Uummer 199 10 Pfennig die Nummer Montag, den 26. August 1918 11. Ia?;rgmrg. Ueue Tagesreitr Die ..L cne Tnyes,eitung" erscheint ,eden Werktag Regelmäßige Beilagen „der Sauer ans Hessen", „die Aplnnssnbe". Bezugspreis: Bei den Poitanstaltcn ocerleljährlich Mk. 2.40 hinzu tritt noch das Bestellgeld; dei den '.'leenten monatlich 85 Psg. einschließlich Trägerlodn. Anzeigen: Grundzeile 25 Psg., lokale 20 Big.. Anzeigen von auswans werden durch Postnachnahme erhoben. Enüllungsorr Friedberg. tzchriftleitung und yerlag yliedbera (Hessen), lauaueritraße 12. ^ecmprechsr 48. Posij Ye.k-Louto Nr. 18,3. i rtt Frankfurt a. M. Auch ver kUßlische PurchdruchMrluch gejcheitert. Prensteu, Kesten und Württemberger schlugen den Feind zurück. —Schmere feindliche Panzerwagen-Ierluste. Lieg der Oesterreicher in Albanien, Kernt und Fieri genommen. W. T. K. Mrotzes Zattptqttartirr. den 24. August Amtlich. Westlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppen Kronprinz Rupprecht und B o e h n. Dor Engländer bat seine Angriffe nach Norden bis füdöft. lich A r r a s, nach Tilden über die S o m m e hinaus bis Chaul- nes ausgedehnt. Die Armeen der Generale von Below und o. d. Marwitz brachen den Ansturm des an Zahl überlegenen Feindes. Stärkster Artilleriekampf von Arras bis Ehaulnes leitete mit Tagesanbruch die Schlacht ein. Dem beiderseits von Boyslles vorbrechenden Gegner wichen unsere Vortruppen befehlsgemäß auf Croisilles—St. Leger kämpfend aus. Nordwestlich von Bapaume nahmen wir den Kampf in der Linie St. Heger—Achiet-le-Gvand—Miraumont an. An ihr brachen die Frühangriffe des Feindes zusammen. Am Nachmittag erneuter Ansturm gewann in der Richtung Mory Boden. Preußische Regimenter, aus nordöstlicher Richtung zum Gegenangriff angesetzt, lvarfen den über Mory vorgedrungenen Feind wieder zurück. Die in Richtung Bapaume geführten feindlichen Angriffe drängten unsere Liirien auf Beha-gnies—Pys zurück; hier brachten örtliche Reserven den Feind zum Stehen und schlugen am Abend noch mehrfach wiederholte starke Angriffe ab. Bei. derseits von Miranmont zerschellte viermal wiederholter Ansturm vor unseren Linien. Vizewachtmeister Baurmeister der zweiten Batterie Reserve-Feld-Artillerie-Negiment 21 vernichtete hier mit einem Geschütz allein 6 Panzerwagen des Gegners. Oestlich von Hamel faßte der Feind auf dem östlichen Ancre- Ufer Fuß. Seine Angriffe aus Albert heraus brachen östlich der Stadt Mammen. Zur Eewinnnug des Anschlusses bei Pys fetzten wir unsere Linie von Miraumont bis östlich Albert von der Ancre ab. Siidlich der Somme schlugen preußische Truppen, die schon am 9. August dort den englischen Durchbruch ver. hinderten, auch gestern die gegen Eappy—Foucaucourt—Der* mandovillers gerichteten englischen Angriffe westlich dieser Linie zurück. Beiderseits der Avre, an der Oise und Ailette kleinere In- fanterisgefechte. Zwischen Ailette und Aisne setzte der Franzose seine Angriffe fort. Am Vormittage wurden Teilangriffe obgewiefen. Am Abend brach der Feind nach stärkstem Trommelfeuer zu großem einheitlichem Angriff vor; er ist völlig gescheitert. Im Gegenangriff warfen wir den Feind auf seine Ausgangsstellungen zurück. Bereitstellungen und Kolonnen der Gegner wurden in den Schluchten von Vezaponin mit besonderem Erfolge von unseren Schlachtstaffeln angegriffen. Leutnant Udet errang seinen 59. und 60. Luftsieg. In den letzten Tagen errang Leutnant Laumann feinen 25. und 26., Vizefeldwebel Dörr seinen 22. und 23., Oberleutnant Auffarth seinen 22., Oberleutnant Ereim und Leutnant Büchner ihren 20. Luftsieg. Der Erst? Gcneralqunrii'krmeifter: Ludendorff. Abendderichr. Berlin» 24. August, abends. (WTB. Amtlich.) Kampf Zwischen Scarpe und Somme. Englische Angriffe südöstlich Arras gegen Bapaume scheiterten. Südwestlich Bapaume gewann der Feind östlich Thiepval Boden. Mehrfache englische Angriffe östlich Albert bis zur Somme brachen verlustreich zusammen. Zwischen Ailette und Aisne wurden Angriffe der Franzosen ab- gewiesen. W. T. Großes Htittp-qrmrUer, der» 23. AttgM Amtlich. Westlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppen Kronpr inz Rupprecht und B o e h n. Erfolgreiche Vorfeldkämpfe südwestlich von Vpern. Beiderseits von Bailleul und nördlich des La Bassöe-Kanals schlugen wir feindliche Teilangriffe vor unseren Linien ab. Zwischen Arras und der Somme setzte der Englärrdor seine Angriffe fort. Starte, von Panzerwagen geführte Infanterie ttieß am frühen Morgen zwischen Neuville und St. Leger vor. Cie brach unter schweren Verlusten vor unseren Linien zusammen. In St. Leger stehende Posten wichen befehlsgemäß auf die Kampflimen östlich des Ortes aus. Auch vor Mary scheiterten Angriffe oes Feindes. Starke feindliche Kräfte stürmten mehrfach gegen unsere nach den Kämpfen des 23. August westlich Vehagnies-Vapaume-Warlancourt verlaufende Front an. Der Schwerpunkt der Angriffe unter Einsatz zahlreicher Panzerwagen war gegen Bapaume selber gerichtet. Die Angriffe brachen zusammen. Leutnant Eberhard schoß hier in den letzten Tagen acht Panzerwagen zusammen. Gegen unsere von der Ancre abgesetzten Linien drängte der Feind scharf nach und brach am Nachmittag aus Coureelles und Pozieres hinaus zum Angriff gHgen Martinpuin-Dazentin vor. Preußische Truppen stießen im Gegenangriff in dte Flanke des Feindes und warfen ihn über Pozieres hinaus zurück. Von östlich Albert bis zur Somm? suchte der Feind in mehrfachen starken Angriffen unsere Linien zu durchstoßen. In sechsfachem Ansturm gegen die Mitte der Kampffront führte der Feind wieder zahlreiche Panzerwagen voran. Preußen, Hessen und Württemberger schlu- gen den Feind zurück. Sie stießen ihm bis La Boiselle und über die Chauffee Albert-Vraye hinaus nach und fügten ihm schwerste Verluste zu. Die hier nach Abschluß der Kämpfe aus der Eefamffront weit in den Feind hinein vorspringenden Linien wurden während der Nacht zurückverlegt. Von der Somme bis zur Oise blieb die Eefechtstätigkeit auf Artilleriefeuer und kleinere Znfanteriekämpfe nördlich von Roys und westlich der Oise beschränkt. An der Ailette flaute die Kampftätigkeil ab. Zwischen Ailette und Aisne folgten gegen Crecyau-Mout und beiderseits von Chavigny heftigem Feuer mehrfache starke, im besonderen bei und südlich von Chavigny in dichten Wellen vorgetragene Angriffe. Sie wurden unter schwersten Verlusten für die Franzosen abgewicsen. Kavallerie-Schützenrogimenter taten sich hierbei besonders hervor. Unsere Bombengeschwader warfen in der Nacht zum 25. auf Hafenanlagen, Bahnhöfe, militärische Anlagen und Truppen- lagor des Feindes 75,000 Kilogramm Bomben. Der Erste Gcncralquarticrmcister: Ludendorff. Adendl-ericht. Berlin, 25. August, abends. sWTB. Amtlich.) Schwere englische Angriffe zu beiden Seiten von Bapaume. Der mit gewaltigem Kräfteeinsatz versuchte Durchbruch des Feindes ist gescheitert. Eigene Gegenangriffe zur Wiedergewinnung des verlorenen Bodens sind noch im Fortschreiten. Diele zerschosiene Panzerwagen liegen vor und hinter unseren Linien. Starke Angriffe der Franzosen südlich der Ailette, deren Haupikraft durch eigenen erfolgreichen Angriff gebrochen wurde. Dev österreichische Generalstab i==^= meldet: Wien, 24. August. Amtlich wird verlautbart: Italienischer Kriogsschcnlplatz: Bozen und Eries wurden in der Nacht zum 23. August von italienischen Fliegern heimge- fucht. Der Feind warf über 30 Bomben ab, tötete mehrere Einwohner und beschädigte das Krankenhaus. An der Front keine größeren Kampfhandlungen. Albanien: Streitkräfte des Generalobersten von Pflanzer- Baltin haben am 22. August zwischen Berat und Fieri die feindlichen Linien durchstoßen und ihren Angriff bis an die Höhe südlich von Kumari vorgetragen. Gleichzeitig brachen wir nordwestlich von Berat in die italienischen Stellungen ein. Gestern wurden die Erfolge bei Berat erweiterl und heftige Gegenangriffe abgeschlagen. Auch im Eebirgslande von Siloves gewannen unsere braven Truppen Raum. Unsere Flieger bombardierten mit Erfolg die Fluganlagen von Valona. Der Chef des GeneralstabeS. * Wien, 25. August. (WB.) Amtlich wird verlautbari: Italienischer Kriegsschauplatz: Nichts Neues. Albanien: Unsere Angriffe schreiten erfolgreich vorwärts. Nach erbittertem Kampfe find gestern nördlich von Fieri die italienischen Brückenkopsstellungen gefallen. Unsere Truppen haben in der Verfolgung den Semem übersetzt. Auch bei Berat und im Siloves-Gebirge erzielten wir weitere Fortschritte. Die Bombenangriffe unserer Flieger auf Valona wurden fortgesetzt. - Wien, 25. August, abends. (WTB. Nichtamtlich.) Amr. lich wird verlautbart: Die Truppen des Generalobersten v. Pflanzer-Baltin haben Berat und Fieri genommen Der Ches des Generaistabes. Der bliigariscke Gcneralstab ======== meidet: ==, Sofia, 21. August. (WB. Nichtamtlich.) Generalstabsbericht. Mazedonische Front: In der Moglena-Eegend und südlich von Huma zerstreuten wir durch unser Feuer feindliche Sturmabteilungen, die sich unseren vorgeschobenen Posten zu nähern versuchten. Beiderseits des Wardar hielt die beiderseitige Ar- tillerietätigkeit in bemerkenswerter Stärke an. Auf dem Vor- gelände nördlich des Tahino-Sees zersprengte unsere Artillerie feindliche Erkundungsabteilungen. Sofia, 24. August. (WB.) Generalstabsberiebt 23. Allgust. Mazedonische Front: Im Cernabogen nördlich ^ Dorfes Rapescht und westlich vom Dobropolje war das beiderseitige Ai tilleriefeuer zeitweise ziemlich heftig. West- lich des Wardar hielt die beiderseitige Feuertätigkeit mit wechselnder Stärke an. Südlich von Huma zersprengten wir durch Feuer eine feindliche Jnfanterieabteilung, die nach Feuervorbereitung an unsere vorgeschobenen Gräben heranzukommen suchte. Nach viertägiger Artillerievorbereitung griff ein englisches Bataillon unsere vorgeschobenen Posten bei Altschak Mahle an, wurde aber durch unser Feuer zersprengt bevor es unsere Drahtverhaue erreichen konnte. Beiderseits des Wardar südlich von Doiran vertrieben wir mehrere englische Sturmabteilungen. Auf dem Vorgelände westlich von Serres machten unsere Infanteriegruppen griechische Gefangene. Der deutsche Vizefeldwebel Fieseler errang seinen 13. Lufffieg, indem er ein feindliches Flugzeug hinter unseren Stellungen östlich der Cerna abschoß. 15 000 Tonnen versenkt. Berlin, 24. August. (WB. Amtlich.) An der Ostküste Estlands versenkten unsere U-Boote außer mehreren kleinen Fahrzeugen vier Dampfer, teils aus Geleitzügen heraus, insgesamt 15 000 Brt. Der Chef des Admiralstabcs der Marine. Weitere Versenkungen. Bern. 23. August. (WV.) Der „New-York Herald" läßt sich aus einem Golfhafen berichten: Laut einer hier eingegangenen Privatnachricht wurde der englische Dampfer „Atlantian" torpediert und versenkt. Verluste sind dem Bericht zufolge nicht entstanden. Tag und Unglücksstelle werden nicht angegeben. Das Schiff war mit Munition beladen. Die „Atlantian" hatte ein« Besatzung von 65 Offizieren und Mannschaften und ging am 28. Mai von Europa ab. Ob das Schiff auf dieser Reise versenkt wurde, ist nicht bekannt. Der „Atlantian" gehörte zur Leyland- linie, war ein Schiff von 9399 Raumtonnen und ist im Jahre 1895 gebaut worden. Die hier eingegangenen Drahtungen, die die Versenkung nrelden, enthalten keine Einzelheiten. Paris, 24. Arlgust. (WB.) Nach einer Meldung des „Temps" wurde der englische Dampfer „Bandy" zwischen Malta und Sizilien torpediert, konnte aber trotz eines großen Leckes auf der Steuerbordseile nach Toulon geführt werden, wo er wieder in Stand gesetzt wird. Mlge iinlfw LiilißmtkMk. Berlin, 25. Aug. (WB.) Bei günstigem Wetter fcim* fen unsere Luftstreitkräfte am 21., 22. und 23. August im Kampfe gegen Luft- und gegen Erdziele die Trirppe auf der Erde wirkungsvoll unterstützen. Ein Kraftwagen geschütz vernichtete sieben, eine Jagdstaffel zwei feindliche Panzerwagen. Unsere Bombengeschwader griffen militärische Ziele vor den Hauptkampsfronten mit mehr als 180 Tonnen Sprengstoff an. Bomben wurden u. a. aus dein Bahnhof von Arras, in Compidgne, Les Haies, Avesnes-le-Comte, Pierrefolrds, TracU le-Mont. in Bahnhof und Stadt Vic. Dmie a«f die Flughäfen von Ochey und Luneville abgs- vorfen. Auf dem Bahnhof von Crevecoe-ur folgte einer ästigen Explosion ein Brand. Der Bahnhof von Villers- Lotterets wurde von zahlreichen Bornbeu großen Kalibers aufs schwerste beschädigt. In erbitterte« Luftkämpfen verirr der Gegner 81 Flugzeuge, davon allein sieben aus dem am 22. August gegen Karlsruhe angesetzten Geschwader. Unsere eigenen Verluste betrugen 14 Flugzeuge. Leutnant Udet errang an: 22. seinen 57. und 58., am 23. seinen 59. 'ind 60. Luftsieg. Die französischen Kleinianks. Genf, 23. Aug. Im „Pettt Parisien" veröffentticht der Deputterte Abel Ferry einen Artikel über die kleinen französischen Sturmkraftwagen, die bei der gegenwärtigen Offensive zum ersten Mal in großer Zahl zur Anwendung kommen. Die Anregung zum Bau derartig«? kleiner Sturme wagen ist demnach von zwei Mitgliedern des Parlaments ausgegangen, den Sozialisten Aubriot und Breton, die schon im Sommer 1915 die Budgetkon:mission bestimmten, den Kriegsminister zum Studium der Nützlichkeit kleiner Tanks in großer Menge aufzufordern. Infolge dieses Studiums wurde der General Etienne im Januar 1916 ermächtigt, mit dem Großindusttiellen Renault in Verbindung zu treten zur versuchsweisen Herstellung von kleinen gepanzerten Kraftwagen. Im Oktober 1916 wurden die Pläne entworfen und im März 1917 konnten die ersten Probefahrten ausgefiihrt werden. Jni Mai 1917 gab General Main die Ermächtigung zu einer endgültigen großen Bestellung, aber das Kriegsministerium wollte die Dringlichkeit der Lieferung von Panzerplatten für die Sturmwagen nicht zugestehen. Es bedurfte eines neuen Eingreifens der Parlamentskommission, um die Angelegenheit wieder in Fluß zu bringen. Als die Deutschen in diesem Frühjahr bei Amiens und Montdidier vorrückten, suchte sich die Budgettommission, wie der Abg. Ferry erzählte. Rechenschaft über.die Ursachen der französischen Katastrophe abzulegen. Sie entdeckte auch, mit welcher Nachlässigkeit im Kriegsministerium die Herstellung der kleinen Sturmwagen behandelt worden war. Sie stellte den Rüstnngsminister Loucheur zur Rede, der sofort eingriff und die französische Industrie dazu brachte, in den letzten Monaten mehrere tausend kleiner Tanks herzustellen, die sich besonders im Zusammenwirken mit der Infanterie ausgezeichnet bewährten. Der Deputierte Ferry verlangt, daß die Fabrikation noch verdoppelt werde. Schwerer Wllrerrechtsbrnch. Berlin. 25. August. Die „Rordd. Allg. Ztg." schreibt' Am frühen Morgen des 15. August stieß eine feindliche Abteilung von 80 bis 100 Mann in deutschen Stahlhelmen mit dem deut. schen Ruse: „Nicht schießen!" westlich von Tangelare vor und «mrde. als man das Richtige erkannte, in heftigem Rahkampfe «eworfen. Der Führer der feindlichen Abteilung trug eine der Äffchen ähnelnde Offiziersuniform. Es handelt sich hier um einen schweren Völkerrechtsbruch. Die Haager Abinachung verbietet ausdrücklich das Anlegen von Uniformstucken des Feindes. Rußland. Die Kampftage Moskau, 22. August. (WV.) Meldung der Petersburger Telegcaphenagentur. An der Front von Somiretfchensk haben die. Sowjettruppen eine 2000 Mann zählende Abteilung der Tschecho-Slowaken geschlagen., die einen Angriff auf Semipola. tinsk unternahmen. An einer anderen Stelle dieser Front besetzten die Sowfttttuppcn die Stadt Kapal. Der geschlagene Feiw) wurde in die Berge zuruckgedrängt. Die Stimmung in unserer Armee ist zuversichtlich. Es herrscht eine straffe Disziplin. Die Bauern organisieren Abteilungen zur Unterstützung der Sowjetttuppen. An der Askabader Front nahmen unsere Truppen durch günstige Unternehmungen die Statton Utsch- chodschi ein. In Orenbnrg kam es zu Stteitigkeiten zwischen Kosaken und Menschewiki, die zur Verhaftung der Führer der Menschewiki führten. Im südlichen Teil k^r Front nahmen wir im Kanrpf das Doyf Zepkova, südöstlich von Nowaja Kalitwa. der Tagend von Irlan trieb unsere Eskadron eine feindliche Abteilung auseinander, die sich hinter den Fluß Matscher zurückzog, wobei sie Tote zurückließ. An den anderen Fronten fanden kleine Zusammenstöße statt zwischen Patrouillen. Der^ Verpflegungskomm iffar macht Mitteilungen über die heldenmütigen Taten des litauischen Sowjetregiments, dessen Disziplin in den Kämpfen vom 4. Mai und vom 6. August lobenswert war. Moskau. 23. August. (WB.) Die hiesige Presie meldet: ^,m Nordkaukasus-Abschnitt zogen sich die Nätetruppen unter dem feindlichen Druck nach Zarizyn zurück. Auch im Abschnitt von Iekalerinburg gehen die Nätetruppen zurück. Im Abschintt von Onega sind die englischen und französischen Truppen weiter prruckgegangen. Die Zerstörung der Strecke Iamburg—Petersburg wird besiättgt. Kie«, 23. August. (WV.) „Kiewskaja Myft" werdet, daß -ie Donkosaken im Norbdongebiet ins Saratowsche Gouverne- Ment eingedrungen sind und die Eisenbahnlinie Tamoow—Ka- myschin erreicht haben. Außerdem wurde das Wolgaufer nördlich Zarizin besetzt. — In den von Kosaken besetzten Gebieten 1-es Saratowschen und Woronesch'schen Gouvernement wurden laut Ukrainischer Telegraphenagentur die früheren Regierungsbehörden und Selbstverwaltungsorgane wiodechergestellt. Moskau, 22. August. (WB.) Die „Prawda" meldet: Die Tunnels am Südwestufer des Baikalfees fielen den Truppen der sibirischen Regierung unversehrt in die Hände. Der Verkchr fiitoet bis Tunnel 36 statt. Laut „Sibirfkaja Rietfch" befinden ftch die Tunnels des östlichen Teiles in der Gewalt der Bolfche^ wtnfan. Tunnel 39 Wt von den Bolschewisten aeisprenat worden. Die „Pvawda" meint, daß die Gegner infolge dieser Sprengung nicht mehr imstande seien, gwße Opevatione» gegen hie Räte- gewalt in Tvansbaitalren zu führen. Die Intervention in Sibirien. Eine Erklärung der japanischen Regierung. Tokio, 13. Aug. (WB.) Havas-Meldung. Die japanische Negierung veröffentlicht folgende Erklärung: „Die Aufmerksamkeit der japanischen Regierung wurde jüngst auf die zunehmende Tätigkeit hingelenkt, die von deutschen und österreichisch^ungarischen bewaffneten Gefangenen in Sibirien an den Grenzen der Mandschurei entfaltet wird. Diese Gefangenen, die praktisch das Kommando über die Streitkräfte der Sowjets übernommen haben, marschieren gegen die chinesische Grenze mit Richtung auf die Stadt Manschuli. Die drohende Gefahr zwang zahlreiche lapanische Einwohner dieser Stadt, die Flucht zu ergreifen. Die Lage enthält eine unmittelbare Drohung für das chinesische Gebiet und ist von nicht minderem Interesse für Japan angesichts der Bande engster Solidarität, die es mit China verbindet. Die beiden Regierungen waren der Ansicht, daß ein gemeinsames Vorgehen notwendig sei. In Anbettacht dieser Tatsache ivairde als vorläufige dringende Maßnahme beschlossen, daß ein Teil der japanischen Truppen, die gegenwärtig sich in der südlichen Mandschurei befinden, den soforttgen Befehl erhalten soll, sich in Richtung auf Manschuli :n Bewegung zu sehen. Diese Truppenbewegung wurde von dem Geist harmonischen Zusammengehens zwischen Japan und China gegenüber der drohenden Gefahr beherrscht. Bei dieser Gelegenheit wird die japanische Negierung die Souveränität Chinas peinlich achten, ebenso wie die Rechte und Interessen der dortigen Bevölkerung. Die beiden Regierungen geben fick» der Hoffnung hin, daß die angeführte Maßnahme in großem Maße dazu dienen werde, die Beziehungen gegenseitigen Vertrauens und guter Nachbarschaft zwischen den beiden Nationen zu entwickeln. Zusatz des W. T. B.: Wie wir von zuständiger Stelle erfahren, liegen keinerlei Nachrichten vor, die die Angaben der japanischen Regierung bezüglich der deutschen, öfter- ieichischcn und ungarischen Kriegsgefangenen in Sibirien irgendwie bestätigen könnten. Die Lage unserer Kriegsgefangenen ist vielmehr die daß sie, besonders infolge der Besetzung der sibirischen Bahn durch die Tschecho-Slowaken, Sibirien zurzeit nicht verlassen können. Wenn es jetzt von kindlicher Seite so dargestellt wird, als hätten unsere Kriegsgefangenen eine Truppenmacht gebildet, der entgegen- getteten werden müsse, so ist das nur ein Vorwand, um die eigentlichen Einmischungs- und Annerionsabsichten unserer Feinde gegenüber Rußland zu verschleiern. Ans des TaseMtru füSsalans’ !!. Dis „Praroda" fetzt die Veröffentlichung der Tagebuchauf- zeichnungen des letzten Zaren aus der Zeit nach seiner Absetzung fort. Die Bemerkungen, die Nikolaus II. im Laufe des Monats Juli 1917 über die Entwicklurig der inneren Politik und über die Kriegslage niederschrieb, sind nicht ohne Intcresie. 19. Juni,'2. Juli. Montag. Wetter verhältnismäßig kühl. Der Tag verlief wie immer. Gerade vor dem Esten kam die gute j| Nachricht von der begonnenen Offensive an der Südwestfront. J In Richtung Selotfchrwsk haben unsere Truppen nach zweitägi- ' gern Artilleriefeuer die feindlichen Stellungen durchbrochen und jj ungefähr 170 Offiziere und 10 000 Mann gefangen, 0 Geschütze j und 21 Maschinengewehre erbeutet. Dank sei dem Herrn! Bei Gott, zur guten Stunde! Nach dieser freudigen Nachricht fühle ich mich ganz anders. 26. Juni 9. Juli. Montag. Der Tag war herrlich. Unser guter Kommandant Oberst Komplinskij bat mich, den Offizieren vor fremden Leuten nicht die Hand zu geben und die Wachmannschaften nicht zu grüßen. Bisher tat ich das einigemal, aber sie erwiderten den Gruß nicht. Beschäfttge mich mit Alcxej über Geographie. Wir zersägten eine riesenhafte Tanne nahe beim Gitter, hinter der Orangerie. Die Wachmannschaften selber wollten uns bei der Arbeit helfen. Abends las ich „Graf Mont-errifto" zu Ende. 5. /18. Juli. Mittwoch. Den ganzen Morgen regnete es, erst gegen zwei Uhr hellte sich das Wetter auf. Abends wurde es kühl. Den Tag verbrachte ich wie immer. In Pt-iers-urg waren dieser Tage Unruhen mit Schießereien. Aus Kronstadt kamen gestern viele Soldaten und Ma- ttofcn, um gegen die Provisorische Negierung zu marschieren. Vollständige Verwirrung. Wo sind die Männer, die diese Bewegung in die Hände nahmen und den Streitigkeiten und dem Blutvergießen ein Ende machen könnten? Der Same alles Bösen ist in Petersburg selber, nicht in ganz Rußland. 6. /19. Juli. Donnerstag. Glücklicherweise ist die überwältigende Mehrheit der Truppen in Petersburg ihrer Pflicht treu geblieben und die Ordnung ist auf den Straßen wiederhergestellt. Das Wetter war wundervoll. Hatte einen guten Spaziergang mit Tatjana und Walja. Tagsüber arbeiteten wir tüchtig im Wald, legten vier Tannen nieder und zersägten sie. Abends begann ich „Tartarin de Tarascon". 8./21. Juli. Samstag. Schöner heißer Tag. Ich mar im Park mit Tatjana und Maria. Tagsüber arbeiteten wir an denselben Stellen. Gestern und heute waren die Wachen korrekt in der Dienstleistung und Fernhaltung von Lärm im Gar- ren wahrend unseres Spaziergangs — vom 4. Schützen- und 1 . Schütz enregrment. Im Bestand der Regierung sind Veränderungen eingetteten. — Fürst Lwow ist ausgetreten und Ministerpräsident wird Ke- renskij, der gleichzeitig Kriegs, und Marineminrster bleibt und noch das Handels- und Industrieministerimn übernimmt. Dieser Mann ist im gegenwärtigen AugeEH sicherlich am rechten Platz; je mehr Macht er hat, desto bester wird es fein. 11V24. Juli. Morgens mit Alexi spazieren gegangen. Rach der RücWehr horte ich, daß Kerenskij angekommen war. Im Gespräch erwähnte r unsere voraussichtliche Abreise nach dem Süden, wegen der Nähe Zarskoje Selos bei der unruhigen Hauptstadt. ' Anläßlich Olgas Geburtstags gingen wir zum Gebet. Nach dem Frühstück tüchtig gearbeitet: zwei Tannen umgelegt, wir haben schon cm die 70 Bäume zersägt. Las den dritten Teil der Trilogie „Peter" von Meräshkowskij zu Ende, gut geschrieben, macht aber einen schweren Eindruck. 13-/26. Juli. Donnerstag. In den letzten Tagen kommen schlechte Nachrichten von der Südwestftont. Nach unserem Vorstoß haben bei Halttsch viele Truppenteile, die plötzlich von der scheußlichen desaitisttschen Lehre angesteckt wurden, nicht nur sich geweigert, vorzugehen, sondern in einigen Orten sind sie durchaus nicht unter dem Druck des Feindes zurückgegangen. Die Deutschen und Oesterreicher nutzten diese für sie günsttgen Umstande aus und brachen mit geringen Kräften in Südgalizien durch, was die ganze Südwestftont zwingen kann, nach Osten zurückzugehen. Einfach schändlich und niederschmetternde Heute hat die Provisorische Negierung endlich verfugt, daß auf dem Kriegsschauplatz die Todesstrafe eingeführt wird für die des Hochverrats Schuldigem Wenn die Maßnahme nur nicht zu spät kommt. Der Tag war grau, warm. Wir arbeiteten an der nämlichen Stelle, beim Durchhau, fällten drei und zersägten zwei Bäume. Nach und nach fange ich an, die Sache» und Bücher zu verpacken. Deutschland und Spanien. Berlin, 24. Aug. Wie die „Voss. Ztg." hört, hätte die deutsche Negierung in den bisherigen Verhandlungen mit Spanien auf die Unmöglichkeit hingewiesen, einem einzelnen Staat zuliebe die Wirksanrkeit der U-Bootwaffe in Frage' zu stellen. Immerhin dürste aber die Möglichkeit bestehen, durch größere Schonung der spanischen Schiffe innerhalb des Sperrgebietes die Interessen des befreundeten Staates zu berücksichtigen. Das Blatt schreibt weiter: Die in der Presse unsrer Feinde mit großer Genugtuung hingestellte Behauptung, zwischen Deutschland und Spanien bestehe ein ernster Konflikt, beruht auf einer sehr starken Uebertreibung. Die spanische Regierung hat durch ihren Botschafter noch- mals ihren festen Willen kundgetan, die Neutralität streng zu beobachten, und in Deutschland hat man volles Ber- trauen zu dem stark entwickelten Ehrgefühl der spanischen Nation, daß es nicht zugelassen wird, daß Spanien in ^ hängigkett von den Befehlen der Entente gelange. F!«O $mm Schrki nach Kotchn. Lonhsn, 22. W.gust. (Reuter.) Bei einer Veranstaltung zugunsten bes Roten Kreuzes sagte Lloyd George in einer Rebe' Der Krieg ist ein Geschäft, das wir durchführen muffen. Der Geba.'cke an die Art uck> Weise, wie unsere Soldaten für die Freiheit der Welt gekämpft haben, erfüllt mich mit Bewunderung und Stolz. Hätte ihr Mut geschwankt, so wäre die Freiheit der Wett von dem unbarmherzigsten Despottsmus, den die Welt je gesehen hat, zermalmt worden. Wenn in diesem Augenblick der Despotismus einen Mißerfolg erlitten und sein Ziel nicht erreicht hat. so ist es allein der Tapferkeit der Mannschaften zu da»rken. Ueber die Notwendigkett der Ersparung von Kohle jagte Lloyd George: Alle, die helfen, daß mehr Kohlen erzeugt werden, helfen damit den Sieg erringen. Ich fteue nrich mehr über die bedeutsamen Ausrufe des französischen Ministerpräsidenten und eines der glänzendsten Strategen des Krieges, des großen Marschalls Fach, sie haben sich besonders an die Bergarbeiter in England gewandt, damit diese durch \ gesteigerte Kohlenerzeugung Frankreich unterstützen. Das mm» - beste, was wir für dieses tapfere Volk tun können, ist, ihm mit Kohlen für die Munitionsfabriken, Heimstätten und Industrien zu helftu und es in ben Stand zu setzen, seine Ehre zu verteidigen. Redner schloß: Ich wünsche, daß Millionen Tonnen Kohlen rvührcnd des Winters gospart werden, damit sie in die Hochöfen geschüttet werden können, um Granaten. Schiffe und Kanonen herzustellen und auch Frankreich zu helfen, und das kann erreicht werden. - - Kronprinz Nnpprechts Verlobung. München, 25. Aug. (WB.) Die Korrespoiidenz Hofft mctrm meldet amtlich: Der König hat bei der heutigen Familientafel, die anläßlich feines Namensfestes statffand, die Verlobung des Kroiiprmzen Rupprecht mit Ihrer Groß- herzoglichen Hoheit der Prinzessin Antonia von Luxeinbnrg. bekanntgegeben. Kerne Reichstagseinberufimg. Berlin, 25. Augnst. (WB.) Die heute morgen voll' einem ^Berliner Zenttumsblatt verbreitete Meldung, daK mit einem baldigen Zusammentritt des Reichstages zu retfj* neu sei, trifft nicht zu. Es ist weder die Einberufung des! Reichstages noch die des Hauptausschusses geplant. Ein! Grund dazu liegt auch nicht vor, da seit den Besprechungen der Fraktionsführer mit dem Stellvertreter des ReichLkanzi lers keine Veränderung der politischen Lage eingetteten \\L Eine drohende Wchnot in der Zchwch. Im Milchlanbe, in ^er Schweiz» eine Milchnot! Fast fft m] nt$t zu glauben und doch ist es so. Mir lesen in den „NeueW Zürcher Nachrichten": 4 j Uns droht auf den Winter eine M i l ch n o t Die Futter» ernte i5t vielerorts zum Erschrecke» twapp ausgefallen. (kO wird eine Masse Dich beseitigt werden müssen. Es sind darum schon jetzt alle diejenigen Maßnahmen in Aussicht zu nehme«, die das bisherige Milchguantum wem-gstens für Kinder, Frauen und alte Leute sichern. Ferner dürfte die Beschlagnahme aller Vorräte an kondensierter Milch durch den Staat Unverzüglich an die Hand zu nehmen sein. Was die Uankees wollen. Washington, 2t. August. (Reuter) Senator Lüdge sprach im Senatsautzschuß für auswärtige Angelegenheiten zum Heeresgesetz und warnte vor der hinterhältigen deutschen Friedensstimmungsmache. Der Friede wird diktiert und darf nicht mit Deutschland verhandelt werden, damit es nie wieder im Stande ist, den Weltfrieden zu stören. Im einzelnen müssen Deutschland folgende Friedensbedingungen aufgezwungen werden- Vollständige Wiederherstellung Belgiens, bedingungslose Herausgabe Elsaß-Lothringens und der italienischen Gebiete Oesterreichs. Sicherheit Griechenlands, Unabhängigkeit Serbiens und Polens und Slawen- freiheit Rußlands von deutscher Herrschaft, einschließlich der Rückgabe des russischen Gebiets, das durch den Vertrag von Brest-Lrtowsk entfremdet wurde. Ferner muß Konstantinopel zu einem Freihafen gemacht werden. Palästina darf nie wieder unter türkische Herrschaft zurückkehren. Die wichtigste Won allen Friedensbedingungen ist, daß die großen slawischen Volksteile m Oesterreich, nämlich die Jugo-Slawen und Tsthecho-Slowaken unabhängige Staaten werden müssen. Diese im Verein mit den Polen werden dem Vormarsch Deutschlands nach dem Osten im Wege stehen. Was das deutsche Volk betrifft, so denkt natürlich niemand daran, es z» vernichten. Wir sind nicht im Kriege, um den Versuch zu machen, Deutschlands Regierungsform zu ordnen, das müsst. - die Deutschen selbst tun. Das eiserne Kren;. In den ab gelaufenen vier Kriegsjahren, bis zum 1. Äug. 1918, ist das Eiserne Kreuz erster Klaffe etwa an 135 000 Inhaber verliehen worden. Eiserne Kreuze zweiter Klaffe sind über 4 X A Millionen zur Verteilung gelangt. In der Heimat wurden etwa 6500 Personen mit dem Eisernen Kreuz am schwarz-weißen Bande ausgezeichnet, eine Zahl, die gegenüber den im Felde verliehenen Eisernen Kreuzen kaum in Betracht twirmt, namentlich wenn man berücksichtigt, daß sie sich auf den Zeitraum von vier Fahren verteilt. Das Großkreuz des Eisernen Kreuzes tragen, außer dem Kaiser, bisher vier unserer Feldherren, nämlich die General- feldmarschälle v. Hindenburg, v. Mackensen, Prinz Leopold von Bayern und der Erste Eeneralguoallermeister General der Infanterie Ludendorff. Das Eiserne xreuz mit Strahlen (das Blücherkreuz) besitzt lediglich Generalfeldmarschall von Hinden- burg. Lohne der Grnlearbeiter. Kiel, 20. August. Ein Inserat von erfrischender Deutlichkeit "wird im „Fehm. Wochenblatt" veröffentlicht. Es besagt: „August Scharliß ist mit 200 kräftigen Erntearbeitern aus Fehmarn eirlgetroffen und will mit seinen Leuten arbeite, wenn ihnen an Taglohn wenigstens 20 Mark mit freier Verpflegung gezahlt wird. Es wird nicht billiger gearbeitet. Meldungen können beim Gastwirt Oldsrog in Petersdorf abgegeben werden. Falls ein Tagelohn von 20 Mart nicht bewilligt wird, karm und darf von diesen Arbeitern keiner bei den Bauern in Arbeit gehen." Die schöne Spekulation des Herrn Scharliß auf die Leute- en und Fichten lichtgrüne Spitzen und in schimmernden Moo^ sen die weißen Sterne der ersten Erdbeerblüten. Ein warmer, würziger Duft flog wie eine Molke durch die maigvüne Welt und hüllte alles in eine brütende Schwüle. Käfer surrten im Eva-fe, und Schmetterlinge taumelten trage durch die blaue Luft, und die weißen Schwäne auf dem blauen See tauchfan tief ihre schlanken Hälse in die kühle Flut, auf deren krausen Wellen tausend Sonenlichter schillerten. Den moosigen Waldweg entlang, der um den Evunewald- see herum führte, schritt eine schlanke Frauengestalt. In ihren braunen Haarwellen, die unter einem großen mit weißen Mohn- llüten geschmückten Strohhut hervorquollen, spielten auch die Sonnenlia)ter, und in ihren seegrünen Augen tanzten goldene Funken. Mirena nahm nachlässig das weiße Gewand enger zusammen und spähte forschend in die Ferne. „Merkwürdig, wenn er von der Bahn kommt, kann er keinen anderen als diesen Weg nehmen, und doch harre ich nun schon den dritten Tag vergeblich auf ihn. Es wird nachgerade langweilig, abgesehen davon, daß es auch sehr ermüdend bei der £ yr:iw, ^ lCt stundenlang spazieren zu gehen. Ah, da ist er. Aber wenn die Augen auch jubelnd aufblihten, keine Bewegung bekundete, daß sie die in der Ferne austauchende Männernestalt gesehen. Anscheinend gleichmüttg prüfte sie ringsumher den moosigen Waldboden. um sich endlich, nachdem sie die verschiedensten Lagerplätze erprobt, lang am Boden auszusttecken um. nachdem sie den Hut von dem weichen Lockenhaare genom.' men. anstpeinenid gedankenlos unter dem roten Schirme in die s°n^flimm-rwde J?uft ju starren. Tine Weil- lug sie ^ still mit klopfenden, Her^n und lauschte auf das N-iherkvmmen der isairitte, die sie so heiß ersehnte. _ Wenn er voriibevging? Wenn er sie gor nicht bemerkte' ST.« ?l tD ‘ tT Ct mußte sie sehen. Jetzt klanff der ~ ieS * mu6fc CI 8^3 nahe sein r * ~ OT Fte bemerkt? Mirena Mmjrite in die Sonn«, aber sie wandte den Blick nicht dem und sie eine ganie ^eii7stumm ^, £'. ,^b -ch wandte sie, langsam den Blick, aber welch iet mt vot ^ M »Nb auf Ho>l«ers Antlitz «berflog eine helle Röte. Tr nahm den «rohen, weißen Pananiastrohhnt von der vom Laufen erhitzten Stirn und sagte im Kampfe zwischen Lachen und Aerqer' Das muß ich sagen, finde ich toll. Wie ich da fo genrlltl.ch um den &et färeite und den roten Sonnenschirm zwischen den Bäumen austauchen sah. denke ich: Nanu, was ist denn das für ein vZ tucftes Frauenzimmer - verzeihen Sie, Frau Gräfin - das Mir» Verlobung beehren sich anzuzeige» hkr mutterseelenallein iw Walde Mmfpaziert = und wie ich «aber komme. Eie könen sich meinen Schreck vorstellen, find Eie es selbst." „Das Vergnügen werden Sie wohl noch öfter haben, mein werter Herr THoresen," sagte Mirena, ohne ihre nachlässige Stellung im geringsten -u verändern und lächelnd in die Sonne schauend. „So," gab Holger gedehnt zitruck. „Wieso denn?" „Ich bin Ihre Nachbarin, ich wohne hier, und der Weg ist also so gut mein wie Ihr Recht." „Ach, davon ist ja gar nicht die Rede," entgegnete Holger ärgerlich. „Ich meinte nur, es ist für eine Dame nicht ungefährlich, hier so allein herumzustreifen." „Natürlich," lächelte Mirena zurück, „wenn es zu solchen Begegnungen Veranlasiung gibt wie eben jetzt." Holger sah Mirena fast hilflos an. Machte sich diese Frau vielleicht noch über ihn lustig? „Sie wohnen also hier," sagte er, nur um etwas zu sagen, „dort drüben in der kleinen, weißen Villa? Aga hat mir schon davon erzählt." „Und Sie haben mir noch nicht mal Ihren nachbarlichen Besuch gemacht," schmollte Mirena und wandte den lockigen Kopf leicht zur Seite, während sie die roten Lippen leicht ge. öffnet hielt und mit einem so sinnverwirrenden Blick zu Holger aufsah, daß er ganz fasiungslos auf.sie hernieder starrte. „Wie konnte ich denn kommen." sagte er, wie zur Entschuldigung. „Ich war doch in Berlin." Sie nickte ihm gnädig zu und die weiße Hand zu ihm emporstreckend, sagte sie mit einem betörenden Lächeln: „Aber Sie werden gewiß kommen. Herr THoresen, nicht wahr, recht bald." „Gewiß, meine gnädige Frau." sagte er. nochmals den Hut lüftend und tief Atem holend, „wenn ich Ihnen angenehm bin." „Das fragt sich fahr," lächelte Mirena, kokett den Oberkörper ein wenig auftichtend und mit sehnsüchtigen Augen an ihm vorbei über den blauen See starrend. „Zuweilen Haffe ich die Männer und Männergesellschaft, aber zuweilen — da liebe ich sie. Es kommt also sehr darauf an. ob Sie den richtigen Moment treffen." r*- rc