11. Jahrgang. Unmmer 212 Einjchreig ZLü«« Dienstag, den 10. September 1918 Ueue Die .,D!eue Tageoreilung" erscheint jeden Werktag. Regelmäßige Beilagen „Der Kauer aus Kesse»", »»Die Spirrnffrrve". Kexugspreis: Bei den Postanstalten vierteljährlich Att. 2.4O hinzu tritt noch das Bestellgeld: bei den Agenten monatlich 90 Pjg. einschließlich Trägerlohn. Anzeigen: Grundzeile 2b Pfg., lokale 20 Pfg., Anzeigen von auswärts werden durch Postnachnahme erhoben. Erfüllungsort Friedberg. Kchriftleitnng und Verlag Friedberg (Hessen), Hanauerstratze 12. Fernsprecher 48. Postscheck-Eonio Nr. 4859, Amt Frankfurt a. M. 565 fkiüdülhe IlsWgk im AuzuS «hzejijHm. 53 Fesselballons uirdergeholt. — Feindliche Angriffe an der Straße Urronne—Cambrai. rwilchen Ailette und Aisne gescheitert. — Italienische Angriffe abgemiefen. — 11000 Tonnen versenkt. I! Der deutsche Generalssav ---- meldet: —— L W. T. Ä. HattpItznerrrLer. -err 9 . September' Amtlich- Westlicher Krieg-schauvlatz. Heeresgruppen Kronpr iuz Rupprechl und B o e h n. Oertliche Kämpfe nördlich vom Plocasteertumlde und am La-Basseökanal. Nördlich von Armentieres griff der Feind von neuem an: wir wiesen ihn ab und machten Gefangene. Im Kanalabschnitt Arlaux—Havrincourt Artillerietätigkelt tmft> Erkundungsgefechte. Südlich der Straße Peronne—Eambrai setzte der Feind seine Angriffe unter Eursatz stärkerer Kräfte gegen die Linie Gouzeaucourt—Epehy — nördlich vom Tcm Zbeux fort: sie scheiterten unter schweren Verlusten für den Gegner. Unsere Vortruppen verwehrten gestern überlegenen: Feinde das Vordringen über St. Simon und den Erozattanal. Ettundungsgefechte zwischen Oise und Ailette.' Zwischen Ailette und Aisne brach der Feind nach mehrfach vergeblichen Teilangriffen gegen Abend zu geschlossenem Angriff vor: er wurde auf der ganzen Front teilweise im Nahkampf unb durch Gegenstöße blutig abgewiesen. Zwischen Aisne und Veske scheiterten Teilangrifse, ln der Champagne Teilvorstöße des Gegners. Aus einem englischen Geschwader, das zum Angriff auf Mannheim vorstietz, wurden fünf Flugzeuge abgeschossen. Im August wurden an den deutschen Fronten 56 5 feind, liche Flugzeuge, davon 62 durch unsere Flugabweihrgeschütze, und 53 Fesselballone abge-schossen. Hiervon sind 251 Flugzeuge in unserem Besitz. Der Rest ist jenseits der feindlichen Linien erkennbar abgesturzt. Wir haben im Kampf 143 Flugzeuge und 86 Fesselballone verloren. Der Erste Eencralliuartiermcister: Ludendorfs. Abendl'eiücht. Berlin. 9. Sept. abends. (WB. Amtlich.) Beiderseits der Straße Peronne — Eambrai sind erneute Angriffe der Engländer gescheitert. An den übrigen Frontabschnitten nichts Neues. Der österreichische Genernlstab j] - meldet: ——— Wien, 9. Sept. (WB.) Amtlich wird verlautbart: Auf dem Monte Pectica wurden vorgestern abend und gestern früh italienische Angriffe durch Feuer abgeschlagen. Der Feind erlitt schwere Verluste. Der bulgarische Generalstab meldet: ———■= Sofia, 7. Sept. (WB. Nichtamtlich.) Generalstabsbericht. An der mazedonischen Front, zu beiden Seiten des Ochrida- Sees, nördlich von Bitolia und an einigen Stellen im Eerna- bogen lebhafte beiderseitige Artillerietätigkeit. Beim Dobro- polje steckten unsere Minenwerfer ein feindliches Munitionslager in Brand. Südlich von Gewgheli steigerte sich das feindliche Ariilleriefeuer, das feit einigen Tagen mit wechselnder Heftigkeit andaucrte und zeitweise ausgesetzt hatte, in der letzten Nacht zum Trommelfeuer, unter dessen Deckung englische Abteilungen unsere vorgeschobene Stellung bei dem Dorfe Se- hemo angriffen und sich an einer Stelle unseren Gräben näherten. Durch das Fsuer aber, mit dem wir sie empfingen, und teilweise im Handgemenge, wurden sie vollständig zurückgeschlagen, wobei sie empfindliche Verluste erlitten. Oestlich des Wardar hotte die beiderseitige Feuertätigkeit zeitweilig eine größere Heftigkeit angenommen. Englische Erkmrdungstruppen versuchten sich unseren Posten bei dem Dorse Matschukowo zu nähern, wurden aber durch unser Feuer zerstreut. Das türkische Hauptquartier . meldet: — Konstanlinopel, 7. Sept. jWB. Nichtamtlich.) Goneral- Pub 5 bericht; Palästinafrout: Im Küstenabschnitt brachten wir von einer ierfvlgreichen> Patrouillenunternehrnung Gefangene ein. Auf unserem linken Flügel führten wir einen wohlgelungenen Vorstoß gegen feindliche Erkunder aus. Oestlich des Jordan südwestlich Nabe Fandi (südöstlich der Iordanmündung) wurde ein attackierendes feindliches Kavallerieregiment zufainmenge- schossen. Ein anderes gegen unsere Stellungen anreitendes Ka. voller ieregimeitt flüchtete vor unserem Feuer. 670 Tote des Gegners blieben auf dem Gefechtsfelde. Einige unverwundete Gefangene, viele Pferde und Waffen wurden eingebracht. Nach Erfüllung ihrer Aufgabe kehrten unsere Truppen befehlsgemäß und vom Gegner ungestört in ihre Ausgangsstellungen zurück. Auf der übrigen Front nur geringes beiderseitiges Artilleriefeuer. An der Hedfchasbahn bei Dfchardun wurden vorfühlende feindliche Aufklärungsabteilungen vertrieben. Sonst keine besonderen Ereignisse. .Konstantinoper, 8. Sept. (WB. Nichtamtlich.) General- stabsbericht. Palästinafrout'. Starke beiderseitige Aufklärungstätizkeit im Küsrenabschilitt und an mehreren Stellen westlich der Straße Jerusalem—Nablus. Im Jordan-Tal dicht an den feindlichen Brückenkopf vorstoß-e»Ä»e Aufklärungsabteilungen vertrieben feindliche Abteilungen und fügten ihnen starke Verluste zu. Am 5. Septeinber wurde ein Robellouangriff gegen die Hodschasbahn südlich von Moon abgeschlagen. Ostfront: Bei Kava Tschemen, 85 Km. südöstlich von Tä- (vis, schlugen unsere Truppen stärkere feindliche Kräfte und verfolgten sie in der Richtung auf Mtjene. An den übrigen Fronten Ruhe. 11000 Tonne» versenkt. Berlin, 8. Sept. (WB. Amtlich.) Im englischen Sperrgebiet wurden von unseren U-Booten 11 600 Brt. versenkt. Der Chef des Admiralstabes der Marine. Weitere U-Boot-Beure. Aus amerikanischen Blättern geht hervor, daß die Küsten- schifsahrt auf der atlantischen Seite Nordamerikas durch die deutschen U-Voote andauernd beunruhigt wird. Nahezu täglich wird eine Anzahl von Fischdampfern versenkt. Der Aktionsradius der U-Voote scheint sich auf die ganze Küste Nordamerikas zu erstrecken. Das größte Opfer der letzten Tage war der japanische Dampfer „Tokuyma Mara" mit 7000 Tonnen. Er wurde in tw Nähe eines unbekannten kanadischen Hafens versenkt. Die Bemannung von 85 Japanern wurde von einem amerikanischen Küstenschisf ausgenommen und in Kanada gelandet. Zürich, 9. Sept. Der „Cocriere della Sera" meldet aus Rewyork: Für den Monat August werden 16 amerikanische Danlpfer als überfällig bekannt gegeben. Der „Harald" meldet: Die New Yorker Schiffahrtsbehörde berichtet den Verlust von drei amerikanischen Dampfern an der tuba n isch -am er ika n ischen Käste. Nu Urs T-r-.rchkis -rN'srlirfts. Berlin, 8 . Sept. (WB.) Die britische Admiralität gibt bekannt, daß sie zur Führung des Wahrheitsbeweises für die Behauptung des englischen Premierministers, daß 150 U-Boote von ihnen vernichtet morden feien, 150 Namen von gefallenen, gefangenen und internierten Kommandanten deutscher U-Boote veröffentlicht. Zunächst sei festgestellt, daß in der Liste keine Offiziere genannt sind, über deren Schicksal die Angehörigen nicht bereits Nachricht erhalten haben. Die Veröffentlichung, die eine Reihe falscher Angaben, besonders hinsichtlich der Dienststellung her aufgeführten Offiziere enthält und schon dadurch Rückschlüsse auf die Zahl der verlorenen U Boote ausschließt, ist natürlich dazu bestimmt, bei uns einen niederschmetternden Eindruck zu urachen und uns zu verleiten, durch eine amtliche Berichtigung wertvolles militärisches Nachrichten material zu geben. Das deutsche Volk weiß genau, in wie schwerem Kampfe unsere tapferen U-Vootsbesatzungen seit mehr als vier Kriegsjahren stehen und daß in zunehmendem Maße von ihnen Opfer haben gebracht werden müssen. Haben sich doch die Gegner, besonders England, nicht gescheut, zur Bekämpfung der durch die U-Voobe drohenden Gefahr neben rechtmäßigen Mitteln auch zu Maßnahmen zu greifen, deren Niedertracht einen Schandfleck mehr auf Englands Schild darstellen. Man wird unseren Verlust an U-Booten bedauern, jedoch ist er für jeden Fachrmnm durch die wachsende Zunahme der Gegenmaßregekn und die g- o, ßere Zahl der am Feinde befindlichen U-Boote durchaus erklärlich. Zu ernsten Bedenken könnten unsere Verluste nur dann Veranlassung geben, wenn der Zuwachs an Booten die Zahl d. r vernichteten nicht übertrifft. Daß wir aber mehr Boote bouen als verlieren, ist von amtlicher Stelle wiederholt unzweideutig festgestellt worden. Jede neu an den Feind kommende U-Boet- befatzung wird den Gegnern zeigen, daß ihr Wille, das Ziel -y.t erreichen, ungebrochen ist. Sie werden durch ihren Mut und Unerschrockenheit das Andenken all derer ehren, die ihr Leben gelassen haben für die Verteidigung unseres Vaterlandes. Den Engländer aber mag es beim Lesen der Liste kalt überlaufen, wenn er an die Blutopfer denkt, die ihm ein Großkampftag an der Landfront kostet und wenn er sich vor Augen hält, was di se U-Boot-Ofsiziere und ihre braven Besatzungen an Opfern Drangsal und Not über England gebracht haben. Fliegerangriff auf Urüack. Wien. 8. Sept. (WB.) Aus dem Kriegspressequ.rrtter wird gemeldet: Am 7. September vormittags versuchten drei feindliche Flieger, aus dem Gailtal kommend, Villach anzu- greifen. Die Flugzeuge wurden mit heftigem Feuer empfcurgen. Unsere Abwehrflieger drängten den Feind von der Stadt ab und zwangen ihn zur Umkehr. Der Feind vermochte daher nur einige Bomben in aller Hast niederzuwersen. wovon nur zwei explodierten, ohne nennenswerten Schaden anzucichten. Die Schlacht im Wessen. Englische Massenverluste. In englischen Berichten wird, wie der „Berliner Lokalanzeiger" aus dem Haag meldet, weit weniger von dem Geländegewi nu als von den ungeheuren Verlusten der Heimtrup- pen gesprochen, die sie in den Kämpfen beiderseits Vavaume, bei Guemappe und Quernt aufzuweisen haben. Dort haben sie die größten Verluste seit Kriegsbegmn erlitten. Mau berichtet, daß die Maucafhire-Regimenter in der Gegend von Miraumont und Thiepval über zwei Drittel ihrer Kopfstärke verloren, daß die Kings Company of the orenadiec guards bei drei verleb, lichen Bajonettangriffen auf deutsche Stellungen nördlich Mory bis auf ein geringes Reftchen aufgeriebeu wurde, daß ferner die schneidigen Portshire-Mannschaften eine bitine Pille schlucken mußten, wobei von den Regimentern fast die garten Kaders verloren gingen, da die Unterfiihrer der Tradition gemäß die Ma-niHchafteu in den Kampf führen müssen. Das sind nur kleine Episoden aus den furchtbaren Massenopfern, die zwischen Atr.cht, Peronne und Lens gebracht wurden, um das Programm des Marschalls Foch durchzuführen. Die Männer der englischen Iw sein, so heißt es in einem Bericht aus Full, bluten über alle Maßen. Amerikaner sind wohl da, aber die Engländer müssen den Sieg erringen. Den schottischen und Walliser Elitetruppen erging cs nicht besser. Unter diesen Kerntruppen, die überall das Letzte hergcben mußten, ist gründlich aufgeräumt worden. Doch der Zuzug aus England dauere ununterbrochen fort, da nun einmal laut einem Londoner Regierungsbericht die größten Anstrengungen im Gange sind, um die Deutschen aus Nordfr.urk- reich herauszuwerfen, lieber die ungeheuren Verluste'der Heber» seetruppen wird mit Absicht wenig gesprochen. Die Kanadier bleiben nach wie vor die Sturmböcke. Der Angriff auf O^'ant und Drocourt kostete den eingesetzten kanadischen Divisionen eine Einbuße von rund 40 000 Maim. Wie man die Bresche» ausfiillen wird, ist noch nicht bekannt. Abwarten amerikanische Verstärkung. Genf. 9. Sept. Eine Havasnote meldet vom Montag ffüH daß der deutsche Widerstand allgenveiu sei, und daß die All ier» ten das Eintteffen amerikanischer Berstärkmrgen abwarten. Der deutsche Dückrngsplnn. Bern. 7. Sept. Die „Baseler Nationalzeituirg", der ma* gewiß keine übertriebene Deutschfreundlichkeit nachsageu kann, macht zur deutschen Rückzngsbewegung im Westen sehr bemev kenswerte Ausführungen. Sie schreibt: „Mit dem 3. September (dem Vorstoß gegen EanckraH scheint ein neues Kapitel des Ludendorfffchen Rückzugsplanes begonnen zu haben. Die Hindenburglinie dürfte dabei nicht dis große Rolle spielen, die ihr ziemlich allgemein zugesprochen wurde, uttb zum mindesten nicht in ihrer ganzen ursprüngliches | Ausdehnung. Besonders nördlich der Straße Arras—Eambrai 1 und in Französisch -Flandern sind Maßnaknuen im Gange, Pie nicht unbedingt allein aus der taktischen oder strategischen Bedeutung des Abschnitts abgeleitet werden müßten. Eine mehr oder weniger freiwillige Operation, vielleicht der erste Schritt zum Gegenmanöver, liegt offenbar vor. Auch der gegenwärtige Ruckzug von der Vesle gleicht im jetzigen Augenblick eher einer planmäßigen Maßnahme, deren Ursachen erst durch die weiteren Maßnahmen ersichtlich werden können. Die Ausdehnung der allgemeinen Nückzugsbewegung nach Norden, andererseits bis gegen Reims muß im gegenwärtigen Augenblick jedenfalls als eine Erscheinung aufgefaßt werden, die nicht so sehr einer direkten Einwirkung des Druckes der Entente, als vielmehr einer bestimmten Absicht der deutschen Heeresleitung zuzuschrei- Len ist. Am einfachsten würde sich die Maßnahnre dadurch er. klären lassen, daß die beiden äußersten Flüaelpunkte, Armen- tieres und Reims, die Eckpfeiler einer neuen Verteidigungsbasis bilden sollen, die als Sehne zu dem ganzen Vogen in der ungefähren Linie Armentieres—Lille—Douai—Cambrai—St. Quentin—Reims zu suchen wäre und damit die kürzeste Front dar- siellen werde. Eine größtmöglichste Ersparnis an Verteidigungskräften könnte durch diese radikale Streckung erzielt werden. Doib darf andrerseits nicht nur mit bloßen Defensivabsich. ten der Deutschen gerechnet werden. Die Rückkehr zur Offensive im gegebenen Moment ist nicht zu bezweifeln. Gewiß liegt auch schon in der Ersparnis von Kräften eine Vorbereitung zum Angriff. Wenn nun aber die RückzugLfront beiderseitig sich oer- breitert, so wird auch das Kräfteverhältnis des bisherigen Angreifers beeinflußt, und zwar in anderem Sinne. Durch eine freiwillige Ausdehnung der Rückzugsfront zieht der Verteidiger die vom Angreifer schwächer mit Kräften ausgestatteten Anschlußabschnitte gleichsam gegen dessen Willen in den Bewegungskriegs hinein und damit in eine Situation, für die das bisherige Stärkeverhältnis nicht bestimmt war. Die Folge davon wird sein, daß Fach diesen Abschnitten durch Reserven nachhelfen muß. Wenn er es nicht tut, bietet sich dem Verteidiger eine günstige Gelegenheit, mit den Kräften. die er zum Schutze seiner Nachhuten wieder bereitgesiellt hat, eine schwache Stelle des Gegners vernichtend zu treffen und dadurch einen Umschwung in der ganzen Situation einzuleiten. Im elfteren Falle, wenn der Verfolger die Anschlußabschnitte auf Kosten seines Gros verstärkt, dient er den Absichten des Verfolgers auf zwei Arten: entweder wird dadurch die Verfolgungsoperation im ganzen geschwächt und verlangsamt oder, wenn die Mittel so gewaltig sind, daß diese Kräfteausgabe auf die Hauptaktion nicht sofort einen Einfluß auszuüben vermag, so wird wenigstens ein aröße-res Kröftequantum der Abnühungswirkung des Ludendorfffcben Ruckzuges ausgesetzt und damit der Zeitpunkt des Auslaufens der Verfolgung nähergerückt. Aber auch die Tiefe des Geländeverlustes, der erforderlich ist, um den Kräfteausgleich zu erzielen, vermindert sich. Mit dem beschleunigten Auslaufen der Verfolgung gewinnt der Verfolgte die Chance, den Gegenschlag gegen verhältnismäßig geringere Kräfte ausführen zu können, bevor weitere amerikanische Truppen an der Font eintreffen. Die verkürzte Verfolgungsttefe sichert das eigene Land vor der Invasion. Eine Verbreiterung der Rück- zugsfront um etwa ein Drittel ihrer jetzigen Ausdehnung, wie sie gegenwärtig in Vorbereitung zu fein scheint, wird kaum ohne Einfluß auf diese Verhältnisse bleiben können." Der Hetman im Hauptquartier. Berlin. 8. Cept. (WB.) Der Hetman der Ukraine hat sich abends mit seiner Begleitung in das Große Hauptquartier begeben. Ner Großweür in Deriiu. Berlin 8. Sept. (WB) Der türkische Eroßwesir Talaat Pascha hielt heute in seiner Wohnung im Gasthof Adlon mehrere Besprechungen ab. Um K2 Uhr folgte er einer Einladung des Staatssekretärs v. Hintze zum Frühstück im Kaiserhof. Hierzu waren u. a. geladen: der türkische Botschafter Rifcmt Pascha, der österreichisch-ungarische Botschafter in Konstanttnopel Markgraf Pallavieni. der Reichsschatzsekretär Graf Rödern, der Botschafter Graf Bernstorff, der stellvertretende Chef des Reichsmarineamts Ritter von Mann, der ungarische Geschäftsträger Rikipherof. General v. Lossow aus Konstanttnopel. Emin Seid Bey, türkischer Major Fower Bey, Major Dürksberg vom Kriegsministerium. ferner die Unterstaatssekretäre v. d. Bussche und v. Stumm und andere Herren des Auswärtigen Amtes. Wien. 8 Sept. Der Großwesir Talaat Pascha machte während seiner Durchreise durch Wien einem Mitarbeiter der „R. Freien Presse" folgende Ausführungen: „Ich möchte die Lage dahin kenn-eickmen, daß wir vor dem Winker Frieden haben düifttn. Der Krieg hat sich in seinen Leistungen so ziemlich erschöpft. Alles, was aus einem Kriege herausgeholt werden kann ',t gesä-eken. Unsere Feinde werden alle — und ich schli re davon Amerika nicht aus — binnen kurzem zur Erkenntnis kommen daß es keinen Sinn hat, den Krieg fortzu- seven. Ich glaube fest, daß diese Wendung vor dem Winter kommen wird. llin prglck gegen die f :vM\ m-WW. 23cm, 7. Sept. (WB.) Der Deputierte Longuet protestiert tm „Pn""laire" enercisch gegen die Knock out- (Kampf bis zum Ende) Aeußerungen Tafts und Churchills, die das Todesurteil gegen die Jugend der Welt seien. Dagegen müsse das inter. nationale Proletariat mit allen Kräften Stellung nehmen. Die englischen Gewerkschaftler hätten der kriegverlängernden Politik Havelock Wilsons. Lord Roberts und sonstiger Krtegsver- langerer eine klägliche Niederlage bereitet. Dies gehe auch daraus hervor, welchen Weg die Arbeiterklassen tm vergangenen ^ahre zurückgelegt und wie sie sich vom blinden Chauvinismus vnd von Ausrottungssophismen entfernt hätten. Es sei Pflicht der Arbeiter und Bauern Frankreichs, durch ihre Vertreter im Parlament bto3J Anstrengungen W ihren! politischen und wirtschaftlichen Organisationen nunmehr mit aller Kraft ihren Standpunkt in dieser Frage zum Ausdruck zu bringen. - Rußland. 812 Erschießungen. Petersburg, 1 . Sept. (WB.) Meldung der Wiener K. K. Tek.-Korr.-Vur. Amtlich wird mitgeteilt: Bisher wurden für die Ermordung Uritzkis 512 sogenannte Gegenrevoluttonäre, darunter 10 rechte Sozialrevolutionäre, erschossen. Die Namen der Erschossenen wurden bisher nicht veröffentlicht. Die erste Liste der im Falle von neuen Mordanschlägen zu erschießenden Geiseln wurde veröffentlicht. Sie umfaßt 121 Namen, meist vormalige Offiziere, darunter die Großfürsten Di- mirri Konstantinowitsch, Paul Alexandrowitsch, Nikolaus Mi- chailowitsch, Georg Michailowitsch, ferner Werchowiti (Kriegs- minister unter Kerenskij), PaltschinM (Minister unter Kerenskij), Fürst Schechowikai, einige bedeutendere Bankiers, einige serbische Offiziere und rechte Sozialrevolutionäre, der ehemalige Oesterreicher Pooper (Herausgeber der Börsenzeitung), der Karalleriekorpskommandant Nachitfchewleniki, der Kommandant des 16. Artilleriekorps General Baranzew, der Kommandant des ersten Gardekorps Graf Potak. Graf Sabello, Generalleutnant Komavow und die Generäle Nintulow und Toll. An der Murmanküste. Basel, 9. Sept. „Morning Post" meldet aus Archangelsk: Die Bolschowiki haben im Gebiet der Murmanküste außerord'nt- lich starke Streitkräste zusammengezogen. Die Ententetruppen sind jetzt in der Minderheit und beginnen, ihre Stellungen bei Archangelst und an der Murmanküste zu befestigen. Kämpfe der Noten und Weißen Garde. Tokio, 31. August. (Neuter.) Wie die Blätter aus Blago- weftschensk berichten, eröffneten Weiße Gardisten und Kosaken unter Alcxejew am 25. August die Feindseligkeiten gegen die Bolschewik:. Die Sowjettruppen flohen. Kriegserklärung der sibirischen Negierung an Deutschland. . Havas meldet aus London: Die sibirische Regierung in Omsk hat Deutschland den Krieg erklärt. * FrrUaffung der Zarin? Genf, 9. Sept. Das „Journal" meldet aus Madrid: Der königliche Hof hat die Bereitstellung einer Flotte für die Zarin angeordnet. Rach offiziösen Meldungen hat die Zarin die von den Bolschewik! geforderte Berzichtleistting auf den Nachlaß des Zaren im In- und Auslande ausgesprochen. Pfräirömiwii in der RM-muminn. Heber Wien her gelangten in den letzten Tagen Nachrichten in das Reich, wonach in der Leitung der Neichsgeschäfte wichtige Aenderungen bevorständen, vor allen Dingen sei ein Rücktritt des Reichskanzlers Grafen Hertling wahrscheinlich. Heute beschäftigt sich auch die „Frankfurter Zeitung" mit diesen Gerüchten und bemüht sich ihnen den Anschein zu geben. als ob sie nicht ganz grundlos wären. Sie geht dabei so weit, schon gewisse Personen zu nennen, die als die kommenden Männer zu gelten hätten u,rd nennt den Staatssekretär Dr. Solf der wohl als Kandidat der Freisinnigen uNd der Sorte von Echeimräten zu gelten hätte, die schon der Fürst Bismarck als seine größte Plage bezeichnet hatte. Weiter weiß die „Franks. Ztg." anzudeuten, daß auch für das par nobile fratrum, Erzberger und Ccheidemann gekommen sei. Dem Frankfurter Organ unserer Hochfinanz beliebt es. die Sache in ein mystisches Dunkel zu hüllen, sie läßt aber durchblicken, daß eine derartige Veränderung der Reichstags Mehrheit entsprechen würde. Der Sklniß argen die Zkkhandlnnß. Freiburg, 9. Sept. In Sachen der unterschlagenen 600 000 Mark bei der Preußischen Staatsbank (Königlichen Seehandlung) Berlin wurden bei der hiesigen Städtischen Sparkasse entsprechende Nachforschungen durch Vertreter des genannten Instituts und Beamte der Berliner Kriminalpolizei geführt. Dabei konnte die Summe von ungefähr 500 000 Mark beschlagnahmt werden. In einer Stahlkammer fanden sich in zwei Wertpaketen Geldscheine in Höhe von 575 000 Mark. Weitere Beträge waren auf die Sparkassenbücher der Mutter und der Schwester des verhafteten Angestellten der Bank, Ziegler, hier eingezahlt worden. lisch einige nofgelsrnngene Oeiträae jur NalMelch'chle der „frankfurter Jcknng". Von Prof. August Gebhard (Friedberg). Wir bitten unsere Leser um Entschuldigung, wenn wir uns notgedrungen abermals mit dem Frankfurter Blatt hier beschäftigen müssen, denn wir können es sehr wohl verstehen, daß die Gefühle, die in vaterländischen Kreisen die bloße Nennung des Handelsblatts vom Main erregt, wenig erfreulich sind. Auch wir haben bei der leider notwendigen Beschäftigung mit den Auslassungen des zufällig in deutscher Sprache abgefaßten Blattes Empfindungen, die wir zu höflich sind, näher zu bezeichnen. Das alles ober kann uns nicht der Pflicht überheben, immer wieder weiteste Kreise aus die Gemeingefährlichkeit dieses in ollen Fragen grundsätzlicher Bedeutung auf Seiten der Gegner gesunder deutscher Entwicklung stehenden Blattes eindringlich hinzuweffen. Heute sei mm zunächst festgestellt, daß meine Ausführungen in Nr. 419 d. Bl., die mir mehrfach fteudige Zustimmung aus dem Kreise der Leser gebracht haben, wofür ich auch hier öffentlich danken möchte, der großen Frankfurterin für längere Zeit den Atem verschlagen haben. Sie, die sonst so behende und gut bediente, hat von Sonntag bis Freitag Zeit gebraucht, um ein Wort der Erwiderung zu finden. Dieses Wort der Erwiderung, schämig versteckt in einer etwas längeren Ausführung unter der Ueberschrist „Das Uttetl gegen Chamberlain" findet' sich in Nr. 233 (1. Morgenblatt vom Freitag, den 23. August) und verdient in seiner stammelnden Verlegenheit hier im Wortlaut festgehalten zu werden. Das „Weltblatt" läßt sich also vernehmen: „Die „Deutsche Zeitung"; das Blatt, in dem Chamberlains Schmähartikel gegen uns zuerst erschienen ist. veröffentlicht einen langen Aufsatz eines Professors August Gebhard aus dem hessischen Nachbarstädtchen Friedberg, der die Schlechtigkeit der „Frankfurter Zeitung" mit willkürlich ausgesuchten Stellen aus Ar, tikeln der sechziaer Jahre des vorigen Jahrhunderts Nachweisen möchte. Wir werden dem Herrn nicht den Gefallen tun. mit ihm über seine Ausgrabungen zu streiten, während sein Freund Chamberlain uns heutigen Landesverrat vorwirst." Ist das nicht köstlich? Ein obskurer Professor Gebhard (aber, liebe Frankfurter in, wir kennen uns doch!) wagt es aus dem Landstädtchen Friedberg (was kann von Friedberg Gutes kommen!) dos „führende Blatt Süddeutschlands" in der großen Weltstadt Frankfurt am Main mit einigen willkürlich ausgesuchten Stellen aus den sechziger Jahren des vorigen Jahrhunderts (welch olle Kamellen) zu behelligen. Zur tatsächlichen Berichtigung übrigens die Bemerkung, daß meine „Ausarabungen" (wie anaedeutet nur ein sehr bescheidener Bruchteil eines gewaltigen Stoffes) sich auch bis in die siebziger Jahre erstrecken und gerade da einige der widerlichsten Giftblüten einer durch und durch undeutschen Gesinnung festhielten. Daß im übrigen die große Frankft'rterin keine Nei''"ng verspürt, mit mir über meine „Ausgrobunaen" zu streiten, ?a-n ich ihr nachsühlen Es ist da schlechthin nichts zu streiten. Wns ich in meinem Aufsatz festgestellt habe, das steht fest und beweist klipp und klar, daß der Geist der Eschenheimergasse — eben der Geist der Eschenheimergasse ist und durch keine noch so gewaa- ten Deutungsversuche in den Geist des deutschen Volkes umae- logen werden kann. Leider aber darf dieses gemeinMädkkche Blatt dank der Instinktlosigkeit unserer Leitenden und der Waschlappigkeit des deutschen Michels sich immer noch als Sprachrohr der deutschen (wohlgemerkt der deutschen?) öffeM. lichen Meinung auffpielen. Daß es dazu nicht berechtigt ist. sollten meine „Ausgrabungen" erweisen und tun das unwiderleglich. Daß den durch und durch „modernen" Herren der Eschenheimergasse, die heute so gute Beziehungen zu Berlin haben, solche „Ausgrabungen" unangenehm sind, ja das ist mensch. lich begreiflich, wer gestern noch mit Katzenfellen und altem Eisen handelte, erinnert sich dieser Vergangenbeit auch nicht mehr gern, wenn er morgen im eigenen „Palais" wohnt und über Millionen gebietet. Wir graben diese Vergangenheit ganz gewiß nicht zu unserem Vergnügen aus, es gibt unterhaltlichere und reinlichere Beschäftigungen, aber wir halten diese Arbeit für dringend notwendig, um dem deuffchen Volk die Augen darüber zu offnen, wie diese Hüterin des Volkswohls im Lichte vorurteilsloser, sachlicher Bettachtung auSsieht, wir möchten zu Nutz und Frommen der durch sie Irregesührten ihre Raturgeschichte schreiben und dazu gehört eben die Vergangenbeit, denn jede Gegenwart ist doch irgendwie ein notwendiges Erzeugnis der Vergangenheit. Wir verstehen darum sehr gut die Scheu der vornehmen Dame aus der Eschenheimergasse, von ihrer nicht immer ganz einwandfreien Vergangenheit reden zu hören, können ihr darum ober nicht den Gefallen tun, über diese ihr nicht immer ganz genehme Vergangenheit den Mantel der Vergessenheit zu breiten. Wir beurteilen schließlich jeden Charak'.er aus seiner Vergangenheit, und so wenig die .Franks. Zeitung" Neigung haben dürfte, einen Manu, dessen Vergangenheit mit einer ausgesprochenen Vorliebe für silberne Löffel ftemder Herkunft belastet ist, zu ihrem Kassenoerwalter zu machen, so entschieden muß es sich das deutsche Volk verbitten, wenn ein Blatt mit der Vergangenheit und von dem Stammbaum der „Franks. Zeitung" die schlechthin lächerliche Anmaßung erhebt. Führerin der deutsche;, öffentlichen Meinung spielen zu wollen. Darum werden wir noch öfter in die Lage kommen, dem schlechten Gedächtnis der Herren v^n der Eschenheimergasse, die in ihrem eigenen Archiv anscheinend so schlecht Bescheid wissen, etwas aufzuhelfen. Für heute nur ein kleines Geschichtchen, dessen sich die älteren Herren der Redaktionskonferenz vielleicht, wenn sie sich ein bißchen anstrengsn, noch erinnern. Es war zu Beginn der achtziger Jahre. Man feierte das 25jährige Be. stehen des wichtigen Handelsblattes, damals schon „Weltblat- tes". Auf dem Kommers wurde eine Zukunftsnummer der Zeitung verlosen. die sich in scherzhafter Weise damit beschäftigte, wie es in abermals 25 Jahren in Deutschland aussähe. Es verdient festgehalten zu werden, daß Deutschland in diesem Zeitpunkte natürlich längst Republik war, daß vor allem die verhaßten Hohenzollern beseittgt waren Bemerkenswert ist auch noch folgender kleine Zug. Ein Bauersmann findet beim Pflügen im Acker ein Stück seltsam geformtes Eisen, kein Mensch im ganzen Dorf weiß etwas daraus zu machen, bis ein hinzu- kommender Altertumsforscher feststellte. das sek ein „Schwert" ein Werkzeug, mit dem einst in glücklich überwundener Vorzeit Menschen im Krieg sich mordeten. Vorwitze! wird man sagen! Jawohl, aber doch unendlich bezeichnend. Doch auch das ein Stück Naturgeschichte des „Pettefakts" aus der Eschenheimer, gasse, das schlagend zeigt, wohin die Hochziele dieser Pressevertretern weisen. Deutscher Geist ist das nicht! Und mm zum Schluß ein weiterer Beitrag zur Denkungs- weife des Frankfurter Blattes, der ganz besonders deutlich die Kluft zeigt, die zwischen Eschenheimergasse und deutschem Emv* finden klafft. In Nr. 421 der „Deutschen Zeitung" Hat der stellvertt. Vorsitzende des Alldeutschen Verbandes, General der Kavallerie Frhr. v. Gebsattel, einen Aufsatz unter der Ueberschrist „Burg- ftiede?" veröffentlicht. Man mag über die polittsche Zweckmäßigkeit dieser Ausführungen im gegebenen Zeitpunkt denket wie man will, jeder, der den Auffatz gelesen hat, wird sagen müssen, hier spricht ein vvrnchmer Mann, ein wirklicher Edelmann, der im Ernst dieser schweren Zeit nur die eine Sorge hat,- den zermürbten nnd zerrütteten Siegeswillen des deutschen Bol-- kes neu zu beleben und.die ko. bitter notwendige Einbeit tm Siw. iterrt herzustellen, dn Mann, der die ihm angeboren« und selbstverständliche Vornehmheit der Gesinnung auch bei anderen mit der Arglosigkeit wahrer Vornehmheit voraussetzt. Der Aufsatz stand im Abendblatt vom Montag, den 19. August. (Nr. 230) dazu bringt die „Franks. Zeitung" eine Entgegnung mit der gleichen Überschrift „Burgfrieden?", in der es u. a. heißt: „Es muß allerdings auffallen, daß gerade der alldeutsche General v. Gebsattel an der Wiederaufrichtung des Burgfriedens arbeiten will. Er war in der Tat einer von den vorgeschobenen Vor- vosien. und sein Schuldkonto ist schwer, sehr schwer belastet. Wenn der politische Kampf in Deutschland so gehässige Formen angenommen hat. so tragen die Alldeutschen in ihrer Gesamtheit und trügt General v. Gebsattel im besonderen eine große Verantwortung dafür." Es folgt dann ein Lob des Bethmannschen Burgfriedens und es heißt weiter: „Aber die Alldeutschen haben nicht eher geruht, ais bis sie den Bruderzwist wieder entfesselt hatten." Das ist eine verwegene Unterstellung, die dadurch, daß sie mit eiserner Stirn aufgestellt wird, nicht wahrer wird. Die Alldeutschen haben den durch uird durch verlogenen Bethmannschen Burgfrieden freilich abgelehnt, aber ganz ge- wig nicht, um innerpolitischen Hader zu entfesseln und in großer Zeit kleine Parteigeschäfte zu machen. Die Herren, die das getan haben und noch tun, stehen ja wohl der Eschcnheimergasse und ihrer Redaktionskonferenz erheblich näher. Dann heißt es: ^Aus ihrem (der Alldeutschen) Lager stammen die Prophezeiungen und unwahren Behauptungen, die in die Herzen unserer Volksgenossen Zweifel legen mutzten." Es dürfte der edlen Frankfurterin schwer werden, alldeutsche Prophezeiungen der gekennzeichneten Art nachznrveisen, denn immer ist der alldeutsche Verband gegen müßige Kriegsprophezeiungen aufgetreten. Und dann heißt es: „Nun ist ihr ganzes phantastisches Gebäude zusammen gebrochen, die Abrechnung rückt naher. Und da tritt ein alldeutscher Führer hervor und verlangt, daß man die Vergangenheit vergangen sein lassen solle!" Wir find dieser Entgegnung nur deshalb näher getreten, um auch daran schlagend zu beweisen, daß hier ein unüberbrückbarer Gegensatz der Welt- ! enschauungen sich wie ein Abgrund auftut. Diese Leute haben ja gar keine Empfindung für die arglos großgeartete Vornehmheit und Sachlichkeit deutschen Adels. Diese Leute, die aus keiner Vergangenheit etwas gelernt haben, die stets ihrer Natur nach ouf der Gegenseite deutscher Belangen gestanden haben und stehen mußten, die immer wieder den politischen Kampf in die : Niederungen persönlicher Verunglimpfungen zu zerren bemüht sind, können nicht in einen deutschen Burgftieden eingeschlossen werden. Sie sind der Feind, den es im Innern niederzuringen gilt, wenn wir aus diesem Kampf der Waffen siegreich hervor- gehen wollen. Denn wir mögen noch so sehr des militärischen Endsiegs sicher fein (und wir sind seiner sicher), wir sind trotz alledem geschlagen und verloren, wenn es dem undeutsch n Geist im Innern, dessen verderblichste Führerin in Süddeu! schlank» die ..Frankfurter Zeitung" ist, gelingt, den gutmütigen deutschen Michel immer wieder an der Nase herumzuführen. „Frankfurter Zeitung" stehen wir in diesem notwendigen Kampfe durchaus sachlich entgegen. Wir begreifen sie aus ihrer Naturgeschichte heraus, wir sind nicht unbillig und verlangen nicht, daß sich das ehemalige Handelsblatt Leopold Sonnemannscher Gründung nach seiner naturgemäßen Weiterentwicklung zum großkapitalistischen Weltblatt plötzlich zum Herold deutschen Siegeswillens und deutscher Erneuerung machen sollte. Wenn es das selbst wollte, so könnte es das nicht, da aus seiner natnrgeschichtlich begründeten Entwicklung niemand herauswachsen kann. Wir werden aber nach wie vor alles tun. diesem Feind im Lande entgegenzutteten. wo immer wir können und wir werden nach unseren Kräften bemüht sein, dem deutschen Michel den Star zu stechen, damit er endlich steht, wie unvereinbar seine Belangen uub die Belangen der Eschenheimergasse auseinandier- klaffen. Fortschrittliches Kcttrstbrkemttnis. „Wie kaum eine andere Partei zehrt die Fortschrittliche Volkspartei in ihrem führenden Menschenmaterial von der Vergangenheit Der eigentliche Nachwuchs fehlt — und so reißt der Tod jedes älteren Mitgliedes der Partei eine schmerzliche Lücke." So zu lesen im „Berliner Tageblatt" Nr. 436 vom 27. Aua. 1918. j Wer hätte gedacht, daß die Ideale einer Partei des Fortschritts in der — Vergangenheit liegen. Ms soll dos hinons? Berlin, 8. Sept. Der „Vorwärts" weiß zu berichten: Im Januar wurden in der Schweig von dritter Seite Bestrebungen tn Gang gebracht, eine Aussprache zwischen deutschen und eng- j lischen Parlamentariern herbeizuführen. An ihr sollten teil- nehmen je ein Vertreter der drei großen englischen Parteien, der Konservativen, der Liberalen und der Arbeiterpartei, und drei Vertreter der deutschen Mehrheitsparteien, des Zentrums, j der Fortschrittlichen Volkspartei und der Sozialdemokra en. Die Herren Fahrenbach, Hausmann und Ebert hatten sich bereit erklärt. an dieser Besprechung teilzunehmen. Die Reichstagsent- schließung vom 19. Juli 1917 und die 14 Punkte Wilsons sollten den Rahnen der Besprechungen in Bern bilden. Der „Vorwärts" sagt dann weiter, daß die deutsche Regierung von den Absichten der drei Abgeordneten unterrichtet gewesen wäre, aber ein persönlicher Eingriff Lloyd Georges habe das Vorhaben zum Scheitern gebracht. Jedenfalls märe es sehr interessant. über diesen Punkt noch weitere Aufklärungen zu erhalte?,. Das sozialdemokratische Blatt stellt dann fest,: Soviel steht fest: Auf deutscher Seite war man bereit, an die Stelle der Brefter FriedensverHandlungen, die erst später statffanden, allgemeine Friedensverhandlungen treten zu lassen. Erst durch die Weige- rnug der Entente, in solche Verhandlungen einzutreten, bekamen auch tn Deutschland die Gegner eines Verständigungsfriedens wieder Oberwasser, und so wurde der Brester Friede möglich. Immer die alte Leier: Unsere parlamentarische Gerne- Noße mischen sich in Dtnge, die sie nichts angehen. die Reglennm schweigt still und' schließlich erteilt die Entente die übliche Absage. Der Frieden wird durch solche Maßnahmen aber eher erschwert als gefördert. Vom Felde der Ehre. Nieder-Rosbach. Dom Kanonier Philipp Steßer, Sohn des Landwirts Friedrich Stetzer, wurde bei den Kämpfen an der Marne das Egern« Kreuz 2. Klasse verliehen und wurde er zum Gefreiten befördert. Wir gratulieren! Nieder-Rosbach. Pionier Hrch. V u l l m a n n bei einem Pionier-Bataillon im Westen erhielt das Eisern« Kreuz zweiter Klasse. Hruchelheim (Wetterau.) Der Fahrer Rudolf V a u m a n n. bei einem Fekd-Artillerie-Regiment im Westen, wurde mit der Hessischen Tapferkeitsmedaille ausgezeichnet. Herzlichen Glückwunsch! der einmal aufs deutlichste, wohin wir mit unserem Ernährung^ system gekommen sind, denn ohne die dringendste Not hätte ein solcher Mann nicht Aepfel von den Bäumen weggenommen. FO. Frankfurt a. M.. 8. Sept. Der „Main-Nidda-Bote" teilt zur Vermeidung von Irrtümern mit, daß es sich bei dem kürzlich berichteten Felddiebstahl um den Bahnhofsvorsteher Querbach von der Station Rödelheim handelt, der beim Abschneiden von Weizenähren betroffen wurde. FC. Vom Moiu, 8. Sept. Den Metzgermeistern Wirt und Mittnacht in Aub wurden wegen Unzuverlässigkeit ihre Ge. schäfte einen Monat lang geschlossen, da man bei ihnen sechs Zentner frisches und geräuchertes Schweinefleisch beschlagnahmt hatte. Aus Starkenburg. FO. Von der Bergstraße, 8. Sept. Um die Hamster mit Erfolg zu bekämpfen, ordnete das Bürgermeisteramt in Heppenheim eine Prämie von 30 Pfg. fiir jeden eingelieferten Hamster an. — Die Prämie bezieht sich in diesem Falle auf di« bekannten Nagetiere, nicht auf die menschlichen Hamster. u* Burg-Cräfenrode. Bei den schweren Kämpfen im Westen erhielt der Schmiedemeister Alfted Kuhwcde, an denen er als Führer einer Maschinengewehr-Kompagnie teilnahm, jetzt infolge Erkrankung und Unglücksfolles in einem Kriegslazarett sich befindet, we^en hervorragender Topf rkeit seine vierte Aus- ’ Zeichnung, das Eiserne Kreuz erster Klasse. Die Go*d- und S'lberankanftstelle steht am End« ihrer Tätigkeit und stellt mit Ende des Monats jbren Betrieb ein. Cie bält nächsten Freitag, den 13 Sept., im Er. Hochbnmmt, Sckmtzenrain 5, noch einmal einen Ankaufstag ab und bittet diejenigen, die noch Gold ufw abliefern wollen, dies nunmehr zu tun. Vielleicht läßt sich noch mancher von den vielen erweichen, etwas von seinem Gold- und Silberschatz oder seinen ganzen Scbmuck für des Vaterlandes Wohl hinzugeben, die bis jetzt allen Werberufen gegenüber taub waren. Der Worte sind genua gewechselt! — Denen aber, die in der Zeit der Rot dem Vaterland so opferfreudig zur Seite gestanden haben, möge die Tatsache eine große Befriedigung gewähren, daß sie mitgeholfen haben, „ein groß angeleates Unternehmen zu einem guten Ende zu führen", wie das Reichsbankdirektorium zu Berlin bekannt gibt. Zur Ueberleitnng in die Sommerzeit. Die Königliche Eisen- Lahndirektton gibt bekannt, daß am 16. September, vormittags um 3 Uhr, die Uhr auf 2 Uhr zurückgestellt wird und daß die Stunde von 2 bis 3 Uhr d«n,nach doppelt erscheint. Es tteten infolgedessen eine Reihe von Fahrplanverschiebungen ein. Aus der Wetterau. Man schreibt uns: Anfang letzter Woche brachte Ihre geschätzt« Zeitung einen Artikel, der auf den Düngewert der Chaussee-Erde hinwies, um die Landwirte anzuregen, dieses Abfallprodukt der Chausseen zur Düngung des Ackers zu verwenden. Diese Anregung ist eine gutgemeinte, zumal in der jetzigen düngerarmen Zeit, kein Dung unnütz verloren gehen darf. Doch wer di« Verhältnisse kennt, der muß zugestehen, daß unsere Landwirte schon in früheren Jahren die Chaussee-Erde zum Düngen angewandt haben. Auf schweren, tonigen Böden bewirtt die ausgejahrene Chaussee-Erde neben der Düngung eine Verbesserung der Ackerkrume, diese wird lockerer und dadurch ftuchtbarer, nur ist es unangenehm, daß viele Steine dadurch mit auf den Acker kommen, die unbedingt abgelesen werden müssen, sollen die Ackergeräte dadurch nicht geschädigt werden. Der Artitelschreiber meint, man könnte die Düngwirkung an den Straßen gelegener Grundstücke beobachten, daß die Gewächse an der Chaussee entlang besser entwickelt seien, als auf dem übrigen Grundstück. Es soll nichr widersprochen werden, daß dieses in einzelnen Fällen zutrifft, doch wer Gelegenheit hatte, dieses jahrzehntelang zu beobachten, kommt zu dem Urteil, daß durch .drejes fortwährende, jahrelange Aufbringen von Chaussee-Erde auf dieselbe Stelle, dieses hier schädlich wirtt und zwar nach verschiedenen Richtungen hin. 1. Wird die Ackerkrume zu einer wahren Zemenlschrcht, die le,ne Feuchtigkeit in den Untergrund durchläßt und bei trockenen Jahren hier fast alles verdorrt. 2. Oft wird die Abzieherde und die Graben- vcrunreinigung noch auf den schon ausgestellten Acker von dem bediensteten Personal aufgeworfen, auch zu einer Zeit, wo das Getreide schon aufgegangen ist, dadurch wird es durch die aufgeworfene Erde zugedeckt und geht zugrunde. Ganz besonders schädigend wirkt dieses bei einer Wiese, welche längs der Chaussee herzieht, wo soviel Steinchen und Steine mit aufgeworfen werden, daß die Mähmaschinen dadurch schw«r geschädigt werden. Die berufene Behörde sollt« ihre ausführenden Untergebenen darauf aufmerksam machen, keine Erde auf die anliegenden Grundstücke aufzuwerftn, denn dadurch wird der betreff. Besitzer geschädigt und es wirkt nachteilig für die Volksernährung. Die Erde ist dorthin zu verbringen, wo dieselbe nutz- lringend wirkt. Dem Artikelschreiber muß man für seine öffentliche Anregung, welche darauf bedacht ist, die Produttion der! Landwirtschaft in der Kriegszeit zu fördern, sehr dankbar sein, doch können die bestgemeinten Ratschläge, wenn sie in ihren einzelnen Ausführungen nicht der Sachlage entsprechen, schä- ! digend wirken. Es wäre der Wunsch eines alten prakttschen Landwirte, wenn die zustärrdige Behörde sich Notiz von dieser Angelegenheit machen würde, um diese Mißstände abzustellen. ! Viele interessierten Landwirte würden hierfür dankbar sein. Nieder-Erlenbach. Ein ehrlicher Dieb. Dieser Tage! kam auf der hiesigen Bürgermeisterei ein Brief an. der beim Oeffnen einen 20-Markschcin enthielt; bei näherem Zusehen kam ' noch ein 5-Markschein zum Vorschein, außerdem ein Brief ohne Unterschrift, in dem der un-bekannte Schreiber mitteilte, daß er dieser Tage in Nioder-Erlenbach gewesen sek, um Aepfel zu kaufen, aber kein« erhalten habe. Auf dem Heimweg habe er sich Aepfel von den Bäumen gepflückt und im Rucksack mit heim- , genommen. Beim Wiegen hätten sich 40 Pfund ergeben, für diese und zugleich als Strafe für den Felddiebstahl sende er 2b Mark, die er dem Beschädigten cmszuhändigen und den Nest für Eemeindezwecke zu verwenden bittet. Der Fall beweist wie» j Aus Rhcinhcssen. FC. Aus Rheinhcssen, 8. Sept. Das Immobiliengeschäft blüht in Alzey. Der Verkauf von Wohnhäusern und Aeckern war in der letzten Woche ein sehr lebhafter. Die Preise für den Morgen bewegten sich zwischen 1500—3600 Mark. — Die Hamsterfahrten nach Obst, Kartoffeln und sonstigen landwirtschaftlichen Produkten seitens der Bewohner von Mainz, Darm- ftadt, Wiesbaden und Frankfurt in die hiesige Gegend dauern trotz der sehr strengen Kontrolle weiter an. Gestern wurden auf verschiedenen Stationen wieder zahlreiche Hamster durch die Gendarmerie angehalten und ihnen die gehamsterte Ware beschlagnahmt. FC. Worms, 8. Sept. Di« Ehefrau des Schmieds Wüst in Rülzheim stürzte von der Scheune in die Tenne und war sofort tot. — Die Gendarmerie in Eroßsteinhausen in der nahen Pfalz nahm einem Schleichhändler und Schwarzschlöchter zwo» Ochsen ab, die der Gauner über die Grenz« schaffen wollt«. Ans Hesscn.Nassau. FC. Biebrich, 8. Sept In der letzten Zeit wurden nachts die Villen in der Nassauerstraße von Diebsgesindel heimgesucht, so auch in der Samstag-Nacht. Es gelang endlich der Polizei, in dieser Nacht zwei Männer festzunehmen, die anscheinend zu der Derbrecherbande gehörten. Der Polizei leisteten sie bei ihrer Festnahme Widerstand, gaben Schüsse ab, wurden aber endlich niedergekämpft und verhaftet. Der eine ist der hier wohnhafte Former Johann Reih, der erheblich vorbestraft ist, er wurde durch einen Gewehrschuß verletzt und mußte in das Krankenhaus überfühtt werden. Der andere Festgenommene ist der Bruder des Johann Reih, der Former Fritz Reih. Bei beiden fanden sich Lederstücke von Treibriemen, die sie vor längerer Zeit in einer hiesigen Fabrik gestohlen haben wollen. Evangelische Gemeinde. Gottesdienst in der Stadtkirche. Mittwoch, den 11. September, abends 8X Uhr: Kriegs« andacht. Herr Direktor S ch o e l k. ..Im Interesse der vielen Vruchleidenden fei an dieser Stelle nochmals ganz besonders auf das Inserat des H. Ph. Steuer Sohn in heutiger Nummer hinqewiesen. Offene Stellen: Mehrere Milchreoisoren. 1 Verwalter, 2 Knechtefamilien, 10 Knechte, 1 Viehfütterer, 3 Tagelöh,er, 1 Schäferfamilie, 10 Fabrikarbeiter, 1 Kutscher. 2 Schuhmacher. 11 Dienstmägde. 1 Haushälterin, 4 Hausmädchen, 1 Kindersrüulein, 1 besseres Hausmädchen, welches kochen kann, und eine Kindergärtnerin. Fürs besetzte Gebiet: Männliches und weibliches Personal aller Berufe. S tellensuchender Mehrere Melkerfamilien und ledige Melker, 1 Eleven^ 2 Fräulein für Büro, 1 Hausbälterin mil 5 jährigem Kind. Verantwortlich für den politischen und lokalen Teil: Otto Hirsche!. Friedberg; für den Anzeigenteil: R. § eyner. Friedberg. Truck und Verlag der „Neuen Tageszeitung". A- G.. Friedberg i. H. ßjßeep odsp ^asaejaRt W///7///////////1.V///////////7//////////X % Jndußpie und Handwerk, f % Städten und Landmann, V/, WZ/ - U _7 LJ1 "A % _ braucht, Verlanqe 'A jWöfaA-I jLazzipenA Jeder r ölektro -Jnßallateui? In Frledfoer* zu haben bei: Fr. FnendeYlng:, Plektro* technisches Büro; Willi. Ad.Heil, Schlosserei a. Installation*" _geschäft; HartIiAdLie, Installationsaeschäft Uerfemt. No man von Anny Wothe. wB / 25) Nachdruck verbalen. „Wir mllssen ihr mit Tatsachen kommen, Kind. Sind wir erst verheiratet, dann kann sie uns nicht \ne$)t trennen, und wenn ste uns glücklich steht, dann wird sich Aga in die Verhältnisse fügen." X i - „Nein, nein," schluchzte Hansi. „Das wäre ja Betrug. Das würde uns Aga nie verzeihen. O, da weiht nicht, wie groß und gut sie ist, aber das kann sie nie vergeben." Wieder küsste Graf Nordkirch die zitternde Kleine' und unter Liebkosungen und zärtlichen Worten wurde sie endlich ruhiger. „Was soll ich dann tun?" fragte sie weinerlich, und vor Kälte -ind Erregung zusammcnschaucrnd. ..Nichts, Liebling, als nur mir folgen. Lieh, wenn du ein wenig Mut hast, so steigst du jetzt den Wcg herab, den ich lteraufge kommen bin. Mit meiner Hilfe geht es leicht. Am Ci.de des Hohlweges wartet mein Magen, der entführt uns sicher, und che der Tag graut, können wir weit, weit sein, um uns niemals wieder zu trennen." „Nein, nein," wehrte Hansi, „du bist entsetzlich. Ich kann, ich darf hT s wäre unrecht, und das darf ich nicht Inn." „So bleibe," sagte Nordkirch kalt, und schob die zarte Gestalt brüsk non sich. „Du bist mir böse, Horst?" fragte sie schluchzend. „Habe doch Mitleid mit mir, ich kann ja nicht." „Hast du denn Mitleid mit mir?" brach er leidenschaftlich los. „Nein, du redest immer von Pflicht, aber die Pflichten, die du gegen mich hast, die siehst du nicht. Dir ist das natürlich ganz gleich, wenn ich eines Tages mit durchfchosiener Stirn dalicge, nur weil ich nicht leben konnte ohne dich, du mein Mos, mein Heißgeliebtes, mein Einziges?" Cr hatte sie wieder in sein« Arme gerissen und ihr Gesicht ttui glühenden Küssen bedeckt. „L.'b wohl," hauchte er leiden- schafilich, „leb wohl, mein einziges Glück." „Horst fei barnchechtg. Horst, geh nicht, ich folge dir ja, wohin du willst, aber bitte, nicht totschießen, bitte, bitte." Cr zog das blonde Köpfchen an sich. „So komm," sagte er feierlich. „Von dieser Stunde an mein geliebtes, mein ange- betetes Weib. Weißt du, wohin ich dich führen werde?" „Es ist mir ganz gleich," entgegnete Hansi, „ich gehe überall mtt dir." '„Ich werde dich nach Berghausen bringen, das ist dir doch das Liebste, nicht?" „Zu wem?" fragte Hansi mit strahlendem Lächeln, „auf's Schloß?" „Nein, Kind, das läßt sich nicht gut tun, aber in die Oberförsterei, da bist du doch immer so gern gewesen, und der gute, alte Pastor, der Nachfolger deines Vaters, der soll den Segen über uns sprechen. Ist es dir so recht, mein Lieb?" Und Hansi nickte still, und überstieg an seiner Hand sicher die Brüstung, und glitt an der Mauer hernieder. Nicht ein Blick flog zur Tür zurück, hinter der dle Schwester friedlich schlummernd lag. Lautlos glitten die beiden Menschen wie Schatten dahin. Jetzt war der Hohlweg erreicht. Dumpf hallten auf den großen Steinen ihre Schritte. Leise wieherten die Pferde bei ihrem Nahen. Hansis Herz klopfte ängstlich. Jetzt kündete die Turnnchr dumpf und schwer die erste Stunde nach Mitternacht. „Laß mich," schrie Hansi plötzlich auf. „Ich kann, ich will nicht Jen Nielsen, komm und hilf mir doch?" Aber Graf Nordkirch hatte schon mit kräftigem Arme die zarte Gestalt umfaßt und in den Wagen gehoben. „Fahr zu," rief er dem Kutscher zu, und die Pferde flogen dahin, daß die Funken stoben. Zur selben Stunde sprang Jen Nielsen von seinem Lager empor. „Mir war es fast, als hörte ich Grabgeläute," sagte er dumpf, „und dabei war es wohl die alte Uhr, die so schauerlich schlug." Er trat ans Fenster. Alles war in Nacht gehüllt. Kein Stern am Himmel, kein Licht. Nur ganz fern im Osten, da zog mit langsamem Dämmerschein der neue Tag herauf. Uw willkürlich flog ihm ein alter Wartburgspruch durch die tLeele und er flüsterte ihn immer wieder vor sich hin: „Das Band wohl niemand findet, • \ Das die Gedanken bindet." Ja, Waller von der Vogelweide hatte recht. Wer konnte ihm wehren, daß feine Gedanken weithin schweiften in das Reich der Phantasie zu einem schönen, holden Kinde, das ihm wie ein Märchentraum am Wege erblüht war. Er ahnte nicht, daß zur selben Zeit schnaubende Nosie sein blondes Glück weit hinweg führten in unbestimmte trügerische Fernen. 19. Kapitel. Die Sonne lachte golden in die Kemenate der beiden Schwestern herein. Sie spielte neckend aus dem braunen Holzgetäfel des breiten Betthimmels, als sich Aga schlaftrunken die Augen rieb und den Körper wohlig im Bette dehnend, leise vor sich hin sagte: „Es muß spät sein, und dabei diese bleischwere Müdigkeit Ich weiß gar nicht, wie es kommt, aber mir ist, als hätte ich nie so fest geschlafen. Hansi, bist du wach? Es ist gewiß bald Mittagszeit, steh auf. du Langschläferin." Alles blieb still, nur das Ticken von Agas kleiner Taschenuhr war vernehmlich, sonst lautlose Stille. Aga richtete sich erschrocken in ihrem Bette empor. Ein Blick überzeugte, daß Hansis Lager leer war. Einen Angenblick kroch es wie eine tödliche Angst durch Agas Seele, doch im nächsten Moment lächelte sie über sich selbst, und schnell aufstehend und in fliegender Hast Toilette machend, sagte sie lächelnd: „Dieser kleine Racker. Heimlich aufzustehen tmfo den schönen Morgen zu genießen, während ich wie ein Murmeltter bis in den hellen Tag hineinschlafe. Na, ich will sie aber strafen." Als Aga eine kleine Weile später auf den Altan trat, tun ihr Frühstück einzunehmen, trat ihr dort Jen Nielsen, einen großen Strauß frischer Rosen in der Hand, entgegen. Fortsetzung folgt. Dekan,ltmachnng Demnächst findet eine Verteilung von Rühsäden, Striikqarn und Stopfgarn durch den Kommunalverband statt. Sämtliche Einwohner haben sich bei einem beliebigen ortsailsässigen Händler, der in Friedenszeiten schon Nähgarn führte, bis -um 12. dS. M1S. in eine ttundenliste eintragen zu lasten. I« dieser Liste ist der Name des Haushaltsvorstandes, Bezirk und Nr. der Lebensmittelkarte und die dazu gehörige Personenzahl eln- zutragen. Aus der Liste muß- ferner der Name bezw. die Firnta des Kteinhändlers, sowie der Wohnort zu ersehen sein. Bei Anstalteit mit Insassen (Krankenanstalten) ist die Zahl der Insassen mit anzugeben. Kleinverarbetler (Nähereien), die weniger als 15 versicherungs- pflichttge Personen beschäftigen, haben ihren Bedarf bis zum gleichen Zeitpunkte besonders bei mir ailulmelden. Die Händler haben die abge- fchlostenen Kundenliften pünktlich NM irr. Vs. Mtb. bei mir in doppelter Anöfcrtignng einzureichen (Zimmer Nr. 4 des Stadthauses). Kundenliften mit weniger als 20 Namen beiden außer Betracht. Diese Kunden werbe» auf andere Kandier verteilt. Friadberg. 9. September 1918. Der Bürgermeister I. V.: Da m m. TW. Weiter und Mtlttniimil gesucht. Gberljksfistit ftniflfitHmunltc G. in. b. H., Fr-.cdberq, Tüchtiger Schäfer sucht Stellung zum 1. oder 15. No- vember. Offerten unter Nr. 1681 an die Geschäslssteiie der „Neuen Tageszeitung'. kine saubere anständige Monatssrau oder Mädchen für einige Stunden vor und nach' mittags von ileinerF amilie gesucht Friedberg. Biomarckjtr. 20, I. St. Feldscheunen! 10,00m br., 24,00 bis 96,00 m lang Sekannimachrmg über de» Bezug bestellter Nährmittel. Die auf unsere Bekanntmachung voin 90. v. Mts. bei den Kleinhandelsgeschäften bestellten Mengen Erbsen können von den Bestellern vom 10. d. M. ab bezogen werden. Der Be;ug kann nur bei dem Geschäft erfolgen, bet dem die Bestellung ausgegeben wurde. Dabei ist die Nährmittelkarte mit vorzulegen. Nährmittelkarten ohne die betreffenden Marten berechtigen nicht zum Bezug: einzeln abgetrennte Quittungs- und Bezugsmarken sind wertlos. Es entfallen auf: Nährmittelkarte B (tot) Marke 49 und Nährmittelkarte C (5 l a u) Marke 53 je 125 01 ramm Erbse,» zu 1» Pfennig. Mit dem 12. Septeinber verlieren die Marken ihre Gültigkeit- Wer die von ihm bestellten Waren bis zu diesem Zeitpunkt nicht bezogen hat, verliert den Anspruch daraus. Die Kleinhandelsgeschäfte haben die betreffenden Quitlungs- und Bezugsmarken abzutrennen, und getrennt nach Nummern und Farbe auf Bestellbogen anfgeklebt, bis spätestens 19. d. MtS. bei uns abzttliefern. Bis zu dem vorstehenden Zeitpunkt, also dem 12. d. Mts., von den Bestellern nicht abgenoinmene Warenmengen sind bis zum 19. ds. Mts. anzuzeigen. Nichtbeachtung dieser Vorschrift hat den Ausschluß von dem Vertrieb der Nährmittel zur Folge. Friedberg, den 9. September 1918. Der Bürgermeister I. V.: D a m m. 90.00 42.00. , 42.00. , 60.00 „ 12 , 0 » „ „ 24,00 15.00 „ „ 90,00 18.00 „ „ 30,00 20 00 ,, .. 30,00 sofort lieferbar. Georg Crumbach, Jriiikfurl > Pt. ». «-„dach a. D, Schetoowaldstt.00, Telefon Hansa livu Zur Gewinnung von Wagen für den Ladungsoerkehr, insbesondere für dringende Nahrungsmittel, wird von Mittwoch, den 11. Sept. an bis auf weiteres der Versand von Frachtstückgut, Eilslllckgut und beschleunigtem Eilstückgut gleichwie im Vorjahre derart eingeschränkt, daß eine Anzahl Güter von der Beförderung ausgeschlossen ist. Für die noch zugelasteneit Güter bleiben die bisherigen Höchst gewichtsgreuzen von 100 kg für Eilstückgut und von 50 kg für beschleunigtes Eilstückgut bestehen. Anträge auf Zulassung von Ausnahmen, die nur in durchaus dringenden Fällen berücksichtigt werden können, sind für Güter des öffentlichen Verkehrs an die Königliche Eisenbahndirektion für Mtlitärgiiter an die Kriegsamtstelle des Empfangsortos zu richten. Die Annahme von Expreßgut bleibt in der seitherigen Weise eingeschränkt. Nähere Anskttnst erteilen die Auskunftstelle für Güterverkehr im Geschäflsgebäude der Königlichen Eisenbahndirektion. Hohen- zollernplatz 35, sowie die Güter, Eilgut- und Gepäckabfertigungen. Frankfurt a. M., den 9. Septeinber 1918. MMc WtibMircktioii. kaufen Sie Nüplr». Knlmch, friftrn, lorlirn, Itukf, Pichl, nirgends besser, nirgends billiger wie bei Adolf A« slt.Pch»«'. l’rlcdlicrR’ ,. II. Khlilslr. 15 Trlrlon All*. 4511. BPT Gr ö fites Lager am Vlaste! liefert schnell und billigst Jlfllf NMWtlIIlg fridimi uni» Ntrlia. ä -G. Die stellt Ende dieses Monats ihre Tätigkeit ein. «’ricilber*, den 9. September 1918. Der Ehrenausschuss. Frhr. Schenck, Vorsitzender. «vielter eiugetroflen. Ttipclcn- mul liinolciimhaus Jean Kogler, FriedBiea’K, Kaiserstrasse 27, Nähe des Rathauses. kWlWe Gnsensiyi mit Hallplliä Gegr. 1861. Itciclisbftnk-Oiro-Conto. Tol.-No. 15. Entgegennahme von Spar-Einlagen. zu den höchsten Zinssätzen. Provisionsfreier Check- verkelir. Conto-Corrent-Credit- Gewährung. Diskontierung von Wechseln. * Verwahrung u. Verwaltung von Wertpapieren. 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Das mir übertragene Amt ist nicht leicht, ich hoffe aber und rechne auf die Unterstützung aller recht- denkenden Berussgenosten. Alle Landwirte, die ihre vaterländische Pflicht erfüllen und ihre Milch restlos, abzgl.der ihnen als Selbst- ver orger zustehendea Menge, abliefem, werden an mir eine Stütze finden, »venn an sie ungerechte. bürokratische Anforderungen gestellt werden. Landwirte, welche pflichtvergessen Milch oder Butter auf Schleichwegen verkaufen oder sonst der Allgemeinheit entziehen, haben von mir leine Nachsicht zu erwarten. Ich fordere alle milcherzeugenden Landwirte auf. ihre vaterländische Pflicht gewissenhaft zu erfüllen. Ich hoffe umsomehr auf all eiliges Entgegenkommen, da der Milchprets anf 40 Pfg. ab Stall, sEinhettsprets für das ganze Großherzogtum Heffen) erhöht weiden sott. Friedberg, den 7. Sept. 1918. Der fetter dtö IHilrijßfbirtfs der VberheWieii Milch- jenlrnlf, Friedderg. Hensel. Ockonomierat. Kauf von Uhren ist Bertrauensiache! Menden Ste sich an Willi. 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