Nummer 343 Wjchreig £ SÄ Miltmoch. den 16. Oktober 1918 11. Jahrgang ene TagesieiLnZi' O ^ * Dtp ..Nene Gnoesreilung" erichetnt ,eden Wertta'. Regelmäßige Beilagen ..Oer Kauer aus Hellen", „Die Hpinnllnüe". De,ngsprers: Bei den Postanstalten ocerleliahNich .RI 2.711 hinzu tritt noch das Bestellgeld: hct den An enter, monatlich 1.00 Mk. einschließlich Tragerlodn. Anrerqen: Grund:erle 2d Psg.. totale 20 Ptq.. Anzeigen von auswärts oerden durch Po.'tnachnahm^ erhoben. Erfüllunasort Friedberg. Hchriftleitunn nnd Derta», rrtedbera speisen», 'anauertratze 12. Ferwvcecher 43. Co tj he** So tto «Ir. 48'>9. l n' Frankfurt a. M. Die amerikanische Antwort. Urne Demütigungen. — Feindliche Erfolge in Flandern, neue KorstSße. — Urrfaflnngsändernng. * * —-- - — :- - Der deutsche Generalstav meldet: - .==== =« W. S. Kvotze» HauptqnarLier. de» IT. Oktober Amtlich. Westlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe Kronprinz Rupprecht In Flandern Hai der Feind seine Angriffe auf breiter Front zwilchen Zaires und der fctiG wied-cr ausgenommen. Es gelang ihm, über unsere vordere Stellung hinaus vorzudrinaen. Gegen Mittag kam der Kampf in der Linie Kortemark. östlich von Rocselare, das nach hartem Kampfe in Feindeshand siel, südwestlich von Iscgem und nordöstlich von Menen zum Stehen Menen und Wervik wurden gegen starke Angriffe behauptet. Ilebergangsversuche des Feindes über die Lys bei Komen wurden vereitelt. Cd erneuten Angriffen am Nachmittage gingen Handzame und Kortemark verloren. Starke mit Panzerwagen geführte Angriffe beiderseits von Gittz scheiterten. Zwischen Isegem und Menen konnte der Feind am Nachmittage nur noch wenig Boden gewinnen. Erfolgreiche Borfeldkämpse westlich von Lille und am Haute Deule-Kanal. Am Selle^Abschnitt nördlich von Hausty und St. Couplet scheiterten Tdlangriffe des Eigners. Heeresgruppe Deutscher Kronprinz. In dichtem Morgennebel brach der Feind östlich von St. Quentin über die Qise vor und faßte vorübergehend auf den Höhen südlich von Macquigny und nördlich von Origny Fuß. Umfassend angesetzter Gegenangriff warf ihn von den Höhen aus die Oise wieder zurück. Heftige Teilkämpse vor der neuen Front nördlich von Laon, westlich der Aisne und im Aisne-Bo- gen, südwestlich von Erandpre. Heere s-gruppe Gollwitz Zwischen der Dire und der Maas griff der Amerikaner mit starke^ Kräften an. Schwerpunkt de: Kämpfe lag östlich der Alre und beiderseits der von Eharpentry auf Bantheville führenden Straße. Die teilweise bis zu viermal wiederholten Angriffe sind bis auf örtlichen Geländegewlnn beiderseits von Ro- magne gescheitert. Südöstlicher Kriegsschauplatz. Aus den Höhen nordwestlich und nördlich von Nisch fanden kleinere Kämpfe statt. Der erste Eeneralguartiermeister: Ludendorff. Abeudbericht. Berlin. 1b. Okt., abends- (WB. Amtlich.) An der Kampffront in Flandern setzte der Feind seine Angriffe fort. Er konnte einige Geländevorleile in beschränktem Umfange erringen. Westlich der McKis entschieden sich Teilkämpfe zu unseren Gunsten. Der österreichische Generalstab e;==s=====: meldet: ====:; Wien, 15. Okt. (WB.) Amtlich wird verlautbart: Italienischer Kriegsschauplatz: Die Eefechtstätigkeil war Euch gestern ziemlich rege. Balkankriegsschauplatz: Das von uns geräumte Durazzo ist von den Italienern besetzt worden. Die Bewegungen in Albanien und Serbien gehen ohne nennenswerte Eesechtsberührung mit dem Gegner vor sich. Der Chef des Genernlsiabc». Wilsons Antwort an das deutsche Dolk. Washington, 14. Okt. (WB.) Reuter. Der Staatssekretär hat heute nachmittag dem interimistischen Geschäftsträger der Schweiz und dem Vertreter der deutschen Belange in den Vereinigten Staaten folgende Note bekanntgegeben: Staatsdepartement, 14. 10. — Mein Herr! In Beantwortung der Mitteilung der deutschen Regierung vom 12. Oktober, die Sie mir heute übergeben haben, habe ich die Ehre, Sie um die Uebermittlung folgender Antwort zu ersuchen: Die uneingeschränkte Annahme der von dem Präsidenten der Vereinigten Staaten in seiner Botschaft an den Kongreß der Vereinigten Staaten vom 8. Januar 1918 und in seinen folgenden Botschaften niedergelegten Ded ngnngen du-ch die jetzige deutsche Negierung und eine große Mehrheit des deutschen Reichstages berechtigte den Präsidenten eine offene und unmittelbare Erklärung seines Entschlusses hinsichtlich d r Mitteilungen der deutschen Negierung vom 5. und 12. Oktober 1913 abzugeben. Es muß Klarheit darüber bestehen, daß die Durchführung der Räumung und die Bedingungen eines Waffenstillstandes Angelegenheiten sind, die dem Urteil und dem Rate der militärischen Berater der Negierung der V reinigten Staaten und der Verbündeten überlassen werden müssen, und der Präsident fühlt sich verpflichtet, zu erklären, daß keine Regelung von der Negierung der Vereinigten Staaten angenommen werden kann, die nicht völlig befriedigende Sicherheiten und Bürgschaften für die Fortdauer der gegenwärtigen militärischen U Überlegenheit der Heere der Vereinigten Staaten und der Verbündeten an der. Front schafft. Er hat das Vertrauen, das» -r als sicher an- nehmen kann, daß dies auch das Urteil uni A* Entscheidung der verbündeten Regierungen sein wird. Der Präsident hält es für seine Pflicht, hinzuzufügen, daß weder die Regierung der Vereinigten Staaten noch er besten ganz sicher ist, daß die Regierungen, mit denen die Vereinigten Staaten als Kriegführende verbündet find, einwilligen werden, einen Maffenstillstand in Erwägung zu ziehen, solange die Streitkräste Deutschlands fortfahren, die ungesetzlichen und un. menschlichen Handlungen ausznüben. bei denen sie noch beharren. Zur gleichen Zeit, wo die deutsche Regierung an die Negierung der Bereinigten Staaten mit Friedensvorschlägen herantritt. sind ihre U-Boote damit beschäftigt, auf der See Pcrso- ncnschisfe zu versenken und nicht nur die Schiffe, sondern auch die Boote, in denen ihre Fahraäste und Besatzungen versuchen, sich in Sicherheit zu bringen. Die deutschen Heere schlagen bei ihrem jetzigen erzwungenen Ruckzuge ans Flandern und Frankreich einen Weg mutwilliger Zerstörung ein. der immer als unmittelbare Verletzung der Regeln und Gebräuche der z'vilisier- tcn Kriegführung betrachtet wurde. Die Städte und Dörfer, wenn sie nicht zerstört sind, sind alles dessen, was sie enthalten, oft sogar ihrer Einwohner beraubt. Es kann nicht erwartet werden, daß die gegen Deutschland verbündeten Völker einem Wafsenstillstande zustimmen werden, solange die unmenschlichen Handlungen. Plünderung und Verwüstung fortgesetzt werden, auf die sie mit Recht mit Schrecken und empörtem Herzen Hinblicken. Es ist auch notwendig, damit keine Möglichkeit eines Mitzverständnisics entstehen kann, daß der Präsident mit großem Nachdruck (very solennly) d e Aufmerksamkeit der Regierung Deutschlands auf die Fassung und die klare Absicht f (to the language and plain intend) einer der Fricdensbcdingunge« lenken, welche die deutsche Regierung jetzt angenommen hat. Sie ist enthalten in der Botschaft des Präsidenten, die er am 4. Iulj dieses Jahres in Mount Vernon gehalten hat und lautet wie folgt: Die Vernichtung jeder willkürlichen Macht überall, die für sich geheim und nach eigenen Plänen den Frieden der Wett stören kann oder, wenn sie jetzt nicht vernich'et werden kann, mindestens ihre Hcrabminderung zu tatsächlichem Unvermögen und (folgt eine Telegrammverstümmelung). Die Macht, die bisher das deutsche Volk beherrscht (oontrol- ted) hat. ist von der Art. wie sie hier beschrieben wird. Das deutsche Volk hat die Wahl, dies zu ändern. Die eben erwähnten Worte des Präsidenten bilden natürlich eine Bedingung, die vor dem Frieden erfüllt werden muß. wenn der Friede durch das Vorgehen (dy Ille action) des deutschen Volkes selbst kommen sott. Der Präsident hält sich für verpflichtet zu erklären, daß die ganze Durchführung des Friedens seiner Ansicht nach von der Bestimmtheit und der befriedigenden Art der Bürgschaften abhängen wird, die in dieser grundlegenden Frage gegeben werden können. Es ist unumgänglich, daß die gegen Deutschland verbündeten Regierungen unzweideutig wissen, mit wem sie verhandeln. Der Präsident wird eine besondere Antwort an die kaiser, liche und königliche Regierung von Oesterreich-Ungarn abscnden. Empfangen Sie, mein Herr, die erneute Versicherung meiner Hochschätzung Robert L a n s i n g. m Die Deutschen sind doch unverbesserlich. Eigentlich hätten sie doch Wilson und seine Politik kenn-en ntüsien, aber weit gefehlt' in den letzten Tagen konnte man sehr häufig die Meinung hören, daß Wilson der wahre Menschheitserretter sei und daß man Unrecht getan habe, ihm zu mißtrauen. Ob diese Leute nach dem Vorstehenden noch desselben Glaubens sind? Wilsons Antwort erfolgte dieses Mal rasch. Wie sie ausgefallen ist. dafür möge das Urteil der „Frankfurter Zeitinip". die doch der neuen Regierung sehr nahe steht bezeichnend sein, sie sagt, daß sie ein Fortschritt zum Frieden sei werde man nicht behaupten können, es spreche aus ihr ein schrofferer Ge als aus der ersten Note. Beim Lesen der Wilsonschen Antwortnote hat man nnwill- kürlich das Gefühl, als ob unsere Feinde glauben mit uns machen zu können, was sie wollten. Der Appetit kommt mit dem Essen. Nachdem die deutsche Note die amerikanischen Forderungen restlos angenommen hatte, hä'te man glauben foflm, der Waffenstillstand stände bevor, der Weg zum Frieden läge nun offen und Wilson, der Feind des Menjchenwordens würde ihn beschreiten. Aber'mit Nichten? Neue Forderungen werden gestellt, auf die offenbar unsere englischen und französischen Feinde ein bestimmenden Einfluß geübt hoben Drei Dinge sind es im wesentlichen, die verlangt werden Erst soll auch nach der Räumung der Nfetzlen Gebiete di' gegenwärtige militärische Ueberlegenheil der Entente gesichert bleiben, mit anderen Morten, wir sollen unsere wichtig» sten Erenzsicherungen dem Feinde preisgeben, damit er nachher vollends mit uns Schindluder tidbeit kann. Dann macht fick Wilson die alten Vorwürfe der barbarischen Kiieosfiibrunp zi eigen Man sieht, dem besiegten Fe nde gegenüber nersaat mn\ sich nicht den Hohn. Die Verwüstung der feindl cb -n Gebiet« und die Versenkung von Pastagierdani^fern durch die U-Booll seien kein Mittel, die zur Zeit der Friedensverbandlungen an Platze feien. Sogar der Vorwud wird erhoben, daß wir ans wehrlose Rettungsboote geschossen hätten, als wenn es niemal» ein Va.ralong gegeben hätte' Die Derwü'tuna der feindlichen Gebiete bringt der Krieg mit sich und wird von den Amerika; nern selbst und ihren Verbündeten redlich besorgt. Greift dieses Weh Willon zu sehr am Herzen, dann möge er in die dargebo- iene Hand schlagen. Aber da ist's gefehlt. Zum dritten bebt der amerikanische Präsident fkrror. daü er wiederholt die Vernichtung jeder willkürlichen Macht verbürgt habe. Diese Macht liege vor und das deutsche Volk bob^ die Wahl es zu ändern. Daß soll wohl beißen, daß man mit dem wiederholt die Vernichtung jeder willkürlichen Macht verlang werde. Man siebt, keine Demütigung bleibt uns erspart, wir wis sen nicht, wie weit die Dinge gediehen sind und ob ein Zurück noch möglich ist. Wenn wir heute das Lied singen: O Deutsch lawd hoch in Ehren, so haben wir alle Veranlassung .den Vers' Gott schütze unser teueres, geliebtes Vaterland! besonders zr. betonen. der flwmlsnitilflmi lllklle. Bafel, 14. Okt. Der Washingtoner Korrespondent ber „Times" zitiert in einem Bericht aus Washington unterm 10 Oktober einen Artikel, in dem der „Philadelphia Public Led ger" an Wilions Politik Kritik übt und seiner Enttäuschung da- rüber, daß Wilson dem Prinzen Max geantwortet hat, Ausdruck gibt. Der Korrespondent meint weiter, die „Tribüne" und der „Herald" von Now Pork sowie offenbar einige andere hauptsächlich republikanische Organe im ganzen Land, wie z. V. der . Indianapolis Star" und die „Rocky Mountains News" von Denver nehmen ungefähr dieselbe Haltung ein. indem sie sich ihre Meinung durch Interviews vorschreiben lasten, die die Senatoren Lodge und Mc. Eumber. der Abgeordnete Fesh und ein oder zwei andere Republikaner erteilt haben. Der Sinn dieser Interviews ist. daß der Präsident Deutschland nicht eine Gelegenheit hätte geben sollen, zu diesem Zeitpunkt eine Erörterung zu eröffnen. So weit wie man heute die Lage benr- teilen kann, befinden sich die Kritiker gänzlich in der Minderheit, sowohl hier wie im Land. Durchschnittskongreßleute, be> sonders natürlich die Demokraten, scheinen zufriedengestellt. und nicht allein Zeitungen wie die „New Bork Times", die „New Pork World", die demokratisch sind, sondern auch stark republikanische Organe, wie „New Port Sun", die „Chicago Tribüne", der Springfielder „Republicane" und der „Desmoins Register" — zu schweigen von den führenden demokratischen Organen de? Südens — halten die Antwort des Präsidenten für zufriedet» stellend. („Franks. Ztg") Kerlchche Hoffnungen. Basel, 14. Okt. Nach einem Londoner Reuterbericht erklärte der frühere Ministerpräsident Paschitsch einem Vertreter der Reuteragentur, er halte einen sehr nahen Frieden nicht für lvahrscheinlich. Immerhin sei es möglich, daß er vor Weihnachten geschloffen werde. Es sei ganz sicher, daß Deutschland früher oder lväter die Bedinaunaen fciitei Feinde annehmen müsse, und daß es sich die Schrecken eines 'neuen Winterfeldzuges ersparen könne, wenn es sofort sein Einverständnis mit allen Bedingungen Wilsons erklärte. jEs werde sicher von den Alliierten nicht zur Fortsetzung des Krieges ermutigt werden. Die Dynastie der Habsburger Psen.' pvf dem letzten Loch. Alle Völker der österreichischen Reiches seien entschlossen, sich im Interesse des Weltfriedens vom Joche Oesterreichs zu befreien. Während Deutschland Elsaß-Lotbringen und Polen abtrete und sich in seine ethnographischen Grenzen zurückziehen müsse, würden die Slotvenen und Kroaten von der österreichischen Herrschaft befreit werden, um mit den Serben einen großserbischen Staat zu bilden. Die Rumänen in Oesterreich-Ungarn würden sich ihrem rnmänisck^n Vaterlande anschließen. Oesterreichisch- Polen werde zu Polen gehören. Die Tschechen würden ihr unabhängiges Böhmen besitzen, und es würden der Dynastie der Habsburger nur einige Deutsche und deutschfreundliche Oesterrcicher verbleiben. Paschitfch ist ein entschiedener Anhänger der Völkerliga. Perfastttttgsändernng. Berlin, 16. Okt. (WB.) Der Bundesrat stimmte heute Vormittag einem Gesetzentwurf zur Abänderung des Ar- tikels 11 der Neicksverfassung zu. Absatz 2 des Artikels wird dahin abgeändert: „Zur Erklärung des Krieges im Namen des Reiches ist die Zustimmung des Bundesrats und des Reichstags erforderlich, es fei denn, daß ein Angriff auf das Bundesgebiet oder dessen Küsten erfolgt." Absatz 3 wird durch folgende Bestimmung ersetzt: „Friedensverträge sowie cv".'. ui.-en Verträge mit fremden Staaten, welche sich auf Gegenstände der Reichsgesetz- gebung beziehen, bedürfen der Zustimmung des Bundesrats «nd des Reichstags." Damit ist die volle Mitwirkung der Volksvertretung bei den Entscheidungen über Krieg und Frieden gesichert. Seither hatte der Kaiser allein das VerfügungsrecA über Krieg und Frieden. Anschluß rttl das dn-üchk lläch? Wien, 15. Okt. In der „Arbeiterzeitung" fuhrt Otto Bauer ln einem Artikel „Der österreichische Staat" in bisher noch unerreichter Offenheit und Deutlichkeit aus. daß die Deutschen in Oesterreich gezwungen seien, sich angesichts der Haltung der Slawen darüber klar zu werden, daß auch sie sich zum national- staatlichen Sonderdasein zusammenzuschließen hätten und zwar infolge ihrer geographischen Siedelung zu drei solchen Staaten: in einen österreichischen, einen deutsch-böhmischen und eine« deutsch-schlesischen. Da diese drei Staaten aber wirtschaftlich nicht bestehen könnten, müßten sie sich entweder einem österreichischen Staatenbund mit einem einheitlichen Wirfichasts- und Derkehrsgebiet angliedern, oder wenn die Slawen dies verhinderten, bliebe ihnen nichts anderes übrig, als sich dem Deutschen Reich als neuer Bundesstaat anzuschließen. Der Artikel, der hier das größte Auffehen erregt, schließt mit den Worten: Wir hatten es für wichtig, daß das deutsche Volk tu Oesterreich diese Möglichkeit seines Selbstbestimmungsrechtes ganz offen erwägt. Zudem den Tschechen gegenüber: Sie sollen wissen, wie wir zu ihnen stehen. Wollen sie ganz unabhängig sein, dann werden wir sie nicht daran hindern, oder sie müsien in diesem Falle damit rechnen, daß ihr Staat vcn Nordwesteu und von Süden her vom Deutschen Reich umschlosien sein wird. Es ist ihre Sache zu erwägen, ob das für sie voreilhast wäre. Wichtig auch der Entente gegenüber: Sie soll wisien, daß sie Oesterreich nicht vernichten kann, ohne 10 Millionen Deutsche- zum Deutschen Reich zu schlagen. Wichtig aber von allem uns gegenüber' Sollte es mit der österreichischen Staatsgemeinschaft nicht mehr gehen, dann werden wir im Rahmen der deutschen Reichsgemeinjcha-t unsere alte Heimstätte wieder finden. 8 tt NkgimirmMIel in da lurfeft Konftautinopl, 14. Okt. (WB.) Das Ministerium Talaat Pascka ist zurückgetreten. Das neue Ministerium hat die Geschäfte übernommen. Großwesir und gleichzeitig Kriegsminister ist Izzet Pascha, Minister des Innern Fethi Bey, früher türkischer Gesandter in Sofia, Marineminister Reouf Bey, Führer des türkischen Kriegsschiffes „Hamidie" wäh- rend des Balkankrieges, Finanzminister Djavid Bey. Der Minister des Aeußern ist noch nicht ernannt. Tie Geschäfte des Ministeriums des Aeußern werden einstweilen von Nabi Bey, dem fiüheren türkischen Botschafter in Rom, geführt. Ans der Türkei. Jetzt, nachdem der Karren in den Dreck geschoben ist, erfahrt man so manche Unbegreiflichkeiten. So wird bekannt, daß in Sofia während de: ganzen Kriegszeit der amerikanische Ge- sLndte ungestört weilen und seine Fäden spinnen konnte. Roch erbaulicher- Geschichten bringt die „Frankfurter Zeitung" von dem Mali von Smyrna, der jungst einen selbständigen Schritt zur Annäherung an dir Entente getan hat. Wtt erfahren wei- rer folgendes: „In Smyrna und dem Wilajet Aidin lebt auch jetzt noch eine Reihe englischer Großkaufleute. Der Mali pflegte mit ihnen und ihren Familien während der ganzen Kriegsdauer sehr herzliche Beziehungen. Die Whitalls und Gircmds, deren Zweige über die ganze Provinz verbreitet sind, galten förmlich n Konstantinopel, wo diese Zustände genau bekannt waren, wage man nicht daran zu rütteln. Engländer und Amerikaner konnten sich auch während des Krieges zum bettächtlichen Schaden augenblicklicher und zukünftiger wichtiger deutscher Jnteres- fc* i* diesem wirtschaftlich an erster Stelle rangierenden Wilajet ausbreiten und förmliche Monopole sichern. Mit Amerika unter- hielt trotz der Aufhebung der diplomatischen Vertretungen die Türkei noch mannigfache Beziehungen. Mehr als eine Brücke führte nach Washington. Die Lehrtätigkeit des umfangreichen amerikanischen Robert College in Rumclt Hisiar und des Girl College in Armautkeni am Bosporus war nicht gehemmt worden: die amerikanische Universität in Beirut und eine Anzahl anderer wisienschastlicher Institute konnten ungehindert fort- wrrken. Ein Teil dieser Schulen, besonders die beiden erstgenannten. die zusammen auch jetzt noch gegen 1000 Schüler umfaßen. wurde fortlaufend während des Krieges aus Bulgarien reichlich mit Lebensmitteln versorgt, gingen doch eine Reihe der besten bulgarischen Intelligenzen aus diesen Schulen hervor. Auch heute norb werden sie mit Vorliebe von den besieren bulgarischen Familien ausgesucht. Nicht so sehr die amerikanische Diplomatie in Sofia, sondern das enge Band, das die amerikanischen Ausbildungsstätten in Konstantinopel mit Bulgarien verbindet, dienten als Brücke für die ersten in Washington ein- geleiteten Verhandlungen, die den Austritt Bulgariens aus ‘ dem Verband der Mittelmächte zeitigten. 5'ch ü'li! ttr friiljcmt Imp. Rom, 14. Okt. (WB.) „Offervatore Romano" schreibt' Da sich der Papst für das Schicksal der Zarin und ihrer Töchter ^ interessiert, wurden vom österreichisch ungarischen Konsül in Moskau bei den Bolschowiki Schritte getan. Tie Antwort lautete dahin, mon wisse nicht, wo sich die Zarin und ihre Töchter befänden. Ta Zweifel an der Richtigkeit dieser Angaben bestehen, wurden vertrauenswürdige Personen mit den Nachforschungen betraut. Dev Ärief des Primen Par, der so viel Staub aufgewirbelt hat. ist in der „Freien Zeitung" (Schweiz) abgedruckt worden, danach hat er folgenden Wortlaut' Karlsruhe, 12. Januar 1918. Mein lieber Vetter? Vielen Dank für Deine letzten Briefe, die ich nur telegraphisch beantworten konnte, und für die freundliche Sendung Deines interessanten und sehr schmeichelhaften Artikels. Mir geht es sehr eigen mit meiner Ansprache. Ich meinte Selbstverständliches zu sagen und niemand zu Lieb und niemand zu Leid — es sei denn unseren Feinden — zu reden, und nun finden meine Worte ein Echo im In- und Ausland, das mich verblüfft. Was für ein Bild machen sich die Deutschen, was für eins die Ausländer von Deutschland. Mich erschreckt dies ordentlich. Die Schweizer Blätter konstruieren einen Gegensatz zwischen Hohengollern und Zähringen. ums ein direkter Unsinn ist. wenn man das Telegramm gelesen hat. das der Kaiser mir sandte (dies unter uns), in dem er meine „Rede" eine „Tat" nennt und mir zu den „hohen und schönen Gedanken", die sie enthalte, Glück wünscht. Die Alldeutschen fallen über mich her. obgleich ich ihnen zum deutschen Schwert den deutschen Geist gebe, mit dem sie Welt- eroberungen machen können, so viel sie wollen, und die Blätter der Linken, voran die mir höchst unsympathische „Frankfurter Zeitung", loben mich durch ein Brett, obgleich ich deutlich genug die demokratische Parole und die Schlagworte der Parteidialektik, zumal den Parlamentarismus geißle. „The world is out of joint and people minds out of ba- lance“ Ein Wort sachlicher Vernunft, ernst gemeinten prak- ttschen Christentums und nicht sentimentalen Menschheitsge- wiffens können sie in ihrer suggerierten Verrücktheit einfach nicht mehr au guied da lettre nehmen, sondern müsien es erst durch den Dreck und Schlamm ihrer entstellenden Torheit hindurchziehen, um es sich itjzef niederen Gesinnung anzupasien. Da bin ich stolz auf meine Badener. Sie wisien, daß ich kein Parteimann bin. noch fein kann, noch sein will, und deshalb haben sie mich von rechts bis links verstanden und das aus meinen Worten genommen, was ein jeder sich gern beherzigen möchte. Den Feinden einmal ordentlich an den Kragen zu gehen und ihre affektierte Richterhaltung in Dingen der Schuldsrage und der demokratischen Parole 'zu verhöhnen, war mir schon lange ein Bedürfnis. Das gleiche Bedürfnis empfand ich. dem heidnischen Gebaren die Bergpredigt entgegenzuhalten und mit die- ' cr -ehre der Liebe auch die Pfluht des Starken, die Rechte der Menschheit zu wahren, in ein deutliches Licht zu stellen, da über beide Dinge eine beklagenswerte Unsicherheit und ein trauriger Wirrwarr der Begriffe entstanden ist. Denn einerseits verfälschen unsere Feirwe diese heiligsten Gesichtspunkte durch ihre Lügen, Verleumdungen, und andererseits reagieren wir, unter ' den Peitschenhieben dieser niederträchtigen Machenschaften, auf eine zumteil geradezu sinnlose Weise auf diese feindlichen Anzapfungen. Entspringt mein Eintreten für Christentum und Mensch- hettsgewisien meinen innersten Ueberzeugungen, so kommt doch auch ein praktisches Moment hinzu, da in der Betonung dieser Anschauungen, die nach meiner Ansicht dem deutschen Geist und seinem Wesen tteser innen liegen als dem der Engländer und Franzosen, ein Angriff auf die feindliche Suggestion von Pazifismus und Humanität zu finden ist, den man, wenn man will, eine moralische Offensive nennen kann. Ich leugne nicht, daß mir dieser Gedanke unsympathisch ist. da ich von je der Anschauung war. daß Christentum und Menschenliebe für sich allein auftreten sollten, und der Gewinn der in ihnen liegt, nicht in ein besonderes Licht gestellt werden dürfte. Aber dieser Begriff wohnt ihnen nun einmal inne, und wenn er dem Frieden dient, so dient er einer guten Sache. Anfang und Ende waren also mit der Offensive gegen die Lüge und Suggestion und mit der sogenannten moralischen Offensive gegeben. Wollte ich aber die demokratische Parole der Weitmachte verhöhnen, so mußte ich mich mit unseren inneren Erscheinungen abfinden. Da ich den westlichen Parlamentarismus für Deutschland und Baden ablehne, so mußte ich dem badischen resp. deutschen Volke sasen» daß ich sein« Nöte verstehe. daß -aber die Institutionen keine Heilmittel seien. So gewinne ich eine Plattform, bei der ich die Wege, die.ich gehen will, selbst in der Hand behalte, und die Badener lasten sich gerne führen, wenn sie fühlen, daß man für ihre Nöte und Sorgen Verständnis hat. In der Friedensfrage stellte ich mich auf denselben Stand- purckt. Ich wollte nur den Geist andeulen. in dem wir an diese Frage herantreten sollten, im Gegensatz zu den Mach hadern deß" Westens. Das „Wie" ist mir hier- deshalb von größtem Wert, weil das „Was" so schwer zu bestimmen, ist. Denn auch ich wünsche natürlich eine möglichste Ausnutzung unserer Erfolge und im Gegensatz zu der sogenannten Fricdensresolution. die ein scheußliches Kind der Angst und der Berliner Hundstage war. wünsche ich möglichst große Vergütungen in irgend welcher Form, damit wir nach dem Krieg nicht zu arm werden. Meine Ansicht deckt sich wohl hier nicht ganz mit der Deinen. denn ich bin heute noch nicht dafür, daß mehr über Belgien gesagt werde, als schon gesagt ist. Die Feinde wisien genug, und Belgien ist einem so schlauen und wettklugen Gegner gegenüber, wie es England ist. das einzige Objekt der Kompensationen. das wir besitzen. Etwas anderes wäre es, wenn die Vorbedingungen eines dauernden Friedens schon gegeben wären. Aber gerade hier haben Lloyd George und Elemenceau di« Brücken abgebrochen. Damit hast Du also die authentische Interpretation meiner Rede, die in hunderttausend Exemplaren als Flugblatt zur Volksaufklärung vom Ministerium verbreitet worden ist, wovon ich Dir sechs Exemplare einlege. Ich danke Dir nochmals für alles Freundliche, das Dein Artikel und Deine Briefe für mich enthalten Ich habe all dem gegenüber das Gefühl, d avoir fait de la poesie saus le sa* xoir. Eines nur möchte ich noch dazu sagen: Die Rede ist ein Ganzes, wer den Anfang wegläßt, mißdeutet das Ende, un- umgekehrt Ich habe eine sehr schlechte Meinung von der moralischen Verfassung der Machthaber unserer Feinde, von der horrenden Urteilslosigkeit ihrer Völker. Wcr haben hier gegen eine Niedertracht der Gesinnung zu kämpfen, wie sie schändlicher wohl nie bestand Wir dagegen sündigen durch Dummheit, den« Alldmusche und Friedensresolutionen sind beides gleich dumm« Erscheinungen, wenigstens- in der Form, in der sie auftreten. Auch sonst gibt es Gemeinheit genug auch bei uns. Aber sie ist weniger bewußt, weniger Sünde gegen den heiligen Geist. Wann wir uns Wiedersehen werden, weiß ich nicht zu sagen. Das Vahnfahren ist kein Vergnügen mehr, und bei der Kälte erst recht nicht. Ich hoffe das Frühjahr bringt uns wieder einmal zusammen. Bis dahin leb wohl und sei herzlich gegrüßt von Deinem treu ergebenen Vetter Max. Es ist begreiflich, daß den Linksparteien dieses Schreiben gar nicht gefällt und ihnen höchst unbequem kommt. Wie es heißt, haben sich aber die Demokraten schwarzer* und goldener Färbung damit abgefimden und nur die von der roten Farbe sträuben sich noch jungfräulich. Sie werden sich aber geben. Eine Knndsikdnny du lla'krlrnidsMiki. Berlin, 15. Okt. Die Deutsche Vaterlandspartei hat durch den Großadmiral von Tirpitz und den Landschafts, direktor Dr. Kapp folgendes Telegramm an den neuen Reichskanzler gesandt: „Eure großherzogliche Hoheit haben in dem von uns durchaus geteilten Wunsche, dem furchtbaren Kriege ein Ende zu setzen, auf die Rückfrage des Präsidenten Wilson eine Antwort von außerordentlichem Entgegenkommen ergehen lassen. Damit ist die Bahn betreten, die die deutsche Regierung vor Entschlüsse von ungeheurer Tragweite stellt. Eure großherzogliche Hoheit dürfen überzeugt sein, daß wir'die schwere Verantwortung der Regierung und den Ernst der Lage in vollen! Maße erkennen vud würdigen. Für die große Aufgabe, bcm deutschen Volke einen Frieden in Ehren zu erringen, stellt sich die Deutsche Vaterlandspartei hinter die Reichsregierung. Wir möchten aber diese ernste. Stunde nicht vorübergehen lassen, ohne der festen Hoffnung Ausdruck zu geben, daß, falls das Entgegenkommen der deutschen Regierung durch unsere Feinde keine würdige Behandlung findet und Forderungen an uns gestellt werden, die die Ehre und den unversehrten Bestand des Deutschen Reiches in Frage stellen, dann die Regierung in diesem Falle"entschlossen und zuversichtlich das deutsche Volk zur nationalen Verteidigung aufrnfen, alle militärischen, wirtschaftlichen und sittlichen Kräfte auf die Beschirmung unserer Grenzen u„d den Seekrieg vereinigen und im Vertrauen auf diese starke Macht ein Ende in Ehren erstreiten wird. Das einige deutsche Volk wird eine Widerstandskraft beweisen, an der der Ansturm der Feinde zerschellen wird." v. Katorlii Prää&nt des Kriegs- kriiijhrnnMNils. Berlin, 15. Okt. Operpräsident von Batocki soll, hiesigen Blättern zufolge, wieder an die Spitze des Kriegs« ernährungsamtes treten, dessen erster Präsident er war, brS er von dem jetzigen, dem damaligen Operpräsidentev v. Waldow abgelöst wurde. Me Rkichsiagscriatziliah! in Kalin I. Berlin, 15. Okt. Bei der heutigen ReichstagsersatzwaU im Wahlkreise Berlin I, erhielt nach dem vorläufigen Ev gebnis der Kandidat der Fortschrittlichen Volkspartei Kemp- ner .2294 Stimmen, der sozialdemokratische Kandidat Heiinann 1720 Stimmen, der unabhängige Sozialdemokrat Müller 513 Stimmen, der konservativ-antisemitische Kandidat Gellert 180 Stiminen. Es findet also Stichlvahl statt zwischen Kempner und Hermann. 49 Stünmen waren zersplittert. Urrfchiedenes. Ein LebensmitlelkontroNeur mit 10 Vorstrafen. Umfangreiche Butterdiebsiähle zu Ungunsten des Kommunalverbandes Mannheim-Land biloeten den Hiniergrund einer Verhandlung vor dem Mannheimer Schöffengericht, das gegen den Kaufmann Wilhelm Frank verhandelte. Mil ihm mußten seine Frau und seine Tochter sowie eine Witwe Mohr, letztere wegen Hehlerei, auf der Anklagebank Platz nehmen. Frank war als Kontrolleur beim Kommunalverband angestellt und benutzte diese Stel, lvng. um sich aus den Lagerräumen des Verbandes fortgesetzt größere Qualitäten Butler anzueignen. Die gestohlene Ware brachte er nach Hause, wo ihm Frau und Tochter beim Absatz an verschiedene Verbraucher behilflich waren. Die Witwe Mohr gehörte zu den besten Kunden der Familie Frank, sie trieb mit der eingehandelten Butter einen lebhaften Schleichhandel. Die Diebstähle konnten eine Zeitlang unentdeckt bleiben, weil Frank bei dem Kommunaloerband eine Vertrauensstellung inne hatte. Dabei war der Mann nicht weniger als zehnmal vorbestraft, und zwar ausschließlich wegen Eigentumsdelikten. Bei einer der letzten ^Verurteilungen waren ihm die bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von drei Jahren aberkannt worden. Und ausgerechnet diesem Mann wurde das Amt eines Kontrolleurs übertragen. Nach der Anklage wurde Frank des Diebstahls an 20 Zentnern Butter beschuldigt: es beste-ht aber der begründete Verdacht, daß die Diebstähle einen weit größeren Umfang angenommen haben, doch konnte man das den Angeklagten nicht «ehr Nachweisen. Die Leidtragenden bei der Geschichte waren Natürlich die Einwohner, die an ihrer Vutterration geschädigt "bilden. Das Gericht verurteilte Frank zu einem Jahr und sechs Monaten, die angeklagten Frauen zu je zwei Monaten Gefängnis. Die verräterische Schweineblase. Einem ganz raffinierten Trick, um begangene MilchfäNchungen zu verdecken, ist man in einem Dorf im badischen Oberland auf die Spur gekommen. Ein Landwirt aus dem Dorfe holte schon seit längerer Zeit Milch nach der Stadt angeliefert, die stark wasserhaltig war. Es sollte daher im Stall des Landwirts unter Aufsicht eines Konrrollbeamterk ein Probemelken stattfinden, worauf die Milch sofort untersucht werden sollte. Als der Kontrolleur mit der Tochter des Landwirts im Stall erschien, fiel letzterer, einem ziemlich beleibten Mädchen, unter der Schürze ein unförmliches Etwas hervor, das sich schließlich als eine mit Wasier gefüllte Schweinsbla'e entpuppte. Es war beabsichtigt, die Blase wahrend de? Melkens mit einer Nadel aufzn stechen und das Wasier das Milchqefäß rinnen zu. lasien. um dadurch die unschuldige Kuh in den Verdacht zu bringen, boß sie schuld an der gewässerten Milch trage. Die Vorsicht war sogar so weit gegangen, daß man das Wasier in der Schweinsblase angewarmt hatte, damit di« gewässerte Stallprobe dieselbe Temperatur habe wie die Naturmilch. — Die sorgfältigen Vorbereitungen haben aller nichts geholfen und die ingeniöse Erfindung wird demnächst die Gerichte beschäftigen. Die Weizenpreiie iw Anslande. Nach dem „W. N. D. Ueberseedienst" stellten sich die letzten Notierungen für Weizen (nach der Umrechnung auf Friedens- Parität) für die Tonne: in den Vereinigten Staaten von Amerika auf 339.50 Mark in Australien auf 147,— Mark in Argentinien auf 194.90 Mark Bei Zugrundelegung dieser Ziffern hat London (oder Paris) einschließlich Fracht und unter Einsetzung unserer Mark zum jetzigen Wertstande zu zahlen: Für amerikanischen Weizen 740, australischen 782 und argentinischen 676 Mark. Damit erhsbt sich der Preis für Weizen um durchschnittlich mehr als 120 o. H. gegen den deutschen Preis. Zur Prämien Wirtschaft. Man schreibt Uns: „Die „Prämien" haben nur das eine Gute, daß sie — keine Zwangsmittel sind. Leider sind sie aber, keineswegs „Zwangsmittelersatz", ansonst täte eine besondere Kriegs- Gesellschaft m. b. H. für Zwangsmittel-Ersatz dringend not. Sonach hat auch dies „leider" wieder sein Gutes. Die Hauptsache jsi nun aber, daß es mit der Prämienauszahlung hapert. Hier müssen wir zur Aufklärung etwas beitragen, um falsche Hoffnungen ein für allemal einzudämmern. Wir wollen uns heute mit den „Heu. und Strohprämien" befassen. Obgleich hetr. kriegswirtschaftliche Verordnungen Advokaten wenig Beschäftigung finden können, weil der Rechtsweg meist ausgeschlossen ist, demnach es also nickt nötig wäre, sie unklar abzufassen, geschieht dies dennoch oft. Und dann werden seitenlange Erörterungen, Rundschreiben von verschiedenen Behörden erlassen, durch die die Sache noch unklarer wird. Hell wird's erst bei der Handhabung, nämlich wenn's ans Bezahlen geht. Die Landwirte haben gemeint, auf Grund der Heu- und Strohprämien-Verordnung des Kriegs-Ernährnngsamtes vom 12. Februar 1918 für freiwillige Mehrablieferung von Heu bis Ende Mai einen Zuschlag' von 4 Mark je Zentner und für schleunige Ablieferung der Hälfte des Lieferungssolls an Stroh bis zum 30. April 1918 einen Zuschlag von 2 Marck je Zentner zu erlangen. Dabei haben sie ein Wörtchen übersehen, nämlich: kann. Die Heeresverwaltung kann diese Zuschläge zahlen, muß es aber nicht. Von dieser Sachlage ist nun meistens folgender Gebrauch gemacht worden: Man hat die wirkliche AuszahlHrg an eine Bedingung geknüpft. die nicht der einzelne Landwirt selbst, sondern die anderen erfüllen sollen. Auch hier gilt das Wort „Erfolgs- Prämie", nicht Arbeitslohn. — (Das Wort „Erfolgsprämie" stammt aus dem bprachsatz der Reichsgetr^idestelle.) — Hat der Landwirt das Glück, in einem Kreise zu wohnen, wo alle übrigen Landwirte so eifrig waren, das Stroh bis zum 30. April zur HälAe abzuliefecn, und wo sie so glücklich sind. die nötigen Strohmengen, Senke, Pferde «fw. dazu verfüg- - bar zu haben, so wird er für dies Glück mit einer Sonder- § Vergütung von höchstens (!) 2 Mark für den Zentner be- | lohnt. Diese Prämie wird unter Umständen aber auch auf l die Hälfte und weniger erniedrigt. Für den Landmann ist eben der Erfolg alles, Mühe und Arbeit sind nichts. Die Sache ist überaus traurig, aber nicht zu ändern. Zweck dieser Art von Verfügungen mag auch sein jeden einzelnen Landwirt zu veranlassen, daß er, um des Lohnes für feine Mühe habhaft zu werden, von Hof zu Hof läuft, mit Hand an die Strohdiemen legt und aufladen hilft. Warum dieser Zweck verfehlt sein muß. braucht weiter nicht erörtert zu werden. Das Ganze gehört eben zur „Kriegswirtschaft." Nur ein Mittel gibt es für die. Landwirte, sich in Zu. kunft — bezüglich der Stroh- und Heuprämien für Ernte 1917 ist nichts mehr zu wollen — gegen ähnliche lieber- rasckungen zu sichern: Freiwillige Mehr- oder freiwillig be- 'chleunigte Lieferungen mache der Landwirt nur auf Grund eines schriftlichen Vertrages mit der Heeresverwaltung. Tie- .str Vertrag muß bestimmen, daß ihm der gesetzliche Höchstpreis ohne alle weiteren Bedingungen ausbezahlt werde." j Aus kr st.-Mkrdchtt Chronik. I j . Anno 1797. ..Einen höchst unangenehmen Auftritt hatten wir in I der Nacht vom 7. zum De ember. Zwei Soldaten ver- i I langien ohne Anweisung mit Ungestüm von Her n Präceptor g Rau einquartierl zu werden. Noch in ihrem ordnungs- I widrigen Verfahren durch drei auf dem Schloß einquartierte f Offiziere bestärkt, welche sagten: Haut den Kerl zusammen!, I zogen diese nun ihre Säbet und ver olgteiCden ^eingsteten ! Schullehrer in seine Wohnung, wo er sich durch das Fenster I in dem 2. Stockwerk retten muß e. D e Frau und Kinder : des Schullehrers hatten sich zu mir fP-arrer) geflüchtet, weit | sie in ihrer Wohnung ihres Lebens nicht sicher waren. Vis g sie aber in dieselbe zurückllhren konnten, fand sich, daß sie V rein ausgeplündert war." — * Deut'che Mannes ucht schont Leben und Eigentum der I Bewohner der von uns besetzten Gebiete. Wie würden I aber die feindlichen Horden in' Deutschland hau en! Denkt | an die Frauen und Mädchen. Helft mit. daß die Feinde ° nicht über die Grenze kommen und zeichnet steudig die 9. Kriegsanleihe. Die Kerstans« und flpruföiimbilöHng der KrikgsbMWqteii. Schon in den letzten Friedensjahren wurde mehr und mehr die Erfahrung gemacht, daß auch stark verkrüppelte Menschen in großem Umfange arbeits- und gewerbsfähig gemacht werden können, sofern nur Austildungsstätte« hierfür geschaffen werden und bei dem Verkrüppelten selbst der energische Wille vorhanden rst. die bestehenden Schwierigkeiten zu überwinden. Hiervon ausgehend hat man im Kriege vielfach mit größeren Heimatlazaretten sogenannte Anlernwerkstätten verbunden, in denen unseren Kriegsbeschädigten Gelegenheit gegeben ist. sich noch während des Lazarettauferrthaltes in ihren alten Beruf wieder einzuüben oder sich für einen neuen Beruf vorzuberciten. Ein solches Werkstätten- und VerufZübungslazarett ist von dem Landesausschuß für die Kriegsbeschädigtenfürsorge im Verein mit der Militärverwaltung auck im Eroßherzogtum Hcsien in Gestalt des Ncservelazaretts Technische Lehranstalten in Offenbach geschaffen worden, das unter der ärztlichen Leitung des Herrn Oberstabsarztes Dr. Rebentifch und unter der technischen Leitung des Herrn Professor Eberhardt steht. Das Bcrufs- übungslozarett Oifenbach bringt auch in geeigneten Fällen unmittelbar ter Offenbacher Vetriebsunternehmern Kriegsbeschädigte zur Anlernung unter; diese werden ihrer Arbeitsleistung enffprechcnd bezahlt und können sich somit in der eigentlichen Berufsarbeit von ihrer Leistungsfähigkeit überzeugen. Von der in Offenbach gebotenen Möglichkeit, sich b-ruflich ein- und umzuschulen, können nicht nur Lazarettinsassen, sondern auch solche Kriegsverletzte Gebrauch machen, die bereits aus dem Heere entlassen sind. Auch können in geeigneten Fällen Kriegsbeschädigte aus anderen Lazaretten zur beruflichen Ausbildung nach Offenbach verlegt werden. Zu den Kosten, die dann entstehen, wenn bereits aus dem Heere entlassene Kriegsbeschädigte vcn den Offenbacher Einrichtungen Gebrauch machen, leistet der Landesausschuß für die Kriegsbeschädigtenfürsorge in Darmstadt gegebenenfalls angemessene Zuschüsse. Neben den Technischen Lehranstalten in Offembach haben sich auch fast alle übrigen gewerblichen Unterrichtsanstalten des Großherzogtums in den Dienst der Berufsaus- und Umbildung unserer Kriegsbeschädigten gestellt und sich um deren berufliche Förderung verdient gemacht. Ebenso sind mit Unterstützung des Landesausschusses von den landwirtschaftlichen Schulen in Groß-Umstadt und in Michelstadt Lehrgänge für landwirtschaftliche Kriegsbeschädigte mit gutem Erfolg abaehalten worden. Es wäre nur zu wünschen, daß diese Bestrebungen bei den Kriegsbeschädigten selbst mehr bekannt und gewürdigt würden. Die nötigen Auskünsie, insbesondere auch darüber, in welchen Fällen und in welcher Weise die bürgerliche Kriegsbeschädigtenfürsorge geldliche Unterstützungen zu den Ausbildungskosten gewährt, können jederzeit bei den örtlichen Ausschüssen für die Kriegsbeschädigtenfürsorge eingeholt werden. Ans der Aeimat. Bad-Nauheim, 15. Okt. Weil es in umfangreichen Maße an den Schwarzschlachtungen beteiligt war, wurde hier das Hotel „Adler" geschlosse»- Eießen, 15. Okt. Don der Handelskammer in Gießen wurds Herr Math. Setzer tn Gießen als beeidigter öffentlicher Bücherrevisor angestellt. FC. FrssHärr v. 14. Ökt. Eine in Dackenheim woh. nende Frau kam gestern mit dem ersten Frühzug von einer Hamsterfahrt aus Bayern Die Türe des Abteils ging unter, wegs auf und die Frau wurde mitsamt ihren Lebensmitteln aus dem Wagen geschleudert. Sie trug schwere Verletzungen davon, die ihre Ueberbringung ins Krankenhaus notwendig machten. Aus Starkenburg Darmstadt, 14. Okt. Wegen Steuerhinterziehung stand heute der 37 Jahre alte früher- Schreiner und spätere Feder- Händler Max Erünebaum aus Bürgel bei Ofsenbach vor der hiesigen Strafkammer. Cr ist beschuldigt, im Jahre 1917 zu Offenbach als Vertreter seines steuerpflichtigen Bruders Max Grünebaum daselbst wissentlich vor der Steuerbehörde zu Offenbach das versteucrbare Vermögen seines damals in Untersuchung befindlichen Bruders Max E. um zusammen 95 000 Mark zu gering angegeben und dadurch den Staat um die Steuereinnahme geschädigt zu haben. Er hat dadurch sowohl gegen das Vermögenssteuergesetz. wie auch gegen das Kriogssteuergesetz sich verfehlt. Die Brüder hatten damals aus einem gerichtlichen Vergleich mit einer Offenbacher Lederfirma den Vetrax von etwa 95 000 Mark erhalten und entschuldigt sich der Ange- klagte damit, daß er als Nichtkaufmann einen Fachmann mit dem Abschluß der Bücher und Aufstellung der Bilanz beauftragt habe und daß dieser auf Anfrage erklärt Hobe, der Posten Hab« noch Zeit, andererseits steht fest, daß der Angeklagte vor dem Steuer-Asiesior Decker auf ausdrückliche Frage nach dem Vermögen über diesen Posten keine Angaben gemacht hat, obwohl ihm hierzu noch eine längere Frist gelassen worden war Nach dem Anträge der Staatsanwalffchaft wird G. zu einer Gefängnisstrafe von drei Monaten und zu einer Geldstrafe von 50 000 Mark verurteilt. FC. Darmstadt, 14. Okt. Vor 150 Jahren! Am 17. Oktober 1768 abends gegen 8 Uhr verstarb plötzlich während einer Vorstellung nn Theater beim Niedergehen des Vorhangs Landgraf Ludwig VIII., der am 12. September 1739 zur Regierung in der Landgrafschaft Hessen-Darmstadt gelangt war Durch seine Vermählung mit Gräfin Charlotte, der einzigen Tochter de« letzten Grasen von Hanau, Johann Reinhard, siel nach dessen Tode- ein Teil des bedeutenden Hanauer Gebietes an Hessen- Darmstadt, vor allem das Amt Schaafheim und die größtenteils im Elsaß gelegenen Gebietsteile der Grafschaft Hanau-Lichten- berg. An Landgraf- Ludwig VIII., der vor allem im Vogelsberg oft dem edlen Waidwerk oblag, erinnern heute noch im Oberwald der Landgrafenborn, dessen Wasser teils die Anfänge der Nidda bilden, dem Rheingebiet angehörend, teils dem We- strgebiet zuströmend, und das Iägerthal bei Romrod. Hier hatte der Landgraf 14 Gebäude errichtet, die alljährlich zur Hirschbrunst die Jagdgäste aufnahmen und wo ein glanzendes Hoflager gehalten wurde. Am 1830 wurden sie abgebrochen. Aus Rheinhcssen. FC. Mainz, 13. Okt. In der Brückenanstalt auf der Gustavsburg löste sich an einem Hebeapparat ein großes Stück Eisen, das herabstürzte und den Vorarbeiter Veith aus Gins- Heim an Kopf und. Schultern traf und ihn schwer verletzte. FC. Worms. 13. Okt. Das 50jährige Eeschäftsjubiläum feierte gestern die Firma Karl Hisgen, Rußfabrik dahier. Die Fabrik wurde 1868 in Offenbach a. M. gegründet und im Jahre 1882 hierher verlegt. FC. Worms, 13. Okt. Ein schweres VootZunglück, wobei zwei Menschenleben verloren gingen, ereignete sich in Altrip beim Versuch, mit einem Rachen bei der Altriper Rheinsähce vom rechten nach dem linken Ufer zu fahren, trieb das Boot gegen ein vor Anker liegendes Kohlenschiff, kippte um und es ertranken der 20jährige Adam Münch und der 15jährige Felix Schneider aus Altrip. Ans Hessen.Nassau. FC. Wiesbaden, 14. Okt. „Vor dis Drecffinke im Dotzemer Rathaus geht ma in de Schitzegrawe und läßt sich die Knochen dort kapot schieße", schimpfte eines Tages bei der Kartenausgabe im Rathaus zu Dotzheim der für ein Vierteljahr zur Kartoffel- revifion nach Wiesbaden kommandierte Landsturmmann Karl Arzbach aus Dotzheim, als er seine Lebensmittelkarten auf dem Rathaus umwechseln wollte und es ihm nicht schnell genug damit ging. Die Schöffen nahmen den Landsturmmann, der zur Aburteilung den bürgerlichen Gerichten überwiesen war, des» wogen in eine Geldstrafe von sechs Mark. — „Mit der Worzel- bärfcht hot der Arweiter Mathias Menz seine Fraa im Bad behannelt. dan.it sie sauwer werd, der Schläfer war sogar dabei", so erzählte eines Tages in Unterliedsrbach die Frau EZkuche von dort. Die Moritat machte die Runde im Ort und das Schöffengericht in Höchst beschäftigte sich mit der Tratscherei, das die unvorsichtige Erzählerin, da der Vorfall nicht stimmte, in eine Geldstrafe von 30 Mark nahm. Frau Eskuche beruhigte sich hierbei aber nicht und legte Berufung ein, die die Strafkammer heute kostenfällig verwarf. Die Beweisaufnahme ergab, daß Menz lediglich seine kranke Frau gebadet hatte, nicht im Beisein des Schläfers und ohne Gebrauch der Worzelbarscht. FC. Wiesbaden, 14. Okt. Festgenommen wurden gestern von der Polizei drei Fabrikarbeiter aus Höchst, die mit Rucksäcken und Körben ausgerüstet, einen Ausflug in den Rheingau unternommen und bei dieser Gelegenheit eineinhalb Zentner Trauben gestohlen hatten. Die Trauben, die beschlagnahrnt wurden, sollen aus der Gemarkung Johannisberg stammen. FC. Schierstein, 14. Okt. Die Traubenlese in hiesiger Ge» markung beginnt am 16. Oktober. Aus Kurhessek. FC. Kirchhain, 14. Okt. Dem hiesigen Kreise ist die Aufbringung größerer Heu- und Strohmengen auferlegt. Von der Stadt Kirchhain allein sind 11 000 Zentner Heu und 1300 Ztr. Stroh zu liefern. Verantwortlich für den politischen und lokalen Teil: Ctio Hirschel. Friedberg; für den Anzeigenteil: R. H e v n e r. Fiiedberg. Truck und Verlag der Serien Tageszeitung"» A- G., Friedbero l S. Herzenskarrrpfe. / Otrrran öön H? l - ne S ch v 1 ky. geb. von Eersdorff^ (Eop^rigllt 1915 6. Ackermanss-Stutt^5t.) »ck) Nachdruck verboten. TVr nächste Tang war die Francaise. welche Hilde dem Mar- ont* ;naosagt halte. Er hatte sich inzwischen seinen Schlachtplan Mrechlgclegt. Wegen der seiner Meinung nach veränderten Situation wollte er eine neue Taktik versuchen, damit ihm durch längeres Zögern nicht der goldene Preis vor der Nase weggeschnappt würde. Er Seilte sich daher, Hilde, die umringt von einer Schar von Herren, bei ihrer Tante stand, aufzusuchen. Lange ehe der Tanz seinen Anfang nahm. „Welches Glück, verehrtes gnädiges Fräulein, daß endlich die'e Francaise gekommen ist!" sagte er, ihr zugleich ehrerbietig, doch mit dem Recht des alten Freundes den Arm bietend. „Ich konnte kaum den Augenblick erwarten, der mir allein diesen Ball wichtig und interessant macht." „Diese Behauptung ist sehr schmeichelhaft für mich. Herr Marquis, doch kann ich sie in Anbetracht des vielen Schönen und Interessanten, was uns hier geboten wird, kaum für ernst halten", wehrte Hilde lächelnd ab. „Ich nehme Sie nur für eine der liebenswürdigen Phrasen, in denen Sie, wie alle Franzosen, Meister find." f „Mais, je vous assure mademoiselle", wenn Herr von Ney- "mond in Affnr gener, fi« er gern in seine eigene Sprache zurück. besonders im Gespräch mit Hilde, die das Französische ebenso vollkommen beherrschte wie das Deutsche, „ich bin noch nie ln meinem Leben so sehr ernst gewesen. Nur Sie, Cie allein sind mir hier von Bedeutung, nur Ihretwegen bin ich hier, — o, Sie müssen das lägnst gesehen haben!" Hilde erschrak. Was sollte das heißen? Er war ihr eigentlich nur deshalb angenehm, weil er kein Bewerber zu sein schien. Und nun mit einem Male diese warme, bedeutungsvolle Art, mit ihr zu reden! Doch sie wollte den veränderten Ton ignorieren. Vielleicht irrte sie sich auch, vielleicht war es nur die erhöhte Dallstim- mung, die ihn hervorgebracht hatte. Sie war an den Marquis gewöhnt durch jahrelangen Verkehr, sie hätte ihn ungern durch irgend etwas verletzt, schon ihres Vaters wegen, der ihn so sehr schätzte. Auch musizierte sie sehr gerne mit ihm. da er ein wirklich künstlerisches Können befaß, das in Dilettantenbreisen so selten zu finden ist. Außerdem hatte sie keinen Grund, an der Gutartigkeit seines Charakters zu zweifeln, da er sich in ihrer Gegenwart stets aufs äußerste bemühte, alles zu unterdrücken, was ihr im geringsten unangenehm hätte auffallen können. Sie selbst aber war viel zu wahr und gut, um eine solche konsequente Heuchelei für möglich zu hallen. Sie war daher gegen ihn. wie gegen alle Menschen, von jenem echten Wohlwollen erfüllt, das ein von tief innerer Frömmigkeit durchwehtes Gemüt beseelen muß. Cie war nicht imstande, irgend jemand mit Bewußtsein | zu kränken, am wenigsten jemand, den sie lange unv nayff ! kannte. Um das Thema zu ändern, sprang sie aus ein ander« Otos »Wie kamen Sie zu der Meinung. Herr Morqwir t«fr 4 Ihnen die Polonaise versprochen hätte? Diese Ihrerseits beweist mir übrigens garnicht. daß meine bätich™ Persönlichkeit Ihnen wirklich so außerordentlich wichtig sagte sie lächelnd, dabei schelmisch mit dem Finger drohend Sie ahnte nicht, daß Sie durch diese Wendung von dem Regen in die Traufe kommen sollte, denn dieser Anknüpfungspunkt kam dem Marquis sehr erwünscht. „O, gnädiges Fräulein, das wäre gerade das Gegenteil von Zerstreutheit. Erstens hoffte ich. dadurch selbst den Vorzug. Sie bei der Polonaise führen zu dürfen, zu erringen und dann. — dann wollte ich Sie vor einem Ihnen vielleicht nicht konvenie- renden Tänzer schützen." Hildes. Gesicht wurde plötzlich sehr kühl. „Zu dieser Vermutung lag aber doch nicht der gerinalle Grund vor", meinte sie sehr bestimmt. ..Wesh lb sollte mir Herr von Eermshosf. der nahe Freund des mir verwandten Hauses, in dem ich als Gast weile, als Tänzer nicht kcmvenie- ren? Außerdem bin ich Ihnen für Ihre sicherlich gute Absicht, mich schützen zu wollen, ja zu Dank verpflichtet, doch möchte tch Ihnen aufs nachdrücklichste versichern, daß ich sehr wohl im. stände bin, mich selbst zu schützen." Fortsetzung folat. 'i. i jo» ji £& a-> .vtjä Todesanzeige. tt dem Allmächtigen hat es gefallen heute mittag um 12 Uhr meine liebe Gattin, unsere liebe Mutter, Schwester, Schwägerin und Tante Fm BiiWmcisitt tefd geb. Dielmann in ihrem 61. Lebensjahre nach kurzer Krankheit zu sich zu nehmen. Um stille Teilnahme bitten Die tieftrauernden Hinterbliebenen: Bürgermeister Kessel und Familie. Leidhecken i. den 15. Oktober 1918. Die Beerdigung findet Freitag, den 18. Oktober, nachm. 2% Uhr statt. Danksagung. Kilometer ab <"rube. Der Preis für 1 Hektoliter = ca. 72 kg. beträgt 1,02 Di einschließlich Ko lensteuer. Der Rohko leiwettauf auf uifferer Grube Wöl ersheim b Wolfersheim. Dienstags und Freitags jeder Woche, bleibt na wie vor fortbestehen. Friedberg, den 9. Oktober 1918. _ Erotzh. Berqwerksdirektion. Kelraiitttinachmro. Weißkraut ist eingetroffen. Es we.den vorerst beliefen: aus egebene Bestellscheine 1— ;um Preise von Mk. 10.- per Ztr. Die Ausgabe ersofft Dann, tag. den 17. Oktober, vormittags von 8 Uhr ab, aus dem Ei bahnwagen am Eilqüterschuppen. Friedberg, den 10. Ottooer 1918. Ler BÜrgerureifte 2. 33.: D am in. Ke kanni mach itntt Das Befahren der Fußsteige innerhalb der Stadt Friedberg und des S'adtieils erbckch nu bc a.ienen und leeren Handwagen, owie sonstigen zur A> na me von Lasten bestimmten Fahrgeräte hat im Laufe ter letzten Zeit einen öeiauuen Umfang angenommen, daß adurch der , uß^onqerverkehr erheblich gestört und auch die erhöhten F' ßsteige beschädigt werden. 2rb bringe daher einen A szuq aus der nachstehenden ab- gedruckien Polizei-Verordnung, betr. die Benutzung der Fußsteige n der Ltadt Friedberg vom 15. Auaust 1904 lierdurch Normals mit dem Anfügen zur öffentlichen Kenntnis. daß nunmehr Ueber- treiungen hiernach unnachsici tlich uc Bestra, ung angezeig werden. Friedberg, den 11. Oltober 1918. Ter Vüroermeister. 2. B.: Damm. . 8 1 - -uc innerbalb der Stobt ^redbeig und ihrer Gemarkung angelegten Fußsteige, sowie alle üffffen nur f. r den Fußgänger- verlelr bestinimien Wege und Durchgänge. düifen. abge ehen v n den un en angefülrten Ausnahmen, mit von Zugtieren gezogenen Fuhrwerken und von Meffchen bewe len Laiwagen, Hand- und Schubkarren, Fahrrädem und dergl. nicht be ahren werden. ß 3. Das Ueberfabren der Fußsteige zum Zwecke der Einfahrt nach Hoirailen oder Grundstücken und der Aus ahrl vou solchen ist ge- stat et. so ern dies im Schritt auf dem kürzesten ^'ffege und ohne Au enthalt oe'chieht. Bei erhöhten Fußsteigen müssen, sofern kerne be ondeien Ein ährten angelegt sind, die Randsteine während des Ueffer ahrei s durch Einle en von Keilen zwischen Randsteinen und Gossen geschützt werden. Ebenso muß be m Transport großer Lasten der Fußsteig durch Belegen mit Brettern oder Dreien ce chützr weiden. 8 4. Es ist verbo en. den Verkehr auf den Fußsteigen durch - e- we'bliche oder andere im Privatrntereffe oor-unehmende Bei» r chtungen. du ch Fe>i ieen von Gegenständen, durch das Tragen von Stöcken o er Schirmen in einer andere Per.onen gefä rdeten Pe er e und durch das führen von Hunden an langer Leine zu stören. Ferner kann rür bestimmte Straßen oder bei be anderen Anlässen durch Anordnung der Bürgcrmttsterei verboten werden, auf den Fußsteigen in einer den Verke'.r h.ndernden Werte stehen zu bleiben oder durch Gehen in geschlossenen Reihen m einer das Publikum belästigenden Wei,e den Verkehr zu stören. 8 ö. Außerhalb der Stunden von 5 bis 7 Uhr vormittags dürfen Gegenstavde. die durch ihre Form. Größe oder Beschaffenheit geeignet sind, die Vo übergehenoen zu belästigen, zu beschmutzen, zu gefährden oder zu beichädigen, wie größere Trag- und Nrarkt lo be. Koffer und Kisten, Stangen, Kamlnfegerutensilren, landwärts baf lrche Gerä e. Werkzeuge. Vaumarenalren, Bnnke. Trsche. Kubelpfmnzen Flei chermulden und dergleichen auf den sämtlichen der Stadl gehörigen Fußsteigen weder befördert noch au^gei.ellr werden. 8 6 . Unter der Bezeichnung Fußsteig sind in dieser Verordnung allgemein dre ausschließlich für den Fußgängerverkehr bestimm e r lußwege bis zu den Randsteinen, bezw bis zur Gaffe begrrßen, ohne Unter chred. ob di selben erhöht, gepflastert, zementiert, a phallren. geplattet oder gekiest sind oder nicht. 8 1 • . ^l uro !^ cr ^ an ^^ un ^ cri liegen vorstehende Bestimmungen werden nach § 360. Pos. 9 und 10 des Reichsstraf esetzbuches mit Geld- strafe bis zu 60 Pkark oder mit Haft bis zu 11 Tagen bestra ft. Beil.: Zuteilung von Brennstoffen. Keknttttimachling. Bezugnehmend auf meine Bekanntmachung vom 30. Sept. d. I sind berechligl auf Vorzeigung der Kohlenauswetskarte Brennstoffe zu beziehen: Bezirk II Nr. 9l bis 160 je^drei Zentner Kohlrn bei Gustav Sä warz L Söl ne. G. m. b. H. Fauerbachefftraße Bezirk III 61 bis 160 je drer Zentner Briketts b:i Kohlen -andlunq Friedr. 'Wirth, Fauerbacherstrahe. Friedberg, den 14. Oktober 1918. Stempel und Petschafte liefert Kriedr. Streckluff, Friedberg :: Telefon 301. > Ziim^ lachten Sorten Därme sowie Rind;;-, s-llllig- nlld Achweinkblllsel ln nur ger»ch reier Ware, empfiehlt G. W. Zoll, Friedberg in Hessen. Latz s zn'stze Oeduallng. üfL Sctimieröä für lav! wirtschastliche und Dre'chma chinen. Ia. Cyl nderöl Ia. Wagenfeti la. Ledepfett coas st. Fett empfiehlt Jos. Derfelt, 'UmU. Vcrleitungösielle vor Sclnniernritt^ln für dc>» Krei5 Fril-d.^erg, Kar erstraße 116. in der Mähe Nauheims gegen sofortige Barzahlung zv kau en "esucht. Auf Wunsch lann jetziger Besitzer als Pächter wohnen bleiben. Angebote an P. Koch, Million Monopol, M-!1ailljkim Der Bürgermeister. 2. B.: Dam m. Wollene Herren"Westen Damen- und Kinder- Strümpfe, Herren-Socken in grosser Auswahl. Strickwolle, §rau, Ichwarz u. Sederfarbig Fr. ieisr. Kaiserstrasse 62. Friedberg, 56 62. ^ Llllldgllt. Suche für einen Freund 100 bir 200 Morgen großes Landgut gegen sofortige Barabfindung zu kaufen Obstbeiland und Wald erwünscht Gulmann, _ Gießen, Westanlage 31. Eine gute frischmelkende Kalbin zu verkaufen bei _Kourad Bell, Staden» Etn 9jähriger WüiSIach ,zu verkaufen. Wo. sagt die Ge» l schäftest, der „Neue« Tagesztg.^.