Nummer 187 Ciiijchreis ^ LL Montag, den 12 . Angnst 191 8 11 . Jahrgang. . cue Tayes?eitu„g" ericheint ,eden Werktag Neg^etmätzige Beilagen ..Der Kauer ans Hessen". ..Die Hpirrnstube". KrMgspreis: Bei den Postanitalten vlerkeljährUch Mt. 2.4L hinzu 'ritt noch das Bestellgeld: ^e, >en Zenten monatlich 85 Pfg. einschließlich Trägerlodn. Anzeigen: Grundzeile 25 Pfg., lokale 20 Pfg., Anzeigen von auswäns oerden durch Bostnachnahme - oben. Ersüllunosort vrieöbetg. Srt»riftleit««g und» Verlag vriedbecg (Hessen). »anauerstraße 12. Fernsprecher 48. Postscheck-Lsnto Ne. 48»9. Ünr ^ranksurt a. M. Die unerschüLierliche Angriffskraft unserer Infanterie. — Ueue feindliche Angriffe gescheitert. Schwere Kämpfe hei Asmga. 3iOOO Tonnen versenkt. — Die Mörder des FeldMmichalis v. Eichhorn hingerichtet. Der deutsche Generalssab meldet: =:-=-.-^ W. T. K. Große» Hanpr^rrarLLer» de» 10. August Amtlich. Westlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe Kronprinz Rupprecht. Rege Tätigkeit.des Feindes zwischen Äser und Ancre. An vielen Stellen dieser Front führte der Feind Vorstöße und Teilangriffe, die vor unseren Linien und im Nahkampf abgewlesen wurden. Engländer und Franzosen setzten gestern unter Einsatz starker Reserven ihre Angriffe auf der ganzen Schlachtfront -wischen Ancre und Avre fort. Beiderseits der Somme und mittlings der Straße Foucaucourt-Villers Bretonnaux warfen wir den Feind durch Gegenstöße zurück. Er erlitt hier fckpvere Verluste. In der Mitte der Schlachtsront gewann der Feind über Rozieres und Hangest Boden. Unsere Gegenangriffe brachten ihn westlich von Lihons und östlich der Linie Nozieres-Arvillers zum Stehen. Während der Nacht nahmen wir die an der Avre und am Dom-Bach kämpfenden Truppen in rückwärtige Linien östlich von Montdidier zurück. Südöstlich von Montdidier schlugen wir einen starken Teilangriff der Franzosen in unseren Linien ab. » Ueber dem Schsachtfelde schössen wir 33 feindliche Flugzeuge ab. Leutnant Loewenhardt errang feinen 52. und 53., Leutnant Udet seinen 46., 47. und 48., Hauptmann Berthold seinen 41. und 42.. Leutnant Frhr. von Richthofen seinen 36. und 37., Leutnant Billik seinen 30. und 31., Leutnant Bolle seinen 29., Leutnant Koenneke seinen 26., 27. und 28., Leutnant Neumann seinen 20. Luftsieg. Heeresgruppe Deutscher Kronprinz. Zeitweilig auflebender Feuerkampf an der Aisne und Lesse. Der Erste Generalquarliermeffter: Ludendorff. Abendberichi. Berlin. 10. August, abends. (WTB. Amtlich.) Aus- dehn'.'.ng der Schlacht von der Ancre bis zur -Oise. Angriffe des Feindes sind vor unseren Kampfstellungen gescheitert. W. sr* 6. Große» Aairplqirarrier, den 11. Andrst Amtlich. Westlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe Kronprinz R u p p r e ch t Zwischen Mr und Ancre ließ die erhöhte Gefechtstütig- keit l-7 äder nach, am Abend lebte sie vielfach wieder auf. © ! .: Vorstöße des Feindes beiderseits der Lys wurden abg. lesen. An der Schlachtfront bat der Feind seine Angriffe bis zur Life ausgedehnt Zwischen Ancre und Somme brachen sie vor uuüren Linien zusammen. Bis südlich der Somme blieb die feindliche Infanterie nach ihren Mißerfolgen am 9. August untätig. Starke Teilangriffe des Gegners bei Raineconrt und gegen Lihons stl)eiterLen in unserem Feuer und im Gegenstoß. Die Hauptkraft der gestrigen Angriffe war gegen unsere Front zwffcben Lihons und der Avre gerichtet. Oestlich von Rozieres und beiderseits der Straße Amiens—Roye schlugen wir die mehrfach wiederholten feindlichen Angriffe ab. In dem beweglichen Kampf gegen feindlich Uebermacht und gegen den Masseneinsatz von Panzerwagen kam auch hier wiederum die unerschütterliche Angriffskraft unserer Infanterie voll zur Geltung. Vielfach brach der Ansturm des Feindes schon im Feuer unserer Artillerie zusammen. Vor einem Divisionsabschnitt liegen allein mehr als 40 zerstörte Panzerlvagen. Zwischen Avre und Oise setzte der Feind nach heftiger Artillerievorbereitung zu starken Angriffen gegen unsere alten Stellungen von Montdidier bis Authenil an. Er vermochte unsere gestern gemeldeten neuen Kampflirnen östlich von Mont- didier nicht zu erreichen. Unsere Nachhuten empfingen den Feind in unseren alten Stellungen nüt starkem Feuer und wichen darauf kämpfend über die Linie Labossiöre—Hain- villers—Ricguebourg—Märest aus. Sehr rege Fliegertätigkeit über dem Schlachtselde. Wir schossen wiederum 23 feindliche Flugzeuge und einen Fesselballon ab. Leutnant Kroll errang seinen 33., Leutnant V e l t j e n s seinen 24. und 25., Leutnant L a u m a n n seinen 21., 22. und 23., Leutnant Auffahrth seinen 21. Luftsieg. Heeresgruppe Deutscher Kronprinz. An der Vesle wurden Angriffe des Feindes zwischen Fismes und Courlandon abgewiesen. In der Champagne westlich der Straße Somme Py—Souain Teilkämpfe, in denen wir Gefangene machten. Der Erste Generalqnartiermeister: Ludendorff. Avendberrcht. Berlin, 11. August, abends. (WTB. Amtlich.) An der Schlachtfront zwischen Ancre und Oise sind heftige Angriffe des Feindes gescheitert. Der österreichische Generalstav •=== meldet: ======J Wien, 10. August. (WB.) Amtlich wird verlautbart: Italienischer Kriegsschauplatz: An der ven-etianischen Ge- birgsfront kam es gestern wieder zu größeren Jnfanterie- kämpfen. Zwischen Cagope und Asiago gingen in den frühesten Morgenstunden die Ententetruppen nach einem gewaltigen Feuerschlag in dichten Wellen zum Agriff über. Die feindlichen Sturmkolonnen wurden überall unter schweren Verlusten geworfen. Wo es ihnen vorübergehend gelang, in unseren Linien Fuß zu fassen, trieben wir sie im Gegenstoß zurück. Ebenso scheiterten alle Versuche des Feindes, sich im Asalonegebiet auszubreiten, an dem tapferen Widerstand unserer Truppen. An den anderen Frontteilen Artillerie- und Patrouillengeplänkel. Albanien: Keine besonderen Ereignisse. Der Chef des GeneralstabeS. Wie«, 11: August. Amtlich wird verlautbart:' Auf der Hochfläche der Sieben Gemeinden wiederholten die Ententetruppen gestern früh ihre schlagartigen Angriffe. Das Kanlpffeld dehnte sich von Canovo bis in den Raum des Col del Rosso aus. Der Feind wurde nach erbittertem Ringen überall zurückgewrfen imb erlitt sehr schwere Verluste. Es wurden Engländer, Franzosen und Italiener gefangen. Unter den tapferen Verteidigern fällt den ungarischen Regimentern 82, 101 und 138 besonderer Anteil am Erfolg zu. Sonst weder an der italienischen Front noch in Albanien Ereignisse von Belang. Der Chef des GeneralstabeS. -r —— «... — — i Der h rügarische Generalstaö U, = meldet: ====* Sofia, 7. August. (MB. Nichtamtlich.) Generalstabs- bericht. Mazedonische Front: Oestlich des Prespa-Sees drangen unsere Angriffstrupps trotz heftigen Widerstandes des Feindes in die französischen Gräben südlich Peristert und bei Tscherbena Stena ein, wo sie Franzosen zu Gefangenen machten. Oestlich des Wardar versuchten starke englische Abteilungen in zweimaligem Anlauf unsere Posten bei dem Dorfe Matschukowo zu überrennen, wurden aber durch Feuer zerstreut. Bei Doiran kurze Feuerüberfälle von seiten des Feindes. Feindliche Monitors beschossen ergebnislos am Golf von Orjano unsere Stellungen der Strumamjin- dung. | Jas türkische Hauptquartier ====== meldet: Konstantinopcl, 9. August. (WB. Nichtamtlich.) Ge* neralstabsbericht. Palästinchront: An der Eisenbahn Luff-Tul Kern wurde eine feindliche Aufklärungsabteilung blutig abge- wiesen. Bei geringem Artilleriefeuer lebhafte Fliegertätigkeit auf der ganzen Front. — Aufständische, die sich im Rücken unserer im Hedschas kämpfenden Truppen festletzten, wurden nach harten! Kampfe in die Flucht geschlagen. Ostfront: Südlich des Urmiasees besetzten wir Mi- jantuab. — Auf den übrigen Fronten ist die Lgge unver» ändert. 37 000 Tonnen versenkt. Ein französischer Truppentransporter versenkt. Berlin. 9. August. (WB. Amtlich.) Im Spe-rrgobüt dsL Mittolmeers verfeiikten unsere U-Boote aus stark gesicherte? Geleitzügen sechs Dampfer von zusammen rund 22 000 Brt.. darunter den französischen Truppentransporter „Dfemnah" mit 3716 Brt., auf dem sich nach Aussagen von (befangenen 21 Passagiere und 800 Soldaten befanden. Der Dampfer sank inner, halb 5 Minuten. Berlin, 10. August. (WB Amtlich.) Westlich des Kanals und an der Ostkiiste Englands versenkten unsere U-Boote, zurs Teil aus stark gesicherten Eeleitzügen, 18 000 Brt. Der Chef des Admiralstabcs der Marine« Die Schlacht Wischen Ancre und Anre. Berlin, 10. August. (WB.) Auch den zweiten Tag deZ großen Angriffs zwischen Ancre und Avre leiteten die Engländer und Franzosen mit großen Tankangriffen ein. Allein die Panzer ge schwader, durch die Vortage geschwächt, entwickelten nicht mehr die alte Stoßkraft. Im Abwehrfeuer der deutschen Batterien, deren Einschläge in schwarze« Fontainen rings um die Panzertiere hochftiegen, wurde ihr Angriff unsicher. Zahlreiche Panzerwagen wurden ge. troffen und brannten mit hoher, weithin leuchtender Stichflamme aus. Andere kehrten um. Die Infanterie folgte nicht recht; ihr Angriff blieb liegen. Erst am Nachmittag vermochten- die Engländer unter Einsatz ffischer Truppen einen neuen Agriff vorzutreiben. Auf der ganzen Strecke von Morlancourt bis an die Avre brachen tiefgegliederts Sturmwellen vor, denen starke Panzerwagen voranfuhren und über deren Köpfen starke Fliegergeschwader heranbrausten, die durch einen Hagel von Maschinengewehrfeuer die deutschen Reihen zu erschüttern versuchten. Das geschickte Ausweichen und Wiedervorstürmen der deutschen Infanterie ließ den Kampf hin- und herwogen und brachte schließlich beiderseits der Somme und der großen Römerstraße die Engländer und Franzosen trotz starken Kräfteeinsatzes keinen Schritt vorwärts. Weiter südlich gewannen die englisch französischn Angriffe in der Linie Rosieres-Arvillers in dem für die Verteidiger überaus ungünstigen Glände Boden, so daß infolgedessen auch das Kampffeld beiderseits der Somm« freiwillig aufgegeben wurde/ was die wütenden Angriffe der Engländer nicht hatten erreichen können. Fe weiter die Deutschen zurückgehe«, desto günstiger wird für sie das Gelände zur Verteidigung, da sie damit in die rückwärtigen Linien des alten französischen Verteidigungssystems kommen während der Angreifer gezwungen ist, über fei« kahle, dcckungslose Ebene anzurennen. Der dritte Angriffstag. Berlin, 11. Aug. (WB.) Am Vorinittag des dritten Angriffstages beschränkten sich die Engländer zwischen Ancre und Avre ans Teilangriffe nördlich der Somms sowie östlich und südöstlich von Roziöres. An beiden Stellen wurden sie abgewiesen. Ihre um 11 Uhr 30 ans Marlancourt vorbrechenden Sturmwellen mußten wieder zurückgehen. Die in den Waldstücken nördlich der Somme bereitgestellten eng* KMn Reserven wurden von der deutschen Artillerie zu- sammengeschossen Am Nachmittag griffen die Engländer von der Nömerstraße bis an die Avre mit starken Kräften Mnter Einsatz von Panzerwagen an. Bis in die Abendstunden versuchte der Engländer immer wieder von neuem seine Angriffe, die teilweise im Abwehrfeuer, teilweise im Gegenstoß zurückgewiesen wurden. Um 7 Uhr 30 gingen die Engländer auch nördlich der Somme von neuem zum Angriff über. Mit größter Erbitterung suchten sie immer wieder von neuem eine Entscheidung zu erzwingen. Ihre Tankgeschwader sollten der Infanterie den Weg bahnen. Der größte Teil wurde jedoch zusammengeschossen. Die übrigen kehrten um. Um 1 Uhr 30 nachts versuchten die Engländer beiderseits der Straße Braye—Eorbie abermals einen Tank- «mgriff, der jedoch wiederum abgewiesen wurde. Eine Bewegungsschlacht größten Stils. Berlin, 11 .Aug. (WB.) Am dritten Tage ihrer Offensive sind die Franzosen zum frontalen Angriff auf die deuffche Front zwischen Montdidier und der Matz geschritten. Da es sich auch hier um kein festes Stellungssystem, sondern nur um eine vorläufige Verteidigungsanlage handelt, sind die deutschen Hauptkräfte in ein günstigeres Kampfgelände zurückgenommen worden. Die französischen Angrifsstruppen die nach starker Artillerievorbereitung unter Begleitung von Tanks vorbrachen, stießen lediglich auf Nachhuten, deren Maschinengewehre jedoch dem Gegner so empfindliche Verluste zufügten, daß sein Angriff zum Stehen kam. Nach blutigster l Abwehr der französischen Anstürme, die unter schwersten Verlusten schon vor unserer Nachhutlinie zusammenürachen, konnten sich die deutschen Nachhuten wohlgeordnet vom Feinde lösen und über die im Heeresbericht genannte Linie zurückziehen. Nördlich der Avre setzten die Engländer und Franzosen rücksichtslos stärkste Kräfte ein, um nach Süden den sich zwischen Avre und Matz neu gruppierenden deutschen Truppen doch noch in den Rücken zu kommen, und um Drch Norden durch Zertrümmerung des deutschen -Wider- Bandes zwischen Albert und Somme die deuffche Ancrefront aufzurollen. Schwerste Menschenopfer sowie massenhafte Verluste von Tanks, die zu Dutzenden zerschossen vor den deuffck^n Linien liegen, brachten die Ententetruppen ihrem Ziele nicht näher. Die gegenwärtig zwischen Ancre und Matz entbrannten Kämpfe sind nicht nach dem augenblicklichen Geländegewinn oder Verlusten zu bewerten, sondern es handelt sich um eine Bewegungsschlacht größten Süls, die infolge der deutschen, menschensparenden Kampfesweise schwer ersetzbare Liicken in die besten Kampfttuppen der Entente reißt, die deutschen Truppen dagegen zu künfttgen Aufgaben kampfkräftig erhält. Verluste in der neuesten Schlacht. Der französische Heeresbericht gibt die Zahl der deutschen Gefangenen auf 8000 an, der englische meldet 24 000; es ist nicht ersichtlich, ob in der letzten Zahl die von den Franzosen gemachten Gefangenen einbegriffen sind. Die Franzosen melden außerdem die Beute von über 200 Geschützen. Dar Ziel der deutschen Heeresleitung. Berlin, 10. August. (WB.) Die Ereignisse zwischen Ancre und Avre wachsen sich zu einer großen Operation aus. Uni« Einsatz starker Reserven veffucht die Entente die Entscheidung herbeiulführen. Darauf deutet nicht nur der immer erneute rücksichtslose Einsatz frischer Truppen an der ursprünglichen Kampftont hin. die sich bereits über die Avre nach Süden verbreiterte. sondern auch die heftig auflebende Eeftchtstätigkett an der Bier bis zur Ancre, wo zahlreiche starke Teilangriffe erfolgten. die überall abgeschlagen wurden, und das Aufflammen der Artillerietätigkeil zwischen Oise und Aisne. Die Deutschen befolgen auch an der Ancre und der Avre die gleiche Taktik, die sich zwischen Marne und Besle außerordentlich bewährte. Ee- ländepunkte, die sich nur unter Opfern hatten lasten, wurden rechtzeitig geräumt. Dadurch wird der Gegner gezwungen, immer wieder gegen das Artilleriefeuer, sowie den Eisenhag-el der geschickt ,'m Gelände versteckten Maschinengewehre anzurennen. Eo wurde auch Montdidier vor dem drohenden um fast enden Angriff rechtzeitig auioegeben. Nördlich und östlich der Stadt drachm die unvorsichtig vorstürmenden französischen Sturmwel. len in dem deutschen Maschinengewehrfeuer zusammen. Fetzt zeigt sich der gewaltige Vorteil der operattven Freiheit, welche die deutsche Oberste Heeresleitung durch den großen Eelände- gewinn der Fruhjahrsoffcnstve errang. Ohne zu einem starren Feststellen bestimmter Gelcindepmrkte gezwungen zu sein, ver- inag sie den Kampf in ein Gelände zu verlegen, das den eigenen Absichten günstig erscheint und den Feind in einem ihm ungünstigen Gelände zu verlustreichen Kämpfen verleitet, mithin das von der deutschen Obersten Heeresleitung von Anfang an er- strebte Ziel der Zermürbung der feindlichen Stre-itkräste bei größtmöglichster Schonung der eigenen Truppen der Verwirklichung näher bringt. Reürale lr'kftnMrMlnM-MM. . Gtcdfi otm, 8. August (WB.) Die der schwedischen Negierung nahestehende Zeitung „Svenska Morgenbl^dei" führt heute m einem besonderen Leitartikel aus. daß es wünschenswert sei, wenn die schwedische Negierung zusammen mit anderen neutralen Regierungen den Kriegführenden ihren Dienst als Ver- Süttler anböte. Im Anschluß hieran bemerkt das Blatt: Mau «nn glücklicherweise nach dem. was verlatuet, rorausfetzen, daß die schwedisch- Negierung ihre Aufmerksamkeit auf diesen Punkt gerichtet hat. Von einer Seite, die als unterrichtet angesehen werden kann, wird mitgeteilt, daß in aller Stille eine Untersuchung an gestellt wurde, um feste Linien 'ür eine neutrale Ver- rnittl'.'.ngsakt'ou za finden und daß diese Untersuchung nicht ab- gcbrochen wurde. Es scheint, als sei die Initiative in der rech, ttn Richtung schon ergriffen und als würden vorbereitende Verhandlungen zwischen den neutralen Staaten bereits geführt. Man kann st mit nur hoffen, daß diese Verhandlungen in nicht ollzuferner Zukunft zmn Ziele führen. Fliegerangriff auf Karlsruhe. Karlsruhe, 11. August. Feindliche Flieger bewarfen hsute vormittag in Karlsruhe einige Häuser und ein Offizierge- fangenenlage-r mit Bomben. Einiger Sachschaden rviirde verursacht. Cichhorns Mörder hingerichlet. Kiew. 11. August. (MB.) An dem Mörder des Generak- feldnrarschalls v. Eichhorn ist die verdiente Todesstrafe gestern vollstreckt worden. Die dtMe (ÜflnnMidinft in Rußland. Die ttebersiedlung nach Pskow. Berlin, 10 August. (WB. Amtlich.) Staatsminister Dr. Helfferich hat der Regierung der Sowjets mttgeteitt, daß die Entwicklung der Verhältnisse in Moskau und besonders die parteioffizielle Proklamation der Sozialrevolutionäre über die Anwendung des Terrors als Kampfmittel die persönliche Sicherheit der Mitglieder der Gesandtschaft außerordentlich gefährdet erscheinen ließen. Ilm etwaigen Zwischenfällen vorzubeugen, die unter diesen Umständen beim besten Willen fast unvermeidlich effcheinen und die geeignet sein würden, die Beziehungen zwischen dom Deutschen Reich und der Sowjetrepublik ernsthaft zu gefährden, habe er die einstweilige Uebersiedlung der Gesandtschaft, zusammen mit den Mitgliedern der Gesandtschaft an einen weiniger gefährdeten Ort angeordnet. Legationsrat Dr. Riezler reiste seither mit den Mitgliedern der Gesandtschaft und einem Teil der in Moskau weilenden Kommission zunächst nach Petersburg ab. Mit Rücksicht auf die Lage in Petersburg, welche derjenigen irr Moskau ähnelt, ist die Kaiserliche Gesandt, schaft sodann angewiesen wurden, zunächstPskow alsAufenthalts- j ort zu wählen. Die Reise dorthin findet infolge der Störung j bei direkten Verbindung Zwischen Pskow und Petersburg übe-- Helsingfors und Reval statt. KirWchs Ai>!chier linn den KMn. Der Nachfolger Eichhorns als Oberbefchlshaber in Kiew, der frühere Oberbefehlshaber der 8. Armee, Generaloberst Graf Kirchbach, hat sich der „Dorpater Zeitung" zufolge mit folgenden! Erlaß von der Bevölkerung von Livland und Estland verabschiedet: An die Bevölkerung von Livland und Estland! Auf Allerhöchsten Befehl bin ich auf einen anderen Kriegsschauplatz berufen worden. Nachdem es in den vergangenen Kriegszeilen dem scharfen deutschen Schrvett gelungen war, Kurland und dann Riga aus der Hand der russischen Truppen zu befreien, war es mir eine besondere Freude, dem Ruf der Bevölkerung Livlands und Estlands Folge zu leisten und Ende Februar d. I. durch den Vormarsch der Armee ihr den erbetenen Schutz gegen die Willkür des Terrorismus zu bringen. Narydem in kürzester Zeit nach außen hin wieder Ruhe und» Ordnung eingetreten waren, konnte ich als meine vornehmste Aufgabe betrachten, eine geordnete Verwaltung im Innern wie. der einzusetzen. Diese Aufgabe in der kurzen Zeit von vier Monaten zu lösen, ist mir nur möglich gewesen dadurch, daß die Bevölkerung mich in meinen Bestrebungen in weitgehendster Weise unterstützte. Ich sprche daher allen denen, die zur Ersülluug dieser Aufgabe mir und dem Lande ihre Kräfte zur Verfügung gestellt haben, Meinen besten Dank und vollste Anerkennung aus. Leider ist es mir nun nicht mehr möglich, das begonnene Werk auch weiterhin zu fördern. Um so mehr liegt es mir aber am Herzen, dem schonen Liv- und Estland eine glückliche Zukunft zu wünschen. Möge es sich von den schweren Schäden des Krieges und der staatlichen Unordnung unter den Fittichen des deutschen Aars recht bald erholen zum Segen des Landes und aller feiner Bewohner. Graf Kirchbach. Die Vorgänge in Unstwnd. Verhaftung des englischen Generalkonsuls in Moskau. London. 9. August. (WB.) Die englische Regierung erhielt Nachricht über die Verhaftung dos englischen Generalkonsuls in Moskau. Lockhardt, durch die bolschewistischen Behörden. Die Verhaftung wird mtt der Erschießung von Sowjetmitgliedern in Archangelsk begründet. Die englische Regierung hat um die Freilassung Lockhardts ersucht. Wie verlautet, ist das Personal der englischen und französischen Konsulate in Moskau ebenfalls verhaftet worden. Verteidigungszustand gegenüber der Entente. Haag. 10 August. Reute: meldet aus Washington: Wie der amerikanische Konsul in Moskau dem Minister des Aeußern mitteilte, hat Lenin dieser Tage auf einer Versammlung der Sowjets erklärt, es bestehe Kriegszustand zwischen der Sowjet- rcpublik und der Entente. Auf Anfrage des Konsuls der Entente antwortete Tschitscherin, die Mitteilung Lenins dürfe nickt als eine Kriegserklärung aufgefaßt werden, sondern lediglich als eine Erklärung des Verteidigungszustandes, der auch gegenüber Deutschland bestehe. Die Sonrjetregierurrg Itt Kronstadt? Scljingfsrs, g August. (MV.) „SufbMabsbladet" erfährt, daß eine Abteilung finnischer Roter Gardisten, etwa 200 Mann, unter Führung englischer Offiziere in der Nähe der finnischen Grenze, 50 Kilometer von Tuhtua, stehe. Kleinere Zusammen- tcße mit finnischen Grenzschutz truppen hätten stattgefunden. Nach einer anderen Quelle bestätigen Mitteilungen von Flüchtlingen, die über die Grenze nach Finnland gelangt sind, daß die Stceitkräfte der Alliierten sich fett einigen Tagen Petro- pawlowsk genähert haben, das sich nunmehr in ihren Händen befinde Ferner verlautet, daß die russische Regierung, die ifc* Stellung bedroht sehe, in den irächsten Tagen nach KronstadL übersiedeln werde, wo Lenin und Trotzki bereits am Mittwoch angeiangt seien. Dorthin wurden auch die gefangen ge-nom. menen Offiziere und die Bürgerlichen angesehener Stellung ver. bracht. * Eine Rede Trotzes gegen die Entente. . Petersburg, 9 August. Auf dem zweiten Kongreß des Sow. lets des Nordyebietes. der vom Vorsitzenden des Sowjets der Volttommiffare des Nordgebietes, Sinowjew, eröffnet wurde, hielt Trotzki, der mit großer Begeisterung empfangen wurde, eine Rede, in der er den augenblicklichen Zustand der Sowjet- Republik schilderte. Wir muffen uns klar werden, daß der Aufstand der Tschecho- Slowaken keine Empörung einiger Tfchecho-Slowaken ist. sondern ein Feldzug der französischen und englischen Imperialisten gegen die Sowjet-Republik Trotzki wies auf den zweifellosen Zusammenhang des Ausstandes der Tschecho-Slomaken mit der Landung der Engländer und Franzosen am Murman hin. Unsere Gardisten ahnen nicht die große Gefahr des tschecho-slo- wakiscken Aufstandes, der von den alliierten Imperialisten geleitet wird. Deshalb haben wir beschlaffen nach dem Ural unsere besten Genaffen zu schicken, die mit den Roten Gardisten das Elend des Kampflckens teilen und sie leiten sollen. Wir hegen große Hoffnungen auf die Rote Garde von Petersburg und des Nordgebietes. Am Schluffe sagte Trotzki: Ich zweifle garnicht daran, daß wir siegen werden, ab« wir haben nicht das Recht dazu, den Sieg zu veffchieben und rudere Frauen, Mütter und Schwestern hungern zu lassen. da das Brot, das im Ural vorhanden ist wegen des ffchecho-slo- wakischen Ausstandes nicht ttansportiett werden kann Ich bin nicht des feierlichen Kongresses wegen hierher gekommen, son- j dern um Alarm zu schlagen. Alle nach dem Osten? Das Vater, land ist in Gefahr! Wir schwören, es bis zum letzten Bluts- tropfen zu schützen. (Allgemeiner Beifall.) Nach der Rede Trotzlis machte Serin den Vorschlag, die Resolution, die der 5 Sowjetkongreß in Moskau beschloffen hatte, debattelos anzunehmen. Darauf gab Erekow, ein Mitglied der linken sozialrevolutionaren Partei, bekannt, daß die linte-n Sozialrevolutionäre sich der Revolution der Kommunisten anschließen. Ukraine. Die ukrainisch-russischen Verhandlungen. Kiew» 9. August. (WB.) Die russischen Vertreter forderten auf der Sitzung der ukraimsch-russischen Friedenskonferenz die Lieferung von zwei Millionen Pud Getreide, zwei Millionen Pud Zucker und einer Million Pud Fleisch im Laufe des August gegen die Lieferung von Stoffen. Garn, Tee. Kaffee, Wäsche. Naphta und Schmieröl an die Ukrainer. Bei Ablehnung des Vorschlages würden sie die Auflösung der Kommission für den Warenaustausch und die Verlegung der Verhandlungen nach Moskau beantragen. Ein Abkommen mit der Don-Regierung. Kiew. 9. August. (WB.) Zeitungsmeldungen zufolge fand gestern eine äußerst wichtige Beratung zwischen der ukrainischen- Negierung und dem Ehef der Delegation der Don-Negierung statt, die für beide Teile äußerst günstige Resultate ergab. Der Inhalt der Verhandlungen wird zunächst geheim gehalten. Die finnische UerkaNnngsttnge. Helsingfors, 8. August. Die Frage der Konigswahl. dar» heißt des Inkrafttretens der Verfassung vom Jahre 1772, wurde einem Ausschuß überwiesen, der seine Arbeit bis morgen erledigen soll, sodaß für morgen nachmittag die Plenarsitzung zur Schlußbratting festgesetzt wurde. Das Resultat erwartet mar- spätestens ani Samstag. Rur die einfache Mehrheit ist erforder- lich, diese ist gewiß, man glaubt sogar an eine Zweidritlel Mehrheit. Nach Schluß der Beratung geht das Parlament auseinander. Die Regierung, die dann den Auftrag erhalt, sofort mit den Thrcnkandidaten in Verbindung zu tteten. ruft nach definitiver Stellungnahme des betreffenden Kandidaten den Landtag zu einer außerordentlichen Tagung zusammen, da der Landtag die Königswahl vorzunehmcn hat. Wann dieser außerordentliche Landtag zusanrmentteten wird, ist heute natür- lich noch ungewiß. Die monarchische Verfaffung angenommen. Stockholm, 11. August. Der finnische Landtag hat mit 33 mm U Stimmen die Petition an die Regierung. Maßnahmen für die Königswahl zu tteffen, endgültig angenommen. Ajqntth über die Kriegsziele. London, 6. Aug. (WB.) Anläßlich des vierten Jahretz. tages des Kriegsausbruchs gab Asquith den Vertretern der Associated Preß aus Amerika eine Uebersicht über das ver- gangene Jahr und die gegenwärttge Lage, wobei er sagte, tie Alliierten känrpften fiir einen sauberen Frieden. Unter den Streitkräften, die zu ihrer Verfügung ständen, vermehr- ten sich die Mannschaften aus Amerika, das ritterlich ge* hoffen habe, die Front wahrend kritischer Stunden zu halten, in wachsendem Maße und versprächen ein vorherrschender Faktor zu werden. Die öffentliche Meinung in Europa und Amerika sei jetzt zum größten Teil davon überzeugt, daß die Alliierten umsonst gekämpft hätten, wenn sie nicht, bevor sie die Waffen niederlegen, wenigstens die Anfänge der großen internationalen Gemeinschaft vollendet hätten, die ansgebaut werden müsse auf den Grundlinien einer praktischen Politik zur Aufrichtung einer zwingenden, über die ganze Erde verbreiteten Herrschaft des Rechts und zur Verdrängung des Krieges ans Ende der Welt. GifLjchmich hat der englische Minister Balfour wieder einmal gelegentlich einer Friedensziol-Rede im englischen Unterhaus von sich gegeben. Es würde zu weit führen, auf all' die Einzelheiten der gehässigen Ausführungen einzngehen. Wieder bezeichnete er den deutschen Militarismus als das einzige Hindernis des Friedens, die „militärische Kraft" müsie erst niedevgerungen werden. Balfour zählte die Vergewaltigungen und den Lander- ttfirb auf. den Deutschland sich habe zu Schulden kommen lasten. Russland und Rumänien seien vergewaltigt worden. Aus Polen, Belgien und der Ukraine hätten die deutschen Heere Wüsten gemacht. „Auch wir haben unsere Gebiete erweitert." fuhr Balfour fort, „wir hoben das südliche Palästina und einen großen Teil Mesopotamiens besetzt, sowie die deutschen Kolonien erobert. Wenn jemand den Unterschied zwischen den deutschen und englischen Methoden kennen lernen will, so mutz er die Lage der von uns besetzten Gebietsteile mit den von Deutschland besetzten Gebietsteilen vergleichen. Wohin wir auch kamen, gaben wir Sicherheitsgarantien Handel und Wohlfahrt haben in den betreffenden Ländern zugenommen. In Mesopotamien wächst zur Zeit mehr Mais, als dies seit Jahren der Fall ma-r. Palästina ist wohlhabender geworden und in den deutschen Ko» lonicn ist eine große Verbesserung zu bemerken." Es gehört die ganze Heuchelei eines Engländers dazu. um solche Worte auszusprechen. Deutschland hat die Lösen Nachbarn, die es mit Krieg überfallen und mit Vernichtung und Niederwalzen bedroht hatten, wahrlich gnädig genug behandelt und noch keine Landesteile seinem Besitz einverleibt, trotzdem soll es vergewaltigt haben. Die einstweilen besetzten Gebiete sollen zu Wüsten geworden se-in. England dagegen hat Mesopodamien, Palästina, die Murman- küste und die deutschen Kolonien geraubt, dort aber soll der Wohlstand gestiegen sein. Und wenn auch! ist denn damit ein sittlicher Grund gegeben, daß England diese Länder sich an- eignet? Dieselbe elende Verlogenheit sprach auch aus einer Behauptung in derselben Rede, Deutschland würde sich ein schwarzes Heer schaffen, wenn es seine Kolonien zurückerhielt. Das sagt der Vertreter eines Bündnisses, der Zulus, Senegalesen, Sischs, Siux, Neuseeländer. Kalmücken und sonstige andere Horden gegen uns gehetzt hat* Diese widerwärtige Heuchelei war selbst dem englischen Parlamentsmitglied Snowoten zu stark, der dazwischen rief: Das hat Frankreich bereits getan. Balfour erwiderte: Gewiß, aber hat Frankreich den Frieden seiner Nachbarn bedroht? Hierum dreht sich alles. Man sieht, daß mit solchen Leuten, die die Wahrheit auf den Kopf stellen, vorläufig von einer friedlichen Aussprache keine Rede sein kann. Im weiteren Verlaufe feiner Rede erklärte Balfour, eine genaue Prüfung aller deutscher Handlungen, Regierungserklär. nngen und Aeußerungen deutscher Politiker lasie nicht die geringsten .Zeichen für eine nutzbringende Unterhandlung erkennen. Der Abgrund, der Zwischen den Alliierten und den Zen- tralmächten klaffe, sei so tief. daß er nicht ausgefüllt werden könne und so weit, daß er nicht überbrückt werden könne. Nach solchen Ausführungen möchten wir die Herren, die immer von einer Verständigung reden, bitten, uns zu sagen, wie sie sich eigentlich eine Verständigung denken. Was nützt es, wenn wir zu einer solchen bereit sind, Regierung und Reichstag haben ja den Willen kundgetan, aber ist aus den Rede« der englischen Staatsmänner nur jemals der Wille dazu zu entdecken? Die EißMmr der Frankfiuier Muig. Der deutsch - nationale Schriftsteller Houston Steward Ghamberlain hat am 9. November vorigen Jahres in der „Deutschen Zeitung" einen Aufsatz veröffentlicht, in dem er behauptet hat, daß der Feind mitten unter uns am Wart sei. Zu den Zeitungen, die der Feind für seine Zwe^ benutze, gehöre auch die „Frankfurter Zeitung". Trotzdem nicht behauptet wurde, daß die „Frankfurter Zeitung" mit Wiffen als Agent des Auslandes arbeitet, sondern der Sinn der Ehamberlain'schen Ausführungen nur darin gelegen hat, daß der internationale, letzten Endes zu englischen Einrichtungen hinneigende Stand- puntt der „Frankfurter Zeitung" auf eine Schädigung des .deutschen Standpunktes hirtlaufe, lausen die Eigentümer der „Franks. Ztg." zum Kadi und verklagten den Schriftsteller. Die Verhandlungen begannen am Freitag früh vor dem Frankfurter Schöffengericht. Beide Parteien, die „Franks. Ztg." vertreten durch den Iusiizrat Hertz und den Demokratenhäuptling Haußmann. Chamberlain, vertreten durch den Vorsitzenden des Alldeutschen Verbandes. Rechtsanwalt Elaß, vertraten ihren Standpunkt. Eine Beu>eisausnähme fand nicht statt. Das Urteil wird am nächsten Freitag verkündet. Der Vertreter der „Frankfurter Zeitung" führte u. a. aus, die Gegner möchten doch bekannt geben, welche Geschäftsanteils des Blattes sich in feindlichem Besitz briinde. Das wiffen wir nicht, wohl aber wollen wir dieser Bitte insofern nachgeben, daß wir die Liste ver Eigentümer, Geschäftsführer und Redakteure der „Franks. Ztg." veröffentlichen. Nach dem Bericht dör „Franks. Ztg." sind es folgende: Die Kläger sind Prof. Dr. H. Nößler, Stadtrat a. D. A. Horkheimer, Justizrat Dr. M. PH. Hertz, Prof. Dr. h. c. L. Eohnstaedt, Frau Therese Simon, sämtlich Mitglieder des Aufsichtsrats der Frankfurter Societäts-Druckenei G. m. b. H., Dr. st. Simon, Dr K. Simon. Redakteur O. Hörth. Redakteur H. ?i.ein, sämtlich Geschäftsführer der Gesellschaft; Dr. V. Gutt- Smnn. A. Giesen. Dr. S. Eoldschmidt, Dr. R. Drill, A. Feiler, L)r. W Eohnstaedt. Dr. R. Kftcher, A. Büsching. Redakteure der »Fran iter Zeitung". UM MMng da ftFipriililjiimiinni. Die Landwirtschaftskammer der Provinz Westfalen erließ den letzten Tagen des Juli an die Landwirte folgende Mahnung: „Die kurze Gültigkeitsdauer der hohen Druschprämien bat in Verbindung mit dem- regnerischen Wetter zu vielfacher Ablieferung übermäßig feuchten Getreides geführt, das sich nicht gleich vermahlen, aber auch auf dem Lager nicht halten läßt. Da hierdurch schwere Verluste an unersetzlichem Vrotkorn Eintreten können, sich die Ablieferer solchen Getreides im übriges der Gefahr der Festsetzung eines Minderpreifes aussehen, er. geht die Mahnung, nur wirklich mahl- und ausbevxrhrungs- fähiges Getreide aus der neuen Ernte zur Ablieferung zu bringen." verschiedenes. Berlin. 7. August. Der neue Justizpalast für dag kleine Fürstentum Schwarzburg-Rudolstadt in Rudolstadt, dem Eingang in das beliebte Schwnrztal. hat für sein Anwaltszimmer einen außerordentlich fröhlichen Schmuck erhalten. Mit Genehmigung der Regierung durfte eine Fülle deutschen Anwalthumors über die Wände des Zimmers, die Schränke der Anwälte ufw. ausgegoffen werden. Der Urheber ist der frühere Rechtsanwalt und Hcsrat Waldemar Klinghammer, der dort im Ruhestande lebt und dem Maler des Anwaltzimmers mit den nachstehenden Spruchweisheiten zur Hand gegangen ist: „Der Anfang ist allorten schwer, beim Anwalt aber zweimal mehr. Du mutzt von Jugend auf Dfch rühren, und beinah zehen Jahr studieren Du mußt, soll man golehrh_Dich nennen, 10 000 Paragraphen kennen Mit 30 Iahr'n an Wiffen stark, verdienst Du Deine erste Mark. Vier Lustren bleibst Du Rechtsanwalt, Iuftizrat wirst Du, wenn Du alt. Strotzt Dir das Hirn von Wiffensfchleim, so wirst Du schließlich gar Geheim. Schau Deine Akten gründlich an. sonst bist Du ein verlorner Manu. Sei immer höflich vor Gericht, das Zähnefletschen lohnt sich nicht. Je dicker schwillt ein Aktenstück, je zweifelhafter wird Dein Glück. Krauch bald in's Bett, fang zeitig an, Du mußt ein klares Köpflein han. Schnauz niemals Deinen Gegner an, er ist, wie Du, ein braver Mann. Willst Du beim Volk in Achtung stehn, Dein Maul muß wie ein Mühlrad gehn. Ueb Deine Praxis mit Gemüt, ein Anwalt ist kein Pferdsjüd. Führ Deine Sach' gut oder schlecht, der Menge machst Du's doch nicht recht. Prozeßfioff ist ein Haufen Mist, darin ein Körnlein Rechtens ist. Geht ein Prozeß Dir übel aus, verflucht man daun Dein ganzes Haus. Verleiht Fortuna Dir Gewinn, läuft er zu Deinem Nachbar hin. Verlierst Du, laß kein Tränlein rinnen zwei können nicht zugleich gewinnen. Die Strafrechtsrevisionstnstanz, ist wie ein K ätz lein ohne Schwanz." Dom Felde der Ehre. B8nstlii>t. Wehrmann Christ' V o 3. bei einer «strafen- bau-Kompaguie im Westen, wurde mit dem Eisernen Kreuz zweiter Klasse ausgezeichnet. Die Hessische Tapferkeits- Medaille besitzt er schon. Ans der heinrat. Das Tragen von Rucksäcken in Bahnwagen ist unter bahnpolizeiliche Strafe gestellt Die zahlreichen durch Rucksäcke entstandenen Fensterscheibeneindrücke haben der Eisenbahnverwal- tung Veranlassung gegeben, das Tragen vollbepackter Rucksäcke beim Betreten und Verkästen der Wagen unter bahnpolizeiliche Strafe zu stellen. Daneben muß noch der verursachte Schaden ersetzt werden Strengere Kontrolle auf der Eisenbahn. Zur Ueberwachung des reifenden Publikums, das sich eigenmächtig über alle Vor- fchrfften hurwegssht, hat Minister o. Breitenbach die Eisenbahn-, direktionen angewiesen, die Bediensteten besonders zu unterwerfen, streng gegen diejenigen Reisenden vorzugehen, die unberechtigt in einer höheren Wagenrlaffe reisen. Die Zugbegleiter sollen höflich, aber mit dem nötigen Nachdruck vorgehen, um die Ordnung auch in den stark besetzten Zügen aufrecht zu erhalten. Das gesamte Zugbegleitungspersonal soll ein Merkblatt erhalten, das Anweisungen gibt, in welcher Weise die Ordnung ausrcchterhalten werden soll. Bei starker Besetzung der Züge sollen die Reisenden erst dann in die nächsthöhere Wagenklasse verwiesen werden» wenn alle Abteile der niedrigeren Klaffe besetzt sind. Tie Abteile erster Klaffe sollen, jedoch nur bei starker Benutzung des Zuges, statt nur mit vier, mit sechs Reisenden besetzt werden. Reisende, die eigenmächttg in der höheren Wagcnklaffe Platz nehmen, muffen nach § 16 der Verkehrsordnung dos erhöhte Fahrgeld von 6 Mark zahlen, wenn sie sich nicht bü Erscheinen des Schaffners freiwillig und unaufgefordert melden. Neben anderen Punkten wird auch noch darauf aufmerksam ge.nacht, daß in den Nichtraucherabteilen unter leinen Umständen geraucht werden darf. Frankfurt a. M. Im Vekleidungsinstandsehunzsamt wird furchtbar gestohlen. Auch der 60jährige Arbeiter Adolf Salzer, der dort trotz vieler Vcrstrafen Beschäftigung gefunden hatte, hat fortgesetzt lange Finger gemacht. Die Straftammer verurteilte ihn zu 2 Jahren Zuchthaus. Crotzen-Vuscck, 7. August. Der bisherige Bürgermeister Leun wurde in Würdigung seiner Verdienste, die er sich in 38jähriger Amtstätigkett um den Ort erworben hat, zum Ehrenbürger ernannt. Bürgermeister Leun vertritt bekanntlich seit dem Jahre 1898 den Wahlkreis Gießen-Land im Landtag, w» er zur Fraktion des Bauernbundes gehört. Aus dem Oberwald. Die Himöeerzeit ist wieder gekommen, > aber — ohne Himbeeren. Jedenfalls schließt die heurige Ernt« i mil einem ganz geringen Ertrag ab. Bezahlt werden ja dem ■ Sammler für das Pfund 1.20 M., doch kann der Doerenfuche-r ; mit keinem hohen Tagesverdienst rechnen, denn 4—6 Pfund in einem Tage zu pflücken, erfoodert schon einen angestrengt«, Fleiß. AuS Starkenburg. FC. Groß-Gerau. 8. August Die Ehefrau des Landwirts Richard Neidhardt, 31 Jahre alt. in Geinsheim, wurde vom hiesigen Schöffengericht wegen unerlaubten Verkehrs mit Kriegsgefangenen zu einer Woche Gefängnis verurteilt. Aus dem Ried. Die Störche rüsten zur Abreise. Auf den großen Wiesengründcn sieht man zurzeit oft große Scharen von Störchen sich versammeln, die das charakteristifä-e Verhalten vor der Abreise nach dem Süden zeigen. Die auf den Schornsteinen hoher Wohnhäuser angelegten Nester sind meistens bereits verlaffen. In den Raisverfammlungen, die die Lan,-sä nabel gegenwärtig oft zu vielen Hunderten abhalten, geht es fÄ»r leb- hast zu. Nicht selten geschieht es. daß die Störche ihre kranken und schwachen Genossen, die die Flugproben nicht bestehen, vor der Abreise töten. AuS Rheinhessen. FC. Oppenheim, 7. August Dem Weichensteller Wilhelm ! dahier wurden 81 Stallhasen gestohlen Dem Ziegeleibefitzer Benny auf dem nahen Kcrnsand entwendeten Diebe ein Dutzend Gänse. Nierstein. Billige Sohlen hat die hiesige Gemeinde unsere« Bewohnern verschafft. Es ist ihr gelungen, über hundert Paar Schuhsohlen zu erwerben, die zum Preise von 4 Mark für ein Paar Herrensohlen abgegeben werden. Ans Hessen-Nasiau. Bad Homburg. Ein Vermächtnis an seine Gemeinde hat der verstorbene katholische Pfarrer Heer hinrerlassen In hochherziger Weise vermachte er ihr kostbare Paramenten und sonstige kirchlichen Gegenstände. FC. Usingen, 8. August. Ein Eisendveher von Dorsweil hatte in drei Fällen je ein Stück Rindvieh bei Landwirten zuin Wiederverkauf aufgekauft ohne Miiglied des Viehhandelsver- Landes und mit deffen Ausweiskarte versehen zu sein. Das Schöffengericht verurteilte ihn zu 150 Mark Geldstrafe bezw. 30 Tage Gefängnis. Höchst. Nach 43jährigem Aufenthalt ln Rußland und Zuletzt tn den Internierungslagern Sibiriens kehrte dieser Tage der 81jährige Josef Gimbel hierher in das Haus feines 78jähri- gen Bruder« zurück Das Wiedersehen der beiden Brüder, die einander schon gestorben wähnten, war ergreifend FC. Wiesbaden. 8. August. Dekan i. P. Bickel dahier, der letzte noch lebende Mitbegründer des „Evangelischen Gemeindeblattes" und Senior der führenden Männer des liberalen naff- säuischen Unionsvereins feiert am 10. August feinen 80. Geburtstag. FC. Wcilburg, 6. August. Kreisbrandmeister Erlenbach dahier wurde für die Kreise Oberlahn, Westerburg und Limburg zum Kriegsbrandmeister ernannt. Wiesbaden. In einer Wohnung in Wiesbaden sprach in Abwesenheit der Herrschaft eine Frau vor, die dem Dienstmädchen erzählte, die gnädige Frau habe sie telephonisch bestellt, um ein Paar Herrensttefel und ein Paar Damenstiefel abzuholen, die mit Gummiabsätzen verletzen werden sollten. Das Dienstmädchen war schon bereit, die Schuhe auszul'efern, als die Frau sich durch verschiedene Redensarten verdächtig machte, noraiff das Mädchen die Auslieferung unterließ. Darauf rer. schwand die Frau. Die ganze Geschichte von der telephonischen Bestellung war natürlich erfunden Biebrich. Der berüchttgte Einbrecher Johann Montreal, der im Zeiträume von knapp sechs Monaten nicht weniger als siebenmal aus Gefängnissen oder auf Transporten entsprang und zuletzt in Berlin unter erschwerenden Umständen entwich, wurde jetzt in Biebrich verhaftet. Er kam von Köln und hatte unterwegs in Schiersiein einen großen Einbruch verübt, bei dsm er zudem noch zahlreiche Möbel zerschlagen hatte. Allem Anschein nach hielt sich der gefährliche Mensch it-tt längerer Zeit im Rheingau aus. Auch bei dein Transport nach dem Bicb- richer Gefängnis versuchte er, den Beamten zu entweichen, doch gelang es, ihn noch im letzten Augenblick festzuhalten. FC. Dranbach, 8. August. Gestern früh kurz vor 6 Uhr traf der hiesige Iagdhüter einen Wilddieb beim- Platten, um einen Rehbock vor seine Flinte springen zu lasten. Der Wilddieb zog ab, ohne den Iagdhüter zn merken und letzterer verlor die Gelegenheit, ihn zu stellen. Sörgenloch. Die 28jahrige Ehefrau des im Felde stehenden Taglöhners Malchus aus Mainz kam hierher zu Verwandten auf Besuch. Im Begriff, Feuer anzumachen, gerieten ihre Kleider durch glühende Kohlen in Brand. Die junge Frau erlitt so schwere Brandwunden, daß sie im Mainzer Krankenhaus ge- ftorben fft. FC. Cölbe, 7. August. Beim Verladen von Baumstämmen verunglückte ein gefangener Italiener so unglücklich, daß er bald daraus verschied. Aus dem Kreis Gelnhausen. 7. August. In dom Dorfe Kassel gelang es der Gendarmerie mehrere Schleichhändler bet der Llusführung ihres dunklen Gewerbes zu überraschen. Einer der Schleichhändler ging gegen den ihn verfolgenden Gendarmen tätlich vor. Der Beamte machte, um sich der Angriffe zu erwehren, von seiner Waffe Gebrauch und gab einen Schuß ab, durch den der Angreifer so schwer verletzt wurde, daß er auf dem Wege zum Krankenhaus starb. Der Erschossen« soll Erotheißen und von Frankfurt a. M. stammen. Verantwortlich für den politischen und lokalen Teil: Otts' Hirsche!, Friedberg; für den Anzeigenteil: N. H ey n e r«! Friedberg. Druck und Verlag der „Neuen Tageszeitung", A- G., Friedberg r. H. Uerfernt. Roman von Anny Wothe. 6) Nachdruck verboten. Mirena lächelte jetzt traumverloren. „Einer sagt e;." entgegnete sie geheimnisvoll, „den ich nie gefshen, dessen Werke aber einen Fouerbvand in meine Seele geworfen haben die mich erweckten aus dem Kindertraum zum harten, unerbittlichen Leben." Aga schlug aufslöhnend die Hände vor ihr erblaßtes Antlitz. „Holger Thoresen", sagte sie kaum hörbar „Du kennst ihn? Kennst ihn so wie ich, seine Schriften, leine Dramen, seine Norellen?" „Ich kenne ihn," entgegnete Aga langsam, „ich kenne ihn lange, und er ist mein Freund." „Dein Freund." jubelte Mirena, „o, dann werde ich ihn sehen, ihn kennen lernen. Er selbst wird mir den Weg zeigen können, den ich gehen muß, den Weg, aus den seine Worte mich gerufen." Wie im Fieber glühten Mire-nas Augen, ihre Hände zitterten, als sie Agas Hände umfaßte, die eisig kalt waren. Schwer neigte Aga das dunkle Haupt auf die Brust, dann sagte sie langsam: „Er kann dir den Weg nicht zeigen, armes Kind, denn er selbst hat den rechten Weg noch nicht gefunden." Und die rosa und weißen Dlüiensterne, mit denen am frühen Morgen Haust so jubelnd, daß der Leng gekommen, das Atelier geschmückt, lösten sich von den Zweigen und fielen lautlos auf die verschlungenen Hände der beiden Frauen. Sie merkten es nicht. Blatt um Blatt löste sich von den Blüten, um ungesehen zu sterben. y 4. Kapitel. Einige Stunden später riet eine junge Stimme vrt das Atelier: „Du. Aga?" und ein blonder Lockenkopf schob sich durch die dunkle Portiere, „du. Aga. denke mal, mehre Selbstleugnung ist glänzend belohnt." — »Was hast du denn, Kleines? Aber so komm doch näher/" tönte eine müde Stimme von der Staffelei her zurück. „Ist die Luft auch rein?" fragte Hansi vorsichtig und hob schnüffelnd das f-eine Naschen. „Du vergißt. Hansi, daß du von unserem Gaste redestz von einem Wesen, das unserem Vater besonders ans Herz gewachsen war." „Ach, der gute Papa" lachte die Kleine, „der war genau so sentiyiental wie du, aber ich will ja deinem erhabenen, ausgerückten Schützling gar nichts tun, ich wollte dir ja nur erzählen. wie alle guten Taten sich glänzend belohnen." Aga lächelte, ein weiches Lächeln der Güte, wie es nur Frauen haben, deren größtes Glück im Entsagen ruht. „Erzähle doch. Kind. Willst du mir wohl dort die Tube mit „Weiß" reichen?" Hansi gab der Schwester die gewünschte Farbe. Welche diese gelassen auf die Palette nahm, und doch war es dem jungen Mädchen, als zitterten die starken, schönen Hände der Schwester. Wie seltsam das war. — »Also," begann Hansi. eine Drange von einem Aussatze nehmend und mit den kräftigen, kleinen weißen Zähnen in die g oldgelbe schale be ißend, „also ich gehe heute, eingedenk deine: Impfung 1918. Die diesjährige Impfung der jmpfpflichtigen Kinder in der Stadt Friedberg findet statt am Mittwoch, den 7. und Mittwoch, den 11. August in der Musier- schule, nachmittags 4V 2 Uhr. Es können gebracht werden: 1. Alle im Jahre 1817 geborenen Kinder. 2. Die noch aus ftüheren Jahren rückständigen Kinder. 3. Kinder aus den ersten Monaten des Jahres 1918. 4. Kinder, die auswärts geboren und ungeimpst hier zugezogen find. Aus Familien mit ansteckenden Krankheiten dürfen Kinder nicht vorgestellt werden. Friedberg. den 5. August 1918. Der Bürgermeister. I. V.: Dam m. schwesterlichen Ermahnungen die Belleoucftraße entlang. Leicht wunde es mir ja nichts Ich kam mir wie eine Märtyrerin vor, und ich war — ich will es dir Nttr gestehen, nahe daran, im Tränen auszubrechen. und doch durch die Königgrätzerstratze zu gehen — da, ich glaube, ich soll vor Schreck und Freude Umfallen, stolziert orüben auf der anderen Seite Freund Nord, kirch. Was sagst du nun? Wurden je gute Taten so leicht und schnell belohnt?" Llga sah prüfend der kleine;: Schwester in das glühende Ge- sicht. „Und?" sagte sie langsam. „Und?" gab Hansi zurück. „Ich stürzte ihm natürlich freudestrahlend entgegen und erzählte ihm von dem fabelhaften Glück, das wir beide doch hätten." „Du erzählst ihm? Um Gottes willen, Kind, du bist ja entsetzlich, du erzählst ihm wirklich?" „Ja doch, warum denn nicht? Ist es denn nicht ulkig, daß ich nicht durch die Königgrätzerstraße darf, und daß ich ihn dann doch in der Vellevuestraße treffe? Weiht du, was er sagt? Das wäre Bestimmung. Und dabei hat er mich angesehen — ach, ich sage dir, Aga, zu süß. Er ist wirklich einzig, dieser Nord- kirch." „Du bist verrückt," sagte Aga hart, „ein unglaublich albernes und phantastisches Geschöpf, das man strenger halten muß. Hast du denn gar keinen Begriff davon, wie unpassend du dich benimmst, wenn du dem Grafen immerfort zeigst, wie sehr er dir gefällt? Fühlst du denn nicht, daß es unweiblich, herausfordernd ist, wenn du diesem Menschen freudestrahlend entgegen- stürzest und ihm erzählst, daß ich dir verboten habe, ihn zu trffeen." Einen Augenblick stand die Kleine mit tiefgefenktem Köpfchen vor der Schwester, dann aber warf sie'die blonden Locken hastig zurück uird stolz das Antlitz erhebend, sagte sie mit flammenden Augen: „Unweiblich soll es sein, wenn ich jemand zeige, daß ich ihn gerne mag? Nein, das ist nicht wahr, ich will nicht immer lügen und Verstecken spielen, wie es die Welt und auch du. Aga, von mir verlangt. Ich will ftei und offen sagen, was ich denke und empfinde. Du und der Vater, ihr habt mich ja selbst zur Wahrhaftigkeit erzogen, und jetzt, wo für mich mein ganzes Lobensglück an diesem Einzigen hängt, da soll ich lügen und heucheln und sagen, es wäre nicht wahr? Nein, das tue ich nicht, ganz gewiß, das tue ich nicht." — „Hansi'" Es war fast wie ein Schrei, der sich Agas Lippen entrang. Pinsel und Palette fielen klirrend zur Erde, und Aga schlang angstvoll ihre Arme um die schlanke Gestalt. „Du liebst ihn, diesen Nordkirch. ach Hansi. es kann ja nicht wahr sein, so schwer kann uns ja das Geschick nicht strafen. Mein Kleines, mein süßer Liebling, es ist ein Irrtum, deine sttir. mends Phantasie gaukelt dir Träume vor, die nie Wirklichkeit wevd^:n können. Du kennst ihn nicht, diesen Nordkirch, wie ich ihn kenne. Er ist schrecklich, sage ich dir." „Er liebt mich." sagte Hansi trotzig, „und das ist genug." „Hat er es dir gesagt?" „Natürlich, jeder Blick, jedes Wort sagt es mir täglich." „Du weißt, daß er mich einst geliebt hat?" Ein Erschrecken flog über das junge Gesicht, dann aber lächelte der rosige Mund fast geringschätzig und sagte leise: „Also eif-ersüchtig, eifersüchtig?" „Nein, mein Kind, denn das setzt Irgend ein Interesse meinerseits voraus. Aber er ist der Mann, der meine Jugend vergiftet hat, und der aus Rache, daß ich ihn erkannt, mich jetzt strafen will, indem er dich vernichtet, das Liebste, das Schönste, das Heiligste, was ich habe. Hansi, Liebling, nur ein einziges Mal höre auf mich." Hansi lachte, ein glückliches, ftohcs Lochen. „Du bist eine li-obe, alte Unke, Schwesterlein, ein geliebter alter Unglücksrabe, aber ich glaube dir nicht. Denke nur, wenn das alles so wäre, wie du es sagst, dann könnte mir doch nicht so hcrzfroh zu Mute sein. In mir ist es wie ein Singen und Klingen. Co wie die gairze Welt draußen in Blüten steht, so blüht es auch in meinem Herzen. Ach. ich bin ja so glücklich, Aga, d» glaubst es ja gar nicht, ach, und daß es Nordkirch ehrlich meink, darüber kann doch gar kein Zweifel fein Er hat mich gebeten, ihn für heute nachmittag bei dir anzumelden. Ach Aga. du wirst nicht hart zu ihm sein. Sieh, ich Hab ihn doch lieb, mehr als mein Leben, und wenn er zu dir kommt, und mich von dir zum Weibe begehrt, dann wirst und darfst du nicht „nein" sagen. Solltest du es doch tun,, — hier wurde die Stimme der Kleinen hart und grollend — „so lause ich dir davon und gehe mit ihm ohne deine Einwilligung in Not und Tod." Um Agas Seele flatterten eisige Schauer. Dieses jrmge Ding dort, das sein eigen Herz noch nicht einmal kannte, wollte mit Gewalt ins Verderben, und sie hatte keine Macht, es zu halten. Gewalt half hier nicht, nur Liebe, Nachsicht und Geduld. Aber die tausend Gefahren, die von allen Seiten Hansi umlauerten, wenn Aga diesen Gefühlen das jungen Herzens keinen Damm entgegensetzte, waren riesengroß. „Aga/ schmeichelte Hansi, ihr blondes Lockenhaunt innig an die Brust der Schwester schmiegend, ,chast du denn kein Wort der Teilnahme für mich, freust du dich denn nicht, daß ich so unaussprechlich glücklich bin,- daß mir die ganze Welt wie ein Frühlingsgarten erscheint? Siehst du, nun ist mein Traum doch in Erfüllung gegangen. Nordkirch bringt mir Rosen, lachende Lebensrosen." Aga zog das Köpfchen der Kleinen innig an sich uird küßte sie mit warmen Lippen. „Du weißt. Hansi." sagte sie herzlich, „daß ich nur für dein Glück lebe, daß ich keinen anderen Gedanken habe, als dich glücklich zu sehen. Wenn ich nur an die Möglichkeit denken könnte, daß Graf Nordkirch der richtige Le. bensgefährte für dich wäre, so hatte ick nichts gegen deine Wahl einzuwenden, so lange ich aber daran zweifle, so lange kann ich mich über dein Glück nicht fteuen. Ich will dir aber versprechen- mit Nordkirch zu reden. Ist dir das genug?" „Liebe, einzige, süße Schwester. Ich bin ja so glücklich. Sprich nur erst mit ihm, dann wird ja alles, alles gut." Und sie tanzte wie ein kleiner Kobold im Atelier herum. Der Venus von Milo, die in reiner Schönheit zu den beiden Mädchen herniedersah, setzte sie keck ihren neuen Frühjahrshut aufs Haupt, und dann zog sie Aga fast mit Gewalt den Maü kittel aus. „So braucht dich mein Schatz nicht zu sehen, so häßlich mit dem alten Dings da," lachte sie glückselig, „und wenn du das Maß deiner Huld voll machen willst, so ziehst du heute nachmittag das „Weiße" an. Deine Gräfin aber halte bitte dieser heiligen Stätte fern, denn sonst verblaßt deine Schönheit neben ihrer gräulichen Koketterie." Soll ich himmelblau oder rosenrot anziehen oder lieber auch was „Weißes", das macht sich noch feiner, wie?" »Hcrnsi. um Gottes willen, Hansi, hör aus," rief Aga auf- schluchzend und nahm das junge Gesichtchen liebkosend zwischeH beide Hände. Fortsetzung folgt. §skmmimd}nn$ Der Landwirtschaftliche Verein für die Provinz Oberhessen be. nbsichligt eine Reihe von Versuchen in jedem Gebiet der landwir'- scha tlichen Veffrksoereine durch- zuführen und zwar kommen zu- iäch,t in Betracht: Düngunos- und Kulturversuche mit Minie'-- gelreide. (Wimertoggen iii.v Winierweflen) lowie Düngungs-, Kultur- und Sortenrmriuche mit Wuiierölfrüchien (.Winterrapsund Wintertüosen). Die Große des Versuchsfeldes soll 1 bis lVg Morgen betragen. Saatgut und Dünger werden für die Zwecke der Versuchung kostenlos zur erfügung gestellt. Anmeldungen zu den Versuchen werden bis 25. August an den Landwi'.ticha tlichen Vezirtsver- ein zu Friedberg erbeten. Fnedbera, den 10. August 1918. Der Bürgermeister I. V.: Dam m. Elise Jüngst Sergeant Wilhelm Haag z. Zt. In Urlaub Verlobte Burggräfenrod« II. August 1918. Bekanntmachung. Am 10. August 1918 ist eine Bekanntmachung Nr. 68t. 100/8. 18. K. R. A., betreffend „Höchstpreise für Seegras (Alpengras)", e lassen worden. Der Wortlaut der Bekanntmachung ist in den Amtsblättern und durch Anschlag veröffentlicht worden. ,_ Sltllv. CenmllöMMhs 18. AmttksrK Landwirtschaftliche Maschinen aller Art, in bestbewährten Fabrikaten, offeriert Bekanntmachung Slnt 10. August 1918 ist eine Bekanntmachung Nr. F. 750/8. 18. K. N. A., betreffend „Höchstpreise für Walzen- sinter", erlassen worden. Der Wortlaut der Bekanntmachung ist in den Amtsblättern und durch Anschlag veröffentlicht worden. Siellv. StiiftaifömiiüiHöo 18. Armeekorps. Zwei Sprmaer zu kaufen gesucht. Angebote an die Geschäftsstelle der „Neuen Tageszeitung". Durch die Materialkna^pheit und schwierige Beschaffungsmöglichkeit müssen defekte Maschinenteile wieder hergestellt werden. Ich WAMhme die .Lt.a.ol : lll f FtleÄrg Maschinenfabrik. Zweigstelle Friedberg. Telefon Nr. 42. kanntmachnng Der Stadt Friedberg sind au den besetzten Gebieten des Ostens etwa 300 lebende Mag Wch (von September ab lieferbar) ui.- Verfügung gestellt worden. We^ von diesen Gän en abtunehmer gedenkt, wolle dies pätestens an 14. ds. Mts. auf Zimmer Nr. L. Stadthauses anmelden. Die An Meldung ist bindend und verpflichtet zur Zahlung des Ueber nahmepreiies von etwa 20 ML. Friedberg, den 10. August 1918« Der Bürgermeister I. V.: D a m m. Weiße liSnifH lange und runde, MraMiluiü Rotkleejamen, reg. Ware, empfiehlt Jacob Herrn, Inh.: Balthasar Schneider, Friedberg i. £>., Kaiserstraße 93. Gebrauchten, gut erhaltenen LokomSile, DreschmiWne nnö Presse, billig zu verkaufen. Carl Neuß Friedberg i. 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