Uuurinn 190 (Sin{di)rei0 we IS« Dvnneestag. Ven 15, August 1918 11. Jahrgang. Die .. cue 1 a« esreitung" erscheint ieöen Werktar. Regelmäßige Beilagen „Der Kauer aus Oesseu", „Die Spinnstube". Bezugspreis: Bei den Postanstalten vierkeliährlich Mk. 2.40 hinzu lxitt noch das Bestellgeld,' bei den ^^enten monailich 85 Psg. einschließlich Trägerlohn. Anzeigen: Grundzeile 25 Psg.» lokale 20 Psg., Anzeigen von auswärts werden durch Po tnochncwme er von. E i-llunasori -vrieDbeta. . l?chriftleitung und Derlaq ^nedbern s.Hssfen), ^anauerrratze 12. ^ernwrecher 48. Pasti tzrck-Conto Nr. 48»!). '21 mt Frankfurt a. M. Dcegeöttche Angriffe der Italiener. — Gefolge unterer Marinesiieger. — Feindliche Kchiffsuerurste. Die Zukunft Dolens. Der deutsche Generalstak •=== meldet: =? W. f- Großes KaupL«irmrrier, derr 14. August mliich. Westlicher Kriegsschauplatz. Heeres gruppe Kronprinz Nupprecht. Erfolgreiche VorseN-kämpfe zwischen Vier und S c a r p e. | Südlich ron 2 j{ e r r i 5 und südlich der L y s scheiterten Vorstöße des Fc-irdes. Heeresgruppe Generaloberst o. Voehn. j Teilkä'mpfe beiderseits der Somme und nördlich der Avre Westlich und südwestlich von L a s s i g n t) griff der Feind von neuem an. Beiderseits von (Tannt) brach der An, griff in unseres Feuer zusammen. Wörter südlich schlugen wir den Feind im Gegenstoß ab. Heeresgruppe Deutscher Kronprinz. Kleinere Infanteriegefechte an der V e s 1 e und östlich von Reims. Leutnant Volle errang feinen 39., Oberleutnant L ö r z e r selten 29. und Leutnant Roeth seinen 20. Luftsteg. Der Erste Gencralgnartiermcistcr: Ludendorff. Abeirdberrcht. Berlin, 14. August. (WTB. Amtlich.) Von der Kampffront nichts Neues. Der österreichische GeneraUtab I! —... meldet: — 1 1 Wicn, 14. August. (WTB. Nichtamtlich.) Amtlich wird vsrlgutbart' Italienischer Kriegsickanplatz: Im TonaleGebiet griff der Feind gestem zu den von uns seit längerer Zeit erwarteten Angriffen. Er leitete sie am Vormittag durch Vorstöße gegen die ist den Q^llengebieten des e und der Sarca di Genova stehenden Postierungen e 'Nachmittags folgte nach starker Artillerievorbereitung da-. ngehen auf unsere Tonale-Stellung. Die Kämpfe der' m für uns günstig. Vom Zurückdrängen einiger vorgeschobener Hoch- gebirgsposten abgesehen, errangen die Italiener nirgends Erfolge Sonst im Südwssten keine besonderen Ereignisse. Ai.- . r Oestlich des Devoli-TaleZ bemächtigten sich unsere Bataillone einiger Stützpunkte des Feindes. Der Chef des GencralstabcS. ] Der bulgarische GeneraMa-' -- meldet: ———l Sofia, 11. August. (WB. Nichtamtlich.) Eeneralstabsbericht. Mazedonische Front' Oestlich vcm oberen Skumbi vertrieben wir eine starke französische Infanterieabteilung. Nördlich von Bitolja und zu beiden Seiten der östlichen Cerna war die beiderseitige Feuertätigkeit zeitweise ziemlich heftig. Der Feind beschoß eines unserer militäcschen Hospitäler südlich vom Dorfe Bechichte, das sichtbar gekennzeichnet war. In der Gegend )on Moglena und östlich vom Wardar zcrsprengten wir durch lseuer starke feindliche Stoßtrupps, die nach Artillerievorbereitung en unsere vorgeschobenen Posten heranzukommen versuchten, llach Lustkampf schoß der deutsche Vizefeldwcbel Fizeler ein feindliches Flugzeug ab, das brennend hinter den feindlichen Stellungen östlich von der Cerna abstürztc; er errang damit seinen elften Luftsieg. Sofia, 12. Aug. (WB. Nichtamtlich.) Generalstaüsberlcht. Mazedonische Front: Im Tschernabogen mar das feindliche Artilleriefeuer zeitweise lebhafter. Westlich des Dobropolje ver. suchten nach Artillerievorbereitung mehrere feindliche Sturmabteilungen sich unseren Vorposten zu nähern. Sie wurden durch Feuer zerstreut. Bei Altschak Mahle drang eine unserer An- griffsabteilungen in die feindlichen Gräben, von wo sie verschiedenes Kriegsmaterial zurückbrachte. Auf beiden Wardui> utern «nb auf dem Vorgelände südlich Barakli Dschumaja wurden englische und griechische Insanterieabieilungcn nach Kampf Mann gegen Alaun verjagt. j] Das türkische Hauptquartier II L= . ■. .= meidet: -— - Konstantinopcl, 13. August. (WB. Nichtamtlich.) Gene- ralftabsbericht. Valästinafront: Au mehreren Stellen der Front vor- getrieüene Aufklärungsabteilungen des Gegners wurden überall von uns abgewiesen. Zeitweise Artilleriekämpfe und lebhafte Fliegertätigkeit östlich des Jordans. An den übngen Fronten ereignete sich nichts Wichtiges. ENolge milerer stuofeiiBreiikrijffk. Berlin, 11. August. (WTB. Amtlich) Im Laufe des 13. August haben unsere Flugzeugstreitkräfte des Marine- korps 9 feindliche Flugzeuge abgeschossen. Leutnant zur See Sachsenberg errang feinen 19. und 20., Leutnant Osterkampf seinen 10. Lnftsteg. Der Chef des Admiralstabes der Marine. Feindliche Schiffsverlufte. 18 000 Tonnen ver-enIU. Berlin, 11 August. (WB. Amtlich.) Im Sperrgebiet um England versenkte eines unserer U Boote 18 000 Brt. Der Chcs des Adnnralstabe- der Marine. Gin britischer Zerstörer torpediert. Die britische Admiralität teilt mit: Ein britischer Torpedobootzerstörer. der infolge eines Zusammenstoßes schwer beschä. d'gt wurde, ist im Mittelmeer am 6. August von einem Unter- se.'boot torpediert und versenkt worden. Sieben Mann der Besatzung, darunter zwei Offiziere, werden vermißt. Gin 10000 Toimcn-Zornpfer verlenkl. Zürich, 13. August. Das amerikanische Marinedepartement gibt die Versenkung des amerikanischen Dampfers „O. B. Jennings" (10.300 Brt.) 100 Meilen von der Küste von Virginien durch ein deutsches U-Boot bekannt. Die Besatzung ist gerettet. Weitere Versenkungen. Basel, 13. August. Das französische Marine-Mnisternim vom 12. August gibt bekannt' Das Dampfschiff „Djennah" der Messagerie Maritime, das von Viserta nach Alexandria in einem Transport unterwegs war, ist in der Nacht vom 14. auf den 15. Juli von einem Unterseeboot torpediert und versenkt werden. 442 Mann werden vermißt. Am 19. Juli wurden ebenfalls im Mittelmeer ein Dampfschiff d«er nämlichen Gesellschaft, die „Australien" von einem Torpedo getroffen, geriet in Brand und sank. 17 Leute der Besatzung wurden getötet. 948 Passagiere wurden gerettet, drei werden vermißt. In dem gleichen Transport, in dern die „Australien" fuhr, wurde noch ciiti anderes Schiff torpediert, konnte sich aber über Waffer halten. Zahlreiche Bomben wurden auf das Unterseeboot im Augenblick, als es untertauchte, abgeworfen. In demselben Celeitzuige vnn.de außer dom Dampfer „Australien" noch ein anderes Schiff torpediert, konnte aber flott gehalten werden. Zahlreiche Bomben wurden auf das Unterseeboot im Augenblick des Untertauchens geworfen. Nie Schlacht im Westen. Die feindlichen Tanks in der Schlacht. Berlin, 13. August. (MB.) Ein dichter Nebelschleier lag über dom Sommegebiet, als am frühen Morgen des 8. August kurz nach 5 Uhr an der gaumen Front der Armee v. Marwitz mächtiges Trommelfeuer einfctzte und IX Stunden ununterbrochen anhielt. Unter dem Schutz einer Maste Tanks, wie sie bisher noch nicht eingesetzt worden war, giing die feindliche Infanterie dann in tiefen Wellen zum Angriff vor. An vielen Stellen vernebelte der Feind das Gelände. Auch aus den Tanks wurden Nebelbomben geworfen, so daß sich der Angriff f-ast völlig unserer Sicht entzog Auf dem linken Flügel griffen zwei bis drei englische Divisionen ln Gegend Marlancourt an. Cstdlick von ihnen rückten australische Korps mit vier Divisionen an. außerdem vier kanadische Divisionen. Alle diese galten als besonders gute Angriffstruppen, die ieit längerer Zeit nicht mehr im Gefecht gestanden haben. Auch ist festgestellt worden, daß vier französische Divisionen an den Kämpfen beteiligt gervesen sind. Die neuen englischen Niesentanls, die hier zum ersten Mal auflraten, sind noch um einige Fuß länger und besitzen kräftigere Motors. Der moralische Eindruck dieser Ungetüme ist für den Verteidiger die Hauptgefahr. Diese Nervenprobe haben unsere Kämpfer glänzend überstanden. Ueberall da, wo die Tanks an de-n Bereich unseres Artilleriefeuers gerieten» wurden sie vernichtet. In welcher Dichte die Engländer mit ihren Tanks angriffen, erhellt daraus, daß auf einem Dioisions. abschuitt auf einer Breite von vier Kilomeiern 43 zerschossene Tanks liegen blieben, die alle durch unsere Artillerie- und Ma- schinengowohrfeuer vernichtet wurden. Rechnet man hinzu, daß ein großer Teil der Tanks entkommen ist, so können die Zwischen- räume nicht mehr als 60 bis 70 Meter betragen haben. Als Haupteinbruchsstelle für die Tankgeschwader hatte der Feind die Flanken und vospringenden Teile unserer Front gewählt, um in den Rücken unserer Infanterie zu kommen. So stießen z. B. Tanks nördlich Moreuil von Thennes aus vor, da der Avre» Abschnitt von ihnen nicht hätte überwunden werden können. Nicht weniger als drei englische Kavalleriedivisionen — dies bedeutet die gesamte englische Kavallerie — standen bereit und griffen später, schwadronenweise verwendet, in den Kampf ein. Bei diesem Masteneinfatz von Tanks und Truppen, begünstigt durch die Ungunst des Wetters, gelang es d^m Feinde bekanntlich, in beträchtlicher Tiefe einzudringen, stellenweise jedoch unter schweren blutigen Opfern. Nördlich der Straße Amiens—Peronne liegen die Toten in mehreren Reihen wellen, weife hingemäht. Einzelne deutsche Maschinengewehrnester wehrten sich verzweifelt und brachten der den Tanks mir langsam folgenden Infanterie die ersten Verluste bei. Eine leichte Batterie vernichtete allein 10. eine andere 9 Tanks. Ein Kraft- wagenflakgefchütz erledigte 5 Tanks und fuhr dann zurück, da es sich verschossen hatte, um Munition zu holen. Es schoß dann noch zwei weitere Tanks in Brand. Bei Marcelcave und Fratervills wurden einzelne Schwadronen durch unser Maschinengewhrfeuer fast vollkommen vernichtet. Ueber alles Lob erhaben ist der Schneid der deutschen Infanterie, die stellenweise der Tanks nicht achtend, sie hindurchfahren ließ und die nachfolgende Infanterie im Gegenstoß aufhielt. Es sind auch Fälle gemeldet worden in denen die In. fonterie allein der Tanks Herr wurde, indem sie an einer Stelle zum Botfpiel 4 Tanks in Brand schoß und 8 weitere außer Ge-> fecht setzte. Dom Schneid unserer Infanterie und der Beweglich, keit unserer ArMer-e sowie ihrer vorzüglichen Schießleistung ist es zu danken, wenn der groß angelegte feindliche Angriff sehr bald zum Stehen kam und in den letzten beiden Tagen nicht mehr weiter Rauni gewinnen konnte. Der Fliegerangriff auf Calais. Genf, 13. August. Die Verfolgung der deutschen Flieger, welche gestern die Stadt Calais nach weit wirkungs* voller beschossen als in der Vorlnoche, blieb ergebnislos. Her. vorgehoben wird von den französischen Blättern die besonders Heftigkeit des Maschinengewehrangriffes der Flieger gegen die Hafenobjekte. Der Fliegerangriff ans Frankfurt. Basel, 10. Ang. Ter Bericht des englischen Flugdienstes vcin 13. August lautet: Eines unserer Geschwader griff erfolgreich die Flugzeugwerkstätten und die chemischen Jab- riken von Frankfurt a. M. an. Explosionen im Mittelpunkt der Ziele wurden beobachtet. Das Geschwader, das von einer großen Anzahl deutscher Jagdflugzeuge angegiiffcn wurde, vernichtete deren zwei. Der Kau.'pf setzte sich auf einer Strecke voll 30 Meilen fort. Alle unserer Appvirate kehrten zurück. — Ein anders britisches Geschwader griff den Fülgplatz Hagenau an. Es wurde beim Ueberfliegcn der Linien von einer großen Anzahl deutscher Jagdflugzeuge angegriffen, von denen es vier zerstörte und eins zur Lam düng mit Havarien nötigte Seinerseits büßte detz Ge- ßhlvader zwei Apparat ein. 'Es fetzte seinen Flng sert, bombardierte das Ziel und erzielte aas einem großen Flugzeugwerk eine Treffer. Eine andere Bombe -erstörfe tiet; auf der Erde befindliche Flugzeuge. Die Sklprechliilgkn im Eröffn Havpsquarütr. Kaiser Karl ist im Großen Hauptquartier angekom- men Die Besprechungen dürften bald zu End« geführt werden, da der österreichische Kaiser seinen Geburtstag, der heute fft, im Laave zu feiern gedenkt. Die Verhandlungen drehte« sich hauptsächlich um die Zukunft Polens. Nach vorliegenden Berichten handelt es sich um folgende Punkte: Eine Zollgemeinschaft und eine militärische Konvention mit den Znttralmächten. ferner einheitliche Vcrkehrspolitik, freie Weichfelschiffahrl und Mitbenutzung des Danziger Hafens als polnischen Freihafen. Abgrenzung gegen Litauen auf Grund ethnographischer Verhältnisse. Weiterausdehnung der östlichen Grenze gegen Rußland sodaß Polen unmittelbar an Rußland angrenzt. Beseitigung der Trennungslinie zwischen dem öfter, reichischen und deutschen Verwaltungsteil Polens sowie weitere Selbständigkeit der inneren Verwaltung Polens, sodaß Polen eine eigene Finanzverwaltung erhält und die verschiedenen Ministerien Verfügungsfreiheit bekommen. Die Tätigkeit der Zen- tralmächte würde noch in einer Oberaufsicht mit dem Sitz in Warschau bestehen. Endlich soll die polnische Königsfrage gelöst werden. Die Polen wollen zugleich ein Heer ausheüen und cvufttellen mit Hilfe deutscher und von den Deutschen bereits eusgebildeter polnischer Offiziere. Sie halten ein solches Heer für unbedingt nötig zur Selbständigkeit des polnischen Staatswesens. Auch die Verhältniffe in Litauen kamen zur Besprechung. Der staatlichen Selbständigkeit dieses Landes sollen keine Hin- dernisie mehr im Wege stehen. Die finnische Armee. Kopenhagen, 13. August. Aus Helsingfors liegen Meldungen vor, wonach General Mannerheim binnen kurzein wieder an die Spitze der finnländischen Truppen treten wild. Ferner wird berichtet, daß die finnische Armee zuverlässig auf deutscher Seite stehe. Besonders das ganze Offizierkorps sei der deutschen Sache unbedingt ergeben. Die Entente hat die Hoffnung, die sie mtf ihre Wiihlereien in Finnland gesetzt hatte, aufgegebew Die Tagebücher Ullrolans' II. Berlin, 14 . August. Die „Jswestija" beginnt nach der ,.Voss. Ztg." mit der Veröffentlichung des Tage-buch Nikolaus H. Das Präsidium des Allrussischen Zentralkomitees hat eine besondere Kommission eingesetzt zur Durchsicht und Veröffentlichung der Tagebücher und des andern beim Zaren gefundenen Materials. Zunächst werden die Teile des Tagebllchs veröffentlicht, die das größte Interesse beanspruchen. Den von Nikolaus 71. handschriftlich gemachten Eintragungen aus den ersten Tagen der Revolution im März 1917 werden die Aufzeichnungen aus d«r Zeit der Revolution des Jahres 1905 folgen, sodann die auS denr russisch-japanischen Krieg und dem gegenwärtigen Weltkrieg. Gleichzeitig mit dem Druck der Tagebücher wird die Veröffentlichung von Anszügen in der „Jsweftija" und in der „Pradwa" erfolgen. Die Kommission ist im Besitz von Tagebüchern seit dem 1. Januar 1882. Nikolaus n. hat seine Aufzeichnungen 36 Fahre hindurch täglich und lückenlos geführt. Ausgenommen sind die seltenen Fälle während Erkrankungen. Es werden im folgenden die Nottzen aus den letzten Tagen der Herrchast des Zaren mitgeteilt. Sonntag, 11 . März 1917. Im Kaiserlichen Haupt- guartier (Mohilew) 10 Uhr vormittags zur Messe gegangen. Hiercnrf Referat angehört. Beim Frühstück viele Leute, darunter alle anwesenden Ausländer. Brief an Alice (die Zarin Alexandra (Feodorowna) geschrieben. Hierauf ausgefahren auf der Vobrijsker Ehqussee bis zur Kapelle, dort spazieren gegangen. Wetter scharf und frostig. Nach dem Tee gelesen. Den Senator Tregiröow empfangen bis zum Abendesien. Abends Donüno gespielt. Montag, 12. März. In Petersburg haben seit einigen Tagen Unruhen begonnen. Leider haben Truppen daran teilgenommen. Abscheuliches Gefühl, so weit weg zu sein und nur abgerissene ungünsttge Nachrichten zu erhalten. Kurzes Referat angehört. Spaziergang auf der Straße nach Orscha. Wetter war sonnig. Nach dem Mittagessen beschlossen, nach Zarskoje Selo zu fahren. 1 Uhr nachts in den Zug eingestiegen. Dienstag 13. März. 3*4 Uhr schlafen gelegt, da lange Unterredung mit Iwanow gehabt, den mit Truppen nach Pettograd schicke, um Ordnung zu schaffen. Vis 10 Uhr geschlafen. Von Mohilew ab um 5 Uhr morgens. Wetter frostig und sonnig. Ganzen Tag durchgefahren über Wjasmo, Nefchew, Licboslaw Vm 9 Uhr angekommcn. Mittwoch, 14 März Nachts umgekehrt von Stafiou Wischern, da Ljabau und Tossno von Aufständischen besetzt wai-en. Fuhr über Waldai, Duo, Pskow, wo über Nacht blieb. Sah Rußkij. Er Danilow und Sawittch speisten mit mir. Gatschina und Luga gleichfalls von Aufftändischen besetzt. Schmach und Schande. Weiterfahrt nach Zarskoje Selo gelang nicht. Gedanken mib Gefühle die ganze Zeit dort. Wie schwer muß es der armen Alice sein, diese Ec- rignille allein zu erleben. Herr Gott hilf uns! Donnerstag, 15. März. Morgens kam Rnßkij und las feine lange Unterredung vor, die er telephonisch mit Rods- janko gehabt hatte Na.fi seiner Meinung ist die Lage in Petersburg so, daß jetzt ein Ministerium aus der Duma machtlos wäre, irgendwas zu tun, da die sozialdemokratische Partei, durch den Arbeitersowjet verkörpert, dagegen an- kämpft. Meine Abdankung notwendig. Rußkij übersprach dieses Gespräch dem Hauptquartier und Alekejew gab es deg Armeekommandanten weiter. %1 Uhr mittags kamen von allen Antworten. Ihr wesentlicher Inhalt: daß im Namen der Rettung Rußlands und um die Annes an der Front in Ruhe z« erhalten, di« Entschließung zu diesem Schritt notwendig ist. Ich stimmte zu. Abends aus Petersburg Guffchkow und Schulgin gekommen, mit denen ich Unterredung hatte und denen ich das umgearbeitete und unterschriebene Manifest (der Abdankung) übergab. 1 Uhr nachts von Pskow abgereist mit dem schweren Gefühl des Erlebten. Ringsum Verrat, Feigheit, Betrug. FebtliWillelmangkl in Mlikil. Bern, 14. Aug. (WB.) Nach einer amtlichen Bekanntmachung der Bürgermeisterei von Florenz enffallen angesichts der sehr knappen Fleisck-vorräte auf den Kopf der Bevölkerung von Floren; wöchentlich 82 Gramm Fleisch einschließlich der Knochen. An dem Versorgungsminister Crespi wird eine bittere Krittk geübt. Wenn die Fleischvorräte er- schöpft seien, müsse das Versorgungsministerium zum mim deestn für genügende Mengen Teigwaren sorgen. „Popolo Romano" behandelt die schwierige Frage mit sehr vorfichfigen Worten. Wenn man in Frankreich die fleischlosen Tage abschaffen konnte, wieso müsse da Italien fleischlose Wochen durfimacben? „Osservatore Romano" bedauert vor allein, daß, seitdem das Fleisch vom Markte verschwunden sei, die Gemüsepreise in Rom geradezu unerschwinglich geworden seien. Die Behörden müßten unverzüglich entschreiten. Hllt offllf Mdlk. Wir feien in der „Katholiken-Zeitung": „Der gegenwärtige Krieg nahm Formen an. wie sie selbst die roheste Barbarei nicht gekannt harte. Man mag sagen, was man will, die Bombe n- schmeißerei z. B., mag sie ausgehen von welcher Seite es auch sei, gehört nicht mehr zu den sittlich erlaubten Kriegsgebräuchen. Wenn man der Errungenschaften der Aviatik sich einzig und allein zum Zwecke der Aufklärung bedienen würde, oder wenn man eigentliche Kämpfe in der Lust miteinander führte, oder direkt und mtt Sicherheit militärische Objekte dadurch zu zerstören suchte, so könnte man vom Standpunkt der Sittlichkeit aus nichts dagegen sagen: blindlings jedoch Bomben aus der Höhe zu werfen, gehört unseres Erachtens zum Buschkleppertum. Zn seiner Kambüse sitzen und auf nichts ahnende und am Krieg gar nicht beteiligte Menschen Verderben hevabschleudern, kommt mir als eine Feigheit vor, daran ändert all die Kühnheit, die sonst die Luftschifsahrt mit sich bringt, nichts. Daß man so etwas nicht einmal mehr verurteilen darf, ift Zeugnis genug, wie furchtbar ttef wir gefunken sind. Wann wird uns ein Prophet entstehen, der der entmenschten Menschheit ein „Bis hierher und nicht weiter" zuzurufen wagt? Aber da wird weitergesündigt intra et extra muros (innerhalb und außerhalb der Mauern, so viel als: auf beiden Seiten) und mit Phrasen sucht man sein Gewissen zu betäuben." Die Beschießung von Franffurt a. M. zeigt die Berechtigung dieser Ausfiihrungen. Amrrikansiche Kriegsgewinne. Au; Kristiania wird der „Dost. Zig." gemeldet: Amerikas hohe Ideale bekommen einen deutlichen Ausdruck, wenn man den Bericht liest, den die amerikanische Handelskommission erstattete Ungeheuere Verdienste fielen den Matadoren der Fleischindustrie in den Schoß. Armour, Swift, Morritz und Wilson üben eine Monopolkontrolle in dieser Industrie aus Der Bericht hebt hervor, daß diese Fleisch Magnaten nur ihren eigenen Vorteil im Auge haben. Gesetze bestehen für sie nicht. Vier dieser Firmen konnten im ersten Kriegsjahr 110 Millionen Dollars Reinverdienst einstecken, ein Beweis, wie schamlos die Verbraucher ausgefoaen werden. Es ist merkwürdig, daß die Fleischfirmen die Steigerung des Umsatzes auf mir 150 Prozent angeben, während der Reingewinn um 100 Prozent stieg. Armour, der gleichzeitig an Lederunternehmen beteiligt ist, erhielt an Dividende hierfür in einem Jahr über eine Million Dollars. Zn der Zinkindustrie werden Millionengewinne allein an Vertrauensmänner gezahlt. Der Stahltrust verdiente 1912 etwa 77 Millionen, im ersten Kriegsjahr aber 178 Milk. Auch die Kohlen-, Petroleum- und Benzinindusttie wirft be. deutende Verdienste ab. Dkfiiüraliiatilin dkg SkhindenliMlatg. Die „Neue Politische Eorrespondenz" schreibt: Die Entlastung Groß-Berlins von dem immer weiter sich ausdehnenden Anwachsen des Behördenapparates ist eine For- derung, die nicht mehr von der Tagesordnung verschwinden kann. Das Zusammenballen eines ungeheuren Beamtenheeres in dem teuren Berlin schafft für die Gesamtheit wie für den einzelnen so bedeutende Schwierigkeiten und Nachteile mannig- fochör Art, daß Abhilfe eine dringliche Notwendigkeit ist. Dieser Tage wurde berichtet, daß der in Aussicht genommene Neubau für die Reichsvercherungsanstalt für Angestellte in Wilmersdorf das größte Verwaltungsgebäude des Reiches darstellen wird, denn heute bereits zahlt die Anstatt über 2000 Beamte und Beamtinnen. Wir fragen, ist es gesund und zweckmäßig, ein solches Riesenamt erstehen zu lasten auf einer Stelle, auf der jeder Quadratmeter schweres Geld kostet. Das starke Anwachsen des Personals dieser Anstatt beweist am besten daß eine anderweitige Organisatton und damtt einer Dezenttalisatton geboten erscheint. Eine solche ist aber ohne Schwierigkeiten durchzusühren. indem für die größeren Bundesstaaten und für einzelne Gebiete, wie die mitteldeutschen Bundesstaaten und die zusammengelegenen Provinzen Zweiganstatten errichtet werden, die einen wesentlichen Teil der Abrechnungsarbeiten und sonstign Aufgaben erledigen können, so daß in Berlin nötigenfalls mit dem Direktorium nur ein kleinerer Beamtenapparat zu verbleiben brauchte. Eegenwärttg hat die Reichsverstche- rungsanstalt eine Anzahl größerer Wohnhäuser mietweise inne; man denke, wo das hmführen soll Att unserer Wohnungspolitik, wem, bet der Zunahme des Personals solcher Anstalten nran«i mehr Häuser fat Anspruch genommen werden müssen. Auch andere wichttge soziale Gründe sprechen für eine Dezentralisation. Wie gern würden zahlreiche Eltern in de« Bundesstaaten und in der Provinz von der Versorgung ihrer Töchter als Beamtinnen GÄrauch machen,'wenn nähergclegene Bezirksanstalten vorhanden wären. Jetzt haben die Vorteil« hauptsächlich Berliner Familien, oder cs findet ein durchaus m^rwiinschter und ungesunder Zuzug weiblicher und männlicher Kräfte nach Berlin statt. Deshalb muß in dieser Hinsicht Wo«, del geschaffen werden. Aufgabe des Reichstages sollte es sein, sich dieser Frage nachdrücklichst anzunehmen. Dem Reichs- intereste wird der wertvollste Dienst geleistet, wenn ein« weitgehende Dezentralisation zur Durchführung kommt. Kapitliiserhöhuny — (5froinsinfr!d?lriming. Die Riesengewinne der Kriegsindustriellen sind sprichwörtlich, wie di« Bilanzverschleierungen offenkundig sind. Das Volk darf nicht wissen, wie sehr die Gesellschaft rm Gelde schwimmt. Interessant ist min zu erfahren, wie systematisch die Verschleierung der Gewinne bettieben wird, und zwar von oben, statt vernunftgemäß die Gewinn« einzuschranken. Im Handelsteil des „Berliner Tageblatts" wird ein Schreiben zur Kenntnis gebracht, aus dem in Gemeinschaft mit den redaktionellen An- mcrkungen alles Wissenswert« hervorgeht. Dieses Schreiben ist in der zweiten Hälfte des Mai 1918 geschrieben und stellt di« Antwort eines Aufsichteratsmitgliedes an einen Alttonär der Bccker.Gesellschaft dar, der sich darüber beschwert hatte, daß di« ihm gegenüber gemachte Angabe des Aufsich tsratsmitgliedes. die Dividende für das Jahr 1916/17 werde mit 30 Prozent vorgs- schlagen werden, sich nicht veruirklicht habe und das schließlich nur 25 Prozent Dividende von der Derwoltung vorqescklagen worden seien. Das Aufsichtsratsmitglied bemerkt nun in feinem „Entschuldigungsschreiben", daß die dem Aktionär seinerzeit gemachten Mitteilungen damals durchaus den Tatsachen entsprochen hatten. Leider sei dann aber an alle großen industriellen Werke ein vertraulicher Wink von oben ergangen, aus „leicht zu erkennenden Gründen" von der Verteilung hoher Dividenden abzusehen. Das Aufsichtsratsmitglied hatte aber für den enttäuschten Aktionär schon wieder ern neues Trost- und Anregungsmittel auf der Hand. Es werde demnächst — so heißt es in dem Briefe — eine Kapttalserhöhung — vertraulich wird ihr Umfang auf 8 Mill. Mark zu 150 Prozent^rngegeben — hrrauskonrmen, und der Aktionär werde dabei reichlich Gelegenheit haben, einen ihm eventuell entstandenen Kursverluft auszugleichen. Inzwischen haben allerhand Geldmänner den Angaben jenes Aufsichtsrates erregt widersprochen; und wirklich ist di« Kapi* talserhöhung jetzt keine ganz einfache Sache: dazu ist die Genehmigung des Handelsmtnisters erforderlich. Tatsächlich erfolgten jedoch dies« Kapitalserhöhungen im weitesten Umfang, sie sind ein Mittel, gar zu aufreizende Gewinne zu verschleiern. Champagner and Proletariat. In einem „Wiener Brief" v. 4. August d I. in der "Frff. Ztg." (Nr. 221) lesen wir folgende bemerkenswerte Mitteilungen: Die ander« Erscheinung ist scheinbar entgegengesetzten Charakters. Ein Weingroßhändler teilt mit, daß er den größten Teil des von ihm erzeugten Champagners an die „Greisler*' absetzt Der Greisler ist, was man bei uns den Spezerei, oder Gemilchtwarenhändler nennt, der Eewürzkrämer an der Ecke, von dem die kleinen Haushaltungen der Gasse den Tagesbedarf beziehen, den sie nicht auf dem Markt oder beim Metzger ein- kaufe«. Zn Wien spielt der Greisler ein« sehr große Roll«. Man hat fast nichts zuhaus« und schickt um jede Kleinigkeit zum Greisler. der auch gewöhnlich schon im selben oder nächste« Hau.se wohnt. Aber Champagner hat er bisher nicht „geführt" Denn di« Leute, die bei ihm einkaufcn, gehören ja doch zu« kleinen Mittelstand und Proletariat, die in Wien allerding« 97 Prozent der Bevölkerung ausmachten und für den Champagner hat's bisher bei denen nicht „gereicht". Und nun habe« sie's dazu, wo doch auch der Champagner um das Vielfache teu. rer geworden ist? Der Mittelstand bat's nicht, aber ein Teil derer, die man bisher zum Proletariat gerechnet hat. El« Kohlenträger beispielsweise ist oin Proletarier. Die Veschäf. tiaung ist schwer, schmutzig und in Friedenszeiten wenig lohnend. Ein gelernter Arbeiter wird nicht Kohlenträger. Und nun sind das Leute von fürstlichem Einkommen! Man reißt sich um sie^ man zahlt ihnen jeden Lohn, den sie verlangen. Ganz natür« lich. Alle körperlich kräftigen Männer (und noch manche an< dere) sind im Felde. Die paar aus irgend einem Grunde gai^ Untauglichen, die aber doch einen Korb Kohlen vom Wagen herunter in einen Keller schaffen können, haben also die glänzendst« Konjunktur. Wir hatten jüngst eine Gerichtsverhaud. lung wegen einer Messerstecherei zwischen Kohlenttäqern, bet der als mildernder Umstand der Chcrmpagnerrausch aller Beteiligten angeführt wurde. Und die Kchlenträger sind bei weitem nicht die einzigen, die jetzt verdienen, was sie wollen. Die Faßbiickrer (Küfer) haben jüngst mitgeteilt, daß der Preis der Weinfässer um ein Mehrfaches gesteigert werden müsse, weil die Löhne der Gehilfen (Gesellen) jetzt auf 800—1200 Kronen pro Woche gestiegen seien. Es steht eine kolossale Weinernte in Aussicht. Fässer gibt es keine. Küfer wenrge. So zahlen vor allem die Ungarn Mmistergehälter an Küfergesellen und versprechen noch außerdem unentgeltliche ungarische Verpflegung. Vei dem bloßen Worte fließt dem Ocsterreicher das Wasser im Munde zusammen. Natürlich muß der österreichische Fabrikant mindestens denselben Lohn zahlen, wenn er seine Leute behalten will, und auf diese Weise hat Wien Küfer oder Bötticher mit einem Jahreseinkommen bis zu 60 000 Kronen. Eifin- dreher uüd andere gelernte Arbeiter kommen zwar so hoch nicht, aber Wochenlöhne von 400 Kronen sind beinahe normal, und da sich ungefähr so hoch auch die Monatsgage eines diplomierten Ingenieurs im selben Betrieb« beläuft, haben wir sogar di« interessante Neuerscheinung des „Jngemeurs-Atbeilers". des tfuf \e\wm Ingenleurposten verzichtet. MN im selben Betriebe als Arbiter sich wenigstens soviel M verdienen, als er zum Leben braucht. Denn mit 400 Kronen monatlich kann man heute in Wien Nicht einmal an trockenem Brot sich satt esten, -wo das Kilo Brot im Schleichhandel 24—30 Kronen tostet Dl» ungewohnt holen Einnahmen der Proletarier aber verleite« viele von diesen, sich nun einmal zu vevgömren, war ihne« bisher versagt gewesen ist. Daher die Champagnerlager bei« Croisler. Wie gesagt, wir finden diese Ausführungen in der demO, kratischen „Frankfurter Zeitung", nicht in einem „agrarische«- Blatte. Wenn sich die „Volksstimme" darüber aufregen sollt», «so möge sie sich darüber mit ihrer guten Freundin auseinonde?- setzen. Die dntSlhtn pitiüfrlifäifit im Suinmrr 1918. Die Zahl der an den 22 Universitäten des Reichs in diesem Sommer tatsächlich anwesenden Studierenden beläuft sich auf 20 928, wovon aber 6800 oder 32,5 v. H. weiblichen Geschlechts stnd. Im Sommer 1917 waren es 17 200 Studierende gegenüber 61 000 zur Friedenszeit Zu den amvefenden 14 119 Männern kommen 60 000, die im Heeresdienst stehen und von den Universitäten als beurlaubt geführt werden. Die jüngste Zu- nahme der Anwesenden ist weniger auf die Steigerung der Studentinnen zurückzuführen als auf die Zunahme der Männer, die in vermehrter Zahl aus dem Felde kviegsoefchädigt oder beurlaubt zurückkehren. Letzteres trifft namentlich auf die Mediziner zu. Was den Besuch der einzelnen Universitäten betrifft, so ergeben sich gegenüber der Friedenszeit ganz erhebliche Abwe chungen. Berlin mit 3432 Studierenden und München mit 2687 stehen zwar auch jetzt an der Spitze, aber die dritte Stelle hat Leipzig mit 1016 an die jüngste Universität Frankfurt mit 1738 überlasten und ist an die sechste Stelle gedrängt worden. Down hielt mit 1373 die vierte Stelle, Breslau mit 1277 die fünfte, während Freiburg, das sich früher hier anreihts, mit 328 an letzter Stelle und Halle mit 558 ebenfalls weit unten steht. Münster folgt mit 978, Heidelberg 906. Göttingen 810. Marburg 766, Tübingen 682, Jena 621- Kiel 619, Königsberg $08, Stvaßburg 557, Wiirzburg 464, Rostock 379, Greifswald 345 und Erlangen 340. Die (Ofünerstelivertrrter. Der Kaiser hat eine Reihe Aendeiungen der Bestimmungen llber die Dienstverhältnisse der Offizierstellvertreter genehmigt. Danach hat die Bestellung zum Offizierstellvertteter durch schriftlichen Befehl zu erfolgen. Offizierstellvertreter finden nur Verwendung m besonderen Leutnantsstellen; sie bestehen neben den Leutnantsstellen, soweit sie in den Stärkenachweisungen vorgesehen oder über die planmäßige Starke hinaus genehmigt sind. Die Leutnantsstellen, die nicht in besondere Leutnantsstellen um. gewandelt sind, dürfen nur mit Oberleutnants, Leutnants, Feld, webelleutnants besetzt werden. Die Enthebung eines zu Recht bestellten Offizierstellvertreters von der Wahnehmung der Stelle kann nur aus disziplinarischen Gründen erfolgen, abgesehen von eigenen Anträgen des Stellvertreters. Die Offipechellvertreter sind lediglich im praktischen Tvup- pendienst, und zwar in dem Dienst zu verwenden, der sonst Leutnants zufällt, mit Ausnahme des Gerichtsdienstes. — Ein Unteroffizier wird zum Offizierstellvertreter nicht befördert oder ernannt, sondern bestellt. Die Beichnungen „Beförderung" und „Ernennung" sind daher in Verbindung mit dem Wort „Offizierstellvertreter" zu vermeiden. Aus der Kriegsgefangenschaft zurückgekohrte Offizierstellvertreter sind in die erste freie besondere Leutnantsltelle ihres Truppenteils einzureihen; einer erneuten Bestellung bedarf es nicht. ilriuattflfgrammöcrhfljr Mischen Keimt und Feldheer. Da bei der Ueberlastung der Telegraphenlinien nach dem Felde nur die allerdrmglichsten Privattelsgramine befördert werden können, mutz das Publikum die erlassenen Bestimmungen auf das Genaueste beachten. Es wird deshalb erneut ausdrück, lich darauf hingewicsen, daß bei Sterbe- und Krarckheitsfällen im Wortlaut d-s Telegramms das B. rwandrschaftsverhällnis des Erkrankten oder Verstorbenen zum Empfänger klar ersichtlich und der Inhalt beglaubigt sein mutz. Es darf z. B. also nicht lauten: „Mutter gestorben. Wilhelm", sondern: „Deine Mutter gestorben, Vetter Wilhelm", oder: „Unsere Mutter ertrankt. Bruder Fritz", oder: „Deine Schtviegecmul- ter verstorben. Wilhelm", oder: „Deine (unsere) Schwester Marie verunglückt, Heinrich". Bei der Auflieferung von anderen dringlichen Telegrammen sz. B. Nachurlaubsantrag) empfiehlt es sich, eine beglaubigte Begründung auf einem besonderen Blatt beizufügen. Rur bei Beachtung dieser Vorschriften ist eine Gewähr vor- -rn-den, daß dringliche Telegramme ohne weitere Rücklagen rechtzeitig bestellt werden können. Serge verfaulter Kartoffeln! Voll gerechter Empörung teilt unserem Zentralorgan ein rm Königreich Sachsen ansässiges Bundesmitglied mit, daß in einer chemischen Fabrik, eine halbe Stunde von seinem Gute entfernt, 60 000 bis 70 000 Zentner (300—350 Doppelladungen) verfaulte Kartoffeln liegen. „Ist das nicht eine Schande?" ruft unser Gewährsmann f rrtrüftet aus. „Jeden Tag wird der Landwirt überlaufen von ungeraden Manschen, und in den Städten sind die Kartoffeln verfault. Warum läßt man die Kartoffeln nicht dem Erzeuger? Nur aus Furcht, er könne sie der öffentlichen Bewirtschaftung entziehen oder verfüttern? Für solche Vorkommnisse findet man keine Worte!" — Fn der Tat. e* hStt schwer, die Ruhe zu bewahren, wenn man darüber nachdentt. welche Unmengen wertvollster Nahrungsmittel dem deutschen Volke dadurch verloren gehen, daß der Starrsinn der auf ein als unhaltbar erwiesenes Erfastungs- und Verteilungsprinzip eingeschworenen maßgebenden Stellen sich zu besserer Einsicht durchaus nicht belehren lasten will. Und das nach der Erfahrung von vier Kriegsjahrenl Berge ver. faulter Kartoffeln stinken zum Himmel — eine vernichtende Anklage! Uom Felde der Ehre. vekdheck^n. Dem Landsturmmann Gustav Römer, bei einem Landsturm-Bataillon im Westen, wurde die Hestische Tapforkeitsmedaille verliehen Ans der Heimat. Die Hagelschäden im Großherzogtum Hesten im Jahve 1917 betrugen insgesamt in 20 verschiedenen Gemarkungen auf 1140 ha Acker- und Gartenland den Betrag von 43-1,362 Mark. Von diesen Flächen waren versichert 345 ha-, die zusammen 25,534 Mark Entschädigungen durch die Versicherungsgesellschaften a-usbegahlt, nicht versichert und uneutschädigt blieben 785 ha mit 406,970 Mark. Seit ungefähr 30 Jahren betrug der durchschnittliche Schaden im Jahre ungefähr die gleiche Höhe. Die Zahl der unversicherten Flächen beweist deutlich, daß bei unseren Landwirten der Wert der Hagelver. sichevung sehr unterschätzt wird. Versicherungen wurden nur abgeschlossen in den Kreisen Gr.-Gercm (Provinz Starkenburg), Alsfeld, Büdingen und Schotten (in der Provinz Oberhesten) Alzey und Worms sin der Provinz Rhövnhessen). Aus den üb- ligen Kreisen sind Mitteilungen über die Hagelschäden etc. bei der stat. Stelle nicht eingegangen. Münzenb^ra. Dem Viehhändler M. Bing von hier wurde wegen Geheimschlachtung eures Schafes und Verkauf von Hammelfleisch an ein Rauheimer Hotel die Ausweiskcrrte zum Vieh- Handel entzogen. Das Verfahren wegen Untersagung des Ge. Werbebetriebes ist eingeleitet. Bing ist nicht mehr zmn Viehhandel befugt. Frankfurt a. M. Der König von Bulgarien besuchte in Begleitung des Kronprinzen Boris d-en Dom. Die Herrschaften verweilten längere Zeit in der Kirche und nahmen auch an einem Gottesdienste teil. Frankfurt a. M. Die Frankfurter „Kleine Presse" erzählt: Ein Schildbürger st ückchen. Daß auch bei uns St. Bürokratius noch lebt, beweist der Vorfall, der sich kürzlich beim Brands des Wasterhofes hinter der Eerbermühle bei Oberrad zugettagen. Hierbei wurde das alsbald entdeckte Feu-er der Frankst,rter Feuerwehr gemeldet, aber diese gab die Meldung an die Oberräder Wehr weiter, da diese in Bettacht käme. Letztere war denn alsbald am Brandorte, doch sie durfte nicht nrit den Löfcharbeiten beginnen, da der Wasterhof doch Eigentum der Stadt Frankfurt ist und somit die Frankfurter Feuerwehr zuständig war. Also wurde diese abermals ange. rufen. Doch bis ste nun einttaf, standen die vorderen Volieren, die das Geflügel der 3 Vereinigten Eeflügelzuchtvereine enthielten, in vollen Flammen. Auch war das Feuer schon ouf die angrenzende große, lange Scheune, welche ganz in Geflügelkäfigen eingetetlt ist, übergesprungen. Uebcr 70 wertvolle Rastehühner, ebenso viele Tauben usw. waren schon in den Flammen umgokommen. Rur mtt großer Mühe konnten die Hinteren Volieren und die zweite große Scheune, die meist wertvolle Ausstellungskäfige birgt, gerettet wersen. Bei ungünfttgem Wind wäre auch diese sowie die angrenzenden Wohngebäude verloren gewesen. Ja selbst die 30 hier untergebrochten Kriegsgefangenen dursten nicht eingreifen, obwohl ste sonst stets im Hofe herumlaufen. Hätten dieselben an den Volieren nur einen Durchschlag, d. h. eine Abgrenzung machen dürfen, so wäre ein Weiter laufen des Feuers vermieden und die Scheune, Tiers, Volieren gerettet worden. So haben die Vereinsmitglieder und die Stadt großen Schaden. Aber der St. Vürokrattus hat .-gesiegt". Hanau, 14. August. In der Nacht zum Montag entstand in Alzenau zwischen dem Nachtwächter Ritter und dem Soldaten Zeiger in einer Wirtschaft bei Bieten der Polizeistunde ein Streit, bei dem der Nachtwächter ton Zeiger durch zwei Dolchstiche in die .Herzgegend getötet wurde. Schwabenrob. Am Dienstag stürzte im Quarzitsteinbruch eine Wand ein und begrub zwei Arbeiter. Während der eine mit Hautabschürfungen davonkam, erlitt der andere schwere innere Verletzungen, so daß am Donnerstag der Tod eintrat. Vermutlich ist das Unglück auf Fehler in der Betriebsweise zu. rückzustrhren. Gelnhausen. Das Eheglück des hiesigen Storchenpaares wurde im Frühling, just als drei Sprößlinge das Rest bevölkerten, dadurch gestört, daß Frau Störchin bei einem unvorsichttgen Flug gegen eine Hochspannungsleitung den Tod fand. Run lag dem Vater Storch dis Erziehung der mutterlosen Kleinen ob. Redlich guälte er sich mit dem auecksilbernen Trio ab. konnte es aber eines Tages nicht verhindern, daß ein Störchlein bei Flugübungen auf der Erde notlianden mußte. Bei guten Menschen genoß das Tier herzliche Pflege solange, bis es sich aus ergener Kraft in die lusttge Wohnung schwingen konnte. Aus Starkenburg. Darmstadt. Zmn zweiten Male dasselbe Hervengarderoben- Geschäft in der Rheinstraße haben in der Nacht von Samstag auf Sonntag Diebe, welche diesmal den Laden mit dem Erker vollständig ausraubten, heimgesucht. Der Inhaber hatte dieser Tage neue Stoffe erhalten, welche hauptsächlich den Einbrechern zum Opfer fielen. Ein in der Nachbarhcfraite an der Kette befindlicher Hand soll wütend getobt haben.ohne daß man etwas entdeckte. Da der Bestohlene nicht ttn Hause wohnt, konnte der Diebstahl um so leichter ausgesührt werde«. Als Andenken hat hat man ihm einen alten Anzug zurückgelasten, da der Dieb sich anscheinend einen neuen soeben fertiggestellten Anzug m* rtgnetS. Vielleicht trägt er zur Entdeckung der Täter fet Kräftigen Widerstand leistete dieser Tage die Mutter rfiw©‘ Desertierten, sonst vermögender Leute in der Altstadt, rtntge* Schutzleuten, welche den schon seit einem halben Jahre vo« fc*» nein Regiment verschwundenen zum zweiten Mal m-rhettm-re» Sohn nach sicheren der Polizei gewordenen Nachricht^ scho» einige Zeit verbarg. Mit Gewalt versuchte sie die SchEnrie aus der Wohnung zu entfernen und hetzte sogar einen 8tfsiae» Hund auf sie, sodaß sich die Leute ernstlich zu wehren hattet. Sie fanden den Feigling schließlich in einem Schrank versdeck> un-d wurde er der Militärbehörde ausgeliefert. Der Name fR I. Huaenfchütz, Er. Ochsengaste. Bensheim Eine bedauerliche Rücksichtslosigkeit gegenüb« einem Kriegsvsrletzten die sich am letzten Montag auf dem Ben»- heimer Bahnhof zuttug teilt uns ein Augenzeuge mit. Auf einem Kvankenttansportwagen angefahren kam ein sehr gebrechlich« Kriegsverwundeter, der nur einen Arm hatte, um mit dem gege« 8 Uhr von Heidelberg kommenden V-Zuge weiter nach seiner Heimat Erfurt zu fahren. Beim Eintreffen des Zuges versucht, der Sanitäter nun vergeblich an einem der Wagen für seine» Kranken Einlaß zu bekommen. Er fuhr von Wagen zu Wage» aber vergeblich, überall hieß es „besetzt", bis auf ein Zeichen der Fahrdienstleiters der Zug ohne den Vaterlarrdsverteidiger, der sein Leben für uns in die Schanze schlug abfuhr und er dann mit dem folgenden Persouenzug fahren mutzte, sodaß er dann unter, wegs übernachten mußte, da er keinen Anschluß mehr nach der Heimat erreichte. Wtt wollen dieser Gefühlsroheit keine Wort« mehr hinzufügen. Aus dem Odenwalds, 12. August. Die Ernte, deren Ausfall im großen und ganzen durchaus günsttg ist, ist noch ziemlich im Rückstände, da durch vielen Regen die Heimschasfung des Getreides verzögert worden ist. — In den Wäldern treffen zur Zeit viele Reisende aus den Großstädten ein, um nach Pilzen zu suchen Infolge der reichlichen Niederschläge der letzten Zeit gibt e» etwas Pfifferlinge rurd ziemlich viele Butterschwämme, dagegen so gut wie gar keine Steinpilze. Dieses Jahr ist eines der uu- ergiebigsten Pilzjahre im ganzen Jahrzehnt. Aus Rhcinhesscn. Höchst a. M. Ein 34jähriger Kaufmann aus Hadamar wurde von einem 23jährigen Mädchen aus Sossenheim um 1603 Mark bestohlen. Mainz. Ein blutiger Ueberfall auf freiwillige Nachtfeld- dienstschützen wurde in einer der letzten Nächte in der Gemarkung M o m ü a ch ausgeführt Um ihre wertvollen Gemüse- unL Bohnen selber gegen nächtliche Diebstähle möglichst zu schützen, haben die hiesigen Landwirte einen steiwilligen Nachtfeldschutz dienst eingerichtet. Als der 19jährige Bcruernbursche N Merum patrouillierte, begegnete ihm ein Mann, der einen schweren Schließkorb auf dem Rücken ttug. Werum forderte den Frem- don auf, mit ihm nach Mombach zu gehen. Er ging anfangs mtt, stellte aber später den Schließkorb zur Erde und lief davon. Der Bauernbursche verfolgte ihn. Als er ihn eingeholt hatte und anfaßte, zog der Unbekannte sein Messer und griff damit Worum an. Dieser erhielt einen Liefen Mesterstich in den Oberschenkel. Als auf sein Hilfegeschrei der 63 Jahre alte Landwirt Haim herbeieilte, erhielt auch dieser einen Mesterstich ins Gesicht. Dann entfloh der Frenrde unter Zurücklastung seines Korbes, seiner Schirmmütze und Kravatte. Mainz. Durch einen unglücklichen Wurf das eigene Brüderchen gerötet hat hier das Töchterchen eines Buchhalters. Da» Mädchen wollte seinem 6 Jahre alten Bruder, der auf der Straß« spielte, eine rostige Feile vom 3. Stock aus zum Spielen zuwer- fen. Di» Feile traf unglücklicherweise das Kind auf den Kopf und verursachte eine schwere Schädelverletzung. An dieser ist der Knabe jetzt gestorben. Mainz. Das Schöffengericht verurteilte die 32fährige E. Steinbrecher, die eine Drotkommissionsleiterin zur Hergabe von 60 Butterkarten angestiftet und auch sonst unrechtmäßig erworbene Lebensmittelkarten im Besitz gehabt hatte, wegen Hehlerei und Anftifung zur Unterschlagung zu 16 Tagen Gefängnis und wegen Mohrbezugs von Lebensmitteln zu 300 Mark Geldstrafe. Die jugendliche Leiterin und eine Freundin, die bei der Anstiftung mitgewirkt hatten, kamen mit je einem Tag Gefängni« davon, weil sie „aus unüberlegter Dummheit" geharidelt hättrn. Bezüglich der Gefängnisstrafe soll bedingte Boguadigung empfohlen werden. — Der Brand in der Heurich schon Brauerei, Zeit 48, konnte nach drei Stunden gelöscht werden Das Feuer wurde auf seinen Herd, den Mälzerbau. beschränkt, wo große Mengen von Laubheu verbrannten. — Ein Diebstahl von neue« Butter- uird Eierkarten ist bei einer biegen Brotkommissio« vorgekommen. Um zu vermeiden, daß auf Grund der gestohlenen Karten nunmehr bestellt und demnächst Butter und Eier bezogen werden können, sind die Butterstellen von dem städtischen Amt für Kriegswirtschaft angewiesen worden, bet der Entgegen« nähme von Bestellungen auch die Vorlage des Brotkartenum- schlages zu verlangen Auf diese Weise kann jede Familie nur auf so viel Vutter- und Eierkarten bestellen, als nach dem Brotkarte-rumschlag Familienmitglieber vorhanden sind. Höchst. An einem der letzten Tage betrat hier ein fremder Mann in weißem Haar das Gasthaus „Zur Sonne", trat vor den Wirt und fragte: „Bist Du der Heinrich Gimbel?"! Der Gefragte befahre erstaunt und fügte, indem es ihm wie .«4« Lichtstrahl übers Gesicht ging, rasch hinzu: „Und Du bist der Josef!" -- Im nächsten Augenblick lagen sich zwei Brüder — der eine 79, der andere 81 Jahre alt — in den Annen, die vor 43 Jahren sich zum letzten Mal gesehen und auch lange Zeit nichts mehr von einander gehört hatten. Der jetzt Heimgekchrt« war im Jahre 1875 nach Rußland ausgewandert und hatte es dort zu erträglichen Verhältniston gebracht. Der Krieg aber brachte ihm zunächst Internierung, Verschleppung und schließlich den Verlust von Hab und Gut, sodaß sr stoh sein mußte, al» Greis, wenn auch ohne große Schätze, noch einmal dt« Hei mach und seine Verwandten sehen zu dürfen. Verantwortlich für den politischen und lokalen Teil: Otto Hirsche!, Friedberg; für den Anzeigenteil: R. H e y n e r. griedberg. Druck und Verlag der „Neum Lageszeitung", A. G., Friedberg t, & / Verfemt. RomanvonNnnyWothe. r * ? 8) * Nachdruck verboten. „Nein, nein," schrie ich verzweifelt, „es kann nicht fein, so ßtöüjan: kann er mich nicht betrogen haben, er soll es mir selbst sagen, Vater, das» du recht hast, Auge in Auge," und zu Nord- trrch tretend, flehte ich: „Sprich die Wahrheit, Horst. Keine Luge in dieser Stunde — ich zahle Re mit meinem Leben." Eine Weile sah er mir starr ins Auge, aber sein Blick hielt dem meinen nicht stand Zitternd knickte er zusammen. „Hinaus!" Es war das einzige Wort, das ich fand. Hochaufgerichtet stund ich in der dämm'rigen Stube — ich sah ihn noch langsam wie einen geschlagenen Hund sich durch die Türe winden, und mit einem haßerfüllten Blick mich streifen. — Dann wurde es dunkel um mich und mit schwerem Fall fiel ich zu Boden. „Arme, kleine Aga," sagte Holger, und es war, als läge eine besorgte Zärtlichkeit in seiner Stimme. Agas Ohr fing den Klang der Stimme auf, aber ihr Auge haftete am Boden. Langsam strich sie nrit der Hand das dunkellockige Haar von der weißen Stirne, das sich wuchtig darüber bäumte. „Ich war lange krank darnach." fuhr sie fort. „Ein heftiges Nervenfieber hielt mich Monate lang in Banden, und als ich endlich langsam genas, da war. aus dem fr-ühlingsfeligen Dorf- kinde ein ernstes, stilles Wesen geworden, das nur noch eine Freundin hatte, die Arbeit und die Pflicht. Doch nein, etwas Hot mir Gott noch gelösten nach der schmachvollen Enttäuschung meiirer ersten Jugend, Hansi! Ihr das Leben leicht und fcbön zu machen, war eine große und herrliche Lebensarifgabe, und dann hatte ich meine Kunst und Sie, den treuesten aller Freunde, Holger. Konnb.'. ich da nicht mit dem Leben zufrieden fain? Un*> nun kommen die Schatten der Vergangenheit. Wie oft schon hat Nordfirch vergebliche Versuche gemacht, mir zu begegnen, in alle Kreise zu kommen, in denen ich verkehre. — Jede Gelegenheit hat er benutzt, auch Haust in der Gesellschaft zu treffen. Und nun will er mir mein Liebstes nehmen? Er, der mir meine Jugend stahl, der Elende, dem ich vertraut, und der nichts dafür einzntanfchcn hatte als ein frivoles Lächeln." „Sie lieben doch nicht etwa diesen Kerl noch immer, Aga? Das Gescheiteste wäre doch, ich schosse die Kanaille über den Haufen. Ich dächte, es dürfte nicht schwer werden, ihn an der Hand der kcstehenden Tatsachen etwas eingujchüchtern." «^bn fürchte ich weniger als Haust, lieber Freund. Das Kind ist von einer Leidenschaftlichkeit, die mich erschreckt." „Sperren Sie die Nanae ein." „Das kann ich nicht. Gewalt bringt sie zur Raserei." „So gehen Sie mit ihr auf Reisen." „Ich habe auch schon daran gedacht, aber jetzt, wo ich gerade einen East habe, dem ich versprochen, ihn einige Zeit bet mir zu behalten, läßt e» sich schlecht tun." „Zum Deibel nicht noch mal. Einen East, wer ist es denn?" „Gräfin Verghausen, die heute Macht angekommon ist." „Dacht ich's doch. Also wirklich und wahrhaftig dem Herrn Gemahl ausgerückt? Das ist ja eine schöne Bescherung, mutz 'ne furchtbar verdrehte Schraube sein." „Aber erlauben Sie, mein lieber Holger, das ist sie ganz und gar nicht. Im Ueb-rigen find Cie selbst nicht ganz ohne Schuld, daß sie Mann und Kind verläßt. Ja. Sie oder bester gesagt, Ihre Schriften, die ihr das gewissermaßen als eine moralische Verpflichtung auferlegen. Was sagen Sie mm, Holger?" „Daß die Frauensleute alle verrückt find.** „Guten Morgen." Holger sah verstört um sich. Ja, sah er denn eine Vision da dicht vor sich? Wie das gleißte und schimmerte im Mittagssonnenlicht, das rotbraune Haar um den feinen Kopf mit den blutroten Lippen und den schillernden, grünen Augen. Gingen denn Nixen in weißen Schleiergewändern hier am hellen, lichten Tage um? „Morgen." sagte er mit einem ungeschickten Bückling und starrte in das rosige Gesicht Mirenas, das sich lächelnd vor ihm neigte. 6. Kapitel. „Eine besonders günstige Meinung scheinen Sie von der Frauenwelt nicht zu haben, mein Herr," sagte Mirena, strahlend in Holgers weitgeöffnete Augen blickend. „Sttmmt, meine Gnädigste," nickte dieser, und zu Aga gewandt, fuhr er fort, „Vorstellung können Sie sich schenken, liebe Freurrdin, denn ich weiß auch ohne dies, daß ich meine geistreiche Korrespondentin, Gräfin Verghausen, vor mir sehe. Was glauben Sie wohl, wer ich bin." „Holger Thoresen," ries Mirena aus und reichte dem blonden Riesen beide Hände, der erst die eine und dann die andere vorsichtig an seine Lippen fiihrte. „Wie glücklich bin ich, Sie zu sehen." sagte Mirena und sah zu Theresen aus, so daß Aga unwillkürlich die Blicke zu Boden stickte. Was flirrte alles in diesen merkwürdigen Frauenaugen durcheinander. Co hatte Aga Mirena noch nie gesehen. .,Hm," machte Holger und sah dann etwas ungläubig ln Mirenas Antlitz, das sich strahlend vor Begeisterung zu ihm empor hob. „Sie sollten nicht flunkern, Gräfin," sagte er dann, halb im Ernst, halb im Scherz. „Wie kann es Cie glücklich machen, mich zu sehen, wo ich doch, wie mir soeben meine und Ihre Freundin Aga mitteilt. nicht ganz schuldlos daran sei» soll, daß sich Ihr Schicksal in andere Bahnen drängt. Ich muß Ästchen, daß mich Agas Ausspruch vorhin erschreckt hat. und ich hoffe sehr, daß Sie imstande sein werden, mich darüber zu beruhigen, denn ich mochte in keiner Weise irgendwie Ihre Schritte beeinflußt haben." Mirena hatte sich nachlässig auf das römische Lager nieder- gekästen, mrd sie schob nun gleichmütig ein großes Seidenkisten nach dem anderen unter ihren aufgestützten weißen Arm. von dem das weiche Gewand lose zurückfiel. Ein dmrkelglühender Blick trarf den kühnen Sprecher, der ihr gegenübersaß, während Aga an ihre Staffelcr getreten war und langsam den Pinsel über die Leinwand zog. Holger fing Mirenas Blick auf. Was wollte diese Frau eigentlich von ihm? Er empfand ihre Gegenwart eigentlich recht unbequem, und doch war etwas in ihrer ganzen Erscheinung, das ihn reizte und fe sielte. „Sie hätten nur für sich schreiben müssen, Herr Holgee Thoresen," sagte Mirena mit einem leisen, sarkasttschen Anslug in der Stimme, „und Sie hätten nicht Ihre Brandreden in dir weite Oeffentlichkeit schleudern dürfen, wenn Sie keinen Teil daran haben wollen, daß Ihre Worte hier und dorr zünden und zur Tat werden." „Tat, gnädigste Gräfin? Was ist eine Tat? Glarrben Sie. daß es eine Tat ist. wenn jemand ohne irgend welche Ueber- legung, ohne jede innerliche Notwendigkeit das tut, was ein anderer Jemand geschrieben oder gesagt hat? Das ist noch lange keine Tat, sondern höchstens ein Nachaffungsspstem, das nir ausrotten müsten, ausrotten, sage ich Ihnen, Verehrteste. Namentlich bei den Weibern, da spukt allerlei so 'n Unsinn herum in Kopf und Herzen. Kommt nun da irgend wo ein Schriftsteller, der etwas schreibt, was ihnen in ihren Kram paßt, so verschanzen sie sich gleich hinter dem andern, der gesagt hat, was sie gern möchten. Ich aber sage, daß ein jeder selbst verantwortlich ist für seine Taten, und wenn hundert Schriftsteller ihm andere Weisheit predigen." „Ich verstehe Sie wirklich nicht, mein lieber Herr Thoresen/ sagte Mirena mit kühler Ablehnung in Stimme und Haltung, , weshalb Sie mir das alles erzählen. Wenn Sie anders denken, als wie Sie schreiben, so müsten Sie das eben mit sich ausmachen, wir können Sie nur nach Ihren Schriften beurteilen." „Das bleibt Ihnen natürlich unbenommen. Gräfin." gab Holger mit einer ironischen Verbeugung zurück, „aber ich habe gebört, daß es Frauen geben soll, die so töricht sind, verzeihen Sie den harten Ausdruck, ihr Leben nach meinen Ansichten um. wandeln zu wollen." Mirena sah ihn erschreckt an. Jetzt wurde der Mensch auch noch unverschämt. „Lasten Sie. bitte, die Rotkäppchen au gen, Gräfin Berg' hausen — Fräulein Aga, bitte, hören Sie mal nicht zu — aber ich bin so erschreckt über die Wirkung, die meine bescheidenen Schriften ausgeübt haben sollen, daß ich wirklich nicht anders kann, selbst aus die Gefahr hin, imzart zu erscheinen, als Sie zu fragen: Sind meine Bücher wirklich daran Schuld daß Sie, Frau Gräfin, den Entschluß faßten, Mann und Kind zu ver« lasten?" Fortsetzung folgt. Betr.: Die Fleüchoer>orgunq für die Bevölkerung der Stadt Friedberg. Keüanntmachmtg Ich bringe hierdurch zur öffentlichen Kenntnis, daß der Verlauf von Nind- und Kalbfleisch sowie Wurst für diese Woche am Freitag. den 16. August 1918, nachmittags von 1—6Übr. in den sämtlichen hiesigen Metzgerläden statt- ffndet. Die Verkaufszeit ist genau einzuhalten. Fnedberg, den 14. August 1918. Der Bürgermeister. 2. V.: Dam m. SUobiliarocrfteifieruna. Freitag, de« 16. August, nachmittags 2 Uhr, versteigere ich dahier im Saale „Zur Wipdeck" freiwillig gegen gleicht bare Zahlung: 2 Bettstellen m. Sprungrahmen. 1 Waschtisch. 2 Nach.schränke. 2 Kleiderschränke, 1 Pfeiler- schrank.1 Küchenschrankm.Glasaussatz. 2 Kommoden, 2 Sofas, 2 Tische, 1 Nähmaschine, Porzellan. 2 Oefen; ve sch. andere. Ferner 1 wenig gebr. Schlafzimmer. Nuppel, beeid. Taxator und Auktionator. ^ Hausbursche gesucht. IIo