Uuinmer 185 Einzelpreis w IS Freitag, den 9. August 1918 17. Die ..Neue Tageszeitung'' erscheint jeden Werktag. Regelmäßige Beilagen „Der Kauer aus Hessen". „Die Zpmnstnbe". Bezugspreis: Bei den Postanstalten vierteljährlich 3Jtl IM hinzu tritt noch das Bestellgeld; bei den Aaenten monatlich 85 Pjg. einschließlich Trägerlohn. Anzeigen: Grundzeile 25 Pfg., lokale 20 Big., Anzeigen von auswärts werden durch PostnachnahmO erhoben. Erfüllunasort Friedberg. Hchriftleitung und Verlag Friedberg (Hessen). Hanauerstraße 12. Fernsprecher 48. Postscheck-Lonto Nr. 4859. Amt Frankfurt a. M. Eine >!k!>k sri«iBsch-k»zlijlhk Offk»ji«r. Der Feind in unsere Stellungen ringedrungeu. — Gin KufLangriss aufValona. — 57000 Tonnen versenlrt. ] Der deutsche Generalstal» s== meldet: M. T. D. Großes HauptqnarUer. den 8. Angust Amtlich. Westlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe Kronprinz Nupp recht. Beiderseits der Lys schlugen wir englische-Teilvorstöße zurück. Nördlich der Somme führte der Feind heftige Gegenangriffe gegen unsere neuen Linien beiderseits der Straße Bray-Corbie. Sie wurden abgewiesen. Während der Nacht zeitweilig anflebende Artillerietätigkeit und Erkundungsgefechte. Westlich von Montdidier scheiterte ein Tcilangriff der Franzosen. Heeresgruppe Deutscher Kronprinz. Zwischen S o i s s o n s und Reims lebte der Feuer- 'kämpf nur vorübergehend auf. Kleinere Jnfanteriekämpse in der Aisne und V e f l e und nördlich von Reims. Heeresgruppe Herzog Albrecht. In den Vogesen erfolgreicher Vorstoß in die feindlichen Linien am Schratzmännele. » Leutnant Freiherr v. B o e r i g k errang seinen 20. Luftsieg. Der Erste Generalgnartlermcistcr: Ludendorfs. AS-endl>er>c1>t. Eine neue femdliche Offensive. Berlin, 8. Aug, abends. (WB. Amtlich.) Angriff der Engländer zwischen Ancre und Avre.. Der Feind ist in unsere Stellungen eingedrungen. • Feindliche Meldungen. Französischer Bericht vom 8. August 2 Uhr nachm. Heute morgen um 5 Uhr griffen die französischen Truppen vereint mit den britischen Truppen in der Gegend südöstlich von Amiens an. T^r Angriff entwickelte sich unter günstigen Verhältnissen., Englischer Bericht vom 8. August vormittags. Die britische vierte und die französische erste Armee unter dem Befehl des Marsckalls Haig sind beim Morgengrauen auf einer breiten Front östlich und südöstlich von Amiens zuin Angriff übergegangen. Der Angriff entwickelt sich befriedigend. Der österreichische Geueraistab Wien, 8. August. (WTB. Nichtamtlich.) Amtlich wird erloutbart: An der italienischen Front keine größeren Kampfhandlungen. In Albanien griff ein aus Land- und Seefliegern zu- "ummen ge letztes Bonibengeschiwader- den italienischen Flugplatz sdülich von Varona an. Reiche Feuer- und Rauchentwicklung zeugte für den Erfolg des Unternehmens. Der Chef des Generalstnbcs. ■Trt-j. iir'nsche Hauptquartier =B=s=a± meldet: ' onstantinopel, 7 Ang. (WB. Nichtamtlich. General- stab» -ericht. Palästinafront- Ein von mehreren feindlichen Kom- fxlgmen gestern Nackt gegen unsere Stellungen bei Rafat unternommener Angriff brach blutig zusammen.' Nach längerem Feuergefecht wurde der Gegner in seine Ausgangsstellungen zurückgeworfen. Tagsüber lag schwaches Artillerie- fener auf den beiderseitigen Stellungen und auf dem'Hintergelände. Sonst keine Ereignisse von Bedeutung. Don der Westfront. r ■ Ehiasso, 7. Allgust. Ein Londoner Bericht des „Corpore della Sera" erklärt den deutschen Rückzug in der .Ancregegend mit Ueberschwemmnnaen wegen des Reaenwet- ters. Englische Frontkorrespondenten äußern sich sehr vorsichtig über den vermutlichen Fortgang der Operationen, um keinen unberechtigten Optimismus zu züchten. Die deutschen Eisenkräfte. Genf, 8. August. Der Militärkritiker des „Temps" schreibt: Der deutsche Rückzug wurde ganz hervorragend durchgeführt. Der Schreiber tritt energisch dem Märchen von einer Depression bei den Deutschen entgegen. Die Deutschen würden in den nächsten Monaten ihren Gegnern mit Eisenkräften gegenüberstehen. Schweres stehe den Ententetruppen in nächster Zeit noch bevor, es gibt aber kein Zurück mehr. Zwischen den Schlachten. Genf, 8. August. Der „Temps" meldet:' Die Frontlage zeigt in den beiden letzten Tagen Beeinträchtigungen durch die zunehmende Stabilität der neuen feindlichen Linie. Die Wiederaufnahme der deutschen Fernbeschießung aus Paris läßt den Schluß zu, daß wir vor Gegenangriffen des Feindes stehen. Der „Temps" und der „Matin" schreiben, daß eine neue Sitzung des Ententekriegsrates voraussichtlich am 14. August stattfinden werde. Die neue Lage im Westen. Zur Zurücknahme unserer Front auf die Sehne Soissons- Reims wird geschrieben: Der strategische Rückzug von der Marne-Linie her, den unsere Heeresleitung in den letzten Tagen durchgeführl hat, hat unsere Front bis an die Desle zurückgeführt. Dabei sind neben einer Anzahl unwichtiger Ortschaften auch die beiden wichtigeren Städte S o i s s o n s und F i s m e s von uns aufgegeben worden. Auch hierbei ist aber in Betracht zu ziehen, daß die beiden Städte, die ehemals, d. h. vor Beginn der deutschen Mai- offensive. im französischen Bertoibizungsplan eine ganz hervorragende Rolle spielten, in ihrem jetzigen Zustand — besonders Soisions ist nach der Einnahme durch die Deutschen von den Franzosen beständig beschosien worden — kaum je wieder die Bedeutung siir den Gegner bekommen können, die sie ehemals gehabt haben. Daß sie aber von deutscher Seite aufgegeben wurden, beweist, daß ihr Weit für unsere Heerfiihrung infolge der veränderten Sachlage, die durch die feindliche Eegenoffen. sive hecbeigeführt worden war, sich stark vermindert hatte. Die Bedeutung von Soisions lag, nachdem einmal der Entschluß unserer Obersten Heeresleitung feststand, den Marnebogen zu räumen, lediglich in seiner Wirksamkeit als Drehpunkt unserer Rückwärtsbewegung, die an der genannten Stadt ihren festen Halt fand. Nachdem nun diese Rückwärtsbewegung mit dem Erreichen der Bogensehne, die durch das nördliche Vesleufer bezeicknet wird, durchgeführt war. hatte Soisions seine Aufgabe für uns erfüllt, die Stadt konnte darum anstandslos aufgegeben werden. Für die Franzosen, deren Moral schon seit langem einer kleinen Auffrischung bedurfte, war der strategische Rückzug der Deutschen eine willkommene Gelegenheit, um endlich einmal einen „Sieg" zu feiern. Die offiziellen französischen Berichte stellen es nämlich so dar, als ob ihnen das geräumte Gebiet nach fürchterlichen, für sie siegreich verlaufenen Kämpfen, in die Hände gefallender. Sie berauschen sich an der großen Zahl von Dörfern. Marktflecken und Gehöften, die ihnen als den , Eroberern" in die Hände gefallen seien. Nur ganz wenige nüchterne Stimmen auf Feindesseite erkennen an, daß die deutschen Bewegungen völlig planmäßig und ohne Verluste verlaufen sind. Selbst , Havas" bequenct sich allmählich zuzuge- ! stehen, daß die Deutschen ihr gesamtes Material fortsihaffen, alle Wälder und die Ernte auf den Feldern vernichten konnten, , und daß die Franzosen nicht einmal Gefangene zu machen vermochten.^ Ebenso erkennen die „Times" an, daß die deutsche Nückwärtsbewegung in bester Ordnung mit bewunderungswürdiger Meisterschaft durchgeführt worden sei. Damit werden zugleich die ersten französischen Berichte richtig gestellt, die geradezu abenteuerliche Ecfangensnziffern meldeten. Tatsächlich aber sind eine größere Anzahl Deutscher dem Feinde nur, wie dies bei Angriffsoxerationen größeren Stils dte Regel zu sein pflogt, bei dem ersten Hauptstoß Fachs in die Hände gefallen. Diese erste Gesangcnenziffer, die von den Franzosen mit 17 000 angegeben wurde, kann sich späterhin nur um die Verhältnis, mäßig wenig zahlreichen Mannschaften vermehrt haben, die als Nachhut die deutschen Bewegungen zu verdecken hatten und dabei nicht mehr rcchtzeitig den Anschluß an ihre Truppenteile finden konnten. Da gerade die Räumung des Mameboaeus in der Absicht vollzogen wurde, soweit als möglich eigenes Menschenmaterial zu schonen so war es selbstverständlich, daß dt» Rückwärtsbewegung in so methodischer Weise vor sich gehe» mußte, daß auch hierbei möglichst wenig Verluste vorkamen. Dies wurde dadurch erreicht, daß unsere Front nicht auf einmal bis auf dis in Aussicht genommene Vesle-Stellung zurück^«- führt wurde, sondern dergestalt, daß nacheinander in mehren Kampflinien Halt gemacht wurde, von denen aus der Angriff des Gegners unter schworen Verlusten für diesen aufgehalten wurde. Unsere Gegner schreien also zu früh Sieg. Die Vesonnere« unter ihnen wissen allerdings, daß es mit den strategischen Rücksichten Hindenburgs stets eins eigene Bewandtnis hatte. Sie begnügten sich nicht damit, den feindlichen Operalionsplan in empfindlicher Weife zu stören, sie legten zugleich noch immer den Grund für eine Angriffe Operation großen Stils, bei der der Gegner meist zu spät einsah, daß für ihn, wie man zu sage« pflegt, weniger mehr gewesen wäre. Dies gilt auch von dem jetzigen Erfolge, auf dessen Auswirkung zu ihren Gunsten unsere Gegner vergeblich warten werden. Zur Ke-chießimg von Paris. Rotterdam, 8. August. Nach Pariser Meldungen der holländischen Zeitungen wird die Pariser Bevölkerung vor» der Regierung aufgefordert, die durch die Beschießung verursachten bedauerlicken Zerstörungen als unvermeidlich hinzunehmen. Der Ton der Havasnote läßt erkennen, daß auch die Zahl der Opfer sehr bedeutend ist. 57 000 Tonnen verjenkt. Die Torpedierung der „Jnftreia." Berlin. 7. Aug. (WB. Amtlich.) Eines unserer U-Boote. Kcmmandant Kapitänleutnant v. Sckrader, beschädigte an der Ncrdküste Irlands den stark gesicherten Dampfer „Justitia" von d 32120 Bruttoregistortonnen durch mehrere Torpedotreffer so stark, daß das Schiff am folgenden Tage durch das vom Oberleutnant z. S v. R u ck t e f ch e l l befehligte U-Boot trotz Bedeckung durch 18 Zerstörer und 16 Fischdampfer endgültig versenkt werden konnte. Infolge sehr ähnlicher Bauart wurde das Schiff zunäcbk irrtümlich für den früheren deutschen Dampfer „Vaterland" gehalten. Das U-Boot schoß außerdem noch zwei große Dampfer, davon einen vom Typ „Franconta" (18 000 Bruttoregistertcnnen) aus stark gesicherten Geleitziigen an der Westküste Englands heraus, rund insgesamt 57 000 Bruttoregistertonnen. Der Chef de§ Admiralität»?- dcr Marine. Rußland. Kiew, 3. Aug. (WV.) Der Eisenbahnerstreik geht zu Ende. Auf den meisten Strecken ist der Verkehr bereits fast normal. Die Zahl der Arbeitswilligen wächst ständig. In einigen T^geir ist die volle Wiederaufnahme erfolgt zu den alten Bedingungen. Somit kann der Streik als mißlungen angesehen werden. Di« gewünschte Aufbesserung der wirtschaftlichen Lage kann mir all. mählich erfolgen, da der Streik sowohl den Staat wie die Eisenbahn finanziell schwer geschädigt hat. Laut „Kiew5-kaaj Msyl" hak die Donregierung alle für deutsche Staatsangehörige während des Krieges geschaffenen Beschränkungen aufgehoben. Die Zeitungen melden^ daß die Kosaken im Norddongebieß einen wichtigen Erfolg erzielt haben durch Besetzung der Bcchw. linie von Zarizin nach Norden. Zarizin ist dadurch vom Norde» abgeschnitten. Wladikawkas wird belagert und sein Schicksal ist seit Aufga-U der Station Vcslan entschieden. Zürich, 8 August. Der „Secolo" meldet: An der Bs« setzung von Archangelsk durch die Alliierten niimnt auF eine italienische Truppenabteilnng teil. Die Stärke iwa Ententetruppen in Archangelsk und an der Murmanküs^ ist vorerst mit zwei Divisionen anzugeben. Amerikani-ßA Truppen sind den Operationen bisher serngebIieben.^M Charbin, 8. August. (WB.) Meldung des ReutersHe*' Bureaus. Semenow geht nach Wladiwostok. Sein« Trup» Pen sollen zwisck>en Hnilar und der Station Mandschwct- stehen, wo sie die Tschecho-Slowaken erwarten. In WghS Wostok sind englische Truppen gelandet. Fortschritte der Volschewistengegner. Archangelsk, 4. August. (WB.) Reutermeldung. Kn der vergangenen Nacht besetzten die Bolschewik!, die Verstärkung erhalten hatten, Tiakowgora, die nächste Station von Arclxlngelsk. wurden jedoch von der Weißen Garde vertrieben. Nach Telegrammen aus Mehen (Mesen?) und Pinega (Onega?), nordwestlich und östlich von Archangelsk, ist in verschiedenen Bezirken eine Gegenrevolution gegen eie Bolschewisten ansgebroclien. Es wird gemeldet, daß drei Flußboote gestrandet seien und deren bolschewistisch? Mannschaft geflüchtet ist. Die Einmischung des Verbandes. Rotterdam, 8 Aug. Die „Morningpost" meldet: Lloyd George wird in kommender Woche iiber Englands Teilnahme an den militärischen Unternehmungen in Rußland und Sibirien sprechen. Tie „Times" berichten: Die Ministerien der Verbündeten haben einen gemeinsamen Oberbefehlshaber für die Unternehmungen in Archangelsk und an der Murmanküste eingesetzt und einen Aufruf an das russische Volk beschlossen. Die verhafteten Staatsangehörigen des Verbandes in Petersburg und Moskau wurden freigelassen, ledoch mit der Aufforderung, Rußland innerhalb 8 Tagen zu verlassen. Der Petersburger Berichterstatter des „Daily Expreß" meldet, daß Wladiwostok und das Land im Umkreise von 10 Kilometern um die Stadt in den Händen der Verbündeten sei. Eine starke Truppenmacht von 12 000 japanischen Soldaten sei in Wladiwostok gelandet worden, sie wurde durch sechs Schlachtschiffe und Kreuzer geschützt, die bereit waren, - im Falle eines Widerstandes zu Lande von See aus Hilfe zu leisten. Amerikanische und britische Schiffe arbeiteten mit japanischen zusammen. Viele Deutsche wurden gefangen genommen. Amerikas Eingreifen in Sibirien. London. 6. August. (WB.) Reuter-Meldung. Ausführlicher Bericht. Der stellvertretende Staatssekretär der Vereinigten Staaten veröffentlicht folgende Erklärung an die Presse über die amerikanisch-japanische Aktion in-Sibirien: Nach dem Urteil der Regierung der Vereinigten Staaten, zu dem lle nach wiederholter, eingehender Untersuchung der ganzen Lage gelangt ist, würde eine m-litärische Intervention in Rußland wahrscheinlich mehr zur Vergrößerung der jetzigen Verwirrung als zur Sanierung der Lage beitragen und Ruß. !and eher schädigen, als ihm aus leinen jetzigen Schwierigkeiten heraushelfen. Eine solche militärische Intervention, wie sie wiederholt vorgeschlagen worden war, würde ihrer Ansicht nach selbst wenn sie bezüglich ihres unmittelbaren Zieles, eines Angriffes auf Deutschland von Osten her, wirksam wäre, wahrscheinlich mehr daraus hinauslaufen, daß Rußland als Werkzeug benutzt wird, als daß der Bevölkerung damit gedient würde. Selbst wenn sie davon Nutzen zöge, so wurden doch nicht alle rechtzeitig davon Nutzen Ziehen, um sich aus ihren jetzigen verzweifelten Schwierigkeiten zu befreien, und inzwischen würde ihr Eigentum dazu verwendet werden, fremde Armeen zu erhalten, und nicht dazu, ihre eigenen Angelegenheiten wieder in Ordnung zu bringen oder ihre Männer, Frauen und Kinder zu ernähren. Wir verlegen jetzt unsere ganze Energie darauf, um jeden Preis an der Westfront zu siegen. Es würde nach dem Urteil der Vereinigten Staaten höchst unklug fern, unter den gegenwärtigen Umständen unsere Streitkräste zu teilen oder zu vergeuden. Deshalb ist eine militärische Aktion in Rußland nur insofern möglich, als damit den Tfchecho-Slowaken viel Nutzen und Hilfe gegen die bewaffneten deutschen und Lsterre-i- chischen Kriegsgefangenen die sie angre-fen, gewahrt wird, als damit diejenigen Bemühungen nach Selbstregierung oder Selbstverteidigung unterstützt werden, für die die Russen selbst von Wladiwostok, Mur man und Archangelsk Beistand anzunehmen geneigt lind. Vorläufig werden die amerikanischen Truppen nur datzu verwendet werden, militärische Vorräte zu bewachen, die später von den rus"'chen Streitkräften benötigt werden kön. nen, und solche Unterstützung zu leisten, wie sie die Russen bei der Organisierung ihrer eigenen Selbstverteidigung für er. wünscht halten. Die Vereinigten Staaten und Japan sind die einzigen Mächte, die im gegenwärtigen Augenblick imstande sind, in Sibirien in genügender Stärke aufzutreten, um diese verschiedenen. oben dargelegten Ausgaben cvuszuführen. Die Regierung der Vereinigen Starten hat deshalb der japanischen Regierung vorz»''' . daß jede der beiden Regierungen eine Abteilung von c tn tausend Mann (fow tlrousand men) zu dem Zwecke nach Wladiwostok schicken soll, um bei der Besetzung von Wladiwostok als einheitliche Treuppe gemeinsam aufzutreten. Die japanische Regierung hat diesem Unternehmen zugestimmt. Die Regierung der Vereinigten Staaten wünscht der Bevölkerung Rußlands öffentlich und feierlich mitzuteilen, daß str keine Einmischung m die politische Souveränität Rußlands und keine Intervention in seine inneren Angelegenheiten, auch nicht in lokale Angelegenheiten begrenzter Gebiete, die ihre Truppen vielleicht besetzen werden müssen, und keine Beeinträchtigung seiner fc-rtorinle« Integrität w ver jetzt noch später beabsich- Ege. Es verlautet, daß die japanische Negierung eine ähnliche Austche. ng veröffentlichen wird. Diese Pläne und Absichten der Bereinigten Staaten wurden den Regierungen Großbritanniens. Frankreichs und Ita- kiens mitgetult: und diese Regierungen haben dem Staats- departentLUt erklärt, daß sie ihnen im Prinzip zustimmen. Mt Sfnong in Kiew nach dem Attentat. Aus Kiew wird gedrahtet: Die Ermordung des Generalfeldmarschalls v. Eichhorn und seines Aktanten Hauptmann v. Dreßler hat auf die Kiewec Bevölkerung einen tiefen Eindruck gemacht. Die Angehörigen oller Parteien sind in der BeurteAuna der Untat einig. Die Presse, die doch sonst keineswegs einmütig deutschfreundlich ist, erklärte sich durchweg gegen das Verbrechen. Die Ukraine und Rußland verlangen nach Ruhe und Frieden, und die Deutschen haben sie ihnen gebracht. In einem sind, mit Ausnahme einzelner Leute, die nichts zu verlieren haben, alle gleicher Ansicht: „Gehen die Deutschen fort, so beginnt die Schreckensherrschaft des Pöbels wieder: den Deutschen verdanken wir die Erhaltung von Hab und Gut " Und nun die schwere Herausforderung der Deutschen' Man fragt nach Sinn und Zweck des Verbrechens und rst achfelzuckend nur einer Meinung: Die Entente will den Frieden im Osten Europas' nicht und bedient sich zu seiner Störung der Sozialrevolutionäre. Wie ein roter Faden zieht sich diese Ansicht durch alle Acußerungen der intelligenten Kreise Kiews. Daneben die Befürchtung, die Untat-könnte der Auftakt neuer terroristischer Handlungen sein unä> die vernünftige Erwägung: An die Stelle eines jeden der Ermeuchelten tritt ein Ersatzmann, und die deutsche Politik läßt sich nicht durch Mordbuben beeinflussen. Der dtnIlill-franMjchs MlNimrii-Aiü'Mjlh. Berlin, 8 . Aug. Wie die „Norddeutsche Allgemeine Zeitung" mitteilt, ist der zwischen Deutschland und Frankreich vereinbarte Austausch der mehr als achtzehn Monate in Kriegsgefangenschaft befindlichen Heeresangehörigen und der Zivilinternierten seit Mitte Juli im Gange. Bisher sind aus Frankreich 800 Offiziere. 1600 Unteroffiziere und Mannschaften und 1100 Zivilinternierte zuriickgekehrt. Eine entsprechende Zahl von Franzosen ist aus Deutschland entlassen worden. Die für den Austausch von Land zu Land beiderseits vorgesehene Zahl von mindestens 3000 Unteroffizieren und Mannschaften konnte leider nicht annähernd erreicht werden, da Frankreich die dazu erforderlichen drei Züge in der Woche nicht stellen konnte und selbstverständlich die Zahl der aus Deutschland zu entlassenden Franzosen sich nach der Zahl der Deutschen richten muß, die aus Frankreich eintteffen. Die unnnrüdjfn firfmingm rich Ocßmnch. Budapest, 6 Aug. (WB.) Der Minister für Volksernährung Fürst Ludwig Windischgraetz beantwortete im Reichstag eine vom Grafen Tifza an ihn gerichtete Interpellatton über die Ernährungsfcagen. Der Minister erörterte die von seiten zweier österreichischer Regierungen erhobene Klage, daß Ungarn in sehr geringem Maße Oesterreich ausgeholfen habe, und erklärte: Dies entspricht insofern nicht der Wahrheit, als die Verpflegung der Armee ausschließlich von Ungarn besorgt worden ist. Die österreichische Bevölkerung wurde allerdings mit Rücksicht darauf, daß wir im Vorjahre eine schwache Ernte von 80-90 Millionen Meterzentnern gegen 130 Millionen rm Frieden hatten und nur über geringe Ueberschüsse verfügten, nur in geringem Maße mit Getteide unterstützt. Trotz alledem muß ich feststellen, daß einzig und ausschließlich die aufopfernde Wirtschaftspolitik Ungarns es ermöglicht hat, wrß die Monarchie imstande gewesen ist, während der vier Kriegsjohre durchzuhalten. Im Verlauf des Krieges haben wir Oesterreich ungefähr 7 Millionen Meterzentner Getreide zur Verfügung gestellt. Künftighin ist dafür gesorgt, daß die Aushilfe für Oesterreich derart geschehen wird, daß als Gegenwert für die Getreideversorgung an Ungarn Rohstoffe und Industtieprodukte geliefert werden. In die gegenseitig aufzu. rechnende Menge Getteide wird auch jenes Quantum eingerechnet das Ungarn für die Versorgung des österreichischen Teils der Armee liefert. Zu der Bemerkung Tifzas, daß der Minister in feiner letzten Parlament-rüde kein treues Bild der Verpflegung des Landes gegeben habe, erwähnte der Minister, daß bei seinem Amtsanttitt 2 Millionen Meterzentner zur Verfügung gestanden hätten, womit die Verpflegung des Landes nur bis zum 15. März gesichert werden konnte. Er fei daher genöttgt gewesen, zur Sicherung der Verpflegung von diesem Zeitpunkt an die Requirierung anzuordnen. Diese Maßnahme habe bewirkt, daß die für die letzten drei Monate des Wirtschaftsjahrs erforderliche Menge von Getteide zum Vorschein gelangte. Die Versorgung des Landes m diesen Monaten sei nicht schlechter gewesen als in der entsprechenden Zeit des Vorjahrs. Windischgraetz beendete seine Rede folgendermaßen: Wir müssen darüber im Klaren sein, daß die Entscheidung des Krieges im fünften- Jahre nicht so sehr von militärischen Aktionen, wie von der Leistungsfähigkeit unserer wirtschaftlichen Organisation abhängt. Ein englischer Minister hat getagt, daß der Krieg durch die letzte silberne Kugel entschieden werde. Ich möchte jedoch behaupten, nicht Geld,, sondern der letzte Bissen Brot,. über den wir zu verfügen haben werden, wird dce Entscheidrurg fein, und wir müssen durch Sparsamkeit und Fähigkeit zur Aufopferung beweisen, daß wir tm Hinterlande würdig sind jenes unvergleichlichen Heldenmutes und der Aufopferung die unsere Soldaten auf den Schlachtfeldern beweisen. » Budapest, 6 . Aug. (WB.) Das Amtsblatt veröffentlicht eine Regierungsverordung, wonach von der künftigen Woche an die Dienstage und Freitage als fleischlose, die Donnerstage als fettlose Tage gellen. Auch an den übrigen Tagen darf in den Cpeiselokalen an eine Person nur eine Fleischspeise verabreicht werden. Drohrnde iolfiuig der Sliliml Wen den (niidesßreüi in der Schweis. Zürich, 6 . August. Die Vertrete der zürcherischen land-wirtschaftlichen Kantonalveveine und der zürcherischen Bauernpartei, waren am Montag in Zürich versammelt zwecks Stellungnahme in Sachen des Generalstreiks und der Rationterungsmaßnahmen. ^hre Beschlüsse gipfelten in der Absendung von Telegrammen an den Bundesrat, an den Zentraloerband schweizerischer Milchproduzenten und an den schweizerischen Bauernverband. Im Telegramm an den Bundesrat erwarten die Vertreter des zürcherischen landwirtschaftlichen Kantonalvereins und der Bauern. Partei, vatz der Bundesrat im Falle des Landesstreiks feste Hans zeige und jede weitere Konzession an das Oltener Aktionskomitee verweigere. Gegen die vcn diesem Komitee verfolgte Poli- ttk der Erpressung wird protestiert und Vorbehalten, selbständige Gegenmaßnahmen zu treffen. Das Bauernvolk ist nicht gewillt, länger in Passivität zu verharren. In einem weitere« Telegramm an den Präsidenten des Zentralverbandes schweizerischer Milchproduzenten, Oberst Bär (Winterthur) wird dieser ersucht, unv"rzüglich die nötigen Maßnahmen zu treffen für dir Verwertung der Konsummilch im Falle des Landesstreiks. In einem dritten Telegramm an dnr Präsidenten des schweizerischen Bauernverbandes, Nationalrat Jenny (Worblausen. Bern), wird dieser d-ringend ersucht, den Vorstand des schweizer rischen Bauernverbandes möglichst rasch einzuberufen zur Beschlußfassung über die Stellungnahme der Bauernsame in Sache« des angedrohten Landesstreiks und der Ratiomerungsmaß» nahmen. Unser HrimaMftlchntz. Seit einem Jahr drohen unsere Gegner, das Heimatgebier mit Bombengeschwadern ungeahnter Größe heimzusuchen. unser« Städte zu zerstören und in die friedliche Bevölkerung Tod unL Verderben zu tragen. Fieberhaft haben sie die ganze Zeit an der Verwirklichung dieser, in Wort und Schrift immer wieder bckanntgogebenen Pläne gearbeitet Doch war auch der Heimat- fchutz in der Zwischenzeit nicht müßig. Ohne große Ankündigungen wurden in aller Stille Gegenmaßnahmen verbreitet und ausgebaut, die dem Feind in letzter Zett wiederholt empfindliche Verluste beigebracht haben. So erlitt er am 31. Juli, als er einen größeren Bombenflug auf das Soaraebiet unternahm, eine schwere Schlappe, die ihm unzlverdeutig bewies, was seiner bei Angriffen -auf das Heimatgebiet in Zukunft wartet. Mit mehreren Geschwadern stteß er über die Front vor und griff Saarbrücken an. Zwar gelangte er bei der Schnelligkeit seiner Flugzeuge schon nach wenigen Minuten ans Ziel. Diese Zeit hatte aber genügt, ihm einen vernichtenden Empfang 31 bereiten. Während ihm die Abwehrgeschütze ihren Geschoß» Hagel entgegenspieen, griffen ihn die Kampfflieger von Saarbrücken mit gewohntem Schneid an. Der genau und blitzschnell arbeitende Flugmeldedienst hatte aber überdies für das recht, zeitige Eintreffen weiterer Verstärkung gesorgt. Von allen Seiten eilten andere Kampfstaffeln heran. Fünf Kampfflieger. formationen packten den Feind in frischem Dvaufgehm und ließen nicht von ihm ab, als er sich zur Flucht wandte. Einen feindlichen Flieger nach dem anderen erreichte sein Schicksal. Trotz der eiligen Flucht und ttotz der tapferen Gegenwehr der Flugzeuginsassen verlor der Feind sieben Flugzeuge, die in um sere Hände fielen. Das zuerst angefaßte Geschwader von sechs Flugzeugen wurde völlig vernichtet. Co schloß das 4. Kriegs» jahr auch für den Heimatschutz mit einem stolzen Erfolg. Wird Deiltichlluid parlameninriich werden? Man schreibt der ...Deutschen Tageszeitung": Deutschland hatte im Jahre 1830 28 Millionen Einwohner, im Jahre 1900 56 Millionen Einwohner, im Jahre 1910 66 Millionen Einwohner. Zweifellos hat jeder Deutsche unter diesen 66 Millionen fci Deutschland int Jahre 1910 besser gelebt, als die meisten i« Jahre 1830. Wie ist das möglich? Hatte Deutschland sich große Provinzen zugelegt? Einen Kontinent erobert wie dk Reu-England-Sraaten? Ein Weltteich gegründet, wie Englanh ernst? Nein, lediglich auf deutscher Tüchtigkeit und Arbeitskraft ist die Ernährung dieses Zuwachses von 38 Millione» Menschen aufgebaut gewesen. Zwei Erundquadern sind es, die einander gegenüber liegen, und auf denen dieser kühne Brückenbogen aufgebaut und ausgespannt ist. Der eine Felsblock heißt: Deutscher Unternehmung sg esst. Das eine ist die Tugend des Bürgertums, der schaffenden Gewerbsmannes, des unternehmenden Kaufmanns: Mut und Fleiß. Das andere ist die Tugend des derttschen Beamten. Ordnungsgeist und Pflicht. Sie haben beide einander nötig und können einander nicht entbehren. Es ist wahr, ohne den Unternehmungsgeist des deutschen Kaufmanns, wäre das Deutschs Reich nicht geworden, was es ist, das stolze, junge Weltreich, das jetzt mit dem alte« englischen ringt. Aber ebenso wahr ist: Ohne die feste, gerechte, unbestechliche, klare Ordnung des deutschen Beamtenstaates war« olles Schaffen des Kaufmanns umsonst gewesen. Die feste Ordnung zu Hause, das Fehlen jeder Korruption, die leistungsfähige und im ganzen billige Verwaltung machte erst die ungeheuren Schaffenskräfte frei, daß sie sich ungestört mit ihrer Arbeit nach außen wenden konnten. Weil das Haus daheim s« gut bestellt und behütet war, darum konnte der Deutsche mit Erfolg die ganze Welt zu seinem Feld machen. Möge de» deutsche Kaufmann über aller Beamtentorheit, die ihn jetzt bis aufs Blut quält, nicht vergessen, was er dem deutschen De- amtenstaat für die Vergangenheit schuldig ist. Ordnungssinn ist die große Kraft des deutschen Volkes. Diese Fähigkeit zur Ordnung ist es ja, die es möglich gemacht hat, daß das kleine deutsche Heer andauernd die Uebermacht der ganzen Welt bestehen konnte Wir sagen: „Ordnung" und nicht: „Organisation". Denn was man jetzt mit diesem üble« Vokal belegt, ist nur ein Zerrbild wahrer deutscher Ordrrung. Dieselbe Fähigkeit zur Ordnung, welche jetzt uns beschützt vor dem Hereinbrechen der schmutzigen Völkerfluten in unseren schll. nen Garten Deutschland, diese selbe Fähigkeit wird das deutsche Volk auch Mieder hinaufftihren, es zum Hervenvolk in Europa machen und unser Reich zur Echutzmacht der Völker, welche um unsere Hilfe Litten werden. Wenn wir es nur verstehen, de« rechten und sparsamen Gebrauch von dieser Tugend zu machen' denn wir dürfen diese Kulturkraft draußen auch nicht versck>we-n» den tlnd mißbrauchen, damit sie nicht alltäglich und dadurch verachtet werde und sich nicht unter dem Namen preußischer Buroaukratte verhakt mach«. I.^es Volk hat seine ungeschriebene Verfassung. Das mg« ttsche hat ja nur eine ungeschriebene Verfasiung. das deutsche hat aber auch eine ungeschriebene und diese ist wichtiger als die geschriebene, sie kann auch nicht so leicht geändert werden wie jene. In dieser ungeschriebenen Verfasiung heißt ein wichtiger Paragraph: Große Gebiete des deutschen Volkslebens werden von einem unbestechlichen, nicht parlamentarisch abhängigen Berufsbeamteirtum verwaltet. Das ist so, und das soll io bleiben Wenn etwa umstürzlerische Elemente glauben, hieran etwas andern zu können, etwa aus Staatsfeindschaft dies Staatsbeamtentum entfernen wollten, so würden sie. wenn es ihnen gelänge, das Chaos schaffen, wie in Rußland. Aber ehe es ihnen gelingt, wird sie das deutsche Volk zur deutschen Ordnung und zur ungeschriebenen Verfasiung. zuriickrufen. Darum aber, weil dieser Kulturbau, das deutsche Berufsbeamtentum, da ist und bleiben soll und wird, so ist es nicht möglich, daß wir jemals einen solchen Parlamentarismus bekommen, wie ihn die westlichen Mächte und Amerika haben, welche zu ihrem großen Leidmelen ein gleichwertiges Berufsbeamtentum, das dem Parlament gegenüber unabhängig ist. entbehren. Also wird die deutsche Demokratie immer dualistischen Charakter behalten. Beides wird sich gleich berechtigt und gleich unentbehrlich in den Augen des Volkes gegsnüberst-ehen: Parlament und Ve- rufsbsamtentum. Ein unter die Vorherrschaft des Parlament geknechtetes Beamtentum wäre kein Berufsbeamtentum mehr. Wollte der Parlamentarismus den leichtfertigen Versuch machen, sich dies Beamtentum und gleicherweise das Heer, des. sen Rückgrat der Drufsoffizier ist, ju unterwerfen, so wird er merken, daß diese festen Kulturburgen nicht so leicht zu zerstören sind und daß das deutsche Volk sie verteidigen wird. Man beklagt zuweilen den dualistischen Charakter der ungeschriebenen deutschen Verfasiung. Aber es ist gar nichts daran zu beklagen. Im Gegentett, andere Kulturvölker werden sich befleißigen, ihn nachzuahmen. Es wird ihnen aber nicht so leicht gelingen, denn diese Schöpfung ist entstanden aus d^r mehr als hundertjährigen Arbeit jener vorbildlichen. lebenslänglichen Berufs- beamten der preußischen Könige und anderer deutscher Fürsten. Allerdings ist ebensowenig das deutsche Berufsbeamtentum imstande, allein das Reich und das Volk zu regieren. Das Staatsbeamientum verfällt sehr leicht, gleich wie der Parlamentarismus. der Selbstüberschätzung. Es übernimmt dann > Aufgaben, die es nicht lösen kann, und bringt dadurch Volk > und Staat in Gefahr. In solcher Zeit leben wir jetzt. Es gab schon einmal eine solche Zeit, als de: Freiherr vom Stet« schrieb' „Daß wir fernerhin von besoldeten, buchgelehrten, interesselosen Burecmlisten regiert werden, das geht solange es geht. Eine Maschinerie, die militärische, sah ich fallen am 14. Ott. 1806 (Jena), vielleicht wird auch die Schreib Maschinerie ihren ,14. Oktober haben. Eine zahllose, kostspielige, viel treibende, wenig leistende Beamtenmasie drückt auf unseren Schultern, mischt sich in alle unsere Handlungen und erregt allgemeinen Unwillen über die unbequeme und ungeschickte Vormundschaft." Gerade jetzt im Kriege glaubt das deutsche Beamtentum seine Kraft überschätzen zu dürfen. Und doch muß es als Regel gelten, daß ein Berufsbeamtentum wohl in ruhiger Friedens- arbeit ganz Hervorragendes und Unersetzliches leisten kann, daß aber, wenn Zeiten großer und größter Umwälzungen und Neuordnungen kommen, es allemal versagt. Es ist nur natürlich !und in der Ordnung, wenn in solchen Zeiten das freie Bürger- 'tum dir Führung übernimmt. Das große Staatsbeamtentum vermag sich selbst nicht den Kopi'aufzusetzen und den führenden Mann zu wählen und rm großen Kampf der Ideen die Ent. scheidung zu geben. Das ist bei uns Aufgabe der Krone und diese siebt in Fühlung mit der Volksvertretung. Dazu ist also unentbehrlich das Parlament. Es hat eine hohe und verantwortungsvolle Aufgabe als einer der gesetzgebenden Faktoren. 3l^enn es aber omnipotent werden und sich über die beiden an- ■ deren, Krone und Beamtentum emporschwingen will, so wer- j den ihm Krone und Beamtentum zeigen, daß sie die Stärkeren sind, — zumal im Kriege; denn zum Beamtentum in diesem Sinne gehört auch das siegreiche Heer. Wie in der politischen Arbeit, so im ganzen Volksleben. Es soll nicht der eine Stand sich einbilden, daß er dem anderen sein Daseinsfeld wegnehmen, ihn ersetzen und ausschalten dürfe. Gegenwärtig bildet sich unser Beamtentum ein, die gesamte Wirtschaftspolitik im Kriege meistern zu können» oder vielmehr nicht die Politik, was wohl feine Aufgabe sein könnte, sondern die Wirtschaft selber. Das ist eine Verirrung. Das kann das B«amtentum nicht. Wirtschaftswelt gehört dem freien Bürger. Wenn die Bureaukratie zur Volksquälerei wird, wenn sie, statt das wirtschaftliche Leben zu befördern, es verhindert, so schadet sie dem Volk mehr als die Korruption. Das Volk gleicht dann dem armen Grautier, das, wenn es feine Last nicht mehr wei- tertragen kann, sich niederlegt und stirbt. So ist schon manches Volk zugrunde gegangen. Das Volk ist es, das v :s Beamtentum tragen muß. Die wirtschaftliche Arbett des Volkes ist es, die das Beamtentum ernährt und ihm sein Gehatt zahlt. Möge joder Beamter, der einen Bürger unnötig von einer Behörde zur anderen schickt und mit Schriftlichkeiten aufhält, sich klarmachen, daß in derselben Zeit der Bürger weder für sich noch für ihn nährende Arbeit leisten kann, sondern daß beide zusam- rnen nur lungern. Gegenwärtig bildet sich unser Beamtentum «in, daß es ebensogut selbst wirtschaften könnte. Aber es gibt Nur wenige Gebiete, des Wirtschaftslebens, welche das Derufs- Lcamtentum mit Vorteil beackern kann. Vorbildlich für die deutsche dualistische Verfasiung ist die Städteordnung, das Verhältnis von Beamtentum und Bürger, tum, so, wie es die Meisterhand des großen Staatsmannes, detz Freiherrn vom Stein,, hingeftellt hat. Möge es allen Beteiligten nicht nur in den Rathäusern, sondern auch im Staatshause und im Re-chshause klar sein, daß es zweierlei tätige Diener des Volke; gibt: beamtete und gewählte, beide einander gleich berechtigt und gleich notwendig. Ts wird gut mit der deutschen Cache ftehoro, wenn der Ordnungsgeist den Schasfensgeist nicht erstickt und wenn der Schaffensgeift den Ordnung syefft nicht verachtet. Verschiedenes. Der westfälische Sckinderhannes gefangen. Auf eine höchst eigenartige Weife ist dieser Tage im Lippischen der Langgesuchte rvestfälilsche Räuberhauptmann Stratemann der rächenden Nemesis ins Garn gegangen. Jahrelang waren die Nachforschungen nach diesem berühmten Ein- und Ausbrecher vergeblich geblieben, bis er jetzt endlich durch ein verunglücktes Gastspiel als Nachfolger des Hauptmanns von Köpenick den Anlaß zu seiner Festnahme gegeben hat Am Samstag den 24. v. Mts. erschien ein Unteroffizier und ein Zivilist bei einem Landwirt in Liederbruch und gaben an, beauftragt zu sein, nach dem Vorhandensein von in Umlauf befindlichen falschen 20- und 100- Markscheinen zu forschen. Rach Durchsuchung aller Schränke ufw. des Landwirts wurde nichts verdächtiges gefunden, worauf sich die „Beauftragten" verabschiedeten und ihre „Revisions- tour" fortsetzten. Ihr nächstes Ziel war Landwirt Resie -Nr. 8 zu Resienberz. Hier erschienen sie mit demselben Vorhaben und ließen sich das vorhandene Papiergeld vorzeigen und gaben schließlich an, falsches Papiergeld gesunden zu haben. Herr Resie wurde von dem Zivilisten, der sich als Kriminalbeamter ausgab, für verhaftet erklärt, die Schlüsiel zu seinem Geld- schrank wurden ihm abgenommen. Schließlich ließ man R. in seiner Wohnung, da er seine Uns chuld beteuerte, gab ihm jedoch auf. zunächst nichts zu sagen, sondern die Vorladung zum Generalkommando abwarten. Alsbald entfernten sich die „Abgesandten" und gingen nach Dörentrup, um abzureisen. Hier liefen sie ihrem Schicksal in die Arme. Herrn Resie war inzwischen die ganze Angelegenheit sehr verdächtig vorgekommen, nreshalb er schleunigst nach Dörentrup fuhr, dort dem anwesenden Hilfsgendarm Mitteilung machte der dann die Prüfung der Ausweise vornahm. Sie trugen jeder ein Mesiingschild ftir Kriminalbeamte vom Generalkommando-bei sich und traten sehr energisch und bestimmt auf. Doch der Hilfsgendarm fühlte sich auch incbt ganz sicher, sondern fragte einen zufällig anwesenden Offizier, der schließlich die Verhaftung durch den Hilfsgendarm veranlaßte. So wurden die „Kriminalbeamte" mit Hilfe der Hilfsgenda.rmen von Vogelhorst und Brake, die auf Benachrichtigung zum Bahnhof gekommen waren, nach Lemgo zum Oberwachtmeister Möller und später zum Amtsgerichtsgefängnis gebracht. Bei den nun stattgefundenen Vernehmungen stellte sich heraus, daß es sich um den Fang ganz schwerer Jungen handelt. Der angebliche Unteroffizier trug die Uniform des Inf.-Regts. 15 und wollte zum Ref.-Inf. Regt. 15 gehören. Er gab verschiedene Namen cm. Es stellte sich bei der Vernehmung und Untersuchung heraus, daß es sich um den wefffalischen Räuberhauptmann Stratemann handelt, der schon wiederholt ausgebrgchen ist. Noch' eingehender Prüfung wurde die Ueberführung nach Detmold zum lluterfuchungs- gefängnts vorgenommen. Dic Ausstellung einer Diebesbeute. Eine sonderbare Ausstellung hat eine Hamburger Polizeibehörde in einem Saale des hiesigen Stadthauses eingerichtet und für die Oeffentlichkeit zugänglich gemacht. Veranlassung zu der Veranstaltung bot die Beschlagnahme eines umfangreichen Diebesgutlagers des Ein- und Ausbrecher P e t e r s e n. Wähi-end in gewöhnlichen Zeiten die Polizeibehörde das Diebesgut registriert und aufstapelt und es dem Zufall iiberlüßt, ob der betreffende Eigentümer sich meldet oder eine Nachfrage im Stadthause hält, hat man diesmal bei der umfangreichen Beute davon abgesehen, da ein Gesamtverzeichnis der Gegenstände nicht nur nicht möglich, sondern auch nicht zweckdienlich ist, da von den einzelnen Gegenständen außerordentlich viele gleichartige vor- l-anden sind. Man hat sich entschlossen, alle gestohlenen Gegenstände öffentlich auszustellen, damit durch die persönliche Inaugenscheinnahme möglichst viele Eigentümer ermittelt werden. Natürlich ist die Feststellung des Eigentums in einzelnen Fällen sehr schwierig, da z. B. von einem großen Posten 'Damenhemden oder Küchenhandtüchern das Eigentumsrecht sehr schwer festzustellen ist, es handelt sich meistens um Fabrikware, die keine besonderen Merkmale aufweist. Immerhin ist es doch gelungen, bei anderen Gegenständen recht viele Eigentümer festzustellen, da die Ausstellung in den wenigen Tagen schon von über 500 Personen besucht worden ist. Es ist gerade zu unglaublich, was etwa alles schätzungsweise seit Herbst 1917 von dieser Einbrecher- gesellschast Peterfen und Genossen zusammengestohlen worden ist. Neben zahlreichem Silbergeschirr findet man eine Anzahl wundervoller Kristallschalen, dann folgen in bunter Abwechselung Damen- und Unterkleider, unverarbeitete Stoffe, Schürzen, Pelzmäntel, Haarnetze, Damenboas, Decken Handtücher, Handschuhe, Konservendosen, Pakete Streich. Hölzer, weiße Schuhe und Hunderten von anderen Gegenständen. Der Erfolg dieser Ausstellung zeigt eigentlich daß man dieses Hilfsmittel auch in anderen Großstädten zur ständigen Einrichtung machen sollte. Die Kleiderabgabe. Berlin, 7. Aug. (WB.) Die Reichsbekleidungsstelle teilt mit: Im „Friedenauer Lokalanzeiger" wird eine angeblich amtliche Nachricht verbreitet, nach der die Steuerzahler mit einem Jahreseinkommen von 5000 Mark aufgefordert werden sollen^ eine Bestandsliste ihrer Kleidung einzureichen zum Zwecke der Enteignung von Anzügen für die Altkleidersammlung. Diese Mitteilung ist falsch. Die Reichsbekleidungsstelle erklärt ausdrücklich hierzu, daß die Kommunalverbände nicht die Berechtigung haben. Bestandslisten zum Zwecke der Enteignung von Anzügen einzufordern. Die Kommunen haben lediglich die Berechtigung, Bestandslisten von ihren crbgabcfähigen Einwohirern einzufordern und die Richtigkeit dieser Bestandslisten nachzu- prüfen. Weitere Befugnisie und Eingriffe in den Kleiderbefta-nd der Privatleute haben die Kommunalverbände nicht. Ans der Heimat. ITC. Büdingen. 7. August. Der Kreistag beschloß zur Be» schaffung eines Fonds für Zinfendeckung und Tilgung iw» Kriegsanleihen des Kreises, die Kreissteuern von 200 000 VÖ auf 270 000 Mark zu erhöhen. Für das aus dem Kreise ver» zogene Kreis-ausschußmitglied Cloos-Nidda wurde Bürgermr» ster Erk-Nidda gewählt. — Um der verheerend auftretende» Sperlingsplage zu begegnen, empsiehlt die Behörde den Gemeinden für zuverlässige und waffenkundige Personen di« Schießerlaubnis zu erwirken. FC. Vom Main. 7. August. Verunglückt ist gestern der Bahnarbeiter Knecht in der Nähe der Station Aschaffenburg. Beim Abwinden eines Wagens brach die Winde: der Wagen schlug um und erdrückte Knecht. Der Verunglückte war zwei Jahre im Felde. Aus Starkenburg. Darmstadt, 7. August. Die Unglücksstelle an der am Samstag der Absturz einer Maschine und 5 Wagen eines Eüterzuo.'s erfolgte, was den Tod zweier tüchtiger Bahnbeamteu des Heizers Schneider und des Führers Fertig herbeiführte, wurde am Montag durch Mitglieder der Eifenbahr.direktton Mainz besichtigt. Vermutlich dürften sehr bald Anordnungen getroffen werden, die es unmöglich inachen, an dieser Stelle ähnliche Un- glücksfälle herbeizusühren. Am Dienstag nachmittag fand unter außerordentlicher Beteiligung die feierliche Beisetzung der beiden bedauernswerten Opfer des Unglücks auf vem hi-llge» Waldfriedhofe statt. Aus Rheiahessen. FC. Mainz, 7. August. Mit Zyankali vergifteie sich der au« angesehener Familie stammende ledige 83jährige Goldschmied Friedrich Dietz von hier. Er hatte sich verschiedene Verfehlungen zu Schulden kommen lasten. — Vor mehreren Wochen hatte die Frau des im Felde stehenden Taglöhners Malchus von hier in Sörgenloch, wo sie zu Besuch weilte, beim Feueranmachen erhebliche Brandwunden erlitten. An diesen Verletzungen ist die Frau im Krankenhaus gestorben. FC. Wiesbaden, 7. August. Der 13iä>hrige Schüler Erich Höfgen und desten lljähriger Freund AlfrÄ) Hubmann von hier stellten eines Tages rm Keller ihres Hauses einen starken Käsegeruch fest. Diesem gingen sie nach und versuchten mit einem Veil den Keller aurzubrechen Als dies zuviel Geräusch rerursachte, holten sie einen Hammer, drückten die Tür ein und beide sahen, daß ihre Gerucbsvrgane sie nicht getäuscht hatten. Mehrere Kisten mit Käse waren hier aufgespeichert. Die Eindringlinge nahmen drei Kisten mit. Spater kam der 15jähriqe Paul Höfgsn, der Bruder des Erich, der von dem Hamstern >st gehört hatte, und stipitzte ebenfalls drei Kistchen. Die Käfs- liebhaber erhielten heute von der Sttafkammer: Erich Höfgen und Hubmanu wegen schweren und Paul Höfgen wegen einfachen Diebstahls je eine Woche Gefängnis In der Vorhand» lung floß mit ein, daß die Käse der bestohlenen Eigentümerin von den Eltern der Iungens mit 200 Mark bezahtt wurden, ein Preis, der den Wert der gestohlenen Käse bedeutend übersteigt. Der Staatsanwalt bemerkte, daß infolge dieses Preis* satzes und des Drum und Dran gegen die Bestohlene ein Verfahren wegen Erpressung schwebe. — Unterschlagungen in Höhe von 1200 Mark hatte sich der Handlungsgehilfe Julius Kral von hier bei einer Holz- und Kohlenhandlvng in Niederwalluf zu Schulden kommen lasten. Die Strafkammer diktterte ihm 4 Monate Gefängnis zu. FC. Wiesbaden, 7. August. „Ich Hab' noch andertholb Zentner Holz mehr, als ich Ihnen von dem städttschen Holzlager abliefeca soll, bei mir. Nehmen Sie es nur, es gibt heuer kein Holz und keine Kohlen", meinte eines Tages der Spengler Christian Earl von hier einer Dame gegenüber, der Holz okzuliefern hatte. Die Empfängerin ließ sich, eine. Bescheinigung geben, daß Carl berechttgt sei, dies Holz zu verkaufen. Carl Unterzeichnete mit Heinrich Schmidt. Als die Belieferte ihr Holz vom Holzamt nachtaxieren ließ, ersah sie, daß das Quantum nur die bestellten 5 Zentner und keine sechs einhalb Zentner warem Wegen Betrug und schwerer Urkundenfälschung verurteilte die Strafkammer Carl zu einer Gefängnisstrafe von 10 Tagen. — Im Januar d. I. fand die 22jährige Elisabeth Anna Georg: aus Biblis bei der Frau Fluhr dahier als Dienst. Mädchen und als Preftttuierte Aufnahme. Mit 8 Mark'wurde die Georg: eines Tages von Frau Flvhr zu Besorgungen weg, geschickt. Diese machte die Georg: aber nicht, ging zur Wohnung zurück und stahl dort zwei Brieftaschen mit 570 Mk. In- halt, sowie Kleider, Wasche und Schmuckgegenstände im Werte von 2000 Mark. Mit der Beute versuchte das Dienstmädchen nach der Schweiz zu entkommen, wurde aber inhaftiert. Die Strafkammer nahm die Georg:, da sie bereits Verschiedenes auf dem Kerbholz hat, in eine Zuchthausstrafe von 1 Jahr und $ Monaten. FC. Wiesbaden, 7. August. Einbrecher haben nachts dem Frisiersalon im Hauptbehnhof einen Besuch abgestattet und 15 Rasiermesser, Haarbürsten und viele andere Sachen für di« Haar- und Nagelpflege gestohlen. Von den Tätern fehlt jede Spur. FC. Worms, 7. August. In der letzten Zeit wurde polizeilich festgestellt, daß die Milch, die vor allem aus Eroß-Rohrheim nach hier gebracht wurde, erheblich getauft war. Bei eingehen- der Untersuchung wurde festgestellt, daß eine Bauersfrau die an und für sich sehr fettarme Milch mit 30 Prozent, eine an- dere mit 80 Prozent, eine dritte sogar mit 175 Prozent ge- pantscht. FC. Worms, 7. August. Beim Baden im Rhein bei Altrip ertrank ein gegenwärtig dort sich aufhaktender Feldgrauer H. Hauck von dort. — In Gommersheim erschoß aus Unvorsichtig keil ein Urlauber mit einem Jagdgewehr seinen Kameraden. Verantwortlich filr den politischen und lokalen Teil: Otto Hirsche!, Friedberg; für den Anzeigenteil: R. Heyn er. Friedberg. Druck und Verlag der „Neuen Tageszeitung^ A- G., Friedbera_t. .4L Verfemt. 5 ) Roman von AnnyWothe. Nachdruck verboten „Nein," sagte Aga kalt, ..ich w, iß es, du bist immer eine -Egoistin gewesen “ „Warum?" Mirena sagte es hart, mir blitzenden Aug-sir, dt?. Lberlör- pcr ein klein wenig «mporrichlcnd. Aga zuckte die Achseln. „Wir wellen uns nicht streiten, Mirena. Du weiset, daß ich den Schritt, den du getan hast, mißbillige, in jeder Weise mißbillige. Du flüchtest aber im Ber- > trauen aus unsere einstige Freundschaft in mein Haus und an mein Herz, und ich werde dir helfen, Io gut ich es vermag. Sage also, wgs du verlangst und rch werde dir antworten." Ein Leuchten flackerte in Mirenas Augen auf, ein seltsam triumphierendes Leuchten, das sofort die langen, rotgoldig schimmernden Augenwimpern verschleierte. Aga hatte es aber doch bemerkt, und ein seltsamer Schmerz preßte ihr einen Augenblick das Herz zusammen. „Ich will selbständig werden, Aga. selbständig wie du. Ich will frei von der Fessel sein, das Brot eines ungeliebten Mannes essen zu müssen, ich will arbeiten, wie du, und so leben wie du, so frei, so stolz, so glücklich." Ein bitteres Lächeln zuckte um Agas feingezeichneten Mund. „Du bist eine Törin, Mirena? Du kennst das Leben nicht und auch nickt die Steine, die auf dem Lebenswege einer Frau liegen, die sich frei gemacht hat, wie du." „Du meinst, die Gesellschaft wird mich ^ausstoßen, unsere Kreise werden mir verschlossen sein? Ach, wenn du wüßtest, wie ich sie hasse, diese -Gesellschaft mit dem zerrissenen Mantel der Moral, den sie anderen auszwinge,! möchte, welche zu stolz sind, solche elenden Fetzen zu tragen. Nein.' Aga, mit denr Augenblick, wo ick Berghausens Haus verließ, habe ich auch abgeschlosien mit der Gesellschaft — ich will nichts von ihr, und sie soll auch mich lassen. Ich will gar nichts. „Du vergißt. Mirena, daß du ohne den Beifall, ohne die Huldigungen der Gesellschaft nicht leben kannst. Erinnerst du dich, wie du dazu kamst, Ber-ghausens Gattin zu werden?" „Wie ich dazu kam?" Mirena setzte die kleinen Füße, die goldgestickte rosa Schuhe schmückten, energisch auf den Boden. „Das fragst du Aga? War es nicht dein,Vater, war es nicht meine eigene Mutter, die mich dazu zwangen.?" — „Du irrest Mirena, mein Vater zwana dich nie, warst du doch der Sonnenschein seines Lebens als ich fortging, um mich auf eigene Füße zu stellen." Micena schwieg. Ein weicher Glanz trat in ihre Augen und die weißen Hände fallend und sie nachdenklich um das empocaezogene Knie verschränkend, sagte sie sinnend: „Wie schön das war. als ich zu euch kam in das stille Dfarr- haus des Ne inen Dorfes in der märkischen Heide. Mamma war immer mit mir umbergereist, und dann — dann war ich ihr. als ich immer erwachsener wurde, unbequem. Ich kam zu deinen Eltern in Pension. Deine Mutter war kränklich, von ihr habe ich nicht viel gehabt, aber dein Vater war mir ein gütiger Lehrer und Freund und du, Aga, verzeihe, aber du iv-arst mir fast wie eine zweite, nein, wie eine rechte Mutter. Du aber welltest und konntest auch nicht cmshalten in der Enge des dörflichen Pfarrhauses. Weißt du noch, wie du fahre lang joden Morgen, ehe der Tag anbrach, nach Berlin fuhrst, nur ein Stück Brot in der Tasche, um von den mühsam ersparten Pfennigen Malstiinden zu nehmen? Weißt du noch, wie du müde und abgehetzt heimkamst, wie sorgenschwer dich der Vater ansah, und wie ich alle meine kleinen Künste anwenden mußte, ihn froh zu machen, besonders als die Mutter starb, und dein Studieren dich der Heimat fern hielt? Hansi war noch so klein, die konnte dem Vater so wenög sein, ich aber war seine treue Gefährtin, und er hat mich doch ziehen lassen, als jener Mann kam, der mich zum Werbe begehrte, trotzdem zx diesen Mann kannte und wußte, welch ein trostloses Leben ich an seiner Seite führen würde." „Du vergißt, Mirena, daß du auf Wunsch deiner eigenen Mutter D^rghansens Gattin wurdest. Sie kannte dich, sie wußte, daß du gern gefeiert sein wolltest. Dich als die Gatttn eines reichen und vornehmen Mannes zu sehen, war für sie der Inbegriff aller Herrlichkeit und für dich, Mirena, damals auch. Du wolltest dein Leben genießen, reich, verwöhnt, verhätschelt seur, und das alles winkte dir an Derahaufens Seite. Ohne Bedenken nahmst du seine Hand und ohne Bedenken bist du jetzt von ihm gegangen, und das ist - verzeihe den harten Ausdruck — eine Schmach!" „Eine Schmach!"'Mirena lachte hart auf. „Weißt du, was eine Schmach ist? Wenn man uns, kaum dem Kindesalter entwachsen, in eine Ehe zwängt, wie es Tausenden geschieht. Glücklich versorgt sollen wir elenden Geschöpfe an der Seite eines Mannes sein, den wir nicht lieben, oft kaum achten. Eine gute Partie, das ist der Inbegriff der Mädchenerziehung, und auf der Jagd nach dem Mairne gehen unsere heiligsten und höchsten Güter verloren. Glücklich diejenigen, die nie erwachen, welche die Ehe als eine von Gott eingesetzte Institution an- sehen, in der wir uns zurechtfiirden müssen, aber wehe denen, welche erkennen, daß sie mehr als eine willenlose Maschine sein wollen, eine Sklavin, von der Willkür und Laune eines Mannes abhängig, dessen. Herz, dessen Innenleben ihr fremde und der doch über sie und ihren Körper verfügt, als wäre sie ein Stück Ware. Mir ekelt vor der Ehe, sage ich dir, wie ich sie geführt, sie ist eine Schmach, eine Schande, und diese Schande will ich abwaschen durch ein Leben voll Arbeit — ich will wieder frei atmen können — frei ohne Zwang!" Aga hatte, das Haupt tief gesenkt, zugehört. Jetzt hob sie die schönen, großen, klaren Augen zu der Freundin voll auf und sagte ernst: »Was du sagst, Mirena, hat viel Wahres, und doch gehst du auf Irrwegen. Wie nun, wenn du eine Schande für die andere eintauschst? Wenn du erkennst, daß alles umsonst war? Bist du so sicher, daß dein neuer Lebensweg nicht noch ganz andere Enttäuschungen bringt? Seitdem ich aufgehört habe, etwas vom Leben zu erwarten, ist es mir erst ein reiner Elücks- quell gewesen. Willst du nicht auch diesen stillen Weg gehen, Mirena?" „Nein, ich will nicht, ich weiß, was du damit meinst. Ich soll nach Berzhausen, ich soll mein Kind lieben und pflegen, ich soll glücklich sein, wenn es erst alle Zähne hat und erst das Einmaleins kann. Ich soll Jürgen eine gehorsame und treue Frau sein, soll mit ihm über die Kornfelder gehen und die Ställe revidieren, ich soll mit ihm über Pferdezucht roden und Karten spielen und wenn es ihm behagt, soll ich mir auch noch seine Liebk osungen gefallen lassen, die er vielleicht irgend einer Dorf- divne eben freudig dargebracht hat, nein, sage ich dir, lieber toß sein als dieses Elend, dieses Verhungern an Leib und Seele." „And dein Kind?" „Das Zeugnis meiner Schande, das Kind des ungeliebten Mannes, vor dem mir graut?" „Wie ist dir eigentlich diese Erkenntnis gekommen. Mi- rena?" „Das weiß ich nicht," sagte die junge Frau zögernd, „sie kam auch nicht plötzlich, sondern nach und nach, zuerst wie ein Gedanke, nur ganz flüchtig, kaum geahnt und dann mit so schrecklicher Wucht, daß ich fast darunter zusammenbvach." Aga sah mit innigem Blick in die schillernden Augen Mi- rcnas. Dann trat sie umrm Mitempfindens näher und ihre kühle Hand auf die heiße Stirn Mirenas legend, sagte sie: „Armes Ding? Mein Vater ging zu früh für dich von hin» nen, und ich — ich war eine schlechte Führerin, weil ich selbst hinaus mußte ins Leben." „Dir ist es geglückt, Aga!" "Unter schweren Opfern Du weißt selbst, wie ich ge. kämpft, gerungen habe, wie lange es gedauert hat, ehe meine Bilder überhaupt auf den Ausstellungen zugelassen wurden. Du weißt, welche Demütigungen, welche Abweisungen ich ertragen mußte. wie ich darbte und hungerte, und wÄ ich eines Tages, im Tiergarten Zusammenbrechend. ohnmächtig in dieses Haus hier gebracht wurde, das nun mein eigen." „Ich weiß, die alte Dame, die dich zufällig fand und dich pflegte, wurde dir eine Gönner,n, sie ebnete dir die Wegs in die Oeffentlichkeit. sie machte dich, indem 'sie dir die Villa und ein kleines Kapital hinterließ, unabhängig vom täglichen Brot, erwerb. Aber der Mensch braucht mehr als das armselige Le* ben, um das er kämpft, ringt und erwirbt. Was bast du da* von?" „Viel, unendlich viel," sagte Aga glückselig lächelnd und legte die gefalteten Hände auf das braunlockige Haupt de« Freundin, über welches die Sonnenfunken wie glitzernde Schlangen huschten, „ich habe treue Freunkde und das Kind, meine Hansi. Ach, Mirena, welch ein Gottesgeschenk ist so ein Kind, wie macht es uns des Lebens Last leichter tragen. -Als der Vater starb, und ich Hansi zu mir nehmen mußte, da wuht 4 ich zuerst auch nicht, was ich mit der Kleinen anfangen sollte oft war ich ungehalten, wenn sie mich bei meinen Studie-ir störte, oft sehnte ich mich allein zu sein. Als dann aber Hansi krank wurde und wochenlang im heftigen Fieber lag, und ich um sie sorgte und bangte, da erkannte ich erst, welch ein Schatz so ein junges Menschenkind ist. Für ein Kind zu leben, es M erziehen zu allem Guten und Schönen, es anzuhalten zur Arbeit. es die Elückswcge zu führen, die man fiir sich selbst so früh erstrebt und doch nicht erreichen konnte, das ist mehr als Glüch Mirena, das ist Himmelssoli,;keit." „Du bist eine Phantastin. Aga. Du lebst für andere untz» g-ehst selbst leer aus." „Nur so kommt man dem Glücke näher." „Du irrst," sagte Mirena, und ein fast kindlich süßes LSchel« glitt um ihre Lippen, „wir müssen unser eigenes ..Ich", unsere eigen« Individualität obenan setzen, nur dann sind wir glücksfähig." Ein Erschrecken huschte über Agas Züge. „Woher hast du den Ausspruch?" Fortsetzung folgt. Dame b- wandert in Stenographie. Ma- .chinenschreiben unh-Buchhaltung, um baldigen Eintritt nach Bad- Nauheim gesucht. Angeboie unte^ Beriüaung von Zeuanisabsch'itten und'Angabe derEebaltsansprüche erbeten unter Nr. 1812 an die Geschäf sstelle der „Neuen Tageszeitung". Suche auf 1. September 1918 einen ttch'i-ien pldrtsilliiier. Schnd t, H o faut Ossenheim. Ein großes noch wenig ge- b auchtes zu verkaufen. Zu erfragen in der Geschäfts- stelle de r „Neuen Tageszett ng." Bifi tittnie VktWcir uni) eine MttbetMe zu verkamen. Friedberg. Cchmidlstraße 10. III Einen größeren Transport c* Ferkel hat ab ugeben Carl VrLckmann, _Großkarben, Burghof. Dekan,»tmnchnng. den Besti'mmungen^ Steisamis ÖTiebberg bringe ich die folgender Reichsgetreideordnung für 1918 vom 29. Mai 1918 zur öffentlichen Kenntnis: § 76. Wer mit dem Beginne des 16. August 1918 Vorräte früherer Ernten an Früchten oder an'Mehl aus Brotgetreide und Gerste, allein oder mit anderem Mehl gemischt, sowie an Schrot. Graupen, Grütze. Flocken, allem oder mit anderen Nahrungs- oder Futtermitteln ge- nuicht, ,n Gewahr,am hat, ist verpflichtet, sie dem Kommunaiverbande ~ t *3 ßn !?Q £ ’ürts bis zum 20. August 1918, getrennt nach Arten und Eigentümern, anzuzeigen. Vorräte, die zu dieser Zeit unterwegs sind. sind von dem Empfänger unverzüglich nach dem Empfange dem Kommunaiverbande anzuzeigen. „.Nach §78 sind mit Beginn des 16. August 1918 die ameiae- pfl.chilgen normte (§ 76 Absatz 1 und § 77 der Neichsgetreide- ordnungj sowie die in § 77 unter c erwähnten Vorräte für den Ksinmnnalv erb and beschlagnahmt, in dessen Bezirk sie sich befinden, ^orraie, die zu dieser Zett unterwegs sind, sind für den Kommunaloerband beichlagnahmt, m dessen Bezirk sie nach beendigter Be- werden. Die Beschlagnahme erstreckt sich nicht auf Vorräte an Mehl und Schrot aus Getreide. die durch einen Kommunaloerband an Händler, Verarbeiter oder Verbraucher seines Beurts nach Maßgabe der für den Kommunaloerband bestehenden Bestimmungen über Verbrauchsregelung bereits abgegeben worden ' irU) '™^ r c ö in gelten bie Vorschriften dieser Verordnung. s giftet 10 wird mit Gefängnis bis zu einem Jahr und mit Geldstrafe brs zu oOOOO Mark oder mit einer dieser Strafen bestraft, wer die Anzeige nicht in der gesetzten Frist erstattet, oder wer wlsienittch unrrchttge oder unvollständige Angaben macht.