Dummer 193 10 Pfennig die Nummer Montag, den 19. August 1918 11. Jahrgang. Weue Tageszeitung Die „Mene Tasesreituirs" erscheint jeden Werktag. Negelmähige Beilagen „Der Kauer aus Hessen". „Die Spinnstube". Kezugsprsis: Bei den Postanstalten vierteljährlich Mk 2 40 binzu tritt noch das Bestellgeld: bei den Agenten monatlich 85 Pfg. einschliehlich Trägerlohn. Anzeigen: Grundzeile 2b Pfg., lokale 20Pfg.. Anzeigen von auswärts werden durch Postnachnahme erhoben. Erfüllungsort Friedberg. SchrifLlsitung und Derlag Friedbecg (Hessen), Hanauerftratze 12. Ferniprecher 18. Postscheck-Touto Nr. 4839, Amt Frankfurt a. M. Kndkrjttk der Am nllr Anzrii-e zW!n?. Schwerste Derlnstc der Feinde. — Zahlreiche Panzerwagen zerfchosien. — Feindliche Angriffe in Albanien abgewiesen. — 15 000 Tonnen versenkt. »———~ - Der deutsche Generalstab 5 .-,. meldet: =. = s W» T. K. Großes Nauptquartier» derr 17. August Amtlich. Westlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe Kronprinz Nupprecht. Zwischen Mer und Ancre nahm die Gefechtstätigkeit Während der Nacht in einzelnen Abschnitten zu. Lebhafte Erkundungstätigkeit. Erneute Vorstöße des Feindes bei -Vieux-Beiauin sowie nördlich der Ancre wurden abgewiesen. Heeresgruppe Generaloberst o. Voehn. Beiderseits von Noye setzte der Feind von neuem zu starken Angriffen an, sie dehnten sich an: Nachmittag nach Norden südwestlich von Ehaulnes, nach Süden bis nordwest- !ich von Lassigny aus. Franzosen und Kanadier versuchten hier in immer wieder erneutem Ansturm bis in die späten Abendstunden einen Durchbruch durch unsere Stellungen zu erzwingen. Die Armee des Generals von Hutier brachte ihre Angriffe völlig zum scheitern. Die Franzosen, die die Harrptlast des Kampfes tilgen, erlitten wiederum schwerste Verluste. Bei und südlich von Hallu traf unser zusammengesetztes Arttlleriefeuer Bereitstellungen des Feindes und Ansammlungen von Panzerwagen. Feindliche Angriffe die hierin den Abendstunden zur Durchführung kamen brachen vor unseren Linien zusammen. Der Schwerpunkt der gestrigen Angriffe lag beiderseits der Avre; mehrfach wiederholte stärkste Artillerievorbereitung ging hier den tiefgegliederten Jnfanterieangriffen des Feindes voraus. Bei Goyencourt gewann der Feind voriibergehend gegen Noye etwas Baden. Unsere nördlich an der Stadt vorbrechenden Gegenangriffe warfen den Feind wieder zurück. Teile unserer vorderen .Kampflinien an der Straße Amiens—Roye, die nach Abschluß des Kampfes am Abend noch im Besitz des Feindes blieben, wurden während der Nacht wiedergenommen. Südlich der Avre brachen die mehrfach wiederholten französischen Angriffe vor unseren Kampflinien restlos zusammen. Vor allem kam hier die Wirkung unserer Maschinengewehre voll zur Geltung. Bei und siidlich von Beuvraignes brach unser Artilleriefeuer die Kraft des feindlichen Ansturms, nur an einigen Punkten kam es zum Jnfanteriekampf, wir schlugen den Feind zurück. Starke Fliegertätigkeit über dem Kampffeld: Leutnant Udet errang seinen 66 Lnftsteg. Zwischen Oise und Aisne scheiterte in den Morgen- stunden ein Vorstoß des Feindes südlich von Nampcel. Heeresgruppe Deutscher Kronprinz. Kleinere Jnfanteriegefechte. An der Veste lebte der Artilleriekampf vorübergehend auf. HeeresgruppeHerzog Albrecht. Im Sundgau brachten Sturmabteilungen die mit Flammenwerfern nördlich von Largitzen in französische Gräben eindrangen Gefangene zurück. Unsere Jagdkräfte scbossen aus einem Geschwader, das Darmstadt mit Bomben angriff, vier englische Großflugzeuge ab. Der Erste Generalquartiermeister: Ludendorff. Abendliericht. , Berlin, 17. August, abends. (WB. Amtlich.) Beider- scits der Avre sind wiederum mehrfach' wiederholte Angl iffe des Feindes völlig gescheitertl zahlreiche Panzerwagen wurden zerschossen. Zwischen Oise und Aisne am frichen Morgen starker Feuerkampf: feindliche^ Teilangriffe wurden abgewiesen. « iq 1P* ^L* §' i Großes gauptqusrtter, i»e„ 18. A,,g«st Amtlich. Westlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe Kronprinz Rupprechl Jnfanteriegefechte südwestlich von Buquoy und nördlich der Ancre. Beiderseits der Avre setzte der Feind seine Angriffe fort. Mit starker Unterstützung durch Artillerie und Panzerwagen stieß er am frühen Morgen entlang den von Amiens und Montdidier auf Noye führenden Straßen vor. Seine Panzerwagen wurden zerschossen oder zur Umkehr gezwungen, die nachfolgende Infanterie durch Feuer und im Gegenstoß zurückgeworfen. Bei und südlich von Beuvreig- nes, wo der Feind am 16. August nach nachträglichen Meldungen sechsmal vergeblich angegriffen hatte, scheiterten wiederholte Angriffe des Gegners. Gegen Abend nahm der Artilleriekampf erneut große Stärke an und dehnte sich bis iir die Gegend nördlich von Ehaulnes und südwestlich von Noyon aus. Nordwestlich von Ehaulnes kamen feindliche Angriffe in unserem znwmniengefaßten Feuer nur an wenigen Stellen zur Entwicklung; sie wurden abgewiesen. Beiderseits von Noyc, zwischen Beuvreignes und Lassigny stieß der Feind in mehrfachen Angriffen vor; sie brachen vor unseren-Linien zusammen. Vorfeldkämpfe südwestlich von Noyon. Nördlich der Aisne folgten heftigem Feuer Teilvorstöße der Franzosen zwischen Nampsel und Nonpron. Nördlich von Antreches faßte der Feind in unseren vordersten Linien Fuß; im übrigen wurde er durch Feuer und im Gegenstoß abgewiesen. Heeresgruppe Deutscher Kronprinz. An der Vesle erfolgreiche Jnfanteriegefechte. Zwischen Braisne und Fismes rege nächtliche Artillerietätigkeit. Heeresgruppe Herzog Albrecht. Erfolgreicher Vorstoß in die feindlichen Gräben bei Blamont. In den Vogesen wichen unsere im Fave-Grunde bis Frapelle vorgeschobenen Posten feindlichem Teilangrisf befehlsgemäß aus. Der Erste Gcncralqnartlermeistrr: Ludendorjf. Abendbericht. Berlin, 18. Aug. abends. (WB. Amtlich) Teilkämpfe nördlich der Lys. Beiderseits der Avre sind Angriffe des Feindes gescheitert. Artillerietätigkeit zwischen Oise und Aisne. Der österreichische Generaistak meldet: Wien, 17. August. (WTB. Nichtamtlich.) Amtlich wird Verlautbart: An der Südwestfront keine nennenswerte Gefechts- tätigkeit. Bei Abwehr eines auf Trient gerichteten Fliegerangriffes schoß Oberleutnant Navratil einen englischen Osfi- ziersflieger ab und errang hierdurch seinen 8. Luftsieg. In Albanien wurde der Angriff mehrerer italienischer Schwadronen auf Stellungstcile im Semeni-Bogen abgewiesen. Der Chef des Generalstabes. Wien, 18. August. (WB.) An der italienischen Front stellenweise lebhafter Artilleriekampf. In Albanien keine besonderen Ereignisse. Der Ehes des GeneralstabcS. Der bulgarische Gcneralstad meldet: == Sofia, 15. August. (WB. Nichtamtlich.) Generalstabs- bericht. Mazedonische Front' Westlich des Ochrida-Sees wurden mehrere feindliche Vorstöße gegen unsere Sicherheits- Linie durch «Feuer abgewiesen. Nördlich von Bitolia und int Cerna-Bogen war die beiderseitige Fenertütigkeit zeitweise etwas lebhafter. Südlich von Dojran wurde eine feindliche Stoßabteilnng, die unsere Sicherheitslinie erreichen konnte, durch Maschrnengewehrfeuer vernichtet. In der Ebene vor unseren Stellungen westlich von Serres verjagten unsere Wacheinheiten feindliche Jnfanteriegruppen durch Feuer und machten Gefangene, Das türkische Hauptquartier !! •== meldet: = =_ _-ü Konstantinopcl, 17. August. (MB.) Amtlicher Tagesbericht. Palästinafront: Stellenweise Arttlleriefeuer von mäßiger Stärke. Südwestlich von Medina entwickelte sich am 10. August ein beiderseitiger starker Artilleriekampf, der bis zum 11. August abends anhielt. Unsere kräftige Gegenwirkung zwang den Feind in der Nacht zum 12. August zur Aufgabe seiner bisherigen Stellung. Er zog sich unter Verlusten nach Bir Derwisen zurück. Auf den übrigen Fronten keine Ereignisse von Bedeutung. Die Schlacht im Westen. Voller Abwehrerfolg. Berlin, 18. Aug. (WB.) Seit dem 16. August hat der Feind Tag für Tag seine Angriffe beiderseits der Avre fort* gesetzt, die ihm trotz aller Anstrengungen und trotz starken Einsatzes von Menschen und Material keinen Erfolg brachten Am 17. rannten wiederum an derselben Front vom früheil Morgen bis in die späten Abendstunden hinein dichten feindliche Sturmtruppen vergeblich gegen die deutsche Front an. Am Vormittag dieses Tages war es wieder der Abschnitt zwischen den beiden großen, von Westen auf Roye führenden Straßen in dem der Gegner seine mit allen Kampfnlitteln unterstützten Kräfte zu vergeblichem Stoß zusammenfaßte und nutzlos blutete. Seine tiefgegliederten Angriffe zwischen Fresnoy und der Avre, die er auch abends zwischen 7 und 9 Uhr noch mehrfach wiederholte, still» sämtlich verlustreich abgewiesen worden. Südlich der Avre setzte der Feind zlvei starke Tankangriffe an, wovon der letzte allein mit 30 Panzerwagen gegen unsere Linien vorbrach. Beide Angrifte scheiterten uilter schweren Opfern für den Feind, dessen Panzerwagen von uns zusammengeschossen oder erbeutet wurden. Bei der Abwehr niehrfacher feindlicher Angriffe aus dem Park von Tilloloy heraus unterstützten die Schlachtflieger wirkungsvoll durch Bomben und Masch'mengewehrfeuer den deutschen Gegenstoß betBeuvreignes. wo am vorhergehenden Tage sechs-» nialige feindliche Angriffe scheiterten. So häuften sich aufs neue die Leichen des Angreifers bei seinem auch am 17. August hier mehrfach wiederholten vergeblichen Vorstoß. Der gestrige Kampftag, an dem der Feind aufs neue schwere blutige Verluste erlitt, ohne irgendeinen Erfolg, geschweige denn eines seiner Angriffsziele erreichen zu können, ist wiederum ein voller Abwehrerfolg der deutschen Waffen. Fruchtlose Masscnopftr. Berlin, 17. Aug. (WB.) In den Angriffstagen vom 11. bis 13. August hat die französische Führung vergebens große Opfer gebracht, um durchschlagende Erfolge zu erzielen. In keiner Weise kann der zwischen Avre und Oise von den Franzosen erzielte Geländegewinn, den unsere Kanrpfesweise plangemäß vorsah, dem Maß dieser Opfer entsprechen. Die Gefangenen bestätigen die ungeheuren Verluste. So berichtet ein französischer Kompagniemelder der 166. franzö- sischen Division, daß an einem Kampftage die Gefechtsstärke seiner Kompagnie innerhalb 12 Stunden von 170 auf 50 Mann gesunken sei. Eine andere Kompagnie habe am 10. August südlich Cuvilly iin Feuer eines deutschen Moscht« nengewehrs allein 40 Mann verloren, Abßlmn -er ftindllchkil Offkußvk. Bern, 16. August. (WB.) Aus zahlreichen französische ff Blättern ist ersichtlich, daß gewisse Kreise der Hauptstadt über das Abflauen der französischen Offensive sichtlich befremdet sind. „Echo de Paris" fordert die Unzufriedenen auf, doch selber ein-! mal am Plateau von Lassigny nnchzusehen, warum die französischen Soldaten nicht weiter vorwärts kommen können. ,,Pe« tit Parisien" tadelt die Optimisten, die heute schon an der Maas stehen möchten. Die Ereignisse könnten sich nicht überstürzet- Fach habe es mit einem Feinde zu tun, dessen Starke mvmal« in wenigen Tagen gebrochen werden könne und der nebenbei eure mustergültige Organisation, die Methode und die Zahl für sich habe. Daß der feindliche Vormarsch cnif Paris ungehalten wurde, sei für die verbündeten Armeen ein glänzendes Ergebnis: weiteres solle man mit Vekuld abwarten. Alle Mit. ter machen dns Publikum einstimmig auf den starken feindlichen Widerstand bei Lassignv aufmerksam. Im „Matm* stellt Civrieux fest, daß die Deutschen mit fabelhafter Geschwindigkeit einen zahlreichen Artilleriepark heransbrachten. Alles kennzeichne den Entschluß des Feindes, ernsthaften Widerstand M lerston. Herv6 deutet in der „Victvire" an, daß das fraryö- stsche Oberkommando nicht gegen ein Hindernis anrennen werde, das ihm unüberwindbar erscheine. Hervs ist äußerst unzufrieden, daß die Offensive zum Stehen gekommen ist. 15 000 Tonnen versenkt. ®erlitt, 17. August. (WB. Amtlich.) Im östlichen Mit- telmeer haben unsere U-Boote neuerdings etwa 15 000 Brt. versankt. Der Chef de- Admiralstabe- der Marine. « Ein frausöfischer Vanrerlrreu)er versenkt. Paris, 17. August. (WB.) Meldung der Agence Havas. Der alte Panzerkreuzer „Dupettt-Thouars", 9000 Tonnen groß, der sich mit der amerikanischen Aarine an dem Schutz der Schifffahrt im Atlantischen Ozean beteiligte, ist am 7. August von einem U-Boot versenkt worden. Amerikanische Zerstörer nahmen die Schiffbrüchigen auf. 13 Mann werden vermißt. An der Küste Nord-Amerikas. Stockholm. 17. August. (WB.) Der schwedische Dampfer „Sydland , 3031 Brt. groß, ist am 8. August vor der nordameri- konischen Küste versenkt worden. « London, 17. August. (WB.) Die Admivalität teilt mit. daß zwei englische Zerstörer am 15. August auf Minen gelau- fai (?) und gesunken sind. 26 Mann werden vermißt. Sie find vermutlich durch die Explosion umgekommen oder ertrunken. Ein Mann ist seinen Verwundungen erlegen. Amsterdam. 17. August. (WB.) Nach einer Angabe des ..Telsgraaf"^ berichtet der Führer des Fischerfahrzenoes , Scheveningen 81" noch über die gestern gemeldete Versenkung zweier englischer Zr über Innsbruck. Innsbruck, 17 August. Kurz vor 10 Uhr vormittags Erschienen aus der Richtung des Brenner in beträchtlicher Höhe über Innsbruck drei italienische Flieger, zwei Auf. klarer und ein Jagdflieger, System Spad, deren Anflug bereits durch Alarmsignale gemeldet worden war. Bei ?hrem Erscheinen erösfnetcn die Mwehrgeschütze sofort ein heftiges Feuer und hinderten die feindlichen Apparate, die lvenige Minuten iiber der Stadt kreisten, tiefer zu gehen und zwangen sie, ohne daß sie Bomben abwarfen, zur Umkehr. Die Flugzeuge flogen in der Richtung gegen das Oberarm-Tal ab. Nach eingelaufenen Nachrichten erschienen sie über Imst, von wo sie dann über den: Pitz-Tal entlang südwärts steuerten. Fliegerangriff auf ein Lazarett. Berlin, 17. August. Am verflossenen Sonntag um die Mittagszeit überfllw^in französisches Flugzeuggeschwader M o n t m e d y und lvarf mehr als 40 Bomben ans ein deutsches Lazarett ab. Von den kranken und verwundeten Soldaten wurde eine Anzahl getötet oder verletzt, außerdem M'rden fünf Kinder, die in der Nähe spielten, schwer verwundet. Eins von ihnen starb infolge einer schweren Ver- letzung. Das Hospital, das als solches durch ein großes Genfer Kreuz gekennzeichnet ist, ist den Franzosen schon aus Friedenszeiten genau bekannt. Erinnert man sich der vielen Luftangriffe der Franzosen und Amerikaner, die sich in letzter Zeit wiederholt gegen deutsche Lazarette richteten, so kann man in diesem neuen Verbrechen wiedcrmn einen Beweis für die Gesinnung der Franzosen erblicken. Die Lage in Dufiland. Dle Truppenlandungen der Alliierten. Haag. 17. August. Die „Times" meldet: Die Alliierten heben nun an stoben Punkten des russischen Gebietes Truppen gelandet, Me zum größten Teil aber an Zahl schwach sind. Die erste Abteilung steht an der Murmanküste und rückt lanas der Eisenbahn nach Kem an der Küste des Weißen Meers vor. Darm stehen drei Abteilungen an der anderen Seile des Weißen Meeres. Einer dieser TruppenkeAe besetzte Archangelsk un8 rückte Links der Eisenbahn nach Wologda vor. Der zweite marschiert links des Onegasees und der dritte befindet sich an der Düna. — Die Expedition, die in Wladiwostok ausgeschifft wird, um in Sibirien etnzrwringen, ist die einzige Truppenmacht, die ttn Augenblick über eine genügende Stärke verfugt und einigen mitttärschen Enflnß auf de Lage in Rußland ausübe« kann. Aber wir glauben, daß auch diese Expedition nicht der schwierigen Ausgabe gewachsen ist, mit der sie bettaut wurde. Die Engländer bei Archangelsk. London, 16. August. (WB.) Reuter Bei Archangelsk ziehen sich die bolschewistischen Nachhuten zurück, indem sie die Brücken zerstören. Wir gingen die Öbeserskaya vor und landeten eine Abteilung an der Küste der Obegabay. Die Bolschewisten boten kräftigen Widerstand. Wir sandten eine Abteilung über die Dwina nach Kotlas, 260 Meilen südöstlich von Archangelsk. Ueber die Tschecho-Slowaken liegen keine bestimmten Nachrichten vor, aber es ist nicht unwahrscheinlich, daß die Generale Alere- jew und Denikin mit einem ziemlich großen Trupp Kosaken die Tschechenslowaken erreichen werden. Die Lage an der Murmanküste. Moskau, 16. August. (WB.) Die Presse meldet: Der Kriegsminister Hedro drahtet aus Woloada, daß die Entente- truppen im Abfchnttt von Archangelsk außer Arttlleriereichweite zurückgegangen seien. Die Tschecho-Slowaken in Sibirien. Wladiwostok, 15. August. (WB.) Rentermeldnng. Der tschechische Befehlshaber erklärte den Verttetern der Alliierten in einer Denkschrift, daß schnellere Hilfe in größerem Umfange nötig sei. um den Vormarsch auf Irkutsk zu ermöglichen. In der Note wird hervorgehoben, daß, wenn die Stteitkräfte Jrkntsk nicht innerhalb 6 Wochen erreichen, dies gleichbedeutend mit dem Verluste aller Tschecho- Slowaken in Westsibirien wäre. Abbruch der Begehungen. Amsterdam, 17. August. (WB.) Einem hiesigen Blatte zufolge meldet die „Times" aus Washington: Die Vereinigten Staaten haben alle Beziehungen zu der bolschewistischen Regierung abgebrochen. Die amerikanischen Konsulatsbeamten haben Moskau am 5. August verlassen und den schwedischen Generalkonsul mit der Wahrnehmung der amerikanischen, englischen und japanischen Interessen bettaitt. Die Freilassung der Zarin erwogen. Stockholm, 17. August. Während der letzten rm Kreml ab gehaltenen Beratungen wurde auch das vom katholischen Metropoliten Freiherrn Dr. Nopp überbrachte Gesuch deS Papstes auf Freilassung der Zarin nebst ihren vier Töchtern in Erwägung gezogen. Die Volkskommissare sprachen sich grundsätzlich dafür ans, daß dem Wunsche des Papstes unter gewissen noch nicht formulierten Bedingungen entsprochen werden solle. Der Widerstand gegen die Freilassung der Zarin ist fast gänzlich gebrochen. Wer trägt die Zchnld nn der Ermordung des Eyoren? Die Beantwortung der Westmächte kas. Damals war England allmächtig in Rußland. England hatte die Bahnen, die Zölle, die Post, die Grenzen in seinen Händen. Aber um den 'Zaren kümmerte es sich nicht. Der Zar konnte jeden Augenblick ermordet werden. Sein Vetter in London rührte sich nicht. (Wie grotesk wttkt dieser unbestreitbaren Tatsache gegenüber die jetzt in England aneeordnete Hoftrauer! Daß auch Poincare und das offizielle Frankreich Schmerz und Trauer über den Heimgang des großen Verbündeten heucheln, gehört nur zur Vervollständigung des häßlichen Bildes. Red.) Erst als Rußland sich endgültig zum Frieden bekannte, hörte man im Verbände wieder Sttmmen zugunsten des Zaren. Dieselben, die ihn dem Tode geweiht hatten, suchten jetzt, nach, dem das republikanische Regime konsolidiert war, den Namen des letzten Selbstherrschers für ihre Kriegszwecke auszubeuten. Die Tschecho-Slowaken erhielten die Aufgabe, den Zarenthron wieder herzustellen. Daß der Zar dabei zugrunde gehen mußte, daß die Wächter des Zaren schließlich zu der vevabschemings. werten Mordtat gedrängt werden konnten, um das Spiel Englands mit dem Zaren zu verhindern, das lag auf der Hand. Aber was tats? Die Hauptsache war. daß Rußland nicht zur Ruhe kam. Man kann über den ermordeten Zaren denken, wie man will. Man kann ihn einfach als Opfer der revolii^ionären Unruhen hinftellen. Wenn man aber auch Verantwortung im Ausland sucht, wenn man sie durchaus suchen und finden will, was die Londoner und Pariser Blätter anscheinend für so notwendig halten, kann man sie nur in den Orten finden, in denen diese Blätter erscheinen. Demgegenüber unternimmt Paolo Searfogtio den törichte« Versuch, der deutschen Regierung die Schuld an der Ermordung des Zaren aufzubttrden. Offenkundig — so schreibt er im ..Matt Ano" vom 29. Juli — ist die Hand Deutschlands in der Ermav^ düng des Zaren zu erkennen. Rur Naivität könnte das leugnen. Douffchland ist ja der Verbündete des Bolschewismus. Di« Bolfchewikwerbrechen sind deutsche Verbrechen. Die Erschieß; r, des Zaren muß so der deutschen Regierung zur Last gelegt neu den. Die Nachricht von der Ermordung erhielt der sächsische (!j 5cf. noch ehe die Erschießung erfolgt war. Da dies aber bo H darauf wirklich Schatz, so fällt der vom sächsischen Hof erhc tt tene Bericht zeitlich mit dem Ereignis selbst zusammen. Die;.-, erste Bericht ist offenbar ein Dokument dafür, daß man si h über die Art der Ermordung des Zaren wie über das. was ** i^rer Rechtfertigung zu erfinden ist. verständigt hat. Zur Nachricht vom Tode des Zaren brachte die deutsche Presse Seufzer der Befriedigung, da dieser Tod angesichts der guten Beziehun. gen Deutschlands zu den Bolschewisten die Ausschaltung einer großen Gefahr bedeutete. Mit diesen von blindem Deutschenhaß diktierten, aus der Luft gegriffenen Beschuldigungen vergleiche man die Worte, die der Londoner „New Statesman" vcm 27. Juli am Schlüsse seiner Wochenschau dem tragischen Ereignisse widmet: Die Gründe - so schreibt die Zeitschrift - die zu der Hinrichtung (dies der Ausdruck des Originals!) führ, ten. sind bis jetzt nur unbefttmmt bekannt. Sr« kann durch die Annäherung tjchecho-slavischer Banden beschleunigt worden sein die größere Wahrscheinlichkeit aber ist, daß man fürchtete, de, Zar könne in monarchischen oder deutschen Häniden eine ge'fähr. liche Waffe werden. Der allmächtig gemcleue Dratianu. Bukarest, 14. August. Der frühere rumänische Gesandte in Berlin Deldiman veröffentlicht im Blatt „Renastera" interessante Enthüllungen über seine Beziehungen zur rumänischen Negierung in den ersten zwei Jahren nach Ausbruch des Weltkrieges. Der damalige Minister des Aeußeren Perumbarrr war einfacher Strohmann Bratianus, der von diesem selbst für die wichtigsten politischen Vorkommnisse in vollkommener Unkenntnis gehalten wurde und dem Berliner Gesandten niemals einen politischen Auftrag zukommen ließ. Die gesamte politisck)e Korrespondenz erfolgte zwischen Bel- diman und dem Ministerpräsidenten Bratianu, während Pernmbaru nichts erfuhr, was Beldiman an Bratianu schrieb c.der telegraphierte, und was der Ministerpräsident erwiderte. Der frühere Chef der Bukarester Kriminalpolizei Rafall wurde vom parlamentarischen Untersuchungsausschuß vorgeladen und wird wegen gemeinen Diebstahls unter Anklage gestellt werden. Rafaih der Ende August 1916 mit der Ver- Haftung der Staatsangehörigen der Mittelmächte beaufttagt war, nahm den Verhafteten Geld ab, das er nicht abiübtte, sondern mit Untergebenen teilte. Die Sinnlosigkeit des Krieges. Die spanische Zeitung „El Jmparcial* bespricht in einem Lütarttkel vom 26. Juki die Sinnlosigkeit einer Fortsetzung des Weltkrieges. wobei das Blatt bemerkenswerte Urteile über di> Politik der Mittelmächte fällt. „El Jmpareial" ist kern deutschfreundliches Blatt, di« Sach« der Enterrte wird dort gewöhnlich in parteiischem Geiste besprochen, weshalb er auch eine der wenigen spanischen Zeitungen ist, deren Ausfuhr von der Entente noch zugelasse« wird, denn alle irgendwie im Geruch der Deutschfreundlichkett stehenden Blätter befinden sich längst auf der berüchtigte« schwarzen Lifte, welche sich die neutralen Länder Europas gefallen lassen müsse«. Diesmal aber läßt n deutlich durchblrcke«, daß die Berank- wortung für die Fortdauer des schreckliche« Völkergemetzels von der Entente getragen werden muß. weil Deutschland und Oesterreich oft genug ihren Willen zu Fricdensverhandlungen ausgr- # sprachen haben. In ernsten Worten wird das Bedauern darüber * ausgesprochen, daß die Staatsmänner der Entente die Friedenskundgebungen der Mittelmächte in dem entscheidende* Augenblicke zurückgewiesen haben. Wenn die Verbündete« den Frieden wirklich wünschen, dann hätten sie den Mittelmächten gegenüber mehr Vertrauen bezeigen sollen. Der „Jmparcial* meint allerdings, daß auch die Mittelmächte den ehrlichen Mb. len ihrer Friedensgesinnung dadurch kundgeben sollten, daß sie keine weiteren militärischen Eroberungen mehr machen, als ob sie Gewehr bei Fuß stehend abwarte« müßten, bis es den Staatsmännern der Entente gefällt, eine diplomatische Antwort zu etteilen. Aber darin hat das spanische Blatt wohl recht, wenn es der Entente zuruft. daß die Hoffnung auf eine militärische Entscheidung ihrerseits vergeblich ist. weil auch die Mittelmächte unerschöpfliche Hilfsmittel von Energie besitzen. Darum ist die Fortsetzung des entsetzlichen Völkerringens. das die europäischen Staaten immer ttofer in den politischen und wirtt schastlichen Abgrund tteibt, eine Sinnlosigkeit sondergleichen. Vielleicht kommt bald der Tag, an dem zwar nicht die Regierungen, aber die erschöpften Völker in den Staaten der Entente sich über diese Sinnlosigkeit Rechenschaft ablegen und ihre Re- , gierungen zur Verantwortung ziehen. ’ Zinn Fliegerangriff auf Darmstadl Darmstadt, 18. August. (WB.) Der Eroßherzog hat an den Oberbürgermeister Dr. Elässing folgendes Telegramm gerichtet: Jagdschloß Wolssgarten, 17. August . Nachdem ich mich heute an Ort und Stelle von der ganze« Tragweite des Unglücks überzeugt habe, das meine Haupt- untf Nesidc nzstadt mit dem gestrigen Fliegerunglück bettoffen hat, spreche ich. tiefbewegt von den schmerzlichen Verlusten an Men* schenleben. Ihnen mein herzlichstes Beileid aus. Zugleich.bitte ich Sie. den Hinterbliebcnen der unglücklichen Opfer meine mrtz der Eroßherzogin aufrichtige Teilnahme zu Übermitteln. Ernst Ludwig. Das Umsatzsteuer-Gesetz. Mit dem 1. August l I. ist das neue llmfatzsteuergefeß i« Kraft getreten. Dasselbe tritt an Stelle der seitherigen Be* stimm» ngen über den Warenumsatzstempel und ist es für alle Geschäftsleute von besonderer Wichtigkeit, sich mit dem Bestim. mungen dieses Gesetzes vertraut zu machen. Der Umsatzsteuer liegen alle im Inland gegen Entgelt angeführten Lieferungen und Leistungen solcher Personen, die eine gewerbliche Tätigkeit mit Einschluß der Urerzeugung und des Handels aus- üben. Es fallen also wie seither Landwirtschast und Handel daneben aber auch, und das ist neu und wichtig, alle Leistungen der Handwerker ufw.. die ohne Warenlieferung erfolgen, unter die Steuer. Neu ist auch, daß Entnahme aus dem eigenen Betrieb zum Gebrauch oder Verbrauch steuerpflichtig und mit dem Preis, den Wiederoerkäufer zahlen, einzusetzen sind (mit Einschränkung des § 3 für Klehllbetrisbe.) Lieferungen, die auf Eramtd einer Versteigerung erfolgen, sind auch dann steuerpflichtig, wenn der Auftraggeber eine selbständige gewerbliche Tätigkeit nicht ausübt. Diese Bestimmung gilt nicht bei Versteigerungen im Wege der Zwangsvollstreckung, Versteigerungen unter Miterbcn -um Zwecke der Teilung des Nachlasies, Ver. steigerungen von Grundstücken. Der Versteigerer hat innerhalb 2 Wochen dem Finanzamt eine Steuererklärung abzugeben. Im übrigen wird die Steuer in der Regel nach dem Gesamtbetrag der Entgelte berechnst, die das Unternehmen im Laufe eines Kalenderjahres fiir steuerpflichtige Leistungen erhalten hat und sind die Steuererklärilngen innerhalb eines Monats nach Ablauf des Steuerabschnitts also in der Regel des Kalenderjahres abzugeben. Besondere Bestimmungen und eine erhöhte Steuer kommen für den Handel mit Luxusgegoirftänden in Betracht. Während -ach § 15 des Gesetzes, und das ist ebenfalls neu und wichtig, alle Steuerpflichtigen verpflichtet sind zur Feststellung der Steuer Aufzeichnungen zu machen, bestehen für die Händler mit den erwähnten Luxusgegenständen noch weitergehende Buchfüh- rungsvoifchriften. dieselben haben rnsbeserchere ein Lagerbuch und ein Steuerbuch zu sichren und zwar vom 1. August ab, sowie ferner bis 15. August chren Lagerbestand aufzunehmen. Die Führung der Bücher wird durch Revision des Finanzamts schon in allernächster Zeit nachgeprüft und besteh m strenge Strafvorschriften für die Uebertretungen der Gesetze. Zunächst haben also alle den Bestimmungen des alten Gesetzes unterliegenden Personen, also insbesondere alle Landwirte, Kaufleuts ufw. nach dem seitherigen Warenumsatzftempel- gesetz gemäß bereits erfolgter Bekanntmachung ihren Umsatz fiir die Zeit vom 1. Januar bis 31. Juli, den Tag der Geltung des neuen Gesetzes, alsbald abzugeben. Weiter haben sie und die außerdem neu unter das Umsatzsteuergefetz fallenden Personen, insbesondere also die Handwerker, vom 1. August soweit dies noch nicht geschehen. Aufzeichnungen zu machen. Die Händler mit Luxusgeg erständen haben die erwähnten Bücher zu führen und ihre Lagerbestände auszunehmen. Soweit sie unter die Verordnung wegen Sicherung einer Umsatzsteuer auf Luxus- gogenstände fallen, also verpflichtet waren, vom 5. Mai ab eine Rücklage auf die verkauften Luxusgegenstände zu machen (d. h. also im wesentlichen die Händler mit Edelmetallgegenständen, Kunstwerken und Antiquitäten haben sie alsbald Steuererklärungen über die rucklagepflichtigen Verkäufe für die Zeit vom 5. Mai bis 31. Juli anzugeben. Für diese Zeit entfällt die Verpflichtung zur Entrichtung des Warenumsatzstempels. Für die vorhergehende Zeit vom 1. Januar bis 5. Mai sind aber für di« rücklogopflichtigen Gegenstäitde noch Erklärungen nach dem Warenumsatzstempelgesetz abzugeben, sodaß falls in ihren Geschäften neben rücklagepflichtigen Gegenständen noch andere geführt werden. jetzt 3 Umsatzsieuererklärungen abzugeben sind, nämlich für die rucklagepflichtigen Gegenstände fiir die Zeit vom 5. Mai bis 31. Juli, nach dem neuen Gesetz und nach dem alten Gesetz für die Zeit vom 1. Januar bis 5. Mai, für die Verkäufe von nicht rucklagepflichtigen Gegenständen für die .Zeit vom 1, Januar bis 31. Juli. Vom Felde der Ehre. Redhejm v. d. H. Der Schütze Richard Enders, bei Emern Infanterie-Regiment im Westen, Sohn des Philipp En- ders, erhielt das Eiserne Kreuz zweiter Klaffe. Aus der Heimat. Fricdbcrg. Nachdem seit dem 1. April d. Zs. der Postscheckverkehr wesentlich verbessert und namentlich im Heber- weisunugsverfahren völlige Porto- und Gebührenfreiheit 'eingetreten ist, liegt es im Interesse aller Geschäftsleute, Gewerbetreibenden, Aerzte, Apotheker, Rechtsanwälte, Gutsbesitzer, Vereine, Genossenschaften, Krankenkassen usw., ein Postscheckkonto zu besitzen. In den nächsten Tagen wird durch die Postanstalten an dis hiernach in Frage kommenden Kreise, soweit sie dem Poftscheckverkehr noch fernstehen, ein Werbeblatt „Nimm Dir ein Postscheckkonto" mit beiliegendein Antrag auf Eröffnung eines Postscheckkontos verteilt werden. Nähere Auskunft wird von den Postanstalten bereitwilligst erteilt. In Friedberg befinden sich jetzt 128 Post- Hheckkunden. . Genossenschaftliches. Im Laufe dieses Mollais wurden in Elrnsha.in und Kirtorf im Kreise Alsfeld, im Kreise Gießen in Ober-Bessingen und im Kreise Friedberg in den Ortschaften Ockstadt und Rockenberg Bezugs- und Absatz-Genostenschaften errichtet, welche sämtlich Anschluß an die Landw. Zentralgenos. sonschaft Darmstadt genommen haben. Wie wir vernehmen, ist bei der Landw. Bezugs- und Abfntz-Genoffenfchaft Friedberg nach 1p-jährigem Bestehen die Mitgkiederzahl auf 200 gestiegen. Dreschkommandos betreffend. Das Kriegswirtschasts- oant Frankfurt a. M. hat am 7. d. Mts. folgendes Rundschreiben erlassen: „In den letzten Tagen wurden mehrere Lalle bekannt, wo Dreschmafchinenbesitzec Mannschaften von Druschkolonnen nt ÄrSglebigek Werst, sdm einem Falle auf 12 Tage, eigenmächftg beurlaubt haben. Wiederholt wird darauf aufmerksam gemacht, daß die Urlaubsbefugnis nur den Truppenteilen zusteht und daß die Arbeitgeber der Kommandierten zur Urlaubserteilung, sei es auch nur auf einen Tag keinesfalls berechtigt sind. Es wird dringlichst ersucht, allen beteiligten Stellen nochmals nachdrücklichst die Beurlaubung von Kommandierten zu untersagen. Zuwiderhandlungen haben die Entziehung der Kommandos zur Folge." Die Walnuhernte ist freigegeben. Das Grotztz. hessische Ministerium des Innern hat verfügt, daß das Verbot des Ab- erntens unreifer Malnüffe vom 1. September d. I. ab aufgehoben ist, und daß mit Rücksicht auf den schlechten Ausfall der Ernte in diesem Jahre von einer öflentlichen Bewirtschaftung der Walnußernte durch das Großh. Ministerium abgesehen sei. Frankfurt a. M. Der Polizübericht meldet: „Bon der Kriminalpolizei wurde im Büro der Remington-Schreibmaschi- ncn-Gefellschaft, Goethestvaße 25, eine Schiebergesellschast aus- gehcben, die sich mit Saccharin- und Lebensmittelfchmuggel befaßte. Der Bürokeiter Wilhelm Zopf und einige Komplizen wurden festgenommen. Jntereffant ist, daß die Schieber sich gegenseitig begaunerten. Einer Berliner Schieberin hat Zopf und Eenoffen für etwa 20 000 Mark Saccharin unter geheimnisvollen Tricks abgeknüpft. — Im D teilst bestohlen wurde eine Straßenbahnschafsnerin der Linie 10 von Vornheim. Auf der letzten Fahrt in später Abendstunde war ihr Wagen wie üblich stark überfüllt, so daß sie sich kaum hindurchzwängen konnte. Diese Gelegenheit hat ein Gauner benutzt und der Schofinerin aus der offenstehenden Geldtasche dos Notizbuch mit den darin befindlichen Papiergeld gestohlen. Für den Verlust über 50 M. muß die arme F?au aufkommen. Frankfurt a. M. .Die Magergänse, die bei der städtischen Lobensmittelstelle vor einigen Wochen bestellt worden sind, werden nicht geliefert werden können. Die zur Regelung der Einfuhr von Gänsen aus den besetzten Gebieten des Ostens gegründete Gänsehandelsgesellschaft, von der die Tiere bezogen werden sollten, erhielt schon im vorigen Jahre statt der von ihr bestellten 800 000 Stück nur etwa 375 000. In diesem Jahre ist es ihr nicht gelungen, bis jetzt mehr als ungefähr 42 000 Stück einzuführen. Der weitere Auftrieb stockt vollständig. Frankfurt a. M., 16. August. Die 3jährige Tochter des Kaufmanns Vüdinger in der Mörfeldevlandsttaße wurde von einem Waldbahnzuge erfaßt und getötet. — Das Schöffengericht verurteilte den Bäckermeister Schnabel, dem in der Zeit vom Mai 1917 bis Februar 1918 3600 Vrotscheine gefehlt, zu einer Geldstrafe von 300 Mark. Ein Sachverständiger deponierte, daß Schnabel Brot ohne Brotscheine sicher abgegeben hätte. Hanau. Durch starke chemische Verunreinigung der Kinzig kamen in den letzten Togen an der Wilhelmsbrücke unzählige tote Fische angeschwcmwen. Sie wurden von Kindern und Erwachsenen auf gefischt. Auch die noch lebenden Fische ließen sich sehr leicht einfangen. Dem Schauspiel wohnte eine große Menschenmenge bei Die Ursache dieser Vergiftung der Fische wird wohl durch die Behörde aufgeklärt werden. Aus Starkenburg. Groß-Gerau. Das hiesige Kretsamt steht sich veranlaßt, die unterstellten Bürgermeistereien vor dem Ankauf von Kartoffeln durch militärische Stellen zu warnen. Wie das Kreisamt in einer Verfügung ausführt, baten in neuester Zeit militärische Stellen in verschiedenen Gemeinden versucht, Kartoffeln bei den Landwirten aufzukaufen. Ta aber nur die von der Geschäftsstelle der Kommunalverbandsvereinigung für Kartof- felbezug beauftragten Aufkäufer zum Kartoffesaufkauf berechtigt sind und jeder anderweitige Kartoffelauflauf strafbar ist, so fordert das Kreisamt die Bürgermeistereien zu besonderer Wach, samkeit und unverzüglicher Anzeige aller nichtberechtigten Kar- tcflelaufkäufer auf Vensheim. In der letzten Stadtverordnetensitzung wurde tu a. bekanntgegeben, daß die Straßenbeleuchtung bis 15. Sept. in Wegfall kommt. An die Einwohner sollen 200 Ztr. Faselhofdünger zum Preise von 1.50 Mark für den Zentner zum Verkauf kommen. Für jede abgelieferte Menge soll zur Bekämpfung der Feldmäuse-Plage 1 Pfg. vergütet werden. Innerhalb drei Tagen wurden bereits 3000 Stück abgeliefert. Der Voranschlag für 1918 wurde genehmigt. Er schließt in Einnahmen und Ausgaben mit 1 784 222 53 Mark unter Beibehaltung des Steuersatzes ab. Lindenfels i. Odenw. Unsere Kursaison ist nun auf ihrem Höhepunkt angelangt. Die Zahl der Gäste ist auf nahezu 600 angewachsen. Alle Hotels und Gasthäuser sind belegt, viele von den Gästen sind noch aus quartiert. Die Kurpreife stellen,sich je nach Lage der Zimmer und Verpflegung auf 6.50 bts 18 Mark für den Tag. Auch in den meisten umliegenden Dörfer sitzen die Sonlmerftischler haufenweise. Zwingenberg. Bei dem Fliegerangriff auf Frankfurt n. M. wurde der 60 Jahre alte, verwitwete Ludwig Simon von hier getötet. S war an dem Tage nach Frankfurt gefahren, um mit seiner Verlobten den Ehevertrag zu regeln AuS Rhemhesten. Mainz. Eine vielsagende Mitteilung ergeht gegenwärtig an die Bevölkern irg der hiesigen Stadt. Hiernach ist es bis jetzt der städtischen Verwaltung nicht möglich, die iu dieser» Jahre in ihrem eigenen (eingeineindeten) Stadtteile Mombach eittsal- lende Stangenbohnenevnte zu erfaffen. Der Bevölkerung wird daher empfohlen, sich unmittelbar bei den Erzeugern einzudecken. Daß die Bekanntmachung gleichzetttg den Hinweis auf die fest, gesetzten Höchstpreise bringt, begegnet allgemeinem Kopffchütteln, denn man weiß, daß kein Mensch zu dem Höchstpreis auch nur 1 Pftlnd Dohnen erhält. FC. Mainz, 16. Äug. Irr ein Zigarrengeschäft der großen Bleiche wurde eingebrochen und Zigarren im Werte von 2000 Mark gestohlen. — Der 70 jährige Invalide Job. Vogler in Kostheim wurde bei Rückkehr von der Feldarbeit vom Herzschlag getroffen und war sofort tot. Die Leiche des 12 jährigen Bopp aus Kastel der von der Brücke in Rhein gestürzt war, wurde bei Amöneburg gelandet. Maiuz-Kastel. Beim Spielen stürzte hier der 12jährige Schüler Bopp in den Rhein und ertrank. Der Fall ist umso ttagischer, als vor Jahresfrist ein anderer Sohn der Familie seinen Tod durch Verschüttung in einer Kiesgrube fand. Aus Hesscu-Nassau. Griesheim a. M., 15. Aug. (Schwerer Unfall in der chemischen Fabrik Elektron.) Die polnische Arbeiterin Rappolski, die in der Abteilung „Aktive-Kohlen" beschäftigt war, ist in eine Mis'chpfanne gefallen und hat sich fürchterliche Brandwunden am ganzen Körper zugezogen. Die Bedauernswerte wurde nach dem Städt. Krankenhaus in Höchst a. M. gbracht. wo sie kurz nach der Einlieferung an den Folgen des Unfalles starb. FC. Wiesbaden, 16. August. (Erittecmssichten für Obst ruld Gemüse im Regierungsbezirk Wiesbaden.) Die Ernteaussichten im Bezirk geben zurzeit für Kern- und Steinobst einen ziemlich genauen Ueberblick Bei Aepfeln kann man im Durchsch tt mit einer schwachen Mittelernte rechnen. Der Behang der einzelnen Bäume und in den einzelnen Gemarkungen ist sehr wechselnd. Allgemein wird die Erirte ausreichen, in den einzelnen Kreisen den eigenen Bedarf zu decken. Bei Birnen sind die Aussichten nach wie vor gering. Es find nur einzelne Sorten, die einen nennenswerten Behang aufweisen, wie Witnams Ehristbirne. Die Ernte der Birnen wird wohl zum größten Teil fiir den eigenen Bedarf verbraucht werden. Bei Mirabellen, Pflaumen und Zwetschen fällt die Ernte durchschnittlich mittel aus. Die Frühzwetfchen dagegen weisen allgemein eine recht gute Ernte auf. — Bei dem Spätgenrüse dürfte der Regen der letzten Zeit auf die Entwicklung recht günstig einwirkrn, sodaß sich trotz der ungeheueren, schon fett diesem Frühjahr herrschenden Plage durch Erdflöhe, Moll- und Blattläuse die Ernteaussichten wesentlich bessern werden. Die Vohnenernte bleibt in diesem Jahre im Regierungsbezirk hinter einer Normalernte wesentlich zurück. Cronberg. Die Stadtverwaltung kaufte in der letzten Woche eine große Partie ausgezeichneter grüner Dohnen ein und gab diese am Samstag und Sonntag für 80 Pfg. pro Pfund an die Bevölkerung ab. Die Nachfrage nack den Bohnen mar aber so gring, daß etwa 45 Zentner übrig blieben. Um diese Bohne» nicht verderben zu lasten, muß die Stadt sie jetzt selbst eiiffalzen. Schon im vorigen Jahr hatte die Stadt ein ähnliches Pech mit Weißkraut, das auch nicht von der Bürgerschaft gekauft wurde und deswegen teilweise verfaulte und teilweise von auswärtige« Gemeinden mit Dank angenommen wurde. Hofheim i. T. In der Reumannschen Gerberei brach Dienstag früh ein Brand aus, der ein mtt Lohrinde dichtgefiillte» Gebäuoe völlig zerstörte. Zur Hilfeleistung wurde eine Autospritze aus Mainz alarmiert, der es gelang, die Weiterrerbrei. tung des Feuers auf die Fabrikanlagen zu verhindern. Der Bettieb erleidet keine Unterbrechung. Sulzbach a. T., 15. Aug. (Gemästet für andere.) Aus einem hiesigen Bauerngehöft wurde nächtlicherweise ein drei Zentner schweres Schwein gestohlen, im nahen Felde abge- schlachtet und dann in der Richtung nach Zeilsheim fortge- fahren. FC. Eröenheim, 16. August. Heute früh boach in eine« Holzschuppen des Lakwwirts Koch in der Gartenstraße Feuer aus. Der Feuerwehr gelang es, das Feuer auf seinen Herd )» beschränken. IC. Biebrich, 16. August. Ein Kaufmann aus Wiesbaden» der einen Sack mit Aepfeln auf dem Rücken hatte, wurde hier angehalten. Er gab schließlich nach langem hin und her zu. daß er die Aepsel gestohlen und seinen Namen falsch angegeben hab^ Die Aepferl wurden beschlagnahmt und der Kanrfmanu nach Feststellung feiner richtigen Personalien entlasten. FC. Langenseifen, 16. Aug. Der Schlachtflieger Vize» feldwebel Herder, Lehrer dahier, wurde durch das Eiserne Kreuz erster Klasse, das Fliegerabzeichen und die Hessische Tapferkeitsmedaille ausgezeichnet. FC. Limburg, 16. Aug. Bei dem Kommunalverband stand ein Metzger in Offheim schon lange im Verdacht der Geheimschlachtung. Als er vorgestern im Begriffe war einen Korb nrit Schövarzgeschlachteteni sortzuschaffen, wurde er von einen: Polizisten angehalten, dem er sich widersetzte. Er wurde den: hiesigen Amtgericht zugeführt. Die Erhebungen ergaben, daß der Metzger in den letzten drei Kriegsjahren einen schwunghaften Fleischfchleichhandel getrieben hatte. Staffel (Kreis Limburg). Der 48jährige Landwirt Opel wurde im Walde an der Staffel-Elzer Grenze erschosten aufge. fundon. Er hatte sich am Sonntag mit einem Freunde auf die Jagd begeben und sich im Walde von demselben getrennt. Al» Opel am Montag nicht nach Hause kam, begab man sich auf die Suche und fand ihn als Leiche vor. Der Schuß ist aus nächster Nähe auf den Toten abgegeben worden, vermutlich von Wilderern. FC. Staffel, 15. Aug. Die Leichenöffnung des im hiesigen Walde erschossen aufgefundenen Jägers Opel von hier hat niit Sicherheit ergeben, daß an Opel ein Verbrechet begangen worden ist und Selbstmord demnach ausgeschlossen ist. Vom Täter fehlt bis jetzt noch jede Spur. FC. Vom Westerwald, 16. Aug. Zum Vorsitzenden des 2. landwirtschaftlichen Bezirksverein Dillkreis wurde an Stelle des seitherigen Vorsitzenden Landrat von Sitz^ütz- Dillenburg, der Land rat von Sybol-Dillenburg geivählt. FC. Hachenburg, 16. Aug. Der Fuhrmann Jung von hier wurde unter dem Verdacht ein von seinem Verhältnis, der M. Venner geborenes Kind getötet und beiseite geschafft zu haben, verhaftet. Die Kindesleiche NMrde von RechnungS». rat Minch und Gericlstdiener Mohr in: hiesigen Walde auf- gefunden. > -L. . ■ -J- 1 '!- 1 —-- --- M- .. ' 1 '■ ! Verantwortlich für den politischen und lokalen Teil: Ot tch H i rsche l, Friedberg: für den Anzeigenteil: R. Heyn er. Friedberg. Druck und Verlag der „Neuen TagLözeitung^ A- G.. Friedbera i L. Uexfemt. Nomanvon Anny W o! h e. ^ Nachdruck verboten. „Sparen Sie sich alle überflüssigen Redensarten, Herr Eraf, entgegnete Aga kühl, „und sagen Sie mir unumwunden, was Sie zu mir führt." „Die Liebe, mein gnädiges Fräulein," ga-b Horst mit einem l-sisen Lächeln zurück, und dieses Lächeln stand ihm gut. sehr gut. Die etivas schlaffen, matten Züge des blaffen Gesichtes belebten sich die feinen Nasenflügel zitterten leicht und aus den Augen brach ein schimmernder Funke, dem. wie er selbst oft lachend behauptete, keine Frau widerstehen konnte. .Darf ich Sie um Aufklärung bitten, mein Herr." „Gewiß, mein gnädiges Fräulein, wenn Sie mich anhören wollen." Aga deutete leicht mit der Hand auf einen Seffel und sich langsam, Horst gegenüber niederlaffend, sagte sie müde: „Wollen Sie zur Sache kommen/Herr Graf." „Ich bitte Sie dringend, mein gnädiges Fräulein, nicht diese förmliche Anrede. Es gab eine Zeit, wo wir uns anders nannten, und wenn ich jetzt auf diese Zeit zurückkomme, so möchte ich Sie bitten, nur das nicht als eine Taktlosigkeit zu deuten, sondern als eine Notwendigkeit, der ich mich leider beugen muß." „Wollen Sie fortfahren. Graf Nordkirch?" sagte Aga rachig, als er plötzlich schwieg und ihr, als erwarte er eine Antwort von ihr. forschend ins Antlitz sah. „Ich bitte, Herr Graf," sagte Aga verbindlich, und es war, als spiele jetzt ein leises Lächeln um ihre Lippen. Horst senkte die Augen zu Boden. Dieses Mädchen mit dem durchdringenden lick war wirklich höchst unbequem. Mit einem tiefen Atemzug warf er das dunkelblonde Haar, das ihm in einer dicken Locke genial in die Stirn fiel, zurück und sagte, mit der feinen Hand leicht über den dunklen Soitz- bart streichend: „Sie haben noch nicht vergeffen. mein Fräulein?" „Nein." gab Aga zurück, „und ich werde nicht vergeffen." Ein leichtes sarkastisches Lächeln flog über die Lippen Ncrdkirchs, so daß die weißen, breiten Zähne leuchtend unter uem dunkelblonden, dichten Schnurrbart hervorblttzten. „Mein Fräulein." sagte er mit einem so warmen Laut in der Stimme, von dem er auch gern behauptete, daß er den Frauen gefährlich war, „verzeihen Sie. wenn ich ein wenig lache. „Das Pfarrcrstcchterleln vom Müggelsee, das konnte so sprechen, aber Aga Holsten, die geftierte Künstlerin, nicht. Wären Sie noch die Aga von rfrtfc bei Gott, ich wSre nicht zu sekommen. aber die Aga von heute ist groß genug, mn -u verstehen, zu begreifen und zu verzeihen." „Sie überschätzen mich. Graf Nordkirch Aga Holsten ist noch immer die Aga. die sie einst war. Cie hat genau dieselbe spießbürgerliche Ansicht über Liebe. Ehre. Pflicht und wie sonst die schönen Dinge alle heißen, und Aga Holsten kann Ihnen heute nur ebenso wie früher sagen, daß unsere Lebenswege weit aus ei nand er g ehen." „Darin täuschen Sie sich, mein gnädiges Fräulein," errtge-g- nete Horst mit unerschütterlichem Gleichmut, „unsere Wege gehen zusammen. Wissen Sie, was mich hergefiihrt?" „Meine kleine Schwester hat mich verständigt, aber ich bin natürlich weit davon entfernt, diese Kinderei ertfft zu nehmen, und ich hätte Sie. Herr Graf, gewiß nicht empfangen, wenn ich rncht die Gelegenheit wahrnrhmen wollte, endgültig mit Ihnen abzurechnen." „Ah? Also doch?" „Eifersüchtig, mein Herr Graf, wollten Sie sagen? Bitte, leugnen Sie nicht. Die Selbstgefälligkeit, die Ihnen diese Aus- saffung diktiert, ist ja wirklich zu bescheiden, aber ich bin so unglücklich, nach dieser Seite hin Ihre Illusionen völlig zerstören zu müssen" „Laffen Cie den Spott. Aga. er steht Ihnen nicht, und ich möchte Sie nicht gern häßlich sehen. Sie. die ich einst geliebt und verehrt habe, wie man einen Gott verehrt." Jetzt lachte Aga. Es klang so lustig, so herzsroh, so launig, daß es Horst war, als höre er Märchengeflüster und doch durste das nicht sein, nie mehr. „Sie find ein Phantast, Graf Nordkirch. denn sonst hätten Sie nicht vergeffen. daß ich zur Zeit Ihre Verehrung mit einer Ballerina der Hofoper, die Ihr Vermögen vergeudete, und der armen Müllerliese, die Sie in den Tod gehetzt haben, teilen mußte. Ich war nur so anspruchsvoll, keine anderen Götter En mir dulden zu wollen — allerdings eine maßlose Arro. ganz von so einem dummen Pfarrerstöchierlern, das noch an Liebe und Treue glaubte wie an den Heiland. Doch nun ohne alle Umschweife. Graf, was wollen Sie hier?" „Ich bitte Sie um die Hand Ihrer Schwester Hansi." — Aga schloß die Augen Nie, nie. schrie es in ihrer Seele. — „Sie antworten mir nicht, meine Gnädigste?" „Nie?" Aga hatte es jetzt fast laut geschrieen. „Doch, ganz gewiß, mein Fräulein," gab Horst von Nord- kirch mit fester Stimme zurück „Hansi wird mein, ob mit oder gegen Ihren Willen, das überlaffe ich ganz Ihrer Einsicht. Ich liebe Hansi, und ich will sie besitzen. Binden Sie dem Kinde die Hände, und ich werde die Ketten zerreißen. Daß ich die Macht habe, weiß ich. Sie haben mich schon einmal im eencrtt. Sie waren die einzige der Frauen, die ich gekannt und begehrt hatte, die es gewagt hat, mich abzutun. Darum rache ich mich jetzt, meine schöne Feindin, ober nichts Böses will ich Ihnen tun. sondern das Liebste, was Sie haben, will ich glücklich machen." „Teufel, sagte Aga verächtlich, „Sie überschätzen Ihre Macht. Ich weiß es wohl, daß Sie mit greulicher Bosheit dem Kinde nachschlichen, um sich durch tausend Schmeicheleien in das unbewachte Herz des jungen Geschöpfes zu stehlen, aber ich weiß auch, daß ich Hansi lieber mit eigener Hand töte, ehe ich sie Ihnen ausliefere." „Gemach, gemach, mein Fräulein. 'Wie theatralisch dar klingt. So was bestraft das Gesetz, das wiffen Sie ja. Inl übrigen ist die Sache viel einfacher als Sie denken." „Ich weiß zwar, daß Sie meinen Versicherungen wenig Glauben schenken, und wie könnten Sie auch, aber es ist wirk lich ft, ich liebe das reizende, hübsche Kind und will es haben. Natürlich habe ich sie nur gern, weil sie Ihnen, Aga, so ähnlich ist Eine neue Ausgabe des einstigen schwarzhaarigen Piacrc.' - töchterlein in blond. Alte Zeiten werden da lebendig. Aga. süße, alte Märchenbilder. Ich sehe die Heide, den Miftacg." und den Dämmeritzsee. Ach, wie wir lustig mit weißen Segeln über die krausen Wellen flogen. Und ich sehe die Birken mn dem leise rauschenden Gezweig, und Träume werden wcrck. Träume, Aga!" „Genug, mein Herr. Spinnen Sie Ihre Märchemrän' allein, soweit und soviel Sie wollen, aber Hansi soll lein Obftlt für Ihre nimmer rastende und begehrende Seele sein. Hansi wird nie Jh: Weib, ft lange noch ein Atemzug in mir ist." „So wird sie es gegen Ihren Willen, verlassen Sie sich darauf." „Hansi steht unter meinem Schutz und unter denn ihres Vormundes. Das ist vorläufig genug." Nordkirch lachte, ein häßliches, hartes Lachen, dann aber sagte er, sich von ftinem Sitze erhebend, und ein paar Schritte aus Aga zutretend: „Liebe und Leidenschaft, verchrteste. haben Sie nie gekannt, aber dieses Kind, das Sie glauben zwingen zu können, wird es Ihnen zeigen, was Liebe ist. Nur noch eine Frage beantworten Sie mir. Wollen Sie Frieden oder Krieg? Ich kämpfe um mein Pfarrerstöchterlein, und Sie?" »,>Zch kämpfe nicht, mein Herr," sagte Aga hoheitsvcll und wies mit unzweideutiger Gebärde nach der Tür. „Ich kämpfe nicht, mit Ihnen nicht!" für 250 Mark zu verkaufen. Schultheis in Steinfurth bei Bad-Nauheim. Eine junge ftischmelkende gelernte Fortsetzung folgt. Bekanntmachung. Nicht abgeholte Gurken. .. D« Betrag wird dafür am Freitag, den 23. Os. Mts , während bet Butterausgabe in Zimmer Nr. 1 der alten Post zurückbezahlt. Friedberg, den 19. August 1918. Der Bürgermeister Damm. I. B. Kuh zu verkaufen bei Georg Peter Quirin, Haarheim. Frankfurterstraße 8. Eine snichmelkende Simmentaler Fahrkuh hat preiswert zu verkaufen Wilhelm Brückel, Landwirt, Wölfersheim. Bekanntmachung. Nächsten Dienstag, den 20. August, nachmittags von 3 bis 4 Uhr. verteilen wir in der alten Post, Zimmer Nr. 2. für Kranke Land-Eier. Gegen Vorlage der kreisamtlichen Bereinigungen, auf Eierkarten rot, Marke 2. wird 1 Ei zu 32 Pfg. abgegeben. Eierkarlen und kreisamtliche Bescheinigungen sind vorzulegen. Ererkarten ohne die betreffenden Marken berechtigen nicht zum Bezug. Einzeln abgetrennte Marken sind wertlos. Friedberg. den 19. August 1918. Der Büraermeister I. V.: Dam m. Liegen Ausgabe der Landwirt fchast verkaufe ich 15 unter 25 die Wahl. Frau Otto Reh Wwe., Ilbenstadt. sucht Frau Kreis-Wasserrechner Ostheim, Friedberg, Taubenrain8. Eeilüliolterio mit Lblortidbm Gewinn-Entscheid! Hess. Landesvemn vom Roten Kreuz und älic-gfauenmein. Losuriefe zu 1.10 Mk., 5000 Gewinne in har mit #*soo Mfe. Hervorragende GewinnaussicHlen! Jedes 10. Los gewinnt! Sof. Gcwinn- fluszahl. Losbrsele zu 1.10 Mk., 11 St. 11.10 m. - m 8 B Miami», Friedherg (Hessen). Einkochapparate, Einkochgläser, Gummi-Ringe (lose), Einkochglasöffner zu billigen Preisen noch zu haben bei Wiili. Ijohrey, Nieder-Florstadt. Bekanntmachung. 5Tm 1. 8. 18. ist eine Bekanntmachung betreffend Verwendung von Papierabsällen erlassen worden. Der Wortlaut der Bekanntmachung ist in den Amtsblättern und durch Anschlag veröffentlicht worden. _M». CenkrMmiimdo 18. Ariilttkorns. Landwirtschaftliche Maschinen aller Art, in bestbewährten Fabrikaten, offeriert Zweigstelle Friedberg. Telefon Nr. 42. Friedberg dem Rathause gegenüber. Bekanntmachung Am 15. August 1918 ist eine Nachtragsbekanntmachung Nr. G. 700/8. 18. K. R. A. zu der Bekanntmachung Nr. G. 700/5. 18. K. N. A. vom 29. Mai 1918, betreffend „Beschlagnahme und Vorratserhebung von Gummibereifungen für Kraftfahrzeuge jeder Art." erlassen worden. Der Wortlaut der Nachtragsbekanntmachung ist in den Amtsblättern veröffentlicht worden. Mv. (tanlfomntniiiii) 18 . AliiittkuiP. Tapeten- und Linoieumhaus Jean Kogler, Nahe des Rathauses. U Düngerstreuer „Triumph geeignet für alle Düngerarten, besonders für Kalkstickstoff in kleinsten Mengen, in allen Größen sofort lieferbar. Cleorg Schiefer,