Nummer Olijchreis w S» Donnerstag. den 12. September 1918 II. JaffrMuK Ueue Tageszeitung Die „Mene Tagesreltmrs" erscheint ^eden Werkta?. Regelmäßige Beilagen „Der Dauer aus Hessen", „Die Spinnssube". Ke?ugspreis: Bei den Postanstalten vwrkeliährlkch - M R 2.4q hinzu tritt noch das Bestellgeld: bei den Anente" n^nn^lich 90 Pfg. einschließlich Trägerlohn. Anxeigen: Grundzeile 2b Pfg., lokale 20Pfg^ Anzeigen von auswäris werden c>urb Bouuachnahm« erhoben. Erfüllungsort Friedberg. Lchriftleitung und Verlag Friedberg (Hessen), Hanauerstraße 12. Ferwprecher 48. Posticheck-Eonto Nr. 48.'>9. Amt Frankfurt a. M. Ws finilm Mahsmg jur LiiiM Erneute Angriffe der Engländer adgemiefen, 300 Gefangene in unserer Hand. Mißlungene Unternehmungen der Italiener. — 13000 Tonnen versenkt. — Dr. Karl Peters i*. Der deutsche Grneralstab — meldet: == :• W. T. Z. Grosse» Haaptquartiev. btn 11. Keplemöer Amliich. Westlicher Kriegsschauplatz. Bei Abwehr englischer Teilvorstöße südlich von Ppern und nördlich vom La Bassee-Kanal machten wir Gefangene. Ci?'dllch der Straße Peronne—Eambrai führten erneute An- grirte - U ri^r wiederum zu heftigen Kämpfen südlich von Goi^cc' !'rt und um Epehy. An einzelnen Stellen erreichte der Feind unsere vorderen Linien. Im Gegenstoß schlugen wir ihn zur'''ck 700 Gefangene -lieben in unserer Hand. Teilangriffe der Franzosen, die beiderseits der Straße Ham—St. Quentin überraschend und nach Artillerievorbereitung erfolgten, wurden abgewiosen. Oertliche Kämpfe nördlich der Ailette. Zwisch-en Ailette und Aisne steigerte sich das Artilleriefeuer am Rachmittaoe wieder zu großer Heftigkeit. Am Abend brach der Feind zu starken Angriffen vor. Sie scheiterten vor unseren Linien. Der Erste Eeneralquartiermeister: Ludendorff. Abend!rer?cht. BerNn, II. Sept.. abends. (WB. Amtlich.) An den Kampffronten ruhiger Tag. [j Per österreichische Generalstab !• meldet: ., - 7 - 7 ^ Wien. 11. Sept. (WB.) Amtlich wird verlautbart: Italienischer Kriegsschauplatz: Auf der Hochfläche von A s i a g 0 scheiterten zwei feindliche Erkundungsversuche. Im Asolone-Abschnitt, wo es den Italienern unter Einsatz starker Artillerie gelang, in unsere Linie einzudringen, stellte ein Gegenstoß des Infanterieregiments 99 die Situation wieder her. An der Pmvefront erhöhte Artilleriekämpfe. Der bulgarische Generalstab meldet: Sofia. 9. Sept. (WB. Nichtamtlich.) Gencralstabsbericht. Mazedonische Front: An der westlichen Czerna war da; feindliche Artilleriefeuer zeitweise heftiger in der Gegend der Moglena. Nördlich des Dorfes Nohowo zersprengten wir durch Feuer eine feindliche Sturmabteilung, die sich nach Ärtillerie- vorbereitunq unseren Gräben zu näb-'rn versuchte. Bon Huma bis zum Wardar heftige Feuerüberfälle seitens des Feindes, denen unsere Batterien kräftig antworteten. Auf dem Vorgelände westlich von Serres lebhafte Erkundungstätigkeit. Unsere Infanterieoruppen. von der Artillerie unterstützt, zerstreuten mebrere griechische Kompagnien, fügten ihnen beträchtliche Verluste zu und machten sechs Gefangene von der königlich griechischen Armee. 13000 Tonnen verdenkt. Berlin. 10. Sept. (WB. Amtlich.) Neuerdings wurden durch unsere U-Boote 13,000 Bruttore-gistertonnen feindlichen Schiffsraums versenkt. Der Chef des Admiralstabcs der Marine. Kopenhagen, 9. Sept. (WB.) Nach einem Telegramm aus Trontheim wurde der große norwegische Dampfer „Ariadne Christtne" auf der Neise von England nach der Murmanküste mit Stückgut am Samstag abend torpediert. Das Schiff wurde an der Küste bei Davdoe auf Grund gesetzt. Die Besatzung wurde gerettet. Der Rauminhalt des Schiffes beträgt 7000 Bruttoregiftertonnen. Notierdam, 10. Sept. (WB.) Der „Nieuwe Notterdamfche Courant" meldet, daß der holländische Segler „Ebenezer 2" auf eine Mine gelaufen und gesunken ist. Die Besatzung wurde in Scheven ingen gelandet. Gin englischer Torpedojägrr gesunken. Haag, 11. Sept. Die englische Adnrtratttät meldet amtlich vom 9. September, daß ein britischer Torpedojäger durch Kollision gesunken ist ' Der Chef des Admirnlftabs über den Tauchbooilrrieg. Dresden. 11. Sept. In einer Bersannnlung teilte der Reichstagsabgeordnetc Wildgrube aus seiner Unterredung mit dem Lldmiralstabschef Scheer folgenden Ausspruch desselben mit: , Sie können mit gutem Gewissen vor dem Lande sa^en, daß es uns gelingen wird, mit den U-Booten England an den Verhandlungstisch zu bringen, nur muß ich es ablehnen, mich auf einen bestimmten Zeitpunkt festzulegen." Pie Schlacht im Westen. Die Nachhutgefechte. Berlin, 10. Sept. (WB.) Seit Tagen stehen die Deutschen in ihren neuen Stellungen, vor denen mehrere Kilometer weit vorgeschobene Nachhutstellungen liegen. Alle in den letzten Ta. aen von der Entente gemeldeten Gefechte und „Erfolge" haben sich diesen gegenüber abgespielt. Den Erozat-Kanal versuchten die Franzosen am 8. September in wiederholten Angriffen unter starkem Artillerieeinsatz zu forcieren. Die deutschen Maschinengewehre schlugen jeden llebergangsverfuch blutig ab und gingen in der Nacht unbehelligt in die befohlenen Sicherungslinien zurück, die mehrere Kilometer westlich der neuen Stellung liegen. An den Flügeln der Schlachtfront erneuerten die Engländer bei Armentieres und die Franzosen zwischen Ailette und Aisne am 8. d. M. ihre Angriffe. Der erste französische Angriff dicht südlich der Ailette wurde um 6 Uhr morgens durch einen sofortigen Gegenstoß abgeschlagen. In gleicher Weise scheiterten wiederholte heftige Teilvorstöße am Nachmittage, ebenso wie Tetl. angriffe zwischen der Straße Soiffons—Laon und der Aisne. Am Abeitd setzten die Franzosen nach einstündlger stärkster Feuervorbereitung nochmals zu geschloffenem Angriff zwischen Ailette und Aisne an. Bereits in der Bereitstellung wirksam gefaßt, brach der Angriff zusammen. An einzelnen Steven, wie bei Sancy, hatten die Franzosen bis zu sechsmal vergeblich angegriffen. Die Ueberschwemmungen vor der Siegfriedstellung. Bern, 10. Sept. (WB.) Französische Blätter verzeichnen übereinstimmend die Vermehrung der deutschen Hinderniffe in der Nähe der allen Siegfriedstellung. Große Gebiete seien besonders westlich von Eambrai uirter Waffer gesetzt. Wie der „Temps" meldet, wurden die Schleusen des Nordkanals gesperrt und Sensee-Bach und Scarpe verschüttet, so daß nördlich des Havrincourt-Waldes eine unzugängliche Zone geschaffen worden sei. Der Frontberichterstatter des „Petit Parisien" betont, daß die Ueberschwemmungen die Verwendung der Tanks aus- schalteten. Ave Frontberichterstatter erklären, daß die neuen deutschen Stellungen außerordentlich stark befestigt seien und ein Hindernis bildeten, deffen Ueberwindung schwerste Kämpfe kosten werde. Daher sei in den Kampfhandlungen ein Stillstand zu erwarten. Das „Journal des Debats" äußert, der deutsche Rückzug sei beendet. Neuer Kampfabschnitt. Rotterdam, 11 Sept. Das „Algemeen Handelsblad" mel. det aus Paris: Längs der ganzen Front ist die Schlacht in einen neuen Entwicklungsabschnitt getreten, was übrigens der ftanzösische Oberbefehl vorausgesehen hat. Bei der Hindenburg- linie angekommen, erhöhte der Feind überall seinen Widerstand und zeigte dadurch seine Absicht, hier standzcchalten. Daraus ergibt sich, daß der Kampf jetzt während einiger Zeit zum Stillstände kommt, damit die verbündeten Truppen, die so große Abstände zurückgelegt haben, Zeit gewinnen, Atem zu holen um einen neuen Angriff vorzubereiten. Aber auch andere Möglichkeiten zeigen sich. Hutin schreibt im „Echo de Paris": Die Genialität der Manövrierkunst besteht nicht darin, genau auf dem Punkt an- zugrcifen, wo der Feind seine Haupttruppen und sein mächtiges Kriogsgerät bereithält, um unseren Stoß aufzufangen. Viele Wege führen nach Eambrai und St. Quentin. Die Trümmer von Soiffons. Genf, 10. Sept. Wie die Agentur Havas meldet, besichtigte der Senator Touron die befreiten Dörfer seines Departements. Er beschreibt ihren trostlosen Eindruck im „Excelsior", wobei er hervorhebt, daß die meisten Gemeinden nur noch aus einer geographischen Bezeichnung bestehen. Es sei keine Spur mehr von den Häusern übrig, überall hätten die Minen ihr Werk getan. Bon der Stadt Soissons seien nur noch einige Quartiere der Dorstadt übrig geblieben. Holland glaubt an Waffenstillstand. Karlsruhe, 11. Sept. Wie die Züricher „Post" aus dem Haag berichtet, ist man in holländischen politischen Kreisen der Ansicht, daß ein Waffenstillstand der Kriegführenden für den kommenden Winter zu erwarten ist. Der Fliegerangriff ans Mannheim—Fndwigshafen. Berlin, 10. Sept. (WB.) Am 7. September versuchten die Gegner abermals einen Fliegerangriff auf Mannheim-Lud- wigshafen. Nach den letzten Mißerfolgen sollte er diesmal unter allen Umständen glücken. Deshalb hatten sie die stattliche Anzahl von 24 de Havilland-Flugzsugen für den Bomben- flug angesetzt. Trotzdem blieb ihnen infolge der Aufmerksamkeit und Angriffsfreudigkeit unserer Jagdflieger ein Erfolg wie- derum versagt. Als das Geschwader die Linien mittags über-- flogen hatte, wurde es sofort von Jagdfliegern der Front in Kämpfe verwickelt. Dabei verlor der Gegner fein Führerflug, zeug. Auf dem weiteren Anfluge stießen ihm Jagdflieger des Heimatfchutzes entgegen. In erbitterten Kämpfen verlor dei Gegner weitere zwei Flugzeuge. Wahllos warf er darauf feint Bomben ab, die nur ganz geringen Sachschaden anrichteten, und wandte sich schleunigst zur Flucht. Unsere Jagdgeschwader drängten ihm hart nach und brachten noch zwei weitere Flugzeug« über unserem Gebiet zum Absturz. Im ganzen büßte der Eeg. ner also fünf Flugzeuge ein. Wieviel Flugzeuge davon außerdem beschädigt waren, entzieht sich unserer Kenntnis. Mit diesem Erfolg erhöht sich die Zahl der seit April über unserem Heimatgebiet abgoschoffenen feindlichen Flugzeuge au? «67. ! . Rußland. Kasan genommen. Berlin, 11. Sept. Das Informationsburecm der Petersburger Telegraphen-Agentur meldet: In der Nacht zum 9> September begannen die Rätetruppen ihren Einmarsch in die Stadt Kasan. Heute Dienstag ist Kasan gefallen und in unsere Hand Lbergegangen. Die Weißgardisten und Tschecho- Slowaken fliehen in Unordnung. Sie werden von unseren Fliegern verfolgt, die über 200 Kilogramm Bomben auf sie geschleudert haben. Der Fall einer der Hauptstützpunkte der russischen Gegenrevolution ist damit besiegelt. Verschlimmerung der Lage der Tscheche-Slowaken. Genf, 11. Sept. „Morningpost" meldet: Die drahtlose Verbindung mit den Tschecho-Slowaken ist seit Samstag unterbrochen. Man ist daher ohne jede Nachricht von ihnen. Man glaubt, die Unterbrechung auf eine Verschlimmerung der ßor Zurückführen zu können. Die Lage in Moskau. Zürich, 11. Sept. Dei „Neue Zürch. Ztg." meldet von dei russischen Grenze, daß über Moskau der verschärfte Belagerungs» zustand erklärt wurde. Alle Hauptstraßen der Stadt sind militärisch gesperrt. Bon sämtlichen Reisenden werden Ausweise gefordert. Aus Furcht vor Unruhen getraut sich die Eirnvohner- schaft Moskaus nicht aus ihren Häusern heraus. Es scheint, daß die Sozialrevolutionäre bisher keine weiteren Revolten gegen die Sowjetvegieruny unternommen haben, wohl in der Befürchtung, daß diese die in ihrer Gewalt befindlichen Eonoffen hin. richten werde. Kriegserklärung des Verbandes? Rotterdam, 11. Sept. Die „Times" schreiben: Die En- tenteländer wollen eine Kriegserklärung an Ruß« l a n d richten. Der Sturz der Bolschewisten und ihre Bestrafung durch die verbiindeten internationalen Mächte werde der einzige Zweck der Handlungen der Alliierten sein. Zürich, 11. Sept. Der „Eorrieve della Sera" veröffeirtlichl eine pessimistisch gehaltene Londoner Depesche, wonach man di« Lage in Archangelsk zur Zeit als nicht ohne Gefahr erachte. Stark bewaffnete russische Mleilungcn seien vor Archangelsk erschienen. Die erste rnjstsche Zahlung. Berlin, 11. Sept. (WB.) Die nach dem deutsch-russischeff Finanzabkommen am 10. September fällige erste Rate der riH> fischen Gold- und Rubelzahlungen ist gestern kn Orscha eingr^ troffen und von tzsm Beauftragten der ReiMaffk ,ü her nominell < vpwchen^ iubfit mir Griinü \\\ pdfrln? Anläßlich seines Besuchs in Essen hielt der Kaiser eine längere Rede. Er dankte zunächst den Arbeitern und Arbeiterinnen. er feierte die Leistungen der deutschen Frau im tm Kriege, der sich eine neue ungeahnte Tätigkeit eröffnet habe. Er berührte die vielerlei Schwierigkeiten, die Grund zu Mißstimmungen gäben. Er kam dann auf die Friodensström- ungen zu sprechen und führte dabei, aus: Ein jeder von Euch, bis in die fernste Ecke unsere- Vaterlandes hinein weiß, daß ich keinen Schritt unversuck gelassen habe, unserem Volk und der Gesamtheit der gesitteten europäischen Welt diesen Krieg möglichst abzukürzen Iw Dezember des Jahres 1916 habe ich ein offenes, klares und " - rcidoutiges Friedensangebot im Namen des Deutschen Rei>—« ,'nd meiner Verbündeten den Gegnern übergeben. Hol - S . ^tt und Verachtung ist die Ant- ' wort gewesen. Der da ober. r nt meine Gefühle der Verantwortung. Wiederholt in ■ rgongenen Monaten haben verantwortliche Leiter der ? gjerung des Reiches in unzweideutiger Weise jedem, der es verstehen wolle, zu verstehen gegeben, daß wir jederzeit bereit sivd. die Hand zum Frieden zu bieten. Die Antwort war der ausgesprochene Vernichtungswille, die Aufteilung und Zerschmetterung Deutschlands. Es gehören zum Frredenmachen zwei. Wenn nicht beide wollen, vermag der eine nichts vorausgesetzt, wenn er nicht den andern niederwirft. So steht der absolute Vernichtungswille unserer Gegner uns gegenüber, und dem absoluten Vernichtungswillen müsien wir den absoluten Willen, unsere Eristenz zu wahren, entgegenstellen. Unser tapferes Heer draußen hat Euch diesen Willen durch die Tat gezeigt, sei es im Vorftürmen, sei es in der Rückwärtsbewegung. sei es jm Stellungskampfe. Es kommt nur darauf an. daß der Gegner möglichst viel verliert. Das ist erfolgt und das geschieht noch weiter. Unsere todesmutige Marine hat es Euch bewiesen. Gegen starke Ueberlegenheit hat sie den Feind geschlagen. Unsere U-Boote nagen wie der zehrende Wurm am Lebensmark der Gegner, mehr wie unsere Feinde es zugeben wollen, wenn es auch manchem unter Euch zu lange dauert. Der Kaiser besprach dann die Ursachen, die zum Kriege geführt hätten. Das deutsche Volk war fleißig, in sich gekehrt, reg- und erfinderisch auf allen Gebieten. Es arbeitete geistig und körperlich. Es gab ober solche, die nicht zu arbeiten wünsch, ten. sondern auf ihren Lorbeeren ausruhen wollten. Das waren unsere Feinde. Wir kamen ihnen an. die Nähte und zwar durch ersprießliche Entwicklung: Industrie und Wiffenschaft. Künste und Volkserziehung, soziale Gesetzgebung usw. Dadurch tan unser Volk in die Höhe, und da kam der Neid und veran- laßte unsere Gegner zum Kampf, und es kam der Krieg über uns, die wir ahnungslos gewesen waren, und jetzt, da die Eeg, rva sahen, wie alle ihre Hoffnungen, die sie in den früheren Jahren gehegt haben, trügerisch gewesen sind, wie unsere gewaltigen Heerführer, nach deren Namen mit Recht Eure neuen Werkstätten genannt wurden, Schlag auf Schlag ihnen versetzt haben, nun erhebt sich auch noch der Haß dazu. Der kaiserliche Redner wandte sich mit aller Entschiedenheit gegen die Versuche Mißtrauen und Zwietracht im Innern zu säen. Haben wir denn eigentlich Grund, zu zweifeln? Seht doch mal die v-ier Jahre Krieg an, was wir für ge. waldige Leistungen hinter uns haben. Eine halbe Welt stand gegen uns und unsere treuen Verbündeten, und jetzt haben wir Frieden mit Rußland. Frieden mit Rumänien,' Serbien und Montenegro sind erfc*-' <*ut im Westen kämpfen wir noch in*) da sollte uns der "t im letzten Augenblick noch ver- laffen. Wir sollten r ?n über unseren Kleinmut. Der kommt aber dann, wenn man Gerüchten Glauben schenkt. Aus den Tatsachen, diexIhr aber erlebt, da schmiedet Euch den festen Glauben an die Zukunft Eures Vaterlandes. Wir haben oftmals daheim und im Felde, in der Kirche . und unter freiem Himmel ..Eine feste Burg ist unser Gott" ge- ' sungen, daß es hin-ousgeschallt Hot in das Himmelsblau und in die Gewitterwolken hinein. Ein Volk, aus dem ein solches Lied entstanden ist, das muß unbezwingbar fein. Meine Bitte und Meine Aufforderung an Euch und durch Euch an die gesamte Arbeiterschaft, die sich so ausgezeichnet und ttzchtig bewährt hat und durch Euch an dos gesamte deutsche Dolk geht dcchin: Für Mich und Mein Verhältnis zu Meinem Volke sind maßgebend Meine Worte vom 4. August 1914: „Ich kenne keine Parteien ich kenne nur Deutsche". Es ist jetzt keine Zeit mehr für Par-- jungen- wir müssen uns jetzt alle zusammenschließen zu einem Block und hier ist am ehesten das Wort am Platze: .Werdet stark wie Stahl, und der deu^be Volksblock zu Stahl znfammen- gefckwecht, der soll dem Feinde seine Kraft zeigen. Wer also vniet Euch entschlossen ist. dieser Meiner Aufforderung nachzu- ^mwen, wer das Herz arff dem rechten Fleck hat, wer die Treue halten will, der siebe jetzt ^f und verspreche Mir cm Stelle der gesamten deutschen Arbeiterschaft: helfe^uns^Gott Unb * UTd ^ ticn Bis »«m Letzten. Dazu ^ ^ E' der antworte mit eirwm I a ! (Die Ve^rmElten antwortetm mit einem lauten Ja.) Ich danke Euch. Mit diesem gehe Ich jetzt zum Feld marsch all. Es gllt nun sur reden von uns. die gelobte Pflicht auch zu erfüllen und an Geistes, und Körperkraft das Äußerste einzusetzen für das Vaterland. Jeder Zweifel muß aus Herz und Sinn ge- ^rnnt werden. Jetzt heißt es: Deutsche, die Schwerter hoch die Herzen stark und die Muskeln gestrafft zum Kampfe gegen Ees. was gegen uns steht, und wenn es noch so lange dauert. Dazu heff'e uns Gotik Amen. Und mm lebet wohl, Leute! stonen verstärkt, zwischen Oise und Ais ne an. Die Angriffe scheiterten in unserem Feuer." Zu derselben Zeit kommt am 4. September über Zürich folgende Meldung des „Echo de Paris" zu uns: „In Marokko haben schwere Kämpfe stattgefunden. Bel Tafilet drangen von der Wüste her völlig unerwartet beträchtliche Streitkräfte von Aufrührern vor. Es gab eine große Anzahl Tote und Verwundete. Erst nach furchtbaren Kämpfen ist es gelungen, sich der Aufständischen zu erwehren, doch sind Verstärkungen dringend erforderlich." Also in Frankreich verbluten wieder einmal, wie schon so oft in den vier Kriegsjahren. maroKanische Truppen für Frankreichs Kriegsziele. Und in Marokko wehren sich die Marokkaner so heftig gegen die französische Waffenbrüderschaft, daß die französischen Truppen nach ..furchtbaren Kämpfen" dringend um Verstärkungen ersuchen müssen. Sonderbar, daß es so schwer ist. Begriff und Zweck des ..Kreuzzuges zur Befreiung der Menschheit" — wie Wilson es nennt — sich zu eigen zu macken. Der Krieg geht — wie Wilson in feiner Botschaft an die Arbeiter vom 1. September ver. sichert — nur dämm, daß die Menschen überall frei von beständiger Furcht leben und ruhig atmen können, während sie ihren täglichen Geschäften nachgehen. Um dieses Glück ermessen zu können, in Wilsonscher Freibeit zu atmen, müssen die Marokkaner sich selbst in die Schlachtreihe der Entente stellen, und wenn sie das nicht wollen, so müssen sie durch Maschinengewehre dazu gezwungen werden, so viele ihrer noch übrig bleiben. Andererseits sind sse ersi auf der Seite der Entente, so Haben sie zu tausenden die Schlechtfelder Frankreichs zu düngen und keine Gelegenheit webr rubig zu atmen. Die Welt aber bleibt er'-ll bei diesem blutigen Hobn. läßt gedi'wig das Trommelfeuer Wilfonscher Beredsamkeit über sich ergaben und hrrrt gläubia auf die Erff'llvng seiner Offenbarungen. Und ist kein Zeichner da. der dieser ungebenerlichen i Spottgeburt menschlicher Heuchelei den Spiegel vorhält? ^ic Brrrnh f rs! 5 f ö' , ’IißWfu fjnrg D-rliu, 10. Sept. (WB.) Ein Berliner Mittagsblatt schreibt unter der Uebcrsckrift: „Revolver und Pei sche": In dem australischen Lager in Parres Irland führte ein gewisser Major Hawst als Lagerkommandant ein wahres Schreckensregiment. Dieser wüste Geselle schoß mit dem Revolver auf einen deutschen Gefangenen, der ihn um eine Zigarette bat, tötete dabei einen Unbeteiligten und verwundete einen an. deren. Zwei Gefangene, die einen Fluchtversuch machten, ließ er an Bäume binden und durchpeitfchen. Einige Gefangene halten vom Posten die Erlaubnis erhalten, sich von einem zerfallenen Schuppen Brennholz zu bolen. Als andere, in dem Glauben, daß es sich um eine allgemeine Erlaubnis handle, ebenfalls von diesem Holz forttrugen, gab Hawfk Befehl, sie mit dem Bajonett wegzutreiben, worauf die australischen Wachen rücksichtslos auf die Leute einstachen und sie schließlich zu dreißig in einem wenige Quadratmeter großen, von Stacheldraht umzogenen Platz einpferchten. wo sie gerade so viel Raum fanden, um arufrecht nebeneinander zu stehen. In dieser furchtbaren Lage mußten sie zwölf Tage und Nächte, zum Teil in heftigen Regengüssen aushalten. Nicht einmal zum Austreten durften sie hinaus, bis sie endlich, so wie sie waren, manche nur mit einer Hose bekleidet und ohne Strümpfe, zu ihrer Aburteilung nach einem mehrere Stunden entfernten Gefängnis getrieben wurden. Diese grauenvollen Roheiten find für uns um so schmerzlicher, als in den australischen Lagern vor allem unsere braven Leute vom Kreuzer „Emden" und die aus Tsingtau gefangen gehalten werden. Nur durch schärfste Gegenmaßregeln an den in unseren Händen befindlichen australischen Gefangenen werden die verrohten Abkömmlinge des australischen einstigen Sträflingsstaates zu einem menschlichen Verhalten gezwungen werden können. -eit ausschließlich mit den Erzeugnissen des heimatlichen Do. ldens zu sorgen, unter schwierigsten Verhältnissen glänzend ge. löst und sich als starker Grundpfeiler für den hehren Bau des Reiches und seine Machtstellung von neuem bewährt. Jeder einzelne in der Heimat verbliebene Landwirt und vor allem auch die Landfrauen haben unter Einsetzung ihrer ganzen Kraft die heimische Scholle gehütet und gepflegt und durch ihren unermüdlichen Fleiß rühmlichen Anteil daran genom- men, die grausamen Aushungerungsplane verblendeter Feinde zu schänden zu machend Mit unerschütterlichem Vertrauen und innigstem Danke blickt das Vaterland auf seine Pflicht, treue, opferwillige Lattdwirischast wie auf seine todesmutigen Söhne im Felde, die in blutigem Ringen, wie es die Welt, gefchichte noch nicht erlebt hat, dem Feinde mit Gottes Hilfe siegreich wehren und ihn von unserem heiligen Boden fern- halten. Gott lohne alle Treue und stärke unsere Kraft, di« Macht der Feinde zu brechen und freie Bahn für eine glück liche Zukunft der deutschen lernte zu schaffen. Wilhelm I. R. Dr. llor! Peters *f- Braunschweig. 11 . Sept. (WB.) Dr. Karl Peters ist. wie die „Neuesten Nachrichten" melden, gestern in Woltorf bei Peine gestorben. Die Beisetzung erfolgt in Neuhaus (Elbe). Dernhiirg als RMglWimtM! ? Bei der infolge des Todes des Reichstagsprästdenten Kämpf in Berlin I nötig gewordenen Reichstagsersatzwahl herrschen Unstimmigkeiten. Zunächst sollte der alte Justizrat Eassel ausgestellt werden, der jedoch dankte. Jetzt hat man sich zu der Wahlbewerbung eines Geheimrates Kempner entschlossen. Aber auch dieser fordert Widerspruch. Als er 'sich vorgestern in einer Wahlversammlung vorstellte, feierte ein Eheftedakteur Nuschke — der Name kommt uns bekannt vor. der Mann muß sich auch einmal in unserer Gegend Herumgetrieben haben — den ehemaligen Staatssekretär Dernburg. Die Partei verfüge über einen Mann, dessen Name das Programm des Verstan- digungsfriedens genannt werden dürfe, und dieser Mann sei der ftühere Staatssekretär Dr. Dernburg. Wenn der erste Ver, liner Wahlkreis Dernburg wähle, so sei das eine Kundgebung die in der ganzen Welt verstanden werde. — Bei der Abstim mnng entfielen 103 Stimmen auf Kempner und 90 auf Dern bürg Mrrng „innere Angelegenheit Li Dur Jrf»pg“ der ffntenie. Am 3. September meldete der deutsche Heeresbericht unter Anderem: mehrstündiger stärkster Artillerievorbereitung griffen Franzosen, durch marokkanische und amerikanische Divi- „Der Zoller , das gelesenste Tageblatt Hohenzollerns und offiziöse Organ des fürstlichen Hofes in Sigmaringen, berkchret an auffälliger Stelle folgendes: „Der frühere rumänische Minister Antonescu, der bekanntlich vor einiger Zeit — in österreichischem V-Zug mit amtlicher deutscher Erlaubnis — nach der Schweiz reiste, schreibt im Pariser „Temps . „Die Königin Maria besucht in den Karpathen die Dörfer, die an Oesterreich-Ungarn abgetreten werden müssen. Sie küßt die Kinder und verteilt an die Bauern Kleider und Lebensmittel. Die Bauern küssen ihr die Hände und rufen: Auf baldiges Wiedersehen!" Dazu bemerkt „Der Zoller": „Man braucht nur daran zu erinnern, daß die Königin von Rumänien mit die treibende Kraft bei dem Bündnisverrat des Landes war und aus ihrer ausgesprochenen Vorliebe für die Feinde der Mittelmächte nie ein Hehl gemacht hat, um sich die Antwort auf die Frage, was sie mit ihren Besuchen in den abgetretenen Gebietsteilen bezweckt, von selber geben zu können" Wie hieß es doch bei. Abschluß des Friodensvertrages mit Rumänien: „. . . die dynastische Frage ist eine innere Ange. legenhoit Rumäniens . . . Hm, hm! An Kiriler «der die imtlche taii-imtiWt. _ Ce. Majfftät der Kaffer hat der deuffchen L-ndwirffchafts- Gesellschaft auf ihre Huldigungsdrahtung aus der 82. Hauptversammlung nachstehende Antwortdrahtung übersandt: ,.>zch danke herzlich für die freundliche Begrüßung der in der Reichshauptstadt versammelten Mitglieder der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft und die treuen Wünsche für völlige Genesung Ihrer Majestät der Kaiserin und Königin, deren Befinden. Gott sei Dank, in fortschreitender Besserung rst. Die deutsche Landwirtschaft hat ihre gewaltige Aufgabe, für die Ernährung des deutschen Volkes während der Kriegs. Dg MrHen m Kelineng ..NeniralW". Von Professor F. Dreher, Friedberg. Leutnant d. Res. Am 2. August 1914, abends um 7 Uhr erbat Deutschland in seiner Notwehr von Belgien den fteien Durchzug, damit nicht die gen Belgien im Aufmarsch begriffene 5. ftanzösische Armee den Krieg von der Maaslinie aus in unser rheinisches In, dustriegebiet trug. Tags zuvor hatte England unseren Vorschlag abgelehnt, unter der Bedingung, neutral zu bleiben, daß die Deutschen weder durch Belgien marschierten, noch die französische Nordküste angriffen und auch im Falle des Sieges keinerlei Abtretung verlangten? Damit war die Voransfage des französischen Sozialisten Francis Delaifi haarscharf in Erfüllung gegangen, der 1911 in seinem Buch „I-u guerre qui vie it° prophezeite: „Gngland bereitet den Vernichtungskrieg gegen Deutschland vor und will Frankreich als seinen Landsoldaten gegen Deutschland benutzen. Deutsck-land muß dann den Krieg durch den Einmarsch in Belgien eröffnen. Darauf wird, von England entfacht, eine Helle Entrüstung in den Zeitungen der Welt aufflammen und England wird erklären, daß es bei all seiner Fri^ensliebe nun gezwungen sei, zur Sühne des beleidigten Rechtes in den Krieg einzugreisen". Belgien diente tatsächlich. wie wir jetzt aus den in Brüssel aufgefundenen Ge. Heimakten wissen, für England und Frcnrkreich als Schild und Einfallstor gegen Deutschland, und Lord Kitcheners Ausspruch: „Die Grenze des englischen Reiches in Europa ist nicht der Kanal. sondern die Maaslinie", traf den Nagel auf den Koch Schon seit dem 10. April 1906 ist Belgien nicht mehr neutral sondern in deutschfeindlicher Richtung mit England und Frankreich verbündet. Am genannten Tag schloß nämlich der Ehef des belgischen Generalstabs mit dem englischen Militärattache in Brüssel, Oberstleutnant Varnardiston, einen Vertrag ab, der die Billigung des englischen Generalstabschefs, des Generalmajors Grrerson fand, und genaue Vereinbarungen für den bevorstehenden Krieg enthielt: „Stärke. Gliederung. Ankichfts- zeit des englischen Expeditionskorps. Pläne für dessen Eisenbahntransporte durch Belgien, Einguartierung, Verpflegung. Versorgung der Verwundeten, Beschaffung von Dolmetschern und für Engländer lesbare Karten von Belgien, Dünkirchen. Calais und Voulogne waren rm Einverständnis mit dem französischen Generalstab als Landungspunkte in Aussicht genommen und den Akten eine Karts des französischen Aufmarsches beige, geben. Auf eine Unteftützuny durch Holland rechnete man „zurzeit" noch nicht. Den Verpflegungsnachschub wollte England über Antwerpen leiten, sobald die Nordsee von deutschen Schiffen gesäubert sei. Belgien sollte umgehend mit einem Spionagedienst in der preußischen Rheinprovinz beginnen." Damit war Belgien rettungslos England verfallen. Am 23. April 1912 erklärte denn auch der englische Militärbevollmach- tigte Oberstleutnant Bridges dem belgischen Generalstabschef General Iungbluth, die englische Regierung hätte Sei dem Marokkokonflikt von 1911 eine Landung in Belgien vorgenommen, selbst wenn Belgien keine Hilfe verlangt hätte! Indessen be- endeten die englischen Militärs 1912-13 nach gründlicher, schon 1910 begonnener Vorbereitung ihre geheimen, von uns nun auf- gefundenen Kriegshandbücher über Belgien, die systematischste topographische Arbeit, die es überhaupt gibt. Den belgischen Behörden blieben diese Vorbereitungen Englands zum Krieg gegen Deutschland selbstverständlich nicht unbekannt, man tat jedoch keinerlei Schritte zur Wahrung seiner Neutralität, son^ dern fiihrte sogar 1913 ans Betreiben von.England und Frankreich die allgemeine Wehrpflicht ein. Wäre er den Belgiern wiEch ernst mit der Wahrung ihrer Neutralität gewesen, harnt mußten sie auch mit Deutschland Abmachungen gegen einen möglichen Angriff Frarckreichs oder Englands treffen, zumal die belgischen Vertreter im Ausland immer wieder darauf hinwie- fen. daß von deutscher Seite am wenigsten Kriegsgefahr drohte. 1905, September 23., schreibt z. B. der belgische Gesandte Baro« Greimdl in Berlin nach Brüssel: „Der von Deutschland geleitete Dreibund hat uns 30 Friedensfahre in Europa beschert.* And 19-5, Dezember 31.: „Der höchste Ehrgeiz Seiner Majestät 'des Kaisers ist die Arffrechterhaltung des Friedens während der Dauer feiner Regierung.*' 1907, Mai 30.: „Weit davon entfernt, eine Spannung in den Beziehungen zu England herbeiführen zu wollen, leidet Deutschland unter diesem Zustand, wie die wiederholten Versuche einer Annäherung beweisen, zu denen die Anregung immer von Berlin ausgegangen ist." 1907, Juni 8.: „Wie Graf Lalaing (belgischer Gesandter in London) ganz richtig sagt, treibt der König von England persönlich eine Politik, deren Endziel die Vereinzelung Deutschlands ist. Sein Vorgehen entspricht dem Empfinden der Nation, die durch eine skrupellose Presse irregeleitet ist." 1908, Januar 27.: „Wo hat Frankreich fe gesehen, daß Deutschland den anderen europäischen Völkern seine Vorherrschaft aufzwingen wollte? Wir Belgier sind seine nächsten Nachbarn, und seit 20 Jahren habe ich bet der Kaiserlichen Regierung nicht die geringste Neigung entdecken können, ihre Stärke und unsere Schwäche zu mißbrauchen. Ich wünschte nur, daß alle anderen Großmächte sich der gleichen Rücksicht gegen uns bedient hätten. Wann ist denn die Ruhe in Europa bedroht gewesen, außer durch den französischen Revanchegedanken?" 6. Mai 1908: „Deutschland kann nur noch zwischen absichtlichem Uebersehen und dem Kriege wählen, den der Kaiser nicht will, den auch die öffentliche Meinung verurteilen wurde." 30. Mai 1908: „Die herkömmlichen friedlichen Versicherungen .... bedeuten recht wenig im Munde dreier Mächte, die eben erst, wie Rußland und England . . . nur in dem Bestreben, sich zu vergrößern, fa ohne plausiblen Vorwand die Eroberungskriege in der Mandschurei und in Transvaal geführt haben, oder die wie Frankreich gerade jetzt, zur Eroberung Marokkos schreiten unter Nichtachtung feierlicher Versprechungen. ... Es sind dieselben Machte, *bie im Verein mit den Ver- riniaten Staaten, die kaum ihren Raubzug gegen Spanien hinter sich haben, in Haag als die größten Friedensfieunde ausgetreten sind." 13. Februar 1909' „Schon längst wäre eine Annäherung (zwischen England und Deutschland) bewirkt worden, wenn dies lediglich vom Kaiser, der Kaiserlichen Regierung oder dem deutschen Volke abhinge. Man hat mit Anerbietungen geradezu Verschwendung getrieben, aber immer ohne Erfolg." 1910, November 7.: „In dem rufstfchen Volt .... hat sich ein Hatz gegen feinen westlichen Nachbar entwickelt, der noch durch den Neid gesteigert worden ist, den die schnelle Entwicklung der deutschen Macht hervorgerufen hat." Ebenso äußert sich der Nachfolger von Ereindl, Baron Beyens, in einem Bericht an die belgische Regierung 1912, Juni 28. von Berlin aus: „Mit wvhlverständlichem Neide sieht England, wie ein europäisches ' Volk (Deutschland) im Kampf auf dem Weltmarkt jedes Jahr an Boden gewinnt und also auch in dieser Hinsicht die Vor. macbtstellur^ bedroht, die es sich gesichert hatte." tfnb während Kaiser Wilhelm H. 1911 wegen seiner Nachgiebigkeit und Friedensliebe bei dem Marokkokonflikt in den französischen Witzblättern als „Guilleaume le timibe", als „Wilhelm der Furchtsame" verhöhnt wurde, erzrMt der belgische Gesandte Baron Guilleaume in Paris 1914, April 16.: „In der Hälfte der Theater spielt man jetzt nationalistische und chauvinistische Stucke" und 1914, Mai 8.: Die Franzosen „behaupten des Sieges gewiß zu sein, machen viel Aufhebens von den übrigens tatsächlich vorhandenen Fortschritten, die die französische Armee gemacht hat." Ein bezeichnendes Gegenstück hierzu ist der Bericht des belgischen Gesandten in Berlin vom 12. Juni 1914: „ohns- von Deutschland bedroht zu werden" vermehrt Rußland „seine Rüstungen in beängstigendem Maße". Und am 13. Juni 1914 erschien dam: in der ..Petersburger Börsenzeitung" der aufreizende Artikel des russischen Kriegsminrsters Suchomlinow, der mit dem fettgedruckten Satz, einer Fanfare, schloß: „Rußland ist fertig und erwartet, daß auch Frankreich fertig ist." Für Deutschlands geradezu übertriebene Friedensliebe und die von « langer Hand vorbereiteten Raubgelüste der Entente gibt es keine unanfechtbareren Beweise als die Berichte der belgischen (mu; 'ten in Berlin, London und Paris vom 7. Februar 1905 bis um 2. Juli 1914 an den Minister des Aeußern in Vrüsiel: Die belgische Regierung kann zu ihrer Entschuldigung keines- wegs geltend machen, daß sie über die Angriffsaosichten der Entente gegen Deutschland ungenügend unterrichtet gewesen sei. Sie hat vielmehr mit sehenden Augen gegen Deutschland Partei ergriffen. Ein „Unrecht", das wir an Belgien „wieder gut zu macben haben", gibt es nicht! Ebensowenig ist England in den Krieg getreten, weil wir die belgische „Neutralität" verletzten. Die englische „Pall Mall Gazette" erklärte am 4. Februar 1867 ausdrücklich: „Eine Ncutralitätsbürgschaft unsererseits existiert nicht." Und die Londoner Zeitung „Times" schrieb anfangs Dezember 1914 mit zynischer Offenheit: „Eins ist sicher. Wäre der große Kriegsbrand nicht in Europa ausge- brochrn, so hätten wir mit Deutschland in Afrika Krieg anfangen muffen. Unser Handel in Miltelafrika und an der Ost- küste standen auf dem Spiel und unsere Macht würde. durch das Uebergewicht der Deutschen immer mehr und mehr aboenommen haben." Belgiens „Reutralttüt" ist ein Märchen, und zwar kein schönes. Schweres Eisenbahnunglück. Eia Kiadersonderzng vcruuglückt. — 33 Kiudcr tot, 17 verletzt. Schnridcmühl, 10. Sept. (Amtliche Meldung.) Heute 4.55 Uhr früh ist bei Blockstelle P l ö t t k e kurz vor dem Bahnhof Schneidemühl in Km. 24 der Strecke Bromberg—Schneidemühl Per Kindcr-SonVerzug 2244 M.-Gladbach infolge Ueber- Gchrens des Haltesignals auf den Schluß des Güterzuges 7592 «ungefähren. Der erste Wagen des Kinder-Sonderzuges wurde L» den Packwagen hirveingeschoben und bis auf vier Abteile zer« trümmert. Vom Güterzuge sind acht Wagen beschädigt oder zertrümmert. Getötet sind der Schlußschaffner des Güterzuges, ein Mann und 38 Kinder. Verletzt sind eine Frau und 15 Kinder leicht und zwei Kinder schwer. Die Schuldfrage ist noch unbekannt. Streik der Meintrinker. Köln, 10. Sept. Der Wucher im Weinbaugeschäft übersteigt alle Grenzen. Oberrheinischen Meldungen zufolge streiken in beiden Distrikten angesichts der fortgesetzten Preiserhöhung für den gewöhnlichen Schankwein die Weintrinker, fodatz der größte Teil der Dorfwirtschafien geschloffen werden mußte. Heute bereits kostet ein Stück 1913er Wein mittlerer Güte (1200 Liter) mindestens 15 000 Mark. Für befferen 1917er Moselwein Brauneberger wurden in Neufilzen 17 000 Mark für das Fuder geboten. Es handelte sich um sieben Fuder, die aber nicht zuge- . schlagen wurden. Unterdessen nehmen die einzelnen Weinbau- vereine Stellung gegen die Einführung von Höchstpreisen, die die Winzer schädigen. Nur der Kettenhandel hat den Wein verteuert. VerW beim flrrkanf non ßrikMilltihe. Feindliche Agenten versuchen nachgewiesenermaßen das Gerücht auszustreuen, an deutscher Kriegsanleihe würde man unsinnige Verluste erleiden. Dieses GerÄ>e gehört. zu der aller- raffiniertesten feindlichen Mitteln, unsere deutsche Sache zu schädigen, wenn wohl auch kaum jemand so töricht sein dürste, darauf hereinzufallen. Als Warnung aber mag immerhin jene Feffftellung veröffentlicht werden, damit jedermann weiß, wer dahinter steckt, wenn derartige Gerückte irgendwo auftauchen. Ausgeschloffen ist natürlich nicht, daß ein findiger, aber schmutziger Menschenfreund aus reiner Gewinnsucht Kriegsanleihe unter der Hand aufzukaufen versucht, indem er sich jenes Gerede zu eigen macht. Aber die Hauptsache ist, daß sich niemand durch solche Redereien beirren läßt und sein gutes Geld sinnlos verschleudert. Wer verkaufen muß, gehe geraden Weges zu der Reichs- oder einer anderen Dank, einer Krcditgenoffenschast oder Sparkaffe. Die Fluckt mm Standesamt. Ein« ungeahnte Wirkung scheint die große Wohnungsnot auf hartgesottene Junggesellen auszuüben. Eine Stadt, in der der Mangel an Wohnungen und einzelnen Zimmern zurzeit be. sonders empfunden wird, ist K i e l. Und fo finden sich denn in den .^Kieler Neuesten Nachrichten" Nr. 90 und 93 folgerte zwei Anzeigen: Zimmerer, 43 Jahre, sucht Zimmer mit Beköstigung bei alleinstehender Frau. Heirat nicht ausgeschloffen. Aelterer Tischler, in angenehmer Stellung und etwas Vermögen, wünscht möbliertes Zimmer bei einer besseren Witwe ohne Anhang, welche etwas mitkochen kann. Spätere Heirat wicht ausgeschloffen. Nicht nur die Wohnungsnot, sondern vor allem die Ernah- rungsschwierigkeiten treiben die verhärtetsten Znggesellen aus den minderbemittelten Kreffen in die Ans Heimat. Welches Geldinstitut soll ich zur Erledigung meiner Zahlungen wählen? Zwischen den einzelnen Geldinstituten, Reichsbank, Postscheckamt, Banken, Genossenschaften und Sparkaffen bestreu grundlegende Unterschiede, die für die Wahl unter ihnen bestinrmend sind. Die Reichsbank und das Postscheckamt vergüten keine Zinsen. Die arideren Institute (Banken, Spar- kaffen und Genossenschaften) dagegen verzinsen die Guthaben. Bei Reichsbank und Post wird man kurzfristige Guthaben ein- zahlen, die täglich gebraucht werden. Die Reichsbank ist die Bank des Großverkehrs. Das Postscheckamt dagegen ist das geeignete Institut für kleine Zahlungen. Hier wird nur ein Mindestguthaben von 25 Mark gefordert. Wer zahlreiche kleinere Zahlungen zu leisten hat, wähle zweckmäßigerweise das Postscheckamt. Ein Postscheckkonto ist auch neben einem Konto bei einer Bank, Sparkaffe und Genossenschaft am Platze fiir alle, die häufig Zahlungen zu leisten haben oder solche empfangen. Für alle Gelder, die längere Zeit stehen bleiben, eignet sich dagegen ein Konto bet einer Bank, Sparkaffe oder Genoffen- schaft. Denn niemand wird auf die Zinsen, die er dort erhält, verzichten wollen. Auf ein solches Konto können auch die Inhaber eines Postscheckkontos die Beträge überweisen, über die sie nicht sogleich verfügen wollen. Wenigstens ein Konto zu haben, liegt im Jntcreffe eines jeden, mag er über große oder kleine Summen verfügen, mag er viele Umsätze oder wenige machen, sei er Geschäftsmann, Landwirt, Beamter, Angestellter oder Arbeiter. Wer sich erst einmal ein Konto eingerichtet hat, und den bargeldlosen Verkehr mit seinen Vorteilen kennt, läßt niemals mehr davon. Bad-Nauheim, 11. Sept. Seit einigen Tagen treibt ein EinfchleichdiO hier sein Unwesen, durch den verschiedenen Villen, in denen er für mehr als 1000 Mark Schmuck stahl, schwer geschädigt wurden. Beachtenswert ist, daß der Dieb am hellen Tage, und zwar immer in den Mittagsstunden „arbeitet". Okarben, 8. Sept. (Bezirkskriegertag.) Der Varsitz-ende, Kcnnerad Lehrer Will von Büdesheim, begrüßte die zahlreiche Versammlung, beglückwünschte verschiedene Mitglieder freudiger Ereigniffe wegen, sprach anderen seine Anteilnahme ob trauriger Vorfälle aus und endigte mit einem freudigst aufgenommenem Kaiserhoch. Auch der Vorsitzende unseres Kriegervereins, Kamerad Leonhardt, bswillkommte die Anwesenden und toastete auf Seine König!. Hoheit den Eroßher j zog. Der Schrift sichrer, Lehrer Mohr aus Ober-Efchbach, ver- ' las das Protokoll des ersten Bezirkstages, welches genehmigt wurde, worauf Kamerad Flach von Eroßkarben über die Mit-. gliederversammlung referierte. Bei der Dorstandswahl wurden die seitherigen Mitglieder wiedergewählt. Dem Vorsitzende« wird überlaffen, den Ort des 1. Bezirkstages zu bestimmen. Zum Schluß hielt Kamerad Flach einen intereffanten Vortrag über Bezahlung der Kriegsbeschädigten und der Krieger-Wit. wen- und -Waisen. Seine Ausführungen fanden allgemeinen Beifall. Nachdem noch Kamerad D i r l a m von Rieder-Esch, bach zum Durchhallen aufgefordert und von unserem Bürger, meister Fauerbach unterstützt worden war, schloß der Vor. sitzende die Versammlung mit einen: Hoch auf unsere Gemeinde. Die Gefangsriege von Vilbel verherrlichte durch ihre schöne» Vorträge den Bezirkstag. AnS Starke«durg. Darmstadt, 10. Sept. Vier junge Belgier aus Druffel, die in freiwilliger Arbeit in einer Kelsterbacher Fabrik standen, sich aber nreist keiner allzuernstlichen Beschäftigung Hingaben, haben angeblch aus Hunger eine dorttge Bauhütte erbrochen und da- raus verschiedene Lebensmittel, sowie Sttefel und Gamaschen gestohlen. Sie sind geständig und erhalten Gefängnisstrafen von 1—2 Monaten, die durch die Untersuchul^shaft als verbüßt gellen. Darmstadt, 10. Sept. Ein schwerer Einbruchsdiebstahl, bei welchem Gold, Silberrvaren, Uhren für Herren und Domen, zahlreiche Armbanduhren, zahlreiche Herren- und Damenringe, etwa 70 goldplattterte und etwa 20 goldne Trauringe, 10 Paar vergoldete Manschettenknöpfe, Bleistifte, wertvolle Hals- und Armbänder, Serviettenringe, silberne Geldbörsen und Etuis aller Art abhanden kamen, wurde am Sonntag in dem Gold- u^» Silberwarengeschäfte von Jäger in der Rheinstraße dahier begangen. Man schätzt den Verlust auf etwa 20 000 Mark. Anscheinend hat ein Fachmann mitgewirkt, da nur die wertvolleren Gegenstände ausgewählt wurden Die Diebe hoben sich am Soirntag durch den in der Georgenstraße befindlichen Ein. gang in den unverschloffenen Eingang eingeschlichen, konnten tart durch eine leicht zu öffnende Türe in einen Vorraum gelangen und haben von dort ungestört ein Loch in die Merkstätte vor dem Laden gebrochen, durch welches sie glatt durchschlüpfen konnten. Me wir erfahren, ist der Bestohlene versichert. Vor fünf Jahren wurde der Laden schon einmal ausgeräumt, doch gelang es damals ° innerhalb weniger Tage die Diebe, wie das Diebsgut wieder zu erwischen. Für die Ermittelung der Täter ist eine Belohnung von 1000 Mark aus. geschrieben. Aus Rbcinbksirn. Nieder-Olm, 9. Sept. Der älteste „aktive" Winzer Rheln. heffens dürfte wohl der 91 Jahre alte Landwirt Anton Reitz von hier sein. Der wackere Alte arbeitet noch tagtäglich trotz seines hohen Alters in seinem Weingarten. Worüber der alte Winzer den Kopf schüttelt, das sind die heutigen wahnsinnig hohen Weinpreise. In seiner Jugendzeit konnte man sich der halben bester Qualität zu 3 bis 4 Kreuzern (9—12 Pfg.) leisten, wahrend er heute seine 2 Mark und mehr kostet Aus Hessen-Rallav. Homburg v. d. 10. Sept. Die hiesige Aktienbrauerei vorm. A. Mefferschmitt ist in den Besitz der Braucrei Dinding A.-G. m Frankfurt a. M. übergegangen. Nied a. 10. Sept. Beim Laubheufammeln stürzte der 10jährige Schüler von einem Daum ab und zog sich neben einer Gehirnerschütterung mehrere Körperquetschungen zu. Das Kind mußte dem Höchster Krankenhaus zu geführt werden. FC. Vom Taunus, 8. Sept . Nachdem zu Anfang des Krieges der zwettältefte Sahn des Kirchenrechners und Metzger- meffters Orlopp in Altweilnau den Heldentod erlitten, kam vor einigen Tagen die Nachricht, daß nun auch der älteste Sohn gefallen sei, nach vierjähriger Pflichterfüllung. Vor sechs Wochen hatte er sich in Altweilnau kriegstrauen laffen. FC. Vom Westerwald» 8. Sept. Bei dem Spielen mtt einem Revolver entlud sich in der Wohnung des Bergmanns Weber in Gebhardshain -ein Schuß. Der 16 Jahre alte Josef Weber, der mit dem Revolver hantterte, traf den dabeistehenden 3jäh- rigen Willi Weber tödlich. — Ein Blitz schlug in das Oekono- miegebäude des Ehvenbürgermeisters Lorsbach in Gebhards. Hain und legte die vollgefüllte Scheune, sowie die Stallungen völlig in Asche, während das Wohnhaus und die Nachbargebäude nur leicht beschädigt wurden. FC. Vom Westerwald, 8. Sept. Beim Laubsammeln im Walde von Altstadt stteßen drei Jungen von da auf einen französischen Kriegsgefangenen. Die drei Muttgen nahmen den Franzmann fest und brachten ihn nach dem Hachenburger Lager. Aus Kurhcffen. Frankeuberg, 10. Sept. Der Landwirt Pohlmann, der im sogenannten Hüstergrund wohnt, wurde durch lautes Pochen aus dem Schlafe geweckt. Die nächtlichen Besucher, ein Mann in Zivilkleidung mrd zwei Soldaten, von denen der eine Feld- webelabzeichen trug, stellten sich als Beauftragte des Kaffeler Generalkommandos vor und gaben an, sofort eine Haussuchung vornehmen zu muffen. Ein Posten nttt Gewehr übernahm mm die Bewachung der sämtlichen Hausbewohner, wahrend di« bei- den Genoffen das Haus abfuchtcn. Als sie endlich ferttg wa- ren. und sich enffernt hatten, fanden die Leute ihre Vermutung, daß sie es mit Räubern zu ttrn hatten, bestätigt. Mehrere 100 Mark bares Geld, Wertpapiere, Kleider, Schuhe und hauptsächlich Lebensmittel waren ihnen in die Hände gefallen. Er erstattete Anzeige und es gelang, di« Verbrecher festzunehmen. Es sind jedenfalls Angehörige der Bande, die vor einigen Wochen in der hiesigen, Battenberger und Marburger Gegend eine Menge Einbrüche verübten und von denen auch schon ein Beteiligter hinter Schloß und Riegel sitzt. Der bei Rodenbach festgenommene Deserteur, der übrigens wie jedenfalls auch di« anderen, aus der hiesigen Gegend stammt, wurde nach Marburg ins Landgericht sgefängnis gebracht. Verantwortlich fiir den politischen und lokalen Teil: Otto Hirsche!, Friedberg; für den Anzeigenteil: N. Heyner. Jriedberg. Druck und Verlag der „Neuen Tageszeitung", A. GL Lriedbera i JÖ Verfemt. Roman von Anny Wothe. 27) Nachdruck verboten. Jen schloß einen Moment die Augen. War denn das alles Wirklichkeit, was er erlebte. Sollte so ein Traum endigen, der ihn hier auf der alten Wartburg so selig ein paar Tage eingesponnen? Nein, es war ja nicht denkbar. Dieses holde, bezaubernde, unschuldige Kind, das in diesen Tagen all sein Sinnen und Denken gefangen genommen, sollte heimlich einem Manne gefolgt sein, von dem es wußte, daß er in der Achtung der Ihrigen so tief stand. Ein Aufschrei Agas riß ihn aus seinen Gedanken. Sie stand mit weitaufgerissenen Augen und starrte auf ein Driefblatt in ihrer bebenden Hand. „Lesen Sie," rief sie verzweifelt, „es ist der Beweis, daß ich recht habe. Aufstöhnend, beide Hände vor das Antlitz schlagend, sank sie in einen Sessel, während Jen las: „Mein geliebtes Kind! Du weißt, daß uns Deine Schwester trennen will, trotzdem sie uns scheinbar nach Jahresfrist ihre Einwilligung zu unserer Verbindung zugesichert hat. Du weißt aber auch, daß ich nicht leben kann, ohne Dich und nicht leben will. Ich bin, nachdem ich endlich Deinen Aufenthalt erfahren, schon tagelang in Deiner Nähe. Wenn Du mich liebst oder je geliebt hast, so komm heute zwölf Uhr nachts auf den Altan. Kommst Du nicht, steht Dir das Gebot Deiner Schwester höher als meine Liebe und mein Leben, so bleibe fern, und ich stürze mich von een Zinnen der Burg hinab in die Tiefe, weil ein Leben ohne Dich wertlos ist für Deinen sehnsüchtigen Horst." „Gemeiner, ehrloser Schurke." ries Jen entrüstet. „Nun ist mir wirklich klar, wie er das Kind r Flucht hat überreden können. Wollen Sie mir diesen Br > -rtrauen, Fräulein Aga? Es ist eine sehr wirksame Waffe gegen diesen Elenden, den man einfach über den Hausen schießen müßte." Ag« nickte. GM merrnMbtge, eWe> Ruhe war plötzlich Über fie gekommen. * „Bestellen Sie bitte sofort einen Wagen, lieber Doktor, ich reise noch in dieser Stunde." „Natürlich begleite ich Sie," rief Jen aufspringend. „Wir fahren sofort zu Holger, und mit diesem Brief ausgerüstet, wird es Holger, als dem Vormund Hansis, ein leichtes sein, gegen den Entführer einzuschreiten. Die Entführung einer Minderjährigen dürfte dem Herrn Grafen Nordkirch teurer zu stehen kommen. Ich werde Holger sofort durch eine Depesche verstau, digen." „Holger?" Agas Augen wurden noch starrer. „Ich brauche Holger nicht. Sie wißen, weshalb ich Holger jetzt nicht in den Weg kommen will und darf, und auch sein Schutz ist für mich und Haust entbehrlich. Wenn Sie mich begleiten wollen, so nehme ich diesen Freundschaftsdienst von Ihnen dankbar an. Ich werde Haust selbst von dem Grafen Nordkirch fordern, und wehe ihm, wenn er sie mir nicht so zurückgeben kann, wie er sie mir genommen hat, wehe ihm." „Was haben Sie vor," rief Jen, erschrocken in das merkwürdig veränderte Antlitz Agas schauend, das, einer Medusa gleich, in die Ferne starrte. Aga lächelte bitter. „Fürchten Sie nichts, Jen Nielsen. Cie wißen ja, nur Männer fordern mit dem Degen in der Faust Rechenschaft für eine angetane Schmach, und ich bin nur ein Weib, ein elendes, schwaches Weib, das ruhig zusehen muß, wie ihm das Liebste auf der Welt hingemordet wird. Ich gehöre aber nicht zu denen, welche die Hand küßen, die sie schlägt. Ich wehre mich, und ich wehre mich gut." Jen küßte schweigend die bebende Hand, die sie ihm reichte. „Ich weiß, daß Sie nur das tun, was recht, groß und edel ist, Fräulein Aga." „So, meinen Sie?" Wieder das seltsame Lächeln, das Jen leise erschauern machte, dann sagte Aga herzlich und warm- „Wenn wir den Schnellzug erreichen, können wir noch heute nacht in Berlin ein." _ meinen, daß Nordkirch Hanfi nach Berlin geführt hat." ^Nein, ab« es ist leichter, von dort aus einer Spur zu fol- gen. ^en nickte, und schritt dann grüßend aus dem Zimmer, alles für die Abreise zu rüsten. Agas Fuß trat achtlos über Jens Rosen am Boden, und ihre Schleppe kehrte die armen Dirrger zu einem Haufen zusammen. — Die Wartburg lag im schimmernden Mittagszauber als Aga einen letzten Blick zu ihr emporsandte. Jen, der im Wagen an ihrer Seile saß, folgte diesem Blick. — Vorüber, vorüber der Träume Schaum! Verweht aller Schimmer wie Blätter im Winde. Nur zwischendurch ein leises Erinnern, der alten Wartburgsprüche, die ein junger Mund chm so lachend und neckisch erst gestern gelesen. „Jeglicher Minne Rose hat ein Dorn." sagte Jen fast laut, so daß er sich selbst erschrocken die Hand auf die Lippen legte. ’ Doch Aga hörte nichts. Sie hatte die großen, grauen Augen wie in weite Fernen gerichet. Ein unbeschreiblicher Ausdruck von grüblerischen Gedanken lag in dem ernsten Fvauenantlitz, so daß es wieder durch Jens Seele zog: „Das Band wohl niemand findet, Das die Gedanken bindet." Goldig im Mittagssonnenlicht glänzte das Kreuz des Wart, burgturmes weit in bas Land hinaus. 20. Kapitel. 3itt Garten Mirenas an dem stillen Grunewaldsee waren Lilien und Iris längst verblüht. An deren Stelle hoben sich jetzt weiße Tuberosen düfteschwer empor, und feurige Gladiolen säumten dm Wege. Dumpfe, brütende Augustschwüle rings, umher. Bleischwer und träge flößen die Wellen des Sees weiße Wäßerrofen in üppiger Fülle tragend. Mirena lag in ihrem kühlen, großen Gartensaal auf einem Ruhebett und ließ die rotbraunen Mellen ihres Haares lässig durch die weißen, ringgeschmückten Finger gleiten. Fortsetzung folgt. Betr.: Die Fiel chversorgung.für Kranke an den fleischlosen Wochen. Keüannimachnng Ich bringe hierdurch zur öffentlichen Kenntnis, daß der Verkauf von Fleisch für Kranke für die Woche vom 16. bis 12. September 1918 am Freitag, den 13. September, nachmittags von 2 bis 3 Uhr, in den Metzgerläden der Nindsmetzger wie seither stattfindet. Die Verkaufszeit ist genau ein- zuhakten. Nach Ablauf dieser geht das Anrecht auf das zu- itehende Flec ch verloren. Friedberg, den 11. Sept. 1918. Der Bürgermeister I. V.: Damm. Kekanntmachmtg Kekamiimachung Die Lieferung von Brot und Brötchen für das Bürgerhospital und Verocgungshaus für die Zeit von 1. Oktober 1918 bis 31. 'März 1919 soll an den Wenigstnehmen- den vergeben werden. Schriftliche, mir gehöriger Auf- schrlft versehene Angebote sind bis längstens l7. September l.Js., vormittags 11 Uhr, ver flossen bei der Unterzeichneten Stelle ein- zureichen. Friedberg, 7. September 1918. Dir städtische Zrme»kommi1ston. I. V.: Damm. Ein gelber deutscher auf den Namen „Prinz" hörend, entlaufen. Wiederbringer erhält Belohnung. Steyer, Ockstadt, Telefon Aint Friedberg Nr. 440. Zwei hochtragende MutkfkhmM zwei is. Miichziegen, 2 weiße Schw izer-Zuchttämmer, 7 Aronale alt, stehen zu verkaufen Gebriid-r Moll. Mber-Florstkdt. betreffend Regelung des Verkehrs mit Spätobst der Ernte 1918. Vom 10. September 1918. 2n Ausführung der Verordnung der Reichsstelle für Gemüse und Obst über Herbstgemüse und Herbstobst der Ernte 1918 vom 19. Juli 1918 wird hiermit folgendes bestimmt: ^ ® er unmittelbare Obstverkehr zwischen Erzeuger und Selbstverbraucher innerhalb der gleichen Gemarkung ist nicht beschrankt. § 2. Die Abgabe von Obst durch den Erzeuger an den Verbraucher und der Erwerb durch den Verbraucher ohne Genehmigung der Landesobststelle ist nur gestattet, wenn nicht mehr als ein Kilogramm am gleichen Tage an den gleichen Verbraucher abgegeben wird. Mit Genehmigung der Landesobststelle darf Kernobst beim Erzeuger in Mengen bis zu 10 kg, Steinobst in Mengen bis zu 5 kg für zedes versorguvgsberechugte Mitglied eines Haushaltes vom Erzeuger abgegeben und vom Verbraucher erworben werden. Der Nachweis der versorgungsberechkigten Haushaltungsmit- glreder nt durch die Lebensmiltelkarte zu führen. Auf die Lebensmittelkarte ist ein Vermerk zu setzen, der angibt, für welche Obst- menge die Genehmigung erteilt worden ist. Die Genehmigung wird durch Aushändigung eines Frachtbriefes oder durch Aus tellung eines Beförderungsicheines gegen eine Gebühr von 3 q fg. von der Vezirksgeschäftsstelle, innerhalb deren Be i. . -r^Wo'.nort des Erzeugers lie st, erteilt. Die Frah.briefe und Beförderungsscheine werden nur an hessi che Leibcaucher ausgehändigt. Das Obst darf nur bezogen werden bei ^r.eugern, die ihre Ablieferungspflicht der Landesobststelle gegenüber genügt haben. § 3 . Kommunaloerband im Sinne der Verordnung der Neichs- stelle für Genüe und Obst vom 19. Juli 1918 ist nach Ministerial- bekanntmachun vom 16. Mai 1917 das Eroßherzogtum. Vorstand des Kommunalverbandes die Landesobststelle jür das Eroßher,og- tum Hessen. Zuständige Behörde rm Sinne des § 10. Ziffer 1 und 3 der Verordnung ist nach Ministerialbekanntmachung vom 15. Mai 1917 dle Landesobstslelle. höhere Verwaltungsbehörde im Sinne de s § 11 dr angezogenen Verordnung auf Grund dergleichen Ministerialbekanntmachung Eroßherzogliches Ministerium des Innern. Abteilung für Landwirschaft, Handel und Gewerbe. § 4 Wer den vorstehenden Vorschriften zuwiderhandelt, wird nach Maßgabe des § 17 der Vero:d >ung des Bundesrals über die Preisprüfungsstellen und die Ver orgungsregelung vom 25 . Sept., 4. November 1915 mit Gefängnis bis zu '6 Monaten oder mit Geldstrafe bis zu 150) Mack bestra t. Neben der Strafe kann auf Einziehung der Vorräte erkannt werden, auf die sich die strafbare Handlung bezieht, ohne Unterschied ob sie dem Täter gehören oder nrcht. ... § 5 - Diele Bekanntmachung tritt mit dem Tage ihrer Verkündigung tn Kra,t. Landesobststelle für das EroWerzogtum Hessen. Der Vorsitzende: Dr. Wagner. Vortrags-flbend Sonnlag, den 15. September, abends 8 1 /* Uhr, im Saalbau, Friedberg. Frl. Agnes Seesemann. Riga: Baues Erlen wäfireid Der BAmil! Direktor Dr. Strecker, Friedberg: Deutschlands Wettberuf! Deklamatorische und musikalische Darbietungen von Schülerinnen der Schillerschule. Eintrittspreis 1 Mark. Vorverkauf in den Buchhandlungen von Bindemagd und Scriba. Sil- II. W«. Sfriinarpfe Socken E 1 Strick westen Umarheilen und ßnsfricfcen von Strümpfen und Socken. Scimürhäßdsr. Einen jungen spcungsähigen Ziegenbock hat zu oerkau en Konrad Weitzel, Blofeld. Jungen sprungfähigen Ziegenbock (Saaner Nasse) hat zu verkaufen Karl Theodor Schreiber, Nieder-Florstadt. Acht. Äckitcr und ; Meitttimii gesucht. «dkrhksfischt Kraflfnttrnimlie G. m. b. H^ Friedberg ^ »mW luMrte i. Fniri 3 . N. i. ijsfiiij, e. I. Geschäftsstelle Frankfurt a. M., Kronprinzenstratze 4L (Kronprinzenbau.) — Fernruf Römer 4208. öürostunden Montag, Dienstao, Donnerstaa, Freitag, nachmittags von 2 4 Uhr. — Geschäftsanzeigen in diesem Raum nur für unsere Alttal,eher; dieselben sind kostenlos, jedoch muß bei Aufnabe der Anzeige aus die Mitgliedschaft hingewiesen werden. Einen gebrauchten, noch gut l Ein junges erhaltenen Sanbauet -Höhlen ^ (etwa ledig Monate ain zu verkaufen. Zu erfragen in der Geschäftsstelle der „Neuen Tageszeitung". (etwa lechs Monate alt) steht preiswert zu verkaufen bei Frau Fritz Peter Wwe., Anspack, i. Ts., Langgaffe. Düngerstreuer „Triumph" geeignet für alle Düngerarten, besonders für Kalkstickstoff in kleinsten Mengen, in allen Größen sofort lieferbar. Cieorg Scliiefersteln, Lieh, _ 1Vla«ciilnei»fabrlk, Telefon Nr. 17. Ä 5 6ii)eHtfi|FBriijrf4rö64>pr(ilnr=in[t(il] Waldshut (Spezialanstalt) fertigt nach vollendetstem eigenem Verfahren in der Regel aus' s Paar zerrissener Slrlmpte 5 Fair tadellose SlriHipEe s» „ Situ 3 „ „ tteii Füße, wenn auch noch so zerrissen, nicht abschneiden. Nach Neparatur zu Halbschuhen tragbar. Rasche und reelle Bedienung. Mäßige Preise. Bahn und Postversand versichert. Annahmestelle: Bartholmai & K.TChhof, Manufaktur-u, Modewaren, Friedberg i H, Sämaschinen „Sack“ Zwesscharpflüge, Wendepflüge, Universa’pflüge, Dckereggen, Kartoffelerntemaschinen, Düngerstreuer. Grasmäher mit Tielselinittbalken für 1 und 2 Zugtiere. Vorderwagen, Heuwender, Pferderechen, Obstkeltern, Ohsfmiihlen, Putzmühlen, Trieure, Strohschneider, fauchepumpen, Dezimalwagen sowie alle anderen Maschinen für die Landwirtschaft vorrätig und sofort ah Lager lieferbar. Eigene WerRstätte. Ersatzteil-Lager- M. Roscntlial, Liebigslrasse 13 Giessen Fernsprecher77. RechrmngenZMWK Friedberg in Hessen, Kaiserstrasse 51, gegenüb. d. Engelapotheke. Vanille-Zucker Mdijiiilnpilöcr MM AMMellen >nMchrn ä 11 flf. (35t. 30jfl.) empSehlt Friedrich Michel, fmubrrg. Gxrra große Thüringer Reiservesen alle Sorten Bürsten, Besen. Striegel, Toilette-Artikel, prima Rasier- u. Toilette- seise, prima Linoleum- und Parkettwachs alles in großer Auswahl. Theobald Stemel Vürstenfabrik. Friedberg, Kaiserstraße 117. Taschenlampen und ISatterien versendet direkt ins Feld unter Garantie der tadellosen Ankunft. Postkarte mit genauer Adresse erwünscht Wilhelm l.olirey Uhrmacher i.fiitdkr-Llorstal>t. Eine gebrauchte, guterhaltene üMi'iie zu kaufen gesucht. Offerten mit Preis unter A. 5f an die Geschäftsstelle der „Neuen Tageszeitung." , Zn verkaufen r Eine Brachst MiiiMine sowie doppelspännigen Selbst^ gänger.Pflug, fast neu. l Z u erfragen in der Eeschästs-1 stelle der^Reuen Taaeszeituna"^