Nummer 206 Eilljtlpreis $ LÄ- Dienstag, den 3. September 1918 11. Jahrgang. Die ..Ikenc Tagesreitung" erscheint ieden Werttaa. Regelmäßige Beilagen „der Kauer aus Kellen", „Die Spinnffube". Bezugspreis: Bei den Postanstalten vierteljährlich Mk. 2.4" hinzu tritt noch das Bestellgeld,' "ei Den Renten monatlich 85 Psg. einschließlich Trägerlohn. Anzeigen: Grundzeile 25 Psg.» lokale 20 Psg^ Anzeigen von auswärts werden durch Postnachna-nn^ erhoben. E-IMunosori ^riedbercr. SchriNleitung und Verlag ^riedbeo sHestenf. ^anauer'tratze 12. Ferniprecher 48. Poiti Heck-Lonto Nr. 4859. Umt Frankfurt a. M. Angriffe ans 45 Kilometer Zreite nvgemielen. — Peronne dem Feinde nverla^en. — Uene Angriffe Mischen Gfie und Aisne. — 15 000 Tonnen, wieder ein Truppentransporter franrsäsche Verdenkt. Der deutsche Generalstak r - meldet: W. T. K. Gvstzes HattptqttarLiev, derr 2. Keptembev Amtlich. Westlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppen Kronpr inz Rupprecht und B o e h n. Dorfeldkämpfe beiderseits der Lys. Zwischen Scarpe und Somme setzte der Engländer auf der 45 Km. breiten Mont seine Angriffe fort. Artilleriewirkung gegen die Bereitstellungsräume des Gegners südwestlich von Arras und beiderseits von Ba-> paume trugen wesentlich zu ihrer Abwehr bei. Brennpunkte des Infanteriekampfes waren Hendecourt und Moreuil, die Trichterfelder östlich von Dapaume, Rancourt und Bouchaves- nes. Der Feind, der nördlich von Hendecourt auf Cagnicourt Boden gewann, wurde durch Gegenangriff wieder auf Hende- court zurückgeworfen. Beiderseits von Baulx-Braucourt vorbrcchende Panzerwagenangriffe schreiterten. Hierbei schoß die Besatzung eines Flugzeuges der Flieger-Abteilung 252 Leutnant Schwertfeger und Vizefeldwebel Günther einen Panzerwagen mit dem Maschinengewehr in Brand und zerstörten einen zweiten durch gutgeleitetes Artilleriefeuer. Südlich von Vapaume wiesen wir mit dem Schwerpunkt gegen Villers-aux Flos gerichtete Angriffe des Gegners ab. Nördlich der Somme brachten wir den Feind, der seit frühem Morgen mit starken Kräften oorstieß, in die Linie Sailly-St. Picrre—Vaast-Mald und östlich von Bouchavesnes zum Stehen. Peronne wurde vom Feinde besetzt. Beiderseits von Nesle setzte der Franzose leine Angriffe fort. Nach stärkstem Trommelfeuer suchte er erneut in tiefgegliederten Infanterieangriffen die Kanalstellung zu durchbrechen. Nördlich der Bahn Nesle—Ham brachte das Reseroe- Inf.-Negiment 56 unter Fiihrung seines Kommandeurs Major v. Loebbeke jeden feindlichen Ansturm zum Scheitern. Bei erneuten Angriffen am Abend warf er im Verein mit hessischen Kompagnien den eingedrungenen Feind aus seinen Linken wie- der hinaus. Feldarrillerie, die vor der vordersten Infanterie zum Gegenstoß vordrang, hatte an dem Erfolge wesentlichen Anteil. Südlich der Bahn Ncsle—Ham wiesen Brandenburger und Schlesier den Feind restlos vor ihrn Linien ab. Hart südlich von Libermont brachen am Abend Angriffe der Franzosen zusammen. Beiderseits von Ncyon blieb die feindliche Infanterie nach den schweren und für sie verlustreichen Kämpfen des 31. 8. gestern ruhig. Auch zwischen Oise und Aisne blieb die Cefechtstätigkeit meist auf Artilleriekämpfe beschränkt. Teilangrisfe des Feindes an der Aietteniederung und nördlich von Soistons wurden abgewiesen. Der Erste Gcncralquartiermcister: Ludendorff. Adendlirrrcht. Berlin, 2. Sept, abends. (MTV. Amtlich.) Englische Angriffe zwischen Scarpe und Somme. Südöstlich von Arras und nördlich von Peronne gewannen sie Boden; Reserven fingen den Stoß auf. Beiderseits von Vapaume wurde der Feind abgewiesen Zwischen Oise und Aisne haben sich nachmittags nach stärkstem Feuerkampf französische Angriffe entwickelt. Der österreichische GeneraNak — meldet: ========< Wien, 2. Sept. Amtlich wird verlautbart: Nichts Neues. Der Chef des Geiieralstabes. Das türkische Hauptquartier —- - meldet: ====• Konstantinopel, 1. Sept. (WV. Nichtamtlich.) General. Itabs bericht. Palästinafront: Auch gestern war die beiderseitige Artille- rletätigkeit an der ganzen Front stärker als sonst. Hart westlich der Straße Ierusalem-Nabulus wurde eine starke Aufklärungs- »bteiluna des Gegners von uns abgewiesen. Bon Jericho nach Norden sich bewegende Kavallerie- und Infanterie-Marschkolonnen nahmen wir mit weittragenden Geschützen wirksam unter Feuer. In den feindlichen Infanterielagern bei Jericho und westlich Mandesse zeigte sich viel Bewegung. Die Lager bei Vu- tellul wurden von uns mit gutem Erfolge beschossen. Am 28. August verhinderten unsere Postierungen die Rebellen an der Unterbrechung der Hedschasba.hu in der Gegend von Hedil. Auf den übrigen Fronten nichts von Belang. 15 000 Tonnen versenkt. Berlin, 2. Sept. (WB. Amtlich.) Im mittleren Mittelmeer versenkten unsere U-Boote 15,600 Vrt., darunter einen Truppentransportdampfer von über 6000 Vrt. Der Chef des Admirnlstabes der Marine. Die schwersten Kämpfe des Krieges Von einem militärischen Mitarbeiter wird uns geschrieben: Das gewaltige Ringen im Westen hat sich täglich gesteigert, da Foch alles in den Kampf warf, was er zur Verfügung hatte, da er ohne Rücksicht Menschen opferte und nur das eine Ziel kannte: eine Entscheidung herbeizuführen, den Sieg, die Niederlage des Gegners zu erzwingen. Unsere Truppen haben sich heldenhaft geschlagen, was sie in den letzten Tagen geleistet haben, wird erst die Geschickte erzählen; denn am Mittwoch und Donnerstag wurden im Westen zwischen Ailette und Aisne und Oife die schwersten und blutigsten Kämpfe ausgefockten, wie sie dieser vier Jahre währende Krieg noch nicht gesehen hat. Durchbruch war des Feindes Ziel. Menschen, Geschütze und Tanks liefen und fuhren in wilder Wucht gegen die deutschen Linien und diese 'wankten nickt. Sie hielten dem Ansturm stand, sie wichen dort, wo es nützlich war, um im Gegenstoß das aufgegebene Gelände wieder zu nehmen, sie ließen ihre Front nicht biegen, und aus dem geplanten Durchbruch ist eine schwere und blutige, eine unbesckreiblich niederschmetternde Niederlage des Feindes gewesen. Wir haben nicht nur Grund sichtbare Fortschritte als Siege anzusehen, sondern tuen gut. solche Abwehrschlachten mit als deutsche Siege zu feiern. Da nun der Gegner sich an unserer Linie verblutet hat, da seine Angriffe zusammenbracken, so ist uns in diesen schwersten Schlackten des Krieges der Sieg geworden. Unsere Helden haben großes vollbracht. Und wenn etwas, so werden diese für den Feind so verlustreichen Kämpfe nur den Frieden näher bringen. Es ist doch selbstverständlich, daß jetzt, wenn nach diesen vergeblichen Durchbruchsversuchen die Erschöpfung kommt, auch die Einsicht kommen muß, daß an einen Sieg nicht mehr zu denken ist. Diese ^Einsicht aber muß den Frieden bringen. Die Frontverlegupg in Flandern. Berlin, 2. Sevt. (WB.) Die Stellungen, die die Deutschen vor der Gegenoffensive Fochs inne hatten, waren aus einer abgebrochenen Offensive entstanden. Sie waren nicht geeignet, in ihnen eine nachhaltige, auf Kräfteersparnis hinzielende Verteidigung zu führen. Infolgedessen waren sie auch- nicht ansgebant. Von dem Augenblick an, wo die deutsche Führung sich entschlossen hat, zwischen Arras und Soifsons durch eine großzügige und freiwillige Mckoer- legung ihrer Linien den feindlichen Plan eines doppelten Flügelangriffs zu stören, war die Aufgabe der in Flandern noch verbliebenen Osfensivstellung, die durch die erfolgreiche Apriloffensive entstanden war und als keilförmiger Bogen in der Linie Kemmel—Meteren—Merris—Merville—nördlich Bethune verlief, die logische Folge der zwischen Scarpe und Oise durchgeführten Frontstreckung. Mit derselben sorgsamen Vorbereitung wie bisher wurde auch hier die Aufgabe dieses Abschnittes dnrchgeführt, durch die dem Feinde die Möglichkeit eines umfassenden Angriffes an dieser Stelle entzogen wird. Die Rahmung selbst blieb dem Feinde tagelang verborgen. Alles, was in diesem Gelände ihm irgendwie von Nutzen sein konnte, war in aller Ruhe zurückge- schasst worden. Selbst die zahlreichen Leitungsdrähte wurden abgebant, während die Unterstände, wichtigen Verteidigungspunkte, Brunnen und Brücken nachhaltig zerstört wurden. Schwache zurückgelassene, mit zahlreichen Maschinengewehren ausgerüstete Nachhuten fügten den endlich folgenden Engländern, die sich oft im Verein mit den besten französischen Divisionen vergeblich um die Wiedererobernng des Kenrmel bemühten, schwere Verluste tfL Der planmäßige Rückzug. Berlin, 2. Sept .(WB.) Die Loslösung unserer Truppen vokn Feinde erfolgte in der Gegend Bailleul. aeschcch auf die Minute planmäßig und völlig unbemerkt. Den schwachen Patrouillen, die wir zurückgelasten hatten, gelang es. dem Feinde starke Besetzung unserer früheren Gräben vorzutäuschen. Erst noch Tagen griffen am 31. August vormittags 9 Uhr dichte englische Schützenlinien unsere Nachhuten im Derggelände östlich Bailleul an. Der äußerst geschickten Verteidigung gelang es, das Vorgehen des Feindes dermaßen zu verlangsamen, daß der Gegner erst in den Abendstunden die Linie Dramaster-Ravels- berg erreichte. Die Freude an dem fast kampflos wiedergewonnenen Gelände wird den Engländern wesentlich getrübt werden, wenn sie erkennen, wie planmäßig die Rückzugsbewegung der deutschen Truppen vorbereitet worden ist. Die Stadt Bailleul, die uns die Engländer im April fast unberührt und voll von Lebensmitteln und Bekleidung überlasten mußten, ist jetzt dank der feindlichen Beschießung ein Trümmerhaufen. Ebenso ist das ganze übrige Gelände, das wir dem Gegner freigegeben haben, wüste und leer und kaum ein Unterstand blieb ungesprengt. Die Straßen sind an den wichtigsten Punkten durch Sprengung zerstört, nicht eine einzige Brücke ist brauchbar geblieben. Die großen englischen Pionierparks mit Holz, Stacheldraht, Eisenbahnschwellen, Zement usw., die uns bei unserer Offensive in die Hände gefallen sind, und die wir bis jetzt noch nicht hatten aufbrauchen können, sind zurückgeschafft worden. Zahllose Kilometer Telephondraht haben unsere Nachrichtentruppen gesammelt und dabei gleichzeitig die Telephonstangen zerstört. Wir haben den Engländern nnr zertrümmerte Trichter geschenkt. MWikItr flwfrannriff auf (Miara. Wien, 2. Sept. Die Marinesektion des Kriegsministeriums teilt amtlich mit: Am Vormittag des 30. August versuchten 4 englische Landflugztzuge Anlagen und Schiffe im Golfe von Eat- taro anzugreifen. Ihre Bomben waren wirkungslos und fielen größtenteils in die See. Von den vier Flugzeugen entkam nur eines, die anderen drei stürzten ab und zerschellten an den Felsen. Ein Flieger wurde verwundet geborgen, die übrigen sind tot. Frankfurt für Arras. Zürich, 2. Sept. Laut Schweizer Depescheninformat ton schreibt die Pariser „Liberteä" angesichts der auf französischem Boden aufgehäuften Ruinen, es müste unbedingt eine Anzahl deutscher Städte als Geiseln in Aussicht genommen werden Berlin habe für Paris einzustehen, Hamburg, München. Frank, furt und Köln müßten für Lille. Amiens, Arras und Soifsons herhalten. Für zerstörte französische Bergwerke und Fabriken müßten die deutschen Bergwerke und Fabriken haftbar gemacht werden. Amerikas wirkliches Diel. Es ist wiederholt darauf hingewiesen worden, daß Amerika den Krieg und feine Beteiligung als eine erwünschte Gelegenheit betrachtet, zu einem Militärstaat zu werden. Man denke:' England, dos den Militarismus bekämpft, Wilson, der mit dem Militarismus keinen Frieden machen will, beide sind mehr Knechte des Militarismus geworden als wir. In England wird jeder zum Militär gemacht, in Amerika jeder rücksichtslos ein» erzogen. Wieder ist die Altergrenze erhöht worden. Und Wilson hat nun auch verraten, was er eigentlich bezweckt: Amerika soll auch nach dem Kriege ein Militärstaat bleiben. Diejenigen die diesen Wunsch Wilsons als die eigentliche Triebfeder seines kriegerischen Geistes hinstellten, haben also nicht unrecht. In friedlichen Zeiten dann, wenn Amerika (durch Wilson sugge. riert) nicht die Notwendigkeit erkannt hätte, daß es seinen Verbündeten helfen müste, wäre es niemals möglich gewesen, Amerika unter Waffen zu bringen und den freien Bürger in dev grauen Rock zu stecken. Nur die Not, aus der Amerika die Verbündeten retten mußte, hat das möglich gemacht, die falschen Vorspiegelungen gaben Wilson die Gewalt, sein Volk zum Milt tarismus zu bekehren. Und der Zweck Wilsons liegt nun auf der Hand'. Amerika hat andere Aufgaben nach dem Krieg. Zu diesen Aufgaben braucht es die Soldaten, den Militarismus: Die alte Feind, fchaft mit Japan muß zum Austrag kommen. Wilson sagte lischt, daß er die Soldaten nach dem Frieden für einen neue« Krieg brauchte (ein Völkerbund müßte ja jeden Soldaten über, flüssig machen), nein, nur allgemein erklärte er die Notwendigkeit, der militärischen Rüstung auch für spätere Zeiten. Daraus wird Japan erkennen können, was Amerika noch vorhap Japans wegen durfte selbstverständlich eine solche Militarisier rung Amerikas nicht erfolgen. Ehe sie fertig gewesen wäre.. Die NkGlldWng m niifrm §and»!tt!ihalt. hätte Japan schon seine Konsequenzen gezogen. Nur unter dem Deckmantel ist Japan übertölpelt worden. Und Amerika kann sich in aller Ruhe und Harmlosigkeit auf den Krieg nach diesem Völkerkrieg, auf die Auseinandersetzung mit Japan rüsten. Rußland. Lenin außer Lebensgefahr. Basel, 2. Sept. Nach einem Bericht der in Bern er- fd'.'irmbeTt „Russischen Nachrichten" vom 1. September ist das Befinden Lenins bedeutend besser. Sein Leben ist außer Gefahr. Die Kämpfe im Innern. Moskau, 30. Aug. (WB.) Meldung der Petersburger Lelegraphenagentur. An der ganzen Front fand im Laufe des Tages eine Reihe für uns erfolgreiche Kämpfe statt. Ueberall weicht der Feind vor dem Druck unserer Truppen. An der nordkaukasischen Front rücken wir unter Kämpfen immer weiter vor. Nordwestlich von Gumrak besetzten wir die Station Kotlubenj und die Weiler Graschi, Gorodisch- tsche, llwaroska und Kalmytzkij. Der aus diesen Stellungen von uns herausgeworfene Gegner verlor drei Geschütze, fünf Maschinengewehre und mehr als 200 Gewehre und eine Menge Munition und Kriegsgerät. An der östlichen Front drängen wir in der Richtung auf Alapajewsk den Gegner auf die Station Kuticha zurück. In der Richtung auf Tagilsk besetzten wir die Dörfer Sewernafa, Werchoturka und Wostowaja und ebenso das Wostawsky-Bergwerk. Hier nahmen wir dem Feinde Gefangene und Maschinengewehre ab. In der Richtung auf Lyswensk besetzten wir die Haltestelle 152. In der Richtung auf Kuugen nahm unsere Kavallerie, indem sie den Gegner von der Station Sargo abdrängte, das Dorf Pemjaki. Im Bezirk von Kasan besetzte unsere Heeresabteilung auf dem ligken Wolga-Ufer das Dorf Ossinowo, wobei sie einige schwere Geschütze, mehr als zehn Maschinengewehre und viel Munition erbeutete. In der Richtung auf Sysra besetzten wir das Dorf Ismailowka und nordwestlich der Stadt Nikolajewsk das Dorf Liwensta. An der nördlichen Front sind unsere bewaffneten Schiffe aus Norddüne nach einem erfolgreichen Kampfe bis zum Dorf Gutaßka vorgerückt. Du Zchkik du Sntiilfi in KEMMpel. Konstantinopel, 1. Sept. Agentur Milli. Der Scheck der Senussi, Achmed, ist in Begleitung des Abgeordneten von Denghasi, Jusiuf Schetwan Bei, heute in Konstantinopel eingetroffen. Bei der Einfahrt des Zuges in den von einer zahllosen begeisterten Menschenmenge erfüllten Bahnhof leistete eine Ehrenwache mit Musikkapelle die Ehrenbezeugung. Der Sultan, der Großwesier und der Scheich ul Islam entsandten Vertreter zur Begrüßung. Kriegsminister Enver Pascha war persönlich anweferck». Er empfing den Scheit beim Verlassen des Zuges: beide umarmten einander. Alle religiösen Körperschaften, Abordnungen der Algerier und Hindus, sowie Einwohner von Tripolis wohnten dem Empfang bei. Der Scheck begab sich mit seinem Gefolge nach dem alten Serack. Die türkischen Blatter begrüßen die Ankunft des Scheiks der Senussi mit Begeisterung und heben die von ihm in Afrcka gespielte große Rolle hervor, wo eine handvoll tapferer Krieger unter seinem Oberbefehl den italienischen Truppen die Sprtze biete. Konstantinopel, 2. Sept. (WB.) Die Zeremonie der Schwertumgürtung fand heute Vormittag um 10 Uhr statt. Der Sultan, der die große Marschalluniform angelegt hatte/ begab sich in einer Prunkbarke nach der Vorstadt Ejub. Die kaiserliche Familie und das kaiserliche Gefolge folgten in Booten nach. Am Landungsplatz wurde der Sultan von den kaiserlichen Prosen, von dem von allen Ministern umgebenen Großwesier vom Parlamentsbüro u. s. f. empfangen. Truppen bildeten bis zum Portal der Moschee Spalier. Der Sultan betrat ohne Turban die Ejub-Moschee. Rach Verlesung der vorgeschriebenen Gebete ergriff der Scheik der Senussi, Achmed, den auf einem mit kostbaren Teppichen bedeckten Tische liegenden Säbel des Propheten Omer und gürtete ihn dem Sultan um. Auf dem Rückweg machten vor dem Adrianopeler Tor der Stadtpräfekt und die städtischen Behörden dem Sultan ihre Aufwartung; der Stadtpräfekt überreichte dem Sultan eine Glückwunschadresse der Stadt Konstantiuopel. Der Zug machte sodann vor der Fathi-Moschee halt, wo der Sultan dem Eroberer von Konstantinopel seine Verehrung bezeugte. Darauf bestieg er wieder den Wagen, um sich nach dem alten Serail zu begeben. Auf dem Bejawid-Platz waren für das diplomatische Korps Zelte errichtet, vor denen der Sultan einen Augenblick anhielt. Schließlich trat der Sultan zu Schiff die Fahrt nach Dolmabagtsche an. Wie viel Wiinden rnhkn ans dm Mkereskrmdk? Früher war alle drei oder vier Jahre die Rede von felt- > famen Expeditionen und Bergungsversuchen, durch die unterneh- n-ende Leute dem Meeresgründe die brachliegenden Schätze zu entreißen suchten. Kurz vor dem Kriege hat sich ein fleißiger Bibliothekar die Mühe gemacht, auf Grund aller vorhandenen Nachrichten, Dokumente und Chroniken auszurechnen. wie viel Gold, Silber und Geld bei Schiftbrüchen von den Meerestiefen verschlungen wurde. Und er kam dabei zu dem Ergebnis, daß in den Meeren Schätze im Gesamtwerte von fast fünf Milliarden Mark schlummern, genauer: 4600 Millionen Mark. Rach den Schätzungen dieses Zahlenfreundes ruhen allein in den europäischen Cewägern Wracks, deren Inhalt ausreichen würde, um Jahre lang den Ausgabeetat einer Großmacht zu bestreiten. An der Spitze steht wohl bei dieser Berechnung die berühmte spanische Fregatte „Duque de Florencia", die vor drei Jahrhunderten an der schottischen Küste in der Bai von Tober- mory Schiftbruch erlitt und unterging. Die Fregatte war das Ersatzschiff der berühmten spanischen „Armada", und nach den noch erhaltenen Urkunden führte sie zur Zeit ihres Unteraanges in Gold- und Silberwaren einen Schatz von über 600 Millionen an Bord. An zweiter Stelle steht die englische Fregatte „Lutine", die im Jahre.1799 an der holländischen Küste, an der Einfahrt znm Zuydersee, untergirg. Sie soll Edelmetalle und Geld im Werte von 320 Millionen Mark im Schiffsraum gehabt haben; in den letzten Jahren find schon mehrfach Versuche unternommen worden, wenigstens einen Teil dieser Schätze wiederzufinden, aber sie alle blieben, wie die meisten derarttgen Experimente, bisher erfolglos. Bei Anglefey ging im Jahre 1839 die „Royal Charter" unter und nahm einen Schatz von nahezu 300 Millionen Mark mit in die Tiefe. Und annähernd die gleiche Summe enthielt die „Großvenor". die am Kap der guten Hoffnung scheiterte und zwar an einer Stelle, wo das Meer nur 30 Meter tief ist. Auch in den Tiefen der Bai von Vigo ruhen ungezählte Millionen in Goldbarren und Silber, denn hier scheiterten einst die spanischen Schatzschiffe, die gewatt tige Vorräte von Edelmetall aus Amerika ins Mutterland tra- gen sollten, man schätzt den Verlust, den die spanische Staats- kasie mit der Vernichtung dieses Geschwaders erlitt, auf ungefähr 560 Millionen Mark. Aber was sind alle diese Schätze und Millionen gegen die unschätzbaren Werte, die seit Beginn des Weltkrieges in Seeschlachten und durch den U-Boottrieg auf den Grund des Meeres befördert wurden? Eine Schätzung des Wertes, den die versentten Schifte und die mit ihnen unter gegangenen Güter hatten, brachte es kürzlich auf dreißig Milliarden. Und auch diese Schätzung wird kaum genügen. Der Meeresgrund wird noch zum Grabe des Reichstums der Nationen. In NilWkr LrikWkfiuistsMgit. Erlebnisse eines Friedberger Studenten in Rußland. Am 3. September 1915 wurde ich bei Mugut. 40 Km. südöstlich Riga, gefangen genommen. Wir lagen auf Vorpostenstellung. wurden nachts umzingelt und am frühen Morgen plötzlich von drei Seiten angegriffen. Rach kurzem Gefecht mußten wir der von drei Setten andringcNden Uebermacht weichen. Die Flucht begann und auf der Flucht wurde ich als einer der Letzten des Zuges, durch ein Getreidefeld kriechend, von den Russen überholt und trotz mehrmaligem Fluchtversuch ergriffen und mit 5 Mann Bedeckung abgeführt. Es gerieten mit mir noch 4 Mann und ein verwundeter Oberjäger in russische Hände. Die Behandlung bei der Gefangennahme war anständig .insofern, als ich nicht ausgeraubt wurde und außer einigen Kolbenstößen auch sonst keine Mißhandlungen zu erdulden hatte. Rach einigen Verhören bei Brigade- und Divifionsstab, die sehr theatralisch wegen der gezenseitigeu Meinungsverschiedenheiten verliefen, wurden wir zu 5 von Kosaken nach Riga transportiert. Dort wurden wir in einem Gefängnis untergebracht, in dem schon 8 deutsche Infanteristen „logierten". Am nächsten Tag abends oings weiter nach Wenden; wieder Verhör beim Stab. Von dort brachte man uns 4 Tags später nach Pskow. Hier blieben wir U Tage. Unsere Unterkunft war das Zuchthaus. In einer Zuchthauszelle lagen wir: 2 Offiziere und 10 Mann. Während dieser Zeit sammelten sich dort ungefähr 150 deuffche Kriegsgefangene an. Nachdem auch hier die Vernehmungen des Armeeoberkommandos, wobei den Russen die schönsten Geschichten aufgebunden wurden, überstanden waren, brachte man uns auf Umwegen nach Moskau. Von Moskau wurden wir in ein Arbeitslager nach Arsamas, Gouv. Nifchni-Nowgorod, gefahren. 500 Deuffche waren dort beschäftigt und wohnten teils in einer alten Kaserne, teils in einer Schule. Lagerstätte: Holzbritschen, weiter nichts. Tägliche Verpflegung: Vormittags heißes Wasser; mittags Kraut oder Fischsuppe (kaum genießbar) und Hirse- grutze. Abends wieder eine dünne, aber „warme" Wassersuppe. Brot erhielten wir täglich 1% Pfd., aber derartig naß gebacken, daß es kaum zu vertragen «ar. Wir kamen in dieser Zeit körperlich vollständig herunter, da unser letztes Geld verbraucht war und wir außerdem kaum noch ein Hemd auf dem Leib hatten. Eines Tages wurde die Intelligenz herausgeschrieben, weil unfähig zur Arbeit, und kurze Zeit daraus abgeschoben. Kur? vor unserer Abreise durften wir noch die große Freude erleben, eine deutsche Schwester zu bearüßen, die jedem 3 Rubel gab — ein fürstliches Vermögen. Wir wurden nach Nifchni-Nowgorod gebracht und trafen dort noch eine Menge Kriegsgefangene an. Rrschni-Row-gorod bildete ein Sammellager. Die wenigen Baracken, die es befaß, waren überfüllt. Es fing an kalt zu werde'm Während diesen 3 Wochen wurden wir mit Knuten zur Arbeit getrieben. Ich habe dort Straßen gekehrt und dafür 10 Ko^. am Tag erhalten. Endlich gings weiter. Wir traten an, vielleicht 1000 Mann, wurden an die Bahn gebracht und fuhren in 21 tägiger Fahrt nach Sibirien. Am 8. November nichts 12 Uhr standen wir, vollständig verdreckt und verlaust in schnei dendem Wind auf einem Bahnhof weit hinten, wo nur noch Sand und Kiefern sind. Transbaikalien war erreicht und das Lag^z. hieß Derefowko, deuffch: Birkendorf. Als früheres russisches Truppenlager waren die Baracken anständig gebaut, aber vollkommen verwahrlost. Wir Faben einen sehr schlechten Winter 1915-16 durchgemacht. Es brach unter den 30 000 Mann, die das Laaer damals faßte, Flecktyphus aus, der täglich 3—4 Opfer forderte. Erst als im Frühjahr 1916 aus der Heimat Uniformen, Wäsche und pekuniäre Unterstützung kam, wurden die Ver^ hältnisse erträglicher. Dazu gingen im Sommer 1916 eine große Zahl Transporte auf Arbeit, so daß das Lager auf 6000 Man^ darunter 1000 Reichsdeutsche, zusammenschmolz. Diese Stärke ist nttt einigen geringen Schwankungen bis zu meiner Abfahrt geblieben. Im Mai 1916 konnte aus eigenen Mitteln neben an. deren Restitutionen wie Schule, Orchester ufw., die alle schwer um ihr Leben gegen russische Willkür zu kämpfen hatten, auch eine protestantische Kirche in einem leeren Barackensaal eingerichtet werden. Damit hatte ich eine Beschäftigung gefunden und bin als Prediger bis zum Schluß tätig gewesen. Die Tage, die sich zu Monaten und Jahren sammelten, haben uns schwer zu schaffen gemacht. Wir haben von Minute zu Minute um die Heimat gelitten und sind oft irre daran geworden, ob sie uns je wieder Die Nationalliberale Korrespondenz gibt höchst beachttns- werte und nur allzu begründete Ausführungen des Abgeor -;e> ten Dr. Stresemann über die Landwirtschaft und Mittel, stand inhaltlich folgendermaßen wieder: Die weitgehende Rücksichtnahme des Staates, die gegen- über den Arbeiterintressen fortgesetzt geübt worden sei. habe di, Politik gegenüber der Landwirffchaft vollständig vermissen las- sen. Der Bauer habe von'dem Wohlwollen der Behörde nichts zu spüren bekommen. Ihm kam man, führt Sttesemann weiter aus, mit Beschlagnahmen, Haussuchungen, Durchsuchungen, auch durch Militär, Sttafen, Androhungen und einem Hexensabbat von Verordnungen, die niemals von einer Landwirtschaftskammer ausgesponnen worden sind, bei denen die Vertretungen nicht um ihre Meinung befragt wurden, so daß sie vielfach von Leuten ausgingen, die von diesen Dingen theoretisch wenig und prakttsch gar nichts verstanden. Es ist keine vom Bund der Landwirte in die Oeffentlichkeit gesetzte demagogische Phrase, daß der deuffche Bauer dadurch heute teilweise bis zum Haß verbittett ist. In bezug auf diese Stimmung gibt es in der Landwirtschaft gar keinen Unterschied der Partei. Der liberale Bauer denkt genau so wie der auf die „Deuffche Tageszeitung" schwörende Vündler. Die Zuvielregiererei wird gerade in der Landwirffchaft als unerttäglich empfunden, und da Druck Gegendruck erzeugt, ist das Endergebnis eine Minderung der Freudig, keit, ein Sichversteifen gegen die Regierungsverordnungen und ein Manko an Staatsfreudigkeit, das sich einmal aufzeigen wird, wenn man zu späteren Zeiten wied-r die Notwendigkeit empfinden dürfte, an diejenigen Schichten zu appellieren, die man jetzt straflos glaubt vernachlässigen zu können. Es ist seltsam, wie ungerecht die öffentliche Meinung sich in bezug auf die Landwirtschaft gerade in der Gegenwart stellt. Sobald es sich um Erhöhung des Preises für landwirtschaftliche Erzeugnisse handelt, wird sofort vom Wucher gesprochen. Wenn das Wort Bedeutung haben soll, dann wäre es auf viele andere Erscheinungen des wirtschaftlichen Lebens mit viel größerer Berechtigung än- zuwenden als auf die deutsche Landwirtschaft, die ihrerseits die notwendigen Maschinen und Neuanschaffungen zu exorbitanten Kriegspreisen beschaffen muß. aber selbst nicht in der Lage ist. einen den gestiegenen Erzeugungskosten entsprechenden Preis für ihre Produkte zu erhalten. Die kriegswirtschaftliche Methode auf dem Lande zeigt seltsame Gegensätze. Der Landwirt sieht die sinnlose Bereicherung aller derjenigen Personen, die einen Posten als Vermittler oder Agent der Kriegswirtschaft erlangt haben. Es wirkt auf ihn aufteizend, wenn er sieht, wie einige Pferde- oder Viehhändler, die nur die Vermittlung durch ihre Bücher gehen lassen, das Geld in Scheffeln einstreichen, daß Fabriken, denen landwirtschaftliche Erzeugnisse zur Derarbei- tung zugewiesen werden, Millionen verdienen, während sie selber um jede angemessene Erhöhung ihrer Erzeugnisse einen oft vergeblichen Kampf fuhren müssen Dabei arbeiten die Kriegs', gesellfchaften vielfach ohne Fühlung miteinander, die Reichsge- musestelle und die Reichsfleischstelle tteiben ihre Polittk ohne inneren Zusammenhang. Zu den hohen Preffen für die Viehfütterung stehen die für das Rindvieh gezahlten Preise in kei- nem Verhältnis und ersticken dadurch die Produktion. Dazu kommen dann noch allerlei Schikanen, beispielsweise, daß die Ablieferungstermine willkürlich festgesetzt werden und ein Bauer der unter Zugrundelegung der alten Preise seine Kälber an. gefuttert hat, sie nicht zu dem Termin loswerden kann, wo sie schlachtreif sind, dann aber bei dem nächsten Ablieferungstermin erfahren muß. daß inzwischen die Presse um 40 Mark für den Zentner heruntergeseht sind. Gewöhne man sich doch endlich daran, mit dem blöden Schlagworte von dem „Agrarier" aufzuräumen und alle diese Dinge der Ernährung mit dem gesunden Menschenverstände anzusehen. Was dem Munitionsarbeiter recht ist, ist dem Bauer geschenkt wird. Eine Frage ist uns nicht aus dem Sinn gekommen: Werden sich einmal wieder Hände strecken, die uns durch ihre Liebe vergessen lassen, was wir erlebt und gelitten haben? Rur die Hoffnung auf das jenseits der Berge liegende, im We> stcn träumende Land hat uns aufrecht gehalten und das Bewußtsein, doch noch deutsche Soldaten zu sein. Am 21. April 1918 wurden sämtliche Reichsdeutsche des La. gers Verefowka abtransportiert, um in JrkutÄ westlich ':es Baikalsees ausgeladen zu werden. Die Enttäuschung war groß, mtt glaubten nach Hause zu fahren.. Obwohl das Lager ähnlich, wenn auch schlechter gelegen, aussah, hatten sich unsere Verhältnisse doch wesentlich verschlechtert, da wir alle unsere mühsam errungenen „Kulturgegenstände" über Bord geworfen hat. ten. Nach 3 Wochen, in denen jeder Tag unsere Hoffnungen schwächer werden ließ, wurde die Flucht möglich. Der Delegat des schwedischen Noten Kreuzes ließ bekannt geben, daß man auf eigene Kosten fahren kann, die Pässe würden besorgt. Und so bin ich mit einem Kameraden aus Darmstadt, nachdem wir uns Geld verschafft hatten — ein deutscher Vrauereibesitzer V dj große Summen aus, um seine Kapitalien in Sicherheit zu bringen — am 10 v Mai anno Domini 1918, am 1. Pfingsttag, abends 6.45 Uhr mit dem Personenzug Jrkutsk-PeterSburg „abgehauen". Mir sind glücklich durch Sibirien gekommen, wurden aber 1000 Km. vor Petersburg in Wiatka entdeckt und aus dem Zug gewiesen. In Wiatka trieben wir uns vollkommen obdachlos 3 Tage herum, bis uns die gerade angekommene Räte-Konnnrssion weiterhalf. Am 1. Juni vormittags 9 Uhr fuhr der Zug in Petersburg ein. Von Petersburg wurden wir nach 8 Tagen als Zivilgefangene wcitergefchoben und überfuhren die deutschen Linien bei Pskow „ am 8. Juni abends 12 Uhr. — Wir waren der Heimat wieder geschenkt. Der Empfang war überaus herzlich und wir waren dankbar für jedes liebe Wort, das uns gesagt wurde. Nach 14- tägiger Quarantäne, die ich in Warschau absolvierte, bin ich am 1 Juli in der Heimat angekommen und suche noch heute den Kontakt mit dem Leben zu finden, der mir tu dieser langen ruf« lachen Zeit vollständig verloren war. billig. Wenn der deutsche Liberalismus in dieser Kriegszeik, in der es sich darum handelt, die Ernährung des deutschen Voltes sich erzust eilen, sich von den Grundsätzen des Afphaltliberalis- mus in bezug auf die Landwirtschaft leiten läßt, dann geht ihm das Vertrauen in der Landwirtschaft verloren. Genau so feh. lerhaft wie es ist, die Fragen der Außenpolitik mit denen der Innenpolitik zu verknüpfen, genau so fehlerhaft wäre es, aus einem falschen Vorurteil gegen die „Agrarier" heraus sie auch dort nicht zu hören, wo sie unzweifelhaft das größte Sachverständnis haben. Wenn jeder ein Egoist ist, der in diesem Kriege höhere Preise für seine Erzeugnisse verlangt hat, dann besteht das deutsche Volk überhaupt nur aus Egoisten. Mit diesem Vorwurf sollte man gerade angesichts der Vorgänge in unserem übrigen Wirtschaftsleben recht vorsichtig fern, ehe man ihn gegenüber der Landwirtschaft anwendet. Stresemann prüft dann die Frage ,wie es um die Lebensfähigkeit des Mittelstandes steht, und setzt sich für die Wiederausrichtung des Mittelstandes nach und während des Krieges nachdrücklichst ein. Dabei nimmt sich der nationalliberale Führer der Interessen des Mittelstandes in der Industrie, dem man die Betriebe stillgelegt, im Handwerk, in der Kaufmannschaft und im Privatbeamtenstands, dessen unhaltbare wirtschaftliche Lage vielfach durch die Tatsache gekennzeichnet werde, daß technische Vorgesetzte mit ihren Bezügen hinter ihren Arbeitern Zurückbleiben. Zur Frage der Veamtenbesoldung vertritt Dr. Stresemann den Standpunkt, daß das Zurückschiebcn der Beamtenbesoldungsreform im großen richtig war, so lange man mit einem kurzen Kriege rechnete, daß aber heute zu erwägen sei, ob diese Gedankengänge noch auftechterhalteu werden tön. nen. Zum mindesten werde man die Teuerungszulagen in das richtige Verhältnis zu den gestiegenen Lebenshaltungspreisen - bringen müsien. Gleiches Recht für alle bedeutet in der Gegenwart gleick-e Berücksichtigung aller volkswirtschaftlichen Faktoren und Gleichstellung aller für das Vaterland ehrlich Arbei- enden, gleichgültig, auf welchem Platze sie stehen, unbeschadet besten, ob sie Kopf- oder Handarbeiter sind. Das heutige System sei durch große Einseitigkeit gelennzeichnet und berge Gefahren in sich, denen wir begegnen müssen, ehe es zu spät ist, und ehe wir unersetzbare Werte des deutschen Volkslebens dauernd zerstört oder mindestens herabgedrückt haben.- (Wenn gewisse nationalliberale Kreise, namentlich die links „orientierten" die beherzigenswerten Darlegungen ihres Führers nicht bloß als richtig erkennen, sondern auch aus ihnen lernen und die Konsequenzen ziehen wollten, so müßten es die sein: wir haben bisher allzusehr mit denjenigen Parteien, die die geschworenen Feinde unserer Landwirtschaft und unseres Mittelstandes sind, dem Sozialismus und dem internationalen Freisinn und Liberalismus geliebäugelt, deren Partei egoistische Machtpolitik in unerträglicher Weise gesteigert und dadurch den verderblichen Kriogssozralismus, das Ideal dieser Parteirich- langen, in unverantwortlicher Weise mitgefördert. Abkehr von diesem Wege ist der erste Weg zur Besserung, denn nicht bloß bei der Regierung und den Behörden liegt die Schuld, sondern bei all denen, die sich in der Demokratisierung unseres Staats, wesens nicht genug tun können. Und wie für einen großen Teil des Zentrums, das vor lauter demokratischer Anpastung an die Erzbergersche Politik vielfach vergesten hat, daß es auch noch andere Aufgaben zu lösen gilt als eine Verständigung mit unseren Feinden zu suchen, die eine solche nicht wollen, sondern von jeher höhnisch abgelehnt haben und nur durch die Waffen, sonst durch gar nichts dazu gebracht werden können. Würden die Parteien, die ihrem ganzen politischen Aufbau, ihrer Vergangenheit und ihrem Parteiprogramm gemäß nach rechts und nicht nach links orientiert sein mästen, sich auf diese Grund- ftruktur zurückfinden und dementsprechend wirken, so wäre manche in unserem innerpolitischen und wirtschaftlichen Leben besser, jedenfalls nicht so trostlos, wie es gegenwärtig ist. D. S.) Ans welchem Holz die Lickmowsky's, Speck's von Sternburg usw. geschnitzt sind, davon gibt ein Inserat Kunde, das wir in der „Frankfurter Zeitung" — ausgerechnet in der „Frankfurter Zeitung"! — finden. E- illustriert das neue Schlagwort „Freie Bahn dem Tüch. ligsten?" auf mindestens höchst originelle Weise. Man höre: „Freund unserer Familie, Attache in hoher Position, mit größter Zrckunft, große, elegante Erscheinung, 30 Jahre alt, freidenkend, gesund, allererste Familie, Vater Exzellenz, sucht, da keine Gesellschaften statffinden, auf diesem Wege eine Lebensgefährtin aus bester Familie, deren Vermögen es gestattet, die Frau eines zukünftigen Voffchafters zu werden. Gegenseitige Diskretion Ehrensache. Vermittler streng verbeten. Um ausführliche Anträge ersucht gefälligst postlagernd Jnvaliden- dank, Berlin, unter Chiffre „Glück 1888." Diese Anzeige des ..zukünftigen Botschafters" des Deutschen Reiches bei einer auswärtigen Großmacht in der demokratischpazifistischen „Frankfurter Zeitung" ist typisch für den Geist mancher Diplomaten die Deutschland, die deutsche Sache, die deutsche Kultur im Auslande an hervorragender Stelle vertreten scllen und wollen. Es ist begreiflich, wenn solche deutschen Vertreter nicht das richtige Verständnis für das auf-- brin-gen, was uns draußen notlut, und man begreift die vielfachen Klagen unserer draußen um ihr Deutschtum kämpfenden Landsleute über das mangelnde Verständnis der amtlichen deutschen Vertreter. Bedauerlich zugleich, daß der diplomatische Nachwuchs solche Wege — ausgerechnet durch die „Frankfurter Zeitung" — beschielten muß, um vorwärts zu kommen. Man dotiere einen Botschafterposten so. daß er mit einem tüchtigen Mann besetzt werden kann, der hierfür geeignet ist, damit man nicht eine Persönlichkeit heranziehen muß, die sich einmal auf den Exzellenz-Vater und dann auf die reiche Frau, gefunden durch die „Frankfurter Zeitung" und aus deren bekanntem Anhang, berufen kann, um damit die Eignung für diesen Posten «achzuweisen Uom Hviegsdier. Die „Dsutfche Tageszeitung" bringt eine Klage aus dem Leserkreis, die sich mit dem Unfug der Berliner Kriegsbiers beschäftigt. Da auch bei uns — wenigstens was die von den Großbrauereien gelieferten Biers betrifft — die Verhältnisse nicht bester liegen, so seien die Ausführungen zum Abdruck gebracht: Entbehrungen und Entsagungen sind Begleiterscheinungen des Krieges, die getragen werden mästen — ohne Murren. Was aber nicht geduldet werden müßte, sind so manche Begleiterscheinungen namentlich auf dem Markte der Ersatz- oder Streckungs- mittel. Während früher die unverfälschten Lebensmittel sich einer geradezu rührenden Fürsorge unserer Behörden erfreuten, kann sich jetzt auf dem Gebiet der Lebensmittelherstellung jeder zügellos austoben. Geradezu skandalös sind die Derhältniste geworden. Kann nicht soviel Vier gegeben werden, gut, so be. gnüge sich jeder mit weniger, dieses wenige müßte aber trinkbar sein. Was jetzt jedoch als Vier verzapft wird, trägt nur den Namen und hat mit Gerstensaft nichts mehr zu tun. Master und Steuern allein machen Bier noch nicht aus, und Ersatz gibt es auf diesem Gebiete nicht. Stimmung macht bekanntlich viel im Leben und läßt manches ertragen, und zur Erhaltung oder Anregung der Stimmung sind Genußmittel, auch trinkbare, durchaus geeignet, manchem unentbehrlich. Ich will den Kriegsschiebern keine Konkurrenz in ihren Weinschwelgoreien machen, kann es auch nicht, aber einen halben oder auch einen ganzen Liter anständigen, wirklichen Vieres möcht ich gern zu mir nehmen, wenn ich einmal in der Woche nach getaner Arbeit mit guten Freunden der geselligen Bussprache pflege. Das ist ein Verlangen, das nach meiner bescheidenen Ansicht billig ist. Kann das Bier wegen Mangel an Gerste nicht so wie früher gebraut werden, so sollte man mehr auf die Güte als auf die Menge des Gebrauten sehen; auch Hopfen könnte hinzugetan werden, wie es früher Brauch war und wie heute noch hier und da in kleinen Brauereien geschieht. Tatsächlich findet man an manchen Stellen im Lande selbst heute ein recht trinkbares Bier, während in Berlin das meiste einfach ungenießbar ist. Unsere Behörden und „Stellen" kümmern sich um alles und jedes, mitunter scheinbar lediglich, um ihr Dasein zu rechffertigen,' hter sollten sie einmal dazwischenfahren. Wer da zuständig ist. weiß ich nicht; ich meine aber, daß allein schon das sonst recht rührige Kriegswucheramt die Au'gabe haben müßte, die sogenannte Güte des Vieres und den Preis dafür in Einklang zu bringen. Das Zeug, das in Berlin mit 1 Mark für den Liter — Mindest- prei» — bezahlt werden muß, ist reell keine 5 Pfennige wert. Dev will ebbes. Von Rudolf Dietz. Ach, was wor des doch e' Juwel, Wann ich komm zum Krnnerdruwel Bei mer' ländliche Verwandte, Wie mer noch de Friede kannte. Schnauzer, der beim Dor geiege, Koom gehippt mer früh entgege. „Willkumm, willkumm!" rief der Vetter, Un die Bas. die wor noch netter. Bahl hunn se mich dudgedrickt. Un des Fritzche rief beglrckt: „Der bringt ebbes!" Un bein Disch mußt ich mich setze Un mit de Verwandte schwetze, Un die Bas Hot uffgedroge, Deß die Viatt sich Hot geboge, Un die Kinn, die dahte nasche Schokelad aus meine Dasche, Pefferniß und Abbelsine — Dutzendweis — ich sage Ihne, 's Fritzche, des is bahl verblatzt Un Hot zwischedorch geschmatzt: - „Der b r o o ch t ebbes!" Jetzt, ach Gott, wenn ich mol kumme, Ach, wie werd mer uffgenumme; Kaum, deß mich die Kinn erblicke, Duhn sie hamlich sich verdrücke. Und der Schuft, der Hofhund Schnauzes Bellt kan frühe Willkummgauzer, Hot sich in die Eck verkröche. Packt mit alle Zäh' sein Knoche, Guckt mich giftig aa' urt knorrt, Un die Katz schiebt ab un schnorrt: Der will ebbes!" 's Bösche duht sein Schritt hi'lenke, Wu die Wurscht un Schinke henke, Zwaamol dirht's de Schlisse! drehe Un ans hamlich Vlätzche lehe. Un der Vetter schweht vom Wetter, Alles abgeliwwert hätt' er, Alles abgeliwwert leider- Un ich schleich mich Widder Werder, Un mei' Schokoladefritz Macht am Dor der gude Witz: „Der wollt ebbes l" , T __ ü. Ans der Heimat. Zucker aus der Ukraine. In letzter Zeit mehren sich die Fälle, in denen sogenannter verkehrsfreier Auslands.- oder Ukraine-Zucker zu ganz übermässigen Preisen angeboten wird, und zwar insbesondere zur Weinverbesterung oder zur Herstel. lang von Haustrunk. Demgegenüber kann nicht oft und nicht nachdrücklich genug darauf hingewiesen werden, daß es Verkehrsfreien Zucker überhaupt mcht gidi. Auch der aus der Ukraintz' stammende Zucker wird ausschließlich von der Reichszuckerstelle bewirtschaftet und befindet sich nicht im freien Verkehr. Wenn daher sogenannter verkehrssreier Zucker angeboten wird, so handelt es sich ausnahmslos um Zucker, der auf Schleichwegen erworben ist und bei dem sich der Erwerber nicht nur der Beschlagnahme des Zuckers, sondern auch hoher Bestrafung aussetzt. Die Bezeichnung „Auslands- oder Ukrainer-Zucker" wird in solchen Fällen nur gewählt, um den unvernünftig hohen Schleichhandel-Preis zu begründen. Es kann daher jedermann nur vor dem Erwerb derartigen angeblich verkehrsfreien Zuckers gewarnt werden. 8i\ Brotpreife. Eine nicht uninteressante Zusammenstellung über die jetzt in verschiedenen Städten gezahlten Brotpreife für ein Kilogramm find wir in der Lage nachstehend veröffentlichen zu können. Hiernach kostet ein Kilo Brot in Marburg 39 Pfg., in Aschaffenburg 10 Pfg., in Friedberg und Gießen 45 Pfg., in Kastei 47 Pfg., in Gelnhausen 47,2 Pfg., in Hanau 47,8 Pfg.. in Mainz 48,5 Pfg., in Höchst a. M 50 Pfg., in Frankfurt a. M. 50 Pfg., in Bad Homburg 50 Pfg., in Fulda 51,6 Pfg., in Wiesbaden 52,67 Pfg., in Biebrich 55.5 Pfg. Friedberg—Aschaffenburg. Rach einem jetzt auf dem Bür. germeisteramt Groß-Auheim aufliegenden Entwürfe soll eine Verbindungsbahn zwischen der Hanau—Friedberger und der Hanau—Aschaffenburger Linie bei Eroß-Auheim erbaut werden Mit dieser Verbindungsbahn soll eine Entlastung des Ostbahn. Hofs Hanau eintreten. Ober-Efchbach, 1. Sept. Anläßlich des Sedantages wurde am 1. September im Saale des „Darmstädter Hofes" dahier eine vom Kciegerverein einberufene und von zirka 160 Personen besuchte Versammlung abgehalten. Als Festredner war ein Veteran von.1870/71 in der Person des Herrn Schwind von Klein-Karben gewonnen worden. Der jetzt 71jährige Herr entledigte sich seiner Aufgabe in meisterlicher Weise; das bewies das Beifallklatschen nach Beendigung seiner zu Herzen gehenden Ausführungen. Die Schulkinder, welche mehrere 3stimmige Chöre dortrugen, Lehrer M., die aus französischer und russischer Gefangenschaft zurückgekehrten Kameraden Gutermuth und Schneider und der Feldgraue Sergeant Dehler haben durch ihre rednerischen Ausführungen zur Verschönerung des Tages beigetragen. Dem aus russischer Gefangenschaft zurückgekehrten Gutermuth wurde ein Geldgeschenk seitens der Gemeinde überreicht. FC. Ober-Eschbach, 1 . Sept. Hier haben sich 80 männliche Bewohner znr freiwilligen Nachtwache gemeldet, um den vielen vorkommenden Feldfreveln vorzubeugen. Ein Frankfurter Pärchen wurde von der Nachtwache erwischt und ihm 80 Pfund gestohlene Aepfel abgenommen. FC. Aus dem Kreise Schotten, 30. August. Im hiesigen Kreise sind für Geflügel folgende Höchstpreise festgesetzt worden, für den Verkauf durch den Züchter nach Schlachtgewicht: Gänse im Gewicht von 5—8 Pfd. pro Pfund 2.50 Mk.. im Gewicht von über 8—10 Pfd. 2.75 Mk.. im Gewicht von über 10—15 Pfund 3.— Mark; Enten rm Gewicht bis zu 3 Pfd. pro Pfd. 2 50 Mk.. über 3 Pfd. 2.80 Mk.; Hühner, junge Hähne für das Pfd. 2.— Mk., alte Hähne 1.70 Mk„ Suppenhühner 1.70 Mk., alles pro Pfund. Für den Verkauf durch den Händler nach Schlachtgewicht erhöhen sich die vorstehenden Preise um 20 Pfg. für da« Pfund. Also auf nach Schotten! FC. Büdingen, 1. Sept. Die nächste Lehrerversammlung aller Bezirke des Kreises findet'am Montag den 9. September tn Stockheim statt. FC. ErLnberg, 1. Sept. In der Turnhalle, in der sich augenblicklich ein Lazarett befindet, wurde von Dieben dem Turnpferd das ganze Leder abgezogen und gestohlen. sr. Hanau, 30. August. Der Dreher Brauer und der Gastwirt Seipel aus Offenbach a. M. wurden dahier betroffen und festgenommen, al^ sie im Begriffe waren, das aus einer Geheimschlachtung in Mittelgründau stammendes Fleisch eines Rindes nach Offenbach auszufuhren. FC. Vom Main, 1. Sept. Weil der Gendarm ihr in der Rohe der Station Wörth 24 Pfd. Butter abnahm, gab sie diesem eine andere Hamsterin an. bei dieser wurden bei der vorgenommenen Untersuchung 250 Eier zu Tage gefördert. Aus Rhcinbksskll. FC. Mainz, 1. Sept. Die 20jährige Tochter des Steuermanns Hedwig Winschermann hatte rohe Pilze gegessen. Di« Unvorsichtige ist jetzt an Pilzvergiftung gestorben. FC. Heidesheim, 1. Sept. Nächtlicherweile wurden aus einem Stall zwei Ziegen gestohlen und gleich ^bgeschlach.'ct. Das Fleisch konnte am hiesigen Bahnhof beschlagnahmt werden. Zwei Täter, die extra von Frankfurt nach hier gereist waren, wur. den bier resp. Mainz verhaftet. FC. Oppenheim, 1. Sept. - Im benachbarten Lörzweiler wurden dem Landwirt Hetirrich Ehrist eine ganze Fuhre Frucht gestohlen Die bereits in Garben gebundene Gerste, im Ganzen 5t Garben, lud der dreiste Dieb auf einem Wagen auf und fuhr davon ohne entdeckt zu werden. Offene Stellen: 1 Nachtwächter- und 2 Knechtefamilien, 1 Kutscher, 1 Melker* lehrling, 12 Tagelöhner. 10 Knechte, 1 Aufseher. 1 Hausbursche. 10 Dienstmägde, 6 Hausmädchen. 1 Kinderfräulein. Frir'S besetzte Gebiet Frauen und Mädchen aller Berufe, auch Hllssdtenstpftichtige in nicht wehrpflichtigem Atter, Jugendliche bis zu 17*/a Jahren. Stellensuchen der Mehrere Melkersamilien und ledige Melker. 1 Haushälterin auss Laird, 1 Ordonnanz oder Küchenmädchen für La;arelt. ] Verantwortlich für den politischen und lokalen Teil: Otro ' Hirsche!. Friedberg; für den Anzeigenteil: R. Heyn er, j F»iedberg. Druck und Verlag der „Neuen Tageszeitung. A- G., Friedbera l S. Verfemt. Noman von A nny Wothe. 20) Nachdruck verboten „Ach." sagte Hansi, und ihre lichtbraunen Augen strahlten sonnig auf. „Wie wird sich Aga freuen, Sie kennen zu lernen, und ich erst, ich bin ganz toll vor Freude. Hoffentlich bleiben °' IC ein wenig hier? Sie glauben gar nicht, wie still und einsam es hier ist, eigentlich zum Sterben. Aga meint aber, es wäre stimmungsvoll." „Wohnen Sie hier auf cor Burg?" „Bewahre, ich glaube, das dürfte ich noch nicht mal, wenn ich die Frau des Kommcmd an ton wäre, denn Frauenzimmer werden hier auf dsr Burg nicht geduldet, wenigstens behauptet der alte Burgdiener, daß er feine Frau hat unten in der Stadt zurücklassen müssen. Nein, wir wohnen in dem hier angrenzenden Burghotel, das genau in den: Stil der Burg erbaut ist und gleichsam dazu gehört." „Gefällt es Ihnen?" „Ach ja, es ist nur zu einsam. Am Tage kommen ja viele Gaste herauf auf die Burg, aber wenn die Sonne sinkt, wird alles totenstill. Wir sind die einzigem Fremden hier oben und des Morgens, da ist es so still und feierlich wie in der Kirche. Finden Sie das schon, Herr Nielsen?" „Ts ist wie ein Märchen hier." sagte Jen und legte einem Moment die Hand beschattend über die Augen, „mir ist's als träume ich." „Wachen Sie lieber auf, dann will ich Ihnen zur Belohnung für meine Rettung auch den „Tugendpfad" zeigen. Wollen Sie mit?" „Auf den Tugendpfad, natürlich," scherzte Jen und haschte nach der kleinen Hand, die sich ihm zur Führung entgegen- sttectte. Jetzt stand Hansi vor einer schweren Eisentür in der Mauer still. Ein großer, alter verrosteter Schlüssel steckte im Schloß, den Hansi mit kräftigem Hand umdrehte und die schwere Tür öffnete. „Den Schlüssel verdanke ich meinem alten Freunde, dem Burgdiener, der es für notwendig hält, daß ich alle Abende auf dem „Tugendpfad" wandele. Er meint, „det wäre der eenzige vernünftige Spazierjang um det olle Iemäuer." „t)et .9)?ann hat Recht," sagte Jen tiefaufatmend, auf den kleinen Söller tretend, von dem eine ganz schmale Treppe tief herab auf einen engen Waldpfad führte, der sich in schwindelnder Hohe außerhalb der alten Burgmauer hinzog. „Ist das nun nicht wirklich märchenhaft," fragte Jen. eiligst Hansi folgend, die blitzschnell die hohen Stufen herniederstieg und nun untenstehend zu ihm aufsah. „Sollte man es glauben' gehen" kann^ ^ auibli(H ’ *> icr -in Menfchen- Eignete Hansi, schelmisch zu ihm auflächelnd, „ein aus dem Tugendpfad wandeln, wie W-Versicherung. Die Versteigerung des der kotadt Friedbecg gehörigen Obstes wird an Ort und Stelle wie foltt vorgenommen: Mittwoch, den 4. Sept. 1918. ooii vormittags 8 Ujc ab. von den Bäumen in der Stadtge- markung; Zusammenkunft am viereckigen Weiher. Donnerstag, den 5 . Sept. 1913. von vorm ttags 8 Uhr ad, von den Baumen in der Feldge markung' Zu-ammenkunft an der Ackerbau- schale. Freitag, den 6 Sept. 1918, von vormittags 8 Uhr ab, von den Bäuinen der Gemarkung des Stadtteils Fauerbach; Zusammenkunft am Friedbergec Friedhof. Die Verstei erung erfolgt unter folgenden Bedingungen: h Es werden nur Selbftver- brauch" rief Jen mit säst rauher Stimme, während ™ "T 1 LSch-ln auf den frischen Lippen die ^lugen schloß das blonde Koppchen tlef.zurücktehnte und den Arm hoch empor hob zu dem Rosengerank Wer ihrem Haupte War es nicht lächerlich, daß Jen, der starke Mann, zitterte wenn er auf das kindliche Weib an seiner Seite blickte daß es ihm war, als hinge fein Leben von den kindischen Schicksalsfragen der Kleinen ab? . 1 „ 2 ßir*> der, an den ich denke, immer bei mir sein?" kam es fast jubelnd übermütig von Hansis Lippen. Ein grüner Zweig ohne Knospe entfiel Hansis Kinder- yanochen. g. ”® 5 W ^uimn," sagte sie, aber sie wurde blaß bis in die blas^Lch7ch-n°st-»eni ^ 3e "’ faf * ° nflrhWtI irt b “ 5 t:ss wn8< "' * -*■ S°r. ? .en^ a»: Mts. ‘org; .tI!i 3 a^sgü- füHt an das Finanzamt zurückgegeben werden müfstn. Friedberg, den 2 . Sept. 1918. Der Bürgerrneister. 2. V.: Da in in. 42 00 42.00 60.00 1\0J„ „ 30.00 18."0 „ ^ 30.00 2',00.. „ 30,00 sofort liefet bar. Georg Gru ^bach, Frankiert ti. AI. ll.Vffellbilch a.M, Scheidswaldstr. 99 , Telefon Hansa 1179. Friekdo^en, Lrieium- 5LdIü§e, poLtkitrten, I^ecdnungen, Rundschreiben, Formulare oder sonstige andere Tapeten- und Linoteumhans l@an Kögter, /Ä!;. flut unteren in der Hanauer Straße errichteten Betrieb benötigen wir Nabe des Rathauses. Kekautttmachmrg ,-^^^durch bringe ich zur öffentlichen Keniitnls. daß die Höchftt preise für Verbrauchszucker im Kleinoerlauf vre folgenden sind: Würfelzucker, das Pfd. 46 Pfg. Gemahlene-«.Kristall- Raffinade . das Pfo. 44 M°«? .... .. " Cand.s . . „ 53 „ Friedberg, den 2. Sept. 1918. ®ev Bürgermeister 2. V.: D amm . Aisiteiikllrtkil Nr,e Nagesjeitosg Sra-Krrki«. Nerl.A-G. Der Kauf von Uhren ist Bertrauensiache! Wenden Sie sich an Willi. liOhrey, Zlhrmacher i-Aieder-Florstadt. da erhalt. Sie noch eine fein abgezog., genau regulierte Tascheuuhr. Aach sind uorfi Wecker, Wand- und Standuhren dort jij haben. I Agttlirbeittt li bis S iilfii für leichte Arbeit. Zu melden Fauerbacherstr. 7.1. täglich von 12 bis 2 Uhr mittags. I. Reif & Co., Friedlmg, Branntweinbrennerei. £:n Woifsbund (Hündin), 1 Jahr alt, zu verkaufen. Zu erfragen in der Eeschäfts- stelle der „Neuen Tageszeitung". Vier junge SjWen mit Hahn zu verkaufen. lSteiger Keltea. Grube Wöiftrshtim. Tüchttger Landwirt (evtl. Kriegsbeschädigter), zur Bewirtschaftung meines ca. 70 Morgen großen Hofgutes gef. Derselbe muß die vorkommenden Arbeiten mit verrichten Helsen und auch in Viehhaltung erfahren sein. 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