Umiimer 189 Giirehreis ^ fZÜ Mittmach, den 14. August 1918 ^ 11. }*%'$ ang Die ,.1'eue Tageskeitung" erscheint reden Werktag. Regelmäßige Beilagen „Der Däner ans Hessen", „Die Spinnftubs". ZSMgsprsis: Bei den Postnnstalkeii oiertslstihrlich Mk. 2 40 hinzu tritt noch das Bestellgeld: bei den Aoenten monatlich 85 Pfg. einschließlich Trägerlobn. Anzeigen: Grundzeile 25 Pfg., lokale 2OPfg.. Anzeigen von auswärts werden durh Postnachnahme erhoben. Erfüllungsort Friedberg. Zchriftteitung und Uerlag Friedberg (Hessen), Hanauerstraße 12. Ferniycecher 48. Postjcheck-lLonto Nr. 483». Wut Frankfurt a. M. Alle Ansturms der Feinde rnr Westen gescheitert. — Abfianen der feindlichen Offenstve. 161)00 Tonnen versenkt. — Der Fliegerangriff auf Frankfurt am Main. Der deutsche Generalstak meldet: == W. T. K. Mrotzes Kauptq-rartiev, derr 13. August AuMich. Westlicher Kriegsschauplatz Heeresgruppe Kronprinz Nupprechk. Südwestlich von Ppern am frühen Morgen heftige Artilleriekämpfe. Feindliche Angriffe kamen in unserem Feuer nicht zur Entwicklung. Südlich von Merris wurden mehrfach wie, derholte englische Teilangriffe abgewicsen. Vorfeldkämpfe beiderseits des La-Vasiee-Kanals urL zwischen Scarpe und Ancre. An der Schlachtfront ruhiger Vormittag zwischen Ancre und 2lvre. Südlich der Somme griff der Feind am Nachmit- und zu lüden Seiten der Römerstraße Foucaucourt—Villers Bretoneux an, er wurde atgewiesen. Nördlich der Straße Amiens.Noye schlugen wir am Abend starke feindliche Angriffe ab Zwischen Aore und Oise tagsüber heftiger Kampf mit teilweise neu eingesetzten französischen Divisionen. Starke Kräfte griffen im Morgennebel südlich der Avre sowie zwischen Tillo. loy und nördlich von Elinconrt an, sie brachen vor unserenLimen zusammen An einzelnen Stellen warfen wir sie im Gegenstoß zurück. Zwischen Tilloloy und Conny. westlich und südwestlich von Lasigny setzte der Feind seine Angriffe bis jum spaten Abend, südlich Tilloloy bis zu fünf Malen fort. Aus dem Matzgrunde heraus 'tießen schwächere Kräfte vor. wir schlugen den Feind zurück, vielfach blieben seine Angriffe schon in unserem rusammengefaßten Artilleriefeuer liegen. Heeresgruppe Deutscher Kronprinz. Nördlich und östlich von Fismes hatten örtliche Angriffsunternehmungen Erfolg und brachten Gefangene ein. » Gfftern wurden 29 feindliche Flugzeuge obgefchoffen. Leut, nant Udet errang feinen 53., Hauptmann Verthold seinen 43 und 44., Leutnant Frhr. v. Nicht Hofen seinen 89. und 40. Le'ffnant Könnecke seinen 29. Düzefeldwebel Thom Zeinen 28., Leutnant Lau mann ' :n 24., Oberleutnant Frhr. o Dönig k seinen 21., Vizefeldwcb-l Dörr und Mai ihren 20 £u< r :eg. Der Srste Generalquarliermeister: L u d e n d o r f f. Abendbericht. Berlin, 13. Aug., abends. (WB. Amtlich.) Von der Ancre bis znr Avre ruhiger Tag. Zwischen Avre und Oise sind Teilangriffe des Feindes gescheitert. II Der österreichische Geucralstak in ei d et: - Sl tcn, 13 Ang. (WB.) Amtlich wird verlautbarl: S«n 5'*r tiroler 0' birgsfront führten Sturmpatrouillen des ü lr-'nregiments Nr. 27 einen gelungenen, für den Gegner verlustreichen Ileberfall auf die feindlichen Stellung^ 'ü;| ■ Monte Eorno aus. Tie fortgesetzten FUegerangriffe auf den Raum von Felt. ' )ern unter der italienisä-en Zivilbevölkerung zahlreiche ! er. Auf de.il albanischen Kriegsschauplatz "!e. von Belang. Der Chef des Gcneralstabes. Das türkische Hauptquartier j *---"•= melkte: =======* Konstantinopcl, 12. August. (WB. Nichtamtlich.) Gen-- ralstabsbericht. Palästinafront. In der vergangenen Nacht entwickelte feindliche Artillerie rege Tätigkeit. Verschiedene Teile unserer Front und auch das Hintergelände lagen unter starkem Feuer. Im Küsteuabschnitt wurde eine feindliche Aufklärungsabteilung von uns abgewiesen. Tagsüber herrschte Ruhe. Eines unserer Flugzeuggeschwader warf ,150 Bomben auf das Nebellenlager bei Tafile und westlich don Maan. Südlich Medina hielt der Artilleriekampf auch ans 8. und 9. August an. Die an einzelnen Stellen zum Angriff angesetzte Infanterie des Gegners wurde vor unseren Stellungen zusammengeschossen. Ostfront: Von Maindab nach Süden vorstoßend, schlugen wir im englischen Solde stehende Banden nach langem heftigen Kampfe ans Sain Kala zurück. Die feindlichen Verluste sind schwer. Afrikanische Front. Die Italiener mühen sich weiter vergeblich um den Wiederbesitz unserer Proviuz Tripolis. Ihre Ausfälle aus d?n von uns eng eingeschlossenen Küsten- punkten wurden begleitet von einer französischen Unternehmung an der Grenze von Tunis und vom Sudan, z Unseren Truppen gelang es, bisher überall den Gegner zu schlagen. Der letzte am 10. Juni mit mehreren Bataillonen aus Hom heraus gefiihrte Angriffe der Italiener scheiterte unter starken blutigen Verlusten. Ailf der übrigen Front ist die Lage unverändert. 16 000 Tonnen versenkt. Berlin, 13. August. (WTV. Amtlich.) Im Westausgang des Kanals wurden trotz regster feindlicher Gegenwirkung, zumeist ws Geleitzügen, mehrere Dampfer von zusammen 16 000 Vrt. versenkt. Ferner wurden rm Angriff auf zwei von mehreren Zerstörern begleitete kleine Kreuzer sowie an anderer Stelle auf eine U-Bootsfalle Torpedotreffer erzielt, deren endgültige Wirkung infolge lebhafter Gegenwehr und unsichtiger Witterung nicht bobachtet werden konnte. Der Chef deS AdmiralstabeS der Marine. Das Gkfchi an du frikßlchkn Me. London, 12. August. (MB.) Die Admiralität teilt mit: Englische leichte Seestreitkräfte und Flugzeuge unternahmen am 11. August eine Erkundungsstreise an der roesffriesischen Küste. Von deutschen Luftstreitkräften heftig angegriffen, gelang es sechs Motorbooten nicht, zurückzukehren. Englische Flug, zeuge vernichteten nördlich Ameland ein Luftschiff. Dieses fiel aus großer Höhr, in Flammen gehüllt, ins Meer. Amsterdam. 12. August. (WB.) Die Niederländische Te- learaphenagentm meldet noch von der Insel Ameland, daß wahrscheinlich nur zwei englische Motorboote versenkt wurden. Man glaubt, duß zwei noch auf der See treiben. Zwei andere sind bei der Insel Schölling gelandet. Einige Stunden noch Beendigung des Gefechts streiften ein größeres deutsches Schlachtschiff und zehn Torpedoboote fortwährend vor der Ameländer Küste. Später- passierten noch einige Flugzeuge die Insel in östlicher und westlicher Dichtung. Gegen Abend hörte man wieder einige Explosionen, und man sah. wie die deutschen Flugzeuge Lichtsignole gaben. Die ganze Besatzung des Zeppelin ist umgekommen. Die Schlacht im Westen. Die feindliche Offensive. Berlin. 12. August. (WB.) Am 11. d. M. setzten die En- tcmteheere au beiden Flügeln der Schlachlfront von neuem starke Kräfte zum Durchbruch an. Um 5 Uhr friih brach von nördlich der Somme bis südlich Lihons schwerster Feuerwirbel los, dem starke Angriffe folgten. Wiederum begünstigte dichter Nebel den Angreifer Obwohl der Engländer keine Verluste scheut»», wurden alle Angriffe in harten Kämpfen obgewiesen. Bei Lihons glückte zwar den Engländern ein vorübergehender Erfolg, allein der deutsche Gegenangriff drängte sie wieder auf die Trümmer des in der Sommeschlacht 1916 vollkommen zerstörten Dorfes zurück Weiter südlich warf ein aus Chaulnes vor. brechender deutscher Gegenangriff die Engländer wieder aus Hollu heraus und trieb sie in Unordnung auf Chilly zurück. Vcn der Straße Amiems-Roye bis an die Oise griffen die Franzosen bis zum Einbruch der Dunkelheit cm. Rücksichtslos setzten sie hier starke Kräfte immer von neuem an, koste es, was es wolle, um mif Noye durchzubrechen. Den von starken Kampfgeschwadern begleiteten Sturnnvellcn folgten unmittelbar zahlreiche Feldbatterien. Allein in dein ausgezeichneten zusammen- wirkenden Feuer der deutschen Artillerie und Infanterie wurden die Franzosen überall abgewiefen. Außer zahlreichen Toten blieb eine große Zahl Tanks zerschossen vor den deutschen Li. nien liegen. Berlin. 13. August. (WB.) Nachdem sich die englische Offensive zwischen Ancre und Avre nach den schweren opferreichen und vergeblichen Angriffen der letzten Tage an der Grenze des alten Sommofchtachtfeldes festgelaicfeu hotte, verhielten sich die Engländer am Vormittag des 12. richig und setzten erst im Verlauf des Nachmittags und abends zu starken Teilangriffen beiderseits der Nömerstroße sowie südlich des Luce-Vaches an. Teilweise brachen diese Angriffe bereits in dem deutschen Abwehrfeuer zusammen. Wo die britischen Slurmwellen bis an die deutschen Linien herankamen, wurden sie im Gegenstoß wieder geworfen Dagegen setzten die Franzosen nochmals mehrere frische Divisionen ein, um die Stellungen zwischen Avre und Oise, auf die die Deutschen in so geschickter und fiir die Fran. zosen so verlustreicher Weise ausgewichen waren, doch noch zu ! durchbrechen. Starke Kavalleriemaffen standen zur Verfolgung bereit. Im Morgeudunst griff die französische Infanterie an, allein, trotz der schweren Beschießung, die dem Angriff vorange- gengen war, empfing ungeschwächtes Maschinengewehrfeuer dis Sturmwcllen. In der Gegend des Loges-Waldes, von der Motz bis östlich Reffons und südlich L'Ecouvillon rannten die Fron, zosen immer wieder vergeblich an. Die Art. wie sie an manchen Stellen bis zu fünfmal hintereinander vergeblich stürmten, er- innerte cm die ruffischen Maffenopfer. Die gewaltigen Anstrengungen der französischen Regimenter blieben vergeblich. Wo sie geringe Vorteile errangen, wurden diese ihnen alsbald wieder durch die Deutschen abgenommen, die im raschen Gegenstoß die Franzosen aus den genommenen Gräben wieder warfen, den Fliehenden nachsetzten und ihnen zahlreiche Gefangene ab- nahmen. Der deutsche Widerstand. Der AMs-Korrespondent an der französischen Front telegraphiert, dem „Berliner Tageblatt" aus Genf zufolge, daß am Sonntag eine heftige Gegenwirkung der deutschen Truppen erfolgt sei, die den Vormarsch der französischen Armee angehalten habe. Die deutsche Artillerie sei erheblich verstärkt und aktiver geworden. London, 12. August. (MB.) Das Reuterfche Bureau er. fährt: Die Deutschen unternehmen mirt einer beträchtlichen Zahl von Dir-istonen und Artillerie starke Gegenangriffe zwischen der Straße von R o y e und der Somme. Namentlich südwestlich von Noye ist ihre Gegenaktion sehr heftig.. Die günstigen Stellungen der Dcutsthen. Genf, 12. August. Eine Hnvasnote erklärt: An allen Abschnitten der Front war gestern starke deutsche Artillerie, tätigkeit wahrzunehmen, wodurch die Operationen der Alliierten eine Verzögerung erfuhren. Ferner hebe die Havas- note hervor, daß die gegenwärtigen, für die Verteidigung sehr günstigen Stellungen der Deutschen den Angreifern viel zu schaffen machen werden. * Die Tanks Berlin, 13. August. Bei den Angriffen zwiscken Ancre und Avre am 8. August haben die Gegner im Ganzen 400—500 Eroßtanks gegen unsere Front vorgewcrfen. Diese führten zunächst Kanadier und Australier, dann farbige Franzosen und in der letzten Angriffswelle Amerikaner. General P 6 t a i n richtete an feine Truppen einen Tagesbefehl, in welchem er der Ingenieure gedenkt, die am Ausbau der wichtigen Kriegswaffe der Tanks beteiligt waren und zusammen mit der Mannschaft, welche an der Front die Panzerwagen führen, den Dank des Vaterlandes verdienen. Clemencean übermittelte diesen Tagesbefehl dem Munitionsminister und den Kriegsmaterialfabriken. Der Erbauer der Tanks abgestürzt. Nach einer Meldung der „Vossischen Zeitung" aus Bern ist der englische Flugzeugerbauer und Erfinder Page bei einem Versuchsflug tödlich verunglückt. Page lvar Erbauer des englischen Tanks und des englischen Bombeu- flngzeuges, das im Jahre 1914 von der englischen Negierung angenommen wurde. Der letzte Flug Fömerchnrdts. Berlin, 13. Amgust. (MB.)' Oberleutnant Löwenhardk, unser erfolgreichster Kampfflieger, ist am 10. August mittags 12 Uhr 15 Mia. durch Siuen Zusammenstoß mit eine« unserer Flugzeuge tödlich verunglückt. Unbesiegt wie Bölcke und Richü Hofen ist ai'.ch er aus den Reihen unserer Besten geschieben. Im Berei'm mit der Staffel Richthosen war er um 11 Uhr 30 vor«, mittags an der Spitze seiner Staffel zu einem Iagdskcge auf^ gestiegen. Kurz nach 12 Uhr mittags eirtfpann sich in 250J) Meter Höhe ein heftiger. Luftkampf xvischeu.titui..mtiLtiMlK Aschen Kamp^sivfitzer, tn dessen Verlauf er den Gegner bis auf 1500 Meter herunterdrückte. Der Engländer versuchte Wer die Linien dnrchzubvechen, wurde aber von Löwenhardt auf unser Gebiet Zurückgedrängt und zum Absturz gebracht. Im Verlauf dieses Kampfes erfolgte der Zusammenstoß. Kailkl Kar! im deullchen Hauptquartier. Im deuischen Hauptquartier scheinen wichtige Beratungen Hevorznstehen. die sich hauptsächlich mit der Lage rm Osten befassen dürften. Wir haben bereits gemeldet, daß sich der Staats» fekretär v. Hintze und Dr. Helfferich nach dem Hauptquartier begeben haben. Heute werden Kaiser Karl und seine politischen Ratgeber, darunter Graf Burian, dort erwartet. Eine amtliche Nachricht liegt darüber nicht vor, jedoch entnehmen wir privaten Berichten folgendes: Zn dem allgemeinen Gedankenaustausch tritt diesesmal das polnische Problem Es ist bekämet, daß über den Ausbau des neuen polnischen Staatswesens zwischen Deutschland und Oesterdeich-Ungarn Meinungsverschiedenheiten bestanden haben, die sich an den Begriff der sogenannten austrv-polmschen Lösung knüpften. In der Zwischenzett ist der Wunsch der Warschauer Regierung, den neugegründetön Staat der Vollendung zuzu- sühren, immer stärker und dringender geworden, und bei den Mittelmächten, die die Träger der Proklamation Wer die Selbstständigkeit des polnischen Staates sind, hält man viele der Wünsche der polnischen Regierung für pi mindesten diskutabel. Der Leiter der auswärtigen Politik in Warschau, Prinz Radzi. will, bat zusammen mit dem Vertreter der Polen in Berlin, Grafen Ronikler, ebenfalls eine Einladung ins Große Hauptquartier erhalten, um dort an den Beratungen der beiden Monarchen und der deuffcben uW österreichisch-ungarischen Staatsmänner teilnehmen zu können. Bei der Lösung des polnischen Problems spielt die Grenzfrage eine erhebliche Rolle. Ist über diese eine Verständigung erzielt, und zwar muß sich diese Verständigung in dr R'chtung bewegen, daß ein auf Freundschaft beruhendes Verhältnis zwffchen den beiden Mittelmächten und dem neuen Polen möglich ist, dann werden sich der Königsfrage sicherlich keine großen SchwieriqLotten mehr in den Weg stellen. Durch die Lösung der polnischen Frage werden ohne weiteres auch eine Reihe von Hindernissen beseitigt, die für das selb- ständige Litauen zurzeit noch bestanden und die in der Hauptsache ihren Grund ebenfalls in der Erenzfrage hatten. Dü iföliemfdtrn Angriffe auf Spitäler. Wien, 12. August. (WB) Ans dem K. K. Kriegspresse' «variier wird gemeldet' Nach den im heutigen Heeresbericht gemeldeten Ereignissen hat es den Anschein, als sähe die italienische Heeresleitung eine ihrer Hauptaufgaben in der systematischen Zerstörung unserer Sani-tätsanstalten. Am 7. August wurde das deutlich als solches gekennzeichnete Spitalschfff „Baron Call" erst mit Flieger- hcmrben beworfen und dann, glücklicherweise erfolglos, anlan- ziert. Heute wird eine Reihe nicht weniger unmenschlicher, aber leider erfolgreicherer Angriffe auf Spitäler und Sanitätsanstal- ten des festen Landes gemeldet. In der hinter der Front lte- zenden Ortschaft Bvimolano wurde das Feldspital mit schwersten Kalibern beschossen und mehrfach getroffen, wobei Verluste unter den Krankenpflegern und den dort in Behandlung befindlichen Verwundeten entstanden. An demselben Tage griff ein italie- irisches Fluggeschwcrder mit Bomben und Maschinengewehren ein anderes Spital an und erreichte auch dort sein Ziel, die Himnordung von unbewaffnetem Pflegepersonal und von hilflosen Kranken. Ein zweites Fluggeschwader von 25 FluWeugen griff gestern früh das Feldspital Feltore an und tötete durch Bombenabwurf außer einiaen Kranken und Verwundeten auch mehrerk- Zivilisten, da neben dom Feldspital liegende Privat- Wohnhäuser gleichfalls getroffen wurden. Alle von den Italie- llern angegriffenen Feldsvitäler waren deutlich mehrfach mit dem Genfer Kreuz gekennzeichnet, sodaß der Feind keine Entschuldigung für diese, allem Völkerrecht hohnsprechende Kriegfiih. rung geltend mache» kann. Schlisse so säM>er verwundet worden, daß er bald darauf starb. Der ermordete Amtsvorsteher stand seit der Be? setzung des Landes durch deutsche Truppen rm Dienst« der deutschen VeNvaltung, die in ihm einen ihrer besten Beamten verliert. Nähere» ist bisher noch nicht bekannt geworden. Der Mörder ist entkommen. Die Tat ist allem Anschein nach aut politische Beweggründe zurückzuführen. DaS deutsche Oberkommando hat der Gemeinde, in der der Mord geschah, eine Buße von 50,000 Mark auferlegl. Rußland. Die Bürgerkämpfe. Alle in den Vororten Moskaus lebenden Offiziere wurden bei Androhung schwerer Strafen zur Meldung ausgefordert. Der Rat der Volkskommissare befahl, daß die Einwohner ohne besondere Beschäftigung Moskau innerhalb drei Tagen ohne weitere Benachrichtigung zu verlassen hätten. Die dabei entlassene Bedienung hat Anspruch auf Lohnzahlung für 1Monate im voraus. Von Kasan wolgaabwärts ist ein ausfallender Preissturz für Brot und Eier eingetreten. Die Ernte ist dort über dem Durchschnitt. Die Ententekonsulate in Wologda weigern sich, der Aufforderung nach Moskau zu kommen, zu folgen. Die Kampfe mit de«: Tschücho Slowaken. Ufa, 6. Aug. (WB.) Unter den Tscheche-Slowake macht sich eine Zersetzung bemerkbar. In den Truppenteilen werden Massenerschießungen vorgenommen. Der Kommandant hat Versammlungen verboten. Infolgedessen zeigt sich starke Unzufriedenheit unter den Mannschaften. Moskau, 13. Aug. (WB.) Meldung der Petersburger Telegraphen-Agentur. Die von den Sowjets auf der Wolga gebildete Kriegsflotte hat die Wolga von den durch die Tschecho-Slowaken gsnommenen Schiffen gesäubert und die Verbindung der im Osten der Wolga stehenden tschecho- slowakischen Truppen mit den tsckeckw-slowakischen Streitkräften in Simbirsk und Sysran unterbrochen. Astrachan, Zarizyn und Saratow sind nach wie vor in den Händen der Sowjettruppen. In Moskau sind Vertreter der Sowjets aus Ostsibirien eingetroffen, die erklärten, daß die Tschecho-Slowaken nur bis Baikal gekommen seien. Weiter östlich Baikal sei ganz Sibirien in den Händen der Sowjet-Regierung. Ueber den Städten und Dörfern Osffibiriens wehe nach wie vor die rote Flagge der sozialistischen Republik. Ostsibirien sei keineswegs der Sammelpunkt der englisch-französischen Truppen. Weder solche, noch amerikanische oder japanische Abteilungen befänden sich dort. Haag, 13. Aug. Reuter meldet: Die „Times" berichtet aus Tokio vom 7. August- Die Tschecho-Slowaken sind an den Fronten im Ussnri-Gsbiet und in Transbaikalien dem schweren Druck feindlicher Truppen, unter denen sich Ungarn und Deutsche befinden ausgefetzt. Angriff der Sowjetarmee. Moskau, 13. Aug. (WB.) Meldung der Petersburger Telegraphenagentur. Die Kräfte der Weißen Gardisten, der Tschecho-Slowaken und der Kosaken auf der Mittel-Wolga- Front beziffern sich auf 80 000 Mann. Die Zusammenziehung der Sowjet-Armeen ist beendet und hat die Zahl von 150000 Mann erreicht. Der begonnene Angriff entwickelt sich erfolgreich. Die Sowjet-Truppen sind bereits unter Kämpfen in die Vorstadt von Simbirsk eingezogen. Rückzug der Erttenictruppen an der Murmauküste. Moskau, 12. Aug. (WB.) Nach einem amtlichen Bericht über die Lage an der Murmanfront haben die Truppen der Entente nach sechstägigem ununterbrochenem Kampf den weiteren Vormarsch aufgegeben und sind zurückgegangen. Die Stimmng der russischen Truppen ist gut. Bei Archangelsk ist die Lage für die Räteregierung günstig. Finnland. Hclsintzfors, 12 August. (WB.) Die in Deutschland beschlagnahmte finnische Tonnage ist nunmehr von Deutschland freigegeben worden. Die finnische Regierung errichtet nunmehr Konsulate in Kr«w und Odessa. Der finnisch Geschäftsträger in der Ukraine ist bereits unterwegs. In Repole in Fjaerrkarelien wurde von einer großen Volksversammlung der Anschluß an Finnland beschlossen. Eine Deputation wird sich mit der finnischen Regierung in Verbindung setzen. Der Beschoß auf Vereinigung mit Finnland war einstimmig. » Die Konigswahl in Finnland. Der außerordentliche Landtag, der die definitive Kö- mgswahl formell vorzunehmen hat, wird, wie „Huvfudstads- bladet vom 10. August meldet, am 27. August zusammen- H-eten. Man erwartet bereits heute die Ausfertigung sei- «er Einberufung durch den Reichsverweser. Nester die Situation in Fjaerrkarelien erfährt „Huvfudstadsbladet", daß finnische Rotgardisten unter der Leitung englischer Offiziere nahe der finnischen Grenze 5 Meilen nördlich von Uhtua stehen. Es handelt sich um zirka 200 Mann. Kleinere Zusammenstöße mit finnischen Grenzposten sollen statt- gefunden haben. Ermordung eines baltijchen Amtmstehers. Aus Riga melden die Berliner Blätter: Der Amts- vOrfteher von Ronneburg in Kurland, Hermann von Seng- b»sch, ist am Montag aber- auf einer Dienstfahrt durch Die Wahrheit «der die Ukraine. Kiew, 11. August. (WB.) Seit Monaten schon versucht die enientistische Propaganda, die Lege in der Ukraine in den düstersten Farben zu schildern, da es in ihr Komeot nicht patzt, daß h:er unter der Herrschaft der Mittelmächte Ruhe und Ordnung herrschen. Zuerst, als Kiew absolut ruhig und friedlich war, verbreitete Reuter völlig aus de: Luft gegriffene Gerüchte. es sei in der . Stadt ein großer Ausstand ausgebrochen, der Hetinan werde in seinem Palast belagert und sei selbst schwer verwundet. Daran schloß sich dann später die für Kenner der hiesigen Verhältnisse ganz lächerliche Mär, der Hetman habe freiwillig seiner Würde entsagt und diese einem jungen österreichischen Herzog Übertragen, der sich beeilt habe, dieses Amt anzntreten! Und jetzt ist jerdst ein so angesehenes und neutrales Blott wie der „Berner Bund" auf die jedenfalls auch von dkutfchseindlicher Seite böswillig inspirierte Nachricht Hoveingefallen, in der Ukraine sei gegen die Regierung des Het- mans und gegen die Deutschen ein großer Bauernaufstand aus- gebrocken, den gut bewaffnete, mit Maschinengewehren und Kanonen ausgerüstete Bauern zusammen mit Arbeitern und in Verbindung mit Sozialrevolutionären, Bolschewik! und Merffchewitis (eine ganz unwahrscheinliche Zusammenstellung) ins Werk gesetzt hätten. Die Zahl der Aufständischen betrage, man höre und staune, über 200 000 Mann. Richtig ist hieran nur so viel, daß stch seinerzeit die revolutionäre Bewegung in Rußland naturgemäß auch auf die Ukraine ausgedehnt und daß gerade sie den Einmarsch deutscher Truppen zum Zweck der Wiederherstellung von Ruhe und Ordnung im Lande veranlaßt hat. Aus jener Zeit existieren in der Ukraine, besonders in dem stets unruhigen fWlichen Teile des Gouvernements Kiew, noch einzeln, Banden, die sich aus Baue-mprole tarier, ehemaligen russische» Soldaten, tschecho-slo- wakisch-en früheren Kriegsgefangenen, aus Gvoß-Rutzland übe» die breite und offene Grenze täglich hereinströmenden zweifelhaften Elementen und anderem Gesindel zusammensetzen. Politische Ziele verfolgen diese im allgemeinen in einer Stärke von höchstens 200 bis 300 Mann auftretenden Banden nicht. Ihr Zweck ist der Uebersall von Schlössern und größeren Bauernhöfen. Raub. Mord und Plünderung. Daß sie noch vom Krieg« her gut bewaffnet und gelegentlich sogar mit Maschinengewehren ausgerüstet stnd. ist richtig und begreiflich. Völlig und dauernd zu unterdrücken ist dieses Bandenwesen in dem ausgedehnten Lande nicht leicht, da diese Banden sich beim Heran- nahen der Truppen in friedliche Bauern verwandeln oder sich in die Wälder verziehen Immerhin ist es gelungen, die weit» aus größere dieser Banden, die gegen tausend Mann zählte, bei Swttnigerotka zu stellen und zu vernichten. Gefährlich sind sie wohl für die friedliche einheimische Bevölkerung, insbesondere Gutsbesitzer, Großbauern und Zuckerfabriken, nimmermehr aber für die Vesatzungstruppen der Mittelmächte. Von dem Beuernheere von 200 000 Monn, das die phantasiereichen En- tentepropagaadisten in den Spalten der ihnen zugänglichen Zeitungen auf die Beine gebracht haben, ist hierzulande nichts zu spüren. In dem weitaus größten Teile des Sandes herrscht vielmehr gegenwärtig bis auf einzelne unbedeutende Ausschreitungen, die hier immer wieder vogerkommen sind und auch spä- tr Vorkommen werden, Ruhe. Auch der Eisenbahnerstreik ist in ffiedlicher Weise jetzt liquidiert. Nur aus Moskau importierte Sozialrevolutionäre wie der Mörder des in der Ukraine hocbverdienten Feldiparschalls von Eichhorn stören zum Entsetzen aller besseren ukrainischen Elemente durch sinn- und zwecklose Attentate die Nuhe. Für Befreiung der Zarin. Bern, 12. August. (WB.) Der „Osservatore Romans" teilt mit: Der Paxsst hat für die Befreiung der Zarin unt» ihrer Töchter Schritte eingelettet, die die Ueberfiihrung drr Genannten nach Europa bezwecken. Der Papst hat sich sogar Lrett erklärt, für den Unterhalt der Zarenfamilie aufzukommen. Man erwartet mit Spannung das Ergebnis der hochherzigen Bemühungen des Papstes. Englische <*rntl)UHungen ?u den Tagen vor Kriegsausbruch. Berlin, 9. August. Die „Boss. Ztg." entnimmt dem August- Heft der „National Review" folgende Schilderung ihres Herausgebers Leo Maxse Wer die letzten Tage vor Kviegsbeginn. Im englischen Kabinett bestanden am Freitag den 31. Juli 1914 zwei Gruppen; eine, die aus „weniger schlechten" Elementen bestand, hatte die Neigung Frankreich zu unterstützen, fürchtete sich aber davor und wartete ab Die andere Gruppe von viel gefährlicherem Umfange war ^endgültig „verräterisch" und i» ihrer Perftvie zum äußersten entschlossen. Ganz allein stand in jenem Augenblicke Winston Churchill, der als erster Lord der Admiralität die Schiffe bereits hinter stch verbrannt hatte und feine Pflicht getan hatte. Maxse verhandelte am Nachmittag desselben Tages mit einem hervorragenden Staatsmann, der di« Unentschlossenheit des Kabinetts verurteilte. Am nächsten Mor. gen frühstückte er beim General Wilson, dem jetzigen englische» Eeneralstabschef. Anwesend waren auch einige Unlerhausmit. glieder. Es wurde vorgeschlagen, die Hilfe der damaligen konservativen Opposition anzurufen. In Ausführung dieses Planes wurde mit dem russischen und dem französischen Botschafter verhandelt. Trotz dem Wochenende gelang es, eine Anzahl Führer d»r konservativen Partei abends im Haufe LandsdowneS zu versammeln. Anwesend waren außerdem Bonar Law, Lord Milner. der Herzog von Devcnshire. Balfour, General Wilson mrd Marse. Bor Mitternacht hatte man beschlossen, das ganze Gewicht der konservativen Partei für den Krieg in die Wagschale zu weffen. Den gefaßten Beschlüssen entsprechend, setzte» am Sonntag morgen Lord Lansdcwne, Austen Chamberlain und Donar Law den berühmten Brief an Asquith auf, der der Uneittschlossenheit des liberalen Ministeriums ein Ende setzte. Dieser Brief, dessen Wortlaut bekannt ist, wurde namens des Lord Lansdowne nach Downingstteet 10 befördert, wo das Kabinett gerade Sitzung hatte. Allgemein wird angenommen, daß er Asquith sehr gelegen kam, der nichts sehnsüchtiger wünschte, als daß ihm der Kampf um die Entscheidung abgenomme» werde. Die Kriegspartei hatte gesiegt. Zu dieser Darstellung Maxses sagt die .Vossische Zeitung": Der Wert der Veröffentlichung liegt darin, daß einer der fanatischsten Imperialisten und Deutschenfeinde, also sicherlich eia gärchlich unverdächtiger Zeuge, öffentlich seststellt, daß die englischen Kriegstreiber schon am 31. Juli, also noch bevor die belgische Neuttalitätsfrage überhaupt existterte, ihren Wille» durchgesetzt hatten, den sie Asquith und den andern noch zaudernden Mitgliedern des Kabinetts aufdrängten. Schon am 31. Juli hatten diese Elemente beschlossen, daß England die kriegsbereiten Regierungen Rußlands und Frankreichs mili. tävisch unterstützen müsse uW Churchill hatte bereits alle Briicken hinter sich verbrannt. In seinem Eifer, den Führer der englischen Pazifisten vor der britischen Oeffentlichkott zu kompromittieren, hat Maxse der Sache seines Vaterlandes und dem englischen Kriege einen moralischen Keulenschlag versetzt. ßsrb Churchill — ein kßfUjnelipr Hirns. In England beginnt man mit dem großsprecherischen Locd Churchill, dem Mann, der Antwerpen retten und die deutsche Flotte wie Ratten in ihren Löchern ausräuchern wollte, allmählich unzufrieden zu worden. Die „Saturday Reviw" vom 15. Juni beschäftigt sich in einem Aufsatz mtt dem ehemaligen Lord der Tldmiralität und jetzigen Mumtionsminffter. Drastisch, fragt sie, ob dom Volke denn nie die Augen darüber cmfgohe» werden, daß Churchill mit seinem Gehalt von 5000 Pfund „ei« kostspieliger Luxus" ist: „Er hat uns die Dardanellen-Kata- strophe und das Antwerpener Fiasko etmzobracht, und der Be^ richt iiber jene war so vernichtend, daß Churchill aus der Ad^ mitaUtät herausgezwungen wurde." Sie wirft beut ehemaligen Flottengewaltigen weiter vor. baß es ihm gelang. Lorb (George einzuschüchtern und so Dr. Ad-dison aus dem Munittons-Mi- ittsterrum zu verdrängen. Churchill oder fei schlimmer als dieser, das Ministerium ein großer, öffentlicher Skandal. Wörtlich heißt es dann: „Churchill hat sogleich die Löhne erhöht, und sein 12% Prozent Bonns hat die Lebenskosten der Armee mehr gesteigert und die Industrie mehr demoralisiert als der wildeste Agitator der Tade-Unions. Fast täglich kommen ungeheure öffentliche Verluste zutage, an denen Churchills Restart Schuld hat. Ihm ist das gleich, er hält seine Reden am Tisch des Hauses, während feine Beamten Millionen verschwenden!" Es hat lange gedauert, bis man in England dahin gelangte, ?u erkennen, daß Lord Churchill „ein kostspieliger Luxus" ist. Vielleicht ist der Dag nicht mehr fern, wo dieser schwatzhafteste aller Kriegshetzer ein noch härteres Urteil in der englischen Oeffentlichkeit erfahren wird! kin Nomeger «der W Wwendigkeil des deutichen Sieges. In dem norwegischen „Sozialdemokraten" vom 22. Juli fchroübt Erling Vinstes: „Mehrere Zeitungen Kristianias, darunter auch „Sozialdemokraten" wünschen Deutschlands Niederlage im Weltkriegs. „Sozialdemokraten" hat in feinem Artikel die alteWeife angestimmt'. Deutschland und die Deutschen besäßen keine politische Mäßigung. Eine Niederlage werde ihnen gut bekommen Sie brauchten eine Abkühlung. Die Verbandsmächte würden nach ihrem Stege in höherer politischer Besonnenheit Deutschland einen guten Frieden geben. Eine solche Auffassung, die die Derbandsmächte auf eine höhere moralische Stufe stellt, kann vor einer unvoreingenommenen Betrachtung nicht standhalten. Das deutsche Volk ist keineswegs kriegslüstern. Wer die Vechältnisie vor dem Kriege kennt, weiß, daß Deutschlands Kriegsrüstung begann, als das deutsche Volk rings um sich eine Welt von Feinden gegen feilte neue Industrie, gegen seinen organischen Fleiß^ gegen seine industrielle Ueberlegen- heit wahrnahm. Wenn es in der Welt ein militaristisches Land gibt, so ist es Frankreich und nicht Deutschland. Frankreich hat mehr Kriege geführt als jedes andere Land in Europa. Mehr als zweimal soviel wie Preußen. Sein HeereSbudget war größer, als das jedes anderen Staates. Wo es Krieg gab, war Frankreich stets dabei. Ein solches Land wird immer eine Gefahr für seine Nachbarn sein, eine doppelte Gefahr, weil das Volk fo viel politisches Temperament besitzt. Bei England kann man nicht leugnen, daß das. Land eine lange politische Tradition hat. Aber niemand kann auch leugnen, daß in England eine starke imperialistische Strömung das Uebergewicht besitzt, daß feine Flotte teurer war. als Deutschlands Heer, daß es den größten Teil der Welt unterworfen hat. Die nationalen Siege, von denen „Sozialdemokraten" fürchtet, daß sie das Maßhalten des deutschen Volkes abschwächen könnten, hat England bereits vor dem Weltkriege gehabt, und sie haben nicht wenig dazu bei- getragen, das Volk imperialistisch und raublüstern $u machen. Deutschland hat erst während des Krieges feine Mehvhvitssozia- , listen bekommen. England besitzt dagegen feit langem eine nationale Arbeiterpartei. Endlich Amerika: Niemand wird an diesem Volk die politische Mäßigung hervorheben können, oder der Ansicht sein, daß es mtt Deutschland in polittscher Kultur auf einer Höhe steht. Ein Symbol feiner Politik ist Noosevelt, der Nobels Friedenspreis erhielt, ihn aber de; Kriegsindusttie ,überwies und jetzt den Ausrottungskrieg gegen das deutsche Volt predigt. Diesen drei Nationen also wünscht man den Sieg über Deutschland! Ihr Sieg würde eine Glanzperiode des Kapitalismus zur Folge haben. Die kommende Zeit würde charakterisiert durch eine Blüte der Pfuschproduktton des Trusts, der künftigen Monopole, des Zollkrieges und des Annoncenhumbugs. Es würde eine Zeit der Zwischenhändler und Waren oertour er werden. Für Englands und Amerikas Großkapital ist es ein Lebensintereffe, die deutsche Industrie zu vernichten, weil sie billig und methodisch arbeitet und weit über die Schludec- technik der ganzen Welt geht. Weil Elsaß-Lothringen Eisen hat, soll es Deutschland genommen werden. Eine deutsche Niederlage an der Westfront würde allerdings einen baldigen Frieden schaffen, aber es wäre ein Frieden, in dem die Organisatoren der Welt, die Techniker der Wett und die tüchtigste Natton der Welt zugrunde gehen. Es wäre ein teurer Sieg für uns alle." ito Meaerrmmss auf frajikfurt a. M. Amtlich wird gemeldet: Der vorgestrige Angriff auf die offene Stadt Frankfurt a. M. erfolgte durch etwa zwölf feindliche Flieger. Der Geg- ner war rechtzeittg angemeldet und bereits auf dem Anflug durch Kampfeinsitzer-Staffeln des Heimatluftschutzes in 'Kämpfe verwickelt worden. Er wurde durch die bei Frankfurt er. M. ausgestellten MwehInformationen beschossen und warf etwa 26 Bomben ab. Neben Sachschaden sind trotz rechtzeitigem Alarm leider zwölf Tote und fünf Schwerverletzte und eine Anzahl Leichtverletzter zu beklagen. Es steht fest, daß diesmal jeder, wenn er die bereits so oft und so eindringlich gegebenen Vorsichtsmaßnahmen beobachtet hätte, sich rechtzeitig in Sicherheit hätte bringen können. Leider muhte von neuem die Beobachttmg gemacht nrerden, daß ein großer Teil der Bevölkerung den veröffentlichten Verhaltungsmaßregeln immer noch nicht Rechnung trägt. Das Publikum beobachtete vielfach ttils auf den Straßen selbst teils von Türen und Fenstern aus den Angriff. Die verunglückten Personen sind, soweit bisher festgeftellt werden konnte, ausnahmslos gettoffen worden, Werl sie trotz der rechtzeitig erfolgten Alarmierung geschützte Stellen in Häusern nicht ausgesucht hatten. Es wurden getötet: der Postaushelfer Wilhelm Gucke, * • T -% Johann Schmitt. Ludwig Simon aus Zwingenberg, GHreinecmeister Wilhelm Ludolph, Gärtner Max Fueg, Schutzmarm Pa«l, Rechtsanwatt Dr. Merzbach, Frau Elise Zündorf, ferner zwei ältere und ein junger Mann und eine Frau, deren Personalien noch nicht festgestellt werden konnten. Schwerverletzt wurden: Frau Franziska Ulrich, Portier Diez, Kaufmann Fritzsche, Postkutscher Gockel und ein rmbekannter Mann. Uom Felde der Ehre. ^Melbach. Dem Wehrmann Heinrich Kleberger, 3t beim Inf.-Regt. 116, wurde das Eiserne Kreuz verliehen. Herzlichen Glückwunsch! Ans der Heimat. Kein Aepfelwein 1918. Wie von Aepfelweiinerzeugerkreisen mitgeteilt wird, ist das Verbot betr. Keltern von Aepfelwein im Herbst 1918 von Berlin eingetroffen. 200 Millionen neue Fünfpfennigstücke. Der Reichsanzeiger teilt mit: Der Bundesrat hat den Reichskanzler ermächtigt weitere Fünfpfennigftticke aus Eisen bis zur Höhe von zehn Millionen Mark Herstellen zu lassen. Die Ermächttgung ist erteilt für 200 Millionen neue Fünfpfennigftticke. Bad-Nauheim. Sonderkonzert (Richard Wagner-Abend) der Kurkapelle, Donnerstag den 15 August, im Konzerthaus. Leitung: Hofrat Profesior Hans Winderstein. Die Vortragsordnung enthält im 1. Teil das Vorspiel zu den „Meistersingern". das „Albumblatt" für Violine (oorgettagen von Hrn. Kolvzertmeistn Drumm). die Trauermusik beim Tode Siegfried's und Siegfried's Rheinfahrt aus „Götterdämmermrg,,; im 2. Teil kommen aus dem Bühnenweihfestspiel „Parsifal" das Vorspiel zum 1. Mt und der „Karfreitagszauber", sowie Ouvertüre und Bachanale (nachkomponierte Scene) aus der Oper Tannhäuser zum Vortrag. Bei dem voraussichtlich starken Andrang empfiehlt es sich. Eintrittskarten baldigst zu entnehmen Ober-Erienbach. Am Samstag nachmittag wurde hier am Lohwald ein Hamster von Griesheim, ehemaliger Fürsorge- zögling der hiesigen Kolonie Steinmühle, abgefaßt als er mit mehreren Weibern wieder Kartoffeln ausraufen wollte. Er war schon mehrere Male dagewesen und hatte schon über IM Büsche Spatkartoffeln (Industrie) ausgerauft, und im. mer nur die Kartoffeln genommen, welche am Kraut hängen blieben. Erst kam er einige Male allein, aber kühn gemacht durch den Erfolg, nahm er auch noch einige Weiber mit, welchen er erzählte, wie leicht und wie billig man am Erlenbacher Loh. wald zu den vrelbegehrten Kartoffeln kommen könnte. Aber der Feldschütz lag schon mehrere Tage auf der Lauer und der Name des ehemaligen Fürsorgezöglings war schon festgestellt, da es dem Direktor der Steinmühle schon aufgefallen war, daß der Mann immer so schnell mtt seinem Sack voll Kartoffeln, die er angeblich in Holzhausen geholt haben wollte, zurück war. Er selbst gab Fersengeld, aber zwei Weiber wurden nach heftigem Sträu-ben festgenommen und erzählten, daß sie durch die Schilderung dieses Hamsterparadieses verleitet worden seien, auch sich einmal ohne Mühe und Heruinlauferei mtt billigen Erdäpfeln zu versehen. Wieviel Schaden ist durch das zu frühe Auswpfen der Spätkartoffel, welche doch Ende September mehr wir noch einmal so viel Kartoffeln eingebracht hätten, angerichtet worden? Wer gibt dem Landwirt etwas dafür? Die Hamster sind geradezu zur Landplage geworden; gewiß sind auch sehr anständige Leute darunter, aber die meisten scheinen den Unterschied zwischen Mein und Dein nicht zu kennen, sonst würden sie wicht alles mitnehmen, wo sie es finden und obendrein auch noch die Landleute, welche sie auf das Unrecht aufmerksam machen, verhöhnen und verspotten, oder ihnen gar noch Prügel anbieten. Gießen. Der Oberarzt der hiesigen Chirurgischen Klinik, Prof. Dr. Thies, ist am vergangenen Mittwoch nn Felde einer Fliegerbombe zum Opfer gefallen. Dr. Thies stand seit 1907 im Dienste der Klinik und ist der medizinischen Welt durch seine wertvollen Arbeiten über die Fragen der Wundbehandlung bekannt gewdrden. Schlitz. Während eines Krampfanfalles stürzte hier die achtjährige Tochter des Landwirts Jslei in einen Dach und ertrank, ehe ihr Hilfe gebracht werden konnte. Frankfurt a. M. In der schmucken Uniform eines Jager- unteroffiziecs mit Orden und Ehrenzeichen trieb sich der 20jähc. Maschinenschlosser, jetzt Musketier, Georg Frimmer im Haupt, bahnhof herum und bestahl die durchreisenden Feldgrauen. Er näherte sich ihnen als „guter Kamerad" und zeigte ihnen, wo sie umsonst zu essen, bekämen; „den Tornister nick die Pakete könnten sie hier liegen lasten". Wenn dir Soldaten vom Esten zurückkamen, waren ihre Sachen verschwunden, und mtt ihnen der Iägerunteroffizier. Das Gewerbe nährte feinen Mann, denn Frimmer wuroe dick und fett dabei. Es sind um jene Zeit allsin sechs leere Tornister aus dem Main geländet worden, und es besteht dringender Verdacht, daß der „Iägerunteroffizier" in noch weit mehr Fällen der Dieb gewesen ist. Leider konnte ihm das Schöffengericht, dem er zur Aburteilung überwiesen war, nur zwei Fälle zweifelsfrei nachweifen. Dafür verurteilte es ihn aber angesichts der großen Gemeinheit zu 15 Monaten Gefängnis und außerdem zu vier Wochen Haft wegen unbefugten Tragens von Uniform und Ehrenzeichen. AuS Starkenburg. Darmstadt, 12. August. Zum ersten Mal während des jetzigen Krieges waren heute früh in Ungeheurer Höhe nach dem eingetretenen Fliegeralarm mehrere Flugzeuge zu beobachten, die sich durch eigenarttges, dem Surren einer Dreschmaschine ähnliches dumpfes brummendes Geräusch, auffällig benterkbar machten. Sie kamen aus west—südwestlicher Richtung und fuhren nördlich der Stadt in anscheinend langsamer Fahrt in der Richtung nach Nord— Nordosten. Sie waren einem guten Auge durch ihr helles Glänzen leicht bemerkbar. Allem Anschein nach stich es di/' fewen feindlichen Flieger, welche kurze Zeit darauf in Frankfurt verschiedene Bomben abwarfen und nickst unerheblichen Schaden anrichteten. Darmstadt Auf raffinierte Art ein Paar Schuhe er- schwindelt hat sich in einer hiesigen Familie ein bisher nicht ermitteltes junges Mädchen in besserer Kleidung. Zu der Frau kam das Mädchen mit der Mitteilung, daß ihre Tochter in einer Konditorei sitze und der Absatz ihres einen Sttefels verloren Hab«. Sie sei geschickt, um für die Tochter ein paar andere Sttefel zu holen. Da die Frau wußte, daß ihre Tochter in der fraglichen Konditorei verkehrte, folgte sie ohne Bedenken dem Mädchen und gab ihr ein Paar Stiefel mtt, um nach wenigen Minuten von ihrer zurück- kehrenden Tochter zu hören, daß sie einer Schwindlerin zum Opfer gefallen war. In Arheilgen drückten Diebe die Scheibe an einem Saale des neuen Schulhauses ein und schnitten in fünf Sälen die Vorhänge ab und brachten so etwa 100 Meter Leinen in ihren Besitz. Gorxheim. Vier Frauen von Weinheim wußten sich in der benachbarten hessischen Gemarkung billige Frühkartoffeln zu verschaffen. Sie begaben sich mit einem großen Handwagen in dcr zweiten Morgenstunde nach Gorxheim, buddelten dort ans einem Acker nahezu zwei Zentner Kartoffeln aus und schüttet. Ion auch noch kräftig die Aepfelbäume, wonach sie reich mtt Deute an Kartoffeln und Obst beladen, heimfuhren. Die Wein- heimer Polizei erhielt aber von der verwegenen Hamfterfahrt Wind und förderte bei einer Haussuchung das ganze gestohlene Gut zutage, das sofort beschlagnahmt wurde. Die hessische Gen- darmette hat unterdesten die Untersuchung in die Hand ge» nommen. Aus Hcstcn.Nastau. Wettburq. Zar Ferdinand von Rumänien stattete a« Donnerstag der Stadt einen Besuch ab und besichtigte bei diese« Gelegenheit auch das Schloß. Aus Kurhesien. Marburg. Unter zahlreicher Beteiligung von Vertreter« der Vereine studierenden Frauen fast aller deutschen Univer. sitöten tagte hier vom 7—9. August die neunte Mitglieder» Versammlung des im Jahre 1906 gegründeten Verbandes bes Stndentinnen-Versine Deutschlands. Aus Rheinhesten. Mainz. 12. August Der König von Bulgarien. der sich z. 3t in Bad-Nauheim aufhätt, besichtigte am Freitag den Dom und seine Sehenswürdigkeiten in Begleitung feiner Töchter Eu- doxia und Nadeschda. Nierstein. Ein frecher Diebstahl wurde bei dem hiesige« evangelischen Ortsgeistlichen ausgeführt. Die unbekannten Dieb« drangen des Nachts in den bei der Pfarrwohnung gelegene» Garten und machten dort die sämtlichen Kartoffeln aus. Damit nicht genug, brachen sie schon in der nächfffolgenden Nacht auch in den Keller des Pfarrhauses ein und stahlen den dort liegenden ganzen Kartoffelvorrat des Pfarrers. Eau-Algesheim. Vor etwa 14 Monaten geriet der Mur- kotier Franz Haste mer Sohn des Wagnermeisters Fr. Haste» mer 1. in französische Gefangenschaft, nachdem sein Bruder Je«« bereits fett 4 Jahren in französischer Gsfangenschafi schmachtet Elfterer bat darum, einmal mit seinem Bruder Mommenkom- men zu dürfen, was ihm schließlich auch gewährt wurde. Di« Freude der Brüder bei dem unerwarteten Wiedersehen in solchen Verhältnissen war gewiß sehr groß. Heidesheim. Die am Mittwoch im hiesigen Staatswald« von der Oberförsteroi Mainz abgehaltene Versteigerung vo« Brennholz ergab bei mäßiger Beteiligung und geringer Nach- frage sine sehr erhebliche Senkung der Preise. Während bst der letzten Anf.rngs 1918 abgehaltenen fiskalischen Horzvee- steigerung pro Schicht (2 Raummeter) Kiefernknüppelholz durch- schnittlich 60—65 Mk. kosteten, wurden für dieselbe Menge dieses Mal nur 21—28 Mark erlöst. Kiefernwellen sanken von 40 Mark auf 8 Mark pro Hundert. Ein großer Teil des Holze« wurde auf der Versteigerung nicht vettauft, sondern wird aus Anordnung der staatlichen Forstbehörde vom Nottonmeister de« Hclzhauerei Heidesheim an minderbemittelte Selbstöerbvwu- cher zum Taxwerte abgegeben. Dkk W\h IttP Tpkllllk Nicht nur zum Kampf mit dem Feind «Jll (jlll lnull, und zum erfolgreichen Durchhalten in der Heimat gehött ein fester und uner.chüttenicher Wille, auch die Freude am Genießen muß man woll.n. Man muß ihr ebenso Rechnung tragen wie dem Ernst der Zeit, ja man möchte fast sagen, trotz dem Ernst der Zeit und gerade deshalb muß man zu ihr den gleichen festen Willen haben wie zu Sieg und Durchhalten. Denn sie ist das Gegengewicht zu all den Schwierigkeiten, die uns bedrängen und trügt somit zur notwendigen Erhaltung unsres seelischen Gleichgewichtes bei. Es müssen keine rauschenden Freuden sein, die wir suchen, im Gegenteil, sondern es sollen stille, nachhaltige und uns zu froherer Lebensanschauung führende Genüsse sein. Und solcher Freuden gibt es noch immer eine Menge. Ein launiger Scherz, eine drollige Schnurre, eine humorvolle Geschichte und ein lustiges Bild — alte diese heiter stimmenden Dinge sind noch zu haben, und wer sie sucht, der findet sie im bunter Fülle in den bekannten'M e g g e n d o r f e r - B l ä t t e 7n. Mit Geschick und Verständnis haben sich in dieser Zeitschrift Kunst und Humor der Zeit angepaßt, ein vornehmer und gemütvoller Ton herrscht in allen ihren Darbietungen, ihre politische Satire erheitert, ohne zu verletzen, und ihr reicher farbiger und schwarzer Bilderschmvck hat nichts von feiner alten Anziehungskraft verloren. Ihr Humor und ihre Kunst sind eben echt, und das verleiht den Meggendorfer- Blättern nicht nur augenblicklichen, sondern auch bleibenden Wert und macht sie zum heileren Trost- und Freudenspender in manch einer trüben Stunde. In dem Hause, auf besten Tisck sie liegen, weilt man noch einmal so gerne, weiß man doch, daß in ch« Menschen wohnen, die noch Sinn für frohen und edlen Lebensgenuß haben. Und ein kleines Opfer ist es nur, sich diesen zu verschaffen. Denn für Mk. 3.60 rann man die Meggendorfer- Blätter ein volles Vierteljahr lang (13 Nummern) beziehen. Es nehmen jede Postanstalt jede Buch- und Zeitungshandlnng sowie der Verlag in München, Perusastraße 5 jederzeit Besteuungc» hierfür an. Verantwortlich für den politischen und lokalen Teil: Ottch Hirsche!, Friedberg; für den Anzeigenteil: R. Heyner, Friedberg. „ Druck und Verlag der „Neuere ToMzeitung", A- Friedberg^L v Verfemt. Noman von Anny W o t h k. ^ B) Nachdruck verboten Er nahm die Finger des ihm gegenüberliegenden Mädchens in seine beiden Hände und sah ihr warm in die Augen' -und seltsam, unter diesem Fieundesblick wurde es ruhiger in Agas Seele.. Es war, als ginge von seinem beruhigendem Blick und Händedruck ein warmer Stiem neuer Hoffnung und neuen Lebens aus, der sich wie ein kräftender Gedanke in Agas bekümmerte Beult schlich. -£~-* G ; : ’■ Freund wenigstens hatte sie, Holger Thoresen, d.r konnte sic ruhig fein. „Sie wissen, Holger, ich habe Ihnen ja früher davon erzählt/' sagte sie, Thoresen langsam ihre Hände entziehend, „wie still und glücklich wir alle einst in unserer stillen Heide gelebt haben Unler kleines Dorf. Schloß Berghausen, der Müggelsee, das war meine engumfriedete Welt. Aber ich war glücklich in dieser Einsamkeit, in unserer stillen Pfarrei, wo die rauschenden Wogen des Müggelsees uns in den Schlaf sangen, und wo der .Heideduft uns Märchen vor die Seele zauberte, süße, bestrickende Märchen. Sie stad ja ein Dichter, Holger, und wenn Sie auch nicht verstehen können, was alles in einer jungen, weichen, sehnsüchtigen Mädchenseeke ringt, so können Sie doch vielleicht begreifen, daß für mich damals das Leben ein einziger Zaubertaz schien, als die Liebe zu mir kam. Ja, Holger. schauen Sie mich doch nicht so ungläubig an. Sie können gewiß nicht glauben, daß ich auch einst ein junges, rosiges Ding war mit wehenden Locken, das die Liebe stürmisch ans Herz nahm?" „O, doch," nickte der große, breitschulterige Mann eifrig und sah Aga mit einem kindlich treuherzigen Blick in das blaffe Gesicht, „ich glaube wohl, daß Sie ein herziges Mädel gewesen sind, aber die Li?be. Aga, so. was wtr wirklich unter Liebe vergehen, die — bitte nehmen Cie es mir nicht übel — habe ich Ihnen nie zugetraut." „Warum nicht?" Wie rauh und klanglos Agas Stimme schien. — „Warum? Du lieber Gott. Wer so ruhig, so seeleicheiter durchs Leben geht, wie Sie, der ist gefeit gegen alle Stürme der Leidenschaft, ohne die es keine Liebe gibt. Sie, Aga. das weiß ich. lächeln über die Torheiten der Liebe, und vielleicht — vielleicht tun Sie recht daran.- /I * Eln-en Augenblick glM AM AM MffenV Wer Sät itnjkr Antlitz des blonden Riefen, mit dem sie oft versucht hatte, in kiesen Gesprächen das Wesen der Liebe zu zergliedern, und wieder war es ihr. wie schon so oft, als wäre Holger Thoresen mit seinen vierzig Jahren ein Mann, der die Liebe, die wahrhafte Liebe me gekannt. „Wer sagt Ihnen denn, bester Freund, daß ich über die Liebe lächele? Ich halte sie für eine alles zerstörende, alles vernichtende Macht. Sie kennt weder Gesetz noch Recht. Sie durchbricht die Feffeln der Pflicht, und wie sie imstande ist, zu allem Guten zu führen, so erweckt sie auch alle Lösen Leidenschaften im Menschen." ,r~» „Sie haben das an sich selbst erfahren?" * „Ici. ich war ein Kind, ein glücklich vertrauendes Kind, und ich liebte den Grafen Nordkirch. der mit seinem Freunde Berghausen täglich in unser stilles Pfarrhaus kam. mit der ganzen Hingebung und Zärtlichkeit der vertrauenden Jugend. Was wußte ich, die sechzehnjährige, damals von den Gesetzen der Gesellschaft, die einem Grafen Nordkirch verbieten würden, ein armes Pfarrerstöchtcrlein heim zu führen. Ich wandelte so glücklich mit ihm dahin unter dem leise erschauernden Gezweig? sichtgrüner Birken, die mein Vaterhaus umhegten, und ich lachte und jubelte zu den Zweigen empor: Ihr grüßt eine Braut, eine Braut! Wie muß er über das einfältige, törichte Kind gelacht haben, der glänzende stolze Kavalier, dem in der Residenz die schönsten Damen zu Füßen lagem, daß das simple Dorfkind mehr begehrte, als seine Geliebte zu sein. Nordkirch hatte mich zu überreden gesucht, unsere Liebe vorläufig geh-rim zu halten, aber ich war so überselig in meinem Glücke, tch mußte hinein in des Vaters Studierstube, wo er still arbeitend saß. Es war an einem Frühlingsabende. Die Fenster waren offen, und der Flieder duftete herein. Es war so still, so eigen in der großen Stube, und doch war mein Herz so voll Lebensjubel und Lebensglück. Der Vater hörte mich still an. Rur war es mir. als ob sich sein Gesicht immer tiefer färbte. Fast wie vor Zorn. Doch nein, wie sollte er wohl zornig sein über mein großes, einziges, mein überwältigendes Gluck. Dann flog es wie Schmerz über sein Antlitz, wie ein unendliches Erbarmen, und als er mir. wie ich glaubte, zum Segen die Hand aufs Haupt legte, war sie bleischwer. Heute morgen 8 Uhr entschlief sanft nach kurzem Leiden unsere liebe Mutter und Großmutter Frau Marie Lang Wwe. im Alter von 78 Jahren. Wohnbach, Darm ft ad t, den 14. August 1918. Die Hinterbliebenen: / Karl Lung und Familie, Dr. Gustav Lung und Familie (Großh. Ldw.-Lehrer). Die Beerdigung findet am Freitag, den 16. August, nachmittags 4 Uhr statt. (Merverßeigerililg. Durch den Unterzeichneten Notar werden Montag, den J9. August l Is.. vorm-ltags 1 jß Ulft. in dem Nathaussaale in Affenheim die in in der Gemarkung Asfenheim gelegenen Crundstücke des verstorbenen Kammerdirektors Dr. Ernst Wilhelm Georg Eeyger "M zweiten- und voraussichtlich letztenmal versteigert. Die Ver- .eigLrnn^ -bedin^ungen können bei mir eingesehen oder abschriftlich von m>r bezogen werden. Friedberg, den 12. August 1918. Der Erohh. Notar:' __ Iöckel. _ Der Neuzeit entsprechende nrcht zu große sonnige MW in In ,.L Miiii tr : «a ai UNS Veranda von kinderlosem Ehepaar gesucht. SNN L. ^llrst,Frankfurt a. M., Hermesweg 4. Ca. 500 Stück :' zäuchen a Stück 2.40 Mk., verkaufen Lehrwerkstätten der Kriegsbeschädigfen-FUrsorge, Bindegarn für Selbstbinder, prima Ware, kein Ersatz, abzugeben. Preis auf Anfrage. Hch. Schultheis, in Stkin'nrih b.Vad-Nauheim Fernspr. Bad-Nauheim 320. Der Kauf von Uhren ist Bertrauensiache! Wenden Sie sich an Wilh, Lohrey, Uhrmacher üNieder-Flarfladk. da erhall. Sie noch eine fein abgezog., genau regulierte Taschenuhr. Anch. find noch Uecker. Uand- nnd f Standuhren dort zu haben. ' Kirchstrasse 16. Gutes wohlschmeckendes Mittagessen oh ne Fett, ohne Fleisch, aber mit kräftigem Fleischgeschmack und für weniges Geld erhält man durch Verwendung von Fleischextrakt-Ersatz „©lisema“ „Ohsena" ist von der Ersatzniittelstelle Schleswig-Holstein unter Nr. 61 am 22. Juni 1918 zum Handel im ganzen deutschen Reich genehmigt. Man nehme alle Sorten Suppenkräuter, grüner Gemüse und grüner Gartengewächse (je nachdem, wie die Jahreszeit es bietet), namemlich Saiat. Kohlrabi, rote und gelbe Wurzeln, alle Sorten grüner Erbsen (mit Schale), Bohnen, alle Sorten Kohl, Rüben und Rübenlätter. de- sonders Cichorien- und Zuckerrübenblätter, sowie alle eßbaren Wild- gemüse. Dieselben werden mit einer Hackmaschine oder mit dem Hackmesser so fein wie möglich zerkleinert und dann eine große, sauber gewaschene. ungeschälte, rohe Kartoffel ä Person, ebenfalls fein gerieben, zugesetzt und alsdayn mit Salz und Wasser zu Feuer gebracht in einem zugedecklen Gefäß. Wenn die Suppe gar und seimig ist, wird ä Per>on ^.1.2.0—25 Gramm „Ohsena" zugeietzt und har die Suppe dann einen kräftigen Fleischgeschmack. Soll sie nicht als Vorspeise, sondern als Mitiagessin dienen, wird die Suppe etwas dicker eingekocht durch mehr Zu atz von Kartoffeln, fein gehacktem grünen Gemüse und mehr „Ohsena-Extrakt" und mehr Salz nach Geschmack. Auf diese Weise empfindet man beim Mittagessen in den fleischlosen Wochen nicht das Fehlen von Fleisch, sondern alle Suppen erhalten durch „Ohsena einen kräftigen Fleischgeschmack. „Ohsena" ist in den meisten Geschäften der Lebensmittelbranche käuflich zu folgenden Preisen: 7i Pfd. netto Mk. 5.25 V 2 Pfd. netto Mk. 2.90 1 U Pfd. netto Mk. 1.60. Mohr & Co., G. nt. b. H., Altona Elbe. miiie biiMe i friniii üi. um«, el Geschäftsstelle Frankfurt a. M., Kronprinzenstraße 41. (Kronprinzenbau.) — Fernruf Kömer 4208. Lürostunben. Montag, Dienstag, Donnerstag, Freitag, nachmittags von 2—4 Uhr. — Eefchäftsanzeigen in diesem Raum nur für nufere Mitglieder; dieselben sind kostenlos, jedoch muß bei Aufgabe der Anzeige auf die Mitgliedschaft hingewiesen werden. Ein 7* Jahr altes l Kohlen Ferkel hat abzugeben '%> _ sofort zu verkaufen. Zu erfragen in der Geschäftsstelle der „Neuen Tageszeitung". ^ »Vater," bat ich, „ein Wort, daß ich glücklich sein darf, ein ebizig Wort." „Nein, ries er, und es war, als sei seine sonst so warme Stimme grollender Donner. ..Wo ist der gemeine Bube, der das Glück dieses ahnungslosen Kindes vergiftet hat. wo ist er. daß ich Genugtuung von ihm fordere." In demselben Augenblick wurde an die Tür gepocht, und ehe wir herein rufen konnten, stand Nordkirch im Zimmer. „Verzeihen Sie mein Eindringen noch zu so später Stunde, aber ein Telegramm zwingt mich, noch heute nach Berlin zu fahren, und das wollte ich doch nicht tun, ohnen Ihnen, Adieu zu sagen. Dörte hat mich hierher gewiesen." Ich stand wie erstarrt. Im ersten Augenblick hatte ich Nordkirch an den Hals fliegen wollen, bei ihm Schutz gegen des Vaters Zorn zu suchen, aber irgend etwas hielt mich zurück^ Mein Vater war ihm langsam entgegengegangcn, jetzt stand er dicht vor Ihm. • Äs Haben Sie mir zu sagen, Eraf NurdkirS," herrschte er ihn an. „Nichts, mein Herr Pfarrer, als Lebewohl," gab Nordkirch zurück. ^ „Und dieser da," antwortete mein Vater, aus mich zeigend. " „Daß ich hoffe, Fräulein Aga bald wiederzusehen." „Elender, Schurke." brauste mein Vater auf. „Sie wagen es auch hier in meiner Gegenwart noch, die elende Komödie weiter zu spielen, mit der Sie sich in das Herz eines unerfahrenen Kindes geschlichen haben?" „Ich habe Ihnen nichts zu sagen, Herr Pfarrer," sagte er mit tiefer Verbeugung. „Sie werden weiter von mir hören." „Halt, nicht von der Stelle," ries mein Vater im höchsten Zorne „Wenn Sie glauben, daß ich beabsichtige, mich mit ^>hnen zu schlagen, so sind Sie im Irrtum. Ich verlange aber von Ihnen eine Erklärung, die ich berechtigt bin als Vater dieses armen, betrogenen Geschöpfes zu fordern. Ist es wahr, daß Cie die Absicht haben. Aga zu heiraten, wie Sie es dem Kinde vorgefpiegelt? Ist es wahr, daß Sie der Verführer der Müllerliese sind, die man heute früh aus dem Mühlteiche ge- zogen, und ist es wahr, daß die Prima-Ballerina der Hofoper seit Jahren Ihre Geliebte ist?" „Sieh dir diesen Mann an. mein Kind," sagte mein Vater sanft zu mir, „und lies die Antwort selbst in seinen verzerrten Zügen. Er ist ein Elender und deiner Liebe nicht wert." Fortsetzung folgt. Laitfwirtscfcaftliehe iaschinen aller Art, in bestbewährten Fabrikaten, offeriert Ltt. Mralgeno vtt, Zweigstelle Friedberg. Telefon Nr. 42 . B«N*X»SW4'W* .,'^1 M», Mk». fiirfif, |)i«|el, nirgends bester, nirgends billiger wie bei Idnll Bcchsteiii' Am alt.Mam'. Friedlicrj»- i. Ifl. Kchulftr. 15 . Telefon Kr. 459. VE Größtes Kager am Ulatze! 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