Nummer 230 Einzelpreis $ lÄ Dienstag, den 1. Oktober 1918 11. Jahrgang. Oie ..Dlrue Tageszeitung" erscheint irden Werktag. Regelmäßige Beilagen „Der Kauer aus Hellen", „Die Spinnstube". Kezugspreis: Bei den Postanstalten vierteljährlich Mt. 2.4u hinzu tritt noch das Bestellgeld; bei den Aaenten monatlich 90 Pfg. einschließlich Trägeriohn. Anzeigen: (örundzeile 2b Pjg^ lokale 20Pig^ Anzeigen von auswärts weroen durch Postnachnahme erhoben. Erfüllungsort Friedberg. Hchriftleitung und Uerlag Friedbera s.Hessen), '--anauerstratze 12. Ferniprecher 48. Bosti steck-Lsnto Nr. 4859. Amt Frankfurt a. M. Die ParteiherrjchafL im Reiche wird verkündet.--»Die größte Schlacht des Weltkrieges. — Erfolgreiche deutsche Abwehr, geringer feindlicher Gewinn. — 21000 Tonnen versenkt. «' -- . ... a Der deutsche Generalstab meldet: =. —.— M. T. Ä. Trotzes Hanprqnartiev» de« 30. September Amtlich. Westlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppen Kronprinz Rupprecht und B o e h n. In Flandern setzte der Feind seine Angriffe fort. Der Einbruch des Gegners in unsere Stellungen am 27. September nötigte uns, den rechten Flügel unserer Abwehrfront hinter dem Handzame-Abschnitt von nördlich Drxmuide bis Merkem zurückzunehmen und auf dem linken Flügel des Kampffeldes den Wiet- schaete-Bogen zu räumen. Feindliche Angriffe gegen den Hand- zame-Abschnitt und gegen die Linie Zarren-Westroosebeeke wurden abgewiesen. Zwischen Passchendaele und Becelare drang der Gegner bis Morrelad und Dazidende vor. Dort fingen wir seinen Stotz auf. Der am frühen Morgen von Houthem bis Kouen an der Lys vordr'mgende Feind wurde durch Gegenangriffe wieder zurückgeworfen. Wir kämpfen hier an der Lys- Niederung. Gewaltiges Ringen an der Front zwischen C a m - t ra i und St. Quentin. Gegen die Stadt und beiderseits der Stadt führte der Feind 16 Divisionen in den Kampf, um Eambrai zu nehmen und unsere Front beiderseits der Stadt zu durchbrechen. Nördlich von Eambrai sind die bis zu achtmal wiederholten starken feindlichen Angriffe vor unseren Linien bei Sancourt und Tilloy an erfolgreichen Gegenangriffen gescheitert. In den Vororten von Eambrai, Neuville und Cantiepre faßte der Feind Fuß. Wir stehen hier am Westrand der Stadt hinter der Schelde und schlugen dort erneute Angriffe des Gegners ab Dke über den Kanalabschnitt nördlich von Marcoing geführten Angriffe des Feindes brachen vor und an der Straße Eambrai—Masniöres zusammen. Südlich von Marcoing drückte uns der Feind hinter den Kanalabschnitt MasniöreZ—Creve- courl zurück. Mit gleicher Kraft griff er unsere Front von Gon- nelieu bis südlich von Bellenglise an. Zwischen Eonnelieu und Bellicourt schlugen wir den mehrfachen Ansturm des Gegners restlos zurück. Villerß Euislain, das vorübergehend verloren ging, wurde wieder genommen. Oertliche Einbruchstellen wurden im Gegenstoß wieder gesäubert. Die in der Front bei Gon- nelieu und Villers—Euislain schwer kämpfenden Divisionen warfen den aus Richtung Marcoing gegen ihre Flanke vorbrechenden Feind mit ihren Reserve-Bataillonen in entschlossenen Gegenangriffen wieder zurück. Zwischen Dellicourt und Bellenglise stieß der Feind über den Kanal vor. Wir brachten 'hn am Abend in der Linie Nordrand Bellicourt—Westrand Ioncourt—Lehancourt zum Stehen. Die nördlich von Ericourt sich aller Anstürme erwehrenden Regimenter mußten am Abend ihre Flügel auf Lehancourt zurücknehmen. An dem großen erfolgreichen Abschluß der gestrigen schweren Kämpfe haben Truppen aller deutschen Stämme gleichen Anteil. Der Engländer hat seine örtlichen Erfolge mit sehr hohen blutigen Verlusten erkauft. Heeresgruppen Deutscher Kronprinz und E a l l w i tz. Gegen unsere neue Linie a.n Oise—Aisne-Kanal drängte der Feind stark nach. Der Franzose setzte zwischen Suivpes und der Aisne, der Amerikaner gegen den Ostrand der Aroonnen und zwischen den Argonnen und der Maas feine erbitterten Angriffe fort. Mehrere neue Divisionen warf der Feind auch gestern wieder in den Kampf. Zwischen Auberive und Somme- Py schlugen mir mehrfachen, nordwestlich von Somme Py neunmaligen Ansturm des Gegners vor unseren Linien ab. Wir standen am Abend nach Abschluß des Kampfes in der Linie Aure nördlich Ardeuil — nördlich Sechault—Vouconville. !D?it besonderer Kraft stürmte auch der Amerikaner gegen den Ostrand des Argonnenwaldes und gegen die Front zwischen den Argonnen und der Maas an. Sein Ansturm ist völlig gescy-si- tert. Beiderseits des Aire-Tales entrissen wir dem Feinde Apremont. Aus dem Walde von Montrebeau warfen wir den Amerikaner mehr als 1 Kilometer zurück. Wir schossen gestern 45 feindliche Flugzeuge ab. Der Erste Generalquartiermeister: Ludendorff. Aüeridbericht. Berlin, 30. Sept., abends. (WB. Anrtlich.) In Flandern allgemeinen ruhiger Tag. Erneute Massenangriffe der Eng- lälchex gegen und beiderseits Lanchra^sind unter Mw ersten Verlusten für den Feind gescheitert. Westlich Le Catelet haben sich am Abend Kämpfe entwickelt. In der Champagne wurden Teil- angriffe der Franzosen, östlich der Argonnen starke Angriffe der Amerikaner abgewiesen. ie Zukunft des Landes ist Deine Zukunft. Geht das Land Ln Trümmer, reißt es Dich mit. ZeichneKrtegs- a n l e i h e — Du tust es für Dich. Der österreichische Generalstab ,==5^=^== meldet: =, Wien, 30. eSpt. (WB.) Amtlich wird verlautbart: Auf dem italienischen Kriegsschauplatz erfolgreiche Patronil- lenunternehmungen. Unmittelbar westlich des Ochridafees haben wir, der Lage an der bulgarischen Front Rechnung tragend, nach örtlichen Kämpfen den Geländestreifen geräumt. Der Ehts des Generalstabe-. Sofia, 28. Sept. (WB.) Eeneralstabsbericht. Mazedomsche Front: Westlich des Wardar setzten unsere Einheiten ihre Bewegungen plangemäß fort. Zwischen Wardar und Struma Kampfe der Nachhuten mft schwachen feindlichen Kräften. Im Strumatal erfolgreiche Patrouillengefechte. jj Das türkische Hauptquartier e== meldet: - Kenstantinopel, 28. Sept. (WB.) Generalstabsbericht. Palästinafront: Die Kämpfe am TiberiaZfee dauern an. Von den übrigen Fronten nichts Neues. Konstantinopcl, 29. Sept. (WB.) Eeneralstabsbericht. Palästinafront: Die Engländer setzten ihren Vormarsch mit Kavallerie beiderseits der Eisenbahn Deraa—Damaskus und noödöstlich fort. Aus der übrigen Front Ruhe. Um die Lage in Palästina besser zu verstehen, lassen wir den englischen Bericht, der im allgemeinen den Tatsachen entsprechen dürfte, folgen: Am 27. September leistete der Feind in dem Nordgebiet (Tiberiassee) einigen Widerstand, indem er die Uebergänge am oberen Jordan bei Iisr Benat Pakub nach Mezerib und Deraa behauptete. Im Laufe des Abends erzwang eine Brigade australischer leichter Kavallerie den Uebergang südlich von Iisr Benat Pakub. Am Morgen des 28. September wurde der Feind aus seinen Stellungen am oberen Jordan vertrieben, indem unsere Truppen nach dem linken Ufer übersetzten und die Wiederherstellung der Brücke unternahmen. Südöstlich von dem See überwand unsere Kavallerie den türkischen Widerstand bei Ir- bid und Erremte. Im Laufe des Nachmittags des 27. und am Morgen des 28. trieb sie den ihr gegenüberstehenden Feind vor sich her nach Norden über Mezerib hinaus, wobei sie dem Araberheere des Königs Hussein bei Deraa die Hände reichte. Letzterer hatte die Eisenbahnstationen Ezra und Hagazala (nördlich von Deraa) auf der nach Damaskus verlaufenden HedschaZlinie am 28. 9. eingenommen, wobei er ungefähr 1500 Gefangene machte. Weiter nördlich wird die Vorwärtsbewegung unserer Kavallerie, die auf ihrem rechten Flügel von Arabern gedeckt ist, von dem Deraa-Gebiet aus fortgesetzt. Unsere Truppen näherten sich Mezerib am Abend des 28. 9. Im Südgebiet hatten unsere Kolonnen im Amman-Distrikt bis zum Abend des 27. während ihrer Operationen östlich vom Jordan 5700 Gefangene gemacht und 28 Geschütze erbeutet. Am 28. 9. standen sie bei der Elkastal-Station, 14^ Meilen südlich von Amman, mit den Vvrtruxpen des türkischen Heeres in^Fühlung, die sich yördlich von Maan zurückgezogen. Im ganzen wurden bis 8 Uhr abends am 29. 9. 50 000 Gefangene und 325 Geschütze gemeldet. 21000 Tonnen versenkt. Berlin, 29. Sept. (WTB. Amtlich.) Im Sperrgebiet um England versenkten unsere U-Boote 21,000 Bruttoregistcrtonnen. Der Chef de- Admiralstabes der Marine. Die Schlacht im Westen. Genf, 30. Sept. Der „Temps" schreibt: Unsere Heer-, kämpfen jetzt um den ausgesprochenen Durchbruch, der zur letzten Etappe des Krieges führen soll. Die Heeresleitung versichert der Armeekommission, daß sie eine militärische Entscheidung bis Mitte Oktober erwarte, daß aber alles von der Stärke des feindlichen Widerstandes und seiner Reserven abhänge. Eine HavaZnote meldet dagegen weniger" zuversichtlich: Der Feind verhindert durch sein Massenaufgebot von Artillerie und Abwehrmaterial unser Vorrücken. Die Schonung unserer Reserven laßt mutmaßlich keine größeren Entscheidungen in der jetzt begonnenen Kampstätigkeit erwarten. Oesterreichs Waffenhilfe. Wien, 29. Sept. (WV.) Aus dem Kriegspressequartier wird gemeldet: Am 26. September, einem Großkampftage an der Westfront, haben di« bei Verdun stehenden österreichisch- ungarischen Truppen des Feldmarschalleutnants Metzger sich rühmlichst ausgezeichnet. Der gegnerische Einbruch wurde durch rasches Zugreifen der österreichisch-ungarischen Reserven vollständig wett gemacht Die österreichisch-ungarischen Truppen griffen überdies noch mit allen verfügbaren Kräften in den Kampf ihres Nachbarabschnittes ein und konnten damit den deutschen Waffenbrüdern die wirksamste Unterstützung gewähren. Gin Erlaß des Kaisers. Berlin, 30. Sept. (WB.) Der Kaiser hat an den Reichs, kanzlcr Grafen Hertling den folgenden Erlaß gerichtet: Euer Exzellenz haben mir vorgetragen, daß Sie sich nicht mehr in der Lage glauben, an der Spitze der Regierung zu verbleiben. Ich will mich Ihren Gründen nicht verschließen und muß mit schwerem Herzen Ihrer weiteren Mitarbeit entsagen. Der Dank des Vaterlandes für das von Ihnen durch Uebernahme des Re-chskanzleramtes in ernster Zeit gebrachte Opfer und die von Ihnen geleisteten Dienste bleibt Ihnen sicher. Ich wünsche, daß das deutsche Volk wirksamer als bisher an der Bestimmung der Geschicke des Vaterlandes mitarbeite. Es ist daher mein Wille, daß Männer, die vom Vertrauen des Volkes getragen sind, in weitem Umfange teilnehmen an den Rechten und Pflichten der Regierung. Ich bitte Sie, Ihr Werk damit aozufchließen. daß Sie die Geschäfte weiterführen und die von mir gewollten Maßnahmen in die Wege leiten, bis ich den Nachfolger für Sie gefunden habe. Ihren Vorschlägen hierfür sehe ich entgegen. Großes Hauptquartier, den 30. September 1918. gezeichnet Wilhelm I. R. gegengezeichnet: Dr. Graf von Hertling. So hat also die Linke im Deutschen Reichstag vollständig den Sieg davongetragen und der Kaiser hat, wie das nach seine, Haltung in den letzten Jahren nicht anders zu erwarten war. nachgegeben. Das deutsche Reich hört auf, ein Bundesstaat zu fein, an feine Stelle tritt der Staat der Parlamentsherrschaft, d. h. die Parteien werden fortan die Regierung in die Hand nehmen und — solange es ihnen beliebt — eine Schatten-Monarchie dulden, die, wie in England, weiter keinen Zweck hat, sondern höchstens eine Verzierung vom Staatsgebäude bilden soll. Herr v. Payer rüstet sich bereits, die Nachfolge Hertlings anzutreten und die Herren Scheidemann und Ebert sehen sich schon nach Ministerftacks um. Wieder einmal verdient die Haltung des Zentrums gebrandmarkt zu werden. Erzberger und die schwarzen Sozialdemokraten in seiner Gefolgschaft haben milgeholfen, ihre eigen« Partei auszuschatten. Die Partei, die unter Windhorft als' ein Hort des bundesstaatlichen Charakters des Reiches galt, hilft mit, den § 9 der Reichsverfassung z« beseitigen, wodurch die Zentralgewalt nach Berlin übersiedelt und einzelne machte hungerige ^Politiker an die Spitze kommen. Angesichts dieser Lage fallt uns die Strophe eines arten Studentenliedes ein: Wie sich die armen Toren plagen! Für sich erst! dann fürs Vaterland! Während der Feind mit eisernem Hammer vernehmbar an unsere Tore klopft, wahrend unser Verbündeter, die Türkei, in den letzten Zügen liegt, und der andere Verbündete, der Bulgare, sich zum Abfall anschickt, kochen die Herrn Parlamentarier an der Not des Vaterlandes ihr Par'e süpplein. Und es klingt wie Hohn, wenn die „Frankfurter Zeitung", das zukünftige Organ der Neichsregierung, verkündet, daß das Volk auf den Reichstag hoffe, daß er es aus den Wirren führen werde. Das wahrhaft deutsche Volk.hat längst aufgehört, auf den Reichstag zu hoffen und es sieht in der heute beliebten Lösung nur den Aniang vom Ende! Wie sich die Dinge weiter gestalten sollen, können wir am ehesten aus der „Frankfurter Zeitung", in der ja die Fäden der Wirrnisse zusammenlaufen, ersehen. Wir lesen dort: Berlin. 30. Cept. 10.55 N. Die heutigen Besprechungen beim Vizekanzler v. Paper mit den Parteiführern ergaben Klarheit dabin. daß ein Koalitionsministerium aus Vertretern aller Parteien der gegenwärtigen politischen Lage nicht entsprechen würde, daß vielmehr das neu zu bildende Ministerium aus Mitgliedern der Mehrheitsparteien unter Zuziehung der Nationalliberalen bestehen solle. Für diese Lösung sprachen sich die Vertreter der Mehrheitsparteien und der Ratio- nalli^eralen aus. Das neue Ministerium wird auf der Grundlage des Programms sieben, das die Mehrbeitsparteien während der letzten Tage für die zu befolgende Innen- und Außenpolitik vereinbart haben. Ueber die Personenfragen sind Entscheidungen bis zur Stunde noch nickt gefallen. Tie letzten Vorgänge. Berlin, 30. Sept. Nachdem Reichskanzler Gras Hertling aus dem Amte geschieden ist, können auch die bereits von uns angedeuteten letzten Vorgänge vor seiner Reise zum Kaiser offener als bisher besprochen werden. Die Sozialdemokraten und die Fortschrittliche Volkspartei forderten seit langem die Aufhebung des Artikels 9 der Verfassung, um auf diese Weise die Parlamentarisierung der Regierung auch im Deutschen Reiche möglich zu machen. Die Nationalliberalen Unterstützten dieses Verlangen in ihren neuen Richtlinien. Im Zentrum gab es zunächst noch eine Gruppe, die an dem Artikel 9 festhalten wollte, und zwar hauptsächlich mit Rücksicht darauf, daß sich Graf Hertling gegen die Aufhebung festgelegt habe. Am letzten Samstag sprach sich nun die interfraktionelle Konferenz unter Zustimmung des Zentrums für die sofortige Beseitigung des Artikels 9 der Verfassung aus. ebenso einigten sich die Mehrheitsparteien dahin, die sofortige staatsrechtliche Neuregelung Elsaß-Lothringens zu verlangen. Ueber diese interfraktionelle Besprechung wurde ein Sitzungs- Protokoll ausgenommen, und dieses wurde dem Reichskanzler Grafen Hertling vor seiner Abreise zum Kaiser überreicht. Zweifellos wird dieser gemeinsame Beschluß des Zentrums, der Fortschrittlichen Volkspartei und der Sozialdemokraten auf den Reichskanzler den stärksten Eindruck gemacht haben. Dazu kam, daß ihm nabestebende Parteifreunde Fehrenbach und Groeber, davon Mitteilung machten, daß das Zentrum unter der Wucht der Ereignisse seinen Rücktritt für notwendig halte. Die parlani'-ntarilche Krise. In der Presse der Mehrheitsparteien werden die Vorgänge in Bulgarien zum Anlaß genommen, eine baldige Einberufung des Reichstages zu verlangen- Uns scheint, daß es kaum ein ungeeigneteres Mittel zur Beruhigung des deutschen Volkes geben konnte als eine vorzeitige Einberufung des Reichstags. Sie würde aber nickt nur in Deutschland, sondern auch bei unseren Bundesgenossen. namentlich auch in Bulgarien, da- ' hin gedeutet werden, daß wir bereits mit einer Verschlechterung ! der Lage rechnen demnach auch den Bemühungen, die Stim- ! mung und Lage in Bulgarien wiederherzustellen, mindestens , "ichl förderlich fein. Es kommt im Augenblick doch wohl für das deutsche Volk alles darauf an, gegenüber dem Gang der Dinge auf dem Balkan Ruhe und Festigkeit zu zeigen: dazu gehört aber auch das Unterlasten jedes Schrittes, der dahin gedeutet werden könnte, daß man an der Aufrechterhaltung des Bündnisses mit Bulgarien verzweifele. Inzwischen werden die Verhandlungen der bürgerlichen Mehrheitsparteien mit der Sozialdemokratie fortgesetzt, und es gewinnt immer mehr den Anschein als ob das Zentrum geneigt > sei. stck bedenklichsten.Folgerungen der Sozialdemokratie zu unterwerfen. Linksstehende Blätter glauben ferner zu der Annahme berechtigt zu fein, daß auch die no"m-ml« liberale Neichs- lagsfraktion in ihrer letzten Sitzung bereit Beschlüsse in ähnlicher Richtung gefaßt habe! Es heißt, die Na/ionattiberalen wollten alsbald mit einer wichtigen politischen Kundgebung hervortreten Man wird doch wohl abwarten müsten. wie wett diese Behauptungen sich als zutreffend erweisen. Um so mehr als die Sozialdemokratie jetzt mit Entfchiednheit den baldigen Abgang des Reichskanzlers Grafen Hertling verlangen soll. Das Verlangen nach einem baldigsten Wechsel tm Reichs- kanzleramt tritt jcM in den Treibereien der Krisenmacher mit bemerkenswerter Sckärie hervor, man bält offenbar diese Tage vermehrter nationaler Sorge für besonders günstig, um die kielendes politischen Machthungers zu erreichen. Für die Eeistes- -eriastung, die in den Kreisen der Krifenmacher herrscht, ist es vezelchnend, daß einzelne Blätter sogar die Rückberufung des Herrn von Vethmann-Hollweg „anregen" zu sollen glauben; als * Volk die Kanzlerschaft dieses Reichsverderbers •?7 * CUCt . Semig bezahlt hätte! In Zusammenhang mit rlfZ lTJ% Z Z\ BeWin , ni bQ§ ^-langen nach Embe- rufung des Reichstags ein noch bedenklicheres Gesicht; es ist wohl kaum zu bezweifeln, daß man vom Reichstagsplenum noch etuen stärkeren Druck die Negierung erhofft als vom Haupt. Ausschuß. Die Frage aber, wohin wir treiben, wenn cm den entscheidenden Stellen nicht endlich der Entschluß zu einer kraftvollen und klaren Führung gefaßt wird, gewinnt von Tag zu Tag ein dringlicheres und ernsteres Aussehen. Die Kage in Bulgarien. König Ferdinand an Kaiser Wilhelm. Berlin, 30. Sept. Ebenso wie an den Kaiser Karl von Oesterreich-Ungarn hat der Zar Ferdinand auch an den Deut- schen Kaiser ein Telegramm gerichtet, worin er das treue Festhalten an dem geschlossenen Bündnis gelobt. Trotzdem muß die politische Entwicklung in Bulgarien mit all dem Ernste beurteilt werden, den der Schritt des bis jetzt noch regierenden Ministeriums Malinow verdient. Daß Ferdinand von Bulgarien kein Verräter werden würde, wußten wir. Nach neueren Nachrichten weilt übrigens Zar Ferdinand nicht in Oesterreich, sondern er hält sich noch in Sofia auf, nur seine beiden Töchter befinden sich in Oesterreich. Mit der Erklärung des bulgarischen Zaren wird die Lage nidyt geklärt, denn bekanntlich macht man auf dem Balkan wenig Umstände mit Fürsten, die sich dem Willen ehrgeiziger Politiker nicht fügen. Wiener Blätter wissen zwar zu berichten, daß sich in Sofia ein starker Wider- stand gegen Malinow geltend mache. Um die Person des früheren Ministerpräsidenten Nadoslawow sollen sich alle besonnenen d bulgarischen Politiker sckraren. Sre seien entschlossen, in der am Montag zu eröffnenden Sobranje den Karnpf gegen das übereilte Vorgehen Malinows aufzu. nehmen. Welche Tendenzen dieser Kampf haben wird, läßt sich noch nicht beurteilen. Immerhin ist bezeichnend, daß die Opposition gegen den Frieden um jeden Preis stärker wird. Der in Berlin weilende bulgarische Schriftsteller Dr. Dimitriew Straschmiroff, der vor einigen Jahren in der Sobranje eine führende Rolle spielte, äußerte sich über die Lage in Bulgarien wie folgt: Die innere Lage bereitet mir keine Sorge. Das Vorgehen Malinows, der der ausge sprochenste Opposittonelle unter unseren Politikern ist, kann als Ergebnis eines unruhigen Augenblicks angesehen werden Im Grunde hatte er vielleicht die Absicht, Zeit zu gewinnen. Und nun gibt es nur einen Ausweg: die gefunden Teile der bulgarischen Front so rasch wie möglich durch Einsetzen von Truppen der Verbüdeten zu festigen, weil in der Sobranje eine Mehrheit von entschiedenen Anhängern des Vierbundes sitzt. Drr drohende Abfall Bulgariens. Es ist nicht so einfach, für das Vorgehen Bulgariens eine vollwertig« restlose Erklärung zu linden, sich aus den Gedanken, gang einzustellen, daß dieser Verbündete, auf den wir in Deutschland allesamt so große Stücke gehalten, dem wir von der ersten Stunde an die ganze Warmberzigkeit aufrichtigster Zuneigung entgegengebracht in der entscheidenden Stunde von uns ab- fpringen soll. Daß das Gefühl einer herben Enttäuschung vorherrscht. ist selbstverständlich, aber die Dinge erfordern auck, daß man ihnen auf den Grund geht, daß wir auch da wieder lernen müffew nüchtern politisch zu denken. Und da handelt es sich zunächst lediglich um die vielleicht etwas grausame, aber unbedingt notwendige Erkenntnis der Gründe, die Bulgarien zum Eintritt in den Krieg an der Seite der Mittelmächte geführt haben. Das war nicht Liebe und Zuneigung zu uns Deutschen, wie wir sie dem bulgarischen Volke wahrend seiner letzten Kriege mit der Türkei und dann mit Serbien. Griechenland und Rumänien entgegengebrackt haben, sondern es war ausschließlich das bis zum höchsten Egoismus, wie er in der Politik herrschen soll, ausgeprägte Nationalge'übl, das Verlangen nach der Vereinigung der bulgariscken Stämme, nach einem Großbulgarien und in fast gleickem Maße auch das Rachebedürfnis gegenüber Rumänien, das damals, im zweiten Balkankrieg, dieselbe Aasgeierpolitik trieb wie diesmal und dem hart kämpfenden und zu glänzenden Erfolgen gekommenen Bulgarien in den Rücken fiel, es um die Erfolge seiner blutig erkauften Siege brachte und ihm noch kampttos die Dobrudscha abnahm. Um bei dem letzteren zu bleiben: die unbefriedigte Lösung der Dobrudschafrage in dam durch das österreichische Drängen übereilten Frieden von Bukarest hat die erst« ernstliche Verstimmung zwischen Bulgarien und seinen Verbündeten, d. h. den Mittelmächten geschaffen. Wie tiefgreifend diese Unzufriedenbeit war. hat ja der unmittelbar auf den Friedensschluß gefolgte Wechsel in der Regierung gezeigt, der an Stelle Radoslawows. des treuen und überzeugten Freundes der Mittelmächte. Malinow. den Demokratenführer und Ententefreund. an die Spitze brachte, der uns nun die Suppe eingebrockt hat. Im Zusammenhang mit der Dobrudschafrage steht weiterhin die strittige Gebietsregelung zwischen Bulgarien und der Türkei. Der letzteren sollte Bulgarien, wie bekannt, einen kleinen Streifen des Maritzagebietes, den sie ihr im letzten Kriege abgenommen und besten Besetzung durch Bulgarien die Türkei in Adrianopel in unerträglicher Meise bedrängte, wieder herausgeben als Anerkennung für die von der Türkei den Vulgaren im Feldzug gegen Rumänien geleistete Hilfe. Um diesen Ausgleich leichter schassen zu können, war eben der Nordteil der Dobruidscha Bulgarien noch Vorbehalten worden. Das starre Festhalten Bulgariens an seinem erstrebten Besitzstände hat den Ausgleich bisher verhindert, das Drängen der Mittelmächte aber Bulgarien gegenüber, der Türkei das kleine. wohlverdiente Zugeständnis zu machen, die Bersttmmung in Bulgarien mit wachgehalten. Nach Westen hin aber war Bulgarien vollauf gesättigt. Die Niederwerfung Serbiens, zu der die Mittelmächte gewiß keinen geringen Teil beigetragen, hat weite, von bulgarischen Stammesgenosten bewohnte Gebiete Serbiens bezw. Mazedoniens in bulgarischen Besitz gebracht. Verblieb ihm dieser auch nur zum wesentlichen Teil — Zugeständnisse an Serbien mußte es in Kauf nehmen, sonst konnte es keine Hoffnung auf erfolgreiche Verhandlungen setzen —jo war sein nationaler Ehrgeiz befriedet, es konnte leine Kriegstettncchme mit einem groben Gewinn abschließen und der rriegsmuden. weil durch die voraufgsgana* nen Dalkankriege noch hart mitgenommenen Bevölkerung der Frieden wieder geben, ohne diesen allzu teuer bezahlt zu haben dazu gehörte freilich, daß die Entente Bulgarien das Der. \ sprechen gab. daß ihm die serbischen bezw. mazedonischen Ge- biete in der Hauptsache belasten wurden. Dieser Umstand macht es nicht nur zur Wahrscheinlichkeit. sondern fast zur Gewißheit daß die bulgariscke Negierung tatsächlich seit längerer Zeit mir der Entente in Unterhandlungen gestanden hat. Gerüchte da- rüber gingen schon lange um. aber man bekam keinen richtigen Einblick in die wirklichen Vorgänge. Sicher ist jedenfalls, daß die Entente es an weitgehenden Versprechungen nickt hat fehlen lasten: darin ist sie ja Meister; wundern kann man stck höchstens, wie die bulgarische Negierung, die doch die ganz. Verkommenheit und Falschheit der Entente von allem Anfan. an erkannt hatte sonst hätte Bulgarien ja schon früher der Lockungen nachgeben können — auf diesen vergifteten Köder an- beißen konnte. Darüber hat man noch am wenigsten Klarheil und dieser Umstand läßt auck noch die Hoffnung zu. daß der einsichtigere Teil der Bevölkerung, des Parlaments, sich dock noch gegen den Verrat an den Mittelmächten auflehncn wird nicht aus moralischen Erwägungen, daß die noch irgend eine Rolle spielen können. d«s Glaubens sollten wir uns nach der. Lehren des Krieges doch endlich entscklagen. sondern lediglick aus Gründen der Vernunft, der rein praktiscken Erwägung Denn darüber sind wir uns doch klar, daß die Entente Versprechungen. die sie jetzt Bulgarien auf Kosten Serbiens machen würde, nie und nimmer halten würde, selbst wenn si« dazu im stände wäre: da geht ihr denn dock Serbien vor. das von der ersten Stunde an auf ihrer Seite gestanden. Deshalb könnte e- nicht nur sehr leicht, sondern würde mit unfehlbarer Sicherstes' so wert konimen. daß Bulgarien diesmal noch weit mehr un di« Früchte seines Kampfes betrogen würde, als dies im zweiten Dalkankriege der Fall war. Das sind im wesentlichen die rein praktischen Gesichtspunkte von denen aus wir bei dem gegenwärtigen Stand die ganie Sachlage zu beurteilen haben. Die etwaigen Folgen, die ssck airs einem Abfall« Bulgariens ergeben könnten, kommen jetz- noch nicht in Frage, und demzufolge auch nickt die Maßnahmen seitens Deutschlands und Oesterreich-Ungarns, die im qeg«benen Falle mit raschester Entschließung geiaßt und größter Talkrott durchgeführt werden müßten. Wir glauben, bei rüstiger unk nüchterner Ueberlegung wird sich die bulgariscke Reaierung auck darüber klar werden und erkennen, daß die Mittelmächte namentlich auch mit Rücksicht auf die Türkei und iiberst""pt dt« gesamten Ostfragen, den Dingen nicht einfach ihren Lauf lasten könnten. Wilson über den Uollerbnnd. Haag. 29. Sept. Die holländischen Blätter bringen zu bet gestrigen Rede Wilsons folgende Ergänzung: Der Völkerbund kann jetzt nicht ins Leben gerufen werden, denn dann wäre er nur eine neue Allianz und würde auf Nationen beschränk' bleiben, die gegen einen gemeinschaftlichen Feind vereinigt sind Es ist auch nicht wahrscheinlich, daß er nach dem Frieden zustande kommen wird. Es ist nötig, den Frieden zu garantieren, aber der Fried« kann nicht nachträglich gw..stiert werden. Um mia deutlicher auszudrücken: Der Grund, warum er garantiert wer den muß. ist der. daß sich bei den über den Frieden verhandeln- den Parteien solche befinden, deren Wort nicht mehr zu trauen ist. und es müsten Mittel gefunden werden, im Friedensnertrag die Quelle der Unsicherheit zu verstopfen. E§ wäre töricht, dies? Garantien einer späteren freiwilligen Aktion der Regierungen zu überlasten. Wir haben gesehen, wie Rußland vernichtet und Rumänien betrogen wurde. Aber diese allgemeine Voraus, setzung gibt noch keine Klarheit. Es find Einzelheiten nötig, die die Frage klären. Nachstehend einige Einzelheiten, und ick gebe sie im Vertrauen, daß sie den Absichten der Regierungen entsprechen und den Auffastungen. die sie von ihren Pflichten gegen den Frieden haben. 1. Aus der erforderlichen unparteiischen Gerechtigkeit ergib' sich, daß kein Unterschied gemacht werden darf zwischen denen, gegen welche wir gerecht und gegen welche wir nicht gerecht zu sein wünschen. Es muß eine Gerechtigkeit geben, die keine Günstlinge kennt, sondern nur gleiche Rechte für die verschiedenen Volker. 2. Kein Spezial- oder besonderes Intereste einer Nation oder einer Gruppe von Nationen, bas nicht vereinbar ist mit dem Jntereste aller, darf Grundlage eines Teils der Regelung sein 3. Es können keine Völkerbündniste oder besondere Verträge oder Uebereinkünfte bestehen in der allgemeinen Familie des Völkerbundes- Es könsten keine besonderen wirtschaftlichen Vereinbarungen in dem Völkerbund bestehen. Es darf keine Art wirtschaftlichen Boykotts angewendet werden. e§ sei denn als Strafe durch Ausschluß von dein Weltmarkt, die der Völkerbund selbst als Mittel zur Disziplin auferlegt. 4. Alle internationalen Übereinkommen und Verträge ir. gendwelcher Art müsten vollständig veröffentlicht werden. Die besonderen Bündniste und die Konkurrenz sind bisher eine reiche Quelle von Plänen gewesen, die zum Kriege geführt haben. Ein Friede, der sie nicht völlig ausschließt, würde unaufrichtig und unsicher sein. Das Vertrauen, mit dem ich vor dem Volk spreche, entspringt nicht aus der Ueberlieferung allein, sondern auch aus den bekannten Grundsätzen internationalen Handelns, nach denen wir immer gelebt und die wir stets be> folgt haben. In dem gleichen Hinne, in dem ich erkläre, daß die Vereinigten Staaten keine besondere Regelung oder Ueber» einkunst mit einzelnen Nationen schließen werden, kann ich auch sagen, daß die Vereinigten Staaten vollkommen bereit sind, ihren vollen Anteil zu übernehmen an der Verantwortung für die Ausführung der Abkommen, auf die der Friede in Zukun^ gegründet sein muß. Japan nnd England. Der Krieg hat zwei Bundesgenossen Englands so mächfig gemacht, daß die Engländer üe allmählich au fürchten be* binnen: Amerika und Japan. Während die Besorgrns vor der amerikanischen Konkurrenz schon zimnlich unverblümt in der ganzen englischen Presse zum Ausdruck kommt, waltet gegenüber Japan eine aus Vorsicht und Mißtrauen gemischte Zurückhaltung. Um so aufmerksamer wird man die Zeichen -es unvermeidlichen Gegensatzes in einem Artikel der „British News" vom 11. September wahrnehmen, der „Japan" betitelt ist, und aus dem hier folgende Sätze wieder- gegeben seien: „Keinem Land der Welt gegenüber ist allgemeine Unkenntnis so sehr mit Mißtrauen geinisä-t wie Japan. Die Wurzel dieser Empfindung ist der Glaube, daß Japan seine große Kriegsmacht im Osten nach Willkür gebrauchen kann. Man kann nickst leugnen, daß gegen Japan in Amerika, Australien und bei den Europäern im Osten eine gewisse Feindseligkeit besteht. Diese Feindseligkeit wird genährt durch zwei Dinge: einmal durch die Tatsache, daß der Japaner im Handel sich zu seinem Nachteil vom Chinesen unterscheidet, uird sodann durch die britcnfeindliche Bewegung in der japanischen Presse seit 1915." Es wird sodann auf das Buch von Frederic Coleman „Die Wahrheit über den fernen Osten" (The Far East Unveilrd) hingewiesen und betont, daß Japan keine Demokratie ist: „Die Freiheit umfaßt nur fünf bis sechs Prozent des Volkes, die Massen sind politisch unreif und gleichgültig. Der Kaiser besitzt die Re- gierungsgewalt und seine Minister entnimmt er dem Kriegerade!_Der Verdacht gegen Japan wurde genährt durch die Chinapolitik des Marquis Okuma, der 1915 die 21 Forderungen an China stellte, die ausgedehnte Wirt- schaftS- und Verwaltungszugeständnisse erstrebten." „British News" meint resigniert: „Es wäre eine sehr schlechte Politik von Japan, »nenn es sich auf eine aggressive Politik einließe, wodurch es das Vertrauen Englands und seiner Verbündeten verlöre.. Aus NnH-md. Auch Nikolai Nikolajervitsch? Kiew. 26. Sept. (WB.) „Nowosti Daja" meldet: Großfürst Nikolai Nikolajervitsch erklärte einem Mitarbeiter unseres , Blattes, eine Neubildung der Ostfront würde Rußland zu Grunde richten. Er verurteilte die Einmischung der Entente in die inneren Anoelegenbeiten Rußlands und die Besetzung russischer Gebiete. Die Rettung Rußlands könne nur durch die Russen kommen. Sei auswärtige Hilfe nötig, dann solle man sich an Deutschland wenden, dessen Interessen den russischen näher stünden. Schwerer Kirchenfrevel in Moskau. Wien. 28. Sept. (WB.) Die Politische Korrespondenz meldet aus Moskau: Ein in Moskau verübter Kirchenfrevel unerhörter Art rust in allen dortigen Kreisen die höchste Empörung hervor. Das größte Heiligtum der Stadl, das weltberühmte Bild der Mutier Gottes von Kalan. dessen Iuwelen- schmvck einen kaum schätzbaren Wert darstellt, wurde während des Gottesdienstes gewaltsam dem durch Nevoloerschüsie schwer Verwundeten Priester entrisse». Sammlung! Wie wir schon betonten, stehen wir nicht nur mitten in schweren Kämpfen, sondern haben gerade an der Westfront eine Steigerung derselben, wohl zu noch nie gekannter Wucht, zu erwarten. Vorläufig zeigt sich allerdings erst nur ein Druckpunkt, und das ist zwischen dem Omignon-Vache und der Somme, wo der Engländer gestern wiederum vergeblich anrannte. Spannung aber besteht an der ganzen Westfront genug. Nördlich der Scarpe. an der ganzen bisherigen Schlachtfront, von der Champagne bis herüber nach Verdun und zwischen dieser Festung und der Mosel kann es plötzlich zu heftigen Großangriffen kommen, die vielleicht zeitlich kurz, stoßweise gehalten werden, um sofort an anderer Stelle erneut einzusetzen und so ein dauerndes Rütteln und Zerren an unserem Verteidigungssystem bis in den Herbst oder gar Winter hinein bezwecken. Wir müssen also bei aller Zuversicht und dem grenzenlosen Vertrauen, das wir in Führung und Truppe haben, uns der Schwere und Größe der kommenden Ereignisie durchaus klar sein. Müsien alle den eisernen Willen haben und zeigen, daß wir bis zum letzten Blutstropfen. in der Heimat bis zum letzten Pfennig entfchlosien sind, der Lage Herr zu bleiben und den Kriegs- und VernichtunaZ- willen der Feinde an unserer äußersten Entschlosienheit zerschellen lasten. Dazu tut eins not: Sammlung aller Kräfte in der nüchternen Erwägung, daß die Zeit für uns fetzt viel zu ernst ist. sich m't kleinlichem Hader und inneren Zwisten abzugeben, sondern daß wir alle die Phalanx nach außen bilden miisten. Hin- denburq bat unlängst gesagt, daß die Heimat das Rückgrat des Heeres ist. So ist es, steifen wir dieses Rückgrat, zeigen wir nickt nur unserer Front, sondern auch den Feinden, daß wir stark, unbeugsam und erschlossen sind. Weshalb macht denn der Feind soviel Propaganda durch Lügen, durch Verhetzung, durch Stimmungsvergiftung? Weil er glaubt, hier und da den Boden dafür bei uns gefunden zu haben — Nährboden, auf dem feine giftige Brut schnell weiterwuchert. Schädlinge am deutschen Heer und Volk sind deshalb alle die, welche gerade jetzt den Kops bangen lasten wollen, welche mehr oder minder heimlich durch Flaumocherei und Pessimismus den Brunnen unserer zuversichtlichen Volksstimmung vergiften helfen. Hinweg mit Ihnen: es sind Schwächlinge, wenn nicht manchmal noch viel Schlimmeres! Große Zeiten brauchen große starke Menschen; die Lage braucht ein einig starkes Volk, das sich im Selbstbewußtsein seiner Unüberwindlichkeit ganz selbstverständlich zur Sammlung aller Kräfte zusammenschart. Sollen wir uns des Erbes unserer Väter nicht würdig zeigen? Können wir weniger als die Freiheitskämpfer von 1812? Das Vaterland braucht unsere 6«nze Kraft, braucht unser Geld zur Kriegsanleihe, braucht vor allein unseren großen, starken Willem Ihn gilt es zu bekunden! Da hört doch alles auf! In der Bremerhaven er S tad wer ord net enversamm lung gelangte folgendes Schriftstück zur Verlesung: A. Ludewigsche Cutsverwaltung Margaretheuhof, Neumüuster, Holstein. Ew. Hochwohlgeboren beehre ich mich auf eine Einrichtung aufmerksam zu machen, die ich für private Milchversorguno Hamburger Bürger getroffen habe. Ich kaufe für Sie eine erstklassige Ieverländer Herdbuchkuh zum Preise von 3000 M.. die ich. falls der Vertrag nach einem Jahre gelöst wird, zum selben Preise zurücknehme. Die in Ihrem Eigentum stehende Kuh wird bei mir als Pensionskuh eingestellt und gefuttert, und gegen Zahlung eines Futtergeldes von 0,80 Mark pro Liter liefere ich Ihnen die in hygienisch einwandfreier Weise gewonnene Milch täglich frisch ins Haus, und zwar je nach Ihren Wünschen bis zu neun Liter garantierter Tagesmenge. Dieses Verfahren ist gesetzlich zulässig. Als Aktionär eines Kraftfutterwerks habe ich ein Bezugsrecht auf ein zwar sehr teures, aber erftklassiaes Kraftfutter, das mir gestattet, die Haltung van Pensior^kühen zu - vergrößern. Falls Sie Intereste an der Sache haben, bitte ich um gefl. Ausfüllung der j Einlage und Rücksendung an Herrn Gustav Erundstedt, Ham- . bürg, Elisenstraße 8, der die Verteilung der Milch in Ham- ! bürg leitet. Da mit Bestimmtheit in kürzester Zeit mit enor- ! mem Mangel an Milchvieh und infolgedessen mit einer Stei- 1 geruna der Milchknappbeit zu rechnen ist, so empfehle ich Ihnen möglichst umgehende Entschließung Mit vorzüglicher Hochachtung (Unterschrift). Man traut seinen Augen kaum, daß so etwas nur möglich fein kann Dem Landwirt ist es bei Strafe verboten, feinen hart arbeitenden Taglöhnern auch nur einen halben Liter Milch abzugeben und hier können sich Leute, die über den nötigen Geldbeutel verfügen, „neun Liter Vollmilch" leisten. Zu was haben wir denn übrigens Höchstpreise, wenn sie derartig öffentlich und unverfroren umgangen werden können. All die schönen Gesetze werden doch in Berlin 'ausgeheckt, haben denn die nicht im ganzen Reich Geltung oder ist bei uns Reichtum der Schlüstel, der alle Türen öffnet? Cholera in Merlin. Berlin, 30. Sept. (WB.) In Berlin sind in den letzten Tagen 7 Fälle von asiatischer Cholera vorgekommen, von denen 6 tödlich verlaufen sind. Die Erkrankten waren in Krankenhäusern abgesondert. Die erforderlichen Maßnahmen sind getroffen. Ein Grund zur Beunruhigung liegt nicht vor. ? iro der Oeimat. FC. Nidda, 29. Sept. Sein 59jährige» Jubiläum beging ! der Kreisinspektcr Vetzberger dahier heute als aktiver Feuerwehrmann. Der Jubilar Hot sich um das Feuerwebrwesen in Oberhesten ganz besondere Verdienste erworben. Er steht heute noch als Kommandant an der Spitze dar hiesigen freiwilligen Feuerwehr und gehört der Brandversicherungskammer als Ausschußmitglied an. Seit 1909 ist er Kreis-Feuerwehr-Jnspektor des Kreises Büdingen. Ans Starkenburg. FC. Eberstadl b. Darmstadt, 29. Sept. Der Gemeinderat beschloß einen Kinderhort dahier zu errichten, lehnte aber einen Besuchszwang vorläufig ab. FC. Dieburg. 29 Sept. Im hiesigen Bahnhof verunglückte ; der 59jährige Maurer Johannes Insinger von hier. Schwer ■ verletzt kam er ins Spital. | Aus Rheinhesten. FC. Worms, 29. Sept. Der 23jährige Philipp Ebert und der gleichalterige Tüncher Lorenz Eaffert beide von hier gebür- j tig. wurden bei einem Einbruch von zwei hiesigen Hilfsschutz- leuten überrascht in dem Augenblick, als sie Zigarren. Zigaretten j und Zucker, sowie sonstige Gegenstände in Säcke verpackt wegbringen wollten. — In der vergangenen Nacht wurde ein Einbruch verübt, bei dem Zigarren im Werte von 12 900 Mark und Kleider rm Werte von etwa 2000 Mark gestohlen wurden. Aus Hksien-Nasiau. FC. Wiesbaden, 27. Sept. Vor einiger Zeit wurde von der Polizei in Schierstein festgestellt, daß sich eine ganze Anzahl dortiger Frauen und Mädchen in unwürdiger und unsittlicher Weise mit den Kriegsgefangenen eingelassen hatte. Am 26. Sept. beschäftigte sich das Schöffengericht mit einigen, nämlich drei dieser Fälle. Angeklagt ist die Frau Anna Becker dortselbst, die 19jährige Arbeiterin Lina VaM um, die Arber- terin Anna Engelmann, alle von Schierstein. Sämtliche Angeklagte standen in intimem Verkehr mit den Gefangenen, schenkten ihnen Bilder oder ließen sich Ehokolade und Biskuits schenken. Die Schöffen nahmen jede der Angeklagten in eine Gefängnisstrafe von je einem Monat. Der Vorsitzende hob hervor, daß es sehr traurig sei, wie sich die Bevölkerung von Schierstein benommen und trotz aller exemplarischen Strafen und Verwarnungen die Frauen nicht zurückschreckten, sich so würdelos zu benehmen. FC- Wiesbaden. 27. Sept. Weil er seinem Geschäft nach unD nach über 50 Zentner Kohlen unterschlagen hatte, wurde der Fuhrmann Emil Fluck in eine Gefängnisstrafe von einem Monat von den Schöffen genommen. FC. Wiesbaden, 27. Sept. Das Eiserne Kreuz erster Klasse hatte der Mann einer Einwohnerin von Kloppenheim Ende März bekommen. Das sollte durch einen Kuchenschmaus gefeiert worden. Dieserhalb begab sich die Frau zu dem Landwirt und Müller Wilh. Esaias dortselbst und bekam von diesem auch 10 Pfund feinstes Vorzugsmehl zum Preise von 35 Psg. ausge- händigt. Als die Frau die Mühle freudestrahlend verließ, vertrat ihr vor derselben der vom Landratsamt entsandte Krcis- lekretür Pilf den.Weg. Das Lorrdratsamt hatte den Beamten. beauftragt, in der Mühle, über die fortgesetzt Anzügen übs Unregelmäßigkeiten einliefen, zu revidieren. In dsg Anzeige hieß es, daß wer Geld habe, in der Mühle von Esaias in Klop. penheim alles haben könne, Brot, Mehl. Gries usw. Es wurde festgestellt, daß Esaias das hier in Frage kommende Mehl au- Beständen von Selbstversorgern entnommen hatte. Da diel?» Mehl Esaias billiger kommt, als solches das aus den Beständen entnommen wird, die ihm vom Kreis zugewiesen, wurde gegen den Müller auch Anklage wegen übermäßiger Preissteigerung erhoben. Esaias, dem bereits wegen Unregelmäßigkeiten die Bäckerei für die Dauer des Krieges geschlosien wurde, der auch schon oft mit seinem Mühlenbetrieb mit den Verordnungen in Konflikt geraten war, wurde von den Schöffen in eine Geld- strafe von 300 Mark genommen. FC- Wiesbaden, 27. Sept. Um zehn refp. 10 Zentimeter faß für den Landwirt Philipp Fries in Himmighofen der Grenzpfahl verkehrt. Es wurde ein vierjähriger umfangreicher Prozeß geführt, der zu Ungunsten des Landwirts ausfiel, denn die hierzu herbeigezogenen Professoren konnten mit dem besten Willen dem Landwirt seinen Grenzpfahl nicht anders setzen. Hierüber regte sich nun der Schlosier Heinrich Fries in Biebrich, ein Bruder des Landwirts, so auf. daß er einen geharnischten Brief an das Landratsamt in St- Goarshausen aufsetzte und hierin den Bürgermeister Wilh. Wiegenadt von Himmighofen grober Amtsverletzungen bezichtigte, ferner lalle sich der Bürgermerster für jedes abgelieferte Ei einen Pfennig extra zahlen. Da sämtliche Beschuldigungen haltlos find, wurde Fries wegen Beleidigung in eine Geldstrafe genommen. FC. Crerrzhausen, 27. Sept. Freundliche Aufnahme in Freiendiez erhielt der vor einigen Tagen in der Gastwirtschaft in Holler abgestiegene „Herr", der durch das Fenster unter Mitnahme der ganzen Wäsche des Zimmers verschwand. Er wurde auf der Bahnstrecke Montabaur—Limburg fefwenommen. FC. Oberlahnstein, 26. Sept. In einer vom Kreisverbonv der Bäckermeister des Kreises St. Goarshausen abgehaltenen Versammlung wurde eine Väckerzwanos-(Pfticht)-Innung ge, gründet. Zum Vorstand wählte man Th. Waldorf-Oberlahn« stein, Ioh. Allmang-Riederlahnstein wurde Schriftführer und Nik. Kalkofen übernahm die Kallengefchäfte FC. Nastätten, 26. Sept. Wegen Eeheimfchlachtung wurde der Landwirt Anton Holzhausen in eine Geldstrafe von 300 M. genommen, sein jugendlicher Sohn kam mit 10 Mark davon. — Die Witwe Johanna Iacoby aus Tasdorf verkaufte im Herbsi v. I. ein 100 Pfund schweres Schwein zu einer unerlaubten Schlachtung für 200 Mark. Hierfür erkannte das Gericht auf eine Geldstrafe von 20 Mark, ferner wird der über den Höchstpreis gehende Betrag eingezogen. — Ein Militärpferd für 280M erwarb im vorigen Herbst die Witwe Gasteyer. Jetzt verkaufte die Frau ein Füllen von diesem Pferd für 1600 Mark. Eine rentable Zucht FC. Rinteln, 26. Sept. Durch vorzeitiges Aussteigen aus einem Eifenbahnzug und dazu noch auf der verkehrten Seite kam ein Fahrgast von hier unter einen vorbeifahrenden Schnellzug und wurde gelötet. Zwei weitere mit ausgestiegene Fahrgäste wurden schwer verwundet. Aus Knrhellen. sr. Kassel, 25. Sept. Aus den östlichen Nachbarstaaten stro, wen zur Zeit größere Mengen von Familien deutscher Stammes' zugehörigkeit nach Deutschland, der Heimat ihrer Vorfahren, zurück. Sie wollen zumteil sich ansiedelrt, zumteil sind sie auch geneigt, als landwirtschaftliche Arbeiter in Diensten der größeren Güter zu treten. In der letzten Sitzung des Vorstandes der Landwirtschaftskammer war die Frage aufgeworfen worden, ob die Landwirtschaftskammer für diese Rückwanderer eine beson« dere Fürsorgestelle einrichten könne. Diese Frage wurde vom Vorstande mit Rücksicht auf die geringe Möglichkeit der Ansiedelung im Bezirk Kasiel verneint. Im übrigen aber ist die Land- wrrtschaftskammer bereit, nach Kräften die Rückwanderung durch Aufklärung zu fördern. Es kann den Landwirten des Bezirks nur empfohlen werden, ernstlich zu prüfen, ob sie nicht Rück- Wanderer aus Rußland und den Randstaaten als Arbeiter« familien aufnehmen können und sich gegebenenfalls an den Für« sorgeverein für deutsche Rückwanderer in Berlin W. 35 zu wenden. sr. Kassel, 25. Sept. Wie in der Borstgndssitzung der Land« Wirtschaftskammer mitgeteilt wurde, hat eine Rundfrage über die Erfahrungen beim Bezüge von Saatkartoffeln aus dem Osten im Frühjahr 1918 ergeben, daß die gelieferten Pflanz, kartoffeln vielfach recht minderwertiger Qualität waren und in nicht wenigen Fällen die Lieferung mit sehr geringer Sorgfalt ausgeführt war. Der Vorstand der Landwirtschaftskammer hat nun beschlossen, beim Ausschuß ffir Pflanzkartoffeln Beschwerde hierüber zu erheben. Ferner wurde beschlosien. sich am Saat, kartoffelgeschäft für 1919 nur noch Bedorf zu beteiligen und sich gegebenenfalls für die Abwickelung der Geschäfte der genossen- schaftlichen Einrichtungen zu bedienen. Kirchliche Nachrichten. Gottesdien st in der Stadtkirche. Mittwoch, 2. Oktober, abends 8^. Uhr: Kriegsandacht. Herr Pfarrer Ritter. Offene Stellen: 7 Knechte, 1 Tagelöhner, 2 Hofmeister, 1 Schäfersamilie. 1 junger Bursche für leichte Arbeit. 1 Melkerin, 12 Dienstmägde 6 Hausmädchen, 1 Kellnerin, 1 Schneiderin für Bataillone Für besetztes Sediet: Männer, Frauen und Mädchen aller Berufe. Stellensuchender Mehrere Melkeifamilien und ledige Melker, 1 Haushälterin. 1 Vürosräulein. Verantwortlich für den politischen und lokalen Teil: Otto H i r s ch e l, Friedberg-, für den Anzeigenteil: R. H e y n e r. Fiiedberg. Druck und Verlag der „Neuen TageszeiluM*. A- G., Lriedbera i. HerzerrskamM No man von Helene Schütky, geb. von GersLorftz (Cop^riUtt 1915 by C. Ackermann-Stuttgart.) 1 5) Nachdruck verboten llrb mußten alle süßlichen einschmeichelnden Menschen notwendig falsche, schlechte Charaktere sein? Nin, er durfte nicht ungerecht nicht aus Egoismus, womöglich selbst intrigant und heimtückisch r den, was ihm doch an und für sich so ferne wie möglich lag. Nein, er wollte sein Ehrenschild rein halten, auch in der Tiefe seines Herzens, auf dem verborgensten Grunde seiner Seele wollte er nichts Häßliches dulden. „Tue recht, es komme, was da wolle!" Dieser Wahlspruch seines Geschlechts hatte ihm schon als Knaben tiefen Eindruck gemacht und er hatte ihn mit vollem Bewußtsein auch zur Richtschnur seines eigenen Lebens erwählt. So kam er bei allem Grübeln und Zweifeln immer wieder darauf zurück, daß ihm nichts anderes übrig bliebe, als den Dingen ihren Lauf zu kaffen. Wie es oft geschah, wurde er auch jetzt wieder zu einer geheimen Beratung in das königliche Schloß befohlen, wo er zunächst von der Palastdame Ihrer Majestät, Gräfin Pleffen, empfangen wurde. Dieses mit einem kleinen Höcker behaftete alte Fraulein hatte ei-nen scharfen Verstand, eine noch schärfere Zunge und ein goldenes Herz. Cie liebte den schönen jungen Artillerieleutnant wahrhaft mütterlich und es war wohl ihrem Einfluß zuzuschreibcn. daß die Königin ihn bei jeder Gelegenheit bevorzugte. ihn zu ihren intimen Abenden heranzog und ihn bei allen Hoffestlichkeiten als Vortänzer und Arrangeur in den Vorder gvund stellte. Anfangs hatten' die Herren des Garderegiments, das hier in K. garnisonierte, und dessen Chef Ihre Majestät selbst war, zu dieser Begünstigung eines „Knallprotzenkamera- den" etwas scheel gesehen, aber die allgemeine persönliche Beliebtheit, dazu der alte vornehme Name Reinholds hatten diese neidischen Bedenken bald überwunden. „Kommen Sie, Germshoff, wir wollen wieder mal großen Rat halten", sagte Gräfin Pleffen. nachdem ihr Reinhold in ihrem hohen, altmodisch, doch sehr behaglich eingerichteten Empfangszimmer die Hand geküßt hatte, „Majestät will ein Gartenfest mit Tanz veranstalten, wozu außer den Spitzen der Militär- und Zivilbehörden mit ihren Frauen und Töchtern auch die hervorragenden Gelehrten-, Künstler- und Vürgerfamilien eingeladen werden sollen. Sie müssen mir sagen, wer dieser Ehre würdig fit. Sie kennen ja die Leute hier so ziemlich, und man kann sich auf Sie verlassen." »»Ach, gnädigste Gräfin, das ist allemal ein etwas heikler Auftrag", erwiderte Reinhold seufzend. „Wo dos rein Offizielle aufhört und das Menschliche anfängt, fit die Grenze so schwer zu ziehen." „Ja, fteilich erfordert die Sache viel Takt und Klugheit, dazu auch Gutmütigkeit, aber nicht allzuviel", lächelte die Gräfin. „Darum wählen wir ja gerade Sie dazu, unfern Chevalier sans peur et sans reproch „Gnädigste Gräfin überschätzen wahrhaftig meine Fähigkeiten, aber ich werde selbstverständlich mein Möglichstes tun, um das Vertrauen meiner hohen Gönnerinnen zu rechtfertigen." „Und sorgen Sie auch dafür, daß die Nichte des Kommerzienrats Antelmann auf jeden Fall erscheint. Sie soll ja etwas ganz Besonderes, eine wirkliche Schönheit fein. Ihre Majestät im Wiedersehen war seine und unsere Hoffnung. tieferschüttert und unerwartet erhielten wir die schmerzliche —^ Nachricht, daß unser einziger hoffnungsvoller Sohn, Bruder, Schwager und Enkel Albert Richter „ c t . Grenadier in einem Garde-Grenadier-Negiment. Snljaber des Eisernen Kreuzes 2. Kl. und der Hess. Tapferkeitsmedaille am 17. September den Heldentod gestorben ist. Reichelsheim» den 30. September 1918. Die trauernden Hinterbliebenen: Wilhelm Richter und Frau geb. Rohl Adam Dich! und Frau geb. Richter Walther Dicht Marie Nohl Wwe. und alle Verwandten. /$&& Ziehung 17. and 18. Oktbr. Nürnberger ||eId- Lotfene für die St. Loreazklrcbo 125 OPO Log« 4853 ßold^yew. = MTl £ 2 5 ©©O 15© GOG i Sä© ooo iioooo £nr Ohne Absag. “EE Geld-Lose ZI 3 MS. Porto and Liate extra 45 P lg. Lud. Müller Berlin W., W Ä 5 ” — ' ' Lose flberall erhältlich. fÜt P< ' U,rb möci)te » c g°rn Tennen lernen" sagte die Gräfin hinzu. -.»Ich weiß nicht, wie die junge Dame darüber denkt, sie ift m eigenartig und hat sehr selbständige Ansichten-, meint* « b b-4.enN.ch „Ich selbst habe keinen Einfluß an, st. Soll e sie wirklich abgeneigt sein, so miiß.o ich eben durch die Tante, die von ihr selbst geliebt wird, aus sie zu wirken suchen." ^ »Das ist allerdings nen und sonderbar, wenn ein iunacs Mädchen aus bürgerlichen Kreisen lange geveien werden must an einem Hoffest feil,»nehmen", lächle die Palastdame und fast noch eigenartiger, daß eine Tanke mehr Einfluß auf sie"ha, lchim« Offizier, Am so großer wird selbsiver^ standlich der Wunsch, dieses außergewöhnliche Wesen kennen zu lernen.- 0 Wenn die beiden hohen Damen, die Königin und ihre Palastdame, so eingehend über alle Vorkommnisse in der Residenz orientiert waren, so erklärt sich das aus den kleinlichen Platz- ^^"nlffen. K. mar nämlich keineswegs die Hauptstadt des Landes. Die Königin hatte hier früher mit ihrem Gemahl residiert, ehe er den väterlichen Thron bestieg, und teils aus Gewohnheit, teils aus treuem Gedenken an ihre hier größtenteils verlebte Jugendzeit der schönen Rheinstadl eine unzerstörbare Anhänglichkeit bewahrt, so daß sie sich vom König die Gunst erkämpft hatte, den größten Teil des Jahres hier weilen zu dürfen. Auch war ihrer zarten Gesundheit das verhältnismäßig ruhige Leben hier zuträglicher als der Aufenthalt in der großen geräuschvollen nordischen Landeshauptstadt mit den dort unvermeidlichen vielen Repräsentations- und sonstigen Pflichten. _ Fortsetzung folgt. 536117 tja 6 Pffi 6 et 9 ! aUn3 ” Un6 Me V-rbmuch^^i- b-° Kelranritmachrmg. Die nächste Ausgabe der Neichsflefichkarten erfolgt am Mittwoch, den 2. Oktober 1918, und zwar' Bezirk I. Altes Postgebäude I. Stock. Lose hier de! den Konigl. Lotterie-Einnehmern. Kekamitmachimg. v CestilMtin „kttniliiiia", Dorheim. Nachruf. Am 18. September fiel auf dem Felde der Ehre unser langjähriges neues Mitglied Adam Röder Laudjturmmann im Landw.-Inf.-Reg. Nr. 81, 4. Kompagnie. Gin guter Freund, ein liebenswürdiger Mensch, ein edier Eearakrer ick mit ihm aus unterer Mitte geichieden. — Wir werden demselben ein ehrendes Andenken bewahren. Dorheim» den 30, September 1918. Der ist Wenden Sii W Ahrmacher i. da fein guli.rte «ifchennhr. .'ruh f»>& °o -1 Wkcker. Aland- nnd ! Liarduhren dort ja haben. ! Feldscheunen! 10.00m br., 24,00 bis 36,Oo m lang 12,0 )„ 24,0!) .. 36,(iO „ „ 1->.M „ „ 30.00 42,00 „ 30,00 :42,00: : v,;”, a ’-°°.. eo-oo:: sofort lieferbar. franfefnrt «. Hi. a.M.,ScheidswaIdstr.99, ^^Telefon^Hania 1179. Anstunoiger zunger Mann ,ucht Änfalh «löbli'M Zimmer. Offerten unter M. ioc an JJje Geschäftsstelle der -Neuen Tageszeitung". Kekanntmachnng über Aenderung des Mahnverfahrens. Laut Beschluß der Stadtver- ordneteu-Benammlung. welcher durch Großh. Ministerium des Innern genehmigt wurde, soll die Zither übliche Mahnung für Gemeindesteuern nicht mehr durch beondere Mohmetiel. sondern durch öffentliche Bekanntmachung erfolgen. Es werden deshalb den Schuldnern keine Mahnzettel zugegellt, die Mabnung erfolgt dafür durch wi derholle Bekanntmachung in den hiesigen Ortszeitungen sowie durch Anschlag an dem für öffentliche Bekanntmachungen bestimmten Platze des Stadthauses und in der Stadt- kaffe. In der Veröffentlichung wird genau angegeben, bis zu U elchem Tage die fälligen Steuern ohne Kosten bezahlt werden können. Mahngebühren werden dabei von der Stadtkaffe nicht erhoben. Vorstehendes Verfahren findet nur Anwendung auf die Beitreibung der Gemeindesteuern, für alle übrigen Gefalle bleibt es bei dem seither üblichen Beitreibungsverfahren. Friedberg, den 27. Sept. 1919. Der Bürgermeister 2. V.: D a mm. ^ Betr.: Zuteilung der Brennstoffe. > Ich bringe hierdurch zur öffentlichen Kenntnis, daß am 2. Ott. die neuen Kohlenausweiskarten nach untenstehendem Plane zur Ausgabe gelangen und mit diesem Zeitpunkt die Zute lung der Brennstoffe in der Reihenfolge der Lebensmit ellar'en-Nummer erfolgt. Die gewerblichen Betribe, Ladengeschäfte, öffentlichen Büros rc. scheiden hierbei aus und erhalten je nach den zur Verteilung stehenden Mengen auf Grund ihres angemeldeten Bedarfes eine Sonder- zuwei ung. die ihnen auf die bisher übliche Wefie durch die Post bekannt gegeben wird. Bei der Zuteilung der Brennstoffe kann mit Ausnahme von Koks und Anthracit auf die Brennstoffforte leine Rücksicht geübt werden und haben die In aber der in den Tageszeitungen veröffentlichen Nummern dre ihnen zugewiesenen Vrennstoffmengen bei dem betr. Händler gegen Vorzeigung der Ausweiskarte, auf welcher der Händler die Abgabe einzutragen hat. innerhalb 3 Tagen, diese vom Tage der Bekanntmachung gerechnet, abzuholen oder abzurusen. Die Zuweisung der Brennstoffe erfolgt ohne Unterschied zu ganz gleichen Teilmengen. Für Mehrbedarf bei Erkrankungsfällen in der Farm ie oder sonstigen Anlässen ist von Fall zu Fall ein diesbe üglicher Antrag bei der Ortskohlenstelle einzureichen, worauf nach Prüfung die Zuweisung gegen Aushändigung eines Bezugscheines erfolgt. Dre Kohlenauswe!skarlen werden am Mittwoch, den 2. Okt. für den Bezirk l und flt in der Volkslesehalle ausgeaeben und zwar: Bezirk I für die Nummern 1-250 „ ■ „ „ „ 251-500 " * » „ „ 501 u. folg. Bezirk 01 für die Nummern 1-250 .. " „ * „ 251-500 n II „ „ „ 51-750 „ BI „ „ „ 751-1(00 .. Bfl „ » .. 1001 u. folg. Bezirk LI» für sämtliche Nummern bon 10 bis 12 Uhr vormittags im alten Schulgebäude Fanerbach. Bezugnehmend auf vorstehende Bekanntmachung sind gegen Vorzeigung der Ausweiskarte berechtigt Brennstoffe zu empfangen von Bezirk 1 Nr. 1 bis 90 je 3 Zentner Kohlen bei: Kohlenhandlung PH. Dan. Kümmich, Kaiserstraße. Bezirk R Nr. 91—180 je 3 Zentner Kohlen bei: Kohlenhandlung David Kramer, Hanauerstrahk Bezirk L Nr. 181—300 je 3 Zentner Kohlen „ I „ 301-400 „3 „ Briketts bei: Kohtenhandlg. G Schwarz Söhne, G. m b. H., Fauerbacherstr. Bezirk s Nr. 401—500 je 3 Zentner Briketts von: Kohlenhandlung I. I. Krug, Ausgabestelle: Städt Gaswerk. Bezirk III Nr. 1—60 je 3 Zentner Briketts bei: Kohlenhandlung Friedrich Wirth, Fauerbacherstraße. Fricdberg, den 30. September 1918. Der Bürgermeister. I. V.: Damm. von 8—9 Uhr vorm. :£S: : von 11—12 Uhr vorm. „ 2—3 _ nachm. » - . :: 5—6 - :: Ar. 1—150 von 8—9 Uhr . 151-300 „ 9-10 „ „ 301—450 10-11 „ .. 451-600 „ 11-12 ' » 601 u. höher., 12—1 ^ Bezirk in. Schule in Fauerbnch. Rr. 1—150 von 8—9 Uhr tt 151 u. höher.. 9—10 Rechnungen Bezirk If. städt. Pferdeställe Haafitraße. Nr. 1—150 von 8—0 llhr, * 151-300 9-10 „ „ 301-450 l 10-11 '' „ 451—645 „ 11—12 w Bezirk II a. Altes Postgebäude I. Stock. Nr. 646—800 von 8—9 Uhr ., 801-950 „ 9—10 . „ 951-1100 10-11 I „ 1101-1250 „ 11-12 Z .. .. 1251 u. höher12—1 , 3)tc vorstehende Zeiteinteilung ist genau zu beachten. ^Ee Fleischzusatzkarten für Schwerst- nnd Schwerarbeiter w«d-usü- die Nummern 1-646 des Bezirks II am Samstag. rar 1 91 ^ »otmittaqs von 8-10 Uhr. für die Nummern 646^und hoher des Bezirks II, am gleichen Tage vormittags von ^0 .12 Uhr iür den Bezirk I am Montao, den 7. Oktober, vor. mittags von 8—10 Uhr, nnd für den Bezirk III am gleichen Tage "0" ^0—12 Uhr gegen Vorlage der alten Stammkarte " ^"chsflerschkarte sämtlich in Zimmer Nr. 12 de» Stadthauses ausgegeben. *l nb ?\ bet ^ ierWr vorgesehenen Stelle mit bebbr-is.7» \ 3nf)a r e i unter Benutzung von Tinte zu beschreiben. Alvdann sind die Namen der Metzger und die 0kum- aus den hierfür vorgesehenen Linien aus der derselben am zweckmäßigsten sofort nach Empfang fragen zu lassen. Erst hierdurch erlangt dre ihre Eultlgkrit zum Fleischbezug. -^^Etzger sind strengstens angewiesen. Inhaber von Karten. am ^ !> den Namen der Metzger und den Nummer,i deichrieben sind, vom Fleischbezug insolange auszuschlreßen, bis dies erfolgt fit. ^ a 1 ü Diese Maßnahmen, die mit der Führung der Kundenlisten, mit einer geregelten Abgabe des Fleisches von den Aietzgern an ihre Kunden und mit der p lizeilichen An- und Abmeldung von Zu- Wegzügen von fleischbezugsberechtigten Personen zusammeu- yangfi ist unter allen Umständen einzuhalten. m Ausstellung der Fleischbezugsscheine für Kranke und schwäch, liche Personen sowie die Abgabe der Reichsfleischmarken an diese, Gunter Vorwe^s der kreisamtlichen Ausweise nur am Montag Nachmittag feder Woche von 3—4 Uht. kz i ^^.^ugsscheine nach den Passantenlisten und den hierzu ge« yongen Neichsflefichmarken sind an denselben Tagen zwischen 11 uno 12 Uhr vormittags in Empfang zu nehmen und hierbei die in abzuttOefern^^^^ Woche gesaminelten Fleischmarken pünktlich Abänderungen in den Reichsffeischkarten über Zu- und Weg» zllge von Familien, sowie der Umtausch auswärtiger Fleischmarken ^ur Fremde, die sich nur vorübergehend hier aushallen, erfolgen am Montag jeder Woche, vormittags von 8—12 Uhr. Sämtliche Anträge, wie vorstehend ausgeführt, erfolgen in Ztmmer Nr. 12 des Stadthauses. . . ^ur verloren gegangene Flefichkarten wird von jetzt ab Lr« satz nicht mehr geleistet. Friedberg, den L Ottober 1918. Der Bürgermeister. I. V.: Damm. wieder eln^etroflen. Jean Kogler, Friedlierg, Kaiserstrasse 27, Nähe des Rathauses. Evangel. u. kathol. Gesangbücher in geschmackvoll. Einbänden Buchhandlung Friedr. Streckfutz. Fried berg. S 5 utz! Eine zweite PillBeitttiil zutn sofortigen Einttitt gesucht. Clementine Stern, Friedberg, Kaiserstraße Nr.51^ gegenüber der Engel-Apoth