Hummer 213 Ejnplpreis WMmach. den 11 . September 1918 _ lh feie Ta«cs»it»»g« «Ichrint jeden WerNag. Reselmahige Beilagen ..Der Kaner aus S'Isrn«. ..Di» Kpiunstub-'-. S«MS»pr»l«: Bei den Postanstalten oierleljah hinzu ttitt noch das Bestellgeld: bei den Aaenten monatlich so Psg. einschließlich Tiägerlohn. A«,.ig»u: Grundzetle 2d Pfg.. iolale 20 An,eigen von auswärts werden durch P> erhoben. Ersüllungsort Frtedbero. Schrifti.itnng und V-rlag Friedberg (Hessen,. Hanauerstratze 12. Fernlprecher -l«. P-stscheck-L-nto Nr. 48.>8, Amt F'°n!surt o M. Graf Huriart über deu Frieden. Jene engiitche Angrifft bei Peronne-Cnmbrni nnd frarnöstsche bei Ham-St. Guentin abgeschla Erfolge unserer Tauchboote im Wittelmeer. — GLu österreichisch-italienisches Tsrpedobootstref u. Der deutsche Generalstak = = meldet: ====== W. T. *5* Hattssrrinavtiyr. de» 10* Ke^tcrrrvee Amtlich. Westlicher Krieg-schauplah. Bei Teilangriffen des Feindes nördlich Merkem und nordöstlich von Ppern blieben kleinere Grabenstücke in seiner Hand. Beiderseits der Straße Peronne-Cambrai setzte der Engländer leine Angriffe fcrt. Ihr Hauptstoß richtete sich gegen Gouzeaucourl und Epchy. Der Feind wurde abgewiesen. Auch am Abend aus dem Wald von Havrincaurt und südlich der Straße Peronne-Cambrai erneut vorbrechende Angriffe des Gegners scheiterten. Teilkäwpfe am Nolnou-Walde (südöstlich von Dermond) und an der Straße Ham-St. Quentin. Uirfere 1» vorletzter Nacht vom Crozet-Kanal Kurückgenommenen Vortruppen batten gestern westlich der Linie Efligny-Vendeuil nur mit schwachen feindlichen Erkundungsabtellungen Fühlung. Teil- tämpfe südlich der Oise, Artillerietätigkeit nördlich der Ailette. Zwischen Ailette und Aisne nahm der Artilleriekampf gegen Mittag wieder große Stärke an. Heftige, bis zum Abend mehrfach wiederholte Angriffe des Feindes scheiterten. Branden- durgische Grenadiere zeichneten sich bet ihrer Abwehr besonders aus. Zwischen Aisne und Devle wiesen wir Vorstoße der Franzosen ab. Eigene erfolgreiche Unternehmungen östlich von Reims, südwestlich von Parroy (an der lothringischen Front) vnd am Doller. Der Erste Olenerasquarliernseister: Ludendorsf. Aveudberlcht. Berlin. 10. Sept. abends. (WTB. Amtlich.^ Südlich der Straße Zeronne-Cambrat wurden erneute Angriffe der Engländer, beiderseits der Straße Ham-St. Quentin Teilangriffe der Franzosen abgewiesen. Oertliche Kämpfe an der Ailette. Der österreichische Geucralstub - - rueldct: = Wien. 10. Sept. Amtlich wird verkautbart: An zahtrei. chen Stellen der italienischen Front lebte beiderseits die Erkundungstätigkeit auf. p Der Chef des GeneralstabeS. K "_.. . m Der bulgarische Geueralstab meldet: -- • Sofia, 8. Sept. (WB. Nichtamtlich.) Generalstabsberlcht. Mazedonische Front: Im Cernabogen, südlich von Gra- deschnitza, mar das beiderseitige Artitteriefeuer zeitweise ziemlich lebhaft. An der Front südlich von Huma heftige Feuer. Überfälle des Feindes. Unsere Batterien schoflen ein großes feindliches Munitionslager bei Majadag in Brand. Oestlich des Wardar versuchten feindliche Erkundungsabteilungen wiederholt an unsere Posten bei Maschukowo heranzukommen, wurden aber durch Feuer zerstreut. Das türkische Hauptquartier =~—— meldet: ==• Konstantinopcl. 9. Sept. (WB. Nichtamtlich.) General- siabsbericht. Palästinafront: Im Küstenabschnitt Artitteriekämpfe und rrfolgreiche eigene Patrouillenunternehmungen. Westlich der Straße Jerusalem—Nablus wiesen unsere Postierungen starke feindliche Aufklärungsabteilungen ab. Stellenweise lag heftiges Artilleriefeuer des Gegners auf unfern Stellungen, das von uns auf das feindliche Lager erwidert wurde. Eine nach dom Jordan-Brückenkopf marschierende Kavallerie-Kolonne wurde wirksam durch unsere Artillerie beschossen. Unsere Kavallerie vertrieb auf dem Ostjordan-Ufer eine Abteilung feindlicher Reiter und stieß bis -um Brückenkopf von Mcndefle nach. In den letzten Tagen erlitten die Rebellen eine Reihe mpfind- llcher Schlappen. Nordwestlich Kalot el Hefa schlugen wir auf- » ständische Ba^en in regellose Flucht und Zogen in Tafile ein, wo unsere Truppen von den Scheichs und der Bevölkerung freudig begrüßt wurden. Eine von Maan nach Norden entsandte Aufklärungsabteilung warf die Rebellen nach blutigem Kampf und nahm einen Offizier und zwanzig Mann gefangen. Es wurden einige Maschurengewehre erbeutet. Bei Medina wurde ein Rebellennest von uns ausgehoben. Weiter nördlich wurde ein Angriff auf unsere Postierungen abgeschlagen. Aus den übrigen Fronten ist die Lage unverändert. 17 009 Tonnen verdenkt. Torpedolreffer mf einem englischen Kreuzer Berlin, 9. Sept. (4VTB. Amtlich.) Unsere U-Boote versenkten im Sperrgebiet des Mittelmeeres 17 000 Brt. Handels- fchiffsraums, darmrter den beladenen englischen Munitions- transportdampfer ,.M arle Susann e", (3100 Bruttoregister- tonnen) im Aegäischen Meer, den ftanzösischen Truppentransportdampfer „Pampa" (4471 Brt.) auf der Reise von Marseille nach dem Aegäischen Meer und den französtschen Postdampfer „Ballan" (1700 Brt.) aus dem Wege von Frankreich nach Korsika. Mit diesem glirgen nach einer feindlichen Zeitmrgsmel- dung 500 Soldaten unter. Ein deuffches U-Boot drang in den durch Sperren geschützten Hafen Stavros (ägäifch) ein unb erzielte einen Torpedotreffer auf einem englischen Kreuzer der „Iuno"-Klafle (5700 Tonnen). Trotz heftiger Gegenwehr ge- lang cs dem U-Boot, unversehrt den Hafen wieder zu verlaflen. Der Chef des AdmiralstadcS der Marine. OtßkrmM-illilieMjts Zttgefchl. Mien, 10. Sept. (WB.) Vom Kriegspreflequartier, Ma- rinefektion, wird amtlich verlautbart: Am 5. September wurde das Torpedoboot 86. Kormnandant Linienschiffsleutnant Far- foglie, das Zwei kleine Minensuchboote deckte, etwa 20 Seemeilen von Madua von neun italienischen Flugzeugen angegriffen, die zwanzig Boinben ergebnislos abwarfcn und lebhaftes Maschinengewehrfeuer unterhielten. Bald darauf kamen im Südwesten zwei italienische Torpedobootzerstörer Typ „Ostro" in Sicht. Das Torpedoboot 86 wendete zugleich in Südkurs gegen den auftauchenden Feind, um den ungeschützten Minensuchbooten Gelegenheit zu geben, unter Küste zu laufen. Die beiden feindlichen Torpödofahrzeuge wendeten trotz überlegener Geschwindigkeit gleichfalls gegen Süden. Es entspann sich ein lebhaftes Feuergefecht auf 3000 Meter als kleinstem Abstand. Erst als im Nordwesten noch drei italienische Torpcdofahrze-uge von Typ „Indocuito" in Sicht kamen und die Uebermacht auf mehr als das zehnfache gefffegen war, wendete das Torpedoboot, um nicht abgeschnitten zu werden, gegen Madua, wo es nach einem halb- stündigen Gefecht, währe,rd deflcn wiederholt feindliche Flugzeuge eingriffen, ohne Beschädigung oder Verlust einlief. Die Minensuchboote konnten dank der Aufopferung des Torpedobootes 86 ungefährdet den Hafen erreichen. Es bleibt abzuwarten, in welcher Weife der italienische 4Vdmiralstab diese Aktion — fünf stärkere, an Geschwindigkeit bedeutend überlegene Torpedobootzerstörer gegen ein österreichisch-ungarisches Torpedoboot — umdeuten wird. Die Schlacht im Westen. Vor der Hlndenburglinie. Genf, 10. Sept. Die Militärkritiker des „Journal des dö- bats", der „HumanitL" und des „Journal du peuple" schreiben, daß der allgemeine Vormarsch der verbündeten Heere an dem eisernen Wall der deutschen Hindenbuvglinie zum Stillstände komme. Deshalb fe-i die Zeit da, daß die Kammer mehr als je den Anstoß gebe, um nach den Siegen für Frankreich auch das Ende der Kämpfe herbeizuführen. Daß das „Journal du peuple" zum ersten Male fast bödiirgungslos für einen Abschluß der Kämpfe eintritt, während die Sozialistenblätter diesen Standpunkt schon früher eingenommen hatten, wird viel beachtet . ! Die deutsche Verteidigung. Genf, 0. Sept. Nach einer Havasnote waren die Stadtgebiete von A r r a s und Hazebrouck noch gestern heftigstem deutschem Geschiitzfeuer ausgesetzt. Amiens wurde neuerlich mit deutschen Fliegerbomben beworfen. Ferner versichert die Havasnote. es hätte bisher nicht in den britischen Absichten gelogen, d:e den Stadtbezirk Lens haltenden gegnerischen Ma. schinengewe-br- und Sch ükencrb teil ungen anzugveisen. Dir 8 deutsche Verteidigung erstrecke sich von Lens bis S.-l! . ^ Völliger Vernichtung verfielen die Städte Vaitleul Der „Lyoner „Progres" meldet von der fcritin', Die Stadt Lens, deren Einnahme durch die bril> pen Reuter schon vor acht Tagen fälschlicherweise g" . ' ' h ist nach wie vor im vollen Besitz der deutschen Havasmitarbeiter berichtet von der französischen' Fr> deutsche Widerstand, der bereits wuchtig fei, ständig v.:; je mehr sich die Armee Mangin im Westen des Wald ^ v " Gobain der Umgebung der Hindenburglinie nähere B-fand- r- | heftig fei der Widerstand im Osten von Quiney-La Balfte. tr t die französischen Truppen dicht vor den Hindenburglinien stän den. Das deutsche Artillericseuer nehme dauernd an Heftigkeit zu. Wir sämtliche Zeitungen melden, steht die Stadt La Fen vollständig in Flammen. Prinz Adglbrrt von SMn-Weiuiin refallrn. Berlin» 10. Sepckt. (WB.) In den letzten Kämpfen n? der Westfront ist Prinz Adalbert von Sachsen - Wei - mar, Rittmeister im Kürassier-Negiment Königin (Pommer, sches) Nr. 2 gefallen. Der Prinz ist ein Sohn des in Heidel- berg lebenden Prinzen Wilhelm von Sachsen-Weimar, Megrrlentnattt Dar. München, 10. Sept. Bei dem letzten Luftangriff auf Karlsruhe gelang es dem Vizefeldn''ebel Emil Bär aus Fri^drichs- weiler im ba-difchen Schwarzwalde, einen englischen Geschwader, chef abzuschießen. Seine Kampfstaffel schoß aus deflen Geschwader fünf Flugzeuge heraus. Bär nnirde für Tapferkeit zum Oft fizier befördert und zum Eisernen Kreuz 1. Klaffe vorgeschlagen Der Kaiser bei Krupp. Effen. 10. Sept. Der Kaiser traf gestern nachmittag um ? Uhr 15 Minuten mit Gefolge zum Besuch auf Hügel ein. wo er von Herrn und Frau Krupp von Bohlen und Halbach empfanden wurde. Im Gefolge des Kaisers befanden sich auch Kriegs- Minister General der Artillerie o. Stein, General der Infanterie v Gayl, der Stellvertretende Kommandierende General des 7. Armeekorps und der Oberpräsident v. Groote. Der Kaiser ftchr hierauf in Begleitung von Herrn und Frau Kn,vp von Bohlen und Halbäch zur Besichtigung der Gußstahlfabrik. Graf Durian über den Frieden. Wien, 10. Sept. (WB.) Bei dem Empfangabl?nd. den der Wiener Journalisten, und Schrfftsteller-Berein „Concordia" heute zu Ehren der in Wien weilenden Vertreter der reichsdeut, fchen Presse veranstaltete, begrüßte zunächst der Präsident des Vereins, Dr. Ehrlich, die Gäste, worauf der Minister des Aeuße- ren, Graf SZurian, eine Ansprache hielt: Er sagte zunächst d-n Vertretern die üblichen Verbindlichkeiten, dann feierte er das deutsch-österreichische Bündnis, das einen ehrenvollen Frieden sichern solle. Er fährt dann fort: Ernst ist der Augenblick, meine hochgeehrten Herren, in web chem Ihr Besuch bei uns fällt. Wir wiflen es hoch einzuschätzen daß Sie in einem solchen Augenblick zu uns kommen. Große Sorge drückt uns, aber wir kennen keine Verzagtheit. Sie kön* neu sich hier überzeugen, daß wir ebenso wie in Deuffchland ohne Furcht und Ilebcrmnt aufrecht im Nerteidigungskampse stehen und jede Verantwortung ablehnen, für deflen uns vom Feinds gänzlich nutzlos und verbrecherisch aufgezwungene Ver. längevung. Kein Teil kann big zum Ende des Krieges des Ausganges sicher fein, aber es ist von keinem Teil zu erwarten, daß er auf die Möglichkeit des militärischen Sieges verzichtet. Das Eine jedoch ist sicher, daß es noch furchtbar viel Blut und unendliche Zerstörung kostbarer Güter unserer gequälten Erde kosten müßte, bis das Ende durch ein militärisches Niederringen des Gegners erreicht würde, wenn dies überhaupt möglich ist. und es fragt sich, ob der Gedanke nicht ein Frevel an der Mensch, heit ist, den Bau des historisch Gewordenen» der gewiß hüben und drüben verbeflerungsbedürftig. ober auch verbeflerungs- fähig ist. ganz niederrcißen zu wollen, um auf den Trümmer« das Zukunftsparadies anzulegerr, das aber den Fehler hat, nach der Vernichtungsmechode unserer Gegner nur mit viel zü großen Opfern^ geschaffen werden zu können. Man zähle di« bisherigen und denke an die noch kommenden Hekatomben die» fes Krieges und frage sich, ob es verantwortet werden kann, uiy fvlchen Preis Krieasziele erzwingen zu wollen, wenn Das Prinzip der Gerechtigkeit /» rorangestellt wird, ohne auch nur zu prüfen, ob nicht bei billiger Anwendung jenes Prinzips cruch cchne Fortsetzung des ganz zwecklos gewordenen Zerstörungswerkes eine Verständigung erreicht werden könnte, wie fie unseren Gegnern wiederholt ange- boten wurde. Es ist nicht denkbar, daß selbst die zuversichtlichste Hoffnung auf den Endsieg es der gegnerischen Seite gestatten könnte, sich auf die Dauer der Uederlegung zu verschließen, ob sie dennoch weiter die ungeheuersten Anstrengungen und Opfer rechtfertigen kann, um Prinzipien durchzusetzen, die nicht ihr Monopol sind, oder um die inneren Angelegenheiten anderer Völker zu ordnen, die das ganz gut besorgen können. Ich glaube, eine sorgfältige und aufrichtige Prüfung würde viel auf der anderen Seite zu der Einsicht bringen, daß man dort vielleicht für imaginäre Dinge kämpft. Meine hochgechrten Herren! Es mag eine uirdankbare Sache sein, dem Gegner seine eigene Einsicht vermitteln zu wollen. Der feindliche Verband kann sich aber, wenn er will, leicht überzeugen, daß er in allen Fragen der Menschlichkeit und Gerechtigkeit der zukünftigen Völkerbeziehungen bei unserem Bunde keinem Widerstande, sondern eigenem Fortschrittsbedürfnis begegnen wird, ebenso aber auch dem Entschlüsse, für unser gutes Recht uns auch weiter standhaft einzusetzen. Unsere Gegner mögen nur dazu Gelegenheit geben in ruhiger Rede und Gegenrede. Es ließe sich an irgend eine direkte informative Aussprache ‘ denken, die noch längst keine Friedensoerhandlung wäre, alles zu erörtern und abzuwägen, was die kriegführenden Parteien heute von einander trennt, und es wird vielleicht keines weiteren Kampfes bedürfen, um sie einander näher zu bringen. Meine hochverehrten Herren? Ich wollte Ihnen keine wesenlosen Friedansaussichten Vortäuschen in einem Augenblick, wo noch das Kriegsfieber die Welt schüttelt, ich mußte aber vor Ihnen vom Frieden sprechen, weil wir ihn alle ehrlich wollen. Gewiß ist, daß in allen feindlichen Ländern eine stets zunehmende Anzahl von ähnlich Denkenden besteht. Wir wollen zu gegenseitiger Berstäirdigung nach Kräften beitragen und die Wege ebnen helfen mit versöhnlichem Sinn, aber, solange es not tut, ausharren in treuer, entschlossener gemeinsamer Abwehr. Rußland. Englisch-französischer Mißerfolg. Petersburg, 8. Sept. Nach einer Meldung des Blattes „Norfke-Mune" wurde bei Tegry eine 500 Engländer und Franzosen starke Abteilung von den Rüsten vernichtend geschlagen. 8 Maschinengewehre, 50 Wagen Munition wurden erbeutet. Die „Rote Zeitung" bringt eine Meldung, wonach in Rifhni Nowgorod ein Konzentrationslager für 5000 Personen eingerichtet wird, die als Bürgen für weißgardistifchen Aufstände dienen sollen. Rach derselben Zeitung führen die Engländer im Murmangebiet die Zwangsmobilisation aller Männer im Alter von 18—40 Jahren durch. Me Rußland Mer seine rijemaüGen Verbündeten Die Moskauer „Prawda", Rr. 162 vom 3. August, schreibt: „$ie Sozial-Revolutionäre und Menschewiki suchen die russischen Arbeiter in die Armee „unserer Verbündeten" zu ziehen. Sie fordern zum Uebertritt auf die Seite der Tschecho-Slowaken auf. die von den Franzosen bestochen sind. Sie rufen zum Kampfe gegen die Deutschen auf. Was bedeutet aber ein solcher „Volkskrieg" in einem Bündnis mit den Franzosen und Engländern gegen die Deutschen? Der Volkskrieg ist in Wirklichkeit ein imperialistischer Krieg. Es ist der Krieg für die Raubgelüste der Engländer auf Klein-Asien, sowie auf Persien und Teile der deutschen Kolonien. Es ist der Krieg für die Raubgelüste der Franzosen auf Elsaß-Lothringen und die übrigen Teile der überseeischen Besitzungen Deutschlands. Es ist der Krieg, der den Amerikanern Süd-Amerika ausliefert. Er gibt den Verbündeten die Herrschaft über die Land- und Seewege. Nicht nur die Ueberreste Deutschlands und Oesterreichs, sondern auch Rußlands sollen von den Verbündeten eingesackt werden. Das ausgesogene Rußland soll eine Kolonie, Erbgut des verbündeten Kapitals werden. Eben darum, iirdem sie die Rüsten mit sich in den Krieg zu reißen suchen besetzen die Verbündeten in erster Linie die nördlichen Teile Rußlands. Das ist kein Krieg, sondern eine bloße Auslieferung an die Blutegel des französischen Kapitals. Die frarpMche? Wucherer fordern von dem freien Volke die Zahlung der Zarei.. schulden. Um Milliarden Zinsen aus ihm herauszusaugen, rauben sie das Murmangebiet, nehmen sie das Weiße Meer. Mit den Einkünften der Zollämter, Häfen, Eisenbahnen und der nördlichen Wälder wollen sie die Schulden decken. Sie fordern die den französischen Kapitalisten abgenommenen Werke und Fabriken zurück, und werden auch noch andere Reichtümer an sich reißen. ; Um überhaupt kämpfen zu können, wird man dann von neuem bei 1 tfnen borgen müssen. Das bedeutet aber, mit dem Kopf voraus in die Fangarme des Polypen laufen." W'M hm in rinn W. Es besteht bekanntlich die Befürchtung, daß den in den Kriegegefellschuften tätigen Personen ihre genauere Kenntnis >' der für später geplanten Maßnahmen sehr zustatten kommen * dürfte, daß aber diese Tätigkeit auch dazu dienen könnte, nahestehenden Firmen Einkaufsmonopole — wenn auch nur indirekt — zuzuführen, hätte man eigentlich nicht erwarten sollen. In ihrer Nummer vom 27. Juli teilte die „Allgem. Produkten^zei- tunq" in einem längeren Artikel „salus publica“ mit: "Die Abteilung Knochen und Leim beim Kriegsausschuß ! kür Ersatzfutier wird bekanntlich von Herrn Martin Strauß, ' Mitinhaber der Firma Gebrüder Strauß in Frankfurt a. M.. geleitet. Als Leiter dieser Abteilung hat Herr Martin Strauß keiner Firma Gebr. Straub das Monopolrecht für den Einkauf gewisser Rohstoffe, in erster Linie Leimleder, für Bulgarien, Rumänien, Holland und die Türkei verliehen." Nach fünfwöchigem Warten wird jetzt am 6. September in dem genannten Blatte vom Kriegsausschuß für Ersatzfutter tim Berichtigung veröffentlicht, die feststellt, daß Herr Martin Strauß nur Leiter der Abteilung „Knochen" ist und dann als richtig rugibt, »daß der Leiter der Eesamtabteilung» zu der u. a. die Sektionen „Knochen" und „Leimleder" gehören, im Jahre 1916 Verhandlungen mit der Firma Gebr. Strauß geführt hat und zu bestimmten Vereinbarungen hinsichtlich der Einfuhr aus-, ländischen Leimleders gelangt ist." Also formell ist nicht der Leiter der Abteilung „Knochen" sondern der Leiter der Eesamtabteilung nach außen verantwortlich für die „bestimmten Vereinbarungen hinsichtlich der Einfuhr ausländischen Leimleders". Weshalb drückt sich der Kricgsausschuß für Ersatzfutter denn nur so unbestimmt über die „bestimmten" Vereinbarungen aus? Mag er doch zur Entkräftung des gegen Herrn Martin Strauß erhobenen Vorwurfs Antwort darauf geben, welcher Art die „bestimmten Vereinbarungen" mit der Firma Gebr. Strauß sind und auf welche Gebiete sie sich beziehen. Durch die jetzige Berichtigung wird die Sache erst wirklich aufklärungsbedürftig. Es handelt sich hier um eine so wichtige grundsätzliche Seite unserer Kriegswirtschaftsorganisationen, daß die breitere Oefsentlchkeit wohl einen Anspruch auf restlose Aufklärung hat. heileres Mer nnlere KrikgsimWsien. Ein hübsches Zerrbild, das aber als ein Stimmungsmesser recht bezeichnend ist, bringt die „Jugend". Wir müssen uns leider versagen, das Eefch-chtlein unverkürzt zu bringen, müssen uns vielmehr auf einen Auszug beschränken. Also: „Ganz Berlin hatte geflaggt: Die 1000. Kriegsgesevschast war soeben begründet worden und dieser Sieg moderner Rationierungs- kultur mußte natürlich gebührend gefeiert werden." Mit Mühe gelingt es einem Bürger zu der Feier, der Eröffnung der „La- vag", so nannte sich, einem neuen scheußlichen Brauch folgend, die Gesellschaft, zu gelangen. Ein feiner Herr, dessen Verdienste durch zahlreiche Orden anerkannt waren, empfängt ihn und es entspinnt sich folgendes Gespräch: „Ah," sagte der Besucher hochachtungsvoll und ergebenst, „Sie also haben dies kolossale Unternehmen unter sich?" „O nein," wehrte er geschmeichelt, aber bescheiden ab, „ich bin nur der fünfte Dizesubdirektor. Im ganzen sind wir dreizehn Vizesubdirektoren. Ueber uns stehen zehn Subdirektoren, sieben Vizedrrettoren, fünf Direktoren, drei Oberdirektoren und ein Generaldirektor mit dein Titel Exzellenz." „Um Eotteswillen," staunte ich, „wozu brauchen Sie nur soviel leitende Beamte?" „Aber, mein Herr," murrte er und sah mich mißbilligend an, „wer soll denn die ungeheuren Tantiemen verzehren, die das Unternehmen abwirft? Überdies haben wir noch erheblich mehr Beamte. Da sind 28 Abteilungschefs, etwa 40 Prokuristen und mehrere hundert Buchhalter, Sekretäre, Kassierer — die Tippftäuleins, Telephonisten, Laufburschen usw. gar nicht zu zählen?" „Ungeheuerlich," murmelte ich, noch hochachtungsvoller und ergebener als vordem. „Wie gewaltig muß dann erst Ihr technisches Personal sein!" „Technisches Personal?" lächette der Herr Direktor. „Köstlich? Was so das Publikum alles von einem verlangt! Die Technik kommt natürlich erst am Schluß — oder Sie müssen gerade Tischler, L^erarbeiter, Dekorateure usw. zum technischen Personal rechnen, die uns mit Klubsesseln, Billards und ähn. lichen notwendigen Sachen versorgen. Doch halt, einen Ingenieur haben wir allerdings schon angestellt." In dieser Tonart geht es weiter. Der Herr Vizesubdirektor stellt noch fest, daß das Unternehmen in der Zukunft begründet sei, eben sei die Hauptsache, daß die Gesellschaft ein schönes Hotel mit zahlreichen prächtigen Räumen erworben habe und die Beamten ihre Geyälter bezögen. Beleidigt antwortete er auf die Frage, was er eigentlich zu tun habe. „Zu tun, zu tun? Groß, artig! Was sollen wir denn zu tun haben? Doch das gleiche, was meine Kollegen zu tun haben, nämlich gar nichts. Und außerdem bin ich Auffichtsrat mehrerer anderer Krieqsgefell- schaften, meine Zeit ist also genügend ausgefüllt." Doch der Herr Vizefubdirektor muß zum Festessen, es gibt dort zwölf Gänge, Suppe und Nachtisch nicht mitgerechnet, der Herr Ingenieur Leuchter vertritt ihn und erläutert das Wesen der „Luoag" das heißt: „Lust-Verwertungs-Aktiengesellschaft". „Die Luft ist das dem Menschen notwendigste, nützlichste und — bisher wenigstens — billigste Element. ' Man braucht sie 1. chemisch-biologisch zum Atmen, 2. physiko-mechanisch zum Bewegen von Mühlen, Motoren, Segelschiffen usw., 3. iechno- logssch für den Verkehr der Flugzeuge, Lenk- und Freiballons, 4. industriell zur Erzeugung von Stickstoffdünger, Munition usw.' und 5. medizinisch zu Heilzwecken, insbesondere bei Erkrankungen der Nerven und der Atnrungsorgane. Da wir in Deutschland geradezu unbegrenzte Mengen dieses kostbaren Stoffes zur Verfügung haben, können wir sagen, daß unsere Zukunft gewissermaßen in der Luft liegt. Trotzdem ist sie bisher merkwürdiger- und törichterweise nicht rationiert gewesen. Vielleicht aus Besorgnis, daß wie bei den anderen Kriegsgefellschaften sofort nach erfolgter Rationierung der betreffende Stoff. ausgehen und es in diesem Falle also Luft nur noch von hinten herum geben würde. Das ist jedoch nicht zu befürchten. Jeder unserer Herren Direktoren ist ein ausgebildeter Luftikus; keinem von ihnen wird je die Puste ausgehen. So ist es denn der Zweck unserer Gesellschaft, die Luft zu rationieren. Es werden Karten zum Luftverbrauch ausgegeben. Jede Person erhält einen Zähler, den sie dauernd bei sich zu führen hat. Zuwiderhandlungen werden mit vier Wochen Gefängnis oder 10 000 Mark Geldstrafe geahndet. Das Letztere ist uns lieber, da wir große Ausgaben haben. Der Zähler registriert nun die Anyahl, Lange und Intensität der Atemzüge und stellt genau den Verbrauch an Kubikmetern fest. Jeder Person wird nach Alter und Beruf eine bestimmte Menae Luft zn billigem Preise zur Verfügung ae- stellt, wobei für die Atmung durch die Saut eine Pauschalsumme zu entrichten ist. Wer mehr verbraucht, zahlt Strafe. Das Letztere ist uns lieber, da wir große Ausgaben haben." Der Besucher ftagt: „Was erhalten denn Sie für einen Schalt?" lich ein. „O," Wetterte bet &err Ingenieur, „125 Mark den Monat — ich bin ja nur Ingenieurs „Und Dividenden?" Leider nein, die sind für die Herren Direktoren reserviert Doch soll ich bei guter Führung 50 Mart Teuerungszulage be- kommen." „Im Monat?" fragte ich. „Wo dmken Sie hin?" dienerte er. „Im Jahr natürlich! Doch kann ich nach längerer Dienstzeit zum Arbeiter der„Luvaq"- Werke avancieren und verdiene dann das sieben- bis achtfache meines jetzigen Gehaltes." „Und was mag so ein Suboize .... nein, Vizesubdirektor beziehen?" „Auch nicht viel," dienerte er; „höchstens 15—20 000 Mark, ohne die Tantiemen natürlich. dis erheblich sind. Aber leider' wir können zu Anfang noch nicht viel zahlen, da wir große Au-> gaben haben. Dies Festessen heute zum Beispiel . . Ich schüttelte meinem Führer dankbar die Hand. Zum Schluß folgt die Frage: „Verzeihung Herr Ingenieur! Roch eine Frage, Herr Ingenieur. Wie lange mag sich bas deutsche Publikum diesen Schwindel noch gefallen las. sen?" Da richtete sich der Ingenieur kerzengrade empor: ..Das deutsche Publikum?" rang er nach Atem. „Das deutsche Pub- lrkum? Mein Herr, das deutsche Publikum ist uns - ist uns Luft!" Verschiedenes. Amerika ohne Vier. Reuter meldet aus Washington: Die Lebensmittelverwaltung hat angeordnet. daß alle Brauereien am 1. Dezember schließen müssen und Vier und andere Mais, getränte vom Markte zu verschwinden haben, sobald die Vorräte aufgebraucht sind. Eierlegen unter Aufsicht. Vor dem Schöffengericht in Wermelskirchen stand der Hammerschmied K., weil er als Geflügelhalter seiner Verpflichtung zur Ablieferung von Eiern nicht nachgekommcn sein soll. Das Gericht erkannte auf Freisprechung, dem Anträge des Amtsanwalts folgend, der selbst erklärte, daß es schwierig, ja fast unmöglich sei. den Hühnerbesitzern nachzuweisen, daß sie so und so viele Eier abliefern könnten, es sei denn, daß jedes Huhn die Eier unter Aufsicht legen müsse; eine derartige Dressur habe man aber den Hühnern bis. her nicht berbringen können. Wie mau in der demokratischen Schweiz über die Demokratisierung Deutschlands denkt, darüber ein lehrreiches Beispiel. Vor uns liegt die Nummer eines kleineren Schweizer Blattes das „Der Limmattaler" heißt und im Kanton Zürich erscheint' Untertitel: „Freisinnig-demokratisches Organ". Darin findet sich ein Artikel „Der Abgang Kühlmanns": der Verfasser sagt am Schlüsse wörtlich: „Der Reichstag wollte der Welt allen WUsonphrafen und Hetzereien der Ententepresse zum Trotz beweisen, daß Deutschland parlamentarisch regiert werden könne. Er ist damit eigentlich einem Tvick der raffinierten gegnerischen Stimmungsmache glatt aufgesessen. Das parlamentarische Regime ist, während ganze Nationen auf Tod und Leben ringen und äußerste Konzentration das höchste Gebot heißt, nicht nur überflüssig, sondern sogar gefährlich. Darum scheidet es sich auch virtuell bei allen Kriegführenden automatisch aus. Der Reichstag mag am Problem der Demokratisierung Deutschlands im Frieden arbeiten, wenn feine Stunde gekommen sein wird. Jetzt ist zu sülchen Experimenten kerne Zeit, dazu steht für das Reich denn doch zu viel auf dem Spiel!" Gegen die Dmangsm'rilchnft. Der Hamburger „Ausschuß für den Wiederaufbau der Friedenswirtschaft veröffentlicht eine Erklärung, in welcher die deutsche Geschäftswelt davor gewarnt wird, von zwangswirt- fchaftliu,en Maßnahmen für die Uebergangswirtschaft vorteilhafte Wirkungen zu erwarten. Zugleich erhebt er „in all« 66P oder* . Uhr braucht die ^ Millionen J Wotan.- f Jeder fÜektro -Jnßallai2U& Weiß es In Friedberg: zu haben bei: Fr. Fuenriellnjir, Elektrotechnisches Büro; Willi. Ad« ließ, Schlosserei und Installationsgeschäft; Karl Lfiüke. Installationsgeschäft Entschiedenheit seine Stimme dagegen, daß dem Vunidesrat ein neues Ermächtigungsgesetz für Maßnahmen der sogenannten Uebergangswirtschaft bewilligt werde." Der Hamburger Ausschuß, dessen Vorsitzender bekanntlich Generaldirektor Dallin ist, erklärt sogar die Absicht, nach dem Beispiel der östlichen Ftte- densoerträge auch anderweitig Nohftofflieferungen vcm Staat zu Staat auszubedingen, als ein Zeichen dafür, daß „die Befürworter dieses Gedankens die weltpolitischen Verhältnisse und Interessen völlig verkennen." Hierin gehen die Hamburger n .hl zu weit; im übrigen aber wird man ihre Warnung, der Bureaukratie auch noch unsere Uebergangswirtschaft in die Hand zu geben, nur sehr beherzigenswert finden können. Stadl und Land. Wie wenig objektiv manche Großstädter, ohne jeden bösen Willen, dem Lande gegenüberstehen, zeigt ein unter dem obigen Stichwort veröffentlichter Leitartikel in Nr. 244 der „Leipziger Neuesten Nachrichten". Der Artikel geht von der Auffassung aus, daß das Land für die Schwierigkeiten verantwortlich sei, denen die erholungsbedürftigen Städter jetzt in Kurorten und Sommerfrischen begegnen. Dabei wird deckt Bauer vorgehalten, er nehme von den Nahrungsmitteln sein Teil Vottveg, und nehme es „reichlich", ehe er an andere abgebe: dem Städter mangele jetzt auch das, was in einem bäuerlichen Haushalt überhaupt Voraussetzung bildet, Milch, Butter. Fett, Mehl, Eier, Kartoffeln usw. Daß der Bauer ron den Nahrungsmiteln reichlich für sich vorwegnehme, ist ebensowenig zutreffend, wie die Schilderung von dem, was in seinem Haushalte reichlich oder doch genügend vorhanden sein soll. Der Verfasser des Artikels müßte doch wissen, daß der Landwirt in Hauptlebensmitteln heute so streng rationiert ist. daß es ihm gar nicht möglich ist, „reichlich" für sicki vorwegzunehmen; ja, daß er in den beiden aller- wichtigsten Lebensmitteln, in Korn und selbst in Kartoffeln, in gewissen Zeiten dieses Jahres sogar schlechter gestellt war als Teile der städtischen Bevölkerung. Damit soll natürlich noch in keiner Weise bestritten werden, daß der Bauer im ganzen genommen mit seiner Ernährung besser daran ist als der Städter; will man ihm aber Vorhaltungen machen, dann sollte man sich doch sorgsam an die Tatsachen halten; andererseits muß begründeter Widerspruch und müssen schädliche falsche Vorstellungen erweckt werden. Die Harrptsache aber ist, daß der Artikel des Leipziger Blattes seine Adresse völlig falsch gewählt hat. Die Kurorte und auch die Sommerfrischen sind doch nicht „das Land"; auch der Bauer, der in einfacheren Sommerfrischen an Gäste vermietet, ist vorwiegend kein echter Bauer mehr. Ueberdies aber sind die Sommerfrischen und Kurorte selber ja — von Ausnahmen abgesehen — gar nicht die Urheber der Einschränkungen. Das sind vielmehr die mit der Durch führung unseres Ernährungssystems befaßten Verwaltungsbehörden, die hier wiederum in keiner Weise „das Land" dar- stellen, auch wenn sie Landrate sind; und die diese Einschränkungen deshalb verfügen, weil sie sonst das amtlich angeordnete Ernährungssystem, dessen Durchführung ihre Amtspflicht ist, durc^uführen nicht in. der Lage sind. Dieses Ernäbrungssystem aber ist doch ganz gewiß nicht vom Lande geschaffen; vielmehr ist es nach dem Wunsch und unter dem maßgebenden Einfluß städtischer Konsumenten- kreise dem Lande auferlegt worden. An diese städtischen Konsumentenkreise also sollte das Leipziger Blatt sich füglich halten. Ferner beschwert sich der Artikel darüber, daß die Landbewohner „scharenweise" in die St.dte strömten urrd dort Textilwaren in Mengen aufkauften, so daß für den Städter nur noch wenig und zu teure Ware iibrigbleibe. Geld hätten die Landleute ja genug, und Bezugsscheine auch. Sollten wirklich an manchen Landorten mehr Bezugsscheine gegeben werden, als den Vorschriften entspricht — eine Erscheinung übrigens, die nicht erst eine Erfindung des Landes ist —, so ist nattirlich Abhilfe unbedingt erforderlich. Im übrigen aber gibt die Beschwerde doch ein geradezu grotesk falsches Bild. Als die ersten großen Einschränkungen im Verka-uf von Texttlwaren, Lederwaren usw. gettoffen wurden, waren es doch gewiß nicht die Landwirte, sondern städttsche Kreise, die sich reichlich und teilweise überreichlich versorgten, eh-e die ein^chränkendenVerordnungen in Kraft ttaten. Der Land- Wirt ist überhaupt nicht so schnell mit derarttgen Käufen, Pflegt ja auch, von einer verhältnismäßig kleinen Schicht abgesehen, seine Sachen länger zu tragen als Städter in gleicher Einkommenslage. Wenn jetzt wirklich auffällig viel von Landwirten in der Stadt gekauft werden sollte, dann würde das in erster Linie wohl ein Zeichen dafür sein, wie sehr das Land von Textilwaren entblößt ist. Ausnahmen werden Vorkommen. aber schwerlich besonders zahlreich sein. Wenn nun das genannte Leipziger Blatt meint und das offenbar als Entgegenkommen gegen das Land auffaßt, daß trotzdem nicht davon die Rede sei, dem Platten Lande den Bezug solcwr Waren in der Stadt zu sperren, so ist das sachlich wie logisch unrichtig gedacht. Der Landwirt hat hier nur b ■! r ' Mrfcftcn Markt zur Verfügung, ebenso wie der Städter für seine Ernährung nur das Land. Wir wüßten ober auch nicht, daß vom Lande aus als Gegenmaßregel gegen unberechtigte Hamsterei in Lebensmitteln irgendwie «nd irgendwo eine Nahrungsmittelsperre angeregt worden Vr. Die Frage solcher Sperren überhaupt aufwerfen, heißt slso bedenklich falsche Auffassungen in städtischen Kreisen Hervorrufen Im Anschluß daran wird gesagt, das Ergebnis der Alt- iklerdersamnilungen sei nach den bisherigen Meldungen aus dem Lande erheblich geringer als in den Städten. „Sollte aber nicht gerade für die Landwirtschaft in erster Linie gefummelt werden?" Wenn das Ergebnis auf dem Lande tatsächlich geringer ist als in den Städten, so liegt das wohl an per oben geschilferten Sachlage, braucht also d,airchcnrs keine geringere Gebefreudlgkeit des Landes zu beweisen!." Datz aber der zweite Satz geschrieben werden konnte, ist doch schwer verständlich' da eigentlich jedermann weiß, daß die Altkleidersammlung erster Lime" fiir die Rüstungs- arbeiter geplant war. ' Ob das Leipziger Blatt nach allem den richtigsten Weg gewählt hat, das gegenseitige Verstehen zwischen Stadt und Land zu fördern, erscheint eingermaßen zweifelhaft; und hier handelt es sich noch um leidlich grünes Holz. Den toten Helden! (An der Westfront.)' Schweigend liegen hier die Gräber. Totenblumen nicken müd', Ob den ewig stunimen Schläfern Lang ersehnter Friede blüht? Za, sie wollten, rechten Frieden Mitten in dem Kampfgewühl, Wollten retten deutsche Ehre — Mancher ]ant ins Gras und fiel. Alle sahen dem grausen Tode Doller Mut ins Angesicht. Alt und jung, sie all zusammen Bangten und verzagten nicht. Nun so ruhen fern die Braven „ . . Keine Trane netzt ihr Grab, Manches Glück ward hier zu Scherben, Manche Hoffnung sank hinab. . . , Doch die Zungen sollen's künden Derer, die die Leimat sebn. Was die Treuen überstanden. Nimmer wird ihr Ruhm verwehn? Zm Felde. Albert Wolf, Dzfw. d. Res. Erhöhung der Brotration. Berlin, 10. Sept. Es besteht die Absicht, vom 1. Oktober ab die Brotration wieder auf den alten Stand zu bringen, derart, daß die Mehlration wieder auf 200 Gramm festgesetzt wird Außerdem sollen aber zehn Prozent Streck- «ngsmittel gegeben werden. Felde der Ehre. FriedSerg-Fauerbach. 11 . Sept. Dem Obermattosen Heinrich Stumpf, in einem Marine-Znfanterie-Regiment, wurde das Kriegsehrenzeichen verliehen. Mit dem Eisernen Kreuz und der Hessischen Tapferkeitsmedaille wurde er schon früher ausgezeichnet. Ans der Heimat. »Baltisches Erleben während der Kriegszeit" betitelt sich der Vortrag, welcher am 1b. September in Friedberg von Frl. Agnes Seesemann gehalten wird. Die Vortragende ist Kurländerin und lebt in Riga, wo sie die ganze Kriegszeit und die Einnahme der Stadt durch die deutschen Truppen mitgemacht hat. Uober ihren Vottrag schreibt man uns aus Weimar: „Er erntete wie in anderen Orten lebhaften Beifall und ließ in den Zuhörern jene Ergriffenheit zurück» die man gegenüber den Erlebnissen anderer empfindet, welche durch die Art der Mitteilung zu eigenem Erleben wurden. Zn redegewandter Sprache, in welcher ein Anklang baltischer Mundart nicht störte, im Gegenteil der Äußerung eigensten Erlebens nur vorteilhaft war, zeigte die Nednettn uns in abgeklärter Einfachheit auf historischen Aufbau gegründet, Bilder aus der jüngsten Zeit der Befreiung der Ostseeprovinzen durch die deutschen Waffen. Man muß diese Dinge von der Vottragenden selbst hören, um sie so vollauf als eigene Erlebnisse mitzufühlen, wie es ihre Hörer taten. — Zn überaus geschmackvoller Auswahl verwob sie in die eigenen Schilderungen ergreifende Dichtungen aus dem poetisch gesteigerten Momentempfinden allerneuester und vergangener Zeiten". An dem Abend werden noch Schülettn- nen der SchilLerschule Mitwirken und einige Gedichte und Chöre zum Vortrag bringen. — Der Preis der Eintrittskarten betrugt 1 Mark. Cie find im Vorverkauf zu haben in den Buch- handl'i'ngen von Bindernagel und Scriba. Vad-Nauheim, 10. Sept. Achtes Philharmonisches Konzett der Kurkapelle Donnerstag, den 12. September unter Mitwirkung der 1. Altistin vom Frankfutter Opernhaus, Fräulein Magda Spiegel. Leitung: Hofrat Professor Hans Winderstein. Die Vortragsordnung enthält in ihrem ersten Teile nur Kompositionen von Richard Wagner, und zwar: Ouvertüre und Arie des Adriano aus der Oper Rienzi, das Siegftted-Zdpll und die Tcmn Horcher-Ouvertüre. Die Arie des Ddriano gilt als ein Bravourstück der dramatischen Altistinnen und kann nur von Künstlerinnen bewältigt werden, die über ganz enorme Stimmmittel und Ausdruckskraft verfugen. Daß solche bei unserem Gaste vorhanden sind, ist den Besuchern der Frankfutter Oper, zu deren Zierde Magda Spiegel zählt, bekannt. Zm zweiten Teil fingt sie Lieder von Brahms, Hugo Wolf und Weingartner. Das Orchester spielt außer oben genannten Werken noch zwei Stücke von Monzatt, nämlich Menuett aus dem Divetimento in D, und das herrliche Gebet „Ave verum corpios". Reichelsheim, 10. Cept. (Goldene Hochzeit.) Peter Zofef Wagner und seine Ehefrau Elise feiern am Freitag, den 13. September das seltene Fest der Goldenen Hochzeit. Der Ehemann ist 74. seine Frau, die bekannte, schon über 40 Zahre lang den Vettehr mit Fttedberg vermtttelnde Botenfrau, ist 70 Jahre all. Dem Jubelpaar herzlichen Glückwunsch! Bruchenbrücken, 10. Sept. Der Opfertag für die Kolonial- kriegerspende erbrachte den schönen Betrag von 215 Matt. Allen Gebern herzlichen Dank. Hanau, 10. Sept. Der Landrat des Kreises Hanau gibt bekannt: Einzelne Fälle verweigerte Nachbarhilfe geben mir Veranlassung, wiederholt darauf hinzuweisen, daß alle auf kür-, zere oder längere Zeit zurückgestellten Wehrpflichtigen und alle Beurlaubten verpflichtet sind, auf Anforderung des Bürgermeisters oder des Wirtschaftsausschusses anderen Landwirten in der Ernte und bei der Feldbestellung Hilfe zu leisten. Wer das nicht tut, verdient die ihm gewährte Vergünstigung nicht und wird eingezogen. Aus dem Vogelsberg. Die Lisbeth mußte um jeden Preis Fett unb Del haben. Bucheckern hatte sie, aber die Schlagmüller waren überlastet, sie konnten ihr auch nicht helfen. Da probierte die Lisbeth selbst ihre Künst, warf kurz entschlossen die Eckern in die Bratpfanne, röstete sie und siehe da das Oel quoll heraus, sie tat dann die geschwärzten Eckern aus der Pfanne, die Kartoffeln in die Pfanne und hatte ihren Zweck erreicht. Zn der Tat läßt sich aus den Bucheckern durch Kochen, Rösten und Wärmen in Kröppen, Kaffeeröster oder Kessel Oel gewinnen. Die beste Methode muß jeder ausstudieren. Manche mahlen und stoßen erst die Eckern zu Brei, fügen etwas Wasser hinzu und kochen dann oder keltern sie in kleinen Pressen. — In Büdingen hat auf letztere Weise schon vor 10 Jahren ein Apotheker mittels einer gewöhnlichen Obstkelter, allerdings bei j starkem Druck, Bucheckernöl im Großen herg-estellt j Aus Starkcnburg. FC. Grotz-Cerau, 9. Sept. Seit einigen Tagen wird der i 16jährige Lehrling Kaul aus dem nahen Nauheim vermißt. ; Er hat sich aus der elterlichen Wohnung enffernt und ist nicht - mehr zurückgekehrt. Aus Nhcinhcssen. FC. Mainz, 9. Sept. Der vierjährige Sohn der Witwe Sauer, der sich zu weit zum Fenster hinausgclehnt hatte, stürzte aus dem vierten Stock in dem Haufe Clemensstraße 3 herab. Schwerverletzt und bestnirungslos wurde er aufgefunden. Kurz danach verstarb er an den Verletzungen. FC. Mainz. 9. Sept. Die 72jährige Witwe Elise Dönges aus Weisenau wurde von der Straßenbahn überfahren. Sie erlitt schwere Verletzungen am Kopf und an den Beinen. Ans Hcssen-Nassau. FC. Biebrich, 9. Sept. Der in der Samstagnacht festgenommene Verbrecher Johann Reith von hier, der bei einer Schießerei mit der Polizei eine Verwundung davongetragen und in das hiesige Krankenhaus deshalb transportiert werden mußte, ist gestern nacht aus dem Krankenhaufe entsprungen. Er war nur mit einem Hemd bekleidet. In diesem Aufzug eilte er nach seiner Wohnung, verschaffte sich dott gewaltsam Einlaß, bekleidete sich und nahm Reißaus. Aus Kurhesscn. er. Kassel, 8. Sept. Zm Beisein des Vorsitzenden und des Geschäftsführers des Vichhandelsverbandes ist in einer Sitzung des Vorstandes der Landwirtschaftskammer für den Regierungsbezirk Kassel über die Frage verhandelt worden, in welcher Weise die beim Viehhandelsverband angesammelten großen Mittel zur Hebung der Viehzucht, der sie bestimmungsgemäß dienen sollen, verwendet werden konnten. Es wurde für notwendig erachtet, in erster Linie die Rindviehzucht zu bedenken, da aus dem Rindviehvettauf der weitaus größte Teil der vorhandenen Summen herrühren. Dieser Zweck soll erreicht werden durch die Hergabe größerer Geldmittel zur Einführung wertvoller Zuchttiere, zur Anlage von Zungviehweiden, zur Einrichtung von Kon trollvereinen und zur Tubettulosetilgung. Daneben soll die Errichtung von Trockenanlagen und von Eärkammern unterstützt werden, da man in derartigen Einrichtungen die besten Hilfsmittel ettennt, wertvolle Futterstoffe vor dem Verderben oder Verkommen zu bewahren und uns so bis zu einem gewissen Grade tom, Auslands unabhängig zu machen. Auch zur Förderung der Schweine- und der Schafzucht wurden einige Mittel in Aussicht genommen. Alle diese Mittel sollen in großzügiger Weise aufgewendel werden, wenn von ihrer Hingabe die entsprechenden Wirkungen zu erwarten sind. Das kann zum großen Teil erst in Friedenszeiien geschehen. Außer diesen laufenden Aufwendungen sollen aber größere Summen fiir solche Einrichtungen verwendet werden, welche dauernd sind und damit auf lange Zeit hinaus der Förderung der Tierzucht dienen können. Gedacht war hierbei an die Errichtung einer Viehrückversicherung fiir die sämtlichen Ottsviehversicherungsvereine im' Bezirk Kassel und an die Erttchtung eines Versuchsgutes. FC. Niederwalgern, 8. Sept. Ueber die hiesige Gemarkung sowie über die Gemarkung Bortshausen, Allna und Staufenberg zogen gestern schwere Unwetter. Wolkenbruchattige Regen gingen nieder. Zn Staufenberg schlug der Blitz in zwei Scheunen, die völlig in Asche gelegt wurden. Hagelschlag richtete an den Obstbäumen Schaden an. Verantwortlich für den politischen und lokalen Teil: Otto Hirsche!. Friedberg; für den Anzeigenteil: R. H e y n e r, Friedberg. Truck und Verlag der „ssdeuen Tageszeitung", _ A- G.. Friedberg t. H. ..2m Interesse der vielen Vruchleidenden sei an dieser Stelle nochmals ganz besonders aus das Inserat des H. Ph. Steuer Sohn in heutiger Nummer hinqewiesen. Ein vorzüglicher Berater in allen Kleiderfragcn im besten Sinne des Wortes ist das soeben neuerschienene Faoorit- Moden-Atbum für Herbst und Winter (Preis Mk. 1.—) des Verlags Internationale Schnitlmanufaktur, Dresden. In den Favo- ril-Moden vereinigt sich ein sorgfältig wählender Geschmack mit einer verständigen Anpassung an^ die Forderungen der Zeit, die jetzt von der Frau sparsamen StoffoerbrauL, Verwendung des Vorhandenen, preiswettes Selbstichnerdern verlangt. Allen dielen Forderungen wird das beliebte, wiederum ü-errcchchend vielseitig ausgestattete Favorit-Moden-Atbum mit seinen vielen schönen und zweckmäßigen Modevorlagen gerecht, vor allem auch da-^ durch, daß die vorzüglichen Faoottt-Schnitte der Frauenwelt die willkommene Hilfe zum bequemen Rachschueidern aller Moden bieten. Zu beziehen durch die hiesige Vertretung, Firma Kr. Weder, Kkiedhe rg, Hessen. Uerfemt. Roman von Anny Wothe. 26) Nachdruck verboten. Ach. wie schön," sagte Aga strahlend, „daß wir Sie noch sc!>.'k. Herr Dollar. Wir glaubten Sie schon auf dem Wege >'.a. > Frankfurt, und nun bringen Sie mir trotz meiner Lang, schlrferei noch einen so köstlichen Morgengruß." „Nicht wahr," entg-gnete Jen ganz freudig. „Ich kann stolz auf meine Findigkeit sein, hier auf der Wartburg Rosen aufzutreiben. Das ist aber gar nicht mein Verdienst, sondern das des alten Burgwarts, der, als er hörte, für wen sie bestimmt sind, sofort sich bereit erklärte, die Blumen herbeizuschaffen. Wo bleibt aber Fräulein Haust? Ich fürchte, daß, wenn sie nicht bald kommt, ich doch noch abreisen muß, ohne ihr Oxg^Vohl lagen zu können." „Haust? fragte Aga ganz erstaunt. „Ja, haben Sie denn das Kind noch nicht gesehen? Cie muß doch viel früher auf- geftanden sein als ich, und da sie doch voraussichtlich auf dem Altan gefrühstückt hat, hätten Sie Haust doch sehen müssen." ..Nein," entgegnete Jen, betroffen in Agas blasses Antlitz bl-kkend, „ich habe Ihr Fräulein Schwester nicht gesehen, obgleich ich schon fast zwei Stunden auf dem Altan sitze und Ihrer harre. Der Wirt, den ich vor einer kleinen Weile fragte, versicherte auch, daß noch keine der Damen gefrühstückt hätte, und also wohl beide noch schliefen." Agas Antlitz wurde bleich. „Um Gottes willen," kam es in zitternder Hast von ihren Lippen, ..wo kann denn Haust nur sein? Ich weiß nicht, wie es kommt, aber eine ganz unbeschreibliche Angst überfällt mich plötzlich, wenn ich an Haust denke." „Sie ängstigen sich gewiß umsonst, mein gnädiges Fräulein." f-.'-tr Jen. der bis in die Lippen erblaßt war, beschwichtigend. „Hier kann Fräulein Hanst doch ungestraft die einsamsten Wege 'geben, nnd sie ist dieselben doch auch oft gegangen. Ich weiß deck), daß Ihr Fräulein Schwester stets allein im Burghof, in der alten Burg und auch im Walde hekumlief, und daß Sie sich niemals Hansis wegen geängfttgt haben und jetzt —" „Und jetzt!" Aga fah Jen mit einem so wilden Ausdruck der Verzweiflung an, daß er bis ins innerste Herz erschrak. Was war das? Was glaubte die Schwester. „Kommen Sie, wir wollen Haust suchen gehen, vielleicht ist sie im Walde oder auf der Burg. Der Kreis ist ja so klein, da werden wir sie bald gefunden haben." Und ste gingen, die zwei. Der Wald hallte wider von ihrem angstvollen Rufen. Jedes Plätzchen, an dem Hanst sonst geweilt, wurde durchsucht, jedes Winkelchen im Burghofe durchspäht. Nirgends auch nur die geringste Spur der Vermißten. Der alte Burgwart und der Burgvogt beteiligten sich auch bei den Nachforschungen. Selbst der „Tugendpfad" und der „Minnegarten" wurden in eifriger Hast durchsucht, aber auch dort war kein Zeichen, daß Hansis Fuß hier geweilt. Vollständig gebrochen und lautlos kehrte endlich Aga mit Jen ins Wartburghotel zurück. In ihrem Wohnzimmer saß sie dann lange stumm in dumpfer Verzweiflung ^n gegenüber. Jens Rosen lagen geknickt und welk zu ihren Füßen, und Jen selbst ballte in ohnmächtiger Mut die Hände. „Sagen Sie mir, was geschehen soll, Fräulein Aga," bat er ungestüm. „Es ist selbstverständlich, daß ich meine Reise aufgebe — ich werde sofort eine entsprechende Depesche nach Frankfurt senden — und so lange bei Ihnen bleiben, bis wir Hansis Spur gefunden haben, oder besser noch, bis Hanst selbst, wieder in Ihren Armen ruht." „Nie?" Aga hatte es fast hinausgeschrieen, und stand nun hochaufgerichtet vor Jen. „Nie," wiederholte sie leidenschaftlich, „wird dieses Kind wieder in meinen Armen ruhen. Ich fühle es, daß sie mir heute gestorben ist. mein Kleinod, meines Herzens einziges Glück. Ein Räuber ist gekommen, und hat sie mir gestohlen, ein gemeiner Mörder, der ihre Seele morden wird, hat ste mir genommen. O. nun weiß ich, wie du dich rächst, Graf Nordkirch. für deine gekränkte Eitelkeit. Furchtbar werde ich für meinen Hochmut bestraft, und das unschuldige Opfer ist das Kind, das ich gehütet habe Tag und Nacht mit meines Lebens höchste Wonne." „Sie vermuten, daß Graf Nordkirch?" „Nichts vermute ich? Ich weiß, ich fühle es. daß Hanst gegangen ist, um nie wiederzukehren, daß sie blindlings dem Manne gefolgt ist, der es verstanden hat, mit süßen Schmeichelreden ihr junges Herz zu betören." „Aber Hanst erzählte mir doch selbst, daß Nordkirch Ihnen sein Ehrenwort gegeben, Hanst vor Jahresfrist nicht wiederzu. sehen. Glauben Sie, daß er so leichtfertig sein Ehrenwort bricht?" Aga sah Jett mit einem unbeschreiblichen Blick an. sich das wirre Haar aus der bleichen Stirn streichend. „Graf Nordkirch hat schon mehr als einmal sein Ehrenwort gebrochen, von ihm ist alles zu erwarten, aber Hanst, ibr habe ich getraut, sie war treu und fest, und kein unlauterer Gedanke durfte in ihrer Seele Platz haben. Und nun ist sie von mir gegangen, den Worten des Verführers mehr geglaubt als mir. die ich sie vom ersten Tage ihres Lebens an gehütet und ge, pflegt habe wie meinen größten Schatz. Nicht ein Wort hat sie für mich gehabt, nicht ein einziges, an das ich mich klammern könnte, um Aufklärung zu finden für diese rätselhafte, unglaubliche Tat des Kindes, das doch mit ganzer Seele an mir hängt." „Das ist der beste Beweis, mein gnädiges Fräulein, daß die Flucht Hansis wohl kaum vorbereiket war, sondern daß sie der Eingebung des Augenblicks entspringend, auch ausgeführt wurde. Vermissen Sie nichts von den Sachen Ihrer Schwester?" „Nichts, nur den Mantel, den sie an kühlen Abenden zu tragen pflegte." „Und unter den Papieren Hansis, gibt es da nichts, was irgend eine Aufklärung geben könnte." Aga schüttelte resigniert das Haupt, stand aber doch auf. um den Inhalt von Hansis Schreibmappe zu prüfen „Hanst hat hier nie Briefe erhalten." sagte sie. wahrend Ne langsam ein Blatt nach dem andern durch ihre Finger gleiten ließ. (Fortsetzung folgt.? Todes-Auzeige. Heute mittag entschlief sanft nach kurzer Krankheit unsere liebe treubesorgte Mutter, Schwiegermutter und Großmutter Am Sophie Curth s»t. tm Alter von 67 Jahren. Sie folgte ihrem erst vor zwei Monaten verstorbenen Gatten. Staden, Friedberg, Frankfurt a. 10. September 1918. Die trauernden Hinterbliebenen: Phil. Schuld und Frau geb. Curth A. Fischer und Frau geb. Curth nebst 3 Enkelkindern Käthe Curth Wwe. geb. Metzger Die Beerdigung findet Donnerstag, den 12. September, nachmittags 2 Uhr statt. m Holzversteigerung. I Was anziehen ? Jede Frau, besonders jede Mutter wird bei der Dringlichkeit dieser Frage die Hilfe zu schätzen wissen, die das neue Favorit- Moden-Album (Preis M. 1.—) und die Favorit-Schnitte für preiswerte Beschaffung allerlei Kleidung bieten. Erhältlich bei Fr. Weber, Friedber