Umnmer 344 W;chreig d°Dannerstag. den 17. Vktover 101^11. Jahrgang. Tic , me (• nr coieitinirt" nidjemt ]eDef Ll.erlla-'. iKeaelmafoige tßeilaoen „Oer Kauer aus Kellen", „Die Spinnkube". Se,ugspre»s: Bei den Posta,iitaiten oierieliäljrlict) SJit 2.7‘ hinzu tritt noch das Bestellgeld: "ei den v rmter monatlid: 1.00 Mk. einschließlich Trageriodn. An?ergen: Grund«ette 2b Plg„ totale 20 big.. Anzeigen von auswarrs oeroen durch Potnachnadm erboben/^k'-'iillHNdsorr ^riedbera. Schriflleitnna und Nerlax neddera f *r>ef?cn». 'maauerstraße 12. Hern >v rech er 48. Bost, tzeck-Eaalo 1t r. 48»9. llmi Frankfurt a. M. MPiijlZzkii A«i»srt. Forifthnng der Kämpfe in Flandern. — |icnc Anarilfe gescheitert. — Französische Städte nutcr eigenem Feuer. — 4? 000 Tonnen versenkt. Der deutsche Generalsial» 7 - - —— -. - meldet: , — • M. S. ^r-ohes HarrptquarLrer. de.r 16. Oktober Ämtlich. Westlicher Kriegsschanplatz. Leeres gruppe Kronprinz Rupprecbt. In Flandern setzte der Feind seine Angriffe fort. Ihr Hauptstoß richtete sich aus Torhout und gegen die Bahn Isegem- Kortrik. Aach gegen die übrige Kampffront führte der Feind vielfach durch Panzerwagen unterstützte heftige Angriffe. An einzelnen Stellen haben unsere Truppen ihre Linien behauptet; an anderen Stellen wichen sie kämpfend aus und wehrten den Feind an rückwärtigen Stützpunkten vielfach du,.ch Gegenstöße ab Auf dem nördlichen,Angrifssflügel blieb Torhourt in unserer Hand. Versuche des Fe'ndes, zwischen Wecken und Tor- bourt fn nördlicher Richtung vorzustoßen. wurden in erster Linie durch Trirppen der 88. Landwehr-Division verhindert. Südlich ron Torhout haben wir die Linie Lichtervelde-Isegem gehalten. Südlich von Isegem gelang es denk Gegner, über die Bahn Ife- gem-Kortrik hinaus vorzudringen; östlich der Bahn brachten wir ihn zum Stehen Wcstlich und südwestlich von Lille setzten wir unsere Liitien etwas vom Feinde ab. Heeresgruppe Deutscher Kronprinz. Zwischen Bohain und der Oise griff der Feind erneut nach starker Artilleriewirkung an. Nördlich der Straße Bobain-Aifon- ville hielten wir ihn durch unser Feuer nieder. Aisonville wurde nach heftigem Kampfe gegen den beiderseits des Ortes und gegen den Ort selbst mit starken Kräften mehrfach anstürmenden Gegner gehalten. Auch der nördlich der Oise vorbrechende feind- lick-e Angrrff fef eiterte vor unseren Linien. Die seit Wochen fast ununterbrochen im Kampfe stehende 6. Bayrische Infanterie-Division. zeichnete sich wiederum besonders aus Kämpfe por unseren neuen Stellungen nördlich und nordöstlich ron Laon und westlich der Aisne, in denen wir dem Gegner vielfach schwere Verluste zufügten. Der Feind stekt hier südlich der Serre und etwa in Linie Lieste-Sistonne-Le Thour-St. Gw- mainmont. An der Aisne-Front Erkundungsgefechte. Der zwischen Olizy und Grandpre auf Mouron entlang der Aisne vorspringende kleine Stellungsbogen wurde geräumt. Die dort kämpfende Trupp? hat den Feind auch gestern wieder zu mehrfachen für ihn verlustreichen Angriffen veranlaßt und damtt den mit dem vorübergehenden Halten des Vogens beabsichtigten Zweck voll erreicht. Heeresgruppe Gallwitz. Zwischen den Argonnen und der Maas sind erneute hef- Angriffe der Amerikaner in unserem Fener und an unseren Gegenstößen gescheitert. Der Feind hat auch gestern trotz Einsatz weit überlegener Kräfte, starker Artillerie und trotz Ilnter- stützung durch Panzerwaoen nur wenig Gelände gewonnen. Nördlich von Iuvin, am Walde von Bantheville und nordöstlich von Ennel fanden die Kämpfe bei Einbruch der Dunkelet ihren Abschluß. Auf dem östlichen Maasufer zersplitterten sich die zwischen der Maas und nordwestlich von Beaumont gerichteten Angriffe in dem sehr unübersichtlichen Waldgelände in sehr heftige Teilkämpfe, die zu unseren Gunsten endigten. Der Amerikaner erlitt auch gestern wiederum außerordentlich schwere Verluste. Der erste Eeuerrttquartiernreistcr: Ludendorff. Staatssekretär Gröber über die Kriegsanleihe: Keine Negierung, kein Reichstag es jemals wagen dürfen, die Sicherheit /er Kriegsanleihe anzniaften. Abendbericht. Berlin, 16. Ott., abends. (WB. Amtlich.) Nordwestlich von Noeselure, am Sclle-Abfchnitt bei Hausty zwischen Aire und Maas und auf dem Ostufer der Maas sind feindliche Angriffe gescheiter^ Die von französischen Flüchtlingen angefüllte Stadt D e - na in liegt unter dauerndem Feuer schwerer englischer Artillerie. Der Feind beschoß gestern die von uns während des Krieges sorgsam geschonte Wallfahrtsstätte von L i e s s e. Is Der österreichische Gencralstab jj - meidet: Wien. 16. Oft. (WV.) Amtlich wird verlautbart: Auf dem Saffo Rollo vereitelten unsere Sicherungstruppen einen italienischen Vorstoß. In Serbien und Albanien vollziehen sich unsere Bewegungen und Maßnahmen ohne Einwirkung des Gegners. Ter bhes des Generalstabe-. 41000 Tonnen verdenkt. Berlin. 16 Okt. (MTV. Amtlich.) Im Atlantischen Ozean haben unsere U-Boote 41,009 Bruttoregistertonne« fmndelsschiffsraum, darunter mehrere Tankdampfer und mit Kriegsmaterial beladene Dampfer, versenkt. Ter Chef deS Adniiralflabes der Marine. Der Seekrieg. Washington, 12. Okt. (WB.) Ncutermeldung. Ter „Tieonderago" sank infolge von Granatfeuer. Man befürchtet, daß der Rest der an Bord Befindlichen, etwa 250, verloren fei. Das Marineamt erhielt die Nachricht, daß 20 Mann der Besatzung an Bord eines englischen F-racht- dampfers einen amerikanischen Hafen erreicht hätten. Früher schon hatte das Amt die Nachricht, daß „Ticonderago" von ihrem Geleitzuge getrennt wurde. Der Kcmpf in Flandern. Berlin, 18. Okt .(WB.) In der Margenfrühe des 11. Okt. letzte bei dichtem Nebel in Flandern von Handzame bis Wer- wick Trommelfeuer ein. das stch in schwerem W llen nach Norden hin bis zur Küste kortfetzte Von See her griffen Monitor? ein. die die Küste beschaffen. Auch der gegnerische Fliegereinsatz war ein starker. Gegen Mittag gelang es den Deutschen, den heftigen Ansturm aufzufangett und ihn in kleinere Teilangriffe euff.u lösen, wobei die Belgier. Franzosen und Engländer keine größeren Erfolge mehr erzielen konnten. Mit Artillerievorbereitung griffen zwischen Olzy und Termes die Franzosen und Amerikaner wiederholt an. Es gelang ihnen zunächst, westlich Olizy die Aisne zu überschreiten; ober was hier nicht im Abwehrfeuer von ihnen vernichtet wurde, geriet in Gefangenschaft. Nur bei Mouron und Termes konnte der Gegner örtliche Erfolge erzielen. Die Angriffe der Amerikaner, durch schwerstes Artillsriefeuer aller Kaliber vorbereitet, hielten unter dem Einsatz von Tanks zwischen Aire und Maas bis zur Dunkelheit an. Im Laufs des gestrigen Tages wurden eine größere Anzahl Maschinengewehre und über 600 Gefangene eingebracht. De-kiv, 15. Olt. (WB ) Auch am 14. Oktober lag die Stadt ^D oiici wieder unter schwerem Feuer englischer Geschütze. Die eigenen Vtädte unter Fener. Berlin, 16. Okt. (WB.) Die Vorstädte von Lille, Lam- bersart und Rochin. ferner D o u a i und D e n a i n wurden am 15. und teilweise euch in der Nacht zum 16 Oktober mit schweren Kalibern beschossen. Das Stadtinnere von Le Quesnoy war am 14. Oktober das Ziel schwerer englischer Granaten. In der Nacht auf den 15. Oktober verursachten feindliche Bombenwürfe in Le Quesnoy, Iolimetz Verluste unter der Bevölkerung. Schonung der belekten Städte. Eens, 16 Okt. (Havas.) Der „Petit Parisien" schreibt: Die deutsche Regierung ersuchte die Schweiz der französischen Regierung mitzuteilen, daß 30.000 Bewohner von Balenciennes nicht abgereist sind, und ihr ein allgemeines Abkommen vorzuschlagen. wonach weder von den Franzosen noch von den Alliierten künftig Städte bombardiert werden dürfen. Die deutsch- Regierung wird im Falle einer Weigerung die V rcmtwortuch für das Leben der Zivilbevölkerung nicht übernehmen Die mUitärische Sage. Während zwischen den Regierungen die Frage, ob Krieg ob Frieden, der Entscheidung entgegengeht, muß das deutsch« Heer nach wie vor die Heimat vor feindlichem Einsall sichern Der Kampf geht ohne Unterbrechung weiter. Die Front muss in sich geschloffen bleiben, darf dem Feinde nicht die Mäilich keit geben, eine breite Bresche zu schlagen, die deutsche Kamps kraft darf nicht gemindert, die Arbeit ^Lr den Krieg nicht unter brochen werden. Zwingt uns der Feind zur Fortsetzung d« Kampfes, so bedarf es wie bisher der ganzen deutschen Kraft den in einer Abweisung des deutschen Friedensangebotes llck offenbarenden Vernichtungswillen der Feinde zu brechen. Es geht um Deutschlands Ehre, Existenz und Zukunft. Bisber hat deutsche Widerstandskraft in glänzender Abwehr dem Feind» den Durchbruch der deutschen Front verwehrt; der Kraft der vereinigten feindlichen Großmächte ist es nicht gelungen, das deutsche Heer niederzuringen. Unterstützt von tapferen Truppe- der treuen österreichisch-ungarischen Bundesgenoffen, hat dtt deutsche Streitmacht ihre Front trotz gewaltigsten feindliche» Ansturmes in stch geschloffen gehalten. Die Front trotzt den Feinde, ist stark und bleibt stark. Dies kann angesichts der bisherigen Abwehrerfolge nicht scharf getiug betont werden; den« alberne, törichte Gerüchte arbeiten daran, jede Rückwärtsbe- wegung an der Front zu einer Niederlage zu stempeln. I« ihrem Dünkel und ihrer Beschränktheit erkennen die Verbreiter solcher Gerüchte nicht, wie sehr sie die Geschäfte des Feindes bs- sorgen, welch schnöden Undank sie unseren braven Truppen zm fügen, die ihr Blut für den Schutz der Heimat hingeben. Unsere rückwärtigen Bewegungen erfolgen nach einem festen bestimmten Plan, der Feind ist nicht in der Lage, sie zu hinderr oder zu stören. Gerade in der Elastizität der Front liegt ihr« Stärke Die deutsche Führung weiß immer wieder, die feind lichen Absichten auf Auseinanderreißung der Front zu durchkreuzen. Das kann nur deshalb dauernd gelingen, weil di« Front elastisch in Bewegung gehalten, die eigene Kampfkraft möglichst geschont wird. Je häufiger die Kampfstellung geändert wird, desto weniger können die gewaltigen Angriffsmittel der Feinde zur Geltung kommen. Der Verteidiger zwingt durch jeden Stellungswechfdl^den Angreifer zu zeitraubender Erkundung. In mühsamer Luft- und Erdbeobachtung muß er stch immer von neuem Ausschluß über die Stärke des Verteidigers verschaffen, genaue Anhaltspunkte für die Gliederung neuen Angriffs suchen, muß seine Artillerie und Minenwerfer nach- ziehen und einschießen, den Munitions- und Verpflegungen - X)t fchub von neuem regeln. Bahnen und Straßen in Ordnung bringen. Dieser Zeitgewinn kommt uns zugute; denn wir nähern uns der schlechten Jahreszeit, die den Eroßkampf zum Abflauen zwingt. Nicht lange mehr, und die Feinde müssen ihre zahlreichen Verbände farbige: Hiffstruppen zur Aufrechterhaltung ihrer Gesundheit in das wärmere Klima Cüdfrank- reichs bringen. Alle Bewegungen, die wir an der Westfront ausfuhren und ausführen werden, vollziehen stch unter dem zielbewußten Wil^ len unserer Führung, den Endsieg des Feindes zu vereite.lt» Die große Bewegungsfreiheit, mit der wir ohne strategische Nachteile dem Feinde immer wieder Gelände überlasten können, um uns günstigere Verteidigungsbedingungen zu verschaffen, ver» danken wir dem Umstande, daß wir den uns aufgezwungene» Verteidigungskampf wett in Feindesland h neitzgetragen haben, und dort statt in unserem Vaterlande den Endkampf austrage« können. Mit jedem Schritt, den wir in der Mitte des große« Bogens zwischen Nordsee und Maas nach rückwärts tun, wird unsere Front kürzer, sparen wir Kräfte aus und erhöhen wir unsere beweglichen Reserven. Cin neuer Orenelfeldpig. Seit dem Friedensvorfchlag der deutschen Regierung cr« den Präsidenten Wilson hat eine unerhörte Hetze von sranzö- stscher und englischer Seite wegen der angeblichen systematischem Verwüstungen bei unseren Rückwärtsbewegungen in Nordsrank- reich eingesetzt. Jede Stadt, die von den englischen und französischen Geschützen in einen Trümmerhaufen verwandelt worden ist, wird als von den deutschen Truppen verwüstet, geplündert und in Brand gesteckt bezeichnet: Von jedem Dorf, das nach erbittertem Kampf von den deutschen Truppen geräumt wird, soll Amerika wie dem französischen und enalischen Volke di» Ueberzeugung bvigebracht werden, es sei mutwillig von den Deutschen verwüstet worden. Don feindlichen Fliegerbomben -getroffene Magazine und in Brand geschossene Munitionsdepols bezeichnen in den Augen der in London und Paris sitzenden ..B.-eich-erstatter" mit ihren Rauchsäulen die angeblich von uns in Brand gesteckten Orte. Die Verlogenheit, ja die Dummheit der Behauptung, datz unsere Soldaten nun auf einmal onfangen sollten, ihre eigenen Quartiere in Brand zu stecken, kümmert die Verfasser wenig. Sie ignorieren die Tatsache, datz Tausende von Franzosen, die ruhig unter der deutschen Besetzung gelebt haben, nunmehr vcrzwcif- lnngsvoll aus Augst vor dem Feuer der Geschütze ihrer ..Be- freier" aus den Städten Nordfrankreichs nach Belgien flüchten. Diese Berichte sind glatt erfunden und lediglich zu dem Zwecke verbreitet, um die Krieosleidenfr*'asten aufs Neue zu entfachen und. wenn irgend möglich, den Frieden, den wir an- strebcn, zu verhindern. Denn es ist wohl wahr, daß Städte wie St. Ouentin, Cambrai, Douai und Laon stck; in rauchende Trümmerhaufen verwandeln. Die Derostworrung d-'sür aber tragen die feindlichen Flieger und Batterien, die seit Wochen diese Ortschaften mit Granaten und Brandbomben belegen. Zn diesem Grcuelfeldzug gehört auch die Erregung über die Versenkung eines japanischen und eines englischen Passagier- dampfcrs. die mit größter Anstrengung von den feindlichen Te- le-graphenagenturen gesä-ürt wird. So sehr auch der Tod am Kriege nicht direkt beteiligter Zivilisten bedauert werden mutz, fo mutz doch gegenüber der feindlichen Pressemache betont werden. datz für ein U-Boot ein Unterschied zwischen eitk'em Passagierdampfer und einem Transportschiff unmöglich ist. Genau so. wie es dem englischen Flieger unmöglich ist. zu unterscheiden, ob seine Bomben in Brügge deutsche Soldaten oder bel'stche Bürger toten. Nur bei der immer häufiger werdenden Bonr- bardierung offener deutscher Städte am Rbein kann der Engländer so gut wie sicher fein, daß er lediglich die Zivilbevölka —«ra tötet und verwundet. furchtbaren Schlag gegen England zu führen. Gedbes schloß: So grotz die Erfolge unserer Heere und so vorzüglich unsere Aus- sichten sind, so haben wir doch noch nicht gewonnen. Wir können noch durch lange, schwere Monate hindurchzugchen haben. Auch in den neutralen Ländern, die vor der Beendigung des Krieges, unter dem auch sie zu leiden haben, zu stehen hofften. ist die Enttäuschung gewaltig. Vielfach wird PräsidentWilfon gewarnt, den Vogen nicht zu übersvannen. Würde das deutsche Volk zum Kamps bis auf das Messer gezwungen, dann würden jene dunklen Elemente aus dem allgemeinen Chaos und der allgemeinen Vernichtung aufsteigen, die der kommenden zivilisierten Welt den Krieg erklären würden und dann werde nicht nur Deutschland der leidende Teil jeL ? : f Miifl'nrf der Die halbamtliche . Nordd. Allg. Ztg." schreibt: Die Note führt die Diskussion teils weiter, teils erweitert sie dieselbe. Es wird also eine neue Geaenäurerung der deutschen Regierung notwendig werden. Die Ausstellung de 5 Prinzips ist neu, daß die durch die Räumung zu schaffende Laue die fetzige militärische Ueberlegenbeit der Entente unangetastet lassen müsse. Im Zusammenhang nril dieser Frage erhebt die Rote gegen die deutsche Kricgführuvg den Vorwurf der ITn = Menschlichkeit und beschuldigt sie ungesetzlicher Handlungen. D Vorwurf ist unberechtigt und übersieht zum mindesten die militärischen Notwendigkeiten. unter deren Zwang die deutsche Heeresleitung handelt. Die deutsche Regierung hat die Hand dazu geboten. nm die Leiden zu mildern und den Verwüstungen des Krieges überhaupt Einhalt zu gebieten. Es ist also unbillig, ihr die alleinige Schuld an dem jetzigen gewiß bedauernswerten Zustand der bewohnten Kampfzone .zuzuschieben. Die V ant- wortung der amerikanischen Note erfordert eingehende Beratungen. Dabei wird die deutsche Regierung sich weiter von dem Geist der Versöhulichkeit und dem Wunsch noch Beendigung des Blutvergießens leiten lassen und ihren Entschluß unter Wahrung der Interessen des deutschen Volkes fassen. Während man nach diesen Aeußerungen glauben tonnte, die deutsche Regierung würde noch weiter zurückweichen, lauten die neuesten Nachrichten zuversichtlicher. Es fanden Lastern Beratungen aller in Frage kommenden Organe der Negierung und der Volksvertretung statt, die teilweise bis in die späten Abendstunden währten. Auch die Regierung scheint nicht gerade gesonnen zu fein, sich ohne weiteres den demütigenden Bedingungen Wilsons zu fügen. Dafür spricht, datz ohne Ankören der Obersten Heeresleitung kein entscheidender Schnitt getan werden soll und datz zu diesem Zwecke Feldmarschall von Hindenburg nach Berlin abgererst ist. Man nimmt an, daß die deutsche Antwort heute noch serliggöstellt sein werde. Den Blättern der Mehrheitsparteien scheint augenblicklich die Erkenntnis gekommen zu sein, datz mit einem einseitigen Friedens- und VerftandigungsWillen der Krieg noch nicht beendet ist und daß bei unseren Feinden ganz andere Dirwe als Menschheitsglück und ewige Gerechtigkeit mitspielen. Es ist bezeichnend. datz die..Frankfurter Zeitung" den von uns an anderer Stelle gebrachten Aufruf der Konservativen „gewiß vielen zu Herzen aehend" nennt und ihn auch sonst nicht unabfullig bewertet. Wir sagen aber ausdrücklich, daß diese Stimmuna nur augenblicklich so ist. heute wrechen die Mehrheitspolitikcr unter dem Druck der Verhältnisse, die ihren Ansichten Macht gegeben hat. Morgen können sie auch wieder anders reden. Wie die Note ansonsten zu bewerten ist, zeigt ein Blick in dke feindliche Presse Die Kriegshetzer jubeln und preisen W!l- wn als ibren Helden Alle sprechen so, als. wenn Deutschland bereits völlig besiegt am Boden liege, selbst das elende Itali-m meldet seine Ansprüche an. Trotzdem finden sich noch immer edle Seelen, die fürchten es könnte am Ende zu einem Schluß kommen und die darum ihr Volk aufzuhetzen suchen. So sagre der englische Staatsmann Eeddes in einer Rede zu Portsmouth Deutschland wisse jetzt, daß es den Krieg nicht gewinnen könne, habe aber noch große Hoffnung, einer Niederlage zu entgehen. Er empfehle jedermann, der wissen wolle, was noch zu tun bleibe, bei jeder Siegetznachricht die Karte zu studieren, dann werde er bescheidener denken .... Ein Teil des deutschen Bluffs fei das Ersuchen um Waffenstillstand der neuen Regierung des Prinzen Max von Baden, in die einige zahme So- LaNsten. sogar mit dem Prädikat Exzellenz, eingetreten seien. utschlands Lage kritischer als die vorliegenden l'ssen andererseits lägen aber Beweise dafür und selbst nicht an seinen Fall glaube. Es be- altigeren Tauchbootfeldzug denn je vor, und feine Heere feien bisher nur auf fremdem Boden geschlagen worden. Daran, daß die Deutschen wirklich ihre Gesinnung geän- vert hatten, sei nicht zu denken, sie versuchten lediglich, den Frie- Tagung des Londoner Kritgskabinctts. Gens, 16. Okt. ..Daily Mail" meldet, daß am 14. Oktober ein dringliches Ersuchen Amerikas eingegangen sei zwecks Herbeiführung eines Meinungsaustausches wegen der weiteren Kriegssihiung. Das Kriegskabinett tagt in London fast ohne Unterbrechung. FriedenskÄNdgebilirgerr in Frankreich. Genf, 16. Okt. .In Lvon. Marseille und anderen Städten Südfronkreicks fanden am Sonntag Friedenskundgebungen statt. In Lyon ^orderte der Präsident der Gewerk- sckaften zu einem zwvlfstündiaen Sympathiestreik für den Frieden auf. Der Eindruck in der Schweiz. Zürich, lg. Okt. Der erste Eindruck der Antwort W'ssons auf die deutsche Note vom lg. Oktober wirkte hier etwas pessimistisch. Die Antwort Wilsons scheint als wenig geeignet, die Verhandlungen zu einem.raschen FricdeusschUch zu führen. So schreibt die ..Züricher Post": Die Antwort des Präsidenten Wssson auf die Rote der deutschen Regierung vom 12 Oktober ist nicht geeignet, die Hoffnung zu einem raschen, dauernden und eine Beraewaltigung des deutschen Volkes ausschlietzendcn Friedens zu stärken. Freilich ist zu sagen, datz niemand bei einiger kühler Ueberleaung onnehmen konnte, die furchtbare Maschine dieses Krieges würde durch den Austausch weniger Fragen und Antworten zum Stehen gebracht werden können. Es wird in diesem Anstausch von mit äußerster Bebutsomkeit formulierten Ro^en vielleicht noch mehr als einmal eine Stockung, ein mächtiges Anfüeigen der Hoffnungen. ein jäber Abstnrz dazu kämmen Aber wir können auch n- i nach der festigen Antwort des.Präsidenten Wilson nicht daran er zweifeln datz diese Auseinandersetzung mit dem Frieden enden mutz. Wir gründen diese Hoffnung nach wie vor ans die politische Weitsicht und Gerechtigkeit des Präsidenten Wilson und auf die nnbedin^e Friedenoberer'schaft der neuen deutschen Negierung. Es kommt fet-t alles daran* an. datz das Vertrauen zu der menen d-ntichen Reo-ernna in Wnfh'natan gestärkt wird. Das Blatt sck-licßt Die Befürchtung ist vorbanden, kmtz der Präsident Wilson auch in anderen wichtigen Fragen zuträglich ist, den Stimmen in Paris und London nachgibt. Die Anffassung in London. 5-aaq. 16. Okt. Reuter meldet: Der komplette Wortlaut von Wilsons Antwort kam am 15. morgens früh in die Hände der Mitglieder der Regierung Es fand ein Kabinettsrat kurz nach 11 Ahr morgens statt. Augenblicklich könnte keine Entscheidung getroffen werden, aber die Antwort des Präsidenten gibt anscheinend auch die Ansicht der anderen assoziierten Mächte vollkommen wieder. Der Hinweis des Präsidenten auf Oesterreich-Ungarn wird als bezeichnend angesehen. Man erblickt in Wilsons Bedingungen über die verantwortlichen Männer in Deutschland einen deutlichen Hinweis an das deutsche Volk, was Wilson von ihm verlangt. Winston Churchill hat in Manchester eine Rede gehalten, in der er sa^t«: Wilsons Antwort an Deutschland wird in allen alliierten Ländern mit großer Befriedigung genehmigt werden. Die erste und wichtigste Bestimmung ist, datz der Feind geeignete Garantien gibt, ehe darin zugestimmt wird, den Druck unserer siegreichen Heere zu erleichtern Wir wünschen kräftige Garantien, die es Deutschland unmöglich machen, den Kampf wieder aufzunehmen. Deshalb wäre der erste, der über die Frage dieser Garantien initreden soll. Marschall Foch. Ebenfalls werden wir Garantien zur See verlangen und diese werden durch den Befehlshaber der britischen Admiralität festge- stellt werden. Ein zweiter Punkt wäre, daß die Deutschen ihre Grausamkeiten einstellen müßten, che wir mit ihnen reden können. Wir verlangen keineswegs die Vernichtung Deutschlands, aber die Deutschen müssen ihren Traum einer Weltherrschaft ausgeben. Es ist besser jetzt einen Kampf bis zum Ende dvrch- zuführen als ein Kompromiß zu schließen, wobei wir sämtliche Früchte desjenigen, was wir erzielt haben, wieder verlieren Vielleicht Bewe ise erkenn er Dor. daß Deutsch! reite einen acm würden. de« zu erhalten, um einen neu-« Krtea vorzuberciten und ernen Ein „unabhängiges" Arabien. Konftantinopel, 13. Okt. Die augenblickliche politische Lage in Konftantinopel läßt sich sehr schwer überschauen. Es sind ziemlich bedeutende Strömungen im Gange, die darauf hinarbeiten. das frühere deutsch, und bündnisfreundliche Kabinett unter Anklage zu stellen. So arbeiten gewisse Kreise darauf hin, den früheren türkischen Marineminister Djemal Pascha und den Ex-Gcueralissimus Enver Pascha vor ein Kriegsgericht zu bringen. Ferner trägt sich die jetzige türkische Negierung mit dem Gedanken, das schon seit Jahren in der Schw-ebe befindliche arabische Problem zu lösen. Bekanntlich verlangten die der Türkei angegliederten arabischen Stämme und Provinzen Syrien und Palästina seit langem ihre Unabhängigkeit. Diese Frage, die kurz vor Ausbruch des Krieges ihrer Lösung entgegensah, wurde durch den Krieg selber aufgeschoben und hat jetzt infolge der letzten Ereignisse für Syrien und Palästina ihre Lösung dahzn gefunden, daß England und Frankreich den Ara. bern eine Schein-Unabhängigkeit versprochen, und zumteil auch gewährleistet haben. Bezeichnend für die englisH -franzöfischerff Machenschaften in dieser Hinsicht ist die Besetzung von Damaskus durch englische Truppen. Kaum war Damaskus von de« Engländern besetzt, als die englische Besatzung sofort wieder ab- rückte, um dem Lande den Schein einer Unabhängigkeit zu bekunden. Selbstverständlich gehen die Engländer und Fr?, zoser» nur auf eine versteckte Besitzergreifung des Landes hinaus, möchten aber, ehe der Friede abgeschlossen ist. die Araber voll, kommen auf ihrer Seite haben. Infolge dieser Sachlage wurd, auch der augenblicklich sich in Berlin befindende Führer der arabischen Gruppe im Parlament. Erz. Emir Schekib-Arslau drahtlich nach Konstantinopel zurückgerufen, um an den Vera- tungen der türkischen Regierung über die arabische Frage teilzi» nehmen. Ein neues Attentat auf Lenin? Leipzig, 16. Okt. (WB.) Der Sonderberichterstatter der „Leipziger Abendzeitung" in Kiew drahtet, daß in Kursk ein neues Attentat auf Lenin verübt wurde. Der Täter ist der der Rncheliga von Witebsk angehörige Registrator des Informationsbüros der Sowjetpresse Dwanitzki, der Lenin durch Revolverschuß an der Schulter verwundete. Er wurde verhaftet. Danstg. deutsch. Dauzig, 16. Okt. (WB.) Der Magistrat sandte an den Reichskanzler, sämtliche Staatssekretäre, den Reichstag, den Gauptaussck>uß und den Reicbstagsabgeordneten Weinhauwn folgendes Telegramm: Präsident Wilson will alle Länder unzweifelhaft polnischer Bevölkerung zu einem unabhängigen neuen polnischen Staat vereinigen. Demgegenüber stellen wir fest, daß Danzig nimmermehr diesem Polen angehören darf. Unsere alte Hansastadt ist durch deutsche Kulturkraft entstanden und gewachsen. Sie ist kerndeutsch. Wir nehmen für uns das Selbstbestimmungsrecht der Völker in Anspruch: wir wollen deutsch bleiben immerdar. Der Magistrat: gez. Dr. Bail, Bürgermeister. pfHiid)lante miüföriiriif Kraft m kNliichku ilrikil. Den Kleinmütigen, die bei uns einen schlechten Friede« oder gar eine militärische Niederlage glauben befürchten z» sollen, wird folgendes, offenbar von einem feindlichen militärischen Sachverständigen stammende Urteil eine Herzensstar» kung fein. Die Londoner Zeitung „Daily Ehronicle" schreibt: „Wenn auch die Berliner leitenden Stellen jetzt der wachsenden Verbandserfolge inne werden, so wissen sie doch auch, datz sie noch lange nicht am Ende ihrer Kräfte find. Deutschland ist immer noch frei von Invasion: obgleich die feindliche Front ihm immer näher rückt, wird die deutsche Front doch auch beständig verkürzt, was für den an Zahl Unterlegenen stets günstig ist. Außerdem besitzt Deutschland dauernd den unschätzbaren Vorteil, daß bei ihm die Macht in einer Hand liegt, wahrend beim Verbände sie auf mehrere Genossen verteilt ist. Die, ser Vorteil — im Kriege sehr bedeutend — wird noch großer bei Verhandlungen, und die Verbündeten können ihn nur durch Einigkeit und volle Aufrichtigkeit unter sich avsgleichen. Dazu gehört, daß ffe dauernd vorwartsdringen und sich nicht durch deutsche politische Manöver beirren lassen* 5 ne kfliilrruatioe Kundatdun?. Der Vorstand der Konservativen Partei chat im Einver- ständnis mit der deutsch-konservativen Fraktion des Reichstages an die Vertretungen der Partei im Lande eine Mit- teilung ergehen lassen worin es heißt: Die Bedingungen, die der Präsident stellt, lassen in Ver. bindung mit seinem ganzen Verhalten nur folgende Auflegungen . zu.- Er will seine Forderungen bis zur vollen Kapitulation, bis zur Auslieferung unserer U-Boote und unserer Rüstung zu Lande und bis zur Vernichtung der deutschen Kaisermacbt weiter emporschranben. um uns den Frieden der vollen Unterwerfung mit Slblren- r.ung von Elsaß-Lothringen und von Teilen der Ostmark und Ucbermchme vernichtender Kriegsentschädigungen aufzu- erlegen. Freiheit wird 6$ in deutschen Landen nicht mehr geben. Nocb aber ist o* nickt an der Zeit, einen solchen Frieden ohne Widerstand anzunehmen. Noch steht unsere Westfront in Feindesland, noch leisten unsere Truppen Tag für Tag Ungeheures. Auch die Kräfte des Feindes sind nicht unbegrenzt. Eine Wahl aber bleibt uns nicht. Der Kampf muß ailsgefochten werden. Aiyiiilhe Kritik an der amtlidim EricksiaiM. Man schreibt uns: „Wir haben uns seinerzeit schon mit der plötzlich aufgetanch« ten Entdeckung beschäftigt, datz die amtlichen Zahlen der Ernte* statistik 30 Jahre lang um 20 oder gar 25 Prozent zu hoch angegeben seien. Diese Entdeckung wurde vom Königlichen Statistischen Landesamt gemacht, das an der Erntestatistik nicht ganz unbeteiligt ist. Mit der Behauptung, die Erntefläche sei um 10 Prozent überschätzt, haben wir uns schon befaßt. Wir planten weiter, die Ansicht dieses Amtes zu erörtern, es sei auch der Hektarertrag um 10 Prozent überschätzt. Da wir es dann mit dringenden, praktisch bedeutsamen amtlichen Anordunge« zu tun halten und das Papier für unsere Gedanken zu knapp war, nahmen wir einstweilen davon Abstand, diese Angelegenheit weiter zu verfolgen. Ueberraschendermeise hören wir nun, datz man regierenderseits Wert darauf legt, die Meinung der bestens Negierten in dieser Sache genauer zu vernehmen. Wir verfehlen nicht, dieser Aufmunterung uns folgsam zu erweisen. Es wurde vom Kal. Slot. Landescrmt richtig errechnet, daß — u>cttTt bte amtliche Erntestatist lk Entrisst - bann über 4 Mill. | To. Brotkorn, davon 1 Mill. To. Weizen, mutzten verfüttert worden sein. Es hieß in jener amtlichen Selbstkritik. dah fei — ^.denn doch unmöglich". Da nun ein Kgl. Stat. Landesamt sich selbst in dieser scharfen Weife zur Ordnung ruft, indem es be* bcuptet, etwas — „denn doch Unmögliches" als amtliche Wahrheit Jahrzehnte lang verbreitet zu haben, wird man es auch einem Regierten nicht verargen, wenn er seinerseits sich unterfängt, die Meinungen der Regierenden zu kritisieren. Ohne die f^rage zu beleuchten, inwieweit die amtliche Erniesiatiftik irren könne, möchten wir jedenfalls behaupten, daß die Selbstkritik, lautend: „denn doch unmöglich", auf sehr schwachen Fügen steht. Es ist durchaus möglich, datz 1 Mill. To. Weizen und über 3 Mill. To. Roggen in den letzten Friedensjahren verfüttert sind. 'Ja. es ist mehr als möglich, es ist sogar wahrscheinlich. Weizen würde nach der neuesten Selbst-Berichtigung der amtlichen Erntestatistik gar nicht verfüttert worden sein. Tatsächlich ist unser Weizen, namentlich in schlechteren Landsorten, nicht so gut backfähig. Diese Landsorten werden meistens im Kleinbetrieb gebaut: Der Kleinbetrieb unter 160 Hektar baut % alles deutschen Weizens. Derselbe Kleinbetrieb füttert im Frieden neun Zehntel aller Schweine. Kaufen tut der Bauer nicht gern, weil er oft dabei Schaden nimmt. Statt also Gerste zu kaufen, verfütterte er auf Weizenboden geringeren Weizen, allermindestens das kleine „Hinterkorn". Zur Ferkelavfzucht ist Weizenbeigabe ohnehin recht vorteilhaft. Der Schweinebestand stieg, um der Bevölkerung 150 Gramm Fett für Mann und Tag zu liefern, auf 25 Millionen. Woher sollte wohl das Futter kommen? Wenn der Bauer auf Weizenboden seine Brotfrucht nicht verkaufen'will. um Gerste einzukaufen, so wird er das auf Roggen- boden noch weniger tun. Uns sind Fälle bekannt, datz Besitzer ro'i Hektar ihre sehr beträchtlichen Ueberschüsse über ihren Brotkornbedarf im Frieden restlos verfütterten. Wir können demnach ein Kgl. Stat. Landesamt nur darauf Hinweisen, die Verfütterung von Brotkorn selbst zum Gegenstände einer Erhebung zu machen, wie das seinerzeit der Deutsche Landwirt- fchaftZrat getan hat. Jene Erhebung ergab, stichprobenweise, datz in der Tat damals an 20 Prozent Vrotkornernte verfüttert wurden. Wir sind nach allem nicht geneigt, den Meinungsschwankungen der amtlichen Statistik uns anzufchlietzen. Wir schwanken nicht gern." Die Wtirktzmle dkg ZWchhanlrelg. Bei den Ereörterungen über den Fortfall oder Abbau der jetzigen Zwangswirtschaft in der Lebensmittelversorgung ist der Besorgnis Ausdruck gegeben, datz in diesem Falle die Lebensmit- telpreife ins Ungemessene steigen würden und datz dann die Ernährung der Bevölkerung eine noch ungünstigere sein würde als jetzt. Demgegenüber sei darauf hingewiesen, dah unter der Herrschaft der Zwangswirtschaft der Schleichhandel im Inland eine solche Ausdehnung angenommen hat, datz schon eine Markt- Preisbildung bei ihm zu verzeichnen ist. Dieselbe scheint, wie im Wochenbericht der Preisberichtstelle des Deutschen Landwirtschaftsrats ausgeführt wird, iu Verbindung mit dem Lebens- inittelhondel im besetzten Gebiet und darüber hinaus tm neutralen Auslande zu stehen. So werden zurzeit in Wilna folgende Preise im freien Verkehr in den Läden der Stadt sowie besonders in der Markthalle gezahlt: Für ein russisches Pfund (400 Gramm) Weizenmehl 4—5 Mk., Weizengrieß 5.50—6 Mk. Speck 17—20 Mk.. Butter 17—18 Mk., Talg 16 Mk., magerer Rollschinken 10—12 Mk., Reis 8 Mk.. Tee 64 Mk., Kaffee gebrannt 30 Mk.. ungebrannt 28 Mk., Haferflocken 4 Mk.. Graupen 3 Mk., Erbsen 2 50 Mk., Linsen 3 Mk^ Bohnen 7 Mk.. ein Ei 85 Psg„ Kartoffeln 0,35—0.50 Mk., Weißkohl 10—12 Pfg.. Mohrrüben 30—40 Pfg., Kümmel 7 Mk.. Kartoffelmehl 3.80 Mk. Malz. gebr. Gerste 2.50 Mk., deutscher Würfelzucker 8 Mk.. russischer Würfelzucker 9 Mk., Streuzucker 3—7.50 Mk. Aehnlich sind auch in Deutschland die Preise. So fei nur daran erinnert, daß in Berlin die Brotkarte (1950 Gramm) zu 3—7 Mk. im Schleichhandel vertrieben wird. slle finntifflifit mb luirMrtfilidifn Nn- ßifrlMiwösliß'ilmifn hr KrikMirlkihlMk. Die deutsck-e Kriegsanleihe wird nach dem Kriege nicht wie dis früheren Reichs- und Staatsanleihen ein Papier fein, das durchweg ruhig im Eeldschranke aufbewahrt und nur bei den Zinszahltagen herauZgeholt wird, um die fälligen Zinsscheine in Bargeld umzuwandeln — es wird vielmehr, da ein wesentlicher Bestandteil des deutschen Bolksvermögens in deutschen Kriegsanleihen feftgelegt ist, gewissermaßen eine Art Eeld- umlaufsmittel darstellen, das seine guten Dienste wie jedes andere Geld auch tut. Da ist zunächst die Bestimmung, die zugleich — namentlich für die ländlichen Schichten — einen besonderen Anreiz zur Zeichnung, auf die neunte Kriegsanleihe ausuben dürfte, daß nämlich bei den späteren Verkaufen und Versteigerungen aus den Beständen der Heeres- und Marineverwaltung die Kriegsanleihestucke zum Nennwert in Zahlung genommen werden und datz solche Käufer vorzugsweise berücksichtigt werden, die damit zahlen. Eine kurze Ueberlegung sagt uns, welche Vorteile demnach mit dem Besitz der Kriegsanleihe verknüpft sind. Für das erste ist der Kreis der späterhin und zumteil auch schon jetzt freiwerdenden Heeresbestände, die für Kriegszwecke nicht mehr gebraucht werden, ganz ungeheuer groß. Außerdem gehört darunter manches, was von anderer Seite kaum oder nur unter ganz erheblich höheren Kosten zu beschaffen fein wird, also insbesondere Pferde, Wagen und Fahrzeuge aller Art sowie Geschirre mit allem Zubchör; Feldbahngerät. Motorlokomotiven, Automobile und Kraftfahrzeuge: landwirtschaftliche Maschinen und Geräte, sowie Werkzeug: Fabrrke-nrichtungen mit den zugehörigen Maschinen und Geraten: Eisen. Stahl und andere Metalle' Ho7z und sonstiges Brennmaterial, Webstoffe und Roh. stoffe von allen Sorten, Futtermittel und sonstige Vorräte — alles Dinge, die der Landwirt, Gewerbetreibende und Unternehmer jetzt und später so dringend braucht. Es wird also bei de« staatliche« Derrrrufen vorzugsweise derjenige berücksichtigt, der Kriegsanleihe an Zahlungsstatt geben kann, und er erzielt dazu sofort einen greifbaren Gewinn, weil er die Differenz zwischen Nennwert und Ausgabekurs zu feinen Gunsten verrechnen lasien darf. Bei allen Verkäufen und Zuschlägen werden Kriegsanlcihestücke bis zur vollen Höhe des Kauf- und Zuschlagspreises in Zahlung genommen. Als Kriegsanleihe in diesem Sinne gelten sämtliche fünfprozentigen Schuldverschreibungen des Reiches ohne Unterschied sowie die feit der sechsten Anleihe ausgegebenen 4>4proz. auslosbaren Schatzanweisungen. Da der Andrang von Kaufangeboten und -Gesuchen aus frei werdende Heeresbestände, wie zu erwarten, überaus groß fein wird, fo dürfte es außerhalb jeden Zweifels fein, datz nur die Inhaber von Kriegsanleiheftücken für den Bezug der überzähligen Heeresmaterialien in Frage kommen. Liegt in diesen Fällen das Erfordernis des Kriegsanleihebesitzes vor. so wird in zahllosen andern das Verwenden der Kriegsanleihe an Zahlungsstatt gern gesehen und von Vorteil sein. So wird beim Kauf und Verkauf von landwirtschaftlichen Grundstücken und von Häusern, besonders in solchen Fällen, bei denen sich der Vorbesitzer zur Ruhe setzen will, die Kriegsanleihe wohl durchweg als gern gesehenes Zahlungsmittel angenommen, da kein Papier eine solche Sicherheit bietet und da auf diese Weise die Schwierigkeiten der Unterbringung des Renien- kapitals vermieden werden. Es ist ferner mit Sicherheit anzu- nchmen, daß die deutschen Kriegsanleihen nach Kriegsbeendigung an der Börse ein gern gehandeltes Papier darstellen, da das Reich bekanntlich alle Verkehrungen trifft, die einen Rückgang des Kurses zur Unmöglichkeit machen und die daher auch im Auslande die Nachfrage nach den deutschen Anleihen Hervorrufen werden. Unter diesen Umständen, die als geneben angenommen rvcrden dürfen, wird auch im sonstigen geschäht- ] lichen Verkehr das Kriegsanleiheftück jederzeit zu einem normalen Kurse gern in Zahlung genommen. So sind alle Bürgschaften vorhanden, daß die Kriegsanleihe nicht nur die beste und zugleich eine hochverzinsliche Geldanlage ist, daß ferner ihr Kurs gesichert ist, sondern datz auch ihrer finanziellen und wirtschaftlichen Verwertung im täglichen Leben ein breiter Spielraum eingeräumt fein wird. So bietet heute die Zeichnung auf die neunte Kriegsanleihe in vielen Fällen greifbare Vorteile, in allen andern aber ist und bleibt sie die beste und sicherste Geldanlage, die später jederzeit die Möglichkeit bietet, Bargeld ohne Verlust dafür wiederzuerhalten. Ans der Ijciwat Unser Friedensangebot au Wilson darf keinen Eindruck der Schwäche auslofen. Die feindliche Presse frohlockt bereits darüber, daß die Widerstandskraft unserer Front im Schwinde» begriffen sei. Unser starkes Heer wird sie eines Besseren belehren. Unsere tpaseren Soldaten müssen in diesem kritischen Zeitpunkt mit erneuter Zähigkeit die Nerven arrspanncn und den Feinden beweisen, datz ihre Hoffnung auf den deutschen Zusammenbruch trügerischer Wahn ist. Dann mutz der Feind erkennen, datz an der Festigkeit des deutschen Soldaten sein Uebcrmut zerschellt. datz unsere Front gehalten wird, trotz der gewaltigen Anstrengungen unserer Feinde. Nur. wenn unser tapferes Heer feine Entschlossenheit wieder einmütig bekundet, werden unsere Feinde erkennen müsion, dah sie den Geist der deutschen Armee unterschätzt Hubert. Dan» wird dos deutsche Friedensangebot, auch wenn es von den Feinden als Schwäche gedeutet wird, sich die Achtung verschaffen, die ihm zukommt. Denn hinter ihm steht einmütig und geschlossen die Stärke des deutschen Volkes. v. Friedberg, 17. Okt. (Dekanatsspende). Die diesjährige Synode fand am 7. Oktober in Vad-Nauheim statt. Dieselbe wurde nach einer von Pfarrer Beyer- Ossenheim gehaltenen Andacht durch Kirchenrat W a h l - Beienheim in der " lichen Form eröffnet. Nach Prüfung der Wahlen der weltlichen Synodalvertreter wurde vom Vorsitzenden der Jahresbericht des Dekanatsausschusses über den religiös-sittlichen Zustand der Dekanatsgemeinden erstattet. Hierauf folgten die notwendig gewordenen Wahlen. Aenderungen in der Personenfrage kamen nicht vor. Kirchenrat Wahl -Beienheim wurde als Dekan wiedergewählt, ebenso Pfarrer Vogel- Reichelsheim i. d. W. als Dekanstellvertreter, sowie Rentner W a a Z - Friedberg, Rentner Steinhäutzer - Butzbach und Pfarrer Loos -Butzbach als Ausschutzmitglieder. Kirchenrat W i f f i g - Bad-Nauheim und Altbürgermeister Alles -Nieder-Florstadt wurden wieder Ersatzmänner. Ueber „Wohnungs- und Siedlungswesen (Kriegerheimstätten)" hielt Pfarrer Loos einen sehr fesselnden Vortrag, wobei er besonders über Wohnungsfürsorge für kinderreiche Familien sprach. Er geißelte die gegenwärtigen, unhaltbaren Zustände und zeigte Wege zur Abhilfe wie gemeinnützige Bauvereine, Wohnungskonsumvereine, Erziehungsbeihilfen, ein besonderes Kinderversicherungsgefetz ufw, Zm Hinblick auf die Kriegerheimstätten wies er auf das Vorbild von Butzvacy hin, wo von der Gemeinde io BaupiayG hierfür zur Verfügung gestellt worden sind, was allenthalbes nachgemacht werden müßte. Nach ergiebiger Aussprache trat die Synode als Mitglied dem Kriegerheimstättenverein bei. Miß dem Liede „Verleih' uns Frieden gnädiglich" wurde die Tagung, geschlosien. FC. Schotten, 15. Okt. In der letzten Zeit mehren sich i» hiesigen Kreise die Beschädigungen und Störungen an der elektrischen lleberlandanlage. Vor allem werden die Isolatoren beschädigt durch Steinwürfe und die Hochspannungsfernleitungen und die Ortsnetzleitungen durch Drachenschnüre verwickelt. Die Kreisschulkommission hat deshalb die Lehrer angewiesen, di« Kinder demgemäß zu verwarnen. FC. Alzey, 15. Okt. Ihren 80. Geburtstag beging gestern die Katharina Neumann dahier, die über 40 Jahre in der Fa. milie des Geheimrat Rhumler in Diensten stand. FC. Frankfurt a. M., 15. Okt. In den Putzsalon von Thiel in der Großen Eschenheimergelle wurde nachts eingebrochen unt Seidenstoffe und Pelze im Werte von 23 000 Mark gestohlen. FC. Frankfurt a. M., 1t. Okt. Der Heizer und Maschinifi Stephan Lauer aus Zeilsheim, der verheiratet ist. hatte mil einem Mädchen Bekanntschaft gemocht. Als dasselbe erfuhr, datz er verheiratet und er das Mädchen durch unsittliche Anträge belästigte, erhielt Lauer den Laufpaß. Dieser erstattet« Anzeige, in der er das Mädchen eines Verbrechens gegen das keimende Leben beschuldigte. Die Untersuchung ercwb. daß di« ganze Anzeige unwahr war. Das Schöffengericht erkannte wegen willentlich falscher Anschuldigung gegen den Lumpen auf sechs Monate Gefängnis und drei Jahre Ehrverlust. Frankfurt a. M.. 14. Okt. Nachtquartier nur gegen Bürg, schaftsstellung ist das Neueste, was den Fremden im Hotel und im Gasthaus Vorkommen kann. Es ist dies eine notw-'ndige Maßnahme der Wirte gegen die vielen BeEwäschediebstähle. di« einen unheimlichen Umfang angenommen haben. Der Betrag wird am Morgen nach der Kontrolle des Fremdenzimmers wieder zurückbezahlt. — Am 13. Oktober wurde am Gewerksckmfts- baus der Händler Georg Kostner beim Verkauf von Brotmarken festgenommen, die er für 1.50 Mark das Stück obsttz>e. In feinem Besitz fanden sich noch einige Hundert Gasthausmarken, di« zweifellos gefälscht sind. FC. Vom Main, 15. Okt. Ein aufregender Vorfall ereicp nete sich am Bahnhof Lohr. Bei der Gepäckkontrolle wurde eie Gendarm von einem Feldgrauen und einem Zivilisten mit dem Revolver bedroht. Ein Schuß ging durch rasches Handeln der Gendarmen in die Luft. Die Beiden nahmen hierauf Reißaus, Dem einen glückte es noch, den eben abführenden Schnellzug zr erwischen, er wurde aber in Aschafienburg festgenommen. Ans Stnrkenbnpn. FC. Arheilgen, 15. Okt. Zum Preise von 23 000 Mark ginx das zwischen hier und Darmstadl aelegene Besitztum des verstorbenen Schriftstellers Schäfer an die Firma Merck über. FC. Croß-Geren, 15. Okt. Die älteste Ecvwohneriß bei Stadt Frau Auguste Hosfmann ist tm 91. Lebensjahre gestorben. Ans Hcsien.Rallnn. FC. Wcinsheim, 15. Okt. In dem Stalle der Witwe Lech schlachteten nachts Einbrecher ein Schwein ab. Die Diebe wurden aber dabei erwischt und entkamen. FC.. Erbcnhcim, 15. Okt. Der hiesige Bürgermeister gibt bekannt: Da der Schleichhandel und die Hamsterei in erschreckendem Maße zugenommen haben, sind sämtliche Polizciorgan« durch den Landrat angewiesen, jeden Landwirt, aus desien Gehöft etwas abgehott wird, zur Anzeige zu bringen. Die abholenden Personen haben sich einer Revision zu unterwerfen, um endlich dem Schleichhandel und der Hamsterei ein Ende zu bereiten. Aus Kurhellcn. FC. Ans Riederhcfsen, 15. Okt. Als vorgestern abend ei« Einwohner in Eschwege seineWohnung betrat, kam ihm einMann entgegen, der seine Anwesenheit damit entschuldigte, daß er sich in der Wohnung geirrt habe. Es stellte sich aber später heraus, daß der Eindringling ein Einbrecher war, der seit einigen Ts- gen in einem dortigen Easthefe wohnte. Als er verhaftet werden sollte, feuerte er aus einem Revolver eine Anzahl Schöffe auf den Polizeisergeanten ab, die aber fehlgingen. Der wertvolle Polizeihund des Beamten dagegen wurde getötet. Den Lumpen gelang es, zu entkommen. In dem von ihm bewohnte« Zimmer fand man eine ganze Anzahl DiebesbandwerkzeuL. Dolche und Revolver vor. Aus der Pfalz. FC. Aus der Pfalz, 15. Okt. Vorgestern mittag hielt i« Ruchheim der dortige Feldgendarm einen Fuhrmann mit Kartoffeln an und fragte ihn nach dem Bezugsschein. Infolge des Disputs und der Aufregung ging ein Schuß los und traf de» Fuhrmann in den Leib. Schwer verwundet kam er in da» Krankenhaus. Verantwortlick für den politischen und lokalen Teil: Otto H i r s ch e l, Friedberg; für den Anzeigenteil: R. getiner. Friedberg. Truck und Verlag der „Neuen Tageszeitung" A G.. Friedberg 7 tz ZU WWW bei der 111 Hl ll lllttlt Niederlassung Giessen in Giessen,- Johannesstrasse 1, Ecke Neuenweg, in derzeit vom 23. Septsnräer bis 23. Oktober. Herzenskömpfe: Roman von Helene Schütkq. geb. von Gersborsf.^1 (Oop^rigbt 1915 by C. 2lckermann^Stuttgart.) 14) Rachdruck verboten. Er war bleich geworben, beherrschte sich aber vollkommen. Diese Zurückweisung war deutlich. „Gnädiges Fräulein. Sie betrüben mich aufs Tiefste. Ich glaubte allerdings, als Ihr ältester und treuester Freund, der auch zugleich die Auszeichnung genießt, mit Ihres Herrn Vaters Vertrauen beehrt zu werden, nicht nur das Recht, sondern auch die Pflicht, zu haben, über Sie zu wachen, und Ihnen alles Unangenehme fern zu halten", sagte er in schmerzlichem Tone, als sei ihm das größte Unrecht geschehen. Hildes mildes Herz bereute auch sofort, sie war wohl zu streng gewesen, er meinte es ja doch gut. „Nun gut. Herr Marquis, regen Sie sich nicht unnötig auf!" sagte sie daher wieder ganz freundlich. „Wir wollen uns durch diesen diimmen Streich nicht die Stimmung verderben lassen. Denn dies ist wirklich ein sehr gelungenes Fest. Ich gestehe, daß ich mich noch selten bei solchen Gelegenheiten so gut amüsiert habe, wie heute. Ich halte das garnicht erwartet." In ihm tobte die Eifersucht mit verdoppelter Gewalt. Was machte sie so besonders vergnügt^ Die ihr erwiesenen Huldigungen. die Auszeichnungen von seiten der Königin? Unmöglich! An all das war sie von jeher, überall, wo sie erschien, gewöhnt. Cr war zu oft Zeuge 'hrer Triumphe gewesen, die sie übrigens immer vollständig kühl aufnahm, um diese als Grund ihrer frohen Laune annehmen zu können. Blieb nur der Tanz und Freundschaftsbeschluß mit Germsheff, diesem ihm ohnehin scbon vorher verhaßten und widerwärtigen Menschen. Wie konnte er ihn wohl *n ihren Augen herabsetzen? wie ihm einen Hieb versetzen, der ihn vor ihr verächtlich machen muhte? Ah. so gings, er kannte ja chre Besorgnis, nur ihres Geldes wegen bevorzugt und umworben zu fein, daran mußte er an- .knüpfen. „Ich bin wahrhaft erstaunt, daß Sie. gnädiges Fräulein, dieser immerhin einfachen, fall pakriarchaftschen Festlichkeit so riel Geschmack abgewinnen, da Sie doch in Paris. London. Rom viel großartigere, glänzendere derartige Felle mitgemacht haben", meinte er etwas zögernd, da er eine paffende Verbindung für sein eigentliches Tbema suchte. ..Das könnte allerdings verwunderlich erscheinen", erwiderte sic selbll frappiert über seine Bemerkung." „Es ist vielleicht der Heimatzauber, der mich gepackt hat." sichte sie sinnend hinzu. ..Mag die Fremde einem noch so viel Schönes bieten. — glücklich sein, wahrhaft wohl fühlen kann man sich nur daheim, im eigenen Vaterlande." £ web' das klang noch schlimmer! Dem Marquis wurde es ganz schwül. ..Es ist gewiß ein schönes und anerkennenswertes Gefühl, die Vaterlandsliebe", überwand er sich, ibr beizustimmen. ..Aber trotzdem macht doch ein längerer Aufenthalt im Auslande den gcilligen Horizont meistens so weit, daß ein Leben in der alten Heimat auf die Dauer unerträglich wird. Die Kleinlichkeit, die Engherzigkeit der immer im selben Winkel sitz - Gebliebe- nen, die oft philiströsen, von lausend Vorurteilen gebundenen Anschauungen und Einrichtungen werden einem kosmopolitisch geschulten Geist auf die Länge zur Qual." *!Da CJmwt Sie vielleicht nicht ganz Unrecht haben," erwiderte Hilde nachdenklich. „Wenn man z. B. Gele-gneheit hat. etwas hinter die Kulissen zu gucken, wie ich, wenn ich mich in zwangloser Herrengesellschaft befinde, so ist man oft erstaunt über die geäußerten Ansichten " fuhr der Marquis in ganz ruhigem Tone fort, als sei es ihm nur um allgemeine Beobachtungen zu tun. „Z. V. die jungen Offiziere hier. Welch ein roher, häßlicher Ton herrscht zuweilen unter ihnen, wenn sie unter sich sind! Nichts, wie Weiber. Pferde. Schulden hört man da. Und Schulden haben sie ja alle, die Neichen so gut wie die Armen. Die ersteren bringen ihr Geld mit Spielen und anderen leichtsinnigen Dingen durch, die letzteren sind überhaupt auf das Schuldenmachen angewiesen. Für alle miteinander gibts nur einen einzigen Ausweg: eine reiche Frau! Alle reden davon, streben danach, alles dreht sich nur darum: eine reiche Frau! Da sollen Sie einmal hören, wie höflich, wie zynisch gewitzelt und geredet wird, gnädiges Fraulein' ach. das ist einfach abscheulich und selbst einem alten Praktikus wie mir zuviel." Hilde senkte betreten den Kovf. Sie wußte, daß er nicht übertrieb. Sie batte das. schon öfters gehört. Das war wirklich widerlich. Aber alle? Nein, das war sicher nicht richtig! Er. Neinbold, hotte eine reine, hohe Gesinnung, darauf wollte sie schwören. Und gewiß gab es noch viele gute, ehrenhafte Charaktere außer ihm, die so etwas verschmähten, unter seinen Kameraden. „Ihr Urteil ist doch wohl etwas zu hart. Herr Marquis." sagte sie nach kurzem Schweigen, während er sie scharf beobachtete. — Saß sein Pfeil wohl? Oder muffte er noch deutlicher reden? Es war schon ein Gewinn, wenn ihr Mißtrauen geweckt war. Er entschloß sich aber doch zu einem direkten Angriff, denn wer konnte wissen, wenn sich einmal wieder eine so günstige Gelegenheit dazu bot. wie eben jetzt? „Kaum", erwiderte er bestimmt. ..Da ist z. B. gerade Herr von Germsboff. Seine Verhältnisse sind gänzlich derangiert Er bat mehr Schulden, als Haare auf dem Kopf. Jedermann weiß, daß eine reiche Frau das einzige Rettungsmittel für ihn ist. Und daß er krampfhaft darnach sucht, ist ebenso bekannt." ^Hilde fühlte diese bösen Wofte wie ebensoviele Keulen- schläge auf ihrem Kopie. Sollte das wahr sein? Sollte ihr bohe? Männerideal, d^s Neinbold verkörpert, dem sie in ihrem .Herzen einen Altar erbaut batte, in Trümmer stürzen und alles darunter begraben, was Schönes in ibr lebte? Aber. nein, nein, es war nicht wahr? Hätte er nicht bei ihr die beste Ee^ leocnbeit gehabt. ..die reiche Frau", wenn er sie wirklich suchte, zu finden^ Weshalb denn sein bisheriges gänzliches Fernhal- teü, das sogar fast beleidigend war? „Ncin. nein, das glaube ich nicht' das ill ganz unmöglich!" r,ef sie förmlich erleichtert, als sie zu dieser Schlußfolgerung gekommen war. Der Marquis lächelte kein, überlegen, fast satanisch. „Sie meinen, weil er llch Ihnen gegenüber bis jetzt so zurückhaltend gezeigt bat. gnädiges Fräulein?" Hilde nickte eifrig. „Das war nichts anderes, als schlaueste Berechnung", beteuerte er in überzeugtem Tone, wobei er sogar ganz aufrichtig war, denn er glaubte fest, daß es sich so verhielt, da es ganz fei- ßetr.: Fleischver ocgunq. Kcüattntmachnng Ich b'inqe hierdurch zur öffentlichen Kenntnis. daß die mir vom Kommunalverba d ,,r e berg zur Verteilung an die Schweift- und Schwerarbei er der Siadt Fried- berz iiberwief.'ne Wur-t tue die Woche vom 21 . b s 27 Okiober am Samstag,den l . Ok ober 1 h 18. nacrml tags von 2 dis 5 Uhr in dem Geicbä is öden des Metzger- meisters Adolf En el, £ai erftt 8, mm Verlaus .ommt. Die Abgabe der Wurst er olft nur unier Vorlage der für die Schwer- und Schwerstarbeiter ausgegebenen Fledch- usatztarten. Der Verkaur des Fleisches für Kranke f.i die Woche vom 2'. bis 2 . Ottober 1 :> 1 8 findet am Freitag den 18. Ottober nachmittags von 2 bis 3 Uhr in den Metz- perläden der Nmdsmetzger, wie sei «her stak: Die Verlaufsteiter sind genau e'n uha! en. Nach Ablauf d e er ge n das Anrecht auf die '.ustehen- dcn Mengen Flei ch oder Wurst verlo en. Friedberg, den 17. Okt. 1918. Der Bürgermeister 2. B.: Dam m. Krirann mnchnug Nächsten Freitag, den 18. d. M., findet keine Dutterausgaüs statt. Friedberg, den 16. Okiober 191". Der Bürgermeister. 2. V.: Dam m. Kcünnntmachttug. Für kleinen Haushalt bei gutem Lohn und Familienan'chluß ein dtteres, im Kochen und allen häuslich n Arbei en selbständiges, zuverlässiges Mädchen für so,oft gesucht. Frau Ostheim, Dampsmolkerei Wallernhauser bei Nidda. Gemäß § 5 der Bekanntmachung über die Verb'-anchsregelunq der in die öffentliche Bewirt chanung genomm.-nen Nährmittel vom 23 Märt 1917 wird für die Sta)t Fiiedberg joigen.es bestimm!: Es sollen ausgegeben werden: L für bro getreideoer orgungsberechligte Kinder bis zu 12 wahren (io e Karten) „ am Marke 51 der Nälrmittellarte H (rot) Grarpcn n. Supven. II. für die übrige ver'orqun'swrechtig?e Bevölkerung (blaue Kar en) auf Marke 60 der Nährmitlelkatte C (b au) Grieß. ... kie auf ihn en fallende Ware — die aena >e Menge wird spater fe.gesetzt — u beziehen wün cht, hat unier Vorlage sci-'er Karle bei einem frefigen Klein! ündler bis zum 21. Oktober eine Bestellung auftngeben. Dabei it da auf *u achten, daß der Kleinhändler nur die beireffende Bestellmatte abtteniu und auf der gleich- ttffrigen Quittunqs- und Benwsmntle die Bestellung beiläligt. Wer die vorgesehene Frist für die Bestellung nicht-einhält, ver.iert den Anpr-ch aus die lbm mstehen^e Ware. Die Kleinhandels'ei yä te hr.'en de B.'stell marken auf die in Betracht kommenden Bestellbaren getrennt auttukleben und an dem dem Ablauf der Bestellfrist folgenden Wett age. al o am 22. Ok- o^er an uns einzu'end.n. Nich'einhaltuna die er ^rist zieht den Ausschluß des betreffenden Kleinhanottsgesch if es von der Beteiligung an dem Vertrieb oer Nähimitiel naß sich. Friedberg. den 16. Ottober 1918. Der Bürgermeister 2. V.: Dam m. Die StadtOberrrrfel^Taunus) suchkeinen ü.hti v n.zuverläffigen Fütteret und Melker lledig) Kost und Wohnung kann nicht gewährt werden. Angebote mit Zeugnisab chrifren und Be oldungsaiifprüchen so ott einreichen. Oberur, el, den 11. Oktober 1918. Der Magistrat r Füller. Smiüs Biiit t friifi i.N.i.hM 8.1). toeichcittsitelie Frankfurt a. M.. Kronprinzenstratze 41. (Kronprinzenb.au.) — Fernruf Römer 420«. -öiirostunoe» Moniaa. Dienstag, Donnersla-r, Frettaa, nachmittags non 2—4 Ulr. — Eefchüftsanzeigen in diesem Raum nur für unsere Mitglieder; dieselben sind kostenlos, jedoch muh bei Ausgabe der Anzeige aus die Mitgliedschaft hingewiesen werden. Zwei sprungfähige Zucht-Eber, 8 Monate alt, hat zu verkaufen __ Mil h. Petri, Klein-Karben. liefert schnell und billigst Ilnif TlMWlung Sriikerei »d Kerle-. J..G. Staatlich beaufsichtigte gewerbliche Fachschule. Beginn des Unterrichts: 3!on!njr, den 4. November 1918, -------- vormittags 9 Uhr. -- Programme und Anmeldescheine kostenlos durch die Schulleitung. Für den Aufsiclitsrat: gez. Haag, Gr. Baurat, Vorsitzender. rter eigenen Denk- und Handlungsweise entsprach. „Durch diese ug« Zurückhaltung wollte er Sie ^ganz sicher machen, wollte seine uneigennützige Gesinnung ins rechte Licht setzen,' um Sie nachher desto leichter ins Garn zu locken. Und dieser feine Plan ift ihm ja wohl auch bis zu einem gewissen Grade geglückt, nicht wahr? setzte er mit leichtem Hohne hinzu. . erwiderte nichts. Ihre ganze frohe Stimmung war dahin. Wie verdunkelt erschien ihr das lichte, freudige Bild um sie her. wie ein Stein so schwer lag plötzlich ihr Herz in der Brust. O. nur wissen, was die Wahrheit war! Reinhold konnte es möglich sein? Er — ein berechnender Intrigant? Nein, nein, nein! schrie es in ihr. Und doch! Wenn es doch so wäre?. O. dieser schreckliche Reichtum, welch ein Fluch war cr! Konnte sie ihn doch von sich schleudern und frei, nur als Mensch und Individuum d-astehen, wie andere Mädchen! Der Marquis beobachtete sie ängstlich. Wie würde dle scharfe Medizin wirken, die er ihr verabreicht hatte? Würde sein Zweck erreicht und sie dem Einfluß, der sie zu bestricken an. gefangen hatte, entzogen'werden? Einen tiefen Eindruck hat- ten ferne Anschuldigungen gemacht, das war sicher, denn sie war plötzlich bleich geworden und ihre Lippen zitterten. Nun galt es. sic wieder zu trösten, damit sie in ihm, dem Marquis, den sicheren Hort bei allen Gefahren, die sthr durch die Habsucht anderer drohten, finden konnte. „Es ist ein Glück, daß Sic Herrn von Germshoff sowohl, wie andern seinesgleichen. gang fern stehen, gnädiges Fräulein", sagte er in ganz selbstverständlichem Tone, da kann Sie fa das von mir Gesagte gar nicht berühren. Aber es ist immerhin gut. wenn Sie gewarnt sind. Wahrscheinlich hält Herr von Germs-' hoff den Zeitpunkt für gekommen, wo er beginnen darf, sich ^hnen zu nähern, ohne als Mitgiftjäger zu erscheinen. Das schließe ich aus seinem heutigen Benehmen. Sie werden ja selbst sehen, wie es weiter acht. Bleibt er wie bisher Ihnen fern, so habe ich mich getauscht, so war sein heutiges Vorgehen seine Aufforderung zur Polonaise nur eine Höflichkeit, die er der Verwandten der ihm so nahestehenden Familie schuldig zu sein glaubte. Tritt er aber hervor und sucht mehr Berührungen mit Ihnen, so habe ich Neckt mit meiner Vermutung" Diese Wendung war eine fast teuflische Bosheit. Da er wußte, daß sie Freundschaft ae^chloffen haften, so wußte er auch, daß dadurch ein regerer Verkehr zwischen den jungen Leuten selbstverständlich bedingt war. Hilde diesen Verkehr zu vergab len und zu verderben, war seine wohlüberlegte Absicht. Sie schwieg noch immer. Ihr Herz krampfte sich schmerzhaft zummmen. so daß sie fürchtete, sckreien zu muffen oder in Tränen auszubrechen, wenn sie ein Wort spräche. Und sie wollte auf keinen Fall zeigen, wie sehr sie litt, nein, nur das nicht! „Wie fühle ich mich glücklich, verehrtestes. liebes Fraulein", hob nun der Marouis in feinen süßesten Tönen wieder an" daß ich in Ihrer Robe sein und'Sie vor allem, was Ihnen drobt. warnen und Sie behüten darf! Nichts Schöneres' kann es für mich geben, als Ihnen dienen. — o. dürfte ich es mein ganzes Leben lang tun!" Er reichte ihr den Arm. denn eben erklangen die ersten Töne der Musik, welche zur Aufftellung der -evorstehenden Fran. carse aufforderte. Fortsetznna folat. Extra große Thüringer Reiserbesen alle Sorten Bürsten, Lesen, Striegel, Toilette-Artikel, prima Rasier- ». Torlette- seise, prima Linoleum- unt Parkettwachs alles in großer Auswahl. Theobald Steine! Bürstenfabrik. Friedberg, Kaiserstraße 117 Die SchiHleitnng: gez. Dipl.-Ing. Schneidt Gr. Hauptlehrer. Brennholz 590 m Buchen- und Nadelbolz. I letzte Winkersällung, ad Wald' od r ab Siatioa in Waggonla- dun en zu rer ausen. Fr. Schni tt. 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