!!♦ In hrgmrg. Uummer 333 EiiMek-LWLL Freitag. den 4. Oktober 1918 'f * ut endjeini ,eeen SUerlta,. Seilapen „üer Kar, er aus kjesscu». ..?ie KpinnSube«. «e, den Soitanitalt-n -ner-el,alnl,P, hinzu tritt noch das Bestellgeld.' e, een '.Zenten monallich 1.00 2Kt. einschließlich Iraqerlobn. Anrergen : lörun&ieile 2b Psg., totale 20 15,g. " m 2#7Ü erhoben. G r all imeson Jvricöbctq. Schriftlcitnny itttJ» Verlag vrieDberq iHeiseni. nanauertraße 12. Zeigen oon ausroans werden durch Boilnachna m, Fern'precher 48. Pastr Heck. Lonto Rr. 4859, Umr Frankfurt a. M. des irisifcii lim wi Aide« p RkitzkilsKr. flnic Angriffe des Leindes in Flandern» bei Kt. Ouentm und in der Champagne unter schweren Verlust, n für den Feind gescheitert. — Lens und Irmcnttercs geräumt. — §erat in Albanier» dem Feinde überlalieu. Tonnen versenkt. Der deutsche Generaistab —_____ meidet: -—-—-*• m, r. K. f't-oije* 3. Glrtsder Amtlich. Kkrtr^rquarLiex. den Westlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppen Kronprinz Nupprecht und B o e h n. In Flandern wurden feindliche Angriffe nördlich von Steden, nordwestlich und westlich von Roesclare abgewiesen. Wir machten hierbei etwa 200 Gefangene Ebenso scheiterten am Abend Teilangriffe des Gegners beiderseits der Strafe Dpern-Menin. Armsntiares und Lens wurden in der Nacht vsm 1. zum 2. 10. kampflos geräumt. Wir bezogen rückwärtige Stellungen östlich dieser beiden Städte. Der Feind ist tm Laufe des Abends teilweise nach starker Artillerievorbereitung auf verlassene Stellungen über die Linie Fleurbaix-La Bassöe-Hul- luch gefolgt. Vor Cambrai ruhiger Tag. Teilangrisfe des Gegners aus der Schelde Niederung bei und südöstlich oon Ru- milly wurden abgewiestn. Stärkere Angriffe und Vorstöße gegen unsere neuen Linien nördlich und südlich von St. Quentin scheiterten. Heeresgruppe Deutscher Kronprinz. Südwestlich von Anizy le Ehrten, und nördlich von Filain schlugen wir Tellangriffe des Gegners ab Schletzwiq-Holstei- nische Regimenter verteidigten ihre Stellungen auf dem Rücken des Ehemin des Dames gegen starke feindliche Angriffe. Dor- feldkämpfe vor unseren neuen Linien nordwestlich von Reims. Der Feind stand hier am Abend in Linie ChaudardeZ-Eormicy und dicht vor dem Aisnc-Kanal. . In der Champagne setzte der Franzose mit starken Kräften feine Angriffe östlich der Suippes gegen Ct. Marie L Py. sowie Zwischen Somme-Py und Mouthois fort. Qertliche Einbruchs- stellen südlich vom Qrfeuil wurden in Gegenstößen verkleinert. Auf der übrigen Front sind die Angriffe vor unseren Linien gescheitert. Auch beiderseits der Aisne und in den Argonnen blieben TeAnangrtffe des Feindes ohne Erfolg. Ter Erste Ejenernfguartiermeister: Ludendorff. Adend^erichk. DerNu. 3. Okt.. abends. sWTB Amtlich) H e f t i g e A n - griffe des Feindes nordwestlich von Roesclare und auf breiter Front nördlich von St. Quentin und In der Champagne find unter schweren Verlusten für den Feind gescheitert. ffrftr Ta [fr ist ein Rekrut. Die Rfichöbank lehrt ihn gecien den ^ei'nd marschieren. Daruin zeichnet! fi ttv österreichische Generatstab jj •===: Meldet: — . :^r- -- U Wien, 3. Oft. sWTB. NichtamMch.) Amtlich wird verlaut- vart: kämpfe" ^ordhang des Monte Tcmba erfolgreiche Vorfeld- In Albanien nahmen wir. durch die Ereignisse an der bulgarischen Front genötigt, unsere Divisionen zurück. Berat gelangte hierdurch kampflos in Feindeshand. ^ Der Ehrf des GkneralftabeS. 32000 Tonnen versenkt. Berlin, 2. Lkt. (WB. Amtlich.) Fm Sperrgebiet um England versenkten unsere U-Boote 32 000 Vruttoregister- können, darunter einen amerikanischen Truppentranspart- vampser von etwa 7000 Br..Neg.-T(Miien. Außerdem wurde - Amerikanisclre Truvventransportdanwler „Mont Vec- non", der frühere Schnelldampfer des Norddeutschen Lloyd ..Kronprinzessin Cecilie", torpediert. Ein Erfolg konnte jedoch nicht beobacküet werden. Nach feindlichen Pressenachrichten ist der Dcmipfer beschädigt in den Hafen eingebraclst. Der Chef des Admiralftabcs dcr Marine. Alk Emm«g dcs B e r l i n, 3. Okt. (WTB. Ni. ^amtlich.) Prinz Max von Baden ist heute zum Reichskanzler und preußischen Minister der auswärtigen Angelegenheiten ernannt worden. Er wird am Samstag, den 5. Ätobcr, in der für 1 Uhr nachmittags anbera«mten Vollsitzung des Reichstags sein Ne- gierungsprogramm entnsickeln. Zu Staatssekretären ohne Portefeuille sind die Neichstagsabgcordncten Gröber und Scheide mann bestimmt. Der Staatssekretär des Innern Wallrnf hat seinen Abschied erbeten. Sein Nachfolger nchrd ein Zentrumsabgcordncter wer- drn. An der Spitze eines durch Abtretung vom Neichswirt- schastsamt ne» zu gründenden Nckchsarbeitsamtes soll der 2. Vorsitzende der Gcneralkornmission dcr Gewerkschaften, Neühstagsabgcorducter Bauer, treten. Die Frage, ein vom Auswärtigen Amt unabhängiges ReickSpresscamt unter einem weiteren Staatssekretär aus dem Parlament erriet werden wird, ist noch in Behandlung Die Ernennung mehrerer Unterstaatssekretäre aus der Volksvertretung steht bevor. Ncber die Auswahl der Persönlichkeiten sind die Verhandlungen noch nicht abgcss hlossen. Das preußische Handelsministerium wird anstelle des ausscheidcnden Staatsministcrs Cydow der Ncichstagsabge- ordncte Fischbcck übernehmen. - Die neue Uegiernng. Der „Vorwärts" stellt die voraussichtliche Liste der neuen Regierung auf. Sie bringt einige Ileberroschuiwen. Darnach wird Scheide mann Staatssekretär ohne Portefeuille der Reichskanzlei werden. Die Reichskanzlei soll ferner einen zweiten Staatssekretär ohne Portefeuille erbalten, für den ein Zentrumsabgeordneter in Aussicht genommen ist, ferner ein parlamentarisches Unterstaatsfekre^riat. für das ein Sozialdemokrat bestimmt ist. Die Reichskanzlei wird also drei sozialdemokratische Minister baben. In das neu zu gründende Reichsarbeitsamt wird als Staatssekretär ein Sozialdemokrat eintreten. ferner wird das Amt zwei Unterstaatssekretäre erhalten, einen Fortschrittler und einen Zentrumsmann. Staatssekretär des ReichSamts des Innern soll ein Zentrumsabgeordneter werden. Staatssekretär des neu zu gründenden Reichspresieamts der Zentrumsabgeordnete Erz- berger. dein ein Fortschrittler und ein Sozialdemokrat als parlamentarische Unterstaatssekretäre zur Seite stehen sollen. Staatssekretär des Reickswirtschaftsamtes bleibt Herr v. Stein: er erbält einen Unterstaatssekretar aus der Sozialdemokratie'. Der Staatssekretär des Reichsschatzamtes bleibt Graf von Rödern, dem ein Zentrumsabgeordneter als parlamentarischer Unterstaatssekretär an die Seite gestellt wird. Crnst, aber Uertranen! Schweres Ringen tobt zwischen dcr Meeresküste und der Mosel, ja. es ist möglich, daß damit die Anstrengungen der Entente ihre Grenze noch nicht gefunden haben, daß selbst bet Fortführung der bisherigen Angriffe neue Kämpfe im alten Bogen von St. Mihicl. vielleicht auch (mit deutlich politischer Spitze) im Elsaß auslodern werden. Mehrere Brennpunkte der Eeneraloffensive Fochs sind jetzt deutlich erkennbar: und zwar englisch-belgischer Ansturm in Flandern, englischer Sturm zwischen Cambrai und Ct. Quentin, französischer Angriff zwischen Aitzne und Vesle und franko ame- rikunische Offensive beiderseits der Argonnen. Alle diese Handlungen zielen in großem Maßstabe auf den Durchbruch ab. und zwar brs zur Aisne-Vesle-Front in östlicher, beiderseits der Argonnen tn nördlicher Richtung. Foch plant also eine große Umklonimcrung und Vernichtung der deutschne Armeen, die ihm allerdings nur gelingen kann, wenn der Durchbruch voll gelänge: wobei strategisch per Durchbruch in nördlicher Richtung der gc- führlichere wäre, da er ein Abdrangen von vnseren Verbin» düngen bedeuten lönnle. Zu Liejem Zwecke hat die Entente unter rücksichtslosen Opfern alles ln Front geworfen, was sie kann und wird dies fortjetzen. bis die Ereignisse selbst sie belehren, daß unsere Abwehr unüberwindlich ist. Eine gelegentliche Geländcausgabe, verjchieoenlliche Einbrüche, die uns die Wahl einer neuen rückwärtigen Stellung auinötigen, ändern an dieser Tatsache nrchts. Bleibt der strategische Zusammenhang unseres ganzen AbwehrsystemZ — denn es ist ein tiefgeglieder- les System, leine Lnrre! — geu-ahrt, so kommt der Feind nicht durch. In Flandern werden infolge der Wahl unserer neuen Stel. lunz vom Hundzame-Adschnitt über Ledegem-Verwik bis nörd- lick. Armenliercs allerdings einige wertere Orte dem Wüten des feindlichen Feuers zum Opfer fallen, so Roulers und Menin, die in den näheren Feuerbereich gerückt sind. Von Interesie ist, daß dort nun auch Franzosen gefangen wurden, ein Zeichen, daß Foch dcrt neue Kräfte zur Erweiterung der - Einbruchsstelle hinein- ttopft. Ob zwischen diesem Frontabschnitt und dem Cambrai- Schlachtfeld sich die Lage noch ändern wird, steht dahin; Anzeichen sind vorläufig nicht erkennbar. Bei Cambrai selbst hat der Feind entschieden einen Miß^ "folg gehabt, trotzdem ihm Tilloy nach vielem vergeblichen Anstürmen in die Hand fiel. Ursere Truppen haben sich glänzend t-eschlagen und sind, das sieht man aus den Berichten, der Lage gewachsen: jeder Äbwehrersslg wird 'hrer Stimmung zugute komnren. Day die Trümmerstä^te ,on St. Quentin in die Hände des Feindes fiel, ist bedauerlich, kann aber höchstens als moralischer. Nicht als strotegifcher Verlust gewertet werden. Die Angrifre beiderseits Le Eatelet mißlangen: auch zwischen AiZne und Vesle nahm der Franzose seine Angriffe wieder auf. konnte Lllecdkngs nur bei Vreuil einen örtlichen Erfolg buchen. Im- merhir mrisien wir mit weiteren Anstürmen gegen den Riege' zwischen beiden Flüssen rechnen, denen aber zweifellos geeig. nete Maßnahmen entgegengesttzt werden. Beiderseits der Araonnen hat es den Anschein, als ob der Feind sich nickt mehr fo ganz zu einheitlicher Handlung aufzu. raffen vermöchte. Die an sich starken Teilangriffe blieben ohnr Erfolg, die Amerikaner erl-tten besonders schwere Verluste. Sa ruht augeubNcklrch der Schwerpunkt der Handlung mehr im Norden, in Flandern und bei Cambrai. Ob er dort infolge dauernden Nachbohrens Fock.« an den Brennpunkten der Schlachten bleibt oon sich neuen Stellen zuwendet, bleibt abzuwarten. Jedenfalls können wir der Ueberzeugung fein, daß unsere Abwehr, unsere brcven Truppen im Westen, tun, was sie können. Unsere Kombengelchwader. Declln, 2. Okt. lWB.) Die ungünstige Witterung vermag heute weder bei Tage noch tei Nackt unsere Luftstreitkräfte a» erfolgreicher Töllglert zu bindern Das bewiesen unsere Vom. bengejchwader, die in dcr Nacht zum 29. September trotz eines Sturmes von 20 bleiern in der Seluude und starker Bewölkung das feindlich; Hinterland mit 75 975 Kilogramm Bomben belegten. Ein Geschwader w.rf allcin in mehreren Flügen 32 925 Kilogramm Bomben ab Eine Besatzung flog in dieser Skacht viermal, eine andere scgar fünfmal. Die unermüdliche Arbe t unserer Bombenslleger beweist am besten die Tatsache, daß ein Geschwader fett dem 1 Januar bi« zu dieser Nacht über 700 000 Kilogramm abwarf. Von neun Uhr abends bis fünf Uhr morgens wurde das gesamte Kampfgebiet in Flandern zum Teil aus sehr niedriger Höhe du^ch Masieneinsatz von Maschinenge- wehrmunition in Atem gehalten Der Abteilungsverkehr aus den Straßen und Züge auf mehreren Strecken wurden erfolgreich mit Bomben beworfen und unter Maschinengewehrfeuer genommen. Feuernde Batterien wurden zum Schweigen gebracht. Scheinwerfer und Flugadwehrkaronen wurden lange Zeit nie« dergehalren. In Ortvunlerkünsten und Waldlagern um Ppern, Arras, Bapaume und St. Qventi« erzielten unsere Bombengeschwader einwandfreie Treffer Die Km,bestreue Oesterreichs. Hatten die lieben Tschechen schon während der Rede des Ml- nisterprästdcnten ihrer Abneigung gegen das Bündnis mit dem Deutschen Reiche wütenden Ausdruck gegeben, so übertraf bk Rede des Obmanns des Tschechenklubs alles bisher dagewesene. Er bezeichnete es als ein Verdienst der tfchcchisck>en Verräter, daß Frankreich nicht mehr von deutschen Truppen ausgeraubt wurd«, «nb. dad day Her^ von Frankreich. Part», und die Haupthafen- stadt Calais nicht den Deutschen in die Hände gefallen find. Der deutsch-radikale Abgeordnete Teufel rief dazwischen: „Das ist eine Niedertracht, und diese Nede ist die größte Schurkerei." Die Tschechen antworteten in der bei ihnen üblichen Weise mit rohen Beschimpfungen und warfen Tintenfässer nach dem Abg. Teufel. Am Nachmittag nahm der Ministerpräsident Veranlassung, folgende Erklärung abzugeben: Heute vormittag durch dringende Beratung zu meinem leb. haften Bedauern an der Anwesenheit in diesem hohen Hause verhindert, habe ich erst aus den stenographischen Aufzeichnungen erschen. daß der erste Redner bei seinen Erörterungen in maßloser Weise Auffaffungen vertreten hat, welche, wie ich selbst überzeugt bin. nicht die des tschechischen Volkes sind. (Lebhafter Veifall links, Zurufe bei den Tschechen). Der Kampf für nationale Ideale kann nicht durch Verherrlichung von Hochverrat und Felonie durch Beschimpfung jener Staaten geführt werden, deren Truppen an der Seite der unseren fechten. Das Deutsche Reich und sein Oberhaupt, der ungarische Staat (lebhaft Zurufe bei den Tschechen) und die ungarische Nation stehen zu hoch, um durch Deleidigungsn dieser Art gekränkt zu werden iErneute, lebhafte Zurufe). Aber als Ehcf der Regierung bin ich verpflichtet, solche Aeußerungen mit Empörung zirrückzuwei- sen. (Lebhafte Zstimmung links. ^Gegenrufe bei den Tschechen). Ich wahre die Würde Oesierr-ichs gegen solche Ausschreitungen des Chauvinismus. der jeden inneren Halt und jedes Verständnis für die Wirklichkeit verloren hat, der auf den blanken Schild unserer Staatsehre und unserer unerschütterlichen Traue gegen den ruhmvoll-en Verbündeten keinen Schatten zu werfen vermag. (Lebhafter, Beifall, Händeklatschen links, Gsgenrufe bei Len Tschechen, der Ministerpräsident wird beglückwünscht.). Kuigarrsn. j«r Front stehen unsere Truppen Schulter an Schulter mit deutschen und bewähren auch dort wieder herrlich das in Treue fest, gefügte Bündnis, das auch in Zukunft allen Proben des Schick, sals unerschütterlich standhalten wird. (Zwischenrufe bei den Tschechen: Los von Deutschland.') So wie im Kampfe werden wir aber auch am Werke des Friedens Hand in Hand miteinander gehen. (Beifall links- Zwischenrufe bei den Tschechen'.). _ Hussarek beschäftigte sich dann mit den Aussichten für den Frieden. Die Stunde dafür werde kommen. AM'lranW fuifpaiiümiptnsjfü. Haag. 30. Sept. Reuter meldet aus London: Die Waffenabteilung der Vereinigten Staaten gibt offiziell bekannt, daß seit der Kriegserklärung Amerikas 156 332 Maschinengewehre und 2 437 279 Gewehre aller Typen verfertigt wurden. W Wirdttssfuiihm ln GllaiMtll- emtaMkg Hilf Jrnsiltrfi*. Derlrn. 3. Okt. (WB.) Der Austausch der Kriegsgefangenen und Zivilinternierten zwischen Deutschland und Frankreich wird, wie bereits angekündigt wnrde. demnächst wieder beginnen. Vom 15. Oktober ab sollen wieder von jeder Seite wöchent- M) zwei Züge mit kri ^sgefangenen Mannschaften abgelassen werden. Der nächste Offizieriransport würde Mitte November fällig sein. Ein Zug mit Zivilinternierien wird voraussichtlich! am 7. Oktober eintreffen und u. a. auch Deutsche aus Marokko! mitbringen.. lieber die weitere Fortsetzung des An-tausckes der Zivilinternierten wird noch verhandelt. Es ist zu hoffen, daß eine befriedigerLr Lösung erzielt werden kann. roaltigung des eigenen Gewissens zupemutet "wirb. Für ei*c unerfüllbare Zumutung erachtet die bayerische Zcntrumsparletz di« von den Linksparteien geforderte Aufhebung des Artikel» 9 der Reichsverfaffung. Durch sie wird ein völliger Iftin^rz der Reichsverfaffung herbeigeführt, der Vundesrat al? selbflän», diges unabhängiges Organ der ReichZri-aierung außer Wirksem-' keit gesetzt und eine derartige Zentralisierung *d?r ReichskeitunG herbeigeführt, d'e den bundesstaatlichen Eharakter des Reiche» zerstört. Die deutsche Zenlrumspartei hat vom ersten Tage ihre» Bestehens an als wichtigen Punkt ihres Programms dis Erhaltung und den Schutz des bundesstaatlichen Charakters des Reiches betont. Die bayerische Zentrumspartei erachtet es daher als eine Selbstverständlichkeit, daß die Zentrumsfraktion des deutsche« Reichstages, eingedenk ihrer fast fünfzigjährigen Geschichte, e« entschieden und einmütig ablehnt. auf die von den linken Par. teren mit Bezug aus den Artikel 9 der Reichsverfaffung erhobene Forderung einzugehen. Mt ^[»affrsHiuani für meKgMslmrg'Mlir^. S5erlr?i, 2. Okt. (MB) Die deutsch-konservative Fraktion des Reichstags hat in ihrer heut:gen Sitzung folgenden Beschluß ge^ßt: „Die konservative Fraktion war und ist entschloffen. sich auf den Boden des kaiserlichen Erlaffes vom 30. September d. I. zu stellen und sich unter Opfern der Ileberzeugung an einer Regierung zu beteiligen, dis sich zur Aufgabe macht, alle Kräfte des Volkes in geschloffener einheitlicher Front für die ehrenvoll» Beendigung des Krieges einzufttzen." AMms kj.'tnZahn-Nilglükkr fn WlMril. Doppelspiel? . Berlin. 3. Okt. Zu der bulgarischen Thronrede schreibt die „Dolksztg.": „Konnte man bisher noch mit der Möglichkeit rechnen, daff Molinow die Verhandlungen mit der Entente auf eigene Faust eingeleitet hatte, so besteht nunmehr lnobl kein Zweifel mehr darüber, daß er seine Schritte unter voller Billigung des Königs unternommen hat. Wenn trotzdem König Ferdinand sowohl Kaiser Wilhelm und Kaiser Karl^ eine Versicherung seiner Dündmstreue abgegeben hat, so wird man sich nicht länger der Neberzerrgung verschließen können, daß der König ein Doppelspiel getrieben hat, wie es verwerflicher kaum gedacht werden kann." Pflaafritng dn ssrükntk-GöaMkk. 9^0^ Aufdeckung der englisch-französischen Verschwörung vr einigen Wochen wurde u. a. das ehemalige amerikanische Ko» sulat, jetzt unter englischer Flagge, einer lleberwochung unte worfen. Da nach internationalem Recht die Gesandtschaft immu ist. so konnte nicht in das Haus eingedrungcn werden. E wurde jedoch einer regelrechten Belagerung unterworfen. Ai sanglich war der Zutritt für Personen mit Dokumenten amerikc nischer und neutraler Länder ungehindert. Gegenwärtig jedo- wird nieickond zugelaffen, und von den herauskommenden Per sonen werden die Ausweise verlangt. Nach Angabe der Kow Mission beftnden sich dort jetzt folgende Teilnehmer an der Der schwörnng: die Engländer Lindner, Eibson Hicks, der fronte stickte General Läwerne. der Gesandte Grenert und Oberst d Castelle. Anfänglich erschienen, bei dem Kommissionspräsidiuv täglich neutrale Konsuln, die kategorisch die Aufhebung der Be lagerunq und die Befreiung der E-ngeschloffenen verlangtci unter Hinweis auf das internationale Recht und unter Drohuw mft dem Zorn der Verbündeten und neutraler Mächte. Iedaä ohne Erfolg. Ihnen wurde bedeutet, daß diese Personen da« größte Staatsverbrechen begangen bätten. indem sie das russisch. Volk durch das Abschneiden der Verpftequngszufuhren. Trans- portftörungen und Eisenbahnsprengunaen in unerhörtes Elen? stürzen wollten. Einzig physische Unantastbarkeit und normale Bedingungen während der Haft, wie Lockhart sie genießt, könnt. o:e Negierung garantieren. Petersburg. 1. Okt. (WB.) Ueber den Ausgang dieser ganzen Angelegenheit äußerte Vorsitzender Petersen. daß die Diplomaten sich entweder der russischen Regierung stellen oder bereu Regierunaen Schritte zu ihrer Befreiung und zum Austausch gegen unsere in Frankreich und England verhafteten Genossen unternehmen müßten. Weiter erklärte Petersen, daß das llntersuchungsmaterial noch neue wertvolle Daten über das Ver- brechsn «cfn P-rü-nen 311+03? ceförtert hat (rin? 30-7,3-- Reibe verkästet« Spione Hobe der Kommisswn vickti« Apffobe» gemacht. FeSgeftellt wurde z. B, daß der verhütete Kalmsttanöks -wr-rU°n.?cher Untertan, auf einen gefälschten Dax lebend, oni^’ rikaniich-r Sauptspion in Rußland war. Letzterer sollte zufain- ^ mti J™ «"»lifchen Agenten RaUp und dem französtschen rttt genwetter in den letzten Tagen hatte an der Unglücks stelle de» 8 bis 10 Meter hohen Bahndamm unterwühlt als ein mit etw» 175 Paffagieren besetzter Personenzug. der Verspätung hatte j utT ^ desbolb mit 75 bis 80 Kilometer Geschwindigkeit fuhr. AI« \ et die Stelle passierte, stürzte die Lokomotive mit dem Tender. ; zwei Güterwagen, dem Postwagen, dem Speisewagen und drei Paffagierwagen in die TiOfe. Die Wagen wurden völlig zertrümmert. die Gasbehälter explodierten und setzten die Trum- mer in Vrand, sodaß alles bis auf das Eisengerippe abbrannte. Die Dunkelheit erschwerte die Rcttungsarbeiten. Die Zahl der Verunglückten beträgt höchstens 90, wovon vermutlich 40—50 ge- ißiet wurden. In der allgemeinen Verwirrung wurde der Speisewagen ausgeplünderl. Drr „Militar-sams" drr — Andrrkn. „Der Humanitarismus und der Pazifismus sind gefährlich« Einschläferungsmittel.- »-EZ gibt Nationen, die als kleine leben können, Frankreich kann das nicht: es kann kein kleines Volk jein." P o u I D o u m e r, Aus einer Rede 1904 „Wir muffen uns deshalb raftloZ auf den Krieg vorbereitea. denn er ist vom Geschick bestimmt. H. Barlhal. „Der Krieg ist für die zivilisierten Völker ein unvergl-ic^« l'ches Prüfungsmittel, das die ursprünglichen Kräfte des Ia- stinkts unter der Tünche einer unsinnigen Erziehung durch di« Wirrnisse des Gejellschaftsorganismus Hervorbrechen läßt un^ die AnZbrüche und die Lebendigkeit der tierischen Natur bewirkt." Pierre Baudin. L'Alerte. „Die Gewalt schafft das Recht und sie ist das Recht. Rur der Krieg eines starken Volkes ist gerecht. Der Beweis, daß ein Krieg gerecht ist. das ist der Sieg. Die Schwachen sind da. um die Starten zu ernähren." M. Montaigne, Vaincre. „Rur eine starke Armee kann dem Gegner Furcht einftößeik sich mit ihr zu meffen." E. CherfilZ, Vers l'esperance. „Mau muß stark sein, um nicht angegriffen zu werden, man mich stark sein, um seine Freundschaften und Vündniffe zu er- halten und neue vorzubereiten " Henry Pate, Le Sacrifice. „In keiner Armee hat man seit 30 Jahren so gearbeitet wie rn der französischen. Sowohl in der Vervollkommnung unserer Kriegsrüstung, wie in ihrer besten Handhabung, in allsn Zwei gen Kr Kriegskunst ist man hier täglich und unaufhörlich vor angeschritten." A. Erouard, France et Allemagne. „Kein Land, selbst Deutschland nicht, kann sich rühmen, sein Parlament besorgter für die militärischen Dedürfnisie des Lau. des gesehen zu haben, eifr^er. sie zu befriedigen, und vor allem kundiger tn der Wahl der Mittel." G. C o g u e t, Le problöme des referveZ. „Niemand könnte sich den Fall denken, daß eine Nation wie die unsrige ohne unterzugchen imstande wäre, ganz oder mn teilweise aus ihre ruhmreiche Vergangenheit und auf ihre überlieferten Fähigkeiten zu verzichten, noch daß sie ohne ihre mili- türische Macht bleiben könnte, was sie ist." Reimond Poincare, Aus einer Rede 1903. Zur Rsrgsschiäfte des Krieges. Ein ehemaliges Mitglied der ruffischen Duma und der Lan» desverteidigungskommissicn machte kürzlich in einem Gespräch einige intereffante Angaben über die Vorgeschichte des Krieges, die uns von zuverlässiger Seite übermittelt werden. Der Sprecher schilderte zunächst einen Vorgang bei der Feier der dreihundertjährigen Best-henZ der Herrschaft der Romanows im Jahre 1913, der geeignet ist, ein kelles Licht auf die schon damals bei der Entente herrschende Kriegs- und Erobernngsstin«, •aig zu werfen. Bei der Feier wurde nämlich dem Zaren vom französischen, englischen und russischen Generalstab ein« Karte überreicht, auf der Posen, Ost- und Westpreußen als russisches und Elsaß-Lothringen, sowie das ganze linke Rheinufer als französisches Gebiet eingezeichnet waren, während England die deutschen Kolonien zugeschrieben waren. Das Machwerk wurde mit dreinraligem Hurrarufen begrüßt. Im Frühjahr 1911 hatte der Erzählende eine Unterhaltung mit Gutfchkow, bei der folgende ASicherungen fielen: Gutschkow: „Ich höre, Sie wollen wieder nach Deutschland reifen?" — „Ja. iü:« alle Jahre." — Gutschkow: „Tun Sie das nicht, Sie wer- den durch den Krieg überrascht." — „Was soll denn ein Krieg für einen Zweck haben? Es ist doch bekannt, daß nicht immer der, der einen Krieg anzett-elt, ihn auch gewinnt." — Gutschkow: ..Dieser Krieg ist ein einfaches mathematisches Exempel, das vom englischen, französischen und russischen Generalstab so tadellos ausgearbeitet ist. daß der Erfolg sicher ist." — „Deutschland will doch aber den Krieg nicht." — Gutschkow: „Rein, Kaiser Wilhelm ist viel zu klug, um ihn anzufangen, und der Zar ist viel zu dumm dazu. Aber wir haben eine Formel gefunden, die sie beide dazu bringt." Diese beiden kurzen Aeußerungen sind weitere Beweise zu der schon vorhandenen Fülle von Argumenten dafür, daß der -Krieg aui der Seite unserer Feinde gewollt und sorgsam vorbereitet war Es ist nicht zu begreifen, woher die Wortführer der Entente trotz dieses immer wachsenden Deweismateriols die Kühnbeit nehmen, mit der sie immer wied.'r versuchen, uns die Schuld am Kriege Zuzuschieben. l\(Ux der; „AnMi-ririeb" m Krüge schreibt die „Deutsche Tageszeitung" treffend: .. Bei der Verteidigung des Rechtes auf möglichst der- gnügte Lebensführung, die uns den Abend, aber nicht nur etwa den Abend allein, zu verschönen trackstet, wird oft auf unsere Feldgrauen Bezug genommen. Man nrüsse für ihre angemessene Unterhaltung sorgen, wenn sie aus Urlaub kommen, sie erfrischen und ermuntern, ihnen das Leben von der harmlos-fröhlichen Seite zeigen. Dazu tauge vor. allem der bunte. spieieriM. keine Ansprüche an Kopf und Seele stellende Genuß. Mit schaueren Gedanken werde den Leuten das Herz draußen bereits hinreichend schwer gemacht: so. bald sie einmal auf kurze Zeit der Finsternis, der Gefahr, dem immer nkch ihnen greifenden Arm des Todes entronnen seien, begehrten sie nach andern, liästeren Bildern und Vorstellungen. Vergessen wollten sie, und dazu eigne sich nicht Schiller,cke und Hebbelsche Kunst, auch Beethoven nicht. Nun hat diese Verallgemeinerung kaum unbedingte Geltung. Wir wissen, daß sich unsere Wackeren an der Front in nicht wenigen Fällen die leichten oder gar zotigen Gaben mancher Wandertheater, die ihnen allermodernste Kunst vermitteln wollten, verbeten haben. Auf ehrenhafte und gediegene Männer, die vom Schlachtfelds kommen, muß das wilde Jahr, marktstreiben daheim, der heftige Drang nach „Amüsemnt", ckiederdrückend einwirken. So tobt man hier gedankenlos in Saus und Braus, während in Flandern und Nordfrankreich teures Blut in breiten Strömen fließt! Ten Feldgrauen, denen es danach gelüstet, soll die Ausspannung im lauten Trubel gegönnt sein. Empfinden, sie das Bedürfnis nach dem bekannten starken Getränke, wohlan! Aber ziemt es uns anderen, uns Taheimgebliebenen nicht, ein wenig zurückhaltender im Genuß zu sein und uns eindringlicher als jetzt der gewaltigen Tatsache zu männern, daß unaufhörlich der von zwanzig oder fünfundzwanzig feindlichen Mächten ge. schmiedete Hammer vernichtungdrohend an Deutschlands Tor schmettert? Nicht die Feldgrauen und nicht die Millionen unserer Kernbürgerschaft, deren wirtschaftliche Lage der Krieg hoff- nungslos Unterhöhlt, legen entscheidenden Wert auf den Amüsiertaumel im Kriege. Sie kämen wahrlich recht gut ohne ihn aus, enrpfänden es gewiß als würdiger, wenn Deutschland angesichts so vieler frischer Gräber zu Hause ein bißchen weniger lustig wäre. Aber freilich, unsere Kriegsgewinnler aller Kaliber wollen sich nicht lumpen lassen und sind keine Freunde von Traurigkeit. Ihnen verdankt man's, daß der Vergnügungsraimmel noch he.rte seinen Mann und zahllose d Angestellte ernährt, und dies fällt immerhin ins Gewicht. Welche Elements nach unangemessen greller, rücksichtsloser Lustigkeit drängen und ihren genießerischen Neigungen ungehemmt die Zügel schreße» lasten, ungebannt vor allein durch den Anblick der Leidtragenden und Bekümmerten im Lande, das hat die notwendig gewordene Schließung der Familienbäder an der Ostsee gezeigt. Man braucht gewiß kein strenger Sittenprediger zu sein, kann die noch heute umstrittene Einrichtung, di« von Familien meist nicht benutzt zu werden pflegt, durchaus billigen und wird doch, zornvoll auf das schändliche Zerrbild geblickt haben, das sich sommerlang an unserer sonst so gut bürgerlichen Ostsee entrollt hat. Zu den Kriegserrungenschaften, auf die wir stolz sein dürfen, wrrd weder das Familienbad von 1918 noch die Tatsache seiner Sperrung „wegen eingerissener Zucht- und Sitten- losigkeit" gehören. Welche Empfindungen die Kunde von dem erforderlich gewordenen Einschreiten gegen die Herren Reklamierten und ihren weiblichen Anhang tut kämpfenden £cer erwecken wird, davon ist besser nicht zu reden. Ein SechzignnMonen Volk läßt sich airch in Tagen, wo eS um fern Dasein geht, nickt nach den Maßstäben der Altjüngfer- nacheit ilnd Zimperlichkeit regieren: dafür machen sich die Grundstimmungen der Vielzuvielen. die dauernd gehaltenen Ernst einfach nicht ertragen, zu stark bemerkbar. ' Aber die Würde dieser großen Zeit erheischt, daß unsere Unwürdigen, das Dölklein, dem durchaus jeder Tag ein Fest werden muß, wenigstens einigermaßen bescheiden im Winkel bleiben und wchch etwa die Nation und ihr Empfinden zu verkörpern rächten. Die Würde dieser großen Zeit ist in unsere Hand - V gegeben: eEj gegenüber dem Merlavten Amüsierbetrieb nn Kriege müssen wir sie bewahren. Dkr Doftgr dcr Mu-'rU'aft. Durch einen jetzt amtlich veröffentlichten königlichen Erlaß vom August d. I, ist der Landwirtschaftlichen Hochschule in Der- lin in Anerkennung der wisienschaftlichen Bedeutung, die sie im Laufe der Jahre erlangt hat. das Recht eingeräumt worden, unter den in der PromotionZordnung festgesetzten Bedingungen auf Grund einer Prüfung die Würde eines Doktors der Land- Wirtschaft zu erteilen und die gleiche Würde auch ehrenhalber als seltene Auszeichnung an Personen zu verleihen, die sich um die Forderung der Landwirtschaft hervorragende Verdienste er- worben haben. Wann wird die blödsinnige Spielerei mit den hohlen Titn. laturen, die einem tauben Ei gleichen, aufhören? Wir meinen doch wirklich, unsere Zeit ist dazu zu ernst. Anstatt den alten Unrat einmal gründlich auszumisten, erfindet man. ausgerechnet im Krieg, neue Titulationen, ein „Studienrat". „Dr. d. Landwirtsch." usw. Wenn die neue Zeit der Demokratisierung sich ein Verdienst erwerben will, so soll sie dem Ordens- und Titelswesen ein gründliches Ende bereiten. 'U^eln vertrag, kein llccht erl uns gegen feindliche« Ueberfall. Nur die eigene Starke verbürgt uns den Weltfrieden, wollen wir ihn erreichen, da ,hi dcrf es kein schwaches Deutschland geben. Erft die Zukunft wird den wert des völkischen Magens für DsuWzMsGelüLNNöAÄ ©ffajfcjrcu. 8ctzi alle Kraft ein für dieses den, cc\i<§ die kriegs-Livrech« gilt. Ans bsr Heimat. Friedberg, 4. Ott. Mir haben in unserem Schaufenster auf der Hanauerstraße ein Stück Brot ausgestellt, das davon Kunde geben soll, was für Brot zu effen unserem Volke zugemutet wird Dieses Brot gibt ein Beweis dafür, daß man mit Phrasen nicht satt wird. Im Jahre 1914, als das Kriegsbrot aufkam, mag die Beimischung von Kartoffeln ganz angebracht gewesen sein, damals hatten wir Kartoffeln die Fülle, aber mit Getreide konnten wir die Bevölkerung nicht durchhalten. Jetzt aber hat die ganze Sache gar keinen Mett und die Phrasen von dem gesunden deutschen Kriegsbrot und dem deutschen Karioffcl- brotgeist haben längst allen Wert verloren. Wir wisien noch gar. nicht, ob wir im nächsten Jahre mit den Kartoffeln mehr Schwierigkeiten bekommen als wie mit der Frucht. In den Städten jammern sie nach einer Erhöhung der zugeteilten Kartoffelmenge, da wäre doch das einfachste und zweckmäßigste, wenn man das Brot rein backen würde und die zur Streckung; des Vrotes vorgesehene Kartoffelmenge den Leuten so geben würde. Das wäre vernünftig und so hat es auch die Stadt Mainz beschlossen. Aber die Vernunft ist bei unseren maßgebenden „Ernährungs"ämtern zum Teufel gegangen und so wird wahrscheinlich dieser Beschluß auf höheren Befehl wieder rückgängig gemacht werden muffen. In Frankfurt ist der Zusatz von frischen Kartoffeln untersagt, es müffsn getrocknete Kartoffeln genommen werden. Kartoffelpraparaten erhalten aber | m’t Zuschutzgebiete, wahrend wir in Friedberg Neberschutzgebiet j ftnb. Weil wir also in der Wetteräu viel und gutes Getreide! haben, so muffen wir einen knalschigen. feuchten Kartoffelpamps, ob wir wollen oder nicht, effen. also will es die höhere ’ Zwangswirrscbaftsweisheit? Alle Welt hat bet uns aufgsatmet. ' als die neue Ernte kam und das vorher kaum genießbare Brot ! verschwunden war. Ein paar Wochen hatten wir wirklich gutes ! Brot, da kam der Ukas von der Reichshauptsiadt. daß am 1. Oktober Kartoffeln dem Brot beigemengt werden müßten und was der Erfolg ist, das zeigt das Vackwerk. das wir im Schaufenster ausgestellt haben. Von einem Fachmann wurde uns versichert, daß es gar nicht, oder nur mit großen Schwierigkeiten. eirrwandsfrei festzustellen sei. ob 10 oder 20 Prozent Kartoffeln dem Brot zugesetzt werden, aber im Geschmack merken wir es zu unserem Nachteil Deshalb wird durch den Berliner Ukas die Rahrungsmittelverfäffchung geradezu unter behördlichen Schutz gestellt. ^Das deutsche Volk besitzt wirklich eine Lammsgeduld. sonst würde es sich derartiges nicht bieten lassen. Wir sind bald nur noch auf Kartoffeln angewiesen: letztere können zum Glück nicht verfälscht werden, aber das Brot macht man nahezug ungenießbar. Wie wir erfahren, wird Herr Landtagsabgeordnete Damm in dieser Hinsicht Schritte in Darmstadt tun, wir wollen hoffen, daß sie von Erfolg begleitet sind Frlcdberg. (S ch w e i n e d i e b st a h l.) In der Nackt vom Montag zum Dienstag wurde in das Anwesen des Lerfenfabrrkanten Enstor eingebrochen und von den Ver- bre^rn ein Schwein im Werte von vierhundert Mark abge- schlacktet und mitgenommen. Die Schlachtung fand im Stalle ^eckpt statt, worin sich auch noch die Därme usw. vorfanden. ~ lc Dt wie die Beine abgeschnitten sind, läßt vermuten, daß die Gauner mit derartigen Arbeiten wenig vertraut sind, ^ce mußten um zu ihrem Ziele zu gelangen, mehrere Schlöst ^er ausbrechen und es ist merkwürdig, daß der im Wohnhause deflndlkche Hand nicht anschlug. Die jetzt so dunklen Nächte sind dn Verbrechern besonders günstig. Aus Kleinkarben schreibt man uns: Wie kommt es. daß man hier und in anderen Gemeinden der Wetterau noch kein Geld für den abgeLteferten Speck erhalten bat? Heute wird der Speck mit 12 Marr und mehr für das Pfund bezahlt, rof* bekommen nur einen kleinen Bruchteil dieses Betrages unL selten dabei auch noch so lange warten. Manche Bauern un- Arbeiter haben schon im November vorigen Jahres geschlo hie« und ihren Speck abgeliesert und warten immer noch vergeben« auf ihr Geld Für's nächste Mal werden wir es wohl so mache» müssen: Erst das Geld und dann die Ware! Wenn wir zuvo* kein Geld kriegen, liefern wir auch keinen Speck ab. Oberdorfelden, 3. Ott. Vor einiger Zeit wurde hier ein trächtiges Mutterschwein gestohlen und im nahen Walde abge- schlachtet. Man fand dort den Kopf und die Eingeweide, wobei es sich herausstellte, daß das Schwein acht Ferkel bei sich ge. tragen hatte. Jedenfalls wurden die Diebe gestört, oder konn. ten sie die Menge Fleisches nicht fortschaffen, denn ein paar Tage später fand ein kriegsgefangener Franzose im Gras ver. steckt ein paar Schinken, die von dem Schwein herrührten. Frankfurt a. 2. Okt. Das Schössengericht verurteilte den Schriftsteller Karl Watzmann wegen Beleidigung des Ein. j berufungsausschuffes zum Vaterländischen Hilfsdienst durch die ? Worte: „Ihre Handlungsweise mir gegenüber ist verbrecherisch" ! sowie durch den in einem Artikel erhobenen Vorwurf der Par. j teilichkeit zu sechs Wochen Gefängnis. Frankfurt a. M., 2. Okt. In der letzten Sitzung der Stodk. ; verordneten wurde die Lebensmittelversorgung einer herben Kri. j tik unterzogen. Der aus Berlin berufene Direktor des Lebens. ' mittelamtes Dr. Schmidt habe keine Besierung gebrach», so j meinte der Sozialdemokrat Hopf. Die Rationen sind kleiner, di? i Verteilung ist nicht besser geworden. Die Verhältnisse sind eben l stärker rote die Personen. Auch die vier Juristen, die. ohne datz j das Lebensmittelamt gefragt worden ist, dort angestellt sind, j haben die Verwaltung nicht vereinfacht. In der Personalab^ teilung muß auffallen, daß immer noch zu viel kriegsdienstfähig» \ 2eute beschäftigt werden. Bei der Rahrungsmittelabteilung hat j man 200 000 Mark gutgemacht, die Mehlzentrale dagegen taste! j man nicht an. Bei der Lebensmittelversorgung find zu viel | Zwischenstationen: man kann bald von einem staatlich konzessio* r vierten Kettenhandel sprechen. Die Stadt ist verpflichtet, dies j zu mildern: sie darf nicht noch neue Stellen schaffen. Sehr hoch jj sind die Aufschläge der Rhein-Mainifchen Lebensmittelstclle. Da. | bei werden dort große Kapitalien an gehäuft. Der fachmännische j Verrat ist se.t 1916 nicht mehr gehört worden. In einem Pro« ! zsß wegen Veruntreuung von Lebensmittelkarten hat eine An- j geklagte behauptet, hochgestellte Personen feien in die Sache \ mit verwickelt. Das Lebensmittelamt hat nicht darauf reagiert. 5 Es ist feine Pflicht, derattigr Sachen im Keime zu ersticken. Der J demokratische Stadtverordnete Soll meinte: Das jetzige System i der Ernährung bat sich als untauglich erwiesen: es hat Bankrott gemacht. Im Dufttage feiner Fraktion beantragt der Redner, der Magistrat solle bei den Reichsbehörden dahin vorstellig werden. daß eine weitere Ausdehnung der fleischlosen Wochen erst dann stattfinde, wenn eine ausreichende Belieferung durch gleich, wertige Lebensmittel sichergestellt ist. Im übrigen glaubten die Herren ave in der r r st l 0 s e n Erfassung der Lebensmittel alles Herl zu erblicken. Frrtdrichsdsrf i. T„ 1. Ott. Beim Wildern wurden zwei Einwohner des Stadtteils Dillingen abgefaßt. In ihrer Wohnung fand man nvei Gewehre und einen Hirsch, den sie im Rie- der-Erlenbacher Walde erlegt hatten. _ Schnmnbcim a. M., L Okt. Der viele Morgen umfassend, ^prelylotz des Frankfurter GolsNubs liegt iett Kriegsbeginn tm. b^utzt da: dadurch sind der hiesigen Bevölkerung, die weder Ar noch Halm ihr eigen nennt, weite Flocken des besten Bodens für^ die Bewittfchaftung entzogen. Jetzt hat sich ober eine Ver. eimgimg zusommengefchlossen, die die Freigabe des Golfplabe, für landwirtschaftliche Zwecke gegebenenfalls durch höhere Anordnung zu erreichen sucht. ^ 2 ‘ Bei der Beseitigung von Sprengstoff, ruckstmiden fand auf dem Gelände der Farbwerke, anscheinend durch unsachaemäße Handhabung, eine Erplosion statt wobei Uibci vier Arbeiter den Tod fanden. Weitere Personen wurden nicht verletzt, auch liegt kein Sachschaden vor, da sich das Unglück im Freien ereignete. Vom Main. 1. Okt. "DZ Rimpach kam es in einem Hohlwege zwischen zwei Fuhrleuten wegen des Ausweichens zum streit. ,n dessen Verlaus der 19jährige Bauernsohn Gellbof-r seinen Gegner, den 48jährigen Bauern Sternick mit einer Hacke ericklug. Der Täter war erst vor kurzem wegen eines im Felds erlittenen Nervenleidens vom Militär entlassen worden. Aus Starkenburg. ^ Offenbach a. M., 90. Sept. In der Nacht von Samstag auf Sonntag wurde in ein Kaufhaus in der Frantturterftraße eiw gebrochen. Den Dieben fielen für mehrere Taufend Mark Kleidungsstücke und Stoffe in die Hände. Nus Kurbtsscn. sr. Gelnhausen, 3. Cft. Bei dem VersuAc, auf Sem Dahnhofe Maiersbach das Bahngleise zu überschreiten, wurde der Schaffner Kaspar Henning aus Großauheim von einem Schnellzuge erfaßt und derart schwer verletzt, daß er nach seiner Ueberführung in das Hanauer katholische Schwesternhaus verstarb. Verantwortlich für den politischen und lokalen Teii: Otto Hirichel. Friedberg: für den Anzeiaenteil: N. Hevner. Friedberg. Truck und Verlag der „Neuen Tageszeitung". A G.. Friedberg i H, Cffene Stell?«: Frieda," sagte eben die zierliche allerliebste Käthe, indem sia,. sehr lebhaft und graziös vor dem großen Stehspiegel in ihrem gemeinschaftlichen Mädchenboudoir einhertänzelnd. unverdrossen den Dreischrittwalzer Übte, den sie. trotz aller Tanzstunden, noch immer nicht zu ihrer eigenen Zufried-nh-it be- herrschte. ..du, Frieda, meinst du wohl, daß Leutnant von Eerms- hoff mich auch einmal ausfordern wird?" Eine dunkle Röte schoß ln das zarte, liebliche Gefickt Friedas, das von einer Fülle prachtvollen goldblonden Haares gekrönt und von sanften braunen, .fast übergroßen Augen durchleuchtet war. Sie war eine auffallend schöne Erscheinung, boch und schlank, der Kontrast des hellen Haars und TeintZ mit den dunkeln Augen gaben ihr etwas ganz Besonderes „Warum nicht?" erwiderte sie leichthin. „Run. erstens ist er immer so ln Anspruch genommen von den allerhöchsten und höchsten Herrschaften, hat soviel zu tun mit Arrangieren. Vortanzen. Vorstellen, daß er für anderes kaum Zeit hat. Und dann bin ich doch ein so unbedeutendes Geschöpf, so klein und unscheinbar, daß er mich sscker gar nickt beachtet." „Und wäre das ein so großes Unglück?" fragte die ältere Schwester lächelnd. ..Ab. ja. das wäre schrecklich. Fritzi!" seufzte die Kleine betrübt. sich auf einen weichen Sessrl werfend und aanz mechanisch mit ihren Füßchen im Takt weiter wippend, „ach. dann wäre schon der ganze Rummel nichts! Was liegt mir an all dem Kram? ob ich Majestät vorgestellt werde oder nicht, ist mir ganz schnuppe, wie wir in der Pension zu sagen pflegten. Nur wegen des schönen Reinhold freue ich mich auf den Ball, nur seinetwegen möchte ich auch schön sein, nur ihm möchte ich ge- fallen." „Aber, Kind, sei doch nicht so leidenschaftlich!" warnte die Schwester, die sich mit ihren drei Jahren längere?! Lebens und größerer Erfahrung fast wie ihre zweite Mutter vorkam. „Du darfst dich ln diese Schwärmerei nicht so hineinsteigern. Sonst könntest du noch ernstlich dein Herz an ihm verlieren und unglücklich werden." „Warum muß ich deun dadurch unglücklich werden?" fragte Käthe, trotzig ihre hübschen roten Lippen aufwerfend und mit den schwarzen Augen blitzend. „Ist es denn so gan-, ausaeschlos- fen, daß er mir auch einst seine Neigung schenken könnte?" „O ja. Kleines? Das darfst du ruhig als ausgeschlossen betrachten", beteuerte Frieda in völlig überzeugtem Tone. ..Weißt du denn nicht, Kindskopf, daß alle Mädchen, — und auch dis Frauen dazu, -r- für ihn schwärmen? Er kann doch unmöglich alle wiederlieben Da müßte er ein Herz wie einen Eisenbahn- zua mit ungezählten Sitzen haben. Er denkt, scheints auch gar nicht daran. Er ist freundlich und cheval-resk zu allen, aber niemals zeichnet er eine so weit aus, daß sie ein Recht hätte, auf mehr zu hoffen." „Es ist aber doch nicht möglich, ihn nicht zu lieben!" rief Käthe enthusiastisch. — „er ist so himmlisch, so wunderbar, so einzig! Man kann neben Ihm gar keinen anderen angucken« Sie scheinen alle so fad. so dumm!" Fortsetzung folnt. Ledersclmhe mit Holzsohlen bezugjchein rei! B. Lerner, Alre Buhn ofstraße 13. I, illii Sreltr in großer Auswahl, noch guten Stoßen, gehe noch billiz ab. Einzelne Hosen, Joppen, Arbetrswesten io ort bei Schneiderei Weif, Frankfurt a. M .. Bleich itr. 26. !. Kaufe a.sbald mehrere lüu Ztr. Mmrrz. Elias Hofmann, __ Friedberg i. H. _ Kleine gebrauchte Gaslampe zu kaujen ge ucht. Zu erfragen in der Ge'chäfls» stelle der „Neuen Tageswilun g". Ei» Wim zum sofortigen Eintritt gesucht bet F. Wagner, Friedberg, Kaiserstraße b2. - liefert fchneil ^ und billig frnSiftMititisi 9n*mis.ynU«0, : Keilage zue „Neuen Tageszeitung 44 Kummer 234 Samstag, den 5. Oktober 1918 j 11. ?>a!;railny. Ans meiner Dorfkirche. ^ | Ich will, Philipper, Kap. 2, V. 13. Gott ists, der in euch wirkt Beides das Wollen und das Vollbringen nach seinem Wohlgefallen. Liebe Gemeinde! Unser deutsches Volk steht unter einem schweren Druck. Wer yatte es im Jahre 1914 für möglich gehalten, daß eine solche Welle der Niedergeschlagenheit durch unser Volk gehen könne? Wer hatte es für möglich gehalten, daß im Augenblick brennendster Gefahr ehrgeizige Gernegroße es wagen könnten, unser Volk im Innern in die schwersten Erschütterungen zu bringen, nur um für sich selbst im Trüben zu fischen? Und schlimmer als das: Wer hätte es zu glauben gewagt, daß unser Volk sich das Treiben dieser — Leute gefallen ließe, ihnen z. T. sogar zujubelten und ihr Bestes leugnet, die Macht des deutschen Kaisertums. der Sehnsucht unserer Vorfahren, des Stolzes unserer Väter zu brechen, für eine Forderung der Zeit halten würde? Wir fragen uns: Wie ist es möglich, daß das alles so gekommen ist? Und wir können wohl eine Antwort finden, aber diese Antwort ist hart, ja sie ist ein schwerer Vorwurf für unser Volk, ja für uns alle! Die Antwort heißt: Unser Volk, wir alle, oben und unten, haben nicht gewußt, und wisien heute noch nicht, was wir wollen. Um nur ein Beispiel zu nehmen aus der Zeit vor dem Krieg. Mir wollten Frieden, aber unsere Feinde wollten Krieg. Und sie wußten, was sie wollten, und sie setzten alles daran, und sie sagten: wir treibens so lange, bis es Krieg gibt. Das war ein entschlossener Wille, der sein festes Ziel hatte. Wir aber wollten den Frieden — oder sagen wir richtiger: Wrr wollten keinen Krieg. Denn wenn wir wirklich Frieden gewollt hätten, dann hätten wir eben sagen müsien: «s kommt uns nicht darauf an. ob es uns im Jahre 100 oder 200 Millionen Mark mehr kostet, wenn wir unsere Feinde damit zwingen können, daß sie Frieden halten. Und wir sind überzeugt. wenn wir so gesprochen und gehandelt hätten, dann hätten wir heute noch Frieden. Statt dessen erhob sich großes Geschrei. wenn nur fünf oder zehn Millionen mehr fürs Jahr gefordert wurden, eine Summe, die wir heute in einem Kriegstag hingeben — nicht weil wir wollen, sondern weil unsere Feinde uns dazu zwingen! So ist der Mille unserer Feinde Herr geworden über unsere Willenlosigkeit. Und wie ists heute? Geht doch einmal durch Dörfer und Städte und fragt Mann und Frau, bist du bereit, alles was du hast und kannst, Leib und Leben, Bequemlichkeit und Vergnügen. Geld und Gut, kurz alles, dranzugeben, um unsere Feinde zu zwingen, daß sie Frieden machen müsien? Ach. ihr wißt. die. die solchen entschlossenen Millen haben, die kann man an den Fingern herzählen, die anderen aber sagen: man muß. es läßt sich nicht ändern, man muß sich fügen. — mit einem Mort: unser Volk ist groß im Leiden und Dulden und Tragen, aber es hat keinen Willen, es weiß nicht, was es will. Was wird aus einem Menschen, der nicht weiß, was er will? Daß wir heute noch keinen Frieden haben, wir sagen es offen heraus, das liegt daran, daß unser Volk heute noch nicht oben und unten den Millen ausgebracht hat: Mir wollen unsere Feinde rücksichtslos und mit allen Mitteln zum Frieden zwingen, wie sie uns rücksichtslos zum Krieg zwingen. Wir hören die Frage: Was hilft es, wenn ich einzelner auch will, wenn doch alle anderen nicht wollen? Ach. unser Bibelwort spricht doch eine mutigere Sprache: Das spricht überhaupt nicht von den andern, das sagt: Gott ist es, der euch beides gibt, das Wollen und das Vollbringen. Hier liegltz: ein rechter Wille kann nur aus einer rechten Gottesfurcht kommen. Unsere Feinde haben ihren Gott und mit welcher Rücksichtslosigkeit dienen sie ihm. Nur daß es nicht Gott im Himmel ist. sondern der Gott Mammon. Wir aber, wir wisien nicht wem wir dienen sollen. Mit Gott zu brechen, dazu haben wir den Mut nicht, denn wir wisien. daß wir ihn immer wieder nötig haben, aber von Gott Mammon mögen wir auch nicht lasien. sein Gold lockt uns. Wir wollen gern fromm und gut sein, aber wir wollen auch gern ein gutes Leben führen und reich werden. Und so tun wir das schlimmste, was es gibt, wir dienen zwei Herren und schwanken hin und her. wie ein Rohr im Winde. Es gibt nur eine Rettung aus dieser Rot: Daß wir uns klar entschließen- wir wollen Gott dienen? Ihm allein! Denn uns dem Gott Mammon zu verschreiben, haben wir doch kein Verlangen. Und nun nochmals die Frage: Was hilft es. wenn ich allein will und die anderen nicht? Aber so heißt es \a gor nicht? Gott ist es, der un? beides- gibt, das Wollen und das Vollbringen E i n entschlosiener Mann mit festem Willen und mit Gott ist stärker als die ganze Welt. Du sagst- mein ganzes Dorf wird gegen mich sein? Ich sage: wenn Gott mit dir ist. wirst du stärker sein, als dein ganzes Dorf. Lieber Mitchrist, ich wollte, ick könnte dir das in? Herz hlneinbrennen. daß es dich nicht mehr lo^ieße bis du mit ent- fchlosienem Willen dich dnrchrängest: Mit Gott, ich will? Dann wäre dir. wäre uns allen g Amen. Pfiiii n>' ! r kn Feind im lande -Men. Man schreibt uns: Die Bemühungen unserer Feinde, das deutsche Volk von innen heraus durch geistige Verhetzung, also durch Flugblätter, durch falsche wilde Gerückte und Ausstreuungen zu zermürben und uneinig zu machen, bleiben, wie es scheint, dock nicht ganz ohne Erfolg, denn es ist keine Seltenheit, daß man da und dort die Redensart zu hören bekommt: ..Es wäre gar kein Fehler, wenn man die Franzosen einmal hereinlasien würde, dann hätten wir mehr zu esien." Die Leute, die solche Worte im Munde führen, sind sich offenbar gar nicht bewußt, was es heißt, den Feind im Lande zu haben, und somit dürfte es wohl angebracht fein, denselben einmal wieder vor Augen zu fuhren, welche Folgen die beiden Rusieneiniälle in Ostpreußen 1914/15 gezeitigt haben. Nach amtlicher Darstellung sind damals in Ostpreußen nicht weniger als 24 Städte, etwa 600 Dörfer und 300 Güter ganz oder teilweise zerstört worden. Dabei sind 34 000 Gebäude durch den Krieg vernicklet und mehr als 100 000 Wohnungen geplündert worden, und die dadurch ungerichteten Schäden umfasien die ungeheure Zahl von 275 000 Wirtschaften Aber dieser, lediglich an Vermögen erlittene Schaden wäre noch nicht das Schlimmste, denn Hab und Gut zu verlieren und als Bettler dazustehen, dies vermag der Mensch noch zu überwinden, denn er kann ja schließlich auch wieder von vorne anfangen, wenn es auch schwer bält. aber die ungeheuren Opfer an Menschen und Gesundheit, welche diese Rusieneinsälle gekostet haben, die sollten denn doch eine nicht mißzuverstehende Sprache reden gegenüber denjenigen, welche da sagen: „Es wäre gar kein Fehler, wenn man die Franzosen einmal hereinlasien würde, dann hätten wir mehr zu esien", denn die Rusien haben nicht weniger als etwa 2000 Männer, Frauen und Kinder erschlagen und niedergemetzelt oder nach grauenvollen Mißhandlungen und Schandungen schwer verstümmelt. Weiter haben die Rusien nicht weniger als 10 700 Menschen der bürgerlichen Bevölkerung nach Sibirien verschleppt, von denen eine ungeheure Zahl in diese« unwirtlichen Gebieten an Krankheiten und Hunger elend zugrunde gegangen sind. Von der unglücklichen Bevölkerung Ostpreußens mußten etwa 400 000 Menschen Heimat. Haus und Hof in eiliger Flucht verlassen und tage- und wochenlang den Unbilden der Witterung ausgesetzt auf freiem Felde näcktiaen. um westwärts zu kommen, weil Eisenbahnen und Landstraße« für die Beförderung der Heere und ihre Bedürsnisie benötigt wurden. Der gesamte Sachschaden, der durch diese Rusienein- fälle in Ostpreußen entstanden ist. dürfte laut omtl'cker Mitteilung im preußischen Abgeordnetenhause etwa \ X A Milliarde« betragen. So also steht es dort aus, wo man den Feind im eigene« Lande gehabt hat und in Ostpreußen wird es sicher keinen einzigen Menschen geben, der den verräterischen Wunsch äußer« wird: „Es wäre gar kein Fehler, wenn man die Rusien einmal hereinlasien würde, dann hatten wir mehr zu esien". denn in Ostpreußen erstarrt den Leuten das Blut in den Adern, wenn sie an die Zeit der Rusieneinsälle denken, und da wird wob! auch die Frage jetzt berechtigt fein: Gibt es bei uns wirklich einen einzigen vernünftig denkenden Menschen, der angesichts der unsäglichen Rot und des unbeschreiblichen Elends das damals über Ostpreußen hereingebrochen ist. noch den Wunsch zu äußern vermag: „Es ist gar kein Fehler, wenn man die Franzosen einmal hereinlasien würde, dann hätten wir mehr zu est^n"? Es gibt zwar allerdings auch Leute, die da faoen: ..Es ist gar nicht so schlimm mit den Franzosen, die werden uns nichts tun." Ja. diese Leute haben eben gar keine Ahnung davon, mit welch unauslöschlichem Haß die Franzosen gegen das deutsche Volk beseelt sind, weil man bei uns den Haß gegen feinen Nächsten oder gegen ein fremtes Volk gar nickt kennt untz weil unser deutsches Volk von Haufe aus friedliebend und friede fertig ist. was dem deutschen Volke zur böcksten E^re aereickt. oder gegenüber dem Haß der Feinde, welcken sie schon mit ’bti Muttermilch einsaugen, und der schon dem kleinsten Kinde iw der Schule eingepflanzt wird, sich auf deren Menschlichkeit « berufen, dies ist denn doch eine unveneiblicke Irrung. Es mag deshalb daran erinnert werden, doß die Franzosen. Er länder und Amerikaner die wildesten Völkerschaften aus ihrerL überseeischen Besitzungen herbeigeschleppt haben, um die eherne Mauer unserer tapferen Feldgrauen mit Hilfe di-ster Milde« mederznreißen, und wenn ihnen dies gelänge, fo würden schwarze, rote, braune, gelbe und weiße Horden sick über die deutschen Fluren, über die deutschen Städte und Dörker ergießen, und wie viel da dann noch von einem Stein aut dem an» dern und wie viel Menschen da noch am Lebne blieben, wen« diese Wilden, denen ein Menschenleben überbanvt nichts n : Tt, auf unsere Bevölkerung losgelasien würden, die? möaen sich diejenigen einmal ernsthaft vor Augen stellen, welche Redensarten im Munde führen wie: ..Es wäre gar kein Fehler, wenn nm die Franzosen einmal hereinlasien würde, dann bähten wir mehr zu esien." Aber wenn unsere Feinde auch keine Menschenfresser auf uns loslasien würden, so würde doch der Haß und die Ber» nichtungswut der Franzosen keine Grenzen kennen, wenn sie bei uns im Lande wären, denn es ist doch ganz klar, daß die Franzosen. deren Gebiete durch ihre eigenen Kanonen und durch ibre eigenen Landsleute und durch die sonstigen Kriegsnotwendig' leiten dem Erdboden gleichgemackt sind, daß diele Franrose'- ek'ne Vergeltung üben würden, die jeder Beschreibung spottet Wissen wir doch, daß zu Anfang des Krieges bei gefangener Herzenskampfe. -Roman von Helene Schütky, geb. von 6 (Copyright 1915 by C. Ackermann-Stuttgart.) 9) Nachdruck verboten Frieda mußte ihr im Stillen Recht geben. Ach. sie fand ja ganz dasselbe, wenn sie es auch nicht so backfischmäßig hinausschrie, wie ihr Schwesterlein. Sie liebte Reinhold, seit sie ihit vor zwei bis drei Jahren zuerst gesehen hatte, mit jener ersten liefen wahren Liebe, die nur einmal im Leben von einem Frauenherzen Besitz ergreift und die fo selten zum wirklich glücklichen Ziele führt. Es batte Zeiten. Augenblicke gegeben, wo ihr Herz vor froher Hoffnung höher schlug, wo sie glaubte, Nein- holds Liebe erringen zu können, denn er fühlte eine herzliche Sympathie' für das schöne, liebenswürdige Mädchen. Er verkehrte gern und freundschaftlich mit ihr, ihr gänzlicher Mangel an Koketterie berührte ihn sehr angenehm und ließ ihn glauben, hier ganz ohne Gesahr sich ganz natürlich geben zu dürfen. Leider war er im allgemeinen durch mehr oder minder verliebtes Entgegenkommen der Damen gewohnt, sehr vorsichtig sein zu müssen. Aber es war bis jetzt ein brüderliches Gefühl geblieben, ja oft pflegte er zu sagen: ..Ach, gnädiges Frä-'.lein, wenn Sie wüßten, wie sehr Sie Mich an meine Schwester Lotte erinnern, ja eigentlich auch an die kleine Lilly? Nicht äußerlich, denn Sie sehen ganz anders aus. Aber in Ihrem Wesen ist auch etwas so Reines, Klares, Liebes und Verständiges, daß es einem selber ganz wohl und mollig wird, wenn man bei Ihnen ist. > Sie könnten ganz gut meine dritte Schwester sein." Frieda lächelte fast schmerzlich. So lieb das klang und so wohl es ihr tat. ihm doch wenigstens etwas zu sein, so erkannte sie 'doch instinktiv, trotz ihrer mangelnden Erfahrung in Liebesan- gelegenheiten, daß diese Betonung des brüderlich-schwesterlichen Verhältnisies keine gute Aussicht für ihre heimlichen Wünsche bedeutete. Ihren Eltern wäre Germshoff als Schwiegersohn sehr willkommen gewesen, da fie vermögend genug waren, um ihren beiden Dichter« auch vermögenslos« Gatte« gestatte« $u können. Seine militärische Tüchtigkeit, seine günstigen Avancements- Aussichten. sein guter ehrenhafter Charakter hätten sie leicht über den Mangel hinwegsehen lasien. Da er aber keine ernsten Anstalten machte, sich um Frieda zu bewerben, so glaubten sie. den Gedanken daran aufgeben zu müsien, und ahnten nicht, daß ihre schöne, verwöhnte Aelteste eine , tiefe Liebe zu ihm im Herzen hege, die sie verhinderte, den Bemühungen der andern Männer, die ihre Gunst zu erlangen suchten, Beachtung und Würdigung zu schenken. Mitten in das Gespräch der jungen Mädchen erklang der schrille Ton der elektrischen Hausglocke. Gleich darauf wurde an die Tür geklopft und auf das „Herein" Friedas trat die Jungfer mit einem großen Strauß prachtvoller dunkelroter Rosen herein. Der an Fräulein Frieda von Trontheim adressierte Briefumschlag enthielt eine Visitenkarte des Leutnants Gustav von Naundorfs. „Schon gut, schon gut?" sagte Frieda glel», % und legte den Strauß achtlos auf den Tisch. Ach, was nützten ihr die Aufmerksamkeiten anderer, da er der einzige, sich nicht um sie kümmerte? Leutnant Naundorfs war ihr zwar, als fein nächster Freund, lieber wie die übrigen, ja er war ihr bis zu einem gewisien Grade sympathisch, so daß sie ihn nicht ungern in ihrer Nähe duldete. Auch war es so angenehm, mit ihm immer von Neinhold sprechen zu können, der seinen Freund neidlos liebte und bewunderte und nie müde wurde, über ihn und seine wunderbaren Eigenschaften zu reden. Welche Wonne war es für das liebende Mädchen, ihren Helden auch von anderer Seite so verherrlicht zu scheu! Käthe sprang wie elektrisiert auf. rannte zum Tisch, wo die Rosen lagen, ergriff sie lachend und versenkte ihr hübsches Stumpfnäschen hinein. „Ach, wie entzückend! wie reizend!" rief sie lustig. „Dieser Duft! Diese Farbe! Nein, wahrhaftig, zu schön! Du, das ist aber ein lieber Mensch, der Leutnant Naundorfs! Ich wollte, er hätte mir auch einen Strauß geschickt." „Nimm ihn doch für dich. Kleinei Ich brauche ihn nicht!" sagte Frieda ruhig. ^^.Aber. böre. RiUti. Jd>m könnt« tiSn jnt End« kränken, wenn du seine schönen Blumen, mit denen er dir doch eine Freud« machen wollte, verschmähst oder verschenkst, was doch eigentlich dasselbe ist." „Darüber wird er sich eben trösten müsien, der gute Naundorfs," erwiderte Frieda kühl. „Fritzß ich begreife dich nicht?" sagte Kätbe. ibre Schwester erstaunt betrachtend. „Wenn ich mir vorstelle, ich bekam« einen solchen Prachtstrauß geschickt, so wäre ich außer mir vor Freude; ich finde etz großartig, bewundert und gefeiert zu wer. den. — du aber machst dir gar nichts daraus und bist fo ruhig, so kühl wie ein Fisch." „Ach. Kind, früher hat es mir auch Spaß gemacht, ab-r dar ist schon lange, lange her!" sagte Frieda seufzend, als wäre st« schon wer weiß wie alt. „Doch du hast recht. Naundorfs ist wirklich ein ganz netter Mensch; er nimmt es auch sicher nicht übel, wenn du seine Rosen trägst. Es ist doch bester, als wenn fie ganz nutzlos verwelken, und zu deinem dunkeln Haar und weißen Kleid werden sie sehr hübsch aussehen." „Ja, wenn du meinst, daß es geht, fo nehme ich sie wirklich!" entgegnete Käthe ganz vergnügt. „Weißt du. es macht sich doch ganz pompös, wenn ich gleich auf meinem ersten Ball mit einem großen Bouquet erscheine. Das gibt einen Hauptspaß! Marie Wefternhagen und Life Recke werden platzen vor Neid und Neugier. Aber er wird doch nichts ausschwatzen, dein Naun, dorff? Das wäre nämlich sehr dumm und würde mir den ganzen Jux verderben!" Frieda mußte über die drollige Naivität ihres Schwesterchen lachen. „Nein, da kannst du ruhig sein. Dazu ist er viel zu sehr Kavalier. Auch können wir ihn ins Vertrauen ziehen, beste» er vollkommen würdig ist", beruhigte Frieda ihre Besorgnis. „Ach. wäre ich nur auch so schön wie du. Fritzi. oder wt< Fräulein Antelmann, von der jetzt alle Welt spricht!" rief Käthe verlangend, die sich ihres eigenen frischen Reizes, ihrer pikanten Anmut noch nicht bewußt war. „Es muß himmlisch sein, den Männern allen die Köpfe zu verdrehen, daß sie mit Vergnügen einander «mdUngen» wie die Ritter der schöne» .Srtnzesst« Tnrandot,*' /Fortjetzung folgte! Franzosen Schriften gefunden worden sind, welche die Aufforderung enthielten: „Schonet weder Mann, noch Weib, noch Wenn solche Hetzarbeit schon zu Anfang des Krieges ihre Fc-irchie tragen sollte, wie würden die Franzosen dann erst in unserem Lande hausen? Wer vermag sich dies vorzustellen? Wo ist da das Lästermaul, das angesichts solcher Aussichten noch den Wunsch äußert: ..Es wäre gar kein Fehler, wenn man die Frair. Zesen einrnal hereinlasien würde, dann hätten wir mehr zu essen?" Es ist deshalb höchste Zeit, daß der Teil unserer Bevölkerung welcher sich durch die feindliche H-etzarbeit und durch gedankenlose Redensarten fast bis zum Landesverrat hinreißcn läßt, ernstlich übrlegt, was für ihn selbst aus dem Spiele steht wenn unsere Feinde ins Land Yereinkämen, und wer da noch zur vernünftig n Überlegung fähig ist, der kann nur zu dem Schluffe kommen: Der liebe Gott bewahre uns davor, daß unsere Feinde bei uns feinen eigenen Vorteil dem Wohl des Volksganzen hintanstel- len nach dem schönen Wahlspruch unsrer Feuerwehren: „Einer fiir alle und alle für einen!" Denn nur durch einmütiges Zusammenstehen ist das Durchhalten bis zum Endsieg zu erreichen. Der Endsieg ist aber erreicht, wenn wir den Feind nicht im Lande haben. im Lande Hausen! Und jeder Einzelne möge sich sagen: Ich felbst ^ wrll mein Menschenmöglichstes tun, um derartigen verräterischen Redensarten mit größter Schürfe entgegenzutreten, um den Siegeswillen und den Glauben an den Sieg aufrecht zu erhalten, um dadurch auch in meinem Teile für mein Vaterland und für meine Heimat zu streiten. Die verwerflichen Redensarten: „Es wäre gar kein Fehler, wenn man einmal die Franzosen hereinlassen würde, dann hätten wir mehr zu effen" und ähnliches führen in sehr vielen Fäll-n such grauen und Mütter im Munde, deren Männer und Söhne im Felde stehen, die im Kampf gegen den Feind ihr Leben und rhre Gesundheit dem Vaterland zum Opfer gebracht haben und wenn man auch berücksichtigt, daß infolge der Ernöhrungsschwie- ri grellen Kleinmut und Verzagtheit in die Gemüter einkehren, so muß doch auch dieses gesagt werden, daß alle diese Entbehrungen und Röte ein Kinderspiel find gegen die Rot und gegen die Leiden, wenn wir den Feind im Lande hätten. Kann es da wirklich nur eine einzige Mutter geben, welche wünscht daß rhre Kinder der Blut- und Habgier und den sämtlichen Begieren der schwarzen, roten und weißen Feinde preisgegeben sein sollen^ Wo ist diese Mutter? Eine solche deutsche Mutter gibt etIDÖ ^ t auch denjenigen deutschen Müttern ^ 7 lche die Redensart: „Es wäre gar kein Fehler, wenn man die Franzosen einmal hereinlaffen würde, dann hatten wir mehr zu effen" gedankenlos nachplappern, ganz von selbst die f ’ j 1,0,1 ^ fllIS Segen alle derartigen Redensarten anzu- kampfen und alle diejenigen als Landesverräter zu brandmarken, welche solch niederträchtige Redensarten im Munde führen . Vereinigten Staaten von Nordamerika werden dieie- h ° n Srieben 3U reben wogen, von der aufgepeitschten Menge zu Tode geschlagen und zu Tode gemar- v7n MenS$e ii)l ° Pfer ergeht, dann werden sie von den Gerichten zu 20. 30. ja sogar zu 99 Jahren Zuchthaus verurteil^ trotzdem sie kein anderes Verbrechen begangen haben, „ .° 0n ^ riei>en SU reden. Wenn man die Verhältniffe bei den Rordamerrkanern vergleicht mit den Verhältniffen bei uns so muß doch jeder Mensch ehrlich gestehen, daß die Verhältniffe ber uns g^adezu als paradiesisch zu bezeichnen sind, denn bei uns ist noch niemand zu Tode geprügelt worden, wenn er seine friedfertige Meinung bekundet hat. aber um so mehr hat bei uns jeder Einzelne die heilige Pflicht, für sein Vaterland einzutreten und daran mitzuarbeiten, daß verräterische Stim- mungen überhaupt nicht aufkommen und daß der Wille zum Durckhalten nicht untergraben wird. Insbesondere sei aber auch unserer Landbevölkerung vor Augen gestellt, was sie zu gewärtigen hat. wenn wir den Feind im Lande hatten, denn daß die heutigen Zustände mit all den behördlichen Verordnungen und Zwangsmaßnahmen, die eben unent^brlich sind, wenn man die Ernährungsschwierigkeiten soll uberwinden können, tausendmal leichter zu ertragen sind.. 5? Ereueltaten. die Verwüstungen, die Schändungen, die Hungersnöte und alle sonstigen Nöte, welchen unsere Bevölkerung ausgesetzt wäre, wenn wir den Feind im ^ande hatten. Hier muß der einzelne sein eigenes Wohl und Hindenburg ;mn Friedens schritt. Generalfeldmarschall von Hindenburg hat an das Feldheer nachstehenden Erlaß gerichtet: "Die österreichisch-ungarische Regierung hat allen Krieg- ! führenden vorgeschlagen, Zur Herbeiführung des Friedens zu : unverbindlichen Besprechungen in einem neutralen Lande Vertreter Zu entsenden. Die Kriegshandlung soll dadurch mcht unterbrochen werden. Die Bereitschaft zum Frieden widerspricht nicht dem Geiste, in dem wir den Kampf für unsere Heimat führen. Schon im Dezember 1916 hat der Kaiser, unser oberster Kriegsherr, mit seinen Verbündeten den Feinden den Frieden angeboten. Mehrfach hat seitdem die deutsä-e Regierung ihre Friedensbereitschaft bekundet. Tie Antwort aus dem feindlichen Lager war Spott und Hohn. Tie feindlichen Regierungen peitschten ihreVölker und Heere weiter auf zum Vernichtungskampf gegen Deutschland. So führten wir unfern Verteidigungskampf weiter. Unser Verbündeter hat nun'einen neuen Vorschlag gemacht, in Besprechungen ejnzutreten. Ter Kampf soll dadurch aber nicht unterbrochen werden. Für das Heer gilt es also, werterzukämpfen. Das deutsche Heer, das nach vier siegreichen Kriegsjahren prachtvoll die Heimat schirmt, muß unsere Unbesiegbarkeit dem Feinde beweisen. Nur hierdurch tragen wir dazu bei, daß der feindliche Vernichtungswille gebrochen wird. Kämpfend haben wir abzuwarten, ob der -Feind es ehrlich meint und er diesmal zu Friedeusverhand- lungen bereit ist, oder ob er wieder den Frieden mit uns zurückweist und wir ihn mit Bedingungen erkaufen sollen, die unseres Volkes Zukunft vernichten." Als unser Hindenburg das schrieb lagen die Antworten der Feinde auf die von Oesterreich angeregten Friedensverhandlungen noch nicht vor. Irrwischen hat das Oberhaupt der gegen uns verbündeten Feinde, der arnerikanische Präsident Wilson, jede Friedensanregung wieder höhnisch zurück- gewiesen, nur durch Geivalt und durch die Waffen, nicht durch Verhandlungen dürfe die Entscheidung herbeigesührt werden In demselben Sinne haben sich unsere von den Arnerikanern jetzt ganz abhängigen übrigen Feinde ausgesprochen. Sie schließen aus der Friedensanregung Oesterreichs, wie wir das vorausgesagt haben, daß Deutschland und seine Verbündeten zu längerem erfolgreichen Widerstande unfähig geworden seien und hoffen binnen kurzem ihr Spiel, die völlige Zerstückelung und Vernichtung Deutschlands und Oesterreichs erreichen zu können. Da wird ihnen Hindenburg und unsere tapferen Heere einen dicken Strich durch diese Rechnung machen, wenn nur das deutsche Volk daheim einmütig und opferbereit hinter ihnen steht. Das wollen und das müssen wir, wenn wir uns vor Augen halten, daß es für uns nur noch die Wahl gibt: Vollständiger Sieg über unsere Feinde oder vollständige Vernichtung unserer völkischen Selbständigkeit und unstr-es deutschen Wirtschaftslebens durch jene! Gin kostspieliger Kntzstall. Eine längere Aussprache erregten in der Tempelhofer Gemeindevertretersitzung die Mitteilungen des Bürgermeisters Wiesener von den Fehlbeträgen des Betriebes der Gemeindemolkerei. Vor nahezu zwei Jahren war in Tempelhof durch Ankauf von nrehreren kleineren Molkereien, deren Besitzer eingezogen waren, ein Gemeinde-Kuhstall errichtet. der durchschnittlich über 24 Kühe verfügte. Die jetzt 3ogene Bilanz hat einen Fehlbetrag von 4000C Mar* er- 6e6en, und e« steht bei weiterer Bewirtschaftung zu envarLeir, daß man dauernd mit einem monatlichen Zuschuß von 150-.- Mark zu rechnen hat, das macht also im Jahr ML 1800k* oto pro Kuh und Jahr Mk. 750 Verlust. Lediglich die Futterkasten werden durch die Bruttoeinnahmen alle' üb- ngen Kosten im Wege des Gemeindezuschusses gedeckt Bürgermeister Wiesener erklärte es bei der Art des Be» triebes für unmöglich, auszukommen-, die Futterkosten feterr gu hoch. Die tägliche Milchmenge sei mit 120 Liter reichlich hoch angenommen; von 35 000 Einwohnern erhielten die,« teure Milch nur gegen 200 Einwohner. Die Gemeinde habe.- keine Verpflichtung, ihren Molkereibetrieb auf Kosten der Allgemeinheit zugunsten weniger Personen aufrechtzuerhal- ten. Die einträgliche Gestaltung des Betriebes auch für dw Zukunft sei ausgeschlossen, und die Lebensmittelkommissiorr mache deshalb den Vorschlag, den Kuhstall aufzulösen. Irr der ausgedehnten Erörterung wurde von ärztlickrer Seite dre Einstellung der Molkerei außerordentlich bedauert. UeberaL in Groß-Berlin würden die Molkereien infolge des scharfem Vorgehens der Fettstelle eingestellt und von den Besitzern Ziegen angeschafft. Die Sozialdemokraten sprachen sich gleichfalls für Beibehaltung des Kuhstalls aus, da es sich hierum das öffentliche Wohl handle. Daß aber die praktische Seite unsere Demokraten und Sozialdemokraten zum Nachdenken darüber anregen sollte, wieviel unsere Milcherzeuger im Lande für ihr Produkt erhalten oder eigentlich erholtem müßten, darauf wird man vergeblich hoffen. Kirchliche Nachrichten. Evangelische Gemeinde. ' 19. Sonntag nach Trin., 6. Oktober 1918. Gottesdienst in der Stadtkirche. Vormittags 9% Uhr: Herr Pfarrer Ritter. Abends 8^ Uhr: Herr Pfarrer D i e h l. Kollekte fiÄ den Knclchau in Heusenstamm. Gottesdienst in der Burgkirche. Vormittags 8 Uhr: Militärgottesdienst. Herr Pfcm^ D i e h l. Gottesdienst im Stadtteil Fauerbach. Vormittags 10 Uhr: Gottesdienst. Anschließend BeichK und Feier des heiligen Abendmahls. Nachmittags 1%. Uhr: Jugendgottesdienst. Katholische Gemeinde. Sonntag, den 6. Okt. 1918, 20 Sonntag nach Pfingsten. Beichtgelegenheit am Samstag von 5 llhr an urch Sonntags früh von 6 Uhr an. y 2 7 Uhr Frühmesse. 8 Uhr Militärgottesdienst (Singmesse mit Predigt^ Gemeinsame hl. Kommunion der Mitglieder der RosenkrmM bcüderschaft. ^10 Uhr Hochamt mit Segen und Predigt. Nachmittags 2% Uhr Rosenkranz-Andacht mit Sege?H und Umgang; danach Versammlung des Nosenkranz-Vereinsh Um 4 Uhr: Versammlung des Jünglingsvereins. Während der Woche: Um V 2 7 und 7 Uhr hl. Messen Werktags, abends 6% Uhr: Rosenkranz-Andacht. Nach dem Hochamt Ausgabe von Büchern aus der Vom romaus-Bucherei. Verantwortlich für den politischen und lokalen Teil: Ott« H i r sche l. Friedberg: für den Anzeigenteil: R Herrn er. Jnedberg. Truck und Verlag der „Neuen Tageszeitung^ A- G.. Friedbera i