Unmmer 197 Einzelpreis b \ 0 e RÄL Freitag, den 23. August 1918 1J. Jahrgang. Die ..Neue Tagesr-ttmrg" erscheint jeden Werktag. Regelmäßige Beilagen „Der Kauer aus Kessen", „Die Kpiunstube". Kerugspreia: Bei den Postanstalten vierteljährlich Mk. 2.40 hinzu tritt noch das Bestellgeld: bei den Agenten monatlich 85 Pfg. einschließlich Trägerlohn. Anzeigen: Grundzeile 25 Psg.» lokale 20 Psg., Anzeigen von auswärts werden durch Postnachnahme erhaben. Erfüllungsort Friedberg. Hchriftleitung und Derlag Friedberg (Hessen), Hanauerstraße 12. Fernsprecher 48. Postjheck-Lonto Nr. 4859. Amt Frankfurt a. M. Gewaltiges Wagen im Westen Grast angelegte Angriffe der Engländer jitdlich Arras gescheitert. Rücknahme der Front an der Aisne — Niederlage der Franzosen und Engländer in Rußland. 15 OVO Tonnen und zwei französische Dampfer versenkt. * """ — ' — - - - * Der deutsche Generalstab - meldet: ====s W. T. K. Großes Hauplqnartier, de» 22. August Amtlich. Westlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe Kronprinz Nupprecht. Im Kemmel-Gebict wurden feindliche Teilangriffe beiderseits der Straße Löter—Dranoeter abgewiesen. Südlich von Arras hat der Engländer ge-stern mit neuen ! großen Angriffen begcnuen. Englische Armeekorps und Neusee- i Länder waren zwischen Moyenneville und der Avre in Richtung auf Baupaume in tiefer Gliederung angesetzt. Das englische ! Kavallerie-Korps stand hinter der Front zum Einsatz bereit. ; Durch starkes Artillcriefeuer und mehrere hundert Panzerwagen i unterstützt, stieß die Infanterie des Feindes auf der 20 Kilometer ; dielten Front zum Angriff ocr. Bor unseren Schlachtstellungen drach der erste Ansturm zusammen: in örtlichen Gegenstößen nahmen wir Teile des dem Feinde planmäßig überlassenen Eelände- streijen wieder. Der Feind setzte seine heftigen Angriffe tagsüber fort. Ihr Schwerpunkt lag auf den Flügeln des Angriffs- .feLdes, sie sind völlig unter schweren Verlusten des Feindes ge- , scheitert. Der Versuch des Gegners, bei Hamel die Ancre zu überschreiten, wurde vereitelt. Eine große Anzahl zerschossener i Panzerwagen liegt vor unserer Front. Heeresgruppe Generaloberst v. Boehn. Zwischen Somme und Oise verlief der Tag ruhig. Südlich von Royon haben wir uns in der Nacht vom 20. zum 21. August kampflos vom Gegner etwas abgesetzt. Den ganzen Tag über lag das Artllleriefeuer des Feindes noch auf unseren alten Limen; zögernd fühlten am Abend stärkere Erkundungsabteilungen gegen das Tal der Divette vor. Die im Carlepont-Walde kämpfenden Truppen nahmen wir vom Feinde unbemerkt hinter die Oise zurück. Angriffe des Feindes, die sich hier gestern früh durch stärkstes mehrstündiges Artilleriefeuer vorbereiteten, kamen infolgedessen nicht zur Geltung. Zwischen Blerancourt und der Aisne setzte der Feind seine Angriffe tagsüber fort, nur bei Blerancourt konnte er Boden gewinnen. Die gegen die übrige Front gerichtete und am Abend mit besonderer Kraft beiderseits der Morfain- Schlucht geführter Ansturm brach unter schweren Verlusten für den Feind zusammen. Der Erste Generalquarliermeister: Ludendorff. Abeirdberkcht. Berlin, 22. August, abends. (WTB. Amtlich.) Teilkampfe bei Bailleul und südlich der Lys. Gewaltiges Ringen an der Ancre und Somme. Auf dem gestrigen Schlachtfeld nordwestlich Bapaume und an der Front zwischen Albert und Somme brachten wir groß angelegte Angriffe der Engländer durch Gegenangriffe zuni Scheitern. Angriffe der Franzosen zwischen Oise und Aisne vor unseren neuen Stellungen. Der österreichische Generalftab ,====== meidet: ===a Wien, 22. August. Amtlich wird verlautbart: Italienischer Kriegsschauplatz: Auf dem Monte Cimone wurde ein italienischer Vorstoß abgewiesen. Albanien: Ein aus österreichisch-ungarischen und deutschen Landfliegern und k. u. k. Seefliegern zusammengesetztes Geschwader griff die feindlichen Fliegeranlagen bei Vatona an. Es wurden zahlreiche Brände beobachtet. Unsere Flugzeuge kehrten vollzählig zurück. Der Ehcs des GencralstabeS. p . — Das türkische Hauptquartier » —- meldet: =- — Konstantinopel, 22. August. (WB. Nichtamtlich.) Gene- mlstabsbericht. Palästinafront: Westlich der Straße Jerusalem-Nablus entspann sich nachts ein kurzer Feuerkampf zwischen feindlichen Erkundungsabteilungen und unseren Postierungen, in den die beteiligten Artillerien eingriffen. Der Gegner wurde von uns Vertrieben. Tagsüber geringes Artilleriefeuer bei lebhafter Fliegertätigkeit. Osffront: In Nordwestpersien nimmt die Vorwärtsbewegung unserer Truppen den geplanten Verlauf. Auf den übrigen Fronten ist die Lage unverändert. 15000 Tannen versenkt. Im östlichen Mitrelmeer haben deutsche und österreichisch- ungarische N-Boote 15,000 Brnttoregistertonnen Schiffsraum versenkt. Der Chef des Admiralstaber der Marine. » Zwei französische Dampfer gesunken. Paris, 22. Aug. (WB.) Havas. Der Postdcnnpfer „Polynesien" (6373 Tonnen) der Messageries Maritimes mit serbisäpn Truppen an Bord geriet auf der Fahrt von Bizerta nach Salonik am Morgen des 10. 8. auf eine Mine und ging unter. Sechs serbische Passagiere, elf indische Heizer und zwei Mann der Besatzung werden vermißt. Der französische Danipfer „Balkan" (1709 Tonnen) der Compagnie Marseillaise de Navignaffon & Vapeur wurde auf der Fahrt von Frankreich nach Korsika in der Nacht vom 15. zum 16. 8. torpediert und sank in weniger als einer Minute. Bis jetzt wurden 102 Personen als gerettet festgestellt. Feindliche Fliegerangriffe. Fliegerangriff auf Karlsruhe. Karlsruhe, 22. Aug. Amtlich wird gemeldet: Zehn englische Flieger bewarfen heute 9 Uhr vormittags zweck- nnd wahllos die Stadt Karlsruhe. Der größte Teil der .Bomben fiel auf freies Feld. Außer einigem, an verschiedenen Stellen erheblichen Schaden an bürgerlichen Wohnungen sind leider eine Reihe von Opfern unter der Bevölkerung- zu beklagen. Es wurden neun Personen getötet, vier schwer und -zwei leichter verletzt. Die Hälfte des feindlichen Fliegergesck)waders, fünf Flugzeuge, wurden durch unsere Abwehrmittel vernichtet. Die Besatzungen fielen teils tot, teils lebend in unsere Hand. Fliegerangriff auf Köln. Köln, 22. Augnst. (WB.) Heute Nacht 2 Uhr wurde das Stadtgebiet von feindlichen Fliegern überflogen, ^s wurden einige Bomben abgeworfen, wodurch Sachschaden ent- staniden ist. Auch sind einige Verluste an Menschenleben zu beklagen. Fliegerangriff auf Zeebrügge. Haag, 22. August. Hollandsch Nieuws Bureau meldet aus Costburg: Von 11 Uhr bis 1 Uhr nachts wurde auf Zeebrügge, Brügge und Umgebung ein heftiger Bombenangriff genzackt. Die Abwehrgeschiitze waren sehr tätig. Auch die holländischen Abwehrgeschiitze bei Kadzand traten in Tätigkeit. Stil 18. Aliuili 10060 Gefangene »frloren? Seit einigen Tagen erleben wir wieder Tage gewaltigster Kämpfe im Wösten, unsere Wackerenn da draußen haben die heftigsten Anstürme der feindlichen Heerhaufen ans allen Weltteilen auszuhalten. Wie unsere Tagesberichte meldeten, sind alle feindlichen Anstürme unter fchiversten Verlusten für die Feinde gescheitert. Diesn Behauptung stehen aber die feindlichen Heeresberichte entgegen, d'e behaupten, die Stadt R o y e besetzt zu haben, 4 Kilometer vorgedvungen zu sein und seit dem 18. August über 10 000 Gesängeire gemacht zu haben. Danach würden die feindlichen Anstürme nicht gescheitert sein, sondern hätten Effolge gehabt. Es ist ja gewiß recht lobenswert, wenn wir im Gegensatz zu unseren Gegnprn auch die feindlichen Tagesberichte veröffentlichen. Sind aber diese Berichte gefälscht, so müßte doch unsererseits wenigstens eine Aufklärung darüber beigogeben werden. Im anderen Fall muß man doch annehmen, daß sie der Wahrheit entsprechen und das steht wieder mit un- jeven Berichten im Widerspruch. Rußland. Eine Niederlage der Engländer und Franzosen. Moskau, 22. August. Die Engländer und Franzosen, die sich mit den Tschecho-Slowaken vereinigt wollten, erlitten in der Richtung auf Onega eine schwere Niederlage Unsere Truppen schreiten vorwärts und haben die Station Tschekujewo, 80 Werft vor Archangelsk, zwischen Onega und Obosersk besetzt. Außerdem fiel ein Dampfschiff deS Gegners in unsere Hände. 50 Werft östlich von Obosersk ist der Feind vor dem Dorf Selezkaja zurückgeschlagcn worden. Die Versuche des Feindes, im Kasan-Rayon vorwärts zu kommen, scheiterten an der Standhafffgkeit unserer Truppen, die die Dörfer Jljinskaja und Sochanewo besetzten, zwei Ge» schütze und drei Maschinengewehre erbeuteten. Russischer Kriegsbericht. Moskau, 22. August. Von der nordkaukasischen Front: Wir besetzten nördlich Zarizin dis Dorf Pestschanla, wobei der Gegner 10 Maschinengewehre verlor. Ten letzten Mitteilungen zufolge besetzten unsere Truppen die Stadt Derbent. Die offiziellen Meldungen von der kaukasischen Front berichten von der wohlwollenden Stimmung der Be« völkerung der Sowjet-Regierung gegenüber. Die Mobilmachung der Bauern und Kosaken geht erfolgreich vorwärts; sie treten freiwillig der roten Garde bei. In unseren Abteilungen herrscht mustergültige Disziplin. Während unsere Truppen alle regmrierten Produkte bezahlen, zertriimmern die Banden der Kadetten die Lebensmittelläden und rauben Eßwaren und Geld. Der Erzar und Paincarö. Bern» 21. August. Die Zürcher Zeitschrift „Das Buch"» deren letzten Heften wir eine Unterredung ihres Gewährsmannes mit dem Zaren vor Kriegsausbruch entnommen haben, durch die neuerdings die Schuld Poincares am Kriege erhärtet wurde» veröffentlicht ttt dem dieser Tage erscheinenden vierten Heft einen „Offenen Brief an Herrn Poincarä", der weitere für den französischen Präsidenten schwer belastende authentische Aeuße- rungen des Zaren enthält. Wir geben folgende Stelle des offenen Briefes im Wortlaut wieder: „Sie wisien, Herr Präsident, ganz geirau, — und zwar aus derselben Quelle wie unser Ihnen bekannter Gewährsnrann — wie sich der Zar noch während Ihres Aufenthaltes in Rußland im Anschluß an das sogenannte Fviedensgespräch gegenüber jenem Großsüfften geäußert hat» mit dem Sie am selben Tage eine lange Unterredung hatten. Die Motte des Zaren: „Ich arbette für den Frieden Europas. Poin« carö fiir die Rückeroberung Elsaß-Lothringens", sind, wie Ci« wisien, recht weiten Kreisen bekannt geworden. Die für Sie, Herr Präsident, nicht gerade erfreuliche Tatsache, daß dieser Satz sich auch in den Aufzeichnungen des Zaren beffndet, die laut Dekret der russischen Regierung vom 19. Juli beschlagnahmt wurden, dürfte Ihnen via, London seit dem 23. Juli bekannt sein. Und ein weiterer auch Ihnen erreichbarer Zeuge, der die Worte des Zaren verbürgt: „In Poincares Ehrgeiz liegt eins Gefahr für den Frieden", und: „Erst wenn Poincares Präsidentschaft vorüber ist, halte ich den Frieden für gesichert" — auch dieser Zeuge ist, nachdem die Aufzeichnungen des Zaren beschlagnahmt sind, nicht mehr zu widerlegen. Das „Buch" stellt dem französischen Präsidenten drei Cpal« ten zum Zwecke einer Erwiderung und Rechffettigung gegen dis Anklage, der Anstifter des Krieges zu sein, zur Verfügung, indem es betont, daß es eine völlig unabhängige, völlig auf sich selbst gestellte neutrale Zeitschttft ist. Die iialienilchen Kriegsgefangenen-legionen. Wien. 20. August. (WB.) Aus dem Kriegspresiequartieff wird gemedet: Die Italiener machen die rücksichtslosesten Ans strengungen, um die österreichisch-ungarischen Kriegsgefangener* slawischer Nationalitäten zu zwingen, in der italienischen Ar« mee in Form besonderer Legionen Kriegsdienste zu nehmen. 61# verstoßen dabei gegen alle Bestimmungen des Völkerrechts. Wigern sich die Kriegsgefangenen, so werden sie disziplinarisch drangsaliert und mit den hättesten Strafen belegt. Ferner versucht man, den Kriegsgefangenen einzrueden, daß Böhmen bereits selbständiges Königreich geworden sei. Ja man läßt * falsche Nachrichten in die italienische Press« eintticken. um di# Kttegsgefcn^owen die Lügen glauben zu machen, die man ihne« «zählt. Mtt diesem schurkischen Vorfahren erzielten di« Italiener zwar einige Erfolge, wobei es sich meist um Mannschaften aus den Kreisen der sogenannten Intelligenz handelt, die ihren Fahneneid brechen, während die aus dem Bauernstand« rekrutierten Leute sich von den Derführungskünsten nur ausnahmsweise beeinflussen lassen. Tadellos verhalten sich insbesondere die Ukrainer. Die sogenannte rumänische Legion besteht vorläufig fast nur ans Offizieren, denn die Mannschaften wolle» von dom Uebettritt unter die italienischen Fahnen nichts wision. In die polnische Legion sind beinahe nur ehemalige polnischs Legionäre eingetreten, die in italienische Gefangenschaft geratenen Offiziere polnischer Zunge hielten dagegen an ihrem Eid» fest. Dieser Propaganda kann Oesterreich.Ungarn nicht länger untätig zuseh en, nicht weil wir befürchten mutzten, datz die Jta- Ibaiez unsere slawische Bevölkerung abtrünnig machen könnten; abgesehen von wenigen Fällen haben sich unsere Slawen tadellos geschlagen, was gegenüber den lügnerischen Anstrengungen der Northcliffe-Propaganda nicht oft genug betont werden kann. Um die Offiziere und Soldaten slawischer Nationalität zum Verrat zu voranlasien, hat man sie in förmliche Verbrecherlager zusammengepfercht, um sie dort mit allen möglichen Mitteln so lange zu bearbeiten, bis sie kirre werden, Oesterreich-Ungarn würde, falls Italien dieses Treiben nicht baldigst einstellt, gezwungen sein, zu Repressalien zu greifen, die für Italien umso empfindlicher wären, als wir bedeutend mehr italienische Kriegsgefangene besitzen als Italien solche österreichifch-ungari. scher Staatsangehörigkeit. Die Rede des Ltaalslelitttiirg Dr. Silf findet bei den Blättern der soz. Mehrheit ungeteilten Beifall. Aber auch die Gnseroative „Kreuzzeitung" äuhert zustimmend: Es ist erfreulich, daß endlich einmal ein Vertreter der Regierung der Anregung gefolgt ist» den Staatsmännern Englands in der Oeffentlichkeit Antwort zu erteilen. Geschickt .zog Dr. Sols ; das Gleichnis zwischen deutscher und engliscker Auffassung der I Moral. Er lehnte eine Po.ittk ab, die die Gegensätze von heute beibohalten will, und setzte sich so in Gegensätze zu Balfours Auffassung. Wir wissen nicht, ob die noble Kampfesweise, wie sie unser Kolonialstaats-sekretär vertrat, gegen die englische Art am Platze war. Bis jetzt haben die englischen Staatsmänner alle derartigen Asutzevungen als Schwäche unserer Lage aufge- fatzt. Abweisend stellen die „Bert. Neuesten Nachrichten" fest: Wir sollten mchr an die große Not unseres Voltes denken und darauf sinnen, die Schwachmütigen stark und fest zu machen, sie mit größerem Mut zu erfüllen und die deutschen Herzen auflebeu zu lasten, statt an einen Wortstreit mit feindlichen Staatsmännern, denen unsere eigenen doch nicht gewachsen sein können, da sie die vergiftete Waffe politischer Dum-Dum-Gefchosse verschmähen. Außerdem: Jede Propaganda ist verfehlt, die sich nur an den kühlen Verstand wendet, nicht an das Gemüt. Die „Deutsche Tageszeitung" schreibt: „Die Rrde Solfs trieft von Moral und wenn Solf vom großen Gedanken des Völkerbundes spreche, so müsse das politisch bedenklich stimmen, denn er winke anscheinend über den Ozean hinüber. Es macht den Eindruck, als ob die Regierung mit dieser Rede in erster Linie der Derzichttnehvheit gegenüber deligentiam prüft ietten wolle." .„Alles in allem glauben wir nicht, daß der moralische Eroberungszug des Herrn Staatssekretärs eine tatsächliche Wirkung zeitigen werde. , Die Verwirklichung einer Versöhnung der Völker ist letzten Endes eine Machtftage, eine Frage der Macht auf einer, der Ohnmacht auf der anderen Seite: Daran werden die schönsten Phrasen nichts ändern. Wenn der Staatssekretär schließlich Kant anführt: Man muß irgend ein Vertrauen auf die Deckungsart des Feindes im Krieg übrig behalten, so entspricht eine Verwendung dieses Satzes gewiß den Anfcharmngen der „Frankfurter Zeitung". Im Rahmen der Zukunft des Deutschen Reiches gesehen und auf der Grundlage aller bisherigen tatsächlichen Erfahrungen, entbehrt die Anwendung des Grundsatzes der, um mit Kant zu reden, Einheit der Apperoeptton," Keine Einbmitnng des Reichstags. Berlin, 21. August. (WB. Amtlich.) Der Stellvertreter des Reichskanzlers hat heute im Beisein des Staatssekretärs v. Hintze die Führer der Reichstagsfraktionen zu einer mehrstündigen Beratung empfangen. Es wurden zunächst die deutsch- russischen Zusatzverträge zum Brester Friedensschluß und deren geschäftliche Behandlung erörtert. Die Mehrheit der Abgeord- neten vertrat dabei die Ansicht, daß auch nach Abschluß der zurzeit noch schwebenden Verhandlungen mit Rußland von einer sofortigen Einberufung des Reichstags abgesehen werden könnte. Der Staatssekretär des Auswärtigen Amtes gab im An- Wuß daran nähere Auskunft über die außenpolitische Lage und über die Ergebnisse der Beratungen, die vor kurzem im Beisein von österreichisch-ungarischen Staatsmännern und nach Anhörung von Vertretern Polens im Großen Hauptquartier stattgefunden haben. Wen der Ceilt des Kleinmuts btlchieichen will.. Den Ungeduldigen in der Heimat, denen Hindenburgs Hammerfchläge nicht rasch genug einander jagen oder die gleich Loibdrücten bekommen, wenn dem Feind einmal ein Anfangserfolg glückt, denen spricht Professor Philipp Zorn im „Tag" in's Gewissen, und er erinnert sie an eine Tatsache, auf die wir Feldgrauen stolz sein dürfen: „Wen der Geist des Kleinmuts beschleichen will, der gehe hinaus auf unsere Felder und Fluren und gedenke dabei des Zustandes, in dein die herrlichen GeZilde Nordfvankreichs sich heute befinden: zertrümmerte Städte und Dörfer, auf Jahrzehnte hinaus zur Unbrauchbarkeit vernichtetes Land, verwüstete Wälder, die Bevölkerung im (Efeofe der troekvigften Not. das aanze Leben des Volkes weit- * hin ein großes Trümmer- und Leichenfeldl Davor hat un» Gott durch den Heldenmut unserer herrlichen Heere tn Gnaden bewahrt." Noch tobt der wilde Kampf im Westen, und niemand vermag zu ermessen, wann er sein Ende finden wird. Aber weit von unseren Grenzen, im tiefen Innern Frankreichs», fast vor den Toren der Stadt, die als Mittelpunkt der Welt sich zu brüsten gewohnt war, steht unser siegreiches Heer, und so schwer und wechselvoll der Endkampf auch sein mag, das eine wissen wir im festen Verttauen: Der eiserne Wall, der uns und unser deutsches Land und Volk vor der Ueberflutung und Zerstörung durch die Feinde schützt, wird nicht durchbrochen werden. Nicht die Franzosen und Engländer mit den zahllosen Hilfs- ttuppen, die sie aus aller Welt gegen uns herdngeschleppt hatten, haben ihn zu brechen vermocht, nicht die Australier und Kanadier, die Marokkaner und Inder, die Neuseeländer und die Menschenftesser von Dahomey, nicht die Buren und Algerier — und die Söldlings des Landes der unbegrenzten Möglichkeiten werden ihn auch nicht zum Wanken bringen?" Uorahnnnften eiurs Schweirers. Der im Jahre 1909 verstorbene Berner Vundesstaatsrechts.. lchrer Prof. E. Hilty gehörte unstreitig zu den bedeutendsten Männern des letzten Jahrzehntes Wie treffend, klar, wett- bNckend und folgerichtig Hilty die Weltereignisse beutteilte, das zeigen Ausschnitte aus dem Jahrbuch 1905, in denen sich Prof. Hilty über Deutschland. England. Amerika und Japan äußerte. Wir entnehmen dem „Berner Tageblatt", das an Hiltns Be-, merlungen erinnett, die markantesten Ausschnitte aus Hiltys Jahrbuch. Das Deutsche Reich, so statt es äußerlich erscheint, ist doch ron Einigen Seiten her in seinem Wachstum und Gedeihen ziemlich schwer bedroht und noch keineswegs am Ende seiner „Prüfungen" angelangt Don außen her droht ihm zu allernächst Englands stets wachsamer und gefahrdrohend wachsender Handelsneid und der ungeschwächte fortbestehende Groll Frankreichs über eine nicht verschmerzte und nicht verschmerzbare Erniedrigung. Einen ganz zuverlässigen Freund und Alliierten hat und findet es dagegen nicht, sondern bleibt im we- , sentlichen auf sich selbst gestellt. (S. 339.) Alle Wogten, welche das deutsche Land durchstürmen, werfen herkömmlich ihre letzten Ausläufer über unsere Grenzmarken hinüber, und wir können uns nur schwer davon gänzlich frei halten. Deutschland hat daher an uns (der Schweiz) stets einen ganz sicheren Alliierten in allen guten Dingen, der ihm auch alles Gute wünscht' während wir an ihm jetzt ein gefährliches Vorbild und Nachbarland für alles haben, was der Zeitgeist dott Schlechtes erzeugt. (S. 340.) Deutschlands Zukunft führt noch durch Gefahren und mut. mählich selbst durch Unglück hindurch. Aber daß Deutschland der geistrge Mittelpunkt der Welt und das Land ist, in welchem die großen geistigen Kämpfe ausgefochten werden und mit einem Sieg ^res Guten enden, das wird nirgends bester, als bei uns, eingesehen. (S. 360 ) Jung-Anerika. das wir auch jährlich in der Schweiz zu sehen bekommen, flößt kein unbedingtes Vertrauen ein. Die glattrasierten, oder ohnehin schon bartlosen, scharfgeschnittenen Gesichter und kalten, aber unruhig herumspähenden Augen bei den jungen Männern und das sehr selbstbewußte Auftreten der Mädchen und Frauen ohne entsprechend großen weiblichen Reiz können nicht das Ideal einer Zukunftsmenfchheit sein, und auch die Bildung dieser Jugend steht, im allgemeinen gesprochen, unter der deutschen, wenn nicht der europäischen überhaupt. Aber — „we arc a great country". Dieses Bewußtsein ist auch eine Kraft, und Europa muß sich jetzt zusammennehmen, um nicht gang in den „Altenteil" hinübergoschobon zu werden. (S. 420.) Das Land, welches mutmaßlich gegenwärtig in der Welt auf der Sonnenhöhe feines Einflusses steht, und sich daher naturgemäß zum Niedergänge wendet, ist England. Und während man noch vor einigen Jahren, wenigstens von l'beraler Seite, eine solche Bettachtung mit großen Bedauern beglettet hätte, ist den Engländern seit dem Burenkrikg auch diese Sympathie stark ebhanden gekommen. Wmn irgendwo heute das Geld- tnreresie unbedingt maßgebend ist. so ist es in diesem Zentrum des modernen Mammondienstes; dem würde nur ein neuer Crcmwell ein Ende bereiten Tonnen. (S. 441.) In England bereitet man sich auf den kommenden Krieg mit ziemlicher Offenheit vor, nimmt es aber den Deutschen sehr übel, nenn sie es auch tun. Das ist eben die Eigenschaft des Kaufmannsgeistes. Jhin ist alles erlaubt, was Gewinn bringt. Aber andere Nationen sollen es sich nicht einfallen lassen, die gleichen Wege zu gehen, das muß mit der ganzen Staatsinacht verhindert werden. Das ist englische Polittk, wie es karthagisch-, genuesische, venetianische gewesen ist; das Ende ist aber immer der Zusammenbruch. Dermalen schon kann England bei seiner mangelhaften Wchrverfassung seinen ausgedehnten Besitz nur durch Allianzen erhalten, und alle Bemühungen seiner Politiker werden in der nächsten Zeit dahin gehen, sich solche um jeden Preis zu verschaffen. (S. 451, 452.) England ist durch das Abkommen mit Japan fortan der Klient dieses Landes in Asien geworden und hat einer asiatischen Macht zu einem maßgebenden Einfluß auf die Weltgesckicke verhaften, Damit hat England sich von der europäischen Seite eigentlich getrennt und sicht fortan auf der Seite der Asiaten gegen uns. Die Japaner freuen sich vorläufig dieses Erfolges und werden später je nach Umständen handeln. Wenn sie einmal Indien auf englischen Hilferuf „geschützt" hätten, würden sie es schwerlich so bald zmückerstattcn und vollends in China werden sie nicht für England, sondern für sich arbeiten und damit schließlich doch eher zu Rußland neigen, von dem sie mehr Vorteile erhalten können. Jedenfalls werden sie sich diese Gegenbewogung offen zu halte» wissen, dessen kann man sicher sein. (S. 454, 45 Aufdämmernde Einsicht. Schon lange ist von unserer Seite immer wieder darauf hingewiesen worden, daß die dem Produzenten gewähtten Preise für Milch bei weitem nicht einmal zur Deckung der Produktions, kosten ausreichten, und datz darin naturgemäß eine Produktion»- Hemmung statt einer -anrogung liege. Trotzdem in verschiede- nen größeren Städten angchellte Versuche, die Milcherzeugung durch eigene Kuhhaltung in Angriff zu nehmen, auch in diesen ftädttschen Kreisen die praktische Erfahrung gewinnen ließen, daß unsere agrarische Rechnung vollkommen zutreffend ist. wurden unsere Demokraten nicht müde, die zuständigen Ernährungs- behörden von jeder ausreichenden Milchpreiserhöhung mit dem Schreckgespenst „sterbender Großstadttinder" abzuhalten. Diese Drohung hat laivge gewirkt, obwohl es doch klar sein mußte, daß es gerade für die Kinder- und Krankenernährung vor allem auf eine möglichst statte Förderung der Milcherzeugi'ng ankam, während der Milchpreis hier gar keine bedrohliche Rolle spielen kann. Nun hat der imnnr größer werdende Milchmangel die Behörden doch endlich zu einer kleinen Preiserhöhung genötigt, und die dieser Maßnahme' beigegebene Begründung hat selbst in einem fortschrittlichen Großstadtblatt die Einsicht aufdämmern lassen, daß der Milchpreis unzureichend gewesen sei. und daß die Milchwirtschaft sehr unter dem Mißverhältnis zwischen Ei zeugungskosten und festgesetztem Höchstpreis zu leiden hatte. Unter Hinweis auf die im Schleichhandel gezahlten Preise, von 2—3 Mk. pro Liter Milch und bis 25 Mk. für das Pfund Butter fühtt die „Voss. Ztg." (Nr. 409) u. a. folgendes aus: „Die Sinnlosigkeit eines „Systems", das dem gesetzlich handelnden Erzeuger für diese etwa ein Zwölftel, für jene ein Fünftel bis ein Sechstel dieser Hintenherumpreise bietet, liegt klar zutage. Es gibt für den Bauern — und auf der Kleinlandwittschaft beruht im wesentlichen unsere Versorgung mit Milcherzeugnissen — unter diesen Verhältnissen überbaupt keine schlechtere und verlustreichere Verwertung dieser Ware, als die. sie ehrlich und brav abzuliefern. Wenn er die Milch selber trinkt, wenn er sie seinem Jungvieh gibt, das er zum Teil ftei verwetten darf, verfuttert, wenn er sie zur Ernäh. rung feines Gesindes verwendet — immer wird er ganz ungemein wirtschaftlicher arbeiten. Verkauft er sie im Schleichhandel. so wird er reich." Diesem von seinen Parteikolleginnen freilich oft schon durch objektiveres Urteil ausgezeichneten Fortschttttsblatt erscheint die Vorgenommene Preiserhöhung sogar ebenfalls noch zu gering, denn es schreibt weiterhin: „Es ist zu befürchten, ja es ist fast sicher, daß die gering« fügige Erhöhung des Milchpreises die Mißstande nicht nen- nenswett beeinflussen wird. Die Schleichhandelspreise sinh unsittlich und verdammenswert, aber sie sirü» zweifellos ein untrüglicher Wertmesser des Bedarfs, nach dessen Deckung die Bevölkerung schreit. Daß gesetzliche Preise jemals auch nur annähernd dis ungesetzlichen erreichen können, ist ausgeschlossen, ist auch unnötig, denn in jenen steckt der Wucher, der übermäßige Gewinn, die Waren Zurückhaltung. die Preistreibe« rei und die Gefängnisgefahr, aber ebenso sicher ist, daß ungenügende Höchstpreise für die Erzeugung den Wucher sowohl wie die Knappheit geradezu züchten." Diese Ausführungen des Fortschrittsblartes können seinen Parteigenossen, die zusammen mit der übrigen Demokratte noch unentwegt auf dem Standpunkt stehen, daß das Verbraucher« Interesse am besten durch gewaltsame Niederhaltung der Erzeugerpreise für Nahrungsmittel gedient werden könne, nur zur Beachtung empfohlen werden. Sehr bitter werden sie es aber wohl empfinden, daß ihnen von fo nahestehender Seite auch noch folgendes vorgchalten wird: „Unterernährtes Dreh abzuschlachten, nur um die Fleischrate zu halten, ist volkswirtschaftlich ohne Vernunft. Noch unvernünftiger aber ist es, um des gleichen Zweckes willen, die Milchkühe zu vermindern, die ein viel höherwertiges Nahrungsmittel liefern, als es das Fleisch ist. Wir tun das scho» seit längerer Zeit." Alle diese Vorwürfe — auch des verderblichen Schweine- mordes wird gedacht — sollen sich wohl gegen die Ernährungspolitik unserer behördlichen Zwangswirtschaft richten, sie treffen aber tatsächlich viel mchr unsere demokratischen Politiker, dis die eigentlichen Tttebkräfte für diese in der „Voss. Ztg".- V> streng verurteilten Maßregeln waren. Dieses zu besserer Einsicht gelangte L'mkenblcvtt weiß zum Schluß auch ein erwägenswertes Mittel aarzugeben, um die zur Erhöhung der Nahrurrgsmitttlpwdultion erforderliche Festsetzung besserer Erzeugerhöchstpreise auch für die wittlich unbemittelten Verbraucher erträglich zu machen. Der Schlußsatz des Artikels lautet nämlich: „Die auf der schwächeren Seite fehlenden Mittel rväreie von der stärkeren, also von dorr Vennttelten, auf dein Wege einer nach Einkommen und De-'nögon abgestuften Ernährung sirmla ge aufzubringen." Dieser Vorschlag dürfte selbst für die davon bettoffene« ..Bemittelten" kein allzu schwer empfundener sein, denn sie zah- len heute eine sehr hohe Umlage in die Taschen der Schleichhändler und würden an bi-öfc nach besserer Anpassung der Höchstpreise an die Erzeugungskosten künftig sehr viel weniger zu zahlen haben. ' —-—. Milchpreisevhohitng. Die Neichsfettstelle in Berlin mit dom Major Seidler cm der Spitze, der den Landwirten ein leuchtendes Beispiel des Durchhaltens gegeben hatte, ist jetzt endlich Zur Einsicht gekommen, daß der Milchpreis erhöht werden muß, soll die Erzeugung nicht rrotleiden. Bereits hat men in unserer Nachbarschaft mtt der Erhöhung begonnen, so ist im Kreis Hanau der Erzeugerpreis auf 40 Pfg. für den Lttor Milch festgesetzt, also um 2 Pfg. erhöht worden. Unsere Landes-Milch- und Fettstell« im Grotzh. Hessen steht noch im Stadium der Erwägunge» Witz vertrxmKHm i«k*t Lag DeqS»^ numg, etne Preisechöhimg von nur 2 Pf». aWmommm. mUchproLuzierenven Landwirten im Erotzh. Hessen mehr als SM« Mk. kostet! Zn Frankfurter Blattern lesen wir, daß dort Höhung des Milchpveifes auf 60 Pfennig bevorftände. Das wäre eine Erhöhung um 8 Pfennige. Soweit wir unsere Bürokraten kennen, sind sie kaum damit einverstanden, daß die Landwirte soviel mehr bekommen tmid so wird des Rätsels Lösung die sein, daß die Frankfurter Milchversorgung mit 14 Pfennig Verdienst — der Einkaufspreis für Frankfurt ist 38 Pfg-, der Verkaufspreis 52 Pfg.! — nicht auskommen kann urü> sich eine weitere Erhöhung zubilligt. Früher hatten die Mtlchhandler > einen Verdienst von 6 Pfg. und konnten damit auskommen. | Es lebe unsere Zwangswirtschaft! Vkrsamki'.lmg kl Bereiliigtkn Llnidwirte m Frkntsmt a. M. u. Um. Die für Mittwoch von den Vereinigten Landwirte einbe- hevufene Versammlung gab deutlich Kunde von der Mißstimmung. man kann sagen von der Erbitterung, die in den Kreisen der Landwirte gegen die Art und Weise der Behandlung herrscht, die man ihnen angedeihen läßt. Trotz des ungünstig gewählten Zeitpunktes — Mitten in den Erntearbeiten! — waren dre Gemeinden Staden, Ilbenstadt, Rodheim v. d. Petterweil Ober- mtlb Rieder-Nosbach, Melbach, Büdesheim, Ober- und Nreder- Wöllstadt, Kloppenheim, Fauerbach, Friedberg, Ober-Erlenbach, Burg-Gräfenrode, Bauernheim, Dorheim, Osienheim, Rieder- Florstadt, Wisselsheim und Beienheim vertreten, außerdem war der Gofamtvorstand der Genossenschaftsmolkerei zu Rieder- Wöllstadt und die Besitzer bzw. Pächter mehrerer Höfe anwesend, auch der neugewählte Landtagsäbge. Bürgermeister Drehl- Hochweifel wohnte der Versammlung bei. Landtagsabg. Oek.-Ral .B re id e nba ch-Dorheim eröffnete die Versammlung mit einer kurzen Begrüßung- Herr Sir sch el- Frtedberg gab die Tages, ordnung der Versammlung, die auf ausdrücklichen Wunsch zahlreicher Mitglieder einberufen worden war, bekannt und besprach die einzelnen Punkte. Zunächst die Maßnahmen der Milchkontrolöre; fest müsse er vor allem stellen, daß die Versammelten die Pflicht der Milchablieferung anerkennten, ebenso sei grundsätzlich gegen das Umlageverfahren mchts ein. zuw enden. Man hätte aber doch annshmen muffen, dieses Verfahren würde sich gegen die säumigen Milchablieferer, gegen die Drückeberger auf diesem Gebiet Achten, statt deffen würden diejenigen, die ihrer Pflicht vollauf genügten, mit Strafan. drohungen schikaniert und die schlechten Lieferanten drückten sich nach wie vor. Man höre eben in Darmstadt nicht auf die Stimmen der Vernunft und auf die Praxis. Auf die Kontrolle und Revisoren könne man vielfach den Vers aus dem Schiller'schen „Mädchen aus der Fremde" anwenden „Sie war nicht in dem Tat geboren, man wußte nicht woher sie kam." Veffer als alle weitere Worte, werde die Lage durch den Brief eines Oekonomie- rats aus der Gegend von Altenstädt gekennzeichnet, der zeit, lebens zu den loyalsten Staatsbürgern gehört habe und gegenwärtig auf den Kopf einer Kuh 8.9 Liter Milch zur Ablieferung bringe. Man habe es fertig gebracht, diesem hervorragenden Landwirt, unter Verhunzung seines Namens eine Auf forderung zur Milchablieferung bis in den November hinein bei Strafe von einem Jahr Gefängnis oder 10 000 Mark Geldstrafe zu Aufenden. Der betreffende Landwirt schreibt, daß er diesen Zettel unter Glas und Rahmen aufbewahren wolle, als ewige Erinnerung für spätere Zeiten, wie man im Weltkrieg in Deutschland mit den Landwirten umgesprungen sei. Wie könne es solchen Leuten beikommen, über die ganze Milchversorgung in Hessen zu verfugen, die noch nicht einmal wüßten, daß die Milcherzeugung von der Güte. der. Trockenheit oder Raffe des Futters, der Jahreszeit, der Wärme oder Kälte und allem möglichen abhänge. Wenn die Milchproduktion nachlaffe und schließlich nicht mehr die nötige Milch erzeugt werde, dann möge man sich bei diesen Herren bedanken. Der Redner ging dann auf die Preisfrage ein, er ging über Berechnungen hinweg, da es ja sattsam bekannt sei, daß der milchproduzierende Landwirt mit Verlust arbeite. Wenn man sich mit Ach und Krach zu einer Erhöhung entschließe, so würden 2 Pfg. bewilligt, eine Kleinig keit, die keinen Anreiz zur Mehrproduktion gebe. Die Reichsfettstelle hat nun endlich, wie ihm von dom Regierungspräsiden- ten in Wiesbaden bereits zu Anfang Juli mitgeteilt worden sei, Zu einer Preiserhöhung ihre Zuftimnrung gegeben, in Hanau, Raffau ufw. sei diese auch bereits erfolgt, in Heffen hinke man noch und käme jetzt erst mit vertraulichen Besprechungen. Redner ging dann noch auf das Verhältnis zu Frankfurt ein. Der jetzige Berater der Stadt in den Milchfragen glaube auch, am besten zu fahren, wenn er den Bauern mit Gewalt käme die Erfahruirg werde ja lehren, wie weit er komme. Bedauerlich sei, daß den Landwirten, denen Zuschüffe zu den Kühen versprochen worden seien und die nur auf Grund ausdrücklicher Zusagen solche bestellt hätten, die Zahlung verweigert werde. Ein gemeinsames Vorgehen werde eingcleitet. Der Redner schloß mit der Mahnung, trotz aller Widerwärtigkeiten die Pflicht zu erfüllen. Die Zeit sei sehr ernst, mögen die Herren, die die Ber. antworbung tragen, den Vogen nich überspannen. (Lebhafter Beifall.) Oekonomierat Bleidenbach erkennt an, daß es schwer sei, die richtigen Controlöre zu bekommen, manche davon hätten sich in einer Weise benonrmen, die den Landwirt geradezu empören muffe. Vielfach sei unsere Regierung ohnmächtig, sie müsse tun, was von Berlin ungeordnet werde. Mehr Rückgrat muffe verlangt worden, in dieser Beziehung muffe uns Bayern als Vorbild dienen. Zwar abschließen gegen die anderen Staa len könnten wir uns nicht, so auch nicht g.gen Frankfurt, das uns in Friedenszeiten unsere Erzeugnisse abgenommen habe und das wir jetzt nicht trocken sitzen laffen wollten. Was der Vorredner gesagt habe, unterschreibe er. Was den Milchpreis anbelange, so müffe man Gott danken, daß es noch Landwirte gebe, die auch an die Allgemeinheit denken, wenn sie mw ihren Geldbeutel im Auge hatten, so schassten sie ihre Kühe ab. Leider geschehe nichts, um die Produktion zu fördern, zu wünschen wäre nur, daß die Herren Geheimröte usw. selbst einmal beim Dresche« zcho. mtchelfen würden. bona würden sie m Einsicht komme«. (Beifall.) Molkerei-Dirottor Preusche - Rieder-Wöllstadt hebt hervor, daß es die Landes-Milch- und Fettsielle mit ihren Maßnahmen fertig gebracht habe, daß heute der Landwirt im Vogelsberg inehr bekomme für seine Milch als in der Wetterau, trotzdem dort die Produktionsverhältnisse teurer seien. Die Mol- kereigenossenschaft Niederwöllstadt sei heute der Stadt Offenbach auf Gnade und Ungnade eusgeliefert worden. Beschwere er sich in Darmstadt, so werde mit Schließung des Betriebes ge- droht. Ihm werde zugemutet, daß er bei allen Unkosten, Tiefkühlung, Pasteurisieren usw. mit 3 Pfg. Spannung arbeiten solle, die Milchhändler in Ofsenbach verdienten 6 Pfg.! Alle Anstrengungen hätte er gemacht, einen Preis zu erlangen, der mit den Produktionskosten in Einklang stände, vergebens! Es sei Überhaupt nicht am Platze, daß einem Verbraucher, wie es die Stadt Offeirbach fei, die Leitung eines Milchgebiets übertragen werde, aber alle Vorstellungen in Darmstadl feien fruchtlos' die Herren kämen erst dann zur Einsicht, wenn es zu- spät sei. H e r b e r t - Obererlenbach: Der Bauer solle allemal der Sündenbock sein. Gewiß gäbe es auch Sünder unter ihnen, die aber verurteile er gerade so wie jeder Andere. Man solle die Arbeit des Bauern richtig lohnen, daran aber fehle es. Es sei nicht zu empfehlen, das Vieh abzuschaffen, dagegen solle aber die Viehhaltung nicht erschwert werden. Auch bei den Zufchußkühen könne von einem Verdienst keine Rede sein. Die Stadt Frankfurt solle nicht so sehr aus den Preis sehen, denn sie wiffe doch, was die Milch in eigener Wirtschaft koste (Zurufe 2 bis 3 Mark!) Wenn die „Wische" von Darmstadt kämen, sollte man sie nicht ruhig hinnehmen, sonst meinten sie dort, man ließe sich alles gefallen. Er empfahl ein energischeres Auftreten, sonst könne man nichts erreichen. S a m e s - Melbach gibt die Zustimmung von ganz Melbach zu der Versammlung bekannt. Oekonomierat Alles- Niederflorstadt meint, daß das Umlegeverfahren geradezu ohne Sinn gehandhcvbt werde, er habe gch über diese Zettel nicht aufgeregt, sondern sie einfach ad acta gelegt. Es verstoße geradezu gegen die gute Sitte, wenn man strafen wolle, wenn die Kühe keine Milch gäben. Eine Milchpreiserhöhung hätte man nicht gebraucht, wenn der Schlachtviehpreis ein besserer wäre und die Spannung bez. der Verlust zwischen Einkauf des Milchtieres und Verkauf des Schlachttieres nicht zu groß wäre. Aber alle Eingaben hülfen nichts. Gegen alle Kleiderordnung habe man im Jahre 1917 sogar die Preise für Schlachtvieh ermäßigt. Der Karren sei verfahren, statt fleischlose Tage habe man jetzt fleischlose Wochen und keine Milch, die Herrschaften sähen es zu spät ein. (Zustimmung.) M i ck e l- Offeiiheim verlangt ebenfalls mit aller Entschiedenheit, daß bei dem Umlegeverfahren Rücksicht auf die Verhältnisse genommen würden, sonst werde das Gegenteil erreicht. Herr Hirsche! wurde darauf mit der Abfaffung eiltet Entschließung beauftragt, die folgenden Wortlaut hat: Die von den „Vereinigten Landwir. ten" nach Friedberg einberufenen Versammlung erkennt die Pflicht der Landwirte zur Milchlieferung uneingeschränkt an, sie ist auch mit dem sogen. Umlegeverfahren grundsätzlich ein- verstanden: sie erhebt aber mit aller Entschiedenheit Einspruch dagegen, daß Laivdwirten, die in vollem Maße ihre Milchabliefe- mrngspflicht erfüllen, unter Androhung von Gefängnis- und hohen Geldstrafen eine Milchlieferung auferlegt werde, die sie nicht erfüllen können. Die Versammlung verlangt weiter, daß die von der Landes-Milch- und Fettstelle angestellten Kontrollore angewiesen werden, sich in Ausübung ihres Amtes aller unnötigen Härten zu enthalten und ihre Maßnahmen erst zu treffen, wenn sie sich mit den zuständigen Stellen in Verbindung gesetzt haben, damit die örtlichen und zeitlichen Verhältniffe berücksichtigt werden. Im übrigen ist die Versammlung mit einem Vorgehen gegen Milcherzeuger, die ihrer Pflicht aus Böswilligkeit oder Gewinnsucht nicht Nachkommen, durchaus einverstanden. Die Versammlung verlangt weiter, daß endlich einmal die Milchpreise in Einklang mit den über alle Verhältniffe gesteigerten Erzeugungskosten gebracht werden. Eine Erhöhung um nur ein paar Pfennig ist zwecklos und bildet nur eine Schraube ohne Ende. Die Versammlung muß die Verantwortung auf die Landes- Milch- und Fettstelle zuschieben, falls sie sich diesen Darlegungen verschließen sollte und dadurch die Landwirte zu einer weiteren Verminderung der Milchviohhaltung gezwungen würden. Außerdem wurde beschlossen, auch der Stadt Frankfurt eine enffpnrechende Eingabe wegen des eingehaltenen Geldes über die Zuschußkühe zu richten. Hoffen wir, daß die Versammlung an der Stelle gehört werde, wohin die Mahnung gerichtet war! Ans der Heimat. Die Speckverterlung. Für die allgemeine Verteilung von Speck und Dauerware aus den Vorräten des Kommnnalver- Landes ist zu bemerken, daß die Dauerware nur gegen Fleischmarken ausgegeben werden darf und zwar für je 20 Gramm Dauerware eine Fleischmarke (ein Zehntel Abschnitt) für 100 Gramm, also 5 Feischmarken, für 80 Gramm 4 Marken und für 60 Gramm 3 Marken. FC. Frankfurt a. M., 21. August. Der Milchpreis soll in Kürze auf 60 Pfennig pro Liter erhöht werden Aus Starkenburg. Darmstadt» 21. August. Zur Frage der Entschädigung der durch feindliche Flieger entstandenen Schäden wird amtlich milgeteilt, daß der heffische Staat für die im Großherzogtum festgsstellten Schäden, vorbehaltlich d«s Rückgriffs auf das Reich volle Entschädigung aus eigenen Mitteln leistet. Für die Feststellung der Schäden sind besondere Bundesvorschriften erlaffen. Der Ersatz für die durch den Krieg verursachten Beschädigungen an Leib und Loben wird durch besonderes Reichsgesetz geregelt. Für die Feststellung von Fliegerschäden nach dem Gesetz vom 3. Juli 1916 hat das Ministerium einen Bestellungsausschuß ernannt, dessen Vorsitzender Oberregierungsrat Dr. Wörner und Stellvertteter Regierungsrat Dr. Reitz.Offenbach ist. Der Antrag des Beschädigten ist beim Kreisamt Darmftadt einzureichen. Der Oberbürgenneistec hat ein« besondere Beratung?-« stelle eingerichtet, welche die Beschädigten über ihre Anmet- düngen belehrt. — Die Beisetzung der Fliegeropser fand am Dienstag nachmittag unter sehr lebhafter Beteiligung statt. (Frau Weber war in aller Stille beigesetzt worden). Pfarre, Gunkel sprach die letzten Worte am Grabe der Frau Zahlmeister Kraft, deren Mann schwer verwundet, aber außer Gefahr sei, worauf im Namen der Stadt Darmstadt Herr Bürgermeister Müller auf den tragischen Heldentod der jungen Frau hinwies, deren Namen in der Kriegsgeschichte der Stadt unvergeßlich bleiben werde. Kurze Zeit darauf hatte sich eine große Trauer- geme'mde auf dem neuen Waldftiodhof eingefunden, wo man den im Alter von über 70 Jahren dahkngöschiedenen Postdirektor a. D. Fuldner zu Grabe legte. Rach tief erschütternden Worten des Pfarrers Vogel, worauf Beigeordneter Hanrich warme Worte im Namen der Stadt widmete, folgten noch die üblichen Nosen- grüße der Loge „Zu den drei Rosen" und der Loge „Limburg" Aus Hesscn-Naffau. FC. Wchrheirn, 20. August. Die Brückenmühle, De- sitzer Müller Christian Will, dahier, wurde infolge der bei der Revision durch den Revisor der Getreidestelle vorge. fundenen Mängel bezw. Übertretungen der Verordnungen bis auf Weiteres geschlossen. FC. Wiesbaden, 19. August. Geheimer Kirchenrat D. Ed bach und Frau dahier begehen das Fest der goldenen Hochzeit. Geheilmat Eibach wirkte von 1895 bis 1915 als Seelsorger in Dotzheim. FC. Wiesbaden, 21. Aug. In der Röderstraße wurde am 9. Februar einem Fuhrmann ein Ballen mit Leder, während er in einem Hause zu tun hatte, vom Wagen herunter gestohlen. Der Arbeiter Heinrich Wüst und der inzwischen zum Heeresdienst eingezogene Heinrich Lenz, die das Leder gestohlen, brachten es in die Wohnung von Wüst, wo es geteilt wurde und der Schwager der Schneider Friedrich Schmidt auch etwas von der Leute ab- LeLam. Wüst hatte sich heute wegen Diebstahl und Schmidt wegen Hehlerei vor der Sttafkammer zu verantworten. Wüst bekam ein Jahr Gefängnis, fein Schwager Schmidt wegen Hehlerei sechs Monate Gefängnis. FC. Wiesbaden» 21. Aug. Heute Mittag geriet ein vier- jähriger Knabe in der Bleichstraße unter die Elekttische und» evlttt sehr schwere Verletzungen. FC. Flörsheim, 21. August. Nachts wurden aus dem Garten des I Stein dahier am Mickerer Weg die sämtlichen Zwiebeln, etwa zwei Zentner, sowie auf dem Acker des Fritz Schiermeister 131 Stöcke Kartoffeln gestohlen. Die beiden Bestohlenen haben eine Belohnung von 100 Mark ausgesetzt demjenigen, der die Täter namhaft macht. FC. Schierstcin. 21. August. „Es pressiert nit so", so werden viele Herren Vorstandsmitglieder hiesiger Vereine am Samstag Abend gedacht haben, da sie der an sie von führenden Herren in der EingemeindungsftiLge ergangenen Einladung zu einer Besprechung in dieser Sache nicht folgten. Es sollte aähmlich eins Besprechung und ein Meinungsaustausch über die in Aussicht stehende Eingemeindungsftage der Nachbarorte von Wiesbaden stattfinden. Es waren nur sieben Herren erschienen, um sich darüber zu unterhalttn, wie die Frage den Schiersteiner Zn- tereffen entsprechend zu lösen sei. Eine demnächst geplante Einwohnerversammlung mit in der Eingemeindungsfra-ge erfahrenen Referenden, soll, wie die Schiersteiner Zeitung berichtet, den hiesigen Bürgern aller Stände Gelegenheit geben, ihre Ansichten in dieser Sache zur Geltung zu bringen. FC. Johannisberg, 20. Aug. Der Dreher Joseph Lohr heging in der Maschinenfabrik Johannisberg fein 50 jähriges Arbeitsjubiläum. FC. Aus dem Taunus, 21. August. In Reckenroth hat ei« Hausbesitzer eine Tafel an seinem Hause über der Eingangstür anb ringen laffen, die folgende Inschrift ttägt: Dieses Haus erbauten wir Eheleute Jakob Schmidt und Luise geb. Schauß im Jahve 1914. Bald darauf zog unser einziges Kind Heinrich hinaus zum Kampf fürs Vaterland und starb in seinem 21. Lebensjahr den Heldentod am 3. Juli 1915 bei Szumlany in Galizien. Im heftigen Kampf, im fremden Land, traf dich die Todeswunde. Die Lieben drin im Heimatland, ttaf schwer di« btttre Kunde. FC. Bom Westerwald, 21. Aug. Der Frau Karl Schneider in Mudenbach wurde nachts der größte Teil der Achren des auf Hausen gestellten Weizens abgeschnitten. Es wird eher et« Racheakt als ein Diebstahl vermutet. Aus Kurhcssen. FC. Kassel, 20. Aug. Ein hiesiger Oberpoststhaffner war dabei ertappt worden, als er ein Postpacket mit Cigarren «nb Lebensrnittel in der Packkammer eines hiesigen Postamts stibitzen wollte. Die Strafkammer verurteilte ihn zu vier Monaten Gefängnis. FC. Kirchhain, 21. Aug. Der älteste Einwohner der Stadt, der fett langen Jahren erblindete Schneidermeister Lauer, vollendet« gestern sein 85. Lebensjahr. — Der 61 jährige Bahn- wätter Vorn wurde auf dem Bahnkörper von einer Mafchin« erfaßt und so schwer verletzt, daß der Tod sofort eintrat. desKrei»«rbeit*rrachn»eile« «. fc Arbei1muk1a,l?kigerM7»^ Frirdber«. Offene Stellend 2 Knechtefamilien. 1 Kutscher. 7 Tagelöhner, 3Knechte 1 Ver- valter, 1 Schäierfamilie. 1 Tagelöhnerfamilie, 1 Müller, 1 Nacht- vächterfamilie, 1 Melkerin» 5 Dienstmägde, 10 Hausmädchen. L Küchenmädchen. 90 Fabrikarbei'erinnen Fürs besetzte Gebiet: Hilfsdienstpflichtige in nicht wehrpflichtigen Alter, außer Jugendliche, Frauen und .Mädchen. Stellenfuchender Mehrere Melkerfamilien und ledige Melker, 1 Heizer» 3 mt> 'räuletns. Verantwortlich für den politischen und lokalen Teil: Otta Hirschel, griedberg-. für den Anzeigenteil: R. Heyner. Fxiedberg, Druck und Verlag der „Neuen Tageszeitung*, A- G., griedberg t S. Uerfemt. RoinanvonAnnyWotHi'?'' Nachdruck verboten. »S°>" ^6ke Aga, sich hoch ausrichten^, „wenn auch nicht in deine!,! Sinne. Ich will nicht, daß du mit Holger Theresen spielst, dazu ist er zu gut." „Ja, ador wer will denn das? Ist er denn ein kleines Kind, dos mit sich spielen läßt. Glaube nur, Herz, wenn er sich selbst nicht schützt, du wirst ihn nicht schützen können." „Das weiß ich," seufzte A^a, leise hinter Mirenas Stuhl tretend, und das lockige Haupt der Freundin in Leide Hände nehmend, sagte sie mit einem unsagbar weichen, bittenden Klang in der Stimme: „Gch nicht diesen Weg, Mirena, er führt dich falsch. , Meinst du^" Mirena lachte glockenhell. „Du bist ein Närrchen und sichst Gespenster. Sich mal," sagte sie, die Freundin sieben sich auf einen Sessel nisderziehcnd, „was soll ich denn o, wie es jetzt ist, geht die Geschickte doch nicht weiter. tun? § Hl* rvy\ . ‘ I ' ■ V U tUU, aj.oin Wann verweigert mir, wie mir mein R°chtsn,,w.-,tt beute rmltedte. atte Wittel für meine Existenz. Ebenso weigert er Iirt;, m eine Scheidung M willigen. Die einzige Möglichkeit "i' er mir lofcr, ist die, zu ihm zurückzuikchren. Da- werde ich niemals tun. nie, hörst du?" ..Und dein Kind?" fangen?""^ **' SB(>5 foIItc iä> m # mit dem Murm an- „Du bist herzlos." . Wer ist es nicht, wenn fein eigenes, liebes Ich ? kommt. Also das Kind bleibt bei ihm, und ich bin fozitfaqen vogelfrei." ^ „Du bist ohne Mittel " 2ch beutze das kleine Beimögep meiner Mutter, und oas !0ll mir be-ten, eine Existenz zu finden, da es zu gering ich um davon leben zu können. Ich könnte eigentlich Sängerin werden, de-nn ich habe eine angenehme Stimme abm Tust ZT 11 ** W " ** ° iettdd)t Won alt ul'grau as ist also mchts. Ich werde also fchriftftellern. frrei und Glück « echt künfüerifch schaffen zu können, ist ein großes helfen.“ * kosten, und Solger Thoreftm wird mir ^f,,v°lg« Thorefen!" Aga rief es gepreßt wie in Todes- ” 3 “' uotiitlich! Er selbst hat fa die Rnhme-leiter erklommt T-tnt An s'ein^^ ^ aubergewöhn- d-u irsi^Schritt^w^ ^ * "^r also leicht werden. „Und du glaubst, daß du dir so eine Existenz schaffft?" fSSp* m —E». msmmm Aga lächelt-, ein mildes LäHekck/ „Reist. Mirena, das weiß ich mcht. Das Sehnen nach Ruhm ist gewöhnlich nichts anderes als die Befriedigung unserer Eitelkeit, und Ehre? Du lieber Gott, wie dehnbar ist dieser' Begriff. Die Ehre einer Frau liegt meist auf anderem Gebiet, als da wo du sie fuchst. Welche Ehre soll dir deine Künstlerlauf- Lcchn bringen, wo du selbst deine Frauenehre mit Füßen trittst." Mirena sprang hastig auf. „Schweige!" rief sie und ihre grünschlillernden Augen funkelten wie die einer Katze, „was weißt du von meinem Sein, meinem Werden, meinem Wollen. Weißt du etwas davon, wenn alles in einer Frau sich auflehnt gegen die Schmach, die sie als Frau eines ungeliebten Mannes täglich zu erdulden hat? Frei will ich sein und genießen. Glück Lrebe, Ehre, Ruhm, aber frei und ohne Fessel, und wer sich mir m bei? Weg stellt, den benutze ich als Leiter zum Glück, verstehst du, als Leiter, deren Sprossen zum Himmel führen." v "i?“ 1 D t r0i&t ' ^ nid)i oIfc Himmelstüren offen sind, daß das Recht der freien Selbstbestimmung, das du dir bedingst auch andere Rechte ausschließt, die man nicht erzwingen kann." „was soll das heißen?" „Du weißt doch, daß du gestern und heute, bei allen Besuchen, die du gemacht hast, nicht empfangen worden bist." „Zufall natürlich, die Leute waren nicht zu Hause." Aga schüttelte den Kopf. „Rein, ich weiß es besser. Gräfin A. erzählte gestern zur Baronin B. in Begas Atelier, wo ich sie traf, daß man in der Gesellschaft übereingekommen ist, dich mcht mehr anzunehmen." Mirena lachte auf. „Köstlich, wirklich köstlich, Aga! Ich u^iß mcht. ob ich mich über deine Taubenweisheit ärgern oder wT w mC ® raru [ ümfdt » mit der du sie zum Besten gibst, lachen soll. Wenn es aber wirklich so wäre, wenn mich die Gesellschaft die mein Tun und Handeln natürlich nicht begreift, ausgestoßen' hat aus rhrer Mrtte, so werde ich Mittel und Wege finden, sie fcmt ^ mich nicht, wenn du meinst, ich dulde schweigend. Rom, ich kämpfe bis zum letzten Atemzuge." Aga legte begütigend ihre Hand auf das schimmernde Köpfchen der Zungen Frau und zog es innig gegen ihre Brust. „Mireno," bak JU sanft, „Ich wollte bir nicht weh tun, mir bewahren mochte ich dich vor weiterem Leid. Ich weiß ->e- mm. daß du nicht ohne den Beifall der großen Menge, ohne tne Gunst der Gesellschaft leben kannst. Ich weiß daß du ae- schaffen bist, eine Roll- in der Gesellschaft' ” f^tenJ Jn. Jen und zu fötO«™. 3>u wirst die taufend kleinen Nadelstiche, dt- dir da- Leben bringt, nicht ertragen, du wirft vergeblich ft^unglüMch " m ‘ b * unglücklich fein, Mirena. mtem ließ ihren Kopf einen Augenblick an Aga- Brust rnheir, wie cm Kind, das einfchlafen will «m Mntterherzen dann aber fagis sie, sich schnell anftichtend' m *1" 2E. Aga. Ich vertraue meinem Wem K wer das ist? Du schweigst? Ahnst du es tl* "** ^ -äuge schon, ftnmer habe ich chn gellebt. Da schon, als ich ihn noch nicht kannte s'kott^M In dieser Liebe kann mich der AE d« Menge nicht treffen!, kann mir di« Acht der Gesell, schast nichts anhaben. kühlen, ruhigen fns? ' h temm me ^ X m ’ aIs cs Verstehst du Du schweigst? Du willst wissen, ob e>r auch mich liebt? Ich lese in deinen Augen diese stumme Frage. Rein, mein Kmd ich glaube nicht. Es ist aber auch ganz gleich. Er wird mich lieben müssen, wenn ich es will. O. ich kenne meine Macht und ich will sie nützen. Heute noch lächelt er vielleicht über mich, und morgen liegt er mir zu Füßen. Du aber, du Stolze eine bsgverfft das nicht. Du fragst erst, wenn du liebst, ob du cnich darfst oder besser gesagt, du liebst aus lauter Vorsicht gar nicht. Ach, wie könnte ich lachen über die blöden Toren dm an der! Moral der Gesellschaft oder bester gesagt, an der Moral, welche die Gesellschaft nicht h bringe hierdurch zur öllent- Uchen Kenntnis, daß die Absicht, Traubenmaische. Most oder Wein zu zuckem, entsprechend den von dem Vundesrat zu § 3 Abs. 4 des D-'setzes vom 7. April 1909 erlassenen Ausführungsbestim- Zlrkanntmachnng 2m Verkündigungskasten am Stadthaus ist eine Bekanntmachung über die aus Berstei- Serungen zu entrichtende Um- satzsteuer angeschlagen worden, auf die hierdurch aufmerksam gemacht wird. * Srirdberg, den 20. August 1918 Düngekalk gemahlen, liefert waggonweise W, Zöll, Friedberg i. H., Fernsprecher Nr. 410. hrtfd^rtn^ ^r 6cn bchuloorstand und Stadtverordnetenversammlung Schulminlsteriums die Einfichtung eines Kinderhortes für die Dauer des Krieges beschlossen. Demselben ollen zunächst nur solche Knaben zugewtesen werden die in ihrer ald^ns Leb n^^?/ 2**^* ^ Eindchtung MttZZ £.2; Dle Ueberwersung eines Schülers in den Hort und Beschwü^ o? Uf K 9 ^ tra0 bc5 Klassenlehrers durch ffio!? «,!, u Schulvorstandes. An 5 Wochentagen wird den Knaben ^ unter Aufsicht eines Lehrers ihre Hausaufgaben Uebun?en «nh darnach bei günstigem Wetter allerlei tumerische oder fick mH h! r i" ctc Bewegungsspiele im Freien auszuführen DOn ® renneffeln - Tee «Nb A-z'nel überwiesenen Knaben sind zum regelmäßigen 7?^^ Hortstunden ebenso verpflichtet, wie zum Besuch der lllassenstunden. Ungerechtfertigte Versäumnisse sind strafbar «ns-.»!'"/ue Emrichtung das rechte Verständnis finden und unserer gefährdeten Jugend zum Segen gereichen! Friedberg, den 20. August 1918. Der Gchulvorstaud. Mitielschnitt, -!!. sofort lieferbar » Heldenbergen. Freiniillige Fkiiklwelfr Friedberg und im Stadtteil Fauerbach. Ausrücken Sonntag, den 25. Aug, vormittags 8 Uhr. Das Kommando. Ein Simmentaler Zucht-Bulle (Herdbuchtier) zu verkaufen. ISg. Betz. Melbach. Kelranntmachung 2ch bringe hierdurch zur öffentlichen Kenntnis, daß der Kaufmann Friedrich Michel in Friedberg und der Metzgermeister Ludwig Wilhelm Haas im Stadtteil Fauerbach als HilfS. fcldfchützen für die Gemarkungen der Stadt Friedberg und oes Stadtteils Fauerbach in Pflicht genommen worden sind und daß sie ihren Dienst als solche ange- treten haben. Friedberg, den 22. Aug. 1918. Der Bürgermeister 2. B.: Damm. 3. S.: Damm, Vorsitzender. ! Achtung! SlUlssrinikil, kme Waschlist mehr! (( Den Freunden dieses Blatt, empfehleich mein Laaer in Optik, Brillen u. Kneifer nach jed. Rezept. Lieferung f. Kassen. Selikillgericht. Kkpar.-Wrrli- stlitte m.Wafch.-öetr.f.Vptik, Klsrev.Gvidw.ll. Ftiamechallik Willi. 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