Kummer 235 Einzelpreis ^ LL Montag, den V. Oktober 1918 _ 11 . Jahrgang. Die ..Neue Laues,eituug" ericheint ,eoen Werttag. Repeimäßrge Beilagen „Der Sauer aus Hessen". ..Die Sptnnssube". Se,ugapreis: Bei den Postanitalten oiecrclfäljrlid) tüil 2.70» hinzu tritt noch das Bestellgeld: >-ei ven ^'"-nren monatlich 1.00 Ml. einschliehltch Trägerlohn. Anzeigen: (örund^eile 2b Big., totale 20 Big., Anzeigen von auswans Meroen durch Bo.tnachnahnrH erhoben. Erfiilttmasori Frieddero. DchrMleitnny und Verlag vriedberq shesseni. ^anauerltrahe 12. ^ern'precher 48. Bojtjyeck-Lonto Nr. 48-'»9, Amt Frantsurt a. M. Jrirdritäangrltef re Die Bedingungen MiUon's angenommen. — ForLzehnng der klntigen Kämpfe im Westen. Die feindlichen Angriffe im Wesentlichen abgemieien. — 23000 Tonnen versenkt. *• ^ -- -- - -- - Der deutsche Generalstezk fc== meldet: ==!i W» T. F. töraffre H^trpLqrrrrrLisr, der« 5. Gktostev Amtlich. Westlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe Kronprinz Rupprecht. In Flandern wurden erneute Angriffe des Feindes gegen Hooglede und Noeselare abgewiesen. Gegen unsere neuen Linien östlich Armentieres ist der Feind über Bois Grenier—Fournes—Wingles und über die Bahn dicht östlich von Lens gefolgt. Vor Cambrai zeitweilig auflebende Artillerietätigkeit. Heeresgruppe Boehn. Der Engländer fetzte beiderseits von Le Catelet feine starken Angriffe fort. Er nahm Le Catelet. Die Höhen nördlich und östlich der Stadt wurden gehalten. Der in Beaurevoir eindringende Feind wurde im Gegenstoß wieder geworfem Nördlich von St. Quentin griffen die Franzosen zwischen Sequehart und Morcourt an. In Ledeins und Morcourt faßten sie Fuß. Ledeins nahmen wir wieder. An -er übrigen Front und südlich von St. Quentin scheiterten die feindlichen Angriffe vor unseren Linien. Heeresgruppen Deutscher Kronprinz und G a l l w i tz. Franzosen und Italiener griffen erneut in Teilvorstößen und in einheitlich geführtem Angriff unsere Stellungen auf de mRücken und an den Hängen des Chemin des Dames zwischen Ailette und Aisne an. Schleswig-Holsteinische und württembergische Regimenter brachten die Angriffe zum Scheitern. An der Aisne- und Kanalfront sehr rege Er- kundungstätigkeit. Qestlich von Reims haben wir in vorletzter. Nacht unsere vorderen Stellungen zwischen Prunay und St. Marie ä Py vom Feinde unbemerkt geräumt und rückwärtige Linien bezogen. Der Feind ist gestern über Prunay—Dontrien—St. Souplet gefolgt. Auf dem Schiachtfelde in der Champagne nahmen wir im Gegenangriff die noch im Besitz des Feindes verbliebenen Teile des Höhenzuges nordwestlich von Somme-Py wieder. Nach stärkster Feuervorbereitung griff der Feind beiderseits der von Somme-Py nach Norden führenden Straße in breiter Front an. Unter schweren Verlusten für den Feind sind seine Angriffe gescheitert. Brandenburger und Schles- wig-Holsteiner, Gardefüsiliere, pommersche, badische und rheinische Regimenter zeichneten sich bei der Abwehr des Feindes besonders aus. Beiderseits der Aisne Artilleriekanipf ohne Jnfanterie- tätigkeit. Zwischen den Argonnen und der Maas hat der Ame- rikaner gestrn erfolglos angegriffen. In den Argonnen und am Ostende des Waldes schlug württembergische Landwehr seinen mehrfachen Ansturm ab. Qestlich der Aire stieß er bis in Höhe von Exermont vor. Der Qrt selbst, der vorübergehend verloren war, wurde wieder genonnnen. Beiderseits von Gesnes wiesen badische, elsaß-lothringische und westfälische Regimenter jeden Ansturm von ihren Stellungen ab. Besonders schwer waren die amerikanischen Angriffe, die sich beiderseits der Straße Montfaucon—Bauihe- dille gegen das Woldgelände südlich von Cnnel richteten Wo der Feind vorübergehend in unsere Linien eindrang, warf . ihn sofortiger Gegenstoß wieder zurück. Das Infanterieregiment 4b8 zeichnete sich hierbei besonders aus. Auf dem äußersten linken Flügel des Angriffsseldes haben bayerische Reserve-Regimenter ihre Stellungen voll behauptet. Der Kräfte-Einsatz des Amerikaners bei seinen ge° strigen Angriffen an Panzerwagen, Infanterie und Artillerie war außerordentlich stark, seine blutigen Verluste waren außergewöhnlich hoch. Bei Abwehr feindlicher Panzerwagen zeichneten sich besonders aus: in Flandern Leutnant Becker vom Feldartillerie- Regiment 16, die 3. Batterie vom säckf. Fußartillene-Regi- ment 19 unter Leutnant Postrenecky, Vizefeldwebel Witt der 2. Batterie vom Fußartillerie-Vataillon 127, Oberleutnant v. Glas und Leutnant Encker der 9. Batterie Bauer. ^eldarLillerie-Neaiment 8: in der Champagne und an der Maas Leutnants Niklafser und Stehlin vom 4. Garde-Feldartillerie°Regi° ment, Leutnant Schäfer vom Feldartillerie-Negiment 4, Unteroffizier Rackowski von der Minenwerser-Kompagnie 173, Leutnant Grothe von: Feldartillerie-Regiment 229. Wir schossen in den beiden letzten Tagen 65 feindliche Flugzeuge ab. Leutnant Bäumer errang seinen 40. und 41. Luftsieg. Ter Erste Generalquartiermeister: Ludendorff. Abendbericht. Berlin, 5. Okt., abends. (WTB. Amtlich.) Nördlich von St. Quentin und in der Champagne wurden sämtliche feindlichen Angriffe abgewiesen. Ebenso ist zwisä)en den Argonnen und der Maas der mit starken Kräften fortgesetzte Ansturm der Amerikaner gescheitert. (e äfte entschloß, im Einver- nehmen imt den Verbündeten Negierungen und mit den Führern der Mchiheftsparteien dieses hohen Hauses feft- gelegt worden. Sie enthalten michin nicht nur mein eigenes Politisches Glaubensbekenntnis, sondern auch das des weit überwiegenden Teiles der deutschen Volksvertretung, also der de"!chen Nation, die den Reichstag auf Grund des allgemeinen. gleichen und geheimen Wahlrechts nach ihrem Wunsch zusammengesetzt hat. Nur die Tatsche, daß ich die Ueberzeugung und den Wrllen der Mehrheit des Volkes hinter mir weiß, hat mir die Kraft gegeben, in der sclsiveren und ernsten Zeit, die wir miteinander erleben, die Leitung der Reichsgeschäfte auf mich zu nehmen. Die Schultern eines einzelnen wären zu schwach um 'illein die ungeheure Verantwortung tragen zu können, die der Regierung in der Gegenwart znfällt. Nur wenn das Volk an her Bestimmung seiner Geschicke in weitestem Um- fange tätigen Anteil nimmt, die Verantwortlichkeit also mit auf die Mehrheit feiner frei erwählten politischen Führer sich erstreckt, kann der leitende Staatsmann seinen Anteil an ihr im Dienste des Volkes urch Vaterlandes mit Zuver- sicht übernehmen. Der Entschluß, dies zu tun, ist mir besonders dadurch erleichtert worden, daß in der neuen Regierung auch maßgebende Vertrauensmänner der Arbeiterschaft zu den höchsten Aemtern im Reich gelangt sind. Ich sehe darin die sichere Bürgschaft dafür, daß die neue Regierung von dem festen Vertrauen der breiten Äassen des Volkes getragen ist. ohne dessen überzeugungstreue Gefolgschaft ihr ganzes Handeln von vornherein zum Mißlingen verurteilt wäre. Was ich heute hier ausspreche, sage ich also nicht nur in meinem Namen und in dem meiner amtlichen Mitarbeiter, sondern auch im Namen des deutschen Volkes. Das Programm der Mehrheitsparteien, auf die ich mich stiitze, enthält zunächst ein Bekenntnis zu der Antwort der früheren NeiäMregierung auf die Note des Papstes vom 1. August 1917 und die bedingungslose Zustimmung zu der Entschließung des Reichstags vom 19. Juli desselben Jahres. Es bekundet ferner die Bereitwilligkeit, sich einem allgemeinen Bunde der Völker aufgrund der Gleichberechtigung aller, also der Starken und Schrvach>en, anzujchließen. Die Lösung der vielumstrittenen belgischen Frage sieht es in der völligen Wiederherstellung Belgiens, insbesondere seiner Unabhängigkeit und seines Gebietsumfanges. Auch eine Verständigung über die EntsckÄdigungsfrage soll angestrebt werden. Die bisher geschloffenen gcredensver- träge will das Programm zu keinem Hindernis für den as- gemeinen Friedensschluß werden lassen. Es strebt im be. sonderen an, daß sich in den baltisä>en Ländern, in Litauen und Polen alsbald auf breiter Grundlage Volksvertretungen bilden. Das Zustandekommen der dazu nötigen Voraussetzungen wollen wir ohne Verzug durch Einführung von Zivilverwaltungen fördern. Ihre Verfassung und ihre Beziehungen z« den Nachbarvölkern sollen jene Gebiete selbständig regeln. In der inneren Politik habe ich durch die Methode, in der sich die Regierungsbildung vollzog, klare und feste Stellung genommen. Aas meinen Vorschlag sind die Führer der Mehrheitsparteien zu meinen unmittelbaren Ratgebern berufen worden. Meine Herren! Ich war der Ueberzeugung, daß die Einheitlichkeit der Reichsleitung nicht nur gewährleistet werden sollte durch die bloße schematische Parteizugehörigkeit der einzelnen Mitglieder, sondern ich hielt es fast noch für wichtiger durch die Einheitlichkeit der Gesinnung. Von diesem Standpunkt bin ich ausgegangen auch bei der Wahl meiner Mitarbeiter, die nicht dem Parlament angehören. Ich habe das größte Gewicht darauf gelegt, daß die Mitglieder der neuen Reichsleitung auf dem Standpunkt des Rechtsfriedens stehen, unabhängig von der Kriegslage, und daß sie sich zu diesem Standpunkt auch bekannt haben irr einem Zeitpunkt, da wir auf dem Höhepunkt unseres militärischen Erfolges standen. Meine Herren! Ich bin überzeugt, daß die Art, in der jetzt die Reichsleitung unter Mitwirkung des Reichs ge- bildet worden ist, nicht etwa vorübergehendes darstellt und daß im Frieden eine Regierung nicht wieder gebildet werden kann, die sich nicht stützt auf den Reichstag und nicht die führenden Männer aus ihm entnimmt. Der Krieg hat uns über das alte vielfach zerrissene Parteileben hinausgeführt, das es so sehr erschwert hat, einen einheitlichen, ent- schlossenen politischen Willen zur Durchführung zu bringen. Mel-rheitsbildung heißt politische Willensbildung und ein unbestreitbares Ergebnis ist es, daß zum ersten Male in Deutsck-land große Parteien sich zu einem festen, einheitlichen Standpunkt zusammengeschloffen haben und damit in die Lage gekommen sind, an dem Schicksal des Volkes von sich aus mitzuwirken. Dieser Gedanke wird niemals er- lösck>en und diese Entwicklung niemals rückgängig gemacht werden. (Beifall.) Dabei verttaue ich. daß solange Deutschlands Gesllück von Gefahren umbrandet ist, auch die außerhalb der Mehrheit stehenden Volkskreise und deren Vertreter die nicht der Reichsleitung angehören, alles Trennende zurückstellen und dem Vaterlande geben, was ihm gebührt. (Beifall.) Diese Entwicklung macht eine Aenderung unserer ver- fassungsrechtlichen Vorschriften im Sinne des kaiserlichen Erlasses vom 30. September erforderlich, die es ermöglicht, daß diejenigen Mitglieder des Reichstages, die in die Rerck)s- leitung eintreten. ihren Sitz im Reichstage behalten. Eine entsprechende Vorlage ist dem Bundesrat zugegangen und wird ihm zur Beschlußfassung unverzüglich unterbreitet wer den. Meine Herren! Seien wir eingedenk der Worte, die der Kaiser am 4. August 1914 gesprochen und die ich im De- zember v. I. in Karlsruhe in die Worte fassen durfte: „Wohl gibt es Parteien, aber es sind alles Deutsche". (Beifall.) Unter dem.Zeichen dieses Kaiserwortes muß sich auch die pofftisck-e Entwicklung in dem führenden deutschen Bundesstaate Preußen vollziehen und die Botschaft des Königs von Preußen, die das demokratisck)e Wahlrecht versprach. schnell und restlos erfüllt werden. (Beifall.) Die preußische Wahlrechtsfrage ist bei der überragenden Stellung Preußens eine deutsche Frage (Zustimnnmg) und ich zweifle nicht, daß auch die Bundesstaaten, die in der Entwicklung ihrer verfaffungsmäßigen Zustände noch zurückstehen, dem preußischen Beispiel entschlossen folgen werden. (Beifall.) Dabei halte ich unerschütterlich fest an den föderativen Grundlagen des Reiches, also eines Bundesstaates, dessen ein- zelne Glieder ihr inneres Verfaffungsleben in voller Selbstständigkeit bestimmen, ein Recht, auf das auch Elsaß-Lothringen vollen Anspruch hat. (Beifall.) Die Selbständigkeit und Vielfältigkeit des Lebens in den einzelnen Bundesstaaten, das enge treue Verhältnis, das jeden Deutschen mit seiner Heimat und seinem Landesherrn verbindet, sind die Quellen, aus denen die unbeschreibliche Kraft, die Vaterlandsliebe und Opferfreudigkeit des deutschen Volkes während des ganzen Krieges geflossen find. Durch die ganze KriegSzeit haben sich die Klagen hindurchgezogen über die Handhabung des Belagerungszustandes. Sie haben ttennend und verbitternd gewirkt und di« freudige Mitarbeit an den schweren Aufgaben der Kriegs- zeit gehemmt. (Sehr richtig.) Bis auf weiteres können, wi« das Beispiel aller kriegführenden Staaten lehrt, die außer- ordentlichen Machtbefugnisse nicht entbehrt werden, die der Belagerungszustand verleiht. Aber es niuß ein enges Verhältnis zwischen dem Militär und den Zivilbehörden hergestellt werden, das es ermöglicht, daß in allen nicht rein militärischen Angelegenheiten. also besonders auf dem (&<- biete der Zensur, des Vereins- und VersammlnngsweienS, die Gesichtspunkte der zivilen Verwaltungsbehörden maß- gebend zur Geltung kommen und daß die Entscheidung letzten Endes unter die Verantwortlichkeit des ReickOkanzlers gestellt wird. Zu diesem Zweck wird ein Befehl des Kaisers an die Militärbcsehlshaber ergehen «nd die kaiserliche Verordnung vom 4. 12. 1916 unverzüglich entsprechend ausgebaut werden. Mit dem 30. 9. 18, dem Tag dos Erlasses, beginnt ein» neue Epoä)e in Deutschlands innerer Geschichte. (BeisallZt \ Die innere Politik, Me damit in ihren Grundzllgen Vovge- zeichnet ist, ist von entscl-eidender Bedeutung für die Frage über Krieg und Frieden. Me Stoßkraft, die die Negierung ln ihren Bestrebungen irm den Frieden hat, hängt davon ab, dnß hinter ihr ein einheitlicher und fester unerschütterlicher Bolkswille steht. Nur wenn die Feinde fühlen, das deutsche Volk steht geschlossen hinter seinen verantwortlichen Staatsmännern. nur dann können Worte zu Taten werden. (Beifall.) Die deutsche Regierung wird bei den Friedensverhand- lungen dahin wirken, daß in die Verträge Vorschriften über Arbeiierscbutz und Arbeiterversicherung ausgenommen werden (Beifall), welche die vertragschließenden Regierungen verpflichten, in ihren Ländern binnen einer gemessenen Frist ein Mindestmaß gleichartiger oder doch gleichwertiger Einrichtungen zur Sicherung von Leben und Gesundheit, sowie zur Versorgung der Arbeiter bei Krankheft, Unfall und Invalidität zu treffen. Ich rechne bei der Vorbereitung auf den sachkundigen Rat der Arbeiterverbände sowohl wie der Unternehmer. Solange noch deutsche Volksgenossen in Gefangenschaft sind, werde ich mich um die warme Fürsorge für ihr Wohl mit allen Kräften bemühen. (Beifall.) Auch der in unserer Gefangenschaft lebenden Feinde werde ich mich in gerechtester Weise fürsorglich annehmen. Meine Herren, ich bin überzeugt, daß dieses Programm, von dem ich die Grundzüge dargestellt habe, einen Vergleich mtt allen fremden Negierungsgrundsätzen aushält. Noch näher auf Einzelheiten einzugehen, scheint mir heute nrcht angebracht. (Bewegung.) Die Beratungen, die wir vor dein Zustandekommen der neuen Regierung gepflogen haben, sind zwar selbswerständlich viel mehr in die Tiefe gegangen, als ich in meiner knappen Zusammenfassung des Wichtigsten heute hier wiederzugeben vermag. Ich glaube aber anderseits auch, daß dem hohen Hause jetzt gar nichts daran gelegen ist, meine Auffassung über Nebendinae kennen zu lernen. Das Entscheidende ist, wenn ich die Lage richftg erfasse, meine Auskunft über den allgemeinen Geist der neuen Regierung, denn jeder, der diesen richtig versteht, kann ohne weiteres daraus folgern, wie die Reichsleitung sich zu den schwebenden Einzelfragen stellt. Ich bin ja auch selbstverständlich gern bereit, dem Reichstag darüber bei späteren Gelegenheiten noch genaueren Aufschluß zu geben. Mehr als vier Jahre des blutigsten Ringens gegen eine Welt von zahlenmäßig überlegenen Feinden liegen hinter uns, Jahre voll schwerster Kämpfe und schmerzichfter Opfer. Ein jeder von uns trägt seine Narben, nur allzu viele sogar noch offene Wunden, *ei es im verborgenen Grunde der Seele oder an seinem opfermutig für die deutsche Freiheit auf dem Schlachtfelde preisgegebenen Körper. Trotzdem aber sind wir starken Herzens und voll von zuversichtlichen Glaubens an unsere Kraft, entschlossen, für unsere Ehre und Freiheit und für das Glück unserer Nachkommen auch noch schwerere Opfer zu bringen, wenn das unabänderlich ist. (Lebhafter Beifall.) Mit tiefer, heißer Dankbarkeit gedenken wir unserer tapferen Truppen, die unter glänzender Führung wäh- rens des ganzen Krieges fast Uebermenschliches geleistet haben und deren bisherigen Taten sicher verbürgen, daß unser aller Schicksal auch ferner in guten zuverlässigen Händen bei ihnen liegt. Im Westen tobt seit Monaten eine einzige furchtbare, menschenmordende Schlacht. Dank dem unvergleichlichen Heldentum unserer Armee, das als unvergänglick>es Ruhmes, blatt in der Gesichte des deutschen Volkes fortleben wird für alle Zeiten, ist die Front ungebrochen. Dieses stolze Bewußtsein läßt uns mit Zuversicht in die Zukunft sehen. Gerade, weil wir von dieser Gesinnung und Ueber- zeugung beseelt sind, ist es aber auch unsere Pflicht. Gewißheit darüber herbeizuführen, daß das opfervolle blutige Ringen nicht einen einzigen Tag bis über den Zeitpunkt hinaus geführt wird, wo uns ein Abschluß des Krieges möglich erscheint, der unsere Ehre nicht berührt. Ich habe deshalb auch nicht erst bis zum heutigen Tage gewartet, ehe ich handelnd .zur Förderung des Friedensgedankens eingriff. Gestützt auf das Einverständnis der gemeinsam mit uns bandelnden Bundesgenosien habe ich in der Nacht zum 6. Oktober durch die Vermittlung der Schweiz an den Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika eine Note gerichtet, m der ich ihn bitte, die Herbeiführung des Friedens in die. Hand zu nehmen und hierzu mit allen kriegführenden Staaten in Verbindung zu treten. Die Note trifft schon heute oder morgen in Washington ein. Sie richtet sich an den P äsidenten der Vereinigten Staaten, weil dieser in seiner Kongreßbotsck-aft von- 8. Januar 1918 und in seinen späteren Kundgebungen, besonders auch in seiner Neuyorker Rede vom 27. September, ein Programm für den allgemeinen Frieden aufgestellt hat. das wir als Grundlage für die Verhandlungen annehmen können. Ich habe diesen Schritt auf dem Wege zu der Erlösung nicht nur Deutschlands und seiner Verbündeten, sondern der gesamten seit Jahren unter dem Kriege leidenden Menschheit auch deshalb getan, weil ich glaube, daß die auf das künfftge Glück der Völker gerichtete Bewegung, die Herr Wilson vor- kündet, sich völlig mit den allgemeinen Vorstellungen in Einklang befindet in denen sich auch die neue deutsch Regierung und mit ihr die weit überwiegende Mehrheit unseres Volkes bewegt. Was mich selbst betrifft so können meine ftüheren, vor einem anderen Hörsrkreise gehaltenen Reden bezeugen, daß sich m der Vorstellung, die ich von einem künftigen Frieden hege, keinerlei Wandlung in mir vollzogen hat. seitdem ich mit der Führung der Reichsgeschäfte beauftragt worden bin. Was ich will, ist eft^ ehrttcher dauernder Frieden für die ae- samtS Menschheit, un§ ich glaube Baratt, daß ein solcher^ Frieden äiiQleicf) auch der festeste Schutzwall für oft zukünftige Wohlfahrt rmseres eigenen Vaterlandes wäre. Zwisten den nationalen und den internationalen Pflichtgeboten sehe ich deshalb mit Bezug arrf den Frieden keinerlei Unterschied. Das Entscheidende liegt für mich ausschließlich darin, daß diese Gebote von allen Beteiligten mit derselben Ehrlichkeit als bindend anerkannt und beachtet werden, wie das von mir und den anderen Mitgliedern der Regierung gilt. So sehe ich denn mit der inneren Ruhe, die mir mein gutes Gewissen als Mensch und als Diener unseres Volkes verleiht, und die sich zugleich auf das feste Vertrauen zu diesem großen, treuen jeder Hingabe fähigen Volk und seiner ruhmvollen Wehrmacht begründet, dem Ergebnis der ersten Handlung entgegen, die ich als leitender Staatsmann des Reiches unternommen habe. Wie dieses Ergebnis auch aus- fallen möge: Ich weiß, daß es Deutschland fest entschlossen und einig finden wird, sowohl zu einem redlichen Frieden, der jede eigensüchtige Verletzung fremder Rechte von sich weist, als auch zu dem Endkampf auf Leben und Tod, zu dem unser Volk ohne eigenes Verschulden gezwungen würde, wenn die Antwort der mit uns Krieg führenden Mächte auf unser Angebot von dem Willen uns zu vernichten, biktiert werden sollte. Kein Zagen befällt mich bei dem Gedanken, daß dieses zweite Ergebnis eintreten könnte, denn ich kenne die Größe der gewaltigen Kräfte, die auch jetzt noch in unserem Volke vorhanden sind und ich weiß, daß die unwiderlegliche Ueber- zeugung, um gar nichts weiteres als um unser Leben als Nation zu kämpfen, diese Kräfte verdoppeln würde. Ich hoffe aber um der gesamten Menschheit willen, daß der Präsident der Vereinigten Staaten unser Angebot so aufnimmt, wie wir es meinen. Dann wäre die Türe zu einem baldigen ehrenvollen Frieden des Rechts und der Ver- Intnn hf für linä fmefiit*-lizi££rd- C&ßjxxuxv nr'üifm'i (Lebhafter Beifall des ganzen Hauses. Zwischenrufe bei den unabhängigen Soz.) Präsident F e h r e n b a ch : Die hochbedeutsamen Ausführungen, die wir von dem Herrn Reichskanzler soeben vernommen haben, werden Gegenstand eingehender Erörterung in den nächsten Sitzungen sein. Aber über das Friedensangebot an den Präsidenten Wilson gestatten Sie mir ein kurzes Wort: Friede, welch tröstendes, hoffnungsreiches Wort! Es würde die Erlösung der Menschheit von einer Qual von Zähren bedeuten. Frauen und Kinder würden diesen Frieden, wenn auch unter Tränen, begrüßen, und unsere Soldaten würden es begrüßen, wenn sie im harten Kampfe einem wirklichen Frieden der Verständigung die Wege geebnet haben, der allein die Garantie der Dauer in sich trägt. Unser Volk blickt mit Stolz auf sein kampferprobtes Heer und auf feine tapfere Marine. Das deutsche Volk beklagt tief und empfindet auf das schmerzlichste die Wunden, die ihm nicht nur draußen an der Front, sondern auch bei uns in der Heimat geschlagen sind. Aber ebenso wie jeder ein» zelne Soldat an der Front, so ist auch jeder Deutsche daheim bereit, für das Vaterland, wenn es gefordert werden sollte, jedes Opfer zu bringen. (Beifall.) Möchten indessen solche Opfer uns erspart bleiben? Das deutsche Volk sehnt ebenso wie alle anderen Völker den Frieden herbei, der diesem furchtbaren Blutvergießen ein Ende bereitet. Deshalb begrüßen wir den uns mitgeteilten Schritt der Regierung, der uns eine, wenn auch nur unbestimmte Aussicht auf den Frieden eröffnet, und im Namen des deutschen Volkes und des Reichstags, desien große Mehrheit mit diesem bedeutungsvollen Schritte einverstanden ist, erkläre ist, daß wir das Friedensangebot billigen und uns zu eigen machen. (Lebhafte Zustimmung) Ich glaube, annehmen zu dürfen, daß die Fraktionen nunmehr zunächst das Bedürfnis haben, sich in einem Meinungsaustausch über die Rede des Kanzlers selbst zu besprechen. Ich schlage Ihnen deshalb vor,-sich zu vertagen und den Präsidenten zu ermächtigen, die nächste Sitzung bald einzuberufen, nachdem diese Beratungen beendet sein werden. Abg. Haase (llnabh. Soz.): Namens meiner Fraktion widerspreche ich dem Vorschläge des Präsidenten und beantrage die Diskussion über die Rede des Reichskanzlers zu eröffnen und dafür eine Sitzung auf Montag anzuberaumen. Abg. Seyda (Pole): Wir widersprechen ebenfalls der Vertagung und beantragen, sofort die Diskussion über die Rede des Reichskanzlers zu eröffnen. Abg. Ebert (Soz..): Draußen im Volke wird jeder Einzelne verstehen, daß es gerade im Interesse des Volkes gelegen ist, so zu verfahren. (Stürmische Zustimmung.) Der Vorschlag des Präsidenten wird gegen die Stimmen der Polen und der Unabhängigen Sozialdemokraten angenommen. — Schluß der Sitzung 6 Uhr. Die Note es Wiljss. Die Wiener |Ute* Wien, 8. Okt. (WB.) Der österreichisch-ungarische Gesandte in Stockholm ist gestern vom Minister des Aeußern beauftragt worden, die königlich schwedische Regierung z, ersuchen, am 4. diese folgende Depesche an den Präsidenten Wilson gelangen zü lassen: Die österreichisch-ungarische Monarchie, welche den Krieg stets nur als Verteidigungskampf geführt und wiederholt ihre Bereitwilligkeit bekundet hat, dem Blutvergießen ein Ende zu machen und zu einem gerechten und ehrenvollen Frieden zu gelangen, tritt hiermit an den Präsidenten der Vereingten Staaten von Amerika mit dem Antrag heran, mit ihm und seinen Verbündeten sofortigen Waffensttllstandl zu Lande, zur See und in den Lüften abzuschließen und in unmittelbarem Anschluß hreran in Verhandlungen über einen Friedensschluß einzutreten, für welche die 14 Punkte der Botschaft des Herrn Präsidenten Wilson an den Kongreß vom 8. Januar 1918 und die vier in der Rede des Präsidenten Wilson vom 12. Februar 1918 enthaltenen Punkte als Grundlage zu dienen hätten, wobei auch auf die Ausführungen deI Präsidenten Wilson vom 27. September 1918 Bedacht ge-, no.nmen wird. Die Türkei. Berlin, 5. Okk. (WB.) Wie der Reichskanzler in feiner Rede bereits angsdeuket hat, steht die Türkei im Begriff, einen gleichen Schritt zu tun. Die Willgn'schen FMeugbedingiNMN. Die deutsche Regierung hat sich also mit dem amerikanischen Präsidenten in Verbindung gesetzt und sich bereit erklärt, auf Grund seines am 8. Januar bekannt gegebenen Programms über einen Waffenstillstand und den Frieden in Unterhand- Wr alle ersehnen den Frieden und dre Rerchsregrerung muß es ia ©tj,rrr, L ^v —^ Ärä r tc gehen und ob wir gewissermaßen zu diesem Schritte gezwurr^.. worden sind. Denen aber, die da den Frieden schon sicher in der Tasche zu haben glauben, mochten wir entgegen halten, daß es nach der bisherigen Haltung der Entente noch keineswegs sicher, ja vielleicht sogar sehr zweifelhaft ist, ob die deutsche Einwilligung in die Wilsonschen Bedingungen heute noch als genügend angesehen wird. So weit auch das Bedürfnis nach Frieden in allen Kreisen der deutschen Bevölkerung geht, so bitter ist das Gefühl, in einen solchen Frieden willigen zu müssen, nachdem in länger als vier Jahren die furchtbarsten Opfer an Gut und Blut gebracht werden mußten. Für den. der noch nicht weiß, um was es sich handelt, feien die 14 Punkte Wilsons ins Gedächtnis zurückgerufen. Das Programm lautet im wesentlichen: 1. Oesfentlicher Abschluß der gegenseitigen Friedensverträge, ohne irgendwelche geheime diplomatische Abmachungen. 2. Vollständige Freiheit der Seefahrt außerhalb der Hoheitsgewässer sowohl zur Friedenszeit, als au chim Krieg 3. Beseitigung aller wirtschaftlichen Hindernisse und Gleichheit der Handelsbedingungen, also Freihandelt 4. Abrüstung. 5. Durchführung des Prinzips, der Gleichheit der Interesse« der Völker und der Ansprüche der Regierung, also: Demokratisierung. 6. Räumung aller russischen Gebiete und eine solche Regelung der russischen Fragen, daß das beste Zusammenwirken mit anderen Rationen gesichert wird. Aufnahme eines freien Rußlands in die Gesellschaft der freien Völker. 7. Herstellung Belgiens. 8. Alle französischen Gebiete müssen befteit und die eroberten Gebiete rviederhergestellt werden. Das Unrecht, das Frankreich i. I. 1878 zugefügt worden ist und das den Frieden der Welt vor 4V Jahren aus dem Eleichgrwicht brachte, muß derart wieder in Ordnung gebracht werden, daß der Frieden im Interesse aller gesichert ist. 9. Eine Verlassung der ilelienischen Grenze« entsprechend der klar erkennbaren NatiouaUtätenabgrenzung. 10. Autonome Entwicklung der Vötter Oesterreich-Uugarns. 11. Wiedererrichtung Rumäniens. Serbiens und Montenegros. Serbien soll einen fteien Zugang zum Meere haben. 12. Souveränität und Sicherheit der türkischen Seite des gegenwärtigen ottomanischen Reiches: aber Sicherung der Existenz der anderen Rationalitäten unter dem gegenwärtigen Regime des ottomanischen Reiches. Dauernde Oeffnung der Dardanellen und fteie Durchfahrt für die Handelsschiffe aller Nationen. 13. Bildung eines polnischen Staates, der alle Gebiete umfaßt, die von unbestreitbar polnischen Nationalitäten bewohnt sind. Polen soll einen freien Zugang zum Meer (Danzig!) erhalten. Berlin, 6. Okt. (WB.) Me durch Vermittlung der Schweizer Negierung an den Präsidenten Wilson übermittelte Note hat folgenden Wortlaut : Die deutsche Negierung ersucht den Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika, die Herstellung des Friedens in die Hand zu nehmen, alle kriegführenden Staaten von diesem Ersuchen in Kenntnis zu setzen und sie zur Ent- Sendung von Bevollmächtigten zwecks Aufnahme der Verhandlungen einzuladen. Sie nimmt das von dem Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika in der Kongreß-Botschaft vom 8. Januar 1918 und in seinen späteren Kundgebungen namentlich der Rede vom 27. September ausgestellte Programm als Grundlage für die Friednsverhandlungen. Um weitere« Blutvergießen zu vermeiden, ersucht die deutsche Negierung, den sofortigen Abschluß eines allge- 14. Schaffung einer allgemeinen Gesellschaft der Natione« (Völkerbund!) Mas die Feinde wollen! Rotterdam. 2. Ott. Die „Times" schließen eine Betrach, lung über die Folgen der bulgarischen Unterwerfung mit den Worten: Wir müssen weiter aus Deutschland einen Druck ausüben, bis es den Frieden ebenso niedrig und unter denselben Bedingungen wie Bulgarien annimmt. Die übrigen englischen Blätter legen Nachdruck darauf, dah der Verband sich nicht in die inneren Angelegenheiten Bulgariens einmischcn wolle. Sie weisen ferner bei Besprechung d« Erklärung des deutschen Kaisers, daß er dir Macht mit seinem Volke teilen wolle, auf den Rat hin. den Kaiser Wilhelm v- 13 Jahren dem Zaren gab. als er diesem den Vorschlag macht - den schwierigen Zustand auf die Schultern der Duma abzuschie- meinen Waffenstillstandes zu Lande, zu Wasser und in der den, was man ebenfalls eine Teilung der Macht nennen könne. Luft herbeizu führen, DrinL Mar von Boün “ -- - Frankreich miß 15 Milliardeu Kriegs' eMDjMg haken. Der „Secolo" meldet aus Paris: Im Fiffanzausschuß dtt Kammer gab am Montag der Finanzminister begannt, Frankreich werde im Friedensschluss auf die vollständige Erstattung der in Frankreich durch den Feind angerichteten Schaden bestehen, die auf 13 bis 1b Milliarden Franken zu beziffern wären. Die Köpfe hängen! „An dem Tage, an dem Scheidemann als Staatssekretär genannt wurde, ist die Berliner Börse vollständig zusammengebrochen". So heißt es im Bericht über tre Berliner Börse. Auch die Börsenblätter, die politisch die neue Parteiregierung vertreten, können nicht umhin, wenn auch ein wenig verlegen, schüchtern und gekniffen, die Tatsache zu vermerken, daß die gest- rige Börse „eine allgemein tiefgehende Verstimmung zeigte, der sich nur wenige Papiere entziehen konnten." Der Regierungsumsturz wirkte zwar schon an den Tagen vorher stark verstimmend an der Börse, aber erst gestern, als der „Vorwärts", das maßgebende Hauptregierungsblatt, dir überstarke Beteiligung der sozialdemokratischen Führer an der neuen Parteiregierung kundgab, kam es zu dem vollen Zusammenbruch. In der „Volksstimme" lesen wir: Seit dem September purzeln die Börsenkurse und gestern erlebte die Berliner Börse den schlimmsten Tag des Krieges- Milliarden ausgepuffler Werte find in die Luft gestiegen, sind zerplatzt wie eine Seifenblase. Alle Kriegswerte haben gewaltig verloren, dazu sehr viele andere Industriewerte. Der Krack wird sich fortsetzen: da§ künstliche Gebäude bebt. Große Herren lasten die Köpfe hängen . . . Bekanntlich hat die Börse einen feinen Riecher! Dev kettende Oedrmk e in unserer volksfamilte mutz das Snsammen- gebörigkeitsbewutztfein bleiben. Nie hätte Kapitän Nerger mit seinem Schiff „Wolf- ^/s Jahre so hohe Aufgaben vollbracht ohne festes Zusammenhalten von Führer und Matrosen. Wie wir in einem Kelch leben, so sollte unser Streben sein, wirklich ein Reich zu blU, den, zum Beweise der Einigkeit in ^at und Gesinnung. Zur inneren Kage. Der Ernst der Lage tritt nunmehr unserem deutschen Volke kn voller Größe vor Augen. So verfehlt es aber wäre, stch darüber hinwegtäuschen ' zu wollen, so nachdrücklich muß doch immer wieder betont werden, daß wir in diesem Kriege schon größere Schwierigkeiten und Gefahren überwunden haben, und daß deshalb kein Anlaß zum Verzagen vorliegt. Und das steht fest: wollten wir heute verzagen, so wären wir morgen verloren! Das deutsche Volk muß sich jetzt, unter Verzicht auf alle Illusionen, innerlich ganz stark und fest machen; und es muß die letzte Kraft und den letzten Nerv.mit restloser Hingabe in den Dienst der nationalen Verteidigung stellen. Für inneren Hader darf jetzt kein Raum mehr sein; alle Kräfte unseres Volkes ohne Unterschied muffen sich auf das einzige Ziel der Behauptung gegen die Uebermacht unserer Feinde richten. Geschieht das, dann kann unser Volk auch weiterhin die volle Zu- verjicht haben, daß es ihm gelingen wird, diesen großen Daseinskampf bis zum guten Ende durchzuhallen. Dieser Gedanke war für die konservative Partei maßgebend als sie sich entschlossen hat, ihren Widerstand gegen die preußische Wahlrechtsvorlage aufzugeben und sich zur Mitarbeit an einer Koalitionsregierung bereit erklärt hat. Es liegt doch auf der Hand daß eine Negierung, die a! l e Parteien in sich vereinigt, mit ungleich größerer Eefchlostenheit auftreten kann als erne solche, die immerhin wesentliche Teile des deutschen Volkes — und wahrlich nicht den schlechtesten! — ausschließt. Wir wollen an dieser Stelle ausspcechen, daß sich ohne Zweifel eine tiefe Mißstimmung des deutschen Volkes bemächtigt W um» daß es wirklich an der Zeit ist. daß mit altem Unrat ein-' ss mal gründlich' gebrochen rvtrb. Schon im Frieden fomtte man öft, uno »richt nur bet Sitzialdemokralen, die Meinung hören, baß es ln Deutschland zweierlei Menschen gebe; die einen, die einen krummen Buckel haben werden, mit Reichtümern und Ehren überhäuft, die anderen aber können sich für die erste Klaffe abmühen. Im Kriege haben sich die Verhältniffe noch verschlechtert. Heute haben wir wieder zwei Sorten Menschen, die einen dürfen stch f ü r das Vaterland lolschießen lasten und die andern verdienen vom Vaterland Millionen, oder kriegen, weil sie gefügige Werkzeuge der Oberen find, ein Ehrenamt nach dem andern. Das muß aufhörcn und wenn die Demokratisierung sich kn der Richtung bewegen würde, daß darin einmal gründlich Wandel geschaffen und dem Worte: „Freie Bahn dem Tüchtigen!" ehrlich Rechnung getragen würde, so würde sich das ganze Volk hinter die neue Regierung stellen. Vorläufig sieht es aber nicht darnach aus. Unsere Demokratie wird denselben Faden weiter spinnen, nur eine andere Nummer. Die Blätter der Mehrheitsparteien lasten allmählich die Maske fallen. Sie geben offen zu, daß es stch jetzt nicht um eine Zusammenfaffung aller Kräfte des Volkes handelt, sondern um die Errichtung einer ausgesprochenen Parieiregierung. Die konservative Entschließung, die stch auf den Boden des Kaiserlichen Erlaffes vom 30. September stellt, hat einen wahren Schrecken im demokratischen Lager ausgelöst. Man könnte die Herren Demokraten, die noch vor wenigen Tagen mit feierlichem Pathos von. einer Volksregierung'sprachen, ja jetzt beim Worte nehmen und eine wirkliche Volksregierung berufen. In diesem Sinne scheint Herr von Berg tätig gewesen zu sein, und nun versteht man auch die Entrüstung der Linkspresse über das Eingreifen des kaiserlichen Vertrauensmannes, das mit der diesen Herren eigenen Ungenierlhett als ein „unberechtigter Eingriff" in die Rechte des Reichstages hingestellt wird. Soweit haben wir es also glücklich gebracht? Die Demokratie triumphiert, un d ihre erste H andlung ist die Entrechtung einer zum mrnoesten Uehr gronen^omtEhnr;—dn~irmTr mTremjeir einem jeden Vaterlandsfreunde, ganz gleich welcher Richtung, unendlich viel gelegen fein muß, wenn er wirklich die Zusammenfaffung aller deutschen Volkskröst- will. Es gibt keinen parlamentarischen Ausdruck, der angesichts der Gefahr, die uns augenblicklich militärisch und politisch bedroht, ein derartiges Verfahren gebührend kennzeichnen könnte. Man lese nur, was das führende Blatt der neuen Reichs- regierugrg, die „Frankfurter Zeitung", zu dem Angebot der Konservativen sagt. Den Beschluß über die Annahme der preußischen Wahlrechtsvorlage tut ste damit ab. wenn e§ so nicht gegangen wäre, hätte es der Reichstag gemacht. Man denke, der Reichstag, deffen Mandat ja übrigens längst erloschen ist, soll sich gewaltsam in einzelstaatliche Verhältniffe mischen, was würde das bayerische Zentrum in Bezug auf Bayern in einem solchen Falle sagen? Das Frankfurter Organ unseres Großkapitals fährt dann fort: „Aber das ist nicht das Einzige, was die Konservativen veranlaßt, plötzlich das allgemeine Wahlrecht gutzuheißen. Eie haben noch einen zweiten Beschluß gefaßt, der allerdings nicht so überraschend kommt, da ihn ihre Presse schon präludiert hat. Koalitionsregierung! Die Konservativen möchten gar zu gerne an der neuen Regierung be- tctXigt sein. Ihre Reichstagsfraktion erklärt, daß ste „entschlossen" sei, sich unter Opfern der Ueberzeugnng an einer Regierung zu beteiligen, die sich zur Aufgabe macht usw. Cs ist sehr freundlich von den Konservativen, daß sie dazu entschlossen sind und sich präsentieren. Aber man wird keinen Gebrauch davon machen. Man hat hier wieder die alte Geschichte, daß keiner so böse ist. um dem Moment zu entgehen, wo das Salz seines Witzes dumm wird. Denn man müßte kindisch sein, um nicht zu merken, worauf^ die Konservativen zielen, und ste ruhig stehen zu lasten. Es ist ein intriganter, aber doch allzu greifbarer und daher ungeschickter Versuch, die gründliche Umwälzung der deutschen Politik, die auf dem Wege ist, zu verderben. Diese Umwälzung, heute die Lebensnotwendigkeit des deutschen Volkes, besteht ia gerade darin, daß nunmehr durchaus das Gegenteil der konservativen Politik Wirklichkeit werde. In diesen Neubau die Konservativen hereinzunehmen, — der Gedanke ist grotesk. Niemandem ist er eingefallen als ihnen selber. Was ist doch aus der einstigen konservativen Herrlichkeit geworden? Sie haben ja so manches ..geschoben', aber doch stets innerhalb der Grenzen, die ihnen ihr Stolz gezogen hatte. Nun aber bieten sie sich an. drängen sich auf und lasten sich — vergeblich — zu einem „Dreh" herab, der sie schließlich dem Spotte preisgibt." Also Hohn und Spott ist die Antwort, die das demokratische Blatt für das Angebot der Konservativen übrig hat. Kelmmttmachnng. Am 5. Oktober 1918 ist eine Bekanntmackiunn mm ^etnort 10 ' R Befre ff enb ..Beschlagnahme s KS™ s; >m lä ' ® cr Wortlaut der Bekanntmachung ist in den Amtsblättern und durch Anschlag veröffentlicht worden. GkimMüMil^ 1.1 ArMkurK Ma)Mg ln ßejnelnüeficfcm Unter Bezugnahme auf die Mitteilung aus Seite 2 des Steuer- zeitels wird hiermit bekannt gemacht. baß die bis Ende Seot. fälligen Steuern. 1/3. Ziel ein- Z7Uetzl.ch der Nachträge, bis zum Oktober dp. As. zu entrichten sino; Nach Ablauf dieser Frnt beginnt bie Zwanasbellrei- bung. Es wird hierbei dringend emp- siohlen, sich der Ueberwecsung aus Banl- ooer Scheckguthaben zu bedienen. In diesem Falle ist außer dem Namen auch die Heberegiper- nummer des Steuerzetlels anzugeben. Snedberg, den 2. Oktober 1918. Die Stndtkasse. allur A.W in großer Auswahl, noch guten Stoffen, gebe noch billig ab. Einzelne Hosen, Joppen, Arbeuswesten forott bei Schneiderei Weil, Frankfurt a. Li., Bleichstr. 26. 1- II | Die KMer (lerkn, laßt fit nicht verderben. 3rf) kaufe jeden Bosten abgefallene saubere Krrfch-, Walnuß«, Haselnuß-, Linden-, Kastanien., Wein-, Brenneffel-, Erdbeer-, Drombeer-, Hin,beerblätter und Tee- kräuler gegen gute Preise. Zentner r« Mk. 30.— biS Mk. 60.— Friedberg i. Fauerbacherstraße 3. Xierert schnell und billig Neue Tagesjeilui! Prudirrei und -erlas, I.'T» Die Zusammensetzung der neuen Regierung zeigt ja zur G« nüge, daß es sich um die Errichtung einer reinep Partei« regierung handelt, die durch die Demagogen Scheidemann und Erzberger ihr Gepräge erhält. Man muß sich nun fragen, wie konnte sich die Stelle, von der man früher so hohe Töne zu hören gewohnt war, alle Macht derartig aus den Händen winden lasten. Sei dem, wie es will, wir haben die Pflicht, in schwerer Stunde auch diese Regierung zu stützen und ihr keine Schwierigkeiten in den Weg zu legen. Die Herren haben so viel von dem Derständigungsfrieden geredet. Zeigen ste fetzt, was sie können und ob ste in der Lage sind,dem deutschen Volke den ersehnten, ehrenvollen Frieden zu bringen. Wer Übrigens glaubt, daß mit der Einführung des sogen, parlamentarischen Systems jetzt Ruhe und Frieden hergestellt sei, der befindet stch gründlich auf dem Holzweg. Wenn man dem Radikalismus den kleinen Finger reicht, so will er bald die ganze Hand haben. Der Frankfurter „Volksstlmme" ge. fällt die Ernennung des Prinzen Max zum Reichskanzler nicht und sie schreibt: „Weil ste selbst keine politische Kraft aufbringen, deswegen war den deutschen Liberalen der Kronprinz immer die Hoffnung: er würde gutmachen. was der regierende Herr versagt. Die Hoffnung auf Max ist nicht mehr wert. Aber er ..lehnt sich doch an das Mehrheitsprogramm", in manchen Stücken ..präzisiert" er es und geht darüber hinaus?? Eben die „Anlehnung" und die „Präzisierung" „läßt tief blicken." Und die Hauptsache: aus eigener Kraft und nicht durch Fürstengunst muß das deutsche Volk leisten, was zu leisten ist. Erst hat sich dieses Volk gesperrt und hat getan, als sei es eine unwürdige Zumutung der Feinde, daß vor der Friedensverhandlung die deutsche Reform geleistet sein müsse. Harte Schläge haben diesem Volke eingebläut, daß wirklich Voraussetzungen für das Vorhandensein einer verhandlungssähigen Regierung zu erfüllen waren. Aber statt durchzugrelfen, soll die Arbeit halb geschehen? Soweit stnv me Dinge gediehen, daß die Herrenhäusler in der Wahl- rechtsfrage Umfallen und jetzt auch die Aufenthaltsklausel nach der Regierungsvorlage schlucken; soweit sind wir. daß die Konservativen sogar klein beigeben und ihren Widerstand gegen das gleiche Wahlrecht fallen lasten' ein fester Ruck noch, und Deutschland kommt wirklich zur Demokratie. Das aber würde Weh-m kosten, die nicht sanftselig von einer weichen Prinzenhand geglättet werden dürfen. Eine „Republik mit dem' Großherzog an der Spitze" verdirbt und verpfuscht das Werk. Günstigenfalls kommt dasselbe heraus wie beim Hertling-Erperiment: es wird Zeit vertrödelt. Das Volk aber hat nicht Zeit zunr Warten. Jetzt heißt es. seine Kraft einsetzen: jetzt die Wehen nicht hemmen. Sonst verkümmert das Kind, das znm Lichte drängt: die deutsche Demokratie! Ins der Kciumk. Frankfurt n. M. (Nette Zustände im Frankfurter Le- bensmtttelamt). In der fortgesetzten Debatte über die Lebensmittelversorgung wünschte der Sozialdemokrat Wit- Auskunft über die Beseitigung der Mrßstände in der Schweinehaltung die nach bürokratischen Grundsätzen geltet wurde. In einer einzigen Nacht seien infolge falscher Behandlung etwa 60 Schweine eingegangen; 700 Zentner Kartoffeln, die für Schweinetutter bestimmt waren würden nicht dazu verwendet. Die meisten Angestellten hätten gelogen, betrogen und gestohlen, es sei mit Fleisch, Kartoffeln Un & Milch Schleichhandel getrieben worden. Das System Schumde habe das erwartete große Reinemachen nicht gebracht. Ein Beamter, welcher der schwersten Vergehen beschuldigt war, konnte nach der SckMeiz verschwinden. Noch houte sitzen Leute, die gestohlen haben, auf dem Riederhos'. Die Rechtsanwalt-Dezernenten auf dem Lebensmittelamt seien überflüssig; an deren Stelle braucht man tüchtige Nessortchefs. Direktor Dr. Schmude wußte nichts zu erwidern, als daß eine eingehende Untersuchung angestellt und der Staatsanwalt auf den Fluchtverdacht wegen des in Frage kommenden Schweizers aufmerksam gemacht worden sei. Die Fehler seien beseitigt, das Defizit sei zurückgegangen. Wer's glaubt zahlt einen Thaler! Verantwortlich für den politischen und lokalen Teil: Ott Hirsche!. Friedberg; für den Anzeigenteil: R. .getinei Friedberg. Druck und Verlag der „Neuen Tageszeitung A G.. Friedbera i