Uitmmer 181 Nnstlyreis Montag, den 5. Angnst 1018 11 . Jahrgang. Die Tas,°!5-ti,»s" -rlch-int icden Wertta^. Negeiml-Ltge Beilasen ..Der Lauer an» f,essen". ..Die Spinnstnhe". K-!ug°nr«-s! Bet den Postanstalten diertsljähilich Mk. 2 40 flinju tritt noch Las Bestellgeld: hei ->en . -enter, monatlich 85 Psg. einschließlich Trägerlohn. Anzeige-.,: Grundzeile 25 Pfg.. lolale 28'Pfg.. An,eigen von auswärts werden durch Postnachnadm» erhoben. Erfulluiigsori^rtedberg. Fchriftieitnng »»fr Verlag l;riedberg (Seifer), 'tanauerstraste 12. Fernsprecher 48. PastscheL.Loata Ar. 4859, Amt ^rantsurt a. M. Soifsgns Von den Frnn^o^en besetzt. — Das Ul meftllche Ancre Mr gsranmt. — 33 000 Tonnen versenkt. I Der deutsche Genera!stad .. - --- meldet: - - W. T. K. Großes KarrpZrzrmrrier, den 3. August Amtlich. Westlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe Kronprinz Rupprecht. Südtvestlich von Fpern schlugen wir gestern früh einen starken englischen Teilangriff ab. Im übrigen beschränkte sich die Gefechtstätigkeit aus Erkundungen und zeitweilig ausieöendes Artilleriefeuer. Heeresgruppe Deutscher Kronprinz. Die großen Erfolge der Armee des Generalobersten v. Doehn in der Schlacht am 1. August trugen zum vollen Gelingen der gestern dnrckgeführten Bewegungen bei. Auf unserem alten Kampfgelände lag bis zum frühen Morgen as Intereste des Erzeugers an der Hebung der Produktion zu fördern". Es ist bemerkenswert, datz das demokratische Blatt dieses Vorgehen der Schutzgebietsbehörden als durchaus gerechtfertigt und geboten betrachtet, bemerkenswert um deswillen, als man bekanntlich iw eigenen Lande ein anderes Verfahren für richtig hält. Hier wird als geeignetes Mittel zur Förderung des Interestes der Erzeuger an einer Produktionssteigerung der Arbeitszwang betrachtet und jeder Versuch, die Gestehungskosten landwirtschaftlicher Produkte mit den Höchstpreisen in ein einigermaßen erträgliches Verhältnis zu bringen, als wucherische Ausschreitung des „Agrariertums" gvr weiteren Aufhetzung der Stadt gegen das Land ausge. schrien. Als die mehr als-bescheidene Erhöhung der Getreide^ preise kam. wurde sie von der Sozialdemokratie zu „Millionen- Verdiensten der Landwirtschaft" umgcfälscht, und von der Reichstagstribüne herab vernahm man aus sozialdemokratischem Munde den Satz: „Trotz der allgemeinen Teuerung fordert dt- Landwirtschaft höhere Preise." Dieses „trotz" ist bezeich- r.-end für die wirtschaftlichen Einsichten, die jenen nur auf Demagogie gestellten Kreisen eigen sind. Rings um die Landwirtschaft bestecht freie Preisentwicklung: die Förderung der Produktion in der Industrie ist von der Militärbehörde in weitsichtiger Weise und in richtiger Erkenntnis der wirtschaftlichen Zusammenhänge von vornherein dadurch erreicht worden, datz ickan durch die Behandlung der Preise als einer absolut sekun- dären Frage den wirksamen Anreiz zur Prodickttonsoermehrung schuf: die Preisentwicklung auf allen Gebieten ist von Jahr zu s^ahr, von Monat zu Monat, manchmal sprunghaft, eine gewaltig auffteigende gewesen; niemand wundert sich, wenn er für Handwerk er l eistn n gen. wenn er.für sonstige Vediirfniste das Vielfache des früheren Preises bezahlt. Nur die Leistungen der Landwirtschaft wurden eingeschnürt in das System der Höchstpreise; nur sie konnte nicht der Preisentwicklung rings um sie her sich anpasten. nur ihr blieb der Anreiz zur Produktionsförderung durch eine „vernünftige Preispolitik" vorenthalten. Von ihrem Patriotismus wird erwartet, und bezeichnenderweise bisher im grotzen und ganzen mit Erfolg, datz sie, auch ohne dis der Iuoufttte gewährten hohen Preise, auch ohne die den Mn* nittonsarbeitern für reguläre Arbeitsleistung bewilligten Lohn- steigerungen. ihre vaterländische Pflicht in der Produktion der Ernährung erfüllen würde, selbst angesichts der Notwendigkeit, in steigendem Matze unter den Selbstkosten zu produzieren^ Statt datz die Einsicht der grundsätzlichen Gegner der Landwirtschaft so weit gereicht hätte, um zu begreifen: wegen der allgemeinen Teuerung mutz die Landwirtschaft höhere Preise fordern, verschließt man die Augen vor der Vernunft, sagt „trotz", und schreit die bares Geld auf ihre Pflichterfüllung noch obenauflegende Landwirtschaft als wucherische« Schädling aus. Innerhalb der einzelnen Wirtschaft hat naturgemäß das System der ungenügenden Höchstpreise dahin geführt, daß ein krastes Mißverhältnis eintrat zwischen dem Wort der Pro. dukte bei der Ablieferung, und dem Wert, den sie beim Gebrauch in der eigenen Wirtschaft haben. Das mutzte notwendigerweise von vornherein dir Zwangsbewirtschaftung mit ihrer restlosen Erfastung illusorisch machen Sehr treffend kennzeichnet die naturnotwendige Folge dieser falschen Politik Dr. Schiele in einem Aufsatz des „Größeren Deutschland", wo er schreibt: Der Hauptfehler unseres gegenwärtigen Wirtschaftssystems ist, datz wir dem Landwirt seine Ernte zur Hälfte des Produktionspreises abdrücken, zur Hälfte desjenigen Wertes, den sie im engen Kreisauf seiner eigenen Wirtschaft für ihn selbst bedeutet. Der wirkliche Wert entsteht außerhalb aller Willkür in einer genauen Schweiß- und Arbeitsrechnnug, dis der Bauer mit seinem Widerpart, der kargen Mutter Erde, führt. Nun ist es durchaus berechtigt, datz der Dauer auch die Kriegsnot fühlt. Krieg ist Vauernplage, und der Bauer will kein Kriegsgewinner sein. Das haben die deutschen La dwirte am Anfang des Krieges bewiesen, als sie sich selbst unter das Gesetz der festen Preise stellten. Der «Landwirt soll und will Opfer bringen. Aber das gefährliche ist die völlige Beschlagnahme aller Arbeitsfrüchte zu ernem falschen Preise. Sie ist Raubbau an der Arbeit: sie unterbricht die regelmäßige Wiederkehr des Wertes der Anstrengungen im ewigen Kreislauf der Arbeit mit der Natur. Wenn nun die Kräfte erlahmen. so ist die Folge: Der Boden entzieht sich langsam immer mehr dem Getreidebau und die tätigen Arme entziehen sich langsam immer mehr dem Landbau. Die Ernte wird kleiner statt größer, weil die Anstrengungen kleiner statt großer werden, weil die Ansttengungen in ein immer größeres Mißverhältnis zum wiederkehrenden Wert geraten. Wir erleben das, was in unserer Kriegslage das allerverkehrteste ist: der Boden wendet sich dem Gemüsebau zu, das Geld wcrn. dett zum Bankier oder in die Kriegsanleihe und die Arbeitskraft wendet sich irgendwelcher Selbstversorgung zu. Ohne Boden. Geld und Arbeit gibt es aber kein Vrotkorn. Und der Standpuntt, den die „Frankfurter Zeitung" für die ostaftitanffche koloniale Landwirtschaft als durchaus richtig anerkennt, während sie für feine Anwendung auf die deutsche Landwirtschaft bisher noch keine Lange gebrochen hat, der Standpunkt der „vernünftigen. Preispolitik wird von weiten Kreisen Sachverständiger und Einsichtiger als das A und O der ganzen Frage größtmöglicher Ausnutzung unserer Ernährrmgs- basis erkannt. Jever Bauer erfahrt jeden Tag. datz es außerhalb seiner eigenen Produktion nichts gibt, auf das der ftoie Verkehr nicht vielfach preissteigernd gewirkt hat. Ihm aber wird für jedes Ei und jedes Pfund Obst und jeden Kohltopf der Preis toi Amtsblatt vorgeschrieben, nebst der notigen Strafandrohung bei lleberschreitung. Daß dabei die Produktionsfroudigkeit eine Förderung erfahren sollte, können am allerwenigsten die Kreise erwarten, die für die Bezahlung gesunkener Arbeitskraft in der Industrie ein Vieffaches der früheren Entlohnung als eine Solbstoerständlichkeit fordern. Wenn sich die Folgen einer solchen widersinnigen Preispolitik in ihrer Wirkung auf die Produktton, in ihrer Nebenwirkung auf die Zwangsbewirtschaftung der Nahrungsmittel nicht in steigendem Matze bis zu schließlich katastrophalem Umfang auswachsen sollen, dann fft es Zeit, daß man wieder die Vernunft in ihre Rechte setzt, und daß man die deustchen Landwirte nicht schlechter behandelt, als die ostafrika- mschen Farmer und Eingeborenen, denen selbst die „Frankfurter Zeitung" den Anspruch auf eine „vernünftige Preispolitik,, konzediert. Uom Felde der Ehre. Friedberg. Dem Kanonier Mar Kühner wurde das Eiserne Kreuz zweiter Klasie verliehen wegen besonderer Tapferkeit vor dem Feind. Die Hessische Tapserkeitsmedaille besitzt er schon. Getttnau. Dem Unteroffizier Wilh. O st h e i m VIH. in einem Landst.-Jnft.-Regt., vor kurzem zum Sergeanten befördert, wurde das Eiserne Kreuz zweiter Klasse verliehen. Aus der Heimat. Friedberg. Freunde gediegener Dkusik seien auf das nächsten Mittwoch Abend toi Saale der Erotzh. Blindenanstalt statffindende Künstlerkonzert aufmerksam gemacht. Die Mitwirkung bedeutender künstlerischer Kräfte (Frl. Margit Laratz vom Stadttheater Düsseldorf. und Herr Ferd. Kaufmann (Violine), sowie das musikalisch gediegene Programm versprechen besonderen Genuß. Frl. Lavatz ist eine Künstlerin von a usge.ze ich nett r Begabung, bedeutenden Stimmitteln und ftar- lein künstlerischem Temperament. Sie wird u. a. auch drei neue Lieder to nun gen des Herrn Musikdirektor Höcker zu,n ersten Male singen, darunter die Eoethe'sche Hymnus.„Ganymed". Hr. Ferd. Kaufmann steht aus der Zeit seiner Wirksamkeit als erster Konzertmeister des Windersteins-Orche,ters hier noch in bestem Andenken, und man wird dem vortrefflichen Künstler gerne hier wieder einmal begegnen. Der Besuch des Konserts tmn < jedenfalls allen Verehrern guter Musik warm empfohlen werden. Näheres im Annoncenteil des Blattes. Friedberg. Orgelkonzert des Hoforganisten Heinrich Müller von Darmstadt. Es hat gehalten, was es versprach. Die Abendstunde am verflossenen Freitag, in der eine zahlreiche und dankbare Zuhöverschaft in der Stadtkirche versammelt war, bot hohen Kunstgenuß. Die Meister des Orgelsatzes: I. S. Bach. F. Mendelssohn-Bartholdy, Franz Liszt, G. A Thomas kamen, von den Meisterhänden des Konzertgebers sicher und mit reicher Klangfchattierung gespielt, vollendet zu Gehör. De« mittvirkendmr Konzertsängerin Frau Hedwig Müller« B a n g e rt von Gießen verdankten die Zuhörer den wirkungsvollen Vortrag sehr schöner Gesänge von I. S. Dach, Friede- mann Bach, F. Mendelssohn-Barlholdy, Beethoven und Ioh. Woffg. Franck. Die Vollkraft der Orgel kam zu glänzend^ Entfaltung in dem Schlußsatz von G. A. Thomas: Fantaisi- für Orgel (Choral „Eine feste Burg ist unser Gott"). Hamsterfahrten in die Umgebung, namentlich in die Wetterau, nehmen einen Umfang an. der die bedenklichsten Miß- stände zur Folge hat. Es bleibt nicht dabei, datz die in Scha. ren mtt der Bahn ankommenden Städter einige Pfund Kartoffeln oder Nahrungsmittel erwerben, die Leute gehen oft eigenmächttg vor und nehmen mit. was sie finden. Die wenigen Aepfel werden von den Bäumen, unreife Spätkartoffeln ' 1 -1k Verantwortlich für den politischen und lokalen Teil: Otto Hirsche!, Friedberg; für den Anzeigenteil: R. H e y n e r. i ÜTiedberg, Druck und Verlag der „Reuen Lageszeitunü*, A- G^Friedbara L >2 - Verfemt. 1\ Roman von Anny Wothe. 2) - Nachdruck verboten Der Eklat mußte da sein, ehe ihn Jürgen verhindern konnte. Es durfte für sie kein „Zurück" mehr geben. Alle Brücken mußten abgebrochen sein, und wenn man in den nach« sten Tagen in der Nachbarschaft erzählte: „Die Gräfin Berg. Hausen wäre mit ihrem Volontär durch gegangen, mit dem sie schon an dem Eesellschaftsabend unverantwortlich viel getanzt und kokettiert hatte, so s-nnd man Tatsachen gegenüber, mit denen man rechnen mußte. Der Volontär! Mirena lächelte. Der gute Junge. Mie erg-D-en er ihr war, und wie er sein-r ganze Existenz aufs Spiel fetzte, um ihr ? ..::i Dienst zu erweisen. Warum war er so töricht? Hatte sie ihn vielleicht er- muttst, hatte sie mit ihm kokettiert und seine kindliche, knabenhafte Liebe zu hellen Flammen entfacht? Nein, sie hatte sich 'Hon mehr als einmal seine „Toggenbnrgerei" verbeten, aber der junge Harald hatte sie dann so treuherzig und so bittend angesehen, daß sie ihm nicht böse sein konnte, und jetzt mar ihr seine Liebe und seine Hilfe von geradezu unersetzlichem Wert. Harald von Briesen hatte seine Stellung auf Berghausen gekündigt, um das Gut seines Onkels in Ostpreußen zu übernehmen. Nur noch wenige Tage, und er ging fort für immer, sie batte dann niemanden mehr, der ihr geholfen hätte, und darum mußte, was sie plant", heute geschehen. Am See dort unten sollte sie Harabo, eine Viertelstunde nach Mitternacht, mit einem Boot erwarten, um sie über die Müggel zur Bahnstation zu fahren War diese erreicht, so hatte sie gewonnen. Was weiter wurde, sollte sie nicht kümmern, nur frei, endlich frei von drückender Fessel, die schlimmer war als Schmach und Schan.de. Hastig warf Mirena einige Toilettesachen in eine kleine, dunkle, bereitstehende Tasche, und legte eiligst einen schwarzen Mantel um ihre hohe Gestalt, die Kapuze zog sie über den Kopf tief hinab bis in das weiße Gesicht, in dem nur die dunkel- umfäumten Augen leuchteten. Dann glitt sie langsam, die Tasche in der Hand, hinaus. Auf drin weiten Korridor des Schlosses, der nur matt von einer buntbemalten Laterne erleuchtet war, stand sie einen Augenblick lauschend still. Es war ihr. als stocke ihr Herzschlag, als könnte sie nicht einen einzigen Schritt vorwärts tun/und doch drängte alles in ihr ungestüm weiter. Wie ein Schotten glitt Mirena den Gang entlang. Jetzt knarrte leise im Hause eine Tür. Die Gräfin er.« schauerte. — Eine Maus huschte über den Weg. Mirena hätte am liebsten aufgeschrien, aber ihre Lippen blieben fest geschlossen. Klang da nicht wieder das leise Meinen einer Kinder, stimme? — Mirena wollte haltlos cruffchluchzen in Qual und Weh aber sie bekämpfte diese, wie sie sich selbst sagte, elende Schwäche', keine Träne netzte ihr Auge. Ein paar hastige Schritte, und die Haustür war erreicht. Vorsichttg, unter rasendem Herzklopfen schoben die weißen Hände der jungen Frau mit Aufbietung aller Kraft den schweren Eisenriegel zurück, dann stand sie ttefaufatmend im Freien. Der tobende Nachtwind riß ihr fast den Mantel von den Schultern, als Mirena eilends, ohire auch nur einen Blick nach dem Schloß zurückzuwerfen, durch den dunklen Park eilte. Sie kannte jeden Weg und Steg in Berghausen, und doch war es ihr, als hätte sie den Park nie zuvor gesehen. Gespen- sttg. unheimlich grinsten sie die alten Bäume an, in denen der Nachtwind heulte — schaurig klagten Nachtvögel dazwischen, und der See grollte dumpf in rastlosem Schäumen. Endlich,' gepeitscht von Furcht und Grauen, hatte sie das Ufer erreicht. Ihr Auge spähte angstvoll umher. Kein Boot, kein Licht — kein Mensch! GeliiäM $raiildn, ca» guter Familie, Zuverlässig und arbeitswillig, durchaus erfahren ln Führung städlischen Haushalls, wünscht ländlichem Haushalt in grogerem Betrieb in möglichst vielieitiger Wiruchaft zu erlernen. Familie,.an chl. Bedingung. Eine gegenseitige Vergütung, eoentl. angemessene Ent chädigung für Pens.-Eintr. kann sofort erfolgen. Angebote unter Nr. i489 an die Geschäftsstelle der „Neuen Tageszeitung". / Jetzt schrie sie aus in ratloser Verzweiflung. Da löste sich thtie schlanke, dunkle Gestalt von einem Eichenstamm, an den: sie gelehnt, und trat auf Mirena zu. „Ich bins, Gräfin, fürchten Sie nichts." „Herr von Briefen, wie lieb von Ihnen, daß Sie gekommen, ich fürchtete schon, daß alles mißlingen könnte. Doch ich sehe kein Boot, wie kommen wir über den See?" „Das ist bei dem Sturm unmöglich, Gräfin. Wenn der Wind nachläßt, fahre ich, nachdem ich Sie geborgen im Zage weiß, über den See zurück" „Wie, Sie wollen? Aber das ist doch nicht möAich, das ist g:gen die Verabredung. lieber Freund. Sie dürfet: auf keinen Fall nach Berghab sen zurück. Mein Mann würde S e töten!" Ter junge Mann nahm gelassen Mirena die kleine Reise- lasche aus der Hand. „Kommen Sie schnell," sagte er hastig, „sonst wird es zu spät, wir müssen uns eilen und der Weg ist dunkel. Wollen Sie meinen Arm nehmen?" Mirena tat willenlos, was ihr junger Begleiter verlangte. Hastig schritt sie an seiner Seite den dunklen Weg durch die stille, im Frühlmgssturme erschauernde Heide. Die alten Föhren ächzten im Winde und vom Schlosse klang dumpf der Schlag der Turmuhr. Sie mußten eilen, und endlos schien der Weg bei dem brausenden Sturm. Schweigend schritt das Paar dahin. Länger als eine Stunde waren sie gewandert. Mirena schmiegte sich ängstlich fester an den Arm ihres Begleiters, dieser aber schritt hochaufgerichtet der schönen Frau zur Seite, so daß sie oft wie bcsnmdek zu rhm auffcb. War das eigentlich der sonst so verschüchterte, ihr blind ergebene, junge Volontär, devmlles schön fand und anbetete, was sie tat? „Sie wckllen wirklich zurück, lieber Briessn," fragte Mirena endlich schüchtern, „ich dachte, Sie würden Ihre Reise autreten, wie verabredet, und nie wieder dorthin zurückkehrerr, wo keine Stätte mehr für Sie ist" „Sie haben recht, Gräfin, so dachte ich auch, denn ich glaubte, was dumme Jungen gewöhnlich glauben, daß ich — lassen Sie es mich endlich aussprechen — geliebt sei." Er lachte auf. „Seit heute Abend, Gräfin, aber, als Sie mich immer wieder zum Tanze befahlen, weiß ich, daß ich Ihnen nichts bin als Mittel zum Zweck. Sie wollen frei fein und nicht eine Kette für eine andere erntaufchen O, bitte, entgegnen Sie nichts. Ich weiß wohl, daß Sie nichts zu mir gesagt hoben, das Sie verpflichtet, aber in meinem Innern, da ist ein so dummes Gefühl, das sich dagegen aufbäumt, sozusagen von Ihnen den Laufpaß zu bekommen. Ich gehe schon selbst, aber ich möchte nicht Sie und mich in den Verdacht bringen, daß wir gemeinsam in die weite Welt hinausgeflogen find, dem Glücke entgegen. Ich weiß, daß nichts Sie halten kann bei Mann und Kind, und darum wollte ich Ihnen den mir schwersten und größten Liebesdienst erweisen, Sie auf den Weg zur Freiheit zu führen, ohne daß auf diesem Woge eine Dlitme für mich blüht. Eine kleine Weile noch und Sie sind am Ziel. Leben Sie wohl!" „Sie bereuen, was Sie getan. Harald?" Er zuckte bei Nennung seines Vornamens heftig zusammen. „Nein, nicht Jhrct- und nicht meinetwillen. Eg war mir lieb, Ihnen zu dienen, wenn es auch Ihrem Gatten gegenüber einem Schurkenstreiche gleichkommt. Vergessen Sie, Gräfin, meine Verwogenheit, und wenn einsame Tage über Sie kom.' men dott draußen, wo für Sie das Glück blüht, dann denken Sie freundlich an mich Mollen Sie?" Mirena preßte heftig seine Hand. „Mir bangt vor dem Schicksal, das ich selbst hcraufbeschwor, Harald!" ..So kehren Sie mit mir um, lassen Sie sich von mir Ihrem Gatten. Ihrem Kinde zurückbrinzrn. Kommen Sie." Nie, nie!" schrie Mirena entsetzt. „Lieber sterben!" Ein dunkles, schwarzes Ungetüm' mit feurigen Augen wälzte sich keuchend heran. Einen Augenblick Rast. Mirena schwindelte, sie wurde von Harald gleichsam in ein Koupee geschoben, fast übereilig. „Behüt Sie Gott, Gräfin!" Ein Kuß von heißen Lippen auf ihre Hand und eine Träne. — Mirena küßte ihn langsanr, diesen glänzenden Tropfen. — Eine Träne, um sie geweint? Die Träne brannte. Mirena lächelt schmerzlich darauf hernieder. „Das erste Opfer meiner Tat," flüstert sie gedanken* voll vor sich hin. „Aber ich würde nicht Mildern, selbst über Leichen zu schreiten, könnte ich mir dadurch den Weg bahnen» der zum Ziele führt." lleber die schäumenden Wellen des Müggelsees gleitet ein Bcot. Mit grellem Schein lugt der Mond aus dunklem. zerrissenen Gewölk hervor, und beleuchtet schimmernd das weiße Sogel, das heimwärts zieht, heimwärts nach dem verlassenen Schloß, wo ein kleines Kind noch immer weint — weint nach der Mutter, die es heute verlor. Und der Frühlingssturm durchtroust noch immer bfe Nacht. 2. Kapitel. Zur selben Zeit, als die Turmuhr auf Schloß Dcrghausea Mitternacht schlug, klopfte der Frühlingswind auch stürmisch an die hohen, breiten Fenster einer Villa, die in der Tiergartenstraße der Nerchshauptstadt tief zurückgebaut im Garten lag und eine schlanke Frau horchte am Fenster ebenso angstvoll dem wilden Eebrav.se, wie zur selben Zeit Mirena. „Sie ist kindisch von mir, diese Angst," sagte die Lauschende, die gespannt die kiesbcstreuten Gänge des Gartens am Fenster durchforschte, „und doch kann ich sie nicht meistern. Diese geheimnisvolle Depesche von Mirena' „Ich komme diese oder die nächste Nacht, bleibe wach," läßt mich das Schlimmste befürchten. „Aber Kleines", wandte sie sich jetzt zurück, „du hörst wohl gar nicht, Haust, ober so wach doch auf!" „Ach!" kam es wie ein langgezogener Seufzer von dem breiten, römischen Lager her. das Inmitten des hohen, luftigen Raumes zwischen Staffel eien. Bildwerken und grünen Blattpflanzen stand, „sei doch so gut, Aga, und komm mal her, mir brennt der Kopf, und mein Herz schlägt ganz^vild. Fühle mal!" Die Frauengestalt am Fenster wandte sich ganz bestürzt um und eilte dem Lager zu. auf dem ein blutjunges Mädchen auf einem weißen Bärenfell lag. und die schlanken, von einem wer« ßen Wolltle'.de umhüllten Glieder wie ein Kätzchen zusammengerollt hatte. Das rosige Eestchtchen war von einer Flut blonder Locken umwallt, und in den goldbraunen Augen lachte der Schelm, als sie, den schlanken Arm der älteren Schwester ent- gegenstreckend, wiederholte: „Fühle mal!" „Aber Haust" entgegnete Aga vorwurfsvoll, „wie hast d« mich wieder erschreckt: Fchlt dir etwas?" „Fehlen! Natürlich, geliebtes Leben! Schlaf fehlt mir vor allem. Oder meinst du. ich soll Freudenfeuer anzünden, daß ich hier diese Nacht Zubringer: muß und zwischen Schlafen und Wachen gräßliche Träume habe. Fühle mal bloß meinen Puls, mindestens einhundertzwanzig in der Minute. Na, so viel gibt es wohl gar nicht, aber ich sage dir, Aga, eben Halts ich einen wunderherrlichen Traum, soll ich erzählen?" Die große Schwester nickte in zärtlicher Liebe zu dem jungen, graziösen Mädchen hernieder, das die zarten Glieder behaglich streckte und dehnte und, die weißen Arme über dem blonden Kopfe verschränkt, begann: „Ich träumte — aber ich verbitte mir dein Lachen. Aga — träumte ganz gewiß — Graf Novdkirch habe mir Rosen ge. bracht - wirkliche Rosen in solcher Fülle, daß ich ganz wie im Duft gebettet lag, und mein ganzes Lager von Rosen umkränzt war. Ist das nicht köstlich?" Fortsetzung folgt. 40000 IM ßeieii Mr-L chlchit, auch geteilt, auszuleihen. Angebote unter Nr .\m an die Eejchä-tssielle de. „Neuen Tageszeitung". Ein großer Haffia-Herd, fast neu, zu vertäu,en. Heinrich Reimer II., ttijiva Herrn, Eoidschmidlstr. 78. Zrvei Springer kaufen gesucht. H anauerstrake Nr. 10 Bimmenla!«!?”" 6 ' Fahrkuh sieht, zu verkaufen bei Heinrich Zun», Schmied, Bekanntmachung. Nächsten Dienstag, den 6. d. M., nachmittags von 3—4 Ukr verteilen wir in der alten Post, Zimmer Nr. 2, an Sliranhc ' Land-Eier qcnen Vorlage der kreisamtlichen Bescheinigungen. Auf abgestem- pelte rote Eierkarten, Marke 38, wird 1 Ei zu 30 abgegeben. Eierkarten sind vorzulegen. Eierkarten ohne die betreffenden Marken berechttgen nicht zum Bezug; einzeln abgetrennte Marken sind wertlos. Friedberg, den 2. August 1918. Der Bürgermeister __ I. V.: D a m m. Bekanntmachung. m.r^ächsten Mittwoch, den 7. August, verteilen wir in der alten Post durch die hiejtgen Kolontalwarenhändler Käse. Zor emteilung wie bei der Butterverteilung. ^üc jede auf der Lebensmittelkarte verzeichnete Person werden ,, „ V5 Gramm zu 33 Pfennig veraosolgt. Die Lebensnrittelka te ist als Ausweis vorzulegen. Frirdberg. den 3. August 1918. Der Bürgermeister ____ I. 93.: Dam m. Mittwoch, den 7. August, abends 8 V» im Saale der Grossh. Blindenanstalt und veranstaltet von Grossh. Musik-Direktor Otto Höcker, unter Mitwirkung des Frl. Margit -kurass vom Stadttheater in D üss e ld o rf und des Herrn Ferd. Kaufmann (Violine). Karten zu 2 Mk. in der Holbuchhandlung C. Bindernagel und in der Buchhandlung Scriba. Cuts-Verpachtung. 11. Januar 1920 ab neu verpachtet werden. 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