Nummer 300 EiiijchreisLÄr Dienstag, den 2V. August 1918 11» Jahrgang. !Oie „Lleue Tagesrettung" erscheint jeden Werktag. Regelmäßige Beilagen „Der Kauer aus Kessen", „Die Spirmssrrbe". Bezugspreis: Bei den Postanstalten vierteljährlich Mk. 2.40 hinzu tritt noch das Bestellgeld; bei den Agenten monatlich 85 Psg. einschließlich Trägerlohn. Anreigen: Grundzeile 25 Pfg., lokale 20Pfg^ Anzeigen von auswärts werden durch Postnachnahme erhoben. Erfüllungsort Friedberg, tzchriftleltnng und Derlag Friedberg (Hessen), Hanaueritrahe 12. Fernsprecher 48. Postscheck-Tonto Nr. 4859. Amt Frankfurt a. M. Die Angriffe im Grasten gescheitert. — Gin deutscher Erfolg gegen die Franzosen. Der Uormarjch Wanzer-Dattm's in Albanien. — Erfolge der Kovjet-Trnppen. — 17 000 Tonnen versenkt. ' ~== ■ ■■■■; Der deutsche Generalstab 5= meidet: -- » W. T. K. Großes Hauptquartier, deu 25. August Amtlich. Westlicher Kriegsschauplatz. 'Heeresgruppen Kronprinz Rupprecht und Boehn. i Vorfeldkämpfe bei Bailleul und nördlich der S: a r b e. Westlich von C r o i s i l l e s blieben feindliche Angriffs in unserem Feuer liegen. Vizefeldwebel Eöbel schoß mit seinem Maschinengewehrzug vier Panzerwagen, Unteroffizier He-ue mit leichten Mrnemverfern drei Panzerwagen zusammen. Beiderseits von B a p a u m e setzte der Feind zwischen St. Leger und M a r t i n p u i ch seine Angriffe fort. Hoher Einsatz an Infanterie und Panzerwagen sollte hier den Durchbruch durch unsere Front erzwingen. Wo der Feind im Feuer und durch Gegenstoß abgewiesen wurde, trugen frische Kräfte den Angriff immer wieder erneut vor. Seine Angriffe sind im großen gescheitert. Im einzelnen war der Verlauf der Schlacht etwa folgender: Der Feind drang in unsere westlich von M o r y — westlich von Bapaume—Martinpuich verlaufende Linie ein. Nördlich von Bapaume brachten örtliche Bereitschaften und Reserven den Feind am Ostrande von Mory, Favreuil und westlich von Bapaume zum Stehen. Weitere Angriffe brachen vor diesen Linien zusammen. Südwestlich von Bapaume stieß der Feind zwischen Thilloloy und Martinpuich auf Euendecourt—Flers vor. Preußische Reserveregimenter und Marineinfanterie warfen ihn im kraftvollen Gegenangriff in die. Linie Thilloloy- Martinpuich zurück. Beide Orte wurden wiedergenommen. Zahlreiche Panzerwagen liegen zerschossen vor und hinter unfe. ren Linien. Gegen unsere von der Ancrefront abgesetzten Linien Dazen- tin—Le Petit Carrroy—Susanne arbeitete sich der Feind im Laufe des Nachmittags heran. Stärkere Angriffe, die am Abend zwischen Earnoy und der Somme erfolgten, wurden ab- gewiesen. Südlich der Somme setzte sich der Feind bei mehrfachen Angriffen in Cappy und Pouta*rne fest. Beiderseits der Nömerstraße schlugen wir seine Angriffe zurück. Zwischen Somme und Oise keine besondere Eefechtstätigkeit. Südlich der Aillette griff preußische Garde den Feind westlich von Erecy au Mont an, gewann die Höhe südöstlich von Pont St Mard und schlug im Verein mit deutschen Jägern sehr starke Angrife weißer und schwarzer Franzosen ab. Etwa 400 Gefangene wurden eiwgebracht. Auch nördlich der Aisne brachen am Abend starke feindliche Angriffe zusammen. Heeresgruppe Deutscher Kr-on Prinz. Teilgefechte cm der V e s l e. Ter Erste Gencralquartiermcisker: Ludendorfs. A bendbericht. Berlin, 26. August, abends. (MTV. Amtlich.) Dusdeh- mmg der englischen Angriffe bis nördlich der Scarpe. Beider- feits von Bapaume und nördlich der Somme heftige Kämpfe. Die Angriffe des Feindes sind im Großen gescheitert, teilweise sind Gegenangriffe noch im Gange. Longueval und Montauban, vorübergehend verloren, wurden wiedergewonnen. Zwischen Somme und Oise auf'er örtlichen Kämpfen nördlich der Avre ruhiger Tag. Teilkämpfe nördlich der Aisne. Der österreichische Getteraistab meidet: Wien, 26. August. (WTB. Nichtamtlich.) Amtlich wird verlautbart: Italienischer Kriegsschauplatz: Im Asolone-Gebiet erfolgreiche Vorfeldgefechte. In der Nacht zum 26. August griffen bei der Verfolgung feindlicher Geschwader unsere Flieger das Flugfeld bei Padua an und richteten beträchtlichen Schaden an. Albanien: Die Gegenoffensive des Generalobersten von Pflanzer-Baltin hat gestern zur Gewinnung von Fieri und Berat geführt. Damit sind jene Oertlichkeiten wieder in unserer Hand, deren Besetzung vor sechs Wochen die Italiener als entscheidende Wendsu« t» der Adria-Frage begrüßt hatten. Fieri fiel nach blutigen Straßen- und Häuferkampfen. Die Verfolgung des weichenden Gegners ist ausgenommen. In Berat drangen unsere braven, allen Mühsalen des Kriegstheaters gewachsenen Truppen gestern früh in umfassender Vorrückung ein. Bald nachher wurde der Feind von den beherrschenden Höhen Spiragri und Sinja geworfen. Auch im oberen Devoli bauten wir unsere Erfolge weiter aus. Die Verluste der Italiener an Kämpfern und Kriegsgerät sind sehr groß. Der Chef des GencralstabeS. - T ^ z ^ ==== = ==^ Das türkische Hauptquartier ——— meldet: ====« Konstantinopel, 25. August. (WB. Nichtamtlich.)' Generalstabsbericht. Palästinafront: Vereinzelte Artilleriokämpfe und rege Fliegertätigkeit. Auf dem Ostufer des Jordans drückten wir feindliche Aufklärungsabteilungen zurück. Am 21. August griffen Rebellen unsere Postierungen südlich von Zat-el-Madsch (im Medsches) mit großer Ueberlegeicheit an. Tapfere Gegenwehr unserer Truppen zwang die Rebellen nach einem langen Kampfe zum Rückzüge. Auch südlich Medije wurde ein Anschlag gegen die Bahn von uns vereitelt. Auf den übrigen Fronten ist die Lage unverändert. 17000 Tannen versenkt. Berlin, 25. August. (WTB. Amtlich.) Im östlichen und mittleren Mittelmeer versenkten unsere U-Boote etwa 17,690 Vruttoregistcrtonnen Schiffsraum, darunter drei größere beladene Tankdampfer. Ter Chef des Admiralstabcs der Marine. m Washington, 24. August. (WB.) Reuter. Amtlich. Die amerikanisck?en Dampfer „Lake Edom", „West Bridge" ' und „Eubora" sind in ausländischen Gewässern am 21. 8., 16. 8. und 15. 8. von deutschen U-Booten versenkt worden. Kopenhagen, 25. August. (WB.) Das dänische Ministerium des Aeußern meldet: Der dänische Dampfer „Helene" ist am 17. August im Kanal von Bristol versenkt worden. Der erste Maschinist ist umgekommen, der Nest der Besatzung ist in Swa- nica eingetroffen. Die feindlichen Fliegerangriffe. Berlin. 26. August. (WB.) Die ausgezeichnete Wetterlage am 22. August benutzten unsere Feinde wiederum zu zahlreichen Tages- und Nachtangriffen auf das Heimatgebiet. Diesmal suchten sie sich Köln, Koblenz, Frankfurt a. M., Karlsruhe und Pirmasens als Ziele. Von den Bomben, die der Gegner in unserem Abwehrfeuer meist wähl- und ziellos abwarf, fiel ein grofer Teil auf freies Feld. Einige richteten Sachschäden an Privatgebäuden an. Der Gegner büßte die Angriffe auf friedliche deutsche Bürger mit schwersten Verlusten. Aus dem Geschwader von zehn feindlichen Flugzeugen, das am Morgen des 22. August Karlsruhe angriff, wurden sieben Flugzeuge, aus einem anderen im Anflug befindlichen Geschwader in der Nacht vom 22. bis 23. August bei Saarbrücken weitere drei Flugzeuge abgeschossen. Innerhalb 24 Stunden wurden also zehn feindliche Großflugzeuge in der Heimat vernichtet. Einige fielen unversehrt in unsere Hand, andere zerschellten brennend am Boden. Die Verluste, die unsere Bevölkerung zu erleiden hatte, waren demgegenüber erfreulicherweise verhältnismäßig gering. In diesen neuen Erfolg im Luftkriege teilen sich Kampfflieger, Flak und Scheinwerfer. Er reiht sich würdig an die Erfolge von Frankfurt, Diedenhofen und Darmstadt, die dem Gegner im August schon 23 Flugzeuge bei ihren Angriffen kosteten. Karlsruhe, 26. August. Durch einen heute nacht zwischen 11 und 12 Uhr rfolgten Fliegerangriff auf Ludwigshafen, bei dem eine große Anzahl Bomben abgeworsen wurde, ist lediglich Sach, und Eebäudeschaden verursacht worden. Anerfnüte Hoffnungen. Die „Times" melden: Der Feind hat uns um den Erfolg unserer schweren Kämpfe gebracht. Die Artilleriestellung des Feindes ist bisher von uns nicht erreicht worden, und die Wahrscheinlichkeit, daß wir zu einem Durchbruche kommen, ist in den letzten Tagen geringer geworden. Auch der „Daily Telegraph" bekennt: Die Erwartungen auf die Erfolge des neuen englischen Vorstoßes sind nicht erfüllt worden, ja, sie sind noch geringer als die bei allen früheren Angriffen. Der Widerstand der Deutschen erfordert die größte Beachtung. Die lleberraschung der letzten Fochschen Angriffe hat sich diesmal nicht wiederholt. Mas unsere Feinde mit dein deuWn Volk norhalien! Drohungen des Premierministers Hughes. Bern. 25. August. (WB.) Der australische Premierminister Hughes sagte in einer Ansprache an die australischen Trup. pen in Salisbury Plains am 19. August: Es gibt heut- Leute, die vom Frieden reden, als ob man nur ein Wort zu sagen brauchte, mn ihn zu erhalten. Aber ihr könnt ebenso gut einen Becher in ein 1-rockenes Flußbett tauchen und erwarten, Wasser zu schöpfen, als ihr Friede im Dschungel von wilden Tieren erwarten könnt. Ihr könnt ebenso gut an einen menschenmordenden Verrückten herantrelen und ihm von der Brüderlichkeit der Menschen reden, als ihr dem Deutschen von Frieden sprechen könnt, bis ihr ihn geschlagen und gelehrt habe, daß ihr sein Meister seid. Es gibt nur einen Weg zum Frieden, der darin besteht, die Wett von den Feinden des Friedens zu befreien. Diese Pestbeule, die in diesem von Deutschland entfesselten Krieg aufbrach, ist eine große Gefahr für uns in Australien. Wir müssen unseren Kindern ein besseres Australien hinterlassen» als wir fanden. Der deutsche Militarismus bedroht Australien. Er steht als beständige Drohung zwischen uns und den Idealen, die wir aufzurechterhalten geschworen haben. Kein Friede ist möglich, bis wir Deutschland das Schwert aus der Hand geschlagen und ihm verständlich gemacht haben, daß das Kriegführen sich nicht bezahlt macht. Ihr habt der Welt gezeigt, daß die australischen Soldaten die großen Vorkämpfer des Friedens sind und wir werden den Welffrieden herbeifübren und wenn wir darum die Hälfte des deutschen Volkes erschlagen müßten. Rußland. Große Erfolge der Sowjettrnppen. Moskau, 24. Aug. - (WB.) Russischer Kriegsbericht. Ein bedeutender Sieg der Sowjettruppen. An allen Punkten der östlichen Front gehen die Kämpfe mit großen Er- folgen für uns vor sich. Hartnäckige Kämpfe finden um den Besitz beherrschender Stellungen statt, deren Ergebnis der Rückzug des Feindes auf der ganzen Linie ist. Alle Angriffe der Kosaken, die mit starken Kräften auf Novousensk vorrückten, wurden mit großen Verlusten ab- gewiesen und der Feind zur Flucht gezwungen, nachdem er auf dem Schlachtfelde über 400 Tote und viel Kriegsmaterial darunter Maschinengewehre, zurückgelassen hatte. Die Tschecho-Slowaken wurden bei Nikolajews geschlagen. Die Stadt ist in unserer Gewalt. Das gesamte feindliche Kriegs- niaterial wurde erbeutet, darunter Gechütze, Maschinengewehre und eine Unmenge von Geschossen. Die Verluste des Gegners sind groß. In Richtung Sysran rücken wir unter Kämpfen vor. Die Station Nowopaskaja wurde von uns besetzt. Im Bezirk von Kasan vertrieb unser Artilleriefeuer den Gegner von dem Krasnyberg, dessen wir uns bemächtigten. Die auf dein Krasnyberg erbeuteten feindlickM Geschütze wurden von uns sofort gegen den Feind verwendet. Die Schlüsselstellung der Stadt ist somit in unsere Hände gefallen. In der Nabe von Jekaterinburg wurden von uns Stellungen besetzt, welche es uns ermöglichen, den weiteren Vormarsch auf diese Stadt fortzusetzen. Amerikanische Truppen in Archangelsk. Amsterdam, 26. Aug. (WB.) „Algemeen Handelsblad* meldet aus London: Die Amerikaner landeten jetzt ebenso wie die Franzosen und Engländer in Archangelsk Toppen. Nach Sibirien wird eine aus allen Waffen gemischte kanadische Brigade geschickt werden. 147 Milliarden Franken. Bern, 25. August. (WV.) Der „Temps" erklärt in ekner halbamtlichen Note, daß einschließlich der für das letzte DierkL-i jahr 1918 angeforderten Kredite die Kriegsausgaben Fra:^ I reichs für den Zeitraum vom 1. 9 1914 bi» zum 31. 12, 191» 147 Milliarde« Franken betragen. Darin sind 8 Milliarde« kür den Staatshaushalt von 1918 nicht eingerechnet. Amerika. Die Kriegsgewivnsteuer. Das-l, 26. Augnst. Wie die Neue Korrespondenz aus Washington meldet, hat die Finanzkommission die Vorschläge Mc. Aboos, die auf Kriegsgewinne eine Steuer von 80 Prozent vor. sehen, angenommen. In gewissen Fällen kann dieser Ansatz um 10 Prozent vermindert werden. Dem Staate soll durch die Kriegssteuer eine Einnahme von 4 Milliarden Dollars erwachsen. Basel, 26. August. Der American Service dementiert die Zeitungsnachricht, wonach Präsident Wilson beabsichtigen soll, Europa zu besuchen. Ge^eu unsinnige Gerüchte. Berlin, 24. August. (WB.) In einer Unterredung, die Kn'egsminister v. Stein dem Chefredakteur der „Morgenpost", der auf die unsinnigen Gerüchte in den letzten Tagen hinwies, gewährte, führte der Minister u. a. aus: Gewiß habe ich von den unsinnigen Gerüchten gchört, und sie haben mich um so inehr gewundert, als nichts vor- Händen ist, was der Ausgangspunkt für diese Gerüchte sein könnte. Ueber die Kriegslage will ich nicht sprechen, gerade weil ich davon mehr weiß, als andere Leute, die sich mit der Beobachtung der Ereignisse, mit Rückblicken und Ausblicken auf das angelegentlichste beschätfigen. Aber auf eins kann ich Hinweisen: Vor zwei Jahren, als wir den schweren Zweifrontenkrieg zu führen hatten und uns im Westen vollkommen auf die Defensive beschränken mußten, hatten dort unsere Gegner rund hundert Divisionen mehr als wir. Was aber haben sie erreicht? Nichts, was einem strategisch auswertbaren Erfolge auch nur entfernt ähnlich sähe. Wohl hat uns der Gegner unter ungeheuren Opfern ganz langsam und schrittweise zurückdrangen können, bis dann schließlich der freiwillige Abzvg in die Siegfried-Stellung erfolgte. Aber das ganze damals aufgegebene und verlorene Gelände, mancherorts noch mehr als dies, hatte unser Angriff in diesem Jahre mit einem Schlage wiedergewonnen. Es kommt nicht auf das Gelände an, imd leider wird darüber viel zu viel gtcebeL Worauf es cmkommt, ist dies, daß der Gegner trotz fern» Ueberlegenheit in vielen Monaten schweren und opfervollen Ringens nicht einmal das erreichen konnte, was wir in wenigen Tagen zu erreichen imstande waren. Nun haben unsere letzten Operationen uns nicht den Erfolg gebracht, den wir von ihnen erhofft hatten. Wir haben einige Rückschläge und — sagen wir es ftirg heraus — auch eine Schlappe erlitten. Ja, geht es denn nicht sonst im Leben ebenso? Nicht, daß man einmal einen Mißerfolg erleidet, ist bedenklich sondern bedenklich wäre es, wenn man nicht die Kraft hätte, sich mit dem Mißerfolg abzu- finden und ihn auszngleichen. An der Front wird von vornherein damit gerechnet, daß auch einmal ein Mißerfolg eintreten kann, für das Hinterland aber ist so ein Mißerfolg eine ernste Mahnung, denn es zeigt uns, daß der Krieg noch nicht beendet ist, und daß wir alle Kräfte anspannen nrüssen, um ihn zu inem glücklichen Ende zu führen. Dazu aber ge- hört der starke und einige Wille des ganzen Volkes, und wer Einflüssen Vorschub leistet, die zersetzend wirken und eine Schwächung des Willens unseres Volkes zur siegreichen Beendigung des Kampfes um seine Existenz verursachen müssen, der versündigt sich an der Sache des Vaterlandes. Es kommt jetzt daraus an. die feindlichen Angriffe abzuschlagen und dis eigenen Kräfte zu schonen. Es ist sehr möglich, daß feindliche Einflüsse am Werk sind und daß die feindliche Propaganda daran arbeitet, bei uns Zulande Unruhe zu stiften. Unruhe zu stfften. Jedenfalls sind die Gerückte, die hier bei uns herumgetragen werden, so dumm rmd so sinnlos, daß man nicht begreift, wie es möglich ist, daß sie Gläubige finden können. So kam nach jenen Offensivstößen beiderseits Reims über die Schweiz eine Nachricht nach Süddeutschland, wir hätten 150000 Mann an Gefangenen verloren. Eine andere Nachricht wußte von Zweikämpfen zwischen den höchsten Führern zu erzählen. Mit besonderer Vorliebe wurde auch von Verrat geraunt, und aller dieser Unsinn fand Gläubige auch unter den Leuten, die sonst eines klaren Verstandes sich rühmen. Wie oft ist Hindenbnrg schon gestorben, wie oft hat dieser, oder jener unserer höchsten Führer schon Selbstmord verübt, wie oft sind hier in Berlin schon die Maschinengewehre in Aktion getreten! Die Feinde selbst machen sich über diese Art von Gesckichtenträgerei lustig, ind^m sie aus ihren eigenen Zeitungen die Nackrickten zusammenstellen, denen zufolge Hindenburg mindestens schon dreißigmal gestorben ist. Man ist es ja gewöhnt, daß die Phantasie alles vergrößert und vergröbert. Das alles ist bis zu einem gewissen Grade zu ertragen, aber es kann auch zu einem unerträglichen Unfug ausarten, und dann ist in der Tat jeder, der es ernst meint mit der Sache des Vaterlandes, verpflichtet, diesem Unfug mit aller Entschiedenheit entgegenzutreten. Dr Kriegsminister wandte sich dann gegen das unsinnige Gerede von Verrat, das er buren Unsinn nannte. Er verurteilte die Heuchelei unserer Feinde, eines Wilson, der der die Dreistigkeit hatte zu behaupten, die Amerikaner folgten bezüglich der Lynchjustiz dem Beispiel Deutschlands. Ec schloß seine im hohen Maße bemerkenswerten Ausführungen, die sich jeder Deutsche merken sollte mit den Worten: Eines möchte ich rwch hervorheben, eine Tatsache, die imferern Volk zur Lehre und Mahnung dienen kann. Da3 «nglücküche Frankreich sieht seine blühenden Provinzen von uns besetzt upd durch die Kriegsfurie zum Teil auf lange Äeit hinaus verwüstet. Im französischen Lande steht der Feind. ist überschwemmt von Engländern und Amerikanern, bk in Frankreich wie die Herren hausen, und farbiges Volk der verschiedensten Nassen treibt sich in großen Scharen in Frankreich umher. Die Blüte seiner Mannschaft ist gefallen ynd fällt immer weiter als Opfer des Krieges. Die Folgen ftir das Land sind nicht auszudenken. Aber dennoch hält es an seinem Kampfeslmllen fest und klammert sich an die Hoffnung aus den Endsieg mit einer Kraft und mit einer Entschlossenheit, der man die Achtung nicht versagen kann. Wir haben gottseidank allen Anlaß zu der Ueberzeugung, die Franzosen an Kampfeskraft und Zuversicht für den glücklichen Ausgang des Krieges zu übertrefsen. ChMlittlmn amen „fraakfirirt Jfitottg“. Von Prof. Aug. Gebhard, Friedberg (Lessen). I Zn dem von der „Frankfurter Zeitung" gegen Houston Steward ThamLerlain gefiihrten Beleidigungsprozeß hat das Schöffengericht zu Frankfurt a. M. am 16. August den Angeklagten auf Grund des § 186 R. Str. E. V. zur hochstzulässigen Geldstrafe von 1500 Mark verurteilt und auf Antrag der Privatklage hat die Veröffentlichung des Urteils in 21 deutschen Zeitungen zu erfolgen. Eines Urteils über dieses Urteil und seine Begründung enthalten wir uns füglich, da es dabei ja fein Bewenden nicht haben wird, wenden uns vielmehr der politischen Seite des Falls M, die weit über die Grenzen des hierbei zur Behandlung stehenden Klagepunktes hinaus Beachtung be. anfpruchen darf. Infolge davon, daß das Schöffengericht am 9 August eine Beweisaufnahme nicht beliebte, konnte allerdings der gewaltige von der Verteidigung Herrn Ehamberlains zu- fammengetragene Beweisstoff, der, trotzdem widrige Umstände mannigfacher Art seiner Vervollständigung, vor allem der Ausdehnung auf die Kriegsjahre 1914—1918 im Wege standen, für die „Frankfurter Zeitung" durch die unwiderstehlich zwingende klare Aufweisung ihrer politischen Blindheit und Gefährlichkeit wahrhaft erdrückend und vernichtend ist, nicht zur gebührenden Wirkung vor Gricht gebracht werden. Doch wird ja der weitere Instanzenweg und, falls man auch da einer Beweisführung ablehnend gegenüber stehen sollte, die Ausbreitung des wertvollen gesammelten Stoffes vor der Osftentlichkeit Gelegenheit gben, das allen wahrhaft deutschen Belangen abträgliche Verhalten der „Frankfurtor Zeitung" nahezu von der Zeit ihres Bestehens bis auf unsere Tage darzulegen Gesagt muß aber auch heute schon werden' auch an diesem 9. August saß nicht Herr Ehamberlain, sondern das Frankfurter Blatt auf der Anklagebank und mußte sich von der Verteidigung Herrn Eham- berlains Dinge sagen lassen, die in ihrer geschichtlichen lln. widerleglichkeit geradezu vernichtend wirkten. Hat schon das Eigenbrodtsche Buch über „Frankfurter Zeitung" und „Berliner Tageblatt" jedem, der die Tatsachen sehen will, wie sie sind, ein klares, einwandfreies Bild der Politik dieser beiden auchd-eutschen Blätter und ihrer Gemeingefährlichkeit für jode politische Betätigung geben können (wobei darauf hingewiesen sei, daß. wie das schon eine Besprechung der Eigen- brodtschen Arbeit hervorhob, die „Frankfurter Zeitung" viel zu gut weggekomm-en ist, da Eigenbrodt in selbstgewollter Beschränkung seine Untersuchungen erst mit 1887 beginnt und die hetzerische Tätigkeit des Blattes in der inneren Politik ganz ausgcschaltet hat), so zeigen die von der Verteidigung aus den Jahren 1862—1914 gesammelten Beweisstellen, daß der Standpunkt dieser Vertreterin des „demokratischen" Ideals freilich von einer eindrucksvollen Zielstrebiges und Beharrlichkeit ist, dafür aber auch in allem und jedem dem widerstrebt, was in der geschichtlichen Entwicklung sich dem Deutschtum förderlich und nützlich erwiesen hat. Wir sehen das Frankfurter Blatt in der ganzen Zeitspanne von 1862—1914, von dem gewaltigen geschichtlichen Geschehen gänzlich unberührt, verknöchert und einseitig, durchaus unbelehrbar, auf dem gleichen unfruchtbaren Boden der Verneinung stehen in allen Fragen, in denen es sich um Dasein und Ge. deihen des deutschen Volkes handelt. Das „fortschrittliche" Blatt erweist sich hier als stockreaktionär. Denn, wenn das vielmißbrauchte, zu Tod gehetzte Schlagwort reaktionär überhaupt einen Inhalt haben soll, so kann es doch nur der fein einer verblendeten unbelehrbaren Festklammerung an hundertmal lleberholtes, an längst unsinnig Gewordenes, an Dinge und Maßnahmn, die die geschichtliche Entwicklung, die doch in letzter Linie das Urteil über alle politischen Bestrebungen spricht, als zweckundienlich und veraltet erwiesen hat. Nebenbei sei bemerkt. daß, wenn das Frankfurter Blatt in feinem Berichte über die Verhandlungen vom 9. August davon spricht, die Gegenseite habe ihm den Vorwurf „stockkonservativer" Gesinnung gemacht, hier eine der bei diesem Blatt allzu häufigen Verschiebungen und Verschleierungen vorliegt: man merkt sofort, wie mit einer Verrückung des Gesichtswinkels die ganze Frage auf das übliche Sackgeleise der Pcrrteipolitik verfahren werden soll. Nein, nicht um parteipolitische Katzbalgereien handelt es sich hier, sondern um den Kampf ?gveier unvereinbarer Weltanschauungen. Nationale Erfassung der politischen Wirklichkeit kämpft hier den durch keinen Verständigungsfrieden zu verkleisternden Daseins- kampf mit der Internationale. Und daß in diesem Kampf alle wirklich fortschrittlichen, lebensfähigen, gesunden Kräfte des deutschen Volkes auf Seite des Herrn Ehamberlain, auf Seite der „Frankfurter Zeitung" eine tausendmal widerlegte, in abgelebten Weltverbrüderungstraumen schwelgende Politik Stchengebliebener und Unbelehrbarer, kur- eine Reaktion schlimmster und gefährlichster Artung stehen, das ist sonnenklar und läßt sich durch keine taktische Wendung des in Rückzugsge. fechte nicht unerfahrenen und in seinen Mitteln niemals wähle- rischen Frankfurter Blattes ins Gegenteil verkehren. Mit der theoretisch-doktrinären Verbissenheit und Verbohrtheit, nie sie solchen Leuten eigen zu sein pflegt, wird in dem Frankfurter Blatt immer und immer wieder zu den Hauptfragen deutscher Entwicklung Stellung genommen, so oaß man fragen kann, dieses Sprachrohr der öffentlichen Meinung Süddeutsch lands (wofür es sich selbst gern selbstbewußt auscvibt) und der freiheitlichffortschrittlichs« Gestaltung des deutschen Lebens bietet seit 1862 das Bild verknöcherten Eigensinns und politischer Arterienverkalkung. Es bleibt sich im Verneinen, Ver. giften, Zerstören, Herunterreißen, Beschmutzen und Begeifer« alles wirklich und von Natur aus Deutschen in diesem halbe« Jahrhundert einer beispiellosen Entwicklung ganz gleich. Mit einer geistigen Bedürfnislosigkeit, die rnan rührend nennen könnte, wenn sie nicht mit soviel Böswilligkeit und Gefährlichkeit verbunden wäre, werden stets aufs neue die abgetriebensten Schlagworte in Bewegung gesetzt, um alles das zu bekämpfen und herabzusetzen, was Deutschland groß gemacht hat. Eines der niederträchtigsten Schlagworte aus dem Eist» köchsr dieser Kämpferin für „Freiheit und Recht" ist das Wort vom „Militarismus". Wenn uns dieses Wort heut beharrlich von unseren Gegnern in diesem Weltkrieg entgegentöut, so darf man ruhig behaupten, daß dieses vergiftende Wort, das unseren Feinden dazu gedient hat und noch dazu dient, eine Well gegen uns in Waffen zu stellen, dorn Rüstzeug der Eschenheimer Gaffr entstammt. Nie und nimmer wird man dort müde, gegen diesen felbf errichteten Kinderschreck Sturm zu laufen und damit all das zu bekämpfen, was zur Wehrhaftmachun^ unseres Vaterlandes gedient hat. Man sucht sich auf der Gegenseite gewöhnlich jetzt damit herau^ureden, daß man ausführt, man habe stets nur gegen die Auswüchse und Nebevgviffe des militärischen Geistes angekämpft, eine Verkürzung der Dienstzeit gefordert, die sich jetzt im Krieg als durchaus möglich und durchführbar erwiesen habe usf. Dabei wird übersehen oder absichtlich verschwiegen, daß der Notbehelf des Krieges nicht zur Beweisführung für die vergangene Zeit her an gezogen werden darf und daß unsere gesamten ausschlaggebenden Anfangserfolge auch in diesem Krieg ein sorgfältig durchgebildetes, von echt soldatischem Geist erfülltes Heer als unbedingte Grundlage voraussetzen und niemals mit dom Ideal der „Frankfurter Zeitung", einer Miliz, möglich gewesen waren. Tatsache bleibt also, daß das Frankfurter Blatt stets in der vordersten Reihe derer zu finden gewesen ist, die jede Militärvorlage bis aufs Blut bekämpften, die der Ausdehnung des Schcrrnhorst'fchen Gedankens vom Volk in Waffen (wohlgemerkt, nicht in der für einen Eroßstaat unmögliche« Form der Miliz) aufs schärfste entgegentraten und stets mit der stumpfen Waffe der finanziellen Ueberlaftung allen Mehrforde, rungen für LandasverteMgnngszwecke zu Leibe rückten. Soviel ist sicher, wäre jeweils das geschehen, was diese, in engster Par- torbefangenheit gebundenen Verfechter einer Sozialdemokratie empfohlen und vertreten hätten, so wären wir in das gegenwärtige Ringen um Bestand und Zukunft des deutschen Volkes als von vornherein Besiegte eingetreten. Geht das schon aus Eigenbrodts Arbeit schlagend hervor, der, wie bereits hervor» gehoben worden ist. in der Ausdehnung seiner Untersuchungen reicht tief genug in die Vergangenheit des Frankfurter Blattes eingedrungen ist und auch die innerpolitische Hetzarbeit dieser gemeinschädlichen Vertreterin der öffentlichen Meinung außer acht gelassen hat. so erweisen es die neuen, dis Zeit 1862—1914 umfasserrden Erhebungen, die anläßlich des vorliegenden Rechts- ftreits gemacht worden find, durchaus einwandfrei. Es ist von Anfang bis Ende in ermüdender Eintönigkeit der gleiche Ton und die gleiche Weife. Zur Zeit der preußischen Heeresvsform sehen wir das Blatt unter den giftigsten Bekämpfern der Lebensarbeit des großen von ihm niederträchtig beschimpften Königs Wilhelm. Auch hier wird mit den niedrigsten persönlichen Verunglimpfungen gearbeitet. „Der tiefere Zweck der Armeerform ist die Verstärkung der Existenzmittel des Feudaladels" heißts am 4. L 64. Und am 25. 9. 65 heißt es, um eine besondere wohlriechende Blüte dieses Eiftbaums öffentlicher Verhetzung und unsachlichster Beschimpftmg Andersdenkender der Vergessenheit zu entreißen: „Der Vater (Fr. W. III.) hatte das Glück, daß ihn die Niederlage bei Jena zu einiger Einsicht brachte. Der Sohn ist aber schon so alt, daß wir fiirchten, selbst ein neues Jena würde nicht hinreichen, ihn zu der Einsicht zu dringen, daß feine neue Heeresverfassung und seine absolutischen Gelüste den Staat und noch mehr den Thron gefährden." Zur Gefährdung des preu. ßischen Staats und des Hohenzollernthrons trägt das edle Blatt dann seinerseits, offenbar weil ihm König Wilhelm doch darin rroch nicht genug zu tun scheint, das Seinige bei, indem es unablässig schürt und hetzt und die preußischen Radikalen mit allen Mitteln einer gewissenlosen Pretzhetze in offene Auflehnung und unverhülltem Umsturz zu treiben sucht. Von einem Verständnis für den großen Staatsmann der Zeit natürlich keine Ahnung! Und als dann mit dem Krieg 1864 die große Probe der von König Wilhelm und Bismarck geleiteten Politit beginnt, da sehen wir die Zeitung offen auf Seiten des feindlichen Dänemarks und nach den ersten großen Schlägen dieses Kampfes setzt auch sofort das Bestreben ein, einem allzu entschiedenen Sieg der preußischen Waffen zu verhindern und „Annexionen" zu bekämpfen. Am 9. Juli 1864 lesen wir: „Bisher ist Deutschland in Gefahr > gestanden, in Schleswig-Holstein um sein volles Recht gekürzt zu werden. Heute steht es in Ge* fahr allzusehr zu siegen". Schon einige Tage vorher (am 1. 7. 64) hatte man in der Eschenhoimerga^se die Schamlosigkeit zu schreiben: „Die Masse der Engländer knirscht — aber sie knirscht vorerst vergebens. Eine rasche Entscheidung ist aber wünschenswert, wäre es auch nur Schleswig-Holsteins halber und damit nicht der Krieg.allzu' lange andauere und Deut,chland sich dadurch unnötigerweise an das Vorumlten des ohnedies übermächtigen Militärelements gewöhne." Hier wird also Eingreifen des Auslandes gegen den „preußischen Militarismus" geradezu herbeigerufen. Im Jahre 1866 sehen wir das gleiche Bild. Hier könnt« inan ja wohl am ehesten geneigt fein, dem pfahlbürgerlick>en „Weltblatt mildernde Umstände zuzubilligen, da es sich um der freien Reichsstadt eigene „2lnnex.ion" dreht. Frankfurt wird preußisch (es hätte, wenn es das nicht geworden wäre, später schon aus rein wirtschaftlichen Gründen, kniefällig um die Auf. nähme in den preußischen Skaat bitten müssen) und es beginn/ für die Stadt, wie für alle die andern „annektierten" Gebiets, teile eine Zeit unerhörten, beispiellosen Aufschwung» irach der unsagbaren Verrottung kleinstaatlicher Mißwirtschaft. Die Tin. heit Deutschlands bereitet sich var — lebhaft bekämpft van dem euch hierin stockreaktionären Frankfurter Blatt. Denn hat man bis 1866 aus großdeutschenEedankengängen heraus allenfalls di« bismaräfche Politik b^ämpfen können, nach 1866 mußten staats- mänNische Köpfe sich auf die Seite des nun noch allein Mög" lichen und Erreichbaren stellen. Wir aber lesen in der „Frankfurter Zeitung" vom 4. 7. 69, nachdem zugegeben worden ist, daß es „möglich, aber nicht wahrscheinlich" sei, Deutschlands Einheit auf Bismarcks Weg zu erreichen: „Aber diese Einheit, «die auf den Trümmern der Freiheit errichtet wird, ist wertlos." Und bis kurz vor Ausbruch des Krieges 1870-71 ist die Bekämpfung des „Militarismus" Hauptaufgabe des mainifchen Blattes. Eine Probe aus der Neujahrsbetrachtung des Jahres 1870: „Wir haben viele Gegner, die uns gegenüber stehen und viele Wunden, die uns schmerzen, aber einen Gegner und eine Wunde pur excellence — jenen Militarismus, der den preußischen Staat nach allen Richtungen hin durchdringt und alles, was nicht in diesem Bereiche liegt, umklammert. Ihn Zerbrechen heißt nicht, uns von allen Nebeln zu erlösen, aber heißt eine Erlösungsarbeit möglich machen. Es ist der Rattenkönig der Reaktion, an ihm verkommt die Vollkraft des Volles, die ncoralische wie physische. An chm liegt es. wenn wir Zurückbleiben in der politischen Entwicklung gegen fast alle Staaten um ims her. Er verkümmert uns die Freude an dem allgemeinen Riesenfortschritt der Welt." Deutlich zeigt sich in diesen letzten Worten auch der Pferdefuß der internationalen Gesinnung. den man sonst gern wie Mephisto durch falsche Waden' deckt. Was liegt an Deutschland, wenn nur „der allgemeine Riesen sortschritt der Welt", zu gut deutsch ein möglichst ungestörtes Geschäft unter demokratischen Formen, gewährleistet ist. Kerlin er Stank. Wie Berliner Blätter melden, wurde unter dem Verdacht Schwindeleien in Höhe von drei Millionen Mark begangen ZU haben, die Gesellschaftsdame der Gattin des Geh. Justizrats Dr. Lepa. ein Fräulein Erna von Langen, in Untersuchungshaft genommen. Frau Geheimrat Lepa, die am meisten Mitschuldige, ist zur Zeit hastunfähig, da sie nervenleidend ist. Frau Geheimrat Lepa, verwitwete Frau Landgerichtsrat Hirsch, wird beschuldigt, umfangreiche Wechseffä l Mu n gen und Betrügereien vor genommen zu haben. Die Hauptbeschuldigte will das Opfer ihrer Mitbeschuldigten und einer Anzahl von Wucherern geworden sein. Die Untersuchung ergibt folgendes: Das Ehepaar führt« ein großes Hans, so daß die Frau schließlich in Wuc^r- hände geriet. Die Frau kam immer mehr auf die schiefe Eben«, vermochte es aber, die Situation ihrem Gatten zu verheimlichen. Sie soll dann Unterschriften ihres Gatten auf Wechseln nachgeahmt haben. Nach berühmten Vorbilder« warfen sich die Frauen schließlich auf Kriegsliefelmngen. Und fo viel Aufwand . . .? Ueber das Ergebnis der Hafer-Revision in Ostpreußen wird der „Vossiscben Zeitung" aus Königsberg berichtet: „Angesichts des dringenden Haferbedarfs des Heeres war im Frühjahr in Ostpreußen auf Befehl des Kriegs- minrfteriums eine Revision vorgenommen worden. Nach einer Mitteilung des Oberpräsidiums sind in den Tausende« von revidierten großen und kleinen Betrieben Ostpreußens im ganzen nur etwa zweieinhalb Tonnen Haftr, an Mehl, Grütze und Graupen zusammen noch nicht eine Fünftel Tonne, als verheimlicht festgestellt worden. Dagegen haben zahlreiche Landwirte den Hafer, den sie behalten durften, trotz großer Futternot der Heeresverwaltung fteiwillig zur Verfügung gestellt." Dieser Meldung sei als Seitenstück folgende Monats- statistik über Verstöße gegen das Lebensmittelzwangssystem angefügt die uns von unserem Kölner Berichterstatter gedrahtet wird: „Im verflossenen Monate wurde seitens der Kölner Staatsanwaltschaft wegen Verfehlens gegen Lebensmittelverordnungen in Köln allein gegen 1909 Personen Strafverfahren eingeleitet, darunter gegen 237 Personen wegen Ausfuhr von Gemüse und Obst, Kartoffeln und andern Lebensmitteln. 38 Personen mußten verhaftet werden, hauptsächlich wegen verbotenen Schlachtungen und Schleichhandel." * Man ersieht ans diesem Monatsnachweis allein für einen Bezirk, welch ungeheurer Apparat dazu erforderlich ist, um das Ernährungssystem allein auf strafrechtlichem Wege durchzuführen. Wenn das in den anderen Monaten so weiter geht, kommen für Köln allein rund 26 000 Strafverfahren jährlich heraus. Und doch wird soviel Aufwand — unnütz vertan. Ist das Kriegsmncher? Diese Frage wirft ein Mühlenbesitzer und Mitglied Ges Bundes der Landwirte im Westen ans Anlaß folgenden Erlebnisses auf. Der Mühlenbesitzer hatte sich zur Beleuchtung seiner Wassermühle im Jahre 1913 einen kleinen Gleichstrom-Dynamo zrrm Preise von 320 Mark angeschafft und freute sich an der tadellosen Arbeit des Apparates bis ASm Januar d. Js. Ein „Kurzschluß in der Ankerwicklung" machte ihn unbrauchbar und der Apparat wurde wohlverpackt als Eilgut an die Herstellungsfirma in Altona geschickt, mit der dringenden Bitte um schleunigste Ausführung der Reparatur, da der ganze Mühlenbetrieb bei- dem völligen Mangel an anderen Beleuchtungsmöglichkelten solange in Dunkel gehüllt sei. Versprochen wurde freilich auch die Erfüllung dieser Bitte, aber es vergingen doch rund drei Monate, bis di« verhältnismäßig kleine Reparatur ausge- führt und der lichtipende Dynamo in einer anderen Holzkiste Verpackt wieder,- in seiner Mühle eintraf. Acht Tage später. folgte dis Rechnung, die nach Aktzug von 4,60 Mark für Altkupfer, das der Mühlenbesitzer für die Reparaturarbeit selber hatte beschaffen und nachliefern müssen, noch auf 765,40 Mark lautete (davon 30 Mk. für Rollgeld und Der- packungskosten). Die Reparaturkosten des Dyncunos, den unser Freund seinerzeit fir und fertig für 320 Mark hatte kaufen können, beliefen sich für ihn jetzt auf 770 Mark, waren also fast 2 1 /* mal so hoch. Ja, Höchstpreise gibt es eben für Jndustrieerzeuguisse und -Leistungen nicht. Hier in diesem Falle wäre aber doch zu untersuchen, ob nicht eine wucherische Ausbeutung der Notlage unseres Mi'chlenbesitzers durch die reparatnrausführende Firma vorliegt, oder ob die Höhe d«r Kostenberechnung sich glaubhaft begründen läßt. Die Mohnnngsfürsorge. Auf dem enklicher Mangel an Wohnungen gesteht und daß sich nach Beendigung des Krieges dieser Mangel vermutlich noch sehr viel schärfer geltend machen und zu einer förmlichen Wohnungsnot führen wird. Dieser Rot in erfolgreicher Weise entgegenzuwirken, wird aber den Gemeinden und den in einzelnen Gemeinden bestehenden gemeinnützigen Baugenossenschaften und Baug-esellschasten nur möglich sein, wenn der Staat zur Förderung der Wohnungs- fiirforge größere Mittel zur Verfügung stellt. Der Kreistag richtet daher an die Großh. Regierung die Bitte, den auf die Bekämpfung der Wohnungsnot gerichteten Bestrebungen der Gemeinden rrnd anderer Körperschaften durch Bereitstellung erheblicher Staatsmittel eine kräftige Förderung an-gedeihen zu lasten." Schon vor Monaten hat sich der Kreistag des Kreises Worms in demselben Sinne, auf Antrag des Kreistagsmit- gliedes Frhr. Cornel Heyl zu Herrnsheim, an die Großherzogliche Regierung gewandt. Man ist im Lande der Meinung, daß mit dem Vau von Wohnungen nun nicht mehr länger gezögert werden darf. Auch der Zentralverein für das Wohnungswesen in Hesten, der Ernst- Ludwig-Vsrein, hat sich in einer Eingabe an die Großh. Re. gierung vom 7. April d. I. in diesem Sinne ausgesprochen. Möchte die Regierung endlich erhebliche Staatsmittel, ohne welche die gemeinnützige Bautätigkeit im Lande nicht ausgenommen werden kann, zur Verfügung stellen. Die Finanzlage des Landes gestattet dies nicht nur, ste verpflichtet im Gegen- teil die Regierung zur großzügigen Förderung dieser wichtigen Frage. Möchten di« zahlreichen Stimmen aus dem Lande endlich bei dar Regierung Tate.« cruslösen! Vom Fr!de der Ehre. Hencheltzrim s Wetterau), 25. August. Don hiesig«, Feih- zugsteiln-ehmern wurden in letzter Zeit ausgezeichnet: Der Sergeant Otto O st h e i m mit der Hessischen Tapferkeitsmedaille, im Besitz des Eifernen Kreuzes ist er schon längere Zeit. Der Sergeant Otto Lemp, schon längere Zeit im Besitz des Eisernen Kreuzes und der Tcrpferkeitsmedaille, erhielt das Kriegsehrenzeichen in Eisen. Der Wehrmann Gefr. Rudolf Beith erhielt das Eisern« Kreuz zweiter Klaffe. Der Musketier Albert Velten wurde bei den Kämpfen am Kemmel mit der Hessischen Tapserkeitsmedaille und jetzt in den letzten Kämpfen der Musketier Hugo W e i tz mit dem Eisernen Kreuz zweiter Klaste ausgezeichnet. Die drei Erstgenannten sind seit Anfang des Krieges, Velten feit einem Jahre und Weitz seit einigen Wochen im Felde. Ihnen Allen unseren Glückwunsch! Ans der Heimat. tzriedberg. 27. August. Die Altkleiderstelle ist am Mittwoch und Samstag dieser Woche geschloffen. Diejenigen Personen, welche behufs Erlangung eines Schrchbedarfsschein getragene Schuhe abgeben wollen, können dies bei der siätze Bokleidungsstelle an den Vezugsschein-Ausfertigungstagen, jeweils Dienstag, Donnerstag und Samstag tun. Ablieferung getragener Männer-Oberkleidung. Die V«- wohner der Stadt Friedberg, einschließlich derjenigen des Stadtteils Fauerbach, welche sich zur Abgabe eines Anzugs usw. bereit erklärt haben, wüsten solche nunmehr heute D i e n st a g, den 27. August, nachmittags von 2—6 Uhr, im S a a l b a u zur Ablieferung bringen. FC. Butzbach, 26. Aug. Im nahen Nieder-Weisel verstarb im 66. Lebensjahr der frühere Reichs-Limes-Arbeiter Franz Schäfer, ein treuer Gehilfe und Begleiter der Reichs- limesforscher. Bei der Grundsteinlegung der jetzigen Saal- bnrgnachbildung durch den Kaiser leistete der Verstorvene beim Einlaßen des Grundsteines und dem Einfügen der Urkunde Kaiser Wilhelm und dem damaligen Kultusminister Studt die Handreichungen. FC. Alsfeld, 26. Äug. Das Kreisamt weist die Bürgermeister des Kreises an zu berichten wieviel, Aar ungefähr in den einzelnen Gemarkungen mit Ginster bestanden sind und wie hoch der Ertrag an grünem Ginster pro Hektar geschätzt wird. FC. Vom Main, 26. Aug. Der schönsten und wertvollsten Kuh des Landwirts Schuck in Elsenfel- wurde im Stalle die Zunge glatt abgeschnitten und mitgenommen. Das Tier mußte abgeschlachtet werden. Aus Starkcnburg. Jubiläum der Firma M-rck. In diesen Tagen feiert me bekannte Firma der chemisch-pharmazeutischen Groß- Industrie E. Merck in Darmstadt ihr 250jähriges Jubiläum. Dre Firma fft aus der dortigen Engel-Apotheke hervorgewachsen, deren Gerechtsame im Jahre 1668 zum erstenmal einem Angehörigen des Hanfes Merck verliehen wurde und. bie bis jetzt in ununterbrochenem Besitz der Familie geblieben ist. Bei den weitreichenden Beziehungen der Firma zu Pharmazie, Chemie und Medizin, zu vielen Gebieten dev Technik und dem Drogenhandel werden weite Kreise an dem seltenen Gedenktag Anteil nehmen. FC. Dieburg. 26. August. Die Ludendorfsspende hatte tat hiesigen Kreise ein Ergebnis von 2848,39 Mark. Di« Orte Groß-Umstadt und Lengfeld haben die größten Spenden zu bis», sem erfreulichen Ergebnis Leigetragen. Aus Rheinhessen. FC. Mainz, 26. Aug. Wahrend des Schccukelns stürzten' die Balken einer Schaukel in der Uferstraße dahier, die ab- gefault waren um und trafen den etwa zweijährigen Sohn eines Berrrjsgenossenschaftsbeamten derart am Kopfe, daß er sofort tot war. FC. Vudenheim, 26. Aug. Die Zeitungsmeldung, daß Herr von Waldthausen sein in hiesiger Gemarkung gelegenes Schloß verkaufen will, bestätigt sich nicht. Aus Hessra-Nafsau. FC. Pfeddersheim, 26. Aug. Weil er sich zum Hilfst dienst nicht gemeldet, verurteilte das Schöffengericht den Taglöhner Schöler von Leiselheim zu einer Woche Gefängnis. Höchst a. M. (Den eigenen Sohn durch Leichtsinn erschossen). Zu dem bedauerlichen Unglücksfall, der sich am Samstag früh in dem Eisenbahnzug kurz vor der Einfahrt des Zuges in die Station Höchst i. O. ereignete, erfahren wir von maßgebender Stelle: Der Geflügelhändler K. Hack hatte seinen neun Jahre alten Sohn zum Geflügelhandel mit auf die Reise genommen. Beide wollten am Samstag ftüh von Beerfelden aus nach Hause fahren. Unterwegs stieg der Lanüsturmmann Süßmann Storger, in Darmstadt wohn? Haft ein, der Gefangene zur Arbeit nach dem Odenwald gebracht hatte. H. griff nach dem in der Ecke stehenden Ge* wehr, machte zunächst einige Griffe, worüber sich der Junge noch fteute, legte dann im Scherz auf ihn an, worauf der Schuß losging, demKind durch den Mund ging und im Genick wieder herauskam. sodaß der- Tot sofort eintrat. H. behauptet, daß er das Gewehr enfficherte, daß er aber vor dem Schuß das Schloß geöffnet hatte und kein Geschoß sah, .lvorcmf er ohne Bedenken abdrückte. Abgesehen von diesen» bodenlosen Leichtsinn ist es jedenfalls unverantwortlich von dem Landsturmmann Storger, das geladene Gewehr einem Anderem, zudem noch zu solchen gefährlichen Spielereien z« iiberlassen. Die Folgen werden wohl für Beide nicht cms» bleiben. FC. Dotzheim, 26. Aug. '(Sinken der Holzpreise.) Bet der hier abgehaltenen Versteigerung von Eichenschälholz wur* den durch vernünftiges Bieten ein Rückgang der Holzpreife um etwa eindritte! gegen friiher erzielt. 100 Stück Eichen* schälholz-Stangen mittlerer Qualität kosteteten durchschnitb lich 50—60 Mark. Die Versteigerung erhielt die Genehmigung des Gemeindevorstandes. FC. Weilmünster, 26. Aug. Der Steinbrucharbeiter Heinrich Kissel erhängte sich aus Lebensüberdruß. FC. Schierstein, 26. Aug. In der Scheune des Beigeordneten Lang dahier brach Großfeuer aus, das binnen kurzem das Gebäude in Asche legte. Reiche Heu- und Strohvorräte wurden ein Raub der Flammen. 'FC. Wehen i. Ts., 26. Aug. Seit dem 17. August wurde hier der allgemein angesehene Landwirt Philipp Wilhelmi vermißt. Vorgestern ffel n»n Waldarbeitern bei ihrem passieren des Gemeindewoldes ein intensiver Leichengeruch aus. Sie suchten deshalb die Gegend ab und fanden den Vermißten an einem Baume hängend tot aus. Häusliche Zerwürfnisse haben den Unglücklichen, der ans zweiter Ehe drei Kinder im Alter von neun bis zwölf Jahren hinter* läßt, in den Tod getrieben. FC. Braubach, 26. Aug. Durch Gasvergiftung erlitt auf einem hiesigen Werk ein französischer Kriegsgefangener de« Erstickungstod. Kirchliche Nachrichten. Evangelische Gemeinde. Gottesdienst in der Stadtkirche. Mittwoch, 28. August, abends 8*4 Uhr: Krieg sanda'cht. Herr Pfarrer Ritter. Gottesdienst im Stadtteil Fauerbach. Mittwoch, 28. August, abends 9 Uhr: Kriegsandacht. AriMMlkizkMtt »es Srri»«rvrits Nachweise» ». d. Hilsis-ienftmelbesteUe Friebberr. Offene Stell?« r Mehrere Mi'chrevisoren, 1 Schuhmacher, 2 Knechtefamilien. 1 Kutscher. 3 Knechte, 1 Verwalter, 1 Schäferfamilie, 1 Tage- löhnerfamilie, 1 Nachtwächtersamilie, 1 Müller. 1 Landbriesträger, 4 Dienstmägde, 19 Hausmädchen, 1 Monatsfrau, 1 Küchenmädchen, 1 Melkerin. Für besetzte» Gebiet: Frauen und Mädchen aller Art, Hilssdienstpflichtige in nicht wehrpflichtigem Alter, außerdem 50% Erwcrösunsähige und Jugendliche tm Alter zwischen 17 und 18 Zähren. Stellensuchender Mehrere Melkerfamilien und ledige Melker, 1 Heizer^ 3 DÜlo- fräuleins, 1 Haushälterin für Landwirtschaft.- Verantwortlich für den politischen und lokalen Teil: Otto H i r s ch e l, Friedberg; für den Anzeigenteil: R. Heyner, Friedberg. Truck und Verlag der „Neuen Tageszeitung*, A- G.„ Friedberg L & r verfemt. j RomanvonAnnyWothL \ ^ ^ *7. 15) Nachdruck verboten. Mirena stand im Augenblick neben ihm und f^t« ihren ssroßen Hut auf die rotschimmernden Locken. Uebermütig griff sie nach dem blühenden Erdbeerkranz, den sie gewunden und warf ihn über den Weg hin in die blauen Wellen. „Wenn der Kranz verblüht, wenn mein Herz gebrochen. Hab ich Wiederkehr versprochen!" zitierte sie leise auflachend. „Sehen Sie nur, wie die Wellen die schimmernden, weißen Blüten forttragen. Lauter Glückssterne!" Holger folgte mit stillen Augen der duftenden Spende, die auf den Wellen trieb, dann aber reichte er Mirena ausatmend die Hand. „Also: Auf Wiedersehen. Frau Gräfin," verabschiedete er sich, tief den weißen Strohhut ziehend. „Auf Wiedersehen," lächelte sie, „bei Mondenschein und Sternenlicht!" Noch ein strahlender Blick, und Holger schritt von dannen, den Weg entlang, der am Ufer hinführte, seiner Behausung zu. Mirena sah ihm lange nach. Wie herrlich war doch Holgers Gestalt anzusehen, als er so sicher, so stolz, so hoch von dannen schritt. Ein Bild urwüchsiger Kraft und. Männlichkeit. Mirena nahm lächelnd ihren roten Sonnenschirm auf, dann wandte sie sich und schritt den Weg. der nach dem anderen Ufer des Sees führte, wo ihr neues Heim lag. Kein Blick mehr flog zum anderen Ufer, an dem Holger dahinschritt, hinüber. Sie fühlte aber immer den Blick, den Holger zu ihr herüber senden mußte. Und tiefe schweigende Mittagsruhe ringsumher. Die Schwäne auf den blauen Wellen, die den Kranz forttrugen und Schwüle, bleischwere Schwüle in der zitternden Lust. Was übte die Mark, dis sandige Mark mit ihren stillen, blauen Seen und duftigen Moosen doch für einen berückenden Zauber. — Schwalben schoflen durch die Lust und kühlten ihre gkut- heisien Schwingen in der blauen, klaren Flut des Sees, als Mirena ln thv Haus *r<4 kas Haus» in Sm sle tzolger erwartete beim Mondenlicht. Und jetzt brannte in dumpfer Schwüle die Mittagssonne. 12. Kapitel. Holger Thoresen war, ohne den Blick noch einmal zu wenden, seinem Hause zu geschritten. Jetzt trat er langsam in den Garten. Beim Schließen der Pforte blickte er noch einmal über den See hinweg nach der kleinen, weißen Billa hinüber, die sich heiter in der blauen Flut spiegelte. Umsonst spähte er nach dem weißen Kleide Mirenas, dom lichtroten Schirm. Still lag das Haus, wie ausgestorben der Weg, nur ein schwarzer Schwan zog jetzt leise auf den blanken Wellen seine Kreise. Holger trat tiefer in den Garten und nahm den Strohhut von der erhitzten Stirn. Noch hing fein Blick drüben an dem kleinen Hause der Gräfin Berghausen. Ein Räuspern ihm zur Seite ließ ihn zusammenschrecken. „Sind Sie verrückt, Pufemeyer," herrschte er einen älteren Mann an, der mit einer blauen Schürze angetan, sein rotes, von einem grau melierten Stoppelbarl umrahmtes Gesicht ihm voll zuwandte, während er eifrig benrüht war, mit einer blanken Sichel das Gras am Wege zu schneiden, „wie können Sie sich unterstehen, hier Maulaffen feil zu halten und mich zu beobachten." „Habe ick jar nich jemacht," sagte Pufemeyer, bedächtig seinen grauen Kops schüttelnd, „ick wollte Ihnen man uff mir uffmerksam machen, denn sonst wären der Herr Thoresen jrade- weg über mir wegjestolpert, und da hätten wir uns beede Beene brechen können." „Alter Quatschkopf." murmelte Holger grobs und schritt dem Hause zu, während der Alte zögernd mit schlürfendem Schritt nachfolgte. Eine schlichte, kleine Brandae. von weißem blühendem Jasmin umwuchert, nahm Holger auf. Mißmutig warf er seinen Hut auf den Tisch und einige weiche Kiflen. die einen sogen ann- Faullenzor schmückten, durch das offene Fenster in das Parterrezimmer, das hinter der Veranda lag. Sich selbst aber streckte Holger tief aufseufzend in den behaglichen Stuhl und blickte dem langsam näherkommendeu Alten nicht gerade freundlich entgegen „Det Mittageflen is lange fertig, un Stine schimpft wie besessen," rapportierte der Alte, „weil ooch noch Besuch jekoms men ts, der durchaus bei uns eflen will, und Stine nich weeh, ob et ooch recht is, un ob et reicht." „Pufemeyer, Sie werden in Ihrem ganzen Leben nicht klug und Stine noch viel weniger," sagte Holger seufzend. „Was faseln Sie nun bloß wieder von Besuch. Wo ist er denn?" „Er schläft," sagte Pufemeyer bedächtig, und in seinen hellen, klaren, alten, blauen Augen blitzte es schalkhaft auf. „Er schläft?" Hier bei uns? Wo denn?" „Uff de Fremdestube, Herr Thoresen, da hat er sich jleich ' inquartiert." „Er? Wer denn? Wie heißt denn der Kerl?" „Heißen? Det hat er nich jesagt," entgegnete Pufemeyer, mit ganz unschuldigen Kinderaugen seinen Herrn ansehend, „ee meente man, er fei een alter Freind, und sticker vier Wochen bleibe er hier." „Menschenkind, wie können Sie sich unterstehen, hier ohne meine ausdrückliche Erlaubnis jemand aufzunehmen, und noch dazu einen, den Sie noch nicht mal kennen. Sie sind doch wirklich noch diimmer, als die Polizei erlaubt, Pufemeyer." „Det stimmt," entgegnete der alte Gärtner, Diener und' Kuffcher in einer Person, bedächtig, „denn de Polizei erlaubt jar nrscht, nich nwrf meine Dummheit, aber ick hätte mal sehen mögen, wie Sie det jemacht hätten, wenn hier plötzlich een piek, feiner Herr steht un sagt: Oeffnen Sie man die Bude, verehrtes, altes Haus, Ihr Herr und ich gehören zusammen roN Jagend an und die da, des Haules freundliche Hüterin" — damit meinte er Stine — ste „richte den Männern das Mabl,* indes ich Rast halte am Hevdfeuer der gastlichen Hütte." Ick bitte Ihnen nun, Herr Thoresen, det nennt er ne Hütte, und Feuer bei die Hitze hatten wir doch ooch nich. Mir war janz verwirrt und ick schloß ihm dann ooch de Fremdenstube uff, und da liegt er schon zwee Stunden und schläft. Ick hör et an'd Schnarchen und Stine meent, „der kann's jut" Un Stine hat nun hier den Tisch jedeckt und se meent, wenn der Mensch wirklich bleiben düt. dann kann er ja miteflen, und ick sollte mall fragen, ob ick vielleicht ene Pulle Roffpon oder ne alle Rüde^ heimer ruffholen soll." Fortsetzung folgt. sowie alle Drucksachen für behördlichen und familiären Gebrauch fertigt schnell, sauber und geschmackvoll an die Neue Tageszeitung Fernsprecher Nr. 48 Friedb-rg i. H. Hanauer Straße 12 Kekarmimachung Donnerstag, den 29. ds. Mts., nachmittags 3 Uhr am Ra'haus- treppchen beginnend, werden «ichrere Partien ZweisHen nnö 1 Vam Zirm und um 47 2 Uhr an der Kirche des Stadtteils Fauerbach eine Partie Mischen versteigert. Friedberg, den 26. Aug. 1918. Der Bürgermeister 2. V.: Damm. Bekanntmachung In der Zeit vom 26. August bis 15. September 1918wird gegen die Lieferungsabschnitte 18 und 19 der Süßstoffkarien „H" (blau, und gegen die L»e>e run«,sabschmtte 3 und 4 der Süßstoffkarten „G" (gelb) von den Süßstoffabgabe- stellen Süßstoff abgegeben. Es gelangen auf Abschnitt 18 und 19 je ein Briefchen bezw. 3 und 4 je eine Schachtel zur Ausgabe. Mit dem 15. September verlieren die Abschnitte 18 und 19 bezw. 3 und 4 ihre Gültigkeit. Nach diesem Zeitpunkt nicht abgerufene Sützstoffmengen dürfen von den Abgabestelleu frei verkauft werden. Friedberg, den 26. Aug. 1918. Der Bürgermeister ,_ 2. V.: Damm. Dekan,,trnachung . Ich bringe hierdurch zur öffentlichen Kenntnis, daß der Friseur Friedrich Fürder inFried- berg als Hilfsfeldschütz für die Gemarkungen der Stadt Friedberg und des Stadtteils Fauerbach in Pflicht genommen worden ist und daß die er seinen Dienst als solcher angelreten hat. Friedberg, den 26. August 1918. Der Bürgermeister _2. V.: Damm. Betr.: Vereidigung von Kon roll- beamten des Milchnezirks der Oberhejstchen Mttch- zenlrate. Bekanntmachung Ich bringe hierdurch zur öffeni- lichen Kenntnis, dag der Friedlich Joseph Glück zu Friedberg als Koittrollbeamter für den Bezirk der Oberhe,siechen Milchzen- trale durch Großh. Kreisamt Friedberg eidlich verpflichtet worden ist. Frie-öerg, den 26. Aug. 1918. Der Bürgermeister 2. V.: D a m m. der Gräflichen Glierfärflerei Arusdurg im Fcldhcimer Waid bei Hungen, Dienstag, den 3. September 1918 nach Zusammenkunft 10 Uhr auf dem Antrieb im Hinterwald: Eichen rm: 178 Knüppel, 22 Ntiserkniippcl, 429 Keifer. Dreschmaschine Beabüibtta? hiss?« «...-„.r-r-i,- ... . . in ^absichtige dieses Jahr auch auswärts'zu dreschen. Ab zu r^len'mr* 1918 ^ meme Dampfdreschinaschine frei. Offerten Frau &eors>- 01 . Ciriss Wwe. Mörfelden (Hessen). Der behördlich genehmigte Mohr',che flti,ii|fj:ir(,lif.«r|(il „Ghic«" ^nen kräftigen Fleischgeschmack und ist deshalb i/ Lk.^klevchlosen Tagen. m jeder Familie unentbehrlich. Dosen /'Mund netto Mk. 5.2o. 1 / 2 Pfund Mk. 2.90, V, Pfund Mk 1 60 Vr?r ** fft unbe'chrankt haltbar und in den meisten Ge chästen der Lebensnuttelbranche täuflich. ' y 1 Verloren eine goldene Brosche mit Photograph" eines österreichischen Soldaten. Abzugeben gegen Belohnung in der Geschäftsstelle dek. „Neuen Tageszeitung". lausen Sie tupft™, fitilinifia, Wen. inrtifit, gnrfif, Pichl. nirgends besser, nirgends billiger wie bei Adolf Bechstein, Am -ll.Wam'. Friedhcr^ i. II. SchMr 15 . Telefon Kr. 45». Größtes Kager am Platze Karteffsl- ErnteiiiäsoSiinen (Original Harder) sofort ab Lager lieferbar Wilhelm Häuser Friedberg. Telefon Nr. 76L Feldscheunen! 10.00 m br., 24,00 bis 36,00 m lang 12.00 „ „ 24,00 .. 36,00 „ „ 15.00. , „ 30,00 n 42,00 M 18.00. . .. 30,00 „ 42,00 „ 20.00 „ 30,00 „ 60,00 „ „ sofort lieferbar. 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