Die .,?tenc iLagesxettung" erscheint jeden Werktag. Regelmäßige Beilagen „Der Kauer aus Hessen", „Die Spinnftube". Kemgspreis: Bei den Postanstalten vierteljährlich Me. 2.4') hinzu tritt noch das Bestellgeld) >-ei den Aucnten n'.onallich 90 Pfg. einschließlich Trägeriohn. Anreisen: Grundzeile 2ü Pfg., lokale LOPfg^ Anzeigen von auswärts werden durch Postnachnahwe erhoben. Ersüllungson Friedberg. Zchriftleitnng und Derlag Friedberg (Hessens, panaueritraße 12. Ferniprecher 48. Postscheck-Tonto Nr. 4353. Amt Frankfurt a M. Stärkere frauzöftlche Angriffe südlich der Ailetie akgemiesen. — Gesterreichische Stnrmerfoige im Cornogebiet. — 13000 Tonnen versenkt. W. T. K. Grotze» Sauptquartier, tzerr 5. September Amtlich. Westlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppen Kronpr i n z Rupprecht und B o e h n. Zwischen dpern und La Basi6e drängte der Feind gegen unsere neuen Linien nach. Im Vorgelände belassene Abteilungen ' wichen dort befehlsgemäß auf diese zurück. Bei Wytschaete wurden Teilangriffe des Feindes abgewiesen. Zwischen Scarpe und Somme fühlte der Gegner gegen unsere neuen Linien vor. Infanterie-Gefechte mit unseren Sicher- hoitcnbreilungen. an der Somme Artillerietätigkeit. Zwischen Somme und Oise haben wir die am 26. 8. aus der Gegend von Roye begonnenen Bewegungen fortgeführt und uns in vorletzter Nacht ohne Kampf vom Feinde losgelöst. Die am Feinde belassenen Nachhuten sind gestern nachmittag langsam gefolgt. Der Feind hat am Abend etwa die Linie Voyennes—Guiscard— Appilly mit schwächeren Teilen erreicht. In der Ailetie-Niederung wurden Vorstöße der Feindes abgewiefen. Ebenso scheiterten starke feindliche Angriffe dicht südlich der Ailette bei Teray-Sorny. Elomecy und Bucy le Long. Vizewachtmeister Scheele der 9. Batterie Feld-Artillerie- Regimen^ 92 hat hier bei den letzten Kämpfen 8 Panzerwagen vernichtet. Heeresgruppe Deutscher Kronprinz. Oestlich von Soissons legten wir die Verteidigung von der Vesle zurück. Die Bewegungen wurden plangemäß und vom Feinde ungestört durchgefiihrt. * Wir schaffen gestern -2 feindliche Flugzeuge ab. Der Erste Generalquartiermeister: Ludendorss. Abendbericht. Berlin, 5. Sept.. abends. (WTB. Amtlich.) Die Gefechts- kLtlgkeit blieb auf kleinere Kämpfe im Vorgelände unserer neuen Stellungen beschränkt. «Der österreichische Generalstab !! - mewet: ——~ !! Wien, 5. Sept. Amtlich wird verlautbart: , Italienischer Kriegsschauplatz: Iän Eornogebiet und östlich des Monte Pertica führten Unternehmungen unserer Sturmtrupps zu vollem Erfolg. In den Sieben Gemeinden und an der Piave wurden feindliche Erkundungsversuche vereitelt. Ter Chef des Grnrrnlstabe-. Der bulgarische Generalstav j| &L== meldet: ===;y Sofia, 4. Sept. Generalstabsbericht vom 3. September. Mazedonische Front: Nördlich von Bitolia trieben unsere Posten eine französische Sturmabteilung zurück, die sich unseren Gräben zu nähern versuchte. Im Cernabogen beiderseits lebhafte Feuertätigkeit. Nördlich von Makowe drang eine unserer Sturmtruppen in die feindlichen Gräben und brachte verschiedenes Kriegsgerät zurück. Oestlich und westlich von Dobropolje war das Artilleriefeuer auf beiden Seiten zeitweise heftiger. Das Artilleriefeuer auf der feindlichen Seite war südlich von Hasse (?) mäßig, aus beiden Seiten des Wärdar heftig. Englische Abteilungen stießen Zogen unsere vorgeschobenen Gräben auf beiden Wardar- ttfent vor, wurden aber durch Feuer zerstreut. 13060 Tonnen versenkt. Berlin, 4. Sept. (WD. Amtlich.) An der Ostküste Englands versenkten unsere U-Boote neuerdjpgS 13 000 Bruttoregistertonnen. Der Chef deö LldmirZlstabeS der Marine. Die Schlacht im Westen. Der Kampf am 2. September. Berlin, 5. Sept. (WB.) Der Angriff am 2. September, den der Gegner mit starken Kräften erneut gegen den Abschnitt zwischen der Oise und Arsne richtete, brachte ihm nur einen geringen Eeländegewinn. Er mußte sich mit einer geringen Einbuchtung der deutschen Linie südöstlich Coucy-le-Chateau bis zu dem auf der Höhe der Straße Coucy-Soiffons gelegenen Oertchen Terny- Sarny begnügen und dafür eine Menae zerschossener Tanks und Toter auf dem Kampfplätze lasten. Auch der Einsatz von Amerikanern. Italienern und Marokkanern, die den Anstürmen neue \ Kraft und Elan verleihen sollten, konnte den Erfolg nicht er. ' weitern. Am Nachmittag des 3. September versuchte er, die kleine Beute in der Richtung auf Dauxaillon zu erweitern und zur selben Zeit das südlich von Laffaux nach der Aisne zu aus- laufende Höhengelände zu gewinnen. Wie an den vorhergehenden Tagen war der Himmel mit schweren Regenwolken überzogen. Ein plötzliches Aufhellen gegen Mittag gestattete den , eigenen Truppen Einsicht in die feindlichen Absichten, fodaß der . Ansatz zu einem Angriff in dem zusammengefaßten Artillerie- » feuer, das hartnäckig auf den Bereitstellungsräumen lag und den Gegner beträchtlich zu stören vermochte, nicht in der beabsichtigten Weife zur Entwicklung kommen konnte. Die Zerstörung von Douai. Berlin, 5. Sept. (WB.) Die Engländer beabsichtigen offenbar dem schön gelegenen und wobUwbenden Städtchen Douai dasselbe Schicksal zu bereiten, das St. Quentin und viele picar- dische Orte ausgelöscht hat. Ihre Fliegergeschwader nehmen es feit einiger Zeit systematisch unter Feuer und verwüsten es mit schweren Geschosten. In den letzten Tagen warfen sie über hundert Bomben und sechzig schwere Granaten auf die Stadt, die 27 Häuser vollkommen zerstörten, 50 bis zur Unbewohnbarkeit demolierten. Eine dieser Fliegerbomben traf die Peterskirche und sonderte zahlreiche Opfer unter der Zivilbevölkerung. Die meisten Toten sind Frauen und Kinder. Ne Leiknngen der ^ntlstren Sgmbkri'iMMrr. Berlin, 4. Sept. (MB.) Im Kampfe gegen militärische Ziele hinter der feindlichen Front warfen unsere Bombengeschwader im August die bisher unerreichte Menge von 1157 957 Kilogramm Sprengstoff ab. Die Wirkung der vielfach aus niedrigsten Höhen durchg-eführten Angriffe wurde in den meisten Fällen durch Augenbeobachtung erkannt und durch Bildaufnah- men bestätigt. Volltreffer auf die Flughäfen von Matougues und Esquerder vernichteten mehrere Hallen mit Flugzeugen. Auf dem Flughafen von Ochey riefen wiederholte Angriffe starke j Brände und äußerst heftige Explosionen hervor. Langanhaltende Brande kennzeichneten als besonders wirkungsvoll die Angriffe j gegen Munitioaszüge auf den Bahnhöfen Epernay und Erepecüeur, Munitionslager südlich Ehalons und die Spreng- stoffabrik Oiesiel für Seine; das große Munitionslager Vailly südlich Arras flog am 25. August in die Luft. Sehr starke, lang- andauernde Brände entstanden außerdem in Ortsunterkünften oder Lagern in Ehalons, Epernay, Amiens. St. Pol und Villers- Cotterets. Wähl end der Großkämpfe zwischen Arras und Reims ' verursachten Volltreffer in die dichten Ansammlungen von Truppen und Kolonnen in und hinter den Schlachtfronten schwere blutige Verluste und starke Verwirrung. Auch Mit Amerika werden wir fertig! Berlin, 5. Sept. Ans einer Unterredung, die der Berliner Korrespondent des „Az Est" irn Großen Hauptquartier gehabt hat, mögen folgende Äußerungen des Generals Ludendorff mitgeteilt sein: „Wir haben das erbitterte Ringen bisher in Ehren bestanden und sind zuversichtlich, daß wir dies auch weiter tun werden. .Wir alle können dankbar dafür sein, daß der Krieg in den gönnen, die er annahm, unseren Heimatgebieten im allgemeinen erspart geblieben ist. Die Heere der Mittelmächte sichern ihre Heimat, das darf aber das Volk zu Hause bei uns ebenso wie bei Ihnen rricht verleiten, den Krieg zu vergessen oder zu glauben, daß der gegen uns gerichtete Vernichtungswille des Feindes schon gebrochen sei. Im Gegenteil. Die Amerikairer sind da und leisten keine unbedeutende Hilfe an Menschen und Material. .Daß aber die amerikanische Hilfe ausschlaggebend für das Schicksal des Krieges sei, das ist eine eitle Hoffnung der Entente. Die Franzosen haben immer von Hoffnungen gelebt, erst von der Hoffnung aus Rußland und fetzt von der auf Amerika. Wir sind mit der russischen Danrpswalze fertig geworden und werden auch mit Amerika fertig werden. Unser Wille zum Sieg bleibt ungebrochen und wir werden den Vernichtungswille.: des Feindes brachen. Wenn Sie in ihre Heimat schreibe.:, grüßen sie Ihre ungarischen Truppen von den de:'üi Kameraden". KcügW-VorKcck nie Jwwitfr. London, 2. Sept. (WB.) Der englische Bericht aus Ost- ofrika beschreibt die scharfe Verfolgung der Ueberbleibsel der deutschen Streitmacht in Ostafrika durch verschiedene britische Heresabteilungen, denen die Deutschen sich nordwärts gegen das Duria-Tal hin zu entziehen suchen. Die deutschen Truppen erreichten am 30. August Lioma, gleichzeitig mit den Vortruppen der britischen Abteilungen von Norden und Osten. Am 31. Aug. griff der Feind an. Er wurde abgewiesen und nach Süden getrieben, nachdem ihn nachträglich von Osten her eingetroffene britische Abteilungen in der Flanke gefaßt hatten. Er hielt fünf Meilen südöstlich von Lioma und wurde dort von unseren Abteilungen angegriffen, die ihm schwere Verluste beibrachten und viel Gepäck, zahlreiche Bagage und zurückgelasiene Lebensmittel erbeuteten. Die Verfolgung wird scharf fortgesetzt. Fransgßjche ZchlaM in Marokko. Das ^.Echo de Paris" meldet: In Marokko haben schwer? Kämpfe stattgefunden. Bei Tafilelt drangen von der Wüste her völlig unerwartet beträchtliche Streitkräfte von Aufrührern vor. Es gab eine große Anzahl von Toten und' Verwundeten. Erst nach furchtbaren Kämpfen ist es gelungen, sich der Aufständischen zu erwehren. Doch sind Verstärkungen dringend erforderlich. Rußland. Eine Gntrntevrrschwöruirg nufgedeckt. Moskau, 3. Sept. (WB.) Die „Prcuvda" bringt unter dem 3. September in großen Lettern einen Ausruf an das Proletariat über die Aufdeckung des Hauptquartiers der Gegenrevolution in der englischen Gesandtschaft. Das Blatt veröffentlicht folgende Mitteilungen der außerordentlichen Kommission über die Vorbereitung des Aufstandes in Moskau: Die Organisation der Finanzierung lag in den Händen des englischen Konsuls Lockhart. Dis Kommission stellte bereits vor längerer Zeit Versuche der englischen diplomatischen Ver. tretung in Nußlaird mit Truppenteilen der Räterepublik in Verbindung zu treten, fest, um die Besatzung der Hauptstützpunk! e in Moskau zu organisieren und den Rat der Volkskommisiare zu verhaften Anfang August führte ein Agent eine Unterredung Lockharts mit dem Kommandeur eines Truppenteils, welchem die englischen Behörden den Auftrag gaben, sich direkt des Rates der Volkskommisiare zu bemächtigen. Die Zusammenkunft fand in einer Privatwohnung am 14. August statt In dieser Besprechung wurde die Möglichkeit erörtert, ungefähr am 10. September in Moskau einen Aufstand gegen die Räte- gewalt im Zusammenhang mit dem Vorgehen der Engländer im Murmangebiet zu organisieren. Man vereinbarte auf den Vorschlag Lockharts hin, daß der weitere Verkehr mit dem erwähnten Konrmandcur des Rätetruppenteils durch den eng. lischen Leutnant Sydney Raily geführt würde. Bei einer wen teren Zusammenkunft wurde die Frage beraten, nach Wologda Truppenteile zu dirigieren, die verräterischerweise Wologda den Engländern übergeben sollten. Der Umsturz in Moskau sollt» am 10. September stattfinden. Die Engländer waren darum besorgt, daß in der an diesem Tage stattsindenden Plenarsitzung des Rates der Volkskommisiüre Lening und Trotzkij anwesend seren. Es war beabsichtigt, gleichzeitig die Reichsbank, die Zen« traltelephonftation und den Telegraphen zu besetzen, ferner die Militärdiktatur eiuzuführen mit dem Verbot, irgendwelche Ver. sammlungen bis zum Eintreffen der englischen Mllitärgewalt abzuhalten, unter Androhung der Todesstrafe. Auch die Veranstaltung von Bittgottesdiensten und Kircheupredigten zur Verteidigung des Unrsturzes mit Hilfe von Vertretern der höchsten Geistlichkeit wurde beraten. In der gleichen Sitzung wurde dcnr erwähnten Kommandeur gemäß dem Versprechen Lockharts 700 000 Rubel übergeben, um den Ausstand zu organisiere». T» 22. August fand eine neue Versammlung statt, in der Üb feu» selben Zweck weitere 200 000 Rubel übergeben und et» crusgearbcitet wurde, die Arbcitsräume Lenins. Trotzkij». A»N zows und des obersten Rates für Volkswirtschaft zu ««5 sich der dort befindlichen Papiere zu bemächtigen, wovet Der englische Offizier Raily, der die Verhandlungen führte, hauptsäch. lich im Auge hatte. Material zu erhalten, um den Krieg Rußlands gegen Deutschland zu rechtfertigen, der sofort nach dem Umsturz erklärt werden sollte. Am 28. August wurden dem Kommandeur eines Rätctruppenteils wiederum 300 000 Rubel übergeben und feine Reife nach Petersburg vereinbart, um mit der Petersburger englischen führenden Militärgruppe und mit den um sie gruppierenden russischen Weißen Gardisten die Verbindung herzustellen. Die Petersburger Verhandlungen fanden am 29. August statt. Auf dieser Sitzung wurde die Frage der Verbindung mit Nishni-Nowgorod und Tambow. beraten. Gleichzeitig wurde mit den britischen und den Vertretern verschiedener verbündeter Mächte über die Matz nah 7/eu verhandelt, welche die innere Lage Rußlands verschärfen und damit den Kampf der Rätegewalt mit den Tschecho-Slowaken und den Engländern und FrcnHvKn schwächen könnten, besonders durch Verschärfung der Derpfleg- ungsschwierigkeiten in Petersburg und Moskau. Es wurden Pläne zur Sprengung von Brücken- und Eisenbahngeleisen sowie Pläne von Brandstiftungen und Sprengungen von Lebens- mittelniederlagen ausgearbeitet. In gleicher Weife erwies sich, daß bei den anglo-ftanzösifchen Verschwörern das Spionagesystem in allen Kommissariaten auf breitester Grundlage ausgs- aröeitet ist, was durch nachfolgende Haussuchungen bestätigt wurde, bei denen eine Reihe geheimer Berichte von der Ostfront gefunden wurde. Die in Verbindung hiermit verhafteten Offiziere sagten aus, daß sie in die Hände der Anglo-Franzofen geheime Angaben über die Bewegung der Rätetruppen und überhaupt alle geheimen Angaben über die innere Lage Rußlands lieferten. In Verbindung mit diesen Daten wurden sowohl in Petersburg wie in Moskau Verhaftungen vorgenommen. Das jetzt der Sowjet-Regierung zur Verfügung stehende Material bestätigt mit vollkommener Sicherheit das Vorhanven- fein einer Verschwörung der diplomatischen und militärischen Vertreter auswärtiger Mächte. Zn den Händen der außerordentlichen Kommission befanden sich eigenhändig von Lockhart unterschriebene Bescheinigungen, dank welchen die Verschwörer ,den Schutz dar britischen Militärmission in Moskau genießen sollten. Es folgt das Beispiel betreffend den Kapitän Krankall von den lettischen Schützen. Das Papier trägt das offizielle Wappen und den Stempel der britischen Mission sowie das Datum vom 18. August. Die Verschwörer hatten genaue Pläne zur Organisation der Regierungsgewalt für den nächsten Tag nach dem Umsturz ausgearbeitet. Es war die Einsetzung einer Diktatur ans drei Personen beabsichtigt,' vorgemerkt waren spezielle Komitees in Truppenteilen usw. Ungeachtet dessen, daß der verhörte Ehef der britischen Mission Lockhart die oben erwähnten Tatsachen zu leugnen versuchte, befinden sich in den Händen der außerordentlichen Kommission unwiderlegbare Dokumente, die darauf Hinweisen, daß die Fäden der ganzen Verschwörung gerade in den Händen der britischen Mission zusammen laufen, wobei als der Rächstbeleiligte in dieser Angelegercheit der fran- -ösische Generalkonsul Grenard, und der ftauzösische General Lavergne und eine Reihe anderer französischer und englischer ^Offiziere anzusehen sind. viele Waffen gefunden. Der Haussuchung wird große Bedeutung beigelegt, & Die Vorgänge im englische« Botschaftsgebäude i« Petersburg. Moskau, 3. Sept. (WV.) Ueber die Haussuchung und die Verhaftungen im englischen Botschaftsgebäude in Petersburg berichtet die Moskauer Zeitung „Prawda": In der außerordentlichen Kommission befinden sich vierzig , Verhaftete, hauptsächlich Engländer, welche sich am 31. August, in der englischen Gesandtschaft am französischen Kai in Peters, bürg befanden. Rach einer Mitteilung einer eingeu^ihten Per- ^nlichkeit wurden diese Verhaftungen und Haussuchungen in der englischen Gesandtschaft aus folgenden Gründen unter n-om« men: In Moskau hatte der Vorsitzende der außerordentlichen Kommission Dscherschinsti Mitteilungen von großer Wichtigkeit über die Verbindung verschiedener gegenrevolutionärer Organisationen auf dem Territorium der russischen Republik mit Vertretern der englischen Regierung und der englischen Gesandtschaft erhalten. Dscherschinski beabsichtigte, nach Petersburg zur Untersuchung zu reisen. Die Hauptfäden der Verschwörung der Organisation liefen in d-r englischen Gesandtschaft in Petersburg zusammen. Bereits am 31. August waren die Nntersuch- vngsbeamten der Kommfipon in Petersburg und traten mit der Petersburger llnterfuchungskommission in Verbindung. Da, Kommissionsmitglied Hiller war beauftragt, die Haussuchungen und die Verhaftungen in der englischen Eesandtschaft durchzu. führen, wo nach den vorliegenden Nachrichten Beratungen zwischen den Gegenrevolutionären und den englischen Beamten statt- finden sollten. Rach den vorliegenden Angaben sollten sich auch in der englischen Gesandtschaft Sawinkow und Filonoko verbergen. Hiller begab sich mit dem Kommissar Polisenko und dessen Gehilfen sowie einer Abteiluna von Aufflärern um 5 Uhr nachmittags nach dem Gebäude der Gesandtschaft. Nachdem das Gebäude umzingelt war. gelang es. das unsere Geschoß unge- hindett zu besetzen. Als jedoch die Kommsssionsbeantten und die Moskauer Untersuck-nngsbeamten zum ersten Stock hinauf- gingeu und der Ksmmiffars^Mse Sctenkmann in ein Zimmer trat, ertönten von dort Sck.üsse. Schenkmann wurde an der Bru't verwundet und siel bin. Der Aufklärer Lissen wurde auf der Stelle getötet. Hiller drang u"-e ckiet der Schüsse mit einer Abteilung Aufklärer in das b"nalbbcrrte Zimmer und verhaftete die dort befindlichen Unbekannten, welche die Hände hochhoben. Der Kampf im Korridor dauerte jedoch fort. Die Aufklärer wrrrden genötigt, zu feuern, wobei einer der Schießenden getötet wurde. Der Getönte erwies ssch als der Marineattachee Trommy. Wie sich später herausstellte. hatte Trommy als erster das Feuer eröffnet. Während der darauf folgenden Schießerei wurde der UTrterfuchungsbeamle Dortnowski verwundet. Die in die Ge. sanschuft eindringende Schutzbeamten verhafteten gegen vierzig Unter den Verhafteten befindet sich der Fürst Schachows- key. Bei der Haussuchung wurde eine Korrespondenz gefunden, die die englische Gesandtschaft bloßstellt, und ebenso wurden Haag. 8. iSepk. Aus London wird amtlich gemeldet: Vol- fchewisttsche Truppen haben das Votschaftsgebäude Englands in Petrograd geplündert und den britischen Marineattachs Kapitän Eromie getötet. Die Regierung befürchtet, daß jetzt ein Mlicher Angriff auf die französische Botschaft beabsichtigt wird, obwohl die nötigen Maßnahmen zur Verteidigung getroffen sind. Das Gebäude, das die französische Militärmission bewohnt, wurde ebenfalls gewaltsam angegriffen, aber sämtliche Dokumente waren bereits in Sicherheit gebracht. Es wurden mehrere Franzosen verhaftet, und die Volschewiki regten den Pöbel an. die Briten und Franzosen zu ermorden. Dieses gewaltsame Auftreten ist nicht als eine Ueberraschung gekommen, denn ihm ist eine Aktion vorangegangen, wovon die britische Negierung ernsthaft Note genommen hat. Seit dem 5. August zeigen die Volschewiki-Vchörden eine vollständige Mißachtung nicht nur für chre eigenen ausdrücklichen Erklärungen den Alliierten gegen, über, sondern auch für die Bestimmungen der internationalen Gesetze und Gebräuche. Die Mitglieder'der britischen und fran- zöstschen Konsulate in Moskau waren verhaftet, und obwohl die meisten dieser offiziellen Persönlichkeiten spater nach einer Intervention der neutralen Vertreter wieder befreit wurden, ist dennoch eine Anzahl Angehöriger der alliierten Mächte weiter unr.er Bewachung gestellt. Die britische Regierung hat diesbezüglich Unterhandlungen mit Litvinow. dem Bolschewikivertre- ter in London, angekniipft und hat ebenso die Intervention neutraler Vertreter in Rußland benutzt, wobei t ' genseitige Befreiung der Missionen vorgeschlagen wurde, sowie der Austausch der anderen Angehörigen der Alliierten in Petersburg und Moskau gegen die Volsthewiki, die in London leben. Diese Bedingungen waren grundsätzlich angenommen, und die Weiter- 1 reise der alliierten Missionen durch Finnland war bereits von den finnischen Behörden genehmigt. Darauf haben die Volsche- wiki die Befreiung der russischen Soldaten in Frankreich als Bedang!>ng für die Befreiung d<>r nichtoffiziellen Angehörigen ' der Alliierten in Rußland ac U\ r .~ Die französische Regierung war damit einverstanden, daß die Russen, die zurückkehren wollten, die Freiheit haben würden, dies zu tun, und die britische Negierung zeigte ihren guten Willen durch ,das Angebot, 25 Russen, die von Litvinow selbst angewiesen werden sollten, nach Rußland heimkehren zu lassen, ohne den Abschluß der amtktctzen Unterhandlungen abzuwarten. Diese 25 Russen sollen am 4. September heimgereisi sein: ^>m Zusammenhang mit der Gewalttat vom Samstaa, die strenge Maßnahmen fordert, hat die britische Regierung beschlossen, dem russischen Volkskommissär für auswärtige Angelegenheiten folgende Depesche zu schicken: Wir haben den Bericht erhalten, daß ein gewaltsamer Angriff gegen die britische Botschaft in Petersburg unternommen wurde, daß das Inventar -in dem Gebäude geplündert und vernichtet wurde und daß Kapitän Eromie, der versuchte, sich zu verteidigen, ermordet und sein Leichnam grausam verstümmelt wurde. Wir fordern sofortige Genugtuung und schleunige Bestrafung aller derjenigen, die verantwortlich sind für diese grausame Tat, oder deren Mitschuldige. Falls die Sowjetreaierung keine genügende Genugtuung leistet, oder wenn neue Gewalttaten gegen brttische Angehörige verübt werden, so wird die britische Regierung die Mitglieder der Sounetregierung selbst persönlich verantwortlich machen und alles verfvcken. damit sie durch die Regierungen sämtlicher zivilisierter Kationen für vogelftei erklärt werden und daß man ihnen kein Asyl gewahrt. Tie russische Negierung sei bereits durch Litvinow darüber informiert. daß die britische Negierung bereit war, alles Mögliche ?n tun, um die Rückkehr der sämtlichen Vertreter der brittschen "°4 und d-r russischen Sowjetregierung nach Rußland zu sichern. wieder ausgenommen, und das Leben in Odessa geht bereits wle? der seinen gewöhnlichen Gang. Das Schicksal der Darin. , Bafel, 5. Sept Die Madrider Havas-Agentur gibt eine Aeußerung des „El Sol" wieder, daß man das Gerücht über die Ermordung der Zarin und einer ihrer Töchter sehr vorsichtig aufnehmen müsse, denn die Verhandlungen des Königs Mfons wegen Uebersiedelung der Zarin nach Spanien verliefen sehr gut, und es sei unwahrscheinlich daß sie hätten weitergeführt werden können, ohne daß man vom Tod der Zarin etwas erfahren hätte. Nach einer von der „Neuen Korrespondenz" verbreiteten Meldung des „El Mundo" wird die Zarin dank der Bemühungen des spanischen Gesandten in Berlin Rußland bald verlassen kön* nen und sich mit ihren Kindern in San Sebastian nieder--, lassen. PfrliüHpsKi dn WkchchMshalt über Öraliajiti. Bukarest, 5. Sept. Die Unterschrift des Königs unter das Gesetz über die Verhängung der Untersuchungshaft gegen die angeklagten Minister hat die Stellung der Regierung Marghi. loman wesentlich gestärkt. Dieser veränderten Sachlage ttägt ein Leitartikel Rechnung den gestern das Regierungsblatt , Steagul" gegen die Anhänger Vratianus veröffentlichte und worin es heißt: „Als vor vierzig Jahren das Gesetz über die Ministervec- antwortlichkert beschlossen wurde, dachte niemand an die Möglichkeit, daß eine rumänische Regierung auf die tiefste Stufe politischen Zerfalls sinken könnte. Es war jetzt notwendig, das Gesetz zu ändern, das eine Verhaftung der beschuldigten Üebel- täter nicht vorsah. Von jetzt ab wird die parlamentarische Untersuchungskommission auch die Rechte eines Untersuchungsrichters haben und Untersuchungshaft verhängen können. Vor drei- ßig Jahren. Ihr Liberalen, sagte einer Eurer großen Männer, Eugenius Stateseo, daß Ihr eine interessante Gemeinschaft seid. Von Stunde zu Stunde seid Ihr seitdem gesunken und eine Bande von Uebeltatern geworden. Eure Stunde hat geschlagen. Es ist aus mtt Euch, es ist aus mit der Tortur Rumä. niens." Es bleibt nunmehr abzuwarten, ob diesen Worten jetzt auch die große Tat folgen wird, aus die man seit langem wartet und durch die sich die Lage mehr als durch alle Leitartikelgefechte klaren würde, die Verhaftung Vratianus. Kilmisitttckär 0. Hintze bri Sailer Sari. Wien, 4. Sept Heute mittag empfing Kaiser Karl den Staatssekretär v. Hintze und den Unterstaatssekretär v. Stumm. Um 12% Uhr fand bei Ihren Majestäten Frühstückstafel statt, zu der v. Hintze. v. Stumm, der deutsche Botschafter Gras Wedel, der deutsche Militärbevollmächtigte Generalmajor Cramon und der Minister des Aeußern Graf Burian zugezogen waren. Stimmen der Vernunft in England Bor dem Bruch. Rotterdam, 8. Sept. Die „Times" melden aus Archan gell k: Die alliierten Botschafter und Konsulate bereiten sich zur Ztbreise aus Rußland vor. . Die „Msrningpoft" meldet: Die noch in Rußland an- lässigen Staatsangehörigen der Entente erhielten Befehl der Gesandtschaften, Rußland innerhalb drei Tagen zu verlassen. Stockholm, 5. Sept. Nach Petersburger Telegrammen haben in Petersburg anläßlich der Aufdeckung, der Ver- schwörung gegen den Ortssovjet 2-50 Verhaftungen stattgesunden, darunter eine Anzahl Mitglieder der diplomatischen Korps.. In Petersburg wurden zwei Kriegsgerichte wieder in Tätigkeit gesetzt. Aufstand in Wladiwostok. Basel, 5. Sept. Die „Times" melden aus Wladiwostok: ^)ier haben Aufstände der Bevölkerung stattgefunden. Die Alliierten haben weitere Truppen gelandet. Ne ssrBßMgtzMrlrpIie in Odessa. Wien. 3. Sept. (WB.) Das Wiener k. k. Telsgraphen- Korrespondenz-Bureau meldet aus Odessa: Bei der Explosion des Munitionslagers wurden über 50 Personen getötet und mehrere hundert verletzt. Mehrere lausend Personen sind obdachlos, da die Häuser ganzer Sttaßen durch den ungeheuren Luftdruck der einfallenden Granaten und den ausgebrochenen Brand vernichtet sind. In den Gassen liegen nicht explodierte Geschosse, teilweise schwersten Kalibers. Der Schaden bettagt sicherlich mehrere hundert Millionen Rubel. Die bisherige Untersuchung hat ergeben, daß das Unglück ebenso wie das Unglück in Kiew durch Agenten der Entente hervorgerufen wurde. Das Munitionslager gehörte eigentlich der ukrainischen Regierung, mit der die österreichisch-un-garische Heeresverwaltung wegen des Erwerbs des Lagers verhandelte. Die übrig gebliebenen Vorräte wurden in Sicherheit gebracht. Die Obdachlosen fanden in Asylen Unterkunft. Die Bedürftigen werden aus den Fahrküchen der öfter- veichischmngarifchen Truppen gespeist. Der Bahnverkehr, der mehrere Stunden unterbrochen war. wurde im vollen Umang Aus England kommen in letzter Zeit öfters Stimmen. die in scharfem Gegensatz zu den Aeußerungen der offizielles Vertreter des Landes stehen. Während die englischen Staatsmänner sich nicht genug tun können in optimistischen Schilderungen der Lage, besonders was die Wirkung des U-Boot- krieges betrifft, klingt aus diesen Stimmen wenig Ueber- zeu.guug, daß die Gefahr des U-Boot-Krieges überwunden ist. So führt der Flottenkritiker Arthur Pollen im „Daily Chronicle" vom 80 Juli aus. daß die U-Boote für die deutsche Hochseeflotte von unbeschränktem Werte seien und daß umgekehrt die deutsche Flotte die U-Boote schütze und ihre Operationen decke. Die Tättgkeit der U-Boote zeige, daß die deutsche Flotte noch existiere, und die U-Boote bedeuteten solange eine Gefahr für England, als dieses noch nickst über genügende Unterwaffermittel zu ihrer Bekämpfrmg verfüge. Der Arbeiterparteiler Roberts sagte nach dem „Daily Chronicle" vom 12. August in einer Rede vor kentischen Landwirten, daß das englische Volk, wenn Deutschland seinen U-Bsotkrieg im Jahre 1914 begonnen hätte, „wahrscheinlich große Nahrungssorgen kennen gelernt" hätte. Diese Aeußerung weist auf die durch den U°Bootkrieg beeinflußte mangelhafte Lebensmittelzufuhr deutlich hin: Im Beginn des Kriegs war England, das sich nicht mit Vorräten eingedeckt hatte, lediglich auf Zufuhren von außen angewiesen. Es wäre damals zu großen Schwierigkeiten in der Versorgung gekommen, wenn der U-Bootkrieg sofort begonnen hätte. Die englische Zufuhr ist auch heute schwer geschädigt. Aber heute ist England mit Vorräten aus der Zeit'vor dem ll-Bootkrieg versehen und hat auch andere Maßnahmen (Ver- mehrung der Anbaufläche und anderes) getroffen, um den durch den ll-Bootkrieg bedingten Ausfall an Zufuhr zu decken, wenigstens einigermaßen KU decken. Denn die Ausführungen des Redners lassen den Schluß zu, daß die Wirkung des U-Vootkrieges auch jetzt noch äußerst unangenehm in England empfunden wird. Die gerade in letzter Zeit in der englischen Presse betriebene maßlose Deutschenhetze, die sich in wüsten Beschimpfungen und Lügen ergeht, ist ebenfalls im eigenen Lager nicht unwidersprochen geblieben. Die „Times" vorn 15. August bringen eine Erklärung des Arbeiterführers Smillie, in der sich dieser gegen di« Hetzereien der englische* Presse wendet und bemerkt, daß an dem Blut, das in diesem Kriege fließe, gUtenteils die englische Presse schuld fet Man kann nur wünschen, daß diese Einsicht in ganz England Platz gre^en möge, damit den Hebern drüben bald Wasser abgegraben wird. - - «th», idta» Ein Mknrkssmßkleh in llngaru. Einen entscheidenden Schritt hat die ungarische Regierung -nit der Vorlage über die Bodenreform e»geleitet. Bekanntlich befindet sich der Grund und Boden in Ungarn zum größten Teil in den Händen der Großgrundbesitzer, zu denen in der letzten Zeit immer noch die Mitglieder der internationalen Hochfinanz gehören. Der wichtigste Punkt der Vorlage, mit der die Regierung das Dbg-eordneLenhaus beschäftigen wird, ist, daß dem Staate das Eut-.-uM'.ngsrecht für Bodengüter gewährt werden soll. „Dg es eine bedeutende wirtschaftliche und staatsrechtliche Notwendigkeit ist, den aus dem Kriege heimkehrenden Soldaten zu Grund und Boden zu verhelfen, will man in dem Gesetz Maßnahmen treffen, die dem Staate das Recht gewähren, entsprechende Vodengebiete zu enteignen. In erster Reihe wird der Boden, der während des Krieges von feinem Besitzer erworben wurde, enteignet." Dieser Artikel trifft nicht bloß alle Kriegsgewinuer, sondern sogar den König von Bayern, der während des Krieges zu den großen ungarischen Gütern seiner Gemahlin ein angrenzendes Gut um zwei und einhalb Millionen Kronen erworben hat. Schon damals wurde in tschechischen und slowakischen Blättern auf eine Aeußerung des Fürsten Bismarck verwiesen, der meinte, daß jene Großgrundbesitzer in Preußen, die im Auslande ihr Domizil haben, zur Enteignung reif feien. Er nannte als ersten dieser Sorte den Herzog von Aren- Lerg, der 72 Quadratmeilen deutschen Landes besitze, in Tat und Wahrheit aber als Franzose in Brüssel residiere. Der erste Staatsmann, der Bismarcks Aeußerung ins Praktische übersetzte, war übrigens der ermordete Zar Nikolaus II. gewesen, der die ausländischen Grundbesitzer in Rußland zur Hergabe ihrer Güter zwang und davon auch den deutschen Neichskauzlcr Fürst Hohenlohe, den Onkel des Kaisers Wilhelm H., nicht ausnahm. Der Fürst mußte die ausgedehnten Güter seiner Frau, einer geborenen Fürstin Sayn-Wittgenstein, der russischen Agrarbank übergeben. Gleiches haben die Angarn auch mit den Latifundien des Königs von Bayern vor. Weiter fordert der ungarische Gesetzentwurf die Enteignung des gebundenen Besitzes, ungeachtet dessen, ob die Eigentümer eine Privatperson oder eine Rechtsperson, wie z. V. die Kirche, ist. Demgemäß werden auch die Fideikommisse enteignet werden können. Schließlich will der Entwurf das Enteignungsrecht im Notfälle „auch auf die Güter ausdehnen, die derzctt Gegenstand des freien Verkehrs bilden." Alle Beschlösse wurden von den kompetenten Faktoren angenommen, unter ihnen auch der Vorschlag des Fürstprimas (Erzbischofs von Grans), der erklärt hat, daß er nichts dagegen hat, wenn der Staat auch die Kirchengüter in Anspruch nehmen will. Bedenken äußerte nur der ehemalige Finanzminister Teleßky, der aber nachträglich selbst zur Reform sein Einverständnis gegeben hat. Die Einleitung zu diesen geplanten Maßregeln bildet die j Beschlagnahme aller Grundstücke jener Juden und Walachen in ! Siebenbürgen, die der rumänischen Armee bei ihrem Vordringen als Wegweiser, Spione und Lieferanten Dienste geleistet haben und dann beim Rückzuge der Feinde mit diesen über die Grenze geflohen sind. Ihre beschlagnahmten Häuser und Grundstücke werden unter sehr billigen Bedingungen an invalide Kriegsteilnehmer verteilt. Das ist der Anfang, der bei diesen wie bei den Dauern und den Feldsoldaten lauten Beifall auslöst. Wenn die österreichischen und deutschen Staatsmänner in den eroberten Gebieten des Ostens mit ähnlichen Bodenreformen sich eingestellt hätten, so würden sie ihren Beruf besser erfüllt und der deutschen Armee und Verwaltung Freunde statt grimmige Feinde geschaffen haben. Aber sie haben die Zeichen der Zeit noch nicht erkannt. Die tofernti^f Mde gegen das mene Dateriand. Die sozialdemokratische Zeitschrift „Die Glocke" veröffentlicht einen Attika, in dem folgendes ehrliche Bekenntnis abgelegt vird: „Die deutsche Methode, unter Verhimmelung des Auslandes die eigenen Institutionen bei Hervorhebung nationaler Fehler verächtlich zu machen und die nationalen Tugenden unter den Scheffel zu stellen, hat elendiglich Schiffbruch gelitten. Das heutige Maß der wett um sich greifenden Anfeindung, wie des Hasses deutschen Wesens haben wir alle selbst mit verschuldet,' denn wir selbst haben unseren Feinden die Waffen geliefert, mit denen sie heute politisch gegen das Deutsche Reich kämpfen und dem armen, versklavten und ver- preußten deutschen Volk als Menschyeitsbeglücker eine freiere Zukunft bringen wollen." Unsere demokratische Presse wird nicht imstande sein, dieses Zeugnis aus den eigenen Reihen zu verwerfen. 8er Rie!tn!itlr»z keider DreuDlijerr Asslsbank In unsre Zeit der Aeberanstrengungen, der atemversetzenden Wut, mit Millionenzahlen zu arbeiten, wie sie der gewaltige Krieg auf allen Gebieten des Lebens notwendig gemacht hat, paßt dieser Riesenbetrug so recht hinein. Früher bestaunte man die Frechheit des Betrügers, der sich etwa an die Unterschlagung von hunderttausend Mark heranwagte, heute muß es schon mindestens eine halbe Million sein, wenn der Leser am Kaffestisch in gebührende Aufregung geraten soll. So hat auch auf der Schattenseite der Lebenserscheinungen der Krieg alle Maße vergrößert. Sechsmalhundertrausend Mark durch ein paar Federstriche, gefälschte Stempel und zwei oder drei geschickt ab- gefaßte Briefe als Raub einzuheimsen, das ist ein Vorwurf, dessen Abenteuerlichkett einen tüchtigen Kinoregissenr hatte vorahnen können Run immerhin, das wirkliche Leben zerpflückt diese Abenteuerlichkett, noch schnell genug. Der mutmaßliche Haupttäter ist seines Raubes nicht froh geworden. Trotz all seiner Vorsicht und Gerissenheit gelang es ihm nicht, sich rechtzeitig in Sicherhett zu bringen. Der verhaftete Guido Radtger ivar ein Hilfsbeamter. der erst lett dreiviertel 5Labr bei der 'Ceehandlung angestellt ist. Daß ihm die Fälschung so glatt gelang, war nur dem Umstand zuzuschreiben, daß er selbst der Aufsichtsbeamte für das Konto S. Flörsheimer war. So konnte er Avis und Berechnungsfcheck fälschen und durch seine genaue Kenntnis der Lanktechnischen Einzelheiten die Entdeckung hin- aussch leben. Aber doch nicht lange genug, um Gelegenheit zu finden, selbst unsichtbar zu werden. Die zuständige Polizeibehörde gibt noch folgende Einzel- hetten bekannt' Das Mädchen, das in der Kleiststraße 42 für feinen angeb- lichen Vetter S. Flörsheimer aus Frankfurt a. M. ein Zimmer mietete, nannte sich Fischer aus der Leubachstraße 11 in Friedenau. Auf einem Zettel, den die Mieterin hinterließ, stand aber nur der Name Fischer, etwas steil geschrieben. Die Wohnung gab das Mädchen nur mündlich an, erst die Vermieterin, eine ältere Frau, die auch die Hausreiniguug besorgt, schrieb die noch hinzu. Das Mädchen nahm erst ein leeres Zimsr, der im Erdgeschoß am Hose gelegenen Wohnung der alten Frau. Nach einiger Zeit kam es wieder und mietete ein möbliertes Zimmer, weil das dem Vetter wohl besser passen werde und bezahlte dafür 42 M. im voraus. Es brachte jetzt zugleich einen Brieffasten mit, einen grün marmorierten Kasten aus Blech, Dutzendware, wie sie in jedem Kaufhaus zu haben ist. Die Mieterin kam in der Folgezeit nur noch, um die eingegopg^ne Korrespondenz aus dem Vrieffasten zu holen. Die angebliche Fischer ist wohl dieselbe Person, die am 27. Juli bei der Preußischen Staatsbank das Konto für die Firma S. Flörsheimer bestellt und Das Cchsck- ' buch in Empfang genommen hat. Sie zahlte damals 600 Mark ein. Mit dem hierbei aebrcff HUchen Verfahren mußte sie nicht genau Bescheid. Daraus geht hervor, daß die Einzahlerin im j Bankwesen nicht ganz bewandert ist. Nachdem am 27. Juli vas j Konto bei der Staatsbank errichtet war, kam am 6. August die j Ueberweisung der großen Summe von dem ViehhandclsverbsnD ! Altona zur Gutschrift auf das Konto der Schleswig, cholsternsschen > Ban? in Hu rum. Für di che Y -- ^"ch'uug wurde die Fälschung \ Zur Umleich'irg auf das Konen. so batten wir I innerhalb eines -Jahres über 2 Millionen Slück Rindvieh mehr schlachten müssen als in normalen Zeiten. Man muß es also als eine unmittelbare-Irreführung der öffentichen Meinung bezeichnen, wenn auf Grund alter, nicht mehr zutreffender Statistiken und ohne Berücksichtigung der tatsächlichen Verhältnisse Angaben, wie die von der „Internationalen Korrespondenz" veröffentlichten, irr die breite Oeffentlichkeit gelangen. Durch-die fleischlos«« Wochen werden uns in wenigen Monaten mehr als 300 000 Stück Iffnder erspart und es kann wohl mit Bestimmtheit gesagt werden, daß die breiten Schichten des Volkes diese Ersparnis für erheblich wichtiger halten, als die Beibehaltung einer Meifchration auf Kosten der Milch- und Fettversorgung des ganzen Volkes. FrrcdLerg, 6. Sept.' (Theater im Saalbau.) Am kommenden Sonntag bringt Herr Dttektor Breiholz das wirkungsvolle Lustspiel „Der Taugenichts" oder „Er verheiratet : seine Schwester" zur Ausführung. Allen, die einmal herzlich ! lachen wollen, sei hiermit der Besuch des reizenden Stückes an. ! gelegentlichst empfohlen. Für die liebe Jugend gehen am Nach- ! mittag die Abenteuer „Klein Däumlings" beim „Menschen- ! freffer" über die Bretter. Friedberg. Herrn Lehranrtsassessor Dr. K e m m e r e r ai j der Schillerschule dahier wurde vom König von Bulgarien dai ! Ritterkreuz des bulgarischen Zivilverdienstordens verliehen. Okarben. Nächsten Sonntag, den 8. September, 3 Uhr j nachmittags, findet im Saale des Gastwirts Böcher dahier ; der zwette Bezirkskriegevtag statt. Auf der Tagesordnung j stehen: Begrüßungen: Feststellung der Anwesenheitsliste: i Verlesung des Protokolls der letzten Versammlung: Vor- j standswahl; Kolonialkriegerspende: Zahlung der noch rück- ! ständigen Beiträge zur Bezirkskasse: Referat des Vertreters; Anfragen und Mitteilungen zum Schlußvortrag. Wir hoffen daß der Bezirkstag gut besucht wird. Auch Nichtmitglieder sind ffeundlichst eingeladen. Gießen. 3. Sept. Der Großherzog verlieh der 17jährige« Tochter Martha des Hausvaters Loh die Rettungsmedaille. Da« junge Mädchen hatte am 2. Pfingsttage unter eigener Lebens* gefahr zwei junge Leute aus der Lahn gerettet. Höchst a. d. Nidder. Zwei seltsame Erinnerungen begeht in diesem Jahre die hiesige Familie Schäfer. Am 30. Januar waren es 250 Jahre, daß die Familie in direktem Mannesstamm in Höchst ansässig ist. Denn am 80. Januar 1668 heiratete Ioh. Schäfer (Schaffer) aus Rendel seine Verwandte, die Tochter des damaligen Höchster Schulmeisters und Gerichtsfchöffen Johann Schäfer, und übernahm das Gut seines Schwiegervaters, das sich bis heute in der Familie fortgeerbt hat. Gleichzeitig sind es jetzt 100 Jahre, daß die Famttie das Freihcrrlich von Gündero- dische Gut in Höchst bewtttschastet. dessen Pachtung der hessische Hoheitsschultheiß der Gerichte Höchst und Lindheim Johann Konrad Schäfer im Jahre 1818 übernommen hatte. Eine vom Verband der Wetterauer der Familie Schäfer geplant gewesenen Erinnernngsfeier muß leider wegen des Kriegs unterbleiben. Frankfurt a. M., Z. Sepl. Im Hauptbahnhff kam eine Fr an aus Eroß-Steinheim, die einen einfahrenden Zug vorzeitig verließ, zu Fall und erlitt einen Unterscheukelbruch. Aus Nheiuhesscn. Nierstein, 3. Sept. (Mann und Wagen im Rhein verschwunden.) Ein schwerer Unglückssall ereignete sich am hiesige« Rheinufer in der Nähe der fliegenden Brücke. Dott besindel sich ein Schiffsladeplatz der „Guten Hoffnungshütte", wo die aus dem Niersteiner Kalksteinbruch kommenden Kalksteine aus den Rollwagen in dis Schiffe verladen werden. Der 42 Jahre alte Arbeiter Josef Scharning aus dem benachbarten Dienheim brachte einen mtt Steinen beladenen Wagen nach der Ladestelle. Als er kurz vor dem Ufer die Bremse an dem Rollwagen cm- ziehen wollte, rannte der Wagen mit furchtbarer Wucht gegen eiuen Prellstein, so daß der Mann in weitem Bogen in den Rhein flog und ertrank, ehe Hilfe zur Stelle war. Der Wagen selbst sprang aus dem Geleise und rollte ebenfalls in deu Strom. Ans Hcsikn-Nanau. FC. Biebrich, I. Sept. Ein vorübergehend in einem Gast, haus in der Rheinsttaße wohnender Mann wurde in der Nacht zum Montag in nacktem Zustand besinnungslos mit einer Kopf-. Verletzung auf der Treppe aufgefunden. Der Marm, der einen Schädelbruch erlitten hat, fand Aufnahme im hiesigen Krankenhaus. Die Untersuchung wird erst ergeben, ob eine strafbare Handlung oder ein Unglückssall vorliegt. FC. Nastätten, S. Sept. Wegen unerlaubten Verkehrs mtt einem russischen Kriegsgefangenen wurde die verheiratete Lina Holzhäuser aus dem benachbarten Buch vom hiesigen Schöffen^ gericht zu drei Monaten Gefängnis verurteilt. Die verurteilte 26jährige Holzhäuser ist dieselbe, welche sich demnächst vor dem Schwurgericht in Wiesbaden wegen vorsätzlicher Kindestötun- zu verantworten haben wird. Offene Stellen: 2 Kutscher, 1 Verwalter, 7 Knechte. 2 Knechte- und 1 Tage- löhnerfamiUe. 12 Tagelöhner. 1 Aufieter, 1 Hausbuiche 6 Hausmädchen, 10 Dienstmägde, 1 Kinderfläulein, 1 Haushälterin. Fürs" besetzte Gebiet: Personen aller-Berufe, auch weibliche. Männliche Personen im wehrpflichtigen Atter kommen nicht in Frage, außer Jugendlichen bis zu 17% Jahren. Etellensuchender _ Mehrere Melkerfamilien und ledige Melker, 1 Dürofraulein. 1 Ordonnanz. Verantwortlich für den politischen und lokalen Teil: Otto Hirsche!. Friedberg: für den Anzeigenteil: R. H e y n e r. Friedberg. Druck und Verlag der „Neuen Tageszeitung^ A- G., Friedberg i. ft Verfemt. 23 ) Roman von Anny Wothe. Nachdruck verboten. „S!e sagen das recht wegwerfend, mein kleines Fräulein Bedauern Sie, daß ich kein Tannhäufer bin?" ',3a, sehr, denn wissen Sie. solche Menschen wie der Tann- Hauser einer war. sind immer furchtbar intereffant." „So," sagte Jen, und ein kaum merkliches Lächeln verschönte sein ernstes, männliches Antlitz, während in den dunklen Augen leise den Schalk aufleuchtete. „Kennen Sie denn überhaupt solche Menschen, die so „furchtbar interessant" sind, wie ein Tannhäuser?" „Ja, sehr," gab Hansi mit einem unglaublich entzückten Augenalksschlag zurück, „sehr kenne ich einen solchen Menschen, aber Aga, wissen Sie, die sagt, er wäre nicht ehrlich, und das, . was ich interessant finde, das wäre böse. Aga hat natürlich keinen Schimmer von solchen Menschen. Bei ihr tragen sie alle immer das dicke Kleid der Tugend, und die spinnenwebfeinen Gewänder der anderen, die anders sind, verwirft sie ohne Prüfung als zu leicht." Jen hatte aufmerksam zugehört. Jetzt stieg eine dunkle Röte in sein gebräuntes Antlitz. „Was war das? Was wollte die Kleine?" „Haben Sie Ihre Schwester nicht lieb," fragte er voll warmer Teilnahme, so wie man zu einem Kinde redet. „Doch!" stieß Hansi hervor, und zerknüllte ihr Taschentuch zornig zwischen den Händen, während sie den großen Strohhut unmutig auf die blonden Locken drückte. „Sogar sehr habe ich sie lieb, viel zu sehr, hätte ich sie nicht lieb, so wäre ich ihr schon zehnmal ausgerückt, aber ich kann ja nicht fort, das ist es ja eben, es ist irgend etwas Unfaßbares, das mich hält." „Das Gefühl, daß Sie Unrecht täten," sagte Jen langsam, „hält Sie. Der Mahner in der eigenen Brust ist immer der beste Wegweiser/ „Nun predigen Cie auch Moral," sagte Hansi, den reizenden, kleinen, roten Mund schmollend verziehend, „und ich hatte so viel Vertrauen zu Ihnen, felsenfestes Vertrsüen. daß Sie mir helfen würden." Jetzt wurde Jen wieder rot unter den so glällbig vertrauend und hingebungsvoll ihn anblickenden Kinderaugen. Nein, an diesem Kinde war nichts Arges. Nur irregeleitet konnte es sein. Eine reine, leuchtende Kinderseele sprach auch aus diesen lichtbraunen Augensternen, die so gläubig zu Jen auflahen. . Wollen wir nicht gehen?" fragte er hastig. „Es plaudert ftch leichter im Vorwärtsschreiten." _Hansi nickte. „Kommen Ei- es ist zwar etwas eklig Keim mstm ach ung Die Aussichten für die Versorgung der bürgerlichen Vevöl- terung mit Leuchtöl für den Winter 1913/19 haben sich nicht gebessert, sodaß mit einer ernsten Velenchtungsnot gerechnet werden muß. Nur der vierte Teil der im vorigen Jahre tiberiviefenen Menge steht zur Dcrfügung. Man hofft mit Kerzen und Calcium-Karbid einen gewissen Ausgleich schaffen zu rönnen. Zum Zwecke eines sparsamen Verbrauchs der überwieie- nenLeuchtölmengenhal dieNeichs- regierung Sparlämpchen anfertigen lassen, die sehr wenig Brennstoff benötigen und in Kürze ausgegeben werden können. Die hiesigen Einwohner, d?c iibkr sonstige KklktichLunzo- tuilit! «licht oersiigen, twfcen aufgefordert, sich bis ZUM 7. ds. Mts. auf Zimmer Nr. 8 des Stadthauses wäh- rer-d der Geschäftsstunden zu «relden und gleichzeitig anzugeben, ob sie ein Sparlämpchen für Petroleum oder eine Karbidlampe durch meine Vermittlung zu erwerben gedenken. Meldungen nur zum Zweck der Keller- und Waschküchcn- Be-cuchLung oder überhaupt zur Bcleuchtrrng von Neben- räurnerr find vollftändigzweck- ios.Die künstliche Beleuchurng eines Zimmers und der Küche dnuff in der heutigen Zeit als hinreichend angesehen werden. Kriedberg, den 3. Sept. 1918. Der Bürgermeister I. V.: Damm. stell, aber helfen twi's nicht, wir müssen hinab, wenn wir überhaupt gehen wollen." „Hier ist Siegfrieds Welt," sagte Jen träumerisch, tief hinabblickend in das Gewirr grüner Buchenzweige und schlanker, weißstämmlger Birken. „Aber Sie wollten mir ja etwas an- vertrauen, mein gnädiges Fräulein?" Hansi sah ihren Begleiter jetzt etwas scheu von der Seite an. Merkwürdig, die halbe Nacht hatte sie wach in ihrem großen Himmelbette gelegen und immer an Jen Nielsen gedacht, und daß er der Einzige wäre, der ihr helfen könnte, und jetzt stockte ihr fast der Atem, trotzdem er so gut und steundlich zu ihr war. „Es ist ja alles Blödsinn," sagte Hanfi zu sich selbst, „zeige dich mal als forschen Kerl, und erobere die Festung im Sturme." Wieder hob sie den Blick, und ihre Augen trafen die Jens, die fast in Sorge auf ihrem Antlitz hafteten. „Wie merkwürdig das ist," sagte sie zitternd, die langen Wimpern über die Augensterne breitend, „ich kenne Sie fast gar nicht, nur von meinem Vormund w^iß ich so viel von Ihnen, und früher dachte ich immer, wenn Jen Nielsen kommt" dann muß er^mir Märchen aus seinem Wunderlands erzählen, und nun ist Jen Nielsen hier, und die Zeit der Märchen ist vorbei." Es lag ein erschütternder Ton in'der zarten Mädchenstimme, und Jen drang er mit wunderbarer Gewalt zu Herzen. „Hansi," sagte er stehenbleibend, und die Hand des jungen Mädchens ergreifend, „liebe, kleine Hansi, alles hier ist wie ein Zaubergcrrten, und Sie selbst sind wie ein Märchen. Lassen Sie uns doch den lieben, alten Kinderglauben und lassen Sie mich Ihnen Märchen erzählen, die ich heimgebracht aus dem fernen Lande." Haust schüttelte die blonden Locken, und eine heiße Träne quoll ihr im Auge, die sie zornig mit dem hübschen, kleinen Zeigefinger zerdrückte. „Nein, es ist ja albern von mir." sagte sie unwirsch. „Sie müssen mich wirklich für eine ganz alberne Gans halten, und dabei will ich Ihnen doch so was furchtbar Ernstes erzählen. Können Sie schweigen?" „Wie das Grab!" „Können Sie lieben?" „Ich glaube wohl." „Können Sie verstehen, daß man einen anderen so recht aus Herzensgründe liebt, daß man nichts anderes möchte, als nur ihn, daß alle Gedanken immer nur bei ihm sind, und daß jede Stunde, die man fern von ihm ist. einem verloren dünkt?" Jen nickte ganz ernsthaft in die leidenschaftlich fragenden Kinderallgen hinein. „So geht es mir." sagte Hansi mit reizender Wichtigkeit und tippte mit ihrem Zeigefinger gegen ihre Brust. „Ich — mr, nun wissen Sie es — ich liebe!" Jen biß sich auf die Lippen. Zuerst war es glühend heiß bei dem Geständnisse der Kleinen in ihm aufgewallt, aber jetzt kam etwas wie Entzücken über ihn. als er das reizende, kleine Geschöpf so neben sich sah. ihm dabei vertrauensvoll einen Blick in fein Herz gestattend. „Ich gratuliere, mein gnädiges Fraulein," sagte er herzlich/ Hansi sah ihn erstaunt an. ^ Da ist gar nichts zu gratulieren — die ganze Geschichte ist Essrg, und von Verlobung und Trauung steht in Agas Lexikon nichts drin. Erft sollen wir ein Jahr lang fürchterlich brav gewesen sein und uns gar nicht sehen, und dann — na dann wirds vielleicht was. Und damit ich ihn wirklich nicht sehe, sperrt mich Aga hier oben auf der alten Wartburg ein, und alle Tage kann ich mutterseelenallein, „uff den ollen Tugendpfad" spazieren gehen. Aber das lasse ich mir nicht mehr gefallen, und Sie sollen mir helfen. Wollen Sie? Dafür schenke ich Ihnen meine Freundschaft. Wollen Cie?" Jen haschte nach der kleinen Hand, und führte sie fast zärt. lich an seine Lippen. „Ja, ich will Ihnen helfen, liebe, kleine Freundin," sagte er herzlich, „dann aber müssen Sie mir auch alles sagen." Und sie saßen unter den rauschenden Buchen, und Haust erzählte, als wäre der Mann dort an ihrer Seite nicht ein Fremder. sondern ein langjähriger Freund. Keine Regung dieser knospenden, werdeirden Mädchenseele blieb ihm verborgen. Er saß stumm, und die Wipfel der Bäume rauschten, golden schl n die Sonne hier und da durch das Blättergewkrr, und darüber schwebte Vogelruf im heissen Mittagszauber. Wie gerne hätte er seine Hände schützend um das blonde Haupt gelegt, wie gern hätte er dieses süsse, vertrauende Kind' an sein Herz gerettet vor Unbill und Gefahr, und nun richtets dieses Kind selbst eine so feste Grenze zwischen ihnen empor. Warum aber war er gar nicht traurig darüber? Warum webte es um ihn wie Märchenduft? War das nicht Siegfrieds Horn? Nein, nur der ganze Waldeszauber war hier lebendig, und er kostete ihn mit vollen Zügen und das Kind an seiner Seite, die erste Liebe im Herzen mit aller Wonne und allem Weh. war die Märchenfee, die sich in seine Seele schmeichelte. Er wollte Hansi helfen, treu und ehrlich, aber anders als sie es gedacht. Ein dunkler Schatten fiel auf den Weg. Ein grosser Vogel mit weiten, schwarzen Flügeln hatte ihn gestreift. Furchtsam stahl sich das Kinderhändchen in Jens braune Rechte. So stiegen sie den steilen Pfad zur Wartburg wieder hinan, eins dem andern vertrauend. Ein Wandersmann fang in der Ferne. Von Scheiden und Meiden klang es durch den Wald, und die Sonne flimmerte gleißend darüber hin. Fortsetzung folgt. -Jn tiefer Trauer zeigen wir hierdurch an, daß die Mitinhaberin unserer Firma, unsere hochverehrte 8m Kmnittjikmi ÜMtellS! Hllltt am 4. ds. Mts. sanft entschlafen ist. Die Heimgegangene war von edler Gesinnung und stetiger Fürsorge für uns erfüllt, sie war uns stets eine hilfreiche Beraterin und ein Vorbild treuester Pflichtersüllung. An unseren Freuden und Leiden nahm sie immer herzlichen Anteil und zeigte sich hilfreich und wohlwollend. Ihr Verlust trifft uns besonders schwer, ihr Andenken wird bei uns dauernd in Dankbarkeit und Verehrung fortleben. Friedberg u H., den 5. September 1918. Die Beamten und Arbeiter der Firma Franz Megerle. lumäm „Saxonia“ Z^eüScfcsrpfäijye, WesidepfSügs, ilniverfaipftlige, flchsreygen, ifarS^ffeierniemalcBiinen. Düngerltreuer. Orassiälser mit TiefseSiniftifalkeia für ein und zwei Zugtiere. Vorderwayesi, Trieurs, Strehfchne^er, iaüdseprapeß, Ugilrialwayen, üädilsJmafdHiign, fiiib&ufcSrasitter, fswie asis anderes« Malchins» für die Landwirüchait vorrätig und is!art ah Lager iieferhar. ESgeaie ^ r ei*24s4ä4fc. ErsatzUeäS-fmger. 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Einzig dastehender Lacherfolg. Iais§eiissiäts oder „Er verheiratet seine Schwester.“ Preis=Lustspiel in 4 Akten, von Dr. Carl Töpfer. Preise der Plätze: Im Vorverkauf in d.Hofbchhdl. Bindernagei u. im Zigarrengesch.Oppenheimer Nchf. 1. Parkett, num. 1.75 M., Sperrsitz, num., 1.25 M., 2. Platz und Balkon 80 Pfg. An der Abendkasse: 1.Parkett, num., 2 M., Sperrsitz, num., 1.50 M., 2. Platz und Balkon 1 Mk. Einlass 7 Uhr, Anfang 8 Uhr. Nachmittags 4 Uhr: Kinder. Vorstellung. Klein Däumling und dar Menschenfresser Märdiensplel in 5 Akten, von A. Wilhelmy. Preise der Plätze nur an der Kasse: 1. Parkett, num., 1 Mk., Sperrsitz, num., 75 Pf., 1. Platz, num., 50 Pf., Balkon 30 Pf. Erwachsene zahlen entspr. ZuschJ. Einlass 3 Uhr, Anfang 4 Uhr. Gesucht in Herrschaftshaus auf's Land, einsam gelegen, gediegenes WM MiUjtll oder Witwe aus guter Familie für Küche und Haushalt. Nur solche, welche aus dauernde Stelle reflektieren, mögen sich melden. Schriftl. 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