Muriner 229 10 Pfennig die Nummer Montag, den 30. September 1018 11. Jahrgang. Neue TageszeitumK ~ “ “ flläieint „den SBeittan. Regelmatzige Beilagen „33« Kauer au- S«IT*n», ..Die ZvinuSube». S-kugspeei-- Bei den Post-nstalten me-t-Ii-ihrlich 310 . Z 4 0 ®** " " £ 'Leib- bet Den Ulaenten mona.Iich so Pfg. einschließlich Trageriolin. An?-igen- Lennb,etle 2d Plg.. lalaie 20 Ptg^ Anzeigen von auswans werben durch P°ftnachn-Hm>- hmzu No« d°o Beste^eld.^e^be^nenten .mV vertu., .Wetten, lSeneni. yan-uer^atze 12. Hernwrecher 48. g . W d,e*E.nt. Nr. 4859. Am. Fe-ntfnr. a. M. Tage schwerster Kämpfe im Westen. Kei Ijpern. Camörai, in der Champagne, in den Argonnen und vor Derdnn. Die deutsche Abwehr im allgemeinen erfolgreich. — Unklare Kage in Bulgarien. l Der deutsche Generalstad == meldet: °Ä W. T. S. Geotzes Hauptquaeiire. de^r 28. September Amtlich. Westlicher Kriegsschauplatz. Der Engländer greift in Richtung auf E a m b r a i und südlich davon an. Der Franzose setzt in der Champagne der Amerikaner östlich der Argonnen seine Angriffe fort. Teilvorstöße und Teilangriffe zwischen Ypern und der S c a r p e. sowie zwischen A i l e t t e und A i s n e begleiten die großen AngriffZoperationen des Gegners. Heeresgruppen Kronprinz Rupprecht und B o e h n. Der Feind, der zwischen Ypern und der Scarpe an mehreren Stellen gegen unsere Linien vorftteß, wurde abgewiesen. Zu beiden Seilen und zwischen den von Arras und Peronne auf Cambrai führenden Straßen brachen 16 englische und kanadische Divisionen nach heftigem Feuerkampf zum Angriff vor. Beiderseits von Marquion, zwischen Moeuvres und Eraincourt sowie zwischen Ribecourt und Billers-Euislain brach der erste Ansturm des Feindes vor unseren Linien zusammen. Bei Huchy stieß der Feind auf Bourlon. bet Havrincourt auf Flesquieres vor. Es gelang ihm im Verlaufe der Schlacht, diese Einbruchsstellen zu erweitern und uns nördlich der Chaussee ArraZ-Cam- brai bis zur Linie Oify-le-Berger-Haynecourt zurückzudrvcken. Südlich der Chaussee war am Abend nach wechselvollem Kampfe und nach erfolgreichen Gegenangriffen die Linie Bourlon-Wald- Ribecourt gehalten. Vor unseren Stellungen zwischen Ribecourt und Villers-Guislain find alle Angriffe des Feindes gescheitert. Zwischen Epehy und Belllcourt schlugen wir starke Angriffe englischer und amerikanischer Divisionen ab. Nach Abschluß der Kämpfe war der Feind überall in seine Ausgangsstellungen, bei Lompire über diese hinaus zurückgeworfen. Heeresgruppen Deutscher Kronprinz und E a l l w i tz. Zwischen Ailette und Aisne wurden Teilangriffe des Gegners östlich von Vauxaillon und westlich von Iouy abgewiesen. In der Champagne setzte der Franzose, östlich der Argonnen der Amerikaner unter zeitweisem Einsatz frischer Divisionen seine starken Angriffe fort. Der Franzose konnte in seinen mehrfach wiederholten Angriffen zwischen der Suippes und der Aisne nur wenig Boden gewinnen. Am Abend standen wir in der Linie Ruberive — südlich von Comme-Py-Grateuil-Roncon- ville-Wald von Cernay im Kampf. Die Angriffe der Amerikaner östlich der Argonnen kamen südlich der Linie Apremont- Cierges zum Stehen. Montfaucon wurde infolge drohender Umfassung geräumt. Die über Montfaucon und östlich davon vor- brecbmden Angriffe scheiterten vor unseren neuen Linien. Franzosen und Amerikaner erlitten auch gestern wieder schwere Verluste. * Wir schossen gestern 33 feindliche Flugzeuge ab. Leutnant Rumey errang seinen 45., Oberleutnant Loerzer seinen 44., Leutnant Väumer seinen 35. Luftsieg. Der Erste Gcneralquarliermeister: Ludendorff. Abendberkcht. Berlin, 28. Sept., abends. (WTB. Amtlich.) Westlich von Cambrai, in der Champagne und westlich der Maas sind schwere Angriffe des Feindes gescheitert. In Flandern sind zwischen Dixmuide und der Lys englisch-belgische Angriffe im Gange. M. T. Großes KauptLsuarUer. den 29. September Amtlich. Westlicher Kriegsschauplatz. Der Engländer hat im Verein mit Belgiern seine Angriffe imf Flandern ausgedehnt und gegen Cambrai fortgesetzt. Franzosen und Amerikaner stürmten erneut in der Champagne sowie zwischen den Argonnen und der Maas an. Heeresgruppe Kronprinz Rupprecht. Don der Küste bis südlich der Lys während der Nacht heftiger Feuerkampf, der sich in den Morgenstunden zwischen Dix- rnuide und Wulvergem zum stärksten Trommelfeuer steigerte. Engländer und Belgier griffen auf der Front von südlich Dix- muidy bis Wulvergem an. Cs gelang dem Feiiche. unsere Trichterstellungen zu nehmen und teilweise in unsere Artillerie- linien einzudringen. Der Angriff des Feindes kam am Nachmittage in der Linie- Bahndamm südlich von Dixmuide—Kler- ken — Houthoulst — WestroosebeeK — Pasfchendaele—Becelaere —Zandvoorde—Hollebeeke zum Stehen. Die am Abend gegen diese Linie geführten Angriffe wurden mit Hilfe der auf dem Schlachtfelde eintreffenden Reserven abgewiesen. Die Höhen von Wytschaete wurden gegen mehrfache Angriffe des Feindes gehalten. Westlich von Cambrai hatten wir gestern früh infolge des Verlustes der Kanalstellung beiderseits von Marguion in den Kämpfen am 27. September unsere Front aus dem freien Gelände in eine rückwärtige Stellung in der ersten Linie Arleux— Aubigny — westlich von Cambrai und hinter den Kanal südwestlich von Cambrai—Marcoing mit Anschluß über Gonuelieu an die alte Linie Villers Guislain zurückgenommen. Die Bewegungen wurden während der Nacht ungestört vom Gegner durchgeführt. Der Feind hielt am Morgen noch lange Zeit das geräumte Gelände unter Feuer. In den Mittagsstunden begann er scharf nachzudrängen und griff nordwestlich und westlich von Cambrai mit starken Kräften an. Er wurde abgewiesen. Ebenso scheiterten Angriffe, die sich am Abend gegen die Linien südlich von Marcoing richteten. Heeresgruppe Deutscher Kronprinz. Zwischen Ailette und Aisne haben wir ohne feindliche Einwirkung unsere Linien hinter den Oise-AiZne-Kanal zwischen Anizy le Ehateau an der Ailette und Bourg an der Aisne zu- rückgenommen. Die feit Tagen vorbereitete Bewegung verlies plangemäß und ungestört vom Feinde. Erfolgreiche Vorfeldkämpfe westlich der Suippes. Zwischen Suippes und Aisne sowie zwischen den Argonnen und der Maas setzte der Feind seine starken Angriffe fort. Cie waren gestern besonders schwer und für den Feind außerordentlich blutig. Unsere dort kämpfenden Truppen aller deutschen Stämme, die sich auch gestern wiederum trotz der hohen Anforderungen, die die letzten Tage an sie stellten, hervorragend geschlagen haben, haben einen vollen Abwehrerfolg errungen. Der Franzose, der auf der ganzen Front zwischen Suippes und Aisne in teilweise bis zu sechsmal wiederholten durch starke Panzergeschwader geführten Angriffen vorbrach, wurde in erbittertem Kampfe zurückgeworfen. Sein einziger örtlicher Erfolg beruht ln der Einnahme von Somme-Py und in kleinen geringfügigen Einbuchtungen unserer Abwehrfront. In den Argonnen haben wir in vorletzter Nacht infolge des Vordringens des Feindes im Aire-Tal unsere Linie bis in die Gegend südöstlich von Vinarville — südwestlich von Apremont — zurückgenommen. Gegen den Ostrand der Argonnen und gegen die Linie Apremont—Cierges—Brieulle stteß der Amerikaner in mehrfachen Angriffen unter teilweisem Einsatz neuer Divisionen vor. Oertliche Erfolge konnte er bei Apremont und östlich von Cierges erzielen, wo er unsere Linie am ftühen Morgen bis in den Wald von Cunel und Fays zurückdrückte. Aber auch hier sind wie an der ganzen übrigen Front die Angriffe des Feindes unter sehr schweren Verlusten für ihn in unserem Abwehrfeuer, in zähem Nahkampf und an unseren erfolgreichen Gegenangriffen gescheitert. Unsere Schlachtstaffeln griffen den östlich der Aire anstürmenden Feind mit großem Erfolge an. Bei den gestrigen Kämpfen wurden mehr als 150 Panzerwagen des Feindes zerstört. * Wir schossen gestern 32 feindliche Flugzeuge und drei Fesselballone ab. Der erste Ceneralquartiermeister: Ludendorff. Abendberkcht. Berlin, 29. Sept., abends. (WTB. Amtlich.) Neue Kämpfe östlich von Ypern. Gewaltiges Ringen zwischen Cambrai und St. Quentin. Der englische Ansturm ist hier im Großen gescheitert. In der Champagne und zwischen Argonnen und Maas sind heftige Angriffe der Franzosen und Amerikaner bis auf örtliche Einbrüche beiderseits Ardeuil abgewiesen^ on DMMänvs GN'cksat' Bist auch Du ein Tech Was Du dem Lande tust^ Du tust es Dir zum Heil!; Darum zetchne^dte Neuntel/ r Der österreichische Generalstalr — meldet: = Wien, 28. Sept. (WB.) Amtlich wird verlautbart: Ail der italienischen Front keine nennenswerten Kampfhandlungen. Auf dem albanischen Kriegsschauplatz schlugen unsere Trup. pen westlich des Ochridafses in einem von den Bulgaren übei< nommenen Verteidigungsabschnitt feindliche Angriffe ab. Der Chef deS GeneralftabeS. m Wien, 29. Sept. (MTV. Nichtamtlich.)' Amtlich wird vev lautbart: An der ttalienifchen Front keine besonderen Ereignisse. An der albanischen Küste bei Berat scheiterten italienische Vorstöße. Der Chef deS GeneralftabeS. Der bulgarische Generalstab _= meldet: -■:= Sofia. 29. Sept.^ (WB.) Generalstabsbericht vom 27. Sept. Mazedonische Front: Westlich des Wardar führten unsere Einheiten die ihnen vorgeschriebenen Bewegungen aus, vom Feinde nur schwach belästigt. Zwischen dem Wardar und der Struma Nachhutkämpfe mit wechselndem Erfolg. An der Bela- fizza und im Sttumatal Patrouillenunternehmungen, wobst wir griechische Gefangene machten. i Das türkische Hauptquartier - meldet: Konstantinopel, 27. Sept. (WB.) Generalstabsbericht. Paläfttnafront: Auf unserem rechten Flügel entwickelten sich neue Kämpfe. Mesopotamien: An den Tigris vorfuhlende feindliche Kavallerie wurde durch unser Feuer abgewiesen. Bon den übrigen Fronten nichts Neues. 'S Konstantinopel, 28. Sept. (WB.) Eeneralstabsbericht. Palästina front: Die Kämpfe am Tiberiasee dauern an. Von den übrigen-Fronten nichts Neues. Der „Dnud" über die Kriegslage. Bern, 28. Sept. Der Militärkritiker des „Bund" bespricht heute in der Hauptsache die dritte Champagneschlacht, wie er sie nennt, die Entscheidungsschlacht, durch die die große Offensive der Entente gekrönt oder im Endzweck unterbunden wurde. Del Einbruch der amerikanischen Armee bis zur Linie Varonois-^- Montfaucon habe eine fttategifchs Hauptschlagader der deutschen Front erreicht, sei aber hier zum Stehen gekommen. „Er ist de> vollen Auswirkung beraubt worden und zwischen den Nord- argonnen und dem Maasrücken stehen geblieben, weil es dem Champagneflügel wieder nicht gelang, auf Vouziers durchzubrechen. Aendern Nachstöße das Bild nicht, so ist die Durchbrechung der deutschen Champagneftont und damit die des deutschen Zentrums abermals gescheitert. Auch diese Durchbrech-. ungsfchlacht zeigt wieder, wie fest gefügt die deutsche Front ist und wieviel Anpassungsfähigkeit, die deutsche Abwehr gegen die neuen Kampfmittel besitzt." » Die deutschen Verstärkungen. Bern, 28. Sept. (WB.) Stegemann äußert W zur LagS an der mazedonischen Front: An der mazedonischen Front sind genügend- deutsche Verstärkungen zur Stelle, und wenn diese aus der Flanke operieren können, so ist die Wiederauftichtung der sttategischen Lage der Bulgaren ebenso gut möglich, wie dies bei den Italienern in Venetien der Fall war. Köln, 28. Sept. (WB.) In einem Berliner Telegramm der „Köln. Ztg." heißt es: Ob, wie durch Reuter verbreitet wurde, die Verbandsmächte wirklich das Gesuch Malknows um Waffemuhe abgelehnt haben oder nicht, und ob bereits bulgarische Unterhändler mit dem Feinde zusammengekommen find, steht noch nicht fest. Fest steht aber, daß der König Ferdinand in seinem bundesgenössischen Verhalten nicht wankt. Fest steht, daß die starke deutsche Armee in, Begriff ist, kräftig zuzufassen/ und den bedrohten Bundesgenossen rii öilfe au komme*. Das bulgarische Angebot. Berlin, 28. Sept. Nach hier eingelausenen Nachrichten ist das bulgarische Angebot, soweit es sich auf einen Waffenstillstand oder eine Waffenruhe bezieht, von der Entente ab- gelehnt worden. Dagegen wurde erklärt, daß die Entente Lu Besprechungen bereit sei. Eine französische Erklärung. Geuf, 29. Sept. Zu dem bulgarischen Friedensangebot macht die französische Regierung folgende offizielle Mitteilung: Die Regierungen der Entente, die sich im Kriegszustand mit Bulgarien befinden, haben von Frankreich Vorschläge erhalten für die Beantwortung der bulgarischen Note. Die Verhandlungen Clemenceaus mit Lloyd George gestat- teten festzustellen, daß über alle Punkte ein Einvernehmen herrscht. Welches die Friedensbedingungen der Entente sein werden, ergibt sich aus Artikeln des „Journal des Debats" und des „Temps". Es wird darin ausgeführt, daß es für den Augenblick nicht darauf ankomme, mit Bulgarien einen endgültigen Frieden abzuschließen. Es handle sich für die Entente nur darum, den Krieg unter Ausnutzung aller Vorteile, die aus dem Ausscheiden Bulgariens sich ergäben, fortzusetzen. Daher werde die künftige politische Gestaltung Bulgariens erst bei dem allgemeinen Friedensschluß geregelt werden. Die Entente werde indesten Bulgarien nur einen Waffenstillstand gewähren, wenn dieses die von ihm während des Krieges besetzten Gebiete sofort räume, und wenn es den Truppen der Entente gestatte, sämtliches Kriegsmaterial, das sich auf bulgarischem Gebiet befinde, einschlietz. lich der Munition, Waffen und Eisenbahnen der Entente auszuliefecn. Diese Maßregeln seien notwendig, zu verhindern, daß Bulgarien einen neuen Verrat begehe. Die Bedingungen der Entente. Haag, 29. Sept. Reuter vernimmt aus London, daß die britische Antwort auf das bulgarische Gesuch um Waffenstillstand bereits durch die Antwort des Oberbefehlshabers der alliierten Armeen erledigt ist. Diese bringt vortrefflich und scharf zum Ausdruck, daß die Kriegshandlungen nicht unterbrochen werden sollen. Gleichzeitig wird auf den Vorschlag, daß offiziell beglaubigte bulgarische Vertreter mit den Alliierten über den Frieden beraten sollen, die Regierung in Sosia bestimmt davon unterrichtet, daß vor einem eventuellen Frieden die bulgarische Regierung vollkommen mit der Türkei und besonders mit Deuffchland und Oesterreich-Ungarn brechen muß. Die Regierungen der Alliierten sind gezwungen, jede Garantie zu verlangen, die sie für ihre militärischen Operationen für nötig erachten, zu verhindern, daß Deuffchland Truppen nach Bulgarien schickt. Bei der Besprechung über den bulgarischen Vorschlag darf man nicht vergessen, daß die Alliierten keine unwiderrufliche Regelung der Balkansragen beabsichffgen, da diese aus leicht verständlichen Gründen erst auf der Friedenskonferenz erledigt werden können. Aber bei einer nrilitarischen Uebereinkunst ist es notwendig, die Kriegsoperationen der Alliierten auf dem Balkan vor jeder Gefahr von bulgarischer Seite zu schützen. Deshalb muß von Bulgarien die Demobilisation seiner Armee oder ihre Verwendung gegen die augenblicklichen Bundesgenosten gefordert werden. Das ffl eine Forderung die im Zusammenhang mit den territorialen Fragen steht und mit Rücksicht auf die vollständige Zusammenarbeit und die Unterstützung der serbischen und griechischen Bundesgenossen gestellt wird. Jeder vorläufige Vergleich erfordert die Räumung jeden Gebiets außerhalb Bulgariens durch dessen Truppen. Wenn diese Bedingungen, die nach Sofia überbracht worden sind, der Regierung Malinows nicht annehmbar scheinen, so haben die alliierten Mächte weiter keine andere Bedingung vorzuschlagen. Dann würde es Bulgarien fi-eistehen, andere Vertreter zu ernennen, die diese Bedingungen annehmbar finden. Der Körrig von Bulgarien in Oesterreich. Wien, 27. Sept. König Ferdinand von Bulgarien und feine beiden Töchter sind heute in der Station Gänsersdorf bei Wien ein getroffen und haben sich auf das Schloß Eben- thal begeben. Die Lage in Sofia Wien, 28. Sept. In informierten Kreisen wird erklärt: Die Lage in Sofia ist nach wie vor noch ungeklärt, doch verlautet, daß sich in Sofia ein starker Widerstand gegen Malinow geltend macht. Welche Rückwirkung die.gegen die gegenwärtige Stegierungspoliffk gerichteten Tendenzen haben werden, läßt sich noch nicht beurteilen. Hier ist die Nachricht eingetroffen, daß gestern ein österreichisch-ungarisches Infanterieregiment in Sofia angekommen ist. Aeußexungcn des Generals Sawow. Budapest, 29. Sept. General Sawow, der gewesene Oberkommandierende der bulgarischen Armee, der von König Ferdinand telephonisch berufen wurde, hat die Reise von Wien über Budapest nach Sofia angetretem Er Äußerte sich zu einem Mitarbeiter des „Magyar Hirlap": Zur Zeit ist die militärische Lage Bulgariens nicht so schlimm tls gedacht wird. Es zeigten sich an der Front und im Lande einige Schwierigkeiten. Diese wurden vom Feinde ausgenützt, und nur ihnen kann er es verdanken, daß er in Mazedonien Vordringen konnte. Diese Erfolge müssen aber nur als vorübergehend betrachtet werden, da in kurzer Zeit auf die Verfügungen, die durch die bulgarische Armee sowie durch die oberste Heeresleitung der Verbündeten bereits getroffen wurden, alles wiederhergestellt und in Ordnung ge- bracht sein wird. Die südliche Front ist nicht nur Spezial- front der bulgarischen Armee, sondern eine gemeinsame Aront der Verbündeten. Unter diesen Umständen muß man dazu volles Vertrauen haben, daß die zertweMsen Erfolge des Feindes in kurzem durch die Bajonette der verbündete« Heere zunichte gemacht werden. Do der Feind gegen den Frieden ist, , so müssen wir den psychologischen Moment ab- warten, der uns den Abschluß eines Friedens ermöglicht, der unser Gebiet sowie unser Recht zum Dasein wahren wird. Ich glaube mich nicht zu täuschen, wenn ich erkläre, daß dieser psychologische Moment schon in niäjt allzu großer Ferne ist. Miere Verbündeten. Budapest, 29. Sept. (WB.) Ministerpräsident Dr. Wekerle, der heute vormittag aus Wien in Budapest eintraf, erklärte einigen Journalisten gegenüber folgendes über die Lage: Wir haben keinen Grund zur Besorgnis: die Loge bietet hierzu keinen Anlaß. Wir streben ernstlich nach Frieden: doch haben wir dabei die nötigen Vorkehrungen zur Sicherung unserer Front getroffen. Es ist natürlich, daß wir in vollstem Einverständnis mit unseren Verbündeten vorgehen. Berlin, 29 Sept. Die „Rordd. Allg. Ztg." schreibt über Bulgarien: Aus Konstantinopel liegen Meldungen vor, nach denen die türkische Negierung entschlosieu sei, einer neuen Bal- kanlage, wie ste durch einen bulgarischen Sonderfiieden geschaffen werden könnte, im Anschluß an die Verbündeten zn begegnen. Daß durch den Lauf der Ereigniffe eine nach verschiedenen Formeln lösbare Lage geschaffen werden kann, braucht nur ongedeutet zu werden, um begriffen zu werden. Grgf A«r''on iifecr das AjM'g. Der k. und k. Minister des Aeußern, Graf V u r i a n, gab den bei ihm effchienenen deutschnationalen Abgeordneten ein ausführliches Bild der politischen und militärischen Lage und erklärte, daß an dem unbedingten Festhalten Oesterreich-Ungarns an dem Bündnis mit Deutschland unter allen wie im. wer gearteten Umständen nicht im mindesten gezweifelt werden könne, und daß die Monarchie vollkommen solidarisch mit dem Deutschen Reich in allen Fragen verhandeln und vorgehen werde Es sind alle Vorkehrungen getroffen. Gin Hronrat in Wien. Budapest, 28. Sept. (WB.) Meldung des ungarischen Kor. respondenzbureaus- Blättermeldungen zufolge, ist im gestrigen Wiener Kronrat alles geschehen, was das wohlverstandene Interests der Monarchie erheischt. Während eineffeits die notwendig gewordenen militärischen Maßnahmen zur Sicherung einer wirksamen Verteidigung vollzogen wurden, besteht unverändert das Bestreben, im ersten möglichen Augenblick einen Frieden zu schließen, der die territoriale Unversehrtheit der Monarchie unbedingt gewährt und der einvernehmlich mit dem Deutschen Reiche geschlosten werden soll, ebenso wie wir mit diesem in den Kämpfen Schulter an Schulter gestanden haben. Zn maßgebenden Kreisen wird nachdrücklich betont, daß. wiewohl der Entschluß Bulgariens auch die Monarchie vor eine außerordentlich schwere Situation stellt, weder zu Kleinmut noch zur Verzagtheit Grund vorhanden fei. Wenn die Nerven Ungarns die russische und die rumänische Invasion ausgehalten haben, werde das Vertrauen und die Zuversicht der Monarchie auch weiterhin unerschüttert bleiben. (MmfifManarn mii) Ilalikn. Wien, 28. Sept. (WB.) Wiener Korrespondenz-Bureau. Die von der Agenzia Stefani dementierte, aus Italien stammende Meldung, Oesterreich-Ungarn würde in der nächsten Zeit mit Italien einen Sonderfiieden schließen, wird von Agenten noch immer verbreitet. Wir sind bemüßigt, auch unsererseits die vollkommene Unrichtigkeit dieser Nachricht neuerlich festzustellen. Deutsche Helden iu Palästina. Berlin, 27. Sept. (WB.) Zn Palästina ziehen sich die türkischen Truppen westlich des Jordan weiter zurück. Die türkische Armee im Osffordanlande hält sich bisher gegen überlegene Kräfte, ist jedoch durch die Aufftandsbewegung der Araber, die sich auf das Haurangebiet ausdehnt, bedroht. Bei den Rückzugsgefechten zeichneten sich das deutsche Infanterieregiment 146 und aridere deutsche Truppen unter Oberst v. Oppen und Major Muther besonders aus. Erfolgreich schlugen sie sich durch die Umzingelung durch und gingen in guter Ordnung von Ausnahmestellung zu Ausnahmestellung zurück. Kcrtling lind Wiche im ianptqtinrtier. Berlin, 29. Sept. (WB.) Reichskanzler Graf H e r 1 l i v g und Staatssekretär des Auswärtigen v. H i n tz e siird gestern abend ins Große Hauptquartier abgereist. Wjjhikttikn aegen -ie denMen Kriegsanleihen. Es spricht für die Zuversicht, mit der man in Deuffchland dem Ausgang des gewaltigen Ringens, das sich an der Westfront abspielt, entgegensieht, daß die deutsche Staatsregierung mit pünktlicher Regelmäßigkeit dazu schreitet, die Aufwendungen für den Krieg durch die Ausgabe lang- frisffger Kriegsanleihen zu konsolidieren, daß sie also zu der einzigen Art der Geldaufnahme greift, die als gesunde Finanzgebahrung anzusprechen ist. Dieses Vorgehen steht im Gegensatz zu demjenigen unserer Feinde, die es nicht in solchem Gleichmaß wagen, an ihr Sparkapital mit Anleihebegebungen heranzugehen, die vielmehr besondere innere oder äußere Glückzusälle airsnützen müssen, um einen solchen jj Schritt unternehmen zu können. So hat Frankreich zuletzt seine 3. Kriegsanleihe schon vor nahezu Jahresfrist herausgebracht und mußte mittlerweile seinen großen .Geldbedarf durch die Bant von Frankreich und kurzfristige teuere Mld-< aufnahmen in allen möglichen Formen und Landern bs- schaffen. Erst jetzt hat sein Finanzminister den Mut. ange- sichs der im Augenblick für die Entente günstigeren Kriegs» läge die Ausgabe einer neuen Kriegsanleihe ins Auge z» fassen. Und England hat seine letzte feste Kriegsanleihe, du dritte, schon Anfang 1917 herausgebracht und seitdem sich mit kurzfrisfigen National War-Bonds-Ausgaben beholfen. Daß sich die Aufbringung des Kriegsbedarfs in Deuffchland in gesunder Art und ohne Störung vollzieht, ist naturgemäß unseren Feinden ein Dorn im Auge und sie suchen unsere Kriegsfinanzierung und unsere Finanzlage im allgemeine« .durch alle möglichen Prakffken in einem ungünstigen Lickst» erscheinen zu lassen. Die phänomenalen Ergebnisse der deutschen Kriegsanleihen, die Glanzleistungen des deutsche« Sparkapitals darstellen, beweisen zwar die bisherige Ergebnislosigkeit der Bemühungen unserer Feinde; nichtsdestoweniger setzen die Gegner neuerdings mit vermehrtem Eifer ihre Versuche fort, in die Reihen unserer Kriegsanleihezeichner eine Depressionsstimmung bineinzutragen. Das wird gerade im gegenwärtigen Augenblick unter Hinweis auf die aus strategischen Gründen erfolgte Zurückverlegung unserer Front mit erhöhtem Nachdruck betrieben, offenbar um de« Willen zum Durchhalten bei unserem Volke zu untergraben und um dem Erfolg der bevorstehenden 9. Kffegs- anleihe im vorhinein entgegenzuwirken. Zu diesem Behuf« sucht man. wie bekannt wird, in den weniger orientierten Kreisen der Bevölkerung und aus dem Lande unter Anführung der nichffgsten Gründe das Vertrauen in die Sicherheit unserer Kriegsanleihen zu erschüttern, und damit diese Kreise zur Abstoßung der gezeichneten Anleihen zu bewegen. Der Zweck eines derarttgen Vorgebens ist klar. Man will damit Mißsttmmung erzeugen und will das Hinterland mürbe machen, um damit zu erreichen, was an der Front nicht gelingt. Die Personen, die sich zu einem der- arttgen verwerflichen Treiben hergeben, suchen außerdem für ihre eigenen Zwecke im Trüben zu fischen, indem sie den von ihnen zu Unrecht verängstigten Anleihebesitzern die Stücke zu niedrigem Kurse abjagen. Ein derartiges vaterlandsver- räterisches Verhalten fft mii aller Schärfe an den Pranger zu stellen. Es ist nicht der mindeste Grund vorhanden, in die Sicherheit der deutschen Kriegsanleihen auch nur den geringsten Zweifel zu fetzen. Jeder, der Kriegsanleihe besitzt. ist jederzeit in der Lage, sie zu verwerten. Er kann sich darauf zu günstigen Bedingungen bei den Darlehenskassen Geld verschaffen oder kann sie überall und zu jeder Stunde zu gutem Kurse verkaufen. Deshalb sollten sich die Anleiheinhaber nicht ohne zwingenden Grund von ihrem Besitz trennen: ste sollten alle Bestrebungen von Personen, die ihnen ihren Besitz zu verleiden suchen, mit Entschiedenheit abweisen und sich durch keinerlei Gerede und keinerlei Schwarzmalereien zur Hergabe ihrer Anleihen bewegen lassen. Die deuffchen Kriegsanleihen stellen eine Schuld de« gsamten deuffchen Volkes und Landes dar und solange das deuffche Vaterland besteht, werden auch seine Anleihen voll- gilttgen Wert haben. (Franks. Ztg.") Eine tifrminftiflf und uolmO'lye Vngrdnnss. Das stellverttetende Generalkommando des 11. Armeekorps ln Kasiel hat eine Verordnung erlassen, in der es n. a. heißt „Es muß vermieden werden, daß man die kleinen Diebe hangt und die großen laufen läßt. Es sollen nicht Leute angezeigi werben, die von Verwandten und Bekannten sich unbedeutende Mengen von Eßwaren usw. holen, während Aufkäufer mit Körben voll Eier und Butter ungehindert davonkommen. — Da. wo es sich um gewerbsmäßigen Wucher handelt, greife man zu. aber die. die Zeit und Geld daran setzen, um etwas auf den Mittagstifch zu bekommen oder etwas zur Hebung des gefunkenen Gesundheitszustandes der Familie zu tun. die lasse man ungeschoren. Zum Spaß werden solche Fahrten sicher nicht unternommen." In unserer Zeit weltfiemder bürokratischer Verordnungen ist dieser Erlaß besonders zu begrüßen. Weiblicher Hilfsdienst. Solange der Feind den ehrlichen Friedenswillen Deutsch, lands nicht anerkennen will, sondern sein ganzes Rüstzeug an Menschen und Material dem Zwecke unserer Vernichtung dienstbar macht, gilt es auch bei uns in der Heimat alle Kräfte an. zuspannen. Roch immer verfügt unser Land über zahlreiche Arbest • fräste, die der Kriegswirtschaft zngeführt werden können. Wc Pflicht und Hilfsdienstpflicht unterwerfen die männliche Bevöl'.. rung dem Zwang der Kriegsnotwendigkciten. für die weibliche Bevölkerung gilt kein Zwang, wohl aber ein sittliches Gebot, freiwillig ihre vaterländische Pflicht zu erfüllen. Biele Frauen und Mädchen haben schon dazu beigettagen, durch rastlose Arbeit Heer und Rüstungsindusttie zu stärken. Ihnen, die in Stadt und Land ungewohnte Männerarbeil verrichten, gebührt ein großer Anteil an dem Dank, den Heranwachsende und kommende Geschlechter einst den Kämpfern des Weltkrieges zollen werden. Roch tobt der Kampf in großer Heftigkeit und drangt im» mer stärker der Entscheidung zu. Desto notwendiger bedarf die Heeresleitung tapferer Männer an der Front in großer Zahl, unausgesetzten Nachschubs an Munition und Kriegsgerät. Für unsere Feinde arbeitet die Kriegsindustrie der ganzen Welt? Wir sind nur auf uns und unsere Verbündeten angewiesen. Erneut und verstärkt ergeht daher der Ruf an die noch nicht kriegs. tätige weibliche Bevölkerng. kriegswichtige Arbeit zu suchen und dadurch an dem großen Ziele, uns allen und unseren Nachkommen einen ehrenvollen und segensreichen Frieden zu erringen, mitzuarbeiten. Auch solche Frauen, deren Zeit durch Haushalt, Pflege und ü Erziehung ihrer Kinder in Anspruch genommen ist. findest 1» beit Betrieben der Rüstungsindustrie Gelegenheit, in Halbtags- schichten dem Vaterland niitzliche Arbeit zu leisten und dadurch zum Lebensunterhalt Leizutragen. Wer nicht an bk Heimat gebunden ist, dem bietet sich Gelegenheit, in der Etappe Hausarbeit oder Burodienst zu übernehmen. Dort erhalten die Frauen, die als „Helferinnen" der Heeresverwaltung ihre Dienste zur Verfügung stellen, nicht nur gute Bezahlung, sondern auch eine gute auskömmliche Verpflegung: die durch di» Rationierung im Heimatgebiet bedingten Schwierigkeiten d^r Beschaffung fallen weg. Gut eingerichtete Heime, wohlwollende Fürsorge in geistiger und leiblicher Hinsicht dienen dazu, diesen Helferinnen die Heimat zu ersetzen. Möge jede, noch nicht im Dienst des Vaterlandes stehende Frau sich prüfen, ob sie sich nicht auch zur Erreichung des gemeinsamen großen Zieles und zum Gelingen des großen Ganzen beizutragen verpflichtet fühlt. Meldungen für die Etappe werden von der Frauenarbeits- Meldestelle beim Kreisarbeitsnachweis Friedberg. Bismarckstr. 32. entgegengenommen. Heber Meldungen für die Industrie wird in den Zeitungen der örtlichen Vedarlsstelle weiteres bekannt gegeben. Jugend van heute. Kaiserslautern, 24. Sept Eine feckskopfiae Bande von fugendlichen Taugenichtsen, die in Eisenbahmügen wie die Vandalen gehaust hatten, stand vor der hiesigen Strafkammer. Die Angeklagten standen im Alter von 13 bis 16 Jahren, nur der Anführer war bereits 17 Iabre alt. Sie fuhren täglich nach und von der Arbeitsstelle und führten sich in den Eisenbahnabteilen in ganz unglaublicher Weise auf. Die angebrachten Schilder wurden abgerisien und zertrümmert, die Beleuchtungskörper 'worden ebenfalls abgerisien und zum Fenster hinausgeworfen. Rach den roten und grünen Signallichtern wurde wahrend der Fabrt mit Steinen geworfen, der Linoleumbelag des Fußbodenwurde gewaltsam entfernt und gestohlen. Auch auf kreuzende Züge wurden Steine geworfen, wodurch in einem Fall ein Soldat ziemlich verletzt wurde. Die VremserhauZcben wurden erbrochen und mutwillig die Rotleine gezogen. In ihrem Heimatort erbrachen die Burschen einen Briefkasten und raubten die Briese, schlugen Dachfenster ein und verübten weitere Schandtaten. Das Gericht verurteilte den Rädelsfübrer. der bereits etwas auf dem Kerbholz batte, zu einer Gesamtstrafe von einem Jahr und 11 Tagen Gefängnis, auch wurde er sofort tu Haft genommen. Die übrigen Angeboten erhielten Gefängnisstrafen von 5. 4 und.2 Monaten, während der letzte mit 10 Tagen Gefängnis davonka^ frjlirtnnifl brr flfii^rntion der Sf* !, %rl!uwr. Entsprechend der vom 1. August 1918 ab erfolgten Verringerung der wöckentlichen Fleischmenge für die ver- forgungsberechtigte Bevölkerung hat der Staatssekretär des Krieasernahrungsamts durch Verordnung vom 20. September 1918 auch die Sätze für die Selbstversorger festgesetzt, so daß ein Selbstversorger in Zukunft 400 Gramm Schlachtvieh, fleisch, gleichviel welcher Art, oder Wildpret in der Woche für sich verbrauchen darf. Die Neuregelung tritt mit dem 25. September 1918 (R.G.Bl. Nr. 126) in Kraft. Für Haus- schlachtungen, die vor diesem Zeitpunkt vorgenommen sind, verbleibt es bei den bisherigen Anrechnungsvorschriften. §n!>!ilh rliimnl NM vkrnjilijtM m Mainz. Die Landwirte müsien sich zwar sonst fragen, was kann aus Mainz gutes kommen, denn dort sitzen die Herren, die in der Landes-Milch- und Fettstelle ihr Sprüchlein gegen die Landwirte auftragen, dort waltet der Herr Beigeordnete Külb seines Amtes, der mit Donnerstimme gegen die agrarische Begehrlichkeit wettert und dort thront die Landes-Eierstelle, die den armen Hinkeln das Leben sauer macht. Aber heute hören wir doch etwas vernünftiges'. Der städtische Ernährungsbeirat in Mainz beschloß nämlich, von einer Streckung des Brotes durch Kartoffelmehl abzusehen, vielmehr die bisherige Wochenmenge von I960 Gramm für den Kommunalverband Mainz bestehen zu lasten und der Bevölkerung dafür ein Pfund Kartoffeln alle 14 Tage mehr zu verabfolgen. — Das ist doch wenigstens eine Tat der Vernunft in unserer an wirtschaftlicher Unvernunft so reichen Zeit Die Streckung des Brotes mit Kartoffeln ist nämlich gar nicht zu kontrollieren und öffnet der Verfälschung Tür und Haus. Wenn man denn schon Kartoffeln genießen muß. dann gebe man etwas weniger Brot, laste es rein und bewillige die zum „Strecken" notigen Kartoffeln in natura dem Volke. Gkßk!! litt, Urrfcanf !Mmr1IÄllft!ichtt AkMjN! an WilMMe tfcfttet sich mit aller Schärfe das Bezirksamt Tölz. In der Presse finden sich neuerdings Kaufgefuche für ländliche Anwesen in immer größerer Zahl. Es ist ausgeschlossen, daß r-iese Gesuche von landwirtschaftlichen Kaufliebhabern aus- «ehen, vielmehr ist anzunehmen, daß es sich vielfach um Gesuche von Kaufsliebhabern handelt, welche solche Anwesen als Kapitalanlage und insbesondere zur Sicherung einer basieren Ernährung suchen. Es widerspricht dem Öffentlid>cn Interesse, daß landwirtschaftliche Anwesen aus dem Besitze wirklich ausübender Landwirte in den Besitz von Nichtlandwirten übergehen. Es liegt im Interest der Land- Wirte, wenn sie jetzt in der Kriegszeit ihr Anwesen, den Rück- halt der Familie und die Grundlage ihrer Selbständigkeit, eines nur scheinbaren Gewinnes halber preisgeben. Das Bezirksamt behält sich vor, für foIcf>e Fälle die distnkts- Polizeiliche Genehmigung zu versagen. /J.V'sSS?',./,/, "’J Mutz der deutsche Landwirt den englischen lAushungerungsplan zuschanden wachend «riegszettliche Schwierigkeiten in der wtrtu ichaftsfiihnzng mutz er aus sich nehmen «ad ohne Eigennutz in der Not-, zeit helfen und opfern im Gedenken an das grotzq Ganze, vsrrrm kein Ttör« geln und Klagen, fanden* vaterländisch opfern, auch bet der 9. Krieas-Anleihe! Dom Felde der Ehre. Nieder-Nosbach. Gefreiter Heinrich Gr oh, Sohn des Landwirts Johann Heinrich Groh, wurde wegen seiner Tapferkeit im Westen mit dem Eisernen Kreuz erster Klasse ausgezeichnet. Das Eiserne Kreuz zweiter Klasie und die Hessische Tapferkeitsmedaille besitzt er fck>on länger. Wir gratulieren! Bisses. Der noch jugendliche Unteroffizier Julius Simon, Sohn des Viehhändlers Leopold Simon, erhielt als Scharfschütze in einer Maschinen-Gewehr-Abteilung für todesmutiges Ausharren auf einem vorgeschobenen Posten das Eiserne Kreuz erster Klasie. Es ist bereits der zweite in unserer kleinen Gemeinde, der diese Auszeichnung erhielt. Wir gratulieren! Aus der Heimat. Zentrale für Kriegßfürsorge. Dre nächste Ausgabe der Karten ftir die Volksküche findet Mittwoch, den 2. Oktober nachmittags von 3—5 Uhr statt. Die Heizung der Eiseubahnzüge im kommenden Winter. Trotz aller Bemühungen der Eiseubahnverivaltung, für einen ausreichenden Ersatz der Heizkupplungen zu sorgen, ist es nicht gelungen. die Heizung aller Züge sicherzustellen. Es können nur Schnell- u,rd Personenzüge des Fernverkehrs geheizt werden, während die Züge des Vorort-, Nah- und Nebenbahnverkehrs mit geringen Ausnahmen ungeheizt bleiben. Ursprünglich war in Aussicht genommen, die Züge vom 1. November ab zu heizen: nunmehr ist festgesetzt, wenn die Witterung es erforderlich macht schon vom 15. Oktober ab mit dem Heizen zu beginnen. Unter besonderer Berücksichtigung der klimatischen Verhältniste im Osten sollen die Zuge, die nach den besetzten Gebieten im Osten fahren, so eingerichtet werden, daß sie ienseits der Grenze schon vor dem 15. Oktober mit Heizkupplungen versehen werden, damit sie bei kalter Witterung bereits fr' her geheizt werden können. Echzell. S. K. Hoheit der Großherzog haben aller- gnädigst geruht, dem Landbrieftrüger Heinrich Stoll IX. das Verdienstkreuz für Kriegshilfe zu verleihen. Mit derselben Auszeichnung wurden schon früher Beigeordneter Stoll und Bürgermeister Schmidt beehrt. Gießen, 25. Sept. Hier wurde im neuen Schloß ein Kriegsmuseum eröffnet, um späteren Generationen die Größe, Gewalt und Bedeutung des gegenwärtigen Weltkrieges in Erinnerung zu bringen. In zwei Sälen sind die Sammlungen übersichtlich unrergebracht. Der erste Saal enthält neben Karten, Abbildungen, Flregertrophäen, 2 Sanitätshunde in voller Ausrüstung, eine fast vollständige Sammlung von Kriegsnotgeld aus dem besetzten Gebret und der Heimat: der zweite Saal bringt in unerschöpflicher Fülle Beutestücke, Uniformen, Waffen, Schnitzereien und Gemälde von Kriegsgefangenn, die Ehrentafeln mit den Bildern gefallener Gießener, Erzeugniste der Kriegsindustrie, eine Zusammenstellung des Karten-Rationierungsfystems und vor allem die wohl einzigartige, von Geh. Kommerzienrat Heichelheim gestiftete Sammlung der Kriegsorden aller Bundesstaaten, des verbüirdeten Oesterreich-Ungarn und die lückenlose Sammlung der bulgarischen Kriegsauszeichnungen, die der König von Bulgarien dem Museum schenkte FO. Schlitz, 27. Sept. Einer ins Master gefallenen Kuh wollte dj^ 32jährige Müllersfrau Klitsch heraushelfen und ertrank dabei in der Schlitz. FC. Frankfurt a. M., 27. Sept. In Soden wurden achtzig Zentner Aepfel beschlagnahmt, die unter dem Vorwand, sie seien für ein Frankfurter Lazarett bestimmt, nach Frankfurt in ein Kaffeehaus kommen sollten, und zuruckgehalten. Den Eafetier trifft durch die Beschlagnahme ein Schaden von 4000 Mark. Frankfurt a. M., 27. Sept. Die Straffanrmer verurteilte den 28jährigen Werkzeugmacher Wilh. Theberath, der trotz glänzender Lohnverhältniste zehn schwere Diebstähle, darunter sechs Wäschediebstähle, beging, unter Versagung mildernder Umstände zu 6 Jahren Zuchthaus. — Wegen Kettenhandels und unerlaubten Handels mit Saccharin verurteilte das Schöffengericht den Kaufmann I. Daer, hier Merianplatz, und den Kaufmann Nik. Buchenauer aus Wiesbaden zu je 4060 Mark Geldstrafe, den Kaufmann Ferd. Fleck aus Wiesbaden zu 1000 Mk. — Dem Metzger Nathan Seligmann, 'Allerheiligenstraße 63, wurde der Handel mit Gegenständen des täglichen Bedarfs untersagt. Seligmann hat gewerbsmäßig Fleisch ohne Fleischmarken bezogen und weiter verkauft, weswegen er zu 500 Mark Geldstrafe verurteilt worden ist. AuS Starkenburg. Darmstadt. 26. Sept. Der Verband Hessischer Verkehrsvereine hielt heute im Fürstensaal zu Darmstadt unter dem Vorsitz von Rentner Sieben-Auerbach a. B. seine gutbesuchte Hauptversammlung ab, zu der zahlreiche Vertreter von Behörden und Nachbarverbänden und Vereine erschienen waren, die der Vorsitzende in herzlichster Weise begrüßte. Hierauf erwiderten sür die Provinzialverwaltung Geheimrat Fey, für die Zweite Kammer deren Präsident Oberbürgern eister K ö h. l er-Worms, für die Stadtverwaltung Darmstadt Bürgermeister Müller, für das Hotelgewerbe Süddeutschlands Syndikus Dr. K r i e n e n - Karlsruhe, für die Preußisch-Hessische Eisen- bahndirektion Mainz Geh. Regierungsrat Schmidt- Mainz, für die Oberpostdirektion Darmstadt Oberpostsekretär Geyer für die Handelskammer Dr. Humana, Im Namen des Darm, ftädter Verkehrsoereins sprach Stadtv Stemmer und dankt besonders den Behörden für ihre Unterstützung und Beihülfe. Es folgt dann die Erstattung des umfangreichen Gefchäftsbe» richts durch den Vorsitzenden und geht daraus die eifrige Tätigkeit des Vorstandes auf den verschiedenen Gebieten des Verkehrswesens hervor. Der Mitgliederstand hat sich erhalten. Er spricht den Vertretern des Arbeitsausschusses herzlichen Dank für ihre Mitarbeit aus. Die Rechnung wird hierauf genehmigt, der Vorstand entlastet und der neue Haushaltungsplan festge» fetzt. Es wird dann eine Satzungsänderung genehmigt, wonach in den Sitzungen des Arbeitsausschustes von den Vertretern eines Ortes nur einer stimmberechtig: ist. Bei Stimmengleich, heit entscheidet der Vorsitzende Der Vorstand sowie der Ar. beitsausschutz werden biergur wiedergewählt. Ueber die Grün, düng des Südwestdeutschen Handeltzkammerausschustes für das Hotelgewerbe und den Fremdenverkehr hält alsdann Iustizrat Stahl- Dad-Rauheim einen großes Intereste erweckenden Vor. trag. Sehr lehrreich sind die dann folgenden Berichte über die dem Verband angefchlostenen Verkehrs- usto. -Vereine: Ver. kebrs-Ausschuß der Bergstraße, Verkehrsvereine Gießen Bad. Nauheim, Mainz, Bingen, Offenbach. Derkehrsverband der Strecke Darmstadt-Frankfurt in Neu-Isenburg, Verkebrsverein Morms und Darmstadt. Zum Schluß berichtet der Vorsitzende noch über einen von Direktor Sck'macher auf dem Verbandstage in Koblenz gehaltenen Vortrag über die Werbung im Verkehrs- wefea durch Bild und Film. Er wies darauf hin. daß d«q Ausland, besonders Frankreich, schon lange vor dem Krieg die Bedeutung des Films erfaßt und sich auf den verschiedensten Gebieten zu Nutzen gemacht hat. So wurde u. a festgestellt, daß noch während des Krieges von etwa 125 französischen in Deutsch, land vorgeführten Landschaftsfilms noch dreiundachtzig fran- zöfifche Landschaften verführten. Inzwischen hat man auch in Deutschland den Wert des Film? erfaßt und verschiedene Ge. fellfchaften mit ganz bedeutenden Kapitalien, darunter die Deutsche Llcbtsxielaesellschast. sind bestrebt, durch Vorführung geeigneter praktisch ausgewählter Bilder auch Deutschland den ihm zustohend'n Platz zu sichern. Auch der hessische Verkehrs- verband hat entsprecht nde Schritte getan. Mit einem Schlußwort des Vorsitzenden schließt die anregend verlau.fene Versamm- lung, welcher nach einem gemeinsamen Mittagsmahl ein Besuch des Kinos stattfand. wobei verschiedene deutsche Stadtfilme vor, geführt wurden. Ein gemeinsamer Ausflug nach dem Obermald- Haus schloß die Tagung, mit der eine Ausstellung van älteren und neuen Werbeschriften der angefchlostenen Verkehrsvereine, zur Veranschaulichung der schrittweisen Verbesternng der ver. schiedenen Auflagen, ferner eine Sammlung von Ausschnitten, inustergiltiger Derkehrsdrucke aller Art. Karten usw verbunden war. Darmstadt, 27. Sept. Am 25. d M gegen Mittag über- flogen feindliche Flieger die Grenzgebiete unserer Stadt. Die Abwehr trat in Tätigkeit. Soweit bisher festgestellt. wurden Bomben nicht abgemorfen. — In einer der letzten Nächte wur- den in einer Hofreite auf der Mathildenhöhe sämtliche Hühner und Hasen gestohlen. Im Hause der Weinberastraße 49 wurden sämtliche Hasen gestohlen. Weiter wurde auf der Mathildenhöhe ein Wobnungseinbruch verübt und wertvolle Wäschestücke. Kleider, Schuhwerk und Sonstiges gestohlen. Ferner wurde eine Anzahl dreister Kellereinbrüche aus solchen Häusern gemeldet, in denen man größere Mengen von Lebensmitteln ver- mutete. FO. Groß-Gerau. 27. Sept. Eine Eeheimscchlächterei wurde im benachbarten Wallerstädten aufgehoben. Das Fleisch, das zum Teil nach Mainz und Groß-Gerau bestimmt war, wurde beschlagnahmt. Aus dem Gorxheimer Tal. 26. Sept. Der Ehrenfeldschütz Abraham Schmitt überraschte auf seinem Grundstück einen Sol- baten, der einen Apfelbaum plünderte. In den Wortwechsel mischte sich der des Wegs dahcrkommende Soldat Leonhard An- deZ. Auf die Drohung des Andes mit seinem Revolver, gab Schmitt zwei Schüste ab, die diesen im Unterschenkel so schwer verletzten, daß er nach zwei Tagen im Heidelberger akademischen Krankenhaus starb. Gegen Sch., der in Notwehr gehandelt haben will, ist Anzeige wegen Körperverletzung mit tötlichem Ausgange erstattet. Andes war 32 Jahre alt, Witwer und Vater von drei Kindern. AuS Rheinhcsten. FC Worms, 27. Sept. Bei der Traubenlese hatte ein Schulmädchen ausgeholfen. Nach Hause zurückgekehrt, fühlte es heftige Magenschmerzen. Wenige Stunden später war es eine Leiche. Anscheindne war eine Vergiftung durch irgend etwas, was an den Trauben gesesten hatte, eingetreten. Die Familie hat vor einigen Jahren ein anderes Kind durck) Brandwunden verloren. And Hcstcn-Nastau. FO. Wiesbaden, 26. Sept. Die dritte diesjährige Schwur. gerichtZtagung, die am 14. Oktober ihren Anfang nehmen sollte, fällt aus, da kein Verhandlungsmaterial vorliegt. FO. Pfeddersheim, 27. Sept. Eine hiesige Firma verkauft ihr Sauerkraut zu 23 Dtark, die Gemeindeverwaltung das ihrige zu 9 Mark und die Konservenfabrik bietet e» gar schon sür 5 Mark an. FO. Langenschwalbach, 27. Sept. Die Königlichen Mineral, brunnen uird Badeanstalten und das Kurhaus werden cnn 28- September geschlossen. Verantwortlich für den politischen und lokalen Teil: Otto H i r \ d) e l, Friedberg; für den Anzeigenteil: R. H e y n e r. Friedberg. Druck und Verlag der „Neuen Tageszeitung", Ll- G., Friedberg i. H. Herzenskärnpse. L Roman von Helene Schütky, geb. von Gersdorff. t je: (Copyright 1915 by C. Ackermann-Stuttgart.) 4) Nachdruck verboten „Sie sind die Güte selbst, Tantchen", sagte er mit fröhlichem Lachen. Sie hatte ihm diese intime Anrede im engsten Kreise gestattet. Der Kommerzienrat brachte voll Eifer eine kostbare alte italienische Geige herbei, die der Franzose fast mit Andacht aus ihrem wertvollen Kasten nahm. Bald darauf ertönten in dem akustisch gebauten und eingerichteten Musiksalon in prächtigem Zusammenspiel die wundervollen Klänge der Beethovenschen Kreuzer-Sonate. Gleich wahren Wogen des Wohlklangs rauschte das herrliche Tonbild am Ohr der lautlos lauschenden Zuhörer vorüber. Auch der Sohn des Hauses und seine junge Braut, eine schlanke elegante Blondine, Marie von Lienberg, waren während des Spiels leise herangeschlichen. Tief ergriffen hörte Reinhold zu. Er hatte diese großartige Schöpfung Beethovens immer bewundert, aber so bewegt hatte sie ihn noch nie, so ganz verstanden hatte er sie noch niemals, wie heute. Nach Schluß des langen Stückes herrschte zuerst sekundenlanges Schweigen, wie unter dem Dann eines übermächtigen Eindrucks, dann aber gab es laute Bravos, und alle Anwesenden eilten auf die beiden Künstler zu, um ihren Dank und ihr Entzücken in begeisterten Worten auszudrücken. Auch Reinhold trieb es unwillkürlich zu ähnlichen Aeuße- rungen seines Gefühls, doch, seinen Vorsätzen getreu, hielt er sich auch jetzt zurück und stimmte nicht in den Jubel der Andern eüt- 3 . Kapitel. Fn den folgenden Wochen hatte Reinhold einen starken Inneren Kampf zu bestehen. Der lebhafte Eindruck, den das reizende, eigenartige rvsfen von Hilde Antelmann beim ersten Zusammensein auf ihn hervorgebracht hatte, vertiefte sich bei öfterem Sehen, dag sich als unvermeidlich erwies, zu einem großen ihn ganz beherrschenden Gefühl. Wie hätte auch ein so sehr für physische und geistige Schönheit empfänglicher Mensch wie er, einer so seltenen Vereinigung von äußeren und inneren Vorzügen gegenüber, wie sie sich in Hilde verkörperten, gleichgültig bleiben können? Er merkte mit Schrecken, wie sich alle seine Gedanken und Gefühle nur noch um sie drehten, wie er nur noch lebte von einem Wiedersehen mit ihr zum andern, wie alles andre, was nicht mit ihr zusammenging, selbst sein sonst so sehr geliebter Dienst, selbst seine Lektüre, ihn nur noch anödeten. War das Liebe? So hatte er noch nie empfunden, trotzdem ihn der schlimme Schelmengott Amor auch schon öfters mit seinen Pfeilen gestreift, aber nie ernstlich verwundet hatte. Und was sollte daraus werden? Niemals würde er von seinen Grundsätzen abgohen und sich um ein so kolosial reiches Mädchen bewerben, er, der selbst ganz Vermögenslose. Das widerstrebte seinem stolzen, männlichen Selbstgefühl zu sehr. Das hätte ihn vor sich selbst, wie vor der Welt für immer in eine fchiefe Stellung gebracht, die seinem empfindlichen Ehrgefühl unerträglich gewesen wäre. Freilich wußte er ja auch keineswegs, ob es ihm, auch wenn er sich um sie bemühte, gelingen würde, ihre Liebe zu erringen. Er war durchaus nicht so überzeugt von seiner Unwiderstehlichkeit, wie er seinen Erfolgen beim weiblichen Geschlecht nach alle Veranlassung gehabt hätte, es zu sein. Er war eine von jenen seltenen Naturen, die durch Schmeichelei und Weihrauch nicht verdorben werden. Und Hilde vollends schien ihm eine so glänzende Persönlichkeit, daß er auch ohne ihre Millionen kaum den Mut gehabt hätte, sie für sich erringen zu wollen. Auch war er überzeugt, daß er ihr vollkommen gleichgültig sei. was ja auch ganz erklärlich war. da er sich ihr gegenüber nie natürlich gab, sondern immer in seiner kühlen Reserve blieb. Außerdem glaubte er, seinen Beobachtungen nach, fast über- zeugt sein zu dürfen, daß zwischen ihr und Marquis Reymond ein Einvernehmen, wenn nicht schon bestände, so doch als dentz Wege wäre, sich zu gestalten. Daß der Franzose alles aufbot, um sich ihr angenehm zu machen, war für Jedermann ersichtlich. Ihr Benehmen war fteilich wechselnd, zuweilen war sie sehr lieben-, würdig, dann wieder verhielt sie sich ganz gleichgültig, ja. sogar abstoßend gegen ihn. Doch war die Musik allezeit ein Binde, mittel zwischen ihnen, dessen Macht niemals versagte. Während der vielen Stunden, wo die Beiden miteinander musizier, ten, wußte Reinhold oft nicht, was stärker in ihm war: der reine Genuß an der künstlerischen Leistung, das Vergnügen, das heimlich geliebte Mädchen ruhig betrachten und ihr zuhöre» zu dürfen oder der eifersüchtige Groll, daß ein Andrer mit ihr gemeinschaftlich sich in die höheren Regionen der Kunst und Schönheit schwingen durfte, während er selbst ausgeschlossen und unbeteiligt dabei saß? Dazu quälte ihn noch etwas. Er konnte, trotz des glatten, schmeichlerischen Benehmens des Marquis das instinktive Gefühl des Widerwillens, ja, eines leisen Argwohns nicht loswerden, als sei die einnehmende Außenseite nicht echt, sondern nur die Maske, unter welcher sich ganz anderes, vielleicht sogar verderbliche Leidenschaften, verborgen hielten. Und der Gedanke, daß ein Unwürdiger das von ihm so hochgehaltene, wie eine Heilige verehrte Mädchen betören und unglücklich macken könnte, — denn natürlich mußte eine solche Ehe unglücklich w den — machte ihn selbst tief unglücklich, so daß er sich fragte es nicht seine Pflicht sei, aus seiner Reserve heranszutrei Vielleicht, wenn er versuchte, sich ihr zu nähern, würde es ihm gelingen, ihre Achtung, ihre Freundschaft zu erringen und sie vor der ihr drohenden Gefahr zu bewahren. Dann aber ver. spottete er sich wieder selbst: „merkst du denn nicht, Reinhold, daß du dich selbst belügst, daß du nur einen Vorwand haben möchtest, um selbst als Bewerber bei ihr aufzutreten?" Und was für Beweise hatte er denn, daß der Marquis nicht der gute Mensch war. als der er scheinen wollte? Konnte seine Ab' Neigung nicht nur in^ seiner Eifersucht begundet sein? Fortsetzung folgt. Todes-Anzeige. Allen Verwandten, Freunden und Bekannten die schmerzliche Mitteilung, daß uns heute mittag unsere einzige innigstgeliebte Tochter. Schwester, Braut. Kusine und Nichte Lina Ewald tm blühenden Alter von 23 Fahren nach kurzem, schwerem Leiden durch den Tod entrissen worden ist Affenheim, den 27. September 1918. Die tieftrauernden Hinterbliebenen: Bürgermeister Ewald und Frau Adolf Ewald, Leutnant d. Res., z. Zt. im Felde Carl Walter, Leutnant d. Res., z. Zt. im Felder Die Beerdigung findet Dienstag, den 1. Oktober. nachmittags 3 Uhr. hier statt. M-mmrmachnttg Bekanntmachung bei dem seither üblichen Bei uba ?pii'fr9H5 des Ma^versahrr-s. Laut Bechluß der Stadlver- otl! _ en-Vettammlunq, welcher di>rch E oßh. Ministerium des 2n- TK.n genehmigt wurde, soll die iei^e übliche Mahnung für Ge meind^steueru nicht mehr durch besondere Mohn et'el, sondern dar^.- öffentliche Bekanntmachung erfolgen. Es werden deshalb den Schuldnern keine Mahnzettel zu- geitellt, die Mahnung erfolqt dafür durch wiederholte Belannt- m.ichung in den hiesigen Ons- zeitun-m sowie durch Anschlag «n dem für öffentliche Bekanntmachungen bestimmien Platze des S-adthaufes und in der Etadt- Eaffe. 2n der Veröffentlichung tvird genau angegeben, bis zu trelchem Tage die fälligen Steuern ohne Kosten bezahlt werden können. Mahngebühren werden dabei von der Stadtkasse nicht erhoben. Vorstehendes Verfahren findet »ur Auvendung auf die Bei-^ treibungsverfahren. Friedberg, den 27. Sept. 1918. Der Bürgermeister 2. V.: D a m m. Bekanntmachung Bei der am 26. lf. Mts. stattgehabten Auslosung von Obtiga- l onen der städtischen Anleihe vom 11. November 1878 sind folgende Stücke gezogen und zum 1 . Jan. 1919 zur Rückzahlung gekündigt worden: Ltt. A. Nr. 140 und 234, „ B. „ 60 und 78, „ C. 65. Die Stücke können übrigens jetzt schon eingelöst werden, falls die 2nhaber die Beträge durch Ver- mittlung der Stadtkasse für die 9. Kriegsanleihe anlegen. Friedberg, den 28. Sept. 1918. Der Bürgermeister 2. V.: Damm. Nach der Bundesratsverordnung vom 2. September 1918 ist der An- und Verlauf von Saat-Kartoffeln nur bis zum 15. November 1918 gestattet. Zum Zwecke einer Vereinfachung des Versands und der Beförderung hat die Landwirtschaftskammer einen Bezug in Sammel- ladungen empfohlen. 2ch habe daher auf Zimmer Nr. 4 des Stadthauses eine Liste auflegen lassen und stelle den 2nteressenten anheim, durch einen Eintrag in diese ihre Bestellung spätestens bis zum 15. Oktober d. I. zu bewirken. Bei der Bestellung ist anzu- geben, ob *) anerkanntes Saatgut aus den Saatbaustellen oder d) feldbesichtigtes Saatgut gewünscht wird, ferner ob die Lieferung im Herbst oder i« Frühjahr eriolgen soll. Die Entscheidung, ob Herbst- oder Frühjahrslieserung erfolgt, bleibt aber dem Lieferanten überlassen. Bei Lieferung im Frühjahr wird sich der Preis etwas erhöhen. Auch behält sich die Landwirt- schaftskammer vor, anstelle anerkanntes, feldbe sichtigles Saatgut oder umgekehrt, zu liefern, sobald die Lieferung in dem gewünschten Saatgut nicht mehr erfolgen kann. Friedberg, den 26. Sept. 1918. Der Bürgermeister 2. V.: Dam m. Uelchs-Ankauf. Die Gemeinde Ober-Nosbach beabsichtigt einen 18 Monate alten prungfühigen Faselochs anzukau. en. Besser solcher Tiere können hre Offerten bei Unterzeichneter Stelle einreichen. Ober-Nosbachs 27. Sept. 1918. Treßh. Körgermeislerri Vber-K-otzach. D i e f f e n b a ch. Sofort gesucht ein militärfreier landwirtschaftlicher Arbeiter der selbständig Ackern und Fahren kann. Kost und Wohnung im Hause. Lohn nach Uebereinkunst. Dauernde Beschäftigung. Bewerber wollen sich melden bei Ludwig Himmelreich I., Ober- Eschbach bis zum 6. Oktober d. I. 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