Dummer 201 Einjklpreig Z f£ B j, Millmoch, den 28. August 1918 11. Jahrgang. Ueue Tageszeit Die .,L!e«e Tayes?ei1mrg" erscheint jeden Werktag. Regelmäßige Beilagen „Der Dauer ans Dessen". „Die Spinnstrrbe". Kexugspreis: Bei den Postanstalten vierteljährlich Mk. 2.40 hinzu tritt noch das Bestellgeld: bei den Agenten monatlich 85 Pfg. einschließlich Trägerlohm Anzeigen: Grundzeile 25 Pfg.» lokale 20Psg^ Anzeigen von auswärts werden durch Postnachnahme erhoben. Erfüllungsort Frieoberg. Schriftleilung und Uerlag Friedberg (Hessen), .^anauerüraßs 12. Fernsprecher 43. Postscheck-Conto Nr. 4359, Amt Frankfurt a. M. Gkjlhkitkckr DiirMnll?P>!?ch!l!j Milch der Srorpr. Schwerer Kampf zwischen Arras und der Somme. — Oesterreichst che Slurmerfolge in Albanien. 220V0 Tonnen versenkt. — Erfolge der Sowjettruppen. — Auch der Zarewitsch ermordet? Der deutsche Generalstab ■ meldet: W. T. K. Großes Aa-rpiquartLer. den 26. August Amtlich. Westlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppen Kronprinz Nupprecht und B o e h n. Tagsüber schwerer Kampf zwischen Arras und der Somme, westlich von Arras jyrtff der Feind beiderseits der Scarpe an. Nördlich des Flusses blieben seine Angriffe vor unserer auf Noeux zurückgebogenen Kampflinie im Feuer liegen. Südlich der Scarpe wichen unsere Vortruppen den mit zahlreichen Panzerwagen und starker" Infanterie vorgetragenen feindlichen Angriffen auf Befehl auf die Höhe von Mouchy aus. Dort empfing den Feind das Feuer unserer zur Abwehr bereitstehenden Infanterie und Artillerie. Nach erbittertem Kampfe drang der Gegner über Mouchy und Gurmavpe vor. Unser Gegenangriff warf ihn an die Ostränder der Orte wieder zurück. Mehrfach gegen Ch-erisy gerichteter Ansturm brach vor den 'Orten zusammen. Unter starkem Einsatz von Panzerwagen setzte der Feind seine Angriffe beiderseits von Bapaume fort. Nördlich von Bapaume waren die Höhe südöstlich von Mory und Bongnatre Brennpunkte des Kampfes. Auf der Höhe faßte der Feind nach mehrfachem vergeblichen Ansturm am Abend Fuß. Bengnatre blieb nach langem Kampfe in unserer Hand. Südwestlich von Bapaume setzte sich der Feind in Thilloy und Martinpuich fest. Im übrigen brachen die stier auf breiter Front bis zum späten Abend widevholten Angriffe des Feindes blutig zusammen. An ihrer erfolgreichen Abwehr staben preußische, bayerische und sächstsche Truppen gleichen Anteil. Bor und hin» ter unseren Linien liegen die zerstörten Panzerwagen des Fein, des. Leutnant Spielhoff schoß mit seinem Kraftwagengeschütz vier Wagen zusammen. Südlich von Martinpuich drang der Feind über Dazentin ln Montauban ein. Im Gegenangriff warfen wir ihn aus Montauban wieder hinaus. Auch südlich von Montauban scheiterten feindliche Angriffe. Unsere Linie verläuft jetzt westlich von Flers, westlich von Longueval auf Maricourt. Zwischen Somme und Oise lebte die Gefechtstätigkeit nur beiderseits der Avre auf. Bei örtlichen französischen Angriffen blieben Fresnoy und St. Mard in Hand des Feindes. Nördlich der Aifne machten wir bei einem Vorstoß westlich von Estauvigny 100 Gefangene. Feindliche Angriffe brachen hier und nördlich von Pafly verlustreich zusammen. Oberleutnant Lörzer, Leutnant Könnecke und Leutnant Holle errangen ihren 31., Leutnant Tstuny seinen 26., 27. und 28., Leutnant Laumann seinen 23., Oberleutnant Ereim seinen 21. und Leutnant Blume seinen 20. Luftsieg. Der Erste Generalgnartierineistcr: Ludendorff. Akrendbericht? Berlin, 27. August, abends. (WB. Amtlich.) Schwerpunkt der heutigen Durchbruchsversuche der englischen und kanadischen Truppen lag südlich der Scarpe. Der Stoß ist beiderseits der Straße Arras--Eambrai in unseren Stellungen aufgefangen. Beiderseits Bapaume liitfc nördlich der Somme blieb die Kraft der feindlichen Angriffe gegen die Vortage zuriick: der Feind wurde überall abgewiesen. Der österreichische Generalstab meldet: =. .= Wien, 27. August. (WB.) Amtlich wird verlautbart: An mehreren Stellen der italienischen Front Artillerie- Äampfe und Patrouillengesechte. Vozen und Gries waren neuerlich drs Z'el feindlicher, aber si'-adloscr Fliegerangriffe. Aus dom albanischen Kriegsschauplätze staben unsere siegreichen Truppen in Verfolgung des geworfenen Gegners südlich von Fieri und Berat Raum gewonnen: auch beiderseits des Torica-Tales (ein Nebenfluß des oberen Devoli), wo französische Abteilungen hartnäckigen Widerstand leisteten, wurden feindliche Stellungen erstürmt mrd der Feind zum Rückzug ge- Lwrmgen. ' ^ Der Chef deS GeneralstabeS. !! Der knlgarische Generalstab '——— meldet: ———- Sofia, 25. August. (WB. Nichtamtlich.) Eeneralstabsbe- richt. Mazedonische Front: Im Westen des Ochridasees und im Eernabogen kurze Feuerüberfälle auf beiden Seiten. Oestlich des Dopropolje beschoß eine feindliche Batterie eins unserer deutlich, gekennzeichneten Mikttärhospitäler. Nach Artillerievorbereitung griffen englische Infanterietrupps vor Tagesanbruch unsere vorgeschobenen Posten auf beiden Wardarufern an. Sie wurde aber durch Feuer zerstreut und erlitten ziemliche Verluste. Während des Tages war die Feuertätigkeit südlich Huma und beim Wardar, besonders nördlich des Dorfes Patul- bukowo, ziemlich heftig. Auf dem Vorgelände südlich von Va- rakli Dfchumaja griffen unsere Angriffstrupps zwei griechische Infanteriekompagnien an und zerstreuten sie trotz ihrer Ueber- zahl, wobei sie mehrere Gefangene machten. Die Schlackt im Westen. Berlin, 27. August. (WB.) Die neue deutsche Verteidigungsstellung zwischen der Oise und Aisne, gegen die sich die vergeblichen Anstrengungen der Fcanzoien 'n den letzten Tagen richteten, verläuft von Manicamp in südöstlicher Richtung durch das sumpfige Niederungegebiet der Ailelte und des Aisne- und Orsekanals bi« Pont St. Mard, zieht dann in östlicher Richtung über die unbewaldeten Höhenrücken westlich an Juvigny und Ehavigny vorbei uird wendet sich nordöstlich Asly nach Osten, um den das Aisnetal säumenden Hängen zu folgen. Am 25. August war besonders das Frontstück von Pont St. Mard, Pasly der Schauplatz erbitterter Kämpfe. In schneidig ausgeführten Gegenangriffen entrissen wir dem Gegner die am Vortage noch verbliebenen Stellungsteile ud stielten^sie gegen die immer wie- der voibrechenden Gegenangriffe. So wurde am frühen Morgen, noch ehe sich der dichte Nebel verflüchtigt statte, der Inselberg, südöstlich Pont St. Mard im Sturm genommen, ebenso die Ferme Malhotel südwestlich Erecy au Mont. Südlich von diesem Ort traf der deutsche Angriff auf einen von schwarzen und weißen Franzosen ausgeführten in dichten, liefen Wellen sich entwickelnden Angriff. In heftigem Ringen wurde er niedergeschlagen. Mehrere hundert Franzosen von vier verschiedenen Divisionen wurden als Gefangene eingebracht. Auch auf den Höhen südwestlich von Erecy au Mont wogte der Kampf hin und her, doch vermochten die Franzosen, trotz Einsatzes stärkster Kräfte in wiederholten Anstürmen keinen Geländegewinn zu erzielen zur Unterstützung der Angriffe nordöstlich Pasly. An dieser Stelle war in Soissons neben der Kahedrale Artillerie aufgefahren, ähnlich wie seinerzeit in Reims unter dem Schutze des ehrwürdigen Bauwerks. Bon allen Seilen wurde am 23. und 24. August das Artilleriefeuer auf die Angriffsstelle vereinigt. Welle auf Welle der französischen Sturmtruppen brach sich an dieser Ecke. Die Verteidiger erwarteten trotz des schwersten Feuers, das sie zermürben sollte, kaltblütig den Augenblick zum ülutign Empfang der immer wieder aus den Schluchten von Vauxrezis und Pommlers anlaufenden Franzosen. Restlos wurden sie abgewiefen. Im Anschluß an diese Abwestrkämpfe brachte uns am 25. August ein deutscher Vorstoß nördlich Pasly den Gewinn einer kleinen Geländeerhebung auf dieser Hochfläche. Berlin, 27. August. (WV.) Die Zahl der bei den Kämpfen am 25. August zwischen Ailette und Aisne eingebrachten Gefangenen hat sich auf 650 erhöht. Nach dem westlich Clavigny am 26. August erfolgten neuen deutschen Vorstoß wurde die hierbei gewonnene Linie gegen zwei feindliche Angriffe voll gehalten. Berlin, 27. Aug. '(WV.)' Die schweren Kämpfe zwischen Arras und Somme brachten den Feind am 26. August trotz erbitterter Anstrengungen und trotz Einsatzes aller Kampfmittel und frischer Truppen seinem Durchbru>chsziel nicht näher. Die deutsche Führung ffigte dem Feinde durch rechtzeitiges Ausweichen und unerwartete Gegenstöße immer wieder schwere Verluste zu. Die Verbreiterung des englischen Angriffsraumes nach Norden über die Scarpe hinaus zwingt die britische Führung zu immer umfangreicherem Einsatz. Dennoch ringt sie seit dem 21. August, also bereits eine volle Woche, vergebens um die Enffcheidung. In genau derselben Zeit, das heißt vom 21. bis 27. März d. Js., hatten die Deutschen bei ihrem Angriff ans der Linie Mouchy—La Ferk den Feind bis über Albert—Pierremont—Montdidier—Noyon hinaus vor sich Hergetrieben und ihm allein hierbei 90 000 Gefangene und mehr als 1300 Geschiitze abgenommen. Jetzt känrpfen viele Hunderttausende englischer Soldaten im gleichen Gelände. Trotz zahlenmäßiger Ueberlegenheit gewinnen sie unter schweren Verlusten nur langsam an einzelnen Stellen Raum, da die wuchttgen deutschen Gegenstöße sie immer wieder zurücktreiben und dem Verfolgungsfeuer unserer Batterien und Maschinengewehre aussetzen. Nach wie vor kann die auf französischem Boden käinpfende deutsche Führung nach Be- lieben die feindlichen Angriffe annehmen oder den Kampf ablehnen Der durch unsere siegreichen Offensiven geschaffene Spielraum bezahlt sich auch in dieser großen Be- wegungsschlackt. Er erleichtert den Deuffchen ihr einziges Vorhaben, eigenes Blut zu sparen und trotzdem die Kampf» kraft des Gegners erheblich zu schwächen. 9 Ungeheure Verluste der Feinde. Haag» 27. August. (D. D. P.) Die französisch-britischen Verluste sind infolge der fortgesetzten Angriffe ins Riesenhafte gewachsen. Man spricht in Londoner Militärkreisen offen davon, daß seit dem Beginn des Gegenangriffs, seit der „Eroberung der Handlungsfreiheit" rund 300 000 Briten und Franzosen, außer den Farbigen, teils tot, teils schwer verwundet find. Es stellt sich heraus, daß die Sturmwagenangriffe für die Mannschaften sehr unheilvoll sind, insofern als leichte Verwundungen viel geringer sind als schwere Schußverletzungen. „Der Sturmwagen hat sich ein Bein gebrochen, die Mannschaften» die unter seinem Schutze vorgingen, gehen kläglich zu Grunde/ so lautet ein aus London herübergelangter Frontbericht. Die Soldaten sind weit davon entfernt, den „Windhund" in der gleichen Weife zu preisen, wie es die englischen Zeitungen tag. lich tun. llebrigens schleichen sich auch in die Blätter und sogar auch in die Blätter Northcliffes die Klagen über de» Sturmwagen ein. Luftangriff auf Smcm nng. Berlin, 27. Aug. (WB.) Am frühen Nachmittag des 25. August griffen sechs Flieger des Vierverbandes Stadt und Bahnhof Luxemburg mit elf Bomben an.' Der Sach- ichaden ist gering. Verluste sind nicht zu beklagen. 32000 Tonne« versenkt. Berlin, 27. August. (WTV. Amtlich.) In den Gewässern westlich von England versenkte eines unserer U-Boote fünf Fahrzeuge von zusammen 22,000 Bruttoregistertonnen. Der Chef des Admiralstabcs der Marine. 9 Der Seekrieg. Bern, 27. Aug. (WB.) Der Lyoner „Nouvelliste" meldet aus New Bork: Der oon einem deutschen U-Boot aufgebrachte kanadische Dampfer „Triumph" fährt mit einer 46 Mann starken Prisenbesatzung des U-Bootes an Bord, mit zwei Kanonen bewaffnet und einem Funksprnchapparat berschen, in den Gewässern um die Küstenbänke Neuschottlands. Er versenkte bereits mehrere Fischerschiffe, deren Besatzungen in kandischen Häfen gelandet wurden. Bern, 27. Aug. Nach einer Meldung der „Neuen Korre« spondenz" aus Madrid teilte eine Note des spanischen Staats-- Ministeriums mit, Deuffchland gewähre der Famllie des bei girier Schisfsversenkung umgekommenen spanischen Komi- ponisten Grenados eine Enffchädigung von 600 000 Pesetas. Die Entschädigungssumme sei durch einen notariellen Akt überwiesen worden. Amsterdam, 27. Aug. '(WB.) „Algemeen Handels« blad" erfährt, daß heute früh von einem englischeil Flugzeug zwei Bomben auf ein holländisches Wachtfchiff in den Wielingen abgeworfen wurden. Die Boniben sielen unmittelbar neben dem, Schiff ins Wasser,, - T v. ‘ Die Kriegsereignisse im Westen. (Abgeschlossen am 23. August 1$18.) '■ Auf dem westlichen Kriegsschauplatz stand die abgelaust NS Woche unter dein Zeichen der außerordentlichen Vorbereitungen des Feindes zu dem erneuten Durchbruchsverfuch zwischen Oise, und Aisne, der sich in erster Linie taktisch gegen Sloyon, st rate-. gisch gegen die Linie La SSre—Laon als Flankenftotz gegen die anschließenden Schlachlfronten wendete. In Verbindung mit dem in gleicher Richtung vorgetragenen Angriff nördlich der Oise wird das strategische Durchbruchsziel dieses am 20. August unter heftigen Kämpfen gescheiterten Angriffes klar, besonders wenn man den auf Vapaume gerichteten neuen englischen Angriff mit südöstlicher Richtung in Zusammeirhang mit den eben berührten französischen Kampfhandlungen betrachtet. Nachdem der Frontal-Angriff auf den vorsprlügenden Sack Arras—Albert-Montdidier—Noyon infolge der Zurücknahme unserer Front gescheitert war, versuchte der französische Oberbefehlshaber ganz im Stile des Angriffs auf den Marne-Sack von Südwesten gegen Nordosten bc-rerseits der Osse und von Nordwesten gegen Südoften auf Bapaume unsere Linien zu durchbrechen und die im ganzen Raum stehende Heeresgruppe Boehn abzuschneiden und zu vernichten. Dies strategische Ziel muß als vollkommen gescheitert betrachtet werden, denn es ist vorauszusehen, daß der völlige Mißerfolg des ersten Schlachttages am 20. August die Haupsstoßkraft des Gegners zwischen Oise und Aisne gebrochen bat. Im einzelnen entwickelten sich die Kampfhandlungen folgendermaßen: Um den 17. August nahm die Gefechtstätigkeit zwischen Yser und Ancre lebhaftere Formen an. Besonders nördlich der^ Ancre entwickelte der Feind eine rege Erkundungstätig- keit. Tags darauf setzten hier und im Raum von Bucquoy die ^.nfanteriegefechte ein. und es wurde immer klarer, daß der Engländer auf Dapaunle zu operieren die Absicht hatte. Daneben gingen Kampfhandluugen südwestlich von Bailleul bei Vieux Berguin und an der Lys. Es stellte sich aber bald'heraus. daß diese Angriffe auf unsere Stellungen vorwärts Armen- tisres vorläufig nur von der im Rahmen des feindlichen strategischen Planes cinfctzenden Gefechtshandlung gegen Vapaume und beiderseits der Oise ablenken sollten. Die Hauptstöße^ der, zusammengefaßten englisch-französisch- amerikan sichen Massen richteten sich gegen unseren gewaltigen Durchbruchstraum aus den letzten Märztagen dieses Jahres Schon am 17. August hatt der Feind beiderseits Roye zu neuen starken Angriffen angefstzt. die sich bis in den Raum von Ehaul. nes und südlich bis Laisigny ausdehnten. Hauptsächlich Franzosen und Kanadier liefen hier gegen die Truppen des Generals von Hutier an. ohne das Ziel ihrer Angriffe auch nur im entferntesten zu erreichen. Trotz vielfacher Mißerfolge trieb der französische Oberbefehlshaber unter dem Schutze seiner Panzerwagen seine Infanterie zu immer erneuten Angriffen vor. die besonders im Raume rcn Laffigny erhebliche Stärke annnh'men. Um diese Zeit ließ der zunehmende Artilleriekampf zwischen Oise urw Aisne auch dort einen neuen Großangriff in greifbarer .iähe vermuten. Tatsächlich stießen schon gegen Abend des 18. August feindliche Jnfanteriernasien zwischen Earlepont und Nouvron vor. Der Angriff wurde aus den Flügeln {m tflafc fampf abgewiesen. während die Mitte der feindliche« Front durch unsere Artillerie niedergehalten wurde. Auch am 19. wurde dort gekämpft. Am 20. begann dann nach stärkster Feuer- steigerung, unterstützt durch zahlreiche Panzerwagen, auf einer Frontbreite von 25 Kilometer in tiefer Gliederung der erneute Durchbruchsversuch. mit dem oben schon erwähnten strategischen Ziele, der Vernichtung unserer gesamten Streitkräste im Raume Bapaume—Ehauny. Dieser Durchbruchsverfuch ist, wie schon mitgeteilt, im vollen Umfang gescheitert. Ebenso mißlang der Durchbruchsoersuch der Engländer und Neuseeländer Zwischen Moyenoille und Ancre in 20 Kilometer Breite mit dem Ziele Bapaume unter schwersten Verlusten für den Feind. Nachschrift: Wir haben in unserer Nr. 196 auf einen Widerspruch in den anrtlichen deutschen und den feindlichen Heeresberichten hingewiesen. Die obigen, von fachmännischer ^te gemachten Ausführungen, zeigen uns. daß die Wider- fprucke nur scheinbar sind. Unsere Tagesberichte sind vollständig rm Recht, wenn sie von einer gelungenen Abwehr sprechen^und deshalb den Erfolg für sich in Anspruch nehmen. Unsere feinde nämlich hmetex vorzudring-en und uns etliche tausend Gefangene abzunehmen. Ihr Ziel war ein völliger Durchbrucy unserer Front und ganze Heeresgruppen abzufchner- den und zu vernichten Dieses Ziel ist völlig miß. l u n g e n. Daß es in diesen Kämpfen nicht ohne Verluste an Gefangenen und Gelände abgeht. ist leider bekannt, deshalb ent- halten auch dre feindlichen Tagesberichte eine gewisse Wahrheit. die unseren Feinden aber ganz und gar keinen Grund zu einem Siege Stichel geben könnte. Wir sind überzeugt, daß un- ^re Fernde sich an dem starken Wall unserer Tapferen den Scheel einrennen werden und daß dann unsere Zeit wieder Erst vollständige Unterwerfung. London 26. August. (WB.) Der „Observer" erklärt zu der Rede des Staatssekretärs Dr. Solf: Dr. Solf hat die Erklä- ^zlers wiederholt, daß Deutschland etwa nicht die i] ? irgendeiner Form zu behalten, und daö Belgien nach dem Kriege als unabhängiger Staat erstehen erde, kernem untertan. Unsere Antwort an Dr. Solf ist daß f d r 3le \ m J' ine l U ’ TOt>W '' 9i0feit E nach dem Kriege'wie- derherEc>lt werden mutz, sondern ehe der Krieg endet. Die VerbnE°ten Men nicht aus den Handel au- und haben nicht- über F«ustvs°,ü>er zu sagen. Als Vorbedingung siir einen Wasf^stillstand mutz jeder deutsch« Soldat da- belgische EMet verlassen. Dies bedeutet nicht notwendigerweise den Abschluß des Friedens, aber es bedeutet, daß die Verbündeten dann besannen, dis Bedingungen in Erwägung zu ziehen, die sie Doutfchlande wegen des Unrechtes, das es dem harmlosen kleinen Lande getan hat, unterlcgcn werden. der dknljchkn SM in Spanien. Bern, 27. Aug. Das Madrider „A. B. C." veröffentlicht pem „Tomps" zufolge eine Mitteilung Datos, wonach die panische Negierung jicü vordereite,alle tzeutzchen, Handelsschiffe zu requirieren und zwischen Spanien und den Ländern die ihm die unentbehrlichen Rohstoffe liefern sollen, regelmäßige Verbindungen herzustellen. Rußland. Erfolge der Sorvjettruppev. Moskau, 24. August. (WB.) Mel!dung der Petersburger Telegrapheuagentur. Kämpfe vom 16 . August. Oestliche Front: In der Richtung auf Alapajew wurden von uns Sschucholjets- koje, Taufchkina und Koffchauawskoje im Kampf genommen. Der Feind flieht in völliger Auflösung. Im Gebiet der Sta- twn Monctrasa tobt der Kampf. Bei Simbirsk wird erbittert gekämpft. Das Feuer unseres bei der Station Ochotnitfchfa befindlichen Panzerzuges ^ brachte die Batterie des Geg. ners zum Schweigen. Unsere gegen Simbirsk vorgehenden Abteilungen hoben die B-ücke über den Swijgo-Fluß erreicht Der Fsind versuchte vom Dorf Otrada her eineu Angriff auf die Station Ochotniffchja. Wir ließn ihn ganz nahe herankommen und schlugen ihn durch sck'wüen Vorstoß in die Flucht. Er ließ viele Tote zurück sowie Geschütze. Maschinengewehre. Bei Kasan zog sich eine Gruppe cm linken Ufer nach hartnäckigem Kampfe auf die Liwe des Fasses Szmck- zurück. Auf den andpren Frontabschnitten le ne Veränderung Auf den nördlichen und westlichen fr, MMnUten hat der Gegner rn der Richtung von Oncgr das Dorf Tschk^ewskaja aufgegeben. Im Gebiet der Wagamündung vern-chte der Gegner mit Hil'e von Wasiefflugzeugen einen ^uen Angriff vcm Lande und vom Wa,rer her Die Attacke wurde tnd, das Feuer unfern abgemiefen. Im mrdlnukosischen Abschnitt konzentrierte der Gegner beim Gehöft Warffatschi in der Richtung von Kat- schaomsk größere Kräfte. Er führte einen Angriff gegen die Station Cumrak aus. wurde aber durch unser Maschinengewehr- abg^refen. Unter dem Schutze der Dunkelheit und des schlechten Wetters vermochte der Gegner sich der Stattvn Sfe- Nitschnam zu nähern, wurde aber auch hier in die Flucht geschla- gen. jn bei Richtung von Weliketnjschek griff der Gegner mit ^ner KavaRcrieabteilung von 500 Mann. Geschützen und zwei Maschinengewehren an und wurde nach sechsstündigem Kampf unter großen Verlusten zurückgeschlagen. PT 27 -J tna - lWB.) Nach einem hiesigen rrf^c- me öet ^ er Sonderberichterstatter der „Times" in Charbm vom 31. August, daß die Kampftätigkeit an d«r Iissurrfront am Montag stark zugenommen habe. Die beiden Fronten der alliierten Streitkräste seien angegriffen wor- en. Die Kosaken hätten vier Kanonen verloren und 100 Mann. Die tschechischen, englischen und französischen Trup- pen wurden in den Kampf verwickelt, später auch di- WPamschen. Ihre Gesamtverluste betrugen ungefähr 300 Mann an Toten und Verwundeten. Die Frontlinie wurde b Meilen zurückgenommen. Japanische Truppen treffen rasch ^fgebiete ein. Man glaubt, daß eine feindliche, f tQrfe Knippe vom Khanka-See aus ungefähr 100 Meilen nördlich von Wladiwostok gelandet und nach Grodekowa gesackt worden sei, um die sibirische Bahnlinie beiden Seiten zu besetzen und die Verbindung zwischen Wladiwostok und Charbin abzuschneiden. Wie schwieriges -.age ist, kann aus der Tatsache entnommen werden, daß ein anschnlicher Teil der tschechischen Truppen zurückgebracht wurde, um die Bahn zwischen Nikolsk, nörolich von Wladi- Wostok, und Grodekowa zu besetzen. Moskau, 27. Aug. (WB.) Meldung der Petersburger Telegra^en-Agentur. Aus dem Gouvernement Tschernigow vom 21. August mitgeteilt, daß die Auf. ständischen die große Brück- bei Lokotj, östlich Gluchow ver- brannt haben. Ebendort wurden beim Wasserpumpwerk orer Telegraphenstangen heraus gerissen. Die deuffchen und österreichischen Kriegsgefangenen. Moskau, 27. Aug. (WB.) Meldung der Petersburger In einen: drahtlosen Telegramm „An Alle dementiert Genosse Trotzff die amerikanische Lüge welche besagte, daß die Sowjets die allgemeine Bewaffnung aller b^ffchen und österreichischen Kriegsgefang^en zum Kanipse gegen die TschechElowaken durchführen wollen. In der Solchetarmee befänden sich lediglich einige frlihereKriegs- gefangene, die russische Staatsbürger geworden sind. Aufhebung des Privatgrundeigentums iu den Städten. . Moskau, 24. Aug. (WB.) Nach der „Prawda" hat das Zentral-Exekutivkomit^e in der Sitzung vom 22. August den Erlaß eines Dekrets beschlossen, das in allen Städten den Privatbesitz auf Grundstücke beseittgt. In Städten über 10 000 Einwohnern wird das Recht auf Privatbesitz auf sänttliche Bauten abges-chafft, deren Ertrag einschließlich des Grundstückertrages iiber die von den Ortsbehörden festgesetzten Normen hmausgeht. Hypotheken über 10 000 Rubel werden annulliert rrnd die früheren Eigentümer den Mietern gl^rchgestellt. Das Dekret erstteckt sich nicht auf Industrie, unternehmen, Die LrgäüftWSlikMZe fl« §reßer Nukrüß ünlegeiAet. Berlin, 37. Aug. (WB. Anrtlich.) Heute nachmittag sind im Auswärttgen Amte von den deutschen und russischen Bevollmächtigten drei Ergänzungsverträge zu den Brester Verträgen unterzeichtnet worden, nämlich ein Ergänzungsvertrag zum Friedensvertrag sowie ein Finanzabkommen und ein Privatrechtsabkommen zur Ergänzung des deutsch ruffischnr Zusatzvertrages zum Friedensvertrage. Die Der- träge bilden das Ergebnis der seit mehreren Wochen zwischen den deuffchen und russischen Delegierten in Berlin geführten VerLmrdlunübn, ^uch der Zarewitsch remordet? August. DI- „Dolly Mayl" berichtet, d--b ei« ^ antam, mitteilte, das, die de- Zaren auch den Z-. rew.tsch getötet hatten. Di- Wrber begaben sich zu bem klei. nen Prinzen und erklärten thm: Wir hab^n deinen Vater ge. ' inCS Hunde- für einen Hnnd. Der Arrewitsch brach ,n Tranen aus, irrrrmf einer van der Bande lhn mit dem Revolver niedcrfchoß. „Cm TrlNjm vom nrnrn Dölkerbmid." . Wrgenn-ister i. R. Q u ° h I. ^ ^ h. s , {c&rejfit ^ bet „Deutschen Tageszeitung": Nicht nu r in den Ländern unserer Kriegsgegner, sondern auch in Deutschland selbst treten wirre und unausfijhr» bare Regung-n zur Begründung eines neuen Völkerbundes zutage. Ein solcher Völkerbund soll den Weltfrieden sickert, -md alles Kriegfllhren in Zukunft unmöglich machen. B- kennilich stutzt sich eine deutsche Ausführung zugunsten des neuen Völkerbundes auf einen offenen Brief des bekannten Lord Grey. den der „Kladderadatsch" schon zu Anfang de» m äB ° rt un& Eild als den „Mann ohne Gewissen" darstellte Als solcher hat er sich denn auch bis zu s-in-m Ausscherd-n aus dem Dienste hinreich-rrd hervorge. ran und mit den gemeinsten Waffen gegen Deutschland und desien Verbündet- gearbeitet. Nur einen deutsck)-n Verehrer e LK §t;e mr. Ö .!^ Iefeten Botschafter in London, Fürsten Lichnowski. Glücklicherweise reden nur wenige deutsche Zerst-ngm in wunderbaren Tönen dem Wettftneden das Wor-t Bedingung für letzteren soll sein, daß Staatshäupter und Regierimgen den Gedanken aufrichtig und mit Ueber- zeuA-ng aufnehmen und selbstverständlich alle Freunde des Völkerbundes für den Weltfrieden in Wort und Schrift ein- treten und werben. D°r englische Völkerbund soll nun die Welt gegen die Mittelmächte zusammenschließen. Die deut- scheu Träumer dagegen erkläre»: Die dem Völk-rbunde an. gehörenden Staaten - und allen zivilisierten Nationen steh« er nach ihnen offen - sollen sich tunlichste B«schrän. rung außerpolrttscher Handlungsfreiheit auferlegen; auf Anwendung von Gewalt verzichten. Streitfälle sollen 'durch Venmttümg oder Schiedsspruch geschlichtet werden. Ver- stanbigungsrat und ständiger internattonaler Gerichtshof werden dabei eine wichtige Rolle spielen. Das vornehmste Gebot des Völkerbundes soll lauten: „Du sollst nicht Krieg Versuch zu gütlicher Vermttttung ge- durch diesen Satz n^n nicht, wie übrigens bei allen derartigen Versuchen, ohne weiteres zugegeben daß dre Knegsrüstungen bei allen nach Wahrung ihre/ In- tereffen strebenden Völkern aufrecht erhalten bleiben uiü> beim Versagen des Völkerbundes-Gerichtshofes der Krieg doch dre Enffcheidung bringen muß? Hat denn der Völker- brind, der sicherlich in seiner Mehrheit aus Advokaten und sogenannten Staatsmännern bestehen wird. — die Advokaten melden sich ja bereits —, überhaupt Anspruch auf Verttaüen, und hat er die Macht, gegen einen Krieg unter- nehmenden Staat wirksam vorzugchen, und wird dieser warten, bis er angegriffen und mit den Waffen zur Ord- nung gerissen wird? Die Bemühungen oder Leistungen der Demokratie und Sozialdemokratie sind bisher dock) aller- lvärts kläglich gescheitert. Wo sind denn die sittlich-geistigen Kräfte und Massen, die man jetzt aufbieten will, unr in Zu. kunst Kriege zu verhindern? Will man die nach all den Er/ahrun^en des Krieges plötzlich hervorzaubern? Ma- ralische Hemmungen haben Deutschlands Feinden von Haus aus gefehlt. Deusschland wird, so hoffen wir, doch nach langen, schweren Knegsjahren, den Endsieg und einen machtvollen, deuffchen Frieden herbeiffihreli. Gerade dieser Krieg hat deutlich bewiesen, daß selbst seine ärgsten Folgen nicht durch verttagliche Abmachungen gemindert werden können, und nur der Wille, die Macht, die starke Waffe entscheiden können. Deuffchfand bedarf auch weder von innen noch von außen einer Friedensmahnung, es wird vielmehr selbst auch darin stark genug, einen Bund von Mächten nach eigenem Gefallen schaffen und organisieren, der an erster Stelle weiter der starke Hort des' Weltfriedens sein und bleiben wird. Frlttlffiikter Ikifung — Cljamlsfrlnm. ©egen das verurteilende Erkenntnis des Frankfurter Schöffengerichts in dem Prozeß der . Frankfurter Zeitung" gegen den Schriftsteller H. St. Ehamberlain hat der Rechtsbeistand des Beklagten, Justizrat Elaß. Berufung eingelegt. ChMbecküin gegen .ssrnnssnrter Zeiinng". Von Prof. A u g. G e b h a r d, Friedberg (Heffen). ^ /' II. STod) am 13. 7. 70 mutet das Vlatt Leopold Sonnemanns gegen die ..Volkspest des 19. Jahrhunderts, gegen den Militarismus . Die spanische Thronfolgefrage wird als preußisches Wohlmanöver gewertet. Am 10. 7. 70 heißt es: „Die erste Pflicht ist es. . . mit allen Kräften dahin zu wirken, daß nicht wiederum die Achiver (Achiver ist sehr gut!) in Milleidenschast gezogen werden, wenn die Könige zu sündigen Lust und Anlaß haben , und im selben Allfsatz heißt es mtt anerkennenswerter Offenheit, frei von jeder Belastung mit deutscher Empfindung und Vaterlandsliebe. Dinge, die wir steilich billigerweise von dem Frankfurter Blatt weder erwarten noch verengen, weiter . . . „möchten wir neben anderen Erwägungen auch das Partei- > lntereffe (!!) als dringendstes Motiv bezeichnen, das uns einem l Kriege entgegenarbeiten heißt, der die nationalen Instinkte der gutmütigen Deutschen ja überaus leicht wieder rnn Spielzeug Dynastisch-frivoler Interessen zu machen imstande wäre. Darum halten wir darauf, die Verhältnisse mft nöglichst großer Kühle AU bettachten. Ob Napoleon vor dem Drängen der öffentlichen Meinung Europas (!!) zurückzuweichen gezwungen wird, oder ob das von einer bismarckifchen Intrige genasführte Preußen Kurücchufen muß, ist mcs durchaus gleichgültig." Als dann König Wilhelm von Ems nach Berlin zurückkehrt, überall von den begeisterten Kundgebungen anfwallenden vaterländischen Stolzes und froher, hingebender Begeisterung begrüßt, da tönt es aus dem Munde der Vertreterin der „europäischen" Meinung zu Frankfurt a. M. folgendermaßen' „Noch ist der erste Ecbuß nicht gefallen und schon steht jene widerliche Pflanze in Krsvt und Llüt-r, D« tznst nur im Sumpf monarchischer Siege ihre Blätter zu entfalten pflegt." Und als dann utrter den gewaltigen Waffentaten des preußisch-deutschen Heeres, das wir ganz gewiß nicht der „Frankfurter Zeitung" und ihren Staatsmännern verdanken, Frank, reich zusammenbricht, da sehen wir das edle Blatt eifrig an der Arbeit. Wasser in den. Wein deutscher Begeisterung zu gießen, um vor allem das deutsche Volk um die Früchte seiner Vlut- arbeit zu bringen. Auch damals tönt's aus der Eschenheimergasse'. „Nur keine Annexionen." Man lese, wie am 26. 7. 70 das Blatt sich gegen die Einverleibung Elsaß-Lothringens wehrt und beachte dabei vor allem die hinterhälilich abgeformte Art, wie in und zwischen den Zeilen alle Deutschfeinde gegen unser Vaterland aufgohetzt werden. Es heißt: „Aber, sagt man, Elsaß und Lothringen sind deutscher Boden, nur seit 200 Jahren fast dem Reiche entfremdet! Zugegeben! Ich habe selbst dort Idas Landvolk deutsch, die Stadtebewohncr französisch reden Hörem Aber, möchte ich dann auch fragen, wo ist die Grenze der historischen Reklamierung und Rückerstattung? Geht sie 100, 200 oder noch mehr Jahre zurück? Wir haben im Westen verloren, im Osten gewonnen. Sollen wir den Slawen zurückgeben, was wir ihnen dort abgenommen? Aber die Sprache? Ich habe in Nordschleswig dänisch, bei Danzig, Königsberg, Vveslau und Posen polnisch, in Böhmen und Mähren tschechisch, bei Klagenfurth windisch sprechen hören. . . . Aber Elsaß, Sttaßburg namentlich, wurde doch durch Verrat — Pst! Still! Wie wurden denn die Teilungen Polens ins Werk gesetzt? Werden nicht noch heute die Bezirke Nordschleswigs bei Preußen behalten, trotzdem daß im Jahre 1866 unter Anrufung der Dreieinigkeit ein Wort verpfändet wurde? Seid Ihr toll geworden, daß Ihr historische Gründe anruft, die bei nächster Gelegenheit gegen Euch mit doppelter Wucht gedreht werden können?" Und als dann doch das Einigungswett und die Rückgewinnung der alten Reichslartt« gegen Wunsch mid Willen der frankfurter Zeitung" zustande kommt, da tut sie alles, dem deutschen Volk die Frsude an dem Errungenen zu verekeln. Noch während des Krieges heißt es am 3. 12. 70: „Fast jedes Zettungsblatt, das feit der Publikation der Verträge mit Bayern und Württemberg uns zu Händen kommt, bestätigt unsere Vemettung, daß niemand in Bayern und Württemberg — den Moniteur am Nesenbach etwa ausgenommen — an dem deutschen Einigungswett rechte Freude hat." Und am 21. 1. 71 witzelt unter dem Strich in der sattsam bekannten Weise der Herren von der EsHenbeimcrgasse e.n Herr Isidor Kasten (oder Kaftan"?): „Gerade kurz vor Weihnachten war's, als alle Welt in eiliger Eeschästigksit nach passenden Geschenken für kleine und große Kinder suchte, daß auch dem deutschen Volk sein kaiserliches Weihnachtsgeschenk beschert wurde". Es wird dann spötttsch ge« fragt, was wohl die Antragsteller bewogen habe, „die erstaunte Welt mit einem Kaiser zu überraschen" urrd geantwortet: „Wir wollen darüber nicht weiter streiten. Kurz, wir hatten unfern Kaiser weg. Von großer Begeisterung war im Volke nicht sonderlich viel zu spüren und das darf einen bei der grimmigen Kälte, die im letzten Dezember herrschte, nicht Wunder nehmen. Dezemberkaiser enrhusiasmieren nun ein für allemal nicht." Und am 22. 2 71 beißt cs: .Wenn jemals einem Volke statt des verlangten Brotes ein Stein geboten wurde, so geschah dies durch dir in solcher Weise erfolgte Wiederherstellung der deutschen Kaiferrpurde." Diese Proben mögen für heute genügen. Wir sind bereit, der Frankfurterin mit weiteren Proben aus dem schier unerschöpflichen Stoffe aufzuwarten, den sie in über 50jähriger Wirksamkeit leider Gottes hat Zusammentragen dürfen. Aber das hier Gebotene genügt ja bereits vollauf zu dem Schlußurteil, daß das Frankfurter Blatt gegen alles Deutsche gewirkt hat. Wie sein Begründer Leopold Sonnemann ein überzeugter Vertreter internationaler Weltanschauung, ein Bekämpfer jeder straffen staatlichen Ordnung, ein Feind der Monarchie, ein erklärter Republikaner zeitlebens gewesen ist, wie er noch 1870 sofort mit Protestlern und Sozialdemokraten zusammen gegen jede Verstärkung des deutschen Einflusses in der Westmatt gekämpft hat, so hat seine ureigenste Schöpfung und seines verneinenden Geistes echtestes Kind, die „Frankfurter Zeitung", immer eine undsntsche Politik getrieben. Ein mächtiges, kraftvoll in sich geschlossenes, monarchisches deuffches Reich ist dieser Zeitung stets ein Greuel gewesen. Wenn in diesem Prozeß die Herren der Eschenheimergasse immer wieder die eigene Vergangenheit zu verleugnen suchten und es für unbillig erklärten, eine Zeitung auf Aeußerungen festzunageln, die über 50 Jahre Ku-rücklägen, so ist das Spiegelfechterei. Der Geist Sonnemanns schwebt auch heute noch, sein wenig glücklich in die Verhandlungen gezerrtes Testament bewies das schlagend, noch immer über den Rebaktio nst inte nfä ü»? n der Eschenheimer gaffe und die Herren rannten nichts, wbrt anib rein gar nichts Sachliches Vorbringen, diese Haltung zu rechtfertigen. Das gelang nicht und konnte nicht gelingen. Wohl kann eine Zeitung irren, ein Politiker eimnal sich verrechnen, wenn aber eine Zeitung dauernd auf der falschen Seite steht, ein Polittker stets auf das falsche Pferd setzt, dann muß das tiefere Gründe haben. Diese tieferen Gründe sind in diesem Fall die naturgemäß undeutschen und weltpolitisch gerichteten Naturtriebe der Herren vom Bau der Tschenheimergasse und der beherrschende ebenfalls undeutsche und weltpolitische Geist des Herrn Leopold Sonnemann. Kein Mensch springt über den eigeRn Schatten. Und so konnte kein Verteidiger der Welt die Sache dieser Klägerin, die in Wahrbeit die Angeklagte war. retten, auch der -große" Herr Konrad Hrußmann nicht, der eine der schmerzlichsten lleberraschungen dieses erstenWafscnHanges wurde. Denn kann etwas schmerzlicher sein, als ^hvn zu müsien. mit welch dürftigen Mitteln man heute imstande ist. unter die Gattung polittscher Lichter gerechnet zu werden? Irren wir nicht, so ist Herr Harußmann sogar neben seinem „großen" Landsmann Payer als der geeignete Staatsmann für den Vertreter des deutschen Reichskanzlers von fortschrittlich-demokratischer Seite bezeichnet worden. Ist es nicht tiefttaurig. zu traurig, um eine Satire darüber zu schreiben, daß unsachlichste Kampfesweise u^> rückständigste Erundsatzreite- rvi ihren Vertreter in den Geruch staatsmännischer Fähigkeiten bringen können? Tieftraurig aber ist es vor allem, daß das .Mitmütige deutsche Volk" (um einen Ausdruck der .Arankf. Ztg." von 1870 zu gebrauchen) mit solcher Lammsgeduld sich ein solches Blatt über ein halbes Jahrhundert als Fälscherin der öffentlichen Meinung und Vergifterin des öffentlichen Lebens gefallen läßt, ein Blatt, das nach dieser Vergangenheit den traurigen Mut findet und die eiserne Stirn hat, einen Mann, der mtt Vekennermut deutschen Idealismus vertritt und nichts getan hat. als seinem gebietenden Gewissen folgend, die Gefährlichkeit dieses Blattes öffentlich klarzustellsn, auf die Anklagebank zu zerren, sogar noch Gefängnis für ihn zu schreien, denn eine Geldstrafe hält weder Herr Iustizrat Hertz noch Herr Haußmann für eine ausreichende Sühne für die Beleidigung des „führenden Blattes Süddeutsch lands". Wenn man ganz mild urteilt, könnte man doch nur sagen, oünstioen Falles hot dieses ..Mettblatt". das mit edler Beharrlichkeit stets auf der Gegenseite aller deutschen Belange zu finden ist, sich zeitlebens getttt. Woher nimmt es dann aber die — Unbefangenheit, sich als die gegebene Führerin des deutschen Volles im entfcheidensten Augenblick seiner Geschichte anfzuspielen? Und ihm antwortet nicht ein Hohngelächter vernicbtendcr Verachtung oder flammender Zorn aller durch eine solche Anmaßung beleidigter Deutscher?! • Wirklich, das deutsche Volk ist, Gott seis geklagt, ein gutmütiges Volk, daß es über 50 Jahre ein solches Blatt erträgt. Hier Wandel zu schaffen, diesem verderblichen Einfluß mit allen Kräften entgegenzutreten, mutz je und je eine der vornehmsten Aufgaben deutscher Männer und Politiker sein. Wir werden uns dieser Aufgabe, unangefochten durch das erstinstanzliche Urteil, das ffir uns nicht der Weisheit letzter Schluß ist. nach wie vor unerschrocken unterziehen und weiter sachlich, aber unerbittlich den Herren von der Eschenheimergasse ins Handwerk hineinleuchten. N«m Felde der Ehre. Ober-Wöllstadt. Franz Th. Odenwaller, Sergeant der Reserve, Inhaber des Eisernen Kreuzes und der Hessischen TapferkeitsmedaMe wurde das Hessische Verdi ensüreuz in Eisen verliehen. Södel. Der Unteroffizier Heinrich Sommer H. bei einem Artilleröe-Regiment wurde zum Sergeanten befördert und mit dem Eisernen Kreuz zweiter Klasse ausgezeichnet. — Der Ersatzreservist Karl Weiß Lei einem Artillerie-Regiment erhielt die Hessische Tapferkeitsmedaille. Rendel. Dem 18jährigen Kraftfahrer Fritz Hardt, Sohn des Bahnsteigschaffners Georg Hardt, der seit wenigen Monaten im Felde steht, erhiett die Hessische TapfetteitsmodaMe. Wir gratulieren! Ans der Heimat. FrieLberg. (Segen der Zwangswirtschaft.)' Eine unange- nt^me Erfahrung mußte man bei der letzten Speckverteilung machen. Bekanntlich sollte in der vorigen Woche an die Zivilbevölkerung, als Ersatz fiir das cmsfallende Fleisch, 80—100 Er. Dauerware (Speck) geliefert werden. Für die Stadt Frittrberg war auch die nötige Menge da. Als aber die Landgemeinden ihren Teil bttommen sollten stellte sich heraus, daß nicht weniger als 20 Zentner, sage und schreibe zrvanzig Zentner (ist gleich 2000 Pst».) Speck von dem vorhandenen Vorrat verschwunden war. Wohin sie gekommen sind, weiß der Himmel. Genug, sie waren fort und die Landgemeinden mußten sich mit einer geringeren Menge begnügen. Vollständig das Nachsehen hatten die hiesigen Wirte, denen man mtt einer Zusatzmenge von Speck den Mund fett gemacht hatte. Sie können sich jetzt den Speck im Mond suchen und Gedanken darüber anstellen, warum man mit der Leitung derarttger Geschäfte nicht Fachleute betraut hat. Friedberg. Es dürfte unsere Mitbürger interessieren daß der hier geborene Komponist Karl Berg, der Sohn des verstorbenen Elfenbeinschnitzers Lorenz Berg, gegenwärtig in der Kurkapelle zu Neuenahr mitwirkt und daß seine Kompositionen dort und in Bad'Wildungen mit bestem Erfolge aufgeführt werden. Die Haussuchungen ans dem Laude. Die Haussuchungen auf dem Lande machen die Abgeordneten von Brentano und Uebel zum Gegenstand einer Anftage an die Zwette Ständekammer, wobei sie Bezug nehmen auf die betreffenden Artikel in den Zeitungen, die die Anfrage Dr. Roesicke und Gen. im Reichstag bringen. Sie erklären ihr volles Einverständnis damit. werfen darauf hin, daß auch in Hessen von Mitgliedern wohl aller Parteien über die verbitternde Art und Weife der Durchsuchungen usw. berichtet wurde. Wir fragen deshalb an: Wie stellt sich Eroßh. Ministerium des Innern zu diesen Vorkommnissen und was gedenkt es zu tun, um die berechtigte Erbitterung unserer Landleute zu beschwichtigen? Die im gleichen Blatte befindliche Notiz über die Z. E. G., welche Gewinne von vielen Millionen behauptet, ist eine treffende Illustration zur verschiedenen Behandlung deutscher Bauern und der Kriegs- geisellfchaften. Zu den Haussuchungen auf dem Lande heißt es u. A.: „Es widerspricht jedem gesunden Menschenverstände, wenn der Kriegerfrau auf dem Lande durch Einziehung aller Arbeitskräfte zum Heere die Wirtschaftsführung unendlich er- schwert wird, daß aber noch Soldaten zu solchem Polizeidienft frei sind. Warum würden solche Haussuchungen nicht in den Städten bei den Kriegswucherern und allen des Hamsterns verdächtigen Personen vorgenommen? Zu den Unregelmäßigkeiten bei der Z. E. E. wird darauf hingewiesen, daß es geradezu unverantwortlich ist, einer einzigen Gesellschaft eine solche Ver» dienstmöglichkeit zu verschaffen, während Hunderttausende vor Betrieben die Berechtigung zur Wciterexistenz in jahrzehntelanger Arbeit bewiesen haben und jetzt einfach zu Grunde gehen müssen? Es ist höchste Zeit, daß ein Gesetz kommt, das dem Bundesrat die Möglichkeit nimmt, die Kriegsgesellschaften nach freiem Ermessen weiter schalten zu lassen. Die Buchcckernernte. Die heuer in Aussicht stehende Buck- eckernernte kann bei sachgemäßer Ausnutzung, wie Sachverständige mitteilen, den Speiseölbedarf Deutschlands auf Jahre hinaus decken, denn die Mast ist in diesem Jahre yi ganz Deutschland derartig, wie seit MenschengeSenken nicht. FC. Frankfurt o. M.,- 26. August. In dem Hause Am Schützenbrunnen 5 dahier wurde bei einem Fliegeralarm eine Geheimschlächterei entdeckt. In der Waschküche war kurz zuvor eine Kuh geschlachtet worden. Das Fleisch und 70 Pfund Fett fand man noch vor. Von einem Viehhändler aus Bergen soll die Kuh stammen und das Fleisch für eine Fabrik in Höchst bestimmt gewesen sein. FC. Frankfurt a. 26. August. Ein Frauenzimmer wurde mcf dem hiesigen Hauptftiedhof festgenommen, die von den Gräbern Blumen geraubt hatte. In einer Pappschachtel hatte sie etwa 100 der schönsten Blumen, die sie von den Gräbern mit einer Scheere abgeschnitten hatte. or. Hanau, 22. August. Ein Gänsehandel beschäftigte das hiesige Schöffengericht. An einem Samstage kam der Metzger- msister August Nikolaus aus Hancru nach Wachenbuchen, wo er bei einer Lanwdirtsffau drei Gänse kaufte und für das Stück 45 Mark zahlte. Der Höchstpreis für Gänse betragt aber nur 14 Mark. Er brachte die Gänse nach Hanau und gab in der Zeitung bekannt, daß er Ganse zu verkaufen habe. Da er viel abwesend war, beauftragte er seinen Schwiegervater, die Ganse zu verkaufen und für das Stück 55 Mark zu fordern. Es zeigten sich auch Liebhaber. Bevor es aber zu einem Verkaufe kam, schritt die Polizei ein und beschlagnahmte die Gänse. Die Folge war. daß durch richterliche Sttafbefehle die Bauersfrau mit 100 Mark, Nikolaus mit 70 Mark und fein Schwiegervater mit 10 Mark bedacht wurden Von der Bauersfrau wurde der Mehrerlös von 93 Mark ei umzogen, bei Nikolaus die Beschlagnahme der Gänse verfügt. Endlich sollte dieser Beschluß veröffentlicht werden. Nikolaus und fein Schwiegervater erhoben Einspruch, erzielten aber bei dem Schöffengericht nur den Fortfall der amtlichen Bekanntgabe in der Presse. Aus Hessen.Nassau. Usingen, 26. Aug. (Schließung bet Taunus-Luftkurorte?) Das Hamstern der Kurffemden in den Luftkororten des Kreises Usingen hat nach einer Bekanntmachung des Landrats einen derartigen Umfang angenommen, daß wenn nicht sofort eine Wendung einttitt, die Kurbetriebe ge» schlossen werden. Die Bürgermeister der betteffenden Luftkurorte wurden angewiesen, sofort Anzeige beim Land- ratsamt zu erstatten, wenn das Hamstern fortgesetzt wird. In Bettacht kommen vor allem die vielbesuchten Luftkurorts Altweilnau, Arnoldshain. Brandoöerndorf, Grävenwiesbachl. Emmershausen. Neuweilnau, Niederreifenberg, Oberreifew borg. Niederems, Rod a. d. W., Schmitten, Neichenbach usw. FC. Ans dem Rheingau, 26. Aug. Während eines Gewitters schlug der Blitz in die Scheune des Jakob Mehrlein in Mittelheim und zündete. Das Feuer legte in wenigen Minuten das mit Fruckt und Futtermitteln voll gepfropfte Gebäude in Asche. Das Wohnhaus und der Stall konnten gerettet werden. FC. Hachenburg, 23. Aug. Das Fremdenheim der Geschwister Lang dahier wurde wegen der dortselbst aufge- deckten Schwarzschlachtung behördlich geschlossen. Die da- selbst wohnhaft gewesenen Sommergäste sind zum größten Teil von hier abgerejst. Aus Kurhessen. FC. Bad-Orb, 26. Aug. Die Milchablieferung an die hiesige Molkerei ist in der letzten Zeit in solchem Umfange, zuriick gegangen, daß die abgelieferten Milchmengen nicht die Milchversorgung der Bezugsberechtigten Kinder, Frauen und Kranken ermöglichen. FC. Aus Niederhessen. 26. August. Die Scheune des Ortsdieners Schmidt in Obersuhl geriet wahrscheinlich durch mtt Feuer spielenden Kinder in Brand und war im Nu in Asche gelegt. Sämtliche Hen-- Sttoh- und Getteidevorräte, die hier unter Dach lagen, sowie eine Futtermafchine imib die sämtlichen Ackergeräte wurden ein Raub der Flammen. Der AG gebrannte war nur gering versichert FC. Vom Kre'^berg, 26. Aug. Die Gendarmerie ew wischte hier mehrere Personen, die Misch eines geschlachteten Rindes nach Frankfurt a. M. schmuggeln wollten. Unter den Schmugglern befand sich der steckbrieflich verfolgte Taglöhner Johann Metz aus Longenleiten. Er wurde verhaftet. Aus der Pfalz. FC. Aus der Pfalz, 26. Aug. Während des Dreschens auf dem Hofgut in Ruchheim singen die Garben Feuer, so- daß in kurzer Zeit das ganze Ernteergebnis, tausend Hmrfen Korn, samt dem Dreschwagen in Asche gelegt waren. — Auf dem Wochenmarkt in Landau kamen zum erftenmale gestern Weintrauben zum Verkauf. Das Pfund kostete 1.50 Mark. — Erschossen hat sich in Kaiserslautern der Studienrat Tillmann, der zuletzt als Hauptmann im Heeresdienst stand. — In Pirmasens stieß auf der Sttaße ein Feldgrauer emern Vizeseldioebel ohne jegliche Veranlaffung ein Messer in den Hinterkopf. Verantwortlich für den politischen und lokalen Teil: OttH Hirsche!, Friedberg; für den Anzeigenteil: R. Heyne Friedberg. Truck und Verlag der ^Nepen TageZzeituns^ A. G., Friedberg IJfJ Uerfemt. Rom an von Anny WothL 6) Nachdruck verloren. „Beides, du Schafskopf! Aber ich mutz doch wirklich nach- ,eheil, wer cs ist, der sich so häuslich hier bei mir niedergelassen hat.“ Holger sprang auf, schab den Alien mit der blauen-Schürze etwas zur Seite und wollte sich soeben anschicken, ins Haus zu treten, als er sich zu Pufcmeyer zurückwandte und lächelnd fragte: „Wie sieht denn der Fremde aus, sieht er mir ähnlich?" „Jott behüte, nee, janz und jar nicht. Ielb is er int Gesichte, und de Ohren sind janz schwarz wie Kirschen, und een mächtigen schwarzen Schnurrbart hat er, und lang is er ooch, noch länger wie der Herr Thorefen, ick meeive, der Mann is langer, nich der Schnurrbart." „Jen, Jen Nielsen," rief Holger freudig auflachend, „gewiß er ist es, und ich hatte keine Ahnung von seinem Hiersein. Himmel, was ist das für eme Freude." Holger stürmte die Treppe hinan, aber er hatte kaum den ersten Absatz erreicht, als ihm schon eine hohe Männergestalt uut weitzcm Scnnenhut und Sonnenschleier entgegentrat und ihn fest an die Brust preßte. „Holger, lieber alter Junge! Da bin ich wieder, frisch aus Afrika, wie du siehst, heil und ganz heimgekehrt." „Jen, Jen," sagte Holger, den Arm um die Schulter des Freundes legend und lo mit ihm die Tre^re hinabschreitend, ..wie freue ich mich, dich wieder zu sehen." „N'a," lachte Jen Nielsen, mit einem Blicke auf den unten tm Garten herumschleichenden Pnsemeper, „deinen Cerberus hier, der übrigens die Festung ganz ordentlich verteidigte, habe ich schon graulich gemacht, indem ich mich gleich für vier Wochen ansagte, aber ganz so schlimm wird es nicht werden." Holger strich dem etwas ftingeren Freunde zärtlich über das gebräunte Antlitz, fast wie eine Mutter ihr Kind liebkost. „Komm, setze dich, Jen," sagt- er. den Ankömmling behaglich in den rotgeltickten Faullenzer drückend, als ste jetzt in der Veranda anlangten. „Stine bringt gleich das Futter und Pufe. mevcr den Wein, und dann latz uns reden von alten Zeiten." Jen nickte, und feine dunklen, feurigen, etwas spöttisch blitzenden Augen bekamen einen f-uchten Schimmer. „Don alten Zeiten, Holger." sagte er nachdenklich. „Ach, wir? war es da schön. Unsere stattlichen Höfe im hohen Nor. den und der Eltern Liebe und Sorge. Wir Nachbarskinder, du und ich, wir beide immer zusammen. Ich, der jüngere, wilde, tatendurstige, du der Besonnenere, den unreifen Knaben stützend und führend. Denkst du unserer silberschimmernden Berge und an das weite Meer? Die Sehnsucht nach den stillen Fjorden in ihrer eintönigen Rnhe und Poesie hat mich verfolgt über die fernsten Länder und Meere. Denkst du daran, Holger?" Der blonde Riese nickte. „Losgelöst von der Heimat sind wtr gar verschiedene Bahnen gewandert. Du Jen, in ferneir Zonen, ich. im Herzen Deutschlands rastend, ganz meiner Kunst lobend, aber. Jen, rm Herzen sind wir die alten geblieben und wollen es bleiben, mrd darauf laß uns trinken den ersten Trunk." Hell klangen die Gläser aneinander, der goldene Rheinwein perlte in den Kelchen, und Stine brachte das Mahl. Der ^Stützende Jasmin strafte' seftr^MüteN^ckff M schliHöe Tafel. Oft der zwei Freunde faßen!. Der blaue See blinkte -wischen de» Zweigen, der blaue See, cm dem die kleine weihe Villa schimmernd lag, — er hatte nur einen Gedanken: Jen Nielsen. Das war ein Mann. Der schwankte nicht in seinen Gefühlen. Me, nie, nicht mal als Kind, als er sich noch hilfsbedürftig an Holger anfchmiegte, war Jen Nielsen in Wort oder Tat abgeirrt von seinen Gedanken und Vorsätzen. Stets hatte er nnbeirrt seinen Weg verfolgt und nun stand er vor ihm. An Ehren reich war er heimgekehrt. Im Dienste der Wissen-- schaft hatte er Erfolg auf Erfolg gehäuft auf seinen zahlreichen Forschungsreisen, und jetzt, wo er hätte so stolz sein können auf das, was er erreicht, jetzt wollte er nur ausruhen im Freun^ desarm, nichts denken, nichts fühlen als die Erinnerung in all ihrer bestrickenden Süße. Wieder klangen die Gläser. „Es lobe die Freundschaft," sagte Holger, und in seinen braunen Augen glomm ein goldenes Licht. „Und die Liebe," stimmte Jen Nielsen freudig zu. „Uird oie Liebe," jauchzte Holger dem Freunde entgegen. Ein leises Klirren. Ein beklemmendes Schweigen, kaum gedankenlang und doch im Herzen ein zitterndes Ahnen weckend. Holgers Glas war zersprungen. „Det kommt von de verrückte Freude," sagte Pusemeyer kopfschüttelnd, durch den Garten schlürfend, „un noch dazu um so eenen, von dem man so nich mal westz. wat er is. Scheint 'n Sonnenstich zu fürchten, darum trägt er den Schleierhut. Jott soll mir bewahren — da is Stines blauer Eazolappen jar nifcht jegen." Und bedächtig begann er wieder das Gras zu schneiden. Hinter der Jasminhecke klangen wieder die Gläser, und der Jasmin duftete berauschend und schwer, mehr noch als der Wein in d^.l blinkenden Gläsern. 13. Kapitel. Am anderen Abend, als die Sonne sank, schritten die beiden Freunde den Waldweg entlang, der um den schimmernden Eru- newaldsee führte. Don fern her blitzte die kleine, weiße Villa zuweilen zwischen den dunklen Fichten und Tannen äuf, und verglühe-roe Sonnenstrahl n huschten über den moosigen Weg. Es war still und friedvoll in der Natur — fast zu still! Ein beängstigender Druck lag über der Abendlandfchast, ein betäubender Duft von harzigen Tannen durchströmte die warme Sommerluft. „Du meinst also, daß deine schöne Freundin mich freundlich willkommen Sitzen wird," neckte Jen, „trotzdem ich ein so reizend ausgedachtes tetcatete mit dir störe?" „Aber ganz selbstverständlich. Jen, die Gräfin Berghausen hat Geschmack, und ich glaube annehmen zu können, daß meine Freunde auch ihre Freunde sind." Jen sah Holger etwas von der Seite an. Lächelnd schob er dann seinen weichen, großen, grauen Filzhut von der erhitzten Stirn tick in den Nacken und sagte, während seine dunklen Augen aufsprühten: „Dn. das gefällt mir gar nicht mit dir und der Gräiin." „Was?" ^gab Holger leicht gereizt zurück. „Na, die Freundschaft oder wie man es nennen will." „Du weißt ja gar nichts davon." „Eben deshalb, mein Junge. Ich weiß mir soviel, wie du mir davon erzählt hast. Das ist ja wenig genug, aber doch so viel, um mir zu sagen, daß dahinter eine Gefahr liegt." Eber-Ankauf. Die Gemeinde Ockstadt be. Ubsichtiqt einen jungen Zuchteber fBerkshirerassef an;ukaufen. Besitzer solcher Tiere wollen sich bis zum 1. Sl-ptember bei Unterzeichneter Stelle meiden. Ockstadt, den 27. August 1918. Großherzogliche Bürgermerllerer Ockstadt. Mörler. ^D» witterst schon wieder eismal, Jen." ».Ja, eine Gefahr für dich, Holger, die habe ich stets naheck setzen, wenn sie im Hintergründe lauerte."^ „Du kennst die Frau gar nicht." „Stimmt, aber ich werde sie bald kennen lernen, und dir zuliebe will ich sogar mein Herz zwingen, daß es nicht gleich in Fouergarben aufloht, wenn sie nur in die Augen lächelt. Hast du eigentlich Anlage zur Eifersucht?" „Ich? Nein! Und mit welchem Recht könnte ich eifersüchtig sein?" „Recht? Na, höve mal. als ob es überhaupt heutzutage nach Recht und Gesetz ginge. Aber weißt du. wenn ich an die schölve Gräfin Berghauson und an ihre Freundschaft für dich denke, dann steigt immer ein anderes Frauenbild vor meinem geistigen Auge auf, und es ist mir, als sehe ich goldene Sonnen sich um eine weiße Stirn weben." „Du List ja ordentlich poetisch," spöttelte Holger und sah dem Freunde mit einer gewissen Neugierde in das erregte Ant. litz, „so kenne ich dich ja gar nicht." „Du hast wohl Angst, daß ich dir Konkurrenz mache." lachte jetzt Jen fröhlich aus. „Nein, Lieber, die Dichterei ist nie meine Sache gewesen, und wenn ich Aga Holsten von einem Heiligenschein umgeben vor mir sehe, so ist kein anderer Schuld daran als du selbst. Ich kenne sie gar nicht. Nur aus ihren Briefen und aus deinen eigenen Schilderungen ist sie mir vertraut. und wenn ich an sie denke, dann kommt es stets über mich wie Feiertag." Ein forschender Blick Holgers flog zn dem Freunde herüber. „Oft sind sie langweilig solche Frauen mit dem Heiligenschein." sagte er, und sein Blick irrte verloren über die blaue Wasserfläche und blieb an den blinkenden Fensterscheiben der weißen Billa haften. „Hoftentlich hält deine Schwärmerei für Aga an, wenn du stc erst persönlich kennen lernst. Sie verdient es wie keine, daß man sse verehrt. Es ist uur schade, daß sie gerade jetzt verreisen mußte, es hätten sich so schöne friedvolle Tage in ihrem Bannkreise fiir uns gestalten lassen." Jetzt war es Jen, der den Freund aufmerksam beobachtete. Weshalb schimmerte es plötzlich in Holgers Auge wie Sehnsucht auf? Wo war alles Leuchten und Glühen der großen, strahlenden Dichteraugen? Lagen nicht Schleier der Schwermut über den sonst so sonnigen Blicken Holgers? Jen pfiff leise durch die Zahne. Hier gilt es aufpassen. Was waren denn das für verteufelt komplizierte Herzensgeschichten? „Wir sind am Ziel," sagte hochaufatmend Holger und deutete auf das kleine, von wilden Rosen umrankte Haus, das still wie ein Märchen am Ufer des blauen Sees träumte. Auch Jen atmete tief auf, als sie fttzt in den Garten traten, wo weiße Linien hoch und schlank die Wege säumten, wo Nacht. Violen sich berauschend dufteten, und es war. als glitten geheimnisvolle Traumgefpenster durch die Wege, von Sonnen, schleiern leicht verhüllt. Zögernd nur betrat Jen die Steinstusen der breiten Treppe, die zu dom großen, luftigen Gartenzlmmer führten, in dem Mirna ihren Tee einzune-hmen pflegte. Holger war schon vor- angeeilt, und er sah nun plötzlich den Freund in der Tür der Veranda stehen, Hand in Hand mit einer Frau, die er kannte. Merkwürdig - wo hatte er diese Augen, diese sonnigen Augen schon gesehen, die blickten wie das Meer, das tiefe, unergründ- liche Meer. _ (Fortsetzung folgt.? Ankauf eines Faselochfen. Die Gemeinde Dornaffenheim beabsichiigt einen jungen sprungfähigen Faselochfen lSimmemaler Rasse) anmiaufen. Besitzer solcher Tiere wollen ihre Offenen gefälligst Unterzeichneter Stelle einretchen. Dornaffenheim, 26. Aug. 1918. Grossst. Bttrzernieisterer TornaffenheiM. Rack. Grummetgras- Versteigerung. ^Es wird versteigert das diesjährige Grummergras: ** Von 17 ha der fiskalischen Teichwiefe in der Gemarkung Echzell Montag, den k. jJhj., oorx nach- "ültagZ 2. Uhr an nach Zusammenkunft auf dem Telch- damm. 2. Von 2 ha fiskalischen Wie>en in der Gemarkung Leidhecken Dienstag, den 3. f. Mis., von nachmittags 2 Uhr an nach Zusammenkunft an der Nidoabrücke bei Staden. Dtttgcnheim, d. 26. Aug. 1918. Grossst. Oster färsteret *_ Bingenheim. Bekanntmachung über Erzeugerhöchstpreise für Obst für das Großherzogium Hessen. Auf Grund des § 4 und § 7 der Verordnung über Gemüse. Obst und Südfrüchte vom 3. April 1917 (Reichs-Gesetzbl. S. 307) wird bestimmt: 7 , . ^L 1, , ^ je Pfund für die folgenden Obstsorten darf beim Verkauf durch den Erzeuger die nachstehenden Sätze n icht übersteigen,' ' 1. Aepfel und Birnen. Gruppe I: Tafelobst 1. Wahl 35 Pfg. Tafelobst sind alle gepflückten, nach ihrer Be'chassenbeit sofort oder nach Ablagerung zum Rohgenuß geeigneten Früchte unter Ausscheidung sämtlicher kleinen, verkrüppelten und beschädigten Früchte, mit Ausnahme von Edelobst. Gruppe II: Tafelobst 2. Wahl 25 Pfg. Tafelobst 2. Wahl (gepflücktes Wirtschaftsobst) sind gepflückte. fnrtiort* Wonta I ur-t ....v. fcr.i. Wüte LnMrlt i. Mliiri ala. nm, i. Geschäftsstelle Frankfurt a. M., Kronprinzenstraße 41 . (Kronprinzenbau.) — Fernruf Körner 420 «. Bürostunden: Montag, Dienstag, Donnerstag, Freitag, nachmittags aon 2 — 4 Uhr. — Geschäftsanzeigen in diesem Raum nur für uttfrre Witglieder; dieselben sind kostenlos, jedoch muß bei Aufgabe der Anzeige auf die Mitgliedschaft hingewiesen werden. Eine große Partie schöne Ferkel zu verkaufen. __' Wilhelm Keil, Melbach. Gruppe lll: Wtrtschaftsobst (Fall-, Most- und Schüttelobst) Tilchtiger Heizer ,ur Dreschmaschine gesucht. Adolf Nohl. Ufi'ttMria. gut sortierte Aepfel, mittlerer Art und Güte. ""ruppe III: 15 Pfg. Wlrt chafksobst ist alles Schütte!-. Most- und Fallobst, sowie das aus der Gruppe !l ausgefchiedene Obst, soweit es für die Herstellung von Marmelade, zum Kochen, Dörren oder sonstige Zwecke ge- viQllvl l|l» 2. Zwetschen. Zwetschen, Hauspflaumen. Hauszwetschen, Muspflaumen, Vau- ernpflaumen, . Thüringer Pflaumen, mit Ausnahme der Brenn- zwetichen.20 Pfg. Brennzwetfchen . . . ..10 Pfg. 3. Speierlinge.50 4. Quitten . tzo " . .. 8 2. Für Edelobst (Aepfel und Birnen) wird kein Höchstpreis festgesetzt. Hierfür darf dem Er.euger durch die Landesobststelle oder die von dieser bestimmten Stellen ein nach der Güte und Verwertbarkeit des Obstes zu bemessender höherer Preis als 35 Pfg. bis zu 80 Pfg., in besonderen Ausnahmesällen bis zu 100 Pfg. gewahr, werden. ^ Iö ü ^/belobst kommt ausschließlich atterfeinstes, schon bisher in Sluckfruchten gehandelies Obst in Be-racht, das vollkommen ausge- bUdet, ohne Schönheitsfehler und ohne Beschädigungen den aner- kannt besten Sorten angehören, das für die betreffende Sorte gültige Mindestgewicht aufweisen und beim Versand so sorgfältig verpackt sein mug, daß eine gu'.e Ankunft gewährleistet ist. ... . 8 3. Auf den Erzeugerpreis von Tafeläpfeln und Tafelbirnen Me '^eit U ^rechnet werden, und zwar für Ztr. 3 m 2 vom 16. Oktober bis 31. Oktober 1918 . vom 1. November bis 15. November 1918 vom 16. November bis 30. November 1918 und dann je Monat und Zentner 2 Mark mehr. - ..Für Wirtschaftsobst dürfen Aufbewahrungszuschläge nicht gewahrt werden. * in Kraft Verordnung tritt mit dem Tage der Verkündung Darmstadt, den 22. August 1918. Die Landesobststelle für das Croßherzogtum Hessen. Der Vorsitzende: Dr. Wagner. Düngerstreuer „Triumph" geeignet für alle Düngerarten, besonders für Kalkstickstoff in kleinsten Mengen, in allen Größen sofort lieferbar. CSeorj? Scliicfcrstein, Lieh, !?la*eS*8nriifaV»rik, Telefon Nr. 17. der Gräflichen GberförAerei Arnsburg im Feldheimer Wald bei Hungen, Dienstag, den 3. September 1918 nach Zusammenkunft 10 Uhr auf dem Antrieb im Hinterwald: Elchcil rill: 178 finiipptl, 22 Rciserliniippkl, 439 Mkr. Der behör dltch genehmigte Mohr',che LleillhtLtrakt-Erjah „Wenn" /1 V Ohsena" ist unbeschränkt haftbar und ln den meisten Geschäften der Lebensmittelbranche käuflich. 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