Dummer 221 ^ Nli;elpreig Lm« Freitag. den 20. September 1918 11. Jahrgang. Die ..Neue Tageszeitung" erscheint jeden Werktag. Regelmäßige Beilagen „Der Dauer ans Helsen", „Die Spinnstube". Bezugspreis: Bei den Postanstalten vierteljährlich Mk. 2.4o hinzu tritt noch das Bestellgeld; bei den Anenten monatlich 90 Pfg. einschließlich Trägerlohn. Anzeigen: Grundzeile 2b Psg.» lokale 2OPig^ Anzeigen von auswärts werden durch Postnachnahme erhoben. Enüllunasor: Friedberg. Hchriftleitung und Derlag Friedberg (Hessen). Hananerstraße 12. Fernsprecher 48. Postscheck-Lonto Nr. 4859, Amt Frankfurt a. M. Voller Misserfolg des Gegners vor Kt. Unentin. — Kejchiesznng von Metz. — 29000 Tonne» versenkt. Der deutsche Generalstab —- meldet: -—- M. T. Ä. Großes HartpLqusrLirr» den 19 . Krptemver Amtlich. Westlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppen Kronprinz Nupprecht und B o e h n. Nordöstlich von Vixschoote säuberten wir Teile der in den Kämpfen vom 9. 9. dem Feinde verbliebenen Grabenstücke und nahmen 186 Belgier gefangen. Rege ErkundungstäUgkeit zwischen Bpern und La Bassee. Nördlich von Armentieres und südlich vom La Basiee-Kanal wurden Teilangriffe des Feindes abgewiesen. Im Abschnitt ron Moeurres und Havrincourt starker Artilleriekampf: bei örtlichen Angriffen machten wir hier Gefangene. Der Engländer nahm seine Angriffe gegen unsere Stellungen vor der Siegsriedfront von Havrincourt bis zur Somme wieder auf. Die nördlich von Gouzeaucourt und gegen den Ort selbst gerichteten Angriffe scheiterten vor unseren Linien. Deutsche Jägerregimenter haben Gouzeaucourt zähe verteidigt. Auch zwischn Gouzeaucourt und Havrincourt schlugen wir den Engländer, der mit starken Kräften und Panzerwagen mehrfach ansturmte, ab. Epehy und Rousioy blieben nach wechsel- vollem Kampfe in seiner Hand. Am Abend wiederholte der Feind auf dieser ganzen Front seine Angriffe: sie wurden überall abgewiesen. Zwischen Hargicourt vnd Pontru drangen Australier in unsere Stellungen ein. Nach hartem Kampfe gelang es, den über Hargicourt und Pontru vorstoßenden Feind westlich von Bellicourt—Belle Eglife zum Stehen zu bringen. Zwischen Omignon-Bach und Somme griff der Engländer im Verein mit Frangosen an. Unter Einsatz starker Kräfte suchte er cruf St. Quentin und nördlich davon unsere Limen zu durchbrechen. Die bis zum Abend anhaltenden Kampfe endeten mit vollem Mißerfolg für den Gegner; in heftigen Kämpfen wurde der Feind in seine Ausgangsstellungen zurückgeworfen. Ostpreußische Regimenter und das elsaß-lothringische Infanterie- Regiment Rr. 60 zeichneten 'sich hier besonders aus. Südlich der Somme scheiterte ein Teilangriff der Franzosen. Auf der 35 Kilometer breiten Angriffsfront stellten wir durch Gefangene 15 feindliche Divisionen fest. Heeresgruppe Deutscher Kronprinz. Zwischen Ailette und Aisne nahm der Artilleriekampf am Nachmittag wieder beträchtliche Stärke an. Heftige Teilan- grifse, die sich im besonderen gegen unsere Linien beiderseits der Straße Laffaux—Chavignon richteten, wurden abgewiesen. Heeresgruppe Gollwitz. An der Gotes-Lorraine lebte die Eefechtstätigkeit auf. Kleinere Vorfeldkämpfe. Bei einem Vorstoß auf Manheulles machten wir Gefangene. Der erste Generalquartiermeister: Ludendorff. Abendberlcht. Berlin, 19. Sept., abends. (MTV. Amtlich.) An der gestrige Schlachtfront zwischen dem Walde von Havrincourt und der Somme beschränkte sich der Engländer auf heftige Teilangriffe, die überall abgewiesen wurden. !! Der bulgarische Gruevalstab j meldet: Sofia, 17. Sept. (WV. Nichtamtlich.) Eeneralstabsbericht. Mazedonische Front: In der Gegend von Vitolia war an mehreren Stellen im Gernagebiet die Feuertätigkeit auf beiden Seiten zeitweise ziemlich heftig. Oeftlich Cerna wiesen unsere Einheiten mehrere heftige Angriffe gegen unsere Stellungen bei Dorf Beschichte und auf dem Gipfel des Tribor zurück. In der Moglena-Eegend griffen französische Einheiten unsere vorgeschobenen Stellungen beim Dorfe Zborske an. wurden aber nach einem Nahkampf vertrieben und ließen Gefangene in unseren Händen, darunter zwei Offiziere- Auf beiden Seiten des War- dar wurden starke englische Angriffsabteilungen zerstreut. i Das türkische Hauptquartier == meldet: Konstantinopel, 18. Sept . (WV. Nichtamtlich.) Eeneral- stabsbericht. Palästinafront: Anhaltende, gesteigerte Eefechtstatigkeit an der ganzen Front. Im Küstenabschnitt Geschoß feindliche schwere Artillerie unsere Batterien mit Fliegerbeobachtung ohne Erfolg. Durch unser Abwehrfeuer wurde ein feindliches Flugzeug zwischen den beiderseitigen Linien zur Landung gezwungen. Lebhaftes feindliches Arlilleriefeuer und rege Feuertätigkeit an der Straße Jerusalem—NabnluZ. Feindliche Aufklärungsabteilungen wurden dort von uns abgewlefen. Auf dein Ostjordan-Ufer beiderseitige Artillerie- und starke Patrouillen-ätigkeit. An der Straße Ierichow—Toll Nirmin im Hodschas griffen am 14. September zahlreiche Rebellen unsere Postierungen nordwestlich Modina an, mit herbeigeeilten Verstärkungen gelang es, die Angreifer in die Flucht zu schlagen. 29 000 Tonnen versenkt. Berlin, 18. Sept. (WB. Amtlich.) Im Sperrgebiet um England wurden von unseren U-Booten 29 000 Brnttorcgisterlonnen versenkt. Der Chcf dcö AdmiralstabeZ der Marine. KeHhietzttng von Wetz. Metz, 19. Sept. Die hiesigen Zeitungen bringen eine amtliche Mitteilung, in der es heißt: Seit mehreren Tagen beschießt der Feind Metz aus einem weittragenden Geschütz. Diese Beschießung ist alle die Jahre hindurch, die der Krieg schon dauert, stets möglich gewesen und wurde lange erwartet. Die modernen Geschütze haben eine weit größere Tragweite als etwa die Entfernung südlich Pont-L- Mousson nach Mtz. Die jetzige Beschießung hängt also keineswegs damit zusammen, daß der Feind nach unserer Räumung des St. Mihiel-VogenZ der Stadt näher gekommen ist. Sie ist nur eine Begleiterscheinung der jetzigen Kämpfe westlich und südwestlich von Metz und wird bald aufhören, wenn diese sich erst festgelaufen haben. Daher sind auch vom Gouvernement keinerlei Aenderungen in den Bestimmungen über die Ein- und Ausreise aus dem Eouvernementsbereiche erlassen. Dev österreichische Genevalstab jj meidet: ==» Wien, 19. Sept. (WTB. Nichtamtlich.) Amtlich wird ver- lautbart: In den Sieben Gemeinden anhaltend lebhafter Feuerkampf. Zwischen Brenta und Piave stellte der Feind nach den schweren Mißerfolgen der Vortage seine Angriffe ein. Unter unseren braven Truppen, die in den letzten Kämpfen, von ihrer Artillerie kräftig unterstützt, den immer wieder verbrechenden Feind siegreich abgewehrt haben, verdienen die ungarischen Infanterie-Regimenter Nr. 39 und 105 besondere Anerkennung. Bei Sandona wurde ein nächtlicher Uebergangsversuch durch unser Neuer abgewiesei Der Chef des GeneralstaöeS. FUegevevfotge an dev Westfront. Berlin, 19. Sept. (WB.) Infolge der günstigen Witterung war am 10. September die Fliegertätigkeit an der Westfront äußerst rege. In zahlreichen erbitterten Luftschlachten bewiesen unsere Jagdstreitkräfte in kühnem Draufgehen anfs neue ihre Ueberlegenheit, 34 feindliche Flugzeuge wurden im Luftkampf und acht durch Flugabwehrkanonen abgesckossen; zwei Flugzeilge wurden beim Angriff auf unsere Ballone durch M.-G. der Ballonzüge zum Absturz gebracht Oberleutnant Lörzer errang seinen 35., Hauptmann v. Schleich feinen 31., Leutnant Thuy feinen 30., Bizefeld- webel Frnhner seinen 27., Offizier-Stellvertreter Dörr seinen 27.. Leutnant Bäumer feinen 25. und 26., Oberleutnant Grein seinen 23. Luftsieg. Diesem Verlust von 44 feindlichen Flugzeugen steht auf unserer Seite ein Verlust von nur sechs Flugzeugen gegenüber. Die gestern gemeldete Abschuß- zahl feindlicher Flugzeuge und Ballone am 15. September .erhöhte sich nachträglich noch. Danach sind an diesem Tage 12 feindliche Flugzeuge (davon acht durch die Flak) und 20 Ballone abgeschossen worden. Innerhalb dieser beiden Tage verloren unsere Gegner also 86 Flugzeuge, während unsere eigenen Verluste nur 12 Flugzeuge betragen. Es ist eine Ironie des Schicksals, daß die gewaltigen in den letzten Tagen erzielten, bisher noch nie erreichten Abschußzahlen feindlicher Flugzeuge zeitlich mit dem amtlichen englischen Funksprnch zusammenfallen, in dem triumphierend als unmittelbare Wirkung englischer Angriffe auf das deutsche Heimatgebiet die Zurückziehung einer großen Anzahl deutscher Jagdgeschwader von der Front zur Verteidigung des Rheingebietes gepriesen wurde. Verlustreiche Fliegerangriffe aus das deullche heimatgeb' Berlin, 19. Sept. (WTB. Amtlich) Unsere Gegner benutzten die günstige Witterung der letzten Tage und Nächte zu zahlreichen Angriffen auf das Heimatgebiet. Städte am Rhein, in Baden, Lothringen und deren Umgebung waren das Ziel der feindlichen Bombenabwürfe. Auch diesmal blieb der Erfolg trotz des hohen Einsatzes an Flugzeugen weit hinter ihren Erwartungen zurück. Ihr Kriegsprogramm. vorsätzlichen Krieg gegen die Nichtkämpfer, haben sie in die Tat umgesetzt. Ihre Bomben waren fast ausfchließ^ lich gegen die friedliche Bevölkerung und das bürgerliche Eigentum gerichtet. Auch die jüngst iTt ihrer Presse veröffentlichte Drohung, Kirchen und öffentliche Gebäude nicht zu schonen. haben sie wahrgemacht. In Mainz warfen sie Bomben auf die Johanniskirche und beschädigten sie schwer. Der Schaden an Privathänsern in den offenen Stödten war gering. In Stuttgart wurden elf Personen getötet, darunter sechs Frauen und vier Kinder. Unter den zehn Verletzten befinden sich drei Frauen und vier Kinder. Sonst wurden vom 15. bis 17. 9. nur zwei Personen schwer und elf leicht verletzt. Ihr völkerrechtswidriges Vorgehen büßten unsere Gegner mit schweren Verlusten. Aus dem am 16. September von einem Fliegerangriff auf Mannheim zurückkehrenden feindlichen Geschwader wurden beim Rückfluge über die Front von unseren Jagdfliegern drei Flugzeuge abae- sckwssen. In dem lothringisch-luxemburgischen Jndustrie- acbiet und im Saargebiet wurden in der darauffolgenden Nacht dank der Maßnahmen des Heimatluftschutzes sechs weitere feindliche Flugzeuge zum Absturz gebracht. Der Feind büchte also nach den bisherigen Feststellungen bei diesen Angriffen innerhalb 36 Stunden insgesamt neun Flugzeuge ein. Gescheiterte italienische Angriff. Wien, 19. Sept. (WB.) Aus dem Kriegspreffequartis wird gemeldet; Erhöhtes Artilleriefeuer und Maschinenge- wehrfeuer, sowie lebhafte Pairouillentätigkeit und Fliegertätigkeit kündigten in den letzten Tagen an, daß die italienische Hee. resleitung neuerlich zu einem starken Vorstoß gegen unsere Linien einsetzen werde. Die Italiener wählten den zwischen der Brenta und Etsch gekegenen Teil unserer Eebirgsfront zum Ziele, gegen deren Ausblick in die Poebene gewährende Gipfel des Monte Asolone, des Monte Pertioa und des Monte Sola- rolo der Feind immer wieder vergebliche verlustreiche Angriffs im Vrentatale und gegen den Col Caprile vorgehende Sturm- kolonnen wurden von uns zersprengt, ehe sie an unsere Linien herangekommen waren. Auf dem Monte Asolone gelang es den Italienern, unter unserem Feuer nicht einmal ihre Gräben zu verlaffen. Restlos und mit schwersten Verlusten wurde der Feind mich auf dem Monte Pertica und dem Monte Salarolo abgewiesen. Zu Nahkämpfen, die die ganze Nacht andauerten, kam es auf dem Taffonrücken, wo die feindlichen Angriffe gleichfalls scheiterten. In frischem Ansturm trieb der Italiener seine Kolonnen neuerlich gegen die Tassonstellungen vor. Fünfmal stürmte der Feind, fünfmal wurde er nach erbittertem Ringen zurückgeworfen. Die opfervollen Anstrengungen der Italiener endeten überall mit einem vollen Mißerfolg. Die Kurian-Uote. Die Ausfasiung in Oesterreich. Wien, 19. Sept. (WB.) Eine amtliche Verlautbarung äußert sich zu den aus dem Auslande vorliegenden Meldungen zu der österreichisch-ungarischen Note. Die Ablehnung könne kaum mchr zweifelhaft sein. Eine offizielle Antwort aus die. Note Vurians liege bisher allerdings nicht vor und daher könne in eine Erörterung der Gründe, welche die Ententeregierungsn zu dieser Haltung bestimmt haben, im gegenwärtigen Augenblick noch nicht eingetreten werden. Nur von der Seite Mister Valfours liege bisher eine ausführliche Behandlung der österreichisch-ungarischen Anregung vor. Gerade seine Argumentation sei aber bereits ein Beweis dafür, wie richtig der Vorschlag des Ministers des Aeußern die Situation erfaßt hätte und wie nur ein Eingehen auf dessen Gedankengänge die bis heute allseits herrschende Verwirrung der Geister zu meistern vermöchte. Wenn die Friedensfrage von Valfour — und das gleiche gilt für die hierüber im französischen und amerikanischen Senat geführten Debatten — unter dem Druck der großen Schlaaworte und aufgepeitschten Leidenschaft besprochen wird, dann kann sie allerdings keinen gedeihlichen Fortschritt machen. Die Verlautbarung geht alsdann näher auf die Valfourschen Aeußerungen ein und schließt mit der Bemerkung, daß der Vorschlag der öster- reicküich-ungarischen Regierung aufrecht bleibt. L'ttlg rilche Aeußerungen. Sofia, 18. Sept. Nur wenige Blätter befassen sich mit Vurians Vorschlag. Das Regierungsorgan „Preporetz" erklärt, der Vorschlag werde von der bulgarischen Regierung und dem Volk mit Sympathie begrüßt: denn auch Bulgarien sei für einen gerechten, dauerhaften Frieden. Das sozialistische Blatt „Narod" sagt, man erwarte, daß die Entente den Vorschlag nicht ohne Antwort lassen werde, jedoch seien Zweifel an einem günstigen Ergebnis des Vorschlags auch jetzt berechtigt. „Utro" schreibt, die öffentliche Meinung schaue auf Burians Schritt skeptisch; die Bedingungen der Aufnahme in einen Völkerbund können nicht am grünen Tisch, sondern allein auf dem Schlachtfeld entschieden werden. Die Zustände in Frankreich. Berlin, 17. Sept. Aus dem Briefe eines in Frankreich Internierten Deutschen entnimmt die „Deutsche Iournalpost" folgende bezeichnende Schilderung der Zustände in Frankreich. Es heißt darin: In Frankreich hatte ich Gelegenheit, durch Unterhaltung mit den Wächtern — darunter befanden sich eingezogene Kaufleute, Professoren, Studenten und Beamte — dem Direktor in Sain- tes, Landwirten und Kaufleuten mich über die allgemeine Lage zu orientieren. Frankreichs einzige Hoffnung ist Amerika. Die Amerikaner spielen sich überall als die Herren auf und tragen eine die Franzosen verletzende 'Arroganz zur Schau. Unsere Wächter in Saintes, teilweise alte Landsturmleute von 42 Jahren. bekamen im April Befehl, in die vordersten Linien einzurücken. obwohl sie infolge von Verlusten von Angehörigen (einer hatte seine drei Söhne verloren) die amtliche Versicherung hatten, nicht mehr in die Front zu müssen. Der Sohn des Direktors z. V. mußte trotz schwerer Verwundung (Schuß durch das Auge) nach drei Wochen Erholungsurlaub wieder in die vorderste Linie. Unerhört sind die Zustände auf den Bahnhöfen, wo überall auf den Bahnsteigen, Treppen, Wartesälen und Bahnhofswirtschaften übermüde Soldaten herumliegen. Der Landwirtschaft fehlt es an Helfern, die Obstbäume verkommen, da nicht gereinigt und geraupt wird, große Flächen liegen brach. Die Franzosen sind kriegsmüde. doch wird jede bezügliche Aeuße- rung aufs schärfste bestraft. Auf den Straßen in Frankreich ist jeder zweite Mensch in Trauer, die aus Paris kommenden Flüchtlinge erzählen von der Verheerung durch die deutsche Geschütze und Flugzeuge. In Saintes sowohl wie in Euisery war die Landbevölkerung, mit der wir in Berührung kamen, durchaus freundlich. Gerne wurde die Unterhaltung über den Krieg ausgenommen, Englands Schuld und Frankreichs Unglück beklagt. Franzosen haben mich um Rat gefragt, was sie mit ihren russischen Papieren machen sollen, die sie auf Veranlassung der französischen Regierung gekauft hätten. Bei den im Juni und Juli abgehaltenen Pferdemusterungen wurden zum Aerger der Bauern sehr viel Pferde requiriert. Die Kaufleute beklagen die Ueberschwemmung mit englischen Waren, wodurch aller Verdienst aus dem Lande geht. Dranö einer Mnnitiöngfnhrü!. Wien, 18. Sept. (WB.) Amtlich wird verlautbart: In der Abteilung siir Geschützpatronen-Erzeugung in der Mu- nitionsfabrik Woellersdorf entstand aus bisher noch nicht aufgeklärter Ursache ein Brand, welcher durch Entzündung des Geschühpulvers rasch um sich griff und durch Panik unter den im betreffenden Raum beschäftigten Arbeitern.leider eine große Anzahl Opfer forderte. Infolge der sofort ergriffenen Maßnahmen ist eine Betriebsstörung der Munitionsfabrik ansgeMoffen. Die Verletzten wurden sofort in das Wiener Neustädter Spital geschafft. Aerjypikn und Judirn argen die tnMche Willkür. Berlin, 13. Sept. Der Vorsitzende des Komitees der ägyptischen Jugend in Genf, Mohamed Fahmi, stellt heute der Schweizer Presse folgenden an Lloyd George gerichteten Brief zu: Einem ebenso heiligen wie schmerzlichen Erinnern an Aegypten getreu, gestatte ich mir nochmals Ihnen wohlbekannte Gefühle zum Ausdruck zu bringen. In durch den Krieg geschaffenen allgemeinen Verwirrung könnten alle wahrhaften Demokraten Gerechtigkeit und Freiheit für andere Völker nicht erhoffen, solange das ägyptische Volk seine Befreiung nicht durchgesetzt haben wird. Heute vor 36 Jahren bemächtigte sich England Aegyptens, und unser Vaterland erleidet seither allem Rechte und wiederholten Versprechungen zum Trotz die unge- rechffertigte und nie zu rechtfertigende Herrschaft Ihrer Regierung. Ihre Uebernahme der Leitung der Staatsgeschäfte Eroß- Lrttamriens hatte mehreren von uns stärkende Hoffnungen gegeben. Diese Hoffnungen gründeten sich auf Ihre Ansichten, Ihre eigenen Erklärungen und Ihre frühere politische Haltung gegenüber Aegypten. Aber Jahre verstreichen, und weit entfernt von der Erfüllung unserer einzigen legitimen Hoffnungen lesen und hären wir jeden Augenblick Erklärungen Ihrer Mitarbeiter, die die von Ihnen ausgesprochenen Ideen, die Ihre Volkstümlichkeit begründeten, zunichte machen. Als Beleg hierfür feien die Worte Vonar Laws in der Rede vom 8. März 1918 angeführt, denen zufolge England Aegypten nur dann aufgeben würde, wenn es selbst eine völlige Niederlage erlitte. Könnte man unter diesen Umständen tadeln, wenn wir den Erfolg der englischen Waffen nicht wünschen? Hier und in den anderen neutralen Ländern stellen wir täglich die Verstärkung der Propaganda fest, die davon überzeugen soll, daß die englische Politik durch die Wohlfahrt, die sie nach Aegypten bringt, für Aegypten nützlich ist. Ich will mich nicht mit dem Nachweis aufhalten, daß diese materiellen Vorteile nicht dem ägyptischen Volke, sondern nur dem englischen Imperialismus zugute kommen. Selbst wenn man diese Tatsache zuläßt, so rechffertigt der relativ blühende Zustand Aegypten die verlängerte Herrschaft über unser Volk gegen feinen Willen keineswegs. Was wurden Sie sagen, wenn Ihre Feinde einen ähnlichen Vorwand gegenüber den von ihnen besetzten Ländern geltend machen würden? Erneut protestiere ich gegen die Besetzung Aegyptens durch das englische Heer. Berlin. 14. Sept. Das ..Europäische Zentral-Komitee der indischen Nationalisten" hat an die gegenwärtig in Bern tagende Ägyptische Nationalpartei" das folgende Begrüßungs- tclegramm gerichtet: „Den am heutigen Jahrestage der Okkupation Aegyptens durch England versammelten ägyptischen Patrioten senden wir den Ausdruck unserer tiefgefühlten Sympathie. An diesem Tage, da England entgegen aller Gerechtigkeit und im Widerspruch mit feierlichen Verträgen Aegypten in Besitz nahm, sind wir Inder, die wir aus Erfahrung wissen, daß der Brite niemals auch die feierlichsten Verträge hält, sobald sein Eigeninteresse dem entgegensteht, und die jahrhundertelanges Elend. Herabwürdigung, Armut und Hunger gelehrt hat. was englische Herrschaft bedeutet, von tiefstem Mitgefühl erfüllt für die Anstrengungen der ägyptischen Patrioten zur Befreiung von fremdem Joch. Europäisches Zentralkomitee der indischen Nationalisten. Vhupendranath Datta." Die Königin ugu Unmänfrit als Serie kr kiitldjfrinkidint Dkiucgunß. Berlin, 18. Sept. llebec die Lage und Stimmung in Rumänien teilt die „Norddeutsche Allgemeine Zeitung- folgendes mit: Die neulich berichtete Aeußerung des Ministerpräsidenten Marghiloman in der Kammer, daß die Verzögerung der Ratifikation des Bukarester Friedens nicht an den Mächten des Vierbundes liege, trifft vollkommen zu. In der Tat steht es nur in der Hand Rumäniens, die Vorbedingungen der Ratifikation zu erfüllen, die in gewissen einzelnen Verpflichtungen bestehen, wie sie beim Friedensfchluß vereinbart wurden. Sobald dies geschehen ist, ist kein Hindernis mehr gegeben. Es scheint jedoch, daß gewisse Kreise in Rumänien in der Hoffnung leben, durch Verschleppen der Ratifikation des Friedens um diesen selbst berumkommen zu können. In Jassy und dem nicht besetzten Teile des Landes, wo die Ententeeinflüsse immer noch sehr groß sind, ist wohl auch unter dem Eindruck der übertriebenen und tendenziös ausgeschlachteten Kriegsnachrichten der letzten Zeit, eine Stimmung in die Halme geschossen, die man vom Standpunkt einer ruhigen und friedlichen Entwicklung Rumäniens, wie sie das Programm der Regierung Marghiloman ist. nur bedauern kann. Die Aspirationen gehen auf nichts weniger als auf erneuten Anschluß Rumäniens an die Entente und auf eine neue Kriegserklärung an die Mittelmächte. Wie im Sommer 1916 reizt eine skrupellose Propaganda die Massen auf und spiegelt dem Volke vor, die Stunde Rumäniens sei nun gekommen, um an der Seite der Entente alles Verlorene und noch mehr dazu wiederzugewinnen. Als die Seele der Bewegung ist die Königin anzusehen, die aus ihren ja bekannten Sympathien und Neigungen kein Hehl macht. Der König hält sich zwar äußerlich zurück, wie er es ja auch im Sommer 1916 getan hat, aber es ist wohl nicht zu bezweffeln, daß er gegebenenfalls wie damals dem Druck — und wahrscheinlich nicht ungern — weichen würde. Der Kronprinz dagegen kommt wenigstens zur Zeit als Führer der ententefreundlichen Bestrebungen nicht in Betracht, da er sich aus privaten Gründen gänzlich zurückgezogen hat und zur Zeit nicht in Rumänien weilt. Der Regierung Marghiloman erwächst angesichts der gefährlichen Treibereien eine schwere Verantwortung. Die Kammer ist auf der Platfform des Bukarester Friedens gewählt und hat sich mehrfach für das Regierungsprogramm ausgesprochen, das in der inneren Politik eine moralische Erneuerung des Landes, in der äußeren die Rückkehr zur Tradition des Königs Karl, d. h. zum Anschluß an die Mittelmächte proklamierte. Die geschilderte Bewegung versucht im Gegenteil die Wiedereinsetzung der liberalen Parteiherrschaft, die den Brüdern Bratianu wieder die Allmacht der Korruption verleihen würde und die Wiederaufnahme der phantastischen Eroßmachtspolitik, die Rumänien schon einmal an den Rand des Verderbens gebracht hat. Rur ein fester Zusammenschluß aller vernünftigen und durch die schlechten Erfahrungen gewitzigten Elemente und Parteien kann es verhindern, daß die Bewegung ihren Herd in der Moldau überschreitet, auf das besetzte Gebiet übergreift und Einfluß auf die leichtentzündbaren Massen gewinnt. Wie die Amerikaner in fntnkridj han!en. In „New Nork Times" vom 4. Juli finden wir folgenden Kabelbericht des Kriegskorrespondenten Cameron Mackenzie, datiert vom 3. Juli: „Heute morgen begab ich mich nach Vnux. Der Zweck meiner Fahrt war, mich durch Augenschein von der Wirkung des ersten artilleristischen Stückchens zu überzeugen, das die amerikanische Armee tfl diesem Kriege geleistet hat. Was ich bei meiner Ankunst sah, stellt eine schreckliche Warnung für die Hunnen dar. Genau zwölf Stunden, bevor unsere Infanterie angriff, waren die amerikanischen Kanonen mit ihren amerikanischen Granaten und ihren ausschließlich amerikanischen Be- dienungsmanrffchaften und Geschützführern aufgefahren. Als sie auffuhren, war Vaux noch vollkommen unversehrt (.completely intact). Es war noch eine richtige Stadt, war noch eine Wohnstätte der Menschen, und jedes Haus hatte noch seine vier gesunden Wände. Fast jedes Haus in Vaux war aus Stein gebaut. Auf diesen festen Platz hämmerte nun die amerikanische Artillerie am Montag zwölf Stunden lang. And heute ist Vaux ein völliges Ruinenfeld, nur noch ein Haufen zertrümmerter Sterne. Kein Gebäude steht mehr. Die Stadtmitte, auf die sich das amerikanische Feuer zumeist richtete, ist zur Fläche gestampft. Der Weg nach Chllteau- Threrry, der durch das Herz der Stadt läuft, ist mit Hügeln gewaltiger Steintrümmer zugedeckt. Aber, um einen Vergleich gewinnen zu können, seht euch die Bilder der Städte Rpern. Arras und Bapaume an, wie sie sich in der Mitte des vergangenen Winters denr Beschauer boten. Kein einziger dieser Orte ist von den Deutschen so völlig zerschlagen worden (redimed to the completely debilitaied condition) wie jetzt Vaux von uns. Die amerikanische Artillerie hat die i Fähigkeit bewiesen, in sehr kurzer Zeit ein wahres Meisterstück der Zerstörung (a veritable masterqiece of jemobtion) zu vollbringen." Ein nrindestens ebensolches Meisterstück ist die Gemüts- j roheit, mit der die Amerikaner sich hier der gelungenen Zerstörung einer zum Gebiet des Verbündeten gehörenden Stadt rühmen. Auch diese Leistung der Amerikaner dürfte unerreicht dastehen. Graf Dertüng über die Wk§erniihr»ilg. Berlin, 18. Sept. (WB.) Auf die Eingabe des Par- teivorstandes der sozialdemokratischen Partei und der Generalkommission der Gewerkschaften wegen der Frage der Lebensmittelversorgung hat sich der Reichskanzler u. a. wie folgt geäußert: Die Schwierigkeiten der Versorgung mit Lebensmitteln, von der die Eingabe vom 9. September 1918 handelt, werden von mir lebhaft mitempfunden. Seit die Absicht der Feinde, Deutschland durch Hunger zu bestegen, hervortrat, bilden sie den Gegenstand der besonderen Aufmerksamkeit und Fürsorge der verantwortlichen Stellen. Mit den Unterzeichnern der Eingabe und allen Bevölkerungskreisen bin ich der Ansicht, daß alles geschehen nmß, um die vorhandenen Nahrungsmittel möglichst gleichmäßig zu verteilen, um die aus dem Steigen der Preise erwachsenen Lasten zu mildern. Dis mit der Versorgung betrauten Aemter sind, unterstützt durch einen aus Mitgliedern des Reichstages gebildeten Beirat, unablässig in dieser Richtung bemüht. Als Grund für die Teuerung der Lebensmittel führt die Eingabe die Politik des Kriegsernährungsamtes an, die lediglich durch Preisanreiz die Erhöhung der Produktion zu erzielen versuche. Diese Auffassung beruht auf irrigen Voraussetzungen. Die durch das Abschneiden der Zufuhren bewirkte Knappheit an Lebensmitteln und sonstigem Lebens- bdarf wird im Zusammenhang mit dem Mangel an Arbeits- frästen, von denen ein erheblicher Teil durch die Krieg- ffrhrilng unmittelbar in Anspruch genommen ist, naturnotz wendig auf eine Steigerung aller Preise hinwirken müssen. Die durch hohe Einnahmen und Lohnerhöhungen erhöhte Kaufkraft weiter Kreise und die Vermehrung der Geldumlaufmittel wirkten in der gleichen Richtung. Bei Bemessung der Preise der landwirtschaftlichen Erzeugnisse mutz aber ans die Erschwernisse Rücksicht genommen werden, mit denen die Landwirtschaft während des Krieges zu kämpfen hat. Durch Einziehung von Arbeitskräften, Aushebung der Pferde, Verringerung des Viehbestandes, Mangel an Dünger und sonstige Umstände sind ihre Betriebsmittel geschwächt. In der Leitung des Betriebes müssen die im Felde stehenden Männer vielfach von Frauen und anderen ungeübten Kräften vertreten werden. Die Beschaffung von Arbeitskräften, sowie die Ergänzung und Instandhaltung des Inventars sind, wenn überhaupt, nur mit sehr hohen Kosten möglich. Ohne die Leistungen der Landivirtschaft wäre der Krieg längst verloren. Die Erhaltung ihrer Leistungskraft >st ein Lebensinteresse des deutschen Volkes, das, wenn auch auf die Hebung der Einfuhr aus dem Osten gehofft werden kann, in der Hauptsache auf die eigene Erzeugung angewiesen bleibt. Es ist daher nicht eine einseitige. Berücksichtigung der Produzenteninteressen, wenn die verantwortlichen Stellen bei Bemessung der Preise der landwirtschaftlichen Erzeugnrsss diesen Mehrkosten und Erschwerungen Rechnung tragen, son. dern eine durch die Lage der Dinge gebotene und ebenso im Interesse der Verbraucher wied der Erzeuger liegende Matz- nähme. Dem Umstande, daß die Preise eine schwere Belastung weiter Kreise, insbesondere der nicht zur Rüstung?- Industrie zählenden Arbeiter, des Mittelstandes und der Festbesoldeten bedeuten, wird durch Beihilfen und Zulagen aus öffentlichen Mitteln nach Möglichkeit Rechnung getragen. Die Aufwendungen hierfür erreichten bereits den Betrag vieler Milliarden. Wucher und Schleichhandel, die häßlichen Begleiterscheinungen der Kriegswirtschaft werden mit allein Nachdruck bekämpft. Einen vollen Erfolg können die behördlichen Maßnahmen aber nur dann erzielen, wenn sie von allen Volks kreisen in ihrer Bedeutung verstanden und unterstützt werden. Die Ernährungslage war im abgelaufenen Wirtschaftsjahr im ganzen genommen unzweifelhaft besser als im vorherigen und auch im neuen Wirtschaftsjahr wird sie sich niclK ungünstiger stellen. Die Annahme, daß die Herabsetzung der Brotration eine dauernde sein soll, trifft nicht M. Durctz die Anordnung der Brotstreckung ab 1. Oktober wird die Möglichkeit gewährt, wiederum die vorjährige Brotmenge auszugeben. Dagegen kann dem Wunsche, die Kartoffelration zu erhöhen, zu meinem großen Bedauern jedenfalls zurzeit nicht entsprochen werden. Die notwendigen Anordnungen und Maßahmen zur Erfassung des gesamten Ernteüberschusses sind getroffen. Bevor sich aber die Ernte für deren Ausfall die Witterung dieser Wochen von nachhaltigen! Einftuß ist, nicht genügend übersehen läßt, kann eine Inaussichtstellung einer höheren Wochenmenge nicht ver- antwortet werden. Ermöglicht die Ernte mehr als 7 Pfund zu geben, und gestattet die Transportlage das Abrollen der dadurch bedingten Mehrmengen, so wird nicht gezögert werden, eine Erhöhung vorzunehmen. Der Hinweis der Eingabe, daß es im vergangenen Jahre vielerorts möglich gewesen sei, im Schleichhandel Kartoffeln über die öffentlich gegebene Menge hinaus zu erwerben, beweist nicht, daß die Ernte und Transportlage die allgemeine Zuteilung von mehr als sieben Pfund ertaubt hätten. Der Rührigkeit des einzelnen, unterstützt durch Bieten unerlaubt hoher Preise, wird es vielfach gelingen, die Mengen zu erfassen und zu befördern, die der öffentlichen Wirtschaft entgehen. Es geschieht dies aber aus Kosten der anderen, wie sich auch im vergangenen Jahre zeigte, indem gerade in den Gegenden, aus denen im Schleichhandel Kartoffeln hera-usgezogen wur- den, das Lieferungsfoll nicht erfüllt werden konnte. Schwierigkeiten werden auch im kommenden Jahre nicht ganz vermieden werden können, sie werden aber wie bisher überwunden werden. Gegenüber allen Unzulänglichkeiten und Entbehrungen darf die gewaltige Tatsache nicht vergessen werden, daß die Aushungerungspläne der Feinde dank -er ergriffenen Maßnahmen gescheitert sind. (gez.) v. Hertling. ZoMtiüginaMe Abfuhr der ftaat 0 !ofmU{l!|d|rn MirWMKßnßier. Die Herren von der sozialdemokratischen Nebenregierung fühlten neulich bekanntlich das Bedürfnis, sozusagen die eigene Haut in Sicherheit zu bringen, und die Schuld, die gerade sie in stärkstem Maße an unserm verworrenen und dilettantischen Kriegswirtschaftssystem tragen, auf andere Stellen abzuwälzen. Zu diesem Behufe unternahmen sie ein doppeltes Manöver. Nicht nur erließen Parteivorstand und Eeneralkommisiion jene bombastische „Denkschrift", welche mit der „verhängnisvollen" Stimmung der Bevölkerung drohte und vor „jeder Begünstigung der Produzenteninteressen" in aufreizender Sprache warnte. Vielmehr begaben sich die Gewerkschafter (die Führer der ach! so unpolitischen „freien" Gewerkschaften) auch noch persönlich zum Kanzler, nahmen auch dort den Mund sehr voll und erhielten von dem eingeschüchterten Staatsmanns alle diejenigen wirtschaftlichen und politischen Versprechungen, nach denen sie verlangten. Nebenbei gesagt, nutzte dem Grafen Hertling aber selbst das nicht viel, denn nun erhielt er noch den Besuch des sozialdemokratischen Parteivorsitzenden Ebert, der ihm, wie man wohl mit Recht vermutet, von Seilen der regierenden Partei ein kvrzbeftistetes Ultimatum in Sachen Wahlreform bezw. Landtagsauflösung überreichte. Aber das interessiert uns hier weniger, als die Art, in welcher der leitende Staatsmann die in Frage stehenden, wirtschaftlichen Nöte behandeln ließ und selbst behandelte oder vielmehr nicht behandelte, wie er gegen die Dreistigkeit der sozialdemokratischen Dialektik offenbar nicht ein Wort energischer Kennzeichnung oder Abwehr fand, sodaß man im Lande draußen vielleicht wirklich daran glaubt, es bestehe die Möglichkeit einer sofortigen und völligen Erfasiung der Vorräte und es habe nur des energischen Auftretens und der überlegenen Einsicht der Herren Sozialdmokraten bedurft, um eine saumselige Regierung an ihre Pflichten zu erinnern. Natürlich kann es nicht unsere Absicht sein, hier zum dutzendsten Male das sozialdemokratische Zerrbild unserer Wirtschaftskalamität zu beleuchten und die „Schuldfrage" zu untersuchen. Es wäre eben Sache des Herrn Reichskanzlers gewesen oder anderer dazu berufener, amtlicher Stellen, den sozialdemokratischen Bemühungen, diese Materie zu politischen Hetzzwecken zu mißbrauchen, mit aller Gründlichkeit den Boden zu entziehen. Um so interesianter ist es, daß dem Grafen Hertling diese Aufgabe nun von sozialdemokratischer Seite abgenommen worden ist, was freilich auf alle Fälle auch wirksamer sein mag. Und zwar ist es der sozialdemokratische Wirtschastspolitiker Richard Eal- wer, welcher in seiner „Wirtschaftlichen Torr." dem falschen Spiel des Parteivorstandes und der Eeneralkommisiion nach- drücklichst in den Weg tritt: „Diese Forderung („mit jeder Begünstigung der Produzenteninteresienten zu brechen und den Lebensbedürfnisien des Volkes Rechnung zu tragen") klingt, so schreibt Calwer, sonderbar, wenn man bedenkt, daß es gerade die Sozialdemokratie im Reichstag und die Gewerkschaften waren,. die nicht nur diese verkehrte Ernährungspolitik erfordert haben, sondern die auch die Politik des Kriegsernährungsamtes kräftig gedeckt und vertreten haben. Selbstverantwortlichkeit auf politischem Gebiete ist eine seltene, sehr seltene Pflanze, die Verantwortlichkeit schiebt hier einer immer auf den andern und keiner denkt daran, sich auch nur zu einem geringen Teile die Schuld für die verkehrte Wirtschaftspolitik beizumessen. Die Generalkommiffion schiebt die gan-ze Schuld und Verantwortung ln echt demokratischer Weise der Negierung und dem Herrn Reichskanzler zu und merkt gar nicht, wie subaltern dadurch der Reichstag und seine führende Majorität erscheinen muß. Man Will parlamentarische Regierungsweise, gewiß; aber hat auf 'dem Gebiete der Ernährungspolitik die Negierung etwa gegen hie jeweilige Reichstagsmajorität ihre Maßnahmen getroffen, waren hier Negierung und Reichskanzler nicht allzuwillige Ausführungsorgane des Willens der Volksvertreter in ihrer übergroßen Mehrheit, zu welch letzterer die Sozialdemokratie gehörte?" An den leitenden Stellen der sozialdemokratischen Neben- regierung mag diese aus dem eigenen Lager kommende Entlarvung i.hres wirtschaftspolitischen Falschspiels schmerzlich genug berühren. Aber viel helfen wird der kleine Denkzettel auch nicht. Solange die sozialdemokratischen Führer sicher sind, daß die Staatsautorität ihrem Treiben nicht entgegentritt — und die Negierung wagt es ja garnicht mehr, ein Stirnrunzeln der Scheidemann oder Legien zu riskieren! —, solange wären sie gute Menschen, aber schlechte Demagogen und noch schlechtere Taktiker, wenn sie diese komplizierte Materie, die von der breiten Schicht schlechterdings nicht ausreichend beurteilt werden kann, nicht für ihre Verhetzungszwecke ausnutzten. . , . Zur bevorstehenden Kartoffelernte schreiben die „Materialien zur Tagespolitik": Das regnerische Wetter, welches die Ernte, insbesondere des zweiten Schnittes der Wiesen- und Futterflächen, sowie die Herbstbestellung bedeutend verzögert, dürfte den Beginn der Kartoffelernte ebenfalls nachteilig verspäten. Es wird sich also darum handeln, bei spätem Beginn und der Gefahr früher Fröste in kürzester Zeit die Kartoffelernte zu bergen. Dies erfordert eine gewaltige Kraftanstrengung des gesamten deutschen Volkes, insbesondere die angestrengteste Aufmerksamkeit der maßgebenden Behörden, welche im Interesse der Volksversorgung alles werden daransetzen müssen, die Kartoffeln aus der Erde zu bekommen. Die Kartoffelanbaufläche ist überdies nach den amtlichen Angaben gegenüber dem Vorjahre erfreulich gewachsen und dürfte derjenigen des Jahres 1916 wieder gleich kommen. Es gilt also, noch mehr Kräfte einzusetzen wie im vergangenen Jahre, in dem ein außergewöhnlich langer und schöner Herbst uns über alle Schwierigkeiten hinweghalf. Wollte man darauf vertrauen, daß derartige Verhältnisie auch in diesem Jahre wie- i derkehren, so wäre dies außerordentlich leichtfertig gehandelt. Es muß vielmehr betont werden, daß gegenüber dem Vorjahre! eine große Verringerung der Arbeitskräfte eingetreten ist. Die ländlichen Ortschaften sind in ganz anderem Maße von Frei- arbertern entleert wie 1917, letztere aber bildeten bisher im Herbst in den großen Wirtschaften des Ostens das Hauptkontingent der Kartoffelerntearbeiter. Die Kartoffelbaugesellschaft E V. hat sich daher schon vor langer Zeit mit dem Kriegsamt ins Einvernehmen gesetzt, um der Landwirtschaft weitere Arbeitskräfte für die Kartoffelernte zuzuführen und die Zusicherung erhalten, daß die verfügbaren Gefangenen, soweit irgend möglich, für die Kartoffelernte hergegeben werden. Es kann daher denjenigen Wirtschaften, die bisher noch nicht vorgesorgt haben, nicht dringend genug empfohlen werden, sich schleunigst dieser- halb mit dem Stellv. Generalkommando ihres Bezirks in Verbindung zu setzen. Es steht zu hoffen, daß auch wieder vermehrte Beurlaubungen von Heeresangehörigen für die Kartoffelernte stattfinden werden. Daneben wird seitens des einzelnen Landwirts bezw. der landwirtschaftlichen Vertretungen alles geschehen müsien, was geeignet ist, die Einbringung der Kartoffelernte zu beschleunigen. Erfahrungsgemäß liegt ein besonderer Anreiz, Arbeitskräfte für die Einbringung der Kartoffelernte zu gewinnen, darin, daß den Arbeitern gestattet wird, eine entsprechende Menge Kartoffeln des Abends mit nach Hause zu nehmen. Nur hierdurch ist es möglich, genügende Arbeitskräfte aus den Städten herauszulocken. So wurde im vergangenen Jahre gestaltet, daß an die für die Kartoffelernte in der Provinz Posen gewonnenen sächsischen Arbeiterinnen außer Varlohn für jeden Scheffel (125 Pfund) der von ihnen persönlich geernteten Kartoffeln 1 Pfund verabfolgt werden durfte. Der Kriegsausschuß der deutschen Landwirtschaft und die Kartoffel- Laugesellschaft haben den Herrn Staatssekretär des Kriegsernährungsamts gebeten, diese Maßnahme zur allgemeinen Durchführung zu bringen. Ferner scheint es erwünscht, daß seitens der Eisenbahnverwaltungen den Kartoffelgräbern Freischeine zur Rückfahrt bewilligt werden, auch wenn die Rückfahrt nicht in Kolonnen angetreten wird, um den einzelnen zu gestatten, aus der Großstadt auf billige Art nach den großen Kartoffelwirt- schaften zu gelangen. Auch wird Vorsorge getroffen werden müsien, daß durch die Maßnahmen betreffend Laubheu- und Bucheckerngewinnung die Kartoffelernte nicht beeinträchtigt wird. Eine andere wertvolle Hilfe können die Jungmannen in der Kartoffelernte leisten, welche gerade in ihrer jugendlichen Gelenkigkeit dazu besonders geeignet erscheinen. Die Uebersich- ten über die bisherige Verwendung derselben in den einzelnen Provinzen ergaben ein sehr verschiedenes Bild. Einzelne Provinzen, sowohl im Osten wie im Westen, haben von der Jung- mannenhilse einen recht großen, andere so gut wie gar keinen Gebrauch gemacht. Man möchte meinen, daß unter den jetzigen Umständen in allen Landesteilen der Versuch ausgedehntester Heranziehung unserer jungen Kräfte lohnend sein müßte, daß dies seitens der Unterrichtsverwaltung mit allen Kräften unterstützt werden müßte. Erhöhum der Srolraiian am 1/ (Oktober IW. Der Staatssekretär des Kriegsernährungsamts hat ange- ordnet, daß vom 1. Oktober ab wieder eine Illprozentige Streckung des Brotes mit Kartoffeln erfolgt. Zu diesem Zweck werden den Kartoffelerzeugern, soweit sie gleichzeitig Selbstversorger in Brotgetreide sind, die erforderlichen Kartoffelmengen belassen. Ferner werden denjenigen Kommunalverbänden, denen im Wirtschaftsjahr 1917 Frischkartoffeln zur Vrotstreckung zugewiesen waren, die zur Streckung benötigten Frischkartoffelmengen mit 750 Gr. wöchentlich auf den Kopf ihrer brotversorgungsberechtigten Bevölkerung für die Zeit vom 1. Oktober 1918 bis zum 20. Juli 1919 von der Reichskartoffelstelle besonders zugeteilt. Den übrigen Kommunalverbänden sollen durch die Trockenkartoffel-Berwertungs-Eesellschast (Teka) von einem noch zu bestimmenden Zeitpunkt ab Trockenkartoffelerzeugnisse zum Zwecke einer lOprozentigen Vrotstreckung geliefert werden, bis zu diesem Zeitpunkt wird ihnen als Ersatz für die fehlenden Streckungsmitlel eine Menge von 20 Er. Mehl auf den Kopf und den Tag zugewiesen werden. — Demgemäß erhöht sich die Nation vom 1. Okiober ab einschließlich der Streckungsmiitel auf 220 Gr.., so daß die Brotration wieder die alte Höhe erreicht. In die Millionen gehende Ichieblingen mit Sprit, dem neuesten Artikel siir Kriegsschieber und Schwindler, beschäftigen z. Z. die Behörden. In den meisten Fällen handelt cs sich allerdings um sog. Lecr-Geschäfte, d. h. um Spritmengen von 50—60 000 Litern, die garnicht vorhanden sind nnd mit denen in betrügerischer Weise operiert wird, um zumeist hohe Summen fiir Provision, Spesen und sogar für angebliche Bestechungsgelder an hohe Beamte oder Offiziere von den Beziehern zu erlangen. Bekanntlich unterliegt Sprit der Zwangsbewirtschaftung und wird nur für HeereszweckL und die Rüstungsindustrie abgegeben und zwar auf Grund eines Freigabescheines, der von dem Vorsitzenden der Reichs- branntweinstelle erteilt wird. Hier setzt mm der groß, städtische Millionenschwindel ein. Das Kriegswucheramt. das sich seit Monaten mit dielen Schiebungen befaßt, hat in einer Reihe von Fällen festgestellt, daß von betrügerischen Leuten das Vorliegen dieses Freigabescheins vorgetäuscht wurde; sogar Rechtsanwälte wurden zur Entgegennahme von in die Hnnderttausende gehenden Summen als Treuhändler veranlaßt, um die Opfer völlig sicher zu machen. So gelang es einem bei Gericht nicht unbekannten Agenten Mandns der zwar einen „Freistem" besitzt, aber nur einen solchen auf Grund .des 8 51 StGB., eine Reihe geldhungriger Herren wgar aus den besten kaufmännischen Kreisen, auf den Leim zu locken, die dann eines Morgens in ihren vornehmen Wohnungen des Westens und Tiergartenvillen von Kriminast beamten aus der Rnhe gestört wurden. Unter diesen „Kriegsgewinnlern" befand sich u. a. auch ein mit dem Eisernen Kreuz 1. Klasse und dem Vour le merite geschmückter „Fliegeroberleutnant von Wendel Braunsberg", der sich dann als ein ganz gewöhnlicher Hochstapler entpuppte, der u. a. auch den Verkauf von Schlämmkreide als'Saccharin als Sonderaeschäft betrieb. Der erwähnte Agent Mandus hatte den Weg zu der Direktion der Spirituszcntrale gefunden und dann die ihm dort gegebene sachgemäße Auskunft zu verschiedenen Betrügereien benutzt. Diese Schiebnngsgeschichten mit Sprit erstrecken sich über ganz Deutschland. Aehnliche Schwindeleien tauchten neuerdings auch mit Benzin, Benzol und Kognak auf. So wurde am Mittwoch ein Holländer namens Willges in das Untersuchungsgefängnis eingeliefert, der einen Charlottenburger Kaufmann um 50 000 Mk. geprellt batte unter dem Vorgeben, er habe von einem hiesigen ^.ardeersatztruppenteil den Auftrag, 50 000 Flaschen Kognak zu beschaffen. Uom Felde der Ehre. Wohnbach. Der Musketier Wilhelm Becker in einem Reserve-Jnfanterie-Regiment wurde in den schweren Kämpfen im Westen mit dem Eisernen Kreuz zweiter Klasie ausgezeichnet. Unseren herzlichen Glückwunsch! Ans der Heimat. Vilbel, 18. Sept. In der Nacht von Samstag auf Sonntag wurden einem hiesigen Gastwirt vier Gänse aus dem Stalle gestohlen, nachdem demselben erst vor einigen Wochen eine solche entwendet worden war. Der Gänse- und Hühnerdiebstahl ist hier eben an der Tagesordnung. Von der Straße weg verschwinden diese und gelangen nie wieder in die Hände ihres rechtmäßigen Besitzers. Frankfurt, 19. Sept. Ein Eisenbahnunfall ereignete sich vergangene Nacht aus der Station Blankenheim bei Bebra, indem ein Güterzug mit zwei entgegenkommenden Maschinen zusammenstieß. Die Maschinen entgleisten, einige Güterwagen gerieten in Brand. Die Strecke nach Bebra ist gesperrt. Die Schnellzüge urußten umgeleitet werden. Im Lauf des Tages wird voraussichtlich eingleisiger Betrieb ausgenommen werden können. Sieben Mann vom Eisenbahnpersonal wurden verletzt. — Auf der Strecke Frokfurt— Kassel, airf der die umgeleiteten Schnellzüge verkehrten, hatten die Züge gestern infolgedessen bedeutende Verspätungen. FC. Vom Main. 18. Sept. Etwa 2000 Zentner Zwischen sind in der abgelaufenen Woche aus den Gemeinden Wernfeld und Adelsberg ausgeführt worden und zwar sämtlich noch. Frankfurt a. M. und Hanau. Hunderte von Hamsterern über, fluteten die beiden Gemeinden und wo nicht gutwillig Obst abgetreten wurde, wurde Gewalt angewandt. Endlich erschien am Bahnhof Wernfeld und Gemünden Gendarmerie, doch zu spät, denn die Haupternte war bereits über die Grenze — ohne Ausfuhrschein — abgegangen. $ Aus Starkenburg. FC. Dieburg, 18. Sept. Ein Radikalmittel, den zu einer wahren Landplage gewordenen Felddiebstählen abzuhelfen, führten zahlreiche Gemeinden des vorderen Odenwaldes ein. Jeder, der bei einem Feld- oder Obftdiebstahl ertappten Ortsbewonher.j wird unnachsichtlich mit der Ortsschelle der ganzen Gemeinde bekannt gemacht. Das Mittel soll wunderbar wirke». Aus Kurhcsien. FC. Hünseld, 17. Sept. Im Alter von 60 Jahren verstarb ln einem Sanatorium in Berlin der frühere Landtagsabgeord. nete des Wahlkreises Hünfeld-Gersfeld Oberförster a. D. Kaute. FC. Bad Orb, 16. Sept. Um der Wohnungnot zu steuern bewilligten die Stadtverordneten einstimmig 250 000 Mark zum Ankauf von Bauland. Mit dom Bau der Wohnungen wird die Stadt nach Friedensschluß beginnen. Verantwortlich für den politischen und lokalen Teil: Otto Hirschel, Friedberg; für den Anzeigenteil: R. Heyn er. Friedherg. Druck und Verlag der „Neuen Tageszeitung"« / ' ' A- G., Friedberg t S. Aerfernt. A RomanvonAnnyDZot^^ v ;. ¥ . 4 34) Nachdruck verboten. „D, ich könnte es schon versuchen, an dem Weinspalier hinauf zu kommen" gab Jen zurück, „aber für Sie, Fräulein Aga, dürfte es kaum möglich sein." Aga blickte prüfend an Jens hoher Gestalt empor. „Wollen Sie mir Ihre Schultern leihen, Herr Doktor? »Ick) bin stets eine gute Turnerin gewesen, und wenn Sie Kraft genug haben, sich mit mir empor zu richten, wird es mir ein Leichtes sein, die Brüstung dort ollen zur erreichen." Jen nickte. Er bewunderte die Ruhe und Fassung, die klare Uebersicht Agas, und wie sie so ohne jede Prüderie im Augenblick das Notwendigste und Praktischste zu tun bereit war. Er beugte seinen breiten Rücken tief herab. „Steigen Sie auf," sagte er, „und fürchten Sie nicht, mir weh zu tun. Ich halle in fernen Ländern schon schwerere Lasten getragen." Aga stieg auf Jens Rücken und im Augenblick drückten sich thre beiden Füße fest auf seine Schultern. Er griff mit beiden Händen tapfer zu und so Agas Füße haltend, richtete er sich langsam in die Höhe. Das Blut war ihm zu Kopfe gestiegen, und einen Augenblick war es ihm, als erfasse ihn ein Schwindel, aber Aga stand, während er sich auf- richtete, fest und sicher. In demselben Augenblick hatte sie auch die Brüstung der Terrasse erfaßt und sich über das Geländer geschwungen. Jen folgte ihr behende wie eine Katze. Beide standen jetzt aufatmend vor der Tür mit der nur halbgeschlossenen Jalousie. „Die Tür ist nur angelehnt," flüsterte Jen triumphierend. „Gott lob, wir haben gewonnen." Aga sagte nichts. Ihre Lippen preßten sich nur fest aufeinander. Jen öffnete behutsam, indem er sein Taschenmesser durch den feinen Spalt klemmte, die Tür. Die dahinterliegende Glastür war merkwürdigerweise nicht verschlossen. Jen öffnete sie leise und trat Aga voran in den halbdunklen Raum. Alles war still. Nichts, was auf das Vorhandensein irgend eines lebenden Wesens deuten konnte. Die Möbel des ziemlich einfach ausgstatteten Gemaches standen wohlgeordnet, nur in der Mitte des Zimmers ein Ruhebett mit einer lässig darauf hingeworfenen Decke sah aus, als hätte erst vor kurzem jemand dort geruht. „Machen Sie Licht," befahl Aga mit rauher Stimme. Jen öffnete gehorsam Fenster und Jalousien und sah dann fast verstört in Agas Gesicht. «Hier ist kein Mensch," sagte er hastig, „und alles ist toten- es ist' kaum anzunoymett, Daß sich überhaupt Menschen hier im Hause verbergen." Aga legte den Finger auf die Lippen, während sie in dem jetzt hell beleuchteten Zimmer still stand und lauschte. Ein heftiges Poltern im Nellengemach ließ die Beiden erschreckt zusammenfahren. Einem ersten Impulse folgend wollten Jen und Aga auf die Tür zustürzen, doch die Klugheit hemmte ihre Schritte. Lauschend standen sie still. „Du bist ein törichtes und ein ganz eigensinniges 'Kind," hörten sie Nordkirchs Stimme heftig herüberschallen, „wie oft soll ich es dir noch sagen, daß der eklige Kerl, der Pfarrer, alles von Agas Einwilligung abhängig macht. Daß deine saubere Schwester aber auf alle deine herzzerreißenden Bitten und Briefe keine Antwort hat, weißt du ja auch zur Genüge. Sie, nicht mich, mußt du verantwortlich machen, daß deine Wünsche sich nicht erfüllen." Agas Antlitz hatte eine Helle Röte überflammt in den brutalen Worten des Mannes, den Haust liebte, dazu kam noch das beschämende Gefühl, daß sie hier als Lauscherin stand, wo sie doch am liebsten Auge in Auge dem Manne dort gesagt hätte, welch ein Elender er war. „Ruhig," bat Jen, der ihr die Gedanken vom Antlitz las. „Wir erhalten so einen Aeberblick und können da eingreifen, wo es Not tut. Nur ein wenig Geduld." Er selbst mußte aber alle Kraft und Selbstbeherrschung aufbrietcn, als eine süße, liebe, ganz von Leid verschleierte Stimme klagte: „Wie grausam du bist, Horst, und ich habe immer geglaubt, du hast mich lieb. Nicht mal hinausblicken darf ich auf den See. Hinter verschlossenen Läden hältst du mich fest. Immer alles dunkel, immer still, und dazu immer die Sehnsucht in der Brust, die unendliche Sehnsucht. Oeffne das Fenster, Horst, ich bitte dich." Er schien ihren Wunsch zu erfüllen, denn ein fast glücklicher Ausruf kam von den jungen Lippen. „Es ist sehr unklug von mir, daß ich deinen kindischen Wünschen nachgebe, Haust," sagte Nordkirchs tiefe Stimme fast spöttisch. „Wie leicht kann man vom See aus die offenen Fenster sehen, und darauf schließen, daß das Jagdhaus bewohnt ist. Wenn man unsere Spur findet, ehe wir nicht Agas und deines Vormundes Einwilligung haben, so wird man uns ganz gewiß trennen." Ein bitteres Lachen kam von Hansis Lippen. „Früher sagtest du, wenn uns Pfarrer Hartwig nicht vorher getraut hat." „Du kennst die Gründe, die dem Pfarrer die Trauung verbieten. Es wäre ohnedies gegen Gesetz und Recht." . Hast das alles gewußt.^ kam es keEeMafMch auj dem jungen Munde, Jtm hast gewußt, daß der Marrer «s rtf tarn darf und bann, und du hast mich doch hierher geschksSpt^ und ich habe gewartet mit zitternder Angst im Herzen, aber doch voller Liede und Sebnsucht. weil ich dir vertraute." Von Tag zu Tag hoffte ich, Aga würde durch meine Bitte« und Verzweiflung gerührt, endlich barmherzig sein. Sie konnte ja nicht anders, wenn sie wußte, daß mein Leben von ihrer Einwilligung abhing, daß ich nur leben kann, wenn uns endlich das Band eint, das mir auch das Recht vor den Menschen gibt' deine Gattin zu sein. Aber Aga schweigt, und doch fühle ich' daß sie mir nahe ist, ich fühle, daß sie mir vergeben hat, und darum bitte ich dich, laß mich zum Pfarrer oder laß ihn hierher kommen. Auge in Auge will ich ihm alles sagen, ihn anflehen, um unseres Vater willen mir zu helfen, mich aus der Verzweiflung zu erlösen. Sei barmherzig, Horst, ich ertrage dies Leben nicht mehr!" Ein leises, unglaublich spöttisches Lachen war die Antwort. „Närrchen, das du bist. Es ist wirklich zum lollachen, daß du immerfort nach dem Pfaffen schreist, der uns zusammengeben soll. Gloubst du, daß dadurch nur im geringsten etwas anders wird? Wenn du vernünftig bist, dann läßt sich ja über alles reden, aber deine immer rinnenden Tränen machen mich so nervös, daß ich schon daran gedacht habe, für einige Wochen nach Berlin zu gehen, um mich von diesem Liebesabenteuer hier zu erholen. Ja, ja, meine Kleine. Eine zärtliche, hingebende Geliebte glabte ich in dem verhätschelten Liebling der stolzen Schwester zu finden, und dabei bist du nichts weiter als ein ewig klagendes, tränenreiches, langweiliges Geschöpf. Meine Geduld ist gänzlich erschöpft und wenn —" Ein Schrei, ein gräßlicher Schrei wie aus langgequälter, zerrissener Menschenbrust entrang sich Hansis Munde. Jen und Aga mußten alle Kraft aufbieten, um nicht die Klinke niederzudrücken und hineinzustürmen, ihr Liebstes dorj vor den Brutalitäten zu schützen. „Du, du," kam es stoßweise von Hansis Lippen. „Du bist es also, der mich geliebt hat, um dessen willen ich das teuerste Wesen betrog, das ich habe. Du bist der Mann, den ich für einen Gott anfah, und der nichts ist als der erbärmlichste Wicht, der je ein dummes Mädchenherz betörte. Ich kenne dich jetzt. Ich lese die Lüge, die große, gemeine Lüge in deinen Augen. Nie hat der alte, gute Pfarrer sich geweigert, mir beizustehen, nie sind meine Briefe in Agas Hände gelangt. Hinfort von mir, rühre mich nicht an! Ich verachte dich und gehe dahin, wohin die Müllerliese gegangen, von der Aga erzählte." Fortsetzung folgt. Danksagung. f Jär? 1 ^je vielen Beweise herzlicher TeUnahme bei dem Hinscheiden unserer lieben Entschlafenen Frau Frieda Lentz geb. Fricke insbesondere Herrn Pfarrer Ritter für die trostreichen Worte am Grabe, den Beamten und Arbeitern ves Bahnhofs Friedberg für die erwiesene Auimett- jamkeit danken herzlichst Friedberg, den 20. September 1918 Die trauernd Hinterbliebenen: Ernst Lentz und Kinder Familie Fricke. Hchmjichmq. Freitag. den 27. ds. Mts., kommen im Nieder-Erlenbacher Cemeindewald zur Versteigerung: 7550 Vuchenwellen 900 Eichenwellen 300 Virkenwellen 50 Kiefernwellen Zusammenkunft vormittags 10 Uhr oberhalb Villingen am Eingang des Waldes. Nieder-Erlenbach, 18. Sept. 1918. Er. ßiirgkrmkisierki Niedkr-Grlenbach. __ Ullmann. _ Ankauf eines Fasels. Die Gemeinde Massenheim beabsichtigt einen 15 bis 18 Monate al;