Nummer 245 fiijrljrri* $ 3Ö* Freitag, den 18. Oktober 1918 11. 3ftl?r Pkg.. totale 20 Anzeigen von auswans oeroen durch Po rnachna m erhoben. Elii'Uunosori Friedbera. Hchriftleitnna und 'lerlan riedde'-g liefen!. mnauer trage 12. ^e^n orecher 4S. Ba t» deck» Lonto ’Jlr. iS»!), I n» Franiurt a. M. Znriichverlegung der Front hinter die §ys. — Cin neuer nrchbrachsverfnch anf breiter Fr^»'t aelcheUert. Die Keralungcn in Kerlin. — Derlängern».g der Zeichnnngsfrist für die Kriegvanlcilje. Der deutsche Generalstab =r= meldet: =s M. S. Trotzes Hanplqsrartier. den 17 . mtobtv Ämllich. Westlicher Krieg-schanplatz. Heeresgruppe Kronprinz Nupprecht Aus dem Kampffelde nahmen wir unsereF-ro"t ln die Lin^e östl'ch rum Torhout-Koolskamp-Ingelmünster. im Anschluß hieran hinter die Lps zurück. Nach stärkstem Feuer auf das geräumte Gelände fühlte der Feind an unsere neuen Stellungen heran. Beiderseits von Koolskamv griff er sie mit starken Kräften bei Tr.rhout und Ingelmünster in Teilvorstösen an. Auch ge^en die Lps-Front hei Kortrik und Menen führte er heftige Angriffe. Der Feind wurde überall alwewiesen. Gegen unsere neue Front zwischen Lille und Douat ist der Feind gestern bis tn Linie Eapinghen-Allenes les Marais-Earvin Oigliies gefolgt. Am Sclle-Absckvitt drang der Gegner bei Haussv in unsere Linien ein. Radfahrer-Bataillone warlen den Feind im Gegenangriff zurück und nahmen die alte Stellung wieder. Die Beschießung der Stadt Denain durch englische Artillerie hält an und hat weitere Opfer unter den französischen Einwohnern und Flüchtlingen gefordert. Heeresgruppe Deutscher Kronprinz. An der Aisne-Front zeitweilig Artilleriekampfe. Erneute Angriffe der Franzosen nördlich von Origny wurden abgervicfen. An der Aisne und an der Adre scheiterten starke französische Angriffe vor unseren neuen Linien westlich von Grandpre. Heeresgruppe Gollwitz. Oestlich der Aire wurden amerikanische Angriffe, deren Hauptstoß sich gegen Ehampigneulletz und Landres richtete, ab- gewiefen. Beide Orte wurden gehalten. Die Höhe südöstlich von Lamdres blieb nach wechselvollem Kampfe in Feindeshand. Auch auf dem Ostufer der Maas scheiterten erneut Angriffe des Feindes. Bei Abwehr des westlich von Flabas mit Panzerwagen vordringenden Gegners zeichnete sich die erste Landwehr- Division besonders aus. Südöstlicher Kriegsschauplatz. Bor unserer neuen Front zwischen Iagodina und Risch hat der Feind die westliche Morava-Erusovac- und Aleksinac erreicht. Teilangriff'e, die er aus dieser Linie heraus führte, wurden abgewiofen. Der erste Eeneralquarticrmcistcr: Ludendorff. Staatssekretär Bauer über die Kriegsanleihe: (?§ komme wie es wolle, die .^viesis- ist gekichert, dafür wird Reichstag und Regierung sorgen. ' * Alrendbericht. Derlln, 17. Oft., crbends. (WB. Amtlich.) Zwischen Le Eateau und der Oise hat der Feind erneut auf mehr als Ob Kilometer breiter Front angegriffen. Der mit großen Mitteln ankefetzte Durckbruchserrsuch wurde vereitelt. Seine Angriffe find teils vor unseren Linien gescheitert, teils fingen wir sie vor unseren Artilleriestellungen auf. In Flandern, an der Aire und Maas nur örtliche Kämpfe. -.., - -- -- H Der österreichische Generalstab j| jfe=--- meldet: ? SBien, 17. kt. ildet auz Reichsratsabgeordneten jeder Nation — die Ivte'--'si?n der Völ. ker zu einowdcr sowie im Verkahr mit meiner Negierung zur Geltung bringen sollen So möge unser Vaterland, gefestigt durch die Eintracht der Rationen, die es umschließt, als ein Bund freier V.ö'lker au« den Stürmen des Krieges hervorgehen. Der Segen des All. mächtigen fei über unserer Arbeit, damit das grwe Friedens, werk das wir errichten, das Glück aller meiner Völker bedeutet Wien, 16. 10. Karl m. p. Husiarek m. p. Gleichzeitig wendet fick Kaiser Karl folgendermaßen an Armee und Flotte: Den Wünschen aller Völker Oesterreichs entsprechend, erfolgt ibr Zusammenschluß in nationale Staaten, vereint in einein Bundesstaate. Wenn hierdurch einerseits Hemmungen beseitigt werden, die im Zusammenleben der Völker bestanden, so soll andererseits geeintem Schaffen zum Woble des eigenen Volkes und Vaterlandes künftighin ungebcmmt freie Bahn offen sein. In diesem bedeutungsvollen Augenblick n»ende ich vrich an die Armee und Flotte. In Euren Reiben bat die Treue und Einigkeit alle Nationen unter einander und mit mir stets unlösbar verbunden Unerschütterlich ist mein Vertrauen, d^ß der feit alter?' r und auch jetzt woblbewäbrte Geist der Treue und Emtracht unverrückbar fortbcstehen wird Ihn vwllen wir bewabren. Er werde Oesterreichs nei!en Staaten das kostbarste Erbe, ihne» und mir zn Lust und Frommen. Das walte Gott! Cchönbrunn, 17. Oktober. Karl m. p. Willons Dole nii (Oesterreich. Berlin, 17. Oft,. 1 Uhr mittags. In Wien verlautet, daf die Antwort Wilsons an Oesterreich-Ungarn bereits am Mittwoch abend in Wien eingetroffen ist. Der Inhalt aber soll, wic man sagt, auf Grund einer Vereinbarung weder in Wien nach in Washington veröffentlicht werden, bis der dafür geeignet« Zeitpunkt gekommen sein wird. Es erklärt sich auch, daß di« Niedergeschlagenheit, die die Antwort Wilsons auf die deuff.b« Note in dem deutschen Teil der öffentlichen Meinung Oester. reichs hervorgerufen hat. gemildert worden ist durch die Halb nung, daß die Antwott Wilsons an Oesterreich in einem we. fentlich milderen Ton gehalten fein wird. Die Antmort an Wilfon dessen Note heute anitlich in Berlin eingetrossen ist. soll beule erfolgen. Auster der Obersten Heeresleitung ist auch der Chef des Admiralstabes p. Sck>eer in Berlin eingctrofsen. Eine Klärung der Ansichten soll angebahnt fein. Berlin, 17. Okt. Wie der Lokal-Anzeiger" aus Reicks» tagskreisen hört, haben die Beratungen über die deuttck» Antwortnote ihren Abschluß gefunden. Die Anstäntnzz^ Stellen sind zur Zeit mit der Abfassung des Dokuments de- fcl)äftigt. lieber den Inhalt ist natürlich Bestimmtes nicM bekannt. E» ist anzunebmen. bak bie Antwort io aebalte» fetn wird, daß sie keine fdRroffe Ablehnung der Wilsonnote enthält, sondern den Weg zu weiteren Verhandlungen offen läßt. In der Note dürfte selbstverständlich auf das entschiedenste Verwahrung gegen die Beschuldigung eingelegt werden, daß sich die Deutschen Greueltaten zuschulden kommen ließen. Was die anderen Punkte betrifft, so müßte ja Wilson bei der Einholung der Meinung militärischer Sachverständiger ernsehen. daß eine Räuwung^der besetzten Ge- biete eine militarifd>c Unmöglichkeit ist, solange kein Waffenstillstand vereinbart ist. Inzwischen tobt die Kriegshetze in den feindlichen Ländern toller wie je, es wird der Beweis geliefert, daß unseren Feinden die Demokratisierung und Parlamentarisierung Deutschlands so gleichgültig ist. als ob etwa aus dem Maroder einenr anderen Planeten eine Verfassungsänderung vorgenommen werden wäre. Ausschlaggebend ist dort nur der Racke- und V^rnichtungswille. Im Senat wurde eine Gicueldebatte aufgeführt, die alles früher übertroffen hat. Der französisch? Minister Pichon pries Wilson als den erhabenen Präsidenten, der es ablelme, mit einem Staate zu verhandeln, dessen Heere sich weiterhin durch Verzweiflungstaten, Veewüsiunaen und Wildheit entehrten. Es müsse voller Ersatz und Strafe für alle angerichteten Schäden und Greuel gefordert werden. Ter französisä)e Senat nchm jubelnd davon Kenntnis. Wir in England die Stimmung ist. davon gibt nachstehende liberale Stimme Kunde, die im Vergleich zu den tobend m konservativen Blättern als gemäßigt anzusehen ist. Dw Wesi in irrster Gazette schreibt: Wir müßten mit dem vollzähligen Völkerbund warten, bis Deutschland seiner Lage selbst müde isr. und inzwischen müßten wir Truppenmassen Unterhalten dw genügen es-unschädlich zu machen. Es wäre das kein reiner Friede. Missetaten und Strafen würden ihm siolgen Wir bvften innig, daß die zweite Möglichkeit sich verwirklicht. Wir müssen hierzu das deutsche Volk ermutigen ^nd Wilwn in seinen weiteren Bestrebungen, sich an das deujschc' P^lk direkt zu wenden unterstützen. Aber wir-dürfen auch nicht davon sprechen, daß wir das deutsche Volk be- strafen wollen, z. ff. mit einer Isolierung, mit einem Boykott oder mtt einem Wirtschaftskriege nach dem Kriege unter der Vorentbaltnng von Rechten. Wir schließen' uns den Äußerungen Maximilian Hardens an. daß der kommende Friede die Unterwerfung Deutschlands unter eine Idee sein muß, die zum Weltnüllen wird, sofern wir es mit einem freien Volk zu tun haben, das sich aufrecht iu dieser Hinsicht benimmt. Jenseits des Ozeans spricht sich die amerikanische öffentliche Meinung mit qrößter Entschiedenheit für die unerbittliche Fortführung des Krieges ans. Die gesamte Presse wiederholt: Keinen Waffenstillstand. keinen Frieden. Die aus Frankreich und England einaetroffenen Rackrichten. die besagen, daß diese beiden Lander jegliche Annäherung ablehnen, riesen hier die größte Defriedinung bervor und trugen zu einem noch engeren Zusammenschluß r-nischen den Vereinigten Staaten und der Entente bei. Man macht darauf aufmerksam, daß der Senat, wenn auch Präsident Wilson die Vollmacht zur Fortführung des Kriege? besitzt, über die Frage des Friedensschlusses befragt werden müsse. rri’^lnni) loll (FlialHotljrPfii rSnffü. Rotterdam, 14. Ott. Nach dem „Nieuwe Rotterdamsche Courant" schreibt der Parlamentskorrespondent der ..Daily News", er erfahre von maßgebender Seite, daß die alliierten Negierungen sich bei der Beantwortung der beiden Fragen, ob er. möglich sei, den von Deutschland verlangten Waffenstillstand zu gewähren, und unter welchen Bedingungen er gewährt werden würde, an den Rat der. militärischen Befehlshaber im Felde halten werden. Die Frage ob die deutschen Truppen auch Elsaß-Lothringen räumen müßten. werde, wie man in ministeriellen Kreisen annehme, bei der Waffenstillstandsfrage ebenfalls vorgebracht und nach diesen Gesichtspunkten entschieden werden. D.e englische Negierung betrachte den deutschen Vorschlag zur Errichtung einer gemischten Kommission als unerwünscht und unausführbar. Die englische Regierung und das britische Reich nürden nicht zögern, die Zukunft der deutschen Kolonien zum Gegenstand der Beratungen der Friedenskonferenz zu machen Bezüglich des Grundsatzes der Selbstbestimmung und der freien Wahl der Völker halten sie unerschütterlich an ihren Auffastun- gen fest. Dasselbe gilt für die Wiederherstellung und die Vergütung für die Verluste der Handelsflotte durch den uneingeschränkten U Vootkrieg. sowie für die Schadenvergütung für die im Gebiete der Alliierten ungerichteten Verwüstungen < f tn $\lh ans Mcix. Die schweren Kämpfe im Westen hoben naturgemäß allgemeine Aufmerksamkeit auch wieder auf Metz, den ae- waltigen Eckpfeiler unserer Landesverteidigung in Lothringen gerichtet, und wenn es nach den feindlichen Berichten amg. so müßte die schöne Moselstadt sck)on längst in Schutt und A'cka liegen, zumindest aber ihre Einwohnerschaft ge- ohen sein und dort Schrecken und Entsetzen herrschen. Wie es aber in Wirklichkeit in Metz aussieht, zeigt ein Blick in öle „Metzer Zeitung", die verbreiteste Tageszeitung in Lothringen, die unmittelbar nach dem Kriege 1870/71 von dem Verleger Lang ins Leben gerufen wurde und auch in dreien schweren Tagen in einem Umfang fast wie in Frie- , C " § f l l e " erscheint. Ihre Lokalberichterstattung zeigt zu. p °o ?° nbe • lmb ^ ünbel in Metz nach wie vor blüht, ln rdrf)er gibt, und daß von tt^gend einer Ka.aitrophen-Stimmung keine Rede sein kann. L ^genteil feiert Ulan auch in Metz noch heute die Feste wie sie lallen, unterhalt sich im Stadttheater bei Opern und Äs ^n^d^Ä^^- b t Uld} ! bic massenhaft vorhandenen ^ Wohltatigkeitskonzerte in den verschiedenen Gasthown und Kaffeehäusern in Metz. Die GejeüsckM für lothringische Gcffchrckts- und Altertumskunde feiert soeben ihr 30 jähriges Bestehen. Sie hat unter der lebhaften Anteilnahme des Vezirkspräsidenten Friherrn von Hammer- stein und zahlreickier Altlothringer und Eingewanderter der Heimatsgeschichte Lothringens und besonders des BiStums Metz, sowie der Altertumskunde und den geschichtlichen Hilfswissenschaften als Nachfolgerin der in den achtziger Jahren eingegangenen „Soc:t6 d'arch6ologie et d'histoire de la Mosalle" große Dienste geleistet. Die Namen ihrer Mitglieder haben in der deutschen Gelehrtenwelt einen guten Ruf Neben der Wissenschaft kommt auch die Kunst in Metz trotz der schweren Kriegszeit zu ihrem Recht. In der Garnisonkirch.' wird ein großes Kirchenkonzert mit Beet- a.aven s „Neunter" und Hayden's „Schöpfung" gegeben. Auch das Gewerbe siebt nüjt still. Die Schneiderzunft Lothringens kündigt in der „Metzer Zeitung" die Begründung einer neuen Genossenschaft an. die den gemeinsamen Einkauf von Rohstoffen und die Uebernahme von Lieferungen in die Wege leiten soll. Geburten und Sterbefälle werden ebenfalls gewohnheitsmäßig angezeigt, wie auch die Dinge des täglichen Lebens und den besten Beweis für den Lebens- :nut ihrer schönen Stadt bezeugt wohl ein Inserat in der neuesten Nummer der „Metzer Zeitung", in welcher gleich fünf junge, hübsche Damen auf einmal Herrenbekanntschaft, selbstverständlich zwecks Heirat, suckln. ftc Znlrnnst Syriens. Berlin, 15. Okt. Der hiesigen schweizerischen Gesandtschaft sind heute folgende an den Präsidenten der Vereinigten Staaten, Wilson, an den Präsidenten der französischen Republik. Poin- care und an den König von England gerichteten gleichlautenden Telegramme zur Weitergabe übermittelt worden: „Englischen Zeitungsmeldungen zufolge hat die britische Regierung, deren Truppen bekanntlich in Syrien stehen, die französische Negierung eingeladcn. die Bevölkerung Syriens gemäß den zwischen Frankreich und England abgeschlossenen Verträgen für die Autonomie vorznbereiten". Es handelt sich hierbei um nichts anderes als um die Tatsache, daß Syrien in Zwei Zöllen geteilt werden soll. Eine davon. Palästina, soll unter das englische Protektorat und die andere, Syrien, soll unter das französische Protettorat kommen. Dieser Krieg der Entente ist also nichts anderes als ein Annexionskrieg gewesen. Im Namen der syrisch-arabischen Gruppe im ottomanischen Parlament erhebe ich Einspruch gegen jede Einmischung Frank-- reichs und Englands bezüglich der Regelung des Schicksals unseres Landes Syrien ist ein ottomanisches Land und soll ein ottomanisches Land bleiben, trotzdem die Ottomanen ein oder zwei Schlachten verloren haben Die Autonomie Syriens muß auf dem Grundsatz fußen daß Syrien den Syriern gehört und daß diese also über ihr Los zu bestimmen haben Ich schlage also gemäß den bekannten Grundsätzen Wttsons, Lloyd Georges und anderer berühmter Entente- Staatsmänner vor. das Los Syriens durch eine Volksabstimmung, die natürlich in vollkommener Freiheit und ohne die geringste Veeinflusiung von irgendeiner Seite statlsinden muß. festzusetzen. Ich wende mich hiermit an alle kriegführenden und nationalen Regierungen, vor allem an die liberalen Gruppen Frankreichs und Englands, mit der Bitte zu beachten, daß jede auf brutaler Gewalt basierende Entscheidung betreffend Syriens beim allgemeinen Friedensfchluß als null und nichtig erklärt werden muß, und daß das Los Syriens, wie gesagt, vom Willen der Mehrheit der syrischen Bevölkerung abzuhängen hat. Jode andere Regelung geht gegen die Wünsche des syrischen Volkes und trägt in sich den Kdim zu neuen Kriegen." Emir Ehekih Arskan, Abg. des Haurcm, Syrien. Die Unruhen in Portuftal. Basel, 17. Okt. Aus Lissabon meldet Havos: Die Negierung ist am Montag verständigt worden, daß ein Teil der Garnison von Evora sich erhoben und sich der Person des Platzkommandanten bemächtigt hat. Die Negierung hat sofort die nötigen Maßregeln getroffen. Truppen aus Torres Bedras und Portaleare wurden nach Evora geschickt, u-m die Meuterer zu unterwerfen. Eine spätere Mitteilung des Zivilgouverneurs der Stadt gibt bekannt, daß die Revolutionäre sich unterworfen haben und in der Stadt Ruhe herrscht. Die rnsilischen KricgsVer'nste. Haag, 17. Ott. Reuter meldet aus London: Bisher soll England im Kriege ungefähr eine Million Mann an Toten verloren haben. MMrurn des KüiiminlirgjMrstkg. Der gestrige „Reichsanzeiger" veröffentlicht nachstehende kai serliche Verordnung: Wir Wilhelm, von Gottes Gnaden Deutscher Kaiser. Könn von Preußen 2C., verordnen auf Grund des Gesetzes über de» Kriegszustand vom 4. 12. 1916 im Namen des Reichs, was folgt Die Verordnung zur Ausführung des Gesetzes über den Kriegs zustand vom 4. 12. 1916 wird, wie folgt, geändert: 1. Paragraph 1 erhält folgenden Absatz 2: Der Oberbe fehlshaber kann Anordnungen mit verbindlicher Kraft für di. Militärbefehlshaber erlaßen. 2. Es wird folgender Paragraph 3 hinzugefügt: Der Ober befehlshaber trifft alle seine Anordnungen und Entscheldunger im Einverständnis mit dem Reichskanzler oder dem von diesen bestellten Vertreter. Urkundlich unter unserer höchsteigenhändigen Unterschriß beigedruckten kaiserlichen Insiegel. — Gegeben Großes Hauptquartier, 15. 10. 1918. /Siegel) Wilhelm. Mar. Prinz von Baden. Der „Reichsanzeiger" veröffentlicht ferner eine an de, Reichskanzler und den Kriegsminister gerichtete allerhöchste Cr» t*er, in der bestimmt wird, daß der Militärbefehlshaber die Be. fugniste. die ihnen auf Grund des in der Verordnung vom 31 . Juli 1914 erklärten Kriegszustandes zustehen, nur im Einver- standnis mit den von den Landeszentralbehörden bestimmte« Verwaltungsbehörden ausüben dürfen. Kommt ein Einver. standnis zwischen den Militärbesehlshobern und der Berwab tungsbehörde nicht zustande, so ist unverzüglich die Entschc-idi.ng des Obermilitärbesehlshabers einzuholen. Mit der kaiserliche Veröffentlichung dieser allerhöchsten Order ist die Grundlage ge. schaffen, daß alle auf Grund des Belagerungszustandes ergehen, den Anordnungen der Milttärbefehlshiber nur in Ucbere'mstim- mung mit den zuständigen zivilen Verwaltungsstellen ergehe, können, und daß sie letzten Ende? unter die Verantwortlichkeit des Reichskanzlers gestellt werden. ft (i : lii!fl!ränf!inifl dcr M'lin-niM. Berlin, 17. Okt. (WB.) Auf Grund der Vorschrift über dre (bereits mitgeteilte) Aenderung des Gesetzes über den Kriegszustand bestellte der Reichskanzler den Staatssekretär Gröber zu seinem Vertreter für diesen Geschäftsbereich. Verlange rnrg dreZ ichnnna-fti't. Berlin, 17. Okt. (WB.) Von den verschiedensten Seiten ist an das Re ich? schahamt und an die Reichssiank das Ersuchen gerichtet worden, die Zeichnungsfrist für die 9. Krieas- anleihe zu verlängern. Wie wir erfahren, ist beabsichtigt, diesen Anregungen stattzugeben nnd den ZeichnungsMuß um ungefähr 14 Tage hinauszuschieben. Der endgültige SchttiNermin dürfte in den nächsten Tagen bekanntgegeben werden.' 'llg wenn !>rr £. heit der Meinungen herbeizuführen,' wer nämlich anderer Mei. nung ist, der wird einen Kopf kürzer gemacht. Auch die deutsche Demokratie, kaum häuslich eingerichtet, beginnt ihre Guillotine zu schärfen. Die Rosaroten fangen be- dächtig an. sie holen vorerst aus der mittelalterlichen Folter- kammer nur den Pranger. In einer fortschrittlichen Versammlung in Kiel erklärte nämlich der Abgeordnete Hoff, es werde die Stunde kommen, wo man öffentlich die Leute an deu Pranger stellen werde, die diesen Weltkrieg bis heute verlängert und das deutsche Volk in die jetzige Lage geführt hätten. Deutlicher werden die Sozialdemokraten. Die bayerische» Genossen' hielten in München ihren Parteitag. Es wurde ein Beschluß gefaßt, in dem es heißt: in Erwägung besten, daß durch die plötzliche Erklärung des verschärften Unterseebootkri» ges die Friedensvermittlung gewaltsam unterbrochen wurde u«tz die Kriegserklärung Amerikas erfolgte, fordert der bayerstchs Parteitag die Neichstagsfraktion auf. unverzüglich einen Anttaß auf Einsetzung einer parlamentarischen UntersuchungskommissioU einzubr'mgen, um diejenigen, die die damalige Friedensaklto» zum Scheitern brachten und die Möglichkeiten einer frühere» Verständigung verhinderten, ohne Unterschied der Per- jon zur Rechenschaft zu ziehen! Also stimmen wir das alte Lied aus dem Jahre 1848 «p Schmiert die Guillotine. .. NttlMtrim ura pnp ünotlirljfn Organisms j In glcidjfaflg sehr eigenartiger Weise macht sich auch ein Mitglied der Regierung des Prinzen Max bemerkbar: der Herr Staatssekretär Exzellenz Trzberger. (Anmerkung der Schriftleitung: Im Drange der Ereignisse haben wir ganz übersehen, unseren Lesern die wetterschütternde allerhöchste Verfügung kund- xutun. wonach den neuen Staatssekretären Trzberger und Scheidemann das Prädikat „Exzellenz" beigelegt wird.) Vor einigen Tagen ist in der Gefahrzone unserer Unterseeboote, also da, wo nicht im Dienste der Kriegführung stehende Personen so viel oder so wenig verloren haben wie Herr Erzberger im feindlichen Granatfeuer, ein Pastagierdampfer versenkt worden. Der Fall mag an sich gewiß bedauerlich sein, aber man mutz doch immerHy- davon ausaehen, daß die Schuld daran lediglich diejenigen trttft. die das Pasiagierfchifi in die Gefahrzone laufen ließen, letz en Endes also die englische Negierung. Von zuständiger Seite ist denn auch ausdrücklich auf die Unverantwortt lichkeit dieses Treibens und auf die Böswilligkeit hingewiesen worden, aus dem Vorgang eine neue Ereuelhetze gegen Deutschland zu inszenieren. Aber die Stelle, die das getan, hat offenbar ahn« die Genehmigung des Herrn Erzberger gehandelt, denn dieser fpricf t jetzt nicht nur. wie es auch jene Seite getan, das Bedauern über die unschuldigen Opfer aus — wir glauben, in Deutschland bat es während des furchtbaren Krieges auch sehr, sehr viel unschuldige O"fer gegeben — sondern er versichert zugleich holländischen Blättern, daß die deutsche Regierung geschlafen auf seinem Standpunkte stehe. Das Bedauern, sagte er. verstärke sich in diesem Fnlle zu aufrichtigem Schmerze. Wir haben alle Achtung vor dem schönen menschlichen Empfinden. wir selbst aber empfinden den größten und aufrichtigsten Schmerz über die gegeuwärtiae Lage des deutschen Vaterlandes, wir dürfen aber trotzdem nicht vergesten. datz es ein sehr eigenartiges Eebabren ist. wenn ein einzelnes Negierungsmitglied für die ganze Regierung spricht, obne. wie Herr Erzberger ausdrücklich bemerkt, sich mit dem Kanzler oder auch nur einem seiner Kollegen ausgesprochen zu haben. Wohin soll das führen, nenn ein einzelnes Mitglied der Regierung ohne jede Füh- 1 lungnabme mit dieser, und ohne datz es die Verantwortung tra- .-en kann — denn die parlamentarischen Herren Staatssekretäre sind lediglich beratende Faktoren im Regi-rungskörper — eine Handlung bedauern kann, dir in das reine Gebiet der militärischen Kriegführung gehört? Die; ausführcnden Organe unserer Heeresleitung sind dadurch entweder in ihrer Handlungsfreiheit. d. h. in der befehlsgemätzen Ausführung ihrer Obtiegenbeilen bebinderi. oder sie riskieren, für ihre Pflichterfüllung vor dem Volke und vor allem vor dem Auslande in ein schiefes Licht gestellt zu werden: sie riskieren vor allem, von den Engländern, die in diesem Falle von dem Verluste des Pastagierdampfers betroffen sind, nach Baralong-Art behandelt zu werden, weil durch den Ausspruch eines Regierungsmitglieds ihre Handlungsweise, wenn auch nicht dem Wortlaut, so doch dem Sinne nach als unrechtmäßig gekennzeichnet wird. Datz das ein im. höchsten Grade unleidlicher Zustand ist. liegt auf der Hand. Wenn der Reichskanzler fein Bedauern über den Vorfall ausgesprochen bätte. so könnte man das in Rücksicht auf die gesamten Zeitverhältniste noch begreifen, aber datz ein Mitglied der Regierung, das keine verantwortliche Stellung innehat. ohne den Kanzler und ohne die Regierung zugleich für diese spricht, das bedeutet doch nichts anderes als eine Verwilderung des ganzen staatlichen Organismus. Nun Brr /rnnfifütifr Intima. Die „Frankfurter Zeitung" geht es nicht fo ganz gut. seitdem sie hoffähig geworden ist und sich in der Gunst der Regie- ri'.ng zu sonnen beliebt. Der Brief des Prinzen Max. in dem der von ihr Gefeierte sich so absprechend über das Organ der internationalen Hochfinanz äußert. durfte nicht kommen. Aber auch sonst läuft ibr allerband unter, was üuf eine gestörte Logik schliefen läßt. Seit geraumer Zeit verö''sentlicht das Blatt R-eisceindrücke unter der Ueberschrift „Nordische Tagebücher" von ttnem Herrn Profesior Dr. Stenger. die im übrigen recht interessant zu lesen sind. In einem der letzten Briefe, äußert sich ein hwediscker Grotzindnstrieller. nebenbei gesagt ein Israelit. über die deutschen wirtschaftlichen Verhältnisse. Es darf nicht Wunder nehmen, wenn sich der Betreffende gegen jedes National- f. fühl, gegen Schutzzoll und alles mögliche ausspricht. Dadurch verbaue sich der Dm-che den Blick ins Freie. Dann sagt er wörtlich: „Lasten Sie den wirtschaftlichen Popanz Mitteleuropa so schnell wie möglich in Vergesicnhe-t gleiten: den amerikanischer! und den englischen Schutzzollnern. dieser Plage der Welt, schenken Sie damit in blinder Großmut die schärfste Waffe." Nun ist zu bemerken, datz der „Popanz Mitteleuropa" zu dem eisernen Bestand der alten Phrasenaietzkanne Friedr. Naumann gehört. Dieser merkwürdige Politiker fühlt das Bedürfnis, gleichsam wie die wilden Südsee insu lauer sich einen Götzen formen, von Zeit zu Zeit eine neue Phrase zu bilden, an deren fortdauernd-em Gebrauch er sich dann förmlich berauscht. Dazu gehörte auch „Mitteleuropa" über besten Begriff die „Frankfurter Zeitung" ganze Spalten brachte und sich nicht genug in dessen Beweihräucherung tun konnte. Nun hat Wölkenkuckucksheim „Mitteleuropa" mehr wie einen Knix bekommen und jetzt auch noch der Schmerz, daß in der „Frankfurter Zeitung" zu lesen ist: Der Propanz Mitteleuropa! Zur Kennzeichnung des großen Politikers Naumann sei hier noch eingeschaltet, datz er vor kurzem in seinen: „Hilfe" Wilson den „internationalen Kaiser der Gegenwart" nannte, weil „er die Menschheit mit einigen großen weiten Zielen sättige und volksverständlich sage, was er will." Was sagt das deutsche Volk heute dazu? Es lohnt sich überhaupt des öfteren, die früheren Ansichten ver „Frankfurter Zeitung" mit den späteren zu vergleichen. So schrieb sie vor wenigen Tagen: . „Nur mit Ingrimm kann man auf die Politik im Kriege zurückblicken, kann man — Beispiel — daran denken, was für Gesellen ihre Stimme für den uneingeschränkten Tauchbootkrieg kn die Wagschale warfen und so das Schicksal des deutschen Volkes. dieses wundervollen, mungen. Mrren. tragbaren, aber zu seinem Unglück bisher so unpolitischen Volkes mitbestimmen durften! Das soll zu Ende sein." Das ist z. T. jedem vaterländisch fühlenden Herzen aus der Seele heraus gesprochen. Nur mit Ingrimm kann man auf die Politik jm Kriege zurückblicken, die so verheerend auf das Schicksal des deutschen Volkes, dieses mutigen, wundervollen Volkes hineingehaust hat. um alles, was das Heer in unvergleichlichem Heldentum gesichert, nun vollends gründlich zerstören will. In der Tat. unser deutsches Volk war sehr zu seinem Unglück bisher so unpolitisch, sonst hätte das Herostratentum auflösender Parteibestrebungen nicht triumphieren können! Die Sachlichkeit und Sittlichkeit dieser Entrüstung wird nun aber in eine eigentümliche Beleuchtung gerückt, wenn man in der „Frankfurter Zeitung" vom 24. März 1915, Nr. 83, zweites Morgenblatt, liest: „Gelingt es den Tauchbeotkrieg so erfolgreich wie bisher weiterzuführen, dann wird es sich zeigen, daß nickt das Deutsche Reich, sondern England den Abschluß dieses Krieges verlangen wird, und zwar zu einem Termin, der näher liett als der. mit dem England sich brüstete, wirtschaftlich ungeschwächt durchhalten zu können." Das ist also diejenige Prophezeiung, für welche, wie man weiß, die „Frankfurter Zeitung" blutige „Abrechnung" begehrt, und es stellt sich berans. daß zu Mi „Gesellen", die dem uneingeschränkten Tancbbootkrieg das Wart geredet haben, das Sonnemannblatt selbst gehört Jedenfalls hängt das alttestament licke Sprickwvrt: ..Wie kommt S^ul unter die Propheten?" mit dieser Stellungnahme der Frankfurterin zusammen, die nickt ermangeln wird, den Ingrimm über die Politik in diesem Kriege auf ihrem eigenen sündigen Haupt entladen zu lasten. Alle Nenn! „Mickel, sieh' die Kegel stehen alle Neun in Neih und Glied. Willst Du da vorübergehen? Schäm' Dich, wenn's Dein Ahne sieht! Hast bis jetzt nur acht getroffen — Auf' noch einmal sei's probiert! Michel, komm' und sag mir s offen: bist Du einer, der verliert? >. Gelt, das glaubst Du selber nicht! Wenn Du willst, dann kommst Du auch Auf den Scheffel stell Dein Licht! Gut gezielt nach altem Brauch!" Also sprach die Wirtin froh, die da heißt Germania. Mickel macht nicht so und so — eh' sie endet, ist er da. Dreimal wiegt er auf und nieder seine Kugel in der Hand, summt das schönste seiner Lieder und nun steht er recht in Brand! Hui! wie donnert durch die Bäht» seine Kugel' Wie ein Blitz scklägt sie alle Neune an. alle Neun auf einen Sitz! Gellend fallen sie zusammen, und aus ihren Köpfen spritzen unterm Wurf die roten Flammen: also kräftig tat er sitzen. Michel strahlt. Germania lacht, doch die Feinde kriegen Beine, wer hat das zustand gebracht? — Michels „Stile Neun" alleine! Wald-Michelbach i. Od-w. Karl Rhelnfurth. Ein Kliff uöh Brr AmMMrl tim v-hrniM . . . den . . Zuli 1918. Liebe Eltern! Wir sind nun wieder von unserer Fahrt zurück, die . . Monate und . . Tage gedaunt hat. Habe Euren Brief vom 24. Juli erhallen, ebenso das kleine Paket und danke Euch recht herzlich dafür, besonders für die Zigaretten, denn das Rauchen ist ein großer Genuß für uns. den wir aber auf der Reife sehr cft schmerzlich entbehren müssen. Doch nun will ich Euch etwas über unsere Fahrt berichten, soweit ich das darf. Wir kamen also ungehindert über den Atlantischen Ozean, wurden aber schon 500 Meilen östlich der VermUdainseln von einem englischen Dampfer gesichtet und drahttos gemeldet. Wir dachten nun. daß fofcrt olle amerikanischen Funkenstationen die Schiffahrt vor uns warnen würden, aber nichts dergleichen geschah. Die amerikanische Station Arlingtown gab immer noch ihre gewöhnlichen Nachrichten aber keine Kriegswarnungen. Zuerst versenkten wir drei amerikanische Segler, die zumeist mit Negern bemannt waren. Da wir keine anderen Schiffe antrafen. und der Weg nach dem nächsten Land ziemlich weit war. nahmen wir die Schiffbrüchigen zu uns an Bord. Die Neger wurden für sich und die Europäer mit unserer Mannschaft zusammen untergebracht. Zwei Kapitäne waren Schulfreunde. Sie hatten sich zwanzig Jahre lang nicht mehr gesehen und feierten nun auf unserem U-Kreuzer ein rührendes Wiedersehen. Sie erzählten uns viel über die amerikanische Kriegsstimmung. die künstlich von den Geldmännern und Kriegsgewinnlern in Amerika geschürt würde. Das nordamerikanische Volk sei im großen ganzen gar nicht für den Krieg, würde aber durch Zeitungen und die Hetze der Regierung gegen die Mittelmächte beeinflußt. Als wir dann nach zehn Tagen wieder Schiffe sichteten und sechs davon versenkten, wurden die Amerikaner von uns in die Rettungsboote entlasten. Sie sprachen sich bei ihrem Abschied sehr anerkennend über die Behandlung durch uns aus. Einig« Tage fparer verfenrren wir einen amerikanischen Dampfer, der 300 Pasiagiere an Bord hatte und diese in ungefähr 20 Rettungsbooten aussetzte. Während der nächsten Tage haven wir noch mehrere Schitte mit 36 350 Brt., zu* meist mit Zucker beladen, auf den Meeresgrund geschickt. Ein norwegischer Dampfer hatte eine Kupferladung an Bord. Da* von haben wir 1400 Zentner auf unseren U-Kreuzer übernom. men. Dieses Schiff hatte auch noch einen Passagier nebst Frau und einem zweijährigen Kinde. Letzteres bekam von unseren Matrosen Milch und Schokolade geschenkt. Die Frau benutzte ein so starkes Parfüm, daß man es selbst durch den Oelgeruch im Boot merkte. Für sie wurde von dem Dampfer, ehe wir ihn versenkten, ein bequemer Korbstubl herübergebracht. Es wim- melte in dieser Gegend von Haifischen, auf die sehr viel geschossen wurde, jedoch ohne Erfolg. Wir haben daaegen einen mit einer großen Angel gefangen und geschlachtet. Wir haben dann die Boote ins Schlepp genommen, um nach einem anderen Schiffe hinzufahren Dieses hielten wir an. nachdem wir unsere Rettungsboote losgewotten hatten A's der Dampfer versenkt war. nahmen wir auch feine Boote in Schlepptau und brachten sie alle zusammen nach einem kleinen Küstendampfer hin. von dem alle Leute ausgenommen wurden. Auf der Rückreise hatten wir sehr viel schlechtes Wetter, doch haben wir den Humor nicht verloren. Vor allen Dingen freuten wir uns darüber, datz wir ein solch schönes Ergebnis auf unserem Kreuzzug an der amerikanischen Küste erzielt hatten, und datz die Feinde unserer nicht habhaft werden konnten. Wann wir wieder in See aehen. weif ich noch nicht. Ich schreibe Euch noch Näheres darüber. Habt Ihr gute Nachriht aus dem Feldes Wenn Ibr wieder hin- schreibt. so bestellt doch einen schönen Grutz von mir. Zn herzlicher Liebe grüßt und küßt Euch Euer Sohn Ernst. Ans der fjciwit. Bad-Nauhrim, 16. Okt. Wie wir hören, sind das Grand' Hotel und das Sanatorium Eroedel. die auch in die Schwarz schlachtunqs-Angelegenheit verwickelt waren, bereits gescklosien sodaß verwaltungspolizeiliche Maßnahmen gegen diese z. Zt. uw möglich sind. Butzbach, 16. Okt. Heute nacht wurden durch Herrn Wachtmeister Liebau hier drei Einbrecher festgenommen. die auf den hiesigen Staatfbahnhof einen Stuckgutwagen erbrochen und qe. plündert sowie Expresgutkörbe, in denen sich Kleider zum Rei. nigen und Färben für die Firma Bravbach und Fischer besaru den, erbrochen hatten. Die Spitzbuben hatten ihren Weg durch ein Fenster des Wartesaales 2. Klasie genommen. Die gestohle. nen Sachen konnten anscheinend sämtlich wieder herbeigeschafst werden. Im Besitze der Diebe befand sich auch ein großer und guter Treibriemen. Die Eigentümer wollen sich auf hiesigem Amtsgericht melden. Anscheinend hatten oie Verhafteten noch weitere unangenehme Besuche, bei denen es sich besonders um Lebensmittel handelte, vor. Die Festgenommenen sind, wenn ihre Papiere stimmen, was erst noch festgestellt wird, fahnenflüchtige Soldaten. Darmstadt, 16. Ott. lieber die Milch- und F e 1 t v e r - s o r g u n g im Eroßherzogtum Hessen für die nächste Zeit gai heute vormittag der Leiter der Landesmilch- und Fettstelle t* einer Besprechung mit den Vertretern der hessischen Zeitungen eine Reihe allgemein interessierender Mitteilungen, insbesondere über die Schwierigkeit der Erfassung der Milch bei etwa 63 00E Kuhhaltern, bei dem großen Unterschied der Tage«ablieferungen. der bis zu 86 000 Liter an einem Tage beträgt, und deren Ursachen. Von den im Reiche bestehenden Organisationen zur Er, fasiung der Milch darf Hesien als die Beste gelten, da in den meisten übrigen Staaten die Ablieferung eine viel geringere ist. Zn der Butter- und Fettsrage sind wir nicht in de? Lage, uns selbst zu versorgen und sind auf das Reich angewiesen. Durch die Nichtbelieserung von dieser Sette sind in den letzten Wochen die Beunruhigungen in Darmstadt und Offenbach entstanden. Hierbei wird auf den Mangel einer einheitlichen Organisation in Hesien hingewiesen, da durch die Verschiedenheit der Ver. sorgungsstellen nicht mit dem entsprechenden Nachdruck gearbeitet werden kann. Von großer Wichtigkeit ist ferner, daß im ganzen Lande mit allem Nachdruck sowohl von seiten der De- Hörden, sowie allen Organen, die dazu in der Lage find, die ganze Bevölkerung zum Sammeln von Bucheckern angehalten wird, da wir nur hierdurch in der Lage sind, uns vor weiterer Fettnot aller Art zu schützen. Durch die im vorigen Jahre durch das Reich erfolgte Rationierung der Selbstversorger ist diesen ein viel größerer Spielraum bei der Ablieferung der Milch ge* lasten, sie können größere Mengen von Milch wie früher zur Verbutterung oder sonstigem Gebrauch Zurückhalten und die Ablieferung wird weniger. Kasiel, 16. Okt. Die Sttafkammer Kasiel hat als Berufungs. instanz in einem Masienprozetz gegen 600 Einwohner aus Kasiel wegen verbotener Hausschlachtungen (sie hatten Strafmandate über je 60—1500 Mark erhalten) auf kostenlose Freisprechung erkannt. Die Angeklagten hatten ihre Schweine in einem Nachbarort schlachten lasten, ohne dazu die Genehmigung eingeholt zu haben. Sie machten geltend, sie hätten schlachten müssen, um leben zu können: im städtischen Schlachthaus hätten sie aber wegen Uebersüllung nicht schlachten lasten können. Arieitsmrktö!i!fi?fr^sL:^^'^;^:: Offene Stellen: 10 Knechte. 1 Schüfe:- und 1 Hofmeisterfamilie, 6 Tagelöhner, 1 Fabriischlosier. 10 Dienstmägde. 1 Melkerin. N Hausrnndchen, 1 Kellnerin, 1 Eulsköchin, 1 Wirtschafterin, 1 Majchinenschrelbenn (Stenographie erwünscht). Stellensuchender Mehrere Melkerfamilien und ledige Melker, 1 Bürofräulein. Verantwortlich für den politischen und lokalen Teil: Otts H i r \ d) e l. Friedberg: für den Anzeigenteil: R. § e ri n e r. Friedberg. Truck und Verlag der „Reuen Tageszeitung"» A- G.. Friedberg i. £>. ZjerzeirskkLmpfe. 51 oman von Helene Stfcöffn. geh. von Oüersbotft 9 (Copyright 1915 by C. Ackermann-Stuttgart.) 15) Nachdruck verboten Hilde folgte ihm und fiihrte mechanisch die verschiedenen Touren des Tanzes aus. Der Marquis bemühte sich, sie durch leichtes Geplauder zu zerstreuen und zu unterhalten. Doch drangen seine Worte kaum in ihr Ohr. in ihr Verständnis gar nicht. Cie warf einen Blick durch den Saal, um zu sehen, wo Neinhold war. Da stand er, nickt zu fern von ihr, an der Seite Frieda Trontheims, mit welcher er den Tanz anführte. Eben sah er auch sie an. ihre Blicke trafen sich. Ein frohe, kameradschaftliches Grüßen des Einverständnisses flog zu ihr herüber. Und da geschah etwas Wunderbares. Wie eine schwere Last fiel es plötzlich von ihrem Herzen: wie die Sonne mit einem Schlage eine schwarze Wolkenschicht durchbricht und olles, was eben noch trübe und dunkel war. mit goldenem Licht über- gie t, so leuchtete plötzlich in ihrer Seele die lleberzeuguna von Nbinbolds Wert, der Glaube an ihn hellstrahlend auf. Dieser eine vertraute Blick aus seinen guten Augen hatte genüat. alle finsteren Wolken de? Argwohns zu verscheuchen. Der Marquis, welcher einen Augenblick lein Wächteramt ausgegeben kwtte, um nach seiner kleinen Flamme. Käthe Trontheim. zu spähen, war sebr erstaunt. als Hilde plötzlich wieder ganz guter Laune iu sein schien, ganz munter plauderte und für alles, was er sprach Interesse zeigte. Was war mit ihr geschehen? O. diese Frauen! Da kenne sich einer ausl War es ihm gelungen, sie durch seine Liebens- wi rdigkeit zu fesseln, daß der momentane unangenehme Eindruck. einem Unwürdigen. Germsboff. ihre Freundschaft geschenkt zu hrben. schon wieder verflogen war? Ja. so mußte es fein. Mas konnte denn auch bei einer Frau tief pkchen? Sie waren ja alle oberflächlich und leicht zu düpieren. Er war wie o^'e Männer seiner Art von der männlichen U-berlegenbeit lest überzeugt. Die Frauen hielt er alle für Wesen oer^nge^er Ga^- tuna. nur zum Vergnügen und Getändel geschaffen. Fn dem lönneren Verkehr mit f>ilde war er schon bie und d". halb un- gläubia zwar, zu der Ansicht gekommen, es könne vielleicht doch einige Ausnahmen geben und sie sei eine davon. Und nun seine es sich, dak sie auch lo war. wie die andern. Einen Au^en- blick batte sie sich verstimmt gezeigt, aus aekräntter Gitelke t natürlich weil er ihr bewiesen, daß man nicbt sie. sond"rn ib^ Geld suche. Fetzt aber war sie wieder lustig und vergnüat. w.'N feine süßen Worte und schmeichlerischen Neden ihre ewig nach Weibrauch nud Huldigung verlangende kleine Weiberseele w,e- j her getröstet und ins Gleichgewicht gebracht hatten! Es war ihm ordentlich wohl, daß er glaubte, sie niedriger als bisher taxieren zu können. Er fühlte sich ihr dadurch naher. Es hatte ihn einigermaßen mit Scheu erfüllt, in ihr ein höher geartetes Wesen anerkennen zu müsien. besonders in Anbetracht der Zukunft. wo er alz »br Gatte es doch recht mühsam finden würde, immer einen höber gestimmten Ton beizubehalten. als er ihm natürlich war. Jetzt, da er glaubte, sie auch als kleinlich, eitel und launisch zu erkennen, war sie ihm eigentlich viel lieber, wie vorher. Er fühlte sich schon halb als Sieger. O. wenn er gewußt hätte, wie gänzlich falsch seine Schlußfolgerungen waren, wie weltenfern ihm Hilde innerlich war, wie er eigentlich in ihrer Eefiihlswelt keine Rolle spielte! 10. Kapitel. Es waren wundervolle Wochen, welche nach dem Hoffest für Neinhold und Hilde folgten. Die Schranken der künstlichen Zurückhaltung waren zwischen ihnen gefallen. Sie verkehrten freundlich und natürlich zusammen. Wie Neinhold in allem ernst und gewissenhaft war. trotz seines sonnig heiteren Temperaments, so auch mii seinem FreuMchaftsgelübde. Er sagte sich, als ihr wahrer Freund müsie er sie näher kennen lernen: of'en und harmlos mit ihr verkehren aber nichts von seinen heißeren Gefühlen verraten. And das führte er mit eiserner Konsequenz durch wenn sich ihm auch oft wärmere, Worte fast unbezwinglich quf die Livpen drängten Im ganzen aber war er erstaunt, daß er es doch verhältnismäßig leicht fertig brachte. And das kam daher, daß sie so klug und verständig war. Wenn man sich mit ihr unterhielt, konnte w"n ganz vergesien. daß sie eine schöne junge Dame der großen Wlt war: ouis Aeuße-ste verwöhnt durch Schmeicheleien und Huldiaunaen all^r Art. Sie holte viel gelesen und nochgedgcht. und sich hauptsächlich durch ihren jahrelangen Berkebr M't ibrem verehrten, geistig hernor- ragenden Pfarrer Meinhardt ein ruhiges und objektives Ar- Ictlcrr über alle Dinge und Menschen anaeei^net. das außerordentlich wohltuend wirkte. Da g"b es keine vorgefaßten starren Meinungen keine bornierten fanatNck>-n Vorurteile sondern nur ein klares, wahrhei^uchendes Prüfen, ein wohlmeinende? Herantreten on neue Mensthen. neue Anschauunaen und den b"llen Millen, ollem gerecht zu werden. Dabei aber doch ein festes Beharren bei dem. was sie als gut erkannt hatte. Alles, was sie sprach. was sie dachte, berührte Neinhold unbeschreiblich srmva-bisch. EZ mar wunderbar, wie sebr sie in onem harmon?"rten. Ihr Geschmack Kunst und Literatur stimmte vollständig überein, und fand sich dennoch einmal eine Meinungsverschiedenheit, so war das nur eine Beranlasiung zu noch animierterer Anterhaltung. da dann jedes mit schönem Ei^er seinen Standpunkt verteidigte. Das Beste aber war, dvch sie in der allertiefsten Frage. HU das Menschenherz kennt, vollständig auf gleichem Boden starr- den Auch Reinhold war tief religiös. Es dauerte Verhältnis maßrg lange, bis sie das gegenseitig von einander erfuhren. Eine gewisse Scheu hielt sie längere Zeit ab. dies innerste Hei- ligtum zu betreten. Es ist ein so zartes und tiefes Verhältnis unser Verhältnis zn Gott, daß wir. je inniger es ist je mehr das Tasten einer fremden Hand daran scheuen. Aber dann als sie es erst einmal erkannt hatten, welche Befriedigung ge-' währte es ihnen, auf diesem ernsten Gebiete Seite an Seite wandeln, ibre Gefühle und Meinungen austanschen zu können, ohne die Furcht, mißverstanden zu werden? Dies Versieben brachte sie einander sehr nahe, und 5,ilde mußte manchmal still für sich lachen, wenn sie an des Marguis niedrige Verdächtigungen von Reinhard? Ebarokt-r dachte. WasWt ein schlecht ter Menschenkenner dieser kluge Franzose war! Sie glaubte nach immer nicht, daß er mit Absicht und Bosheit verleumdet bot^e. sondern vielmehr, daß er nickst vermochte, die Spreu vom Weizen zu unterscheiden, d. b. d"ß er einfach Neinhold ebenso b-ur- teilte. wie wohl manche seiner Slandesgenossen es verdienen mochten. Gelegenheit zu vertraulicher Aussprache bot sich ihr und Neinhold häufig. Er kam wie früher tätlich in rms Saus de? Kommerzienrats, brackste meistens die Abende dort zu. Auch wurden olt Ausflüge und Spa.ziemsinge gemacht, die durch dis herrlichen Naturfchonbeiten der Rheinneo-nd sich zu einem besonderen Genuß gestalteten. And auch hierbei fanden sie. daß sie gleichen Sinnes waren. Dieselbe Empfänoskch^il für die wunderbaren Eindrücke, die untere schöne vielgestaltige Eoitcs- welt auf reine unverdorbene Herzen ausübt. W'un sie bei goldnem Sonnenschein birrch schattige Waid- tne(T - e lackend und plaudernd einen Berg erstiegen, der von den N-'inen einer alten Ritterburg gekrönt, stolz und trotzig in die Werte schaute, wie standen sie dann übermal'lat van d-m araß- arii" schönen Landschaft-bilde dag sich ibren Bli^en bot. zugleich durchlchanert von den Weben der Vergangenheit. die ans den verfallenen Mauern mit la'-tloser und doch so d"usticher Stimme von der Vergänglichkeit alles Irdischen zu ihnen sprach? Cder wenn sie beim maaischen Licht des Vollmonds in einem Boot den Rhein hinab?,ihren. wenn sie still und bewundernd an den van Silberschein umflossenen Fluren. Wäldern. Ortschaften. Beraen und Sckl'^ern vorbei-stisten. — welche wunderbaren Stunden reinen Genusses waren das! Fettfetzung folgt. Statt besonderer Anzeige. . Leute früh verschied nach kurzem, schweren Kranksein meine gebe Frau, die trew sorgende Mutter, meine herzensgute Tochter. Schwester. Schwägerin und Kusine Frau Ella Schudt geb. Keller im Alter von 28 Jahren. Neumühle bei Lich, Melbach, den 17. Oktober 1918. Die trauernden Hinterbliebenen: Fritz Schudt u. Kinder Anna Keller Ä?we», geb. Herber Martha Keller. Die Beerdigung findet patt in Melbach am Sonntag, den 20. Oktober, nachmittags 2 Uhr. Kekamrtmachmig ..Für die seither in der Volksküche gespeisten Schüler kann das Mittagessen. solange dle Schule beschlossen ist. täglich von 11 bis 12 Uhr abgeholt werden. Die Wochenkarten werden Samstags, von 11 b s 12 Uhr, lm Ce chäftsiimmer des städt. Lebens- ini. el-Ausschusses ausgegebrn. Friedberg. 18. Oktober 1918. Ter Bürgermeister. 2. B.: Damm Drucksachen liefert schnell und billig Ins Iagttieitng, Orucimi s. lulai A-B. Keüanulmachnua. 2n den Ge'chäften von A. Bechstein M. Rosenfeld Lmd^.2bold E. Stamm Cg. Mobs Schade & Füllgrabe r _ H. Fink. Fauerbach, gelangen von Samstag, den 1 ». ds. Mts, ab MsLZreZgLii«« zum Verkauf. Auf jeden Abschnitt „v“ der Brotkarte wird 1 Käse zum Pre.se von 28 Pfennig verabfolgt. Friedberg, den 18. Oktober 1918. Der Bürgermeister 2. V.: Damm. guterhaltenen Kehannimachnug Am kommenden Die-ista,. de^ 22. Oktober, findet in Friedberg der diessährige Httbst-Pscrdknilirkt statt und am Mittwoch, 23. Ott. ROM-, Lchmnc- niiS K'S-mnittkt. Friedbera. den 17. Oktober 191% Der Bürgermeister. 3 . V.: Dam m. auch jeder sonstige lafltgr Haarwuchs fei« schwindet sofort spum und schmerzlos durch AblStcn der Wurzeln für immer mittels melneS verbesserten orientalischen Verfahrens ^HeUvaka".. Sofort. Erfolg aarant., sonst Geldzurück. Preis Mo.—gegeriNachn. Frau Wagen zu kaufen H. Kremer, Mühle Obre-Mörlen. Kelrannlmachung. Am 15. 10. 18. ist eine Nachtragsbekanntmachung betreffend Ergänzung des 8 4 der Bekanntmachung vom 21. 9. 18. Nr. H. M. 580/9. 18. K. N. A.. betreffend Bestandserhebung, Beschlagnahme und Höchstpreise von Weiden, Weidenstöcken, Weidenschienen, Weidenrinde, Weidenstäben, Weidenspitzen, Weidenstrauch, Weidenabsall, Kopfweiden und Na1urrohr(Glanzrohi,Stuhlrohr usw .1 erlassen. Der Wortlaut der Nachtragsbekanntmachung ist in den Amtsblättern und durch Anschlag veröffentlicht worden. 6ff8n kkNkrallsinniaM 18. ArnikklsrK Einen 16 Monate alten r an von gekörten Eltern, zu verlausen. Georg Betz, Melbach. I Zwei mittelschwere, ältere , itkrÜUffrte stehen zu veikaufen bei ö. Lrrmkr, Mutz,, «».»irinu / Sdfrtier oefudit. Die Eck.äferslelle der Gemeinde Ober-Rosbach im Kreise Friedberg ist bis zum l. 8^ovemder ds. 3s. anderweitig -u de etzen. Geeignete Bewerber wollen ihre Gesuche unhBesoldungsansprüch' bet der unlerzeickneten Stell« umgebend einreichen. Ober-Rosbach.den 14.ON. lsil^ Gr. Kurgermkistekei Gber-ziosbach: D i e j f c n b n ch. 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Ich habe schon lange nicht mehr alles geglaubt, was bis vor kurzem zu glauben für vaterländische Pflicht galt, und bin deshalb für einen Flaumacher, ja sogar von einem besonders feinen Herrn, der ar,s Bescheidenheit seinen Namen verschwieg, für einen von Wilson bestochenen Spion erklärt worden. Die groh-en Hoffnungen dieser Leute haben plötzlich einem gefährlichen Kleinmut weichen miissen. Unsere Regierung bittet im Einverständnis mit dem Generalstab um Frieden, und der feindliche Uebermut kennt keine Grenzen. Sogar unsren teu ren Kaiser sollen wir ihnen ausliefern, ehe sie sich zu Verhandlungen bequemen wollen und glauben wohl, das; diese Forderung in gewissen Schichten des deutschen Volkes Wiederhall finden werde Doch nun gilt es fest zu bleiben, Mut und Hoffnung nicht sinken zu lassen. Je gröher die Rot. desto fester wollen wir uns um Fürst und Vaterland scharen, bereit zum Aeutzersten. Das Ehrgefiihl verbietet uns. dem Feind einen solchen Eingriff in unsere inneren Aaaelegenheiten zu gestatten. Den Herrschern hoben wir Treue geschworen, und das Sprichwort ' - ..Verschworen — verloren" — zeitlich — ewig. Do-,: der Kaiser durch Wohltaten ohne Zahl den Dank des ganzen Volkes ver-. dient. Alle, Alle, und nicht zum wenigsten die Niedrigen und Geringen — ich brauche nur aus die soziale Gesetzgebung und auf die gegenwärtige Verfassungsänderungen hinzuweistn — hat er im Krieg und Frieden mit Vertrauen geehrt, mit landesväterlicher Fürsorge beglückt. Nicht in Worten mrr und Liedern Ist mein Herz zum Dank bereit' Mit der Tot will ichs erwidern Dir in Kampf und Not und Streit Ja. ist denn für uns noch Hoffnung vorhanden? Freilich ist fie vorhanden. Unser Vaterland hat schlimmere Zeiten mit Gottes Hilfe überstanden Wie furchtbar war der Zusammenbruch von 1806! Unsere Väter aber beugten sich im Unglück unter Gottes Hand und besserten auch an den staatlichen Einrichtungen, was der Besierung bedurfte, anstatt es auf friedlichere Zeiten zu verschieben Als dann der Herr 1812 die große Armee in Ruft!a,ch vernick-tet hatte, ging die Nacht der Knechtschaft zu Ende. Dos Volk ftand auf. der Sturm brach los. und als der Lenz ins Land kam. sang ein deutscher Dichter- Vaterland. in tausend Jahren Kam dir solch ein Frühling nie. Das Wort klang uns zur Unzeit in den Ohren, als unsere wehrfähigen Männer nach einer langen, äußerlich reich geseg. neten Friedenszeit vom Kaiser gerufen wurden. Heute wollen wir daran denken, daß auch Gottes Ordnung auch im Leben der Völker der Lenz, der Freudcnbringer. auf den rauhen Winter folgt und wollen glauben, daß die Zeit der Hilfe näher ist. als wir sehen. Wir brauchen nur Einkehr bei uns selber zu halten und zu greifen nach der Hand, die Gott uns hinhält. Der Uebermut Hai uns an den Rand des Verderbens gebracht, der Kleinmut stürzt uns hinein, der Mut nur kann uns retten. Zst'Z wahr, daß wir übermütig waren? Leider ist's wahr. Ioder Stand ist stolz auf das. was er leistet. Das ist recht so. Sünde aber ist es. und zwar wirklich Sünde, wenn er die anderen Stände verachtet, und diese Verachtung trägt die Hauptschuld an dem unseligen Parteihader. Gerade der Krieg kann diesen Hochmut zu Schanden machen, gibt es doch in allen Schichten des Volkes neben sehr viel Selbstsucht auch viel Tapferkeit und Opserwilligkeit. Gewiß ist's gut. nach oben und nach unten die Wahrheit sagen, aber es wird doch auch recht viel qenör- gelt. und das ist wieder Wahrheit und Liebe, also auch Sünde. Also laßt uns stille halten, wenn Gott uns durch die Trübsal läutern will. Es ist nötig zu unserem Heil. Dazu kam sa überhaupt der furchtbare Krieg über uns. und Gottes Sonne schien doch noch lange frendlich. Was war unser Dank? Trog aller Betstunden, die namentlich anfangs gut besucht waren verließen wir uns mehr auf Roste und Wagen, als auf den Namen des Herrn Zebaoth.' Sonntagsentheiliguna. Zucktlosiq- keit. Gewalttätigkeit. Unkeuschheit. Habgier und Verleumdung nahmen überhand. Gott mußte uns schärfer anfasten, damit wir seiner wieder gedockten. Es war uns eine gewiste Freude, den Haß der ganzen Welt damit zu erwidern, daß wir die ganze Welt in Scherben schlügen. Gottes Weg ist ein anderer. Tr will die sürrdige Welt erlösen und selig machen. Ich höre den Etnwand des anfangs erwähnten „frommen" Herrn: „Das Recht ist cmf unserer Seite, also muß Gott uns den Sieg geben". Solcke Leute beten: „Sieb mir das Teil der Güter, das mir gehört" und laufen dann dem Vater fort. Gott aber läßt nicht so mit stch reden. Sollte das ein Grund sein, weshalb so viele Gebete umsonst waren? Es ist auch fraglich, ob das Recht vor und während des Krieges so ganz allein aus unserer Seite war und ist. Den Einbruch ln Belgien kalten nicht nur unsere Feinde, sondern auch eine wachsende Zahl von Deutschen für ein Unreckt. Das ist für das ganze Volk eine noch ungeklärte, sehr ernste Gewistensfrage. Da darf man nickt einfach sagen: „Seht, die halten's mit den Feinden". Denn die, deren politische Führer so reden, stehen auch in dem Schützengraben und beweisen ihre Vaterlandsliebe. Endlich steht es auch nirgends geschrieben, daß dös Recht hier aui Erden in allen Fällen zum Siege gelangen müste. Das Gegenteil ist oft genug der Fall. Es sind keine gemalten, sondern wirkliche Sünden, um deretwillen Deutschland am 20. d. Mts. Buße tur und beten soll. Ob unsere Feinde bester oder schlechter sin., als wir. geht uns jetzt gar nichts an. Gott wird zu Seiner Zeit schon mit ihnen rechten. Für uns ist's nur die Frage, wie trti mtt ihm stehen? Der verlorenen Sohn öffnet sich die Tür in'- Elternhaus durch das Wort: „Ich habe gesundiat im Him m e l und v o r d i r". So wollen auch wir vor Gott und Menschen nichts verbergen. Dann wird uns w-ra-eben. Allerdinax vergeben Menschen und Völker nicht gern«. Im Gegenteil, wenr man etwas offen etngesteht. dann wird man oft höhnisch abie wissen: „Sichst du. du bist so schlecht, daß du es s^lb-r zu geben muß t" Es haben Wenige den Mut. sich lo'ck einet Abweisung auszusetzen. Aber Gott will's. sonst vergi'bt er nicht, und wenn er uns vergeben bat. haben wir diesen unk jeden anderen Mut, besten wir bedürfen, denn wir saaen mh Paulus: „Ist Gott für uns. wer mag wider uns Irin?" Danr werden wir nickt zu Schanden. Gott oibt rum Mut die Kraft Den Schultern Kraft zum Tragen, lang, und schwer, wenn et nötig lst. damit die geschenkte Krast wackle Und wenn Seine Zeit gekommen, Sein Liebeswille erroickt ist be' uns. kann ei auch dem Arm Kraft zum herrlichen Siege geben. Dazu sprechen wir zuversichtlich- Amen Heinrich Beyer. Pfarrer zu Ostenhelm. Rußland im Herbst 1918. Hunger und Teuerung. — Stadl und L nd Mehl als je jst Rußland ein geographischer Samm-sh-arif geworden. Eine Fülle von Geaensaben zwinat den pinz^sner in die verschiedensten Lager und Koalitionen b'npsn Dip kom munistischen Masten sind die befreiten Sklaven, die ih^e woleriel len. geistigen und seelischen Festeln gesvrenat b^ban »nd ir Wochen das heimzahlen wollen, was sie in Iahrb""d-rten er litten zu haben glauben. Das russische Büraertnm >'st entnervt^ es ist durch Hunger und ständkae Lebensaofobr aelähmt und taumelt halt- und tatenlos seinem Sckicksal entqeqen Rußland hungert trotz einer im alla-meinen rech* befriedigenden Ernte. Man hotte berechnet daß in gewisten Ga-,ver nements 10. 20. ja 30 Prozent des Ackerlandes unbebaut ae blieben sind Der erledigte Guts-. Kirchen- und Staat°b<-sir war nämlich nicht verteilt worden, und der russische Ba-er furch tete nichts mehr als die Gefahr, er könnte korv-rlicke Arbe über' die GichechÄ de: Oer Slaatssekrefäs des RelchSschahamkS, Straf von Roebern, hatte mtt parlelführern M Reichstag- eine Au-spräche über die Kk-l-^anteG«. waren aut dem Aelchötaqspräslbenten Fehreubach, vom Zentrum die Abgeordneten Gröber und Trimborn, von den So u aidem o- rraten die Abgeordneten Ebert und Scheibemann, von den Konservativen die Abgeordneten Graf von Westarp und Dietrich, von der Fortschrittlichen Volks Partei die Abgeordneten W lemer und Flfchbeck, von den Nationalliberalen die Adorordneien Dtresemann und List, von der Deutschen Fraktion die Abgeordneten Freiherr von Gamp und Schulh-Dromberg erschienen. Der GiaaissekreiZr des J»§ichs?chatzamls erklärie rr. a. folgendes: „Tbn fragt nach der Sicherheit der Anleihen. Die Anleihen N-.d gesichert, formell durch das Versprechen von Regierung und Reichstag» materiell durch das, was hinter ihnen steht, die Arbeits. und Steuerkraft des ganzen deuifchen Volkes. Treffend hat man die deutsche Kriegsanleihe als eine Hypothek auf unser Volksvermögen bezeichnet. Unser Volkövermögen sichten der Hauptsache noch um angetastet da. Das deutsche Volkseinkommen bietet eine Gewähr dafür, daß auch der Zinsendienst der Kriegsanleihen gesichert ist. Bundesrat und Reichstag sind gewillt, den eingegangsnen Verpflichtungen gerecht zu werden, insbesondere für Deckung der Kriegs« anleihezinsen in voller Höhe Sorge zu tragen. Bei allen Steuern, die noch kommen, wird der Besitzer von Kriegs« ankeihe nicht schlechter gestellt werden wie der, der seiner Pflicht z,u> Zeichnung in dieser schweren Zeit nicht uachgekommen ist. Ich trete sogar dafür ein, daß derjenige, der sein Vaterland in schwerer Zeit, finanziell nicht im Stiche gelassen Hai, bevorzugt werden soll. Die Kriegsanleihe ist eine Volksanleihe im besten Sinne des Wortes geworden, sie ist bereits jetzt in den Händen von Millionen zum großen Teil wenig bemittelter deutscher Reichsangehöriger, sie bildet den Grundstock des Vermögens ungezählter Sparkassen, Genossenschaften, wohltätiger Stiftungen, die unseren Aermsten dienen. Lind weil das der Fall ist, würde kein Parlament und keine Regierung es wagen können, durch gesetzliche Maßregeln an der Sicherheit ihres Zinsertrages zu rühren.* Oie Parteiführer des Reichstages erklärten ihre volle LleSereiastimmung mit der Auffassung, daß es weiter für Reichstag und Reichsregierung erste Pflicht sein muß, den Zinsendienst der Kriegsanleihen in zugksagter Höhe mit allen Mitteln sicherzustellen, und daß der Besitzer von Kriegs« anleihe bei allen steuerlichen und sonstigen Maßnahmen keine Benachteiligung, vielmehr nach Möglichkeit eine Begünstigung erfahren soll. Für die Durchführung dieses Bestrebens bürgt schon die Tatsache- daß unsere Anleihen Volksanleihe» im besten Sinne deS.SortLS Md, die sich rumgrWe» Teil in dev Händen von Millionen wenig begüterter Volksgenossen hHmdeu. über den dringendsten Eigenbedarf hinaus oder vielleicht nicht ausschließlich für den eigenen Vorteil getan haben. Die Unvollständige Bebauung des Landes wäre aber an sich kein aus» reichender Grund dafür gewesen, daß Rußland schon unmittelbar nach einer befriedigenden Ernte hungern sollte. Der Hunger pflegte in Rußland früher nur in einzelnen Landstrichen, und dann auch selten früher als etwa drei bis vier Monate vor der neuen Ernte aufzutrelen. Vaterlandsliebe im mittel- und westeuropäischen Sinne kennt der russische Mushik nicht. Darum ist es so schwer, daß Volk für den Krieg oder seine Folgeerscheinungen zu organisieren. d. h. die Bürger zur Mitarbeit an der Rationierung der Verbranchsguter zu bewegen. Man wird nicht behaupten können, daß^irgendein Volk die Versorgungsfragen im Kriege voll oder annähernd voll gelöst habe; aber so kläglich mißlungen wie in Rußland ist die Lösung der ErnahrnngZfrage in keinem anderen Lande. Aber das regierungstreue Element: die Arbeiter :n den Städten und die roten Soldaten, wollen leben. Freiwillig liefert der Bauer nichts, der Warenaustausch zwischen Stadt und Land stockt infolge Beschlagnahme der Waren in den Städten, und die von Moskau dekretierten Zwangslieferungen von Getreide entbehren jeden gerechten Schlüssels und werden nicht einheitlich durchgefuhrt. Da zieht denn der Truppenteil, der grade nichts zu essen hat. auf eigene Faust los. um zu requirieren. Sie ziehen aus mit Gewehren. Maschinengewehren, hau- f!g m Kraftwagen, nicht selten sogar mit Panzerkraftwagen, nach einem wohlbaöenden Dorfe. Das Herannahen der privi-' legierten Plünderer wird meist schon vorher bekannt, spätestens aber von den ausgestellten bäuerlichen Posten bemerkt und gemeldet. Run wird alarmiert: alle Wehrfähigen versammeln fick mit Gewehren. Maschinengewehren, ja Geschützen und empfangen das Sowjetmilitar mit blauen Bohnen. In zahlreichen Fällen haben die durch Ortskenntnis unterstützten Bauern mit Hilfe von Rachbardorfcrn die requirierenden Soldaten mit blutigen Köpfen abgewiefsn, ja. ganz aufgerieben. Bleibt das Militär siegreich, so ist es immer noch zweifelhaft, ob es in den Besitz der ersehnten Beute gelangt. Häufig haben die weichenden Bauern den roten Hahn auf die Strohdächer gesetzt und ihre Häuser samt den Vorräten vernichtet, zuweilen auch werden in dem verlassenen Dorfe nur ganz geringe Bestände gefunden: das meiste ist an nur Eingeweihten bekannten Stellen vergraben. Je starker de- bäuerliche Widerstand gegen die versorgungßbesttebungen der roten Soldaten, desto rücksichtsloser werden die Requisitionsmethoden; je rücksichtsloser die Requisitionsmethoden. desto zäher der bäuerliche Widerstand gegen den privilegierten Raub.- es ist eine Kette ohne Ende. .Lieber alles zugrunde richten, als ein Pud Brot den rottn Soldaten geben?" sagte mir ein Dauer aus dem Smolensker Gouvernement. Die Lebensnnttelpreise haben sich — vorübergehend — nur damals etwas ermäßigt, als ein deutscher Vormarsch möglich schien. In vielen Städten Mittel- und Nordrußlands kostet minderwertiges Schwarzbrot heute 5. 8 und mehr Rubel. Zucker 12 dis Rubel. Fett etwa ebensoviel das russische Pfund (408 Er.) Die Tagesration für Petersburger Bürger der ..vierten Klasse" betragt % Pfund (50 Gramm). Die vierte Klasse bilden all- früheren Beamte« und Offizier«, die Gutsbesitzer, Industriellen und Angehörigen freier Berufe, die tm Sowjetrußland mit dem Sammelnamen „Vourfhui" (vom französischen bourgeois) be. zeichnet werden. Die dritte und zweite Klasse erhalten etwas mehr. Die erste Klasse bilden die roten Soldaten und die Arbeiter in Sowjetbetrieben. Als Grund für diese Differenzierung wurde in einem Moskauer Dekret offen zugegeben, daß man die Bourgeoisie durch Unterernährung daran hindern wolle, sich gegen die Sowjetherrschaft zu erheben. „Der russische Intellektuelle ttachtet nur, wie er satt werde, jeder andere Gedanke tritt zurück", sagte mir neulich ein ehemaliger russischer Oberst aus Moskau. Ein großer Entscheidungskampf hat begonnen: zwischen den Bolschnvisten und ihren ländlichen Widersachern. Es schien der alte Kampf zwischen Stadt und Land zu sein, den die mittel- und westeuropäischen Länder vor Jahrhunderten Überstanden haben. Da haben die Bolschewisten mit Geschick Bresche ln die Phalanx ihrer Feinde gelegt' Sie haben die „Vereine der Armut" gegründet. Diese Vereine umfassen die landlosen Bauern und überhaupt ave Elemente, die mit der Besitzvertetlung auf dem Lande unzufrieden sind. Die Vereine der Armut haben dos Recht, eine Verteilung der vorhandenen Lebensmittel zu verlangen und den „Kulak" (zu deutsch „Faust") — so wird der Besitzer eines Bauernhofes genannt — zu enteignen. Co ist der Bürgerkrieg in die Dörfer getragen und das städtische Proletariat ist der tertius gauden«. Häufig ist die .bäuerliche Armut" — das ist der Fachausdruck — nicht mehr als eine Versammlung des arbeits- und lichtscheuen Gesindels. Doch haben die Zustände auf dem Lande nicht zu allgemeinen Vauernaui- ständen geführt: größere Erhebungen fanden bisher mir in Teilen der Gouvernements Nowgorod. Mtebsk und Smolensk statt. Fraglos droht aber die schwerste Gefahr für die Sowjettegierung aus dem ständig sich verschärfenden Gegensatz zwischen städtischen! und ländlichem Proletariat einerseits und den eigentlichen Bauern anderseits. AusstrordllilMt'r $t\\u im MM dkuMn Bridf. Das Großherzogliche Oberkonsistorium hat angeordnet'. In dieser schweren Notlage unseres Vaterlandes empfinden mehr als je alle Ernstgesinnten im Volke das Bedürfnis, in stiller Sammlung um Gottes Wort und in gemeinsamem Gebet zu dem Gott alles Heiles und aller Hilfe die inneren Kräfte zu suchen, die nötig find, um die gegenwärtige Prüfung zu be- stehen und zum Wohle unseres Volkes zu gestalten. Wir ordnen daher mit Genehmigung 'Seiner Königlichen Hoheit des Eroßherzogs und im Einklang mit den anderen deutschen Landeskirchen an, daß am Sonntag, den 20. Oktober in unserer Landeskirche ein außerordentlicher Landesbet- 1 a g abgehalten werde, welcher der demütigen, bußfertigen Beugung unter Gottes Hand, dem innigen Gebet um seine gnädige Bewahrung und Führung, und dem mutigen Gottvertrauen, das in keiner schweren Stunde bis hierher unserem deutschen Volke gefehlt hat, Ausdruck verleihen soll. Wo Nun in größeren Orlen Veranlassung und Gelegener dazu vorhanden ist, geben wir der Erwägung anheim, aufeee. bem am Nachmittag oder Abend in den Kirchen freier gestattetr vaterländische Gemeindeversammlungen zu veranstalten. I« nach den Verhältnissen kann dabei auf gottesdienstliche Gepränge verzichtet und auch die Mitwirkung von Laien vorgesehe« werden. -4 _ rtf _ 1 » Kirchliche Nachrichten. Evangelische Gemeinde. 21. Sonntag noch Tnn.. 20 Oktober 1918. Landesbettag. Gottesdienst in der Stadtkirche. Vormittags 9% Uhr: Herr Direktor Schoell. Nachmittags Uhr: Herr Pfarrer KlebergeA Am 27. Oktober wird mit dem Erntefest das hl. AbenW mahl gefeiert. Gottesdien st in der Burgkirche. Vornnttags 8 Uhr: Militärgottesdienst. Herr Psar-rcr Kleberger. Vormittags 11 Uhr: Kindergottesdienst. Herr Pj..rrcr D i e h l. Gottesdien st im Stadtteil Fauerbach. 10 Uhr Gottesdienst. 11% Uhr Jugendgottesdienft. » Evang. Stadtmission Fricdbcra, Ludwigsstraße 24: Sonntag: 1% Uhr nachm. Sonntagschule, 8% aben-H öffentliche Versammlung. Dienstag- 8% Uhr abends Jugendstunde. Donnerstag- 8% Uhr abends Vibelbesprech- und KriegG nebelst unde. » Katholische Gemeinde. Sonntag, den 20. Okt. 19i8. 22 Sonntag nach Pfingsten. Beichtgelegenheit am Samstag von 5 Uhr an unG Sonntags früh von 6 Uhr cm. %7 Uhr Frühmesse. 8 Uhr Militärgottesdienst mit Rosenkranz. %!0 Uhr Hochamt mit Segen und Predigt. Nachmittags 2% Uhr Sakramental:sche-Brudcrschafts-» Andacht mit Segen. Um 4 Uhr Versammlung des Jünglingsvereins. Während der Woche um M>7 und 7 Uhr hl. Messe. Werktags abends 6% Uhr: Rosenkranz-Andacht. Nach dem Hochamt Ausgabe von Büchern aus der Vorromäus-Bücherei. ' IJl _ÜL"HL—'..HI. IMS™ ■ !.■ ».'S. Verantwortlich für den politischen und lokalen Teil: Otta Hirsche!. Friedberg: für den Anzeigenteil: R. Heyner. Friedberg. Druck und Verlag der „Neuen Tageszeitung"» A- G. Friedbero i tz Herzen Strümpfe. Roman von Helene E ck ütky. geb. von Gersdorff. (Copyright 1915 by C. Aäermann-Stuttgarr.) *b) Nachdruck verboten Auch gemeinschaftliche Spazierritte wurden unternommen, denn Hilde war eine vorzügliche Reiterin. Das war dann für Neinhold immer ein besonderes Vergnügen, und er wurde nicht müde, ihre herrliche Gestalt, die auf dem Pferde besonders schön zur Geltung kam, sowie ihre anmutige, kraftvolle Haltung zu bewundern. Tante Ella sah der veränderten Situatton still beobachtend zu. Sollten sich ihre früher gehegten Hoffnungen doch noch erfüllen? Anfangs glaubte sie es, aber nach und nach wurde sie wieder zweifelhaft. „Weißt du. Bernhard", sagte sie zu ihrem Gatten: „Ich werde nicht daraus klug. Sie sind doch wie für einander geschaffen. Gott und Menschen müßten'eine Freude daran haben, wenn sie zusammen kämen. Und sie sind ja auch beständig beieinander. seit einmal daß Eis gebrochen ist. Sie werden nie fertig mit Auseinandersetzungen über die verschiedensten Dinge, sie fahren, sie reiten zusammen, gehen zusammen spazieren, sie find immer vergnügt und glücklich, aber ... das ist alles! Keine Spur von Verliebtheit, keine Koketterie, keine Heimlichkeiten. kein Erröten, kein Erblassen! Kurz, wenn sie zwei alte schon im Pensionat lebende Leute waren, so könnten sie nicht einfacher und natürlicher verkehren. Gß ist wirklich merkwürdig!" „Beruhige dich nur, Schatz", meinte der Kommerzienrat gleichmütig, „es führen bekanntlich verschiedene Wege nach Rom cd er auch zum Traualtar. Auf die eine oder andere Art wird die Sacke schon in Ordnung kommen. Warum soll es übrigens nicht auch einmal eine ehrliche aufrichtige Freundschaft zwischen Mann und Weib geben? Bei zwei solchen Elite-Menschen, wie Oermshoff und Hilde könnte ich mir so etwas allenfalls als möglich vorstellen." „Schon recht. Bernhard, ich fange wahrhaftig auch schon an. oet unserer absonderlichen Hilde die unmöglichsten Dinge für möglich zu halten", erwiderte Tante Ella, „aber was' glaubst du. was die Welt dazu sagt? Sie erscheinen überall zusammen, fteillch immer in meiner schützenden Gegenwart, so weit das tunlich rst. — beim Reiten z. V. kann ich sie ja nicht begleiten! * * * * mad ^ das alles so selbstverständlich, als gehören ste EStaÄSxf- i5ne " offen5at Ba " 3 aa * ic*u T ihr re!« r l ^ 5,ei% bas ift °"ch ganz gleicharmig" sagt« ihr Katt- beruhigt. „Laß doch beit Leuten dag Vergnügen. zu schwatzen und p. klatschen, soviel sie wollen! Was können sie denn viel reden? Ob das wohl -in- Partie gibt 1 erif ‘ b0 * B[IeSl Diese tiessinnige Frage wird! Vf*« gegnete die Kommerzienratin erleichtert. „Es ist wirklich unnötig, sich darüber den Kopf zu zerbrechen. Aber was der Mar- guis dentt, möchte ich wirklich wissen. Er scheint äußerlich so platt und süß wie immer, aber ob es ihm wirklich so gleichgültig ist, daran zweifle ich doch sehr." Ja, der Marquis! Er befand sich in einer mehr als unbehaglichen Stimmung. Als er nach dem Ball sehen mußte, daß seine woh-lgezielten vergifteten Pfeile alle wirkungslos abge- prallt waren, erfaßte thn ein stummer Grimm. Er erkannte seine Machtlosigkeit, direkt ttennend zwischen das junge Paar zu treten. Mit beinahe heroischer Selbstbeherrschung zwang er sich, äußerlich ruhig zu erscheinen, während er innerlich vor Wut kochte. Es ist nicht zuviel gesagt, daß er Neinhold mit Vergnügen ermordet hätte, wenn das in diesen nordischen Kulturländern überhaupt denkbar gewesen wäre. Ja, in einem Süd- frankreich, wo das Blut heißer in den Adern rollt, da könnte man vielleicht Mittel und Wege finden, einen unbeguemen Nebenbuhler aus dem Wege zu räumen. Aber hier, pah! Hier !st alles korrekt, sauber und kühl: hier bewacht die Polizei Schritt und Tritt, hier ist das Risiko zu groß. Nein, hier gilts auf Umwegen, durch List und Schlauheit an das Ziel zu kommen. Zu diesem Zweck durfte er vor allen Dingen seine wahren Gefühle nicht verraten. Seinen Haupttrumpf, den er für ganz zweifellos erfolgreich hielt, wollte er erst, wenn durchaus unvermeidlich, ausspielen. Zunächst wollte er sich überzeugen, ob wirklich die Sache ganz so schlimm stünde, wie er fürchtete. Er beobachtete scharf und war überzeugt, daß bis jetzt tatsächlich nur ein freundschaftliches Verhältnis zwischen den Beiden herrschte. Ihm war das freilich, von seinem Standpunkt aus, unbegreiflich. „Mille tonnereZ!" meinte er eiu wenig wegwerfend in seinen Selbstgesprächen. „Mtt einem so schönen jungen Geschöpf täglich stundenlang zusammen sein und mit ihr immer nur philosophische, geistreiche Gespräche führen, anstatt von Liebe zu reden, dazu gehört wirklich ein solcher deutscher Tropf ohne Schneid und Schick! . . . Aber mir kann's schon recht so sein. Ich bin Unterdessen wachsam wie Argus, begegne ihr mit der gewohnten Ergebenheit und ihm mit der gewohnten Höflichkeit, d-amit sie nicht mißtrauisch werden. Um mir diesen eigentlich unerträglichen Zustand einigermaßen zu mildern, habe ich ja meinen kleinen Flitt mit dem reifenden jungen Ding, der Oberstentochter!" Und wirklich brachte er fast alle seine Zeit, die nicht dem gewidmet war, was er als seine Hauptaufgabe betrachtete, nämlich dem Aufpassen und Spionieren jedes Schrittes, jeder Miene der beiden Belauerten, damit zu, der hübschen Käthe Trontheim den Kopf zu verdrehen. Sie brauchte ihre Schwester nicht mehr um die ihr verehrten Rosen zu beneiden. Gleich den Tag nach dem Ball kam ein vracktvoller Strauß nebst Karte von Herrn < . v „ I Marquis Louis von Reymond. worin er die Hoffnung auslprach. f .Wahrhasifg. km Vak etnmal wieder Recht. Bernhard", ent. > daß dem ü-rädigeu Lräulem da- Feit gnt bekomme- lei; er [ werde sich erlauben, sich selbst danach zu erkundigen und Herr und Frau Oberst seine Aufwartung zu machen. Dies geschah denn auch, und er wurde liebenswürdig in dem gastlichen Haufe ausgenommen, in welchem der Stellung des Herrn entsprechend, ei» lebhafter geselliger Verkehr stattfand. Seitdem verging selten ein Tag, an dem nicht ein Blumengruß von ihm für Fräulein Käthe eintraf, und die Kleine war nicht wenig stolz auf ihren ansehnlichen Verehrer. Eie amüsierte sich köstlich über seine Aufmerksamkeiten und sein Bestreben, ihr möglichst oft zu begegnen, einen Blick oder gar ei« Wort von ihr zu erhaschen. Schon morgens ging er öfters a» ihrer Wohnung vorbei, spähte nach ihren Fenstern in die Höhe und schien sehr beglückt, wenn er sie erblickte. Als sie das erst bemerkt hatte, paßte sie natürlich verstohle« auf, ob er wohl wieder kommen würde, war sehr befriedigt, wenn er erschien und ein klein wenig enttäuscht, wenn er aus« blieb. Valid erfuhr sie durch mütterliche Ermahnungen, daß si« „in solchen Dingen" sehr vorsichtig sein und Herren, welche sich ihr zu nähern suchten, kühl und abweisend gegenübertreten müsse. Das kam ihr übertrieben pedantisch vor; die gute Mama hatt« wohl vergessen, wie lustig so ein kleines Techtelmechtel war, hatte überhaupt vergessen, wie es ist, jung zu sein. Was konnts es denn schaden, mit dem netten, interessanten Marquis ein wenig zu kokettieren? Das war doch ein harmloser Spaß! Wozu war sie denn mm endlich erwachsen und aus der langweiligen Schule erlöst? Sie konnte doch nickt ewig weiter nur Vokabeln lernen, Stickereien machen oder so fades Zeug tteiben! Sie» wollte sich amüsieren und dazu bot sich durch die offene und verstohlene Huldigung des Marquis die beste Gelegenheit. Aber auch Frieda warnte. Ja. die! Die war auch fs furchtbar ernst, arbeitete immer etwas, gewöhnlich für Arme, lachte kaum und nahm alles so schwer. Als sie damals, ehe sie noch in die „Gesellschaft" eingeführt war, für Reinhold Germs- hoff geschwärmt hatte, war Frieda auch erschrocken und hatte ge-> warnt. Lieber Himmel, das wäre ja sterbenslangweilig, wen« ste denen wirklich folgen wollte. Rein, nein, sie wollte aller-» dings vorsichtig sein, aber nur insofern, daß die Ihrigen nichts von diesen kleinen harmlosen Scherzen merkten. Damit war das arme Kind schon auf der schiefen Ebe»«; Anstatt wie anfangs lachend und scherzend von den HuldigungeU des Marquis daheim zu erzählen, begann sie seine Fensterpar»« den, die Begegnungen mit ihm zu verschweigen, ihm, wenn stL ihn in Begleitung der Ihrigen ttaf, ungesehen von letzter««, leuchtende, bedeutungsvolle Blicke zuzuwerfen, und sich am Fr»s ster nur noch schnell und verstohlen zu zeigen. Der Marquis verstand. Er stellte seine Vlu mensend ungeA^ ein, reduzierte seine Spaziergänge vor ihrem Fenster und suchte nur ihr allein verständlich zu machen, daß seine Gefühle urrtmf ändert seien. Dadurch war ein gewisses Dersteckspielen. etw«^ Geheimnisvolles in lbre Dezlebungen gekommen, was denjclbeL einen neuen Retz, dev Reiz der verbotenen Frucht htn-ujugtU. ßctileftima folgt.