Kummer 227 ^ LL Freitag, den 27. September 1V18 v _ 11. Iaqrga ng» r.ic e-antoKituna" -Ilcheint jeden Werktag. Regetmätzige Beilagen ..Der Kauer au« rieffeu». „Die Spinnstube". K-kugspr-is: Bei den Postanstalten viertel,ahrlich Ml. 2.40 " " ' • den Agenten monatlich 9» Psg. einschliehlich Trägerlohn. Anreisen: Grund,,eile Ld Mg.. lokale 20 Mg^ Anzeigen non auswärts werden durch Postnachnahm« Schrittleitnng und Verlas Friedbsrg lSeffsn), hanausrstrahe 12. Fsrnlprscher 48. Postlcheck-Lonto 41t. 4859, Amt FranUnrt a. M. hinzu tritt noch das Bestellgeld; bei erhoben. Erfüllungsort Friedberg. tiu stsllDjlh-WkriliWjljikl AHm!» in di den Argönnen unb der Clfsiüudige Feuervorberettung, der Durchbruch des Feindes Gin WaffenstiUstandsuugebot des bulgarischen r CljilWMßne tntl ;«Wkn Willis. vereitelt. — 20000 Tonnen versenkt. Ministerpräftdenien. Der deutsche Generalstob meidet: W. T. O. «ratze» Aa«p1q«artier. de« 36. September Amtlich. Westlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe Kronprinz Rupprechtz Vorfeldkämpfe an der Lys-Niederung, nördlich vom La Bassee-Kanal und bei Moeuvres. Heeresgruppe Boehn. Heftigem Feuer des Feindes südöstlich von Epehy und bei Bellicourt folgten nur Teilvorstöße, die abgewiesen wurden. Zwischen dein Omignon-Bach und der Somme setzte der Feind seine Angriffe fort. Der erste Ansturm brach in den: zusammengefaßten Feuer unserer Artillerie und Infanterie zusammen. Das Schwergewicht der am Vormittage mehrfach wiederholten Angriffe richtete sich gegen die Höhe zwischen Pontruet und Gricourt. Vorübergehend faßte der Feind auf ihr Fuß; im Gegenstoß nahmen wir sie wieder. Am Nachmittage setzte der Feind zwischen Francilly und der Somme «rneut zu starken Angriffen an, die bis auf kleine Einbruch, stellen abgewiesen wurden. Wir machten hier in den beiden letzten Tagen mehr als 300 Gefangene. Heeresgruppe Deutscher Kronprinz. Bei örtlichen Angriffsunternehmungen nördlich von Alle- mont (zwischen Ailette und Aisne) machten wir Gefangene. Nördlich von Vailly schlugen wir Leilangriffe des Gegners ab. Heeresgruppe Herzog Älbrecht. Oestlich der Mosel wurde ein Teilangriff des Feindes abgewiesen. Die dort kämpfenden Truppen der 31. Landwehr-Brigade nahmen im Gegenstoß 50 Franzosen und Amerikaner gefangen. Aus feindlichen Geschwadern, die Frankfurt a. M. und Kaise-rslautern angriffen, wurden 7 Flugzeuge abgeschossen. Der Erste Gencralquartiermeister: Ludendorff« Abendbericht. Berlin, 26. Sept, abends. (WB. Amtlich.) In der Champagne und zwischen den Argonnen und der Maas haben auf breiter Front französisch-amerikanische Angriffe nach elfstündiger Feuervorbereitung begonnen. Der Durchbruch des Feindes ist vereitelt. Der Kampf um unsere Stellungen dauert an i H esinmiiigen sind wohlfeil - Morte erschüttern nur die Luft; Erft die T a t zeigt den Mert! Deine Dar sei die „Neunte"! Der österreichische Generalstab meldet: Wien, 26. Sept. (WB.) Amtlich wird verlautbart: Keine giotzeren Kampfhandlungen zu melden. Der Chef des GeneralstabeS. Der bulgarische Generaiftab \ —- — meldet: —' Sofia, 23. Sept. (WB.) Grneralstabsbericht. Mazedonische Front: Im oberen Stumbi-Tale drangen stnsere Stoßtruppen in feindliche Gräben ein, von wo sie mit hen Gefangenen zuAHehrten«^ Ast tzer Mokra Bl anina Das entschiedene „Nuß" UnsereZeit foräerl straffste Anspannung aller Kräfte, wirkllchkeitssinn unä verstänänis für äas unbeäingt Nötige. Kein Zweifel an unserer Sache darf äie Herzen beschleichen, keine Stimme äer Selbstsucht unä äes Kleinmutes öehö'r finäen, wenn äie Pflicht ruft. Nur eine Aufgabe erfülle uns ganz: „Dem Vater- lanäe nützen unä zum Stege verhelfen!" // und bei Tfchervena Stena wurden mehrere feindliche Sturmabteilungen durch Feuer zerstreut. Nördlich von Bitolia griffen feindliche Bataillone nach heftiger Artillerievorbereitung unsere Stellungen an. wurden aber mit beträchtlichen Verlusten zurück- gewiefen. An der Cerna-Mündung verstärkte sich die Feuer- tätigkeit. An der übrigen Front mäßige Kampftätigkeit. Nördlich von Bitolia warfen feindliche Flieger Bomben auf Mili- tarlazarette, die deutlich erkennbar die üblichen Abzeichen trugen. • Sofia» 24. Sept. (WB.) Eeneralstabsbericht. Mazedonische Front: Westlich des Ochrida-Sees war das beiderseitige Artilleriefeuer zeitweise ziemlich heftig. In der Gegend von Bitolia griffen feindliche Einheiten mehrmals erbittert unsere Stellungen an; sie wurden aber blutig abgewiesen. zum Teil nach Handgemenge. Mehrere unverwundete französische Gefangene blieben in unserer Hand. Nördlich der Tscherna zogen sich unsere Einheiten ungestört vom Feinde planmäßig auf die Dabunaberge zurück. Bei Kriwolak griff der Gegner mit starken Kräften an. Der Kampf ist noch im Gange. Das türkische Hauptquartier - meldet: Konstantinopel, 24. Sept. (WB.) Generalstabsbericht. An der Palästlnafront nahmen unsere Bewegungen den geplanten Verlauf. Der Engländer folgt nur schrittweise. Sonst nichts Neues- 20 000 Tonnen versenkt. Berlin, 25. Sept. (WTB. Amtlich.) Zm Sperrgebiet um England und im Atlantik versenkten unsere U-Boote 20 000 Bruttoregisftrtonneu. Der Chef de- Admiralstabes der Marine. ü Kopenhagen, 25. Sept. Aus London wird telegraphiert: Der norwegische Dampfer „Prima" wurde versenkt. Er war requiriert: soweit bekannt, waren keine Norweger an Bord. Die deutschen U-Boote an der amerikanischen Küste. Berlin» 25. Sept. (WB.) Den Berichten über die deutschen U-Vootoperationen an der amerikanischen Küste ist nach amerikanischen Blättern folgendes hinzuzufügen'. Die „New Pork Times" vom 14. August meldet, daß fett dem ersten Erscheinen des Tauchbootes in den amerikanischen Ee- wäffern vom 18. Mai bis zum 23. August zusammen 31 Schiffe versenkt wurden. Die zunehmende Häufigkeit der Angriffe um die Mitte des August erregte den allgemeinen Unwillen und gab, der genannten Zeitung zufolge, am 14. August zu einer langen Kabinettssitzung Anlatz. An dem gleichen Tage wurden der Fischereischooner „Karl Wettie" und der norwegische Dampfer „Commerstad" (3875 T.) versenkt, der seit Mitte Mai das zwölfte norwegische Opfer war. „Evening Post" vom 16. August meldete die Vernichtung des brasilianischen Motorschiffes „Madrugada" (1613 T.) unweit Norfolk. Der „New Pork Times" vom 22. August zufolge richtete die bereits erwähnte deutsche Prise „Triumph" auf den Neufundlandbanken einen erheblichen Schcchen an. Siq vernichtete nach einer Montrealer Meldung die im ganzen neun Schooner zählende Fischereiflotte der Maritime Fish Corporation. Das sie begleitende Tauchboot versenkte den Schooner „Delagarde". Im Senat erhob man Vorwürfe gegen die Marineleitung, weil sie der U-Boote nicht Herr zu werden vermöchte. Der Vorsitzende des Marineausschuffes Lodge versicherte, datz alles M ihrer Bekämpfung geschehe. Einer Meldung der „Affociated Pretz" vom 23. August zufolge wurde weiter der englische Dampfer „Diemed" (4700 X) nach einem kurzen Feuergefecht vernichtet. » Die „New Port Times" vom 21. August erwähnt die kurz zuvor unweit Halifax erfolgte Versenkung des Petroleumdampfers „Luz Bianca" und meldet die Versenkung von vier amerikanischen Fischereischoo« nern bei Miquel en OZland. An Versenkungen amerikanischer Schiffe in den fremden Eewäffern wurden bekannt gegeben: Am 21. August „Monlanan" (6659 T.), am 23. August Transportschiff „Lake Eden", Frachtdampfer ..Mast Bridge" (8800 T.) und Dampfer „Cubera" (7300 T). Die Fage im Westen. Rotterdam» 26. Sept. Pariser Blätter veröffentlichen Mitteilungen aus dem Hauptquartier über die Besprechung dez Marschalls Fach mit den Führern des Heeresausschuffes der Kammer. Marschall Foch soll daraus hingewiefen haben, datz noch schwere Zeiten bevorstehen, datz die Deutschen bisher nicht nledergezwungen seien und in der nächsten Zeit auch kaum niedergezwungen werden könnten, und datz durch den Wiederbeginn des Grabenkrieges kaum Hoffnungen auf eine Entscheidung in diesem Jahre gegeben seien. Die „Humanitee" meldet: Die sozialistischen Mitglieder des Heeresausschuffes haben die Reise in das Hauptquartier auf Einladung Fochs nicht angetreten. Die deutsche Westfront fester geworden. Zürich, 26. Sept. Wie der „Zürch. Tagesanz." meldet, zeigt es sich seit mehreren Tagen deutlich, datz ttotz der heftigen Anstürme der Engländer und Franzosen gegen die deutsche Westfront diese eher fester geworden ist. Die Siegfriedstellungen haben seit zwei Wochen ihren vollen Wert bewiesen und de« deutschen Heeren auf jeden Fall, selbst wenn ein weiterer Rückzug geplant sein sollte, wertvollen Zettgewinn verschafft. Kein leichter Sieg. Genf. 26. Sept. Das „Echo de Paris" meldet: Dir Besprechungen der parlamentarischen Armeekommission haben an der Front stattgefunden. General Foch gab eine Uebersicht über die gesamte militärische Lage. Er ttat der Annahme ganz entschieden entgegen, datz ein leichter Sieg über die Deutschen zu erringen sei. Seine Aufgabe sei es, das von den Deutschen besetzte Gebiet zu befreien. Die Hoffnung auf ein baldiges Ende, auf ein Ende noch in diesem Jahre könne er keinesfalls teilen, Die kWlilche Offenßve in siaMina. Englischer Bericht aus Palästina vom 25. September:' Oestlich des Jordan nähern sich unsere Truppen Amoran in der Verfolgung des Feindes, der sich in dieser Richtung zurückzieht. Nördlich dieser Station wurden durch arabische Streitkräfte bedeutende Zerstörungen an der Eisenbahn ausgeführt. Andere arabische Streitkräfte bedrängen den Fein- der sich nördlich von Waan zurückzieht. Die Gesamtzahl der Gefangenen erhöhte sich auf über 40 000. Nicht weniger alD 260 Geschütze wirrden erbeutet. Haag, 25. Sept. Der Pariser Korrespondent der „Times" meldet: Wie der „Temps" aus London vernimmt,' stehen die englischen Truppe«, durch eine Abteilung Franzosen unterstützt, jetzt cm der Grenze von Syrien. Die englisch-französische Uebereinkunft von 1916, nach der die Bevölkerung zur Selbstregierung vorbereitet werden soll, wird ehrlich durch Englünd erfüllt werden. Die praktische Ausführung dieser Uebereinkunft soll in Kürze Gegenstand, einer Besprechung bilden. Ci« WaffelistWan-sangkliol -es lrnlMWn Ministerpräßdenten. Berlin, 26. Sept. Es liegen Nachrichten vor, wonach von dem bulgarischen Ministerpräsidenten Malinow an den Führer; -er geften Bulaarien s veriererch»». EMntejrupLW Las Angebot eines Waffenstillstandes gerichtet worden sek. Wie gemeldet wird, ist Herr Malinow mit diesem Angebot auf eigene Hand, ohne Zustimmung des Königs, des Parla- ments und der bulgarischen Heeresleitung vor gegangen. In den bundestreuen Kreisen Bulgariens hat dieses Vorgehen Malinows große Erregung hervorgerufen. Militärische Maßnahmen zur kraftvollen Unterstützung der bulgarischen Front sind im Gange. Eine Gegenbewegung gegen den Ministerpräsidenten Malinow macht sich, nach den letzten Nachrichten ans Sofia zu urteilen, bereits geltend. Die Kirsche Antiosringte an Durian. Konstantinopel, 25. Sept. (WB.) Meldung der Agentur Milli: Die Note, die die kaiserlich türkische Regierung in Beantwortung der Note des Außenministers Grafen Burian der österreichisch-ungarischen Regierung tibermitteln ließ, hat folgenden Wortlaut: Unterzeichneter Botschafter der Türkei beehrt sich, die Note der kaiserlichen und königlichen Regierung vom 14. September wie folgt zu beantworten: Der von der kaiserlichen und königlichen Regierung an alle kriegführenden Staaten gerichtete Vorschlag, in einem neutralen Land einen vertraulichen und nicht obligatorischen Meinungsaustausch über die Grundsätze eines dauerhaften und ehrenvollen Friedens zu führen, entspricht vollständig der 'Auffassung der kaiserlich ottomanischen Regierung, die sie einvernehmlich mit ihren Verbündeten wiederholt zu bekunden nicht ernwngelte. Infolgedessen spricht die kaiserliche Regierung den Wunsch aus, daß dieser neuerlich von der kaiserlichen und königlichen Negierung unternommene, von hohem Menschlichkeitsgefühl und aufrichtigem Versöhnungsgeist ein- gegebene Schritt zur Vorbereitung des Bodens für einen gerechten und dauerhaften, die ganze Welt umfassenden Frieden, bei unfern Gegnern die besten friedlichen Dispositionen finde. Der Unterzeichnete hat die Ehre, im Nannn der kaiserlichen Regierung zu erklären, daß die Hohe Pforte bereit ist, andern vorgeschlagenen Gedankenaustausch teilzunehmen. Asten den Asiaten. Rotterdam, 25. Sept. Die „Times" melden ans Peking: In China herrscht ein vollständiges Durcheinander. Wie die chinesische Preffe mitteilt, hat der englische Gesandte in Peking im Ministerium des Aeußern die Vermittlung Englands und Amerikas angeboten. Die „Times" drängen darauf, daß die Vermittlung in China nicht einer einzelnen Macht — Japan! j — anvertraut werde, sondern daß sich die Verbündeten zu einer gemeinsamen Unternehmung zusammenfinden. Gleichzeitig wird aus Bern Folgendes gemeldet: Amerikanische Blätter.veröffentlichen Auszüge aus einem aufsehenerregenden Aufsatze des bekannten japanischen Zeitungsbesitzers Tokutomi. Darin heißt es: Das Erwachen Asiens bedeutet die Errettung Chinas, Sibiriens und Indiens. Japan ist vom Schicksal dazu ausersehen, diese ungeheure Bevölkerung zu führen und zu leiten. Wohl mag Indien weit sein und Sibirien nicht um japanische Hilfe rufen. China aber ist nahe und bedarf aller Tatkraft Japans. Japan muß darauf sehen, daß trotz der Verpflichtungen des Verbandes, die aus der gemeinschaftlichen Sache erwachsen, Asien den Asiaten Vorbehalten bleibt. darkarei der Tlchchg-dlomkkn. Moskau, 21. Sept. Die Petersburger Zeitung „Prawda" bringt folgenden Bericht eines Genossen, der jetzt nach längerem Aufenthalt in Samara und Ufa zurückgekehrt ist. Wie bekannt, wurden die Kinder der Proletarier im vergangenen Frühjahr in die Erholungsheime der Gouvernements Ufa, Samara und andere getreidereiche Gegenden gesandt. Als der tschechische Aufstand losbrach und diese die Eisenbahnen abschnitten, hatten wir leider keine Zeit, die Kinder zu evakuieren. Die Tschechen, die sich anfänglich mit ihrer Korrektheit brüsteten, enthüllten bald ihr richtiges Antlitz. Obwohl sie stets betonten: „Wir sind nicht Soldaten der Roten Armee, fürchtet euch nicht", ließen sie ihre Wut an den unschuldigen Kindern der Petersburger Arbeite'- und an dem Personal der Erholungsheime aus. Die korrekten Herren Tschechen begreifen nicht, daß Kinder keine Verantwortung für ihre Väter tragen! Ihr erstes Werk war es, . das Lehrer- und wirtschaftliche Personal zu ermorden, wobei sie diese auf entsetzliche Weise verstümmelten. Ferner beschlagnahmten sie das für den Unterhalt der Kinder bestimmte Geld und verteilten nur neunzig Kopeken pro Kopf täglich, wodurch die Kinder gezwungen waren, zu hungern und viele von diesen (6 Prozent) an Unterernährung zugrunde gingen. Eine besondere Kommission, die unter dem Schutze des dänischen Konsulats steht, hat sich nun in das von den Tschecho-Slowaken besetzte Gebiet begeben, um eine Einigung über den Rücktransport der Kinder zu erzielen. Die deutschen Kolonien für Hilfe au den Sowjet. Moskau, 20. Sept. Alle Arbeiter-Deputierten-Räte der örtlichen deutschen Kolonien haben einstimmig beschlossen, den ganzen Brotüberschuß. nach Moskau und Petersburg zu schicken. Ukraine. Kiew, 25. Sept. (WB.) Aus offiziellen deutschen Kreisen wird gegenüber den Gerüchten, daß in der Ukraine eine Einberufung e-cfolge und die Einberufenen an die deutsche Westfront gehen sollen, erklärt, daß Deutschland nirgends im besetzten Gebiet auch nur einen Soldaten einbe- ruten habe. Ein derartiges Vorgehen in der befreundeten Ukraine, wo Deutschland nur sei, um Ruhe und Ordnung Herzu stellen, sei ausgeschlossen. r Amerikanische Methoden. In der „Victoire" Nr. 939 malt ein Vorkämpfer der „Zivilisation und Menschlichkeit" unter der Ueberschrist „Amerikanische Methoden" mit Behaglichkeit die Mittel aus, mit denen in den Vereinigten Staaten der Kampf gegen das wirkliche oder vermeintliche Deutschtum geführt wird. „Unsere Techniker", schreibt dieser ritterliche Franzose, „sind voll Bewunderung für die Methoden unserer amerikanischen Freunde. Ich wäre entzückt, wenn auch unsere Politiker von ihnen lernten. Wenn z. V. die Deutschenfreunde in Amerika ihre schlechte Gesinnung nicht ändern, werden sie eines Nachts von etlichen Sendboten aus dem Bett geholt, sie muffen jeden Stern des amerikanischen Banners küssen, zum Schluß werden sie geteert und gefedert und an die Grenze des Territoriums geschafft, mit dem Verbot zurückzukehren. Dieses Verfahren erzielt herrliche Erfolge, nicht nur bei schlechten Naturen, sondern auch bei hervorragenden Gelehrten und Geistlichen. Wozu verhehlen, daß dies für uns einen eigenartigen Reiz hat? Wie wäre es, wenn Herr Longuet (ein Führer der Minderheitssozialisten) in sehr viel Teer und sehr wenig Federn gerollt und in diesem Aufzug an die Schweizer Grenze gebracht würde?" — Es ist an der Zeit, daß die Franzosen sich den Kampfgebräuchen ihrer Wasfengenos- sen, der Sioux und Irokesen, anpaffen, da ihre öffentliche Meinung bereits von Apachen gemacht wird. Ulilion üfiörnnat ssiißland m Siikinrriy. Nach dem Neuyorker „Journal of Commerce" wurden die Flotten der in amerikanischen Küstenplätzen beheimateten englischen Dampferlinien, welche den Verkehr nach Südamerika vermttelten, von England beschlagnahmt; die dann als Ersatz dienenden Schiffe wurden zurückgezogen, als die Gesamtkontrolle der neutralen.Schiffe auf den Verband überging. Jetzt haben die Vereinigten Staaten überschüssigen Schiffsrauin, bei dessen Verteilung an Privatfirmen die englischen Linien auf Berücksichtigung hofften. Hierin haben sie sich getäuscht. Das Schiffahrtsamt hat die englischen Firmen benachricbtigt, daß sie auf keine amerikanische Tonnage rechnen könnten. Die englischen Gesellschaften nehmen folgenden Standpunkt ein: Unsere Schiffe sind von unserer Regierung beschlagnahmt; sie fahren für den Verband, also auch für die Vereinigten Staaten. Tatsächlich werden viele unserer Passagierdampfer für den Transport amerikanischer Soldaten gebraucht. Die englische Regierung, weit davon entfernt, Stellung gegen amerikanische Firmen zu nehmen, hat ihnen sogar Schiffe zugewiesen. Wir haben jahrelang Erfahrung in der Südamerikafahrt, besitzen in Südamerika große Anlagen und straffe Organisation, und konnten daher bessere Dienste tun,-als diese neuen Firmen, welche sich nie um den südamerikanischen Handel bemüht haben. Amerikanische Schrffahrtskreise sind mit der Verfügung des SchiffahrtsamteS sehr einverstanden. Vor dem Kriege befaßten sich amerikanische Reeder wenig mit Südamerika. Der ganze Verkehr lag in deuffchen und englischen Händen. Es ist somit von der größten Wichtigkeit, daß die Vereinigten Staaten jetzt Erfahrungen sammeln, um nicht nach dem Kriege dem Wettbewerb unvorbereitet und ungerüstet gegenüberzustehen. Aus - dem Peilhsilisisliailpilinsilhuß. Der Reichskanzler eröffnte die Reihe der Aussprachen mit einer längeren Erklärung, worin er die Klagen über die Beschränkung des Vereins- und Dersammlungsrechts für berechtigt erklärt, namentlich im Hinblick auf die WahlrechtZfrage. Er erklärte, es sei Abhilfe geschaffen. Nach dieser Verbeugung vor der „Mehrheit" mahnte er zur Einigkeit. Abg. Graf W e st a r p : Verstimmung und Kleinmut gehen über das berechtigte Maß weit hinaus. In landwirtschaftlichen Kreisen beruhe die Verstimmung auf der Zwangswirtschaft, die nach dem Diktat der Gewerkschaften geführt wird. . Für die Durchsuchungen fehlt jeder Rechtsschutz und man soll die Erregung der landwirtschaftlichen Kreise nkcht unterschätzen. Die jetzige Tagung des Hauptausschuffes ist nicht geeignet, eine Besserung in der politischen Lage herbeizuführen. Ich habe erst durch die Preffe von der Absicht erfahren, den Hauptausschuß einzuberufen, sonst hätte ich Widerspruch erhoben. Die Preffe war es, die den Eindruck einer Regierungskrise erweckte. Das mußte nach außen schädlich wirken. Es handelt sich jetzt um das Bestreben einer Fortsetzung der Demokratisierung und der Parlamentarisierung. Unsere Feinde begrüßen das aus naheliegenden Gründen, weil unsere Kampfkraft dadurch geschwächt wird. Ist die jetzige Stunde aber dazu geeignet? Nach unserer Meinung wirkt das Drängen nach Demokratisierung kriegsverlängernd. Wie kommt die Sozialdemokratie dazu, für ihren Eintritt in die Negierung Bedingungen zu stellen? Wer hat sie denn dazu aufgefordert? Darüber müffen wir Auskunft erhalten. In andern Landern »erfährt die Sozialdemokratie anders. Dort stellt sie ihre Parteiforderungen zurück. Bei uns aber blüht der Weizen der Sozialdemokratie. wenn es dem Vaterlande schlecht geht. Der Kern der ganzen Bestrebungen ist, daß die Negierungsgewalt an einen parlamentarischen Vollzugsausschuß übergehen soll. Dem soll zunächst die Aufhebung des Artikels 9 der Nelchsver- fasiung dienen. Würde der Artikel aufgehoben werden, dann würden die verbündeten Regierungen die Regierungsgewall zugunsten einer Parlamentsherrschast verlieren. In gleicher Richtung liegt der Kampf gegen die sogenannte Nebenregierung, das heißt die Oberste Heeresleitung. Wir lehnen grundsätzlich die Parlamentarisierung ab, namentlich aber auch jetzt, weil sie unsere Feinde stärken würde. Wir würden damit auf die schiefe Ebene des Friedens um jeden Preis geraten, und das ist das Bedenkliche. Der erste Schritt auf dieser Bahn war die Friedensnote Oesterreich-Ungarns, aber auch schon Staatssekretär Solf und Vizekanzler v. Payer hatten sich auf die schiefe Ebene des Verzichts begeben. Die Rede des Herrn v. Payer h Stuttgart war zweifellos ein neues Friedensangebot, das unsere Unterhändler zum Beispiel hinsichtlich Belgiens bei dem Frieden binden würde. Wir halten hinsichtlich Belgiens und einer Kriegsentschädigung an unserer bisherigen Stellungnahme fest. Nach unserer Meinung handelt es sich da um Staatsnot- wendigkeiten; Belgien daff nicht ein Vasall unserer Feinde werden. Zu unserer Forderung einer Kriegsentschädigung kommen wir, weil Deutschland die Kriegslasten nicht ttagen kann. Der uns gemachte Vorwurf der Kriegsverlängerung ist unberechtigt. Kein Verzicht bringt uns dem Frieden auch nur einen Schritt näher. Der Feind muß gezwungen werden, unsere Staatsnotwendigkeiten anzuerkennen. Die Zeit für neue Friedensangebote ist nicht da. Vielleicht war für die Stuttgarter Rede des Herrn v. Payer die Rücksicht auf innerpolitische Verhältnisse maßgebend. In Wirklichkeit aber hat die Rede die Situation im Innern nicht gehoben. Tagtäglich erleben wir weitere Schritte auf der schiefen Ebene. Ich weise nur auf das Buch Erzbergers und auf die sozialdemokratischen Bedingungen hin. Es ist sehr bedenklich, jetzt die Entscheidungsfrage für Belgien aufzuwerfen. Die Ausführungen des Vizekanzlers über den Ostsrieden waren in formaler und materieller Beziehung durchschlagend. Finden die Randstaaten keinen Anschluß an Deuisch- land, so geraten sie unter englischen Einfluß. Wir wünschen, daß mit der Regelung der Verhältniffe im Osten fortgefahren wird Die Gefahr, daß dynastische Intereffen ausschlaggebend sind, be- steht nicht, ebensowenig teilen wir die Bedenken gegen die Personalunion. Der Ansiedlungserlaß Hindenburgs findet unsere Billigung. Das Angebot der Ritterschaft ist hochherzig und dankenswert. Wir müffen in Polen dafür sorgen, unsere militärische Grenze günstiger zu gestalten. Hinsichtlich Finnlands verstehe wir die Aufregung nicht. Selbstverständlich tut der deutsche Fürst, was er tut, auf seine Gefahr. Ein Schritt auf der schiefen Ebene ist auch die Forderung einer Autonomie für Elsaß-Lothringen. Auch das wäre ein Entgegenkommen gegen die Wünsche des Auslandes. Würde Elsaß-Lothringen Deutsch, land genommen, so hätte Wilson, was er beabsichtigt, das deutsche Kalimonopol gebrochen. Der Gedanke eines Völkerbundes ist gleichfalls ein Schritt auf der schiefen Ebene. Gewiß ist es ein schöner Gedanke, aber die Erfahrungen des Krieges sollten warnen. Ferner find die Schwierigkeiten ungeheuer, wenn man den Plan durchdenkt. Einen einmal bestehenden Zu. stand für alle Zeiten festzulegen, setzt voraus, daß ein bestimm, ter Zustand auch vorhanden ist. Das aber ist nicht der Fall Durch einen solchen Völkerbund würden die aufstrebenden Völker zur Untätigkeit verurteilt werden. Uns wird zugemutet. mit unseren Feinden zusammen zu gehen, die unsere Existenz vernichten wollen. Die Vorherrschaft der Sozialdemokratie bringt uns zu einem Frieden um jeden Preis. Wir müffen kalt- blüttg und entschloffen zusammenstehen. Auf die Einigkeit kommt jetzt alles an Jetzt geht es nicht um einzelne Kriegsziele, sondern um den Schutz von Heimat unh Herd. Darin cber sind w«, alle einig. Hinzutreten muß die volle Zuversicht, die sowohl in den Tatsachen wie in den Mitteilungen, die wir erhalten h -ben begründet ist. Mir können den Verteidigungskrieg ersolgr-'ick) weiterführen. Das Vertrauen des Heeres zu seinen Führern ist unerschütterlich. Die Durchführung des Rückzuges war die glänzendste Probe für die Tüchtigkeit unseres Heeres. Auch die Ausführungen des Vertteters des Reichsmarineamts rechtfertigen volles Vertrauen. Der Vorsitzende Abg. Eberl verwahrt sich gegen den Vorwurf de Grafen Westarp, daß entgegen der Vereinbarung im Aeltestenral der Ausschuß zusammenberufen wordn sei. ohne Rücksprache mit den Vorsitzenden der Fraktionen. Abg. Frhr. v. Ga mp (D. Fr.): Auch wir bedauern die Einberufung des AussclMes, die wir nicht für nützlich halten. Der Vorredner irrt, nicht die Gewerkschaften sind schuld an den die Landwirtschaft bedrückenden Verfügungen, sondern die Bureaukratie. Mit der Frage der Parlamentarisierung hat der Vizepräsident des preußischen Staatsministeriums jongliert. Was will man denn eigentlich? Man muß doch die Verfassung beachten. Ein Weltkrieg ist nicht die Zeit, um die Reckte des Parlaments zu erweitern. In den feindlichen Ländern hat man umgekehrt Diktaturen geschaffen. Was an Beschwerden vorgebracht worden ist, waren Quisguilien. Mit dem größten Teil der Rede des Vize- kanzlers sind wir einverstanden. Es liegt im deutschen Interesse, daß die Randstaaten nicht in schwache Hände geraten. Die Autonomie Elsaß-Lothringens würde die Schwierig- keilen noch vermehren. Bei Schaffung eines Völkerbundes würde es schwer sein, unparteiische Sachverständige für Streitfälle zu finden. Die engste Verbindung der politischen und militärischen Leitung ist eine» dringende Notwendigkeit. Hinsichtlich der Wahlrechtsfrage haben die Gegensätze eine-^ Milderung erfahren. Jedes Drängen würde die Der- ftändigung erschweren. Die deuffche Kraft wird uns auch über die gegenwärtige Lage hinweghelfen. Ledebour (Unabh.) sprach gegen den Reichskanzler, mit dem eigentlich nur die Rechte zufrieden sei. Für Belgien müsse die deutsche Regierung volle Entschädigung leisten. Der Kampf zwischen Flamen und Wallonen in Belgien ginge uns nichts an. S e y d a (Pole) verttitt die bekannten polnische,» Forderugen. Die Sitzung wird sodann auf Fr-eitag vertagt. Zusagen des Reichskanzlers. Berlin, 26. Sept. (WB.) In der heutigen Sitzung des Ha-uptausschusses des Reichstages stellte der Reichskanzler eine Beseittgung der auf dem Gebiete der Zensur und des Vereins- und Versammlungsrechtes zutage getretenen Miß- stände in Aussicht durch ein Eingreifen der Kommando- Gewalt oder eine Aenderung der bestehenden Gesetzgebung oder endlich durch Einfügen ausreichender bürgerlicher Elemente in die lehlich zur Entscheidung berufenen militärischen Stellen, Bis zun, nächsten Zusammentritt im November werde eine allen LereWgten Klagen entsprechende Aenderung in die Wege geleitet sein. mt Sfiiit das Dückarat des hknes. Dauzig, 25. Sept. (WV.) Auf eine von den Vertretern der ostdeutschen Presse gelegentlich einer Pressebesprechung an Generalfeldmarschall v. Htndenburg gerichtete Drahtung traf folgende Antwort ein: Der Gruß der Männer aus der Ostmark hat mich und General Ludendorff sehr erfreut. Möge die Mitarbeit der deut- scheu Presse an der bedeutungsvollen Pflicht, die Zuversicht und den Siegeswillen zu erhalten und zu pflegen, von vollem Erfolg gekrönt sein. Die Heimat ist das Rückgrat des Heeres. Die Heimat und das Heer wird Ihnen für Ihr Wirken danken. Die Friedenshand will der Feind nicht und darum steht Deutschland um so fester zusammen. Der Gegner Ansturm wird an diesem Fels zerschellen. 'Ttv fjttilct* in Kiel. Kiel, 25. Sept. (WB.) Der Kaiser ist hiev-heute vormittag eingetroffen. Mittags begab er sich nach dem Exerzierplatz in der Wik. wo Abordnungen aller Truppenteile der Garnison Aufstellung genommen hatten. In einer Ansprache erinnerte der Kaiser daran, wie er in früheren Jahren oftmals hier in Kiel geweilt vnd bei zahlreichen Vereidigungen Gelegenheit gehabt habe, die jungen Mannschaften an ihre Pflicht gegen das Vaterland zu erinnern. Coronet, Skagerrak sowie die tapferen Vorstöße unserer Torpedoboote gegen die feindliche Küste hätten bewiesen welcher Geist in der Flotte bernd-ie. Die Ruhmestaten der Flotte seien denen der Armee gleichwertig. Der Kaiser überbrachte sodann die Grüße der an der Westfront kämpfenden Kameraden und forderte zum Schluß auf, dafür zu sorgen den U-Bootkrieg in voller Wirksameit zu erhalten, damit den Truppen an Land auch weiterhin geholfen und ermöglicht werde, den schweren Kampf mit Erfolg durckzufübren > Der Nachmittag war Besichtigungen auf der Kaiserlichen Werft gewidmet. Auch hier wandte sich der Kaiser mehrfach an Arbeiter und Arbeiterinnen zu eingehendem Gespräch. Auch beim Besuch der Torpedowerkstatt in Friedrichsort sprach der Kaiser mehrfach Beamte, Angestellte, Arbeiter i*nb Arbeiterinnen an. Kiel, 25. Sept. (WB.) Der Kaiser begibt sich heute von Kiel nach Eckernsörde. wo Hebungen der il-Bootschule stattfinden werden. Die Rückkehr nach Kiel ist für heute abend 6 Uhr vorgesehen. Kn GdanlUim-AnstaM. Berlin, 24. Sept. (WB.) Die französisch« Regierung halt« wie erimrerlich, den in Bern vereinbarten großen Austausch Kriegsgefangener und Zivilinternierter willkürlich eingestellt, als erst wenige Austauschzüge in Deutschland einqetroffen wa-ien. Im Interesse der schwergeprüften deutschen Kriegsgefangenen und Zivilinternierten und ihrer Angehörigen wurden von der ; deutschen Regierung sofort alle Schritte unternommen, um eine baldige Wiederaufnahme des Austausches durchzusetzen. Das Ziel ist erfreulicherweise bereits zumteil erreicht. Ein Aus- taufchzug mit Kriegsgefangenen aus Frankreich wird am 26. d. M. an der deutschen Grenze eintreffen. Vom 8. Oktober ab sollen wieder von deutscher und französischer Seite wöchentlich . je zwei Züge mit Kriegsgefangenen abgelassen werden. Es ist zu hoffen, daß in Zukunft erneute Störungen des segensreichen Liebsswerks nicht Vorkommen werden und daß auch der Aus- iausch von Zivilinternierten baldigst wieder ausgenommen werden wird. Eegkn dss Mn "aß rwn ^r^fin^atlanrn! Eine Knndgebvng des Hanfabnndes. Berlin, 24. Sept. (WB.) Eine Kundgebung für den so- ' fortigen Abbau der Kriegswirtschaft nach dem Frieden und für J die Freiheit der Wirtschaft veranstaltete am Dienstag abend in der Philharmonie auf Veranlassung und pnter Mitwirkung ; von 94 wirtschaftlichen Verbänden der Hansabund für Gewerbe, Handel und Industrie. Geh. Iustizrat Prof. Rießer wies auf den Ernst und das Gebot der Stunde hin. Es sei des deutschen Volkes nicht würdig, nach vier Jahren unerhörter Leistungen unserer Kamns-'c bei einem vorübergehenden Rückschlag an der Front die zuversichtliche Stimmung zu verlieren. Die neunte deutsche Kriegsanleihe müsse darum den überwältigenden Beweis liefern, daß die Heimat mehr denn je unerschütterlich vertraue auf Deutsch- j lands siegreiche Verteidigung und die Behauptung seiner freien Wirtschaft nach dem Kriege Das deutsche Volk müsse aber ver- .langen, daß sein harter Kampf nicht dauernd und in immer größerem Maße durch unzählige Verordnungen und Zwangsvorschriften unnötig erschwert werbe. Iustizrat Dr. Waldfchmidt (Berlin) wies auf die Gefahr hin, die dem wirtschaftlichen Liberalismus daraus erwachse, baß sich die Forderungen der Sozialdemokratie, die Lehren der Staatssozialisten und gewisse Traditionen des allpreußischen Antertanenstaates zusammengefunden haben, um auch nach dem Kriege Zwangsorganisationen für die Beschaffung und die Verteilung von Robstosten, die Erzeugung und den Vertrieb von Fabrikaten zu schaffen. Er empfahl dringend, die Beschaffung und den Vertrieb von Rohstoffen sofort nach Friedensschluß dem freien Handel zu überlassen, da von den meisten genügende Mengen auf dem Weltmärkte vorhanden sein würden und die deutsche Währung nur durch Besserung der Handelsbilanz, durch Schiffahrt für ausländische Rechnung, durch Ausländsanleihen vnd private Kreditbeschaffung gebessert werden könne. Reichstagsabgeordneter Kommerzienrat Stoeve führte aus: An Stelle der gefesselten Kriegswirtschaft muß so bald wie möglich die Freiheit treten, deren der Kaufmann bedarf. Wir könnet und werden den schweren Kamps, den wir nach dem Kriege durchkämpfen müssen, nur dann bestehen, wenn Gewerbe, Handel und Industrie die notwendige Lebenslust wieder erhalten. Diese Lebenslust heißt Freiheit! In dem gleichen Sinn äußerte sich Reichstagsabgeordneter Stubmann als Wortführer der freien Hansastädte und ihres Handels. Die Nöte des Handwerks schilderte Reichstagsabge- ordneter Bartschat. Reichstagsabgeordneter Böhme (Berlin) betonte, daß in keiner Bevölkerungschicht die heutige Zwangswirtschaft so verurteilt werde wie in der Landwirtschaft, in der die Unlust zur Produktion zunehme. Die Freiheit der Betätigung werde nach dem Kriege um so nötiger fein, da der vielfach ausgesogene Boden und die ihres Inventars beraubten Wirtschaften wieder hergestellt werden müßten. Im Namen der Arbeitsgemeinschaft der kaufmännischen Verbände betonte Dr. Enke (Hamburg), daß auch die Angestellten die freiheitliche Entwicklung des deutschen Handels als Vorbedingung zum Wiederaufbau unserer Weltgeltung wünschten. Auf die Dauer hindere die Kriegsorganisation den Aufstieg der Angestellten zur Selbständigkeit. Schließlich erhob die Versammlung in einer Entschließung Einspruch gegen die Richtung dnd Häufung von Regierungsmaßnahmen zur Regelung der Uebergangswirtschaft. insbesondere gegen das Ueöermaß von Organisationen, wie sie z. B für d'e Textilbewirtschaftung vorgesehen sind, und gegen die Ermächtigung des Vundesrais zur Regelung der Ueberaangswirtschaft. Jeder einzelne staatliche Eingrist dürfe nur im Einvernehmen mit dem Reichstag und nach Anhörung der beteiligten Kreise getrosten werden. Die Entschließung widerspricht auch der Bildung neuer Gesellschaften für wirtschaftliche Maßnahmen, da die bestehenden ausreichten siir die möglichst kurre Uebergangszeit. Die bei Friedensschluß im Besitz der Kriegsgcsellschasten befindlichen Rohstoffe würden für kleine, mittlere und still gelegte Betriebe ausreichen. Die Entschließung erhebt Einspruch gegen die Gewährung von ausschließlichen Rechten an Personen oder Gesellschaften und gegen die staatlich a.e^eitete Wirtschaft mit Verteilungsmaßskäben Sie fordert Wiedecberstellung der ungehinderten Individualwirtschaft und erwartet daher die Befreiung des deutschen Seeverkehrs und der Einfuhr von allen Fesseln, abgesehen von den Maßregeln der notwendigen Vergeltungspolitik "as fmli der Weih Alle Welt ist hungrig nach Kalisalzen. Aus allen Gegenden werden verminderte Ernten gemeldet, weil dieses vielbegehrte Salz fehlt. Deutschland besitzt ein Monopol in der Erzeugung von Kalisalzen. Wie oft schon wurde von unseren Feinden freudestrahlend verkündet, daß in diesem oder jenem Lande — erst kürzlich wieder in Amerika — das Vorkommen von Kali entdeckt worden, sei. Immer wieder erwies sich die Hoffnung als trügerisch und obne das deutsche Kali knnn man das Magenknurren der Ackerkrume der feindlichen Länder nicht beschwichtigen. Es dürfte wissenswert sein, die Zahlen über den Verbrauch von Kali in Friedenszeiten-kennen zu lernen. Danach verbrauchte die Landwirtschaft im Jahre 1913 in Europa 7K Millionen Doppelzentner Kali. Am größten war der Verbrauch natürlich in Deutschland, wo 5,3 Millionen Doppelzentner verwendet wurden, ein Beweis für das Verständnis, das die deutsche Landwirtschaft allen Mitteln zur Verbesserung des Bodengehalts entgegenbringt. Der nächstgrößte Verbraucher war Holland mit 435 000 Doppelzentnern, Frankreich mit 331 000 Doppelzentnern folgte. Es schlossen sich an: Rußland mit 227 000 Doppelzentnern. Oesterreich mit 210 000. Schweden mit 195 000. Belgien mit 132 000. England mit 130 000. Spanien mit 83 000. Dänemark mit 75 000 Schottland mit 71 000, Italien mit 64 000. Ungarn mit 40 000. Norwegen mit 36 000, Irland und die Schweiz mit je 33 000, Finnland mit 16 000, Portugal mit 12 000. Luxemburg mit 4000 und die Balkanländer mit 2000 Doppelzentnern. Asiens Landwirtschaft verbrauchte 57 000 Doppelzentner. Es ist bemerkenswert, festzustellen, wie das deutsche Erzeugnis sich selbst in diesen fernen Weltstrichen durchgesetzt hat. Der beste Abnehmer war die Insel Ceylon mit 26 000 Doppelzentnern. Dann kamen Japan mit 12 000, Ostindien mit 11 000. Sumatra mit 4000. Java mit 1500, die Philippinen mit 750. China mit 634. Kleinasien mit 540, Tonkin und Kochinchina mit 248. die Malaiische Halbinsel mit 156 und Celebes mit 3 Doppelzentnern Kali Die Landwirtschaft Afrikas lvurde mit 44 000 Doppekzeitt- nern gespeist. Davon bezogen Aegypten 15 000 Doppelzentner. Algier 14 600. die Canarischen Inseln 11 000, die deutschen Kolonien Aftikas 10 000. Angola 3000. San Thoms. Madeira und Mauritius je 1200. Kapland 725, Tunis 381, die Azoren 124 und Franzofisch-Kongo zwei Doppelzentner. Deträchtllch war der Verbrauch der amerikanischen Landwirtschaft. Er belief sich auf 2 l A Millionen Doppelzentner. Davon nahmen die Vereinigten Staaten von Nordamerika 2,3 Millionen Doppelzentner an. Hawai beteiligte sich mit 38 000 Dcppelzentner. Westirrdien mit 25 000. Eanada mit 14 000, Brasilien mit 12 000. Peru mit 10 000, Zentralamerika mit 2000. Chile mit 2000. Mexiko mit 900. Argentinien mit 333, Uruguay mit 201. Britisch-Guyana mit 128 und Columbien mit 43 Doppelzentnern. Je einen Doppelzentner bezogen Niederländisch- Euayana und Ekuador. Die Landwirtschaft Australiens forderte 25 000 Doppelzentner an. die der Südfeeinstln 565. Also kein Fleckchen der Wett, wo das Kali nicht geschätzt wird. Die steftchloleii Wochen. Berlin, 25. Sept. Die verschiedentlich verbreitete Nachricht, daß auch in den Monaten November. Dezember und Januar mit fleischlosen Wochen zu rechnen sein werde, wird jetzt vom Kriegs, ernährungsamt bestätigt Uom Felde der Ehre. Friedüerg, 27. Sept. Dem städtischen Vorarbeiter Philipp Stein aus Dorheim, Landsturmmann im Landsturm-Bataillon Friedberg, wurde die Hessische Tapferkeitsmedaille verliehen. Unseren herzlichen Glückwunsch! Ans der Heimat. Friedberg, 27. Sept . (Theater im Saalbau.) Wie bereits schon hingewiesen, bringt Direktor Henß den neuesten Operettenschlager „Das Drei-Büberl-Haus" diesen Samsto, und Sonntag Abends 8 Uhr hier zur Aufführung. Die Ankündigung allein dürfte schon genügen, um das Theater an den beiden Tagen bis auf den letzten Platz zu füllen. Die neue Operette enthält 17 Gesangsnummern, wovon die meisten wohl bald als Schlager bekannt sein werden. Es dürfte wohl aanz selbstverständlich sein, daß alle diejenigen, welche das „Drei- Mäderlhaus" gesehen, sich auch das „Drei-Büberl-Haus" nicht entgehen lasten. Um einen Andrang am Sonntag zu oermei. den, dürfte es geraten fein, daß ave Theaterbesucher, welche am Samstag Zeit haben, die Vorstellung an diesem Tage besuchen Das Gleiche gilt auch für die Kindervorstellung, wo an beiden Tagen nachmittags 4 Uhr „Max und Moritz, die bösen Buben" gegeben wird. Näheres siehe heutige Anzeige. Ans Hkssen-Nassau. FC. Wiesbaden, 25. Sept. Am 29. Mai, Pfingstdienstax v. I. fand in Oesterich eine Weinverfteigerung von Josef Huf. nage! aus der „Krone" in Aßmannshausen von 1915er und 16er Weinen statt. Die Ankündigung der Firma Hufnagel für die Weinversteigerung erregte schon Aufsehen: Der Weinkontrolleur stellte an den Probetagen für die Weinkommissionäre fest, daß die Weine nicht der Bezeichnung rm Katalog entsprachen und es sich teilweise um gezuckerte Berschnittwekne der Firma handelte. Er begab sich dieserhalb zu Josef Hufnagel, einen der drei Brüder des Geschäfts und stellte auch hier einige unlautere Machenschaften fest, ferner, daß die im „Schwanen" zu Oestrich zur Versteigerung lagernden Meine nicht nur aus der Kellerei Hufnagel stammten, sondern teilweise, besonders die Weiß- weme der Firma Ueberle & Oberhaupt in Heidelberg waren. Dieser Umstand wurde kurz vor der Versteigerung bekannt ge- geben. Die Meine erzielten alle die heutigen hohen Preise, die oft eine fabelhafte Höhe erreichten. Der der Versteigerung beiwohnende Weinkontrolleur erstattete nunmehr gegen Josef Hufnagel in Aßmannshcmsen und den unter der gleichen Flagge versteigernden Inhaber der Firma Ueberle & Oberhaupt in Heidelberg, weil dies nicht erlaubt und der anderen Unregelmäßigkeiten wegen Sttafanzeige wegen Kriegswucher. Die F^rma Hufnagel, die das erstemal eine derartige Versteigerung abhatten ließ, verkaufte ihre Weine, deren Eesamtpreis nebst Unkosten 28 447,47 betrug für 83120.00 Mark, erzielte somit einen Gewinn von 50 000 Mark gleich 200 Prozent. Die der Hufnagelschen Versteigerung angehängte Versteigerung der Hei- delberger Firma, deren Gesamtpreis nebst Unkosten 20 858.52 Mk. betrug, erzielte eine Einnahme von 75 580.00 Mark. Auch hier bleibt ein Gewinn von über 56 000 Mark für die Firma. Heute hatten sich Josef Hufnagel und Herr Ueberle von Heidelberg. der dortselbst Mitglied der Handelskammer, Gründer und Vorstand des dortigen Kaufmännischen Vereins, Beirat der Eisenbahn ist und andere Ehrenämter bekleidet, wegen Kriegswucher vor der hiesigen Sttaftammer zu verantworten. Ein umfangreicher Zeugenapparat von Weinkommissionären und Konttolleuren. sowie Weinhändlern aus Rheinheffen, Baden, der Moselgegend usw. waren geladen. Sie bekunden, daß die Preise nicht zu hoch gewesen, der damaligen Marktlage entsprechend, die durch den Krieg hohe Preise zeitige und daß ein Gewinn von 200 Prozent selbst in Frie-denszeiten vorgekommen ist. Es ist dies der erste Fall der Weinversteigerungen, der öffentlich verhandelt wird Der eine vernommene Sachverständige hält den Gewinn zu b - ' ^ährend der beim Nahrungsmittel-Untersuchungsamt in 5 nz angestellte Kontrolleur aussagt. daß maßgebend für die Höhe des Preises die Summe sei. die der Versteigerer brauche, um sich denselben Wein wieder erstehen zu können, dies fei üblich, doch müsse die Marktlage maßgebend für die Preise im allgemeinen sein. Das Reichsgericht ist in seinen verschiedenen Urteilen der Ansicht, daß jeder Gewinn für über- mäßig anzusehen sei, der den Friedensgewinn übersteigt, zumal der Wein als ein Gegenstand des täglichen Bedarfs anzusehen ist. bei der zunehmenden Knappheit anderer Sachen. Don einer Marktlage kann heute nicht mehr gesprochen werden, da durch den Krieg im Weinhandel eine Notmarktlage geschaffen wurde. Der Stcatsamvalt beantragte wegen vorsätzlicher Ausnützung der Notlage eine Geldstrafe von 10 000 Mark für joden der An- geklagten, ferner die Einziehung des übermäßigen Gewinns. Die Strafkammer kam zu einem kostenlosen Freispruch der bei- den Angeklagten. Wenn auch objektiv alles vorliege, was der volle Tatbestand des Weinwuchers ist. so führte der Vorsitzende in seiner Urteilsbegründung aus. der Wein als Gegenstand des täglichen Bedarfs anzusehen ist und die Preise erheblich zu hoch gewesen sind, so seien solche Preise nur durch den Krieg möglich und ab Oktober 1917 besttmmte Versteigerungen verboten sind, so wird in diesem Falle zu Gunsten der Angeklagten angenom- men. daß sie sich in einem entschuldbaren Irrtum befunden. FC * Wiesbaden, 25. Sept. Weil er sich in der Wohnung eine§ Kunstmalers mit zwei anderen Arbeitskollegen mehrere Gläser Gelee geholt hatte, wurde der Arbeiter Ferdinand Schmidt aus Nied in eine Gefängnisstrafe von sechs Monaten genommen. Verantwortlich für den politischen und lokalen Teil: Otto H i r s ch e l, Friedberg; für den Anzeigenteil: R. Heyner. Friedberg. Truck und Verlag der „Neuen Tageszeitung". A- G.. Kriedberg i. §. j Herzenskampfe. Roman von Helene Echutky, geb. von Eersdorff. ' (Copyright 1915 by C- Ackermann-Stuttgart.) 2) Nachdruck verboten Um der Unterhaltung eine andere Wendung zu geben, wandte er sich mit einer Frage an die Dame des Hauses: „Werden wir bald das Vergnügen haben, Ihr Fräulein Nichte mit dem Herrn Vater hier zu begrüßen?" sagte er, sich Verbeugend. „Ich traf die Herrschaften öfters auf ihren Reisen, zuletzt in Paris, und denke mit großem Vergnügen an die mit ihnen verlebten Stunden zurück." „Ach, Sie meinen Hilde Antelmann und meinen Schwager Karl, den Geheimrat?" erwiderte die Kommerzienrätin, deren Gedanken schnell in einen anderen Kanal einliefen. „Allerdings erwarte ich sie sehr bald, d. h. Hilde allein, denn der gestrenge Papa wird sie nicht hierherbegleiten, sondern in einer Sommervilla am Ufer des Rheins bleiben. Wer dann warne ich Sie Alle, meine Herren! Passen Sie auf. wahren Sie Ihre Herzen und Sinne! Meine Nichte Hilde ist ein gefährliches Geschöpf, eine blendende Schönheit und dazu Besitzerin mehrerer Millionen!" Wieder entstand allgemeines ftöhliches Gelächter. Jeder der anwesenden jungen Herren, meistens Offiziere des hier gar- nisonierenden Garde-Regiments, junge adelige Gutsbesitzer, auch Mitglieder der „haute finance", versicherte mit lustiger Bestimmtheit, er werde nicht ruhen und rasten, bis er diese wunderbare Jungfrau für sich erobert habe. Nur Reinhold von Eermshoff und Marquis Reymond nahmen nicht teil an diesen halb ernsten, halb scherzhaften Beteuerungen. * Bald darauf erfolgte der allgemeine Aufbruch. Die Gäste verabschiedeten sich von dem Herrn und der Dame des Hauses unter den üblichen Dankesbezeugungen und höflichen Redensarten. 2. Kapitel. Die jungen Herren befanden sich auch unterwegs noch immer in einer gewissen Aufregung über die Nachricht von dem bevorstehenden Eintreffen der schönen jungen Erbin. Obgleich keiner von ihnen so gänzlich mittellos, ja geraden arm war, «pne Leutnant von Germshoff, so mußten sie doch bei der Wahl einer Lebensgefährtin mehr oder minder auf Vermögen von ihrer Seite rechnen. „Du, Reim," sagte Leutnant Gustav von Raundorff, der intimste Freund Reinholds, sich vertraulich an seinen Arm hängend, „weißt, waß mir gleich in den Sinn kam, als ich von diesem Goldfisch hörte? Das wäre etwas für dich, unsern Adonis s Dir würden wir alle, zunächst ich selbst, dies große Los in der Schicksalslotterie mit Freuden überlassen. Denk nur, ein schönes Mädchen, schwer reich, aus guter Familie, wenn auch nicht von Adel! Alle Detter! Ist Las eine Tchancef And **tm du willst, so sicht sie natürlich keinen Andern an, — das tst bombensicher!" „Gustav, mein Sohn, beruhige dich!" entgegnete Reinhokd vollkommen kaltblütig, „du phantasierst! Fällt mir nicht im Traum ein, mich um die Märchenprinzeß, — pardou, wollte sogen, um die Millionenprinzeh zu bewerben. Wäre sie dazu schön wie Venus, klug wie Minerva, gut wie die Güte selbst, — nein, für mich existiert sie nicht. Was? ich ein Mitgiftjäger? Pfui, diese Sorte kam mir von jeher zu erbärmlich vor! Nein, das gibts nicht. Eustävchen, von mir aus ist die Bahn für dich und jeden Anderen frei! Doch würde ich dir auch lieber raten, deine Manneswürde zu wahren und den Tanz um das „goldne Kalb" nicht mitzumachen." Gustav sah seinen Freund erstaunt und bewundernd an. Wahrhaftig, dieser ideale Stolz hatte etwas Hinreißendes! Es war fein, bei aller Armut, die ihm bester bekannt war als den übrigen Kameraden, den edelnden Mammon so großartig zu verachten! Das imponierte ihm riesig, auf Ehre! „Höre", erwiderte er nachdenklich, „du hast eigentlich Recht: es ist wahrhaftig erbärmlich, auch nur in Gedanken auf ein Mädel Jagd zu machen, das man gar nicht kennt, nur weil man hört, daß sie klotzig reich ist. Nee, hübsch ist das nicht." „Also, da wären wir mal wieder einig, — famos! Lasten wir die Andern machen, was sie wollen. Wir könnens ja doch nicht ändern! Mir tut eigentlich die junge Dame leid. Wer weiß, in was für Hände sie fällt! Nun, vielleicht ist sie klug genug, den Humbug zu durchschauen." In den nächsten Tagen vermied es Reinhold, sofort, wie es sonst seine Gewohnheit als Hausfreund mit sich brachte, die Antelmannsche Familie zu besuchen, indem er Dienstangelegenheiten vorschützte. Er wollte während der bevorstehenden Anwesenheit der vielbesprochenen Nichte, die immer noch das Hauptgesprächsthema seiner Kameraden bildete, möglichst wenig dort verkehren, und um diese Absicht seiner scharfsichtigen, mütterlichen Freundin möglichst zu verbergen, fing er schon vorher an, sich zurückzuziehen. Doch konnte er es nicht umgehen, — wollte er nicht undankbar und unhöflich erscheinen, — die Einladung zum Mittagesten zum nächsten Sonntag, ganz ,.en famille", wie es in dem liebenswürdigen Briefchen der Kommerzienrätin hieß, anzunehmen. Fräulein Hilde Antelmann mußte wohl unterdesten an- g^kommen sein' er würde nicht vermeidn können, sie kennen zu lernen, wollte ihr aber sogleich durch zurückhaltendes Benehmen zeigen, daß er keineswegs gesommen sei, sich vor ihren Triumphwagen spannen zu lasten. Nachdem er sich durch den Diener hatte anmelden lasten, trat er in das ihm wohlbekannte Boudoir der Kommerzienrätin. Aus dem nebenan gelegenen Salon tönte ihm meisterhaftes Todes-Anzeige. Allen Freunden und Bekannten die ttauttqe Mitteilung, daß heute morgen mein innigstgeliebter unvergeßlicher Mann, mein lieber Sohn, unser guter Schwiegersohn, Bruder, Schwager und Onkel Bureau-Beamter auf Grotzh. Rentamt Vav-Nauheim »ach kurzem, schwerem Leiden im 39. Lebensjahre enischlasen ist. Keichelsheirri/ Burg-Gräfenrode, den 26. September 1918. Mathilde Opificius geb. Vetter August Opificius Hermann Opificrus, z. Zt. im Felde, u. Familie Otto Opificius und Familie Karl Opificius und Familie und Hochstein Wwe. Die Beerdigung findet Sonntag, den 29. September, nachmittags 2 Uhr, in Reichelsheim statt. UlMA-Mein gricübcra uni) llmnepö. Laut Vereinsbeschluß werden die Geschäfte unserer Mitglieder bis auf weueres an Wochentagen imiitags von 121/2 bis i 1 /^ abends mit 6 Uhr und Sonntags ganz geschlossen. L. Vurck, M. Eöring, H. Eondner. L. Hanau, W. Ra h n, I. Sellin , A. Ungelenk. Für Brautleute kfrrrl Wch- u. Alchiimr mit allem Zubehör zu verkaufen. Händler verbeten. Näheres Bad-Nauheim, Cafe König. wieder elng;eivottea, Tapeten- und Linoleumliaus Jean Kogler, 1'riedlierg, Kaiserstrasse 27, Nähe des Rathauses. bei der Ei ft Htl ml liütt Niederlassung Giessen !n Gieggen, Johannesstrasse 1, Ecke Neuenweg, in der Zeit vom 23. September bis 23. Oktober. KeliPß-KiWeu, -Kartons und Marmelade - Kästchen. Clementine Stern, Friedberg, gegenüb. d. Engelapotheke. Feldscheunen! 10.00 m br., 24,00 bis 36,0) m lang 12.00 „ „ 24.00 „ 36,00 „ „ 15.00 „ „ 30,00 „ 42,00.. „ 18.00 „ „ 30,00 „ 42,00,, „ 20 00 30,00 .. 60,00 „ .. sofort lieferbar. Georg Crumbach, Frankfurt a. M. 1. Sffenbach n. ftl, Scheidswaldstr. 99, Telefon Hansa 1179, Klcrvierspiel entgegen, sein feines musikalisch geübtes Ohr er* kannte mit Vergnügen eins der duftige», zarten Chopinschen Nocturnes, die er besonders liebte. „Ach, was!" dachte er trotzdem gleich darauf halb ärgerlich, „nun hat sie auch noch dazu echte Musik in sich! Muß denn „Ein Menschenkind Alles auf einmal haben?" „Nun, Germshoff, was sagen Sie zu dieser fismoll-Noc- turne?" fragte die eintretende Kommerzienrätin den eiftig Lauschenden lächelnd. „Nicht wahr, mehr Technik und poetische Empfindung, als wir oft im Konzertfaal zu hören bekommen? UebrigenZ, wenn sie wüßte, daß Jemand zuhört, noch dazu Jemand mit so kritischen Ohren, dann hätte sie längst aufgehört. Sie hat nämlich die Eigenheit, mit ihrem hervorragenden musikalischen Talent nicht glänzen zu wollen, sondern es nur für sich und ihre Allernächsten auszuüben. Sie sagt, die Musik sei ihr heilig, sie wolle sie nicht profanieren. Komisches Mädel, nicht wahr? Ein bißchen hochgeschraubt! Du lieber Gott, wozu hat man denn ein Talent, wenn man es verstecken will, als wäre es eine Sünde?" Reinhold zuckte nur die Achsel. Er verriet mit keiner Silbe, wie sehr sympathisch ihn dieser kleine vornehme Zug berührte. Eben verklang nebenan der letzte leise Ton, und die Spielerin erschien in der geöffneten Porttere. Also so sah sie aus? Eine schlanke mittelgroße Figur von vollkommenem Ebenmaß, ein feines Köpfchen mit reichem dunkelglänzendem Haar, das in natürlichen Wellen das zarte blaste. nicht regelmäßige Gesicht umrahmte. Und diese Augen! Groß, aber nicht übergroß, mit einem strahlenden, tiefen Blick, von langen Wimpern umschattet, zuweilen blaugrau, zuweilen tiefschwarz erscheinend. Ja, sie war schön, wahrhaft edel schön, viel schöner, als er sie sich vorgestellt hatte. „Gnädiges Fräulein werden uns längere Zeit hier mit Ihrer Gegenwart beglücken?" sagte er nach erfolgter Vorstellung absichtlich in dem banalen Salonton, den er sonst nicht leiden konnte. „Das kommt ganz darauf cm, wie lange mein Papa mir Urlaub gibt und — wie lange Tantchen mich hier haben mag" sagte sie, mit einem frohen Lächeln zu der sie ganz entzückt be- ttachtenden Kommerzienrätin hinüberblickend. „O du Schelm! du weißt wohl, daß ich dich am liebsten immer um mich hätte! Warum bist du nicht meine Tochter? Das wäre herrlich!" „Ja freilich, dann hätte die weltfrohe Frau Kommerziell- rattn doch noch mehr Veranlastung, ein großes Haus mit Bällen, Gesellschaften usw. zu machen. Das wäre allerdings sehr schön!" lachte Hilde harmlos ftöhlich, der leise Spott, mit dem sie die Vergnügungslust ihrer Tante ironisierte, klang gar nicht bitter, sondern sogar liebenswürdig. Fortsetzung folgt. Theater in Wilberg. (Saalbau.) GaNspiel b. fra«hf«rt. Operetten!Kraters. Direktion: Matthäus Hentz (14 Personen) Samstag, den 28. «nd Sonntag, den 29. Sept., abends 8 Uhr: Der neueste Operettenschlager! 17 Eejangsnummern! 2n Berlin bereits über 100 Mal mit großem Erfolg aufgeführt! Das Drei-Büöerl-Haus. Operette in drei Akten. Karten dazu im Barverkauf in der Buchhandlung C. Bindernagel und im Zig.- Geschäft I. Stern zu haben: Rum. Platz 3.- Mk.. 1. Platz 2 — Mk. 2. Platz und Gallerte l.—Ml. Abendkasse 3,30. 2.20. 1,10 Mk. Programm 10 Pfennig. Bitte ptite ablegen. Rauchen polizeilich verb. Einlah 7 Uhr. Ende nach 10 Uhr. An beiden Tagen nachmittags 4 Uhr Kindervorstellung. H Moritz, die Dösen Buben. Eine lustige Vubcngeschlchte in sieben Akten. Bitte nicht mit bisherigen Aufführungen zu verwechseln! Alle Rollen einzeln besetzt. 14 Personen! Karlen dazu nur an der Kaffe zu haben: Rum. Platz 120 Mk.. 1. Platz 80 Psg., 2. Platz und Eallerie 40 Psg. Einlatz 3 Uhr. Ende 6 Uhr. MM" Achtung! "HAD Zur bevorstehenden Buch, ctf ernernte offeriere ich: Kckcrn-SieEic, liauis-Sicbe sowie Fruchireinlgungs-, Samen-, Staub-. Futter-, Mehl- und Durchschlag-Siebe aller Art. Sämtliche Siebe werden selbst anZesertigt und können zu jeder Zeit geliefert werden von Heinrich Baumbach Siebmacher, in Michelnau, Station Nidda. I*u1z! Eine zweite zum sofortigen Eintritt gesucht. Clementine Stern. Fnedberg, Kaisersttaße Rr.51, gegenüber der Engel-ApotH. Briefbogen, Briefumschläge, Postkarten, Rechnungen, Rundschreiben, Formulare oder sonstige andere für Ihren Geschäfts- | verkehr oder persön- * liehen Bedarf dann i bestellen Sie diese * dort, wo Sie die Ge- f wissheit für einwand- 1 freie Ausführung ha- | ben. Wir empfehlen j uns bei eintretendem * Bedarf und sichern | schnellste und sau- r bersteAnfertigung zu. j Neue WMW | Druckerei u. Verlag A.-G. J | . Friedberg i. H.