Die ^Lleue Tageszeitung" erichemt isden Werktag. Regelmäßige Beilagen „Äer Sauer aus Hessen", „Die Spinnssubs". Bezugspreis: Bei den Postansialten vrenelfätzrlick :Ott. 2.4t hinzu'tritt noch das Bestellgeld.' ^ei den ^oenten monatlick 85 Big. einschließlich Trägerlostn. Anzeigen: Grundzeile 2d Pfg., totale 20 Pig^ Anzeigen von auswärts werden durch Bocknachnaöm« erhoben. Eriullunasori Friedberg. Schriftleitung und Derlag Friedbera v-'-v. >anauer-traßs 12. Fern.oce her 48. Bost, \)ti» Xo-uo Jlt. 4859, l nt ^rantfurt a. M. Itt IkKrr^hützSkcklß Perfslpn^ Huig's. Feind 10 — 12 Kilometer tief in unsere Stellungen eingedrungen. — Neue Angriffe Mische» Somme und Avre. — 25 000 Tonnen versenkt. — ItaUenilche Flieger »der Wien. M — - >' ' - ——-=—rf«— . I N I "-- M, Der deutsche Generalkav s====== meidet: , ■■a W» T. K. Großes Zattptq«air1Lev, de» 9. Augnst Amtlich. Westlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe Kronprinz Rupprecht. Zwischen User und Stiere lebhafte nächtliche Artillerietätigkeit. Südwestlich von Ipern nnd südlich der Lys , folgten stärkerem Feuer feindliche Teilangriffe, die abgewiesen wurden. Zwischen Sucre und Avre griff der Feind gestern mit starken Kräften an. Durch dichten Nebe^ be- ■ günstigt, drang er mit seinen Panzerwagen in unsere Infanterie- und Artillerie-Linien ein. Nördlich der Somme warfen wir den Feind im Gegenstoß aus unseren Stellungen zurück. Zwischen Somme und Avre brachten unsere Gegenangriffe den feindlichen Ansturm dicht östlich der Linie Morecourt-Harbonnieres-Caix°Fresnoy-Contoire zum Stehen. Wir haben Einbuße an Gefangenen und Geschützen erlitten. Durch Gefangene, die wir macksten, wurden Engländer mit australischen und kanadischen Hilfskrps, sowie Franzosen festgestellt. Heeresgruppe Deutscher Kronprinz. In einzelnen Abschnitten der Vesle lebte die Artillerietätigkeit ans. Erfolgreiche Teilkämpfe beiderseits von Braisne und in der Champagne nordwestlich von Souain. » Ueber dem Schlachtfelde schossen wir 20 feindliche Flugzeuge ab. Leutnant Löwen Hardt errang seinen 49., 50. und 51., Leutnant U d e t seinen 45., 46. und 47., Leutnant Frhr. v. R i ch t h o f e n seinen 33., 34. und 35., Leutnant Kroll feinen 31. nnd 32., Oberleutnant Billik seinen 29.,-Leutnant Koennecke seinen 23., 21. und 25. und Leutnant Auffarth seinen 20. Luftsieg. Der Erste Genkralguartierineister: Ludendorff. Aberidberrcht. Berlin, 9. August, abends. (WTB. Amtlich.) Zwischen Somme und Avre setzt der Feind seine Angriffe fort. Der öfferrerchilche Generalstali jj L-; , ,.= meldet: .. .J » Wien, 9. August. (WTB. Nichtamtlich.) Amtlich wird Verlautbart: An der italienischen Front erreichte der allgemeine Artilleriekampf im Raume der Sieben Gemeinden besondere Stärke. In Albanien ist die Gefechtstätigkeit abgeflaut. Der Chcs des GeucralsiabeS. * Aus dem Kriegspressequartier wird gemeldet: Am 7. August wurde das österreichisch-ungarische Spitalschiff „Baron Gall", das auf der Neede von Durazzo unweit von ^einem anderen Dampfer lag, durch ein feindliches Luftschiff mit zahlreichen Bomben beworten. Es sind 10 Tote und 18 Verwundete zu beklagen. Auf der Rückfahrt von Durazzo wurde das Spitalschiff „Baron Gall" bei der VojanmMnn- düng dreimal von einem feindlichen Unterseeboot anlanziert. Ein Torpedo traf, explodierte jedoch nicht. Dorfe Matschukowo zu überrennen, wurden aber durch Feuer zerstreut. Bei Doiran kurze Feuerüberfälle seitens des Feindes. Feindliche Monitore beschossen ergebnislos im Golf von Orfano unsere Stellungen an der Strumamündung Die feindliche G^ensme im Westen. Der Angrisi Mischen Ancre und Avre. Berlin» 9. August. (WB.) Nachdem der Fcchsthe Plan, die in den Marne-Keil vorgeschobenen deutschen Truppen abzuknet'. son. mißlungen ist und die frunco-ameri konischen Anariffe >gegen die Vesle-Linie verlustreich zusammengebrcchen, versuchte der französische Obcrfeldherr das gleiche Manöver an einer anderen Stelle. Die Eile, mit der diese beiden Operationen aufeinan- derfolgten, kennzeichnet das ängstliche Bestreben der Entente- Führung. die Vorhand zu gewinnen und den befürchteten neuen deutschen Angriffen zuvorzukommeir. Der englisch-französische Angriff sollte- in diesem Stoß auf St. Quentin Vordringen, um der deutschen Oise-Front in die Flanke zu kommen. Bei Mont, didier und Albert wurde dem französisch-englischen Angriff durch die Zurückver/eoung der deutschen Stellungen auf das östliche Avre-Ufer die Basis entzogen. General Foch ließ sich jedoch hierdurch von seinen Angriffsabsickten nicht abbringen, sondern begnügte sich mit dem Angriffsraum zwischen Ancre und Avre. Hierdurch gelang'ihm ein Ueberrasckungserfclg, der durch den herrschenden dichten Nebel noch in besonderem Maße unterstützt wurde. Trotzdem und trotz des vor allem für einen Masienein- sotz von Tanks überaus günstigen Geländes reickte jedoch der Anfangserfolg der unter dem Befehl des Marschalls Haig fechtenden englischen und französischen Armeen nicht über das am ersten Angriffstage übliche Maß hinaus. Ein gewisser Verlust an Geschützen und Gefangenen ist in solchen Fällen unvermeidbar. Im Gegensatz zu den bisherigen großen deutschen Ofren- sioen erreichte der Angreifer keines seiner strategischen Ziele. Sein Geländegewinn spielt umsoweniger eine Nolle, als es sich hier nicht um ein ausgebautes Verteidigungsspstem handelt, sondern um ein Manöveriergelände, in dem die Kämpfe, die am 24. März begonnen haben, noch keineswegs zum Abschluß gelangt sind. Obwohl der Entente-Angriff zwischen Ancre und Avre unter dem Befehl Haigs steht und zu einem großen Teil zur Hebung der tief gesunkenen englischen militärischen Prestiges dienen soll. Irngen wiederum nicht die Briten die Hauptlast ves Kampfes, sonderin soweit sich nach den bisher gemachten Gefangenen feststellen läßt, befanden sich in vorderer Linie australische und französische Divisionen, denen englische und französische Divisionen folgten Ein Zuiammentreflen verschiedener günstiger Umstände hat dem französischen Angriff zwischen Ancre und Somme zu einem Anfangs. ^ '-z verhelfen. Vor allem war es der überaus dichte Nebel am Morgen des 8. August, der den feindlichen Stoß begünstigte. Der Nebelschleier hüllte die englisch-französiscken Pcrnzerwagc n g esch um der, die nach einem plötzlich einsetzenden gewaltigen Feuerschlag umbrachen, so dicht ein. daß sie ungefährdet die deutschen Tank-Abwehrgeschütze passierten und teilweise Ms In die Artillerielinien uo-chrechen konnten Heldenhaft schlug sich die deutsche Infanterie gegen die plötzlich aus dem Dunst von allen Seitewmuf sie e'ndringenden Panzerwagen und Sturmwellen. Im Rücken der englisch-französischen Schützenlinien knatterten noch lange die Maschinengewebre einzelner, sich zähe bis zur letzten Patrone haltenden Widerstandsnester. Allein die Ungunst der Witterung ermöglichte den Ententetruppen dennoch an einzelnen Stellen den Einbruch, so daß sie bis in die im deutschen Heeresbericht angegebene Linie Vordringen konnten Hier aber trafen sie auf den Gegenstoß der deutschen Reserve, der das weitere Vordringen der Angreifer hemmte. Nördlich des Flusses haben sie ihn aus den deutschen Stellungen wieder hinausgeworferr. Der bnlgarilche GcncraUtak meldet: Sofia, 7. August. (MV. Nichtamtlich.) Generalstabsbericht. Mazedonische Front: Oestlich des Prespasees drangen Unsere Angriffstrupps trotz heftigen Widerstandes des Fein- dos in die französischen Gräben südlich Peristeri und bei Tscherveno Siens ejn, wo sie Franzosen zu Gefangenen machten. Oestlich des Wardar versuchten starke englische Zlb- .teilungen in zweimalfHem Anlarrf, unsere Posten bei dem Der englische Bericht. Zürich, 9. Angust. Die Unternehmung, die heute morgen an der Front von Amiens durch die erste französische Armee unter dem Befehl des Generals Debeney und der vierten Mglischen Armee unter Kommando des Generals Henri Rawlinson begonnen wurde, entwickelte sich günstig. Tie alliierten Truppen waren in der Nacht ohne Wissen des Feindes zusammengebracht worden. Zu der für den Angriff bestimmten Stunde brachen die französischen, kanadischen, australischen nnd englischen Divisionen gegen die deutschen Stellungen ans einer Front von mehr als zwan- zia Meilen von Brache-sur-Ardr-e bis in die Umgebung von Morlancourt vor. Der Fein- wurde überrascht und ar allen Punkten machten die Alliierten rasche Fortschritte. Ir früher Stunde waren unsere Ziele ans der ganzen nörd lichen Front erreicht. Während des Morgens dauerte das Fortfchreiten der alliierten Infanterie lebhaft an. Es wurde unterstützl durch die englische Kavallerie, die leichten Tanks und die Auto-Mitrailleure. An einzelnen Punkten wurde der Widerstand der deutschen Divisionen nach lebhaftem Kampfe gebrochen Unsere Truppen machten zahlreiche Gefangene nnd erbeuteten Kanonen. Die französischen Truppen, mit großer Tapferkeit an* greifend, überschritten die Avre und nahmen trotz feinte lichen Widerstandes die deutschen Verteidigungsstellungen. Im Norden der Somme wurde der größte Teil der bezeich- neten Ziele vor Mittag erreicht, aber in der Umgebung von Chipilly und südlich von Morlancourt setzten feindliche Abteilungen längeren Widerstand entgegen. In diesen beiden Ortschaften wurden harte Kämpfe geliefert, aber schließlich überwanden unsere Truppen den Widerstand der feindlichen Infanterie und erreichten ihre Ziele. Südlich der Somme erreichten wir dank der Tapferkeit der alliierten Infanterie, dem Elan und der Kraft ihrer Angriffe am Nachmittag an den hauptsächlichsten Punkten der Schlachtfront die ersten für diesen Tag bestinimten Ziele. Unterstützt durch unsere leichten Tanks und Panzerautos, hat unsere Kavallerie die Infanterie überholt und ist übe, unsere Ziele hinansgegangen, brachte Verwirrung in di« feindlichen, auf dem Rückzug befindlichen 'Deckungstruppen, benrächtigte sich mehrerer Dörfer und machte zahlreiche Gefangene. Die allgemeine, von unsere» Truppen erreichte Linie geht über Plessier-Rozainvillers, Beancourt-en-Santerre, Caix, Framerville, Chipilly und westlich von Morlancourt. Es ist zur gegenwärtigen Stunde unniöglich, die Zahl der eingebrachten Gefangenen und der erbeuteten Kanonen festzustellen, wie auch die Wichtigkeit des erbeuteten Materials zu ermessen, aber man meldet bereits mehrere tausend Gefangene und zahlreiche Kanonen, die in unsere Hände gs^ fallen sind. * Basel, 9. Aug. Nackt einem Pariser Havatzb-ericht be« trägt die Zahl der Gefangenen bei der letzten französischen Offensive über 10 000, von denen 2500 durch die Franzosen, die auf zehn Kilometer Front angegriffen, eingebracht seien« Die Beschießung tnm Daris. Paris, 8. Aug. (WB.) Havas. Die Beschießung hex Gegend von Paris dauert an. 25' 0!) Tonnen versenkt. Berlin. 8. August. 03393. Amtlich.) Im Sperrgebiet unr die Azoren und westlich Gibraltar wurden neuerdings wieder fünf größere Dampfer und ein Segler von insgefam- rund 25 000 Brt. versenkt. Die Ladungen waren zum Teil besonders wertvoll. MrS einem der Dampfer ging neben 370 T. Munition gemünztes englisches Regicrungsgeld im Werts von % Million Mart unter« Der Chef des Admiralstabcs der Marine. * Kopenhagen, 9. August. Das dänische Ministerium d-?H Aeußern teilt mit: Nach einer Meldung des Konsulats in Alexandrien ist das Motorschiff „Columbia", der ostasiatischen Kompanie gehörend, bei Port Said versenkt worden-. Der Bergendampfer „Huvaagoc" ist in der biskayiascher» Ducht versenkt worden. Die Ileberlebenden wurden in Brest aa Land gestzt. Kopenhagen, 8. August. (91393.) Die norwegische Gesandtschaft in London büchtet: Der norwegische Dampfer „Alix" ist am 2. August auf eine Mine gestoßen und an der Küste von Irland auf Grund gesetzt worden. Fluamge über Wien? Wien, 9. Aug. Heute um %10 Uhr vormittags ha acht italienische Flugzeuge die Stadt Wien überflogen unO Proklamationen, teils propagandistischen, teils drohendeitz, -Inhalts, abgeworfen. In einer der Pro kla > Nation ^^iv nrdjtz eine Art Ultimatum von 48 Stunden gestellt mit der Drohung, daß italienisch^ Flieger später mit Bomben wie* der^ehren würden. Wien, 9. Aug. (WB.- In Wien wurden Tausende von Flugzetteln abgeworfen. In einem der Aufrufe heißt es: „Wir führen nicht Krieg mit Bürgern, Kindern, Greisen und Frauen, sondern mit Eurer Regierung, dem Feinde der nationalen Freiheit, mit eurer blinden, starrköpfigen und grausamen Regierung, die euch nur mit Haß und trügerischen Hoffnungen füttert." Der Aufruf schließt: „Hoch die Freiheit! Hoch Italien! Hoch die Entente!" Der Fliegerangriff, der von der Presse nur als eine Sportleistung bezeichnet wird, da schon mit Rücksicht auf die räumliche Entfernung die Mitnahme von Sprengbomben ausgeschlossen ist, rief bei der Bevölkerung keinerlei Unruhe hervor. Der Inhalt der Flugzettel begegnet allgemeiner Entrüstung, zumal die österreichische Bevölkerung die fast täglichen Luftangriffe auf Triest. Laibach und andere Städte -nicht vergessen hat. Nach den bisher eingelaufenen Meldungen ist ein italienischer Flieger bereits bei Schwarzau in der Nähe von Wiener-Neustadt niedergegangen. Der Apparat verbrannte vollständig. Die Besatzung ist geflüchtet und ist noch nicht aufgegriffen, doch ist Hoffnung vorhanden, daß dies mit Hilfe der Bevölkerung bald geschehen wird. Rliumniiche Kriklistresba ouf Drm Plan. Bukarest, 7. August. Die größte rumänische Zeitung, die „Lumina", das Organ des Präsidenten des bess.uabischen Landesrates Constantia Slere, schreibt unter dem Titel „Unsere Kriegstreiber und die Schlackt in Frankreich" folgendes: Unsere Kriegstreiber, die Urheber unseres Unglücks, haben nichts gelernt und nichts vergehen. Niemand denkt daran, ihnen zu verbieten, daß sie die unsinnigsten Hoffnungen hegen, weil dies menschlich erklärlich ist. Aber eine Wiederholung der Treibereien, die das Land schon einmal ins größte Unglück stürzten, kann ihnen nicht gestattet werden, weil sich daraus neue Gefahren ergeben würden, die Rumänien nicht mehr zu ertragen vermöchte. Die Offensive der Entente auf einem Teil der Westfront hatte unbestreitbar einen Erfolg, der aber mit den Erfolgen der drei vorangegangenen deutschen Offensiven nicht verglichen werdn kann. Der Ententeersolg aber bat den gesunke. nen Mut unserer Kriegstreiber wieder gehoben, und in ihrer Presse finden wir neuerlich die bekannten Töne aus den Jahren der Neutralität. Ihre Neutralität blieb die gleiche, wie sie von einem sicherlich unparteiischen und zuständigen Zeugen, General Averescu, in folgenden Worten geschildert wurde: „Bas schmerzlichste Kennzeichen unserer Neutralität seit Beginn des Krieges bis heute war die Tatsache, daß das erlittene Unglück wie die so blutig bezahlten Lehren zu nichts dienten.- Wir wollen über die Offensive der Entente zwischen d« Aiene und Marne die Wahrheit darlegen. Der ArtrkÄ schildert alsdann eingehend die Lage an der Westfront, führt als Bekräftigung den Aussatz des Generals Mallierre in „Le Temps" an und schließt feine Betrachtungen: Unter solchen Umständen ist kein Grund vorhanden an die Offensive Fachs irgendwelche Hoffnungen zu knüpfen. Im klarsten Verständnisse der Interessen des Landes rufen wir die Oeffentlichkeit zum Gefühle der W rk- lichkeit zurück. Röhren wir uns nicht mit Illusionen. Kein Staat führt einen Krieg für die Interessen anderer. Die Deutschen haben einen Rückzug angetreten, der sich nur auf das bei ihrem letzten Vordringen eroberte Gebiet erstreckt. Dieses genügt, damit Bratiam» und Genossen, deren Fähigkeit in der Beurteilung militärischer Konjunkturen wir leider allzu gut kennen, unsere Lage und ihre Sünden vergessen. Was ist der gegenwärtige Rückzug der Deutschen gegenüber dem Rückzuge Hindenburgs im Oktober 1614 von Warschau bis zur südwestlichen russisch-deutschen Grenze? Und dieser Rückzug hatte da. mals di« vernichtende Niederlage der Russen zur Folge. Hin- denburg und Ludendorff sind nicht General Jlliescu. Dieser Krieg ist ein Grduldspiel Wir haben ihn verloren, weil wir keine Geduld hatten. Nichten wir uns diesmal nicht endgültig zugrunde, indem wir angesichts einer so gewaltigen Wirklichkeit unsere Wünsche mit den Tatsachen verwechseln. Ciil kilüillher MIM aus dm Iahrk 2000. Das Lirerpoler „Journal ok Commerce" vom 27. Juli 1918 bringt einen Beitrag, der den Zweck hat, sich über die fabrikmäßige Herstellung von Schiffen lustig zu machen, und in dem sich unter anderem folgende. Schilderungen finden: Man schreibt das Jahr 2000, die gw ze Welt außer Deutschland, wo noch immer ein Bürgerkrieg tobt, befindet sich im Frieden. Alles im glücklichen England steht unter Staatsaufsicht und die am Ruder befindliche sozialistische Regierung tut alles fürs Volk. Die ruinierten Kaufleute sind in einem großen Gebäude untergebracht, während das Heim für bankerotte Reeder sich in Liverpool, der einst so blühenden Stadt, befindet. Die meisten Fabrikanten sind nach Amerika und Australien ausgewandert oder lüsten sich zur Abfahrt. England wird von 15.649 949 Bureau, kraten regiert, "und arbeiten, um den Beamten ihre Gehälter zahlen zu können. (Nur in England?) Auf diesem Hintergrund spielt sich in einem Vureauraum einer im Westen Englands gelegenen Staatswerft ein Gespräch zwischen zwei hohen Beamten der Werft ab. Sie unterhalten sich über den gerade vor sich gehenden Stapellauf eines neuen großen auf einer Montagewerft — also fabrikmäßig — herocstellten Schiffts, auf das sie die größten Erwartungen setzen. Plötzlich wird das Gespräch durch die Meldung unterbrochen, daß der neue Ozeanriese im Augenblick des Stapellaufs kopfüber auf den Meeresgrund geraten ist! Dieses Bild, das die Engländer sich für die Zukunft malen, lonnen auch wir Deutsche — allerdings in noch grelleren Farben aufgetragen — uns malen. Per Zug der Toten. In einer Betrachtung über die 4 Jahre Krieg schreibt der englische Schriftsteller Eardiner: Wir wissen, was der Kri^ ist. Wir haben vier Jahre Erfahrungen hinter uns, wie sse die Welt bisher niemals hatte. Wenn wir uns Tag und Nacht hinsttzten und die geisterhafte Prozession der im Kriege Erschlagenen zu vieren Minute für Minute vorbeimarschieren ließen, so würden zehn Jahre darau fgehen und noch immer würde die Geschichte der Hinopserung der Jugend, der Stärke und der Hoffnung des Welt nicht zu Ende erzählt firn And wenn hinter den Toten die Zahl der Vevftümmelten, der Erblindeten, der Tauben und der Erlahmten marschierte, dann würden kaum 5ll Jahre genügen, um das schreckliche Schauspiel darzubieten Die materiellen Kosten können wir noch nicht verstehen. Wir brennen das Haus bis zum Grund nieder und das Feuer gibt eilten großartigen Schein, viel Arbeit, viel Geld und manchen Gewinn. Wir muffen aber warten, bis das Feuer ausgelöscht ist und wir den Aschenhausen übersehen können, bevor wir die Brdevtung der Tausenden von Millionen von Schulden verstehen können, die Herr Vonar Law im Unterhause mitteilte, das früher an ebien nationalen Bank«- rott zu glauben pflegte, wenn irgend jemand um eine Milliv« bat, um Schulen oder Häuser für die Armen zu bauen. Un*» das ist erst de-r Vorgeschmack des Krieges. Der Wuniiiliiisvttbrllüch m Weltkriege. Grn militärischer Fachmann schreibt der „Politischen Kovo rcspondenz": In den sechshundert Treffen, Gefechten und Schlachten des Krieges 1870/71 gab die deutsche Jnlanteri« rund 220 Millionen, die Feldartillerie 333 809 und die schwerck Artillerie 320 000 Schüe ab. Straßburg fiel nach fünfwöchiger Belagermrg mit 202 099, Paris nach fiinfwöchiger Belagerun- mit 110 280, Metz nach zwölfwöchigsr Belagerung mit nur 4857 Schliffen der Belagerungsgeschütze in deutsche Hände. Das strich Zahlen, die gegen den ungeheuren Munitionsauftvand di» Weltkrieges verschwindend klein sind. Schon während der großen Offensive im Jahre 1915 wurde der tägliche Munitionsverbrauch auf deuifcher mrd auf feindlicher Seite auf etwa 300 000 Kanonenschüssen eingeschätzt: die Stahlsaat der heutigen Schlachten aber wird, wenn sie erst einmal eingeschätzt werden kann, diese Zahl noch weit übertrefien. Bei Beginn der Som meroffensive verschossen die Engländer in einer Woche mehr Mu> rrition als in den ersten elf Kcisgsnwncten zufammengenom. men, und wahrend des Trommelfeuers dieser Riesenschlacht ver- brauchten sie an einem einzigen Tage so viel schwere Granaten nie die Munitionshcrstellung von elf Kriegsmonaten üben Haupt hervorgebracht hatte. In der Arrasfchlacht 1917 wurde» von ihnen in vier Tagen fast sechsmal so viel Granaten ver. feuert, als der ganze Krieg 1870/71 erfordert hatte. In der Schlacht von Verdun wurden zuzeiten von beiden Parteien zu. sammen rund eine Million Geschosse an einem Kampftage verschossen. Nimmt man nur an daß :m Durchschnitt der siebente Teil der Menge, also eine Million Geschosse, in der Woche verfeuert wurden, und setzt das Durchschnittsgewicht an Metall mit 45 Kilogramm fest, so kommt man für die dreißig Wochen eigentlicher Kampfzeit zu dem Resultat, daß das Gelände in dieser Zeit mit 1 .".50 000 Tonnen Stahl überschüttet worden ist. Znm Transport dieser Stahlmenge wären 135 000 Eisenbahn- waggons nötig. Das Kampfgelände hatte ungefähr eine Aus» dehnung von 2659 Kilometer, somit sind nach dieser Berechnung ouf jeden Hektar Boden 50 Tonnen Stahl niedergegangen. Der Wert dieser Stohlmenae übertriffr den Wert des Grund und Bodens, den sie übersät. Es ist vorgekommen, daß beide Par- leien an einem einzigen Tage eine Million Artilleriemu nitro« verschossen haben. blanPkiAligen dkr ZnranMürillM. Kürzlich teilte die Reichsstelle für Obst und Gemüse mit, daß über 100 Gendarmen, Hilfsgenidarmen, Soldaten usw. tm Havelo^tgau seit 10 Tagen täglich arff Hamster fahnden urrch schon 93 Pfund Kirschen beschlagnahmt hätten: d. h. affo mehr als 100 Beamte haben Taufende von Mitbürgern belästigt und dabei täglich 9 Pfund erwischt. Eine Leistung, die sich sehen lassen kann, und der wir es jetzt verdanken, daß wir so große Mengen Obst aller Art in Berlin und den Vororten nicht taufen konnten. Welche Mengen an Arbeit, Mühen und Listen es tat Beamten verursacht hat, diese 9 Pfund Kirschen für die Alft Gemeinheit zu retten, laßt sich in kurzen Worten nicht schildern. Würdig, so bemerkt dazu die „D. V. C", reiht sich an diese Glanzleistung folgende Maßnahme, die auch dem ärgsten Zweifler beweist, mit welchem Erfolg die ZentraWewirtschastung vor Gemüse die Lebensmittelvorräte in Deutschland steigert. Au, Ans meiner Dorfkirche. Haussuchung. Römer 13. V. 2. Jedermann sei untertan der Obrigkeit, die Gewalt über ihn hat, denn es ist keine Obrigkeit ohne von Gott, wo aber Obrigkeit ist, die ist von Gott verordnet. Wer sich nun wider die Obrigkeit setzet, der widerstrebet Gottes Ordnung! Die aber widerstreben, werden über sich ein Urteil empfangen. Liebe Gemeinde! Daß wir uns heute dieses Bibilwort herausgesucht haben, vm es unserer Betrachtung voranzustellen, das ist nicht zufällig, sondern hat seinen Grund in dem besonders Schweren, das wir in dieser Woche erlebt haben. Daß deutsche Soldaten in deutsche Bauerndörfer geschickt werden, um dort Haus für Haus nach Lebensmitteln zu durchsuchen, das ist für einen Mann, der den deutschen Bauernstand und den deutfhcn Soldatenstand in gleicher Weise liebt, etwas so drückend Schweres, daß man darüber am liebsten zu weinen anfinge Und wir wissen, wie schwer ihr daran getragen habt, und die Sache ist deshalb gewiß nicht leichter geworden, weil wir an solche Dinge nun schon bald gewöhnt sind, seit Jahren, nein das ist gerade das Schlimme, daß das nicht einmal geschehen ist. sondern, daß schon seit einer langen Zeit immer wieder in solcher gewaltsamen Weise in unser Leben und Wirtschaften einbegriffen wird, und daß es damit nrcht besser, sondern immer schlimmer geworden ist. Wir wollen bier nicht danach fragen, ob das nötig war, und auf welche Weise es hätte ta er gemacht oder vermietat werden können, wir wollen'uns auch darüber klar sein, daß die Sol- laten, die bei uns waren, den Befehl. den ihnen gegeben war. eben ausführen mußten, und daß selbst die. die ihnen den Be. feyt gegeben batten, selbst wieder auf Befehl von höherer Stelle handelten. Aber, daß cs überhaupt so weit kam. das ist es, was uns so traurig macht, ja was manchem Mann den Hellen Zorn ins Gesicht getrieben hat. Aber des Menschen Zorn lut nicht was recht ist vor Gott. Und darum meine ich, ehe wir uns vom Zorn übermannen lassen, wollen wir diese stille Sonntagsstunde dazu benutzen, um auch diese unsere Sache einmal zu dem zu tragen, zu dem des Bauernstandes Vorfahren von jeher geflüchtet find in der Not, zu dem alten treuen Gott, der noch keinen im Stich gelass», tyrt, der aus ihn vertraute. Und darin liegt von vornherein, daß wir nun nicht reden wollen, von denen, über die solche Haussuchung mit Recht gekommen ist, weil sie Unrecht getan haben. Solche können freilich vor dem Allwissenden nicht treten, sie müßten sich sonst vor ihm schämen. Aber das ist eben das Schlimme, daß diese allgemeinen Haussuchungen nicht nur dort ansetzen, wo wirklich Unrecht geschehen ist, sondern, daß sie jedeit treffen, ob er's verdient hat, oder nicht. Und wenn wir nun in dieser Stunde davon roden, dan» wollen wir davon reden, als Christen, das heißt, als Menschen^ die nicht fragen: was sagt unser Zorn dazu, sondern als solche, die fingen' Mas sagt Gott zu diesen Dingen. Es ist die Obrigkeit, so war der erste Gedanke, der mir kam, -als am Freitag morgen die Soldaten bei uns einrückten, und die Mahnung des Apostels Partlus stand vor meinen Augen: Jedermann sei untertan der Obrigkeit, die Gewalt über ihn hat. Wohlgemorkt: Als der Apostel Paulus diese Mahnung niederschrieb, begannen gerade die ersten Christenverfolgungen. Die Obrigkeit, die damals über den Christen stand, war der Christen ausgesprochener Feind. Der Apostel Paulus selber hat di^e Feindschaft an seinem eigenen Leib im Gefängnis und Hinrichtung erfahren müssen. Wenn wir des wissen, dann wird es uns erst klar, wie ernst es dem Apostel mit der Meinung war, daß ein Christ seiner Obrickgit gehorchen müsse! Auch wenn die Obrigkeit anders handelt, als es dem Christen recht erscheint. Er soll doch nie vergessen' Jedermann sei untertan der Obrigkeit, die Gewalt über ihn hat. Das ist ja für vernünftige Mertschen auch einfach eine Selbstverständlichkeit. Daß unsere Obrigkeit eben bisweilen Dinge tut, — und vielleicht auch manchmal tun muß. die uns nicht gefallen, an denen wir mancherlei auszufttzen haben — darüber brauchen wir nicht zu reden, das weiß jeder von uns von selber. Aber wohin wollen wir kommen, wenn jeder, dem einmal etwas nicht paßt, gleich > sagen wollte, ich mache nicht mehr mit, ich lasse es mir nicht gefallen, ich fetze mich gar mit Gewalt zur Wehr. Wohin kämen wir? Gewalt fordert Gewalt, es käme zu Streit und Kampf, Mord und Totschlag und es würde nicht besser, sondern nur immer schlimmer. Das wollen wir uns, wenn der Zorn uns übermannen will, immer vorsagen: Durch Gewalt wfid's nicht be«jer> Lassen wir es uns von dem Apostel Paulus als einem guten freund ernstlich einpragen: Niemals Gewalt anroenden gegen die Obrigkeit, auch wenn sie uns Schweres zumutet, denn Gewalt macht es nicht besser, sondern schlimmer. Wo noch eine geordnete Obrigkeit ist, da ist noch £ rdnung, und auch die aller- schlechteste Ordnung ist immer nech besser, als die Unordnung. wie sie die Revolution mit sich bringt, das lehrt heute jeden, der sehen will, deutlich gerrug das unglückliche Rußland. Sein gewaltsames Widersetzen gegen die Obrigkeit, das ist selbstver, ständliches Gebot der Vernunft, — aber für den Apostel Paulur ist es noch mehr: er fetzt hinzu: Denn es ist keine Obrigkeit ohne von Gott, wo aber Obrigkeit ist, die ist von Gott verordnet. Nicht Menschen Wille ist es ihm, der aus den Befehlen m Obrigkeit spricht, sondern Gottes Wille. Freilich weiß auch der Apostel Paulus, daß auch in der Obrigkeit Menschen sitzen. Menschen mit Sunden und Fehlern, wie andere Menschen auch. Und der Apostel will ganz gewiß nicht sagen: Was die Obrigkeit in ihrem Mcnschensinn, in ihren Befehlen tut und will, das ist immer auch Gottes Wille, nein, dafür ist Paulus zu klug, sondern er meint, was die Obrigkeit will und tut, das läßt Gott zu, nicht um deswillen, was die Obrigkeit damit erreichen will, sondern um deswillen, was er in seinem göttlichen Weltenplan damit erreichen will. Und so sage ich mir auch, daß es wohl Gottes Absicht ist, daß er die Obrigkeit dahin geführt hat, so schwere Dinge über uns zu verhängen, wie sie jetzt über uns verhängt hat. Es sind vielleicht Erziehungsabsichten, daß er sich gesagt hat: draußen die haben den Krieg kennen gelernt. aber die rn der Heimat wissen noch nicht was Krieg ist, ich muß es ihnen zeigen, — vielleicht ist es irgend ein anderes Ziel, das er verfolgt mit dieser Heimsuchung — ich weiß es nicht. Eines weiß ich: auch solche schweren Dinge werden leichter, wenn man sse hinnimmt aus Gottes Harrd! Sich unter Menschen beugen, ist deutschen Männern allemal schwer gefallen» sich beugen unter Gott ist fiir deutsche Christen von jeher eine Selbstverständlichkeit gewesen. Wir dürfen eben auch in dikcht in unseren weltgeschichtlichen Tagen die Stimme des identischen Gewissens erdrosseln oder aus Entkräftung verhauchen [au lassen." Entziehung der Jnckttklirlen und Ejerahlikferüngs-ßlcht. Die „Mitteilungen aus dem Kriegsernährungsamt" geben bekannt: Aus Kreisen der ländlichen Bevölkerung ist darüber Beschwerde geführt worden, daß die Kommunalverbünde vielfach Hühnerhalter, die mit der Ablieferung der festgesetzten Menge von Eiern im Rückstände sind, durch Entziehung der Zucker- - karten zur Erfüllung ihrer Ablieferungspflicht anhalten. Wenngleich diese Zwangsmaßnahmen an sich zulässig ist und ifcn ge misten Fällen nicht entbehrt werden kann, um Hühner- Halter, wie überhaupt die zur teilweisen Ablieferung ihrer >landwirtschaftlichen Erzeugnisse Verpflichteten zur Erfüllung ihrer öffentlich-rechtlichen Pflicht zu zwingen, so soll diese Maßnahme — wie der Staatssekretär des Kriegsernährungs- amtes in einem Rundschreiben an die Bundesregierungen zum Ausdruck gebracht hat — doch nur unter besonderen Umständen beim Versagen der sonstigen Zwangsmittel und nur bei festgestelltem Verschulden angewandt werden. Auch darf sich die Entziehung des Zuckers keinesfalls auf den Einmachzucker sowie auf den Zucker der Kindern, werdenden Müttern und »stillenden Frauen sowie Kranken zu gewähren ist, erstrecken. ^ Schließlich muß die voreuthaltene Zuckermenge in angemessr- Jnem Verhältnis zu der Menge der rückständigen, abzuliefern- /den Erzeugnisse stehen, und es darf stets nur ein Teil der -'-Mundzuckerration gesperrt werden. Dieser früher bereits von einem Zeitungsberichterstatter verbreiteten Ausführungen würden zweckmäßig bei der jetzigen amtlichen Verbreitung durch Anführung derjenigen gesetzlichen '^Grundlagen unterstützt worden sein, die diese Zwangsmaßnahme an sich als zulässig erscheinen lassen. Bisher ist noch dicht der geringste Versuch gemacht worden, diese Maßnahme -gesetzlich zu begründen. Dagegen muß immer wieder daraus ching-ewielen werden, daß in der Verordnung über Eier vom 12. August 1916 unter den Strafbestimmungen die Entziehung von Lebensmittelkarten bezw. der Lebensmittel selbst nicht aufge- führt ist. Wohl aber besagen die Ausführungsbestimmungen zu der Verordnung über den Verkehr mit Verbrauchszucker vom 10 . April 1916, daß der Regelung des Verbrauchs durch die ^Kommunialverbände bis auf weiteres eine bestimmte Zuckerzeuge für den Kopf der Bevölkerung zugrunde zu legen ist. Es ftcht also danach „jedem Kopf" der Bevölkerung die gleiche jMenge zu, wenigstens also wohl innerhalb desselben Kommu- ^aloerbandes. Nirgends finden wir eine bundesrätliche, also S fetzliche Bestimmung, wonach Strafen in der Form dev Ent- chnng von Zucker verhängt werden dürfen, d. h. also durch Entziehung vock NahrUdgÄMiltekN gestrafi werden darf. Das hätte auch längst die Arbeiterbevölkerung der Städte so in Harnisch gebracht, daß eine solche Bestimmung wohl kaum jemals zur Anwendung gekommen wäre. Der ländlichen Bevölkerung glaiNbt man alles bieten zu dürfen^ selbst wenn es in kein Gesetz hineingeschtteben ist, dann ist es eben „an sich zulässig". Das Keinöl. Der Landwirt kehrt wieder zum Flachsbau zurück. Der Krieg hat ihn dazu genötigt und es ist sein eigenster Vorteil. Die Vorzüge des Leinsamens und Leinkuchens als Haus- und Heilmittel sind leider in Vergessenheit geraten. Sie allein sollten jeden Bauer bestimmen jedes Jahr ein Stück Lein zu ziehen. Alle Haustiere, die täglich als Futterbeigabe nur eine Handvoll Lein oder Kuchen erhalten, bekommen ein glänzendes Aussehen, bleiben gefeit gegen alle Krankheiten. Das Leinöl ferner, das noch jetzt vielerorts als Speisefett bei der Landbe. völkerung verwendet wird, gehört zu den bekömmlichsten und gesündesten Nahrungsmitteln. Seiner Bereitung sollte man wieder mehr Aufmerksamkeit schenken zumal es ohne großen Aufwand möglich ist aus dem Lein ein überaus schmackhaftes und bekömmliches Oel zu gewinnen. In Schlesien und im Spreewald stellen die dortigen kleinen Schlagmühlen feit vielen Jahrzehnten ein solches Oel nach folgendem Rezept her: Der gequetscht» Lein wird auf dem Herd oder im eisernen Kessel auf 45—50 Grad unter Beigabe von etwas Wasser erhitzt und erkalten lassen. Dann wird nochmals gequetscht, diesmal auf 80 Grad erwärmt und wieder erkalten lassen, kalt geschlagen gepreßt. Das so gewonnene Oel duftet appetitlich und ladet zum Genuß förmli-ch ein. Wer es einmal versucht und kennen gelernt hat, mag es nicht mehr missen. Feinschmecker erklären es für das beste Speiseöl. Leider aber ist seine Haltbarkeit eine beschränkte, es behält seine Vorzüge etwa 6 Wochen, ein Mißstand, den man durch das Schlagen lassen kleiner Mengen, wozu sich besonders die kleinen Wasserschlagmühlen eignen, oder öfteren Umtausch in den Mühlen leicht begegnen kann. Die Beigabe von etwas Kochsalz sowie die Aufbewahrung in dicht verschlossenen Gefäßen im Kühlen und Dunkelen verlängern die Haltbarkeit sehr. Umr-innig lider hüntflidif pnamtitf?!: Der Bundes rat hat eine neue Verordnung über künstliche Düngemittel erlassen, die in verschiedener Hinsicht die bisher nach der Bekanntmachung vom 11. Januar 1916, Reichsgefetzvl. S. 13, geltenden Vorschriften abändett. Da letztere Verordnung durch eine Anzahl späterer Aenderungen erheblich an Uebersicht verloren hatte, bringt die neue Verordnung eine vollständige Neufassung des Wortlautes, der unter anderem auch einige Zweifel wegen der Auslegung der bisherigen Vesttm. mungen über die Kleinhandels- und Lagerzuschläge beseittgen soll. Die Berechnung des Verdienstes der Weiterverkäufer wird eingehend festgelegt. Die gewerbsmäßige Herstellung von Misch, dünger ist an die Genehmigung des Reichskanzlers (Kriegser- nährungsamts) gcbundeiu Von besonderer Wichtigkeit sind die Bestimmungen des § 8, die die gewerbsmäßige Herstellung und den Absatz solch it Düngemittel, deren Preise in der der Verordnung beigefügten Liste eine Festsetzung nicht erfahren haben, gleichfalls von einer Genehmigung des Reichskanzlers (Kriegs- ernährungsamts) abhängig machen. Auf diese Weise ist eine Möglichkeit geschaffen. Düngemittel zweifelhaften Wertes vom Handel auszuschließen. Die der Verordnung beizefugte Liste der Düngemittel und Preise bringt eine mit Rücksicht auf die gestiegenen Erzeugungskosten erforderliche Erhöhung der Preise für Superphosphatr und schwefelsaures Ammoniak mit Wirkung vom 1. Juni 1913 ab. ergehen an alle die zahlreichen Leser unseres Blattes, welche über irgendwelche Obstvorräte, sei es in frischem, sei es in ein- gemachtem oder sonstwie gut verwertbarem Zustande verfüge Die hiesigen Lazarette sind zur Zeit mit vielen Schmerverwundeten belegt, welche an den Leiden und Schmerzen des Krie» ges überaus schwer zu tragen haben. An nicht wenigen haben Amputationen vorgenommen werden müssen. Hohes Fieber und brennende Hitze quälen sie, machen ihre verschmachteter, Lippen trocken und sind Erwecker eines Durstgefühls, das ge. bieterlsch nach Stillung ruft. Durst! Durst! erklingt es wie. der und wieder aus ihrem Munde. Geradezu erschütternd sind die Eindrücke für jeden, welcher diese Stätten des Leidens durch, wandert — keiner wird sie verlassen, ohne die Ileberzeugung' Hier muß geholfen werden und zwar sofort? Gewiß tut die Leitung des Lazaretts alles, was in ihren Kräften steht, aber ihre Mittel sind gegenüber dem großen Bedarf unzureichend. Auch ist der Obsthandel nur unvollkommen in der Lage, den wachsenden Ansprüchen zu genügen, da mehr als sonst zurück, gehalten wird. Deshalb muß die private Hilfe wieder einmal mit demselben Eifer und de selben Einhelligkeit einspringen. wie sie dies früher schon häufig getan hat. — Wir möchten uns dieser Bitte auch für die Fried borg er Lazarette an- schließen. FC. Frankfurt a. M.. 8. August. Die Witwe Anna Marta Eößmann. Kroupnnzenstraße 14 dahier, hat drei Jahve hindurch für ihren Sohn, der während der ganzen Zeit nicht hier war, die Lebensmittelkarten in Empfang genommen. Die Angeklagte wurde zu drei Wochen Gefängnis verurteilt. FC. Frankfurt a. 7. August. Im Preungesheimer Ge. fängnis hat sich ein junger Mann, der dort eine Freiheitsstrafe zu verbüßen hatte, erhängt. st. Bergen, 9. Aug. Das hiesige Königs. Amtsgericht hat den Metzger Nathan Seligmann in Frankfurt a. M., Allerheiligenstraße 63, wegen gewerbsmäßigem Bezüge von Fleisch ohne Fleischkarten und entgeltlicher Weiterveräußerung desselben mit 500 Mark und 1 Woche Gefängnis bestraft. Kirchliche Nachrichten. Evangelische Gemeinde. 11. Sonntag nach Trin., 11. August 1918. Gottesdienst in der Stadtkirche. Vormittags 9% Uhr: Herr Pfarrer K l e b e r g e • Abends 814 Uhr: Herr Pfarrer Weck von Steins. Gottesdienst in der Burgkirche. Vormittags 8 Uhr: Militärgottesdienst. Herr Pfarre- Kleberger. Nachm. 2 Uhr: Katechismuslehre für Me männliche Jugend. Herr Pfarrer Kleberger. Gottesdienst im Stadtteil Fauerbach. Vormittags 10 Uhr. Anschließend Katechismuslehre für die Jünglinge. Katholische Gemeinde Sonntag, den 11. August 1918, 12. Sonntag nach Pfingsten. Beichtgelegenheit am Samstag von 6 Uhr an und Sonntags früh von 6 Uhr an, %7 Uhr Frühmesse. 8 Uhr hl. Messe. ,%10 Uhr Hochamt mit Predigt. Nachmittags 2*4 Uhr Herz-Mariä-Bruderschafts-Andacht mit Segen. Während der Woche: Um 7 Uhr hl. Messe. Nach dem Hochamt keine Ausgabe von Büchern aus der VorromäuZ-Bücherei. Ausgabe m KieneirMer pir HerbßMming. Die Einkaufsgefellschaft für das Großherzogtum Hessen m.b. H., Mainz, hat soeben die Bezugsscheine für Bienenzucker zur Herbstfütterung an die Bürgermeistereien zur Weitergabe an die Bienenzüchter gesandt. Auf das Volk entfallen 5 Kg. Zucker, und zwar nur versteuerter Zucker, da infolge Arbeiter- und Kohlenmangel unversteuerter (vergällter) Bienenzncker von den frachtgünstigen benachbarten Fabriken nicht beschafft werden konnte. Im Interesse der einzelnen Imker liegt es, sofort ihren Bezugsschein bei ihrer Bürgermeisterei anzufordern, damit sie die. Herbst- fütterung rechtzeitig vornehmen können. Vom Felde der Ehre. Verantwortlich für den politischen und lokalen lei'- Otto Hirsche!. Friedberg; fiir den Anzeigenteil' N. Hevner. Friedberg. Druck und Verlag der „Neuen Tageszeitung". A- G.. Friedberg i H ...igga Krlrmmtmachuttg. Nächsten Mittwoch, den 14. August, verteilen wir in der alte» Post Land-Eier Zeiteinteilung wie bei der Vuttervsrteilung. Es werden abgegeben: auf Eierkarle blau, Marke 1, 1 Ei zu 32 Pfg. Gegen Vorlage der kreisamtlichen Bescheinigungen, auf Eierkarre rot, Marke 1, 1 Et zu 32 Pfg. Die Eierkarten sind vorzulegen. Einzeln abgetrennte Marken sind wettlos. Friedberg, den 9. August 1918. Der Bürgermeister Niederwöllstadt. Lcmdsturmlnann Jakob Frank, z. Zt. im Osten, Sohn des Metzgermeisters Frank, Hier, erhielt das Eiserne Kreuz. . Nieder-Florstadt. Dem Sergeant Leopold Kahn, Sohn des H. Kahn, wurde aus Anlaß besonderer Tapferkeit das bayr. Vevdienstkreuz mit Krone und Schmettern verliehen, nachdem er bereits das Eiserne Kreuz zweiter Klasse, Tapferkeitsmedaille und das neunjährige Dienstzeichen erhalten hatte. Ober-Eschbach. Dem Landsturmmann Lind von hier, zur Zeit im Landsturm-Jnst.-Batl. Friedberg, wurde das Eiserne Kreuz verliehen. Ans der Heimat. Nochmals Bronzeglocken und Orgelpfeifen. (Berichtigung.)' In dem betr. vorgestrigen Artikel ist ein Druckfehler zu berichtigen. In Zeile 18 muß es heißen, nicht nur sämtliche stummen (nicht Stimmen), sondern auch klingende Metallpfeifen in großer Zahl usw. Obst herbei für unsere Lazarette! Die „Butzbacher Zeitung" schreibt: Ein wahrer Notschrei muß heute von dieser Stelle aus I. V.: Dam m. Kekannturachung. Nächsten Montag, den 12. August, verteilen wir in der alteO Post durch die hiesigen Kolonialwarenhändler - r ^ Käse. Zeiteinteilung wie bei der Butterverteilung^ Für jede auf der Lebensmittelkarte verzeichnete Person werdet 60 Gramm zn 22 Pfennig verabfolgt. Die Lebensmittelkarten sind vorzulegen. Friedberg, den 9. August 1918. Der Bürgermeister I. V.: Damm. Ein schwarzer Rehpintscher zwischen Ulfa und Borsdorf zugelaufen und kann gegen Jn- feratengebühr und Futtergeld abgeholt werden. Frankfutt a. M., Ebsteinerftr. 30. Guterhaltenes Piano von solider Konstruktion gegen Kasse zu taufen gesucht. Angeb ote unter F. V. 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Aus diese Weise empslnoet man beim Mittagessen m den fleischlosen Wochen nicht das gehlen von Fleiich, sondern alle Suppen erhalten durch „Ob ena einen krüitigen Fleischgeschmack. „Ohiena" ist in den meisten Geschalten der Lebensm.tletoranche täuflich zu folgenden Preisen: Vi Psd. netto Mk. 5.l.5 Vs Pio. neito'^tt. 2.90 Vi Pfb. netto Mk. 1.60. Mohr & Co., G. ni. b. .. Altona-Elbe. LandwsrfscbaftlicSie Maschinen aller Hrt, in bestbewährten Fabrikaten, offeriert Zweigstelle Friedberg. Telefon Nr. 42. Blusenselsle Kleiderseide Manfieiseide Hdi. v. d. Emde, Friedberg. Kaiserstraße 125, Ecke Hospitalgasse. Frisch eingetroffen: 12 KüllieueinAlungeL in Kiefern-Holz, 8 SpeisezilWtt, 14 Sdjfafpmifier bei ©. M. Reust, Friedber-r. ISP' KilliniS«, friflra, iarliru, Kcke, Jlinjfl, nirgends besser, nirgends billiger wie bei LÄÄsff Bleciisiein* t'riedlierp i. ES. Sdiiilflr. 15. I>!don Nr. 459. Größtes Laser am Platze! chjSMl lange v s runde, nt- KoUrieejamen, reg. 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