Nummer 2 20 M ychreis b ]° Do nnerslas, den 19. September 1018 _11 Jahrgang. Die „Neue Tageszeitung" erscheint jeden Weritag. Regelmäßige Beilagen ,»Zer Kauer aus Hessen", ,»We Kpinnstube". Bezugspreis: Bei den Postanstalten vierteljährlich Mk. 2.4o hinzu tritt noch das Bestellgeld; bei den Agenten monatlich 90 Psg. einschließlich Trägerlohn. Anzeigen: Grundzeile 25 Psg.» lokale 20Pfg^ Anzeigen von auswärts^werden durch Postnachnahme erhoben. Erfüllungsort Friedberg. Hchriftleitung und Uerlag Friedberg (Hessen), Hanauerltraße 12. Fernsprecher 48. Postjcheck-Lonto Nr. 4859, 2!mt Frankfurt a. M. Clemencean verkündet den unnsiuillr Kampf bis auf's Meyer. — Dene feindliche Angriffe auf breiter Front. Kämpfe in Albanien und Mazedonien. « -"■' n ' "-^7^" -- "'• Der deutsche Generalftab - meldet: - 5 M. T. S. Großes Hauptqttrrrtiev, de» 18. Septemvev Amtlich. Westlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe Kronprinz Rupprecht. Bei Ppern wurden Vorstöße, beiderseits des La Bassee- Kanals mehrfach wiederholte Teilangriffe des Gegners abge- rriefen. Heeresgruppe Boehn. Versuche des Feindes, sich nördlich vom Holuonwalde an unsere Linien heranzuarbeiten, sowie Teilangriffe gegen Holuon und Essigny-le-Erand scheiterten. Heeresgruppe Deutscher Kronprinz. Zwischen Ailette und Ai?ne setzte der Franzose seine Angriffe fort. Am Vormittage stieß er zwischen Vauxaillon und Allemant, am Nachmittage nach stärkstem Feuer auf der ganzen Front mit starken Kräften vor. Der Feind, der zunächst auf Pinon südlich der Straße Laffaux—Ehavignon in unsere Linien eindrang, wurde im Gegenstoß wieder zurückgeworfen. Die gegen die übrige Front gerichteten Angriffe scheiterten vor unseren Linien. Heeresgruppe Gallwitz. Keine besondere Eefechtstätigkeil. Heeresgruppe Herzog Albrecht. Kleinere Erkundungsgefechte cm der lothringischen Front »nd in den Vogesen. Mazedonischer Kriegsschauplatz. Oestlich der Tscherna stehen die Bulgaren seit dein 15. September im Kampf mit Franzosen, Serben und Griechen. Zur Abwehr des Feindes sind auch deutsche Bataillone eingesetzt worden. Der erste Generalquartiermeifter: Ludendorff. Alrerrdverrcht. Berlin, 18. Sept., abends. (WTV. Amtlich.) Englisch- französische Angriffe auf breiter Front vom Walde von Havrin- court bis zur Somme. Gegen den auf Mitte des Schlachffeldes zwischen Hargicourt und Onignon-Bach eingedrungenen Feind sind Gegenangriffe im Gange. An der übrigen Front sind Angriffe des Feindes gescheitert. Wir kämpfen überall westlich unserer alten Siegfriedstellung. Wien, 18. Sept. (WB.) Amtlich wird verlautbart: Italienischer Kriegsschauplatz: Der Italiener setzte seine Anstrengungen zur Besitznahme unserer Stellungen im Gebiete des Monte Pertica fort. Das Ziel seiner gestrigen, von heftigem Artilleriefeuer und Minenwerferfeuer begleiteten Angriffe bildet der TassowNücken, gegen den er ffinfmal Sturm lief. Der Feind wurde jedesmal in erbitterten Nahkämpfen zurückgeschlagen. Am Monte Tomba rmd Monte Solarolo wurden feindliche Annäherungsversuche vereitelt. Auf der Hochfläche von Asiago zeitweise schwere Artilleriekämpfe. Zahlreiche Flieger haben auf mehrere Orte hinter 'der Piave-Front und dem Etsch-Tal Bomben abgeworsen ohne nennenswerten Schaden anzurichten. Albanien: Ein Teilangriff der Italiener an der Küste wurde abgewiesen. Auf dem Höherücken südwestlich von Berat, wo wir unsere Linien südwärts vorgeschoben haben, wurden feindliche Gegenangriffe zurückgeschlagen. Westlicher Kriegsschaltplatz: Bei den k. u. k. Truppen nichts v^n Belang. Tcr Ehcs dct Genkralsiabes. Der bnigarische Grueralstab —- - meldet: ======• Sofia, 16. Sept. (WB. Nickstamtlich.) Generalstabsbericht. Mazedonische Front: Nach kurzer Artillerievorbereitung griffen italienische Einheiten unsere Stellungen östlich der Höhe 1060 an, wurden aber durch unser Feuer zurückge- ^chlagen. Bon dem Dorfe Gradeschnitza bis zum Berge Jojouh fanden hartnäckige Jnfanteriekämpfe während des ganzen Tages, vor unseren neuen Stellungen statt. Unsere Einheiten wiesen durch Feuer beträchtliche feindliche Kräfte, zum Teil nach Nahkampf, sowie wiederholte Stürme beträchtlicher feindlicher Kräfte östlich von Gradescknitza, nördlich von Dobropolje und beim Torfe Zborsko zurück, wobei sie ihnen schwere Verluste zufügten. Südlich Gewhheli wurden englische Erkundungsabteilungen durch unser Feuer zerstreut. Bei Doiran war das Artilleriefener auf beiden Seiten ziemlich heftig. Mehrere englische Erkundungsabteilungen, die sich unserer siidlich Doiran vorgeschobenen Stellung näherten, wurden verjagt. Die ^ln»1'bootmeld»iiig. Berlin, 17. Sept. (WB. Amtlich.) Unsere Mittelmeer-Unterseeboote versenkten 9000 Bruttoregistertonnen Schiffsraum. Der Chef des Admiralstabes der Marine. Rotterdam. 17. Sept. (WB.) „Maasboode" meldet: Nach einer Mitteilung des Mariaedepartements in Washington ist das amerikanische Petroleumschiff „Freden! Elish" am 8.^Sept. nach einem Gefecht von einer halben Stunde östlich von Sandy Hook zum Sinken gebracht wurden. Der englische Dampfer , Fokda" (1300 Brt.) ist gestrandet. Die Schlacht im Westen. Die Kampftage. Berlin, 18. Sept. (WTB. Nichtamtlich.) Die fortgesetzten englischen Mißerfolge an der Eambraifront von Moeuvres bis Epehy führten nur zu einer vorläufigen Einstellung der eng- l lischen Angriffe. Nach einer Pause von zwei Tagen setzte am! 18. September ein neuer großer Angriff von Havrincourt bis Kolnon ein. Die Hartnäckigkeit, mit welcher die Engländer hier immer wieder angreifen, erklärt sich, ganz abgesehen von Jochs strategischen Plänen, die noch immer auf einen Durchbruch zwischen Cambrai und St. Quentin abzuzielen scheinen, aus der Tatsache, daß die Deutschen vor der Siegfriodstellung überall noch die ehemaligen englischen Stellungen halten, sodatz die Engländer genötigt sind, sich im Feuer der deutschen Artillerie in dem verwüsteten, von allen Hilfsmitteln entblößten Gelände neue Ausgangsstellungen zu schaffen, falls es ihnen nicht gelingt, sich in den Besitz ihrer alten Stellungen zu setzen. Die gleichen Erwägungen mögen zu der Neuaufnahme der Angriffe im Abschnitte von St. Quentin geführt haben. Am 17. September setzte um 5.30 Uhr vormittags zwischen dom Omignonbach und der Somme starkes Feuer ein, dem heftige Angriffe beiderseits von Holnon folgten, die im Gegenstoß zurückgeworfen wurden. Gefangene wurden eingebracht. Desgleichen scheiterten weitere Angriffe um 9.30 Uhr südlich Holnon, sowie am Nachmittage nördlich des Holnon-Waldes, bei denen ein vorgehendes feindliches Bataillon durch zusammengefaßtes Feuer in seine Ausgangsstellung zurückgetrieben wurde, und ebenso Vorstöße gegen Esstgny-le-Grand. Die französischen Angriffe zwischen Ailette und Aisne dauern an. Nachdem am Vormittage des 17. September alle Versuche der Franzosen goscheitert waren, die zwei Tage vorher unter schwersten Opfern erzielte Einbuchtung in die deutsche Front bei Allemant zu verbreitern, gingen die Franzosen am Nachmittage mit frischen Kräften unter dem Einsatz von Tanks auf der ganzen Front zum Angriff vor. Anfänglich gewannen die Franzosen in Richtung auf Pinon Raum, wurden aber im Gegenstoß wieder zurückgeworfen. Deutsche Feldbatterien fuhren offen auf, setzten zahlreiche Tanks außer Gefecht und zwangen im Verein mit Maschinengewehren der Infanterie die französischen Sturmwellen zur Unckehr. Zwischen Maas und Mosel fühlen sich die Amerikaner trotz aller grohprahlerischen Behauptungen über die Fortsetzung ihres Vormarsches und die noch zu erwartenden großen Ereignisie nur vorsichtig an die neuen deutschen Stellungen heran. Die verhältnismäßige Ruhe hier, wie an den übrigen Fronten darf jedoch nicht darüber hinweg- täuschen, daß die gesamte Westfront nach wie vor unter Hochspannung steht. Ein Neinfall. Berlin, 18. Sept. (WB.) Um zil beweisen, mit welcher Eile der deutsche Rückzug aus dem St. Mihiel-Vogen vor sich ging, berichtet der Funkspruch aus Lyon vom 16. d. Mts., daß es den Deutschen nicht gelungen sei, die von ihnen beabsichtigte Zurückhaltung der Bevölkenmg, vor allecki bn jungen Leute, d-urchzuführen. Lyon funkte, daß ein Teil in St. Mihiel zurückblieb, wo er die siegreichen französischen Truppen mit Freudenrufen begrüßte, und daß die übrigen in den Wäldern und Schluchten gefunden wurden, wo ihre Wächter sie bei der eiligen Flucht im Stich gelassen hatten. Nachdem Lyon so den fluchtartigen Abzug der Deutschen der Welt genügend eingeprägt hatte, mutzten auch andere Register von der Barbarei gezogen werden. Deshalb funkte Lnon zwei Tage später unbedenklich wörtlich: Die Deutschen führten im letzten Augenblick viele selbst alte Personen mit sich fort. Alle jungen Leute wurden mitgenommen. Das Gedächtnis der Welt ist allerdings sehr kurz, aber ein größerer Zwischenraum zwischen den beiden einander diametral widersprechenden Mitteilungen hätte sich doch empfohlen. Der Knftkrieg. Berlin. 17. Cepl. (WB.) lieber dem Schlachffelde von Verdun errangen unsere Luststreitkräfte am 13.. 14. und 15. September trotz zahlenmäßiger feindlicher Ueberlegenheit und ungünstiger Witterung wiederum einzig dastehende Erfolge. Die überlegene Kampfkraft unserer Luststreitkräfte ermöglichte unseren Arbeitsflugzeugen und Ballonen die fast unbehinderte Unterstützung der kämpfenden Erdtruppe An den drei Tagen schosien unsere Jagdflieger 44 feindliche Flugzeuge und acht Ballone ab. Nachträgliche Feststellungen erhöhen die Zahlen der in den Heeresberichten erwähnten Abschüsse noch. An der gesamten Front wurden am 13. September 21 feindliche Fliig- zeuge und ein Ballon, am 14. September 46 feindliche Flugzeuge und neun Ballone und am 15. September 28 Flugzeuge und 15 Ballone abgeschoffen. Das Jagdgeschwader 2 errang am 14. Septenrber allein 13 Luftstege. Zwei Jagdstaffeln erhöhten die Zahl ihrer Luftsiege auf 100. Den Angriffsgeist unserer Jagdflieger kennzeichnen die Leistungen des Leutnants Büchner, der am 14. September allein sechs feindliche Flugzeuge zum Absturz brachte, des Oberleutnants Freiherrn v. Bönigk und des Leutnants Müller, die je vier feindliche Flugzeuge abschoffen. des Leutnants v. Hantelmann, der in den letzten drei Tagen sieben feindliche Flugzeuge vernichtete. Dem feindlichen Verlust von 95 Flugzeugen und 25 Ballonen steht in den drei Tagen etrt eigener von 10 Flugzeugen und 27 Ballone gegenüber. Auf das voreilige Triumphgeschrei der feindlichen Presse über die an» geblich endlich errungene Luftüberlegenheit haben unsere Flie» ger eine wahrhaft deutsche Antwort gegeben. Erfolge unserer Marineflieger. Berlin, 18. Sept. In den letzten drei Tagen wurden von den Flugzengen nnd der Flugzeugabwehr des Marinekorps sieben feindliche Flugzeuge zum Absturz gebracht, vier weitere zur Notlandung in Holland gezwungen. Wir büßten in der gleichen Zeit zwei Flugzeuge ein. Jic fniciitf If|iäl die Kimm Me ab! Das alle Danbtier Cirmenceau. Basel, 18. Sept. Havas berichtet aus Paris: Bei Eröffnung der Senatssitzung sprach der Präsident Dubost den franzö» sischen und alliierten Armeen den Dank aus für die gemeinsam gebrachten großen Opfer und die gemeinsam errungenen Siege, aus denen der Friede der Welt hervorgehen werde. Er betonte, es sei notwendig, die Schliche Deutschlands zu vereiteln, die darauf ausgingen, dieses Land der verdienten gerechten Züch» tigung zu entziehen. Elemenceau, der mit stürmischem Beifall begrüßt wurde, führte aus: Die Negierung verlangt ihrerseits die Ehre, soweit als Worte dies tun können, die ungeheure Dankbarkeit der freien Völker gegenüber den wunderbaren Soldaten der Entente auszudrücken, durch die sie endlich von der Beängstigung in diesem großen Sturm befreit worden sind. Während eines halben Jahrhunderts wurden dem friedlichen Frankreich von einem! Feinde unwürdige Wunden geschlagen, weil er uns nicht verzieh, das Rechtsbewußtsein vom Echiffbruch gerettet zu haben. Es verging kein Tag ohne Kriegsdrohung und ohne tyrannen- mäßige Brutalität. Wir haben diese schrecklich langen Stunden unter den schlimmsten Beleidigungen gelebt sowie unter dem noch demütigeren Entgegenkommen. das niedere heuchelet war imb das uns auf die Uebernahme eines freiwilligen Jochs vorbcreiten sollte, das uns allein vor der allgemeinen Katastrophe retten konnte. Schließlich kam der Augenblick, wo der angebliche Herr der Welt den Beschluß faßte, mit dem ruhigen Stolz der Völker ein Ende zu machen, die es wagten, dem nach Vorherrschaft Strebenden entgegen zu treten. Ohne auch nur den Schein eines Vorwandes stürzte sich der Angreifer auf unser Gebiet, um die großen Erpressungen wieder aufzunehmen. Unsere Soldaten rückten ins Feld, um die Opfer zu bringen, die das Wohl der Heimat erforderten. Was sie gewesen sind und was sie noch sind, das wird die Geschichte einst sagen. Wir wußten es zum voraus, aber seit gestern beginnt Deutschland zu begreifen welche Männer sich vor ihm aufgestellt haben. Dummerweise hatte es geglaubt, daß der Sieg für alles Amnestie gewähren werde, nämlich für unsere verwüsteten Landschaften, für unsere verschütteten Städte und Dörfer, für die Brandstiftungen, die methodischen Plünderungen, für die Männer, Frauen und Kinder die in die Sklaverei geschleppt wurden. Das ist es, was die Welt ersehen hat, und das wird die Welt auch nicht vergessen. (Lebhafter Beifall). Es hat jedoch noch keinen Sieg gegeben, um für so viele Verbrechen Straffreiheit zu gewähren, und der angekündigte Sieg ist nicht eingetroffen. Es wurde eine schreckliche Rechnung von Völkern zu Völkern eröffnet. Sie wird bezahlt werden, denn nach vier Jahren undankbaren Ruhmes hat ein für uns allerdings nicht unerwarteter Umschwung des Glücks zu einem großen Rückzug der Armeen des Kaisers geführt. Ja, der Tag, der seit mehr als einem Jahrhundert von unseren Nationalhymnen ange- kündigt wurde, ist wirklich eingetreten. Unsere Kinder sind im Begriff, das ungeheure Werk zu vollenden, das von ihren Vätern begonnen wurde. Frankreich steht nicht mehr allein da, wenn es sich mit den Waffen rechtfertigen will. Es find alle Brudervölker, die im Begriffe sind, den schönsten Sieg der höchsten Menschlichkeit zu vollenden. (Beifall.) Wer hat je geträumt, eine schönere Geschichte erlebt zu haben. Die Bürger und die Soldaten, die Regierungen und die Versammlungen der Entente, alle standen hinter ihrer Aufgabe und werden hinter ihr bleiben, bis sie vollendet ist. Alle find des Sioges würdig, weil sie ihn zu ehren wißen werden. Und doch würden wir uns etwas zu schulden kommen laßen in diesem Kreise, wo die Alten der Republik sitzen, wenn wir vergeßen, daß der reinste Sieg unseren prächtigen Soldaten zukommt, welche sehen werden, wie sich ihre Adelsbriefe durch die Geschichte bestätigen, die Adelsbriefe, die sie in dieser Stunde verdienen, in der sie weiter nichts verlangen, als das großartige Werk zu vollenden, das sie der Unsterblichkeit weiht. Was wollen sie? Siegreich weiter kämpfen, jetzt und immer, bis die Stunde schlägt, wo der Feind begreifen wird, daß es zwischen dem Recht und dem Verbrechen keinen Vertrag gibt. Ich höre sagen, daß der Friede nicht durch eine militärische Entscheidung herbeigeführt werden kann. Dies sagte der Deutsche nicht, als er den Krieg eröffnet« U7Ü> seine Schrecken auf uns los- ließ und seine Führer noch gestern die Völker verteilten wie Vieh. Die militärische Entscheidung Deutschlands zwang uns, den Krieg zu führen. Nun so sei es, wie Deutschland es gewollt hat. Wir suchen den Frieden nicht. Wir wollen nur einen gerechten und festen Frieden für diejenigen, die nach uns kommen, damit sie vor den Schrecken der Vergangenheit bewahrt werden. Geht also, Ihr Söhne des Vaterlandes, geht und befreit die Völker von den letzten Schrecken unreiner Kräfte, geht und siegt! Frankreich, die ganze denkende Menschheit ist mit Euch! Die Haltung Amerikas. Washington, 17. Sept. (WB.) Meldung des Reuterfchen Bureaus. Die Antwort der Vereinigten Staaten an Oesterreich-Ungarn wurde heute nachmittag der schwedischen Gesandtschaft zur Uebermittlung nach Wien ausgehandigt. Newyork, 17. Sept. (WB.) Reutermeldung. Die öffentliche Meinung in den Zeitungen der Vereinigten Staaten verwirft mit wenigen Ausnahmen unzweideutig den österreichischen Friedensvorschlag. Sowohl die demokratischen als auch die republikanischen Mitglieder des Kongreßes stehen der Annahme des österreichischen Vorschlages unter den gegenwärtigen Verhältnissen in gleicher Weise ablehnend gegenüber. Senator Lodge, der darüber befragt wurde, sagte, er sei nicht der Meinung, daß der Friedensbewegung irgendwelche Aufmerksamkeit geschenkt werden solle. Der Vorsitzende des Ausschußes des Senats für die auswärtigen Angelegenheiten Hitchoock erklärte, das Friedensgerede wäre in der jetzigrn Zeit lächerlich, er rate, Amerika und die Verbündeten sollten bis zum militärischen Triumph kämpfen, der die vollständige Niederlage des Feindes bedeute. Amsterdam. 17. Sept. (WB.) Reuter. Der Newyorker Korrespondent der „Aßociated Preß" meldet: Der österreichische Vorschlag war in Washington anr Sonntag nachmittag 4 Uhr noch nicht eingetroffen. Von maßgebender Seite kann festgs- stellt werden, daß selbst gegen die nunmehr vorliegende offizielle Faßung ebensoviel einzuwenden ist, wie früher und daß diese nicht einen einzigen Punkt bietet, in welchem die Entente oder die Vereinigten Staaten bereit sein würden, mit den Urhebern übereinzustimmen. Nach der Meinung offizieller Kreise ist der Haupteinwand in der Ueberzeugung zu suchen, daß die Versicherung der aufrichtigen Friedensliebe des deutschen Volkes und ihrer Negierungen erzwungen ist durch die Stimmung in Deutschland, besonders in Oesterreich. Es wird hier betont, daß der Friede rasch und wirksam durch die offene Erklärung herbeigeführt werden könnte, daß Berlin und Wien die vier- Hehn Punkte Wilson voll und ohne Einschränkung annehmen, » Verdächtige Eile. Amsterdam, 18. Sept. (WB.) Die „Nieuws van den 9o/]" schreiben zur Rede Balsours u,id zur Antwort der Ver- -einigten Staaten auf die österreichische Note: Wozu die Wozu sonst, als um zu verhindern, daß der Friedens- pedanke und die Hoffnung auf Frieden die Reihen der Verbands Heere durchdringt und dort einen erschlaffenden Einfluß' ausuben wird? Uber wäre solche Uebereilung notwendig, wenn für eine derartige Erschlaffung keine Gefahr bestünde? Die Sache ist die, daß alle Völker nach Frieden verlangen, nicht nur die Völker der Mittelmächte, nicht nur die notleidenden Neutralen, sondern ebenso sehr die Völker der Verbandsstaaten, nicht zum wenigsten der Teil des Bol- kes, der die Kastanien aus dem Feuer holen und sein Blut auf den Schlachtfeldern zum Opfer bringen muß. Dränge der Friedensgedanke und die Hoffnung auf Frieden in den Reihen an der Front durch, so fänden General Mangin und General Pershing bei ihren Truppen vermutlich nicht die Stimmung, die sie für ihre Angriffspläne gebrauchen. General Pershing müßte den Kampf um Cambrai aufgeben. Aus diesem Gesichtspunkte kann man den Regierungen des Verbandes nachfühlen, daß sie für den Vorschlag Burians keine Ohren haben. Washington, 17. Sept. (WB.) Reuter. Lansings Erklärungen wurden innerhalb einer halben Stunde nach Empfang des österreichischen Vorschlages abgegeben. Die Schnelligkeit, mit der die Rückäußecung erfolgte, zeigt, daß nicht der leiseste Zweifel "darüber bestehen kann, was man ffir eine Antwort zu erwarten hat. Amtliche Kreise beschäftigen fick mit der Frage, welches der nächste Schritt in dem, was man allgeniein als deutsche Friedensoffensive auffaßt, sein wird. Allgemein glaubt man, daß die deutschen und österreichischen Militärbehörden die Antwort als Beweis dafür erklären werden, daß alles Menschenmögliche zur Herbeiführung des Friedens geschehen sei, und daß sie auf diese Weise das Volk für den neuen Winetrfeldzug moralisch kräftigen wollen. Andere sprechen von der Möglichkeit des Verfalles des Vierbundes. Indem Oesterreich so weit gegangen sei, einen Friedensvorschlag zu machen, habe es den Weg für den nächsten Schritt, nämlich die vorbehaltlose Unterwerfung unter Wilsons Bedingungen geebnet. Auch Italien. Der«, 17. Sept. (WB.) Die österreichische Rote wird erst heute von den italienischen Blättern in vollem Umfang veröffentlicht. Die Besprechungen laßen erkennen, daß man der Wirkung auf die Entenvölker nicht ganz sicher ist. Der Propa- gandaminister nahm in einer in Mantua gehaltenen Rede bereits in ablehnendem Sinne Stellung zur Wiener Note- Auch mehrere internationalistische Vereinigungen beschloßen eine feierliche Gegenpropaganda für den italienischen Nationaltag. Begrabene Hoffnungen. Bern, 18. Sept. (WB.) Die „Basler Nationakzertung" führt u. a. aus: Wien vergißt daß die Verbandsherrschsucht sich mächtig entwickelt und den schönen Standpunkt Wilsons, daß es keinen Frieden mit Siegern und Besiegten geben dürfe, verlaßen hat. In Paris ist man so siegestrunken, daß man jede Erklärung der Mittelmächte, die nicht bereits deren eigene Niederlage und den Verbandsfieg anerkennt, wie eine Herausforderung empfindet. Man erlebt heute das Begräbnis der Hoffnung auf einen Verständigungsfrieden. Bei dem Verbände ist man der Ansicht, man werde sich bald in den Genuß einer reichen Beute setzen. Die gebietslüsterne Welle ist riesenstark, und nichts scheint ihr widerstehen zu können. Es wäre ganz vergeblich, sich mit Gründen der Vernunft gegen sie zu wehren. Der Verband wird sicherlich an die Völker der Mittelmächte allerlei Freundlichkeiten richten, in der Sache jedoch jene Ee- bietslüsternheit bekunden, die heuchlerisch mit den erhabensten Worten von Gerechtigkeit und Selbstbestimmung verbrämt wird. M Die Haltung des Papstes. Bern, 17. Sept. (WB.) Wie die katholische „Jtalia" meldet, ist der Wortlaut der Wiener Note mit dem gestrigen diplomatischen Kurier noch nicht in Nom eingetroffen. Auch der Vatikan kannte nach der gleichen Quelle den Text der Note bis gestern abend noch nicht. Der „Oßervatore Nomano" enthält sich daher jeden Kommentars. Wie der Vatikan-Korrespondent der „Jtalia" bemerkt, find die in den Zeitungen wiedergegebe- nen Eindrücke des Heiligen Stuhles reine Phantasieprodukte, jedoch wird die Rückkehr Easparts bestätigt. Die Engländer ans ftokn vertrieben. Konstantinopel, 18. Cept. (WB.) Nach hier eingegange- neit Nachrichten vermehrte sich in den letzten Tagen die Zahl der aus Nordpersien nach Baku gekommenen Engländer auf mehrere Tausend. Sie hatten die Sowjet-Regierung vertrieben und eine sozialrevolutionäre Verwaltung eingesetzt. Um sie zu vertreiben, gingen tatarische Freischaren aus Kaukasisch-Afer- beidschan gegen Baku vor. Nach hartem Kampfe gelang es ihnen, die Engländer zu besiegen und die Stadt zu besetzen. Die enBjiheil Worb- und Verlchniörtrbnbtn. Berlin, 15. Sept. Ein aus der französischen Gefangenschaft zurückgekehrter deutscher Soldat machte unter seinem Diensteid folgende Meldung: Im internationalen Verbrecherlager in Ajain (Dep. Creuse), Frankreich, machte ich die Bekanntschaft des „Attentäters" auf das ftanzösifche Konsulat in Athen. Sein Name ist Ctretis Bolanis, Kapitän in einem griechischen Infanterie-Regiment, wohnhaft im Hotel Zaecharets in Athen. Er erzählte mir, wie folgt, und feine Aussage wurde mir von seinen Helfershelfern bestätigt: Er wurde eines Abends von einem französischen Agenten, mit dem er schon längere Zeit intim befteundet war, besucht. Im Laufe der Unterhaltung erklärte ihm dieser, daß die französischen und englischen Truppen irgend einen Vorwand brauchten, um in Athen landen zu können. Dieser Vorwand wäre z. V. da, wenn ein Attentat auf das französische Konsulat inszeniert würde. Bolanis sollte mit einigen jungen verschwiegenen Leuten sich in Verbindung setzen und gegen eine Belohnung von 500 000 Franken das Attentat ausführen. Das geschah auch. Bei einbrechondcr Dunkelheit trafen sich die acht Menschen vor dem Konsulatsgebäude, gckben mehrere Revolverschüße ab und schleuderten einige Bomben. Beim Anrücken deß griechischen Polizei flüchtete die Bande ins Konfulatsgebäude. Hier erhielt jeder eine französische Uniform — der Anführer Bolanis fuhr in der Uniform eines französischen Seeoffiziers zum Hafen und kam an Vord eines englischen Kanonenbootes mit seinen Eenoßen nach Saloniki. Hier wurden sie von General Sarrail empfangen, belobt und die „Tat" durch ein Bankett gefeiert. Bevor ihnen aber die Belohnung ausbezahlt werden sollte, wurde Bolanis ein Schreiben zur Unterschrift vor- gelegt, des Inhalts, daß er von Baron von Schenk zur Aus. Übung des Attentates verleitet worden sei. Da ihm die Sache nach seiner Aussage nicht geheuer schien, verweigerte er die Uw terfchrrft. Nun wurden er und seine Helfershelfer für verhaftet erklärt, — ins Gefängnis abgeführt und in den nächsten Tagen auf einem französischen Kriegsschiff nach Frankreich gebracht und in Ajain interniert. . Der Vorwand zu einer Truppenlandung war gefunden — die Mitwisser mußten verschwinden. Soviel mir bekannt ist, befinden sich diese acht Bombenwerfer noch in Ajain. — In jener Zeit konnte man aber in allen französischen Blättern lesen, daß von der deutschen Rogierun-q ein Komplott gegen das französische Konsulat angezettelt gewesen sei — „von der deutschen Regierung, die überhaupt keine Neutralität und kein Völkerrecht anerkenne." Ium Kkjvlh des t'.ornifüiilrfjfii Königs in Zchwkbkii. Stockholm, 16. Sept. (WB.) Der König von Norwegen traf im Sonderzug aus Kristiania ein. Dieser erste offiziöse Besuch beim schwedischen König fand hier eine sehr sympathische Aufnahme. Der Besuch dauert bis übermorgen. Stockholm, 17. Sept. (WB.) Beim heutigen Ealadiner zu Ehren des Königs Haakon von Norwegen begrüßte König Gustaf feinen Gast mit einem Trinkspruch, in dem er u. a. sagte: „Durch Zusammenhalten und gegenseitige Hilfe und Verständigung können wir leichter die jetzigen schweren Zeiten und die kommenden, vielleicht noch schwereren Tage überwinden. Es ist meine feste Hoffnung, daß das Band zwischen den nordischen Völkern inrmer fcster geknüpft und die gemeinsame Arbeit weiterhin entwickelt werden soll, von der wir mit Freude feststellen können, daß sie schon auf verschiedenen Gebieten Fruchte getragen hat und dadurch zum Segen unserer Länder und Völker wird." Der König von Norwegen antwortete mit einer Erinnerung an die Verdienste des Königs Oskar um die Verständigung der Leiden skandinavischen Völker und sagte dann: „Es ist mein Glaube, daß das gute Verhältnis, welches in diesen Kriegsjahren zwischen den beiden Völkern geherrscht hat. zum Nutzen und zum Glücke beider bewahrt werden wird, sodaß wir getrost der kommenden Zeit entgegensetzen können, unter Aufrechterhaltung unserer Neutralität im Kriege, der das Wohlergehen so vieler größerer Nationen aufs Spiel gesetzt hat, den die nordischen Völker aber bisher von ihren Türen ffrnhalten könnten." DenWand soll neiüraNkri werden. Bern, 15. Sept. Die dauernde Neutralisierung Deutschlands ist das Neueste, was sich ein amerikanisches Blatt, die schon vor Eintritt Amerikas in den Krieg äußerst deutschfeind, liche „Newyork Tribüne", zur Bestrafung der deutschen Miste» taten ausgedacht hat. Dem Washingtoner Berichterstatter der „Morningpost" zufolge schreibt die Zeitung: Ein Deutschland einschließender Völkerbund würde bedeuten, daß Deutschland ebenso wie Belgien und Frankreich bei Verteilung der Hilfs. quellen der territorialen und Handelsangelegenheiten der Welt eine Stimme hätte. Dagegen sträubt sich die Seele. Ein Deutsch, land ausschließender Völkerbund würde zwei große bewaffnete Lager bedeuten. Mit Deutschland kann es weder Frieden noch Krieg geben. Man kann ihm nicht trauen, daß es Frieden hält. Es besitzt kein Wort, das es halten, kein Vertrauen, das es ver. lieren könnte. Man kann ihm aber auch nicht die Mittel be. laßen, einen Krieg zu führen. Deutschland muß auf eigenem Boden besiegt und entwaffnet werden. Dann sind die verbünde» ten Völker als Völkerbund konstituiert, um auszusprechen, unter welchen Bedingungen Deutschland überleben soll. Die Mili» tärmacht Deutschlands muß für immer gebrochen werden. Die alliierten Nationen würden ihm den Status eines dauernd Neutralen garantieren, der unbewaffnet wäre. Das übrige hängt davon ab. wie weit man sich auf das moralische Gefühl der Welt verlaßen kann, ihin eine endgültige Strafe auf^rer- legen. Man kann 65 Millionen Deutscher nicht einschlichen, aber ausschließen. Wenn die Bevölkerung der alliierten Länder spontan beschlöße, Deutschland von jedem Verkehr auszu- schließen, das heißt, es für eine Reihe von Jahren auszuschal- ten, so würde kein wirtschaftlicher Boykott notwendig sein. Die Londoner Konferenz. London, 17. Cept. (WB.) Die interalliierte Arbeiterkon» ferenz zur Besprechung der Fragen, die sich aus dem Kriege er- geben, wurde heute eröffnet. Es waren zahlreiche Teilnehmer eingetroffen. U. a. waren Albert Thomas und Renaudel aus Frankreich, Eompers aus Amerika, Vandervelde und de Brou- quere aus Belgien, Rosetti und Vercelloni aus Italien, fowi- Henderfon und Ramson Macdonald aus England anwesend. Die Mehlheüsvlirttitil und die fuge. Die „Deutsche Tageszeitung" schreibt: Wie bereits mitge- teilt, besteht in den Kreisen der Mehrheitsparteien des Reichstages die Auffassung, daß die durch die österreichisch-ungarische Rote geschaffene politische Situation zum mindesten den baldigen Zusammentritt des Hauptausschußes erforderlich mache; und der Abgeordnete Eberl von der Sozialdemokratie beabsichtigt, über feine Berufung für den Freitag dieser Woche mit dem Reichskanzler zu verhandeln. Wir haben bereits zum Aus, druck gebracht, daß unseres Erachtens eine derart eilige Befas- fung des Reichstages oder seines Ausschusses mit der österreichisch-ungarischen Note um so roeniger notwendig erscheint, als noch einige Zeit vergehen dürfte, bis durch die Stellungnahme der feindlichen Regierungen die Situation so weit geklärt ist, daß die Dinge auch für die deutsche Negierung spruchreif sind. An der bisher vorliegenden Meldung über die Aufnahme in Amerika gemessen dürfte freilich die ganze Angelegenheit überhaupt nicht auf ein positives Gleis gelangen. Wenn der „Vorwärts" die Einberufung des Reichstages Vnter Hinweis auf die militärische Lage und die finnische Frage fordert, so genügt demgegenüber wohl die Feststellung, daß es sich da abermals um einen Versuch handelt, die Kompetenzanmaßung des Reichstages in einer Weise zu erweitern, die weder tn den Dingen selbst noch in der Verfassung irgendwie begründet erscheint. Es ist bedauerlich genug, daß die österreichisch- ungarische Rote wiederum einen billigen Vorwand abgeben soll, um in Verbindung mit ihr derartige innerpolitischen Treibereien in Szene zu setzen. Die interfraktionellen Besprechungen der Mehrheitsparteien find infolge der Vurianscben Note gestern morgen wieder ausgenommen worden; ihr Hauptgegenstand war die Frage nach dem Zeitpunkt der Einberufung des Hauptausschusses. Der Reichskanzler hat am Sonntag und gestern Gelegenheit genommen. mit den Führern aller Parteien eingehend die durch die Note geschaffene Lage zu besprechen; fiir die konservative Partei nahm der Abgeordnete Westarp an diesen Besprechungen teil. liefet die Verhandlungen zwischen den Vertretern der Mehrheitsparteien und dem Kanzler war in einem Teile der Mehrheitspresse berichtet worden, daß dabei die lebhafte Mißstimmung auch seiner politischen Freunde darüber zum Ausdruck gekommen fei, daß er die führenden Parlamentarier während der letzten Woche nicht über die im Flusse befindlichen Entwicklungen unterrichtet habe. Demgegenüber wird in airderen linksstehenden Blättern festgestellt, daß von einer solchen Mißstim- nrung tatsächlich keine Rede sein könne, da den Reichskanzler schon um deswillen keine Schuld treffe, weil die verbündete Monarchie vollkommen selbständig vorgegangen sei und die amtlichen deutschen Stellen zu diesem Vorgehen erst Stellung nehmen konnten, nachdem die Note vorlag. Im übrigen wird kein Hehl daraus gemacht, daß die allgemeine Skepsis hinsichtlich ihrer Wirkung auch von den amtlichen Stellen in Deutschland geteilt wird. Es wird dann weiter behauptet, die Besprechungen der Mehrheitsführer mit dem Kanzler hätten erkennen lasten, daß die Ausführungen Payers in Stuttgart in vollem Einklang mit den Anschauungen aller leitenden Kreise stünden. Diese letztere Behauptung ist nicht ohne weiteres klar, nachdem bezüglich seiner innerpolitischen Aeußerungen bereits durch den Vizepräsidenten des Staatsministeriums im Herrenhause zum mindesten eine teilweise Korrektur erfolgt ist. Der Kania-Liin- gegen die KriegsVirtjchaft. Der Hansa-Bund für Gewerbe, Handel und Industrie veranstaltet auf Veranlassung und unter Mitwirkung einer sehr großen Zahl großer wirtschaftlicher Verbände am 24. September, abends 7 Uhr in Berlin im großen Saal der Philharmonie eine Kundgebung für den sofortigen Abbau der Kriegswirtschaft nach dem Frieden und für die Freiheit der Wirtschaft. Verteuerung der Lebensrnittel durch die KriegSPleWafteu. Es ist schon oft darauf hrngewiesen worden, daß durch die im Laufe des Krieges entstandenen Kriegsgesellschaften eine oft ganz ungeheuerliche Verteuerung aller Lebens- und Genußmittel und Gebrauchsgegenstände eingetreten ist. Der Verbraucher muß durchschnittlich bedeutend mehr bezahlen als der Erzeuger erhält, und die Spannung zwischen dem Erzeugerpreise und dem Kleinverkaufspreise ist nie so groß gewesen wie fetzt im Kriege. Die Händler und Kaufleute im Frieden sind die reinsten Waisenknaben gewesen gegenüber den Kriegsgesellschaften, die im Kriege sich der Bewirtschaftung der Waren bemächtigt haben. Es ist notwendig, daß immer wieder auf diesen „Kriegs- Wucher" — als etwas anderes kann man es kaum noch bezeichnen — hingewiesen wird, damit die Bevölkerung namentlich in den Großstädten erfährt, wem sie die teure Lebenshaltung im Kriege zu verdanken hat. Bei den Kartoffeln z. B. ist der Erzeugerpreis inzwischen bereits auf 6 Pfennig pro Pfund herabgesetzt worden. In den Großstädten, so in Groß-Berlin, wird noch jetzt 15 Pfennig pro Pfund erhoben. Erst vom 16. (z. T. v. 9. an) September ab soll eine Ermäßigung auf 12 Pfennig eintreten. Ganz gewaltig ist die Verteuerung bei den Eiern. Während der Landwirt durchschnittlich 25 Pfennig für das Ei erhält, ist in den großen Städten kein Ei unter 56 Pfennig zu haben. cn Schlachtaufträgen Sondervergünstigung gewähren lassen, in einem Falle 400 000 Mark! (Wie die „Kvlonialwaren-Woche" in Berlin mitzuteilen weiß, hat die Z. E. G. bei ihrem letzten Jahresabschluß einen Verdienst von 363 Millionen Mark zu verzeichnen gchabt. Das Ergebnis kann nicht befremden, wenn man bedenkt, daß die Zentral-Einkaufs-Gefillfchaft einen Milliarden-Unffatz hat und gewaltige Preisausschläge für die aus dem Auslaude bezogenen Waren nimmt. Befremden kann das Ergebnis nur insofern, als bei Gründung all dieser Kriegsgesellschaften die Zusicherung gegeben wurde, es sei bei denselben außer auf Verzinsung des Anlage-Kapitals auf keinerlei Gewinn abgesehen, da diese Gesellschaften ja einem gemeinnützigen Zwecke dienen und das Durchhalten erleichtern sollten. Wenn nun aber durch unverhältnismäßige Verteuerung der Waren so riesige Gewinne aus dem Volke herausgezogen werden, so fragt man sich doch, wo da die Gemeinnützigkeit bleibt und ob das wirklich dem Durchhallen dient! Es ist auch begreiflich, wenn kaufmännische Kreise, die z. T. durch die „Z. E. G." ihres Erwerbes beraubt sind, unwillig auf diese Erscheinung blicken. Das genannte Blatt beinerkt dazu: „Ist es nicht geradezu unverantwortlich, einer einzigen Gesellschaft eine solche Verdienst- Möglichkeit zu verschaffen, während Hunderltausende von Betrieben die Berechtigung zur Weiter-EMenz in jahrzehntelanger Arvett bewiesen haben und jetzt einfach zu Grunde Eehen miss- sen? Es ist höchste Zeit, daß ein Gesetz kommt, das dem Bun«- desrat die Möglichkeit nimmt, die Kriegsgesellscheften nach freiem Ermessen weiter schalten zu lassen. Es wäre Zeit, daß der Reichstag ein Wort in dieser Sache spräche. Es ist nicht angängig, daß solche Werte wenigen Bevorzugten zugute kommen, während die große Menge darbt." — Die Schriftleitung des genannten Blattes knüpft daran die Bemerkung, daß nach ihr^m Wissen der Verdienst der „Z. E. G." in Wirklichkeit ein viel höherer fei als angegeben.) Ans der Heimat. Versteigerung von Zugochsen. Am nächsten Montag, den 23. d. Mts. und voraussichtlich auch am folgenden Dienstag kommen zu Kranich st ein etwa 100 Zugochsen seitens de, Landwirtschaftskammer zur Versteigerung. Näheres ist aus den Inserat zu erschen. FC. Büdingen, 17. Sept. Die Vucheckernernte in den Furst< lichen Waldungen wird allgemein fteigegeben in den nicht in Hege liegenden oder von der Verwaltung zum Selbstsammelr reservierten Waldteilen. Für einen Sammelschein sind 10 Pfg, zu entrichten. Ans Rhcinl,essen. FÖ. Oppenheim, 17. Sept. Durch das Anschlägen seines Hundes wurde der Wiesenwärter Schmitt auf fünf Männer aufmerksam, die versuchten, auf dem Plattenhof einige Stücke Vieh zu stehlen. Schmitt, der sein Jagdgewehr bei sich hatte, wurde beim. Verlassen seines Hauses von den Strolchen überwältigt und niedergeschlagen. Von den Gaunern fehlt bis jetzt jede Spur. Ans Hessrn.Nassau. FC. Wiesbaden, 17. Sept. In der Eisenbahn kam die an einen Deutschen verheiratete Französin Margi Lahm mit einem kriegsgefangenen Franzosen zusammen. Mit Erlaubnis des begleitenden Soldaten unterhielt 'sich Frau Lahm, die mit ihrem Mann in Scheidung lebt und seit langer Zeit kein Lebenszeichen mehr von ihren Angehörigen in Paris bekommen hatte, mit dem Gefangenen. Dieser versprach, ihren Eltern zu schreiben und ihr dann Nachricht zu geben. Was auch geschah, doch kam die Sache heraus und Frau Lahm stand beute wegen Verkehrs mit Kriegsgefangenen vor den Schöffen. Diese nahmen die Un- voffichtige in eine Geldstrafe von 30 Mark. FC. Wiesbaden, 17. Sept. Ein entlassener Lehrbube des Bäckermeisters Ott in der Friedrichsstraße erzählte in seiner neuen Stellung, daß ihn sein Meister, wenn der Teig gemacht wurde, stets, nachdem er erst eine große Büchse Laubholzmehl hetbei geholt habe, aus der Backstube forffchickte. Als er wieder erscheinen durfte, waren die Brote fertig gemacht und die Büchse, die er wieder forttragen durfte, war sehr leicht geworden. Hierauf wurde fei dem Bäckermeister Ott im Mai ein Brot entnommen, das nach den Feffftellungen des Nahrungsmit- lelamtes in Frankfurt a. M. zirka 10—20 Prozent Laubholz? mehl enchielt. Nach Ansicht des Sachverständigen, der u. a. ausführte, daß den Bälkrn in der heutigen Zeit zum streuen nur erlaubt fei, entharztes Nadelholzstreumehl zu verwenden auf keinen Fall aber, daß dieses Holzmehl, das sich auch in großen Mengen in den Proben voffand, zum backen verwendet werden dürfe, da es vollständig unverdaulich ist und steht die Beimengung von LaubholFmehl zum Teig als eine grobe Ber- fälschung des Brotes an. Die Schöffen, die ernsthaft erwogen hatten, ob für btefe vorsätzliche Fälschung nicht eine Gefängnisstrafe am Platze sei, nahmen den Bäckermeister in eine Geldstrafe von 500 Mark. Diese milde Strafe verdankt Ott nur firner bisherigen llnbestraftheit, zumal wir in der heutigen Zeit mit der Beschaffenheit des Brotes, so führte der Vorsitzende aus, am Rande der Derdauungsmöglichkeit angelangt sind, konnte hier nur eine empfindliche Strafe am Platze sein. FC. Wiesbaden, 17. Sept. In einem hiesigen Hotel wurden für 2400 Mark Kleider usw. gestohlen. Von den Dieben fehl- jede Spur. FC. Vom Oberlahnkreis, 17. Sept. An einem der letzten Tage machte nachts vor einer Wirtschaft in Drommershausen ein Auto Halt. Die Insassen gingen sofort nach dem Schweine, stall. Die Gauner waren gerade dabei, ein Bofftentier im Auto zu verstauen, als die Hausfrau die ungebetenen Gäste bemerkte und Lärm schlug, worauf diese, ohne ihren Raub auszuführen, das Weite suchten. — Auf unaufgeklärte Weise entlud sich das Gewehr des Iagdpächters des Jagdreviers in Reichenborn. Das Geschoß durchschlug dem Pächter, einem Bezirks- schornsteinfiger aus Franffurt a. M., die Schlagader des einen Beines. Da es dem Verletzten nicht gelang, einen kunstgerechten Verband anzulegen, auch Hilfe nicht gleich zur Stelle war, trat Verblutung ein, die den Tod des Jägers zur Folge hatte. Die Leiche wurde nach Frankfurt a. M. überführt. FC. Aus dem Unterlahnkreis. 17. Sept. Die Errichtung von Zwangsinnungen für Bäcker, Schreiner, Schuhmacher sowie für das Anstreicher-. Maler- und Lackierer-Gewerbe im Unterlahn-, kreis zum 15. Oktober ist vom Regierungspräsidenten angeordnet worden. FC. Vraubach, 17. Sept. Die Stadtverordneten bewilligten die unentgeltliche Abgabe von Brennholz an Kriegerwitwe» und Kriegerfrauen. FC. Nievern, 15. Sept. Der älteste Einwohner des Ortes Jakob Zackmuth ist im 78. Lebensjahr gestorben. Der Verstor- bene konnte im Jahre 1903 sein 50jähriges Arbeitsjubiläum alr Arbeiter auf der Nieverner Hütte begehen; er war außerdem Ehrenvorsitzender des Gesangvereins „Harmonia" dahier. Aus der Pfalz. FC. Aus der Pfalz, 15. Sept. Die Hopfenernte fällt in d«! Pfalz sehr gering aus. — Der Postbote Anstätt in Rodalben riet am Bahnhof unter die Räder der Lokomotive eines Zug