Die „£leitt Tages?ettung" erscheint ,eden Werktag. Regelmäßige Beilagen „Der Dauer aus Hessen", „Die Hprnrrstnbe". Derugsprsia: Bei den Postanstalten vierteljährlich Mk. 2.40 hinzu tritt noch das Bestellgeld; bei den Aoenten monatlich 85 Pfg. einschließlich Trägerlohn. Anzeigen: Grundzeile 25 Pfg., lokale 20 Pjg., Anzeigen von auswärts werden durch Postnachnahm s erhoben. Erfüllungsort Friedberg. Hchriftleitung und Deriaa ^riedberg sHessen), yanauerllraße 12. Fernsprecher 48. Posticheck-Eonto 'Hr. 4859. Amt Frankfurt a. M. Abgeschlagene feindliche Angriffe. — Wehr als 4000 Gefangene in den letzten Tagen. Gin Erfolg in Albanien. — 19OOO Tonnen versenkt. — Das Attentat auf Fekdmarfchall v. Eichhorn. jj Ker deutsche General-stad j[ meldet: — ~-=g W» T. D. Gvo-zes Hrnrzrtqimr-Le^, de» 3L. Julü Amtlich. Westlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe Kronprinz Rupp rech 1 In Flandern sehr rege Erkundungstätigkeit. Bei erneutem feindlichen Vorstoß gegen Merris blieb der Ort in Feindesland. Nördlich von Albert und südlich der Somme am frühen Morgen starker Feuerkampf. Der Tag verlief ruhig. Heeresgruppe Deutscher Kronprinz. Auf dem Hariptkampffeld des 29. 7. zwischen Hartemies und westlich von Fcre-en-Tardenois blieb gestern die feindliche Infanterie nach ihrer Niederlage am 29. untätig. Vor Saponay wurde ein heftiger Teilangriif des Feindes angewiesen. Zwischen Fere-en-Tardenois und dem Menniercwalde stürmten Franzosen und Amerikaner gegen Mittag erneut in tiefer Gliederung an. Ihre Angriffe sind blutig gescheitert. Auch am Walde selbst brach sechsmal wiederholter Ansturm des Feindes zusammen. Unsere Infanterie stieß dem geschlagenen Feinde vielfach nach und setzte fick im Vorgeländ-e ihrer Linien fest. Oest- lich von Fere-en-Tardenois erneuerte der Gegner am Abend und während der Nacht ohne Erfolg feine verlustreichen Angriffe. Ebenso scheiterten feindliche Teilangriffe bei Remigny. Wir machten in den Kämpfen der letzten Tage mehr als 4000 Gefangene. Damit steigt die Zahl der seit dem 15. Juli gemachten Gefangenen auf mehr als 24 000. Gestern schossen wir tm Luftkampf 19 feindliche Flugzeuge ad. Leutnant Loewenhardt errang seinen 47. und 48., Leutnant Volle seinen 27. Luftsteg. Der Erste Gcncralguarliermnster: Ludendorff. Abendbericht. Berlin, 31. Juli, abends. (WB. Stmiticf).) An der Kampffront herrschte tagsüber Ruhe. Der österreichische (. meldet: Wien, 31. Juli. (WB.) Amtlich wird verlautbart: Italienischer Kriegsschauplatz: Im Gebiet des Sasso- Rosso brachte uns ein erfolgreiches Sturmtruppenunter- nehmen 27 Gefangene ein. An der ganzen venetianischen Gebirgsfront sehr lebhafte Fliegertätigkeit. Albanien: Unserem andauernden Druck nachgebend, räumte der Feind heute früh an mehreren Stellen seine vordersten Linien. Der Chef des GencralstabeS. j? Vas türkische Hauptquartier il V=== meldet: ==!'J Konstantinopel, 29. Juli. (WB. Nichtamtlich.) Generalstabsbericht. Pamstinafront: Ter gestrige Tag ftaub unter den: .8('td) e n gesteigerter Gefechtstätikgeit an der ganzen Front. Im Küstenabschnrtt griff der Engländer nachts nach heftiger Artillerievorbereitung unsere Vorpostenstellnngen an. Er wurde überall blutig abgewiesen. Vorübergehend einge^ drnngene Teile des Gegners wurden im Nahkampfe er» ledigt. Unsere Stellungen sind unverändert in unserer Hand. Beiderseits der Straße Jerusalem—Nabulus entwickelten sich Artilleriekämpfe in wechselnder Stärke. Oest- lich der Straße bis znm Jordan stießen unsere Patrouillen in die feindlichen Stellungen und holten Gefangene heraus. Auf dem Ostjordanufer beschossen wir wirksam.schanzende Trupps des Gegners und vertrieben feindliche Aufklärungsabteilungen. Eine unserer Offizierpatrouillen führte ein längeres erfolgreiches Gefecht mit starken feindlichen Erkundungsabteilungen und brachte Beute ein. Auf -er übrigen Front ist die Lage uverändert. Konstantinopel, 30. Juli. (WB. Nichtamtlich.) Gene- ralstabsbericht. Palästinafront: Außer stellenweise lebhaftem Artilleriefeuer keine größere Gef/echtshandlung. Ein feindliches Flugzeug wurde durch Abwehrfeuer zur Landung gezwungen und die Besatzung (ein Hauptmann und ein Oberleutnant) gefangen. Ein eigenes Flugzeug- geschwader belegte ein Rebellenlager 20 Kilometer westlich Kalat Aneze mit Bomben und griff die flüchtenden Rebellen mit Maschinengewehren und Handgranaten an. Mesopotamien: Englische Lager bei Tikrit wurden von unseren Fliegern mit Bomben und Maschinengewehren aus niedriger Höhe angegrifen. Sämtliche Flugzeuge sind trotz starker Gegenwehr zurückgekehrt. Dardanellen: Unsere Seeflieger führten gestern in nächtlichem Vorstoß einen überraschenden Angriff auf den englischen Flugplatz Gliky und Jmbros aus. Die Volltreffer unserer schweren Bomben riefen starke Detonationen und lange anhaltende Brände in den Schuppenanlagen hervor. Sämtliche Seeflieger sind wohlbehalten znrückge- konunen. In der Nacht zum 28. 7. wurde durch unser Abwehrfeuer ein feindliches Flugzeg abgeschossen, das in den Golf von Saros stürzte. Auf den übrigen Fronten keine Ereignisse von Bedeutung. 19 009 Tonnen versenkt. Berlin, 30. Juli. (WB. Amtlich.) Im Mittelmeer wurden fünf Dampfer von zusammen rund 19 000 Brt. versenkt. Der Chef des Admiralstabe- der Marine« Bern, 30. Juli. (WB.) Der „Manchester Guardian" schreibt zur Versenkung der „Iusticia", welche die Zeitung als eine bemerkenswerte Episode des Tauchbootkrieges bezeichnet: „Die Angabe, daß m-chrere Tauchboote den Angriff ausführten, weife auf eine neue Taktik gegen bas britische Eeleitzugssystem hin. Bemerkenswert sei ferner, daß die zu Hilfe eilenden britischen Kriegsschiffe die Versenkung nicht zu verhindern vermocht hätten. Das Torpedonetz, das die „Justitia" ausgelegt hatte, brachte zwar einige Torpedos zur Explosion, bildete aber keinen merklichen Schutz. Auffällig sei es übrigens, daß die Versenkung in Deutschland und Kopenhagen bekannt war, ehe die britische Admiralität sie angekündigt hatte, was auf eine gute funken- telegraphische Verbindung der Tauchboote mit Deutschland schließen laste. Die Zeitung schließt allgemeine Betrachtungen über den Tauchbootkcieg an und weist auf die Versenkungsziffern des Juni hin, die man entweder mit den ungünstigen früheren Monaten vergleichen, wobei man dem Himmel für eine Vesterung der Lage danken müsse, oder aber für sich betrachten müsse, wobei man über einen derartig schweren, den Alliierten zugefügten Schaden den Kopf schütteln kenne. Die Zeitung kommt zu dem Schlüsse, daß nur ein erhöhter Schiffsbau etwas nütze, und bemerkt dazu: Daß wir aber hierzu gezwungen sind, ist eine unerträgliche Kraftvergeudung und ein berechtigter Grund zül Unzufriedenheit über die Anstreugungen, die Tauchbootverheerungen herabzudrücken. Der Kaiser nu DoUr. Heer und Fiot-e. An das deutsche Volk. Berlin. 1. August 1918. (WTB. Amtlich.)' Vier Jahr- schweren Kampfes sind dahingegangen, ewig denkwürdiger Taten voll. Für alle Zeiten ist ein Beispiel gegeben, was ein Volk vermag, das für gerechteste Sache, für die Behauptung seines Daseins, im Felde steht. Dankbar die göttliche Hand verehrend die gnädig Über Deutschland waltete, dürfen wir stolz bekennen, daß wir nicht unwert der gewaltigen Aufgabe erfunden wurden, vor die uns die Vorsehung gestellt hat. Wenn unserem Volke in seinem Kampfe Führer, zum höchsten Vollbringen befähigt, gegeben waren, so hat es täglich in Treue bewährt, daß es verdiente, solche Führer zu haben. Wie hätte die Wehrmacht draußen ihre gervaltigen Taren verrichten können, wenn nicht dahcim die gesamte Arbeit auf das Höchstmaß persönlicher Leistung eingestellt worden wäre? Dank gebührt allen, die unter schwierigsten Verhältnissen an den Aufgaben mitwirkten, die dem Staat und der Gemeinde gestellt find, insbesondere unserer Irenen unermüdlichen Beamtenschaft, Dank dem Land mann wie dem Städter, Dank auch den Frauen, auf denen Vfo viel in dieser Kriegszeit lastet, Das fünfte Kriegsjahr, das heute heraufsteigt, wird dem deutschen Volke auch weitere Entbehrungen und Prüfungen nicht ersparen. Aber was auch kommen mag, wir wissen, daß das Härteste hinter uns liegt. Was im Osten durch unsere Waffen erreicht und durch Friedensschlüsse gesichert ist, was im Westen sich vollendet, das gibt uns die fiste Gewißheit, daß Deutschland aus diesem Völterstnrm, der sc manchen mächtigen Stamm zu Boden warf, stark und kraftvoll hervorgehen wird. An diesem Tage der Erinnerung gedenken wir alle mit Schmerz der schweren Opfer, die dem Vaterlande gebracht werden mußten. Tiefe Lücken siird in unsere Familien gerisse... Das Leid dieses furchtbaren Krieges hat kein deutsches Haus verschont. Die als Knaben in junger Begeisterung die ersten Truppen hin-ausziehen sahen, stehen heute neben den Vätern und Brüdern selbst als Kämpfer in der Front. Heilige Pflicht gebietet, alles zu tun, daß dieses kostbare Blut nicht unnütz fließt. Nichts ist von uns verabsäumt worden, um den Frieden in die zerstörte Welt zurückzuführen. Noch aber findet in dem feiiMichen Lager die Stimme der Menschlichkeit kein Gehör. So oft wir Werte der Versöhnlichkeit sprachen, schlugen uns Hohn und Haß entgegen. Noch wollen die Feinde den Frieden nicht. Ohne Schanr besudeln sie mit immer neuen Verleumdungen den reinen deutschen Namen. Immer wieder verkünden ihre Wortführer, daß Deutschland vernichtet werden soll. Darum heißt es weiter kämpfen und wirken, bis die Feinde bereit sind, unser Lebensiecht anzuerkennen, wie wir es gegen ihre« übermächtigen Ansturm siegreich verfochten urvd erstritten habe» Gott mit uns! Im Felde, den 31. Juli 1918. -r—- ~ f ß gez. Wilhelm I. Ik« f , * Sin das deutsche Heer und die deutsche Marine. Berlin, *. August 1918. (WTB. Amtlick».) Vier Jahre ernster Kriegszeit liegen hinter Euch. Einer Welt von Feinden hat das deutsche Volk mit seinen treuen Verbündeten siegreich widerstanden, durchdrungen von seiner gerechten Sache, gestützt auf sein gutes Schwert und im Vertrauen ans Gottes gnädige Hilfe I Euer stürmischer Angriffsgeist trug im ersten Jahre den Krieg in Feindesland und hat die Heimat vor den Schrecken und Verinüstungen des Krieges bewahrt. Im zweiten und dritten KrieaZi fahre habt Ihr durch vernichtende Schläge die Kraft des Feindes im Osten gebrochen. Währenddessen boten Eure Kameraden im Westen gewaltiger Uebermacht tapfer upd siegreich die Stirn. Als Frucht dieser Siege brachte uns das vierte Kriegsjahr im Osten den Frieden. Im Weste rt wurde der Feind von der Wncbt Eures Angriffes empfindlich getroffen. Die gewonnenen Feldchlachten der letzten Monate zählen zu den höchsten Ruhmestaten deutscher Geschichte. Ihr steht mitten im schwersten Kampf. Die verzweifelte Kraftanstrengung des Feindes wird'wie bisher an Eurer Tapferkeit zunichte werden. Des bin Ich sicher und mit Mir das ganze Vaterland. Uns schrecken nicht amerikanische Heere, nicht die zahlen, mäßige llebermacht. Es ist der Geist, der die Entscheidung bringt. Das lehrt die preußische und deutsche Geschichte, das lehrt der bisherige Verlauf des Feldzuges. In treuer Kameradschaft mit Meinem Heere steht Meine Marine in unerschütterlichem Siegeswillen im Kampfe mit dem vielfach überlegenen Gegner. Den vereinten Anstrengungen der größten Seemächte der Welt zum Trotze führen Meine Unterseeboote zäh und des Erfolges gewiß den Angriff gegen die dem Feinde üb^r die See zuströmende Kamps- und Lebenskraft. Stets zum Schlagen bereit, bahnen in unermüdlicher Arbeit die Hochseestreitkräfte den Unterseebooten den Weg ins offene Meer und sichern ihnen im Verein mit den Verteidigern der Küste die Quellen ihrer Kraft. Fern von der Heimat hält eine kleine heldenmütige Schar unserer S ch u tz t r u p p e erdrückender Uebermacht tapfer stand. In Ehrfurcht gedenken wir aller derer, die ihr Leben ftir das Vaterland Hingaben. Durchdrungen von der Sorg« für die Brüder im Felde, stellt die Bevölkerung daheirff ihre ganze Kraft in entsagungsvoller Hingabe in den Dienst unserer großen Sache. Wir müssen und werden inerter- kämpfen, bis der Vernichtungswille des Feindes gebrochen ist. Wir werden dafür jedes Opfer bringen und jede Kraft« anstrengung vollführen. In diesem Geiste sind Heer und , Heimat unzertrennlich verknüpft. Ihr einmütiges Zusam^ Xlnenstehen Ussd.ibr unbeugsamer Wille wird Sieg im Kampf für Deutschlands Recht uttö Deiltschlands Freiheit bringen. Das walte Gott? Im Felde, den 31. Juli 1918. gez. Wilhelm l, B. Die Schlacht im Westen. Die Kämpfe am 29. Juli. Berlin, 30. Juli. (WB.) Die Engländer, die seit Beginn der Fochschen Offensive an der britischen Front an vie- len Stellen täglich verlustreiche kleinere Teilangriffe und Vorstöße unternahmen, haben diese Tätigkeit auch am 29. Juli fortgesetzt, ohne irgend welche Erfolge erringen zu können. Hierdurch steigerten sie lediglich ihre blutigen Verluste des ersten Halbjahres. So wurden am 29. Juli bei Merris, bei Ableinzeville und der Signy-Ferme sowie beiderseits Ayette feindliche Vorstöße unter schweren Feindver- lusten restlos abgewiesen und mehrfach Gefangene einbe- halten. Mit starken Kräften ist am 29. Juli der Feind aufs neue gegen- die jetzige deutsche Front angerannt und hat 'sich wiederum eine schwere blutige Schlappe geholt. Wie seinerzeit Marschall Haig in Flandern und General Rivelle an der Aisne setzt auch an der Kampffront zwischen Sois- sons und Reims Foch die alte starre Kampfmethode der Entente fort, die lediglich dazu führt, seine an und für sich ungeheuren Blutopfer ins Angemessene zu steigern. Nach einer 5 Uhr vormittags begonnenen starken Artillerievorbereitung griff der Feind in dichten Wellen und mit starken Kräften unsere Front südlich Hcirteun.es an. Sein Angriff brach hier völlig und unter schweren Verlusten zusammen. Am Nachmittag wiederholte er mit frischen Kräften seinen Vorstoß, der ebenso erfolglos blieb. GleMeitige englische Angriffe nordöstlich Oulckv-le-Chateau wurden glatt abge- wiesen. Gegen 10 Ullr abends nochsnals vergehende feindliche Infanterie mußte bereits vor unseren/ MaWnenge- w^hrseuer zurückgehen. Bei dem vergeblichen Anrennen , beiderseits Fere-en-Tardenois, das sich bis in die Rb-end- stunden hinein wiederholte, brachten wir im Gegenstoß 2 ^Offiziere und 70 Mann an Gefangenen ei. 1 d Der am Ostrande des Neuniere-Waldes nach ernstün- diger Artillerievorbereitung am 29. Juli 7 Uhr vormittags unternommene feindliche Angriff endete mit einem vollen Erfolg für unsere dort kämpfenden Truppen. Weiter östlich bis in die Gegend von Ville-en-Lardenois gingen Franzosen 'und Engländer gegen 7 Uhr abends zum Angriff vor. Auch dieser Angriff brach unter schweren Der- lüsten fiir den Feind teils schon in unserem Vernichtungs- f^rer, teils im Gegenstoß zusammen. Erneute feindliche Bombenabwürfe auf Douai fiigten Imefreritm der französischen Bevölkerung schwere Verluste zu. Bei dem gemeldeten Vorstoß südlich des Fichtelberges, !der uns in den Besitz der vom Gegner seit dem 27. Juli noch besetzten Stellungen brachte, fielen den Deutschen über -160 gefangene Franzosen in die Hände. Die vergeblichen feindlichen Angriffe am 30. Juli. f ". Berlin, 31. Juli. (WB.) In den letzten Tagen sind wiederholt fünf- und sechsmalige starke Angriffe des Feines gescheitert. Am 30. Juli griff der Gegner wiederum beiderseits Fere-en-Tardenois in dichten Wellen an und .richtete auch an der südöstlich anschließenden Front bis zum Memriere-Walde hin nach heftiger Artillerievorbereitung Mederholt starke Teilangriffe gegen die deutsche Front. Hier ,waren es Franzosen und Anrerikaner, di? bis zu zehn Meilen lief anliefen, unter schwersten Verlusten wurden sie ab- gew-iesen. Hinter dem Zurückftutenden Gegner nachstoßend, setzte unsere Infanterie zeitweise im Vorglände vor den bisherigen Stellungen sich fest. Am Ostrande des Meuniere-Waldse brachen ebenfalls sechsmalige feindlich? Angriffe zusannnen. Hier schlug unser zusammen gefaßtes Artillerie- und Maschinengewehrfeuer verheerend in die anftiirmenden Feinde und dezinrierten eine Angriffswelle nach der anderen. Die erfolgreiche Abwehr der gestrigen feindlichen Angriffe auf der Front von westlich Fere-en-Tardenois bis südlich des Menniers-Waldes erhöht aufs neue die von dem Feinde vergeblich gebrachten Blutopfer, die bei dem so oft lvrederholten Ansturm ganz außerordentlich schwere waren. Berlin, 31. Juli. (WB.) Die Zahl der vorgestern südlich des Fichtelberges eingebrachten Gefangenen hat sich auf 211 erhöht. 2fm 30. Juli bemächtigte sich nach kurzer Artillerievorbereitung ein eigener Stoßtrupp von 32 Mann Zeines feindlichen Stützpunktes nordöstlich von Perthes und nahm dabei 3 Offiziere und 82 Mann gerangen. Zwei feind'iche Gegenangriffe wurden blutig abgewieefn. pf Kw-Acht ist. )ik Lttkslträile drs ftisLes fl Basel, 30. Juli. Zur Lage auf dem westlichen Kriegsschau- platz sagt der militärisch« Mitarbeiter der Baseler Nachrichten". Oberst (Süß: Die ernste französische Kriegsberichterstattung und ,Kri.ik gibt sich keineswegs übertriebenen Hossnungen hm, sondern beurteilt die durch die Fochsche Gegenoffensive zejchaffene 'Lage sehr vorsichtig. Sr« ftogt sich vor allem, was wird die verasche Oberste Heeresleitung jetzt tun, denn auch in Paris ist sich klar darüber, daß das, was bis jetzt geschehen ist. noch Pichls entscheidendes war, sondern daß die deutschen Reserve^ i/axt) zmn größten Teil unangetastet sind. Heute ist es allgems'n bekannt, daß es den Deutschen nicht daraus ankomrnt, möglichst viel Gelände zu entreißen. sondern daß ihr ganzes Verfahren darauf ausgeht, die Streitkräste des Feindes zu zertrümmern. Es ist ihnen ganz gleichgültig, das im Angriff oder- ft, de«. Verteidigung geschieht, und ob dabei Teile des besetzten Gel an, des preisgegeben werden. Die Hauptsache bleibt den Deutschen, daß ihre Gegner möglichst viel Verluste erleiden, während st« selbst möglichst wenig Kräfte verbrauchen. Dos deutsche AL. wehrverfahren hat in dieser Beziehung in Flandern die Feuer- probe bestanden. Nach den dutschen Berichten haben die Angreifer in den Kämpfen seit dem 18. schwere Verluste erlitten. Gegenmeldungen fehlen, die ihr in anderen Beziehungen so de. redten französischen »Berichte über diesen, für die Beurteilung von Erfolg oder Mißerfolg wichtigsten Punkt leider keine Auskunft geben. Das Attentat in Kiew. klerlin, 31. Juli. (WB Amtlich.)' Eenerakfeldmarfchall v. Eichhorn ist am 30. Juli 10 Uhr abends ruhig entschlafen. Zu den schweren Verwundungen an der linken Körperhälfte traten gegen abend Herzkrämpfe hinzu. Die zur Stärkung des Herzens angewendeten Mittel vermochten nur eitte vorübergehende Erleichterung zu verschaffen. Sein persönlicher Adjutant Hauptmann v. D r e ß l c r war kurz vorher infolge des großen Blutverlustes ebenfalls verschieden. Die Untersuchung hat bisher folgendes ergeben: Der Attentäter nennt sich Boris Dcnskio, ist 23 Jahre alt und Ver- trarrensmann der linken sozialrevolutionären Partei in Moskau. Er will erst vor enngen Tagen von dort nach Kiew gekommen sein, nachdem er von seiner Partei den Auftrag erhalten batte, den Generalseldmarschall zu töten. Er sei zu diesem Zweck mit einer runden Bombe, einem Revolver und Geld aus- gestattet worden. * Kaum ist der Rauch von den Handgranaten verflogen mit denen der deutsch« Gesandte in Moskau, Graf Mirbach, getötet wurde, so durcheilt die Kunde von einem neuen, gleich ruchlosen Attentat die Lande. Generalseldmsrfchall v. Eichhorn und sein Adjutant Hauptmann v. D r e ß l c i sind einem 23- jährigen Mordbuben zum Opfer gefallen, der gedungen von den der englisch amerikanischen Mordbanlde nahestehenden linken Sozialrevolutionären in feiger Weise sein Todeogeschoß auf den verdienten Mann geschleudert hat. Das hinterlistige Attentat ist geeignet, in der ganzen gesitteten Welt, zu der wir die Entente nicht rechnen, den höchsten Abscheu zu erregen, er gibt aber auch denen recht, die sich nicht vertrauensvoll den Schlagwarten von Verständigung und Milde hrngegeben haben. Ueber die Gründe und Zwecke des Attentats braucht nichts gesagt zu werden, sie sind die gleichen, wie bei der Ermordung des Grafen Mirbach und bilden einen nicht abzulreirnenden Bestandteil der politischen und sittlichen Offensive England- Amerikas in Rußland. Hermann v. Eichhorn ist der Enkel des einstigen Kultusministers Friedrich Wilhelms IV. und mütterlicherseits ein Enkel des Philosophen Schelling. 1813 wurde er in Breslau geboren, wo er auch das Gymnasium besuchte. 1866 trat er in das 3. Garde-Regiment zu Fuß ein und kämpfte bei Königgrätz. wo er das MilttärEhrenzeichen 1. Klaffe erwarb. Den deutsch- französischen Krieg machte er als Oberleutnant im zweiten Garde-Landrvehr-Regiment mit, wo er der Belagerung von Straßburg und Paris beiwohnen durfte. Mit dem Eisernen Kreuz 2. Klaffe kehrte er heim. Nach Besuch der Kriegsakademie wurde er in den Großen Generalftab versetzt, war dann aber in verschiedenen Frontstellungen tätig. Erst 1891 kehrte er als Oberstleutnant und Ehef der zweiten Abteilung in den Gr. Ceneralstab zurück. Als Oberst führte er das Leibgrenadier- Reginrent in Frankfurt a. O. 1904 wurde er als Generalleutnant mit der Führung des 18. Armeekorps in Frankfurt a. M. boauftr.rgt. 1912 wurde er Inspektor der neugeöilü-eien 7. Armee-Inspektion in Saarbrücken. In dieser Eigenschaft erhielt er den Rang eines Generalobersten. Schweres persönliches Mißgeschick verhinderte ihn -u Kriegsbegimr, die für ihn bestimmte Stellung eines Führers im Osten zu über nehmen. Ein Sturz vom Pferds, dem eine Lungenentzündung folgte, verurteilte ihn in den ersten Kriegsmonaten zur Untätigkeit. Erst in der Winterschlacht in Masuren durste er hervortreten. Er führte damals die neugebildete 10. Armee. Von seinen Siegen im Osten werden, besonders die Einnahme Wilnas und die Kämpfe die damit verbunden waren, seinen Namen den späteren Zeiten vertraut machen 1917 wurde er Ceneralseldmarschall. Als deutsche Truppen von den Ukrainern zu Hilfe gerufen wurden, führte Eichhorn den Oberbefthl. Seitdem weilte er in Kiew, wo ihn durch den Bombenwurf eines hinterlistigen Schurken ein frühheittger Tod ereilte. Sein Andenken wird im deutschen Bolk unvergessen bleiben. Rußland. Die Kämpfe im Innern. Moskau, 29. Juli. (WB.) Die Breffe meldet: In den Militärbezirken des Uralgebiets wurden Kommunisten-Ab- teilungen gebildet und an die Front geschickt. Laut Nachrichten aus Tscheljabinsk haben die Tschechen in Omsk die Mobilisierung der Jahrgänge 1912 bis 1920, in Kurgan derjenigsn von 1917 bis 1919 unter scharfem Protest der Arbeiter und Bauern befohlen. Dir Annahme von Postsendungen nach Sibirien ist angesichts der Kriegslage eingestellt. Tws Poftkomiffariat fordert zu unverzüglicher Gestellung aller 1896 bis 1897 geborenen Tele- graphcnbeamten und 1893 bis 1897 geborenen Angestellten auf, die in der Artillerie und bei Genietruppen gedient haben. Der Rat der Volkskommiffare bearbeitet den Entwurf eines Dekrets über die Gestellungspflicht von Pferden und Transportmitteln. Der Aufstand der Weihen Gardisten in Wolsk wurde im Keim erstickt. MsZka-, 28. Juli. (WB.) Im Abschnitt Woronesch in der Richtrmg Jewstrntow fanden Zusammenstöße mit .Haidamaken statt, die die Demarkationslinie überschritten, Lebensmittels requirierten, und. Nä temftgliedn ^vMafteten^ Im Zlbsckmitt Nordkainns in der Richtung Ust-Medwe- dizk gingen 300 Eingeborene zu den Natetruppen über. Diese nahmen 11 Gehöfte. Im Abschnitt Gosckmn wurden von Rätetruppen 4 Ortschaften besetzt, eine kleine Abteilung Rätetruppen brach von Stawropol nach Remejatnaja durch In der Richtrmg Bugulma sprengten die Tschechen die Bahn bei Brjamdino im Rücken der Rätetruppen, die zum Weichen gezwungen wurden und zwei Geschütze und mehrere Maschinengewehre zurückließen. Am Westural-Abschnitt mußten die Rütetrirppen überlegenem Druck weichen. Nach einer Prawda-Drahtung aus Wologda haben sich dort gegen 2000 aus der Ukraine kommende Polen ange- sammelt, die nach dem Murmangebiet wollen. Unter ihnen sind viele politisch Verdächtige; alle leben auf Kosten der französischen Gesandtschaft. Die Eisenbahnbrücke zwischen Kem und Soroki ist von den Rätetruppen gesprengt worden. Der Vorsteher der Solowezker Radiostation meldet, daß am 4. Juli ein eng- lischer Offizier vom Kreuzer „Attentif" die Apparate der Station abgenominen und die Station versiegelt bat. Jekaterinborg von den Tschecho-Slowaken genommen. Moskau, 30. Juli. sWB.) Jekater i »bürg ist laut einer Meldung der amtlichen „Jswestifa" von den Tschecho-Slowake« genommen wordeir. Die bolschewistische Preffe schlägt aus die» fern Anlaß Alarm und ruft zu den Waffen. Die „Prawha* schreibt: „Wie eine Lawine wächst die tschecho-slowakische Gefahr. Wie ein Oelfleck auf dem Papier dehnt sich die Gegen revolution aus. Kein Pardon dem Feinde! Der Hungerring '-nutz gesprengt werden." Rumänien. Bretranu unterschlagt die Dokumente. Berlin, 28. Juli Ueber den Verlauf des gegen das frühere Regime Bratianu eingeleiteten Verfahren berichtet „Lumina", daß der von dem rumänischen Parlament eingesetzte Siebe wer- ausschuß große Dokumentemmterstblagungen in den verschiedenen Ministerien aufaedeckt hat. Während in den meisten Ministerien genügend Material verblieben ist, das zur Verurteilung des früheren Regimes fuhren könnte, steht man im Ministerium des Asnßern vor nichts. Sämtliche Dokumente, die dt« rumänische diplomatische Aktion während der Neutralitatszeit und wahrend des Krieges betreffen, find verschwunden. Außerdem find bei einer Reihe wichtiger rumänischer Gesandtschaften nn Auskand die meisten Akten entweder gestohlen, oder aber vernichtet worden. So z. B. ist das ganze Archiv der rnmäick» sihen Gesandtschaft in Petersburg spurlos verschwunden, wäh. rend aus dem Archiv der rummrifchen Gesandtschaft in Paris die wichtigsten, die Rumänien betreffenden Akten nicht mehr vorhanden find. Man ist allgemein der Meinung, daß die Akten auf Veranlaffnng des frübeven Ministerpräsidenten Bratian« in Sicherheit gebracht worden find. Take Jonefca. Bern, 20. Juli. Der ehemalige rumänische Minister Take Jonescu, der sich in Paris befindet, wurde vom Präsidenten Poincare, von Elemenceau Pichon empfangen. Er begibt sich nach London. Rumänische Waren Vrikarest, 30. Juli. (WB.) Auf eine Anftage in der Kammer erklärte Ministerpräsident Marghiloman: Wir haben keine Truppen nach Odessa geschickt, um unsere dort eingelagerten Warenvorräte zu bewachew Unsere Beziehungen Zur Ukraine und allen Nachbarstaaten find die besten. Wir haben Waren nicht nur in Odessa, sondern längs der ganzen Küste des Schwarzen Meeres. Alle diese Waren sind in guter Obhut. Die Reaierung bat Unterhandlungen eingeleitet und hofft in den Besitz der Warriworräte zu gelangen. Rener englischer Kriegskredit. Amsterdam, 30. Juli. (WB.) „Allgemeen Handels« blad" meldet aus London: Law wird im Unterhouse am Donnerstag eine Kreditvorlage im Betrage von 700 Millionen Pfund Sterling (14 Milliarden Mark) einbringen. Das ist der höchste seit Kriegsausbruch angeforderte Betrag. Der Kredit wird es der Negierung ermöglichen, den Krieg bis Ende Oktober fortzusetzen. Der Erstminisier wird seine Erklärung über die allgemeine Kriegslage nicht vor der dritten Lesung der Consolidated Fondsbill in der nächsten Woche abgeben. Vier Jahre Weltkrieg. Deutschlands Prüfung und Kewahruug. Von Rudolph Stratz Es ist harte, furchtbare Wirklichkeit, was seit vier Jahren um uns, o-urch uns, in uns geschieht. Und doch klingt es wie ein« Sage, wie ein HeldervlieL aus ferner, grauer 3«tt. Wie ein Mythus, in dem die Mensch-heit ihr Gleichnis deffen kleidete, weffen Mensch^mr-ll« und Menschenkraft fähig sind, um das Uebermerschliche zu vollbringen, das Unmögliche möglich zu machen. Wer uns vor vier Jahren und ein paar Monden gesagt hätte: der größte Teil Europas, fast ganz Asien, ganz Afrika, ganz Australi-m, fast ganz Nordamerika und halb Südamerika werden Deutschland mit Krieg überziehen. Mehr als zwölf-- hundert Millionen Menschen werden sich auf ein friedlich in ihrer Mitte lebendes Kulturvolk von 67 Millionen und seine nicht zahlreicheren Verbündeten stürzen. Das russische und das britffche Weltreich, das chinesische Niesenreich, die japanisch« Weltmacht des Ostens, der amerikanische Erdteil, die einen halben Erdteil umfaffende. Ländermalle dlge Frankreich, die Großmacht Italien, das Königreich Ruma- nien. mit einer Ausnahme der ganze Balkan, Portugal, Haiti, Liberia, ein Gewimmel von Staaten und Raubstaaten hinter- drein — sie alle werden sich die Hand reichen, um im Namen der Kultur das Land Gutenbergs und Goethes, Luthers und Kants, Schillers und Beethovens, Richard Wagners und Robert Kochs zu vernichten. Man wird die Wilden aus dem Herzen Afrikas Holen, die Inder über das Meer schleppen, die Rothäute bewaffnen. die Siamesen einschiffen, die Marokkaner und di« Mada^ passen aufbieten, die Kosaken loslasien, die Kalmücken und Kirgisen einstellen. Di« Buren werden sich in den Sattel schwinge», die Kanadier zur Flinte greisen, die Australier von Weid und Kind Abschied nehmen, die Yankees die Trommel rühren, dk Neuseeländer Heim und Haus verlasien — alles in einem irre« Massenschrei- Ueber den Rhein! Ueber die Weichsel! Nach Berlin? Nach Berlin! Wenn das einer vor vier Jahren und ein paar Monden gesagt hätte, so hätten wir nicht die Menschheit für wahnsinnig gehalten, sondern den, der dies Zukunftsbild entwarf. Und hätte man ihm geglaubt, so wäre das zweite die Frage gewesen: Wie kann selbst ein Volk von Helden gegen eine solche Sintflut von Feinden sein Land, sein Leben und seine Ehre behaupten? Niemals, solange das Gedenken der Menschen zurückreicht, wurde ein Volk einer solchen Härtung durch das Schicksal unterworfen, wie Deutschland in dielen Jahren. Es war die schwerste Belastungsprobe, die je die Gemeinschaft eines Volkes in Waffen gegen einen zehnfach überlegenen Feind zu bestehen hatte, gegen «ine kriegerische Völkerwanderung, die Lawinen bewehrter Wilder als Kanonenfutter vor sich herpeitschte, der alle Hilfsmittel, aller Menschemvitz. alle Naturschätze der Erdkugel wie böse Geister dienten, die. im Osten zumal, aus all« Schrecken des Krieges alle Schrecken der Bestialität häufte. Das war der Krieg. Aber er war nur das erste Verderben, das uns drohte. Hinter ihm schritt das Gespenst des Hungers. England rief es zu Feuer und Schwert an seine Seite. Die Meere schloffen sich. Die Blockade begann. Großbritannien erklärte den Frauen und Kindern, den Greisen und Kranken in Deutschland den Ausrottungskrieg. Von Frankreich aus wurde die Zerstörung der deutschen Kornfelder durch Brandbomben an- gevaten. Man schickte den Kriegsgefangenen heimlich Anweisungen zum Anzünden der deutschen Getreidescheunen und zum Vernichten der Kartoffeln Jedes Mittel schien gegen Deutschland recht. Auch im Ausland. Zu Hunderttausenden und Millionen wurden dort die Deutschen für vogelfrei erklärt, über die Länder gehetzt, die Frauen quer durch Afrika geschleppt, die Greife nach Sibirien verbannt, alles, was deutsch war, seiner Habe beraubt, eingekerkert, mißhandelt, getötet. Es war die größte Menscherwersolgung seitdem es Menschen auf der Erde gibt. Ja, der böse Feind stets mit Ernst es meint: England holte gum dritten Streich aus. Es glaubte auf Grund jahrelanger, geheimer Hand^lsspionag« und Ueberwachung des Weltverkehrs genau den Zeitpunkt berechnet zu haben, wo, infolge der See- fperre, die zur Kriegführung in Deutschland nötigen Rohstoffe versiegten, der Salpeter für den Schießbedarf ausging. Metalls für den Eeschützstahl mangelten, das deutsche Heer ein Riese ohne Waffe wurde. Dieser Gedanke allein genügte schon, den kranken Hirnen des Weltbunds den Tag des Einzugs in Berlin Vorzugaukeln. Krank, moralisch krank waren diese Hirne. Sockst hätten sie nicht zur vierten und ekelsten Waffe wider Deutschland gegriffen. zur Macht der Lüge. Eine Springflut von Geifer. Gift und Galle, sin Kotmeer der Verleumdung, ein Trug und Stank ohne gleichen ergoß sich über ein reines, großes und starkes Volk wie das unsere, ein Volk, das so stolz war. daß es sich fast für seine Feinde schämte. Niemals früher hätten Menschen solchen Wahnwitz geglaubt. Jetzt brach eine Menschheitsdämmerung herein. Deutschland stand einsam inmitten einer entarteten Welt. Krieg, Hungersnot. Waffemnangel und Verleumdung — das waren die vier apokalyptischen Reit?:, die unheilverkündend wider Deutschland heranbrausten. Ein ehern rrchiges Antlitz sah ihnen entgegen. Deutschland hatte sich, in den Stunden der Rot, weit über Irdisches erhoben. Es kannte nicht mehr, was bei anderen Menschen Furcht heißt. Es fühlte vom Kaiser bis zum Kärrner nur das eine, daß je ungeheurer sich die Gefahren auftürmten, desto ungeheure, ungeahnte, weltüberwindende, Mmd erwirkende Kräfte in ihm lebrndig wurden, und nahm mit Gott, in gläubiger Zuversicht und dem Bewußtsein seiner gerechten Cache, den Kampf ums Dasein auf. Undsiegte. Der Krieg? Leuchtend stieg, schon in den ersten Tagen des Kampfes, über Tannenbcrg die Siegessonne empor. Sie blieb uns treu. Königreiche zerschellten. Das Zarenreich zersplitterte. Der Westen wankte unter deutschen Schlägen. Ueber vier feindlichen Hauptstädten Lichte die deutsche Fahne. Millionen von Gefangenen füllten die deutschen Lande. Die stärksten Festungen der Gegner stürzten in den Staub. Tief stehen unsere Heere überall im Feindesland. Paris vernimmt den Donner ihrer Geschütze. England schleuderte vergeblich ein Volk nach dem anderen in den Weltbrand. Rief alle seine Hörigen der Erde auf. Umsonst, der Mensch besiegt die Masse, Deutschland die Die Hungersnot? Auf Deutschlands Feldern reift eben jetzt zum vierten Male das Korn. Frauen, Kinder, Knaben bringen es ein. Kriegsoenesende helfen, Gefangene. Di« Zeiten sind schwer und voll Entbehrung, das wiffen wir — aber Deutfch- lc-.nd daheim so stark wie je! Von der Fremd« abgeschnitten, Zog es gleich dem Riesen der Sage aus der Berührurig mit der eigenen Muttererde immer neue, unbrzw ingliche Kraft. Es stampfte Armeen aus dem Boden. Ihm wuchs das Kornfeld onf der flachen Hand. Der Waffenmangel? Wie aus Hochburgen des Kriegs leuchtet des Nachts das Licht aus deutschen Laboratorien. Deutsche Gelehrte wachten. Forschten, fanden. Kreuzten über Länder »nd Meere di« Klinge mit denen der fernen Gegner, entrisien lfm,«*» die Wshz, schmiedeten sie neu zu Deutschlands Ehre!. Das deutsche Volk der Arbeit stand hinter ihnen. Männer uckd Frauen zu Millionen. Der Geist zwang den Stoff. Der deutsche Siegfried hämmerte sich auf eigenem Ambos sein Schwert, daß es heute schneidender denn je in seiner Hand blitzt. Die Lüge? Wir schlugen sie. indem wir zu stolz waren, sie zu sehen. Heute wirken Londons Verleumdungen fadenscheinig wie Vogelscheuchen im Herbst. Niemand glaubt mehr daran. Unsere Antwort aus alle Schmähworte der Gegner war immer nur dte Tat, die schweigend« Tat, die siegende Tat! Im Anfang war die Tat: die Tat soll, auch das Ende dieses ungeheuren Ringens sein. Kein Wort allein, kein bester Wille auf unserer Seite bringt der Menschheit Erlösung, solange der Rest unserer Feinde auf ihrem blutigen Wahnsinn eines Kreuz- xrlgs wider Deutschland verharrt. Diesen Wahn heilt nckr das Schwert. Es wird gut vollenden, was es gut begann. Roch stehen wir mitten in der letzten Prüfung. Aber eine Stimme von oben sagt uns: Ein Volk, das die Wunder vollbrachte, die schon hinter uns liegen, das schreitet auch aufrecht und siegreich bis zum Schluß, zum Frieden überall, zu neuer deutscher Kraft und Herrlichkeit! Verrat bei der öiikrreWicheii PM-Wiißve. Das Wiener Kriegspresieamt veröffenilicht eine Darstellung j von Vorfällen bei der letzten Offensive. Danach ist sie deshalb nicht geglückt, weil wieder slawisck>er Verrat dazwischen liegt. In kurzer Zeit konnte auch bereits aktenmäßig festgestellt werden, daß eine Reihe von Uebcrläufcrn der italienischen Heeresleitung Material lieferten, durch deffen Vergleich und gegenseitige Ergänzung es möglich war, ein ziemlich genaues Bild unserer Angriffsdispositionen zu erhalten. In Gefangenschaft geratene englische, französische und italienische Offiziere und Mannschaiten zahlreicher Regimenter sagen übereinstimmend aus, daß ihren Truppenkörpern am Abend des 1t. Juni verlautbart wurde, daß die österreichisch-ungarische Offensive am kommenden Morgen um 2 Uhr einsetzen werde. Den genauen ZcÄpunkt sollen jugo-slawische Ueberläufer verraten haben. Der Feind traf Vorkehrungen gegen die erwartete Casbeschießung, die sich allerdings nachträglich als unzulänglich erwiesen. Es ist begreiflich, daß die italienische Heeresleitung die Namen der Uoberläufer, denen sie verdankt, daß die Niederlage nicht in einen Zusammenbruch der italienischen Wehrmacht aus- artete, mit dem Schleier der Verschwiegenheit deckt. Dennoch gelang es der systematischen Durchsicht der zahlreichen erbeuteten italienischen Dienststücke und den daran sich schließenden gründ. lichen Erhebungen, ein umfangreiches Aktenmaterial von vollster Beweiskraft zu erlangen. Eine Reihe von Ueberläufern ist bereits bekannt und der Inhalt ihrer verräterischen Aussagen durch italienische Amtsstücke festgestellt. Hier seien nur zwei besonders krasie Fäll« hervorgehoben: Der Schütze Rudolf Paprekar des Handmaschinenzuges eines Schützenregiments sprang laut Darstellung des Kommandos VIII ak. gstb. Abt. Dal. 6. Juni 1918 unterhalb Villa Jaeobr vom Piavedamm in den Strom, den er durchquerte. Er verriet die Stellungen, Stürbe und Zusammensetzung seines Abschnitts und machte auf Grurrd gründlicher Beobachtung und Ausspähung höchst wertvolle Angaben, aus denen auf unsere Angriffsabsichten gegen den Montello geschloffen werden koirnte. Ferner teilte er Details über dem Feind gänzlich unbemerkt gebliebene Vorkehrungen für den Piaveübergang mit. sowie sorgfältig registrierte Angaben über Truppenbewgungen, Batteriestellunge« und dergl. Den größten Teil am Verrat schreibt dte italienische Hoeres- leik^ng nicht ohne Grund dem Leutnant Karl Stiny eines Infanterie-Regiments zu, der in der Nähe von Moventa desertierte. Aus umfangreichen italienischen Dienststücken, in welchen seine Aussagen gesammelt und verbreitet sind, geht hervor, daß er unsere Vorbereitungen am Piave gänzlich verraten und auch sonst dem Gegner eine Reihe höchst wertvoller Nachrichten aus- geliefert hat. Stiny der genügend fachmännisches Wiffen besaß. sammelte mit großer Umsicht und Systematik alle ihm von Wert scheinenden Daten. Seine Darstellung über Vorbereitung und Anzeigen betreffend die Offensive find so gründlich und durchdacht, daß aus ihnen geradezu auf das Wesen der Angriffs- disposition geschloffen werden konnte. Die italienische amtliche Charakteristik Stinys lautet' Der Leutnant ist ein höchst intelligenter, von glühender Nationalempfindung und von lebhaften antiösterreichischen Gefühlen beseelter Iungtscheche. Seine Aussagen tragen den Charakter vollkommener Zuverlässigkeit. Er hat absichtlich vor dem lieber laus viele Nachrichten gesammelt, um sie uns mitzuteilen. Er flößt vollkonrmenes Vertrauen ein. Der Bericht stellt des weiteren fest, daß die italienische Heeresleitung seit einiger Zeit versucht, hochverräterische Zersetzung in unsere Linien zu tragen. In den italienischen Gefangenenlagern werden in völkerrechtlich verpönter Weise slawische Mannschaften mit Versprechungen und Bestechungen bearbeitet, sich in die tschechisch-slowakische Legion einreihen zu laffen. Der Befehl des 3. italienischen Armeckommarrdos Nr. 1058 : 0495 b I vom 14. Mai d. I. verweist auf die aktive Propaganda durch tschechische Freiwillige zwecks Lockerung des Eefiiges der österreichisch-ungarischen Armee, wie sie beim dortigen Kommando eingerichtet wurde. Den willigen Werkzeugen des Hochverrats, deren verhetzte Einbildungskraft den Blick für die wirklichen Bedürfnisse der Heimat gänzlich verblendet hat, wird von den offiziellen italienischen Stellen vorgetäuscht, daß in Böhmen Unruhen und Aufstände ohne Unterbrechung aufeinandcrfolgen. In dem erwähnten Befehl wird angeführt, daß bei dieser und anderen Armeen einige Versuche mit tschechischen Elementen geglückt seien, in die Herzen einiger feindlicher Abteilungen tiefe Verwirrung zu tragen. Einige tschechisä)e Soloaten seien tat. sächlich zu den Italienern über gelaufen, andere in Berührung mit ihnen geblieben und hätten sich bereit erklärt, als Gärungsmittel für Annäherungen in den feindlichen Stellungen zu verbleiben. Zum Schluß heißt es: Das weitere Aktenmaterial wird zeigen, wie ehr- und pflichtvergessen noch andere in ihrer bleckdung zu handeln vermochte«. Vom Felde der Ehre. Bav-Nsuhcsm. Herrn Tr. med. Hüffell wm hier, z, 3t. Bataillonsarzt, wurde, nachdem er bereits im Juni mit der« Hessischen Sanitätskreuz am Bande, der Tapferkeitsmedaille sowie der Roten Kreuz-Medaille 3. Klaffe ausgezeichnet words» war, das Eiserne Kreuz zweiter Klaffe verliehen. Dorheim. Dem Wehrmann Karl Schutt wurde das Eiserne Kreuz verliehen. Die Hessische Tapferkeitsmedaille erhielt er schon früher. Herzlichen Glückwunsch! Dorheun. Der Gefreite Ernst Eifert wurde zum Unteroffizier befördert und erhielt das Hessische Kriegs' Ehrenzeichen in Eisen. Das Eiserne Kreuz sowie die Hess. Tapferkeitsmedaille besitzt er schon.' Aus dev Hemmt. Wiedererhöhung der Brotration. Wie die „Voff. Ztg." erfährt sollen am 19. August die Mengen einiger wichtiger Karten- Nahrungsmittel neu festgesetzt werden. Hierbei dürfte es sich vor allem um die Wiedererhöhung der Brotration handeln. Dem „Berl Tagrbl." zufolge dürften die übrigen Rationen vorläufig die gleichen bleiben. Friedberg. Orgelkonzert in der Stadtkirche. Die kirchemnusikalische Abendfeier (Freitag 8X Uhr) eröffnet Herr Hoforganist Müller aus Darmstadt mit Bachs glänzenden Ls llui-Präludium, das aus der Zeit der höchsten Kunstentwicklung des Meisters herrührt. Mit weiteren Vortragsftiicke« von Buxtehude, Mendelssohn und Liszt, in denen die Charakter- stimmen und vielfachen Ausdrucksmittel der schönen Orgel zur Geltung kommen, wechseln die Gesänge von Frau Hedwig Mül- ler-Banzert aus Gießen ab, Kompositionen von Joh. Sebastian und Friedemann Bach, I. W. Franck. Beethoven u;rd Mendels. sohn-Vercholdy. deren Text« Gebet und Ergebung, Trost. Lob und Dank zum Inhalt haben. Den Schluß der Vortragsfolgr bildet eine Fantasie von E. A. Thomas, in welcher die Königin der Instrumente ihre majestätische Tonfiille in ihrer ganzen Pracht und Krall entfaltet, namentlich im Mittelsatz, wo sich über rasch dahingleitenden Pedalpaffagen die wuchtigen Akkord« des Trutz- und Kriegschorals „Eine feste Burg ist unser Gott- austürmen. — Dauer der Feier 1 Stunde — Programm an der Kirchtüre. — Freiwillige Gaben beim Ausgang zum Beste, der Kri^sfürforge. — Eintritt frei. Offenheim. (Eingesandt.) Sett 19 Jahren bin ich Flur« schütz in Offeckheim. Wenn die Felddiebstähle sich neuerdings ins Unendliche gesteigert haben, liegt die Schuld in den der maligen traurigen Zeiten. Ein Gemeickderatsbeschluß kündigt mir an. daß vom 1. August mein Gehalt gesperrt sei und ich nur von jeder Anzeige 5 Mk. erhalte. Freoel durch Enten. Gänse und Hühner bleiben ohne Vergütung. sollen jedoch durch Anzeige geahndet werden. Ich fühle mich verpflichtet, dies 31 t* Kenntnis des Publikunrs zu bringen mit dem Anfügen. daß es mir widerstrebt, Rarwgloffen hierzu zu schreiben. Richard Merkel. Stammheim. Polizeidiener Heinrich Schneeberger dahier feiert am 1. August sein 25. Dienstjubilamn. Ans Hessen. Dom Bezirkssekretariat des christlich-nationale« Zentralverbandes der Fofft-, Land- und Weinbergsarbeit« Deutschlands in Mainz wird uns geschrieben: Am Sonntag, de« 28. Juli, vormittags YA1 Uhr, tagten im „Jungen Krokodil" t« Frankfurt die Kreisrorstände der einzelnen Kreise des Heff. Straßenwärterverbandes. Verbandssekretär Sauer- Mainz referierte über die Lohnverhältniffe der Straßenwärter in de« einzelnen hessischen Kreisen. Geradezu trostlos seien teilweise di« Eehaltsverhältniffe. So ist z. B. im Kreise Schotten das Höchstgehalt 800 Mark. Zu diesem horrenden Lohn kommen 120 Mark Teuerungszulage, außerdem für jedes Kind 5 Mark. Im Kreis« Büdingen ist das Höchstgehalt 1040 Mark. Die jährlich« Teuerungszulage bettägt dort aber nur 75 Mark. Nirgends können in Oberheffen und Starkenburg die Gehälter als ausreichend bezeichnet werden und muß unter allen Unistän-den nach einer baldigen Aenderuny gestrebt werden. Als geradezu vor. bildlich wurde di« Regelung im Kreise Mainz bezeichnet. Dort beträgt das Anfangsgehalt 1200 Mark, steigend von drei zu drei Jahren um 60 Mark bis zum Höchstgehalt von 1500 Mark. Hi-nyn kommt eine mormtliche Teuerungszulage von 25 Mark soidaß das Iahreseinkornrnen 1800 ivtark beträgt. Da nun den Wünschen der Straßenwärter ohne den notwendigen Nachdruck doch nicht Rechnung getragen würde, die Regelung in Mainz auch efft auf die Eingaben des Zentralverbandes ftattfand u. in den übrigen Kreisen Rheinheffens die ähnliche Regelung bevor steht,^ so wurde beschloffen, daß sich die hessischen Straßenwärter insgesamt dem vorgenannten Zentral verband« umschließen. Nachstehende Resolution fand einsttmmige Annahme: „Die in der Sitzung in Frankfurt a. M. am 28. Juli 1918 im „Jungen Krokodil" versammelten Vorstandsmitglieder der einzelnen Kreise des Sttaßenwärterverbandes für das Großhsrzogtum Hessen sind der Meinung, daß nur durch den Anschluß an de« christlich-nationalen Zentralverband der Forst-, Land- und Wein- bergarbsitsr Deutschlands die bisher trostlose Lage der Straßenwärter gebeffert werden kann. Sie verpflichten sich, möglichst bald eine Kreisversammlung ihres Kreises ein zuberufen und dort den einzelnen StraßenwärEn den Anschluß an den Zentral verband zu empfehlen Sie wünschen und hoffen aber auch von den einzelnen Kreisbehörden, daß diese das notwendig« soziale Verständnis als selbstverständlich vorausgesetzt, ähnlich der beschlossenen Teuerungszulage für Staatsbeamte auch de« Straßenwärtern möglichst sofort ähnliche Teuerungszulagen ge. währen, um so der größten Not zu steuern. ' Verantwortlich für den politischen und lokalen Teil: Otts l Hirschel, Friedberg; für den Anzeigenteil: N. Heyner. ^ Friedberg, Druck und Verlag der „Neuest Tageszeitung*, A- G.. Friedbernj^L. Mein nie diirch Liebe Leid geschah. ' Roman von Courthß.Mahler. 68) Nachdruck verboten Auch Hans Ullrich muhte sich mit d^m Bewußtsein zufrieden geben, daß er das Seine getan hatte fürs Vaterland. Ursula hatte von Graf Joachim fleißig Nachricht erhalten. Tr hatte erst in Rußland gekämpft und war dann nach Frank, reich gekommen. Ursula war jetzt nicht mehr der übermütige WildsauA Sie saß gar still bei der Mutter rd.-r drüben im Kavalierhaus bei den Waisenkindern, -u denen nech zwei Kriegswaisen gekommen Kindern warme Strümpfe für 17Ü! waren. Dort strickte sie die Soldaten im Felde. Nur wenn der Briefträ Füße ihn: flink entgegen. Knegsicrhr schon geworden' üer in Sicht war. dann liefen ichre Wie lang war ihr doch das erste Nun war schon der dritte Monat im Zweiten Kriegsjahr angebrochen, und noch immer klangen die Friedensglocken nicht. Dann kam eines Tages, in den ersten Oktobertagen, Graf Rudolf Steinau ohne vorherige Anmeldung nach Frankenau. Er brachte Nachricht von Joachim. Schonend sollte er Ursula vorbereiten. daß ihr Verlobter schwer verwundet war. Er lag in Düsseldorf in einem Lazarett. Sein linker Fuß war zerschmettert, und die Aerzte fürchteten, daß er abgenom- nien werden müsse. Ursula schrie laut auf, als ihr Graf Rudolf schonend diese Kunde vermittelte. Aber als sie den ersten Schreck verwunden hatte, biß sie tapfer die Zähne zusammen. Sie weinte nicht, ober sie war k^cherchlaß. Und sie bat thre Mutier, sofort mit Ihr noch Düsseldorf zu reifen. „Ich muß zu ihm, — er braucht mich jetzt." sagte sie mit einer Selbstbeherrschung, die alle erschütterte. Frau von Frankenau ließ ihren Sohn in der Obhut seiner jungen Frau und reiste mit Ursula nach Düsseldorf. Graf Steinau begleitete die beiden Frauen. Die kleine Ursula zeigte sich als Heldin, als sie an das Lager ihres Verlobten trat. Graf Joachim war in einer schlimmen Gemütsverfassung. Daß man ihm den Fuß abnehmen wollte, war ihm ein furchtbarer Gedanke. Er wollte viel lieber sterben. Aber als Ursula in seine Augen blickte, ihn umarmte und küßte, da schien ihm der Tod doch noch schlimmer als der Verlust eines Fußes. „Du wirst dann aber einen Krüppel zum Mann bekommen, mein Urselchen, der mit deinen flinken Füßen nicht mehr Schritt halten kann," sagte er. Sie lächelte ihn mit feuchten Augen an. „Meine flinken Füße haben in dieser schlimmen Zeit schon gelernt, langsamer zu schreiten. Mir haben daheim manchen Verwundeten gepflegt, der mir mühsam vorwärts konnte. Ich gehe fein langsam mit dir. Wenn ich dich nur behalten darf." Da brach sein sonniges Temperament selbst durch diese Not hindurch „Auf die Bäume kann ich auch nicht mehr mit dir klettern," sagte er. Sie barg ihr Gesicht an seiner Schulter, um ihm nicht zu zeigen wie es sie erschütterte, ihn leiden zu sehen. Und es war, als habe Joachims Zustand seit Ursulas Ankunft eine Wendung zum Bessern erhalten. Am nächsten Taq erklärten die Aerzte, daß der Fuß erhalten bleiben könne, wenn zwei Zehen abgenommen würden. Joachim war darüber so froh, daß er nicht erwarten konnte, bis Ursula bei ihm war. Die Operation wurde sofort vorgr- nommen und nun war Joachims Fuß gerettet. Ursula stürzten nun doch die Tränen aus den Augen, als sie Joachim nach de, Operation auf einige Minuten sehen durfte. Ursula und ihre Mutter blieben in Düsseldorf, bis Graf Joachim so weit hergestellt war. daß er nach Frankenau trans. portiert werden konnte. Dort wurde er vollends gesund gepflegt. Und in der ländlichen Stille von Frankenau erblühte für die beiden jungen Paare ein reiches, volles Glück. Sobald Joachim ganz gesund war, fand seine Vermählung mit Ursula statt, und die junge Gräfin Steinau war in ihrem Brautkleid mit dem blonden Heiligenschein unter dem Myrtenkranz, eine rührend liebliche Erscheinung. Sie mußte ihren jungen Gatten noch ein wenig stützen, weil er noch nicht wieder gang fest aus den Füßen stand. Die Waisenkinder schritten vor dem Brautpaar her und streuten Blumen auf seinen Weg. Hinter Ursula und ihren: juirgen Gatten folgten Arm in Arm Hans Ullrich und Christa. Auch Hans Ullrich brauchte den Arm seiner Gattin noch als Stütze. Aber das helle Glück leuch- tste beiden Paaren aus den Augen. Und hinter den beiden Paaren folgte Frau Sabine von Frankenau zwischen ihren beiden alten Freunden, Graf Rudolf Steinau und Heinz von Birkenheim. Diese drei Mensch-en sonnten sich in dem Glück der beiden jungen Paare.- Ende. Vetr.: Die Fleischveriorgung für die Bevölkerung der Stadt Friedberg. Kelmmrlmachmig Ich bringe hierdurch zur öffentlichen Kenntnis, daß der Verkauf von Rind- und Kalbfleisch sowie Wurst für,diese Woche am Freitag. den 2. August 1918, nachmit- tasvon 1—6 Uhr, in den sämtlichen hiesigen Metzgerläden stattfindet. An den Verkaufslagen der letzten Wochen sind vielfach die Wahrnehmungen gemacht worden, daß die von mir festgeietzten Verkaufszeiten über den Verkauf von Fleisch- und Wurstwaren von ein- aelaen Metzgern nicht beachtet, sondern daß diese ihr Fleisch schon vor dieser Zeit an Kunden abgegeben haben. Hierdurch fühlen sich viele Einwohner geschädigt. Es wird behauptet, daß die Kunden. die vorzugsweise zuerst bedient werden, auch die besten Flei.chstücke erhielten. Ich mache hierdurch wiederholt und dringend darauf aufmertsam, daß die vorgeschriebenen Verkaufszeiten genau einzuhallen sind. Verfehlungen hiergegen werde ich für die Folge nicht nur zur Bestrafung anzeigen, sondern auch Kunden, die eine frühere Bedienung bei den Metzgern wünschen und erhallen, zu anderen Metzgern in die Kundenliste umschreiben lasten. Friedberg, den 30. Juli 1918. Der Bürgermeister. _ I. V.r Damm. Kekanntmachnrrg Am Samstag, den 3. August d. Js., nachmittags3 Uhr, werden 2 Bäume Frühbirnen und 1 Baum Frühäpfel öffentlich versteigert. Zusammenkunft am Viereichenplatz. Friedberg, den 30. Juli 1918. Der Bürgermeister I. V.: D a m m. Wiedersehen war seine und unsere Hoffnung! Von Cuib schied ich in früher Jugend. Und einmal muß geschieden sein, Nun sinkt mein Her; in seiner Jugend Hinab ins stille Kämmerlein. Drum, liebe Eltern, laßt das Klagen. Mir naht kein Weh, mich drückt kein Leid: Die höh're Fügung wird's Euch sagen. Die mich berief zur Ewigkeit. Wer weiß, was mich im späteren Jahren Ereilet hätte, welche Not: Seht, Gott will mirs nicht offenbaren Und schickt aus Güte mir den Tod. Drum weinet nicht, ihr lieben Meinen, 2hr alle folget mit der Zeit. Dies ist der Trost, er wird erscheinen Einst, wenn ihr kommt zur Seligkeit. Noch eines nehmt von starrem Munde: Für alles Gute meinen Dank. Der Abschied kam, es schlug die Stunde, Gott tohn's Euch Euer Leben lang. Jung und einfach war dein Leben, Treu und fleißig deine Hand, Und so wollst du weiter streben. Mußt nun ruhen im ftemden Land; Dein treues Herz hört auf zu schlagen. Hörst nicht mehr deiner Eitern Klagen. Plötzlich und unerwartet erhielten wir die schmerzliche Nachricht, daß unser lieber guter Sohn, treuer Bruder und Enkel Schütze Wilhelm Wetzstein am 16. Juli nach 13 monatlicher treuer Pflichterfüllung infolge Volltreffer im blühenden Alter von 18% Jahren den Heldentod fürs Vaterland gestorben ist. Gettenau, den 31. Juli 1918. Die tieftrauernden Hinterbliebenen: Familie Heinrich Wetzstein nebst allen Angehörigen. UNlm-Wcher!!!i!|. Schwänzer kurzhaariger HM tiiilsüs«. Vor Ankauf wird gewarnt. Wiederbringer erhält Belohnung. Heinrich Schmidt, Sur^-Esr-d- k'ilie üöliliiiiiielfüite, 9 jährig, schwerer belg. Schlag, steht unter aller Garantie zu verkaufen bei Kaspar Zrullmann Erben. _Melbach (Oderhessen). Einen jchweren ZmiMmr-MiM zu verkaufen. Heinc. Wilhelm Scherer, NieSer-Florstadt. Freitag, den 2. August, vormittags 9 Uhr anfangend, kommen m der Hofraile des Herrn Alt-BLrqermeisters Weith, Nieder- Wöllstadt, Frankfurterftr. 24, folgende Gegenstände zur Versteigerung: 1 Büfett, 1 Auszugtisch mit Einlagen, 1 Plüschsofa und 6 Sessel, 1 Trumeau, mehrere Spiegel, 8 Stück feine Stühle m t Lederbezug, 1 Pfeilerschränkchen, 3 Kleiderschränke, zwei- und eintürig, 2 vollständige Betten mit Roßhaarmatratzen, 1 Waschtisch und 2 Nachtschränkchen mit Marmor- platten, 1 Nähmaschine, Küchenschrank, große Lüster, Ofenschirm, Spiegel, Bilder, Sessel, Stühle, Porzellan sowie Haus- und Küchengeräte. Extra große Thüringer Neiserbesen alle Sorten Bürsten, Besen, Striegel, Toilette-Artikel, prima Rasier- u. Toilette- seise, prima Linoleum- und Parkettwachs alles in großer Auswahl. Theobald Stemel Bürstensabrik. Friedberg, Kaiserstraße 117. lli lange und runde, IM-tan empfiehlt Jacob Herrmann, 2nh.' Balthasar Schneider, Friedbera i. H., Kaiserstraße 93. Achiung! Achiuug! 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