgetreten und somit Ostpreußen vom Reiche getrennt würde. Aber noch mehr kann und wird er verlangen — worauf die ja noch nicht aufgehobenen russisch-französischen Abmachungen Hinweisen — wenn wir erst Waffen und Wehr abgelegt haben. Besetzung deutscher Rheinfestungen. Kiels und Helgolands. Kriegsentschädigung. wirtschaftliche Vorteile drüben und Nachteile für uns. Und was wird das alles bedeuten, wenn wir die Erz-, Kohlen- und Kaliwerke Lothringens, die Kohlenbergwerke Oberschlesiens, blühende Gebiete preisgeben. die unsere Väter mit ihrem Blute erworben, die deutscher Fleiß zum Aufblühen und zur Entwicklung brachte; dann wird eine ungeheure Verschuldung. Verarmung und Verelendung des deutschen Volkes eintreten. schlimmer als nach dem 30jährigen Kriege, schlimmer als nach 1^06. Taufende unserer Volksgenosten — und Ulcht die schlechtesten — werden abwandern müsten und so Kul- turdünger bilden für fremde, uns feindlich geünnte Völker, wie für Amerika, das jetzt gegen uns kämpft und den Ausschlag gibt. Die Zurückbleibenden ober würden in elender Lohnsklavenarbeit für Angelsachsen und Welsche in bettlerhaftem Dasein mühselig nur gerade noch den kümmerlichsten Lebensunterhalt gewinnen können. Die bisher gegen den Kapitalismus in Deutschland kampfende Arbeiterfchast würde dem Kapitalismus der Angelsachsen unterworfen werden. Sollen wir bei dieser Aussicht nicht noch einmal den Kampf bis zum Aeußersten und Letzten wagen? Scheint es aussichtslos? Die Leitung von Heer und Marine verneinen dies, wie selbst ,m ..Berliner Tageblatt" der Generalleutnant von Ardenne kürzlich ausführte. Roch hält unsere Weitfront, noch kämpfen «nscre U-Boote, und zwar neuerdings wieder mit steigendem Erfolge. Sie werden di- ihnen gestellte Aufgabe aber nur erfüllen. wenn keine Einschränkung ihrer Tätigkeit eintritt. welche sie bei den vervollkommneten Abwehrmitteln der Feinde schutzlos machen würde. Vergessen wir nicht, daß auch die Mittel unserer Feinde nicht unerschöpflich sind. _ Roch sind in der Heimat und in den besetzten Gebieten Kräfte freizumachen für den letzten Kampf. So heißt es jetzt, alle Kräfte zvsammenzufaffen, alle Schichten der Bevölkerung über den furchtbaren Ernst der Lage auf- zuklär-n und den Feinden, die auch h-ute noch unsere geschlossene Kraft furchten, zu zeigen, daß wir einig jedes Opfer für Deutschlands Ehre und Zukunft zu bringen bereit sind. Lasten wir von der Heimat zur Front eine starke Welle der Opferwilligke-1 und freudiger Entschlossenheit strömen, die ihr zeigt, daß kbr Kampf für das Vaterland getragen wird von dem unerschütterlichen Verteiditzungswillen des deutschen Volkes. Berlin, den 20. Oktober 1918. Bund der Landwirte. drs deulichku GrasMiHldhkktzks. Die Korrespondenz des Bundes der Landwirte schreibt: Wie wir erfahren, ergeht verschiedentlich an Großgrundbesitzer von einem Herrn Dr. Truestedt. welcher Inhaber eines Buchfübrungs- und Revisions-Bureaus in Berlin ist. der Vorschlag. sich an der Gründung einer „Treuhand-Vereinigung deutscher Großgrundbesitzer" zu beteiligen. Die Mitglieder dieser Vereinigung sollen sich durch gleichlautende Syndikatsverträge verpflichten, von einer gewissen Zeit an ihre sämtlichen Voden- erzeugnisie bestimmter Art ausschließlich an oder durch die Syn- dikatsgefellschaft zu verkaufen. Dieser Plan mag vom Standpunkt geschäftlicher Interessen oder der Spekulation aus begreiflich sein, im übrigen aber halten wir ihn für bedenklich: er würde nur eine unheilvolle Zersplitterung in der Landwirtschaft durch Betonung der Gegensätze zwischen Klein- und Großgrundbesitz und einen verschärften Kampf gegen den letzteren herbei- süLren. und außerdem höchst verbitternd auf alle nicht Grundeigentum besitzenden Kreise unserer Bevölkerung wirken. Wir brauchen aber Einigkeit und nicht Zersplitterung. Rach alledem > das Zustandekommen einer solchen Syndizier'.?^ deutschen Großgrundbesitzes wirtschaftlich ein Fehljchlag und-auch politisch ein Fehler sein und deshalb geradezu ein Unrecht gegen unsere Volkswirtschaft bedeuten. Die Weltkriegs-Grippe. Der „Süddeutschen Zeitung" wird von einem ärztlichen Mitarbeiter geschrieben: Zu aller Rcl des Krieges, zu allen Sorgen der Friedensschritte ist nun auch eine Volksseuche, die Grippe, getreten. So töricht die immer wieder umlaufenden Gerüchte sind, es handle sich um eine viel schlimmere Krankheit, etwa um Lungenpest, so ernst ist die Lage infolge der außerordentlich großen Ausbreitung. um so ernster, als man die Epidemie bereits erloschen wäbnte und plötzlich einem gewaltigen Aufflackern gegenübersteht. Die Ursache der Epidemie in den Kriegsverhältnissen. in mangelhafter Reinhaltung oder in schlechter Ernährung zu su- chn, dafür liegt kein Anhaltspunkt vor. Denn die Krankheit wütet in neutralen Ländern, die fast noch wie in Friedenszeiten leben, z. B. in der Schweiz ebenso sehr, ja teilweise noch heftiger als es jetzt in Deutschland der Fall ist. Am e-hrlichsten ist es, von der Erivpe zu sagen' Man weiß nicht, von rvannen sie kommt und geht und man kennt noch nicht die Gesetze ihrer epidemischen Ausbreitung. Auch die Geschichte lehrt uns hier nichts. Seit wann man von Grippe-Epidemien Kenntnis besitzt ist schwer zu sagen. Die .Krankheitsbilder sind nickt immer so einwandsfrer überliefert worden, daß man behaupten kann, es handelte sich damals auck um Grippe und keine andere Krankheit kommt in Frage. Die einen unter den medizinisch-historischen Forschern nehmen an. daß die Epidemie, die im Jahre 412 vor Christi Geburt herrschte, wohl das erste Auftreten der Mastengrippe gewesen sei. während andere Gelehrte bereits bei Homer beschriebene Krankheitsumstände als Grippe deuten wollen. Als sicker vermögen wir aber eine Epidemie vom Jahre 591—592 nach Christi Geburt als Grippe anzusprechen, die in Deutschland wütete und durch Kopfschmerz. Bewußtlosigkeit Verfall der Kräfte. Neigung zum Gähnen usw. gekennzeichnet war, auch viele Todesfälle herbeisührte. Manche andere Epi- deinie folgte dann in Europa, ohne gerade die cyarakteristischen. sich stets wiederholenden Symptome der Grippe zu liefern. Die. ser Fall trat jedoch in den Jahren 1410—11 ein. als die Grippe allein in Paris mehr als 100 000 Einwohner plötzlich überfiel. Fast übereinstimmend berichten die Chronisten jener Tage von Geschmacksveränderungen, von Alterationen des Eeruchsirms, von; Schlaflosigkeit, von Gliederschmerzen und Zitteransällen, von quälendem Husten und bei Frauen von Aborten. Febris ca* tarrüalis, Fieberkatarrh, nannten es die Aerzte, und geistige Störungen waren nicht selten. Sehnenhupfen und Ohnmächten waren quälende Begleiterscheinungen. Blutsturz aus Mund. Naf- und Darmkanal sollen bisweilen der Anfang zur Besserung ge. wesen sein. Im Jahre 1580 durchraste eine genau bezeichnete Grippe- Epidemie ganz Europa, überall mit denselben Symptomen auf. tretend und stets gleich verlaufend. Die von der Krankheit Er. griffenen klagten über große Hitze und Fieber. Husten, drücken- den Kopfschmerz. Schlaflosigkeit. Schmerzen und Spannen der Glieder, Ekel. Schwindel und Schlafsucht. In den Jahrzehnten vor dem jetzigen Weltkrieg hatten wir mehrmals Grippe-Epl- demien. Man nannte die Krankheit damals zur Abwechslung Influenza. Man wollte auch Unterschiede zwischen der Einzel- gvippe und der sogenannten Influenza bemerken, aber bald stellte sich heraus, daß es immer die alte Grippe ist. die in neuen und wechse-luden Formen austritt. sowohl beim Einzelnen wie als Mastenerscheinung. Bei der jetzigen Welttriegs-Erippe ist auffallenderweise ein großer Prozentsatz junger und kräftiger Personen von der Grippe besonders heftig geschüttelt worden, und die tödlichen Fälle verlaufen fast durchweg infolge hinzutretender Lungenentzündung so schwer und traurig. Das liegt wiederum wohl weniger an den Kriegsverhältnisten, an mangelnder Pflege und Schonung, als vielmehr an der Eigenart des Auffassungsstoffes. an der ..Virulenz" der Krankheitserreger bei der jetzt herrschenden Seuche. Das Wiederaufleben der Seuche in den letzten Wochen wurde dadurch erschwert, daß sich nicht stets gleich Mastenerkrankungen ergaben, sondern daß die Grippe zu Anfang ihres Auftretens an einem Ort doch nur bald hier bald da Einzelerkrank,ingen hervorrief, die namentlich in leichteren Fällen übersehen wurden. Dazu kommen die Schwierigkeiten der ärztlichen Hilfe unter den jetzigen Umständen, das Fehlen von Fuhrwerk usw. Die öffentliche und amtliche Bekämpfung der Grippe hat ja nun endlich mit der Energie eingefetzt, die dem Ernst der Cache enffpricht. Der Schließung von Schulen wird sich, wenn die Seuche nicht abebbt, noch manche andere Einschränkung des gesellschaftlichen Lebens und Verkehrs anschließen müsten. Die Epidemie kam zu sehr ungelegener Zeit. Hier rst ein innerer Feind entstanden, der uns das Durchhalten in schwerster Stunde noch mehr erschweren will. Wir müsten feiner Herr werden, damit er nicht ein schwarzes Gewicht in die Wagschale der Kriegsentscheidung wirft. Aus der Heimat. Unsere Schuld. Wenn man vor kurzem die deutschen Zeitungen in die Hand nahm, konnte man glauben, wir lebten nicht in einem Krieg gegen die halbe Welt, sondern in einem Bürgerkrieg. Wir haben unter ewiger Krittelei an den wirtschaftlichen Einrichtungen unseren Willen zur Selbsterhaktung so geschwächt, daß der Feind einen Erfolg erringen konnte der ihm sonst versagt geblieben wäre. Jetzt muß in jedem Deutschen tnc Erkenntnis der ernsten Stunde gew ckt werden. Der Feind ist willens, in unsere Heimat einzubrechen. Das wird ihm aber nie gelingen, wenn wir die durch die Wirksamkeit feindlicher Agenten zersplitterten Kräfte unseres Deutschtums sammeln. Noch sind wir imstande, großes Unheil zu verhüten. Handeln wir darnach und bezeugen wir auch unseren Soldaten, daß wir ihnen die verdiente Achtung nicht versagen. Da der Krieger heute nicht mehr soviel Liebesgaben wie früher erhalten kanu, so muß er dafür täglich fühlen, daß seine Treue durchs Treue vergolten wird. Friedvcrg, £&, CSt. Zu der vom Kriegsamt nach deni Stande vom 1 Januar 1916 neubearbeiteten Zusammenstellung von Gesetzen, Bekanntmachungen und Verfügungen betr. Kriegs- rohstoffe nebst deren Nachträgen, Ausführungsbestiinmungen vnii Erläuterungen ist das 4. Ergänzungsblatt nach dem Suu:ö* vom 1. September 1918 erschienen. Dieses Ergänzungs - wird den Beziehern der Zusammenstellung ohne Anfordmrr J &- stenfrei nachgeliefert. Sollte die Nachlieferung nicht erfolg.«, so ist dasselbe bei der Stelle anzusordern, durch welche die Zusammenstellung bezogen worden ist. Reue Bezieher können dt« Zusammenstellung zum Preise von 1 Mk. (einschließlich der Er» gänzungsblätter) von der zuständigen Kriegsamtsstelle. mtt Ausnahme von Metz, Düsseldorf und den Kriegsamtsnebensteb len, erhalten. Den Bock zum Gärtner. Wegen unerlaubter Rebenge» schäfte hatte der Kaufmann Klinger, der als Einkäufer der Z^ E.-G. fungierte, vom Schöffengericht in Duisburg eine Geld, strafe von 15 000 Mark erhalten, wogegen er Berufung ein« legte. In der Verhandlung vor der Straffammer wurde fest- gestellt, daß dem Angeklagten eines Tages von holländischen Schmugglern 92 Zentner Roggen angeboten worden waren. Er kaufte den Roggen, führte ihn aber nickt an die Z.-E.-G. ab. sondern verkaufte ihn weiter an die Firma Krupp. Er hatte den Zentner für 75 Mk. gekauft und ließ sich einen Preis von 135 Mk. von Krupp bezahlen Die Anklage wurde daher auch auf Preiswucher ausgedehnt. Der Angeklagte machte eine lange Rechnung auf. wonach er so große Unkosten gehabt habe, daß ihm nur ein geringer Nutzen verblieben sei. Das Gericht folgte diesen Ausführungen zwar nicht, sah aber die Sache milder an und ermäßigte die Strafe auf 10 000 Mk. — Sehr wesentlich ist die Tatsache, daß es sich um einen Einkäufer, also einen Vertrauensmann der Z.-E.-G. handelte. Gedern. 20. Okt. Am Samstag abend fand in der Kirche eine gut besuchte vaterländische Versammlung statt, in der von dem Ortsgeistlichen Hofprediger Widmann ein Vortrag über „Deutschlands Schicksalsstunde" gehalten wurde. Ausgehend von der durch das Friedensangebot geschaffenen Lage und unter Zugrundelegung eines reichen geschichtlichen Materials führte der Redner den Nachweis, daß Zeiten der Not immer Zeiten der Kraft und des Sieges gewesen seien. Hieraus gelte es für die Gegeirwart die Folgerungen zu ziehen: einig und stark zu sein, nicht zu verzagen, dem Vaterlande die Treue zu halten und dies durch Zuversicht und allseitige Beteiligung bei der Zeich. nung auf die neunte Kriegsanleihe zu bekunden. Gemeinsam gesungene Lieder und von Schulkindern vorgetragene Gedicht umrahmten den Vortrag und trugen dazu bei. den Eindruck de- weihevoll verlaufenen Feierstunde zu vertiefen. Schwanheim a. M.. 22. Okt. Bürgermeister Diefenhardt der 25 Jahre an der Spitze der Gemeinde stand, ist gestorben Er hat sich viele Verdienste um die Gemeinde erworben, nar mentlich verdanken ihm die Landwirte viel. Weil er ein Mann von echtem Schrot und Korn war. wurde er von den ftankfur- terisch — jetzt kapitalistisch gesinnten Zuzüglern — in unserer Gemeinde öfters hart bekämpft. Ans Hkssrn-Rastau. Unicrliederbach, 20. Okt. In jüngster Zeit kamen hier zahlreiche Enten abhanden. Jetzt wurde festgsstellt. daß ein gutge- kleideter Herr die Tiere, wenn sie im Bache plätscherten, mit einer Vcgelflinte weggeschossen hat. Leider konnte der Schüße noch nicht mit Namen festgestellt werden. Wiesbaden. 20. Okt. Zwischen Burschen aus Rod am Berg und solchen von Hausen entstanden eines Tages auf der Fahrt zu ihrer Arbeitsstätte, der Eifenbahnwerkstälte in Nied, Streitigkeiten. Am Abend auf der Heimfahrt setzten sich diese fort. Als die Roder Burschen Hausen passierten, wurden sie plötzlich mit Steinen bombardiert und mit Lattenstücken bearbeitet. Alle Roder nahmen Reißaus, bis auf den löjährihen Otto Kattcr. Er wurde umstell: und bedroht. Er zog. um feine fünf Gegner abzuwehren, ein feststehendes Messer und stach um sich. Unglücklicherweise traf er den 17jährigen Emil Rühl von Hausen in die Lunge, so daß der Verletzte 11 Wochen im Krankenhaus zudringen mußte. Wegen gefährlicher Körperverletzung wurde Rühl vom Schöffengericht Usingen zu einem Monat Gefängnis verurteilt Hiergegen hatte er Berufung eingelegt. Die Strafkammer hob das Urteil auf und sprach Rühl kostenlos frei, da er in Notwehr gehandelt habe. FC. Aus dem Wellnitztal, 20. Okt. Die Kartoffelernte ist hier ziemlich beendet. Sie fällt wider Erwarten gut aus. Diele Landwirte ernteten soviel Kartoffeln wie im vorigen Jahre. FC. Aus dem Rhcingau. 18. Okt. Die Grippe tritt jetzt auch in den Orten des Rheingaus sehr stark auf, besonders gefährlich im oberen Teil des Rheingaus. FC. Nastätten, 22. Ott. Von zwei Personen wurde dem Landwirt Wilh. Thorn in Bettendorf nächtlicherweile ein hoch» ttächtiges Schwein aus dem Stalle gestohlen. Der Landwirt wurde durch seinen Hund auf das Treiben der Diebe aufmerksam und jagte nur mit Hemd und Hose bekleidet den Dieben nach. Er konnte ihnen die wertvolle Beute abnehmen und erreichte wieder mit seinem in gesegneten Umständen lebenden Mutterfchwein den heimischen unfreiwillig verlassenen Stall. Aus Kurhcstcn. FC. Wächtershach, 22. Okt. Mit eigner Lebensgefahr rettete die 18jährige Tochter des Eutspä'chters May einen auf dem Eulshof beschäftigten Gefangenen das Leben, indem sie denselben unter den Hörnern eines wütend gewordenen Stiers hervorzvg. Das Tier hatte den Gefangenen bereits zu Boden geworfen und holte gerade zu kräftigem Stoß aus. Bor zwei Jahren befreite die tapfere Anna May ihren Vater aus einer ähnlichen Lage. Aus der Pfalz. FC. Aus der Pfalz, 20. Okt. Im Zeitraum von sieben Mi- nuten starben in Winzingen die Witwe Daniel Blettlnger und deren verheiratete Tochter an der Grippe. " "" ■■■■■"■■' '■»■■ _l!Bi .■ ■—J_ , ■. - » ' .,1, _ ! ! LJ Verantwortlich für den politischen und lokalen Teil: Otto Hirsche!. Friedberg: für den Anzeigenteil: R. H e y n e r„ Friedberg. Truck und Verlag der „Neuen Tageszeitung*. A. G.. Friedbera i. L UerzerrskiLmpfe. Roman von Helene Sckütky, geb. von Eersdorff. (Oop^righl 1915 by C. Ackermann-Stuttgart.) 23) Nachdruck verboten „Armes Kind, arme Hilde!" sagte er von Mitleid erfüllt mit weicher Stimme. „Ja, das ist wirklich hart! Aber warum sagen Sie auf immer? Es mutz doch nicht auf immer sein!" Sie sah ihn mit großen traurigen Augen an. .»Ja, auf immer, es mutz auf immer sein!" sagte sie leise. „Aber wirklich, da sehen Eie die Lage doch zu trübe an" suchte er sie zu trösten. „Erstens werden Cie doch jedenfalls das Haus Ihrer Verwandten hier, die Sie wie ihr eigenes Kind lieben, in kürzerer oder längerer Fr st wieder besuchen, und dann gibt es ja noch eine Möglichkeit, in eine Ihnen mehr paffende Umgebung zu kommen", setzte er lächelnd, aber mit zuckendem Herzen hinzu, nämlich indem Sie sich verheiraten" Hilde schnellte aus ihrer gebückten Haltung empor. „Nie. niemals geschieht das!" rief sie heftig. War es zu ertragen? Jetzt würde er ihr auch noch ganz kühl raten, einen andern zu beiraten! ..Aber. Fräulein Hilde, das verstehe ich nicht", erwiderte er. wirklich erstaunt ül>er ihre Heftigkeit, „das wäre doch der einzige Ausweg aus Ihrem ..Kerker", wie Sie es nennen. Oder haben Sie vielleicht den Vorsatz gefaßt, gar nicht zu heiraten?" Sie nickte eifrig. „Ja wohl, den Vorsatz habe ich allerdings gefaßt." ..Weshalb denn aber?" fragte er aufs Aeutz"rste gespannt. „Sind Sie prinzipiell geeen die Ehe? Finden Sie auch, wie es beutezutag, so oft geschieht, daß dieselbe eine verfehlte' veraltete Einrichtung ist?" ..Nein, das finde ich gar nicht, sondern bin im Gegenteil der Meinung datz die Ehe. wenn ste von beiden Teilen richtig aufgefatzt und durchgeführi wird, die beste und einzige Matz- reaei ist. die ein wahres Glück verspricht, soweit es hier auf Erden möglich ist", sagte sie entschieden. ..Na. also, woher denn Ihr merkwürdiger Vorsatz?" sprach Reinbold immer mehr erstaunt. „Aber das ist doch ganz einfach", erwiderte Hilde, „so schon eine wobrbaft glückliche Ebe, gegründet auf echte gegenseitige Liebe. Achtung und Vertrauen sein mutz, ebenso schrecklich ist das Gegenteil, wie wir" setzte sie ,w^ernd binzu. ..'leider Beide ans Beobachtung in unserem nä^en Familienkreise erfahren babem Gerade diese traurigen Beobachtungen haben meinen Vorsatz veranlatzt" ,,8s * SeBKifHA. ftrmrlein Silbe, bnfi sie einen tiefen Ein- . c, 'f <=><■ umnN önsien, eher deshalb olle Hofinnn-, NU! eignes Lebensglück kampflos anfzngeben. dag geht meiner Mei- minq nach doch zu weit", entgegnete Neinhold. „Und es wird auch noch anders kommen", fuhr er wie trostend fort. „Warten Sie mir, bis der sogenannte „Rechte" kommt, Dann werden alle Ihre Bedenken wie Spreu vor dem Winde verfliegen." Hilde schüttelte sehr energisch den Kopf. zW - „Das ist ganz und Kar unmöglich!" rief sie. r< r' „Unmöglich? wieso? fragte er aufs Neue erstaunt. „Glauben Sie, dah es überhaupt für Sie keinen Rechten gibt, daß niemand würdig ist,, ihm Ihre Liebe zu schenken?" „Nein, nein, nein! das glaube ich gar nicht. Halten Sie mich doch nicht für so anmaßend!" rief sie erregt. „Ja, aber wo liegt denn die Unmöglichkeit?" fragte er und blickte wirklich konsterniert in ihr vor Aufregung flammendes, schönes Gesicht. „Wo sie liegt? Nun denn. Sie sollen auch das erfahren!" entgegnete sie entschlossen. „Erfahren, was bis jetzt noch niemand ahnt, was immer mein tiefstes Geheimnis bleiben sollte! Sie können daraus ersehen, wie hoch ich Ihre Freundschaft schätze, wie groß mein Verttauen zu Ihnen ist." „Nun. nun?" drängte er, doch mit sinkendem Herzen. Was würde sie sagen? Nun kam sicher das Aergste, das Schwerste, das Ende all seines eignen Glücks. „Ich habe den „Rechten" bereits getroffen und liebe ihn von ganzem Herzen, für immer, für ewig." sagte sie leise, aber sehr langsam und deutlich. Ihm schoß alles Blut zu Kopf, einen Augenblick wurde ihm schwarz vor den Augen, ihm schwindelte. Also doch! Sie lieble einen andern! Wer möchte es sein? O Gott, hilf, verlaß mich Tiefes Schweigen folgte ihren Worten. ! fv ! ' 1 Endlich ergriff sie das Wort. „Finden Sie nun meinen Vorsatz begreiflich?" fragte si^ leise. Er hatte sich inzwischen so weit gefaßt, um sprechen zu können. „Nein. Fräulein Hilde, noch viel weniger als vorher. Wenn Sie einen Mann lieben, weshalb heiraten Sie ihn denn nicht?" „Weshalb. Herr von Germshcff? Aus einem sehr einfachen Grunde, weil er mich nicht liebt, weil er mich nicht will." Reinhold sprang wie elektrisiert in die Höhe. „Weil er Sie nicht liebt, weil er Sie nicht will?" wiederholte er ihre Worte. „Ader das ist ganz undenkbar, ganz und gar ausgeschloffen!" „Und doch wahr, Herr von Germshoff!" behauptete sie sehr bestimmt. ' y n ^ n » C9 ist nicht wahr, kann nicht wahr fein!" ries er immer hitziger werdend. ..Sie müffen sich täuschen!" „O. tn solchen Dingen täuscht man sich nicht?" „Ja. aber was ist denn das für ein Mensch, der Sie kennen, sehen könnte, ohne Sie zu lieben?" rief er. in seiner Aufregung gar nicht beachtend, daß in diesen Worten schon ein halbes Gestand'-is seiner eignen Liebe lag. Sie blickte ihn denn auch einigermaßen verdutzt an. Was sollte das heißen? Noch niemals hatte er ettvaZ oerartiaes gesagt. „O. es gibt sogar viele solche," erwiderte sie ruhig, „viele unter meinen Bewerbern, denen meine Persönlichkeit ganz gleichgültig ist. die nur auf mein Vermögen erpicht sind die wenn ich arm wäre, überhaupt gar nicht an mich denken'wür- „Aber es gibt auch solche, die Cie nur um Ihrer selbst willen lieben." rief er eifrig, „denen Ihr Geld nur ein Hindernis ist. sich Ihnen zu offenbaren, und der Mann, den Cie lieben ist gewiß einer von diesen, anders kann es nicht sein, davon 'bin ich fest überzeugt." „Nein, Herr von Eermshoff. er liebt mich nicht. Ja. er ist ein stolzer Mensch, das ist wahr. Er ist arm und will nicht daß die Welt und vielleicht auch daß ich nicht denke, er sticke mich um meines Geldes willen zü erringen. Daher verschmäht er mich. Nennen Cie das Liebe?" Er schwieg. In ihm tobten tausend widersprechende Ee- stihle. Gs war wie ein Chaos. Wen meinte sie? Gab es noch einen Menschen, der genau so dachte und empfand, wie er selbst? „Nein", sprach ste weiter, indem ih.e Worte immer rascher winden, „nein, Liebe ist anders. Liebe fragte überhaupt nicht nach dem Geld. Weder das Zuviel, noch das Zuwenig kann sie beeinflussen. Liebe ist etwas so hobss. daß es mit dem Gelde gar nichts zu tun hat. Wenn ein Mann meinetwegen ein fast krankhaft gesteigertes Ehrgefühl nicht überwinden kann, fo liebt er mich eben nicht wahrhaft. Wenn er siebt, daß ich einsam und unalücklich bin, daß ich von Kind an verlaffen war, daß ich lieblos und defpottfch behandelt wurde, wenn er das weitz, ohne mich an sein Herz zu nehmen und überhaupt gar nicht mehr an das elende Geld zu denken, dann liebt er mich nicht! .... Wenn er ... . „Hilde. Hilde, hören Cie auf!" rief er erschüttert. „Ja. Cie haben tausendmal Recht! Glauben Cie mir. er liebt Cie liebt Cie über alles! Alles andre ist nichtig, ist kleinlicher, eng.' herziger Trug und Spuk!" Er war plötzlich vor ihr niedergesunken und barg seinen Kopf an ihrem Kleide, während sie ihn heftig schluchzen hörte. „Reinhold. Reinhold! Ist es möglich^" rief sie ebenfalls in Tränen. Sie beugte sich über thn und streichelte sanft sein Haupt. Da blickte er auf und blickte ihr strahlend selig in die Augen. „Hilde, ich habe dich ja geliebt vom ersten Auaenblick an. als ich dich sah", rief er fast jaulend. „aber ich wollte nicht, ich dachte, ich di'rfte nicht ... Doch dein Zauber war größer, als mein Wille, ich war dir rettungslos verfallen. Immer mehr, immer inniger, immer heißer mutzte ich dich lieben? Doch immer noch glaubte ich. es dürfe nicht fein .... dein große, Reichtum stand zwischen uns wie eine unübersteigbare Mauer. Fortsetzung folgt. n Heute verschied nach langem, schwerem, mit großer Ge- duld ertragenem Leiden meine innigstgeliebte Gattin, unsere gute titulier, Großmutter, Schwester, Schwägerin und Tante Fm Wdeilie Gcrlh geb. Vullmaau im 62 . Lebensjahre. Friedberg, im Felde, den 23. Oktober 1913. Die liefirmrilSen Kuteckiclieucu. 2n deren Namen: Konrad Eerth und Kinder. Auf der Verstorbenen findet die Beerdigung in aller Stille statt. Todes-Anzeige. Heute entschlief nach 14 tägiger schwerer Krankheit im Alter von 45 Jahren unsere liebe Tochter und Schwester Cheistina Kölsch. Heuchelherm, den 23. Oktober 1918. Die trauernd Hinterbliebenen: Will,. Kölsch Theodor Kölsch. Die Beerdigung findet Freitag nachmittag 2% Uhr statt. Sßetr.: Flelschoer orgung. Sekniilltiilachttirg ... ^ch bringe hierdurch zur ofseni- Uchen Kenntnis, daß der.Verlauf von Rindfleisch und Wurst sür diese Woche am Freitag, den 25. O.tober 1918. von nochmit- iags 1 biS 6 Uhr in sämtlichen Ceschäf Stäben der Rmds. und Schn ememetzger ftattfindet. Die Leuaufszeit ist genau einzuhalten. Kalbfleisch gelangt nicht zur Ausgabe. Friedüerg. den 24. Okt. 1918. 2er Bürgermeister ^_ 2. V.: La mm. Vertausche ».asteechten Rattenpinscher gegen Größeren, jehr «charfen, wachsamen Pss-und. H. Schultheis, Steinfurth bei Bab-Rauheim. crrtn * ei1 '.eilen tüte mit, daß nunmehr regterungs ettig der Cchrntzelpreiö festgesetzt morden ist und zwar: für frische Schnitzel auf Mk. 0,80 per Zentner " Trockenfchnitzel „ „ 13,50 „ „ Frierbcrg 1. H., den 23. Oktober 1918. AcLien-Zuck ersabrik Wetterau. Achtung! Vkeuuhch. Großes Quantum Vuchen-Scheitholz, Eichen- und Nadelrundholz, letzte Winterfällung, hat waggonweise abjugeben Holzhandlung W. Alt, Eichelsdors. Ober-Heffen. Bekanntmachung. Sn un'erer Bekanntmachung rom 9. Oktober 1918 hat sich ein Fehler einge chl'chen. Es muß heißen, Ter Rohlohlenverkaus au? unserer Grube Wölfersheim bei Wölfersheim, Dienstags und Donnerstags jeder Woche, bleibt nach wie vor sortbestehen. Fnedbrrg, den 19. Ok ober 1918. Großh. VZrgWerksdirektion. Drucksachen aller Art in sauberster Ausführung liefert schnell und billig Mt Tageszeitung, Druckerei u. Verlag A.-G. 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