Nummer 237 ftofrlprrfs Mittmach, den S. Oktober 1S18 11 . Die Taveoreituna" erichemt ieden Werktag. Regelmäßige Beilagen „Ler Kauer aus Kelsen". ..Zie Spinnstnbr". Zemgspreia: Bei den Postanstalten vleneliähritch ML 2.70 binzu tritt noch das Bestellgeld: ei den Anenten monallich 1.00 Mt. einschließlich Trägerlobn. Anzeigen: Grund^eile 2b Pfg.» lokale 20 Pig^ Anzeigen von auswäns werden durch Postnachnahme ^_erhoben. en Negicrungskreisen erlaubt man rIocl \ 2Re,nUn fl. da der Tert der Rede des Kanzlers noch riiort vorllegt. Gleichzeitig wird zu verstehen genessen Äe^ Bcb£T mi D^orreich-Nngarn sich i m wesentlichen A a ° n crgebei1 umfsen. wenn sie den Krieg be- ^ T ™ W °T n ' ^ iBr ® e6iet angegriffen und der- hniftef mertm wird. Allgemein gesprochen ist die Annahme der bedingungslosen Nebergabe Deutschlands, Oesterreich- Ungarn- und der Türkei Bedingung. 1 Kronrat l« Koüank §aag. 8. Okt. llebcr die Gründe für die plötzlich \n ber letzten Nacht geschehene Berufung eines außerordentlichen Ministerrates unter dem Vorsitze der Königin bestehen verschiedene Lesarten. Nicht nur von der Vorbereitung eines förmlichen Angebotes des Haag auf dem Friedensräte, sondern auch von möglichen Verwicklungen in Gebietsfragen, die Holland bei dem allgemeinen Friedensschlusie drohen, und von denen schon früher die Rede war, wird viel gesprochen. Krügarieu. *— v- Frr Mgkilnzlrr an iin pglnilihkn Stanfernt. D°r Reichskanzler richtete an den -olnii^-n Rcgentsckiaftsrat folgendes Telegramm- „Ve, der Uebernohnie des Neicl>slanzleramtss liegt mir besonders am Herzen, dem hohen Negent'chaftsrat des im mTT *°T 8 “ DerM>?rn ' b °S ich im Einklang mit der d7be ^ ^^^^nen Erl nrung den festen Entschluß h CX ® e . rf,aItn,§ des SDeutf^n Reiches zu dem neuent- Le° f 310 " "" ® cift bcr Gerechtigkeit und S.H« u h 4 -1L beiderseitigen Lebensinteressen zu ge- n s tcB o"r b ' e m5alW;ft schnelle Beseitigung der w.h bestehenden Lasten der Lkkupation zu bemühen Negentickxütsrat. sowie auch 'die ! " ! f ^ Staatsregierung Verständnis für meine BestreLangen haben werden werde ich unverzüglich zu ihrer Detwlrktichung die nötige Anordnung erlassen. Prinz von Baden, Reichskanzler." Sofia, 6. Okt. (WB.) Nach privaten Meldungen wurde bei den Verhandlungen, die Liaptschew in Salonik führt, von der Entente auch darauf hingewiesen. daß die bulgarische Negierung vollste Gewähr bieten müsie für die strenge Einhaltung aller Verträge zwischen der Entente und Bulgarien. Das gegenwärtige bulgarische Kabinett ist jedoch nach Ansicht der Entente nicht geeignet, ein Werkzeug ihres Willens zu sein. Deshalb deutet man an. daß eine Aenderung im bulgarischen Kabinett durchaus erwünscht sei. Malinow hat daraufhin Vorverhandlungen zur Bildung eines neuen Kabinetts eröffnet. Die Entente soll zugestimmt haben, daß dieses zusammengesetzt sei aus Zwei Demokraten, nämlich Malinow und Liaptschew. drei Ma- rednicken. einem Agrarier, einem Sozialdemokraten, einem Ra- dikaldemokraten und General Lukow. früberem Fübrer der zweiten Armee und Mitglied der unter Liaptschew nach Salonik entsandten Kommission. Daß die Marednicken am stärksten vertreten fern sollen, obwobl sie nur zehn Sitze in der Sobranje baben. rührt daher, daß sie als eine den Mittelmächten am meisten abgeneigte Partei gelten. Die Maßnahmen des neuen Kabinetts werden außerdem noch scharf überwacht durch eine Kontrollkommission der Entente, deren enalische Mitglieder bereits in Sofia eingetrofstn sind. Ihre Arbeit beginnt in kurzem und die Entstehung von Mißhelligkeiten wird nur als eine Frage von Tagen an^esthen. Man vermutet, daß sie der Entente die willkommene Gelegenheit zu lcharstn Maßregeln gegen Bulgarien bieten. Das Schicksal von Sofia scheint dem von Salonik ähnlich zu werden. Malinorvs Begründung d?s Waffenstillstands. Sofra. 4. Ott. (WB) Meldung der Bulgarischen Tele- graphen-Agentur. Ministerpräsident Malinow führte in der Erklärung. die er in der heutigen Sitzung der Sobranje abaab. aus: Wir alle kennen die ganze Tragweite des Mißgeschicks, das unser Vaterland soeben betroffen hat und beklagen tief dieses Unglück. Wir wisien auch, daß dieses Unglück zum großen Terl der Tatsache zuzuschreiben ist. daß wir nicht rechtzeitig von unseren Verbündeten Hilfe erhielten. Aber geschehen ist geschehen. Es gilt jetzt, sich an die Gegenwart zu halten und an die Zukunft zu denken, um so weit als möglich die Folgen der nationalen Katastrophe wieder gut zu machen. Meine Kollegen und ,ch hätten alles Interesie daran, uns offen auszusprechen.' aber wir wollen in diesem Falle, wie stets, die Interessen des Landes über upstre persönlichen Interesien stellen. Des- halb schlage ich vor, meinen Bericht einer geheimen Sitzung der Ratronalvettammlung zu unterbreiten. — Der Vorschlag des Ministerpräsidenten wurde nach einer kurzen, durch die Opposition der marxistischen Sozialisten hervorgerufenen Debatte angenommen. und die Sitzung wurde als geheim erklärt. Der Vejchluß wurde bereits veröffentlicht. Bemerkungen bes Wolsfbureaus: Wie mit von zichänbiger Stelle er Ohren, hoben währenb bes ganzen Krieges deutsche Etreitkrafte deren Stärke bas Moh unserer Verpflichtungen weit iiberschritt der buigoris»en Armee zur Seite gestanden. EM übrigen ist der Zusammenbruch der bulgarischen Armee keineswegs ibrer militärischen Schwäche oder M.nberzghl zuzuschreiben. sondern dem Versagen des Geistes der Truppen. Aeußsrnngen des Exzaren. Dndspeft. 6. Okt. Exzar Ferdinand von Bulgarien äußerte gegenüber dem hiesigen bulgarischen Generalkonsul Sztojanov- fes er werde nun als einfacher Bürger der Wisienschästen. be- Inders der Botanik leben. Die Anschuldigung, als habe er ein Doppelspiel getrieben, fei falsch. Er fei den Bundesgenossen gegen,iber immer loga! gewesen und Hobe es auch bleiben wollen. Die unerwarteten Ereignisse hätten olles umoestürzt Die Lage bot es m„ sich gebracht, daß er abbankte. Im Interesse ^ " Marien verfassen müssen T " 6nbc ben Krieg nicht weiter führen wollen und er sei ,n Widerspruch nnt dem Volk goraien. In Sofia habe es große Ruhestörungen geneben. Sofort nach der Abdankung habe er ^ rei " * wis ein Manifest lassen SCt4 ‘ Unb M vorschriftsmäßig kirchlich lrönen mittag weitere Aendervngen in demokratischer Richtung voran nommen. indem er das Vetorcchc der Krone in der Frage bet' Landesverteidigung beseitigte. Die Abstimmung im zeigt daß trotz dieses weitgehenden Entgegenkon.mcns die m,- die Durchdringung der Vorlage in der gegenwärtigen Sessia,,. erforderliche Mehrheit schwerlich zu erlangen ist. kin Aiifrut des ph,iMjni Regkntlchlrftsrals. Warschau. 7. Okt. (WB.) Der Polnische Negentschaftsra» erließ an das polnische Volk einen Aufruf, in dem betont wirL. daß in dieser Stunde der Wille des polnischen Volkes klar, ra* Rieben und einmütig fei. Unter Hinweis auf die von Wilian bckanntgegebenen allgemeinen Friedensprinzipien, die jetzt vo- der ganzen Welt als Grundlage für die neue Einrichtung de, Zusammenlebens der Völker angenommen worden seien, heisrt es wörtlich: ^zn Bezug auf Polen führen diese Prinzipien zur Schaffung eines unabhängigen Staates, der alle polnischen Gebiete umfaßt, mit einem Zugang zum Meere, mit politischer und Wirtschaft, licher Unabhängigkeit, wie auch mit territorialer Integrität, was durch internationale Verträge garantiert wird? Um di? ses Programm zu verwirklichen, muß das polnische Volk wie ein Mann auftreten und alle Kräfte anspannen, damit fein Wille von der ganzen Welt verstanden und anerkannt werde. Zu diesem Zweck bestimmen wir: Erstens, den Staatsrat aufzulösen; zweitens, sofort eine aus Vertretern der breitesten Schichten des Volkes und seiner politischen Richtungen zusammengesetzte Regierung zu berufen, drittens, dieser Negierung die Verpflichtung aufzuerlegen, zusammen mit den Vertretern der politischen Gruppen ein Wahlstatut für den auf breite demo- .ratische Prinzipien gestützten polnischen Landtag auszuarbeiten und dieses Statut spätestens innerhalb Monatsfrist dem Ne- gentschaftsrate zur Bestätigung und Bekanntmachung vorzulegen viertens, unmittelbar darauf den Landtag einzuberufen und feiner Bestimmung die weitere Einrichtung der obersten ftaat- lichen Gewalt zu übergeben, in deren Hände der NegentschaftZ- rat in Uebereinstimmung mit dem von ihm abgelegen Eide feine Gewalt niederzulegen hat. Polen! Unser Geschick rußt schon jetzt in bedeutendem Maße in unseren Händen. Erweisen wir uns der mächtigen Hoffnungen würdig, welche unsere Väter über ein Jahrhundert hindurch in Unterdrückung und Not nährten. Möge alles verstummen, was uns untereinander trennen kann, möge nur eine mächttge Stimme erschallen: Das vereinigte unabhängige Polen. gez. Erzbischof Kakowstt. v. Ostrowski. Fürst Lubomirski, Mrnlsterpräsident Kucharzewski. Jt'etttatcverlnch j» Kelgrad. 8 TT T : Dft - lMB.) Wiener K, K. Korr.-Bur, Am E b. M -b-obs wurde geoev ben MiNIär-Generalaouverneur Eenera,obersten Frhrn. 0 . N h e w e n ein Anschlag versuch. Di! ^nahnqe Belgrader Einwohnerin Lepcsavo Dolinovic wollte iln lfT''"“ 1 COt bm 5,01015 cin Bittgesuch über, rc (5cn, wöbe, sie einen geladenen Revolver in der Sand trng 2 b °vv" ^-brauch machen kannte, wurde Ne dank der Ge?- st-ogenenwart des Versonalabjutanten Rittmeisters Lol-chewii, entwni'net und der Miliiärpolizei übergeben. Die Erhebungen ergaben, daß es sich um die Tat einer hochgradig hysterischen SSSTifi ÜS ln TT, " e8en Bffentli(Be ‘ Ruhestörung Finnland. Seine Mehrheit für die Monarchie. S-lstnafors. 7. Dft. (MB.) Der Landtag hat In zweiter Tesung den neuen Derfassungsentwurf mit SR gegen S4 Stirn, men angenommen. Der groß« Ausschuß hatte noch am Vor. Kein Isüdiiritt des Herrn non Lern. Sie Meldung, daß bet Ehef des Zivikkablnetts Seit Vs, Berg aus dem Amte scheiden werde, wird von dem „Tag" al» ihm von kompetenter Seite als unzutreffend bezeichnt demen. trert. Selbstverständlich habe Herr v. Berg auch seinerseits die Konsequenzen erwogen, die sich für ihn ans der Neuorientierung unseres Regierungssystems ergaben. Solange aber die Krone auf feine Dienste nicht glaubt verzichten zu sollen, febe Herr v Berg keinen Grund, aus dem Amte zu scheiden. Im Zusammen- hang damit sei eine Mitteilung der „Liberalen Korrespondenz" erwähnt, daß der Reichskanzler Prinz Max von Baden nicht von den Mehrheitsparteien in Vorschlag gebracht worden sei. st,ne Kandidatur fei vielmehr vom Chef des Zivilkabinetts' Herrn von Berg aufs eifrigste gefördert worden. Demnach war also die ausgiebige und flammende Entrüstung der Mehrheits- Parteien über die „ungehörige" Einmischung des Herrn vop Berg vollkommen fehl am Orte. Die großen Umwandlungen in der Reichsregierrmg dürsten, wie die „Vossische Zeitung" erfahren haben will, auch die Ver^ baltnlsie in Elsaß-Lothringen nicht unberührt lasten Die Stel- lung des Statthalters v. Dallwitz gilt als schwer erschüttert und man erwartet seinen baldigen Rücktritt. Er soll anaeblich durch den Oberlandesgerichtspräsidenten von Köln. Frenken. ersetzt rm-rden. der früher Staatssekretär in Elstß-Lotbringen war und aus den Kreisen des elsässischen Landtages als besonders er. wünscht bezeichnet wird. Ferner wird geplant, elsässische Landtagsabgeordnete als Unterstaatsiekretäre in die Landesregie, rung aufzunehmen. - ^err v. Dallwitz erfreute sich ja immer der besonderen Abneigung der demokratisch orientierten Par- teren. ^ Rücktritt von Waldams. . Derlm, 8. Otk. Wie die „Frankfurter Ztg." mesdek. reichte der Staatssekretär des Kriegsernährungsamtes, von Waldow, sein Entlassungsgesuch ein. Eine Entscheidung ist indessen bisher noch nicht getroffen. (Als Nachfolger gi'^ wie schon geineldet, der Führer der christlichen Gewerksä-asten Stegerwald. ‘ s'lNlß Sliiflföffbrdür von ssl'AWjr'lM!! Straschurg, (Elf.). 8. Okt. Wie die „Frankfurter Ztg.^ aus zuverlässiger Quelle erfährt, ist der Neichstagsabge. ordnete Haust. Vorsitzender der Zentrumsfraktion des Land- tags, als Nachfolger des stündlich auf seinen Abschied wartenden Frhrn. von Tsch-amnier zum Staatssekretär von Elsast-Lothringen ausersehen. Abiin-mng dsg Ariiluls 9 ttr Ncrlirssii'!". Berlin, 8. Okt. (WV.) Der Dundesrat nahm den Eniwurj des Gesetzes zur Abänderung der Neichsvcrfastung und des Ge. sttzes betreffend Stellverlretung des Reichskanzlers vom 17. 3 1878 an. (Es handelt sich dabei um die Abänderung der oiet. erörterten Artikel 9 und 21 der Reichsoerjastung. D. Red.- Asm neuen Reichskanzler. Fm ersten Band seine? Dismorckbuches schreibt der Gründer -SS Deutschen Reiches' „Seine Königliche Hoheit (der Groß- Ler-og von Baden) hat bei meiner Entlassung die Hand mit im Spiele gehabt und mehr al? einmal dem Kaiser vorgestellt. wie notwendig es sei. das; er sich von mir trenne. Er hat es mir «?ohl nie recht vergessen tonnen, daß ich mich seinerzeit der von ihm gehegten elfaß-lotbrinoüchen Wünsche versagt habe, und Lei meinem Druck aus die Schweiz (Wohlgemuth-Affäre. Rieder- lassungsvertraq) hat er befürchtet, daß ihm seine badischen Fensterscheiben von der benachbarten Schweiz eingeworfen werden könnten Sonst habe ich ihm meine? Wissens keinen Anlaß gegeben. Partei gegen mich zu ergreifen, namentlich nicht in der Weise, wie es geschehen zu sein scheint." Eine zeitgemäße Erinnerung? Heute ist ein Nachkomme diese? Großherzogs von Baden zum Reichskanzler bestellt, von jener Reichstagsmehr- heit. gegen die Bismarck einen mehr als zwanzigfährinen Kampf geführt hat. — Zu den bereits gebrachten biographischen Notizen sei noch erwähnt, daß Prinz Mar. mit der Prinzessin von Cumb''rlond. der ältesten Schwester des Herzogs Ernst August von Braunschweig, vermäblt. an der Aussöhnung des Hoben- zotlernbouses mit den Wellen und der Vermahlung der Prinzessin Viktoria Luise von Preußen (Koiserwckter) mit dem Herzog von Vraunschweig großen Anteil gehabt hat Eine r et*«l*nro.-^er'a m in!nng. Eine stürmische Dernburo-Versommlung hat am Sonntan in Chemnitz stattgefunden. Dernbnrg sprach dort für den Völkerbund und besprach die D.'wokrotisterung und Parlamentarr- sierung des Reiche?. Einen ungerechten und denn"'tia.m den Frieden dürften wir nie anerkennen Be' einzelnen Stellen, an denen der frühere Staatssekretär KriegLurfocke und Kri-ms- verläna-'rung lediglich auf Deutschland zurückfübrte und Englands Wirtfchattsneid und W-'lfb-rrfckwftspolPik überging, machte stch in der Versammlung stürmischer Widersvruch geltend Es kielen Zwischenrufe: „Sie vertreten die Interessen des Auslands " Genen den Fwedensvarlcksag wendet stch der bekannte freisinnige Politiker Walter Rathenau mit folgenden Worten' ..Wir wollen" so schreibt er. Frieden. Wir wie weniae haben gemabnt und gewarnt, al? keine Regierung daran dachte, der Wahrheit ins Auae zu blicken. Run hat man stch binreißen lallen im unreifen Augenblick, im unreifen Entschluß. Nicht im Weichen mußte man Verhandlungen beginnen, sondern zuerst die Front befestigen. Die Gegner mußten feben, daß der neue Geist des Staates und Volkes auch den Geist und Willen der Kämpfenden kräftige. DaNn mickte Wilson gefragt werden, was er unter den verfänglichsten feiner 14 Punkte verstehe, vor ollem über Ellaß-Lothrinoen. Polen und die Entschädiaunaen der westlichen Gebiete. Die verfrühte Bitte um Waffenstillstand war ein Fehler, das Land ist ungebrochen, feine Mittel uner- fchöpft. feine Menschen unermüdet. Wir sind gewichen, aber nicht fleschlaaen. Die Antwort wird kommen, sie wird unbefriedigend sein', mehr al? das- zurück^eifend. demütigend, uberfordernd Hat man da? überleben? Wer die Nerven verloren hat. muß besieat werden. Mit der Festiguna mußte begonnen, mit dem Fvnkfpruch geschlosten werden: dos Umgekehrte ist geschehen und nichts mehr zu ändern. Unser Wort müssen wir halten. Kommt jedoch die unbefriedigende Antwort, die Antwort, die den Le- bensroum uns kürzt, so wüsten wir vorbereitet sein. Die nationale Verteidiauna, die Erhebung des Volk? muß eingeleitet, ein Verteidiounosamt errichtet werden. Beides.tritt nur dann in Kraft, wnn die Note es fordert, wenn man uns zurückstöfst: doch darf kein Tag verloren gehen. Dos Amt ist keiner bestehenden Behörde anzuglie^ern. e? besteht aus Bürgern nnd So^dot^n und bat weite Vollmacht. Seine Aufgabe ist dreifach: Erstens wendet e? stch im Aufruf an da« Volk in einer Sprocke der Rückhaltlosigkeit und Wahrheit. Wer stch berufen fühlt, mag sich melden Es gibt ältere Männer aenug. die gesund. voll Leidenschaft und bereit sind, ermüdeten Bürgern an der Front mit Leben und Seele .zu bellen. Zweitens wüsten alle die Feldarauen zur Front zurück die man beute in Städten, auf Babnb^'fen und in Estenbahnen stebt. wenn es auch für manchen hart fein mag. den schwer verdienten Urlaub zu unterbrechen: dritten? musten ln Ost nvd West, in Etappen und im Hinterlande, auf Kanzleien. Wocktstuben in-d Truppenplotzen die W^ffentraa^nden ausgesiebt werden. Was nütz-u un? beute noch ^"^ßnn^en und Eruditionen in Rußland? ..Wir wollen." fo schließt Natbengu. „nicht r^rieg, sondern Frieden, doch nicht den Frieden der Unterwerfung.^ 20 Millionen Mark gestoben. Bei einem Diebstahl auf dem Hofpostamt in Berlin in der Nacht zum 25 September sind den Dieben 70 Millionen Mark in unverzinslichem Reich?schatzanweisungen. die am 30. Septbr fällig waren, in die Hände gefallen. Als günstiger Umstand ist Zu betrachten, daß bisher noch kein gestohlener Reichsfchatzfchein der Reichsfchuldsnverwaltuna präsentiert worden ist. Do? läßt d'e Vermutung zu. daß die Veräußerung de? Raubes noch nicht gewagt wurde Der Diebstahl ist nur durch grobe Verstöße einzelner Beamten möglich geworden Die Untersuchung wurde natürlich soiort eiiigeleitet Für das Vorkommnis stnd in erster Linie die Kr'.egsverhältnisse verantwortlich zu machen, die auf verantwortliche Stellen vielfach Leute gebrockt haben, die unter normalen Verhältnissen niemal? solche Posten erlangt hätten. Die Personalnot bei der Post hat. ebenso wie bei der Eisenbahn. heute einen Umfang erreicht, der es geradezu verwunderlich erscheinen laßt, daß der Betrieb überhaupt noch so. wie es geschieht. aufrecht erhallen wird. Welche Verhältnisse heute bei der Post einaeristen stnd. gehl auch daraus hervor, daß türrlick Lei einem rheinischen Postamt das gesamte weibliche Personal — gegen 30 Personen — festgenommeg werden mußte, weil es ganze Sendungen gestohlen hat. dringen dem £andn>trt flrbc.t aber auch ertragreiche Ernte. Umsonst wäre seine Mühe, wenn der §einäe Uebermachi siegte, ver deutsche Lauer von echtem Schrot und Uorn darf nicht gleichgültig WkL. bleiben wenn deutscher Heldenarbeil guter Ertrag be-chieden fein soll. Deutscher Lauer, sorge bei der Uriegsanieihe für eine reiche Ernte deutscher Darkraft. Wahrheit nnd Dichtung. Dr sozialdemokratische Abg. Tr. Landsberg hat kürzlich in Essen eine Rede gehalten, die (nach dem Bericht der „Köln. Ztg." 862) ein fei)'* buntes aber bemerkenswertes Gemisch von Wahrheit und Dichtung darstellt. Wenn der fozialdemokra1isck>e Redner offen gesagt hat: „Wir haben andere (das bezieht sich auf das Ausland) nickst gehaßt wir sind geblieben, was wir waren, international, so verdient diese Versicherung mit einem „Sehr wahr" unter- stiichen und denjenigen Politikern zur Beachtung empfohlen zu werden, die es heute nach Bewilligung von Kriegskrediten auch durch Sozialdemokraten als böswillige Verleumdung hinstellen möchten, wenn die deutschen Genossen noch internationaler Gesinnung bezichtigt werden. Als Dichtung oder Schönfärberei zugunsten seiner Partei muß die Behauptung Landbergs angesprochen werden. daß die Sozialdemokratie sich in der Stunde der größten Gefahr (bei Kriegsausbruch) vor das deutsche Volk gestellt babe. Nicht vor das deutsche Volk haben sich die international- sozialdemokratischen Führer damals gestellt, sondern höchstens dahinter, weil sie klar erkannten, daß sie sonst von der mächtig aufbrausenden Woge nationaler Begeisterung einfach binweggeschwemmt worden wären. Aebnlich muß die weitere Bebauptung bewertet werden: „Der Geist, der am 4. August 1914 vom Reichstagsgebäude llusging. bat die Rettung gebracht. Er hat e? fertiggebracht, daß der Krieg ins Ausland getragen wurde. In welcher Lage wären wir beute, wenn wir deutsches Land statt fremdem vor dem Feinde hätten räumen muffen?" Der OScift. der dama's vom Reichstagsgebäude ausging, war nickst? weiter als der Widerhall des patriotischen Schlachtreifes. der aus dem deutschen Volke heraus um die Mauern des Reichstagsgebändes brandete, Unserer in immer wieder- kehrendem schwerem Ringen mit den unter dem deina- oogischen Druck der Sozialdemokratie knanscrndenReichstags- Parteien mühsam ausgebauten Kriegsrüstung verdanken wir es neben jener aufflammenden nationalen Begeisterung des deutschen Volkes, daß wir den Krieg in Feindesland hinein- trugen und dort noch fetzt führen können. Hätten die Sozialdemokraten und die unter ihrem Druck stehende bi'irger- licke Demokraten nicht immer als Rüstungs'Hemmschuhe gewirkt. dann wäre wahrscheinlich eine Unterbrechung des sieghaften Vordringens 1914 überhaupt nicht nötig, eine Niederwerfung der damals noch nickst so zahlreichen Feinde im ersten kurzen Ansturm möglich gewesen, wir batten Jahre des hlmi > .'n verlustreicken Ringens sparen können. Hier in Ellen legte auch Abg. Tr. Landsberg wieder einmal das Bekenntnis für feine Genossen ab. es sei ihnen klar daß das deutsche Volk wenn es in diesen; Kriege unterlag. verloren war, und in erster Linie die deutsche Arbeiterklasse. Wie reimt sich mit diesem Geständnis die sonst immer beliebte deniagogisck>e Darstellung, die Arbeiterklasse habe Anspruch auf ganz besondere Belohnungen und Begünstigungen auf Kosten der anderen Klassen, weil sie im Kriege ihre Bürgerpflicht angeblich nur zugunsten dieser andern erfüllt habe? Als ein Genusch von Wahrheit und Dichtung will e? uns erscheinen, wenn Tr. Landsberg dem früheren Reichskanzler Michaelis die zur Zeit der Verzichtsfriedensresolution des Reichstages (Juli 17) angeblich dem Genossen Scheidemann gegenüber getane Aeußerung in den Mund legt: „Den Frieden, den man nach Ihnen nennt, schließe ich lieber heute als morgen» aber man darf es nicht öffentlich sagen, weil dann das Ausland die Lage Deutschlands als verzweifelt betrachten würde." Die im Vordersatz ausgedrückte Bereitwilligkeit zum Abschluß selbst eines Scheidemann-Friedens können wir dem damaligen Reichskanzler nicht zutrauen, da muß wohl ein Hörfehler oder eine verschiedene „Auffassung" über die Bedeutung eines reinen Scheidemann-Friedens für ups * r- liegen. Ter Nachsatz dagegen enthält eine Wahrheit, die auch heute noch voll und ganz Geltung hat und die von allen Staatsmännern des Vierbundes anerkannt werden sollte. Gab doch selbst Tr. Landsberg im Anschluß an diese Kundgabe zu, daß bei Clemenreau und Lloyd George niit Frie- densanerbieten nichts zu erreichen sei. Aus die hinter diesen führenden Staatsmännern stehenden Völker aber haben die wiederholten Friedensanerbietungen von unserer Seite bisher auch noch keinen andern als auch von Mick)aelis voraus- gesagten Eindruck genmcht. E« wird also doch wohl /nichts anderes übrigbleiben, als den Krieg mit dem Schwerte zu beenden. Das aber will die deutsche Sozialdemokratie nach Aeußenung Landsbergs nicht, selbst wenn es möglich wäre,"-- weil das angeblich nur eine Atempause darstellen würde. Ja, wie will sie denn zu einem Ende kommen, das die Zu- kunft des deutschen Volkes, in erster Linie auch der deutschen Arbeiterklasse sicherstellt, das eine unerträgliche Absperrung des deutschen Wirtsckxcktslehen? vom Weltmarkt und de* Rohstoffzusuhr für die Industrie verhindert?? ^ Rom Felde der Ehre. Friedberg. Gefreiter Heinrich Thomas und Land» sturmmann Geißler von hier, beim Landstnrm-Jn- fanterie-Bataillon Friedberg, erhielten das Eiserne Kreuz. Groß-Karbcn. Der Landsturmmann Lanz von hier beim Landsturm-Jnfanterie-Vataillon Friedberg erhielt die Hessische Tapferkeitsmedaille. Ans der Friedberg. 9. Okt. Die Aufdeckung der Geheimschlächterei in Vad-Nauheim wird fortgesetzt in d-r Presie besprochen. Wir können versichern, daß von zuständiger Seite alle? getan wird, um die Mißstände zu beseitigen. Es liegt durchaus kein Grund zu der Annahme vor. daß mit zweierlei Maß gemesien werde und etwa die dortigen Hotels und Sanatorien eine Bevorzugung genosien. Die Untersuchung wird gegenwärtig von dem zuständigen Gerichte geführt: sobald diese beendet ist. wird sich die Verwaltungsbehörde mit dieser Angelegenheit beschäftigen und weitere Maßnahmen treffen. Briesbestellung. Vom 11. Oktober ob llnden zwei Briefbestellungen statt, um 3 Uhr vormittags und 314 Uhr nachmittags. sr. Hanau, 7. Okt. Die hiesige Flesicherinnung hat für die Regieschlachtung den Kaufmann Jakob Meusert al? Buchhalter angestellt.'der durch unrichtige Führung der Scheckliste nach und noch den Betrag von 4600 Mark veruntreut hatte. Zu seiner Entschuldigung gab er an. daß er mit dem Gehalt von monatlich 250 Mark den Unterhalt für sich und seine Familie nicht habe bestreiten können. Die Strafkammer erkannte aus 1 Jahr Gefängnis und 300 Mark Geldstrafe. Au? Starkraburg. Darmstadt. 7. Okt. Der Pferdedieb, welcher in der Rach, zum 30. September d. I. dem Postballer Walther dahier auL dem Poststalle ein etwa 10 000 Mark wertes Pferd gestoh.^ hat, wurde durch den Offenbacher Kriminalschutzmonn Eber.« Hardt in der Person de? mehrfach vorbestraften Deserteurs I. Wilbelm aus Ollen.bach erwischt und sestgenommen. er hat da», Pferd an einen Pferdehändler in Oöerursel für 2500 Mark ver kauft. Bei dem Diebstahl, wie auch bei dem Verkauf wirkte auch eine weibliche Hilfe Marie Walter aus Ofienbach a M mit. Sie ist ebenfall? in Sicherheit gebracht. Den aleiches Weg hat auch ein Pferd mit Waaen genommen, den Wilhelm vor etwa 14 Tagen in Ottenbach gestohlen hot. er bat das Pferd demselben Händler in Oberursel für etwa 1500 Mark verkauft. Weitere Personen scheinen bei den frechen Diebstählen eine ge» wisie Rolle zu spielen. Offenbach a. 7. Okt. Eine umfangreiche Diebs- mrd Hehlergefchichte spielte heute wieder einmal vor der hiesig«'-! Strafkammer. Sieben Diebe und Hebler. von denen der mehrfach vorbestrafte fetzt beim Heere befindliche Ehr. Wilb Hosf- monn au? Offenbach die Hauptrolle spielte, zieren die Anklagebank. Sie haben etwa ein Dutzend schwerer und einfacher Diebstäble, hauptsächlich Wäsche, im Gesamtwerte von über 10 000 Mark, Kleider, Schuhe. Stiesel. Leder. Lebensmittel usw im Werte von über 200» Mark sowie Zigarren usw. für etwa 1000 Mark, teils allein, teils mit anderen zusammen gestohlen. Auch Stallhasen im Werte von nahezu 300' Mark wlirden ihre Beute. In den meisten Fallen wurden dabei die Scklöster von Türen. Fenstern. Zäunen usw. erbrochen. Hofsmann wird unter Zubilligung mildernder Umstände, sowie unter Einbeziehung einer beim Militär erlittenen Strafe zu einer Gesamtstrafe von 7 Jahren Gefänani? und 5 Jahren Ebrverlust sowie Entfernung aus dem Heere verurteilt. Bier Monate Untersuchunas- halt werden ihm angerechnet. Al? Hauptbeblerin kommt d'e mehrfach vorbestrafte Eva Abt Ehefrau geb. Dutine in Betracht, welche die meiste Wäsche kaufte und in Anbetracht ihrer Dar. strafen 3 Jahre 6 Monate Zuchthaus abzüglich 9 Monate Untersuchungshaft. sowie 5 Jahre Ebrverlust erbält. Weiter wurden bestraft: die Ehefrau des Hasimann geb. Stegmann zu 2 Jahren 6 Monaten Gefänani? abzüglich 6 Monate Hakt, du Ehefrau Morie Frank in Bieber geb. Steomann zu 3 Monates Gefängnis. Metzger und Tllirt Gottl. Fr. Doi'tzer in Dietesheim, euch zum Heere eingezogen, zu 1 Jahr 3 Monaten Gefängnis und die Ehefrau Doutzer Morg. geb. Goldinaer wegen Hehlerei zu 1 Jahr 6 Monaten Zuchthaus abzüglich 6 Wochen Hastz ebenso 5 Jahre Ehrverlust. Eine weitere Angklagte wurde frei- gesprochen. Berantworllicb für den poütifckwn und lokalen Xeii: Ctto Hirsche!. Friedberg: für den Anzeigenteil: R H ev n er. Fnedberg. Truck und Bering der „Neuen Tageszeitung^ A G.. Friedberg i Herzerrskämpse. Nom an von Helene Cchü 1 ky, geb. von Eersborfs. (Oozr^ttgdl 1915 by C. Ackermann-Stuttgart.) 11) Nachdruck verboten. ..Em. Majestät beglücken meine Gattin und mich aufs Ti siie -urch diese gnädigen Worte", sagte der Kommerzienrat, IlUsaä Uch von dieser Freundlichkeit sehr gerührt. „Es ist ja die grösste Auszeichnung, die meinem bescheidenen Hause widerfahren kann, wenn Ew. Majestät es hie und da mit Dero Besuch beehren." »Ich komme wieder, komme nächstens wieder", lächelte die Königin gütig, während die Kommerzienrätin vor Wonne über dies vertragliche Gespräch vor der ganzen versammelten Hautevolee, das ihre nahen Beziehungen zu der allerhöchsten Person so deutlich ins Licht setzte, dunkelrot im Gesicht, mit freudestrahlenden Augen und hochklopfendem Herzen dastand. Vielleicht war dies der Höhepunkt ihres Lebens. Sie fühlte sich wolkenlos glücklich und mußte in späteren trüben und dunklen Stunden, die auch diesem bisher verwöhnten Schoßkind des Glücks nicht erspart werden sollten, oft an diesen. — für ihr indioi duelles Gefühl, — großen Moment zurückdenken. „Und wen haben wir da?" fuhr die Königin fort, welche schon während ihrer Unterhaltung mit Herrn und Frau Antel- mann ihre Blicke prüfend auf der in anmutig sicherer, doch bescheidener Haltung dastehenden Hilde hatte ruhen lasten. „Ah" meinte sie dann, wie sich besinnend, „ich weiß, Ihre Nichte, liebe Kommerzienrätin, von der Sie mir schon erzählt haben? Freut Mich, liebes Kind, Sie kennen zu lernen!" Hilde war herangetrelen und verneigte sich mit heißen Wangen tief über die ihr zum Küste dargereichte Hand der kö niglichen Frau. „Nun. hoffentlich wird die Heimat Sie jetzt länger festeln. vielleicht gelingt es einem unserer Kavaliere, Eie dauernd fest zu halten! Daß würde uns sehr freuen. Seine Majestät und mich, denn wir verlieren nur ungern so viel Schönheit und Anmut an das Ausland." Alle hörten diese außerordentlich schmeichelhaften Worte. Es gab indesten Skeptiker darunter, welche ironisch lächelnd meinten, die Schönheit und Anmut hätte man vielleicht leichter von hinnen ziehen lasten, als die unerwähnt gebliebenen Millionen. Freundlich nickend schritt die Königin weiter, richtete noch hie und da ein Wort an andere Begünstigte, um sich dann in einem etwas erhöht gestellten Armsessel niederzulasten, wo sie. umgeben von ihrem Hofstaat, die Gesellschaft beobachtete und sich hie und da eine bevorzugte Persönlichkeit zu kurzer Konversation heranbefahl, während Hoflakeien Erfrischungen herumreichten. die stehend verzehrt wurden. Auf einem Mink des Hofmarschalls Irai Leutnant von Germshoff vor und verkündete: »Ihre Majestät die Königin Littet die Herrschaften, sich nach Belieben zwanglos im Park ergehen oder auch hier im Saal bleiben zu wollen. In einer halben Stunde wird der Tanz mit einer Polonaise beginnen, wozu ich die verehrten Gäste ergebenst ersuche, sich wieder hier einzufinden." Nach diesen Worten ein allgemeines erleichtertes Aufatmen, da nun der steifste. nur allein der konventionellen Etikette gewidmete Teil des Hoffestes vorüber war. Eine sanfte Musik, von dem trefflich eingeschulten Militär-Orchester ausgeführt. ertönte aus den geöffneten Türen des in einem andern Flügel des Schlostes gelegenen TanzfaaleZ. Der größte Teil der Ein- geladcnen beeilte sich, der Aufforderung ihrer hohen Wirtin geinäß, draußen im Park frische Luft und womöglich etwas amüsanten Flirt oder auch ernstere zwanglose Unterhaltung zu suchen. Nur diejenigen, meist ältere Gäste, welche keinen Moment der allerhöchsten Gegenwart und damit vielleicht eine llhance, bemerkt zu werden, verlieren mochten, blieben standhaft im Saal: es waren vorwiegend solche, die unter dem Namen „Streber" bekannt sind, oder auch die harmlose Spezies derjenigen, welche nur von dem neugierigen Verlangen beherrscht wurden, diese ihnen sonst verschlostene Welt des königlichen Hofes einmal in der Nähe beobachten zu können. „Germshoff, auf ein Wort!" wandte sich Gräfin Plesten an den eben davoneilenden Neinhold, welcher gerade im Begriff war, diese kleine Pause zum Begrüßen seiner nächsten Freunde draußen hu Park zu benutzen. „Majestät hat mich beauftragt. Ibnen einen kleinen Wunsch auszufprechen. Cie möchte, daß ! Sie die Polonaise mit Fräulein Antelmann eröffnen, — sie ist ganz entzückt von der jungen Dame und will sie durchaus so auszeichnen, daß sie nicht wieder „durchbrennt." Gnädigste Gräfin, der allerhöchste Wunsch ist mir selbstverständlich Befehl," erwiderte Neinhold, „aber ob die Ausführung desselben den gehofften Effekt haben wird, wage ich nicht zu behaupten, denn Fräulein Antelmann ist durchaus anders, wie unsere durchschnittlichen jungen Mädchen." „Nun. tun Sie immerhin Ihr Möglichstes. Gerrnshöffchen!" meinte die Gräfin lachend, „es wäre doch der Kuckuck", setzte sie in ihrer drastischen Sprechweise hinzu, „wenn unser schneidiger Kavalier das nicht zu Stande bringen sollte. Aber Sie machen wirklich ein Gesicht, als hätte man Ihnen eine unangenehme Zumutung gemacht. Ist es denn so schlimm, mit der hervorragendsten Schönheit des Tages tanzen zu sollen? Das ist mal eine verschrobene Jugend heutzutage!" Reinholds Herz klopfte zum Zerspringen, halb vor Jubel, halb vor Bangigkeit. Nun gab es kein Ausweichen, — er mußte. Er sollte sie, die Herrliche, so heiß und hoffnungslos Geliebte. während der Dauer dieses schicksalsschweren Tanzes an seiner Seite haben, als zu ihm gehörig, er sollte ihre Hand halten. er sollte mit ihr allein reden, er sollte sie beim Schlußwalzer umfangen und einzige selige Sekunden lang ihr Herz an seinem pochen hören! Troß dieses Taumels, der ihn ergriff, sagke'M sich: „Vorsicht! «ergiß deine Vorsätze nicht!" Schnell eilte er hinaus, um die versäumte Zeit dnsn&rfeC Konnte ihm nicht schon ein anderer, der Marquis z. L. fam* gekommen sein? Eigentlich hatte er Frieda Tronthei» «efto* lern wollen. Aber für sie hatte er jetzt nicht einmal eine» tißen Gedanken. Arme Frieda, die vergebens auf ^ a*«* men wartete und deren Herz immer schwerer und schwerer warvef Nach einigem Suchen entdeckte er Antelmanns in einem ab* gelegenen Parkwege, wo Tante Ella und Hilde auf einer saßen, während der Kommerzienrat und selbstverständlich der Marquis vor ihnen standen, damit beschäftigt. Hilde eine große Anzahl junger Herren vorzustellen, die sich beeilten, der eben am Gesellschaftshimmel aufgehenden neuen Sonne ihre Hub« digungen darzubringen. Nachdem Reinhold Onkel und Tante begrüßt hatte, wandt« er sich ohne weiteres an Hilde. „Mein gnädigstes Fräulein, darf ich um die Ehre zur Polo, naise bitten?" Hilde sah ihn erstaunt an. Was fiel ihm ein? Nachdem er sie bis jetzt kaum jemals direkt angeredet hatte, nachdem sie* bisher so zu sagen, Luft für ihn gewesen, jetzt plötzlich diese Aufforderung, welche von ihm. als Vortänzer, die größte Auszeichnung bedeutete! Sie zögerte einen Momnt, sie war faktisch ver. blufft. Dieses Zögern war ein gewisser Triumph für den Marquis. Er glaubte daraus zu erkennen, daß sie nur ungern dem jungen Offizier ihre Zusage geben und lieber mit ihm den wichtigen Tanz ausführen wollte. „Gestatten Sie, Herr von Germshoff", fand er sich daher befugt, zu Neinhold zu sagen, „ich hatte bereits die Ehre . . „Sie irren. Herr Marquis", erklang aber da Hildes ruhiae Stimme, „es ist die erste Francaise, welche ich Ihnen versprach, nickt die Polonaise, Herr von Germshoff, da ich noch frei bin. nehme ich Ihre Aufforderung mit Vergnügen an." In den Augen des Marquis blitzte es zornig auf; dunkle Glut schoß in fein sonst bleiches Gesicht und ein finsterer Blick traf Neinhold. Doch verneigte er sich schweigend. Hilde aber hätte nicht anders handeln können und wenn es ihr Leben gekostet hätte. Von ihm gewählt zu sein, mit ihm tanzen zu dürfen? Ein Freudenstrom durchrauschte sie. Und ihn gar zurückweisen um des Marquis willen? Unmöglich! Welch ein Glück, daß sie die Polonaise wirklich noch frei hatte! Aber wäre sie auch versagt gewesen, sie hätte ihm doch nie av- zusagen vermocht. Nachdem Reinhold sich die Polonaise gesichert hatte, trat er mit zeremonieller Verbeugung zurück und begrüßte in liebenswürdiger Art den Kommerzienrat und feine Frau. Hilde wieder den sich eifrig um sie bemühenden Herren überlassend. Sie aber war. trotz ihrer gesellschaftlichen Gewandtheit, kaum im Stande, ihre Zerstreutheit zu verbergen. (Fortsetzung folgt.? Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei dem schweren Verluste meines knnlgstge liebten unvergeßlichen Satten, unseres lieben Sohnes, Bruders, Schwiegersohnes, Schwagers und Onkels Herrn Leutnant d. Nes. und Komp.-Führer im Leibg.-2nf.-Reg. Nr. 115 sagen innigsten Dank Dorheim, den 9. Oktober 1918 2m Namen der trauernden Hinterbliebenen: Luise Winter geb. Zerb. Zu m Sehlaehten Alle Sorten Därme sowie Kinds-, Kalbs- und Zchweineblajen in nur geruchfreier Ware, empfiehlt G. W. Zoll, Friedberg in Hessen. Faiti-iianaische Keüieullllg. ^railnstüikgütcr werden ain 10^ 11. und 12 . Oktober 1918 von Elationen des Direklionsbezirks Frankfurt lMainj zur Beförderung nicht angenommen. Die außerhalb dieser Sperr'age gültige Freiliste für den Stückgutoersand ist eingeschränkt worden. Nähere Auskunst erteilen die Auskunstsstelle für Süteroeikehr, Frankfurt (Main), Hohenzollemplatz 35, sowie die Eüter- absertigungen. Fratt-surt (Main), den 8. Oktober 1918. Königliche Eisenbahndirektion. Saatweizen (»»ff) 1. 'Absaat, *)on Landwirtschafts-Kammer anerkannt, hat abzugeben gegen Saatkarle N. Wittmer, Totlenselderhos bei Vilbel. Zeichnungen an! die neunte Kriegsanleihe nimmt unterfertigte Stelle an den Zahltagen, loaeil IWUCwetclan, von 1—4 Uhr nachmittags entgegen. Vorschuss“ und Kreditverein Reichelsheim. 1 ,8.1). wiMe Mi mit MiniMe mieten gesucht. Offerten unter Nr. 1800 an die Geschäsls- Pelle der „Neuen Tageszeitung". Geschäftsstelle Franksurt a. M., Kronprinzenstraffe 4L (Kronprinzenbau.) — Fernruf Körner 429». öiiroslunden. Montag, Dienstag, Donnerstag, Freitag, nachmittags von 2—4 Uhr. — Geschäftsanzeigen in diesem Raum nur für unsere Wilglie-er; dieselben find kostenlos, jedoch muß bei Auf- gäbe der Anzeige auf die Mitgliedschaft hingewiesen werden. 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