Uitmmer 202 Einstlpreis d,° SZ Donnerstag. den 29. August 1918 11. Jahrgang Die ..Zlene Tagesreiluns" erscheint reden Werktag. Regelmäßige Beilagen „Der Dauer aus Hessen". „Die Spinnssuve". K-rugspr-is: Bei den Postanstalten vleneliährlich Mt 2.40 hinzu tritt noch das Bestellgeld; bei den Agenten monatlich 85 Psg. einschließlich Trägerlohn. Anzeigen: Grundzeile 25 Psg., lokale 20 Psg., Anzeigen von auswärts werden durch Poänachnahme erhoben. ErfüNungsori Friedbsrg. Dchriflleitung und Derlag Friedberg (Hessen), Hanaueritraße 12. Fernsprecher 48. Postjcheck-Lonto Nr. 4859, Amt Frankfurt a. M. Die feindlichen Angriffe anfgefanaen, dev englische Dnrchbrnchsversnch gescheitert. — Erneute Angriffe abgemiesen. — Plannräszige Mstrnevlegnng dev Front bei Dorze. — 18000 Tonnen versenkt. Der deutsche Generalstob meldet: - Der österreichische Generalftak —= meldet: M. T. K. Grotzesi Hattprquartiev, de» .23. August Amtlickf. Westlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppen Kronprinz Nupprecht und B o e h n. Bei Langemark und nördlich der Lys wurden feindliche Teilangriffe adgewiesen. Die Armee des Generals v. Below (Otto) stand gestern wiederum in schwerem Kampf. Der Schwerpunkt der englischen Angriffe lag südlich der Scarpe. Durch Masseneinsatz von Panzerwagen. englischer und kanadischer Infanterie suchte der Feind beiderseits der Heerstraße Arras—Cambray erneut den Durchbruch zu erzwingen. Unsere in der Linie Pelves — östlich von Monchy — kampfenden Truppen, pommorsche, westpreußische, Hessen - nas- sauische und elsässtsche Negimenker, haben den mit gewaltiger Uebevmacht an Menschen und Material am frühen Morgen ge. führten Stoß des Feindes in erbitterten Kämpfen bis östlich von Helves, bei Die en Artois und Groisilles aufgefangen. Im Verein mit württembergischen Bataillonen brachten sie am Nachmittag mit erneuter Kraft in liefen Gliedern an der Heeres- straße vorgetragene feindliche Angriffe zum Scheitern. Auch Mehrfach wiederholte Anstürme des Gegners gegen Boiry-Notre Dame und nordöstlich von Groisilles brachen zusammen. Der Feind hat gestern schwere Verluste erlitten. Viele Panzerwagen wurden durch Geschütze und Minenwerfer aus vorderster Linie vernichtet. Batterien des Reserve-Feldartillerie-Re- giments 26 feuerten, bei Vic offen vor unserer Infanterie auf. fahrend, aus nächster Entfernung in die dichten Linien des Feindes. Der Kampf griff gegen Mittag auch auf das Nordufer der Scarpe und nach Süden bis Mory über. Mehrmalige Angriffe des Feindes wurden hier abgewiesen. Beiderseits von Bapaume blieb dte Kraft der feindlichen Angriffe gegen die Vortage zurück. Der Engländer, der beiderseits der Stadt überraschend und mit Artillerievorbereitung, aber ohne Einsatz von Panzerwagen mehrfach vorstieß, wurde überall zurückgeschlagen. Nördlich der Somme führte der Engländer heftige Angriffe gegen unsere neuen Linien zwischen Flers und Eurlu. Wir wiesen sie ab und nahmen Flers und Longueval, wo der Feind vorübergehend eindrang, im Gegenangriff wieder. Südlich der Somme scheiterten Teilvorstöße des Gegners. Zwischen Somme und Oise baben wir unsere Linien vom Feinde abgesetzt, die Trümmerfelder Ehaulnes und Noye ihm somit kampflos überlassen. Durch unsere erfolgreiche Abwehr war der Gegner seit dem 20. 8. zum Einstellen seiner Angriffe in dieser Front gezwungen worden. Dadurch wurde die reibungslose Durchführung unserer Bewegungen ermöglicht, die sich in den letzten Nächten vom Feinde völlig unoestört vollzog. Zwischen Oise und Aisne blieb die Eefechtstätigkeit auf kleinere Infanteriekämpfe beschränkt. Heeresgruppe Deutscher Kronprinz. An der Vesle brachten meklenburgische Grenadiere Donk hartnäckigem Eingreifen ihres Führers, Oberleutnant Vöhlke vom Grenadier-Regiment 89, einen Angriff der Amerikaner gegen Vazoches zum Scheitern. Badische Truppen erstürmten Fismette im Vesle-Tal. Bei beiden Unternehmungen erlitt der Amerikaner schwere Verluste und ließ mehr als 260 Gefangene in unserer Hand. In den Argonnen wurden bei erfolgreichen Vorstößen Italiener gefangen. Der Erste Generalguartiermeister: Ludendorff. Aberrdbrrkcht. Berlin, 28. Aug., abends. (WB. Amtlich.) Südöstlich kon Arras sind erneute Dnrchbrilchsversuche des Feindes gescheitert. Nördlich von Bapaunie und nördlich der Somine brachen englische Angriffe unter schweren Verlusten zusam- ,men. Zwischen Somme und Oise Vorfeldkämpfe vor unseren .neuen Stellungen. Französische Angriffe nördlich der Aisne !wurden blutig abgewiefen. jj Wien, 28. Aug. (WB.) Amtlich wird verlautbart: Italienischer Kriegsschauplatz: An den Gebirgssronten rege Erkundungstätigkeit. Albanien: In Albanien wurde unter Nachhutkämpfen neuerlich Bodengewinn erzielt. Der Chef deS Generalstabes. p - m Dos türkische Hauptquartier »== meldet: . — « Konstantinopcl, 26. August. (WB. Nichtamtlich) Gene- ralstabsbericht. Palästinafront: Geringes beiderseitiges Artillerie- teuer, rege Fliegectätigkcit. Westlich Mezcra und auf dem Ost-Jordanufer hatten wir erfolgreiche Vorfeldgettchte, in denen die Gegner vertrieben wurden. Einige Gefangene wurden eingebracht. Ein Vorstoß von Rebellen gegen die Hedschasbahn bei Zctt-el-Hatesch wurde von unseren Postierungen abgewiesen. Bei Maidan an der persischen Grenze wurde ein englisches Werbekommando aufgehoben. Es erlitt lllAvere Verluste. Der Führer, ein englischer Hauptmann fiel. Auf den übrigen Fronten ist die Lage unverändert. Entgegnung auf den englischen Heeresbericht vom 13. ds. Mts. Die Engländer melden in ihrem Heeresbericht einen erfolgreichen Angriff in der Nacht vom 12. zum 13. August an der Straße Jerusalem—Nablus. Worin dieser Erfolg besteht, wird verschwiegen. Durch Angabe der Zahl der gemachten Gefangenen unb erbeuteten Maschinengewehre soll der Mißerfolg versäffeiert werden. Tatache ist, daß wir die Engländer vor und in unserer Stellung zusammenschossen und daß wir ferner im vollen Besitz unserer Stellungen sind. Nach englischen Gew.ngenenäussagen sind bei dem Angriff allein 400 bis 500 Mann des Feindes gefallen. Unsere Verluste sind erheblich geringer. Die Schlacht im Westen. Die Kämpfe am 26. August. Berlin, 28. Aug. (WB.) Schritt für Schritt mühen sich die Engländer ab. die SouFmewüste zurückzuerobern, woraus sie im März dieses Jahre? von übermächtigen deutschen Anstürmen so eilig herausgeworfen wurden. Anders als die Engländer versteht die deutsche Verteidigung die taktischen Vorteile der Trichter-Wildnis auszunutzen. Jedes gewonnene Dorf, das in Wirklichkeit ja seit langem aus nichts mehr besteht als einer Tafel mit der Inschrift: Dies war Pozi^res oder: Dies war Martinpuich, muß vorn Feind mit empfindlichen Opfern bezahlt werden. Jeder Weitermarsch führt dabei die Truppe immer nur weiter in die Wüste ohne Unterkunft, ohne Wasser und ohne jedes Hilfsmittel. Am 26. August setzten die Engländer ihre Angriffe aus der ganzen Front nördlich der Somme fort. Von 7 Uhr früh ab hetzte ein Ansturm den anderen. Artillerievorbereitung und Jnfanterieangriff gingen ineinander über. Um Mittag bog die deutsche Verteidigung einem starken englischen Angriff aus. Die Engländer kamen bis Longueval und Fel- ville-Wald,, aber der deutsche Gegenstoß warf sie wieder zurück Weiter südlich griffen sie wiederholt von Suzanne heraus an. Allein die flankierenden deutschen Batterien zerschlugen jeden englischen Angriff. Das stürmische Wetter behinderte die englische Fluatätigkeit erheblich. Die deutschen Jagdstaffeln fanden in der L"ft kaum Gegner. Sie gingen deshalb öoif hundert Meter herunter und nahmen die englischen Gräben unter das Feuer ihrer Maschinengewehre. Infanterieflieger versahen die vordere deutsck)e Linie mit Munition. Auch Kratfwagengeschiitze griffen erfolgreich in den Kampf ein. Einzelne fuhren bis dicht hinter die Schützenlinien vor und beschossen die feindlichen Fesselballone und unterstützten mit ihrem Feuer wirksam die eigenen Vorstöße. v Der deutsche Widerstand. { Rotterdam» 28. August. Die „Tims" melden: Die Kämpfe v an der Westfront find derartig gesteigert, das uns jede nächste Stunde eine große Entscheidung bringen kann. Die Heere der (Entente gehen methodisch vor, und überhasten nichts. Der Widerstand des Feindes ist aber so stark, daß es fraglich geworden ist, ob die Erzwingung aller unserer strategischen Ziele erreichbar sein wird. Die Pläne des Feindes befinden sich in ein-- Uebevgangsstadiurn. Er hatte sich zu einer Offensive von<■ t let und ist zu einer Defensive gezwungen. Die „Morningpost" meldet von der Front in Frank' Unsere Verluste sind nicht gering, aber in den normalen Erzen geblieben, die für die wichtigsten militärischen Handlungen vorgesehen waren. Furcht vor einem Gegenstoß. Genf, 28. August. Die Pariser „Victoire" bezeichnet die Frontlage als allgemein günstig. Sie verhehle.jedoch nicht ihre Besorgnis, daß die Fortsetzung der Offensive eine ungünstige Wendnng der Kriegslage bringen könne, da die Deutschen zwei, fellos einen großen Gegenstoß zum Spätherbst vorbereiteten und da die Franzosen und Engländer über namhafte Reserven in absehbarer Zeit nicht verfügen könnten. Die ganze Hoffnung der Entente beruhe auf dem raschen Tempo der amerikanischen Operationen, und daß bis zum Spätherbst noch eine weitere Million Amerikaner nach Europa komme. Keine frischen Divisionen mehr. Genf, 28. August. Servo spricht in der „Victoire" von einer großen UngÄmld der Franzosen wegen des langsamen Dor. rückens der verbündeten Truppen. In dem Aufsätze heißt es: Der Oberstleutnant Fabry lobte gestern die Ungeduldigen, die der Ansicht sind, daß wir nicht schnell genug vorrücken, und die sich darüber nicht im Klaren sind, daß das französische und das englische Heer keine frischen Divisionen mehr besitzen, die man zu großen Schlägen heranziehen könnte. Sie beweisen, daß wenn auch die Engländer und wir keine großen Reserven mehr haben, das amerikanische Heer noch frische Truppen besitze, und es ist nicht erstaunlich, wenn sie das Eingreifen dieser neuen Truppen erwartet hätten, bevor die deutschen Verstärkungen an der Front eintreffen. Hervö schreibt zum Schlusie: Dem französischen Oberbefehl fehlt der Sinn für das kühne Manöver Seien wir auf unserer Hut. Man soll nicht wieder, wie schon so oft, sagen können, daß es leichter war, neues Gebiet zu neb» men, als es zu behaupten. m Die größte bisher erzielte Ah^chntzrahi. Berlin, 28. August. (WB.) Für die gewaltigen Verluste unserer Feinde bei ihren Massenangriffen bietet das Ergebnis der Flugzeugabschüsse am 8. August einen schlagenden Beweis. Wie der amtliche deutsche Heeresbericht vom 9. August ans Grund der ersten Frontmeldungen mitteilte, fielen am 8. Aug. ?0 feindliche Flugzeuge unserer Waffenwirkung zum Opfer. Spätere Feststellungen haben indes ergeben, daß allein auf der Hauptkampffront 68, und auf der Westfront zusammen 61 feindliche Flugzeuge abgeschossen wurden, davon allein 19 durch Flugabwehrkanonen. Das ist die größte Abschußzahl, die je an einem Tage erzielt wurde. Die Engländer selbst geben in ihrem Heeresbericht vom 8. August an, daß 61 Ihrer Flugzeuge vorn Iagdfluge nicht zurückgekehrt, also über deutschem Gebiet abgeschossen wurden seien, die Zahl der über ihrem Gebiete abgeschossenen Flugzeuge wird von ihnen wie gewöhnlich verschwie. gen. Unsere gesamten Verluste betrugen nur 10 Flugzeuge, davon 7 über feindlichem Gebiet. In dem Verhältnis 10 zu 61 Abschüssen kommt die überlegene Tüchtigkeit und Kampfstärke unserer Luststreitkräfte überzeugend zum Ausdruck. 18000 Tannen versenkt. Berlin, 28. August. (MTV. Amtlich.) Im Sperrgebiet westlich England wurden durck unsere U-Boote 18 000 Bruttoregistertonnen versenkt. u Der Chef des Admiralstabcs der Marine- 3 Die Versenkung norwegischer Schiffe. Kristiania, 28. August. (WB.) Die norwegischen Dll!kk«W veröffentlichen folgende amtliche Verlautbarung: Der nornM gische Gesandte in Berlin, der weisungsgemäß sich aus Anlatz der Versenkung des Dampfers „Commerstad" an das deutsch«! Auswärtige Amt wandte, hat von diesem die Zusicherung erhalten. daß die deutsche Regierung selbstverständlich keineswegs die Absicht habe, Norwegens Lebensmittelzufuhr außerhalb der Sperrzone zu verhindern, und daß alle nötige Genugtuung geleistet werden würde, falls dar Fahrzeug, was jedoch für un. denkbar erachtet werde, torpediert sein sollte. Der norwegische Gesandte hat, da später der Dampfer „San Jose" als versenkt gemeldet wurde, sich auch deswegen an das deutsche Auswärtige Amt gewandt. Auch in dieser Sache werden sobald als möglich Untersuchungen angestellt werden. (Anmerkung des Wolff- schen Bureaus' Die Mitteilungen des norwegischen Gesandten beruhen auf Besprechungen mit dem Auswärtigen Amt.) * Eine feindliche Anerkennung. Bern, 27. August. (WB.) „Daily Ehronicle" bringt folgende Auslassung des bekannten englischen Flottenkritikers Arthur Pollen: Bei dem jetzigen Stande der Unterseekriegführung sind wir in der Bekämpfung der U-Boote unter Wasser auf untätige Kampfmittel, d. h. die Minen, angewiesen. Gäbe es keine dutschen Schlachtschiffe und Schlachtkreuzer, wäre die Errichtung einer englischen Minensperre wohl ausführbar. Also kann man wohl sagen, die deutsche Flotte beschützt die U-Boote und deckt ihre Unternehmungen. Andererseits ist das der stärkste Grund dafür, daß die Rutsche Flotte sich heute nicht zu einer Seeschlacht stellt, denn so lange die feindlichen U-Boote monatlich über 300 000 Tonnen versenken können, vollbringen sie unmittelbar und die deutsche Schlachtflotte mittelbar Leistungen zur See, die alles übersteigen, was selbst von der glücklichsten Unternehmung zur See zu erhoffen wäre. Der U-Bootkrieg ist demnach ein wirklicher Verechtigungsnachweis für das Vorhandensein der deutschen Flotte, und wenn wir eine grosse Seeschlacht haben wollen, müssen wir zunächst das U-Boot schlagen. Das können wir aber nur durch Unterwasserkampfmittel tun, die wir wiÄ>er nicht wirksam in dem zunächst in Betracht kommenden Bereiche verwenden können, sondern nur in viel grösserer Entfernung. TnMche llirßfr iilirr Finnland. Selsingfors, 26. August. Eine Verletzung der finnischen Neutralität durch die Engländer meldet das nordöstliche finnische Gvenzschutzkommando. Danach erschien am Samstag aus Richtung von Osten ein großes graugestrichenes Wasserflugzeug in einer Höhe von 600 Metern über dem Dorfe Kurtti, östlich von Kuolajoervi. Das Wasserflugzeug kreiste über dem Dorfe, stieg bis auf 800 Meter Höhe und warf mehrere Bomben ab. Durch die zweite Bombe wurde ein Bauer verletzt, durch die dritte und vierte, die ullweit der militärischen Speiseanstalt niederfielen, ein Soldat. Die fünfte Bombe schlug in der Nähe der Ambulanz ein, ohne jedoch Schaden zu verursachen. Die sechste, die auf am Boden liegende Soldaten gerichtet war, krepierte nicht. Während der ganzen Zeit wurde aus dem Wasserflugzeug mit zwei Maschinengewehren geschossen. Gegen das Flugzeug wurde Gewehrfeuer eröffnet, worauf sich dasselbe um g Uhr 22 Minuten in östlicher Richtung über Nivala entfernte. Im Flugzeug befanden sich drei Mann. Die Tragflächen waren auf der Unterseite mit großen schwarzen Ringen bemalt. Das Dorf Kurtti liegt unmittelbar an der finnischen Ostgrenze un. Lesähr in der Höhe von Kantalak. Kanadische FatznenfiKchlige. Rotterdam, 27. August. (WB.) Dem „Riemve Rotter- damsche Courant" zufolge meldet der „Daily Telegraph" aus Montreal, daß in der Provinz Ouebec ungefähr 10 000 Mann desertiert oder nicht eingerückt sind. Man hat in ganz Kanada für Militarflüchtlinge einen Termin festgesetzt, bis zu dem sie sich anmelden können, ohne bestraft zu werden. Diese Maßregel hatte einige Wirkung. In der Provinz Ouebec meldete sich eine ziemlich große Zahl Deserteure, allerdings noch nicht die Hälfte der abgängigen 10 000 Mann. Mach Krindisr mrück. Zürich. 28. August. Wie die Mailänder Blätter melden sind die bürgerlichen Behörden aus Albanien in Brindisi einge- troffen. Der Post- und Telegraphenverkehr mit dem besetzten Albanien wurde am 25. August bis auf weiteres gesperrt Febensmiitkl-Unrnhen in Turin. Zürich, 26. August. Rach hier vorliegenden Turiner Meldungen haben am letzten Donnerstag in Turin große Lebensmittelkrawalle stattgefunden. - Rach Berichten aus Genua sind in diesem Jahre nur etwa 5 von den erwarteten 18 amerikanischen Lebensmittel- und Kohlenschiffen eingegangen. westliche Front: In Richtung Tagtak nähern wir uns nach Eiirnahmr des Dorfes Taraßkowo der Station Tawatut. Es wurde bemerkt, daß der Gegner von Kongurock Truppen nach Iekaterinburg wirft. In Richtung Wiatka hat die Weiße Garde Utfum besetzt. Ihre Anzahl beläuft sich auf mehr als 1000 Mann. Sie beabsichtigten, Kotelnitschi zu besetzen, die Brücke zu sprengen und Perm abzuschneiden. — Unsere Flugzeuge warfen Bomben auf Kalan herab. Die Treffer waren günstig. Auf der übrigen Front keine Veränderung. Moskau, 27. August. (WB.) Die Petersburger Telegraphenagentur meldet: Engländer und Franzosen führen auf dem nördlichen Kriegsschauplatz starke Erkundungen mit Wasserflugzeugen beim Leuchtturm Sedericher durch. Im Bezirk Kasan führt unsere Infanterie einen hartnäckigen Kampf um den Be. sitz des Krasnoj-Derges. welcher von unseren Batterien und der Wolga-Flottille beschossen wird. Unsere Heeresabteilung auf dem rechten Wolga-Ufer rückte nach Kampf auf die Linie der Dörfer- Speßkaja, Erotschuschinskaja, Wiselki und Jnuatan vor. Unsere Kundschafter stießen bis Ritschnij-Uflam vor, nachdem sie die feindlichen zurückgedrängt hatten. Auf dem nordkaukasischen Kriegsschauplatz besetzten wir im nördlichen Bezirk die Wolgadörfer Pitschuschinskaja und Pissowatka, im südlichen Bezirk besetzten die Unsrigen eine Reihe von Orffchaften nach Kampf. Der Gegner wurde aus den Dörfern Werchny, Rischny. Lamon, Inschnasi, Mirowta, Podkolodnowka und Byffchak herausgeworfen. In der Richtung auf Powarinsk erbeuteten wir ein Geschütz ebenso im Bezirk der Station Rowarinsk. Im Bezirk der Stationen Rowochopes und Ponjungewa Artillerm- feuer. Moskau, 26. Aug. (WB.) Meldung der Petersburger Tel.-Agentur. Zugleich mit den Nachrichten von den großen Siegen mifever Armee an der tsckecho-slowakischen Front geht eine Mitteilung von der fortgesetzten Ergänzung unserer Armee durch Freiwillige unserer Jugend ein. Die Feindschaft zwischen den Kosaken und den Tschecho-Slowaken vertieft sichlnnaufhörlich und führt fortgesetzt zu Zusammenstößen. Die Kirgisen der uralschen Steppe erwarten mit Ungeduld die Ankunft der Sowjettruppen, um die kirgisische Föderativ-Republik ausznrufen. Der Chef der Ostfront weist auf die heldenmütige Tätigkeit der Eisenbahner an der tschecho-slowakischen Front hin. Irland. Rotterdam, R. Avgust. Die ..Morningpost" meldet aus Irland, das Ergebnis der Werbetätigkeit in Irland von Anfang Mar bis Anfang August sei, datz sich all« in allem LM bis 3M FreiwiNig« hätten einfchreiben lassen. Di« Sinnfeinei hatten auf der ganzen Linie gesiegt, und man habe mit ernsten nationalen Kämpfen für die nächste Zett zu rechnen, da die Re- "Er fei ’ bie Zwangseinführung der Dienst- Vllrcht in Irland fallen zu lassen. Dttffiattd. Erfolge der Sowjettruppen. • Moskau, 24. August. (WB.) Die Kämpfe am 16. August Nördliche und westliche Abschnitte: Schenkurek wurde von der Weißen Garde besetzt. Südlicher Abschnitt: In Richtung Balaschowsk führte ein revolutionäres Kofakenregiment einen Angriff auf das Gehöft ? ^ *** aus. Der Gegner floh unter Zurücklassung von Toten. No^anka^cher Abschnitt: In Richtung Zarizyn griffen Truppen an einigen Stellen an. besetzten die Station j »ttoroponowo und erbeuteten 10 Maschinengewehre. Kiew, 28. Aug. (WB.) Am 1. September erfolgt der Wrederzusammentritt des tartarischen Parlaments in Kuraltei, das seit der Ernennung des Generals Sulkewitsch zum Ministerpräsidenten nicht mehr tagte. Kiew, 28. Aug. (WB.) Zeittingsmeldungen zufolge ordnete die sibirische Regierung für Ende August die Einberufung der Jahrgänge 1898 und 1899 an zur Bildung einer regulären Armee. Die Kämpfe im Innern. Moskau, 25. August. (WB.) Die hiesige Presse meldet: In Riffen! Nowgorod wurde ein Militärrevolutionäres Komitee errichtet, in dessen Hände alle Gewalt im Gouvernement überging. Die Stadt wird endgültig von Eegenrevolutionären gesäubert. Auf Beschluß der außerordentlichen Kommission wurden elf Gegenrevolutionäre erschossen. Eine gegenrevolutionäre Organisation in Stadt und Kreis Liny wurde unterdrückt und der Belagerungszustand verhängt. Zm Stab der Nordarmee wurde eine gegenrevolutionäre Verschwörung aufgedeckt. Im Abschnitt Ufa haben sich die Dorfbewohner für die Räte- r^ierung erklärt und weigern sich, der von tschechischer Seite angeordneten Mobilisation Folge zu leisten. Wladiwostok, 26. Aug. (WB.) General Pleskow führte im Namen Horvaths einen Staatsstreich aus und erlich eine Proklamation, daß die russischen Streitkräfte im fernen Osten unter seinem Oberbefhl ständen. Auf die Gegenerklärung der sibirischen Negierung, die sich, gegen Horvach wendet, ging ein rusMer Truppenteil von Freiwilligen vollzählig zu Horvath über. Dies geschah ohne Blutver- gießen. m Nicht zahlreich genug. Basel, 28. Aug. Die Londoner „Times" melden aus Tokio: Die Regierung ist der Ansicht, größere Truppenbestände für Rußland erst nach Zusttmmung des Parlaments ausziehen lassen zu sollen. Die Japaner sind in Sibirien bisher nicht zahlreich genug, um die Lage entscheidend zu beeinflussen. Berlin 28. August. (WB.) Don finnischer Seite wird mltgetertt: Nachdem bei den finnisch-russischen tzriedensver- hcmdlungen in den Hauptfragen bisher kein Eingeständnis zwischen beiden Parteien zu erreichen war, haben die finnischen Be. vollmächtigten vorgeschlagen, die Verhandlungen auf einige Wochn zu vertagen. Bei Wiederaufnahme der Unterhandle gen würden die finnischen Bevollmächtigten den russischen durch 'er- mittlung der deutschen Regierung weitere Vorschläge unt< ' eiten. In einem Schreiben vom folgenden Tage haben die r- treter Rußlands der finnischen Delegation einem mit dem e' a. erwähnten in den Hauptpunkten übereinstimmenden Vorst' auf Vertagung der Verhandlungen zugestellt. Daraufhin r-* feen die Verhandlungen vorläufig vertagt. Die beiderseii * Bevollmächtigten reisen in den nächsten Tagen von Berlin Der Präsident r>er finnischen Delegation, Minister Enekell i, i jedoch vorläufig hier bleiben. Finnland. Keine Thronkandidatur des Herzogs Adolf Friedrich zu Mecklenburg. Berlin, 28. August. (WB.) Herzog Adolf Friedrich zu Mecklenburg teilt dem Wolffbureau mtt. daß sein Name zu Unrecht mit der Kandidatur für den finnischen Thron in Verbindung gebracht werde. Obwohl man ursprünglich von finnischer Seite an ihn herangetreten sei, siche der Herzog allen diesen Komdmationen durchaus fern und einer auf ihn etwa entfal- lenden Wahl würde der Herzog nicht entsprechen. • ». Die Verhandlungen mit Rußland. Köln, 28. Aug. . Aus Stockholm wird den „Times" nach der „Köln. Ztg." berichtet: Nach Telegrammen aus Helsing- fors sind die russisch-finnischem Friedensverhandlungen ohne neue Anberaumung abgebrochen worden, nachdem die Verhandlungen über die Frage des Anteils Finnlands an den Kriegskosten Rußlands und des Schadens, der infolge der Beteiligung russischer Truppen an den Aufständen m Lumland entstanden ist. auf einen toten PuM gelangt sintz Rüüjkiü des Mmkrsmichnl DgjjihMrs in London. Washington, 27. Aug. (WB.) Reuter-Meldung. Wils hat das Entlajsungsgesucb des amerikanischen Botschafters > London, Page, angenommen, den dieser aus Gesundheit - rücksichten eingereicht hatte. Skine Adtttinng m\ ZMn.nn Spanm. Berlin, 28. August. (WB.) Nach einer Meldung der „Z : mee" aus Sawander soll die deutsche Negierung die Ved'ii imgen der spanischen Ratifikation angenommen und zugestim: - h^n, daß die in den spanischen Hafen liegenden Schiffe c . Kompensation für die Verluste der spanischen Handessflotte c -getreten würden. Diese Meldung ist unrichtig. Wie bereits r 23. August miigeteilt, hat die deutsche Regierung gegen das c gekündigte Vorgehen der spanischen Regierung Verwahrung ei gelegt. Es sind zwischen beiden Regierungen Verhandlung^ eingeleitet, um eine den beiderseitigen Interessen Rechnung tr Sende Lösung herbeizuführen. Die Unruhen in Japan. Haag, 28. August. Wie Reuter aus Osaka meldet, ist dr- Zahl der Opfer bei den Reis-Unruhen noch nicht bekannt. Malnimmt jedoch an, daß sie schr groß ist. da etwa eine Viertel Million Menschen an den Ausschreitungen beteiligt waren. I Moji plünderte der Pöbel 200 Läden. Truppen machten de Ausschreitungen schließlich ein Ende. Am 17. August hielte.- 800 Mcrkarteiter der Mineche-Grube eine Versammlung al. tn der eine Herabsetzung der Reispreise gefordett wird. Dü. Bergarbeiter griffen die in der Nähe liegende Stadt an. Di.' Sttaßenkämpfe dauetten die ganze Nacht. 50 Personen wurder getötet. Auch in Kinschu kam es zu Ausschreitungen, es ist jedoch jetzt dort ruhig. Das dklltich-kKglillhc OiffangcnrnGbhominrn. ^Berlin, 28. Aug. (WB.) In einer Reutermeldung vom 28. August wird behauptet, daß die großbritannische Rtzgie- rung der deuffchen Regierung sofort ihre Bereitwilligkeit er- klärte, die am 14. Just in Haag Unterzeichnete Vereinbarung über .Kriegsgefangene und Zivilpersonen mit einer Einschränkung zu ratifizieren, daß die deutsche Regierung in- dessen noch nicht geantwortet habe und somit die Verantwortung für die Verzögerung trage. Dieser Vorwurf ist völlig unbegründet. Bis in die allerletzte Zeit war der deutschen Regierung keinerlei Mitteilung der großbritanni- schen Regierung über deren Stellung zu der Vereinbarung zugegangen. Erst am 22. August erhielt der deutsche Gesandte im Haag eine Erklärung der großbritannischen Regierung, wonach diese zur Ratifikation der Vereinbarung bereit sei, wenn die deutsche Regierung einer Aenderung der getroffenen Verabredungen in einem wesentlichen Punkte zu- stimme. Auf die Frage einer befriedigenden Regelung der Lage der China-Deutschen, von der bekanntlich deutscherseits die Genehmigung zu der Vereinbarung' abhängig gemacht wird, ist die großbritannische Regierung in dieser Erklärung mit keinem Worte eingegangen. Hiernach kann die Reutermeldung nur als eine gröbliche Enfftellung der Wahrheit bezeichnet werden. Kriegsgefangene. Angesichts der Besorgnis über das Los unserer Kriegsge» fangenen in Rußland wird amtlich mitgeteilt: Seit Llbfchluß des Friedens ist schon eine große Anzahl gefangener Deutscher zurückgekehrt. Viele haben die weite Reise unter großen Schwierigkeiten auf eigene Faust gemacht, ander« vor allem Invalide und Kranke, sind in geschlossenen Transporten über die Grenze gekommen. Dieser Zusttom hat in letz, ter Zeit nachgelassen. Der Hauptgrund dafür ist der Vormarsch der Tschecho-Slowaken, durch den der schon vielfach vorbereitete Abtransport nach Sibirien und den östlichen Gouvernements unterbrochen wurde. Die westlichen Gouvernements im europäischen Rußländ dagegen sind dank der erfolgreichen Tätigkeit der deutschen Kommissionen schon größtenteils von Gefangenen geräumt. Nunmehr versuchen schwedische Kommissionen, von deutschen Rote-Kreuz-Schwestern begleitet, nach Sibirien zu gelangen, um die noch dort befindlichen schwedischen Delegierten in der Ge-fangenenfürsorge zu unterstützen. Ob es diesen Kom. Missionen gelingen wird, auch den Abtransport der Gefangenen aus diesen Gegenden gegenwärtig durchzusetzen, ist bei der Ver- worreirheit der dortigen Verhältnisse noch nicht zu übersehen. Sobald es irgend möglich erscheint, soll von neuem versucht werden, auch deutsche Kommissionen nach Sibirien zu senden. Grund zur Beunruhigung liegt für die Angehörigen nicht vor. Sie dürfen versichert sein, daß von deutscher Seite alles geschehen ist, und auch weiterhin geschieht, um die Gefangenen in Rußland zu schützen Zmb zu versorgen und ihren Rücktransport nach Möglichkeit zu beschleunigen. Das längere Ausbleiben von Nachrichten kriegsgefcmgener Deutscher aus England hat in letzter Zeit vielfach Bvunruhigi- ung in der Bevölkerung hervorgerufen. Ein Grund hierzu lieg- nicht vor. Die Unregelmäßigkeit der Sendungen in den letzten Monaten ist zum Teil auf den Mangel an Veförderungsgelegen- heit zurückzuführen. Die Briefe treffen in Sammelsendungen ein. Da diese gelegentliche bis zu 1 Million Briefe enthalten, häufen sich nach ihrem Eintreffen die Postsachen derart, daß ihre Meiterleitung nur mit einer gewissen, unvermeidlichen Verzögerung möglich ist. Ob die angestrebte Besierung dieser Verhältnisse in abse^arer Zeit zu erreichen ist, läßt sich noch nicht übersehen. Ililffiffrn dkirKMe ZöfeOmMgüls. Dr. Ludwig Qucffel veröffentlicht einen Aufsatz in dem 18. Heft der Sozialistischen Monatshefte über „Defaitismus und Randstaatenpolitik", in dem er die deutsche Oststaatenpolitik stark kritisiert. Er führt in diesem Aufsatz u. a. in bezug auf Herrn v. Kühlmann aus: „So groß Herr v. KüHlmann gegen Rußland und Frankreich tat, so klein fühlte er sich gegen England und Amerika. Der defaitistifche Zug seiner Politik gegenüber dem Angelsach- sentum war ein notwendiges Korrelat seiner Nordstaatenpolitik." An einer anderen Stelle sagt er: „Nachdem Kühlmann solchermaßen die Früchte seiner Rand- staatenpolitik geerntet hatte, blieb ihm natürlich gar nichts ärgeres übrig, als Deutschland zu seiner defaitistischen Doktrin, die stets den Kongreß seiner Politik bildete, zu bekehren oder abzutreten. Da ihm das eine nicht gelang, konnte er nichts anderes tun, als sein Amt niederlegen." In derselben Nummer schreibt der sozialdemokratische Abgeordnete Max Cohen in einem Aussatz: „Wo steht Deutschland nach vier Kriegsjahren?" zu der Frage des unbeschränkten Unterseeboot-Krieges u. a. folgendes: „Daß man so lange zögerte, ihn (den Unterseebootkrieg) zu eröffnen und kostbare, unwiederbringliche Zeit verloren gehen ließ, beweist, daß man solange wie möglich den Charakter dieses Krieges als eines Entschcidungskampfes zwischen Deutschland und England nicht erkennen wollte." Gegenüber der Behauptung. daß nur der unbeschränkte Unterseebootkrieg Amerika in den Krieg getrieben hätte, betonte Cohen, „daß Amerika obilehin unser Gegner gewesen wäre und früher oder später militärisch eingegriffen hätte, da es durch sein weltpolitisches Interesse auf ein Zusammengehen mit dem blutsverwandten England angewiesen wäre." Getreide als Krennhol?. Der „Verl. Lokalanz." meldet aus dem Haag: Die „Times" berichtet aus Buenos Aires: Nachdem über zwei Millionen Tonnen Getreide durch die argentinische Kommission nach Europa verschifft worden sind, fehlt es auf dem Markt cm wer. teren Käufern. 2^ Millionen Tonnen blieben übrig und da es gleichzeitig überall in Argentinien an Brennmaterial fehlte, hat man jetzt einen großen Teil des Überschusses als Kohlen verbrannt, mit einem Verlust von 100 Millionen Dollars am Nationalvermögen. In Europa hungern die Menschen, Unterernährung verkürzt vielen das Leben — und in Amerika wird die Vrotfrucht verbrannt: so will es der Kriegswahn Englands und feiner Vasallen. Und alle Aussicht besteht, daß nach dem Krieg der Zustand dauert, denn der knappe Schiffsraum wird die Getreide- verfchrffung unrentabel wachem Crntelchatznngen. Ueber das voraussichtliche Ergebnis der diesjährigen Ernte liegen jetzt einige genauere Angaben vor. Wen-n man für das Ernteerträgnis die statistisch, ermittelten Zahlen für die Anbauflächen zugrunde legen wollte, so könnte man in Anbetracht der Erhöhung der Anbaufläche für Roggen und besonders für Kartoffeln zu leicht zu dem Schluffe sich verleiten laffen, daß für dieses Jahr mit einem bedeutertd höheren Erträgnis für unsere hauptsächlichsten Nahrungsmittel zu rechnen wäre. Für die Kartoffeln können wir bei Fortdauer der guten Witterung mit annähernd dem gleichen Erträgnis der guten vorigen Ernte rechnen. Die Ernte an Brotgetreide verspricht ein Erträgnis, das 10—18 Proz. bester ist. als das vorjährige. Der Winterroggen ergab nach den bisherigen Schätzungen einen guten Körner- und Strohertrag. Teilweise hat sich das Einbringen der Ernte infolge der voriger nassen Wochen in ein. zelnen Gegenden verzögert und auch einigen Abtrag getan. Die Sommerung des Roggens hat aber durch die große Trockenheit des Vorsommers gelitten. Für den Hafer sind die Niederschläge des Juni noch rechtzeitig gekommen, so daß auf eine Steigerung des Erträgniffes ?u hoffen ist. Wenn auch voraussichtlich nach diesen von amtlichen Stellen gemachten Angaben mit einem höheren Ertrage der Brotfruchternte zu rechnen ist. so muß damit jedoch sehr haushälterisch umgegangen werden, da wir im letzten halben Jahre unsere Reserven stark angreifen mußten und für das kommende Jahr infolge der rumänischen Mißernte mit einem sehr kleinen Zuschuß zu rechnen haben. Milchverjorgnng. Ueber die Milchversorgung von Köln a. Rh. schreibt das „Köln. Tagebl.": „Die Milchversorgung im kommenden Winter gehört zu den größten Schwierigkeiten, vor denen unsere Stadtverwaltung steht. Selbst am Niederrhein, in Ostfriesland «n?d Oldenburg besteht eine große Knappheit an Milchvieh. Wegen des großen Verlustes beim Verkauf einer abgemolkenen Kuh (bis zu 1000 Mark) haben die Landwirte wenig Lust, die Milchdestände aufrecht zu erhalten. Ohne Unterstützung der Gemeinden, denen die Milch geliefert wird, wäre es auch kaum Möglich. Im vorigen Jahr hat die Stadt Köln Milchlieferungsverträge Mil Landwirten (^geschlossen, denen sie 300 Mk. Vergütung bei Anschaffung einer neuen Milchkuh, sowie Zuschüffe von 10 Pfg. für das Liter Milch gewährte. Dieses Verfahren ist weiter ausgebaut worden. Entsprechend den gestiegenen Milchgestehungskosten hat man bei den neuen Milchlieferungs- verträgen vom 1. Juli 1918 ab die Vergütung bei Anschaffung einer neuen Kuh auf 30 v. H. des Kaufpreises erhöht, was im Durchschnitt 510 bis 600 Mark bei einer Kuh ausmacht, ebenfalls ist die Literprämie auf 12^ Pf. bei 8 bezw. 7 Liter täg- licher Abgabe, und auf 18 Pf. bei 9 bezw. 8 Liter erhöht worden. Trotz dieser Erhöhung der Unterstützung haben von den früheren 298 Milchlieferern erst 200 Landwirte den neuen Vertrag unterzeichnet, 25 scheiden aus, weil sie sich zu Genossenschaften zusammengeschlosten haben. Weiter soll auch wieder der eigene Abmellestall im Schlachthof betrieben werden; 280 Kühe für diesen Zweck werden zurzeit auf Weiden gehalten. Ob es gelinge, den Abmelkeftall wieder auf 400 Kühe zu bringen, ist fraglich. An dritter Stelle werden auch wieder Milchkühe oer Stadt Köln leihweise bei Landwirten eingestellt; ihre Zahl beträgt bisher 912; sie soll nach Möglichkeit auf 1500 gesteigert werden. Jedenfalls hat die Stadt Köln alles mögliche in die Wege geleitet, um auch im kommenden Winter und Frühjahr trotz der schwieriger gewordenen Verhältnisse die Milchversorgung der Kinder, Kranken und Frauen sicherzustellen. Bis zum 1. Juli d. I. hatte die Stadt Köln für diesen Zweck 1600 000 Mk. aufgewandt; die Summe wird sich infolge des neuen Vertrags für das laufende Jahr auf 2 Millionen stellen, wozu noch die Kosten des eigenen Abmelkestalls kommen" IchlichM f)ür?!nitwr hsicls. Auf Anordnung der herzoglichen Kreisdirektion in Wolfenbüttel ist nach einer Meldung des „Verl. Tagebl." die Schließung von drei der größten Hotels in Bad Harzburg verfügt worden. Am 31. August, mittags 12 Uhr, müsten der „Habsburger Hof", „Schmelzers Hotel" und „Palasthotel Kaiserhof" ihren Betrieb schließen. Die Schließung von drei anderen Hotels steht noch bevor. Die Maßnahme hat unter den Badegästen große Aufregung hervorgerufen. Sie ist angeordnet worden, weil die Inhaber der Hotels.in mehreren Fällen gegen die Kriegsverordnungen verstoßen haben sollen. Auch Geheimschlachtungen sollen vorgekommen sein. Den äußeren Anlaß haben die Beschlagnahmen ergeben, die in den letzten Tagen auf dem Bahnhof Harzburg vorgenommen wurden. Es wurden dabei hauptsächlich Fleisch- und Butterseudungen für die Hotels gefunden. Darauf vorgenommene Durchsuchungen der Hotels führten zur Auffindung größerer Mengen Lebensmittel. In der Stadtverordnetenversammlung von Bad Harzburg wurde die Schließung der Gaststätten lebhaft erörtert. Es wurde darauf hingewiesen, daß fast sämtliche Hotels, nicht nur in Bad Harz, bürg und im Herzogtum Braunschweig, sondern in allen Badeorten des ganzen Reiches geschloffen werden müßten, wenn man so scharf Vorgehen wolle. Ans der Hemmt. Friedberg. Gold - und Silberankäufsstelle. Morgen, Freitag, den 30. ds. Mts., findet nachmittags von 3—8 Uhr im Grrßh. Hochbauamt, Schützenrain 5, Ankaufs- tag statt. * Betreffend Meldepflicht von Emrichtungsgegenständcn aus Kupfer usw. Um Jrrtümern vorzubeugen, wird darauf hingewiesen, daß nur die Gegenstände der laufenden Nummern 44, 45, 48, 49 und 55 § 3 Reihen III und IV der Verordnung vom 26. 3. 1918 zu melden sind, dies sind Gewichte, Hohlmaße, Tür- und Fenstergriffe, soweit sie zur Betätigung eines Verschlustes dienen, und Brauseköpfe von öffentlichen Badeeinrichtungen und gewerblichen Betrieben, da nur für diese eine behördlche Ersatzbeschaffung vorgesehen ist. Dagegen kommt eine Ersatzbeschaffung behördlicherseits nicht in Frage für Brauseköpfe von Bädern in Haushaltungen, siehe laufende Nummer 34, Fenster und Türgriffe siehe laufende Nummer 35 und 42 Reihe II, die nicht zur Betätigung eines Verschlustes dienen. Diese Gegenstände sind, sowie auch alle anderen durch die Beschlagnahme vom 26. 3. 1918 betroffenen Gegenstände in den demnächst stattfindenden Terminen bei der Metallsammelstelle, Haagstraße 16, abzuliefern. Bad-Nauheim. Beethoven—Wagner-Abend der Kurkapelle Donnerstag, den 29. August im Konzepthaus. Leitung: Hofrat Prof. Hans Winderstcin. Solist: Konzertmeister Otto Drumm (Violine). Der erste Teil der Vortragsordmmg bringt von Beethoven die Ouvertüre zu „Egmont" und das Molinkonzert, mit welchem sich Herr Drumm, der am 1. September feine neue Stellung in Darmstadt antritt, verabschiedet. Der zweite Teil ist dom großen Bayreuther Meister gewidmet und enthält folgende Werke: Ouvertiire zur Oper „Der fliegende Holländer", das „Waldweben" aus Siegfried und Vorspiel (Liebestod) und „Verklärung" aus Tristan und Isolde. Somit kommen sowohl die Freunde der klassischen Musik, als auch die Anhänger Richard Wagners auf dis Rechnung. FC. Butzbach, 27. Aug. Im nahen Oppershofen schlug der Blitz in den Kirchturm, deckte den Turm zum Teil ab und beschädigte sehr den Elockenstuhl. w. Büdesheim. Zur Kolonialkriegerfpende sind aus den Orten des Bezirks Vilbel eingegangen: 3083 Mark. Herzlichen Dank allen Gebern, sowie den Sammlern und Sammlerinnen. FC. Vom Maiu, 27. August. Ein schon seit langem betriebener Schleichhandel wurde in Lcchr aufgedeckt und ein junger Mann inhaftiert. Die Waren gingen nach Frankfurt zu ganz enormen Preisen. So zum Beispiel Eier das Stück zu 1.60 M., 30 Psd. Kalbfleisch wurden beschlagnahmt. — Beim Baden im Main kam der neunjährige Karl Stock von Großwelzheim in eine Untiefe des Mains und verschwand in dem Fkuffe. Mit eigener Lebensgefahr rettete der 15jährige Karl Heßbergev ebenfalls von dort den Kameradem ' ' Aus Starkenburg. Darmstadt, 25. August. Eine umfangreiche Verhandlung wegen Befreiung vom Militärdienst, die einerseits wohl etwas cvufgebauscht war, auf der anderen Seite in allen ihren Einzel, heiten wohl volle Aufklärung nicht gefundeu hat, wickelte sich vor der hiesigen Ferienstrafkammer ab, welche zwar sechs Angeklagte, aber kaum die gleiche Zahl von Zeugen vor die Richter führte, aber trotzdem den ganzen Verhandlungstag bis zuw späten Abend 9 Uhr in Anspruch nahm. Die Verhandlung wurde aus Gründen des öffentlichen Wohles unter Ausschluß der Oeffentlichkeit geführt. Als Hcmptangeklagter hat sich der etwa 30 Jahre alte Kaufmann Fr. Adolf Erunebaum aus Offenbach zu verantworten, der während des Krieges durch ungeheure Lederfpeku lat inen sehr reich gewxden und wegen Wuchers ufw. zu 2 Jahren Gefängnis bestraft, die er inzwischen verbüßt hat, sich alsbald mit den Beamten des Offenbacher Bezirkskommaudos in Verbindung setzte, um vom Militär frei zu kommen. Er erreichte dies auch mit dem inzwischen verurteilten Bezirksfeldwebel V., den er mit großen Summen be. schenkte. Schließlich kam aber die Sache doch ans Tageslicht. G. ist heute geständig und wird wegen Veamtenbeftechung zum Zwecke der Befreiung vom Militärdienst zu 1 Jahr Gefängnis, abzüglich 6 Monate Untersuchungshaft verurteilt. Der Techniker I. Mack aus Offenbach besten Verfehlung nicht fo scharf liegt, erhält eine Geldstrafe von 1500 Mark, von denen 300 Mark als verbüßt angerechnet werden und der Dentist Hans Metzler aus Offenbach 400 Mark Geldstrafe, von denen 300 angerechnet wurden. Die geschenkten Gelder werden eingezogen. Drei weitere Angeklagte werden mangels Beweises frei gesprochen. FC. Vom Odenwald, 27. Aug. Bürgermeister Schäfer in Unter-Mostau feierte heute fein 25jcchriges Bürgermeister- Jubiläum. Aus Rheinbesten. FC. Mainz, 26. August. Die Frau Schon aus Laubenheim wurde von einem Infekt am Arme gestochen. Die Frau, beach. tete die Wunde anfangs nicht. Nachdem aber der Arm sehr anfchwoll, suchte die Frau das hiesige Krankenhaus auf, wo eine starke Blutvergiftung festgestellt wurde. — Beim Ausspannen der Pferde schlug dem Fuhrmann Karl Engel aus Bretzenheim die Wagendeichsel derart gegen den Leib, daß er lebens. gefährlich verletzt ins Krankenhaus transportiert wurde. Das war einmal! Vor 22 Jahren war's, so lesen wir in den „Frankfurter Nachrichten", da konnte man zum Jngelheimer Kirchweihfest im dortigen Lokalbatt folgende Anzeige lesen: „Jakob Müller, der Rothe, unterer Zwergweg. verpflichtet sich hiermit, im Abonnement zu 3 Mark jedem seiner Gäste wahrend der Markttage täglich soviel Naturwein zu verabfolgen, als er vertragen kann. Meine Freunde und Gönner zu zahlreichem Besuch einlcwend, zeichnet .... Wie hoch müßte Herr Müller wohl 1918 das „Abonnement" ansetzen? FC. Worms, 27. Aug. Die Gendarmerie nahm gestern in der Nähe von Herrnsheim zwei Spitzbuben fest. Beide waren zu Rad von Griesheim a. M. nach hier gekommen und hatten etwa 80 Pfund Zwiebel von den Zwkebelbeständen die auf dem Rathaus in Herrnsheim aufbewahrt werden, stibitzt. FC. Oppenheim, 27. Aug. Beim Baden im offenen Rhein ertrank der 18 jährige Karl Molpert von hier. Ans Hessen.Nassau. FC. Wiesbaden, 26. Mlguft. Weil er Pveimal von seinem Acker grüne Frucht zu Futterzwecken ohne Genchmigung geholt, erhielt der Landwirt Christian Storch in Biebrich einen Strafzettel in Höhe von 70 Mark. Dieser war ihm zu hoch und er verfolgte Berufung gegen denselben. Die Schöffen setzten für diese beide Vergehen die Geldstrafe auf je 3 Mark, insgesamt auf 6 Mark herab. FC. Wiesbaden, 27. August. Von einem schweren Unfall betroffen wurde in vergangener Woche ein kleiner Junge, der auf dem Reitweg im Nerothal eine Geschoßkapsel gefunden hatte. Er brachte diese mit nach Hause und gab sie seiner Mut. ter. Mit einem Messer versuchte diese das Pulver, das noch in der Hülse war, zu entfernen, worauf sie dem Jungen die Kapsel zurückgab mit dem Bemerken, das fei Gift, was darin fei. In diesem Augenblick explodierte die Kapsel und riß dem Jungen die linke Hand und zwei Glieder des rechten Zeigefingers ab. Anscheinend handelte es sich um einen Zünder von einer Hand, granate. FC. Usingen, 26. August. Dis Mühle des Mühlenbesttzers Fritz Waeppler in Nvd a. d. W. wurde infolge Vorgefundener Mängel bezw. Uebertretungen der einschlägigen Verordnungen bis zum 30. November d. I. geschloffen. — In diesen Tagen waren es 25 Jahre daß mit den Arbeiten an der Bahnstrecke Usingen—Bad-Homburg begonnen wurde. FC. Vom Taunus, 26. August. Zwischen Brandoberndorf und Michelbach begegneten nachts der Theodor Balzer urü> der August Schütz von Michelbach im Walde zwei russischen Kriegsgefangenen, die sich in der Umgegend vagabundierend herum- trieben, und nahinen sie fest. Auf die Wache nach Brandobcrn- dorf gebracht, wurde festgestellt, daß die Beiden viele L^ens- mittel, Butter und Geld bei sich trugen, die von einem Einbruchsdiebstahl in Hundstadt herrührten und, daß die Rüsten das Geld einer Frau in Schwalbach auf der Straße abgenommen hatten. FC. Amöneburg 27. Aug. Während eines heftigen Gewitters schlug der Blitz in den Turm, der hiesigen weithin sichtbaren Kirche, besten Gebälk bald in Flammen stand. Die Ferwrwehr löschte den Brand ehe er weiter um sich griff. FC. Nievern, 27. August. Der 19jährige Feldgraue Zeitz von hier sprang aus einem Lazarettzug, der nach Gießen fuhr, zwischen der Station Lindenbach und Ems, und eilte der Lahn zu, in der er ertrank. Die Tat soll er in geistiger Umnachtung begangen haben. Die Leiche wurde bald geländet und nach Ems überführt. Verantwortlich für den politischen und lokalen Teil: Otta Hirsche!, Friedberg; für den Anzeigenteil: N. He yne r, Frirdberg. Druck und Verlag der ».Neuen Tageszeitung, ^ A- G.. Friedbera l QJ Verfemt Rom an von Anny Woth t * 7 ) Nachdruck verdaten. «Ich bin glücklich," hörie er eine seltsam weiche, verschleierte Stimme wie aus weiter Ferne sagen, „den berühmten Forscher Jen Nielsen bei mir begrüßen zu dürfen. Seien Sie mir tausendmal willkommen, und Sie, lieber Theresen, haben Sie Dank, daß Sie mir Ihren Freund zugeführt." Zen küßte die schlanken weißen Finger, bei deren Berührung es ihn seltsam und eisig durchschauerte. Welch ein seltsam Weib das war, das jetzt so weich wie ein Kätzchen, in einem Schaukelstuhl des dämmrigen Zimmers geschmiegt, chm gegenüber saß, den feinen Kops mit den braunroten Haaren so fest gegen die tiefrote Lehne des Stuhles preßte, daß es ihm war, als tue sie das. um ein heftigen Schmerz zu betäuben. Die dunklen Wimpern lagen tief auf den rosig angehauchten Wangen, die Lippen glühten wie rote Korallen, und die kleinen, raubtierartigen Zähne blitzten dazwischen weiß und feucht auf. Die Teemaschine summte leise, und Lilien, wecße, schlanke Lilien dufteten wie in den Gartenwegen auch hier betäubend durch den großen Raum. „Lieben Sie diese Blumen, gnädigste Gräfin," sagte Zen und nahm behutsam einige gelbe Staubfäden aus den zartweißen, schimmernden Kelchen, während er unverwandt in Mi. renas Antlitz sah. ^zetzt hoben sich die dunklen Wlmpern langsam empor, und ein strahlender Glutblick senkte sich tief in seine Augen. ,.^Scö liebe, was mich liebt." gab Mirena bedeutungsvoll zurück „So lieben Sie mich." rief Holger hastig und haschte nach' Mrrenas lässig herabhüngeuder Hand. „Langsam, mein Freund," sagte sie lächelnd, und schob den goldenen Pfeil, der die rote Haarmaffe, übe: die jetzt die letzten scheidenden Sonnnlichter hinzitterten, fester. „Sie muffen nicht Blumen brechen, ehe sie blühen. Ob ich Lilien liebe? Nein, eigentlich nicht. Cie langweilen mich, diese weißen, stillen' nichtssagenden, geraden Stengel mit den blaffen Blütenkronen' aber ihr Duft ist süß. und ich bedarf oft sehr der Süße." Sie stand hastig aut. „Nehmen Cie Tee, lieber Thoreissn? Bitte, aber auch Zucker. Darf ich?" Sie legte mit ihren rosigen Fingerspitzen ein Stiick Zucker in die gefüllte Toetaffe, die sie jetzt Holger reichte, dann wandte sie sich an Zen und sagte mit einem bezaubernden Augenausschlag, indem sie auch ihm die Zuckerschale hinschob, aus eine hohe Base des Teetischcs deutend, in der die seltsam grotesken Blütenstengel der blauen Zris schimmerten: „Wie finden Sie diese Wunderblumen? Erinnern Sie dieselben nicht an die Märchenländer, aus denen Sie kommen?" „Nein, Gnädigste, aber Sie erinnern mich an jemand, den ich einst gekannt. Und ich sinne und sinne und kann den verlorenen Klang, der mir im Sinn und Herzen spukt, nicht deuten. Kommen Ihnen, Frau Gräfin, nicht irgendwelche Erinnerungen?" Nachdenkend ruhten die schönen Augen Mirenas voll in den seinen. „Nein, ich finde nichts in meinem Gedächtnis," sagte sie mit ernenn leisen, süßen Lächeln um den Mund, während sie langsam die Spiritusflamme unter dem summenden Teekessel verlöschte. „Zch liebe überhaupt keine Erinnerungen — ich Haffe sie sogar. Nur die Gegenwart ist schön, die wir uns selbst aufbauen und auszunützen verstehen. Warum find Sie so schweigsam, mein Freund," wandte sie sich an Holger, der auf einem kleinen Seffel ziemlich unglücklich dasaß und glühenden Blickes jeder ihrer Bewegungen folgte. „Dichten Sie vielleicht? Soll ich Ihnen den Stoff zu einem neuen Drama liefern?" „Zch würde es dann „Salome" laufen," sagte Holger, und starrte mit großen Augen auf ihre brennend roten Lippen. »Ich danke für das Kompliment. Aber wie ist es, meine Herren, wollen wir nicht hinaus auf den See?" Holger und Zen waren bereit, und eine Viertelstunde später glitt in kleines Boot über die spiegelglatte Fläche des waldum- kränzten Sees, der jetzt im schweigenden Abendfrieden lag. Mirena, die im weißen Gewände am Steuer saß, glich einer Nixe, die aus der blauen Flut emporgestiegen. Mit ihren Locken spielte der Wind und in ihren Augen tanzten goldene Lichter. Zen führte mit kräftigem Arme das Boot, während Holger Mirena dicht gegenüLevfaß und unverwandt in ihre leuchtenden Augen blickte. Betr.: Die Fleffchveriorgung für die Bevölkerung der Stadt Friedberg. Kelramitmachung Ich bringe hierdurch zur öffent- lrchen Kenntnis, daß der Verkauf von Rind, und Kalbfleisch, sowie Wurst für diese Woche am Freitag. den 30. August 1919 von nachmittags 1 bis 6 Uhr in den sämtlichen hiesigen Metzgerläden stattfindet. Die Verkaufszeit ist genau einzuhalten. Friedberg, den 29. August 10is. Der Bürgermeister 2. V.: Damm. Betr.: Beschlagnahme. Enteignung und Meldeflicht von Einnchtungsgegenständ en aus Kupfer, Kupferlegier- uugLN. Nickel, Nickellegierungen, Aluminium und Zinn vom 26. März 1918. Kelramrtmachrmg DicHarrsbesttzerundLaden- iiihaber der Stadt Friedberg werden hiermit aufgefordert, alle in ihrem Besitze befindlichen nachstehend angeführten beschlagnahmten Gegenstände, für die eine behördliche Ersatzbeschaffung vorgesehen ist, bei uns alsbald, spätestens bis zum 10. September d. I. zu melden und zwar: „Zch hatte mir den heutigen Abend anders gedacht," sagte! endlich Mirena leise, und sah Holger mit brennendem Blick i,^ die Augen. ..Ist es Ihnen nicht recht, daß ich Zen milbrachte?" fragte Holger ebenso zurück. „Wo denken Sie hin, lieber Freund, es interessiert nrich ganz ungemein, Jen Nielsen kennen zu lernen. Sehen Sie nur wie sicher er den Kahn führt. Er hat Kraft und Selbstbewußtfein, vnd das schätze ich bei einem Manne am meisten." Sie lächelte über Holger hinweg, gerade in Zen Nielsens Gesicht. „Machen Sie mich nicht wahnsinnig. Mirena," flüsterte Holger. Lebend ihre Hand ergreifend, „und reizen Sie mich nicht, indem Sie mit Zen kokettieren. Man spielt nicht mit mir. Be-' greifen Sie das?" Sie sah in ein zornbebendes Antlitz. Mirena lächelte wie ein Kind. „Was sind Sie häßlich, Sie großer Zunge," sagte sie zärtlich und tausend Liebkosungen klangen in ihrer Stimme, „begreifen Sie denn gar nicht, was ich alles sagen möchte und doch nicht sagen darf?" „Mirena. Geliebte, Süße,". flüsterte Holger. und zog ihre beiden Hände an seine Lippen. Sie lächelte ihm verheißungsvoll entgegen. „Holla, aufgepaßt," rief Zen. „Achten Sie auf das Steuer. Frau Gräfin, wir treiben sonst tief in das dichteste, unwegba-'ö Rohr." ^„Da blühen die Master rpsen". gab Mirena traumverloren zurück. Und sie streckte die weiße Hand aus und brach die schwanken Stiele der auf dem Wasser schimmernden Blutenkelche, und Holger half ihr dabei und immer, wenn sie ble' Hände untertauchten, da begegneten sich ihre Fingerspitzen unter der weichen Oberfläche des Masters. Zen sah es, und wie ein zorniges Auflehnen dagegen kam es über ihn. „Wollen wir heim?" fragte er fast hart. „Nein, weiter, weiter." baten Holger und Mirena. Fortsetzung folgt. Kckamrtmachrmg Die Volksküche bleibt von Montag, den 2. September ab, für einige Zeit geschlossen. Wiedereröffnung wird bekannt gegeben. Friedberg, den 27. Aug. 1918. Der Bürgermeister 2. V.: Damm. »*» Bekannt machittig Frühäpfel werden im Kleinen von heute, Donnerstag nachmittag 2 Uhr ab soweit Vorrat reicht, das Pfund zu 60 Pfg., in der alten Post ab- gegeben. Friedberg, den 29. Aug. 1918. Der Bürgermeister 2. V.: Damm. t Gewichte aus Messing oder Neusilber, siehe Reihe In lsd» Nr. 44 der Verordnung vom 26./Z. 1918. 2. Hohlmaße aus Kupfer Meffrng, 'Neusilberod. Zinn, stehe Reihe 111 lfd. Nr. 45 d. Verordnung v. 20./3 1918. 2. Brauseköpfe von Ladeeinrichtungen in Badeanstalten, Krankenhäusern, gewerblichen Betrieben und öffentlichen Einrichtungen, stehe N^ihe IV, lfo. Nr. 49 d. Verordnung v. 26./3.1918 4 Fenstergriffe u. Fe nfter- kuöpfe, Türklinken, Türgriffe, Türhandhaberr, und Türknöpfe aus Messing. Bronze oder Neustlber, Betätigung eines Verschlusses drenen. stehe Reche IV lfd. Nr. 49 u. 55 d. Verordnung v. 26./3.1918. Die hierfür vorgeschriebenen Formulare sind auf Z.mmer 9 M Stadthauses während der Drenststunden erhältlich und hat auch daselbst die Abgabe der ausgefüllten Formulare wieder zu erfolgen. , 2n den Meldungen ist insbe- Mdere anzugeben, ob behördlicher Ersatz beschafft werden soll vnd ob Ausbauhilfe beantragt Anträge auf kostenlose Ausbauhilse sind auf besonderem Formulare zu stellen. r Fnedberg. den 24. August 1918. Der Bürgermeister •i. 93.: Damm. gegen Fräulein Dina Embach nehne ich hiermit zurück. Amalie Eh, Dornaffenhcim WLLMZG wird um Angabe ihrer Adresse gebeten, welche am Nachmittag des 27./8. auf dem Wege von Bad-Nauheim nach Friedberg mit ihrem Söhnchen angehalten wurde. Von der Dame im schwarzen Mantel als Zeugin gesucht. Adresse zu richten an Frau I., Vad-Nauheim, Haupist 8, 2Tr. Für meinen Bruder, z. Zt. im Felde, Ende 30 Jahre, kath., sehr tücht. Landwirt, mit eig. Betrieb, zirka 60 Morgen, suche tüchtige.' häusliche Daine zwecks späterer Einheirat in größeren Betrieb nicht ausgeschlossen. Offerten mit genauen Angaben über Alter, Vermögen, unter E. E. 15041 an Haasenstein & Vogler, A.-G., Frankfurt a. M. Ohne Namennennung zwecklos. Den Freunden dieses Blatt, empfehle ich mein Lager in Optik, Brillen u. Kneifer nach jed. Rezept. Lieferung f. Kaffen. Sestein-ericht. Krpar.-Werk- stätte m.Wasch.-betr.f.OpliK, Khrtll.G-l-w.ll. Feinmechanik Willi. 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