Uumm-r 231 LLL. Wiitmoch. »e» 2. Gktaber 1V18_ 11, gnliram i«. iTnntoicltunrt" «|*eint :ec C n W-Ittaz. Reg-tmätzig« B-iwflen „ 5 « Kauer -US Hesse«». ..Sie Spinnst«»-«. s-,ug»p»i«t B-t den P°itan>t°u°a m°ri°l,ährltch Ml 2 . 4 u hin.« "tritt noch Das »eftettaettr bei »«» -Renten monatN» 90 Pig. °inl»li°tzlich Tr-tt-rlolin. Au-eig-nt unseren Linien abgewiesen. Neben Belgiern und Engländern nahmen wir gestern hier auch Franzosen gefangen. Vorstoße des Feindes zwischen Fleurbaix und Hulluch und Teilangriffe gegen die Höhen von Fromelles und AuherS scheiterten. Beiderseits von Cambrai setzte der Engländer tagsüber seine heftigen Angriffe fort. Am Nachmittage gelang es einer neu eingesetzten kanadischen Division, vorübergehend nördlich an Canibrai vorbei auf Numillies vorzustoßen. Unter Führung des Generalleutnants von Fritsch warf die in den Kämpfen zwischen Ar ras und Cambrai besonders bewährte württembergische 26. Reserve-Division den Feind wieder auf Tilloy zurück. Auch südlick) von Cambrai haben wir unsere Stellungen gegen den mehrfachen Ansturm des Fcindes restlos behauptet. Heeresgruppe Boehn. Beiderseits von Le Catelet nahm der Feind am Vormittag seine Angriffe zwischen Vaudhuille und Ioncourt und südlich der Somme entwickelten sich am Abend heftige Kämpf«. Angriffe des Feindes wurden überall abgewiesen. Heeresgruppe Deutscher Kronprinz. Gegen unsere Linien zwischen Aisne und Vesle und uker die Vesle zwischen BreuU und Jonck^ry richtete der Franzose heftige Angriffe. Trotz mehrmaligem Ansturm sind sie bis auf einen Teilerfolg, der den Feind aus die Höhen nördlich von Breuil führte, gescheitert. In der Champagne beschränkte sich d-r Feind auf Teilangriffe östlich der Suippes, gegen St. T ‘ ne ä Py, nördlich von Somme-Py und gegen unsere n.ue Linie, die wir in der Nacht nördlich von Anre und Me' vaux bezogen hatten. Sie wurden abgewie^en. Bei St. Marie ü Py nahmen wir hierbei zwei franzosisck)e Kompagnien gefangen. Mit stärkeren Kräften griff der Amerikaner östlich der Argonnen an. Brennpunkte des Kampfes waren wiederum Apeemont und der Wald von Montrebeau. Wir schlugen den Feind überall zurück. Er erlitt auch gestern wieder besonders schwere Verluste. Heeresgruppe G a l l w i tz. Anf dem westlichen Maasufer blieb die Gefechtstätigkeit auf Störungsfeuer beschränkt. Infanterie, Pioniere und Artillerie haßen an der Vernichtung zahlreicher feindlicher Panzerwagen gleichen Anteil. In den letzten Kämpfen taten sich hierbei besonders hervor: die Leutnants Suhlig und Burmeister vom Reserve-Jnfan- terie-Negiment 90, die ViZefewwebel Jolkmann vom Garde- Neserve-Schützen-Bataillon und Nauguth vom Neserve-Jn- fanterie-Negiment 27, die Leutnants Keibel vom Feld- Artille rie-Regt. 40, Schrepler vom Feld-Artl.-Regt. 74, Ribbelt vom Feld-Artl,-Regt. 108. Mayer und Bräuer vom Neserve-Feld-Artl.-Regt. 241, Därninghans vom Reserve- ?se!d--Artl.-Negt. 63 und Thele vom Feld-Artl.-Negt. 40. Der Erste Generalquarliermeisler: Ludendorff. Abendbericht. Berlin. 1. Olt., abends. (WB. Amtlich.) Heftige Angriffe bes Feindes in Flandern, beiderseits von Cambrai und in der Champagne wurden abaeroi^e» Zeichne die neunte Kriegsanleihe! Der österreichische Generalstab jj » === meidet: === ü Wien, 1. Cft. (WB.) Amtlich wird Verlautbart: An verschiedenen Stellen der albanischen Front heftige Kämpfe. Sonst keine besonderen Ereignisse. Der Chef des GeneralstnbeS. 15 000 Tonnen versenkt. Berlin, 30. Sept. (WB. Amtlich.) Im Sperrgebiet um England versenkten unsere U-Boote 15000 Bruttoregister- tonnen. Der Chef des Admiralstabes der Marine. Berlin, 30. Sept. (WB.) Schwedische Zeitungen berichten in vorwurfsvollem. gegen Teutschland gerichteten Tone, daß der gesunkene schwedische Dampfer „Gunhild" durch eine deutsche Mine vernichtet wurde. Wie der englische Gesandte in Stockholm im Juni 1918 erklärte, begannen die Engländer damit, das Kattegat durch Minen zu sperren. Cr-st daraufhin war Deutschland zu entsprechenden Gegenmaßnahmen gezwungen. Der Dampfer „Gunhild" ist im freien Seegebiet beim Minenfischen verunglückt, ein Unfall, mit dem beim Fahren in minenverseuchten Gewässern stets gerechnet werden muß. Ob es sich in diesem Falle um eine verankerte oder treibenbe Min« handelte, ist nicht gemeldet worden. Paris, 28. Sept. (WB.) Eine Havasmeldung bestätigt die Wiener Nachricht von der Torpedierung eines französischen Unterseebootes im Adnatischen eMer. Es handele sich anscheinend um das Unterseeboot „Tirce", das nicht zu seinem Stützpunkt zurückgekehrt sei. WiMerlstcr fufififg Drr JaMffel flofldif. Berlin, 30. Sept. (WB.) 'Der 27. September ist zu einem Ehrentag in der Geschichte unserer Jagdflieger gewor- den. An diesem Tage sck) 0 ß die ehemals von Hauptmann Boelcke geführte Jagdstaffel das 300. feindliche Flugzeug ab. In beispiellos schneller Folge hat die Staffel seit ihrem Bestehen Sieg an Sieg gereiht, auch nach dem Tode ihres Führers und Meisters. Diele unserer Besten haben in dieser Staffel gekämpft: Rittmeister Frhr v. Nichthofen, Leutnant Voß, Hauptmann v. Tutscheck,.Leutnant Max Müller, Leutnant v. Bülow. Leutnant Böhme, Oberleutnant Bernert, Leutnant Stolle. Leutnant Schnwei, Leutnant Frommherz, Manchen von ihnen - deckt der grüne Rasen. Keinen der Flieger schreckt der Tod, unauslöschlich brennt in jedeln der Wille zum Siege und der Wunsch: Ich will ein Boelcke werden!" » Berlin, 30. Sept. (WB.) An der gesamten Westfront wurden am 26. und 27. September insgesamt 87 feindliche Flugzeuge abgeschossen, davon 9 durch Flugnbwehrkanonen. Wir verloren an beiden Tagen 11 Flugzeuge. Der deutsche Widerstand. Gegen zwauzigsache Uebcrmacht. Berlin, 30. Sept. (WB.) Der Berichterstatter des Woljf- Bureaus an der Westfront meldet: Den Engländern ist der Einbruch in die vorderste Kampfstellung des flandrischen Ver- teidigungssyflems gelungen. Das traurige Trichterfeld östlich Vpern, das die Deutschen im April eroberten, wurde neuerdings mit britischem Blut getränkt. Die schwachen Schützen- aruvven mit Malcknnenaewebren. die da in den Scklammtrick- tern und Wasserlöchern vor dem Houthoulsterwald, in Sange, mark und an der Straße von Ppern lagen, überdauerten dag stundenlange feindliche Trommelfeuer, das neuerdings auf diese bereits tausendfach von Granaten zerrissene Erde niederging: und wenn sie auch den Einbruch der britischen und belgischen Masten nicht zu hindern vermochten, so räumten ihre Gewcb Maschinengewehre und Handgranaten doch blutig unter d feindlichen Sturmwellen auf. Heldenmütig unterstützte sie j Artillerie, die bis zum äußersten Widerstand leistete. Bis au> ' Rahkampfentfernung hielten die Batterien in ihren Stellungen I aus. An einer Stelle hielt sich Oberleutnant Eggersdörfer von einem bayerischen Artiverieregiment mit einem Geschütz und wenigen Infanteristen stundenlang gegen einen Ansturm von mehr als zwanzigfacher Uebermacht. In den hoch gelegenen Trümmern von Paschendaele, das feit der Flandernskblocht nichts ist als ein ziegelroter Hügel in einer lehmgelben Wüste, harrte Oberleutnant Bogendörfer. Kommandeur eines banerischen Infanterieregiments, mit einer Handvoll Leute und einigen Maschinengewehren siegreich bis zum Abend aus. Wetter südlich scheiterten am Widerstande va, 40 tapferen Infanteristen stundenlang alle Angriflsversuche de" Engländer. An der Straße Ypern—Menin kamen englische' Tanks über die Schlammtrichter angewackeli. Ein großer Teil wurde zerschossen. der Rest zur Umkehr gezwungen. Im Gegen» stoß wurde Becelaere wiedergenommen. Trotz unsichtigen Wetters und bis zum Mittag vielfach w". vergehender Regengüsse leisteten die Flieger der FLbrung d - Kampftruppe die wertvollsten Dienste. Bis auf 20 Meter stießen sie herunter und faßten die englischen und belgischen A" griffswellen mit ihren Maschinengewehren. In Flandern bo- ben die deutschen Truppen ebenso wie in der Picardie, in dei Champagne und zwischen Argonnen und Maas dem Feinde gezeigt, daß. wenn sie auch einem übermächtigen Drucke weife Gelände preisgeben müsien, doch ihre Moral und Widerstandskraft ungebrochen ist. Zwischen den Argonnen und der Maas stockt der amerstn- N'tche Angriff. Die Maasbrücken flogen rechtzeitig in die Luit Alle Versuche, von Osten her in die Argonnen einzudringen, scheiterten. Die Frontalstürme aber zwischen Avremont und Brieulles brachen im Abwehrfeuer der in den Waldhügeln ver- stl-ckten Maschinengen'ehre oder im Granat- und Schrapnellh'g^l zusammen. In Gegenstößen wurden die Amerikaner vielfach wieder zurückaedrangi. Vergeblich operierten sie mit Tanks: Tankabwehraeschütze. Minenwerser und Maschinengemebre wetteiferten in ihrer Bekämpfung. Wo aber die Tanks trotzdem I« die deutschen Linien eingebrochen waren, aing die Infanterie selber entschlossen gegen die Panzerwagen vor. Im Abschnitt des Infanterieregiments 150 griffen Musketiere seden der beran- rasselnden Tanks mit Handgranaten an und fetzten auf diese Weise nicht weniger als sechs Panzerwagen außer Gefecht. Tlirlrillhe DMnlat'en in M-llnHist'Nli. London, 30. Sept. (WB.) Palästinabericht. Eine g^oße türkische Streitmacht hat bei Zi.za südlich Amman kapituliert. Es wird gemeldet, daß es sich um 10 000 Mann handelt- Der Verrat Bulgariens. Die neueren Meldung« aus Bulgarien lassen erkennen, daß man nicht mehr von einem Abfall, sondern geradezu von einem Verrat Bulgariens sprechen kann. Die schmachvollen Bedingungen. die der übermütige Sieger dem um Gnade Flehenden euferlegt hat, sind von dem ententesreundlichen bulgarischen Ministerpräsidenten fast restlos angenommen werden. Die Schnelligkeit, mit der die feindlichen Heere in Serbien vorrücken, läßt deutlich erkennen, daß es sich um einen sorgfältig vorbereitet« Verrat handelt. Wenn der ^og. Wiiffenstillftand Eesetzkraft erhalten sollte, dann wird Bulgarien nicht mehr als ein Gleich» berechtigter, sondern, gleichwie Griechenland, als Bassll« dr» Entente an den Friedcnsverhandlungen teilneßmen. Unklar ist die Nolle, die der König Ferdinand bet dem Vorgängen spielt. Wir nehmen immer noch an. daß er de« Bündnis getreu zu bleiben gesonnen ist. wie er sa auch in Telegramm nach Berlin und Wien versichert hat. Aber hin möglich ist alles! Von dem Ministerpräsidenten M»Unor> war ja schon bei seiner Ernennung bekannt, daß er ein FrenrM dcr Entente sei. Aber mit unverbrüchlichem Opttmts«vL. ob« sollen wir es Leichtsinn nennen? haben sich unfe« Dtp?crmn:e^ darüber hinweggesetzt und gesagt. Malinow könne ja gar n'ck^ anders, als zum Vierverband haltew Inzwischen hat McrUuoay anscheinend unbearawobnt. kein« Fäden gewonnen uud tetzk haben wir die Bescherung? Zwar steht es ja nicht fest, ob da» Land und der König sich dem schmachvollen Vertrag unterwer. fen. und die zahlreichen deutschen und österreichischen Streit- krafte auf dem Balkan werden auch noch ein Wort mitzureden haben und nicht kampflos die mühsam erzielten Errungenschaften preisgeben. Sie werden vor allen Dingen die Eisenbahnlinie nach Konstantinopel zu halten versuchen. Aber die Lage bleibt ernst und neue Verwicklungen stehen uns bevor. Es ist geradezu, als ob dieser Krieg alle edelen Eigenschaft ten hinweggefegt und die Bestie im Menschen zur allgemeinen schaudernden Erkenntnis hervorgekechrt hätte. Während unser Heer zum Schutze des bedrohten Vaterlandes einen Helden- kampf ohne gleichen zu bestehen hat, treiben im Innern Wucher und die grenzenloseste Selbstsucht ihr Wesen. Während das Reich in der äußersten Gefahr steht, frohlocken die Parteien daß sie nun ihre Herrschaft etabliert haben und die Bonzen schicken sich an, ihr Amt anzutreten. Treue und Glauben sind zu den Wölfen entflohen. Konnte man sich einen schnöderen Verrat denken, als wie ihn Italien geübt hat? Jahrzehntelang sonnte es sich in dem Bündnisvertrag mit dem Deutschen Reich und Oesterreich und als die Stunde der Gefahr kam, machte es mit dem Gegner gemeinsame Sache. Aber diese Treulosigkeit ist nun doch noch von den derzeitigen Machthabern in Bulgarien übertroffen worden: Mitten im Kampfe stehend, schickt es sich an. die Waffen niederzulegen und den "Freund, der ihm in schwerer Stunde zur Seite gestanden hat, zu verraten. Wie dem auch sei, es gilt den Krieg hochzuhalten und nicht zu übergeben. Es liegt nicht in unserer Macht, den Krieg zu beenden. ^Unsere Feinde wollen die Fortsetzung des Krieges, deshalb wird der Kampf fortgesetzt und seien für uns die Prüfungen noch so schwer. Nachstehend die neuesten Nachrichten: Der W-effenstillstand abgeschlossen. Von amtlicher Entente-Seite wird gemeldet» daß der Waffenstillstand mit Bulgarien abgeschlossen sei. Zürich, i. Okt. Zur Einstellung des Kriegszustandes zwischen Bulgarien und der Entente wird der „Reuen Zürcher Zeitung" von amtlicher Seite der Entente noch gemeldet: Bulgarien hat die Waffen gestreckt, der Vertrag ist in Sa- lonrki unterzeichnet worden. Der griechische Ministerpräsident Veniselos hat den Vertrag mit unterzeichnet. Die Hauptbe- dingungen lauten: Dis von den Bulgaren besetzten griechischen «rtd serbischen Provinzen werden Griechenland und Serbien zu- ruckerstattet. Die Besetzung erfolgt sofort. Sofia wird den Ententetruppen übergeben, alle bulgarischen Eisenbahnlinien werden von der Entente besetzt. Bulgarien muß vollständig demobilisieren. Wien. 1. Okt. Wie aus unterrichteten Kreisen geinettret wird, ist der Waffenstillstand zwischen den Delegierten der bulgarischen Armee und dem Oberbefehlshaber der Entente- truppen in Mazedonien am Sonntag abgeschlossen worden. Der rasche Abschluß empfahl sich der Entente teils aus gewissen militärischen Erwägungen heraus, teils auch um die gestern zusammen getretene Sobranje vor eine vollendete Tatsache zu stellen. Es ist auch erklärlich, daß Malinmo, der das Angebot gestellt hat, sich beeilen mußte, rasch die Früchte seines Vorgehens cinzuheimsen. Ob dieser Weg jedoch zum Ziele führen wird, ist noch nicht bestimmt, da ja die Sobranje dazu Stellung nehmen muß. In der ersten Sitzung dürfte schon aus dem Grunde keine Entscheidung erfolgen, weil gegen Malinow große Widerstände besteben und die Debatte immerhin eine gewisse Zeit in Anspruch nehmen wird. Ei» Kabi«e1t Peschew? Wien, SO Sept. Wie der „Reuen Freien Presse" ans Sofia gemeldet wird, ist im gegenwärtigen Augenblick die Stimmung in Bulgarien viel ruhiger geworden. Der Einmarsch deutscher vnd österreichisch-ungarischer Truppen in der Hauptstadt übt im allgemeinen eine gute Wirkung aus. Dem Vernehmen nach stkbt die Bildung eines provisorischen Kabinetts bevor, in dem . auch mehrere Generäle Platz haben sollen. Mit der Bildung des Kabinetts fall Peschew betraut werden, der im Ministerium Radoslawow Unterrichtsmiuister war. und der in der Sobranje über einen beträchtlichen Anhang verfugt. Die von der Entente zu erkennen gegebenen Friedensbedingungen haben sehr abschreckend gewirkt, und es besteht, nach der jetzigen Stimmung zu schließen, wenig Aussicht, daß sich in der Sobranje für sie eine Mehrheit finden wird. eine riesige Beute. Die alliierten Flieger haben tätigsten und wirksamsten Anteil an der Schlacht genommen. Sie brachten dem Oberkommando beständig Nachrichten, beschossen ohne Unterlaß die feindlichen Truppen und Wagenzüge, brachten sie in Verwirrung und verhinderten sie, unserem Druck zu entweichen. ßfitfffll SitiPonj Mr V\t lagt. Budapest. 29. Sept. Der frühere Oberkommandant der bul- garischen Armee, General Sawow, erklärte heute über die bulgarischen Ereignisse und die durch sie geschaffene Lage folgendes: Die derzeitige Situation Bulgariens ist nicht so schlecht, als man glaubt. An der Front und im Innern zeigten sich gewisse Unruhen. Diese benutzte der Feind zur Erkämpfung seines Erfolges in Mazedonien. All dies ist lediglich als vorübergehend anzusehen. Rach kurzer Zeit wird die Lage infolge der Maßnahmen, die von dem Oberkommando der bulgarischen und verbündeten Armeen getroffen wurden, wiederhergestellt sein. Sie wissen wohl, daß der südliche Kriegsschauplatz nicht bloß derjenige Bulgariens, sondern des gesamten Vierbundes ist. Infolge dieses Umstandes kann man volles Vertrauen haben, daß der zeitweilige Erfolg des Feindes durch die Bajonette unserer tapferen Armeen bald zunichte gemacht sein wird. Was den Frieden betrifft, so will unser Bund auch Opfer bringen, um ihn zu erreichen. Da aber unsere Feinde gegen den Frieden sind, so muß der psychologische Moment abgewartet werden, in dem wir einen Frieden schließen können, der unsere Gebiete und unser Recht auf Dasein wahren wird. Ich glaube mich nicht zu täuschen, wenn ich behaupte, daß dieser Moment nicht mehr fern ist. Eben infolge der Nähe dieses Augenblicks müssen wir noch j einige Opfer bringen, müssen Geduld haben und in vollem Ver-. trauen der Zukunft entgegensetzen. Aha! Haag, 30. Sept. Laut Londoner Blätter hat der Gerichtshof in Genf entschieden, daß die großen Geldbeträge, die innerhalb der jüngsten zwei Jahre für verschiedene Bolschewik!, darupfe-r Lenin und Trotzki. in Schweizerischen Banken deponiert wurden, als Kriegsgewrnne zu betrachten und dementsprechend zu besteuern sind. WärlntlsgeiB ütotliiJifr preuWtt Das preußische Staatsministerium ist. wie das „Berl. Tage- btatt" berichtet, vorgestern nachmittag zu einer Sitzung zusam« mengetret-n. Dem Vernehmen nach beabsichtigen die sämtlichen Minister dem Monarchen ihre Portefeuilles zur Verfügung zu stellen, um ihm und dem Parlament freie Hand für die Bildung der neuen Regierung zu lassen. Die sämtlichen Staatssekretäre, auch Herr v. Hintze, haben bereits im Laufe des gestrigen Tages dem Kaiser ihre Rücktrittsgesuche eingereicht. Die Entscheidung darüber dürfte nach Abschluß der Verhandlungen mit den Parlamentariern schon in den nächsten Tagen fallen. Eine Aenderung in der Gestaltnng einiger Reichsamter scheint ebenfalls bevorzustehen. Die Verhandlungen darüber find aber noch nicht abgeschlossen. Es verlautet aber bereits, daß der befördere Posten des Vizekanzlers, der erst im vergangenen Jahre eigens für Herrn Dr. Helfferich geschaffen wurde, eingezogen werden soll. Wie früher, soll wieder der Staatssekretär des Reichtzamts des Innern die Vertretung des Reichskanzlers übernehmen. Außerdem soll das Reichs- wirtschaftsamt in der Weife geteilt werden, daß ein sozialpolitisches und wirtschaftliches Amt gebildet werden. Die Wllh!rMs8gi!lrße im KerrechlUlS. Berlin, 1. Okt. Die Wahlrechtskommlssion des Herrenhauses hat mit 17 gegen 11 Stimmen den § 3, oer die Bestimmung über die Art des Wahlrechts enthält vnd nach der Regierungsvorlage das allgemeine, gleiche, geheime und d i - rekte Wahlrecht vorschlug, angenommen, mit der einen Aenderung, daß eine Zusatzstimme vom 40. Lebensjahr ab elngefiihrt werden soll. biM'Iche Zentrum und Artkkl 9. Österreicher in Sofia. Wien. 30. Sept. Die Blätter melden aus Sofia: Oester- keichisch-ungarische Trv.ppen sind hier eingetroffen. Der französische Orientbericht gibt ein Bild der letzten Vorgänge: Am 29. September setzten die englischen, griechrsckffn und französischen Truppen am linken Flügel der alliierten Armeen die Verfolgung der auf dem Rückzug von Gitschewo befindlichen feindlichen Nackhut fort und rückten von Ochrida wie auch westlich des Ochridasces vor, wo sie die Straße nach Elbassan erreichten. Im Zentrum ist die fran- zösisck)? Kavallerie in Uesküb eingezogen, während die von französischen »no griechischen Kräften unterstützten serbischen Armeen ihren Vormarsch auf Kumanowo, Egri-Palanka und Dsckumaja fortfetzten. Mehr östlich schritten britische und zciechiscke Divisionen in der Richtung Pefchewo und Petric -or. Tie siegreichen Operationen, die in weniger als 14 Tagen die alliierten Orientarmeen bis Uesküb und auf das feindlich^ Gebiet führten, haben die bulgarische Armee zur Niederlegung der Waffen bestimmt. Am 29. Septtmber um 11 Uhr nachts haben die bulgarischen Bevollmächtigten den Waffenstillstand in Salonik unterzeichnet, am 30. September um Mittag nahmen die Feindseligkeiten zwischen den bulgarischen Kräften und den alliierten Truppen ihr Ende. Im Verlauf dieser ruhmreichen Operation, die durch die eilige Entsendung von deutschen Verstärkungen nicht gestört werden konnten. machten die Alliierten viele Gesanaenne und Zu der Mitteilung der Berliner Zentrumsparlamentskorrespondenz, das Zentrum werde einer Aufhebung des Artikels 9 der Reichsversassung zustimmen, wenn die Sozialdemokraten zum Eintritt in die Regierung des Kabinetts Hertling bereit seien, bemerkt der „Regensburger Anzeiger", das Organ des Vorsitzenden der bayerischen Zentrumsfraktion: „Wir können nickst verhehlen, daß diese (parteioffiziöse?) Handhabung in bayerischen Zentr-umsreisen geradezu» Bestürzung Hervorrufen muß, denn die Aufhebung des Artikels 9 der Rerchsverfassung bedeutet den Anfang vom Ende der Bundesstaatlichen Selbständigkeit des Königreichs Bayern. Wir warten auf parteiamtliche Klarstellung." Dkilljs- und ßlNidlnMhg. Dr. hirjdi f Der natinalliberale Reichs- und Landtagsabgeordnete Dr. Hirsch ist gestorben. Der Verstorbene war ein Führer des rechten Flügels der Partei. Sein Tod wird eine schwere Lücke in die nationalliberale Partei reißen. Verschiedenes. Segen der Kriegswirtschaft. In einem Berliner Blatt finden wir folgende Notiz: Naive Leser fragen bei uns an, warum es jetzt keine Fische mehr in Berlin gibt. — Weil jetzt eine Fischver- teilnngsstelle eingerichtet ist. Das ist doch aber ganz klar! Nur in Deutschland, möglich? Im 6. Kriegsjahr ist der Direktor der Aktiengefellsckjaft für Montanindustrie, An der Spandauer Brücke 2. Walter Kuttner, ein — Engländer. Direktor Kuttner ist 1884 in London geboren, wurde Anfang November 1914 in Ruh- leben interniert (Baracke 7), durfte im Mai 1915 in einem 6-wöchentlichen Urlaub den Rechnungsabschluß seiner Bank ferftg stellen und unterschreiben, der in den Zeitungen veröffentlicht wurde_Ob das in England möglich wäre? Handel mit A.-G.-„Fasions". Inserat in einer großen rheinischen Zeitung: „Aktiengesellschaft — Fasson mit einem Kapital von mindestens 700 000 Mark zu kaufen gesucht. Ev. kann be- . treffende Aktiengesellschaft auch leicht realisierbare Aktiva oder Passiva besitzen." Die Inserenten sind tüchtige und großzügige Leute. Es kommt ihnen garnicht darauf an, auch eine verschuldete A.-G. zu erwerben und deren Schulden zu bezahlen, wenn sie nur auf diese Weise um die erforderliche Aktien-Kortzession herum- kommen und den Aktienstempel sparen, der seit 1. August aus 5% erhöht worden ist! Man sieht: wo immer ein Gesetz entsteht —. es sind auch sofort tüchige Menschen da, die es geschickt zu umgehen wissen. Der Krieg stags-Mehrheitsausschnß der ihm gefügigen Regierung Vollmacht zur dahingehenden Erweiterung der Zivildienstpflicht geben. Damit täte er einmal etwas wirklich Nützliches für die Sicherung unserer Volksernährung und unseres ganzen Volkes gegen die ausgesproch.enen Vernichtungsabsichten unserer Feinde. Die tfilnifiif Fremde des Einvttkiuifg. Es ist umgeredet worden, — so viel wir wissen nur in einzelnen Bezirken — daß dre Hühnerhalter die ihrer „Eier- ablieferungspsliäst" nachgekominen sind, die überschüssigen Eier verkaufen dürfen. Damit sind natürlich die Sozialdemokraten unzufrieden. So bezeichnet der „Vorwärts" dies als eine „Berücksichtigung der agrarischen Interessen", die von den Verbrauchern als ein „Faustschlag ins Gesicht" empfunden werden müsse; der Ernährungsbeirat müsse sich schleunigst mit der ganzen Angelegenheit befassen. Man sieht also die Sozialdemokraten wollen die Landwirte unter die schärfste Zwangsverwaltung stellen. Anders steht der „Frankfurter General-Anzeiger". Er schreibt: Einen Eiersegen wird diese Erleichterung des Eierver- Eehrs zunächst jedenfalls nicht über die Städter herbeiführen, weil die Hauptlegeperiode vorüber'ist und die Lieferungsauslage oft übermäßig groß war. Es ist auch natürlich, daß neben der noch verbleibenden rationierten Menge die restliche, immerhin knappe Menge Preisschwankungen, vielleicht auch Preisvertenerung unterworfen sein wird. Der Unterschied gegen jetzt wird aber der sein, daß, während früher jeder nur alle drei Wochen ein Ei bekam und sich im allgemeinen auch nichts weiter kaufen konnte, jetzt das dreiwöchentliche Ei bleibt und daneben, wenn auch unter Umständen zu teueren Preisen, eine Erwerbs Möglichkeit in legaler Weise eintritt, während früher der Erwerb nur auf strafbarem Wege möglich war. Dieser erste Durchbruch des Systems ist daher nur zu begrüßen. sucht, deren wässerige Folgen sich immer nachteiliger bemerkbar machen, hat auch diese Quelle versiegen lasien. Hoffen wir auf eine baldige Wiederauferstehung! Friedüerg, 2. Okt. (Theater im Saalbau). Am Sonntag, den 6. Oktober, abends 8 Uhr findet im Saalbau ein Gastspiel des hier bereits bekannten Wandertheaters des Stellv. Generalkommandos des 18. Armeekorps statt. Zur Aufführung gelangt: „S ch o r f ch Durstig", ein lustiges Spiel in einem Akt. Dem Theaterstück wird ein „Bunter Teil" vorangehen. welcher aus musikalischen und deklamatorischen Vorträgen besteht. Bei dem guten Erfolge, den das Wandertheater letzthin hier errungen hat, steht zu erwarten, daß die Aufführung auch diesmal voll besucht sein wird Eintrittskarten zu 3.—, 2 — und 1— Mark sind im Vorverkauf zu haben in den Buchhandlungen Bindernagel und Scriba. !! Deutschem Geist? Unbeschreiblich erhaben ist das, was unser Volk vollbracht hat. Sewalrtg war der Opfermut, beispiellos der Seist, der alles beseelte. Er bejäh gte un er tapferes Heer zu den glänzenden Maffenicue.r gegen den pberiegenen 5e lick, veu scher 6etff hrt ll«Lrt.chLs2chir>erizurücher- deiCat, roenn dtc &efnui »die Kraft dieses Seifles vereint. Seichnet die Kriegsanleihe! Langsdcrf, 29. Sept. Der in Butzbach eine Gefängnisstrafe verbüßende jugendliche M. aus Hungen war in den letzten Wochen von dort entwichen und verübte hier einen Einbruch, wobei er verschiedene Lebensmittel entwendete. Er wurde auf frischer Tat ertappt und im Arrestlokal untergebracht. Durch Einschlagen der Türfüllung gelangte er wieder in Freiheit und begab sich nach Hungen, wo er in der Nähe der elterlichen Wohnung in einem Winkel von der Gendarmerie aufgegriffen und dem Gefängnis in Butzbach wieder zugeführt werden konnte. Aus Starkenburg. Darmstadt, 29. Sept. Tätlich verunglückt ist am Samstag abend in dem Hauptbahnhof in Offenbach auf der Nebenbahnstrecke bei dn Einfahrt eines Leerzuges der 13 Jahre alte Phil. Becker daselbst, desten Eltern Luisenstraße 17 wohnen. Becker wollte auf den Zug springen, wurde aber abgeschleudert und kam direkt unter die Näder. Sein Tod trat sofort ein. Er hat das Unglück selbst verschuldet. Darmstadt, 29. Sept. Wegen unrechtmäßigen Bezugs von Lebensmittelkarten wurde eine hiesige Frau in einen Strafbefehl von 300 Mark verurteilt. Aus Rheinhessen. FC. Kostheim, 30. Sept. Weil er gestohlenen Zucker an Wirte verkauft hat, wurde ein hiesiger Händler verhaftet. Aus Hessen. Na stau. FC. Aus dem Regierungsbezirk Wiesbaden. 29. Sept. Zur Hebung der Fischerei wurden im abgelaufenen Fahre vom Fischerei-Verein für den Regierungsbezirk Wiesbaden ausgesetzt: Im Rhein 1000 Stück einsömmerige Karpfensetzlinge bei Schierstein, 2500 Stück einsömmerige Karpfensetzlinge in den Schiersteiner Hafen, 30 000 Stück Hcchtbrut ebenfalls bei Schierstein; in den Main: 1000 Stück einsömmerige Karpfensetzlinge bei Höchst, 1250 Stück einsömmerige Karpfensetzlinge bei Höchst und 30 000 Stück Hechtbrut ebendaselbst; in die Lahn: 105 Pfund Karpfen- setzlinae bei Weilburg, 500 Stück Karpfensetzlinge ebenda. 1000 ' Stück Zandersetzlinge zwischen Weilburg und Löhnberg. 60 000 Stück Hcchtbrut bei Weilburg und Runkel; in den Elbbach: 1000 Stück Zandersetzlinge bei Elz, 500 Stück einsömmerige Regenbogenforellen und 100 Stück Vachsorellenbrut zwischen Elz und Niederhadamar. Auch in den Voehlerw-iher bei Merenberg wurden 500 Stück einsömmerige Karpfen eingesetzt sowie in den Weiber auf der Rennbahn bei Erbenheim 500 Stück Karpfensetzlinge. Mlim kommt die Wihjttk'.serhijhsiig? Aus Niedererlenbach wird uns geschrieben: Ihre Betrachtung über die Milchpreise in Hessen war uns aus dem Herzen geschrieben. Wir leben doch auch nicht hinter dem Monde und sind nicht durch eine hohe Mauer von unseren Nachbarstaaten getrennt. Schreiber dieses war jüngst in Oberstedten. er konnte gerade mitzuhören, wie ausgefchellt wurde, daß der Milchpreis 50 Pfg. ab Stall betrage. Man kann sich denken, welche Lust. Milch zu produzieren, bei mir erregt wurde, wenn ich hören muß. in Oberstedten erhalten die Landwirte 50 Pfg., wir in Niedererlenbach dagegen nur 33 Pfg. für den Liter Milch! Woran oder an wem liegt es, daß die uns schon längst in Aussicht gestellte Milchpreiserhöhung in Hessen nicht eintritt? Warum werden wir hessischen Landwirte in allen Dingen schlechter gestellt? Meine Ansicht ist die, wir lassen uns zuviel gefallen. Wir sehen ja eben bei der Umwandlung in der Reichsregierung, daß diejenigen, die sich nicht ducken, obenauf kommen. Wenn unsere Regierung an der Spitze schwach ist. warum lassen wir uns von den untergeordneten Organen so viel gefallen. Waffen wir uns auf und verlangen unser gutes Recht! An» der Heimat. Friedberg. 2. Okt. D a s A l t e st ü r z t! Mit dem 1. Oktober hat die Aepfelweinwirtfchaft von Philipp Steinhäuser ihre gastliche Pforte zeitweilig geschlossen. Der vorzügliche Stoff, den man dort zu trinken bekam, machte das Haus Steinhäüßer in der ganzen Wetterau und darüber hinaus bekannt und durstige Seelen fanden beim „Philipp" immer ihre Erquickung. Dem ist jetzt zunächst ein Ende bereitet. Der Krieg und die sich bei uns rsmer mehr breit machenden Wasser- FC Wiesbaden, 30. Sept. Ei» tragischer Todesfall hat sich hier in einem Haufe der Jahustraße zugetragen. Ein Mann, der einige Tage in seiner Wohnung allein sich aushielt, weil seine Frau 4n einer Entbindungsanstalt weilte, hatte sich bei verschlossenen Fenstern schlafen gelegt, während aus dem Gas- automaten, der undicht war. Gas entströmte, ohne daß der Mann es bemerkte Da niemand fönst in die Wohnung kam. wurde der Mann betäubt, durch das Gas allmählich eingeschläfert und getötet. Als gestern vormittag die junge Frau aus der Entbindungsanstalt in ihr Heim zurückkehrte, fand sie die Tur verschlossen. Als niemand öffnete, holte sie einen Schlosser, der den Eintritt in' die Wohnung ermöglichte, worauf man die traurige Feststellung machte, daß der Mann seinen Tod schon mindestens vor drei Tagen gefunden hatte. FC. Wiesbaden, 30. Sept. Gewappnet mit einem vorschriftsmäßigen Schuhschein und einer wohlgefüllten Börse betrat anfangs Januar d. I. eine hiesige Frau das Schuhgeschäft von Sebastian Kuhn dahier, um für ihren Mann ein Paar Stiefel zu erstehen. Stiefel sind ausverkauft", war die Antwort des Geschäftsinhabers, ..doch haben wir schöne Pantoffeln". Die Frau nahm nun ein Paar Pirmasenser mit. Als sie aber zu Haufe ihr Geld nachzählte, fand sie, daß ihr im Geschäft zuviel Geld herausgegeben worden war. Eilig ging sie zurück und lieferte den Mammon dem Inhaber ab. Dieser hocherfreut über die ehrliche Kundin, bot ihr nun ein Paar tadellose Stiefel für ihren Gatten an. Die Frau war darüber erfreut, aber auch sehr erstaunt Mittlerweile ging in der Stadt das Gerede um. daß man bei Kuhn ohne Schuhscheine, aber, wenn man Lebensmittel in der Tasche hatte, wofür nicht nur Kuhn, sondern auch die Verkäuferinnen sehr empfänglich seien, Stiefel erhalte, wie ncan sie wünschte. Die Polizei revidierte daraufhin. Sie fartb und beschlagnahmte 180 Paar und stellte weiter fest, daß der , Schubwarenhändler die eingedruckten Preise geändert oder gar völlig ausradiert hatte. Nach der Beschlagnahme, so ergab sich, hatte Kuhn sogar einige Paar Stiesel an bevorzugte Kun. den noch abgegeben. Nach diesen Feststellungen der Polizei wurde das Geschäft kurzerhand geschlossen und heute stand das Ehepaar Kuhn, sowie die Verkäuferinnen Kath. Diehl und Else Schmidt wegen Vergehen gegen die Kriegsgesetze in etwa zehn Fällen vor den Schöffen. Urteil: Kuhn erhielt 2000 Mark Geldstrafe, seine Frau 100 Mark und jede der Verkäuferinnen kam mit 10 Mark davon. FC. Flörsheim, 29. Sept. Am Ausladeplatz der Letschkaui< am Main wurde der Arbeiter Johann Ludwig Hofmann von hier ertrunken aufgefunden. Es scheint Selbstmord vorzuliegen. Schwanheim a. M., 29. Sept. Mit Roß und Wagen trafen in der Nacht zum Freitag Diebe auf einem hiesigen Baumstücr ein, zerschnitten das den Platz umhegende starke Drahtgitter und plünderten die guttragenden Obstbäume vollständig, wobei sie etwa 8—10 Zentner Obst erbeuteten. Und das geschah trotz des hier wohlorganisierten Feldbewachungsdienstes. FC. Oberursel, 29. Sept. Die Stadtverordneten beschlossen, um der immer größer werdenden Milchknappheit zu bgegnen. eine eigene Milchwirtschaft einzurichten. Es wurde bestimmt, zunächst zehn Friesenkühe und zehn Saanenziegen anzuschaffen und diese Wirtschaft einem Verwalter zu unterstellen. Die zehn Kühe sind von einem hiesigen Einwohner der Stadt zum Ge» schenk gemacht worden. — Dis goldene Hochzeit feiern am 1. Okt. die Eheleute Karl Hieronymi dahier. FC. Bleidenstadt, 30. Sept. Unlängst war hier eine Kuh von der Weide weg gestohlen worden, und die Ermittelungen wiesen daraufhin, daß sie nach Dotzheim geschafft worden sei. und dortselbst in der Nähe des Dorfes abgeschlachtet wurde. Nunmehr wurde ein Fuhrwerk angehalten, auf dem zwei Körbe mit Fleisch standen, das nach einem Wiesbadener Hotel ge. schafft werden sollte. Die Untersuchung stellte fest, daß es sich hier um das Fleisch von der Bleidenstädter Kuh handelte. Als Täter wurden vier Feldaraue festgenommen. FC. Usingen, 29. Sept. Dem Viehhändler Heinrich Wagner in Wchrheim wurde wegen Unzuverlässigkeit die Ausweiskarte entzogen und ihm der Viehhandel untersagt. FC. Biebrich, 30. Sept. Der 15 Jahre alte Schreinerlehrling Karl Hemes wird feit dem 27. September vermißt. FC. Schierstein, 29. Sept. Zur Anzeige kam eine Dame aus Wiesbaden, die sich 15 Pfund Trauben aus hiesigen Weinbergen zusammengestohlen hat. Nachdem ihr die Trauben abgenommen worden waren, wurde sie einige Stunden darauf wieder mit 5—6 Pfund Trauben angehalten, die sie abermals entwendet hatte. Sie legitimierte sich, wie die ..Schiersteiner Zeitung" meldet, als Bedienstete eines vornehmen Hotels tu Wiesbaden. FC. Esch, 29. Sept. Im Alter von 84 Jahren starb dahier der Gemeinderechner a. D., Link. FC. Vom Westerwald,'30. Sept. Die Kreissparkasse Alten, kirchen zeichnete zur neunten .Kriegsanleihe acht Millionen M. Aus Kurhkssen. FC. Wolfhagen, 27. Sept. Der Verkauf des städtischen Obstes brachte der Stadtkasse eine Einnahme von zirka 7200 M ein. Daß trotz des durchschnittlich guten Behangs der Baume ein, bei den gegenwärtigen hohen Obstpreisen verhältnismäßig nur so geringer Erlös erzielt wurde, erklärt sich dadurch, daß der Magistrat in wohlwollender Rücksichtnahme auf die Käufer einen in mäßigen Grenzen gehaltener Höchstpreis festgesetzt hatte, der bei der Versteigerung nicht überschritten werden durfte. Aus der Pmlz. FC. Nus der Pfalz, 29. Sept. Die deutsche Eisenbahngesell. schuft in Frankfurt beabsichtigt den Bau einer elektrischen Bahn von Neustadt bis Vad-Dürkheim. Die Vorverhandlungen sind bereits nn Gange. — Das Ergebnis des Portugieser Herbstes, der vorgestern in Vadenkoben begonnen hat. ist in quantitativer Hinsicht ein vorzi'.gliches. auch die Qualität ist im allgemeinen fl 111 Die Nachfrage nach rotem Most ist eine sehr rege, der Preis übersteigt jedoch den Friedenspreis um das lOfache. In Frledderx zu haben bei: Fr. t'viendeüna:, Elektrotechnisches Büro; lYiih. A«l. Elcfi, Schlosserei und Installationsgeschäft; 14arl JL&il&ie, Installationsgeschäft. Verantwortlich für den politischen und lokalen Teil: Otto Hirsche!, Friedberg; für den Anzeigenteil: R. Renner. Friedberg. Druck und Verlag der „Neuen Tageszeitung", A- G., Friedberg i, H, 6 ) Herzerrskämpfe. Roman non S°l°n° E-Kiitky. g°b von (Copyright 1915 by C- Ackermann-Stuttgart.) Nachdruck verboten Der hochverehrte greise Monarch selbst kam bsters zum Besuch seiner hohen Gemahlin in die auch von ihm sehr geliebte Nbeinstadt. und brachte dann regelmäßig noch einen Teil des Sommers in einem sehr nahe gelegenen kleinen Badeort zu. wo er Stärkung und Erholung von den anstrengenden Regierungs- aesckalten suchte und fand. Dieses kleine und entzückende Wald- siädtchen war durch ihn zu einem berühmten Welt- und Modebad geworden, wohin auch viele andere Potentaten vor allem aber zahlreiche vornehme und reiche Leute sich begaben. — wie eben der Schweif seinem Kometen folgt! Reinhold von Germs- boff war schon öfters die Auszeichnung zuteil geworden, wahrend der Badesaison zum persönlichen Adjutanten der Allerhöchsten Herrschaften ernannt zu werden, wodurch er täglich in die intimste Nähe der bedeutendsten Männer kam. ' 4. Kapitel. Wie Neinhold vorausgesehen, fand die Zumutung, das bevorstehende Hoffest zu besuchen, keineswegs Hildes Beifall. ^ Stc war eine hervorragend innerliche Natur, und alles Gepränge, aller äußere aufdringliche Glanz waren ihr. die übrigens auf ihren vielen Reisen schon unendlich viel des Großartigen und Schönen gesehen hatte, unsympathisch. „Ach. Tante Ella, muß es denn fein?" sagte sie beinahe betrübt. als die Kommerzienrätin ihr die vom königlichen Hofmarschallamt eingelaufene Einladung, in welcher Fräulein Hilde Antelmann besonders genannt war. triumphierend vorzeigte. „Aber. Kind, natürlich muß es sein? Es heißt zwar Einladung. ist aber tatsächlich ein Befehl", erwiderte die Tante ganz erschrocken bei der bloßen Vorstellung ein« Auflehnung gegen eine so hohe Auszeichnung. „Befehl. Tantchen? Ich meine von Befehl kann da gor dicht die Rede sein. Wir stehen doch Alle. Onkel, du und ich ebenfalls, glücklicherweise in gar keinem Abhängigkeitsverhält- vis zum Hofe. Wie könnte man untz da befehlen?" „Aber. Herzenskind, ich bitte dich, du bist doch nicht am Ende gar von den modernen Ideen angesteckt!" rief Tante Ella wahrhaft entsetzt ! tzilde lachte laut und herzlich. -- „Nein, Tantchen, beruhige dich, davon' bin ich weit entfernt, $ b von den verderblichen und kurzsichtigen Auswüchsen, von Haß' und Neid gegen Höhergestellte. Und dem Unsinn, alles gleich machen zu wollen. Ich liebe mein Vaterland und unsere Herrscherfamilie, vor allem unfern prächtigen alten König als einen der edelsten und besten Menschen, die jemals gelebt haben. Ja. manchmal, wenn mir die Menschheit im Allgemeinen schon recht kleinlich und erbärmlich verkommen wollte, habe ich mir in Betrachtung seiner lichten, schlichten Heldengestalt den schon halb verlorenen Glauben wieder retten zu können: so lange die Menschheit noch solche Blüten treibt, braucht man nicht an rhr zu verzweifeln." Na Gottlob, daß du so denkst. Hildchen! Aber um so weniger Grund hast du denn doch, die Einladung zum Hoffest nicht annehmen zu wollen. Es mutzte dich doch vielmehr interessieren, in die Nähe der von dir verehrten hohen Personen zu kommen." meinte die Kommerzienrätin in überredendem Tone. „Nun. erstens ist ja der König gar nicht anwesend, und dann würde ich bei einer solchen Massenveranstaltung wohl kaum Gelegenheit haben, mit den allerhöchsten Persönlichkeiten in Berührung zu kommen, — und dann, Tantchen, weißt du. ich liebe nun einmal diese geräuschvollen Geschichten, wo immer Eins das Andre übertrumpfen will, gar nicht." „Du bist wirklich ein wunderliches Menschenkind." sagte Tante Ella kopfschüttelnd. ..Was alle andern jungen Mädchen entzücken und beglücken würde, davon willst du nichts wissen. Aber nun muß ich dir verraten, was ich dir eigentlich garnicht sagen wollte: Es ist mir vertraulich e'n W-nk gegeben worden dich auf jeden Fall mi'zubringen. da Ihre Majestät die Königin dich sveziell zu sehen wünscht." „Wie komme ich unbedeutendes Geschöpf wo^l ^u der Ehre, so besonders beachtet zu werden?" antwortete 5>ilde seufmnd „Das ist gewiß deinetwgen. Tantchen: da du so sebr vom Sonnenschein der allerböchsten Gnade beleuchtet bist, fallen auch aus mich einige Strahlen. Nun. da bleibt mir allerdings nicht? übrig, als.mich zu fügen, denn eine aroße. wenn auch aovz unverdiente Ehre ist es ja allerdings, daß die Kön'gin sich für mich interessiert." „Das eine muß man bet dir anerkennen. Kind, du bist nicht eigensinnig!" lobte die Tante, die seelenfroh mar, ihren Zweck «reicht zu havell. „ÄnS deshalb mutz man dich auch lieb haben, trotz deiner weltfremden Sonderbarkeiten: Aber nun wollen wir noch einen wichtigen Punkt beraten: die Toilettenfrage. Was willst' du auf dem Hckfball anziehen?" Wieder folgte ein kleiner Seufzer Hildes. Sie war nämlich auch in diesem Punkt anders, als die m\> sten ihres Geschlechts. Sie war gern gut gekleidet und hatte einen vorzüglichen Geschmack. Aber sie befaßte sich nicht gern damit, sonbern behandelte' die Toilettenangelegenheit wie eine lästige Pflicht', deren sie sich so schnell wie möglich entledigte. Tante Ella dagegen beschäftigte sich mit wahrer Wonne damit, konnte stundenlang mit andern Damen darüber plaudern und endlose Verhandlungen mit ihren Schneiderinnen und Putzmacherinnen führen. Auch dieser Punkt wurde zu Tante Ellas Zufriedenheit- erledigt, sie rief zum Schlüße der Beratung: „O. du wirst entzückend aussehen. kleine Here, wirst alle andern jungen Damen überstrahlen, Alle in den Schatten stellen!" 5. Kapitel. Unterdessen fah es ln Hildes Herzen gar nicht so ruhig aus. wie sie sich den Anschein gab. Hätte Tante Elle hineinblicken können, so hätte sie die Angelegenheit, die sie glaubte als ganz aussichtslos betrachten zu müssen, viel mehr gefördert gesehen. Hildes Interesse für Reinhold, das sich gleich anfangs geregt hatte, weil er ihr so ganz anders gegenübertrat, als alle anderen Männer, hatte sich nach und nach zu einem warmen Gefühl gesteigert. Lange wußte sie nicht, war es Haß oder -Liebe, was sie für ihn empfand. Sie ärgerte sich, daß sie immer an ihn denken mußte, daß fein Bild Tag und Nacht vor ihren Augen stand, feine Stimme in ihrem Ohr vibrierte. Seine Stimme, mit der er nur erst so wenige Worte, und das nur gleichgültige, an sie selbst gerichtet hatte! Sie mußte imm« horchen, wenn er sprach, schon der Ton seiner Stimme war Musik für sie. Und was er sprach, war stets klug, gut und verständig. Und fein Lachen? Wie froh, wie herzlich es klang! Das konnte nur aus einem guten, reinen Herzen so freudig und fröhlich schallen. Er war ein sonniger, ein guter Mensch, freundlich zu allen Menschen, ja. auch zu Kindern. Tieren, er war immer geduldig und liebevoll zu ihnen, auch wenn er eilig und mit wichtigen Din-en beschäftigt war: sie fühlten mit sicherem Instinkt, wie gut er's mit ihnen meinte. 1 i (1 M Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Anteilnahme bei dem Hinscheiden und der Beerdigung meines innigstgeliebten Gatten, unseres lieben Sohnes und Schwiegersohnes Herrn Adolf Opificius besonders für die trostreichen Worte des Herrn Pfarrer Vogel, für die anerkennenden Worte des Vorgesetzten des Verstorbenen, für die letzte Ehrenbezeugung seiner Kollegen und die vielen Kranzspenden sagen innigsten Dank Reichelsheim r. W., Vurg-Gräfenrode, den 1. Oktober 1918. Die tieftrauerudeu Hinterbliebenen: Mathilde Opificius geb. Vetter August Opificius und sämtliche Angehörige Karl Better und Familie. Dekan iitmachniiy. Am 1. Oktober 1918 ist eine Nachtragsbekanntmachung Nr. W. M. 57/10. 18. K. R. A. zu der Bekanntmachung Nr. V/. M. 57/4. 16. K. N. A. vom 31. Mai 1916, betreffend „Vestandserhebung von tierischen und pflanzlichen Spinnstoffen usw.", erlassen worden. Der Wortlaut der Nachtragsbekanntmachung ist in den Amtsblättern und durch Anschlag veröffentlicht worden. Lick« . ßfi m'Qiffliiiiiifinlio 18 . AmttkorK Kekcmutmachmig. Am 1. Oktober 1918 ist eine Bekanntmachung Nr. W. I. 761/10. 18. K. N. A., bet, essend „Beschlagnahme von Web-, Trikot-, Wirk- und Strickgarnen aus Kunstwolle", erlassen worden. Der Wortlaut der Bekanntmachung ist in den Amtsblättern und durch Anschlag veröffentlicht worden. Stein, ßeneralfsinnifliilo 18. Amecke. iiraiiu biMe i. ftaiiit ajin.iiieiMj.ll. Geschäftsstelle Frankfurt a. M., Kronprinzenstraße 41. (Kronprinzenbau.) — Fernruf Römer 420