Dummer 182 Civsilpreis ä° LLL Dienstag, -en 6. August 1918 Ueue TageszeM 11. Jahrgang. Me r.Urue T^g--,->i»ng" erscheint jeden Werktag. Regelmäßig- Beilagen „Der Kauer an» Aessen«. ..Die SpiunSube". Kemg-prei-- Bei den Posta,rstalten -.ierteljährlich Mk 2 40 hinzu itüt noch das Veitengeld: be, den Agenten monatlich 85 Psg. einschließlich Trägerlohn. Am.ig-N- Grund,eile 25 Pfg.. lolale 20Pjg.. An,eigen oon auswärts werden durch Poänachnalnns _ erhoben. Erfüllungsort ^riedberg. Hchrrftleitirng und Uerlag Friedbcrg (Hessen), Hanauersiraße 12. Fernsprecher 48. Postscheck-Tonto Nr. 4353, Amt Frankfurt a. M. Steüenweis anflrveude Fenertätigkeit. — 16090 Tonnen versenkt. — 5915 feindliche Flugzeuge seit Kriegsbeginn vernichtet und erventet. Der deutsche Generalstnk ll meldet: M. K. Großes KttupLzttartter, de» o. August AurtlLch. Westlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe Kronprinz NrrppreHt. , An der Front zwischen Ypern und südlich von Moni- didier nahm die Feuertätigkeit am Abend zu und blieb auch die Nacht hindurch lebhaft. In Flandern, nördlich von Albert und beiderseits der Somme wurden Vorstöße des Feindes abgewiesen. Nördlich von Montdidier nahmen wir unsere ans dem Westufer der Avre und des Dom-Baches stehenden Kompagnien ohne feindliche Einwirkung hinter diese Abschnitte zurück. Bei kleineren Unternehmungen südwestlich von Montdidier machten wir Gefangene. Heeresgruppe Deutscher Kronprinz. An der Besle hat die Feuertätigkeit zugenommen. Er- Älgreiche Vorfeldkämpfe südlich von Conde und westlich von Reims. Nach Abwehr feindlicher Teilvorstöße wichen unsere Nachhuten stärkerem Angriff des Gegners auf Fismes öe- fehlsgemäß auf das nördliche Vesle-Ufer aus. Heeresgruppe Herzog Albrecht. Westlich der Mosel, in den mittleren und oberen Vogesen wurden Vorstöße des Feindes abgewiefen. Im Sund- aau machten wir bei eigener Unternehmung Gefangene. jfi , jt - Dizefeldwebel Thom errang seinen 27. Luftsieg. Der Erste Generalquartiermcistcr: Ludendorff. Abendberkcht. Berlin, 8. August, abends. (WB. Amtlich) Oertliche Kanipfe an der Vesle, Der österreichische Generalstak —— 1 - ■ meldet: == 3 Wien, 5. Arrgust. (WB.) Amtlich wird verlautbart: Nirgends größere Kampfhandlungen. Der Chef des Generalstabes. Das türkische Hauptquartier meldet: Konstantinopel, 4. August. (WB. Nichtamtlich) Generalstabsbericht. Palästinafront: Unsere Stellun gen und das Hai Mt' gelände lagen auch gestern stellenweise unter heftige i- feindlichen Artilleriefeuer, das von uns kräftig erwidert wurde. Afrikanische Front: Bei Dfchesara östlich Tripolis stürzte ein feindliches Flugzeug ins Meer. Die Insassen wurden gefangen genommen. Das Flugzeug wurde eingebracht. Am 4. Juli belegten drei feindliche Flugzeuge M"- rata mit Bomben. Zwei feindliche Torpedoboots befeuerten die Küste. Es sind keine Verluste und keine Schilden zu verzeichnen. Die Schlacht im Westen. Der Gegenstoß Foch's nur eine Zwischenhandlung. Und das Ergebnis der Schlacht und damit die Kennzeichnung de: Lage am Ende des vierten Kriegsjahres? Sie ist ans der ganzen Presse Frankreichs und Englarrds erkennbar. Niemand erwartet, wie nun Fr--H den errungenen Erfolg aus- niitzen, wie und wo er seine Offensive sortsetzen werde, sondern alle fragen mit einer gewissen Unruhe, wen wird der nächste Schlag der Deutschen treffen? Niemand glaubt im Ernste da- «rn, daß die letzten Kämpfe zwischen der Marne, SoissoNs und Reims die deutschen Reserven aufgebracht haben, sondern jedermann weiß, daß der Gegenstoß Fochs nur eine Zwifche-nhand- lung war, trotzdem darin der Gewalt-Haufe der Angrisfstruppen der Alliierten eingesetzt worden ist. Es ist dem Oberbefehls- Haber der Alliierten nicht gelungen, der deutschen Obersten Heeresleitung die Freiheit des Entschlusses und des Handelns zu entreißen. Die Frontri-cknal.me hn Reims. Berlin, 5. August. (WB.) Die Ausführung unserer Bewegungen in der Nacht zum 2. August erfolgte wie an der, Hauptfront auch südwestlich Reims, nachdein alles, was dem Feinde hätte zweckdienlich sein können, zurückgeschafft oder zerstört worden war. Alle vorhandenen Bestände und Munitionsdepots waren beizeiten zurückgesührt; auch, die Ernte war zum großen Teil eingebracht. Der Abmarsch der Truppen, die in der vordersten Linie gestanden hatten, geschah ohne einen Mann Verlust in der Nacht. Am Morgen beschoß der Feind noch mit seiner Artillerie ausgiebig die Höhe 240 westlich von Vrigny und die Talmulden unseres alten Kampfgeländes, die längst von uns geräumt waren, ein Beweis, daß er nichts gemerkt hatte. Am Nachmittag des 2. August fühlte er vorsichtig mit Patrouillen an unsere zurückgelassenen Postierungen heran und folgte dann in Marschkolonnen über Merry in der Richtung Germigny und Janvry und auf Gueur. Dies war der willkommene Augenblick für unsere Artillerie, dem Gegner durch zusammengefaßtes Vernichtungsfeuer schwere Verluste zuzufügen. Er wurde zur Entwicklung und zum Angriff gegen unsere Nachhutstellung gezwungen. Oestlich Gueur vorgehende Kavallerie wurde in alle Winde zerstreut. Auf dem linken Flügel kam ein feindlicher Angriff auf die Höhen bei Germigny zum Stehen. Durch das tapfere Aushalten des deutschen Artillenebeobachters bei der Rosnay Ferme, welcher das deutsche Feuer auf die nachfolgende französische Infanterie hervorragend leitete, wurde der Feind gegen Abend von den Höhen bei Germigny wieder zur Umkehr gezwungen Ebenso flutete die bei Moizon vorgehende Infanterie zurück. Unsere Nachhuten bei Thillois verwehrten dem Gegner dort das Ueberschreiten der Reimser Straße. Es endete der Versuch des Feindes, die Zurücknahme unserer Nachhuten zu stören, am 2. August abends unter schwersten Verlusten für ihn selbst. Er wagte nicht weiter vorzudringen. Auch unsere Nachhuten lösten sich nach vollständiger, gelungener Durchführung ihrer Aufgabe in der Nacht zum 3. August unbehelligt vom Feinde los. Unsere noch vor denselben ausharrenden Patrouillen und Maschinengewehre fügten heute Vormittag dem Feinde bei seinem Vorfiihlen weitere Ver- Inste zu. So trug auch diese Opration wesentlich dazu bei, den Feind in seiner Kampfkraft zu schwächen. 16 000 Tonnen versenkt. Berlin, 4. August. (WB.) In den Gewässern um England vernichteten unsere Unterseeboote 16 000 Brt. Der Chef des Admiralstabes der Marine. Die feindlichen Flugrengverlnste. 5915 Flugzeuge. Berlin, 6. Aug. (WB.) In den vier Kriegsjahren verlor der Verband nach den bisherigen Feststellungen 5915 Flugzuge, während Deutschland bisher nur 1927 einbüßte. Allein im letzten Jahr sind von den Deutschen 3617 feindliche Flugzeuge vernichtet worden, das heißt fast das Doppelte der in den gesamten ersten drei Kriegsjahren abgeschossenen Flugmaschinen des Verbandes. Neben der rasch steigenden Bedeutung der Luftwaffe zeigen diese Abschußzahlen, wer in Wirklichkeit die Luft beherrscht. 430 abgeschossenen Fesselballonen der Entente stehen 163 vernichtete Ballons auf deutscher Seite gegenüber. Die Beschießung von Parts. Genf, 5. Aug. Wie Havas meldet, ist Paris heute wieder aus weittragenden Kanonen beschossen worden. Die GejWlkojieil -cs Weltkrieges. Berlin, 5. Aug. (WB.) Die Gesamtkosten des Weltkrieges für die vergangenen vier Jahre sind airf 650 bis 700 Milliarden Lu veranschlagen. Von dieser Riesensumme entfällt noch nicht retn Drittel auf die Mittelmächte. Am Ende des vierten Kriegsjahres betrugen die monatlichen Kriegskosten der Entente 15.3 Milliarden Mark gegen nur 5,8 Milliarden Mark Kriegskosten der Mittelmächte. Nach dem Ausscheiden Rußlands und Rumäniens erreichen die nwnatlichen Kriegskosten der Entente also fast das Dreifache der Vierbnndskosten. Auch die Anleihepolitik der Mittelmächte ist vielfach erfolgreicher als die der Entente. Bisher hat die Entente von den 500 Milliarden Mark Kriegskosten nur 125,6 Milliarden fundiert, die Mittelmächte von den 186 Milliarden Kriegskosten aber 134,5 Milliarden Mark. Deutschland brachte mit acbt Kriegsanleihen -88 Milliarde» oder 71 Prozent seiner Knegsanleihen langfristig auf, gegen 32 Prozent in England und 30 Prozent in Frankreich. Die Mittelmächte deckten ihren Anlerhebedarf ausschließlich im eigenen Lande, während Frankreich und England gewaltige Summen im Anslande ausgenommen haben. Gine Frontreile Wilsons? Bern, 5. Aug. (MB.) „Popolo d'Jtalia" teilt mit, . Präsident Wilson werde in absehbarer Zeit in Begleitung mehrerer Mtglieder der amerikanischen Regierung und des amerikanischen Senates die Front der Alliierten besichtigen. Innerhalb Jahresfrist ;n Ende? Rotterdam, 5. August. George hat am letzten Tage vergangener Woche Vertreter des Hafenarbeiterverbandes in Liverpool empfangen, die unter ihrem Vorsitzenden Wilson bei ihm erschienen. George verbreitete sich ausführlich über die allgemeine militärische und politische Lage und sprach die Ueberzeugung aus, daß der Weltkrieg nunmehr innerhalb Jahresfrist zu Ende gehen würde. Alle Anzeichen deuteten darauf hin, daß das bevor^ stehende Jahr das letzte des Weltkrieges fei und daß man der Entscheidung nicht mehr fern stehe. In ähnlicher Weise hat sich der französische Kriegssekre- tär dafür eingesetzt, daß der Krieg im Frühling 1919 seine Entscheidung finden werde. Bemerkenswert ist, daß Abrami gleich seinen französischen Kritiker stndet, denn Renaudel erklärt in der „Humanite". Frankreich habe ein Anrecht darauf, zu wissen, worauf die Regierung ihre Versicherung gründet, daß das Frühjahr 1919 die entscheidende Wendung bringen werde. Es wäre eine schwere Verfehlung, wenn man solch Hofnnngen nur erregte, um das Mißvergnügen wegen der Einziehung der Achtzehnjährigen zu dämpfen Rußland. Erfolge der Tschecho-Slowaken. Karlsruhe, 5. August. Das „Berner Jntelligenzblatt^ meldet aus Kopenhagen: Hier eingelaufene Telegramme besagen, daß die Tschecho-Slowaken Orenbnrg eingenommen haben. Orenbnrg ist eine wichtige Stadt im südlichen Ural an der Bahnlinie nach Afghanistan. „Central News" meldet, es sei den Tschecho-Slowake« gelungen, durch Ueberraschung sich der großen Eisenbahn* brücke von Syzran zu bemächtigen. Auf diese Weise haben die Tsckjecho-Slowaken die Verbindung mit dem äußersten Osten wiederhergestellt. Das Verhältnis zwischen Sowjetr-gierung und Entente. Wien, 4 . August. (WV.) Die „Neue Freie Presse" schreibt? In den letzten Tagen waren Gerüchte verbreitet, daß zwische« England und den Bolschewiki der Kriegszustand eingetreten sei. In politischen Kreisen ist eine solche Nachricht nicht eingetroffen. Das Gerücht ist dahtzr mit starkem Vorbehalt anfzunehmen. Da« Verhältnis zwischen der Sowjetregierung und der Entente ist naturgemäß sehr gespannt, da die tschecho-flowakischen Brigade» in Wirklichkeit Ententetruppen sind und die Regierung in Moskau sich in vollem Kampfe mit diesen Aufständischen befindet. Beide Teile — die Entente und die Bolschewiki — • haben e» jedoch bisher vermieden, diesen tatsächlichen Zustand auch wirk» lich und rechtlich hervortrcten zu. lasten, und rechtlich hcrrcrtreten zu lasten. Das „Neue Wiener Tageblatt" schreibt zu derselben Mela düng: Die Zentralmächte haben bisher leine Ursache, ander» als mit Gewehr bei Fuß die ebenso sonderbare wie beklagen« werte Entwicklung der Dinge in GroßRußklnd zu betrachte». Moskau, 4. August. lWB.) Die hiesige Presse meldet: Di» Stärke der Serben auf Murman wird mit 3000 Mann angegeben. Wegen der Uebergabe von Simbirfk wurde von Trotzki eine Untersuchung anbefohlen. In Wologda wurde eine gegenrevolutionüre Verschwörung entdeckt; 40 Offiziere wurden verhaftet. Trotzki ist mit Extrazug in Petersburg eingetroffon. 15 000 Personen, die bei dem Vormarsch der Ewtentetrnp. pen an der Murman-Bahn flüchteten, werden nach den Gouvernements Saralow und Woronesch gebracht. Der Rat der Volkskommissare genehmigte in einer Sitzung 300 Millionen Rubel zum Kampf gegen die Tschecho-Slowaken und die Ententetruppen auf Murinan. Russische Reichsangehörige, die eine andere Untertanschaft annehmen, müssen Rußland sofort verlassen. Die Cholera in Moskau nimmt zusehends zu. Rach rinem Befehl des Murinanskcr Sowjets ist die Annahme und Weiterbeförderung aller Telegramme ins Ausland eingestellt. Moskau. 4. August. (WB.) Englische Truppen sollen Rescht Eiljak mit vorläufig sehr schwack-en Kräften besetzt haben. Bei der Beschießung von Archangelsk durch englische Kriegsschiffe sind die russischen Batterien an der Sewernaja Dwina vernichtet worden. Der UitzerßlNid der Sowjei-Ukßmlnig. Moskau, 3. August. (WB.) Heute erscheint die erste Nummer der neuen Zeitung „M i r" (Friede), des Organs der Pazifisten. Im Leitartikel führt das Blatt aus: Erschöpft durch einen dreijährigen. Zwecklosen Krieg und innere Wirren find wir jetzt nicht in der Lage, mit heiliger Entschlofienheit auf die Fortführer des Krieges, alle diese philosophistischen Wilsons, eisernen Hindenburgs, hartköpfigen Lloyd Georges und hysterischen Elemenceaus einzuwirkcn. Aber verteidigen dürfen wir »ns gegen den Krieg, in den man uns abermals hineinziehen will. Wiederum stehen wir am Abgrund eines Krieges für fremde überseeische Interessen. Es ist nicht schwer vorauszusehen, was für Folgen dieser neue Krieg fiir das hungernde, verarmte, zerrissene Rußland halten würde. Angesichts dieser grausigen Perspektive müssen wir entscheidender denn je sagen: Die russischen Hände haben schon genug Kastanien aus dem Feuer geholt für ihre aufgeklärten Freunde, jetzt sind ihre Hände verbrannt. Unsere Seele dürstet nach Ruhe und Frieden. Moskau. 3. August. (WB.) „Prawha" ftagt: Was ist der allgemeine nationale Krieg gegen die Deutschen? und antwortet: 1. ist es ein Krieg für die Eroberung Kleinasiens. Per- siens und Teile der deutschen Kolonien durch England, für die Eroberung Elsaß-Lothringens und die übrigen deutschen Kolonien durch Frankreich, 2. ist es kein Krieg, sondern eine Waffenstreckung vor den Blutegeln französischen Kapitals, 3. zusammen mit England und Frankreich Krieg führen heißt mit denjenigen gemeinsame Sache macheir, die Irland unterdrücken, heißt gegen die französischen und englischen Arbeiter kämpfen, heißt den Ast absägen, aus dem die russische Revolution sitzt, heißt mit den Freunden des Zaren Zusammengehen, heißt die Sache der Vour- geosie, der Gutsbesitzer und der Kapitalisten besorgen; 4 . ein nationaler Krieg gegen die Deutschen heißt' englischen und französischen Fleischern Millionen russischer Bauern hingcbe-n, damit sie wieder aus ihnen Kanonenfutter machen; 5. ein nationaler Krieg gegen die Deutschen heißt die russische Revolution vernichten, den Hord des Weltbrandes auslöschen, internationales Kapital unterstützen. Deshalb: Nicht einen Soldaten, nicht ein Gewehr, nicht eine Kopeke zur Unterstützung der englischen und französischen Blutsauger und Henker. „Prawda" bespricht ferner die neue Gefahr, die der Sowjet-Republik durch das Eingreifen Japans und Amerikas in Sibirien droht, und schreibt: „Infolge der großen räumlichen Entfernung ist die direkte Gefahr wohl nicht groß, aber es besteht die Drehung, daß die Ententefront der deutschen Front entgegenrücken wird. Rur sehr ungern werden sich die deutschen Annexion isteir, die sich sattgegessen, hierzu verstehen, da die neue Front große Truppenmassen erfordert^ doch wird ihnen vielleicht kein anderer Ausweg bleiben'. Die Sowjetregierung wird jedoch deren Hilfe nicht annehmen. Die Deutschen werden über den Leichnam der Sowjetrepublik sich selbst helfen müssen. Für die Sowjetrepublik gibt es nur »in Mittel: Schnell und entscheidend gegen die Tschecho-Slowaken vorzugehen, solange sie noch schwach sind und die japanisch-amerikanische Hilfe noch aussteht. Gn GrheiMrllgg S!ülononi 0 und Mgttrm. Moskau. 3 August. (MB.) „Mir" veröffentlicht einen Auszug aus dem russisch-japanischen Geheimvertrag vom 3. Juli 1915 gegen England und Amerika. Der Vertrag ist unterzeichnet von Ssasonow und Motono. Der Vertrag stellt sich zur Aufgabe: Den Schutz Chiuas vor der politischen Herrschaft irctfrtb einer anderen Macht mit Verpflichtung zu gemeinsamem bewapneten Eingreffcn. wobei die Vertragschließenden sich an. herschig maxien, keinen Separatfrieden mit dem gemeinsamen Feind- zu schließen. Der Vertrag ist gültig bis 1921. Die Ac bersch rift des Vertrages lautet: Geheimvertrag zwischen Rußland und Japan betreffend bewaffnetes gemeinsames Eingreifen gegen Amerika und England im fernen Osten vor dem Sommer 1921. Take Jonescn in Kandon. Nach einer holländischen Meldung der „Deutschen Zeitung" ist Take Joneseu, aus Paris kommend, in London erngetroffen. Während feines Aufenthalts in London wird tx Besprechungen mit den britischen Ministern über den Stand der Angelegenheiten in Rumänin und im Südosten Europas führen. In einem Interview hat Jonescu gesagt: ^.Der Krieg ist zu einem Kreuzzuge geworden für das. Recht. Ich bin dessen sicher, daß Deutschland nicht nur vollständig besiegt wird, sondern, daß der Krieg auch für alle uatioua- leu Wünsche Erfüllung bringen wird. Die nShmn Umstünde der Ermordung des Eknernlfeldmarjchaüs von Eichhorn. Aus Kiew wird gemeldet: Am 30. 7., nachmittags t.50—1.56 Uhr ging der General, feldmarschall v. Eichhorn mit seinem persönlichen Adjutanten, Hauptmann v. Dreßler, wie täglich vom gemeinsamen Mittagstisch nach Hause. In Höhe der Lipskistraße überschritten sie die Iekaterinenstraße. Als beide Herren gerade den westlichen Bürgersteig erreicht hatten, warf ein Mann, der als unauffälliger Passant auf der Straße ging, plötzlich eine Bombe, die mit großer Kraft explodierte und beide Herren schwer verletzte. Dieses geschah so schnell, daß die Mannschaft der in unmittelbarer Nähe befindlichen Wache, die nach erwiesener Ehrenbezeugung gerade abtrat, trotz sofortigen Eingreifens die Tat nicht mehr verhindern konnte. Im Augenblick der Tat fuhr auf dem östlichen Fahrdamm der Iekaterinenstraße in Richtung auf die Elisabelhstraße eine einspännige Droschke ohne Fahrgast. Der Täter versuchte in diese zu springen, um zu entkommen, wurde aber von herbei eilenden Mannschaften der Wache festgenommen und niedergeschlagen, als er einen Revolver her. verziehen wollte. Ob der Droschkenkutscher, welcher verhaket wurde, beteiligt ist, steht noch nicht fest. Die Untersuchung der Cprengstücke und der Unglücksstelle ergab, daß es sich wahrscheinlich um ome besonders angeferti.tte Bombe handelt. Dieselbe war nur handgroß, dünnwandig mit Aufschlagzünder und mit Bleistücken gefüllt. Der Täter behauptet, neben dem bereits bekannten Geständnis, die Adresse des Generalfeldmar- fchalls durch Ortseinwohner erfragt zu haben. Das Gesicht des Generalfeldmarschalls will er nach einer Photographie, die er in einem Journal gesehen hat, wiedererkannt haben. Trotz wiederholten Befragens bleibt er dabei, daß er in Kiew mit niemandem zufammengekommen sei und mit niemandem gesprochen habe. Er behauptet, die Tat allein begangen zu haben. Weiters Ermittelungen sind im Gange. 5'panijcht Intttveniisn für die Haag, 3. August. Reuter meldet aus Madrid: Der Minister des Aeußern teilt mit, daß die spanische Regierung auf Veranlassung des Königs bei den Kriegführenden angefragt habe, ob sie geneigt seien, die Witwe und die Tochter des Ex-- zaren nach Spanien überstodeln zu lassen. Genf, 5. August. Der „Temps" meldet, dvß die Bolschewik: ihre Zustimmung zu der Ueberführung der Zarin und ihrer Tochter nach Spanien gegeben haben. Erfolge stttsv-Uorbecks in Kortngikßjlh-Aflikll. Haag, 5. August. Hollandsch Nieuwsbureau meldet aus London: Das britische Kri-egsamt veröffentlicht folgenden Bericht über die Vorgänge m Ostafrika: Die feindlichen Streit, freifte unter General v. Lettow-Vorbeck bewegten sich, obwohl sie unter Verlusten und Krankheit schwer zu leiden hatten, Ende Juni und Anfang Juli in südwestlicher Richtung durch Mozam. bique, und zwar durch die Baraga- mrd Licungotäler. Sie zerstörten oder erbeuteten große Vorräte an Gummi, Hanf und anderen Erzeugnissen aus portugiesischen Plantagen. Am 1. Juli erreichte der Kommandant Rhrmacura, wo er eine kleine Gruppe Pottugiesen und Bitten auf seinem Wege fand. Ein dreitägiger Kampf entspann sich, aber schließlich gelang es dem deutschen Kommandanten, int waldreichen Gelände Deckung zu finden und in östlicher und spater in nördlicher Richtung abzumarschieren. Auch bei Ociba, Tibe und Namirroe versuchte eine britische Abteilung die Deutschen am 24. und 28. Juli festzuhalten, aber leider ohne Erfolg Die österreichische Wirtschaft. wird durch folgendes Inserat in den Triester Blättern beleuchtet' „Taus ch. Für jedes Kilogramm Roh- oder gebrannten Kaffee gebe ich Dienstag fünf Kilogramm Weizenmehl Doppelnull" oder kaufe ich den Kaffee gegen bar. Vorzumerken heute 3 bis 12, morgen 8 bis 6, Torrente 12, Hof." Wie heißt der Mann, der im Tauschweg Mehl, anscheinend in unbegrenzten Mengen, verhandeln kann, zu einer Zeit, da in Wien kaum ein Pfund Brot auf den Kopf der Bevölkerung trifft? Und das Angebot geschieht öffentlich unter den Augen der Behörden! Wahrzeichen. Wie bekannt, finden sich in zahlreichen Städten Elsaß-Lothringens noch französische Denkmäler, von denen eines der bekanntesten wohl das Standbild des napoleonifchen Generals Kleben auf dem nach ihm benannten Platz in Sttaßburg ist. Zum großen Mißvergnügen zahlreicher deuffcher Elemente sind diese französischen Denkmäler seitens der deutschen Regierung mit einer Pietät behandelt worden, die vom polittschen Standpunkt aus kaum als glücklich bezeichnet werden kann und die auch in den ftüheren zahlreichen Demonsttationen der Welsch- linge vo/ diesen Denkmälern kaum eine ausreichende Erklärung findet. Man sollte mm der Meinung fein, daß die in ganz Deutschland bevorstehende Einschmelzung der Bronze- und Kupferdenkmäler, die für so viele Städte Opfer und Härten mit sich bringt, vor den überlebten und gegenstandslos gewordenen französischen Standbildern in den Reichslanden keinesfalls haltmachen, sondern gerade mit diesen dauernden Erinnerungszeichen an die zweihundertjährige Franzosenherrschaft aufräumen würde. Doch weit gefehlt! Wie mvtgetettt wird, verfallen in den Reichslanden zwar die nach 1870 gesetzten deutschen Denkmäler, soweit sie nicht einen hohen Kunstwert aufweisen, der Einziehung und Eirrschmelzuag, die französischen Standbilder jedoch bleib«^ weit in der Mehrheit vor dem als Grenzlinie angenommene» Jahve 1850 gesetzt, als Altertümer der Nachwelt erhalten. — als Altertümer und, wie man berechtigterweise hinzusetze« könnte, als Wahrzeichen dafür., daß die Michelei in Deutschland anscheinend unausrottbar ist Wie man im feindlichen Au», lande diese und ähnliche Fragen behandelt, ohne sich in der gleb chen Zwangslage zu befinden wie wir, zeigt zur Genüge wohl die Einschmelzung des Standbildes Friedrich des Großen ft» Washington. Gin offizieller Irrtum. Die „Rordd. Allg. Zig." hat zum 31 Juli dem Grafen Hertling einen Geburtstaosartikel gewidmet und hat sich.dabei um einen Monat geirrt, der Reichskanzler vollendet am 31. August nicht an, 31. Juli, sein 75. Lebensjahr. Man kann sich denken, welche Menge unzeitiger Glückwünsche dieses Versehen verursacht hat. Es ist eine Kleinigkeit, aber bezeichnend für den Grad von Zuverlässigkeit, mit dem zurzeit im amtlichen Berlin die Geschäfte besorgt werden. Die Auszeichnungen im Kriege. Anläßlich des jetzt in das fünfte Jahr gehenden Krieges sei • nachstehend ein kurzer Aeborblick der an unsere heldenmütigen ' Truppen und auch an Angehörige der uns verbündeten Armeen . verliehenen Auszeichnungen gegeben. Die höchsten -Zahlen hat das Eiserne Kreuz zweiter und erster Klasse'aufzuweisen. Erste- res ist an über 1400 000 Inhaber und letzteres an über 80 480 Ritter verliehen worden. Das Croßkreuz tragen folgende Heer , sichrer: Generalfeldmaischall von Hindenburg, 'Kaiser Wilhelm, die Eeneralseldmarschcille von Mackensen und Prinz Leopold von Bayern und General der Infanterie Ludendorff. Nur einmal ist das Eiserne Kreuz mit Strahlen, und zwar an den Eeneralfeldmarschall von Hindenburg verliehen worden. Der Ovden Pour le Merite wurde 490 mal verliehen, und zwar a>> , 472 Angehörige unserer Armeen und an 13 der österreichisch- ungarischen, 3 der bulgarischen und 2 der türkischen Armeen. Von diesen Rittern tragen auch 90 das Eichenlaub zu dem Orden, und zwar 88, die das Ritterkreuz im jetzigen Kriege erhalten haben und 2, die dasselbe schon vor dem Kriege besaßen. Mit dem als Kriegsauszeichnung äußerst selten verliehenen Orden vom Schwarzen Adler sind 12 Heerführer und 2 Staatsminister ausgezeichnet worden. Unzählig sind die Beförderungen wegen Tapferkeit vor dem Feinde. Außerdem erfolgte an 15 hervorragende Truppenführer die Verleihung von Chefstellon preußi. scher Truppenteile. Offizier-Zivilversoryrmg. Im Kriegsministerium und bei den Versorgungsämtern der Generalkommandos befindet sich \t eine Auskunftsstelle für Offiziers-Zivilverforgung. Die im Bereiche des 18 . Armeekorps eingerichtete Auskunftsstelle führt die Bezeichnung ..Auskunft-, stelle für kriegsbeschadigte Offiziere beim Versorgungsamt 18 . A.-K. in Frankfurt a. M." Ihre Tätigkeit umfaßt die Berufsberatung. Berufsausbildung, die Erschließung und den Nachweis geeigneter Stellen für alle im Korpsbereich ansässigen Offiziere des Heeres, der Marine und der Schutztruppen, sowie der oberen Militärbeamten, die infolge einer Kriegsdienstbeschädigung zum Ausscheiden aus dem Dienst und zu einem Wechsel ihres seitherigen Berufes gezwungen sind. Offiziere, auf welche die vorstehenden Voraussetzungen nicht völlig zutreffen, sowie kriegsbeschädigte Fähnriche und Fahnen- junker, die einer Berufsfürsorge bedürfen, werden von der Beratung nicht ausgeschlossen. Ratsuchenden wird empfohlen, bei der Auskunftsstelle nach vorheriger schriftlicher Anmeldung persönlich vorzusprechen. Bei Eisenbahnfahrten genießen kriegsbeschadigte Offiziere usw. Fahr. Preisermäßigung. Auf dem Gebiete der Offizier-Zivilversorgung ist auch der deutsche Hilfsbund für kriegsverletzte Offiziere e. V. in Berlin W. 8, Leipziger Sttaße 104, tätig. Die vW ihm unter dem Namen „Deutscher Hilfsbund herausgegebene Wochenschrift kann bei der Auskunftsstelle sowie in den Lazaretten eingesehen werden. In den vom Kriegsministerium herausgegebenen „Anstellungsnachrichten" werden Bekanntmachungen (Amtliche Mit- teilungen, Stellenangebote und Stellengesuche) für kriegsbeschädigte oder versorgungsbercchtigte Militärperssnen und Hinterbliebene von Heeresangehörigen veröffentlicht. Diese Zeitschrift liegt bei allen Ersatztruppenteilen, Bezirkskommandos, Melde-, ämtern, sowie in den Lazaretten und Offizier^peiseanst alten aus. Zur Deckung der Kosten der Vorbereitung mtf ettivn neuen Beruf können in geeigneten Fällen vom Kriegsministerium und deutschen Hilfsbund Beihilfen gewährt werden. Urrr für Auslandsware. Im Abendblatt der „Frankfurter Zeitung" Nr. 206 vom 27. Juli in der „Rundschau" im Handelsteil finden sich folgende Lätze: . . Indessen haben sich ja se:t damals die Dinge von Grund auf gründett. Vor allem sind die Produttionskosten heute wahrscheinlich um ein Mehrfaches gegen damals gestiegen. Die Arbeitslöhne sind in den Baunrwollstaaton gerade gegenwärtig ungewöhnlich hoch, die Bodenpreise haben sich auk ein Mehrfaches erhöht usw. ..." Was für Amerika recht ist, sollte fiir Deutschland billig sein. Es ist nur zu verwundern, daß die „Frankfurter Zeitung" bet den amerikanischen BaumwollPflanzern die Berechtigung einer erheblichen Steigerung der Preise der Erzeugnisse eiusieht und als richtig anerkennt, währen-,sie bei deutschen Erzeugnissen mit Höchstpreisen, Veschlagnahniungen, Strafen und arideren Gewaltmitteln arbeiten will, um die Preise billig zu halten. Er sei nur nebenbei erwähnt, daß die billigen Höchstpreise, oder Höchstpreise überhaupt, die Erzeugung emschränken und die ®in* Schränkung wirkt automatisch preisverteuernv. Die Löhne -er Wßungsarbeiler. £cz Deutsche Metall arbeiterverband veröffentlicht eine Stai* ^lsttk über Me Löhne in der Rüstungsindustrie, an vor 509 945 Arbeiter und 259 061 Arbeiterinnen beteiligt waren. Die Statistik kommt schließlich zu folgenden Ergebnissen: „Die Wochenverdienste für die 509 945 an der Statistik beteiligten Rüstungsarbeiter bewegen stch in folgender Höhe. Es verdienen die Woche 1 18 Mark, 112 18 bis 25 Mark, 2668 25 bis 30 Mark. 21671 30 bis 35 Mark, 23733 35 bis 40 Mark, 57 864 40 bis 45 M., 52 428 45 bis 56 Mk., 110 474 50 bis 60 Mk.. 113 609 60 bis 70 Mk., 113 956 75 bis 100 Mk., 10 428 100 bis 125 Mark und 3003 über 125 Mark. Es ergeben sich demnach für sämtliche an dieser Erhebung beteiligten Männer folgende Wochenoerdienste: 156 477 - 31 r l v. H., verdienen unter 50 Mark, 224 083 - 43,9 v. H. verdienen ! 50 bis 75 Mark. 113 956 - 22,4 v. H. verdienen 75 bis 100 Mark und 13 429 - 2,6 v. H. erreichen Verdienste von über 100 Mark. Die Wochenverdienste der 259 061 beteiligten Arbeiterinnen betragen' 3761 12 bis 15 Mk.. 13 031 15 bis 18 Mk., 6995 18 bis 20 Mark, 13513 20 bis 22.50 Mark, 17 463 22.50 bis 25 Mark. 48 729 25 bis 30 Mark. 28 851 30 bis 35 Mark, 51164 35 bis 40 Mark, 53 882 40 bis 45 Mark, 15 628 45 bis 50 Mark, 5517 50 bis 60 Mark und 524 über 60 Mark. Demnach verdienen: Dis 20 Mark die Woche 23 790 Arbeiterinnen - 9,2 v. H. bis 30 Mark die Woche 79 705 Arbeiterinnen - 30,8 v. H. bis 40 Mark die Woche 80 015 Arbeiterinnen - 30,9 v. H. bis 50 Mark die Woche 69 510 Arbeiterinnen - 26,8 v. H. Ueber 50 Mark die Woche 6041 Arbeiterinnen - 2,3 v. H. Rur in Berlin und Rheinland-Westfalen wurde eine größere Zahl Arbeiterinnen festgestellt, die über 50 Mark die Woche verdienen. In allen übrigen Lande, teilen bleiben die Verdienste der Arbeiterinnen unter 50 33i~.rf die Woche. Der Bericht meldet zum Schluß, daß die Löhne „für Hunderttausende von Rüstungsarbeitern durchaus unzureichend feien und verlangt statt Abbau Erhöhung der Löhne. Er fügt hinzu, daß „diese Verdienste durchweg festgestellt worden seien für Betete mit gutor.gcmifiert-r Arbeiterschaft und mit Hilfe der Organisation erreichten wesentlichen Lohnerhöhungen. In Betrieben, in denen wegen schlechter Organisation der Arbeiter Lohnbewegungen nicht hätten durchgeführt werden können, lägen die Verhälttnffe natürlich noch ungünstiger." Auch aus dieser Statistik ergibt sich, daß mehr wie zwei Drittel der männlichen-Rüstungsarbeiter mehr als 50 Mack die Woche verdienen und daß etwa ein Viertel ein Wochenein- kcmmen von 75- 100 Mark hat, also ein Monatseinkommen von 350—450 Mark hat. Außerdem muß man bedenken, daß in sehr vielen Fällen mehrere Familienmitglieder in der Rüstungs- inMiftrie arbeiten, gewisse Arbeiterfamilien also sehr hohe monatliche Einkünfte haben. Außerdem ist die Statistik offenbar ganz unvollständig, vor allem scheinen die anßevordentlichen hohen Akkordlöhne garnicht berücksichtigt zu sein, da immer nur von Stundenlohncn die Rode ist. Es kann auch gar nicht bestritten werden, daß die Löhne der Rüstungsarderter weit höher sind, als die Einkünfte vieler Schichten des selbständigen Mittelstandes und der mittleren und unteren Beamten. Jlu joMWeu Mrt-chaftgjmnpf. Wie die Ueberlastung der Gerichte entsteh?. Etwas mehr Mäßiigumg bei der Festsetzung der Höhe der Straf, befehle empfahl mit Recht der VerteiiMger in einer Verhand- .lung vor dem Schöffengericht Berlin-Mitte, vor welchem eine 65jährige Frau wegen Uebertretung der ReichsgetreS>eordnung und der einschlägigen Magistratsvervrdnung über den Verkehr mit Futtermitteln angeklagt war. — Die Angeklagte ist die Ehefrau eines bald 70jährigen schwerkranken Molkcreibesitzers und hat die gesamte Arbeitslast, welche eine Molkerei mit dem Frühaufstehen ufw. mit sich bringt, auf ihren Schultern, da ihre drei Söhne im Felde stehen. Ihr „Verbrechen" bestand nun darin, daß sie es vergaß, die Zuweisung von Futterhafer bei dem Magistrat anzumelden, als sie von dem heute besonders schweren Unglück heim gesucht wurde, daß ihr einziges Pferd erkrankte und schleunigst einem Pferdeschlächter zur Notschlachtung übergeben werden müßte. Da sie für ihr Geschäft unbedingt ein Pferd brauchte, unterließ sie die Anmeldung auch fernerhin tn der Hoffnung, bald wieder ein Pferd erwerben zu können. Inzwischen hatte die Behörde von dieser Unterlassungssünde Kenntnis erhallen, und die Folge war, daß die alte Frau eines Tages einen Strafbefehl über die Summe von 4000 Mark eo. 1 Jahr Gefängnis zugestellt erhielt. Gegen diesen außerordentlich hohen Strafbefehl erhob Rechtsanumlt Gurzeit Widerspruch und wies vor Gericht auf einen kurz vorher verhandelten Fall nls Gegenstück hin. in welchem zwei Angeklagte, welche sechs ^rotkarten gebruft halten, nicht wie sonst wegen Hehlerei, sondern nur wegen Uebertretung zu 10 Mark Geldstrafe verurteilt vorder seien, die Anfiihrung dieses Gegensatzes ge,rüge. Notwendig im allgemeinen Interesse aber der Hinweis, daß die bieterörterte Überlastung der Gerichte zum großen Teil darauf zurückzuführen sei, daß wegen ganz geringfügiger Uebertre. tungen Strafbefehle erlassen würden, die gleich in die Dausende vehen. — Das Gericht ermäßigte auch die Strafe von 4000 Mk wif 160 Mk. Geldstrafe.. Sammeln von Sncheckern. Zur Förderung der Sammlung von Bucheckern hat der Staatssekretär des Kriegsernährungsamtes durch eine im Reichgefetzblatt Rr. 104 veröffentlichten Verordnung die Bundesregierungen verpflichtet. Vorschriften über das Sammeln von Bucheckern zu treffen. Insbesondere werden Sammelstellen \ «richtet werden, bei denen die Bucheckern gegen eine Entschä- [! abgegeben werden können. Um einen möglichsten Anreiz i «um Sammeln und Abliefern von Bucheckern zu schaffen, wer- * den die Sammelstellen einen Preis bezahlen, der zwischen 1.70 Mt. und 1.80 Mk. für das Kilogramm liegen dürfte; das Nähere wird seitens der Landes-Zentralbehörden bekanntgogeben werden. Als weiterer Anreiz für die Ablieferung gesammelter Bucheckern ist die den Ablieferern zu erteilende Erlaubnis vorgesehen. aus den von ihnen gesammelten Bucheckern bis zur Höhe der von ihnen abgelieferten Menge selbst Oel Herstellen zu lassen, zu welchem Zwecke ihnen ein Schlagschein ausgehan- digt werden wird. Soweit die Ablieferer fertiges Oel beziehen wollen, sind sie berechtigt, statt des Cchlagscheins Speiseöl in einer bestimmten Menge zu verlangen. Um eine mißbräuchliche Ausnutzung der Bucheckernernte zu verhindern und eine gewisse Gewähr zu schaffen, daß es nicht zu einem Schleichhandel mit Bucheckernöl kommt, ist das Schlagen von Oel nur in den vom Krlegsausscb".ß für pflanzliche und tierische Oele und Fette zugelassenen Oelmüblen gestattet. Ferner ist jede anderweitige Verarbeitung vom Bucheckern, soweit sie gewerbsmäßig erfolgt, verboten. Ans der Heimat. Kolcnial,Kriogcrfpeude. Man schreibt uns: Unsere Kolonien sind in Feindeshand. Neu-Deutschland, das der Heimat köstliche Rohstoffe gab, ward darum eine Beute englischer Krämergier. Bitter fühlbar hat uns dieseir Krieg vor Augen geführt, daß unsere gesamte Volkswirtschaft auf Gedeih und Verderb von den Rohstoffen abhängig ist. Gewiß Hai deutscher Er- srndOigeist es fast überall vermocht, an Stelle der Rohprodukte Kunsterzeuginsfe zu setzen. Aber die Haltbarkeit z. B. der Pa- pieranzüge und Kleider ist vorläufig noch ein Problem. Wir wollen es dem obersten Kolonialbeamten des Reiches danken, daß er als Leitsatz künftiger Kolonialpolitik die Rückgabe des früheren Kolonialbesitzes vertritt. In diesem Zusammenhang ist es zu begrüßen, ruemt die amtlich verwaltete Kolonialkrieger- Spende, deren Reinertrag den schwer geschädigten Deutschen in den Kolonien zufließt, in der nächsten Woche mit einer Sammlung an 2 Opfertagen hervortritt, deren Ergebnis die noch un. vernarbten Wunden heilen soll, die der Krieg allen Kolonial- deutschen geschlagen hat. Wir wenden uns an unsere Mitbürger mit der Bitte: Wenn Euch am 17. und 18. August die Sammelbüchsen entgegengestrcckt worden. Euer Scherflein aus dem Altar des Vaterlandes zu opfern, dann spendet reichlich. Die Braven und auch so Unglücklichen da drüben — um Deutsch- larcks Ruhm und Ehre — sie Habens hundertfach verdient. Da- num die Parole für den Opfertag der Kolonialkrieger-Sponde: „Ein treudeutsches Herz und eine offene Hand für unsere tapferen KoloniaLdeutsche-n." Bad-Nauheim. Durch Verfügung des Ministeriums des Innern ist dis Verordnung über die Regelung des Fremdenverkehrs in Bad-Nauheim mit Wirkung vom 1 . August aufgehoben worden Es besteht danach keine Aufenthaltsbeschränkung für die Kurgäste mehr. Frankfurt a. 9JL, Z. August. Am Hauptbahnhof wurde eine Taschendie-öin, ein Mädchen von 20 Jahren, auf frischer Tat fostgeuommen. Man fand bei ihr mehrere gestohlene Geldbörsen und einen Barbotrag von annähernd 1000 Mark. — Aus der Wohnung eines Kolonialwarenhändlers in der Moselstraße wurden 7000 Mark bares Geld gestohlen, vermutlich von Einbrechern, die schon zweimal die Ladenräume beraubt haben. Aus Starkcuburg. Darmstadl, 3. August. Ein nach Kranichstein ausfahrender Gütcrzug überfuhr vergangene Nacht das vor einem sogenannten Leergeleise stehende Haltesignal. Die Lokomotive und fünf Wagen stürzten in den am Ende ksr Kleinen strich und zärtlich sagte' „Träume sind Schäume, Haust. Warum sollte dir Graf Nordkirch nicht mal Rosen schenken, das tun ja andere Herren bei paffender Gelegenheit auch." Haust sah schwärmerisch die Atelievd-ecke an und dann der Schwester? in die grauen Augen. „Ach weiht du, Aga, aber Rordkirch — der ist doch so ganz besonders, denke mal, zweimal habe ich ihn schon getroffen, wenn ich des Morgens in die Malstunde ging. Grüßen tut er, sage ich dir. als wäre ich eine .Königin, und Augen macht er dann immer, sieh mal, so — das ist ganz fürchterlich schön?" Aga zag schützend den blonden Kops des jungen Mädchens an ihre Brust. Eine unsagbare Angst um das junge Geschöpf dort zog in ihre Seele — sie wußte es selbst nicht, warum. Dieses Kind zu hüten und zu beglücken, war doch die höchste und schönste Aufgabe ihres Lebens. ,.Drr, Aga, was denkst du? Meinst du, daß ich ihn morgen sehe?" „Wo hast du ihn denn getroffen, Hansi?" „Ach. immer in der KöniggrÜtzerstraße, in der Nähe des Brandenburger Tores." ..So wirst du von morgen ab die Bellevuestroße entlang gehen. Hast du verstanden, Hansi?" Das junge Mädchen sprang erzürnt auf und stand nun mit blitzenden Augen der Schwester kampjbereit gegenüber. „Du gönnst mir auch rein gar nichts," sagte sie und stampfte zornig den kleinen Fuß auf, und die blonden Locken aus dem glühenden Gesicht streichend, fuhr sie fort: „Meinst du viel- lercht, ich will auch so eine alte Jungfer werden, wie du? Nein, das fallt mir gar nicht ein, ich will mein Leben genießen und nuch freuen. In der Malstunde haben sie alle einen — einen Verehrer nämlich - und wo mal so 'n rares Huhn wie ein Verehrer auftaricht, do soll ich ihm noch ausweichen. Nein Aga, das tue ich nicht. Ich will auch Rosen und Liebe im) nttes das, was in den Büchern steht. Du" — sie stockte — wie bleich und gebrochen die Schwester doch ausfah — „du freilich" -- fuhr sie zögernd fort, „du kennst und brauchst so was alles nicht. Du hast deine Kunst und -ie genügt dir und wenn es dir nur .zu langwellig wird, berauscht du dich an Freund Hol- gers Dichtungen und weiter — siehst du - weiter geht's nicht!" Kehannimachmig Die zur Zeit im Umlauf befindlichen Gierkarten werden vom 7. ds. Mts ab für ungültig erklärt. Sie werden zu folgenden Zeiten in Zimmer 9 des Stadthauses umgetauscht: Bezirk I Nr. 1—450 Mittwoch vormittag ; Bezirk I Nr. 451 und höher Mittwoch nachmittag,' Bezirk ll Nr. 1—450 Donnerstag vormittag; Bezirk 11 Nr. 451-900 Donners- T)as große blaffe Mädchen, das mehr als zehn Jichre alter mar, als das junge, gliückoerlangende Geschöpf, legte zärtlich iund ohne eine Spur von Bitterkeit den Arm um die schmalen Schultern der Kleinen. Wohl war es in ihrem Herzen soeben heiß aufgewallt bei den schomingslosen Worten Hansis, aber sie zwang sich doch zur Ruhe und sagte freundlich- „Mein armes, dummes Kleinchen. Du wirst noch so gut wie ich einsehen, wie schnell die Rosen des Glückes entblättern, aber ich möchte dich gern davor bewahren, daß du selbst als entblätterte Rose in den Staub sinkst. Vater und Mutter habe ich es einst gelobt, über dich zu wachen, und nichts, Hansi, nichts wird mich davon zurückhalten, mein Gelöbnis zu halten." Wie hart und fest die stahlgrauen Angen blicken konnten, und Hansi kannte den Blick. Scheu legte sie das weiße Kinderhändchen in die große, weiße, kühle Hand der Schwester. „Du, Aga, ich will ja auch durch kve Vellevuestraße gehen," sagte sie halb trotzig, halb zärtlich, „aber weißt du, Augen hat der' Rordkirch, Donnerwetter, ich finde sie bildschön! Du auch?" "Ja", — sagte Aga gedankenvoll. „Als ich so alt war wie du, da habe ich sie auch sehr schön gesunden." Hansi sperrte das rosige Mäulchen weit auf und starrte entsetzt in das Gesicht der Schwester- „Du — du auch?" „Natürlich " lächelte Aga müde. „Er war ja früher oft in Verghausen. Das weißt du ja." Eine Weile schwieg die Kleine, dann aber sah sie schelmisch lächelnd zu der Schwester auf und sagte treuherzig: „Du, Ag.a, wenn du ihn vielleicht willst — ich gebe ihn dir!" Nun lachte auch Aga. Wie das klang! So glockenrein, so früh! ings frisch. „Du willst nicht?" „Nein, Hansi, ich verzichte dankend, aber nun geh schlafen. Schatz, es ist spät, und du mußt morgen früh in die Malstunde. Mirena scheint uns unnötig in Angst versetzt zu haben — es ist mehr als zwei Uhr. Der Zug, der sie von Verghausen hätte herführen können, muß längst hier sein. Vielleicht kommt sie morgen." „Ach. die," entgegnete Hansi geringschätzig, ihre goldblonde Haarmasse zusammetlrasfend und am Hinterkopf leicht mit einem goldenen Pfeil aufsteckcnd, „ich mag sie nicht, deine Mirena. Immerzu tut sie totunglücklich und unzufrieden, und dabei hat sie das süße kleine Kind und sonst noch tausend schöne Dinge, die andere nicht haben". „Das verstehst du nicht, Kleines, geh jetzt schlafen, ich Danksagung. ÄM Um in Batist, Wolle u. Seide, in allen Grössen. tag nachmittag, Bezirk II Nr. 901 und höher Freitag vormittag; Bezirk III Freitag nachmittag. Friedberg, den 3. August 1918. Der Bürgermeister _ I. V.: Damm. Impfung 1918. Die diesjährige Impfung der imp>pstichligen Kinder in der Stadt Friedberg findet statt am Mittwoch, den 7. und Mittwoch, den 14. August in der Musterschule, nachmittags 4V 2 Uhr Es können gebracht werden: 1. Alle im Jahre 1917 geborenen Kinder. 2. Die noch aus früheren Jahren rückständigen Kinder. 3. Kinder aus den ersten Monaten des Wahres 1918. 4. Kinder, die auswärts geboren und ungeimpft hier zugezogen find. Aus Familien mit ansteckenden Krankheiten dürfen Kinder nicht vorgestellt werden. Fri-chberg, den 5. August 1918. Der Bürgermeister. I. V.: Dam m. 40 000 MM men Mer-Tchrheit, auch gekeilt, auszuleihen. Angebote unter Nr. 1490 an die Geschäftsstelle der „Neuen Tageszeitung". Guterhaltenes Piano von solider Konstruktion gegen Kaffe zu kaufen gesucht. Angebote unter F. C. K. 80» •n Rudolf Masse, Frankfurt a. M. 9?ur auf diesem Wege ist es uns möglich, für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Be. erdigung unseres lieben unvergeßlichen Entschlafenen zu danken, besonders für die trostreiche Grabrede des Herrn Pfarrer Kleeberger, dem Veteranen- und Militäroerein, der Bäckerinnung sowie für die überaus zahlreichen Blumenspenden. Fried berg. den 6. August 1918. 2m Namen der trauernden Hinterbliebenen: Familie Rosenschon. a Friedberg;, dem Rathause gegenüber. I. Absaat, hat abzugeben it. Wiitmer, Doltenfelderhof bei Vilbel. Feldscheunen! 10.00m br., 24.00 bis 36,00 m lang 12.00 „ „ 24,00 15.00 „ „ 30,00 18,00,, „ 30,00 20.00 „ „ 30,00 sofort lieferbar. Georg Crumbach 36.00 42.00 42.00 60.00 fiankfnrt a. M. 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Du weißt aber, wie sehr sie auch unserm guten Vater ans Herz gewachsen war^ und daß ich in guten und bösen Tagen ihr stets treu zur Seite gestanden habe. Schlaf wohl. Hansi." Das zunge Mädchen küßte die ältere Schwester stürmisch und eilte hinaus. Wie ein weißer Schmetterling flatterte sie von dannen, und als die dunkle Samtportiers schon lange hinter der jungen Gestalt gefallen, stand Aga noch und starrte der Schwester nach. Da schob sich dann auch noch einmal der blonde Lockenkopf zwischen den dunklen, grünen Vorhängen hindurch und mit einem reizenden Lächeln um den rote« Wund rief Hansi der Schwester zu: „Du, ich gehe auch morgen ganz gewiß durch die Bellevue- stvaße." „Sie ist ein Kind, ein süßes Kind." sagte Aga gedankenvoll, das weiche zur Erde geglittene Vä'.enkell wieder über das Lager breitend, dessen goldene Säulen oft brennende Fackeln schmückten, während heute das Lager ttef im Schatten lag. nur matt von den gelb verhangenen Lampen beleuchtet. Schon streckte Aga die Hand aus, auch heute die Fackeln zu entzünden. Es sollte bell und licht sein überall, festlich, wenn sie kam/"die Müde, Gebrochene. Verirrte, aber gleich darauf ließ Aga die Hand wieder sinken. „Rein, Mirena muß erst lernen, das Licht zu schauen," sagte sie recht gedankenvoll. Dann trat sie hier und da an eine Lampe heran, dieselben löschend. Der große, weite Raum, das Atelier lag nun im Dämmerlicht. Die großen Wandgemälde, welche die beiden Längsseiten des Saales Einnahmen, v aren im tiefsten Dunkel. Nur die weißen Marmorgruppen, die hier und dort standen, glänzten gespenstisch zwischen den dunkel verhüllten Staffeleien, Vildstudien und Skizzen cmf. Langsam zog jetzt auch Aga den weißen Malkittel, den sie trug, von den Schultern. Fortsetzung folgt. Tapeten- und Linoleumhaus Jean Mogler, a Nähe des Rathauses. Halte täglich Sprechstünden von morgens 87a bis 7 Uhr abends Sonntags von 9 bis 12 Uhr. Zahn-Praxis P. 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