Nummer 334 «nichrn s L LS, D,e»st«s> de» 34 . September 1918 _ 1 1 , Jahrga ng. iw T«ue°»it«ns» «Weint jeden Werltag. RegelmMge Beilagen ..Der Kauer au» «essen". ..Die SpinnssuW". K.-ug-prei-- B-, den Pastanstalten °ie-t°l,ahrl,ch Mk. 2.4u «mu7ri.7n.ch d°-Äe°g«ld: b°i den Agenten monatlich 90 Pfg. e.njchlietzlich Trügerlohn. Ameigen: S-unL,eil- 2d Mg. lokale 20Pjg An,-.g°n°°nau-wa-sm°-d°n durch Pa,tnachn-hm- hinzu nach das Be, » ^ Friedberg. Schrift,-itung K-rlag Friedberg lS°si°n>. v-naue-stratze 12. Femlprecher 48. Pa,t,check.L°n.a Nr. 18-9. 'Um. .e.-nssur. M. Erfilznichk A!>«khrl'.iiMxfe >« lütfltn. Geringere Gesechtstätiskeii in der CH mpayne. — Türkische Wederlage in VoUstUna. 35 00 V Tonnen verdenkt. ■j————B Per deutsche Grneruisiak - - - meidet: ——=• M. T. S. Großes Knnptqrmrtier. den 22. Krptemvev Amtlich. Westlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe Kronprinz Rupprecht. Bei örtlicher Unternehmung südlich von Neuve Chapelle [ machten wir befangene. Die Artillerietätigkeit lebte zwischen Ypern und Lu Basste , beiderseits der Scarpe und am Kanal- abschnitt südlich von Marquion auf. Heeresgruppe Voehn. In den Abschnitten östlich und südöstlich von Epehy sowie zwischen Omignonbach und der Somme nahm der Artillerieffampf am Nachmittage wieder größere Stärke an. Jnfanterieangriffe, die der Engländer gegen unsere Linien südöstlich von Epehy richtete, wurden abgewiesen. Wie in den letzten Tagen zeichnete sich auch gestern die 2. Gardeinfanteriedivision besonders aus. Während der Nacht hielt starke Feuertätigkeit an. In nächtlichen Angriffen östlich von Epehy faßte der Feind in einzelnen Grabenstücken Fuß. Vorfeldkämpfe an der Oise. Heeresgruppe Deutscher Kronprinz. Zwischen Ailette und Aisne flaute die EefechtZtätigkeit gestern ab. Erkundungsgefechte in der Champagne. Heeresgruppe Eallwitz. Zwischen der Cote Lorraine und der Mosel war der Artil- keriekampf am frühen Morgen zeitweilig gesteigert. Der Feind, der nrit stärkeren Abteilungen gegen Haumont, südlich von Dampwiteux und Rembercourt vorstieß und mit Erkundungs- abteilungen mehrfach gegen unsere Stellung heransühlte, wurde abgewiesen. Westlich der Mosel schoben wir unsere Linie etwas vor. Oberleutnant Loerzer errang seinen 42., Leutnant Väumer seinen 30. Lustsieg. Der erste Ceneralquartkermeister: Ludendorff. Abendbevicht. Berlin, 23. Sept,. abends. (WB. Amtlich.)' Von den Kampffronten nichts Neues. u der Front gilt die Tai. Die Tai der Heimat heißt: ' ^ ^Kriegsanleihe zeichnen! | Per österreichische Generalstab —- meldet: . -2 f Pas türkische Hauptquartier 1= meldet: Konstantinopel, 21. Sept. (WB.) Eeneralstabsbericht.^ Die schweren Kämpfe an der Palästinafront dauern an. Die Engländer sichren ihren Angriff mit besonderem Nachdruck zwischen der Küste und der Eisenbahn. Zur Verkürzung unserer Front gehen unsere Kräfte auch östlich der Eisenbahn nach tapferer Abwehr aller feindlichen Angriffe befehlsgemäß in neue Stellungen nördlich der bisherigen Linien. Sonst nichts Neues. Konstantinopel, 22. Sept. (WB.) Eeneralstabsbericht. An der Palästinafront vollziehen sich unsere Bewegungen, die wir auch am Jordan einleiteten, in voller Planmäßigkeit und Ordnung. Unsere Nachhuten leisten überall tapferen Widerstand. Aus einem in der Nacht vom 21. zum 22. September an der anatolischen Küste erschienenen feindlichen Flugzeuggeschwader wurde ein Flugzeug bei Kartal durch unser Maschinengewehrfeuer abgeschosien. Die Insasien, ein englischer Hauptmann und ein englischer Oberleutnant sind gefangen. Ein zweites feindliches Flugzeug mit Besatzung fiel bei Art Durau in unsere Hand. Auf den übrigen Fronten keine Ereignisie von Bedeutung. Englischer Bericht. Am 21. September gegen 9 Uhr abends hatte unsere Linie auf dem linken Flügel, indem sie nach links schwenkte, bei Bir- Afur, fünf Meilen südöstlich von Tul-Meram, die Linie Beit— Dejan—Samaria—Dir—Afur erreicht, indem sie den Feind westlich der Straße Jerusalem—Nablus vor sich herjagte und ihn in die Arme unserer Kavallerie, die südlich von Jenin und Betshan operierte, trieb. Andere feindliche Kolonnen versuchten vergeblich, den Unsrigen im Iordantale in der Richtung auf Iier-ed-Damjch, das noch immer von den feindlichen Truppen gehalten wurde, zu entwischen. Diese Kolonnen erlitten durch unsere Flugzeuge, d:e in niedriger Höhe flogen und den Feind fortwährend mit Bomben und Maschinengewehrfeucr bedachten, schwere Verluste. In der Umgebung des Tiberias-Sees hielten unsere Abteilungen unserer Kavallerie Nazareth und die Ueber- gänge, Straßen und Eisenbahnlinien über den Jordan bei Dschisr-Megame besetzt. Wir zählten bereits 18 000 Gefangene und erbeuteten 120 Geschütze. 35 000 Tonnen verdenkt. VcrUn, 22. Sept. (WB. Amtlich.) Im Atlantic versenkten unsere Unterseeboote 35 600 Bruttoregistertonnen. Die für unsere Feinde bestimmten Ladungen bestanden, soweit festgestellt werden konnte, aus besonderen wertvollen Gütern, u. a. aus Kohlen, Vcruinwolle, Petroleum, Holz, Stückgütern und Lebensmitteln. Die Versenkung mehrerer Schiffsladungen Kohle ist besonders bedeutungsvoll im Hinblick auf die wachsende Kohlennot in allen feindlichen Ländern. Der Ehcs deö AdmiralftadeS der Marine. Wien, 23. Sept. (WB.) Amtlich wird verlautbart: Nichts Neues. Der Ehes des GeneralstabeS. [jj Der imlgarische Generulstud fj •======== meldet: -. ! i Sofia, 21. Sept. (WB.) Eeneralstabsbericht. Vom Skumbi bis zum Crrna war die beiderseitige Artillerietätigkeit an mehreren Punkten zeitweise sehr heftig. An der östlichen Cerna warfen unsere Einheiten mehrere serbische Abteilungen durch Gegenangriff zurück. Im Winkel zwischen Cerna und Wardar dauern die Kämpfe mit großer Erbitterung an. Nachdem im Laufe der letzten Tage heftige englisch-griechische Angriffe gegen unsere Stellungen am Doiran durch tapfere Truppen aus Dorostol und Sistooo blutig abgeschlagen waren, nahm die Kampftätigkeit an dieser Front an Stärke ab. Im Struma- fale Patrouillenzusammenstöße im Vorgelände. Sofia, 22. Sept. (WB.) Bulgarische Telegraphenagentur. Die in den feindlichen Berichten aufgestellten Behauptungen, daß die bulgarischen Truppen bei ihrem Rückzuge die verlassenen Dörfer anzündeten. sirck vollstirMg erfunden. Stockholm, 22. Sept. (WB.) „Nya Dagligt Allehanda" meldet: Der Dampfer „Igor" der schwedischen Amerika-Mexiko- Linie (220 TonnenO wurde auf der Fahrt von Goeteborg nach den englischen Ostseehäfen torpediert. Die Besatzung wurde gerettet. Feindliche Kriegspläne. Zürich, 23. Sept. Der „Zürch. Tagesanz." meldet: Die gesamte Verbandspresie ergeht sich neuerdings in geheimnisvollen Andeutungen Über wichtige Ereignisie an der Westfront, die nahe bevorstehen sollen. Eine Havasnote von gestern spricht von erbittertem Widerstande der Truppen des Kronprinzen von Bayern und beutet zugleich an, daß ein Verbandsangriff gegen St. Quentin und Le Ehatelet in Aussicht genommen ist. Der „Zürch. Tagesanz." meldet: Die Kampftage auf der Westfront beginnt sich neuerdings zu verschärfen. Die Aufklärungstätigkeit auf der ganzen Front östlich von Reims bis ins Oberelsaß verdichtet sich von Tag zu Tag, so daß man dahinter neue Vorbereitungen vermuten muß. Oestlich Reims bis hinab zur belgischen Küste sind die Gegner in engste Fühlung geraten. Zwischen Reims und Laon versuchen die Verbündeten mit aller Gewalt, die Deutschen von ihren Höhenstel-- lungen südlich der Aisne und namentlich vom Damenwege zu verdrängen, um den Ausweg in die Ebene von Laon zn erzwingen. Auf der ganzen Linie bleibt der deutsche Widerstand hartnäckig, und auf der Höhe südöstlich Soisions ist er ganz un- gemein zähe. Das Ziel ist Metz. Zürich, 23. Cept. Die „Zürcher Morgenzeitung" meldet t der französischen Front, daß dort als weiteres Ziel der Fe schen Offensive die Fetzung Metz gelte. Man betont, daß K s die maßgebende Etappe der französischen Heeresleitung -ff ihrem Wege nach Deutsch-Lothringen sei. Poincaro traf n Operationsgebiet bei St. Mihiel ein und wohnte den Känn n von dem Fort de Eonde aus bei. Amerikanischer Befehlsbereich. Gcnff 23. Sept. Die Militarkritiker der Pariser Blätter stellen ein allmähliches Herausnehmen der amerikanischen Truppen aus dem französischen Befehlsbereich und ihre Zusammenlegung zu geschlosienen Heeresverbänden unter amerikanischem Befehl fest. Italienische Ansriffe. Zürich, 23. Sept. Der „Corriere della Sera" meldet von der Front, daß in den nächsten Tagen eine Ausdehnung der italienischen Angriffe auf die übrigen Frontteile zu erwarten sei. General Diaz habe die Front besichtigt und die Lage für ausgezeichnet erklärt, um zum Siege zu schreiten. Die italienische Grenze ist am Samstag mittag von neuem teilweise gesperrt worden. Auch die italienischen Zeitungen kommen seit diesem Zeitpunkte nur noch auf Umwegen und verspätet in die Schweiz Pie Einnahme von Palm. Moskau, 21. Sept. „Jswestija" bringt folgende Einzest heiten über die Einnahme Bakus auf Grund von Aussagen von Augenzeugen: In der Nacht auf den 14. begann ein starkes Bombardement; Geschosse krepierten im Zentrum der Stadt. Im Laufe des ganzen Tages fanden hartnäckige Kämpfe in der Stadt selbst statt, an denen sich Arbeiter und Bevölkerung beteiligten. Die Armee der Engländer, 30.000 Mann stark, saß schon auf Dampfern und wurde von der Artillerie der Angreifer im Hafen beschossen. wo die Bevölkerung, Frauen und Kinder, ein geschifft wurden. Behälter mit Napl ffm n-b Benzin waren getroffen worden. Ein Dampfer mit '' i>.’n den Truppen der Baschnakken wurde vernichtet. ^ ' m Reihen der regierenden Diktatur herrschte vollkommene v. wirrung. In der letzten Zeit vor der Einnahme war i. ganze Gewalt in den Händen der „Vier" konzentriert bestehend Nus zwei Vertretern des englischeu Söldnern Pitscberochowsk, aus einem Engländer und einem Vertreter von Lentrokaspi. Mit dem Rat wurde nicht gerechnet und ein Teil seiner Mitglieder, Kommunisten und linke Sozial« revolutionäre, wurde in Haft gehalten, trotz der Vorstellung des Rates und der Forderung aller Arbeiter sie zu befreien. Am 16., 3 Uhr früh, begann im Kriegshafen die Ein« schiffung der gesamten in Panik fliehenden Armee und Bevölkerung. Um 6 Uhr früh am Sonntag drangen die Eroberer in die an allen Enden brennende Stadt ein. In der ersten Kamvfnacht kamen einige baltische Seeleute an das Boli'ck-ewiki-Gefängnis, welches von Baschnakken-Soldaten bewacht wurde, heran und baten, 30 Rätearbeiter zu be* freien. In der zweiten Kampfnacht wurden die verhafteten Mitglieder des Bakuer Rates der Volkskommissare von der Diktatur aus dem Gefängnis auf einen Dampfer gebracht und mitgenommen. Bei der Evakution forderten die Eng' länder, daß alle Kampfschiffe und die garten Armee- unL Kriegsausrüstungsgegenstände nach Enseli evakuiert würden Es kam zum Zwiespalt und schließlich zogen die Engländer nach Enseli. die Matrosen, Anhänger Pitscherochowsk und die Bevölkerung jedoch nach Petrowsk-Port ab. Es ist bs kannt geworden, daß die Engländerin Enseli viele Handels« dampfer haben, die sie eiligst mit weittragenden Marinegeschützen ausrüsten. Auf den Dampfern „Ardagan", „Kars" und „Leutnant Schmidt", welche sich jetzt in Petrowsk be< finden, siick) die Kommandeure und Artillerieoffiziere Engländer. Die ganze Zeit über ist die BcckUer Regierungs«' gewalt mit uns nicht in Verhandlungen getreten und nimmt sie auch nicht auf; sie hält sich als im Kriege mit der ru{* fischen Zentralrätegewalt stehend. Rußland. Der Protest gegen den Noten Schrecken. Wie wir von zuverlässiger Seite erfahren, hat sich der deutsche Generalkonsul in Petersburg der Protestnote des dortigen neutralen diplomatischen Korps gegen den Roten Schrecken an geschlossen. Ermordung der ehemaligen Zarin? Basel, 21. Sept. Nach einer Londoner Havasmeldung wird in diplomatischen Kreisen die Ermordung der ehemaligen Zarin und zw^ex ihrer Töchter bestätigt. Truppenverschicbungcn in Sibirien. „Prawda" berichtet, daß man bei der Besetzung von Kasan die Stadt leer vorgefunden habe. Kein Geistlicher kein Mönch, kein Bürger habe sich mehr darin befunden. Die elektrische Station ist heil geblieben, nur die Wasserleitung ist beschädigt. Wie „Prawda" mitteilt, hat ein Anhänger der roten Negierung in Sibirien berichtet, die Tschecho-Slowaken schätzten die von Osten her zu erwartende Hilfe auf 30 000 Mann, darunter 5000 Japaner, 10 000 Franzosen, 10 000 Amerikaner und 5000 Engländer. Der Eisenbahnverkehr in Sibirien ist wegen Truppenverschiebungen 10 Tage unterbrochen. Ein Bericht des Stabes der sibirischen Armee meldet, daß aus der Mandschurei vorrückende Japaner im Anzüge seien. Mordanschlag auf Trotzki? Leipzig, 20. Sept. Wie der Sonderberichterstatter der „Leipziger Abendzeitung" aus Kiew meldet, wurde auf Trotzki in Kursk ein Attentat unternommen. Ein Soldat schoß auf Trotzki, verfehlte ihn aber. Der Korrespondent meldet weiter, daß die ukrainische Regierung eine Verschwörung zur Ermordung des Leiters der russischen Friedens-Delegation, Rakowski, aufgedeckt habe. Feierliche Beisetzung Nikolaus II. Moskau, 21. Sep). „Fswesüja" gibt Schilderungen von der feierlichen Beisetzung des Ekzaren, die nach Pressemeldungen von Truppen der Volksarmee in Jekaterinburg veranstaltet wurde. Die Leiche des Exzaren, die an der Erschießungsstätte im Walde beerdigt war, wurde aus dem Grabe genommen, das nach Angabe von Personen gefunden wurde, denen die Umstände der Hinrichtung bekannt Waren. Die Ausgrabung geschah in Gegenwart vieler Vertreter der obersten geistlichen Gewalt Westsibiriens, der örtlichen Geistlichkeit, der Delegierten der Volksarmee, der Kosaken, der Tschecho-Slowaken. Der Leichnam wurde in einen Zinksarg, der in eine kostbare Holzhülle aus sibirischer Zeder gefaßt war, gelegt. Der Sarg wurde unter dem Schutz einer Ehrenwache, mit dem obersten Kommandanten der Volksarmee an der Spitze, in der Kathedrale zuJekaterin- burg aufgestellt, von wo er nach zeitweiliger Beisetzung in einem besonderen Sarkophag nach Omsk gebracht werden soll. Neue Anschläge? Moskau, 23. Sept. (MV.) Meldung des Wiener Korrespondenz-Bureaus. Auf Mitglieder der Cowjetregierung erfolgten wieder Attentate, die neue Reprefsivmaßregeln zur Folge haben norden. London, 22. Sept. (WB.) Wie das Reutersche Bureau erfährt, erhielt die britische Regierung von Tschitscherin Mitteilung über die Abreise der britischen Untertanen. Abmachungen über de gegenseitige Heimbeförderung der britischen und russischen Untertanen sind jetzt im Gange. Ueber die Lage der britischen Untertanen in Petersburg und Moskau liegt keine Nachricht vor; es besteht aber gute Hoffnung, daß alle wohlbehalten herausgekommen sind. Wladiwostok, 22. Sept. (WB.) Reuter. Gaida, der Führer der Tschecho-Slowaken in Sibirien, meldet, daß die Organisation der russischen Armee in befriedigender Weise vor sich geht; 50 000 Rekruten sind mobilisiert. Amerika gegen die Bolschewisten. Haag, 23. Sept. Die Regierung der Vereinigten Staaten hat ihre Gesandten in den alliierten und neutralen Ländern beauftragt, sich zu vergewissern, ob die einzelnen Regierungen sich einer unmittelbaren Aktion gegen die Bolschewisten anschließen wurden. An England und Frankreich wird diese Frage nicbt gestellt werden, da diese beiden Regierungen die Bolschewiken bereits als vogelfrei erklärt haben. Sie wurden aber telegraphisch von dem Schritt Amerikas in Kenntnis gesetzt. In ihrer Erklärung an die einzelnen Regierungen suchen die Vereinigten Staaten zu beweisen, daß sie ausschließlich im Interesse des russischen Volkes handeln, damit dieses sich wieder nach den Grundsätzen der Demokratie und der Selbstregierung aufrichten kann. Ukraine. Kiew, 20. Sept. (WB.) Rach Pressenachrichten bestimmte der Verpflegungsminister, daß überall da, wo die Grundbesitzer sich weigern, den Ueberschuß an Getreide an das staatliche Ee- treidebureau abzntreten, zu Requisationen geschritten werden soll. Rach der „Rowosti Dnja" stehen in Kiew Beratungen von Gliedern der ehemaligen russischen Reichsdumen, des Reichs- rates und anderer Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens über den österreichisch-ungarischen Friedensvorschlag bevor. Die Teilnehmer seien überwiegend Anhänger des Gedankens, daß wenigstens Vorverhandlungen begonnen werden müßten. Kiew, 20. Sept. (WB.) Die deutsche Kommandantur in Rostow am Don erklärte laut Ukrainischer Telegraphenagentur den Pressevertretern, daß alle Gerüchte über den Weggang deutscher Truppen aus dem Dongebiet und Rostow jeder Begründung entbehren. Zeitungsmeldungen zufolge ist die Atamamvohl im Dongebiet für einige Tage aufgeschoben. Es besteht deutliche Neigung zur Wiederwahl Krasnows. Ernste Gegenkandidaten sind nicht vorhanden. Kiew, 22. Sept. (WD.) Zeitungsmeldungen zufolge hat die Fretwilligen-Armee Armawir ick Kuhan-Eebiet im Sturm genommen. Die Bolschewik! fliehen nach Süden und Südoften. Zur Knrianuoto. Englands Voraussetzung. Basel, 23. Sept. Die „Times" schreiben über die Möglichkeit von Besprechungen mit Deutschland, falls dieses unmittelbar um Frieden nachsuchte, der Verzicht aus die Besetzung Elsaß- Lothringens und der Verzicht auf alle Bestimmungen des Vrest- Litowsker Friedens sei auch für England die Voraussetzung für jede Art von Verhandlungen oder Besprechungen. Keine Auskunft seitens der Negierung. Basel, 23. Sept. Die „Morningpost" meldet aus Rewyork: Lansing teilte dem Vorsitzenden des Senatsausschusses mit, daß die Negierung sich an Aussprachen über die Antwort des Präsidenten an Oesterreich-Ungarn nicht beteiligen könne. Wilsons Antwort gebilligt. Rotterdam, 23. Sept. Die „Morningpost" meldet aus Rew- York: Der Senatsausschuß hat mit allen gegen fünf Stimmen die Antwortnote an Oesterreich-Ungarn gebilligt. * Basel, 23. Sept. Die „Daily Mail" meldet aus Paris: Die Heeresleitung befahl den Anschlag der Rede ClemenceauZ, die am 17. September im Senat gehalten wurde und die Antwort auf die österreichisch-ungarische Friedensnote darstsllt. im ganzen Heeres- und Frontbereich. Die „Times" melden aus Paris: Clemenceau besichtigte am Freitag die Zerstörungen in Reims und erklärte, das Ende des siegreichen Krieges sei heute nicht mehr fern; es gelte noch, den Winter durchzuhalten. |3n!nrtrieii9 Animr! mit die IriedküMsie. Sofia, 21. Sept. (WB.) Bulgarische Telegraphen- Agentur. Die Antwortnote der bulgarischen Regierung auf den österreichisch-ungarischen Vorschlag hat folgenden Wortlaut: Herr Minister! Die Königliche Regierung hat mit lebhafter Befriedigung die Note vom 14. September ausgenommen, wodurch Ew. Exzellenz alle kriegführenden Staaten ein geladen hat, zu einem unmittelbaren Gedankenaustausch zu schreiten, über die Mittel, dem Kriege ein Ende zu setzen und die Eintracht zwischen den in den gegenwärtigen Weltkrieg verwickelten Völkern wiederherzustellen. Diese Anregung entspricht vollommen ebensosehr den Bestrebungen des bulgarischen Volkes wie den Ansichten seiner Regierung. Ich beeile mich daher, Ew. Exzellenz mitzuteilen, daß Bulgarien bereit ist, Delegierte zu entsenden behufs Fühlungnahme mit den kriegführenden Staaten und, wenn sich die Möglichkeit bietet, behufs regelrechter Verhandlungen. Bulgarien ist um so geneigter, an Schritten teilzu- nehmen, die den Zweck verfolgen, die Völker einem Einvernehmen näher zu bringen, das den Frieden herbeizuführen geeignet wäre, als es in diesem Kriege nur Ansprüche erhebt, deren Grundsätze schließlich allgemeine Zustimmung gefunden haben. Treu dem demokratischen Ideal der Gerechtigkeit und Freiheit, an das uns die Ueherlieserungen unserer Wiedergeburt, der Geist unserer politischen Verfassung und alle Hilfsquellen unseres öffentlichen Lebens binden, streben wir weder nach der Eroberung von Provinzen, die von fremden Volksstämmen bewohnt sind, noch nach Herstellung einer Vorherrschaft über unsere Nachbarn. Unsere Kriegsziele fassen sich einzig und ausschließlich zusammen in der Festigung unserer Sicherung, in der Verwirklichung der Einheit unseres Volkes in den ethnographischen Grenzen, die ihm die Geschichte angewiesen hat, die durch aus der Entscheidung der Großmächte geflossenen Akten der Vergangenheit wiederholt sanktioniert worden sind. Diese Formel datiert nicht von kMte. Jedesmal, wenn die Balkanfrage zur Sprache gekommen ist, sei es vor dem großen diplomatischen Gerichtshof von Europa, sei es in Beratungen der interessierten Völker selbst, stellte sich Bulgarien unveränderlich auf den Boden der Nationalitäten. Heute wie gestern verlangen wir nichts darüber hinaus, was uns die tatsächliche Ausbreitung unserer Volksstämme verbürgt. Indem wir die auf solche Weise formulierten Ansprüche unseres Volkes verfolgten, haben wir das Bewußtsein, nicht bloß an der Schaffung einer billigen und dauerhaften Ordnung im europäischen Orient mitzuarbeiten, sondern auch unseren loyalen Beitrag zur Gründung jener Gesellschaft der Nationen zu leisten, wonach die Stimmen der zivilisierten Völker immer gebieterischer rufen. In diesem Gedankengang glauben wir die vom Präsidenten der Vereinigten Staaten Amerikas geäußerte Ansicht über die Notwendigkeit, Konflikte der Balkanstaaten nach dem Recht der Nationalitäten zu regeln, hervorheben zu müssen. Nachdem die Verbandsmächte wiederholt öffentlich dem Gedanken Wilsons zustimmten, hat Bulgarien allen Grund, zu schließen, daß die Negierungen dieser Mächte gegen seine Ansprüche keinerlei grundsätzliche Einwände erheben können. Indem wir also die Ueberzeugung Ew. Exzellenz, daß zwischen den im Kriege befindlichen Staaten eine Annäherung möglich ist, teilen, hegen wir die Hoffnung, daß der Schritt der k. u. k. Regierung dazu dienen wird, das Ende des ungeheuren Krieges, der die Menschheit in Trauer verletzt, zu beschleunigen und die Organisation des internationalen Lebens zu fördern, das auf edlen Grundsätzen beruht, deren Heraufkunft die maßgebenden Stimmen unter den großen Nationen forderten, und die triumphieren zu sehen Bulgarien ganz besonders glücklich wäre. Mttsons Größenwahn. Haag, 21. Septenrber. Holländisch NieuwsburecM meldet aus Washington: Präsident Wilson hat folgende Proklamation erlassen: Die Ideale, für welche wir kämpfen, nehmen unsere Gedanken und unsere Kräfte immer wehr in Anspruch. Es wird klar, was das Ende sein wird und was wir zu tun haben, um dies Ende herbeizusiihren. Wir wissen es besser, als wir es je gewußt haben, weshalb freie Männer die große Nation und Staatseinrichtung, in der wir leben, geschaffen haben. Daher wird es uns auch immer klarer, welch erhebende Aufgabe es ftir uns Amerikaner ist, das Heil der Welt erfüllen zu dürfen. (!!) Deshalb hat auch der Erinnerungstag der Entdeckung Amerikas in diesem verhängnisvollen Jahr für uns besondere Bedeutung, deshalb müssen wir diesen Tag dazu benutzen, um aufs neue die Ideale zu weihen, auf die wir unseren Staat aufgebaut haben und welche uns für die gewaltige Aufgabe der Gegenwart begeistern. Deshalb befehle ich, Woodrow Wilson, Präsident der Vereinigten Staaten, Sonnabend, den 12. Oktober zum Festtag. Ich verlange, daß an diesem Tage in jeder Stadt, in jedem Dorf und jedem Flecken der Vereinigten Staaten die Entdeckung des Landes gefeiert werden soll, damit das Volk sich für die Beteiligung an der 4. Kriegsanleihe begeistert. Es sollen Reden, Umzüge, Erntefeste und sonstige Festlichkeiten angeordnet werden und dies alles unter allgemeiner Führung des Schatzkanzlers. Das Volk soll durch seine Beteiligung an der Anleihe das Maß seiner Anhänglichkeit an unseren Idealen beweisen und gleichzeitig zeigen, wie ernst es ihm mit der Durchsetzung dieser Ideale und ihrem Endsiege ist. IMiritt ke WanUchen Mimkemms. Tokio, 22. Sept. (WB.) Reuter. Das Ministerium ist zurückgelreten. % Das neue Kabinett. Basel, 23. Sept. Zum Nachfolger Terautschis wurde Marquis Saionji ernannt. Dieser ist ein Schüler französischen Geistes, seine Ernennung bedeutet in außenpolitischer Beziehung die erneute Betonung des Freundschaftsverhältnisses Japans zur Entente. Die Knjenhkher an der Arlmt. Wahrend das deutsche Volk einen schweren Kampf kämpft, dergleichen es in seiner an Kriegen und Röten gewiß reichen Vergangenheit noch nicht zu bestehen halte, wahrend das Volk in Waffen das Letzte hingibt, um unser Heimatland vor des grimmigen Feindes Verwüstung und Zerstörung zu bewahren, sind die Helden des Wortes» ein Teil unserer „Volksvertreter" eifrig an der Arbeit, um für ihre Parteizwccke möglichst viel herauszuholen: sie halten die Zeit für gekommen, wo sie ihren Machthunger stillen und selbst das Steuer des Staatsschisfes in die Hand nehmen könnten. Gleich einem Erpresser benutzen sie die gespannte Lage, in der sich unser Vaterland besindet, um ihre Zustimmung zu der gegenwärtigen Reichspolilik von der Erfüllung ihrer Sonderwünsche, davon die Parlamentari- sierung nur ein Teil bildet, -abhängig zu machen. Es war vorauszusehen, daß diese Wünsche mit der Ernennung des Grafen Hertling zum Reichskanzler nicht in Erfüllung gegangen sind. Zwar wurde der Kanzler aus den Reihen der „Mehrheitsparteien" entnommen, aber was nutzt der Mantel, wenn er nicht gerollt ist, was nutzt ein Reichskanzler, wenn er als ein gemäßigter und besonnener Mann, nicht in allen Dingen den Demagogen zu Willen ist. Daher der Sturmlauf gegen Hertling, dem sich in den letzten Tagen ein Angriff auf den Staatssekretär v. Hintze zugesellt hat. Es ist bezeichnend, daß in diesem Beginnen das „Berliner Tageblatt" und die „Frankfurter Zeitung", deren Namen ja für sich ein Programm bilden, die Rufer im Streite sind. Ihnen zugesellt hat sich ein Teil jener Nationalliberalen, unter des Freiherrn v. Nichthofen Führung/ die in der Tat verkappte Freisinnige sind und die den guten Namen der national!lberalen Partei mir als Aushängeschild gebrauchen. Es ist ja bekannt, daß dieser Teil der bürgerlichen Linken im deutschen Volke ein Nichts bildet, der ohne die Hilfe der Sozialdemokraten längst aus den Parlamenten entschwunden wäre, deshalb soll der Sozialdemokratie der verdiente Lohn werden und diese Partei soll ihre Vertreter in die Regierung senden. Zwar sträubt sich die Sozialdemokratie in jungferlicher Weise, aber: halb zog sie's hin, halb sank sie hin! Man sollte meinen, daß das Zentrum elnsehe, wohin die Reise gehen soll und einig und geschlossen hinter dem Grafen Hertling steht. Dem ist aber nicht so, wie wir aus den Ausführungen der „Kölner Volkszeitung" entnehmen können. Wir lesen da: „Es ist betrübend, aber leider Tatsache, daß auch ein Zentrumsabgeordneter mit bei der Partie ist. Das muß nun festgsstellt werden, da es zwecklos wäre, an den Dingen, die von den Spatzen der Krisenpresse von den Dächern erzählt werden, vorbeizureden." Dieser Zentrumsabgeordnele habe bereits den Sturz des Grafen Hertling angekündigt. Daß es sich um Herrn Erzber- ger handelt, braucht wohl kaum gesagt zu werden. Die „Kölnische Volkszeitung" schreibt dazu weiterhin: „Es liegt in Wirklichkeit gar kein stichhaltiger Grund zu einem Sturze Hertlings vor. Die Treibereien gegen Hertling entspringen insbesondere auch einem eigensinnigen, rechthaberischen Pessimismus. Das muß ganz rücksichtslos ausgesprochen werden. Wir möchten im Interesse der Einiakeit unserer Pcu» tet vor jeker Nachgiebigkeit gegen dieses Treiben dringend warnen. Die Einheit der Partei im Lande könnte die neue Belastungsprobe, vor der sie einer ihrer Abgeordneten stellen will, nickt ertragen." Es wird weiter bekannt, daß der Abgeordnete Gröber sich ^en Treibereien seines Landsmannes entgegensetze und eg wäre gu wünschen, daß er die Obrhand behielte. Das deutsche Volk aber mutz sich bewußt sein, daß wir es hier mit politischen Catilinariern zu tun haben, die das Vaterland in neue schwere Krisen hineintreiben wollen, um ihren persönlichen Machthunger zu stillen. Es scheint an der Zeit, sich daran zu erinnern, datz es gegen Catilinariern besonderer Maßnahmen bedarf. Die Haltung der Fraktionen. Berlin. 23. Sept. (WV.) Wie die „Nationalzeitung" erfährt, steht die nationalliberale Fraktion nach wie vor auf dem Programm der Regierung Hertlmg-Friedberg-Payer und sieht keinen Grund, in ihrer Haltung eine Aenderung vorzunehmen. Namentlich ist man der Ueberzeugung, datz die gegenwärtigen Treibereien gegen den Reichskanzler an der Haltung der übergroßen Mehrheit des Zentrums scheitern werden. Berlin, 23 Sept. (WB.) Die „Germania" schreibt: Wie die anderen Reichstagsfraktionen, hat sich gestern auch die Zentrumsfraktion in längeren Beratungen mit der politischen Lage beschäftigt. Sie ist dabei, wie wir erfahren, sehr einstimmig zu dem Beschluß gekommen, sich an einer Agitation gegen den Reichskanzler nicht zu beteiligen. Sie würde aber nichts dagegen einzuwenden haben, wenn Sozialdemokraten in die Regierung eintreten wollten. Da ohne das Zentrum eine Links- mahrheit nicht gebildet werden kann, dürfte damit die politische Lage im wesentlichen geklärt sein. An den Schandpfalfl! Wiederum ist, wie schon früher, einmal, aus dem Auslande eine Nummer der schmachvollen „Friedenswarte" des Herrn Fried über unsere Grenzen gekommen' jenes Blattes, in dem sich ehrvergesiene Söhne unseres Volkes zu feiger Beschimpfung des eigenen Vaterlandes zusammenfinden. Bis auf die bekannten, der „Friedenswarte" wesensverwandten Blätter verzichtet die reichsdeutsche Presse längst auf die Wiedergabe dieser erbärmlichen Schreibereien. Das soll uns aber nicht hindern, die Namen der traurigen Gesellen gebührlich an den Schandpfahl zu stellen, damit sie dem Gedächtnis unseres Volkes auch für die kommende Friedenszeit erhalten bleiben. Neben Dr. Ernst Bloch, Hermann Fernau und Iwan Enoll erscheinen dort Prinz Alexander zu Hohenlohe-Schillingsfürst, Dr. Paul von Matthies und der Verfasser einer Reihe von Schundromanen, Eduard Stilgebauer, der die Deutschen mit Aussätzigen vergleicht, vor denen alles flieht. Den anmutigen Reigen schließt der „Dichter" Stephan Zweig. Die innkerhM deMe landwirilchafl. Ueber die Eindrücke, die die eben nach Kiew aus Deutschland zurückgekehrten ukrainischen Landwirte und Ackerbauer auf ihrer Rundreise gewonnen haben, äußerte sich der Gehilfe des Landwirtschaftsministers Brunft, der' mit einer der Gruppen reiste, nach einer Meldung des „Eolos Kiewa" vom 21. August: „Der allgemeine Eindruck ist der gewesen, daß die deutsche Volkswirtschaft auf einer sehr hohen Stufe steht. Sogar die kleinen bäuerlichen Wirtschaften sind in bezug auf ihre Einrichtung und Produktivität vorzüglich eingerichtet. Die Wirtschaften im Privatbesitz sind Muster hoher Kultur und erzielen ausgezeichnetes Vieh, Samen ufw. Die deutsche Wirtschaftsweise muß als Beispiel für die Ukraine dienen. Aus der Gruppe der kleinen Landwirte, die gesondert durch Deutschland reiste, haben vier Teilnehmer (Saporofhez, Tschawir, Schku- ropiji und Spät) in begeisterten Worten ihre Eindrücke wiedergegeben. Herr Spak erklärte, daß er nie im Leben den Eindruck vergessen werde, den auf ihn die Organisation der Landwirtschaft in Deutschland gemacht habe. „Wenn jetzt," sagte er, „bei diesem Riesenkriege alles so musterhaft eingerichtet ist, wie muß es dort zur Friedenszeit sein?" Verdorbene VahrunASMiitel. Aus Singen-Hohenlwiel berichtet das „Heidelb. Tageblatt", daß das von der Stadtverwaltung angekaufte Obst zum großen Teil verdorben angekommen ist, weil es erst allerlei Umwege machen mußte. Zufall oder Bestimmung?. In einer Bekanntmachung der „Dortmunder Zeitung" bietet die königliche Güter-Abfertigung 20 000 Kilogramm (100 Zentner) Schotenerbsen meistbietend aus, wozu bemerkt wird: „Die Erbsen sind teilweise verdorben und eventuell noch als Viehfutter verwendbar." , . . . Man faßt sich an den Kopf! Die Drujchprämie. Der Abgeordnete Dorsch hat im hessischen Landtag folgende dringliche Anfrage gestellt: Ist es der Großh. Negierung bekannt, daß die Druschprämie der Erreger der größten Mißstimmung und Verärgerung bei den Landwirten ist? Man kann überhaupt über den Wert der Druschprämie, wie sie heute gestaltet ist, streiten. Da dieselbe aber einmal gewährt ist, sollte doch eine gerechtere Verteilung Ktattfurden. Nur eine kleine Anzahl Landwirte kommt in den Genuß der ersten hohen Prämie von 12 Mark auf den Doppel- Zentner, die folgenden Prämiensötze von 10 Mark, von 8 Mark, von 6 Mark, von 4 Mark, von 2 Mark können von den Landwirten nur unter gewissen Vorbedingungen z. V. wenn sie Kohlten zum Dreschen haben, wenn ihnen der Maschinenbesitzer gewogen ist usw. bezogen werden, wer bis zum 1. Oktober nicht dreschen kann, geht leer aus, da erlischt die Prämie. Um nun die Verärgerung und Ungerechtigkeit nicht gar zu groß werden zu lassen, bitte ick Lobe Regierung an maßgebender Stelle dahin zu wirken, daß der Prämiensatz von 6 Mmck bezahlt wird für alles Getreide, das vom 15. August ab gedroschen wird, bis alles abgeliefert ist. ßarlosselverlorMg im nWen Minier. Der Abgeordnete Wiegand hat im hessischen Landtag folgender Antrag gestellt: Für den kommenden Winter ist der Bevölkerung eine Kar- loffelmenge von zunächst sieben Pfund für den Kopf und die Woche zugebilligt worden, das ist zu wenig, zumal die Fleischversorgung voraussichtlich noch für lange Zeit nicht besser möglich sein wird, als das jetzt der Fall ist und weil noch andere Lebensmittel, vor allem auch Gemüse, nur in geringerem Maße vorhanden sein werden. Ich halte die Zubilligung von mindestens zehn Pfund für den Kopf und die Woche unerläßlich. Geschieht diese Erhöhung nicht, dann wird die Hamsterei nicht ausbleiben; der vermögendere Volksteil wird sich unter Aufwendung größerer Geldmittel die Kartoffeln zu beschaffen suchen, während die minderbemittelte und ärmere Bevölkerung leer ausgeht. Es ist durchaus notwendig, daß die Erhöhung der - Kartoffelration alsbald verfügt wird, damit sich alle Kreise ; dementsprechend für den Winter eindecken können. Nach den J übereinstimmenden Urteilen Sachverständiger haben wir eine so ; gute Kartoffelernte zu erwarten, daß die Erhöhung auf zehn | Pfund durchaus möglich ist. Er beantragt demgemäß, die nötigen Schritte zu tun. Keine Mällijeeniciaminßkn in PmalhaWhMNNi. Neuerdings wird wieder das Gerücht verbreitet, daß die Enteignung der Tisch- und Bettwäsche in den Privaihaushal- j tungen bevorstehe. Dies entspricht nach den „Mitteilungen der i Reichsbekleidungsstelle" nicht den Tatsachen. Die Reichsbe- kleidungsstelle beabsichtigt keinen zwangsweisen Eingriff in bic Wäschebestände der Privathaushaltungen. Dom Felde der Ehre. Friedkerg, 24. Sept. Leutnant der Reserve Hermann Kleberger, Sohn des Herrn Pfarrer Kleberger von hier, erhielt das Eiserne Kreuz erster Klasse. Södel. Dem Wehrmann Gustav P reust beim Land- sturm-Bataillon 18/10 wurde das Eiserne Kreuz verliehen. — Sergeant Heinrich Wagner bei einem Feld-Artillerie- Regim-ent wurde mit der Hessischen Tapferkeitsmedaille ausgezeichnet. Das Eiserne Kreuz besitzt er schon seit 1914. Ans der steinrat. Friedberg. (Einladung.) Die Herren Stadtver- ordneten werden zu einer Sitzung auf Donnerstag, den 26. September 1918, nachmittags 4y 2 Uhr ergebenst eingeladen. Tagesordnung: 1. Vermächtnis Eich; 2. Das Lauten der Glocken: 3. Errichtung einer Sammelvormund- fchaft: 4. Eingabe des Konsumentenausschusses; 5. Vergleich mit Stadtbaumeister i. R. Zörb; 6 Auslosung von städtischen Schuldverschreibungen; Herabsetzung der Gemeindesteuer ftir Wilhelm Beck; 8. Stiftung eines Preises für das Ersatzbataillon: 9. Anschaffung von Flugblättern betr.: „KarLoffellagevung im Haushalt"; 10. Verkauf und Ankauf eines Bullen; 11. Geländefragen: 12. Mitteil- langen. Durch Postnachnahme eingezogene Betrage können für Post- scheEunden mit Zahlkarle auf deren Postkonto überwiesen werden. Man sollte glauben, daß von diesem außerordentlich billigen und einfachen Verfahren jeder Geschäftsmann zu seinen und seiner Kunden Nutzen möglichst weiten Gebrauch machen müßte. Das ist aber, wie wir erfahren, selbst Lei großen Geschäften nicht immer der Fall. Von zuständiger Seite wird uns nämlich mitgeteilt, daß sogar große Geschäfte mit bedeutendem Verfandverkehr und Warenhäuser sich die eingezogenen Nach- ncchmebeträge noch mit Postanweisung senden lassen und dafür die teure Postanweisungsgebühr zahlen. Wir empfehlen dringend, mit solcher geschäftlichen Rückständigkeit doch wenigstens noch vvr dem 1. Oktober auszuräumen, da von diesem Zeitpunkt ab die Gebühr für die Postanweisungen noch erhöht wird. Die Vordrucke zu den Rachnahmezahlkarten, in die auf Wunsch auch die Kontobezeichnung eingedruckt wird, sind bei den Postscheckämtern erhältlich. Ueber das Verfahren geben alle Postämter Auskunft. Echzell, 24. Sept. Der Verkauf von 26 Morgen fiskalischer Wiesen brachte unerhörte Preise. Ts wurden für den Quadratmeter durchgängig 1.30 bis zu 1.60 Mark bezahlt. Aus Starkenburg. Darmstadt, 22. Sept. Die seit einigen Jahren schwebende Liquidation der Landwirtschaftlichen Genossenschaftsbank ist jetzt soweit gediehen, daß diesmal die vierte Rate mit 5 Prozent zur Auszahlung gelangen konnte, fodaß die Gläubiger jetzt im ganzen 30 Prozent ihrer Forderungen erhalten haben zu 4,2 Millionen Mark. Der gegen die Mitglieder des früheren Vorstandes und Aussichtsrates vor Jahren eingeleitete Rcgreß- prozeß ist durch Vergleich erledigt worden. — Die Summe von 25.000 Mark hat die süddeutsche Eisenbahngesellschaft der Nationalst lftung für die Hinterbliebenen gespendet, die Gewerkschaft Grube Messel hat derselben Stiftung die Summe von 15.000 Mark überwiesen. Aus Rhcinhrssen. Nierstein a. Rh., 20. Sept. (Von Viehdieben erschlagen.) Der vor einigen Tagen am Plattenhof von vier Räubern überfallene Wächter Schmitt ist seinen Verletzungen erlegen. Den Untersuchungen zufolge wollten die Muber den ganzen Viehbestand, rauben und Ke^nMlächtereien 'zuführen, Hierbei wurden sie von Schmitt überrascht, der dann eich Opfer seiner Treue wurde. Aus Hessen-Nassan. Höchst a. M., 21. Sept. In den Farbwerken stürzte der Äv beiter Wilhelm Landsiedel aus Zeilsheim, während er mit deU Anbringen eines Treibriemens beschäftigt war, infolge eine- Eerüstbruches aus 8Y» Metern Höhe in die Tiefe ab. Der Un glückliche, der gerade 25 Jahre in den Farbwerken tätig ist, stark nach wenigen Augenblicken. FC. Pfeddersheim» 22. Sept. Der Vorarbeiter Franz Ma. tynia in Kriegsheim wurde wegen Diebstahl eines Treibrie. mens vom Schöffengericht zu vier Wochen Gefängnis vcrur- teilt. FC. Oberursel, 22. Sept. Der 29 jährige Sattler (•>> Steinmetz, der über drei Jahre an der Front gestiv , wurde von einem Zug der Elektrischen überfahren und so schwer verletzt, daß er kurz darauf verstarb. FC. Biebrich, 22. Sept. Durch leichtsinniges Hanti: explodierte einer Frau eine mit Sprritus gefüllte Fi wodurch ein Stubenbrand entstand und die Frau und einjähriges Kind Brandwunden erlitten. Das Kind i, in folge der schweren Verletzungen gestorben. FC. Von der Lahn, 22. Sept. Heute begingen die leitte Wilhelm Lang in Ernsthausen das goldene Hoch.z'üi.- fest. Ans Kurhessen. Bebra, 20. Sept. (Der Blankenheimer Eisenbahmmffll). Bei dem Eisenbahnunglück auf der Station Blankenheim haben der Schaffner Zinkhcnn aus Elm und der Lokomotivführer Fr. Kollmann aus Fulda das Leben eingebüßt. Der Schaffn-r Schott aus Elist. der Lokomotivführer Faßhauer aus Bebra der Heizer Larbig aus Götzenhof bei Fulda, der Zugführer Herbert aus Elm und die Hilfsschaffnerin Baus aus Elm cxf)i :I Kopf- und Vruftverletzungen, die letztere außerdem einen Beinbruch. Mmm Eilknbahn-llnstÜilk dei flm&rn. Dresden, 23. Sept. Gestern abend nach 10 Ahr stieß unmittelbar vor Dresden der Leipziger D-Zug auf den wegen eines Maschinendefekts dort haltenden Berliner D-Zug. B: :e Züge waren sehr stark besetzt. Es gingen einige Wagen in Trümmer, unter denen bisher 17 Tote und 24 Verletzte gefunden wnrden. Die Verletzten wurden in DrssdenZr Krankenhäuser überführt. Die Aufraumungsarbeiten sind noch im Gange, sodaß man sich auf noch mehr Opfer gefaßt machen muh Die Namen konnten zum großen Teil noch nicht festgestellt werden. U. a. ist die Gattin des bekannten Tonkünstlers Pembauer als Leiche gefunden worden. Das Unglück ist wahrscheinlich durch Ueberfahren eines Signals entstanden. Finanzministe» Dr. v. Seydowitz, dem die Staatsbahnen unterstellt sind, ura Eisenbahnprästdent Eeheimrat Dr. Ulbricht weilten während der Nachtstunden an der Unglücksstätte. Dresden, 23. Sept. (WB. Amtlich.) Das Eisenbahnunglück, das sich gestern abend 10 Uhr 6 Minuten auf der viergleistgen Hauptbahnstrecke Leipzig-DresdemNsustadt ereignet hat, hat sich leider als einer der schwersten Unfälle herausgestellt, von denen bisher die sächsische Staatseisen- bahnverwalfting bettoffen wurde. 'Der Vorgang war nach den bisherigen Ergebnissen der amtlichen Untersuchung folgender: Der von Leipzig über Doebeln nach Dresden ver- kehrende Personenzug 1513 (fahrplanmäßig 9 Uhr, 28 in Dresden-Neustadt) erlitt am Einfahrtssignal des Bahnhofes Dresden-Neustadt Lokomottvschaden, so daß er vor vollendeter Einfahrt liegen blieb. Dadurch kam der von Berlin kommende D-Zug 196 (fahrplanmäßig 9 Uhr 58 in Dresden» Neustadt) vor dem vorausliegenden Block Nr. 30 zum Halten. Seine letzten Wagen standen in der Nähe der Brücke über den Riefaer Platz. Auf diese Wagen fuhr der aus Leipzig kom- mende D-Zug 13 (fahrplanmäßig 10 Uhr 8 in Dresden- Neustadt) au-f. Darüber, wie es möglich war, daß der Führer des D-Zuges 13 in die vom Berliner D-Zug besetzte Blockstrecke einsuhr, obwohl die Strecke unmittelbar nach dem Unfall nach den angestellten amtlichen Ermittlungen gesperrt war, können erst die im Gange befindlichen weiteren Er» örterungen endgültigen Aufschluß geben. Die Gefchwindig' feit des Leipziger Zuges war zwar schon infolge der Warm- stellung des Vorsignals etwas ermäßigt worden, jedoch noch groß genug, um die verhängnisvolle Wirkung auszuüben. Von Reifenden des Leipziger Zuges wurden glücklicherweise nur wenige, und auch diese nur leicht verletzt. Dagegen wurden im Berliner Zuge, von dessen Wagen mehrere vollständig zertrümmert wurden, 31 Reisende getötet und 30 schlver verwundet. Als leichtverletzt sind bisher 29 Personen ermittelt worden. Die Ermittlungen sind noch nicht beendet. Kirchliche Nachrichten« * Gottesdien st in der Stadtkirche. Mittwoch, 25. Sept., abends 8*4 Uhr: Kriegsandacht. Herr Pfarrer Kleberger. Offene Stellen: 8 Hausmädchen, 13 Dienstmägde. 2 Haushälterinnen. 13 Knechte, 1 Hofmeister. 8 Tagelöhner, 2 Maschinisten. 1 Schäferfamilie. 1 Kutscher. 2 Knechlefamilien. 2 Aufseher, mehrere Milchrevisoren, 10 Bautechniker für Kriegsbauten. Für Etappe: Leiter eines Heims für jugendliche Helfer, Frauen, Mädchen und Männer aller Berufe, außer Wehrpflichtigem Stellensuchender Mehrere Melkerfamilien und ledige Melker, 14jähr. Junge für Landarbeit, 1 Bürofräulein, 1 Ordonnanz. _ Verantwortlich für den politischen und lokalen Teil: Otto H ir sch el, Friedberg; ftir den Anzeigenteil: R. Heyn er. Friedberg, Druck und Verlag der „Neuen Tageszeitung", A- G.« Friedberg l H. Uerfernt. Roman von Anny Wothe. 37) Nachdruck verboten. »Nicht doch, Mirena! Heute mutz es klar werden zwischen uns. Ich weih jetzt, datz du mich nie geliebt hast, denn sonst würdest du mich nicht so leicht aufgeben, wie du es tust, ich weiß aber auch, datz meine Liebe dir nie gehörte, datz es ein wilder Rausch der Sinne war, der mich in deine Arme führte, und daß ich immer nur eine geliebt, Aga, die Große, die Reine, und doch Verfemte!" . r( Mirena lachte gellend auf. > v »Das sieht ihr ähnlich, der Tugendsamen. Darum also spielte sie die Entrüstete, datz ich dich zu mir zog, weil sie deiner selbst begehrte." „Schweige und schmähe Aga nicht. Ich habe sie seit Monaten nicht gesehen, aber wissen sollst du es, daß ich, weil ich ihr das Versprechen gegeben, dich nicht zu verlassen, bei dir auZ- hielt — aus Pflicht. Du selbst hast heute das Band zerschnitten, das uns anernanderfesselt. Jetzt, wo ich dir nichts mehr zu bieten habe, nicht mal einen Namen, um den sich Ruhmeskränze schlingen, da verläßt du mich wie die Ratte das sinkende Schiff. Ich aber danke dir dafür, Mirena, von Herzen, denn diese Stunde macht mich frei, frei von allen Fesseln, welche die Pflicht mir aufzwang." Mirena drückte das lockige Haupt tief in den Sessel und ichlotz einen Moment die Augen. Das war die Dichterliebe, die sie einst so heiß begehrte, die sie hoch hinauf zu den Sternen tragen sollte, und die verblaßt war wie die Rose am Wege. Und merkwürdig, sie empfand nicht einmal Schmerz, datz der Mann, den sie noch vor kurzer Zeit mit all ihren Sinnen begehrte, von ihr ging. Es war ihr wie eine Erlösung. Der Mann, dessen Namen man in den Zer Lurchen durch den Schmutz schleifte, der konnte ihr nichts sein, vielleicht nicht mal eine Erinnerung. „Lebe wohl, Mirena," sagte Holger warm, ihr die Hand entgegenstreckend, „und verzeihe mir. Wir reifen ja alle durch Irrtum zur Wahrheit. Latz uns in Frieden scheiden, und wenn dir einmal im Leben so recht einsam istz so wundersam einsam, dann denke daran, datz in dem kleinen Heidedorf ein kleines Wesen lebt, das vergeblich nach seiner Mutter ruft." Mirena nickte, aber sie sah nicht auf. Holger stand noch einige Minuten an der Tür. Mirena winkte schweigend mit der Hand. Da fielen die blassen Astern, die auf der weißen Pelzdecke lagen, zur Erde. „Totenblume. Aster!" flüsterte Mirena, und ihr Blick irrte in die roten Flammen. Holger neigte noch einmal tief das Haupt, dann ging er. Die Tür fiel hinter ihm ins Schloß. Mirena hörte seine Schritte draußen auf dem Kieswege verhallen. Sie sah durch das Fenster zwischen den falben Büschen noch einmal seinen blonden Kopf auftauchen. Die Sonne durchbrach soeben siegreich das graue Gewölk und warf einen versöhnenden Schimmer über die herbstliche Welt. Mirena stand auf Weit schleuderte sie die Pelßdecke zurück. "Frei!" rief sie aus. beide Arme ausbreitend, „frei und allein!" Ein Schauer lief durch ihnen Körper. Der Winter kam. » Ein Telegramm? Wo kam das her? Mirena starrte darauf. Sie konnte die Buchstaben kaum lesen, so verworren erschien ibr die Schrift. "Eerti lebensgefährlich erkrankt, kommen Sie sofort. Graf Verghausen ist im Süden. Frau von Hammersbach." Der Ruf, das war der Ruf aus dem Heidedorf, von dem Holger gesprochen. Mirena schrie laut auf. Was war das? Was krumpfte plötzlich ihr Herz zusammen? war ja wicdA das leise Weinen einer Kinderftimme, das fls verfolgt hattfs bis heute. Das Weinen der kleinen Eerti, das sie nicht hören wollke in ihrem Freiheitsdrange, das übertönt wurde von ihrer Sucht nach Genuß, von ihrem Lechzen nach Liebe. Und nun klang das Weinen wieder, und es gellte in ihren Ohren. Was war alle Sünde der Welt gegen die mahnende Stimme in ihrer Brust, die unaufhörlich schrie, die sich nicht mehr übertönen ließ, jetzt, wo es zn spät war. Wie in Fieberschauern schlugen Mirenas Zähne aneinander. Eiligst raffte sie einige Sachen zusammen. Sie mußte ja fort nach Verghausen, dahin, wo ein kleines Kind unaufhörlich nach seiner Mutter schrie!- • »Zu spät," sagte Frau von Hammersbach mit Tränen in den Augen, und öffnete die Tür zu dem großen Festsaal, in dem unter Blumen und Kränzen und brennenden Kerzen ein winziges Menschentindlein schlief, den, ewigen Lichte entgegen. Mirena winkte matt mit der weißen Hand. Dann schloß sich die hohe Flügeltür hinter der schwarzen Gestalt. Und Stunde auf Stunde verging. Mirena war noch immer bei ihrem toten Kinde, da hielt ein Reisewagen vor der Tür. Graf Verghausen, die Spur tiefsten Leidens im Antlitz und Gestalt, wankte, auf den Arm Jeans gestützt, in die Halle. Er war Tag und Nacht gefahren, sein Ktnd noch einmal zu sehen, das er blühend und gesund verlassen und das ihm nun niemals wieder lächeln sollte, niemals! Jürgen Berghausen preßte einen Augenblick den Kopf gegen die Wand, da öffnete sich langsam die Tür und eine bleiche Frauengestalt, von dunklem Flor umwallt, stand auf der Schwelle. Fortsetzung folgt. Kekarmimachrmg. Wir hatten an ein Wiederseh'n geglaubt, Doch die Kugel hat uns den Sohn und Bruder geraubt. Und fragt man das Schicksal, warum, warum? Es gibt keine Antwort und bleibt stumm. Cs ward uns die tieftraurige, kaum zu fassende Mitteilung, datz unser heißgeliebter unvergeßlicher Sohn, Bruder, Schwager und Enkel Unteroffizier Friedrich Wskiv Inhaber des Eisernen Kreuzes II. Klasse und der Hessischen Tapferkeitsmedaille am 18. September an den Folgen einer am 6. Se^ tember erhaltenen schweren Verwundung in einem Feldlazarett sein junges Leben für's Vaterland laste, mußte. Echzell, den 24. September 1918. Heinrich «Sijriahou I!. n. Iran g-b. Schade Heinrich Chriskau I. nebst Familie z. Zt.i. Felde Heinrich Merner«. Familie, Betzdorf (Großeltern), Dauernheim. Bekanntmachung. NSW,, Mittwoch, den 25. ds, Mts., verteilen wir in der alten Post Zwiebeln. Für jede auf der Lebensmittelkarte verzeichnete Person wird 1 Pfund zum Preise von 42 Pfennig abgegeben. 3 Die Lebensmittelkarten find als Ausweis vorzuleaen. o Agabe erfolgt von &/ a bis 12 Uhr vormittags und von Ll J» .".achlnittags in der Reihenfolge wie bei der Butter ausgabe. Gefäße sind mrtzubrrngen. Friedberg, den 23. September 1918. Der Bürgermeister. I. V.: Dam m. Unter Bezugnahme auf die Bekanntmachung des Vorsitzenden des Kommunalverbandes vom 16. September d. I (A-V-Vl Nr. 167) betreffend Regelung des Verbrauchs von Kartoffeln aus der Ernte 1918 bringe ich hierdurch zur öffentlichen Kenntnis, daß nachdem das Ernkellern des Bedarfs auch für dieses Jahr gestattet Kartoffelbezugsscheine in der Zeit vom 2b. September bis 1. November d. I. auf Zimmer Nr. 9 des Stadthauses ausgestellt werden und zwar an solche Verbraucher. denen dre erforderlichen Räume zur Verfügung stehen und der denen das Einkellern auch bisher üblich gewesen ist. Ein Recht auf Ausstellung eines Bezugs cheines besteht nicht. Die Behändi- gung von Bezugsscheinen wird insbesondere solchen Personen verweigert werden, die im abgelaufenen Emtefahr mit ihren Kartoffeln a?cht w.rtichaftlich umgegangen sind. Die auf Bezugsscheine beziehbare Menge beträgt unter Zugrundelegung einer Wochenkopfmenge von 7 Pfund im Höchstfälle 3,5 Zentner für die Person. Rach dem 1. November werden keine Bezugsscheine mehr ausgestellt. für dis auf Bezugsscheins vom Erzeuger gelieferten Kartoffeln darf bei Lieferung frei Keller einfchl. Sackleihgebühr höchstens betragen. * a) beim Bezug aus Friedberg oder Friedberg-Fauerbach oder von einem nicht mehr als 3 Klm. entfernten Orte MB*, je Zenlner. b) von Orten, die mehr als 3 Klm. entfernt sind, höchstens je Zenlner. Vei Lieferung der Kartoffeln von einem Lager des Kommunalverbandes, der städtischen Verkaufsstellen oder eines Händlers darf der Preis höchstens .'Hh. für den Zentner betragen. Werden die Kartoffeln ungesackt geliefert, dann hat sich der Zentneroreis um je 30 Pfg. zu ermäßigen. Fciedberg den 23. September 1918. Der Bürgermeister. I. V.: Damm. Kekanntmachnng. Wir beabsichtigen auch in diesem Jahre wieder Weißkraut für den Winterbedarf zu beschaffen, und nehmen Auffräge unter ör^ag, den, 27. d. M.. während . 1 »Ausgabe, und Samstag vormittags von 9 bis 11 Uhr rm Ge-chastszrmmsr des Lebensmittel-Ausschusses, entgegen. Frieoberg, den 23. September 1918. Der Bürgermeister. —______ 2. V.: Damm. Bekanntmachung. Kartoffeln für den Winterbedarf zu besorgen. % Zerson werden zur Einkellerung V/ 2 Zentner abgegeben. Dre Bezugsicherne werden von uns besorgt. iänfil 6 ™ Don Mittwoch, den 25. ds. Mts. ab, LuqÄ'.n-« l\ bl * 12 U ^ r ' im Geschäftszimmer des Lebensmittel- musfchusses entgegen genommen. Die Lebensmittelkarte ist vorzulegen. Friedberg, den 33, September 1918. Der Bürgermeister. 2. V.: Damm ' BekaniUmachnng 2m Hinweis auf die Bekanntmachung des Komniunalverbandes Friedberg vom 19. September 1918 i. Amtsoerkündigungsblatt Nr. 187 bringe ich hierdurch zur öffentlichen Kenntnis, daß vom 1. Oktober lf. Js. ab eme wöchentliche Brotmenge von 2000 Gramm, anstatt bisher 1900 Gramm zur Ausgabe gelangt. Die laufende Brotkarte ist danach von genanntem Zeitpunkte ab wie folgt u beliefern : für die Alffchnitte von 700 Er. Mehl = 1000 Er. Gebäck, für Ne Abschnitte von 400 Er. Mehl = bOO Er. Gebäck, für die Abschnitte von 150 Er. Mehl — je 200 Gr. Gebäck. Der Brotpreis beträgt vom 1-/10. ab 90 Pfg. der Preis für Brötchen bleibt unverändert. Friedberg, den 23. Sept. 1918. Der Bürgermeister 2. V.: Dam m. Bekanntmachung Von heute ab beträgt der Verkaufspreis für Kartoffeln in den hiesigen Abgabestellen, bei Abnahme bis zu 50 Pfund 9 Pfennig über 50 Pfund 8 Pfennig. Friedberg, den 23. Sept. 1918. Der Bürgermeister _ I. V.: Damm. Feldscheunen! 10.00 m br., 24,00 bis 36,00 m lang 12.00 24,00 „ 36,00 „ » 15.00.. .. 30,00 „ 42,00 _ .. Bfflii Mittwoch, den 25. September, abends 8 Uhr, wollen die Karl Ditlafch Eheleute und Johannes Schmidt ihre Grundstücke auf weitere 9 Jahre verpachten in der Wirtschaft von Friede. Billasch, Friedberg- Fauerbach. ^te immer mehr steigenden Löhne und Preise aller Hilfsmittel zwingen die Unterzeichneten Geschäfts, stellen, das Vezugsgeldfür ihre Zeitungen wieder um eine Kleinigkeit zu erhöhen. Vom 1. Oktober dieses Jahres ab kosten der „Oberhessische Anzeiger" und die „Neue Tageszeitung" für Friedberg und bei den auswärtigen Vertreter,, Mk. 3.-für das Vierteljahr einschließlich Trägerlohn. Für die Postbezieher stellt sich der Bezugspreis auf Mk. 2.70 für das Vierteljahr, wozu noch das Bestellgeld kommt. Gkschiistsjtklle d» „Oberhessischcil Anzeiger" „Neve Tagesjclliiiig." Verloren ein fast neues Mleu-Seii von der Genossenschaft bis an das Offiziers - Gefangenenlager Friedberg. Abzugeben gegen Belohnung in der Geschäftsstelle der „Reuen Tageszeitung". wieder einseirolfen. Tapeten- iiihI SJgiolcuiiilisuis sfeasi Kid gier, Friedherg, Kaiserstrasse 27, N ähe des Rathauses. Hassererem, Elegantes schwarz-seidenes Kleid für große starke Figur zu verkaufen. Zu erfragen in, der Eeschäfts- stelle der „Reuen Tageszeitung". Achtung! Zur bevorstehenden Buch, eckernernte offeriere ich: Kckern-Siclie, Eiaue»-Sielie sowie AIS. IdllÄiMiii Ml FruchSreinigungs-, Samen-, SSaud-, Füller-, Mehl- und Durcftschlag-Siebe aller Art. Sämtliche Siebe werden selbst angefertigt und können zu jeder Zeit geliefert werden von Heinrich Baiiiiiijacli Siebmacher, in Michelnau, Station Nidda. 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