Nummer 183 io Pfennig die Nummer Mitlmocff» den V. August 1918 11. Jahrgang« Die »lltue Tag-sMuuü" erscheint jeden Werktag. Regelmäßige Beilagen „Dev Kauer aus Hessen". ..Die Kpiunstude". Kerugspreis: Bei den Postanstalten vierteljährlich Mk. 2 4 S hinzu tritt noch das Bestellgeld; bei den Agenten monatlich 85 Pfg. einschließlich Trägerlohn. Anreigen: Grundzeile 25 Pfg., lokale 20Pfg., Anzeigen von auswärts werden durch PostriachnahmH erhoben. Erfüllungsort Friedberg. Schrifllettung und V-rlag Friedberg (Hegen). Hanauerstraße 12. Fernsprecher 48. Postscheck-Eonto Nr. 4859. Amt Franifurt a. M. Ein Kturmerfolg der WKritemberger. — 16000 Tonnen versenkt. — Die Derieknng des Feldmnrjchüks v. Eichhorn. — General v. Kirchkach dessen Nachfolger. Der deutsche Generalsiak —- u W» T. K. Großes Kattp-qttartiev. den 6. August Amtlich. Westlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe Kronprinz Nupprechi. Lebhafte Erkundungstätigkeit, namentlich im Ancre- und Avre-Abschnitt und südlich von Montdidier. Am Abend vielfach auflsbender Feuerka-mpf. Württeurberaer erstürmten heute früh nördlich der Somme die vorderen englischen Linien beiderseits der Straße Bruye—Corbie und brachten etwa 100 Gefangene ei». Heeres gruppe Deutscher Kronprinz. Nach erfolglosen Teilvorstößen ging der Feind gestern mit starreren Kräften zum Angriff gegen den Vesle-Abschnilt beiderseits von Braisne und nördlich von Ionchery vor. Aus kleinen Waldstücken auf dem Nordufer des Flusses, in denen er sich vorübergehend festsetzte, warfen wir ihn im Gegenstoß wieder zurück. Einige hundert Gefangene blieben hierbei in unserer Hand. Im übrigen brach der Angriff des Feindes schon vor Errichung der Besle in unserem Artillerie- und Maschinenge- wehrfemsr zusammen. » Leutnant Udet errang seinen 44., Leutnant Bolle seinen 28. Luftsieg. Der Erste Generalquarliermeister: Ludendorff. Abendbericht. Berlin. 6. August, abends. (WB. Amtlich.) Don der Front nichts Neues. ! Der österreichische Geueralstab I meldet: Wie«, ü August. (WV.) Amtlich wird oerlautbart: Nichts Neues. Der Chef des Generalstabes. Der bulgarische Grneralstab fc======: meldet: =- Sofia. (WB. Nichtamtlich.) Generalstabsbericht vom 2. und 3. August. Mazedonische Front: Im oberen Skumbi-Tal verjagten unsere Posten durch ihr Feuer eine französische Infam terieabteilung. Im Cerna-Bogen versuchten feindliche Angriffsabteilungen sich unseren Gräben nördlich des Dorfes Makovo zu nähern, wurden jedoch mit Handgranaten abge- wiesen. Westlich des Dobropolje kurze Feuerangriffe auf beiden Seiten. Südlich von Huma erreichten mehrere griechische Kompagnien unter dem Schutze eines heftigen Ar- tilleriefeuers an mehreren Punkten die künstlichen Hindernisse vor-unseren vorgeschobenen Gräben, sie wurden jedoch unter unser Artilleriefeuer genommen. Gegenangriffe von unserer Infanterie zerstreuten sie vollständ- > unter fühlbaren Verlusten. Im Siidwesten von Doiran lebhaftes Artilleriefeuer auf feindlicher Seite. —_ -— ^^ 2 Das türkische Hauptquartier j == meldet: —. -^ =J fionilantimipel, 5. AuMt. (SliS. Nichtamtlich.) General, stabsbericht. Pnläfttnafront: Im Küstengebiet scheiterte ein feindlicher Vorstoß gegen unsere vorgeschobenen Stellungen. Rege Artil- lielie- und Patrouillentätigkeit beiderseits des Jordans. Feindliche Aufklärungsabteilungen wurden überall abgewiesen. Nordöstlich der Iordanmündung vertrieben wir eine feindliche Eskadron aus ihrer Stellung. Die sage im Westen. Bern. 6. August. (WB.) Der „Temps" äußert sich zur ml- I kltärischen Lage zwar sehr zuversichtlich, nracht aber den Sieges. • taumel der anderen Tagesblätter nicht mit. Er führt u. a. aus: Unsere Erfolge wären größer gewesen, wenn wir am 18. Juli die deutsche Front südlich Soissvns hakten durchbrechen können. Wir dürfen nicht vergessen, daß Mangin auf zwei deutsche Armeen stieß und nicht über genügende Kräfte verfiigte, sie zurückzuwerfen. „Information" stellt fest, daß der deutsche Rückzug in gnter Ordnung vor sich gehe. „Journal des De- bats" schreibt noch sachlicher: Der Feind gibt jetzt nur das auf, was die Erfolge seines Programms vom 27. Mai überschritt, wo Ludendorff nur den Damenweg einnehmen wollte. Der schnelle Fortschritt der deutschen Kolonnen gestattete ihm dann den Stoß bis an die Marne. Man kann sagen, daß die ganze deutsche Strategie seit zwei Monaten auf die Resultate vom 27. Mai gestützt war. In dem Interview Ludendorffs ist nicht alles falsch. Es ist durchaus wahr, daß die Deutschen, wenn sie ein- sehen, daß die Operationen sich nicht bezahlt machen, sie abzu- halten suchen. Tatsächlich zieht sich der Feind jetzt zurück, um Menschen zu sparen und seine Proviantierung, die in dem Marnesacke äußerst schwierig war, zu erleichtern. Bern, 6. August. (WB.) Der Kriegsberichterstatter des , Eiornale d Italia" in Frankreich sagt zur Kriegslage u. a.: Man. stche vor einem überlegten und vorbedachten Rückzug des Feindes. Die Initiative zum Rückzug liege bei den Deittsche-m Unter diesen Umständen sei es schwierig, vorauszusehen, wo die Rückwärtsbewegung zum Stehen koinmen werde. Wahrscheinlich würden die Deutschen sich auch an der Aisne nur vorübergehend stellen, um sich aus Linien zurückzuziehen, die für die Verteidigung vorzüglich geeignet seien. Die Defchießmig von Paris. Basel, 6. August. Rach einem Pariser Haoasbericht vom 6. August dauert die Beschießung des Pariser Festungsbereichs aus weittragenden Kanonn fort. Chaioris iiomfmrbifif. Fisines in Flnnmen. Bern. 6. August. (WB.) Laut Pariser Blättern wird Ehalons sur Maine seit dem 15.-Iuli heftig bombardiett, wodurch großer Schaden angerichtet worden ist. Fismes steht in Flammen. 16000 Tonnen versenkt. Berlin, 6. August. (WB. Amtlich.) An der Ostküste Englands und im Gebiet westlich des Kanals wurden teilweise aus stark gesicherten Geleitzügen heraus 16 000 Brt. versenkt. Der Chcs'dcS AdmiralstabeS der Marine. Feindliche Schifssverluste. Haag, 6. August. Die Admiralität gibt bekannt: Am 2. August stießen zwei britische Torpedojäger auf eine feindliche Mine und sanken. 29 Mann kamen dabei ums Leben. Reuter meldet ferner: Die Mannschaft eines kana- dischen Schoners, der in der Fundabucht torpediert wurde, ist in einem kanadischen Hafen gelandet worden. Die ge- rettete Mannschaft erzählte, der Kommandant des feindlichen U-Bootes habe mitgeteilt, daß von seinem Schiff vor kurzeiu eine Mine gelegt worden sei, ans die der amerikanische Kreuzer „Santiago" aufgelaufen sei, worauf er gesunken sei. Amsterdam, 6. August. (WB.) Mit dem gestern in Hoek van Holland angekommenen englischen Konvoi, der aus vier Daulpfern bestand, trafen die Besatzungen dreier holländischer Nscherlogger, die vor der holländischen Küste auf der Höhe von Egmond von einem englischen Torpedoboot angehalten und mitgenommen worden waren, ein; außerdem die Besatzung eines Frachtloggers, der in der freien Fahrrinne auf eine Mine gelaufen und in die Luft geflogen war. 'Ein Mann der Besatzung des englischen Dainpfers „Kilkenny" teilte mit, daß bei der Torpedierung des englischen Dampfers „Kiekham Abbey", der mit dem letzten Konvoi nach England gegangen war, sechs Passagiere und neun Mann der Besatzung umgekommen sind. » Der Seekrieg. Die N-Bootsallen. Amsterdam, 6. Aug. (WB.) Dem Nentersä)en Bureau zufolge veröffentlicht der Marmekorrejpondent der „Times" Mitteilungen über die Arbeit der N-Bootfallen, die einen wichtigen Anteil an der Bekämpfung der Unterseeboots hätten und die Bezeichnung „Q-Schiffe" führten. Der Korrespondent sagt, man könne jetzt Einzelheiten dariiber veröffentlichen, da den Deutschen die gegen sie angewandten Methoden bereits bekannt feien. Das erste derartige Schiff, das erwähnt wurde, fei die „Baralong" gewesen, die am 19. August 1915 ein Unterseeboot versenkte. Seitdem Habs die Methode, bewaffneten Schiffen das Aussehen von Handelsschiffen zu geben, sehr zugenommen. Der Korrespondent verteidigt diese Methode der Kriegsführung und führt einigS Beispiele an. von denen das folgende am bezeichnendsten ist: Eines Tages hielt ein Unterseeboot ein solches, als unschuldiges Handelsschiff verkleidetes „Q-Schiff" an. Die Mannschaft ließ die Boote herab Und verließ das Schiff. Nur eine Frau mit einem Kinde in den Armen blieb zurück und lief wie wahnsinnig auf dem Deck auf und ab. Als das U-Boot an dem Fahrzeug anlegte, schleuderte die Frau das Kind, das in Wirklichkeit eine Bombe war, in den offenen Turm des U-Bootes und sprengte es ans diese Weise in die Luft. Diese Frau wurde, wie der Korrespondent eigens hinzufügt, für ihre Tat mit dem Viktoriakreuz ausgezeichnet. S' —-— Der englische Schiffsbau. Bern, 4. August. (WB.) „Daily News" schreibt zu der Rede, die Sir Edward Geddes am 30. Juni im Unterhaus gehalten hat: „Der springende Punkt war die Behauptung, daß der Schiffsraum der Alliierten und Neu-, traten jetzt monatlich um 100 000 Tonnen zunimmt. Auf den ersten Blick ist die Anfwärtsbewegung der Kurve Grund zu tiefster Befriedigung. Die volle Wahrheit ist aber, daß die Besserung hinter dem zurückgeblieben ist, was hätte ge? leistet werden müssen, denn ftir die zunehmende Bilanz der Neubauten über die Versenkungen haben wir Amerika zu danken. Unsere eigene Bautätigkeit mach noch immer nicht unsere Verluste wett. Die letzte vorliegende.Statistik ist außerordentlich enttäuschend." „Daily Telegraph" schreibt: „Es ist jetzt sicher, daß der Feind uns durch seine Piraterei weder aushungern, noch unsere Kampfkraft schwer zu lähmen vermag. Die Piraterei ist, wie die letzte Statistik beweist, noch immer ein ernster Faktor, aber wir haben den Gesahrpunkt passiert. Wir wünschten, wir könnten Herrn Geddes ebenso herzlich zu den Fortschritten im britischen Schiffbau gratulieren, aber leider wird unsere Handelsmarine von Monat zu Mo< nat schwächer." Die „Times" führt aus, die rosigen Visionen, .in denen Geddes sich ergangen hatte, dürften die Tatsachen über die Schiffsanlage nicht verdunkeln, die äußerst ernst und drohend seien. Seine Angabe, daß im letzten Vierteljahr der sogenannte Weltschiffsbau 100 000 Tonnen mehr fertig gestellt habe, als die Welffcküffsverlnste betragen hätten, sei ein - schwacher Trost für diejenigen, welche die Zugangs- und Abgangsziffern der brittschen Tonnage vergleichen würden. Es sei wirklich ein großer Unfug, dergestalt diese äußerst bedenklichen Taffachen dem Publikum, das sich ohnehin viel zu wenig darum kümmere, zu verbergen. Tatsächlich wei'--1 die Bilanz für den britischen Schiffsraum im letzten Halß* jahr eine Abnahme von 550 000 Tonnen auf, wozu noch ein Reinverlust von 3 Millionen Tonnen für 1917 hinzuzurech^ neu sei. Trotz des Geredes über die zunehmende Wirksam« keit der britischen Methoden, die Tauchboote zu zerstören, würden die britischen Werften 'im Wettkampfe gegen daS Tauchboot noch immer geschlagen. Das Reinergebnis sei jedenfalls, daß der britische Schiffsbau keine stetige Zunahme aufweise, und solange dies der Fall sei, sei es schlimmer als töricht, selbstgefällig von einem sogenannten Weltschiffsbau zu reden. Neun Flikgttmariff auf ritt fniarrtt. Berlin, 6. August. (WB.) Am 1. August machte ein aus mehreren feindlichen Flugzeugen bestehendes Bombengeschwader einen Angriff auf das deuffche Kriegslazarett Labry bei Eonflans, dem zwei Tote und 67 Verwundete, darunter 13 Schwerverwundete, zum Opfer fielen. Die vor* abscheuungswürdige Tat komntt nicht überraschend, da die Entente seit langem ihre Mißerfolge und Niederlagen im offenen chrlichen Kampfe durch heimtückische Luftanariff« auf deutsche Lazarette auszugleichen sucht. Der jüngste „Erfolg" verdient aber deswegen in aller Wett bekannt zu werden. weil er mit bewußter Absicht und voller Ueberlegung auSgeführt wurde. Die örtliche Lage des Lazaretts läßt keinerlei Entschuldigungen oder Ausflüchte zu. DaS Lazarett ist in einer von den Franzosen kurz vor dem Ausbruch des Krieges neuerbauten Kaserne untergebracht, die abseits des Dorfes Labry liegt. In der Umgebung befinden sich keinerlei militärische Betriebe, von denen der Feind behaup- tot könnte, daß sie das Ziel seiner Angriffe gewesen seien. Zudem fand der Abwurf der Bomben am hellichten Tage statt. Riefengroße Rote Kreuz-Abzeichen auf dem Hofe und auf den Dächern kennzeichnen die Gebäude und Baracken und nachts selbst aus Mehreren tausend Meter Höhe ersichtlich, daß sie unter dem Schuh der Genfer Konvention stehen. Dieser neue Völkerrechtsbruch ist ein würdiges Seitenstück zu der schmachvollen Gefangenenbehandlung und den At- tentaten und Mordversuchen deren sich die Entente schuldig machte. Gerade in den Tagen, in denen vor vier Jahren die Entente zum Kampfe für die gerechte Sache der Humanität und Kultur gegen deutsche Barbarei und Unmoral aufrief. mutet dieser Akt einer unmenschlichen Grausamkeit und erner gemeinen Gesinnung seltsam an, beleuchtet aber tteffend, was wir von den heuchlerischen Phrasen und fröm- melnden Reden zu halten haben. Die ßfi'duina des Mmvchiills v. Eichhorn. Berlin, 6. August. (WB.) Heute nachmittag ist in der Enadenkirche eine Traufreeier für den ermordeten Generalfeld, marschall von Eichborn abqehalten worden. Der Sarg war vor dem Altar zwischen Blattvslanzen und Lichtern aufgebahrt. Der Feldmarschall und die Orden des Verewigten lagen darauf Offiziere hielten die Totenwache. Am Fußende war ein von dem Set man der Ukraine gesandtes schwarzes Sammetkissen niederaelegt, das je ein Palmen, und sin Eichenzweig in Sil- bersttck^-r -erte. Rings häuften sich die Kränze, darunter einer vom Generalseldmarschall von Hindenburg. sowie je einer des ukrainischen Hetmans und der ukrainischen Gesandtschaft mit blau-gelben Schleifen. Reben dem Sarge nahmen die Angehörigen Platz Als Vertreter des Kaisers und der Kaiserin erschien Gea--raladju1ant, General der Infanterie von Löwenfeld Im Aufträge des Königs von Sachsen legte der sächsische Mitttarattachee in Berlin Oberst Schulz am Sarge einen prächtigen Kranz aus weiften Rosen nieder. Vollzählig war die rckrainische Gesandtschaft mit dem Gesandten Baron Sternhell an der Spitze gekommen, ferner der ukrainische General Seredin. Abordnungen von Kriegcrvereinen mit ihren Fahnen standen zu Seiten des Altars. Nach Orgelspiel und nach Vortrag des Lieds Silbers ...Kein schönrer Tod ist in der Welt, als wer vorm Feind erschlagen" sang die Gemeinde „Harre meine Seele". Dann hielt Geheimrat Dr. Strauß. der Feldoberpfarrer des Ostens, die Gedächtnisrede. Der Geistliche, der mit dem Ermordeten befreundet gewesen war und der auch in Kiew die Totenfeier geleitet hatte, legte seinen Worten den Text zu Grunde, den der Verewigte selbst in seinem Tagebuch für seine Leichen, stier gewünscht hatte. 1. Eortnther 13, Vers 12 „Wir sehen jetzt durch einen Spiegel in einen dunklen Ort, dann aber von Angesicht zu Angesicht" usw. Er gedachte neben den Feldherrngaben Eichhorns stiner großen soldatischen Tugenden und der Schlicht- heit und Freundlichkeit dieses mächtigen Menschen und guten Kameraden. Gesang des Domchors schloß die Feier. In der Scharnhorststtaße hatte inzwischen die Trauerparade Aufstellung genommen, «nter strömendem Regen wurde die Leiche aus einen sechsspänigen königlichen Leichnewagen nach dem Znvaliden- kirchhof übrgefuhrt, wo die feierliche Beisetzung erfolgte. Rach den Salven erklang das alte. Volks- und Soldatenlied: Ich hatt' einen Kameraden." Graf Kirchbach Eichhorns Nachfolger. Kiew, 6. August. Der Nachfolger des Generalfeldinarschalls von Eichhorn, Generaloberst Graf Kirch- t a ch, ist gestern in Kiew eingetrosfen und hat sein Kommando übernommen. Rußland. Die Metzeleien im Murmangebiet. Berlin, 5. Aug. (WB.) Zu den Metzeleien, die die englischen und französischen Landungsttuppen im Murman- gebiet verübt haben, wird aus Petersburg telegraphiert: Die füsilierten Arbeiter werden auf Hunderte und Tausende geschätzt. Tie Mitglieder des Dollzugsausschusss in Syzron nennen von den Mitgliedern des Sowjets, die getötet wurden die folgenden Namen: Der Vorsitzende des Wirtfchastsrates Skworzow wurde als Geisel von den T'.clvcho-Slowaken festgenommen, der Arbeiterkommissar Vcrlinskij. der frühere Kommissar für den .Krieg Butlygin, der Kommissar für Post und Telegraph Amienskij und zahlreiche andere. Der Wohnungskommissar Krjukow wurde vom Pöbel in Stücke gerissen. Die roten Gardisten wurden in großer Zahl erschossen in Durchführung der für sie alle getroffenen allgemeinen Maßnahme. Die Hinrichtung fand nach der Entlassung aus dem Gefängnis statt und erfolgte in Trupps von dreißig bis vierzig Mann. Die Mitglieder des Vollzugsausschusses in Syzran berichten ferner: Tie Konsuln der'Alliierten meldeten kürz- lich daß die Nackricht von der Hinrichtung mehrerer Sowjetmitglieder im Murmangebiet durch die englisch-französischen Landungsttuppen falsch sei und daß nichts dergleichen statt- gefunden habe. Die Zeitung „Archangelskija Jswesttja" rneloet dre Rückkehr einer Sonderkonrmission aus Archangelsk die nach dem Murmangebiet entsandt worden war, mn die Meldung über die.Hinrichtungen zu prüfen. Die Ltomnttssron bestätigt die Auflösung der Distriktsowjets und die Hinrichtung der Mitgtteder des DccklzugsausschusseS dieser Sowjets. Sibirien. . Bern. fl. August. (WB.) Nach einer Melbwny des „Po- gres de Lyon" cnis Peking hat die chinesische Regierung die ychecho-slvwakischen Kontingente ermächtigt, für die ganze Dauer der Feindseligkeiten die Eastern-Ehiim-Railway *u betrugen. Die Regierung hat beschlossen, das erste Konttngent chinesischer Truppen nach Wladiwostok zu entsenden. Von der Grenze wird gemeldet, die Armee Semenows fei geschlagen und habe bis auf eitrige Werft nahe der chinesischen Grenze zurückweichen müssen. Die lut kr Aolvjekrtgiming. Die „Norddeutsche Allgemeine Zeitung" bringt folgenden Stimmungsbericht über die Verhältnisse in Rußland: In der letzten Zeit treten zwei Tatsachen besonders her- vor. Als sicher kann angenommen werden, daß die Entente die bestimmte Absicht verfolgt, die Bolschewiki zu stürzen, nachdem die letzte Hoffnung daraus, daß sie an der Seite der Alliierten gegen Deutschland kämpfen würden, geschwunden ist. Ferner lassen Presseäußerungen erkennen, daß die Entente nach dem Sturz der Bolschewiki die Bildung einer freiwilligen russischen Armee erstrebt, um die Ostfront gegen die Zentralmäckte wieder auszurichten. Cadres von freiwilligen russischen Truppen bestehen bereits im Dongebiet, in Ostrußland und in Sibirien. An ihrem engeren Zusammenschluß wird fortgesetzt gearbeitet. Immer wieder taucht dabei der Name des Generals Alerejew auf. der zuleist als Kandidat auf den Posten eines Kriegsministers in Sibirien genannt wird. Die heimliche Unterstützung der Gegenrevolutton durch die Entente wird allmählich zu einer offenen Aktion. Nach einer Mitteilung des sibirischen Regierungsanzeigers vom 12. Juli hat sich die japanische Regierung bereit erklärt, der sibirischen Regierung eine Anleihe im Bettage von 500 Millionen Rubel zu gewähren,, um so die Bildung einer großen Armee zu ermöglichen. Als Gegenleistung verpflichtet sich die sibirische Regierung, japanischen Trilppen, die demnächst nach Sibirien gebracht werden sollen, den erforderlichen Unterhalt zu gewähren. Gleichzeittg verhandelt die sibirische Regierung nach derselben Quelle mit den Vereinigten Staaten von Amerika über die Intervention in Sibirien. Alle Operationen d«rr Tschecho-Slowaken sollen nunmehr von einem besonderen, aus Verttetern der Ententemächte bestehenden Stab von Charbin aus geleitet werdm. Die äußerst gereizte Sprache der bolschewistischen Organe gegen die Entente zeigt deutlich, daß die Bolschewiki unter dem Zwang der augenblicklichen Lage ihre Politik des „Lavierens" aufgeben zu müssen glauben und sich in einen offenen Gegensatz zu den früheren Alliierten setzen. In der bolschewistischen Presse der letzten Zeit hat man versucht, die Aktion der Gegenrevolutton u. a. durch die Absicht zu erklären, die noch übrigbleibende Zeit bis zur Einbringung der Ernte auszunutzen, um die niedergedrückte Sttmmung der hungernden Bevölkerung noch mehr gegen die Bolschewiki aufzichetzen. Der Opttmismus der bolschewistischen Regierungsorgane vertrat dabei die Ansicht, daß mit der Einbringung der Ernte auch der Gegenrevolutton im wesenttichen der Boden entzogen sein wird. Nun entwickeln sich aber die Dinge in einer für die Bolschewiki unerfreulichen Richtung. Die Bauern setzen der Getreiderecmisition durch die von der Regierung besonders gebildeten Requisittonstruppen (gegenwärtig angeblich 20 000) immer stärkeren Widerstand entgegen. So verlieren die Bolschewiki auf dem Lande ständig mehr an Boden und bleiben immermehr auf die größeren städtischen Zentren beschränkt. Daraus wird ersichtlich, daß das Schwanken der Bolsche- wiki zwischen dem Bekenntnis zu dem Brest-Litowsker Friedensvertrag und zwischen den Bestrebungen der Entente, dieses Friedenswerk wieder zu vernichten, ihren Einfluß nicht vermehrt hat. Vielleicht erkennt nunmehr die Sowjetregie- rung, welchen Zwecken sie dienstbar gemacht werden soll, und daß die Entente nur von dem Bestteben geleitet ist, das unglückliche Land abermals in den Krieg zu stürzen. Genau dasselbe Spiel, das von Frankreich und England vor dem Kriege mit Rußland getrieben wurde, und dem die Machthaber am Zarenhofe unterlegen sind, soll jetzt fortgesetzt werden. Es ist nicht uninteressant, daß gerade jetzt ein Schreiben des früheren russischen Ministerpräsidenten Grafen Witte das kurz vor Ausbruch des Krieges an eine politische Persönlichkeit gerichtet wurde, bekannt wird. Darin schreibt Graf Witte: Wenn ich im .Jahre 1905 das Bestteben hatte. Deutsch- land an Frankreich zu nähern aus dem gemeinsamen Bestteben russischen Wohlwollens, da hatte ich zweifellos die Gefahr vor Augen, die schon damals England für den europäischen Frieden bot. Die Träumender russischen und französischen Schreier von einem Feldzuge gegen Berlin und Wien konnten eine greifbare Form nur unter dem öffentlichen oder nicht öffentlichen Schutz Londons erhalten, wo man schon längst danach dürstete, Deutschland zu unterjochen vermittels des wiederirm zu unterjochenden Rußland und Frankreich. Unser Hauptfeind ist England, wie es stets der Feind einer jeden freiatmenden Großmacht gewesen ist. Schon im Jahre 1905 befürchtete ich, daß unsere polittschen ?lbentener uns in die kalten Arme Englands und somit in einen dann unausbleiblichen Weltbrand stoßen könnten. Nur deshalb habe ich im September 1905 die mir angebotene Fahrt nach Windsor abgelehnt, die von englischer Seite kam. Erst 1907 hat Rußland dank den Herren Jswolski, Sassonow und Benkendorff seine polittsche Selbständigkeit verloren «ab ist zum Handlanger seines englischen Prine zipalS geworden.'", ' - ~ ^ Der Gang der Ereignisse und das Elend, das über Nutzlos hereingebrochen ist, zeigen, wie klar dieser russische Staatsmann, der sein Land geliebt und bis zu seinem Tode für sein Land gearbeitet hat, die Entwickelung voraus- gesehen hot. Kraßlianilcht Trappen in Aßen? Bern, 5. August. Wenn man einer von der „Neuen Zürcher Zeitung" wiedergegebenen Mitteilung Glauben schenken will, so hat Jorge Mitte der Presst, erklärt, Bro silien halte ein Heer von 200 000 Mann bereit, um in Mesopotamien und Palästtna die englischen Truppen zu entlasten und ihre Verschiebung nach der Westlinie zu gestatten Die brasilianische Regierung habe den Alliierten wiederholt militärische Hilfe angeboten und warte nur noch ihre Antwort ab Das Klnna in Asien sei für die brasilianischen Truppen zuttäglicher. Türkei. Konstantinopel, 28. Juli. Die türttsche Presse beschästigl sich leidenschastlich mit einem sogenannten „Zuckerstcmdal" mehrere Wagen Zucker, die für Syrien bestimmt waren, sollen schon in Konstantinopel unter der Hand weiter verkauft worden sein. Rach dem „Sabach" vom 26. Juli hat hierbei eine hoch, stehende Persönlichkeit 280 006 Pfund verdient. „Wakik" wendet sich scharf gegen die Selbscherrlichkeit de, niederen türksschen Beamten, die zu einer wahren Pest gewor. den sei: ferner fordert er zum Kampf gegen die Bestechlichkeit dieser Beamten auf. sireislreibereien durch die Komlünalimbänk. Von einem Besitzer aus dem Kreise Plön wird uns mit- geteilt, daß der Kommunalverband Plön ein Geflügelfutter verteilt, das aus Roggen besteht, wovon die Hälfte teils angebrannt, teils gänzlich verkohlt ist. Für dieses ..hervorragende" Hühnerfutter müssen die damit belieferten „glück lichen" Hühnerbesitzer 40 Mark für den Doppelzentner bezahlen, während sie für den Doppelzentner guten Roggen a '* der neuen Ernte nur 30,50 Mark für den Doppelzentner erhalten. Das oben näher beschriebene „Hühnerfutter" kostet demnach ungefähr ein Drittel mehr als Brotgetreide zur menschlichen Ernährung! Ja, das ist ein Geschäft für den Kommunalverband, das bringt noch was ein! Bei so einem guten Geschäft braucht ja eine Verbitterung der Landwirte bei den dort leitenden Persönlichkeiten des Kommunalverbandes weiter keine Rolle zu spielen! SoMeinokratijche Averkennnng für die Kan-nmijchasi. Auch da gibt es: Würdigung der Schwierigkeiten, unter denen der deutsche Bauer zu arbeiten hat, Zugeständnis seiner restlosen Pflichterfüllung, Erkenntnis, daß auch im Osten die Landwirtschaft, keineswegs irgendwie zurückgeblieben, alles Erdenkliche für die Produktion von Nahrungsmitteln tut. Natürlich eignet solche Einsicht nicht dem „Vorwärts" und den hochmögenden Häuptern, sondern nur den Vereinzelten, die mit den Verhältnissen statt aus agitatorischen Zahlabendreden aus eigener Anschauung vertraut sind. Ist da einer im Wahlkreis des Herrn Scheidemann, in der Stadt Solingen, heißt Schaal und nennt Herrn Scheidemann Genosse. Der war bei einer der im Lause dieses Jahres eingerichteten Aufklärungsreisen von Städtern aufs Land und Landbewohnern in die Städte als Teilnehmer nach dem Osten gekommen, hatte Augen und Ohren aufgemacht und berichtet nun über seine Erfahrungen im Kriegshilfsausschuß der Stadt Solingen — wir zitieren nach dem „Solinger Tageblatt" Nr. 176 — also: „Die Besichtigungskommission setzte sich aus allen Schichten der Berölkerung zusammen, in der auch alle polittschen Anschauungen vertreten waren. Der Eindruck, den alle hatten, ist der, daß die Landwirtschaft im Osten alles tut, was sie kann, um dem Boden einen Ertrag zu entringen, der nur möglich ist. Der Osten ist keine zurückgebliebene Gegend, wie man hier vielfach annimmt. Es zeigt, was in diesem Jahre angepflanzt wurde, welche Vieh- und Pferdezucht man treibt, und man hat uns gesagt, daß die Ernte eine gute Mittelernte sein würde. Das Wintergetteide hat etwas unter Dürre und Nachtfrösten gelitten, dagegen ist das Sommergetreide gut. in der Weichselniederung sogar sehr gut geraten. Die Bewirtschaftung ist auch im Osten infolge des Krieges mit außerordentlichen Schwierigkeiten der- Hunden, die Landwirte sind zum größten Teil eingezogen, die Hauptlast ruht auf Frauen und Kindern, die mtt Gefangenen arbeiten müssen, die natürlich nicht bas Interesse an der Arbeit haben und haben können, wie der einheimische Arbeiter und Landwirt. Außerdem kommen als weitere Schwierigkeiten hinzu: Gespannmangel, Düngen^ttel- mangel usw. Im übrigen hat sich die Landwirtschaft im Osten den Kriegserfordernissen anpassen und andere Sachen anbauen müssen, als sie es in Friedenszeiten getan hat. So sinÄ in der Gegend von Märienburg, Wo fticher große Mengen von Zuckerrüben gezogen wurden, statt dessen Hafer, Raps und Pferdebohnen für Heereszwecke angepflanzt worden. Was die Viehzucht anbetrifft, so ist infolge der großen Abschlachtungen der Rindviehbestand erheblich zurückgegangen: von dem Schweinebestand sind drei Viertel abge- schlachtet worden. Jetzt kommen bereits große Mengen Schlachtvieh aus der Ukraine an. Das Dich wird in Thorn geschlachtet »nd dann dem Heere zugeführt. Der Redner '.chließt mit der Versicherung, daß die;, Landwirtschaft im Osten nicht etwa künstlich ihre ProouLte zurückhälr, sondern Laß sie alles tut. um uns Wer die schwere Zeit der Gegenwart hinwegzuhelfen." Es handelt sich hier natürlich nur um einen kleinen Genossen, einen Mann, dem die nötige Weite des Blicks fehlt, um seine Objektivität einen Kompromiß mit den Partei- tr-ktischen Agitationsbedürfnissen schließen zu lasten. Er hat mit dieser Unvoreingenommenheit des Urteils zur Genüge .bewiesen, daß er zum Obergenosten, zum „Vorwärts"- Redal'teur gar, nicht taugt. — Man könnte Herrn Scheide- mann ansinnen, sich aus den Erfahrungen'seines Wcchlkreis- genossen zu belernen. Aber Herr Scheidemann hat sicher, und andere Obergenosten auch, Wichtigeres zu tun. als der Objektivität einen Altar zu errichten. Und gür der Objektivität gegenüber der Landwirtschaft. Also daß diese Solinger Schwalbe auch keinen Sommer machen wird. Mas ßch du fan^iülrt dielen IM; mß. In seiner großangelegten Reichstagsrede am 6. Juli d. I. hat unser Bundesvorsitzender, Abg. Dr. Roesicke, de» Frnger auch in eine Wunde gelegt, die unter den vielen Wunden, die das verfehlte System unserer Kriegswirtschaft der deutschen Landwirtschaft geschlagen, mit am heißesten brennt. Er leitete zu diesem Teil seiner Rede über mit den Worten: „Ich komme auf die Frage der Durchsuchungen, sowohl der behördlichen wie der militärischen, die die Landwirtschaft aufs äußerste erbittern und verärgern müssen." Zur Kennzeichnung des Verfahrens tat Dr. Roesicke damals der Drangsalierung einer 62 jährigen Bauersfrau Erwähnung, die von dem Haussuchung abhaltenden Gendarm gezwungen wurde, sich von ihrem Krankenlager zu erheben, weil man auch das Bett nach Kartoffeln durchforschen wollte. Das ist nur ein einziger von vielen hundert ähnlich gearteten Fällen, die zur Kenntnis des Bundes der Landwirte gelangt sind. Nun hört man nickt selten die Meinung vertreten, so werde nur gegen die Bauern vorgegangen, die größeren Besitzer würden glimpflicher behandelt. Dazu möchten wir, uns selbst jeder zusätzlichen Aeußerung enthaltend, einem Großgrundbesitzer das Wort geben. Der Herr wohnt im Kreise Burgsdorf (Prov Hannover) und schildert uns seine Erfahrungen wie folgt: „Revisionen. 17. November Kartoffelvorräte, 18. Januar sämtliche Getreide-, Stroh- und Heuvorrätr. Zwei Zivilisten, ein Gendarm, eine Militärperson. 18. März ein Gendarm, ein Unteroffizier, drei Soldaten. Die Revisions- kommission (5 Personen) fand sich bei mir im Hause ein. Der Gendarm forderte mich auf, ihm meine Getreidevorräte zu zeigen. Ich ging mit ihm auf den Kornboden und erwartete, daß. die Soldaten mitkommen oder unten warten würden. Wie wir wieder herunterkommen, waren die anderen Mitglieder der Kommission sämtlich verschwunden. .Als ich den Gendarm für einige Zeit allein ließ, mv auch ler verschwunden. Ich wartete nun auf dem Hofe, um die Kommission durch meine Gebäude zu führen. Ich sehe aber chur hier und da einen von der Kommission auftauchen und gleich wieder in meinen Gebäuden verschwinden. So wurde das ganze Gehöft, sämtliche Gebäude und auch das an- grenzende Gehölz durchsucht, ohne daß es mir möglich war, die Kommission bzw. die Mitglieder durch meine Gebäude und Grundstücke zu begleiten. Nach längerer Zeit fanden .sick) alle Mitglieder der Kommission wieder ein, ihr Suchen war ergebnislos verlausen. Ist es nicht unerhört, daß die .Leute ohne Beisein des Besitzers alles, mit Ausnahme der Wohnräume, die in meiner Gegenwart durchsircht wurden, durchsuchen? — Anfang Mai, nachdem Kartoffeln gepffanzt waren. Kartoffeln revidiert: ein Zivilist, zwei Militärpersonen. Vier Revisionen in einem Frühjahr!" Was würden wohl die Städter sagen, wenn der Frieden ihres Hauses in gleicher Weise vergewaltigt würde? Aber nicht eher werden wir. werden die deutschen Landwirte ruhen schärfsten Einspruch ge^en diese ungerechte Behandlung zu erheben, bis wir sehen, daß sie vor den Toren der Städte nicht mehr Halt macht. Ans meiner Dorfkirche. In der letzten Wochenpredigt ist leider ein Druckfehler -stehen geblieben, der den ganzen Sinn der Ausführungen entstellt. In der dritten Spalte heißt es: „Das gute alte Wort: Ehre verloren, alles verloren, ist verkehrt worden in das Wort: Gott gewonnen, alles gewonnen." Der ganze Absatz muß heißen' Und mit dieser Abkehr von Gott stimmte zusammen der Dienst vor dem goldenen Kalb vor dem Gott Mammon! Wir sind heute nicht mehr ein Volk von Brüdern, sondern ein Volk von Wucherern. Ich meine damit nicht, daß aste Preise in die Höhe gegangen sind — das liegt an der Entwertung des Geldes, sondern- ich meine, daß das gute alte Wort: Ehre verloren, olle-s verloren, verkehrt worden ist in das Wort: Gold gewonnen, alles gewonnen. Es meint heute jeder, er käme zu kurz bei der Jagd nach Geld und Vergnügen, die unser Land trotz aller Kriegsnot beherrscht. Darum nenne ich uns ein Volk von Wucherern! Ans der Heimat. Koch einmal Bronzeglocke« und Orgelpfeife». Ende ZuN hat eine Wetterauer Gemeinde folgende Eingabe an das zuständige Kreisamt gerichtet: Am Donnerstag, den 1. August, werden 4 Jahre feit dem Ausbruch des Weltkrieges vollendet sein. Zn diesem Zeitraum hat Gott an unserem Volke über Bitten und Verstehen getan, und wenn der volle Endsieg auch noch aussteht, so dürfen wir doch hoffen, daß wtt den gewaltigen Kampf in Ehren und mit gutem Erfolg durchführen werden. Der Herr, der bis hierher geholfen, wird auch weiter helfen, wenn wir Tür empfangene Wohltaten danken und weiter um seinen Segen bitten. Aus diesem Grunde hat das Eroßherzog- liche Oberkonsiftori-um in Darmstadt für Sonntag, den 4. August Festgottesdienste angeordnet, und ohne Zweifel tun andere deutsche Kirchenbehörden das gleiche. Trotzdem sollen auf Anordnung der Militärbehörde weitere Bronzeglocken und Orgelpfeifen entfernt rverden. Diese Maßregel stört die Gottesdienste in allen Teilen Deutschlands umso empfindlicher, als bereits nicht nur sämtliche Stimmen, sondern auch klingende Metallpfeifen in großer Zahl herausgenommen sind. Wäre das Heer für seinen Metallbedarf lediglich auf diese Kirchengeräte an-. gewiesen, so würde man sie natürlich trotzdem gerne dem Vater- lande opfern. Run sind aber dem Vernehmen nach nicht nur in Werkstätten noch beträchtliche Mengen von unverarbeitetem Kupfer und Zinn vcrhanden, sondern es gibt in Schnapsbrennereien, Bierbrauereien und anderen kriegsentbehrlichen Gewerbebetrieben viele Geräte, die man unbedenklich umschmelzen kann. Unter diesen Umständen scheinen uns die erwähnten behördlichen Maßnahmen in einem inneren Widerspruch zu einander zu stehen. Es geht nicht gut, daß ein Volk zur selben Zeit, wo es für alte Siege dankt und um neue Erfolge betet, ohne genügende Notwendigkeit fortfähtt, gottesdienstliche Geräte einzuschmelzen. Unsere Gemeinde hat bereits 1917 eine ihrer beiden Glocken und von der noch neuen Orgel mehrere Metall, pfeifen abgegeben. Weitere sind nach dem Urteil des Herrn Organisten nicht entbehrlich. Aehnltch dürfte es in den meisten Orten des Landes stehen. Die Unterzeichneten Körperschaften unterbreiten daher um unseres Dorfes und der ganzen Landeskirche willen dem Gloßherzoylichen Kreisamt die ehrfurchtsvolle Bitte, darauf hn.Mwirken, daß Meist die anderen, in dieser Eingabe genannten Metallbestände verarbeitet werden, ehe man aufs Neue Kirchengeräte beschlagnahmt. Hierauf folgen die Unterschriften der Kirchenvorsteher und Gemeindevertreter und. da die benutzte Geräte in dem betreffenden Dorfe der bürgerlichen Gemeinde gehören, auch des Herrn Bürgermeisters. Die Entscheidung öder die Buch ecke rn-Ernte ist gefallen. Das Kriegsernährungsamt hat eine Verordnung über die Bucheckern ertasten. Sie bestimmt, daß Abnahmestellen für die Bucheckern errichtet werden. Sie sagt weiter, daß derjenige, welcher an eine Abnahmestelle abliefert, die Genehmigung erhält, Bucheckern bis zur Höhe der abgelieferten Menge selbst auf Oel schlagen lasten darf. Ferner ist nach § 5 der Verkauf von Bucheckern im freien Verkehr gestattet. Das soll also heißen: Einer kann vom Andern Eckern kaufen. Das Kaufen der Ecker, ist freigegeben Wie steht es aber mit dem Schlagen lasten? 8 7 sagt dazu, daß es gegen Schlagschein gestaltet ist. Darf nun, das ist der wichtigste, aber in der Verordnung keineswegs klar und bestimmt ausgedrückte Punkt, auch derjenige, welche nicht abliefert, schlagen lasten? Aus einem Zentner gelesenen Eckern erhält einer 10-20 Pfund getrocknetes schlagfertiges Gut. Muß er die Hälfte davon abliefern, wenn er sich das Recht zum Schlagen erwerben will? Und wenn, wie es den Anschein hat, die Ablieferung den Hauptzweck der Verordnung cn-'smacht. das Schlagen lasten ohne Ablieferung der Hälfte des Schlaggules nicht erlaubt ist, so verbleiben dem Sammler 5—10 Pfund Eckern, aus denen 1—2 Schoppen Oel gewonnen werden. Da die Landeszentralbehörden iroch besondere Vorschriften über das Sammeln der Bucheckern erlasten sollen, so bietet-sich dabei Gelegenheit, kurz und bündig, klipp und klar anszn- fprechen. ob die Eckernernte beschlagnahmt ist und ob derjenige, welcher nicht abliefert. kein Recht hat. schlagen M lasten. 8r. Hanau. 4. August. Die große Brotkommission des Stadt- und Landkreises Hanau hat beschlossen. dem Magistrat und dem Kreisausschusse das Fortbestehen des Wirtfchaftsver. bandes Hanau-Stadt- und Landkreis zur gemeinsamen Bewirtschaftung des Brotgetreides zu empfehlen. Während im laufenden Wirtschaftsjahre die eigene Ernte zur Ernährung der Bevölkerung des Stadt- und Landkreises Hanau nicht ausgereicht. hat. ist begründete Hoffnung vorhanden, daß im kommenden Wirtschaftsjahre noch ein Ueberschuß von der Reichsgetreidestelle zur Ablieferung kommen kann. Friedberg. Die Herren Stadtverordneten werden zu einer Sitzung auf Donnerstag, den 8. August, nachmittags 4 l A Uhr, ergebenst eingeladen. Tagesordnung: 1. Voranschlag der Schillerschule für 1919.- 2. Forderung des H. Rüster. Hierauf geheime Sitzung. Ober-Efchback Dem Lehrer Mohn dahier, .1 Schrift- -ührer des . Kriegervereinsbezirks. Vilbel, wurde das Der- dienstkreuz für Kriegshilfe verliehen. Wir gratulieren! Büdesheim. Schon wieder hat der Weltkrieg ein Opfer aus unserer Gemeinde gefordert. Fritz Klehm ist in den schweren Kämpfen im Westen gefallen. Wir betrauern ihn sehr, nehmen aber auch herzlich Anteil an der Trauer seiner alten Eltern. Wir werden dem so so früh Vollendeten stets ein ehrendes Andenken bewahreg. Friede seiner Asche in fremder Erde. I C. Burgsolms, 4. August. Auf der hiesigen Station kam Dom Felde der Ehre. , Wohnbach. Dem Fahrer Gustav Wolf, Sohn des Ge° meinderechners Wolf, bei einem Feld-Artillerie-Regiment, wurde das Eiserne Kreuz zweiter Klasse verliehen. -- — § ** s. * eine Eisenbahnschasfnerin, aus Laubach in Oberhesten gebürtig, unter die Räder eines rangierenden Zuges. Sie erlitt so schwere Verletzungen, daß der Tod auf der Stelle eintrat. 1' 0. Vom Main, 4. August Kapitänlentnant Georg, Kommandant eines U-Bootes, der Sohn des Kommerzienrats Georg m Schweinfurt. wurde zum Ritter des Militär-Max-Josef- Ovdens ernannt. Der Dekorierte Hai bereits eine Viertelmillien Tonnen Schiffsraum versenkt, und ist der erste Bayer aus der Unterseebootswaffe, der mit dem höchste« bayerischen Kriegs- Horben ausgezeichnet wurde. Aus Starkenburg. FO. Habitzheim, 4 August. Der 70jahrige Heinrich Müller von hier stürzte von einem Wagen so unglücklich herab, daß « sofort tot war. Aus Rheinhesten. Main^ 8. August. Etwa 15 Zentner Zucker wurden ut* langst von einem hier vor Anker liegenden Schiffe gestohle«. Nunmehr wurde ein Dieb verhaftet, der angab, daß der Zuck« nach Wiesbaden verkauft worden ist. F . Mainz. 4. August. Vor einigen Tagen zog sich der 50jährig« Heizer Werner von hier in einer Fabrik auf der Gustavsburg schwere Brandwunden zu, denen er jetzt erlegen ist. FC. Alzey, 4. August. Das hiesige Schöffengericht verurteilte sine Dienstmagd, die in Tßrlborn in Dienst stand, wege« intime« Verkehrs mit einem russischen Kriegsgefangenen zu i Wochen Gefängnis. CF. Aus Rheinhessen, 4. August. Die Frühkartoffeln, di, durch die lange Trockenheit zu leiden hatten, ergaben in d« Provinz eiml wenig befriedigende Ernte. Ans Hessen-Nasiau. FC. Rüdesheim, 2. Aug. Der Komnnmalverband de? Rheingaukreis sollte nach der Aufstellung des zu deckenden Bedarfs durch die Landeszentralbehörde für die Bekleidung der Heimatarmeen 576 Anzüge liefern. Bis jetzt sind aber nur 349 eingegangen. FC. Geisenheim, 2. Aug. In der Wohnung des Haupt- mann Löckermann, der zurzeit im Felde steht, wurde eingebrochen, durch einen Schacht, durch welchen die Kohlen einge« füllt werden. Die Diebe stahlen sämtliche Kleidungssiiicke. FC. Nackenheiw, 4 August Die ersten reisen Trauben befinden sich am Hause des Dreschmaschinenbesitzers Franz Ben» hard II. dahier. FC. Diez. 4. August. Anstelle des verstorbenen Landratt Duderstadt-Diez wurde Bürgermeister a. D. Langschied in Btv lenbach zum Mitglied der Landwirtschaftskammer gewählt. FC. Obcrlahnstein. 4. August. Die Stadtverordnetenversammlung wählte den Fabrikbesitzer Lübbecke zum Magistrats. Schöffen. FC. Braubach. 1. August. Nächtlicherweile wurde de» Bäckermeister Eschenbrenner dahier ein Schwein im Stalle abg«- scblachtet und gestohlen. Der ganze Vorfall geschah in solch« Stille, daß die unmittelbar über dem Stalle schlafenden Hau» bewohner nichts hörten. FC. St. Eoarrhauscn, 1. August. In der Stadtverordnetenversammlung wurde bekannt gegeben, daß die städtische Rech nung des Jahres 1916 m Einnahmen mit 270 192 Mark, in Ausgaben mit 254 197 Mark abfchließt und mithin eine Mehr- cinnahme von 15 935 Mark verbleibt. Niederbeerbach, 1. August. Ein Einwohner von hier wurde dieser Tage festgenommen, der auf den Flurschützen daselbst, anscheinend aus Rache, daß er schon einmal zur Anzeige gs. bracht wurde, aus einer Browningpistole mehrere Schüsie abge. geben, die aber fehlgingen. FC. Hallgartc», 30. Juli. Die Eheleute Maurermeister Nikolaus Neujahr dahier begehen am 4. August das golden« Hochzeitsfest. FC. Montabaur, 28. Juli. In die Bäckerei des hiesigen barmherzigen Brüderhauses drangen Diebe nächtlicher* weile ein und nahmen einen Doppelzentner fernes Weizenmehl und 30 Brote mit. FC. Bad-Nassau, L August. In der hier stattgehabte« Kreissynode Nassau sprach u. A. Pfarrer Lic. Fresenius-Nassau in großen Zügen über die Kriegerheimstättenbewegung und legte der Synode den Anttag vor. daß die Kreissynode Nassau dem Hauptausschuß für Kriegeiheimstätten in Berlin beittitt und den Kirchengemeinden ebenso den Beittitt empfiehlt. Nachdem verschiedene Synode die große Wichtigkett der Wohnnngs- frage und die Pflicht der Kirche zur Mitarbeit bei der Bekämpfung der Wohnungsnot betont batten, wurde der Antrag einstimmig angenommen. Dekan Lehr-Däusenau und Professor Deinet.Nassau wurden zu Abgeordneten der Bezirkssynode ein. stimmig gewählt. Pfarrer Neubourg-Kirdcrf und Bürgermeister Hasenclever-Nassau zu Stellvertretern FC. Kräocneck 1. August. Dieser Tage konnte der Betriebs- führer auf einer der größten Gruben des Lahngebiets der Firma Buderus Wilhelm Kohlhauer von hier sein 40jähriges Bergmannsjubiläum feiern. FC. Nanzenbach, 31. Juni. Die 800 Hektar umfaßende Gemeindejagd wurde für neun Jahre an Industrielle in Gelsenkirchen für jährlich 3550 Mark verpachtet. Der ' frühere jährliche Pachtpreis betrug 900 Mark. Ans Kurhesscn. FC. Aus Niederhessen, 1. August. Die Kaiserin traf gester« in Bad-Soden Werra ein und besuchte die Kronprinzlichen Kinder. Gegen 7 Uhr abends kehrte die hohe Frau nach Kassel zu. rück. Ebenda ttaf die Gemahlin des österreichisch-ungarischen Botschafters in Berlin, Prinzessin zu Hohenlohe-Schillingsfürst. Erzherzogin von Oesterreich, zum Besuche ihrer Kinder, die zur Kur dort weilen, ein. FC. Zwingeuberg, 31. Juli. In einer der letzten Nächte wurden . hier einem wenig beimttelten Mann auf seinem Grundstück 180 Stöcke Stangenbohnen gewaltsam aus der Erde gerissen und entwedet. FC. Fulda, 2. Aug. Zwei Schleichhändler wurden am hiesigen Bahnhof abgefaßt, die Fleisch nach Frankfurt a. M. schaffen wollten. Dem einen wurde ein Zentner Schweine* fleisch, dem anderen eineinvirtel Zentner Kalbfleisch abgenommen. FC. Aus Franken, 1. August. Das Aussehen der Weinberg« ist zurzeit gut und schön. Falls dieselben von lveiteren Witte- rvngsschäden verschont bleiben, kann mit einem günstige» HerdP» ergebnis gerechnet werden. Verantwortlich für den politischen und lokalen Teil: Otts Hirsche!, Friedberg ; für den Anzeigenteil: R. H e y n e r. Friedberg. Druck und Verlag der „Neuen Tageszeitung*,, A- G^ F ri ed borgt. Danksagung. ^für die so überaus zahlreichen Bekundungen inniger Anteilnahme an unserem schweren Verluste können wir leider nicht im Einzelnen danken und sagen daher auf diesem Wege herzlichen Dank. Bruchenbrücken, den 6. August 1919. Knab, Pfarrer, und Familie. r- ii. Strümpfe und Socken, Stricliwesten in grosser Auswahl. . Frledlmg in Hessen, Kaiserstrasse 51, gegenüb. d. Engelapotheke. m RßtmersieigemU. Ser unteneidjnetc Notar versteigert Samstag, den LO. August, mittags 12 Uhr, in dem Nathaussaale in Affenheim die inEematiung -üffenhetm gelegenen Grundstücke des verstorbenen Kammerdirektors Dr. Ernst Wilhelm Georg Geyger. <^^-0 Dersteigerungsbedingungen können bei mir eingesehen oder abschnflllch von mir bezogen werden. Friedberg, den 1. August 1918. Der Crotzherzoql. Notar: Jockel. Bekanntmachung. Am 1. August ds. Js. ist der Geschäftsbetrieb der Oberheffifchen Milchzentrale der Vereinigten Landwirte in eine Genossenschaft mit beschränkter Haftung unter der Firma e. G. m. b. H. umgewandelt worden. Die Ge- diesem Tage ihren Betrieb zu Friedberg nossenschast hat mit begonnen. Der Zweck der Genossenschaft ist die gemeinsame Verwertung der von den Mitgliedern erzeugten Milch und die Förderung der Interessen der Milchwirtschaft. Mir erstreben, auf diesem Wege den Landwirten einen gerechten Preis für die Milch zu sichern und auf der anderen Seite den Städten die genügende Lieferung einer einwandfreien Milch zu gewährleisten. Laut Vorstandsbeschluß ist der Eintritt in die Genossenschaft bis zum 1. Oktober ds. Js. frei, während von diesem Tage ab ein Eintrittsgeld von 10 Mark erhoben wird. Die Geschäftsräume befinden fich Hanauer- strahe 22, die Abteilung für Organisation Hanauer- straße 12. Friedberg. im August 1913. LberlieM Miltzeickiise e. E. m. b. H. M« um« y. min üuuim d Geschäftsstelle Frankfurt a. M., Kronprinzenstraße 4L (Kronprinzenbau.) — Fernruf Römer Biirostunüen. Montag, Dienstag, Donnerstag, Freitag, nachmittags «sn 2—4 Uhr. — Geschäftsanzeigen in diesem Raum nur für unsere Mitglieder; dieselben sind kostenlos, jedoch mutz bei Aufgabe der Anzeige auf die Mitgliedschaft hingewiesen werden. Einen sprungfähigen Zuchtbullen, 17 Monate alt, von gekörten Eltern, sowie auch zwei 7 Monate alte Zuchteber zu verkaufen. W. Petri, Klein-Karben. Eia V* Jahr altes Fohlen sofort zu verkaufen. 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