Nummer äl5 <>v. EjnstlMtig Me ftummet k Frettagl, den 13. September 1918 11. Jahrgang ileue TagesMitung Die .Mene Tageszeitung" erscheint jeden Werktag. Negekmähige Beilagen „Der Hauer aus Hessen". „Die Hpiunssube". Bezugspreis: Bei den Postanstalten vierleljährlich Mk. 2.4kL hinzu tritt noch das Bestellgeld: bei den Taenien monatlich 90 Pfg. einschließlich Trägerlohn. Anzeigen: Grundzeile 2d Pjg., lokale 20 Pjg.. Anzeigen von auswärts werden durch PostnachnahmS erhoben. Erfüllnngsorr Friedberg, tzcksviftleitung und Uerlag Friedberg (Hessen), .zuinauerüraße 12. Femiprecher 48. Poitscheck-Tonto Nr. 4859. Amt Frankfurt a. M. =ii«!eiil!siiiifdjei* lupf Miflhe« Mass iiitis Ein englischer Angriff zmische» Arras und Peronne gescheitert. — Prinz Friedrich Kar! non Hessen als König von Finnland. — Eine Rede des Vizekanzlers von Payer. Der deutsche Generalftad —— meldet: W. T. S. Großes HrrrrpL-pLartrep, der- 12. September Amtlich. Westlicher Kriegsschauplatz. Nordöstlich von Bixschoote wurden Teilangrisfe, bei Armentieres und am La Baffee-Kanal Vorstöße des Feindes abge. rviesen. An den Kampffronten entwickelten sich während des Tages unter starkem Feuerschutz mehrfach Infanteriegefechte im Vorgelände unserer Stellungen. Am Abend heftiger Artilleriekampf zwischen den von Avras und Peronne auf Cambrai führenden Straßen. Englische Angriffe, die bei Eintritt der Dunkelheit gegen den Kanalabschnitt Marquion—Havrincourt verbrachen. scheiterten vor unseren Linien. Auch zwischen Ailette und Aisne nahm das Artilleriefeuer am Abend wieder an Stärke zu. Die Infanterietätigkeit blieb hier auf Vorfeldkämpfe beschränkt. Aus den Höhen nordöstlich von Fismes wurden französische Torlangriffe abgowiefen. Erfolgreiche Erkundungsgefechte an der lothringischen Front und in den Vogesen. Der erste Generasqvarklermeisler Lvdeudsrff. Alrendbericht. Berlin, 12. Sept., abends. (WB. Amtlich.) Zwischen den von A r r a s und Peronne auf Cambrai führenden Straßen sind erneute Angriffe der Engländer gescheitert. Zwischen Maas und Mosel griffen Franzosen und Amerikaner im Bogen von St. M i h i e l an. Die Kampfe bauein an. I Der österreichische Genera!stob !? !,*=== meldet: =='-! Wien, 12. Sept. (WV.) Italienischer Kriegsschauplatz: An der Tiroler Front stellenweise Patron'.llenkämpfe. Auf dem Asolone wiesen unsere Truppen einen neuerlichen überraschenden Angriff der Italiener blutig ab. An der Piavefront halt die Drtillerietätigkeit an. Albanischer Kriegsschauplatz: Ein gelungener Angriff auf dem Tomorica-Nucken brachte uns in den Besitz einiger Teile der feindlichen Stellung. Das türkische Hanptgnartier fl l===== meldet: ===• Konstantinopel. 10 Sept. (WB. Nichtamtlich.) Generalstabsbericht. Stellenweise lag feindliches Artilleriefeuer auf unseren Stellungen und im rückwärtigen Gelände. Unsere schwere Artillerie nahm feindliche Lager um Jericho und den Brückenkopf unter Feuer. Sonst keine größere Gefechts- Afrikaniiche Front: Im August wurden zwei Ausfälle aus Homs znrückgeschlagen. Im übrigen herrschte lebhafte Kampftätigkeit auf der ganzen Front. Von den übrigen Kriegsschauplätzen nichts Neues. 10O00 Tonne» verdenkt. Kcrlin, 11. Sept. (WV. Amtlich.) Um England herum versenkten unsere U-Boote 10 OOO Vruttoregistertonnen. Tcr Chef dcs Admiralstabcs der Marine. Kopenhagen, 11. Sept. (WV.) Das dänische Ministerium des Aeußeren teilt mit, daß der dänische Schoner „Johannes" am 28. August in der Nähe von Gartagewa versenkt wurde: die Besatzung ist gerettet und in Alicante gelandet worden. Das norwegische Ministerium des Aeußeren teilt mit, daß der norwegische Dampfer „Taurus" am 8. September bei Scarborough versenkt wurde. 5 Mann der Besatzung sind umgekommen. Das Icvrwegische Segelschiff „Nichardt" ist am 4. September 30 Meißen von Malorea versenkt worden. Die Besatzung wurde gerettet und ist in Barcelona gelandet i Die Schlacht im Weste». Vor den deutschen Stellunge Berlin, 12. Sept. (WV.) Nach einer Pause im englisch- französischen Vormarsch, die die Schwierigkeiten des Nachschubes infolge der planmäßigen deutfck>en Zerstörungen der Verbindungslinien in dem geräumten Gebiet bewirkten, sind die Engländer und Franzosen nunmehr mit stärkeren Kräften durch das geräumte Gebiet hindurch. Sie haben am IO. September zu geschloffenen Angriffen gegen die neuen deutschen Stellungen angesetzt. Aus dem die ganze Front entlang rollenden Artilleriefeuer und dem Geplänkel der Patrouillen schälten sich am Morgen zwei größere Angriffshandlungen heraus, und zwar einmal vor dem Walde von Havrincourt bis südlich Epehy, zum anderen bei der Straße Ham—St. Quentin. Auf dem nördlichen Angriffsflügel richteten sich die englischen Angriffe gegen den Wald von Havrincourt sowie gegen den Höhenrücken von Gouzeauccurt und das beherrschend gelogene Epehy. Hier stehen die Deutschen überall noch in den alten englischen Stellungen vor der Siegfriedlinie. Vor allem gegen Epehy richteten sich die englischen Anstrengungen. Dreimal rannten die Engländer gegen die Trümmer des Ortes an, um 6% Uhr, um 9V< Uhr, sowie am Abend. Jedesmal wurden sie abgewiesen. Nicht bester erging es den neuseeländischen Regimentern, die nördlich des Waldes von Havrincourt stürmten. Bor St. Ouentin griffen die Franzosen an der gleichen Stelle an. wie im Frühling 1917, wo sie alles daran setzten, die Stadt in einem überraschenden Sturm zu nebmen, die gleiche Stadt, die sie dann im weiteren Verlauf der Kämpfe zu einem formlosen Trümmerhaufen zusammenschosien. Auch diesmal versuchten es die Franzosen mit einer Ueberraschung, indem sie in den Morgenstunden und dann nochmals am Nachmittage, teilweise ohne Feuervorbereitung, gegen die deutschen Linien anrannten. Sie wurden jedesmal abgeschlagen. Gleichzeitig versuchten die Franzosen am Abend des Tages einen geschloffenen Angriff zwischen der Ailette und Oise, deffen Schwergewicht sich gegen den Raum von Laffaux und Bauxaillon richtete. Die französische Absicht, die darauf abzielte, durch einen Einbruch in das Ailette-Tal in den Rücken der Zlisnestellnng und des Chemin- des-Dames zu kommen, mißlang trotz des starken Kräfteeinfftzes. Nördlich der Straße Soiffons—Laon wurden alle Angriffe vor den deutschen Linien abgewiesen. Südlich der Straße wurde ibre Wucht bereits durch das deutsche Artilleriefeuer auf die französischen Bereitstellungen gebrachen. sähen — wir trauen Fach hierin völlig — oder nach allgemel. nen Erwägungen und gewiffen politischen Rücksichten verfahren wird. Ist ersteres der Fall, so hält Foch seine Sireitkräste innerhalb des entscheidenden Feldzuges zusammen: ist letzteres der Fall, so sind kurzfristige exzentrische Unternehmungsn an der Vogesenflanke möglich. Lrand mid StraHenisänipff in Vklkrgbmg. Köln, 12. Sept. Die „Köln. Ztg." meldet aus Amster» dam. Der britischen Negierung wird die Nachricht be- \ stätigt, wonach Petersburg an 12 Stellen brennt und schwere Straßenkämpfe ausgefochten werden. :e Tüchtigkeit der deutschen Führung. Rotterdam, 12. Sept. Der „Daily Chromcle" meldet von der Front in Frankreich: Man müsse der Tüchtigkeit der deutschen Fühnrng alle Anerkennung zollen. Der Feind beginne mit starken Angriffen gegen englische Vorposten und halte dm Vormar'ch der Engländer an einigen Stellen durch Maschinengewebrfeuer auf. Der wichtigste Teil der Siegfried-Linie, östlich des Hauptplatzes der bisherigen Kämpfe, scheine jetzt von erprobten Truppen besetzt Ivorden zu fein. Genf, 12. Sept. Der „Temps" meldet: Die Frontlage werde immer stabiler. Veränderungen seien kaum noch festznstellen. Man nähere sich wieder unabwendbar dem Stadium des gefürchteten Stellungskrieges. " cr,,%!}“ filier die Kriegslage m Westen. Bern, 11 Sept. Zur Kriegslage im Westen schreibt heute der Militärkritiker des „Bund": Die deutschen Armeen find in ihren neuen Schlachtstellungen angekommen. Damit ist nicht gesagt, daß diese Stellungen als unverrückbare Linie zu betrachten, und um joden Preis zu halten seien. Dagegen ist anzunehmen, daß die deutsche Heeresleitung die mit dem Rückzuge verbundene und durch den Einsatz opferbereiter Nachhutdivisionen ermöglichte Umgruppierung vollendet hat, die zur Ansammlung einer Schlacht- und Operationsreserve hinter der Kampffront geführt haben muß. Fvch wird eines neuen Angriffs nicht entraten können, wenn er die Entscheidung sucht, auf die Gefahr hin, eine Krise heraufzubeschwören, die nicht nur dem Gegner, sondern unter Umständen auch ihm selbst gefährlich werden könnte. Wie die Dinge liegen, hat man den Eindruck, daß die Deutschen sich zu setzen beginnen und nun ihrerseits eine neue Generalreserve erübrigten, über deren Verwendung als Manövriermasse die Rücksicht auf die Bestände und die allgemeine Lage entscheiden. Auf Seiten der Alliierten ist alles davon abhänaia. ob weiterhin nach strengen strategischen GrundErmordung der Eyarin und ihrer TWcr? London, 12. Sept. (WB.) Reutermeldung. „Daily Expreß" erfährt, daß die Kaiserin von Rußland und ihrr vier Töchter von Bolschewik! ermordet wurden. Aus die Kaiserin-Witwe wurde kürzlich ein Ueberfall unternommen; ne wurde aber von Matrosen der Schwarzrneerflotte der« teidigt. Den Matrosen gelang es, die Roten Garden nach 14tägigem Kampfe zu besiegen. Die Kaiserin-Witwe ist jetzt in Sicherheit. (Erst vor wenigen Tagen wurde eine ähnliche Nachricht verbreitet, die aber bis jetzt nicht bestätigt worden ist. D. Red.) England und Rußland. Amsterdam, 11. Sept. Dem „Algomeen Handelsblad" zu- folge erfährt „Daily Erpreß", daß die Lage in Moskau und Petersburg außergewöhnlich ernst wird und daß die englische Regierung dadurch in eine schwierige Lage kommt. Es befinden sich mindestens tausend Engländer, darunter einige Personen in hoher Stellung, in ungesunden Cesängniffen oder sind auf andere Weise von den Volfchewiki der Freiheit beraubt. Die englische Regierung wird wahrscheinlich dem Verlangen der Bolschowiki, daß Litwinoff und seine Genoffen frei gelaffen werden sollen, als Bedingung für die Freilassung der englischen Untertanen in Rußland, keine Aufmerksamkeit sch-enken. Genugtuung für die Ermordung des Kapitäns Eromie, des eng. lischen Marineattachöes in Petersburg, wird die erste Beding, ung sein, die die Volfchewiki erfüllen müffen. iük iifanroienkniift da imMeil Müßt. Kopenhagen, 11. Sept. (WB.) Anläßlich des Geburtstages des dänischen Königs am 26. September wird in Kopenhagen eine nordische Königsznsammenkunff stattfinden. Der König von Norwegen trifft bereits am 25. ein und bleibt bis zum 27., während der König von Schweden am 26. morgens auf einem Kriegsschiff eintrifft und Kopenhagen am selben Abend verläßt prin) Friedrich Karl non Kessen König non Finnland? Stockholm, 12. Sept. Der finnische Landtag wird am 26. September die Königs wähl vornehmen. Thronkandidat ist Prinz Friedrich Karl von Hessen. Schwedische Blätter weisen in ihren Kommentaren darauf hin, daß der Prinz als Mann iu reifem Alter, erfahrener Militär und naher Verwandter des Deutschen Kaisers wohl die Eigenschaften besitze, welche ihn für die schwierige Stellung als Monarch im neuen Finnland geeignet erscheinen lasten. Da der Prinz männliche Nachkommen hat, ist auch die Thronfolgerfrage von vornherein gelöst. Basel, 12. Sept. Wie Havas aus Helsingfors berichtet, hat Prinz Friedrich Karl von Hcffen dem Finnländischen Infor- mationsbureau zufolge erklärt, daß er die Krone Finnlands annehmen werde. Prinz Friedrich Karl von Heffen ist am 1. Mai 1868 auf Schloß Pauker in Holstein als Sohn des Landgrafen Friedrich von Heffen und der Landgräfin Anna von Preußen geboren. Er besuchte das Gymnasium in Hanau, dann das städtische Eym» nasium in Frankfurt a. M. und studierte in Freiburg, bis er 1888 als Leutnant ins erste Gardedragoner-Regiment eintrat Am 25. Januar 1893 vermählte er sich mit Prinzessin Margarete von Preußen, einer Schwester des Kaisers. Der Ehe find sechs Söhne entsprungen. Das Ehepaar bat seinen Wohnsitz' abwechselnd' in Frankfurt unK auf SdjfoüTFriödttchshof hx TroM^ cherg. Prinz Friedrich Karl zog als Kommandeur des 81. Iw. fanterie-Negiments ins Feld und wurde im ersten Kttogsjcchre schwer verwundet. Seine zwei ältesten Söhne, Prinz Friedrich Wilhelm und Prinz Max sind gefallen, der ältere'in Rumänien, der zweite Sohn in Flandern. » Prinz Friedrich Karl. Helsin gfors, 11. Sept. (WB.) Amtlich wird bekannt gegeben: Nachdem der Landtag die Regierung ersucht hatte, vorbereitende Maßnahmen zu treffen, damit der Landtag sobald wir möglich die Wahl des Königs vornehmen könne, sandte die Regierung, wie bekannt, eine besondere Mord- vung nach Deutschland, um zu erkunden, ob Prinz Friedrich Karl von Hessen willens sei, die Krone Finnlands anzunehmen. Auf diese Anfrage erteilte Seine Hoheit, nachdem er sich zunächst eine Bedenkzeit erbeten hatte, um sich über die Verhältnisse in Finnland Kenntnis zu verschaffen, am letzten Montag der Deputation eine bejahende Antwort. Der Landtag wurde für den 26. September einbenifen, um die Wahl des Königs vorzunehmen. Amerikas inil> Englands Militarismus. Amsterdam, 9. Sept. „Standard" schreibt: Es ist eine interessante Frage, was die angelsächsischen Mächte mit ihren gewaltigen Armeen anfangen werden, die nur, um den Militarismus aus der Welt zu schaffen, die allgemeine Dienstpflicht Angeführt haben. Das Ideal ist und bleibt, das es zur allgemeinen Abrüstung kommt, nachdem ein Völkerbund, der womöglich alle Staaten umfaßt, gebildet worden ist. Aber vorausgesetzt, daß die Verwirklichnug dieses Planes keine Utopie ist, scheint doch jetzt bereits, daß die Vereinigten Staaten, auch in Zukunft nicht ohne allgemeine Dienstpflicht auskommen zu können glau. ben. Der frühere Präsident der Republik Taft hat sich auf einer Zusammenkunft seiner Partei in diesem Sinne geäußert. Noch bedeutsamer ist. daß in'den demokratischen Kreisen der Gedanke der allgemeinen Wehrpflicht gewinnt. Es heißt sogar, daß sich Präsident Wilson bereits viel mit verschiedenen dahingehenden Plänen, die ihm voraelegt sind, beschäftige. Die allgemeine Dienstpflicht würde dann nach europäischem Muster eingerichtet werden. Run kann es fein, daß die große überseeische Republik dadurch noch kein militärischer Staat wird: denn ein bewaffnetes Volk ist noch keine militärische Nation. Die Tatsache bleibt aber doch, daß dann aus der so lerdenschaft- lich gewünschten Abrüstung nicht viel werden wird, denn natürlich wird ein Ueberfluß von Kriegsmaterial beschafft werden müssen für die Millionen, die man üben will, selbst in dem Falle, daß von einem stehenden Heere im eigentlichen Sinne des Wortes keine Rede sein wird. Und wenn Amercka auf diese Weise vorgeht, kann England nicht Zurückbleiben. Dann besteht aber für die Kontinentalmächte noch weniger Grund, ihre Machtstellung und Zukunft in Abhängigkeit von den anqeb sächsischen Völkern gelangen zu lassen. Denn wenn es zu einem Völkerbund, der alle christlichen Mächte der Erde umfaßt, kommen würde, könnte es doch nicht zugestanden werden, daß nur Amerika, um alle Eefabren für den Frieden zu beschworen, sich in außerordentlichem Maße stärkte mit England als feinem Sekundanten. Die Erfahrung der letzten Jahre hat immerhin zur Genüge gezeigt, daß die .heiligsten Güter der Menschheit- in Händen dieser beiden Mächte noch keineswegs als sicher zu betrachten sind. Gefühl des' Erlebten".^ Und p geht es durchs alle dis Aufzeichnungen hindurch wie ein Zug von Schwäche und Mattigkeit. Uns bietet die Lektüre der TagMrchblätter Nikolaus II. nichts, das imstande wäre, uns für kurze Zeit über das große Erleben des Krieges hinaus empor- oder hinabzureißen. Wie ein fader Geschmack enttäuschender Ernüchterung Lberkommt's den Leser; und die unausgesprochene Frage dringt sich hervor: Dieser Mann soll die Schuld an dem Weltkriege tragen? Das war ein Kaiser? Mitleid mit dem Mann kann uns packen in dem Bewußtsein, daß hier ein Mensch Herrscher über Millionen hctt sein müssen, dessen Tatkraft nicht dazu reichte, über sich selbst zu herrschen. Nun versteht man ganz, wie es hat möglich sein können, daß der Kriegsminister Suchomlinow über den Kopf des Zaren hinweg mit der ernstlichen Mobilisation die Flammen des Weltbrandes hat anschüren können. Wie Nikolaus II. in den Jahren seiner Machi schon der Spielball seiner Berater war, dessen Unselbständigkeit soweit ging, daß er sich von dem sibirischen Dauern und Wundermönch Rasputin in den wichtigsten Fragen seines Zarentums gängeln ließ, so hat er auch untätig und schwach keine Hand gerührt zur Verteidigung und Rettung seines Kaiserthrones, als die von seinen Verbündeten, den Engländern, angestistete Revolution ihre Wogen über ihm zusammenschlagen ließ. „Meine Abdankung notwendig. Ich stimmte zu." Das sind die Worte, mit denen er sich kampflos ergibt, mit denen er untersinkt in den Fluten der Weltgeschichte, ohne den Versuch zu machen, sich mit machtvollen Ruderstößen' an der Oberfläche zu halten. Ein Bild tragischer Schwäche in Purpur steht in den Tagebuchblättern des Exzaren vor uns. Wir als Deutsche können nur wünschen, daß das klaglose Opfer, das der letzte Romanow seinem Lande gebracht hat, wenigstens diesem zu einstigem Segen ausschlage. Eine Vede des ^ize'isuchers. Des letzten Koren Eayelmchblkitter Als die „Jswestija" mit der Veröffentlichung der Tagebuchaufzeichnungen des erschossenen Exzaren begann, da glaubte alle Welt, außerordentlich wichtige und interessante Enthüllungen zu ersehen. Und als die Blätter der ersten Veröffent. lichungen bekannt wurden, da war es eine riesige Enttäuschung, die wir erfuhren. Hatte man auf Dinge von politischer oder militärischer Bedeutung gerechuet, so sah man eigentlich nur Notizen persönlicher und allerpersönlichster Natur. Angabe« Über Wetter und Wind, über Beschäftigung und Schlaf, über Krankheit und Wohlbefinden des Tagebuchschreibers selbst und seiner Ilmaebung. Beziehungen zu den weltpolitischen Geschehnissen, unter denen die Zarenfamilie stand, finden sich in erster Linie nur in Ausdrücken des Schmerzes, der Verzweiflung und der Resignation. „Schmach und Schande", „Ringsum Verrat, Feigheit De trug", „Das Herz wollte mir brechen", „Schwer, weh'und' sehnftchtsvoll", das sind die häufiger wioderkehrenden Aeuße- ruugen des Seelenschmerzes,' und in Worten wie „Zur Ber- meiounq irgendwelcher Gewalt muß man sich fügen" zeigt sich ein Verzicht, der bei einem Manne, dessen Herrschergewalt über zwei Erdteile reickte, fast unverständlich anmuten mag. Jeder Leser, und ganz besonders jeder deuffche Leser, sucht vergebens nach Zeichen einer sich aufbäumenden Energie, wenn auch nur einerE zähneknirschenden, machtlosen. Es will uns unbegreiflich rrschmnen, daß dieser Mann, dem von seinen revoluttonären ^andesklndern Blutdurst und Machtgier nachgesagt wird, so knabenhaft entsagungsvoll sich in sein Schicksal ergibt. Interesse an den militärischen Vorgängen des Krieges ■ dchnnt ja wohl einmal aufzuflackern, wenn er am 27. Juli 1917 schreibt: . . schlechte Nachrichten von der Südwesffront"' «der ein durchhaltendes ist es nicht, denn kurz darauf folgt wieder btc Notiz, über die tägliche Arbeit des Holzfällens. Auch ]txn eigenes ferneres Schicksal macht dem Entthronten wenig Borge,' fast möchte man es fatalistisch nennen, wie er sich in >lle Anordnungen der zeitigen Machthaber fügt. Am 24 Juli Kerenskij „Misere wahrscheinliche Abreise nach' dem -eiLden",' aber der Zar äußert weder Zustimmung noch Ablehnung. Auch die geplante Reise nach England findet sich nur, mttden Morten erwähnt: „wenn es zur Reise nach England die Abdankung selbst, die die gewaltigste ' Erschütterung hätte Hervorrufen müssen, wird mit we. \ MvtUn abgetan unter dem Zusatz: „mit dem schweren * Herr v. Payer, der demokratische Vizekanzler des Deutschen Reiches, hat in Stuttgart eine große Rode gehalten. Während in den Reden, die das deutsche Volk in den letztenTagen zu hören bekam, der Zug vorherrschte, Anstoß innerhalb des Deutschen Reiches zu vermeiden, hat Herr v. Payer diese Rücksicht nicht genommen: er bat als Parteimann gesprochen, seine Rckie liest sich wie ein Leitartikel der „Frankfurter Zeitung" deren Aufsichtsratsvorsitzend'er der Herr Vizekanzler ja dereinst gewesen ist. Er begann seine Rode mit einer Mahnung gegen die gedrückte Stimmung, die im Volke sich breit mache und schob die Ursache auf feindliche Einflüsse. Der eigentliche Grund unserer gedruckten Stimmung, meinte der Redner, liegt nicht in solchen Teilerscheinungen, sondern in dem schnür auf den Gemütern lastenden Gefühl, daß die Friedensaussichten sich immer weiter hinausschieben, und daß man der Möglichkeit eines fünften Kriegswinters entgegensehen muß. Das ist kein Empfinden, das auf Deutschland und auf seinen Bundesgenossen allein lasten würde. An diesem Elend tragen alle Kriegführenden gleich. Wir sind eben alle Menschen und leiden gleichermaßen, die Verwundeten, die Kranken, die Gefangenen, die Hinterbliebenen. Einschränkungen und Entbehrungen erschweren uns allen das Dasein. Unsere Staatsschulden erreichen überall eine phantasttsche Höhe. Wir sträuben uns allerorten gegen die vom Krieg anscheinend untrennbare Verkümmerung unserer persönlichen Freiheit, und sämtliche Kriegführenden Europas müssen, wenn sie nicht blind sind, sich gestehen, daß. je länger die europäischen Völker sich zerfleischen, umso sicherer die historische Vormachtstellung des geschwächten und verarmten Europa zu Gunsten kluger, berechnender Völker verloren gehen wird. Der Vizekanzler fuhr dann fort: In der Hauptsache setzen sie jetzt daher ihre Hoffnungen auf das Eingreifen der Vereinigten Staaten, und wer wollte verkennen, daß vor allem die Mitwirkung der amerikanischen Truppen an der Front eine schwere und wohl noch steigende Belastung für uns bedeutet. Unsere Feinde vergessen aber dabei, daß. wenn die Amerikaner jetzt zu Hunderttausenden an der Front eintreffen, wir vorher Millionen von Russen, Serben und Rumänen außer Gefecht gesetzt haben, die nun für die Zwecke der Entente zu gewinnen, erfolglos sein wird. Besondere Erwähnung würdigte Payer dem U-Bootkrieg. Der U-Bootkrieg hat nicht so rasch und sicher gewirkt, wie wir uns seinerzeit berechnet haben. Es ist wettlos, jetzt darüber zu streiten, wer den Fehler verschuldet hat, aber wir sind nicht die einzigen,' die sich in diesem Weltkrieg einmal verrechnet haben. Wir sind dadurch leider um eine Hoffnung ärmer geworden, aber das rechtfertigt noch nicht, den U-Dootkrieg in seiner Wirkung so zu unterschätzen, wie das jetzt vielfach mit einem gewissen Unwillen geschieht. Auf den Mangel an Nahrungsmitteln und Rohstoffen übergehend, meinte er, daß sich das Blatt zu unseren Gunsten gewendet habe, da uns gegen Osten der Weg offen stände. Wenn wir auch Mangel an Baumwolle und Oelen litten, so entbehrten unsere Feinde der Kohle. Einen breiten Raum widmete der Vizekanzler der preußischen Wahlrechtsvorlage, he zu erörtern just Stuttgart der angemessene Ort ist. Der Redner verstieg sich zu einer drohenden Tonart, als er sagte: Eine weitere Hinausschiebung der Entscheidung, darüber herrscht wohl jetzt fast vollständiges Einverständnis, ist nicht angängig, so schwer man auch eine Auflösung und Neuwahlen während des Krieges nehmen mag, die übrigens durchaus nicht so viel Gegensätze aufrühren würden, wie das Neu. Wahlen tun. die unter einer weniger klar umgrenzten Parole stattfinden. Im übttgen kann meines Dafürhaltens die Entscheidung der preußischen Regierung als getroffen angenommen werden. Geht nicht aus der Kommission des Herrenhauses das gleiche Wahlrecht hervor, wird sie auf. lösen. Auf die Friedens frage kommend, sagte er: So ungereimt es scheinen mag, in diesen Tagen des grimmigsten Kampfes vom Frieden zu reden, will ich es doch vevff antworten. Wer weiß, ob das verzweifelte Ringen unsere« Feinde nicht die Ankündigung des Friedens bedeutet. Auch der demokratische Vizekanzler des Deutsche» Rerches scheint an das Märlein zu glauben, „daß dieser Krieg der Kriege zum letzten der Kriege werden möge." Er unter, strich feierlich, daß wir keinen Erobernngsfriedea wollten, die Wiederherstellung des territorialen Zustandes vor dem Kriege sei die deutsche Forderung. Nur im Osten sei dies unmöglich. Wenn dns der Entente nicht passe, so antworte er: Im Osten ist für uns Frieden und bleibt'für Frieden. Auch auf eine Kriegsentschädigung verzichtet Herr von Bayer. Zwar seien wir die schuldlos Angegttffenen, die als solche das Recht auf eine Entschädigung hätten, aber: Wir wissen, daß die uns von der Gesamtheit unserer Gegner nicht gewährt werden wird, und nach den nun ein- mal noch im politischen Ehrenkoder herrschenden Ansch"'- imgen auch nicht gewährt werden kann, ehe sie sich von ihrd^ Zusammenbruch überzeugt haben. Den Krieg aber bis zu diesem Zeitpunkt weiterzuführen, würde uns von neuem so schwere, mit Geld nicht zu ersetzende Opfer kosten, daß wir bei vernünftiger Ueberlegung auf die Weiterverfolgung dieses Gedankens auch bei günstiger militärischer Lage wieder verzichten, ganz abgesehen von der Gefährdung des künftigen Friedens, die von der zwangsweisen Beitreibung einer Ent- -chädigung untrennbar wäre. Znm Schluß stellte er noch den Beitritt Deutschlands zum Völkerbund inAussicht, denn die Forderung noch Schicds- gericht und Abrüstung seien in Deutschland — bei den näheren Freunden Payers! — nichts Neues. Er schloß seine Rede: Dunkel liegt noch unsere Zukunft vor uns und im Innern werden wir noch manchen Strauß unter uns arrszufechten haben. Aber das Schwerste haben wir hinter uns. Es wäre trügerisch auf einen Friedenswillen in denjenigen Kreisen unserer Feinde die für die Eröffnung und Fortsetzung des Krieges verantwortlich sind, überhaupt zu rechnen. Seit Jahren leben sie von der Entflammung des Kriegsfanalismus. Sie können ihren Völkern nicht eingestohen, daß ihre -Ziele unerr-erchbar, die Opfer umsonst gebracht sind. Anders werden bei diesen Völkern wieder Andere denken. Auch die werden zur Geltung kommen, vielleicht bald, vielleicht später, bis dahin aber bleibt uns nichts' übrig, als uns unserer Haut zu wehren. Wir legen die Ver. antwortlichkeit für das Blut, das noch fließen wird, auf das Haupt unserer Feinde. Aber wer nicht hören will, muß fühlen. An unserer äußeren und inneren Front wird der Vernichlungs- willen unserer Feinde zerschellen. Deuffche Kraft und brutsche-. Können, deutscher Mut und deutsche Opferwilligkett, denen wir seit vier Jahren alles verdanken, müssen sie belehren, daß es für sie aussichtslos geworden ist, den unheilvollen Kampf weiter zu führen. Nun noch ein paar Worte zu der Rede, die wieder einmal zeigt, welche Geister heute die Erbschaft Bismarcks verwalten Der Vizekanzler gibt zu, daß auf einen Friedenswillen bei uw seren Feinden nicht zu rechnen sei. Glaubt er denn nun im Ernste, daß er Eindruck bei ihnen mache, wenn er ihnen zu. sichert, daß wir keinerlei Enschädigung von ihnen haben wollten. Im Gegenteil, er gibt ihnen ja einen Freibrief, weiter den Krieg bis in's ungemessene zu verlängern, wenn er ihnen verspricht, daß sie keine Strafe ttefsen werd-. Welcher Staatsmann, außer denen des wilhelmischen Kurses, wurde übrigens von vornherein alle seine Karten ausdecken? Von den Utopien des „letzten aller Kriege", von „Völkerbund", in dem nach einem Bilde der „Liller Kriegszeitung" die Ententevölker zu Tische sitzen und der Deuffche die Speise auftragen darf, wollen wir schon gar nicht reden. Derartige Politiker, die so handeln, gehören in die Nedaktionsstube der „Frankfurter Zeitung" oder in eine demokrattsche Volksversammlung, eignen sich aber nicht als Staatsmänner. Daß schließlich der Württemberger Payer in der schwäbischen Hauptstadt dem preußischen Staate Vorschriften über seine.Verfassung macht, ist ein Bild, das unter früheren preußischen Königen undenkbar gewesen wäre. Eine bemrrkcnowetts Pede. Dresden, 8. Sept. (WB.) Bei der Feier ihres 25jährigen Bestehens der „Dresdner Neuesten Nachrichten", zu dem der Verlag 100 000 Matt für die Angestellten und für wohltätige Zwecke gestiftet hat, hielt auch der Minister des Innern Graf Vitztum von Ecfftädt eine Elückwunschansprache, in der Hr sich Über die Aufgaben der Presse äußerte. Die Presse müsse, zumal in dieser ernsten Kriegszett stets auf eine Verständigung und nicht auf Zwietracht hinarbeiten. Dies gelte vor allem für die Fragen der Kriegspolitik. „Das ist", so fuhr der Minister fort, „freilich nur möglich unter dem festen Entschluß des Durchhal» lens. Es wurde über Friedenssehnsucht und Friedensbereiffchaft schon soviel gesprochen, daß man sagen kann, je mehr man vom Frieden redet, umso ferner rückt er. Aus den Aeußerungen der gegnerischen Staatsmänner wissen wir ja nun, daß die Erfolge die Feinde in einen Siegestaumel versetzt haben, aus dem heraus sie nicht nur jedes Friedensangebot ablehnen, sondern uns auch Kriegsziele enthüllen, die die völlige Vernichtung des deutschen Wohlstairdes und der deutschem Kultur zur Folge haben müssen. Der Friede, den sie uns in Aussicht stellen, ist die Er. Drosselung Deutschlands. Diesen Gegnern gegenüber erscheint ein jeder Versuch der Verständigung aussichtslos. Wir müsse» uns darauf beschränken, ihnen die heuchlerische Maske vom Ge. sicht zu reißen, mit der sie versuchten, uns schrittweise ein Zu. geständnis nach dem anderen zu entlocken, ohne sich selbst auch nur im geringsten zu binden. In dieser schwefften Zeit brirrgl uns nur der entschlossene Wille zum Durchhalten dem Frieden näher. Schwer ist unsere Zeit deshalb, weil der alte Mut und die alte Entschlossenheit ins Wanken zu kommen scheinen. Miß erklärt sich das?" Die Anttvott auf diese Frage suchte der Mi. nister in der Taffache, daß der Franzose den Feind im eigne» Lande habe und die drohende Gefahr vor Augen sehe, wäh. rend das deuffche Volk die Gefahr su leicht vergesse. Mit de» ^feindlichen Agenten, die überall umherschleichen und Dte Siege«, zuverstcht untergruben, müsse kurzer Prozeß gemacht werden. Der Minister verlangte schließlich die Zurückstellung aller Mei- nungsversch icdenhciten. Eine wohlverdiente Abfuhr. Berlin, 10. Sept. Die im Verlage Ullstein erscheinende demokratische „Berliner Morgenpost"' wendet sich mit bemerkenswerter Schärfer gegen die Treibereien des Oberflaumachers und Engländerfreundes Professor Hans Delbrück, indem sie schreibt: Herr Professor Hans Delbrück stellt in den Preußischen Jahrbüchern die Generalreigigung Deutschlands von alldeut- fchen Gedanken und Kriegszielen als eine Voraussetzung für den Frieden hin. Damit gesellt er sich zu denen, die unserem Publikum einreden, daß der Krieg war darum fortdauere, weil unsere unter alldeutschem Einflüße stehende Negierung nicht den ernsten Willen habe, eine Verständigung mit dem Feinde her. Leizusühren. Wie wir unserers-its zu den Alldeutschen stehen, wißen unsere Leser aus zahllosen Aeußerungen der „Berliner Morgenpost"; wir brauchen es also hier nicht mehr zu sagen. Nicht oft genug aber können wir wiederholen, daß die Leute von der Richtung des Herrn Profeßor Delbrück (und das sind vornehmlich und fast ausschließlich Demokraten! D. S.) uns und unserer guten Sache mnldestens ebenso viel, wenn nicht mehr Schaden zufügen wie die Alldeutschen. Es ist nicht wahr, daß der Krieg fortdauert, weil alldeutsche Treibereien eine Verständigung unmöglich machen; das ist eine nichtsnutzige Verschleierung der Wahrheit. Wahr ist vielmehr, daß der Krieg fortdau-ert, weil sich dte Feinde mit uns nicht verständigen, fon- dein uns vernichten wollen. Warum weist Profeßor Delbrück nicht auf das Treiben der englischen „Alldeutschen" vom Schlage der Maxse, der Battenberg, der Repington hin, warum verhehlt er die Tatsache, daß die Alldeutschen in Deutschland in der praktischen Politik nichts gelten, während ste in England das Leben der Oeffentlichkeit beherrschen und in allen Negierungsstellen einen ausschlaggebenden Einfluß besitzen? Er # weiß doch, daß jede nichtsnutzige Aeußerung eines alldeutschen Annexionspolitikers mindestens drei noch nichtsnutzigere Aeuße. rungen englischer Knock-out-Politiker entgegengestellt werden können; wenn er es aber weiß, warum gibt er der Wahrheit wicht die Ehre, indem er anerkennt, daß die Schuld der Alldeutschen an der Fortdauer des Krieges zum mindesten crbge- glichen, wenn nicht weit übertrosfen wird durch die Schuld der englischen Knock-out-Politiker. Wir können unseren Lösern trm immer wieder sagen: Laßt euch nichts vormachen und laßt euch nicht veriühren, glaubt das MiesmachergereLe von der Schuld der Alldeutschen an der Fortdauer des Krieges nicht, denn es ist Unsinn, wenn nicht Schlimmeres. Schuld an der Fortdauer des Krieges ist die Tatsache, daß der Feind sich mit uns nicht verständigen will, wie es noch letzthin dadurch bewiesen worden ist, daß die englische Regierung eine Zusammenkunft von deutschen Mehrheitsabgeordneten mit englischen Parlamentariern zwecks Erörterung der Friedensmöglichkeiten in der Schweiz unmöglich gemacht hat. Wir müßen — es bleibt uns keine andere Möglichkeit — den Feind, sei es in der Abwehr, fei es im Angriff, zu der Erkenntnis zwingen, daß er uns nicht vernichten kann, sich also mit uns verständigen muß, will er feine eigene Sache nicht noch schlimmer machen als sie ist. Können wir ihn dazu wicht zwingen, so sind wir verloren, wir, das heißt jeder Einzelne von uns. Wer aber dem Volke einredet, daß der Krieg nur fortdauere, weil die Alldeutschen und die alldeutsch beeinflußte Negierung den Frieden nicht wollen, der hindert das Volk an der klaren Erkenntnis des Kampfzieles und an der Zusammenfassung seiner Kräfte, die es für die Erreichung des Kampfzieles einfetzen muß. Er ist ein schlimmerer Schädling wie die Alldeutschen. (Wir brauchen nur noch hin- zuzufügen, daß Profeßor Hans Delbrück für fast unsere gesamte demokratische Presse der Kronzeuge in dem jedes Maß von Anstand übersteigenden Kampfe gegen die Alldeutschen istEwen danach die moralischen Ohrfeigen treffen, die das Berlin-er De- mokratenblatt austeilt, brauchen wir wohl kaum zu sagen, Hans Delbrück nicht allein und nicht einmal im besonderen, denn er ist nur ein Werkzeug in dem unsauberen Gebaren gegen die Alldeutschen. D. S.) Die Wtn ihr tlrliijhrinus'Mi!'. Der Partervorstand der sozialdemokratischen Partei Deutschlands und die Een-eralkommission der Gewerkschaften Deutschlands haben sich in einer Denkschrift an den Reichskanzler gewandt, in der sie auf die Schwierigkeiten der derzeitigen Lage der Vollsernährung Hinweisen, auf die daraus resultierende Stimmung in den Maßen aufmerksam machen und zur Abhilfe vor allen Dingen' eine Erhöhung der Kartoftelration über 10 Pfund auf den Kopf und die Woche hindurch als unumgänglich notwendig bezeichnen. Neben den üblichen Ausfällen gegen die Produzenten, über die bei der gewollten Verständnislosigkeit der Sozialdemokratie in diesen Dingen kaum noch etwas zu sagen ist, enthält die Denkschrift bemerkenswerte Zugeständnisse über den Zusammenbruch des gerade von der Sozialdemokratie selbst mit allen Mitteln erzwungenen und auftechterhal- tenen Verteilungssystems. Ueber die vorjährige Kartoffelver- lorgung z. B. wird folgendermaßen geurteilt: Die Erfahrung hat gezeigt, daß im verflossenen Jahr die Bevölkerung mit der Nation von 7 Pfund Kartoffeln nicht auskomm en konnte. Wer es eben konnte, hat sich darüber hinaus selbst mit Kartoffeln versorgt. Die „Transport- 'schwierigkeiten" des Kriegsernährungsamtes schufen eine glänzende Konjunktur für den Schleichhandel, der die Schwierigkeiten spielend überwand. So zwangen organisatorische Un- fähigkeit oder manglnder Wille das darbende Volk, 20—30 Mark für den Zentner Kartoffeln zu zahlen. Die Eisenbahn beförderte Tag für Tag Hunderttausende, die Kartoffeln in geringen Mengen in die Städte brachten. Die Folge also war gesteigerte Belastung der öffentlichen Transportmittel und unwirtschaftliche Art der Zuführung von Lebensmitteln." ' Dte Dinge sind Htek tzcmz richtig gefchilldert. Rur ist es weniger organisatorische Unfähigkeit, noch weniger mangelnder Wille gewesen, der den Derterlungsmechanismus versagen lieh, sondern die völlig unlösbare Aufgabe, mit Hilfe einer schwerfälligen bürokratischen Maschinerie die verwickelten Vorgänge durchzuführen, zu deren Devaltigung in normalen Zeiten die angespannte Intelligenz und gesamte persönliche Verantwortung zahlreicher selbständiger Existenzen notwendig war. Deshalb ist es ein Zeichen offenbaren Unverstandes, wenn trotz dieser Erkenntnis die Sozialdenrokratie nichts Besseres weiß, als das von ihr als Hersager erkannte Derteilungssystem dadurch zu potenzieren, daß sie die bekannte „restlose Erfassung" fordert. Wenn in der Eingabe sich folgende Sätze finden: „Die Politik des Kriegsernährungsamtes, die lediglich durch Preisanreiz eine Erhöhung der Produktion zu erzielen versuchte, führte gleich einer Schraube ohne Ende zu einer Verteuerung aller Lebensmittel, die mit den gesteigerten Produktionskosten nicht gerechtfertigt werden kaum. Erzeuger und Händler sind trotzdem mit den Gewinnen noch nicht zufrieden. Während Millionen Männer auf dem Schlachffelde ihr Blut dem Vaterlands geben müssen, werden ihre Angehörigen zur ewigen Schande unserer Zeit von eigenen Volksgenossen ausgesogen, die durch schamlosen Wucher mit Lebensmitteln die letzten Kräfte der Armen verzehren" so bedeutet das, soweit die landwirtschaftlichen Produzenten in Frage kommen, eine derartig unerhörte Umfälschung offenkundiger Tatsachen ins Gegenteil, daß man sogar vom Kriegser- nährungsamte ein energisches Auftreten gegen solche groben Unwahrheiten erwarten sollte. Gerade die Verkennung der Bedeutung des Preises als eines Anreizmittels zur Produktion ist einer der Hauptfehler unserer ganzen Zwangswirtscbaft; und wenn die bewirtschafteten Nahrungsmittel zu einem Teil, iüs- besondere soweit die Eemüseversorgung in Frage kommt, zu ungerechtfertigt hohen Preisen an den Konsumenten gelanaen, so liegt die Schuld daran nicht an den dem Erzeuger bewilligen Preisen, sondern an der vielfach 200 Prozent und mehr betragenden Spannung zwischen Erzeugerhcchstpreisen und Graß- beziehungsweise Kleinhandelshöchstpreisen. Das sollte dem Vor-, stände einer großen Partei und eines großen wirtschaftlich-politischen Verbandes aus der Lektüre amtlicher Preisfestsetzungen bekannt sein. Da es aber eine Begleiterscheinung des sozialdemokratischen Verteilungssystems ist, wird davon in der Eingabe großmütig geschwiegen. Ebenso wie über die Gründe des perhorrefzierten Schleichhandels, der ja doch nur auf dem Nährboden dieses Zwangswirtschastssystems so üppig ins Kraut schießen konnte. Wenn also jetzt die Sozialdemokratie in der Erkenntnis der durch ihr System heraufgeführten Lage sich in solcher beschwörenden Form an die Regierung um Abhilfe wendet, so wird sie nicht sagen dürfen: „Sollte die Erbitterung sich in Formen entladen, die wir nicht wünschen, so trifft die ganze Schwere der Schuld allein die verantwortlichen Stellen des Reichs." Sie hat vielmehr alle Veranlagung, an ihre Brust zu schlagen und zu sprechen: Meine Schuld, meine größte Schuld! Ans der Heimat. Friedberg, 13. Sept. (D i e n st n a ch r i ch t e n.) Friedr. Josef Gluck zu Friedberg wurde zum Kontrollbeamten für den Bezirk der Oberhessischen Milchzentrale eidlich verpflichtet. — Ludwig S p ö h r e r aus Drllingen (Taunus) wurde als Jagdaufseher ftir den Gemeindewald-Jagdbezirk Hardtwald bei Ob.- Efchbach eidlich verpflichtet. — Nathan Roß auch Groß-Karben wurde als Veffeldschütze dieser Gemeinde eidlich verpflichtet. — Eyriakus Ehrhardt aus Ostheim wurde als Beifeldschütze dieser Gemeinde eidlich verpflichtet. — Philipp ©übler von Ossenheim wurde als Feldschütze dieser Gemeinde eidlich verpflichtet. — Friedrich Michel zu Fricdberg wurde als Alfs- feldschütze für die Gemarkungen, der Stadt Friedberg und des Stadtteils Fauerbach eidlich verpflichtet. — Ludwig Wilhelm Haas zu Friedberg-Fauerbach wurde als Hilfsfeldschütze für die Gemarkung des Stadtteils Fauerbach eidlich verpflichtet. Wie gelangt der Verbraucher zu Herbstgemüse? Von zuständiger Seite erfahren wir: Seit der Bekanntmachung der Hessischen Landes-Eemüsestelle vom 20. August 1918 bat die Bewirtschaftung des Herbstgemüses (Weißkohl, Rotkohl, Wirsingkohl, Grünkohl, Möhren aller Art und Zwiebeln) im Großherzogtum Hesien eingesetzt, d. h. diese Gemüssarten dürfen von den Erzeugern nur an die Bezirkskommissionäre der Hessischen Landes-Gemüsestelle bczw. deren mit der grünen Ausweiskarte versehenen Auftäufer abgesetzt werden. Die nur mit der braunen Ausweiskarte der Landes-Gemüsestelle versehenen Gemüsehändler oder Bedarfsstellen dürfen die genannten Gemüsearten nicht mehr einkaufen. Von diesen Vorschriften bestehen aber, was nicht allgemein genügend bekannt zu fein scheint, wichtige Ausnahmen: es ist nicht nur die Erfüllung von genehmigten Lieferungsverträgen über die genannten Gemüsearten nach wie vor zulässig, sondern es bleibt auch der Verkehr auf öffentlichen Märkten frei Zum Versand des Gemüses ist aber natürlich auch in diesen Fällen das vorgeschriebene Versandpapier erforderlich. Endlich bleibt der Absatz der genannten Gemüsearten durch den Erzeuger unmittelbar an den Verbraucher ganz frei, wenn an einem und demselben Tage an den gleichen Verbrcru. cher nicht mehr als 5 Kg. der obengenannten Gemüsearten — von Zwiebeln jedoch nur 1 Kg. — abgesetzt werden. Für den Versand dieser Mengen sind auch Versandscheine nicht erforderlich. Will ein Verbraucher in Ausnahmefällen, z. V. von einem Angehörigen, eine größere ©emüfemenge beziehen, so hat er sich mit genauen und amtlich beglaubigten Angaben an die Landes- Gemüfestelle zu wenden. — Das hier Gesagte gilt nur für Weißkohl, Rotkohl, Wirsingkohl, Grünkohl, Möhren aller Art und Zwiebeln. Bei ckllen übrigen Gemüsearten ist der Aufkauf für den Verbraucher ohne Begrenzung auf eine bestimmte Menge frei; nur ist bei Mengen von mehr als 10 Kg. ein Versandschein erforderlich, den die örtlichen Vertrauensmänner der Landes-Gemüsestelle ausstellen. Nidda, 12. Sept. Der ln der Doppelmordaffäre in Hafk genommene Nachtwächter Kühne aus Geiß-Nidda ist wieder aus der Untersuchungshaft entlassen worden, dagegen wurde ein Heizer des Sägewerks als verdächtig in Haft genommen. Aus Starkenburg. Offenbach a. 10. Sept. Ueber 1200 Mark bares Geld, das sich eine in kleinen Verhältnissen lebende Frau erspart, aber dummerweise in ihrem Bett versteckt hatte, hat der einig« Zeit bei ihr wohnhaft gewesene kaum 18 Jahre alte P. W. Schulz daselbst mittels Einbruch gestohlen und den ganzen Betrag in leichter Gesellschaft in Hamburg durchgebracht. Er hat auch ein paar Stiefel mitgenommen, die er in Frankfurt für 60 Mark verkauft hat. Er wird zu einer Gesamtstrafe von 1 Jahr 3 Monaten Gefängnis verurteilt. Aus dem Odemvald, 12. Sept. Die überreiche Bu' ' ernte kann auch in unseren Waldungen nächste Woche b ,i Hoffentlich wird es dieses Jahr möglich gemacht, d r Oelreichtum, den die Natur spenden will, nicht wieder teils unbenutzt zugrunde geht wie vor zwei Jahren. D nur gefchchen, wenn man auch dem Sammler der Buchen, seinen gerechten Anteil läßt. Aus Hessen-Nassau. FC. Wiesbaden, 11. Sept. Zwei Damen aus Frankfurt, die 27jährige Näherin Emilie Dauth und die 28jährige Photographengehilfin Frieda Vachmann, machten anfangs August einen Abstecher hierher und stiegen im „Europäischen Hof" ab Beim ersten Frühstück zahlten die Damen die Rechnung und begaben sich dann auf ihr Zimmer. Dortselbst packten sie alles Vettwerk ein, fuhren nach Biebrich, um über Mainz nach Frankfurt zu gelangen. In Biebrich jedoch nahm man sie bereits am Schlafittchen. Die Strafkammer nahm *die Dauth in eine Gefängnisstrafe von einem Jahr, ihre Freundin kam mit vier Wochen davon. FC. Wiesbaden, 11. Sept. Das in Nüdesheim bedienstet gewesene Küchenmädchen Kath. Kumps machte an einem Sonn, tag im Jam einen Ausflug und lieh vorher von einer Kellne. rin eine wollene Jacke, von dem Zimmermädchen Bluse. Tasche und Hut. So ausstaffiert, zog dte Küchenfee gen Frankfurt, wurde aber bereits in der Nacht in Frankfurt verhaftet. Wegen Unterschlagung der anvertrauten Sachen erhielt sie heute von der Strafkammer eine Gefängnisstrafe von sechs Wochen. FC. Wiesbaden, 11. Sept. Unlängst wurde in Limburg a d. Lahn ein schwerer Einbruch verübt, bei dem die Diebe Kleider, Wäsche und Schmucksachen im Werte von 5000 Mk. mrt- gehen hießen. Jetzt wurde festgestellt, daß die hier wegen eines Einbruchdiebstahls in Aschaffenburg festgenommenen Verbreche! Kunz und Schmitz den Diebstahl in Limburg ausgesührt haben FC. Aus dem Untertaunus, 11. Sept. Die allgemeine Kartoffelernte darf hier nicht vor dem 25. September beginnen. Ausnahmen müssen ausdrücklich genehmigt werden. Der Höchstpreis für Kartoffeln, die ohne behördliche Genehmigung ausgemacht werden, wurde auf vier Mark pro Zentner festgesetzt. FC. Höhr, 11. Sept. In der hiesigen Zigarrenfabrik wurde eingebrochen und erhebliche Mengen Zigarren gestohlen. FC. Aus dem Kreis Wetzlar, 11 . Sept. 30 Landwirte aus verschiedenen Gemeinden des Kreises wurden gerichtlich bestraft wegen Vergehen gegen die Kriegsaesetze mit 600 bis 36 Mark. So erhielt der Landwirt Peter Martin V. in Stein, dorf wegen Ueberschreitung der Höchstpreise für Ferkel 600 Mk. Geldstrafe, die Ehefrau Kath. Braun in Dornholzhausen wegen Ueberschreitung der Schweinehöckstpreise eine solche von 126 Mark, der Landwirt Johann Beppler in Hörnsheim wegen Ueberschreitung der Höchstpreise für Kohlrüben 300 Mark Geldstrafe. Aus Kurbcssen. FC. Aue Nicderhessen, 9. Sept. Während eines starken Gewitter traf der Blitz in der Nähe des Dorfes Körle bei Guntershausen das Gespann eines Landwirts, wobei die beiden Pferde erschlagen wurden. Der Knecht, der unter einem Baume Schutz gesucht hatte, kam mit dem Schrecken davon. Aus Rheinhcssen. FC. Kostheim, 11. Sept. Aus Unvorsichtigkeit spaltete beim Halzhacken in einer hiesigen Fabrik eine Fabrikarbeiterin ihrer Kollegin die rechte Hand. Harxheim, 12. Sept. Durch einen ruchlosen Bubenstreich wurde der Weinbergbesitzer Karl Poth aufs empfindlichste geschädigt. Unbekannte schnitten in seinem Weinberg nicht weniger als 300 Stück seiner schönsten Weinstöcke ab. Poth hal für die Ermittelung der Täter eine Belohnung von 1000 Marl ausgesetzt. Aus der Pfalz. FC. Aus der Pfalz, 11. Sept. Traubendiebstähle sind jetzt an der Tagesordnung. In Neustadt wurden drei Personen erwischt, die etwa drei Zentner Trauben entwendet halten und in Schließkörben fortschaffen wollten. — In Böbingen rutschte die Landwirtin Eödelmann von einem hochbeladenen Heuwagen in der Scheune ab und fiel in eine dort stehende Heugabel, wobei ihr ein Zinken tief in den Unterleib drang. Hoff- ungslos liegt sie darnieder. ArlieüsWriitäWßkr Offene Stellen: 2 Maschinisten für Diesel-Motor, 10 Knechte, 1 Hofmeister, 8 Tagelöhner, 2 Verwalter, 1 Heizer, 1 Schäferfamilie, 2 Schuhmacher, 1 Kutscher, 2 Knechtefamilien, 2 Aufseher. 8 Hausmädchen, 13 Dienstmägde, 2 Haushälterinnen, 1 Hausmädchen, welches kochen kann und eine Kindergärtnerin. Für besetztes Gebiet: Männer und Frauen aller Berufe, außer Hilfsdiensipflichtige im wehrpflichtigen Alter, Jugendliche bis zu 177 2 Jahren kommen auch in Frage. Stellenfuchender Mehrere Melkerfamllien und ledige Melker. 1 Büroftaulein, 1 Haushälterin für Landwirtschaft mit 5jähr. Kind, 1 Ordonnanz. Verantwortlich für den politischen und lokalen Teil: Otto H i r sche l. Friedberg-, für den Anzeigenteil: R. § ey n e r. Friedberg. Truck und Verlag der „Neuen Tageszeitung" «. G., Friedbera i. L. Verfemt. Mirenas Fuß spannte, so M wie es mit der UnSen Han- Roman von Anny Wothe. ^ Nachdruck verboten. Ein duftiges Gewand von zartem, weißem indischem Musselin umschloß weich ihren schlanken Körper, die kleinen Füße steckten in lichtroten, goldgestickten Pantoffeln, und in den halb- verschleierten Augen lag eine Glut, die so brennend war wie draußen die Augustsonne über dem Grunewald. Wie müde tastete die Hand der schönen Frau nach der Klingel. „Nein, nicht doch," lächelte sie. „Wie töricht, einen Befehl gu erteilen, der uns vielleicht später reut. Hier heißt es Geduld üben. O, wie ich sie hasse, diese Geduld, dieses Warten' olo,es Hangen und Bangen, und doch bin ich machtlos, absolut ! niachtlos, wenn ich nicht den Mut habe, zu zeigen, was ich will." Mirena lachte höhnisch auf, während sie den weißen, vollen Arm nachlässig auf die Polster stützend, sich langsam empor- richtete und wie prüfend Umschau hielt. „Es ist eigentlich weit mit mir gekommen," sagte sie das lockige Haupt schüttelnd, und leise. cTs wollte sie einen bösen Traum fortwischen, über die weiße Stirn streichend, „daß ich die ich bereit war. mein Leben für cie Freiheit zu opfern, nichts bin als eine Sklavin, eine elende Sklavin!" Jetzt lachte Mirena ganz laut und hart auf. und schleuderte eines der roten Pantöffelchen weit in das ^Zimmer hinein. Beide Han^grub sie crufftöhnend in die glänzende, wirre Haarmasse die ihr feines Gesicht umrahmte. So lag sie eine Weile stumpf wie in dumpfer Berzweiflnng. „Alles Schein, alles Trug," kam es nach einer Weile von ihren Lippen. Selbstbetrug, du bist noch schlimmer als der durch andere Frei wollte ich sein, und doch bin ich gefesselt mchr, als wenn mich eiserne Ketten hielten. Ich habe es mir eigenen Füßen zu stehen, frei von allen Pflichten, fter von dem Urteil der Welt mit ihrer Uw barmherzigkeit und Unduldsamkeit, und nnn kommt langsam ^hon nach so kurzem Frecheitstraum die Erkenntnis, daß alles umsonst war, alles umsonst." ö TOirptn* «n mirfIisa°schluchzt, die stolze, lächelnde ' 5 in,d ’ ItSncn ' bie untet de» halbge- rarmen?" hervor schwer und langsam über die Wangen Lorch, klangen da nicht Tritte auf der Veranda? Mirena e Z v ° t ’ 10,0 dichte zornig mit der Sand Wer die Wange SiÄ.r"' *"’* “* w «> »». - ilJZ* !?* in bem * a5m Ct W M bringe gute Knnde," Und ,u Mirenas Lager treiend, streckte er ihr, da er den rech- noch in der Binde trug, di- Linke herzlich entgegen fragte er, Mirena forschend betrachtend, ,,3i> glaube gar, du weinst wirklich, und ich habe dich doch noch >ch°rnals weinen sehen." setzte er wie in grilhlerisches Nach. 3>0nn blickte er sich kopfschüttelnd um und hob den Ne.nen, roien Pantoffel, den p-rhin Mirenas Fuß gornig^ fortgeschleudert hatte, empor. * 0 I“ 51 * " mit leisen, zärtlichen Klang In^der Stimme, wahrend er das Pantöffelchen behu tsam über KekamUmachmlg Die Lieferung von Brot und Brötchen für das Vürgerhofp tal uno Ver orgungshaus für die Zeit von 1. Dttober 1918 bis 31. März 1919 soll cn den Wenigstnehmenden vergeben werden. Schriftliche, mii gehöriger Ausschrift versehene Angebote sind bis längstens 17. September l. ^s., vormittags 11 Uhr, ver chlossen bei der Unterzeichneten Stelle einzureichen. Friedberg. 7. September 1918. Die Jäöiijdie Jrnltllllaarmisstiin. 3. V.' Damm. gehen wollte. „Ich danke dir, Holger" sagte Mirena matt, und bot ihm den Munid zum Kusse, „du kommst früher, als ich annahm, und das ist mn lieb, denn ich war wirklich nahe daran, sentimental zu w-erlden, und du weißt, wie sehr ich solche überflüssigen Gefühle hasse Erzähle aber schnell. Liebster! Was hast' du erfahren^ Deine Augen lachen, und wie Sonnenglanz umstrahlt es dein Haupt." Mirena war hastig ausgestanden, und nun stand sie vor Hokger und schmiegte ihren schlanken Kökper hingebend zärtlich an seine Brust. Und wie immer, so erlag Holger wieder dem Zauber, ^n ihre sinnverwirrende Nähe auf ihn ausübte, und er erwiderte ihr Antlitz mit glühenden Küsten bedeckend: „Denke nur. endlich habe ich von der Intendanz Bescheid. Mein Stück, mein Lebenswerk, in dem ich mein ganzes Sein hlngegeben habe, ist endlich am Königlichen Schauspielhause angenommen. Schon in der nächsten Woche sollen die Proben beginnen Der Intendant sagte mir. daß er hoffe, mit meinem Drama die Saison glänzend zu eröffnen." Gs lag eine stolze und doch fast kindliche Freudigkeit in Holgers Antlitz, als er, feine mächtige Gestalt zärtlich zu Mi- rena herniederbengend, sagte: „No, ,reust du Md, denn nicht flfer mein Elück, Mireno? Fühlst du, daß mein Stern wieder h-N°r erstrahlt? Du weißt ja selbst, wie mutlos Ich war, wie verzweifelt, Ueberall, wohin ich kam, verschlossene Türen, nachdem sich früher alle Verleger und Direktoren um meine Werke gerissen. Mußte ich da nicht allen Glauben an mich verlieren, mußte ich nicht denken nach allem, was geschehen, daß ntch: mein . ^f° nbetn meine Person es vielleicht war, welche bie ßrofe« Menge gefesselt? Ein berühmter Dichter, wicht durch merne Werke, sondern durch Franengunst? Du glaubst nicht wie erbärmlich ich mir vorkam. Am liebsten hätte ich das ganze armselige Leben von mir geschleudert. Verlacht, verhöhnt von der Menge, in Acht und Bann getan von denen, die mir ein» zujubelten, schien mir das Leben eine Schande und meiner selbst nicht wert. Jetzt aber ist mir noch einmal Gelegenheit gegeben Tfmx " 6 iä> ^Mwählter «der ein Verfemter bin' Die Gesellschaft hat mir den Rücken gekehrt, seitdem fie weiß Miß ich dich von dem Manne, der dich nicht verstand, mit meinem B ute lasgekauft, aber ich will wissen, ob ich meine früheren Erfolge nur der Frauengunst verdanke, oder ob meine Arbeiten etrm-s wert waren. Bin ich «in so elender Stümper, als ich cxÜf Mißerfolgen glauben muß, so kehre ich die. ler Welt des Scheines den Rücken, aber jetzt Mirena, jetzt kann lch ja noch einmal die Sonire grüßen?" „Du kehrst der Welt den Rücken, Holger." sagte sie zaghaft E V Z Jt ? en? 6oa ** Sitzen, daß du es auf- givst. öffentlich zu wirken und zu schaffen?" , "E* Holger. und sich auf einen Stuhl niederlassend und Mirena auf seine Kniee ziehend, fuhr er fort: „wenn ich sehe, daß die Welt recht hat. dann gehe ich fort. Weit im Norden, an den stillen Fjorden, wo meine Heimat ist liegt ein mächtiger Hof in tiefster Einsamkeit. Urväter haben schon dort gehaust, und Urväter Hausrat schmückt die hohen Hallen Innen aber ist Frieden und tiefste Stille. Dorthin flüchte ich wenn des Pöbels Geschrei mich verletzt, dorthin sollst du mit mir gehen, wenn die Welt hier uns wm unserer Liebe willen verdammt. Willst du. Mirena?" ^ € !? x irc ® lag in Mirenas Zügen. „Du willst fork - -» - »* ------------- „Und du willst nichts weiter sein da im Norden als das was mein Mann auch immer war. der Besitzer der Serrfchast?" Mirena lachte. Es war ein böses, verächtliches Lachen Dann »ber hart auf Holger zutretend »nd ihn mit blitzenden ste Mischen den zufammengepreßt«, Zahnen, „Und was wird aus mir? Soll ich auch jm Norden verkommen, und dort begraben und vergessen fein? Hast du mir nickst Ursprachen, mich hoch empor zu führen zu den Spros- stn der Ruhmesleiter? Und nun schreckt dich schon das bischen Gerede einer kleinlihen Wett, Run kriechst du bei dem ersten F«hl)chlag ins Mauseloch und spielst den Gekränkten." - ntd>1 ’ entgegnet« Holger, und ein l'ilbtett mlck, 1" ^ *“<*" “f- ..34 Btautte. du ® at? ß6 rahmbeladcn oder mit Schmach r* ^ n 6,11 fCt " an5>crcr geworden. Meine größte Schwache ch die Liebe zu dir. und-verzeihe - es ist die einzige Schwache, deren ich mich schäme." i elllhten dunkel drohend auf, Holger aber legte beschwichtigend seine breii« Hand auf das lockige Kopf- chen über das die durch die Tür hereinfallenden Sonnenstrahlen ^ begüttgend: „Laß es gut sein. Kind, Nach ist dre Entscheidung nicht gefallen. Mein Stück bringt mir ent. Ruhm oder die Wende für ein neues und ande- res Leben. Bis dahin aber nichts mehr davon. Wie ist es dir ergangen? Haft du irgend etwas erreicht?" Mirena lächelte bitter. „Ja, eine g«We Anzahl zurückgekommener. unbrauchbarer Manuskripte brachte die heutige erste Post, und ein Schreiben meines Rechtsanwalts, daß an eine Einwilligung zur Scheidung nicht zu denken wäre. Man hätte memen Mann todkrank nach dem Süden geschafft, und vorläufig 2 KL“»'*'.' " *■“ »-• ». ^ atte ^ Eiber Holgers Antlitz verbreitet „Ich mochte mcht mehr leben, weim ich denken müßte, daß ich sein Leben nur um eine Stunde verkürzt habe." sagte er leise üssy - - Lolger nickt«, „So verlangt es die Welt, die denjenigen E menschlichen Gesellschaft ausstoßt, der stch nicht ihren «besetzen beugt. Er lachte bitter auf, „Mord! Was ist das Tf 1 I<,FfC " roit ba9 ' 2ch s-h° dort einen Depeschen, boten durch den Garten kommen. Was mag der bringen?“ Holger und Mirena traten erwartungsvoll an die Tür, und LächMn^rein ® epe ^ nti * dnCTn "e-sthmitzten i i^ckst," sagte er unverschämt, J>ei ick den Herrn Thorefen hier treffe. Hier wimmelt er im- bi" bei "ihn" unnütz beede Been« abzuloosen e- - *° tBi8 Me lar ?u und riß die Depesche a»f. Sein Antlitz wurde aschfahl, als er das Telegramm gelesen Nun reichte er Mirena das weiße Blatt fPUt i 0 / ^ckrwnnden. Ich kehre heute mit Aga nach Berlin zurück, Jen." las sie stockend, Fortsetzung folgt. SSßtlötetl om 11. 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