Die ..Deuo Tnyes?eitung" erscheint ,eden Werktag Regelmäßige Beilagen ..Ser Kauer aus Hessen". ..Die Spinnssube". Kexugspreis: Bet den Postanstalten vrenel,ährUch Ml 2.4Ü hinzu tritt noch das Bestellgeld: bei den Agenten monatlich 85 Pfg. einschließlich Trägerlolm. An?eigen: Grundzeile 25 Psg., lokale 20 '\S]q„ Anzeigen von auswärts werden durch Postnachnabmi erhoben. Erfüllungsort Friedberg. Schrifiloituna und Derian ^riedberg fressen), ^anaueritraße 12. Fern'vrecher 48. Poitj Heck-Lonto Nr. 48 '»q. Amt yta inurt a. )}. Kummer 1/5 Monrag, -en 29. Juli 1918 11. Jahrgang« Ruhige Tage im \ kfbin* Kämpfe um (0nreg. — Fortsetzung der Käm-fe in AUranien. — Das Kefinden Hindenkrnr^s. 18000 Tonnen versenkt, 2 englische Kriegsschiffe gesunken. — Zerstörung der Flng-AnLagen hei Der deutsche Generalstak == meldet: -r W. T. D. Großes Httttprqnarriev. den 27. Juli. Amtlich. Westlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe Kronprinz NupprechL. Die Kampstätigkeit lebte vielfach am Abend auf. Sie war während der Nacht besonders beiderseits der Scarpe in Verbindung mit erfolglosen Vorstößen englischer Infanterie gesteigert. Heeresgruppe Deutscher Kronprinz. An der Schlachtsront zwischen Soissons und Reims flaute die Gefechtstätigkeit gestern weiterhin merklich ab. Jg der Champagne wurden Teilangriffe der Franzosen beiderseits von Perthes abgewiesen. Heeresgruppe Herzog Albrecht. Erfolgreiche Erkundungsvorstöße in den Vogesen und km Sundgau. Der Erste Generalquartiermcister: Ludendorff. Akendüericht. Berlin. 27. Juli, abends. (WTB. Amtlich.)' An 5er Kampffront auch heute ein ruhiger Tag. » M. T. B. Großes Hauplquartier, den 28. InlL. Amtlich. Westlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe Kronprinz Rupprecht. Rege Erkundringstätigkeit. Stärkere Vorstöße des Feindes nördlich der Lys. beiderseits der Somme und nordwestlich von Montdidier wurden abgewiesen. In einzelnen Abschnitten Artillerietätigkeit. Heeresgruppe Deutscher Kronprinz. An der Kampffront verlief der Tag ruhig. Kleinere Infanteriegefechte im Vorgelände unserer Stellungen. In der Champagne drang der Feind bei örtlichem Angriff in unsere vorderen Linien südlich vom Fichtelberge ein. Unser Gegenstoß warf ihn größtenteils wieder zurück. Der Erste Gencralquarticrmeifter: Ludendorff. Abendkericht. Dcrli«, 88. tzuli. abcnds. (WB. Amtlich.) Kampfs Mn Ourcq. Im übrigen ruhiger Tag. [j Der österreichische Generalstav y====== meidet: — Wien, 27. Juli. (WB.) Amtlich wird verlautbart: An der Tiroler Front haben Sturmtruppunternehmen km Conosi-Tale und in der Vallarsa dem Feinde blutige Verluste zugefügt. In Albanien schlugen unsere Truppen bei Ardenica sieben feindliche Gegenstöße ab und erkämpften sich bei Kalmi den Uebergang über den Seinen!. Jin Raume nördlich Berat hält die Gefechtstätigkeit an. Der Chef des Gencralstabes. Wien, 28. Juli. (WB.) Amtlich wird verlautbart: In Italien keine größeren Kampfhandlungen. In Albanien wurden bei Ardenica abermals mehrere italienische Vorstöße abgewiesen. Der Chef des Gencralstabes. '» - . ■ " m Der bulgarische Generalstak — — meldet: ——- Sofia, 27. Juli. (WB. Nichtamtlich.) Amtlicher Tagesbericht vom 26. Juli. Mazedonische Front: An mehreren Stellen der Front war die Feuertätigkeit auf beiden Seiten zeckwerse etwas lebhafter. In der Moglenagegend und westlich vorn Wardar wiesen wir feindliche Abteilungen, lvelche sich unseren Vorposten zu nähern versuchten, durch Feuer ab. Südlich von Huma und im Strumatal für uns glücklich verlaufene Kämpfe mit griechischen Patrouillen. Das türkische Hauptquartier |j •- . — meldet: ===== Konstantinopel, 27. Juli. (WB. Nichtamtlich.) Generalstabsbericht. Palästinasront: Im Küstenabschnitt spielten sich Maschinengewehr- und Handgranatenkämpfe ab. Tagsüber lebhaftere Artillerietätigkeit an verschiedenen Stellen der Front bei lebhafter Fliegertätigkeit. Starke feindliche Jnsanterie- und Kavallerie-Erkundungsabteilungen wurden auf dem Ostjordan-Ufer von uns vertrieben. In der Nacht zum 26. Juli griffen unsere Flugzeuge das feindliche Fliegerlager auf Jnrbros an. Trotz heftiger Abwehr durch Flak und Maschinengewehre warfen sie aus niedrigster Höhe zirka 700 Kilogramm Sprengstoffe ab und beschossen das Lager mit Maschinengewehren. Es wurde einwandfrei festgestellt, daß mehrere Flugzeugschuppen, Wohnbaracken und Speicher durch unsere Bomben getroffen und zerstört worden find. Unsere Flugzeuge kehrten unversehrt zurück. In der letzten Nacht versuchten einige feindliche Flugzeuge Konstantinopel anzn- greifen. Durch unser Abwehrfeuer wurden sie vertrieben. Einige Bomben wurden ziellos in der Nähe der Stadt abgeworfen, ohne irgendwelchen Schaden anzurichten. Sonst nichts Neues. CnBche fliipilMfu bei ©Iranfo vcrinW. Wien, 26. Juli. (WB.) Amtlich wird verlautbart: In der Nacht vom 24. zum 25. Juli haben unsere Seeslugzeuge die englischen Fluganlagen am See Almini Piccolo bei Otranto erfolgreich mit Bomben angegriffen. Die Flughallen gingen in Flammen ans. Der Brand war bis zu unserer Küste zu sehen. Die Fluganlagen, von denen aus die wiederholten Angriffe auf Durazzo und den Golf von Cattaro nternommen wurden, können als größtenteils vernichtet betrachtet werden. Unsere Flugzeuge sind alle unversehrt eingerückt. 18000 Tonnen versenkt. Berlin, 26. Juli. (WB. Amtlich.) Neue U-Bootserfolge im Sperrgebiet um England: 18000 Druttoregistertonnen. Der Chef des AdmiralstabeS der Marine« 2 tüDche Krmslchisse grfunlsrn. Der Hilfskreuzer „Warmora" torpediert. London, 27. Juli. MB.) Amtlich wird mitgeteilt: Der Hilfskreuzer „Marmor a* (10,609 Vrt.) ist am 23. Juli von einem deutschen Unterseeboot torpediert worden und gesunken. Zehn Mann der Besatzung werden vermißt. Ein TarpeÄolroolsrerftörer gesunken. London, 27. Juli. (WB.) Amtlich. Ein englischer Torpedobootszerstörer ist am 24. Juli gescheitert und gesunken. Dreizehn Mann der Besatzung werden vermißt« ^ , J&-- N A £ Der Seekrieg Der Chcs des Admiralstabs über die Lage. Köln, 27. Juli. Der Berliner Korrespondent der „Kölnischen Zeitung" hatte eine Unterredung nnt dem Chef des Admiralstabes Holtzendorff, .der bezüglich des Standes des U-Bootkrieges erklärte, der den Gegnern zu ge- fügte Verlust an Schiffen und Ladungen überschreite bisher schätzungsweise 60 Milliarden. Der englische Schiffsraum sei in seiner Entwicklung mn 18 Fahre zurückgedrängt. Je länger der Krieg dauere, desto sicherer entgleite England die wirtschaftliche Führung, um ans Japan und Amerika überzugehen. Monatlich würden im Durchschnitt rrmd 330 000 Bruttotonnen mehr versenkt, als für den Verband gebaut würden. England rechne den Verficht militärisch requirierter, Schiffe nicht mit. Wir haben die Bestätigung der Richtigkeit unserer Versenknngsziffer aus dem Munde eines Leiters dek englischen Schissahrtsamtes, Maclay, und durch die Berechnungen eines Fachblattes. Die U-Vootgesahr sei für unsere Gegner nicht beseitigt. Wir dürfen der Zukunft nnt Vertrauen entgegensehen. Die Schlacht im Westen. Die Kämpfe vom 26. Juli. Berlin, 27 .Juli. Auch der dritte Tag nach der miß- glückten Fochschen Durchbrnchsoffensive ließ infolge der ungeheuren Verluste dem Feind nur Kraft zu kleineren Vor- stößen an verschiedenen Frontstellen finden. Sie wurden überall abgewiesen Im Königswald, wo der Gegner mff Tanks vorstieß, wurde er im Nahkamps unter schweren Verlusten abgeschlagen. Ueber 260 Franzosen wurden dort gefangen genommen. Während der Nacht war die Gefechts- tätigkeit an der ganzen Kampffront geringer. Gegen unsere Stellungen beiderseits der Straße Perthes—Tohure setzte am 26. Juli, 6.46 Uhr vormittags schlagartig starkes feindliches Feuer rin. Der daraus folgende feindliche Teilangriff wurde teils durch unser gut liegendes Sperr- und Vernichtungsfeuer, teils im Nahkampf blutig abgewiesen. Wieder ließ der Gegner hier ungezählte Tote liegen. In den Vogesen holten nach Feuervorbereitung eigene Stoßtrupps eine große Anzahl Franzosen, Maschinen- und Schnelladegewehre aus der feindlichen Stellung. Die Italiener in der Schlacht von Reims. Lugano, 26. Juki. Nach einem Telegramm Barzinis vom 21. d. M. an den „Coriore della Sera" waren die Italiener an der Schlacht bei Reims zwar mit einer verhältnismäßig kleinen Anzahl beteiligt, doch standen sie in sehr wichtiger Stellumg, da sie das Tal der Ardre bei Bligny, den westlichen Zugang zu den Bergen von Reims und bei Epernay, zu verteidigen halten. Die Schlacht dauerte vier Tage und vier Nächte mit unerhörter Heftigkeit, und es ist aus dem Bericht Barzinis zwischen den Zeilen zu lesen, was eine Stefaninvie schon zugegeben hat, daß nämlich die Italiener sehr schwere Verluste hatten. Barzini meldet: Die Deutschen hatten an diese Stelle eine gewaltige Stoßwaffe mit reichlicher Artillcvie und zahlreichen Sturmwagen zusammen- gezogen. Das italienische Kommando hatte seinerzeit als Reserve einige ausgezeichnete französische Einheiten erholten und konnte deshalb die gesamten italienischen Kräfte sofort in erster Linie einsetzen. Die Deutschen leiteten ihren Angriff mit einom Trommelseuer ein, das von noch nicht dagEesener Heftigkeit und von höllischer Wirkung war. Explosiv, und Gasgranaten jeden Kalibers fielen hagelartig auf die italienischen Stellungen» während Rauchgranatcn das Ta! in einen undurchdringlichen Nebel hüllten Unter dem Schutz dieser künstlichen Dunkelheit gingen die deutschen Sturmwagen vor und schoffen mit ihren Geschützen nach allen Seiten. Auf dem linken italienischen Flügel. konnten die Deutschen sofort in kleineren Abteilungen eindringen, sodaß die Verteidigung sofort auf die rückwärtige Linie zurückgehen mußte. Der rechte italienische Flügel widerstand zunächst, sodaß die Deutschen am frühen Nachmittag mit dem Wirkungs- schießen nochmals be-gvnn^n und dann mit Maschinengewehren in kleinen Abteilungen auf den waldigen Abhängen vorgingen. Der Kampf fiel dann in kleine Gruppen auseinander und nahm fast die Form einer Jagd an, indem von Baum zu Daum, von Busch zu Busch geschoffen und gestcchen wurde. Trotz tödlicher Müdigkeit, quälendem Hunger und brennenden! Durst und trotz den starken Verlusten setzten die Italiener ihren Widerstand fori und gingen, nachdem die bereitgchaltenen französischen Reser- ven eingesetzt waren, zum Gegenangriff über. Es muß ein be- ständiges Wogen des Kampfes gewesen sein, und die italienischen Artilleristen mußten ihre Geschütze mit Maschinengewehren, Gewehren und Handgranaten gegen die anstürmenden Deutsche» verteidigen. Erst der Einsatz der letzten reichlichen französische» Reserven, namentlich von Kolonialregimentern, vermochte das Gleichgewicht wiederherzustcllen, um die Deutschen dann zu ver- anlaffen. ihre vorgeschobenen Abteilungen aus dem Tal der Ardre zurückzuziehen, damit sie nicht abgeschnitten wurden, was ihnen, wie aus dem Bericht Barzinis hervorgeht, auch völlig und ohne Verluste gelang. Bern, 26. Juli. Der „Zürcher Tagesanz." meldet, das? sich in der Kriegslage an der Wesffront ein neuer Umschwung vorzubereiten beginne. Von deutscher Seite kommen erst jetzt große Resewen zum Einsatz. Mitei deren Wiriimg daL. • Vordringen der Franzosen sich bereits stark verlangsamt hat. Me Möglichkeit, den so wichtigen deutschen Bogen Soissons—Reims einzubrücken, sei für die Franzosen gänzlich unsicher geworden. Die GesamLkampflage deute noch immer auf die Bewegung weiterer Teile der Westfront hin. Die Stunde der Entscheidung. Haag, 26. Juli. Im „Daily Telegraph" erklärte Gibbs, das Schicksal der Welt werde entschieden sein, bevor das Laub gelb werde und vielleicht bevor die Herbsternte eingebracht sei, » Mt 70 Divisionen. Berlin, 28. Juli. (WB.) Mit welchen ungeheuren Kräften der Verbanösoberbefehlhaber Foch unter allen Umständen die Entscheidung erzwingen wollte, geht aus der Zahl von 70 feindlichen Divisionen hervor, die er seit dem 15. Juli zwischen Soissons und Tohure eingesetzt hat. Unter diesen Divisionen befinden sich 6 amerikanische, 4 englische, 2 italienische und eine polnische Division. Der ganze übrige Teil besteht aus französischen Verbänden, die auch hier wiedenrm in der Hauptsache die schweren Vlutopfer tragen mutzten. Mit Hinzurechnung der beteiligten feindlichen Artillenetrnppen und Heeresgruppen hat Foch ruird 1% Millionen Mann in dieser kurzen Zeit in die verlustreiche Schlacht getrieben, ohne sein erstrebtes Ziel auch nur im entferntesten zu erreichen. Durch den schweren Aderlatz so starker Verbände hat die Hauptkraft des Verbandes aufs neue eine autzerordentlich starke Schwächung erfahren. Das Komvardement von Calais. Bern, 27. Juli. (WB.) „Progres de Lyon" meldet aus Paris: Das Bombardement von Calais in der Nacht vom Sonntag zum Montag war außergewöhnlich schwer. Sehr großen Sachschaden, 27 Zivilisten wurden getötet. Es war das schwerste Bombardement, das Calais bisher erlebte. Nie -eiitlchtn Muk M Amrilrg. Karlsruhe, 27. Juli. Die „Zürcher Morgenzeitung" meldet aus dem Haag: Nach soeben hierher gelangten Kabelmeldungen wurden deutsche U-Boote von der Kiiste von Massachusets in einer größeren Anzahl signalisiert. Das Marinedepartement erließ sofort alle notwendigen Befehle, damit keine Störung in der Abfertigung der Truppentransporte eintrete. Zahlreiche Torpedosager streifen längs der ganzen Küste, um diese nach den U-Booten abzusuchen. Amtlich versichert man, daß keine Beunruhigung herrsche. Die Sörxtdikr««ß Zn „Mmg". Die „Tägliche Rundschau" meldet cats dem Haag vom Al. 7 fre sich ausschluchzend in seine Arme. „Hans Ullrich'" ✓Mt bi.'l'.'ii sie einander umschlungen, und ihre Lippen sanken sich in e>'>em langen Kuh. Und dann sah er in ihre schönen Augen, die seinen Himmel bargen. „Meine Christa — meine angebetclc Christa — du weißt, wie sehr ich dich liebe, und wie schwer mir der Abschied von dir wird! Habe Dank, daß du in dieser Stunde alle Bedenken von dir warfst und mir deine Liebe ohne Rückhalt zeigst. Das wird mich wie ein süßer Trost begleiten. Du ahnst ja nicht, wie sehr ich dich liebe. Und ich hatte in letzter Zeit eine leise Hoffnung Dich mir allen Hindernissen zum Trotz zu erringen. Zum Herzog wollte ich gehen — er ist mein Freund — und wollte ihn bitten, ein Machtwort zu sprechen, das uns die Hinderniffe aus dem Weg räumt. Meiner Mutter Einwilligung dazu habe ich gestern erhalten. Und nun kann ich nichts mehr tun. Ich muß fort, muß dich allein lasten — fühlst du, wie mich das quält?" Sie sah ihn mit ihren wunderbaren Augen tief in die seinen. „Wenn ich dich doch halten hönnte, mein Hans Ullrich!" Er küßte ihre Hand und drückte sie an seine Augen. „Das vermag keine Macht der Welt, mein Liebling, auch deine Liebe nicht, an deren Wunderkraft du so fest glaubtest. Auch die heißeste, stärkste Liebe kann machtlos sein. Wenn ich dich doch wenigstens mein eigen nennen könnte! Frohen Herzens wollte ich dann in den Kampf ziehen und an Wunder glauben." Cie nahm seinen Kopf in die Hände und sah ihn leuchtenden Auges an. „Glaube an Wunder, mein Hans Ullrich: Wenn du mich dein eigen nennen willst — nichts wird dich hindern. Du kannst mich zu deiner Frau machen, wann du willst." Er seufzte. „Mein L'ebling — noch bin ich ja an die Majaritätsbestim- mungen gebunden. Rur die Gnade des Herzogs kann mich davon lösen." Ein süßes Lächeln lag auf ihrem Antlitz, das Lächeln, das sich ihm ins Herz gestohlen hatte. „Hans Ullrich — uns brauchen keine Majoratebestimmungen zu trennen. Du weißt doch, daß ich nicht Christa Hellmut bin. Bevor ich meine Mission nicht erfüllt hatte, konnte ich mich dir nicht zu erkennen geben. Jetzt ist das aber geschehen. Und nun kannst du wissen, daß ich die Freiin Christa von Platen bin, die Tochter des Freiherrn von Platen, der deines Vaters Freund war, und Maria von Birkenheims. Ich bin die Nichte des 5>errn von Birkenheim - und gottlob im Besitz einer laugen Ahnen- reihe, so lang du sie nur wünschen kannst. Willst du nun an Wunder glauben?" Ein halbunterdrffckler Ausruf entfloh feinen Lippen, vnd Ein Helles Leuchten brach aus seinen Augen, ein Blick, der sie erschütterte und znglet'ch Unsagbar beglückte. Mrk effnem festen, schmerzhaften Druck zog er sie ln seine Arme, und die Qual seines Herzens löste sich in einem befreiten Atemzug. „Liebste, — ist das wahr?" Darf ich es glauben, daß nichts mehr zwischen dir und mir steht?" Sie nickte lächelnd. »,Ja, Hans Ullrich, du darfft es, Sieh — deshalb war ich ja so llegesfroh und unbekümmert. Meinst du, ich bätte dir meine Liebe so offen gezeigt, wenn ich nicht gewußt hätte, daß eine Bereinigung zwischen uns möglich wäre?" Er küßte sie stürmisch. Und dann sagte er seufzend: „Und nun soll ich dich lasten, soll fortgehen von dir, vielleicht für immer, ohne dos höchste Glück bescsten zu haben, das die Erde für mick birgt?" „Du wirst wiederkommen: mein Hans Ullrich, meine Liebe wird mit dir gehen wie ein Schutzengel." Er küßte ihre Augen. „Deine Zuversicht kann wirklich Wunder tun, meine Christa. Ich will nicht kleinmütiger fein als du Aber trotzdem — wenn du wüßtest, wie unsagbar ich mich nach deinem Besitz gesehnt habe, wenn du wußtest, was es mich kcstet, dich jetzt, gerade jetzt aus meinen Armen zu losten!? Chdsta — wenn ich dich bitte mit aller Inbrunst meines Herzens — da das Schicksal die Hinderniste zwischen uns beseitigt hat — werde mein Weib — ehe ich von dir gehen muß. Als Soldat Hab ich die Erlaubnis zur Kriegstrauung. Zu jeder Stunde, heute oder morgen, kannst du mein Weib werden. Sog — willst du mein eigen fein?" Sie strich sich das Haar aus dem heißen, glühenden Gesicht. Er hielt ihre Blicke fest. Seine Augen baten noch viel heißer und dringender als feine Worte. Da schmiegte sie sich an ihn. „Wie könnte ich dir jetzt einen Wunsch versagen, tm mein geliebter Mann?! Ich will, was du willst. Wir wollen zu Onkel Heinz gehen und ihm alles sagen." Er riß sie aufjauchzend in seine Arme, und seine heiße Zärtlichkeit strömte über sie dahin. So standen sie lange Zeit und hielten sich sanft umschlungen. Und dann gingen sie. dicht aneinander geschmiegt, durch den Wald nach Birkenheim. Unterwegs erzählte Christa, wie sie nach Birkenheim gekommen war und welche Mission sie da erfüllt hatte. Nun wußte Hans Ullrich, weshalb die Baronin und ihre Tochter so plötzlich abgereist waren. Der Weg bis znm Birkenheimer Herrenhaus wurde den Liebenden viel zu kurz, trotzdem ste immer wieder stehen blieben, um zärtliche Küste zu tauschen. Als sie ihr Ziel endlich erreichten, wurde Christa schon Ähnlichst von ihrem Onkel erwartet. Christa trat mit Hans Ullrich bei ihm ein. Dieser begrüßte Christa sehr zärtlich und Hans Ullrich herz, lich und erfreut. „Was bringen Sie mir, Hans Ullrich?" fragte er. „Sie waren doch sicher auf der Post." Herr von Birkenheim — und ich bringe Ihnen eine gute und eine böse Kunde. Zuerst die böse: Der Krieg ist da! Ich muß in drei Tagen ins Feld. Aber vorher will ich mir mein Glück sichern. Und damit komme ich zum Guten. Here von Birkenheim. ich habe nicht Zeit zu einer formellen Werbungsvisite. Ich weiß jetzt, daß Christa Ihre Nichte ist. Und sch bitte Sie hiemit um die Hand Ihrer Nichte. Christa will meine Frau werden. Ich liebe sie schon, so lange sie in Bttken- heim ist. aber ich wußte ja nicht, daß sie mir nach den Gesetzen unseres Hauses ebenbürtig war. Nun werß ich es. Bitte — Geben Sie mir Ihre Einwilligung." Herr von Birkenheim mar nicht so überrascht, als die Liebenden geglaubt hatten. Er faßte ihre Hände und legte sie zusammen. ..Ich sehe es euren Augen an. ihr habt euch, trotzdem die Kriegsglccken klingen, das Glück eingefengen. Nun haltet es fest — für alle Zeit. Gott mag es euch erhalten und jeden Schatten wehren, der darauf fallen will." Christa umarmte den alten Herrn. „Onkel Heinz, nun kann ich doch immer in deiner Nähe bleiben." Er nickte. „Gottlob. Da hat es das Schicksal einmal gut mit mir gemeint. Ich hätte es mir gefallen lüsten müssen, wenn dich ein fremder Mann von Vnkenbeim fcrtgeholt hätte. Und — ich glaube, meine Christa, das hätte mir wehe getan." Hans Ullrich drängte es aber nun, zu seiner Mutter zu eilen Vielleicht war die Kunde vom Ausbruch des Krieges schon nach Frankenau gedrungen. Er sprach das aus, und Herr von Birkenheim und Christa waren sogleich bereit, ihn zu tu gleiten. Hans Ullrich ließ fein Neitpserd verführen, und Herr von Birkenheim und Christa fuhren im Wagen. Die Sonne war schon am ttntergehen, und die Schatten fielen lang über den Weg. So still und friedlich lag der Wald vor den Blicken der drei Menschen, und draußen in der Welt lohten die Kriegsfackeln empor. m Tic Kunde vom Ausbruch des Krieges war wirklich schon nach Frankenau gedrungen. Der Verwalter hatte sie mitge- bracht, und Frau von Frankenau hielt nun die weinende Ursula im Arm, um sie zu trösten, während ihr eigenes Herz in Angsj und Not um ihren Sohn schmerzhaft zuckte. Innig umschlungen saßen Mutter und Tochter auf dem Divan, in ihr Herzeleid ver- funken Da trat Hans Ullrich ins Zimmer. Er führte Christa an der Hand und trat mit ihr hin vor die Mutter. „Da bringe ich dir mein Glück, liebe, teure Mamma. Christa ist meine Braut — ste ist das Mädchen, das ich liebe. Erschrecke nicht, liebe Mamma — meine Braut ist nrcht, wie wir alle dachten, die bürgerliche Christa Hellmut, sondern sie ist die Tochter Marias von Platen. Alle Hinderniste zwischen uns sind befei^ tigt. Christa will meine Frau werden, noch ehe ich in den Krieg ziehe. Gib uns deinen Segen meine liebe Mutter." Frau von Frankenau hatte sich erhoben. Sie war bleich geworden vor Erregung, und Tränen blinkten in ihren Augen. Die Nachricht überwältigte sie. Fassungslos umarmte sie Hans Ullrich. :; ..Mein lieber Sohn, du kannst dir denken, wie es in meinem Herzen aussieht. Die Angst und Sorge um dich will kein Glück in meinem Herzen aufkcmmen lasten — und doch — wie will ich es Christa danken, daß sie dich glücklich machen will? Komm an mein Herz, meine liebe Tochter. Du warst mir lieb und wert, als die schlichte Christa Hellmut, ehe ich ahnte, daß du meinem Cohn teuer warst. Nun sollst du mir ans Herz wachsen wie ein eigen Kind." _