Nummer 173 Freitag, den 26. Inli 1618 11. Jahrgang. Die .,Z ene Tageszeitung" erjchemt ,eden Werktag. Regelmäßige Beilagen „Der Dauer aus Hellen", „Die Spinnltube< Sezugspreia: Bei den Postanstalten vieriel . urb ,i it. 2.4C : hinzu tritt noch das Bestellgeld: i e, den Älnenten monatlich 85 Pfg. einschliehlich Trägertotin. Anzeigen: Grundzeile 25 Pfg.. totale 20 ptg., Anzeigen von auswärts merden durch 'io tnahno nu erhoben. Erfüllungsort Friedberg. Hchriftleituny und r-erlag ^riedberg sHessen,. panauerüratze 12. Fern'pcecher 48. Post, het- Loato Rr. 1859. 'l-nt Frankfurt a. Jl. irftitr Irilfiiimiifc «ijchk» Sailens nnis ♦ Feindliche Angriffe bei Kncqnay und Kevnterne abgewielen. — Kämpfe in Albanien; der Llrbergang über den Semeni erkämpft. — 13000 Tonnen verdenkt. — Der Kaiser und Hindrnknrg. j| Der deutsche Generalftak « r—-_ meldet: - W. T. S. Großes HairptqrmrLier, den 23. Inli. Amtlich. Westlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe Kronprinz Rupprechb Zwischen Bucquoy und Hebuterne griff der Feind am Abend unter starkem Feuerschutz an Er wurde abgewiesen. Ebenso scheiterten Vorstöße, die der Feind westlich von Albert und aus Mailly heraus führte. Heeresgruppe Deutscher Kronprinz. An der Schlachtfront zwischen Soissons und Reims ließ die Kampftätigkeit gestern nach. Kleinere Infanterie- gefechte im Vorgelände unserer Stellungen. Südlich des Ourcq und südwestlich von Reims führte der Feind heftige Teilangrifse. die wir in Gegenstößen zurückschlugen. Heeresgruppe Herzog Albrecht. In den Vogesen brachte bayerische Landwehr von ei- rrem schneidig dnrchgesiihrten Unternehmen Gefangene zurück. Der Erste Generalquarkiermeister: Ludendorff. Abendderilht. . Berlin, 25. Juli, abends. (WTB. Amtlich.^ Heftige Teiliämpfe auf dem Schlachtfelde zwischen Soissons und Reims. I Der österreichische Generalftak » =■- 1 meldet: === < Wien, 25. Juli. (WB.) Amtlich wird verlautbart: Aus dem italienischen Kriegsschauplatz keine besnderen Ereignisse. In Albanien haben unsere Truppen gestern früh bei Ktici den Uebergang über den Semeni erkämpft. Unsere tapferen Bataillone.hatten heftigen feindlichen Widerstand zu überwinden. Es wurden zahlreiche Gefangene eingebracht. Auch zwischen Kuci und dem Meere führten erfolgreiche Vorstöße zu Geländegewinn. Der Chef des Generalstabes. Sofia, 24. Juli. Generalftabsbericht vom 23. Juli. Mazedonische Front: An bestiinmien Punkten der Front war die Artillerietätigkeit zeitweise lebhafter. Im Cernabogen entzündete unsere Artillerie eilt feindliches Munitionsdepot. Oestlich des Dobropolje und südwestlich von Huma wiesen wir durch Feuer feindliche Patrouillen ab, die sich unseren Sickrerungsttnien zu nähern versuchten. Westlich des Wardar drang einer unserer Stoßtrupps bei Altschak Mahle in den Graben ein und nachdem er die Verteidigung niedergentacht hatte, kehrte er mit verschiedenem Kriegsmaterial zurück. ! Das türkische Kmrptqnariier ] ===== meldet: ==J Konstantinopel, 23. Juli. (WB. Nichtamtlich.) Gene- ralstabsbericht. Palästinafront. Im Küstengebiet wurden Vorstöße starker feindlicher Aufklärungsabteilungen im Handgranatenkampf von uns abgewiesen und Gefangene eingebracht. Das beiderseitige Artilleriefeuer hielt an der ganzen Front in ntäßigen Grenzen an. Die Fliegertätigkeit blieb rege. Am 21. Juli scheiterten wiederholte Angriffe der Aufständischen auf Maan an der tapferen Haltung der erprobten Besatzung der Stadt. Die Rebellenlager in der Gegend von Tafile waren das Ziel für die Bombenabwürfe unserer Flieger, Auf den übrigen Fronten nichts Neues. Konstantinopel, 24. Juli. (WB. Nichtamtlich.) Generalstabsbericht. Palästinafront: Außer geringem Artilleriefeuer und Patrouillengeplänkel herrschte an der ganzen Front Ruhe. Gleichzeitig mit dem Angriff auf Maan haben sich weiter nördlich bei Dschardnn erbitterte Kämpfe zwischen starken, mit Geschützen und Maschinengewehren ausgerüsteten Rebellenhaufen und unseren Truppen abgespielt. In zähen wütenden Anstürmen versuchten dieAusständischen am 21. und 22. Juli unter Einsatz immer neuer Kräfte sich in den Besitz der Eisenbahn zu setzen. Unseren tapferen Postierungen und rasch herbeigeeilten Unterstützungen gelang es, alle Angriffe unter schweren Verlusten für den Gegner abzuschlagen. Allein am Bahnhof Dschardnn wurden 200 tote Rebellen gezählt. Auf der übrigen Front keine Ereignisse von Bedeutung. Sechs feindliche Flugzeuge warfen am 23. Juli nachmittags Bomben ans Konstantinopel, ohne nennenswerten Schaden anzttrichten. Fünf Personen wurden verwundet. Die Schlacht im Westen. Die Kämpfe um Reims. Berlin, 25. Juli. (WB.) Uebermenschliche Anstrengungen macht der Feind, um uns das Höhengelände südwestlich von Reims zu entreißen und über das Bois des Reims hinaus weiter vorzustoßen. Der Zweck dieser Anstrengungen ist einmal, sich von der Umklammerung bei Reims freizumachen, andererseits im Zusammenwirken mit den bei Soissons eingesetzten englischen und amerikanischen Kräften zangenartig anzugreifen. Aus einem wahren Bölkergemisch bestehen die Angriffstruppen, die schon mehrere Tage gegart den rechten Flügel der Armee v. Mudra anrennen. Da die Franzoseit ihre gelichteten Reserven in den für sie so blutigen und verlustreichen Kämpfen schonen wollen, haben sie an beidett Schlachtfronten ihre Hilfsvölker ud Bundesgenossen eingesetzt. Neben englischen Divisionen, worunter sich die bewährte 51. Angriffsdivision befindet, kämpft an der Front zwischen Marsaux und Brigny auch eine italienische Division. Tankgeschwader stießen am 23. Inli in das Bois de Reims vor, wurden dort aber teilweise zusammengeschossen. Ein italienisches Stnruibataillen und französische Kolonialtruppen sind ebenfalls gegen unsere Linien angerannt. Acht Senegal-Bataillone wrirden immer wieder im wahren Sinne des Wortes in den Kampf getrieben. Bezeichnend für die Art der Behandlung der un- w'lssenden und vergewalffgten Söhne Afrikas sind die Aussagen eines senegalesischen Adjutanten (Offizierstellvertreter vom 64. Bataillon). Er berichtet, daß aus den vor Reims stehenden zwei Kolonialdivisionett, die größtenteils nicht eingesetzt sind, nur die Senegal-Bataillone in den Kampf getrieben werden. Man habe ihnen Schreckliches über die grausame Behandlung der Deutschen erzählt, die ihrer harre, falls sie lebend in deutsche Hand fielen. Hinter diesen Bataillonen, die dein Tode geweiht sind, haben die Franzoseit Maschinengewehre und Batterien ausgestellt, welche Befehl haben, auf die Schwarzen zu schießen, falls sie Miene machten zurückzugehen. Dies sei auch geschehen. Infolgedessen seien die Verluste dieser Bataillone sehr hoch. Seit zwei Jahren so lange das 64. Bataillon in Frankreich weile, habe niemand Urlaub in die Heimat erhalten. Nur einmal im Monat dürften die Leute eine Postkarte mit Nachrichten in die Heimat senden. Alle Gefangenen sind gleichmäßig empört über diese gewaltsame rohe Behandlung, die dent von den Franzosen so laut verkündeten Prinzip von Freiheit und Recht der Selbbestimmung Hohn lacht. Kopfpreis für Italiener. Berlin. 25. Juli. (WB.) Bei Gefangenen der westlich Reims eingesetzt gewesenen italienischen Divisionen wurden Befehle vor- pesünden, aus denen hervorgeht, daß die italienischen Soldaten in großer Zahl sich von der Truppe zu entfernen suchten. Es mußte daher auf den französischen Bahnen ein vollkommener Ueberwachungsdienst eingerichtet weiden. Laut Befehl wird jeder Militär- oder Zivilperson, welche einen italienischen flucht- verdächtigen Soldaten archält, oder zur Meldung bringt, eine Belohnung von zwei Lire versprochen. Wie groß muß die Zahl der fortlaufenden Italiener sein, wenn man die Belohnung für die Entdeckung eines Flüchtigen nicht höher ansetzte. Dieser niedrige Kopfprels beweist schlagend, daß die Italiener in hellen Scharen sich von der Truppe enffernen. Aus dem Befehl geh weiter hervor, daß die in Frankreich kämpfenden Italiener der deutschen Truppen gegenüber reichlich nervös geworden sind. Ir immer neuen Befehlen wird von den höheren Kommandostellen darüber geklagt, daß man in jeder sich nur näherndem deutsche» Patrouille schon einen Massenangrisf sehe. Jedes kleinste nächtliche Geräusch rufe eine solche Panik hervor, d ß oft ein stundenlanges Sperrfeuer angefordert würde. Die Truppe scheine vergessen zu haben, daß sie Gewehre und Handgranaten besitzt. Dich ängstliche Furcht vor den Deutschen müßte behoben werden. * Die Schlacht sieht. Rotterdam, 23. Juli. Der „Nieuwe Rotterdamschc Courant" meldet aus London: General Mauries schreibt im „Daily Ehronicle" es sehe so aus, als beginne die Schlachtfront zu erstarren. Das Interesse richte sich hauptsächlich darauf, wo dje Linien der netten deutschen Stellungen liegen werde. Die „Times" bemerken, die Meldungen über einen weiteren Rückzug der Deutschen sein durch die Ergebnisse der letzten Tage nicht bestätigt worden. Die Deutschen verteidigten sich jetzt derart, daß die Aussichten auf einen bab Ligen Rückzug fraglich geworden seien. Ein Reuter-Privattelegramnt aus dem englischen HatrptquarLter gibt zu, daß die Englättder mit zwei Divisionen zwei Tage in eine verzweifelte Defensive verwickelt waren, schließlich konnten sie sich aber Lust macksen. Fachs Fehlschlag. Der „Züricher Anzeiger" meldet nach der „B. Z. L M.": Die Verstricktmg an der Westfront greift auf im« mer weiters Frontteile über. Die Schlucht ist noch nicht zu Ende. Von deutscher Seite kommen erst jetzt die großen Reserven zum Einsatz und unter deren Wirkung wttrde daS französische Vordringen bereits stark verlangsamt. Die Linie von Reims bis zur Marne hat bis jetzt den französischen Gegenstößen stand geh alten, wodurch die Möglichkeit, den deutschen Bogen Soissons—Marne—ReimS einzu? drücken, beträchtlich unsicherer geworden ist. Die Furcht vor dem deutschen Schlag. Rotterdam, 25. Juli. Die „Morning Post" meldet vos der Front in Frankreich: Die Vorpostenkömpfe leben sprungartig bei Reims, Verdun und in den Vogesen auf. Unsere Gegenoffensive hat die Vorbereitungen des Feindes nur vorübergehend gelähmt, der jetzt allem Anschein nach zu einem neuen gewaltigen Schlag ausholt 13000 Tonne» versenkt. Berlin. 2-1. Juli. (WB. Amtlich.) Auf dem nördliche« Kriegsschauplätze vernichteten unsere Unterseeboote 13 000 BrL Der Chef des Admiralstabe- der Marine. » Haag, 25. Juli. Reuter meldet aus Newport: Am 2t Juli versenkte ein Unterseeboot an der Küste von Maine der Schoner „Robert Richard". Zur |)frjlntfeHitg mies Wt'aidWpfrrg. „Justitia* statt „Vaterland"? Berlin. 25 Juli. (WB.) Aeußerungen der englischen und französischen Presse zufolge soll per am 20. Juli von einem deut- schen Unterseeboot nordwestlich Irland versenkte Dampfer nicht der Dampfer ..Vaterland", sondern der 1917 in England fertig- gestellte 32 120 Raumtonnen große Turbmendampser „Justitia" von der Wkntestarlinie gewesen sein. — Ehe zu dieser Moldun- von der amtlichen deutschen Seite Stellung genommen werde« kann, muß erst die mündliche Berichterstattung des beteiligt gewesenen U-Bootskommandanten abgewartet werden. Der kürz« tich über den Dampfer „Vaterland" ergangenen VeröffentlichunA lagen Funkenmeldungen zu Grunde. Die leistmittü imicrer PannrjrtßtJflifijier. Berlin, 24 . Juli. (WB.) Nachdem in letzter Zeit in de« AdmiraUtätsberickrten Leutnant zur See Sachsenberg und Leutnant d. R. Osterkamp anläßlich ihres 15. Luftsieges lobend er- wähnt wurdet:, konnte ein offizieller Bericht den 100. Luflsieq unserer Marinejagdgruppe melden. Entsprechend den Jagd- fliegenr der Armee an der Landfront sind die Marinejagdflieger über See »kd im Gebiet der heimischen und besetzten Küste im* ermüdkich an der Arbeit, um die feindlichen Luftstteitttäfte za bekämpfen und an der Ausführung beabsichtigter Bombenflüge zu verhindern. Besonders feit dem vergeblichen Angriff der Engländer auf Zeebrügge und Ostende zeigte sich dort eine starte Tätigkeit feindlich« Flieger, um das Ziel der Vernichtung unser« Anlagen in Flandern durch Angriffe aus der Luft zu erreichen. Unsere Marinekampfflieger haben bei der Abwehr eines starken, gut gesicherten Bombengeschwaders einen schw«. ren Stand. Tritzdem suchen sie ständig den Gegner tm eigenen Gebiet aut. Mit Maschinenoewebrieuer wurde d« letzthin gemeldete erfolgreiche Angriff auf die englischen N-Boote in Flandern ausreführt Es bot sich eben kein anderes geeignetes Angriffs objekk. nachdem einige Tage vorher der Abschutz englischer Erotzflugboote in den englischen Gewäffern von d« Marine- flugzeugstaffel unter Führung des durch andere Heldentaten schon bekannten Oberleutnants d. R. Christiansen gemeldet wor. den war. Die Leistungen der Marinekampfflieg« bei der Oeses- Unternehmung und im Kampfe um die Dardanellen bleiben ebenso unvergeßlich, wie die jetzigen großen Erfolge in Flandern Anerkennung finden. Der türkische Erfolg in Libyen. Haag, 25. Juli. Hollandsch Nieuwöirreau meldet: Der bekannte Balkankorrespondent des „Nieuwe Notterdamschen Courant" macht auf die türkischen Erfolge in Libyen aufmerksam, die dazu geführt haben, daß alles bis auf die fünf befestigten Häfen von Tripolis, Homs, Lebda, Magrata, Bergazi und Ternava von den Senufsi erobert wurde. Es werde ein Geheimnis bleiben, wie es rnöglich wurde, im Innern Tripolitaniens langsam eine türkische Streitmacht von mehreren tausend Mann, die mit Geschützen und Feldlazaretten versehen waren, zu bilden. Vor drei Monaten war Prinz Osman Fuad in Tripo- litanien gelandet und dort von der Bevölkerung mit Be- geisterung empfangen worden. Seine militärische und politische Erziehung hat der Prinz in Deutschland genossen. Die genannten Hasenplätze werden seit dem 6. d. Mts. im- unterbrochen bombardiert. Die Verbindung zur See ist bereits seit zwei Monaten durch Unterseeboote unmöglich, so daß die Italiener nur noch funkentelegraphische Mittei- teilungen erhalten. Ke!ageruirgs?ustand in Rumänien? Karlsruhe. 25. Juli. Die Baseler „Neue Korrespondenz" meldet aus Jaffy, daß trotz der Ratifizierung des Friedensverttages soeben ein Erlaß veröffentlicht wurde, durch den über das ganze rumänische Reichsgebiet auf unbegrenzte Zeit hinaus der Belagerungszustand verhängt wird. Lin KomlMaMlag auf KrgMinj JUraw&fr. Drgano, 24. Juli. Laut „Agenzra Stefani" hat ein feindlicher Flieger eine Bombe auf den Zug g-worfen, in dem Kronprinz Alexander von Serbien von o;t italienischen >$ront zurückkehrte. Die Bombe fiel im Bahrrhof von Florina neben der Lokomotive nieder. Griechenland. Bern, 23. Juli. (MB.) Wie die Agence Hellenique aus zuverlässig« Quelle erfähtt. sind in letzter Zeit nicht nur in Servia, sondern auch in anderen Orten Mazedoniens und des Peloponnes große Meutereien ausgebrochen. Zahlreiche ! Unteroffiziere, Offiziere und Soldaten wurden sowohl vom Kriegsgericht in Korinth wie demjenigen von Gozhani zum s Tode, zu Zwangsarbeiten oder zu mchreren Fahren Gefängnis verurteilt. Rußland. Die Entente und die Tscheche-Slowaken. Berlin, 23. Juli. (WB.) Ein Aufruf der Moskauer Sow- ' jet-Regttrung vom 13. Juli „An Alle" beweist, daß auch hinter dem tschecho-slowakischen Aufstand die Entente fördernd und helfend sieht. Er lautet wie folgt: Bon Moskau an Alle! Den 13 Juli. An Alle und an das Ausland! D« Haß der imperialistischen Oligarchien gegen das bolschewistische Rußland äuß«t sich in den Intrigen und den feindlichen Handlungen d« Agenten des Imperialismus. Die engen Bande, welche den französischen Imperialismus mit dem tschecho. slow-akischen Aufstande rerbinden, und fern 33 t :;li 6 ines Staatsstreichs in Rußland sind durch folgendes Dokument bloßgestellt. ! Das Organ d« Rechtsreoolutioräre von Sibirien, das in Omsk ericheint, veröffentlicht in Nr. 32 vom 29. Juni de- Aufruf des Chefs der französischen Mission Guinet. Der W ..-nt ist folgender „Die Mitteilung an das provisorische Bollzugskomitee der ischecho-slowaktscken Truppen. die ich von dem französischen (Gesandten erhalten habe, ist ein chiffriertes Telegramm, welches die Bekanntgabe der Aktio« der Alliierten in Rußland enthält. Indem ich diese Nachricht weiter gebe, «kläre ich, daß ich beauftragt bin. den tscheche-slowakische« Truppen in Rußland für ihre Aktion die T :~ : ..c:V.fc der Alliierten anszudrückra. Diese Aktion die v~r> ; f - der Lage entspricht, macht der <-..... ' > gro> Ehre und zeugt von der Tapserkeit der ^'ollzuso-rgün- auf der riesige« russisch-sibttischsn Frooll nuo r-r.i der Tätigkeit der Führer, welche dank ihrer Mtn- i'cht die Mitglieder zu dies« Maßnahme bewogen haben Die Mitglieder der fränkischen Gesandtschaft mußten vor kurzem Mittel und Wege juchen, um die Lerbinduna-e« mit den russischen Sowjetbehörden aufzu nehmen Jedoch verdienen gegenwärtig diese Behörden in den Augen der Alliierte« und d« zivilisierten Welt keine solche Haltung mehr. Wir sind nicht mehr in Verbindung mit ihnen, im Gegenteil, jetzt werden sie sehen, wie wir — ein Herz und eine Seele — die befreiende Tätigkeit der tschecho-slowakffchen Armee unt«siützen werden. Dank Euch ist die russische Front wiederhergestellt, jedoch bis jetzt unglücklicherweise mit einer noch schwachen Beteiligung der Blüte des russischen Volkes. Diese Front ist gegen die wahren Feinde Rußlands gewendet, gegen die Feinde d« Alliierten, gegen die Feinde des Rechts und der Gerechtigkeit, d. h. gegen die Deutschen. Die französische Gesandtschaft, die immer ein aufrichtig Freund Rußlands war. kämpft in den ersten Rethen auf dies« gleichen Front an Eurer Seite" Wir können hinzufügen. daß der Vormarsch d« Sowjet- truppen gegen die Tslbecho-Slawaken sich immer günstiger entwickelt. Die Hoffnunaen der Feinde der russischen Proletarier und Bauern -Reu oluticn. die in diesem Aufrufe ausgedruckt sind, werden noch einmal «ttäuscbt. Das Volkskommissariat für auswärtige Angelegenheiten. Die *r> > ‘< i it$rr!iitilltn«!i. Helsin-ffors, 23 Juli. sWB) Die Eröffnung d« finnisch- russischen Friedensverhandlungen ist auf der russischen Delegierten bis zum 2® Juli verschoben worden Die finnischen Delogierten reisten gestern von Helsinofors nach Bei- lin ab. Die deutsch-finnische Kommission Tollte die Demarkationslinie zwischen Finnland und R'^land finnischen Meerbusen übereinstimmend mit d« alten Grenze fest. ^er Kail« nnd hindenbnrg. Berlin. 25. Juli Der Kriegsberichterstatter Karl Rosner meldet dem Berl. Lok-Anz." vom Schlachtfolde bei Reims' Das Mittagsmahl nimmt der Kaiser an der Tafel des General, feldmarschalls v. Hindenburg ein. d« voll gesund« Frische ist, voll rrärnffftr Liebe in seinen väterlich gütigen Motten: „Nicht das Kleinste von dem. was die Leute weit hinter der Front ertragen, wird vergesien. ♦ Daß auch von d« Heimat große Opf« gefordert w«den. weiß niemand beü« als das Heer, und dies sieht in d« Hingabe d« Ovfer den Willen d« Heimat, nach ihren Kräften brüderlich milzukämpfen nnd sich das Recht des Anteiles an jedem neuen Siege und am Ende an nnferm neuen Frieden zu erwerben. Jetzt werden die. die zu Haufe sitzen, hoffentlich vertrauensvoll sein, wenn es wieder Kämpfe gibt, aber das Warten haben sie noch nicht gelernt. Atempausen zwischen den Schlachten sind nötig. Gute Borb«eitung ist der halbe Erfolg. Wir arbeiten hi« nicht mit ein« Maschine, bei der man sich sagen kann: Mag sie am Ende kaputt sein, wenn wir nur die gewollte Leistung noch mit ihr schaffen! Wir arbeiten mit dem Heiligsten, was es gibt: mit dem Blut und Leben des deutschen Volkes. Nickt als kaputte Maschinen wollen wir am Zr le stehen ändern als stattes und ungeschwachtes Volk, das heute die Waffen niederkegt und morgen schon aufbauend schafft." D« Kalser spricht. indem « auf die neuen Schlachten kommt: „Schweres liest noch vor uns. D« Gegner weiß, daß dieser Ktteg seiner Entscheidung entgegengehch und rafft noch ein* mal alle seine Kräfte zur Abwehr und vielleicht zum Gegenschlag zusammen." die bisheriges Ergebnisse des lj-Kssi-Sriegeg mim: 1916: Januar-Februar . . . 238 000 Bruito-Reg.-To. Mörz-April . . . , 423 000 Brutto-Reg.-To. Mai-Juni ..... 219500 Brutto-Reg.-To. Juli . 103 000 Vrutto-Reg.-To. August. 209 347 Drutto-Reg^To. Septemb« ..... 254 000 Vrutto-Req.-To. Oktsber ...... 393 500 Brutto-Reg.-To. November ..... 408 500 Brutto-Reg.-To. Dezemb« ...... 415 000 Vrutto-Neg.-To. 1917: Januar ...... 439 500 Vrutto-Reg.-To. Februar. 781 500 Brutto-Reg.-To. März. 885 000 Brutto-Neg.-To. Aorik.. 1 091 000 Brutto-Reg.-To. Mai ....... 869 000 Vrutto-Reg.-To. Juni.1 016 000 Brutto-Neg.-To. Juli ....... 811 000 Brutto-Reg.-To. Auaust. 808 800 Vrutto-Reg.-To. September. 672 000 Vrutto-Reg.-To. Oktober ...... 674 000 Vrutto-Reg.-To. November ..... 607 000 Brutto-Reg.-To. Dezemb« ...... 702 000 Vrutto-Reg.-To. 1918: Januar. 632 000 Brutto-Rog.-To. Febrrmr ...... 680 000 Brutto-Reg.-To. März ....... 689 000 Brutto-Neg.-To. Avril ....... 652 OOO Brutto-Reg.-To. Mai . .. 662 000 Brutto-Reg.-To. pf Kgjgßrsphe der englischen Znntzekliilan;. Manche englischen Blätl« gebärden sich recht stolz, daß ttotz Tauchboottrieg die englischen Einfuhrzifsern anhaltend erheblich steigen So wird beispielsweise für den Monat Mai ein Ge» iamttmport von 129 Millionen Pfund ausgewiesen gegen 85 Millionen Pfund vor einem und 84 Millionen Pfund vor zwei Jahren. Diese Steigerung will nun an sich wenig für die Ver* sorgui.g Englands besage«, da sie sich zum erhebliche« Teil, wenn nicht vollstäirdig, daraus «klärt, daß durch die rnt«attonals Teuerung für viele Dinge das Doppelte wie etwa vor zwei Jahren zu zahlen ist Außerdem ist es offenes Geheimnis, daß England seit vorigem Juli bei sein« Einfu.hr wieder Dinge berechnet, die es früher absichtlich nicht aufgefühtt hat, nämlich emrn großen Teil d« für die Regierung importierten Güter. Während diese Einsuhrz'rffern somit nm recht fraglicher Wert für eine unparteiische Beutteiluug hoben, ist es mit der Aus. fuhr anders. An dies« wird kaum hraumgekünstelt: sie enthalt die Gesamtheit d« verladenen Waren, und bei ihr ist auch eine Verschiebung des Bildes durch die Frachtraten nicht vorhanden. Um so auffallend« ist, wie ungünstig sich die englische Ausfuhr entwickelte. Es wurden nämlich ausgefühtt im Mai 1916 für 58 Millionen Pfund, im Mai 1917 für 50 Millionen Pfund unc im Mai 1918 für 48 Millionen Pfund. Es ergibt sich hieraus, wie sehr die englische Ausfuhr mit der Fottdauer des Krieges leidet, wie unglückselig der im August 1914 ausgesprochene Ge. danke war. mit Hilfe des Krieges die Weltmärkte zu erobern Stellt man nun die Eiu- und Ausiuhr gegenüb«, so «gibt sich, daß mit unheimlich« Schnelligkeit die Verschuldung Englands an das Ausland wächst. Co haben die ersten fünf Monate des Jahres 1916, das ja b«eit sehr ungünstig für England war. einen Fehlbettag in der Handelsbilanz von „nur" 18 Millionoa Pfund Sterling gebracht, die ersten fünf Monate des Jahres 1917 zeigten beretts einen Passivfaldo von 168 Millionen Pfd Sttrking und im laufenden Jahre wird die Ausfuhr von der Einfuhr in den Monaten Januar bis Mai um nicht wenig« als 38 Millionen Pfund Sterling ubertroffen. Selbst ein so krieqsfieudiges Blatt wie die „Morning Post" mutz zugeben. datz diese Zahlen für die internationale Verschuldung Englands und für die Gestaltung seiner Wechselkurse kein günstiges Omev bederiten. Werkt ihr was? Eine kleine Feststellung, die ab« Bände spricht: Rach dreieinhalb Kttegsjahren wurden die Tagegeldfatze für Offiziere auf die Höhe vor dem Kriege herabgesetzt — die Tage, gelber für die Herren Abgeordneten wurden nahezu um das Doppelte erhöht! — Wer jetzt noch nicht begriffen hat, wieviel wertvollere Dienste die Abgeordneten dem Vater, lande leisten, als dis Offiziere, d« — kann sich das ja leicht an der Harü» d« Tagegeldziffern mrsrechnen. (,^D« Türm«.") Die Attstiüe fir AggniMÄttkr noch nicht jjfeiprt. Es liegen Nachrichten vor, daß in d« Landbevolkerunz vielfach die Absicht verbreitet ist. nach der Ukraine auszuwanberm Jkrsbefondere wird behauptet, datz die Steu«n und Abgabe« dort geriag« seien als in Deutschalnd. Rach vottiegendev Nachrichten soll sich ein Besitz« aus dem Warthe-Bruch dort bereits angekauft haben. Es kann vor ähnlichen Planen nicht rechtzeitig »nd dringend genug gewarnt werden. Gegenwärtig und wohl noch für eine läna«e Zukunft kommt eine ent- sprechende Auswanderungs«laubnis seitens d« zuständigen Be* Hörden überhaupt nicht itk Frage, so daß etwaige Ankäufe in der Ukraine durchaus wertlos sind. W.'iter sind die D«hältniffe in der Ukraine für deutsche Ansiedler keineswegs besonders einladend. Selbstv«ständlich haben die Ansiedlungsluftigen an den wohl sehr hohen öffentlichen Abgaben und Kosten teilznnehmen, auch hat sich die Be- völk«ung in der Ukraine gegen die vor hnnd«1 Jahren dort hinzugewänderten Deutschen während des Krieges so feindselig verhalten, daß unter den Deutschstämniige« in der Ukraine ei» lebhafter Wunsch nach Rückwanderung besteht. Endlich läßt die öffentliche Sicherhett in diesen Gegenden noch sehr zu wünsche» übrig. Es empfiehlt sich also nicht, Nuswanderungsplänen nach d« Ukraine naherzutteten. Es kann nur dringend geraten werden, von der wetteren B«foloung solch« Gedanken und Plan» abzusehen und vor Verwirklichung solcher Pläne den Rat der ReichswanderungLstelle: Der!in-Charlottenburg, Werner-Sie» meussttaße 27/28. einzuholen. Die ewig UnMfriedeneu. Der „Vorwärts" stellt in seiner Numm« 193 vom 16. IM nachdenkliche Bettachtungcn darüber an. daß unter den jetzt 0» Groß-Berlin) verteilten Erbsen auch graue, braune und schwarz» sind, die von vielen Käufen^ mit Mißtrauen und Widerwillen entgegengenommen w«den. In Berlin kenne man, so meint das sozialdemokratische Zentralorgan, solche Erbsen zn wenig, so daß manch« geneigt sei, sie für Viehfutter zu halten. I» Briefen, die ihm zugegangen seien, wurden die dunklen Erbsen tatsächlich als Futter für Schweine bezeichnet. Uno dazu heißt es weiter: „Ein Les« uns«es Blattes fragt boshaft, warum man denn mit d« Nährmittelverteilung die Futt«mittelstelle betraut habe. Er «innert sich, dunkle Erbsen früh« in d« Kantine sein« Arbeitsstätte gegesien zu haben. Drei Tag» habe er zu tun gehabt, seinen Magen wieder in Ordnung z» bringen. Richttg ist, daß diese Erbsen nicht leicht zu verdaue» sind und daher einem schwachen Magen sehr unbequem w«» den können. Ein ond«er Brieffchreib« übersendet uns ein» Probe von dem Futter, mit dem er jetzt fettgemacht w«den solle. Er wundert sich, warum man immer vorgegeben habe, daß es an Schweinefutt« fehle." Ist es nicht bezeichnend, daß diese Beschwerden g«ade aus dem Leserkreise des „Bcrwärts" kominen? Man sieht hieraus, wie mit dem Steigen d« Löhne die Ansprüche der Arbeiter gewachsen sind. Für oie Speisenfolge, die im Berliner Gewerkschaftshaus- aufgetischt zu w«den pflegt, mögen graue Erbsen ja wohl nicht fein genug sein. Das ändert ab« nichts an der Tatsache, datz diese Hülsenfrüchte ein ebenso nahrhaftes wie schmackhaftes Gericht liefern, vorausgesetzt, daß sie sachgemäß und ordentlich zubereitet werden. Mit der Kochkunst hap«1 es bei der B«lin« Arbeiterfrau aber leid« nur zu oft. Eine alte Klage! Der „Vorwärts* dem es an ein« tüchtigen Kraft für die Bearbeitung des haus- wirtschaftlickren Fragekasteus zu fehlen scheint, möge einmal bet seinen beheimatcten „Genosien" und „Genossinnen" auf dem Lande Umftag« halten, wie „dunkle Erbsen" für den Mittags-' oder Abendtisch bekömmlich herzurichten sind. Dann würde ibm- rssch ein Sicht aufgehen, daß eine Schüssel davon, auch ohne den i« Friedenszeitcn üblichen Speck ein gar leckeres Mahl darstellt. Mit der Schwerverdaulichkeit der grauen Erbsen ist es so gefährlich nicht. Für Schwerarbeiter sind sie jedenfalls ein geradezu ideales Esten, weil ihr Genuß nicht nur das angenehme Gefühl des gut Gesättigtst, ns hervorcuft. sondern auch, dank de« hoben Eiwerhgehaltes der Speise, die Kräfte belebt und ausdauern läßt Der „Vorwärts" sollte doch seine öde Prinzipienreiterei nicht soweit treiben, das ewige Unzufriedensein auch da noch zu begünstigen und zu fordern, wo es auf törichtes Nörgeln und kindisches Herummakeln von schlecht erzogenen Leuten hinausläuft. deren geistige Fähigkeiten offenbar nicht ausreichen, um ein wertvolles Nahrungsmittel von Schweinefutter unterscheiden zu können. Am joz-MmkraMtkl siranttr. Unter voller Namensnennung berichtet der ..Vorwärts" vom 8. Juli über einen Fall „ländlicher Hungerkoft für Stadtkinder" mit folgendem Schlußsatz: „Wie sollen aber Eltern zu dem jetzigen Versbickungssystcm in der Folgezeit noch Zutrauen haben, wenn das Wohlergehen ihre aufs Land gegebenen Kinder ein Lotteriespiel ist?" Es ist eine Perfidie sondergleichen, aus einem Einzelfalle solche Verallgemeinerungen zu ziehen. Wenn solche Einzelfälle aber — die. bei Lichte besehen, wohl vielfach sich ganz anders zeigen, als im „Vorwärts" dargestellt —. anstatt den zuständigen Stellen unterbreitet, die sicher für Abhilfe für Möglichstes tun werden, mit verallgemeinernden Bemerkungen dem Urteil ein. s Leserkreises unterbreitet werden, wie es der des „Vorwärts" ist, so ist das ein Stückchen Verhetzung von Stadt und Land, wie es ärger nicht gsd-ackt werden kann. Ein solcher Vorgang wird sschcr nicht dazu beitragen, daß die Landwirte und namentlich die Landwirtsfrauen. denen ja doch die größte Last bei der Aufnahme der Stadtkinder zufällt, sich ,.in der Folgezeit" zu dieser Aufnahme bereiterklären, wenn sie erwarten können, eines Tages im „Vorwärts" an den Pranger gestellt zn werden. Das Beste aber ist, daß der „Vorwärts" ausdrücklich noch betont, daß die Eltern zu dem Landaufenthalt zuzahlen müssen. Bekanntlich hat ein solches Zuzahlen wohl nur in den seltensten Fällen stattgcfunden Von der großen Zahl der Fälle, wo nicht bloß eins, sondern mehrere Kinder nicht allein verpflegt, sondern auch häufig noch umsonst bekleidet worden sind, spricht der „Vorwärts" nicht. Cs läßt sich noch mehr zu den Randbemrkungen sagen, mtt denen der „Vorwärts" diesen „Fall" begleitet, aber wir schließen besser mit einer kurzen Anfrage an das f^ialdemokratische Zentralorgan. Bekanntlich ist es eine alte Klage, daß die Eltern der mrtergsbrachten Kinder sich an deren Kostgeber häufig um Ueber- lassung von Lebensmitteln wenden. Was wurde aber der „Vorwärts" dazu sagen, wenn nun die Landwirte einmal mit der Der. öffentlrchung der Namen derer beginnen wollten, die dem aus« dicklichen Verbot zuwider auf diese Weife Hamsterei zu treiben suchen? Konnnt in dem vom „Vorwärts" veröffenttichten F-rlle nicht etwa auch der Aerger über verunglückte Hamsterei zum Ausdruck? Gewürzersatz. Nachdem die ausländischen Gewürze Pfeffer, Nelken, Mus- tat ufw. immer mehr verschwinden, erobern sich heimische Gewürze in zunehmerchen Maße den Markt. In der amtlichen Zeitung des deutschen Flcischvr-B^rbandes wird der Ersatz der Wurstkräuter behandelt, an deren Verwendung man früher gar nicht gedacht hat und bis heute in ausgedehntem Maße ge- braucht werden. Diese Kriegserfahrungen verdienen jedoch in den Frieden hinübergenommen zu werden, um unsere Abhängigkeit vom Ausland auch auf diesem Gebiete zu beseitigen. Besonders reichhaltig sind die heimischen Wür^räuter. die im Sommer frisch zur Anwendung gelangen, im Winter gettockner oder mit Salz verrieben werden können. Außer Petersilie, Schnittlauch, frischen Zwiebelröhren zählen auch die wildwachsenden Vitierttäuter dazu, wie Schafgarbe, Gänseblümchen, Löwenzahn, Gundermann, ferner die wildwachsende Salbei und Pfefferkraut. Kerbel. Quendel und eine Anzahl gärtnerisch gezogene Feinkräuter, wie Basilikum. Estragon. Kerbel, Majoran. Bohnenkraut, Melisse. Pimpinelle. Thymian, Lavendel, Dill und Kümmel. Auf die Wichtigkeit der Ersatzgewürze hat auch die Zenttaleinkaufsgenosstnschaft aufmerksam gemacht, in dem sie darauf hinwies, daß die eigentlichen Nährstoffe erst dadurch -cahrungsmittel werden, daß man ihnen Würzftoffe zufetzt die dre Derdauungsdrüstn des Körpers zur Tätigkeit anregen und den Appetit erwecken. Eine reizlose Kost wird, auch wenn sie die zur Befriedigung des LebensbÄ>iir?nisses erforderlichen Nährstoffe in reichlicher Menge enthält, auf die Dauer vom menschlichen Körper Zurückgewiesen. Für die Wurstgewürze kommt als Ersatz für Pfeffer der Paprika in Frage; er ist dem Natur- pfefter in der Geschmackswirkung sehr ähnlich, wenn er sich auch in Aroma und Farbe von ihm wesentlich unterscheidet. Am begehrtesten ist der sogenannte Rosenpaprika, der eine schöne rote Farbe ergibt und besonders angenehm und mild im Geschmack ist. Auch der sogenannte Kunstpfeffer eignet sich als Wurstgewürz, namentlich für Kochwürste. Das dem Pfeffer den eigenartigen Geschmack verleihende Pierin konnte bisher aus seinen chemischen Elementen nicht hergestellt werden, dagegen gelang Professor Staudinger in Zürich die synthetische Gewinnung eines ähnlichen Stoffes aus der Steinkohle; dieser Pipe- tidid" genannt, ist eine Flüssigkeit, die man an ein Holzmehl bindet, das in seinen Eigenschaften de« holzigen Bestandteil-n des Pfeffers ähnlich ist. Ws AchrenlRn im Kreile frirb&rrg. Don. K. Oechler in Ilbeshausen (Vogelsberg.) In der „Neuen Tageszeitung" vom 17. d. Mts. ist eine Verfügung des Eroßh. Kreisamts Friedberg über das Aehrenfam- mvln erwähnt und daß das aus den Aehren gewonnene Getreide zu Gunsten des Kommunalverbandes beschlagnahmt ist und nicht in der eigenen Wirtschaft verwebet werden darf. Eigentlich geht mich ja die Sache nichts an, aber wenn man so etwas liest, dann muß man sich über eine solche Verordnung entrüsten. Was sind denn das für Leute, die das Aehrenlefen betreiben? Das find doch gewöhnlich geringe Leute und geringere Beamtenfamilien, etwa Bahnwärierfamilien, welche zuweilen mitten im Felde wohnen. Wenn diese Leute sich nun einige Pfund Frucht und wären es A Ztr. sich einsammeln durch Aehrenlesen, welches mit vieler Mühe geschieht und sich gar viel gebückt werden muß und noch kein Taglohn dabei herauskommt. so sollte man es ihnen gönnen, wenn sie noch manches für ihre Haushaltung erhalten können was sie nichts kostet. Wie oft hält es manchen Familien schwer, etwa« Frucht zu Kaffee zu bekommen und es muß zu den teuren Kaffeerfatzmit eln gegriffen werden, wo das Pfund oft 1—2 Mark und darüber kostet und wohl noch gesundheitsschädlich sind, während für das Pfund Frucht eist etwa 17—18 Pfg. bezahlt wird. Das Gute und Billige sollen die Leute bergeben und das Schlechte und Teuere kaufen. Wie manche Leute haben sich auch einige Hüh. ner angelegt und sind froh, wenn sie einige Körner zum Füttern für dieselben haben. Eier sollen abgeliefert werden, aber woher die Hübner den dazu nötigen Stoff zur Eierbildunz nehmen. danach fragen die Gesetzgeber nickt. Bei dem Aehrenlesen glaubt man wahrscheinlich es würden Hunderte von Zentnern da zusammen kommen. Wenn das der Fall wäre, würde wohl Niemand etwas dagegen fagerr. Durch eine solche Verordnung wird es keinem einfallen, Aehren zu lesen wenn nicht die Frucht für den eigenen Bedarf behalten werden darf. Die Leute lassen es lieber fein und die Aehren mit ihren weitvollen Körnern kommen zu auf den Aeckern und verfaulen Man sollte dock nicht über jede Kleinigkeit eine Verordnung erlassen, die off gerade das Gegenteil bewirkt von dem. was sie bewirken soll. Auf der einen Seite werden die Leute genötigt und bedroht, den letzten Korn Frucht und dergleichen herauszuoeben und auf der anderen Seite gehen in den Städten den Kommunalverbänden Tausende von Zentnern Lebensmittel zu Grunde, womit die Bevölkerung ihren Hunger hätte stillen können. Und was sind das für Leute, die bei den Kommnnalverbänden anqestellt sind? Das sind selche, die erstens nichts verstehen und zweiten« gleichgiltig sind, daß sie nicht die ihnen anvertrauten Lebensmittel vor dem Verderben schützen. Muß es nicht die Landwirte verärgern, wenn sie sehen und hören, wie die von ihnen erzeugten Lebensmittel, welche sie zur Ernährung der Allgemeinheit geliefert haben, wieder masienweife zu Grunde gehen? Diejenigen Herren, welche durch ihr Verschulden solche verderben lassen, sollten mit Zuchthaus und Geld besttaff und ihres Amtes entsetzt werden. Den Landwirten wird empfohlen, ihre Frucht und Kartoffeln pfleglich zu behandeln und vor dem Verderben zu schützen und sie tun es auch. Wieviele Tonsende Zentner Kartoffeln sind schon während der Kriegszert in den Städten auf den Bahnhöfen erfroren und Frucht nnd Mehl verdorben, Eier und dergleichen, welches hätte vermieden werden können, dann ist tmtJKt die schöne Ausrede: „Ja, es werden Fehler gemachtl" Mit dieser kläglichen Ausrede ist aber unserem Volke und Vaterland nicht gedient und es will einem bald scheinen, als wenn diese Leute, welche die Lebensmittel zu Grunde gehen lassen, von Engländern ge-dunaon waren, um «ns auszuhungern. Hoffenttich ttagen diese Zeilen dazu bei, daß das Großherzog, liche Kreisamt Friedberg gestattet, daß die paar Körner vom Aehrenlesen die betreffenden Leute für ihre eigene Haushab. tungen behalten dürfen. Ich glaube nicht, daß eine derartige Verfügung bei uns von dem Kreisamt Lauterbach erlassen wird. Usm Felde [Mwj der Ehre. _ Trais-Münzenberg. 28. Juli. Dem Musketier Friedrich Häuser. Sohn des Schrcinermeisters Heinrich Häuser, wurd- das Eiserne Kreuz und die Hessische Tapferkeitsmedaille verliehen. Wohnbach. Landsturmmann Hugo Scheuermann in einem Infanterie-Regiment, 1. Kompagnie, ist mit dem Eisernen Kreuz zweiter Klasse nach 38 monatlicher treuer Pflichterfüllung ausgezeichnet worden. Herzlichen Glückwunsch! Ans dxx tzcimot. Kttbsäh'rgkit der Briefmarken. In letzter Zeit wird gelegentlich über die Klebfähigkeit der Briefmarken und die Beschaffenheit des Papiers der amtlichen Posttarten geklagt. Die Postverwalttmg stellt nicht in Abrede.^daß sich in beiderlei Hin. sicht die Verhältnisse gegen früher etwas verschlechtert haben. Die Ursache davon ist in gewissen Schwierigkeiten zu suchen, die sich neuerdings bei der Herstellung des Klebstoffs und des Papiers ergeben und sich vor der Hand nicht beseitigen lassen. Sie muffen als eine Begleiterscheinung des Kr' ges hingenommen werden. Um zu erreichen, daß die Marken möglichst gut haften, empfiehlt es sich sehr, wenn die Verbraucher "sie vorsichtig und nur mäßig anfeuchten. Andernfalls wird von der Klebstoffschicht zuviel fcrtgenommen, sodaß die Marken dann u. U. abfalten. Obermörle«. Bei der am 24. d. Mts. erfolgten Neuverpachtung des in hiesiger Gemarkung liegendes Hofs Hassel heck blieb die seitherige Pächterin Frau Witwe Koch Letztbietende mtt 47 Mark für den Morgen Frankfurt a. M. Die Milchablieserung der Erzeuger in den Vororten ist. wie die Städtische Nachrichtenstelle schreibt, in der ! letzten Zeit in ausfälliger Weise zurückgegangen. Nach den Feststellungen des Lebensm:ttelamt es wird die MUch zu einem erheblichen Teile im Schleichhandel verkauft und so der ordnungs- gemäßen Verteilung entzogen. Außerdem wird ein Teil der Milch infolge der nachlässigen Behandlung sauer abgeliefert. Es mußten deshalb in den letzten Tagen schon eine große Anzahl Erzeuger bestraft werden. Das Lebensmittelamt teilt mtt, daß es in solchen Fällen.in Zrttunft auf das schärfste vorgehen wird. Es werden nicht nur die Erzeuger, sondern auch die Abnehmer, die Milch im Schleichhandel kaufen, zur Anzeige ge. bracht werden, außerdem wettden die Namen diesrr Personen veröffentlicht, um ihr Verhalten an den Pranger zu stellen. Frankfurt a. M. Im Anschluß an einen Fall bedeutende, Höchstpreisüberschreitung in Bohnen wurde neulich die Frag, oufgen'erfen, ob „der unverschämteste Vobnenwucher auch nui in einem Falle von den von der Preisprüfangsstelle beauftrag ten Personen festgestellt" worden wäre. Die Preisprüfungs stelle teilt hierzu mit. daß ihre vor einiger 3 'it neu eingestellter Kontroveurinnen eine ganze Reihe vom Preisüberschreitungen in Bohnen festgestellt haben. W s über Bobnen gesagt ist, gitt auch für Gurken, Blumenkohl und sonstiges Gemüse. Allein im Verlauf von zwei Wochen sind aus Grund der Feststellungen von Kontrollpersonen annäbernd 86 Anzeigen vor Polizei zur wer« teren Veranlassung übermittelt wurden. In minder schweren Fällen oder in Fällen' erstmalia sestaestellrer lleberttetunge^ sind Verwarnungen erfolgt. Die Kontrolle könnte noch viel wirksamer * -führt werden, trenn die Bevölkerung die Kon- trollperso Ausübung ihres Dienstes durch Namhaftmach, ung von 9 rn, die gegen die bestehenden Gesetze, insbe sondere gegen die Höchstpreise, verstoßen, unterstützen würde. Statt deffen kommt es noch häufig vor, d"ß die Käufer mtt den Händlern gegen die Kontrolleure Stellung nehmen Aus Staikkndurg Seligenstadt a. M., 23. Juli. In einem der drei Tagebaue des Braunkohlenbergwerks der Zeche , Gustav" ni Dettingen ist Sonntag nachmittag Feuer ausgebrochen. Da es Sonntag war. j fehlte es an der genügenden Zahl von Arbeitskräften, um die Löscharbeiten in dem benötigten Umfang durchzuführen. Das 1 Feuer griff noch auf einen anderen Tagebau über. Da am Montag gegen Mittag das Feuer wieder stärker auflebte, gingen Löfchzuge der Qffenbacher und der Frankfurter Feuerwehr nack . Dettingen. Am Abend war der Brand in der Hauptsache be- f zwungen. Der Betrieb soll nicht gestört sein; jedoch find drei elektrische Motore mitverbrannt. FC 1 . Von der Bergstraße, 24. Juli. Die Nachfrage nach Landhäusern ist in den Orten der Bergstraße andauernd groß In der letzten Zeit war der Verkauf von Immobilien vor al> len Dingen in Auerbach besonders rege. Aus Rheiuhessen. Mainz» 23. Juli. Die vorgesehene Abgabe der beschlag. nahmten Türklinken und Fenstergriffe macht sich ein Schwindler zu Nutzen. Angeblich im Aufträge der Metallmobilmachungsstelle versucht er in hiesigen Häusern die Türklinken und Fenster, griffe einMsammeln. In einem Fall ist ihm der Schwindel ge* lungen. Nur mit einem amtlichen Ausweis versehene Personen können die Sammlung vornehmen. die bis jetzt noch nicht ver- fügt ist. - Ein Anbekannter drang am Samstag in eine Wohnung der Mittleren Bleiche wahrend der Abwesenheit der Woh« mmgsinhaber ein und durchwuhlte alles. Als er nichts fand, brach er die Kassette des Gasautomats auf und stahl 25 Mark daraus. FC!. Ans Rheinhessen, 24. Juli. Die Getreideernte ist flott im Gange, sie fällt hier recht günstig aus. Die Wintergerste ist vielfach schon eingebracht und auf dem Weg zu den Mühlen. Der Roggenfrühdrusch ist gleichfalls vielfach bereits im Gangs. In manchen Gemarkungen wird stark über die Mäufeplage geklagt. FC. Worms. 24. Juli. Die Trcibriemendiebstähle wollen hier nicht aufhören. In einer hingen Fabrtt sind wiederum zwei Riemen gestohlen worden. Auf einem anderen größerem Werk hat man vermißte Treibriemen zwischen den Kohlen ge. fnnden. Sie waren dort versteckt worden, um sie in geeigneter Stunde fortschaffen zu können. Die Täter sind noch nicht ermittelt. _ FC. Geißcnheim, 21. Juli. An Kriegsunterstützrmgen wurden hier im Rechnungsjahre 1917 bis 1918 aus Staats- Mitteln rund 170 000 Maitt bezahlt, außerdem leistete dis Gemeinde Kriegsunterstützungen im Gesamtbeträge von 11700 Mark. — Durch die erhöhten Einnahmen aus den Gemeindewaldringen und Gemeindeländereien wurden die Gemeindesteuersätze im Jahre 1918/19 um je zehn Prozent ermäßigt. Ans Hessen.Nassau. Homburg v. d. H., 23. Juli. Eine vierköpffge Diebesbande aus dem Stadtteil Kirdorf, die schon feit langem im Kreise Usingen durch verwegene Viehdiebstähle von sich reden machte, wurde bei Wehrheim von der Ustnger Gendarmerie überrascht und verhaftet. Es handelt sich um zwei Familienväter und deren 15 bezw. 13 Jahre alten Söhne. Die Bande hatte, als sie überrascht wurde, gerade in Westerfeld eine Kuh und ein Kalb gestohlen nnd das letztere bereits abgcfchlachtet. FC. Aus Hessen-Nassau 24. Juli. Das älteste Mitglied des Provinzial-Landtags der Provinz Hessen-Nassau, der frühere verdienstvolle Bürgermeister in Rinteln, Oberst Gärtner, ist im 82. Lebensjahre gestorben. Der Verstorbene batte sich bei Kriegsausbruch der Hcorcsverwaltung zur Verfügung gestellt und bis an fein Lebensende dem Vaterlande treue Dienste geleistet. Er war der älteste diensttuende Offizier der deutschen Armee. MivmrUMtznMLALWN'WL Offene Stellen: < «A ^Erwalter. 4 Knechte. 10 Tagelöhner. 1 Knechte- und 1 Arbeiterfamilie. * Schmied, 1 Schlosser. 1 Dreher. 1 Gießer. 1 Watt er, ,8 Stratzenwarter, mehrere Fabrikarbeiter nnd -Arbeuer- innen, 1 Molkereigehilfe. 1 Bäcker. 1 Müller. 1 Bezirksbeam.er l. negsbeichaditter), 16 Hausmädchen. 7 Dienstmäode. 2 Monats« m»lochen. 1 Flickerin, 1 Lehrmäi.chen, Hilfvdienftpstiöftige, Frauen und Mädchen für defttztes Geviet, 3 Schubmacher. 1 Schweine- futterer, 1 männliche Schrribhilfe für Garnison-Kommando. Stell ensuchende: Mehrere Melkerfamilien nnd ledige Melker, Frau mit Tochter^ zu zirka 30 Küben. 2 Haushälterinnen, 1 Wirtschatterin. 1 Büro- fraulein, 2 Kinderfräuleins. Verantwortlich für den politischen und lokalen Teil: Otto' Hirsche!, Fnedberg; für den Anzeigenteil: 3k. H ey n er. Friedberg. frruef und Verlag der ^Neuey rägeZzeituna^ A- G.. Friedberg i^H. „ Wem nie durch Liebe Leid gejchuh. Roman von Courlhs-Mahler. Nachdruck verboten Während die Baronin diese Erklärung gab, kokettierte Karla sehr stark mit Hans Ullrich. Und den vereinten Bemühungen von Mutter und Tochter gelang es denn auch, zwischen der Baronesse und Hans Ullrich ein Alleinsein herbeizuführen. Aber es sollte ergebnislos verlausen. Hans Ullrich hatte freilich alle Geschicklichkeit nötig, den Netzen zu entgehen, die Karla ihm übcizuwerfen drohte. Sie manöverierte mit so viel Geschick und Kühnheit, und außerdem mit dem Mut der Verzweiflung. daß Hans Ullrich fast unartig sein mußte, um ihr auszuweichen. So mußten die beiden Damen schließlich ohne Erfolg ab- 'sahren. Als Hans Ullrich mit seiner Mutter allein war, sahen sich beide fragend an. „Was hältst du von dieser plötzlichen Abreise, Hans Ullrich?" fragte die Mutter. Er zuckte die Achseln. „Ich weiß es nicht, Mamma. Nur soviel schien mir sicher, daß von den Damen der wahre Grund verheimlicht wurde." „Das Gefühl hatte ich auch — und ich muß sagen, die beiden Damen machten mir heute einen recht ungünstigen Eindruck Ich muß es Dir einmal sagen, Hans Ullrich — ich bin doch froh, daß Du dich nicht mit Baroneß Karla verlobt hast." Haus Ullrich seufzte. „Ob sie, oder eine andere, Mamma — eine ist doch gewiß — daß ich meinem Herzen werde Gewalt antun müssen, wenn ich mich nach den Gesetzen unseres Hauses verheiraten muß. Ich gäbe viel, sehr viel darum, wenn ich ein freier Mann und nicht der an allerlei Klauseln gebundene Majoratsherr von Frankenau wäre." Die alte Dame richtete sich erschrocken auf. »-Hans Ullrich — für deine Morte gibt es nur eine Erklärung — du liebst — liebst ein Mädchen, das dir nicht ebenbürtig ist.?" Gr setzte sich zu ihren Füßen und legte den Kopf in ihren Schoß. Mamma — ich liebe — mit allem, was in mir ist — ]o, wie ich noch nie eine Frau geliebt habe. Da sitzt dein großer Junge, wie als Knabe, und beichtet dir sein Leid. Und diesmal rst es das größte Leid meines Lebens — und du kannst mir nicht helfen." Sie legte ihre Hand auf sein Haupt. In ihrem erblaßten Gesicht zuckte der Schmerz. . ..Mein Sohn — mein geliebter Sohn — eine Mutter kann viel tun für ihr Kind. Aber hier bin ich machtlos. Wäre die Majoratsbestimmung nicht - bei Gott, jede Frau, die du mir brachtest, sollte mir recht sein, denn ich weiß, das Herz meines Sohnes wählt keine Unwürdige" „Dessen kannst du gewiß sein, Mamma. Sie, die ich liebe, wäre wert, einen Thron zu besteigen. Und ich habe sie so lieb.' daß ich schon in Erwägung gezogen habe, ob mir der Herzog nicht helfen kann, die Hindernisse zwischen ihr und mir zu beseitigen." Na chdenkl ich sah die alte Dame auf ihn herab. B—aBjBH B—aB aepB—a—MB—a ■n-c-.-xrr -_ „Vergiß nicht, Hans Ullrich, daß der Herzog selbst seinem Herzen Gewalt antun mußte, als er sich vermählte. Ich fürchte, er würde ein Gleiches von dir fordern." Er küßte ihre Hände. „Du fürchtest es, liebe teure Mamma. So würdest du nichts dagegen einzuwenden haben, wenn mir der Herzog auf meine Bitte die Hindernisse aus dem Wege räumte? Sie schüttelte den Kopf. „Wie könnte ich etwas dagegen haben, daß mein Sohn glücklich werden soll?" sagte Frau von Frankenau schlicht. „Dazu mußt du doch deine Mutter zu gut kennen. Aber ich wage es nicht zu hoffen. Und ich bin machtlos, dir zu helfen. Aber mit dir leiden kann ich, mein geliebter Sohn. Und wenn dein Herz voll und schwer ist. so komme zu mir und sprich dich aus. daß ich dir tragen helfen kann. Mein armer Junge! Mir ist das Herz so schwer. Auch andere Sorgen lasten auf mir. Die politische Lage scheint mir unhaltbar. Rußlands Verhalten scheint mir bedrohlich. Und in Oesterreich klingen schon die Kriegsglocken Mir ist so bang zu Mute, als müßten sie auch bei uns bald klingen. Dann müßte Ursula ihren Verlobten hcrgeben und ich — ach, mein Sohn? — ich kann mch's tun, als beten. Gott bewahre uns in Gnaden." Hans Ullrich hob den Kopf und sah zu ihr auf. „Heute oder morgen wird die Entscheidung fallen, liebe Mamma. Ich verschwieg es dir bisher — der Kaiser hat an Rußland ein Ultimatum gestellt." „Mein Gott — also kam es doch so weit?" „Ja, Mamma. Und was auch kommen mag, du mußt stark und ruhig sein." Sie lächelte schmerzlich „Stark — so lange die Kräfte reichen, mein Sohn. Aber rnbig? Welche Mutter könnte ruhig sein, wenn sie Glück und Leben ihres Kindes bedroht sieht? Aber still — Ursula kommt. Sie soll nicht beunruhigt werden, so larwe es. nicht nötig ist." Hans Ullrich sprang auf, und Mutter un.d Sohn gaben sich den Anschein, über alltägliche Dinge zu plaudern. Ursula trat ein. Sie war sehr erregt. ..Mamuschka — denke dir, was ich soeben vom Verwalter Steffen hörte — er sagte, wir bekommen Krieg. Ist es denn möglich, Mamuschka, daß so etwas geschieht?" Sie fiel ihrer Mutter aufweinend uni den Hals. „Gott verhüte es, Ur>ula. Du mußt solche Worte nicht zu schwer nehmen. Die Männer führen immer leicht das Wort Krieg im Mund." Urstila schmiegte sich an sie „Ach. Mamuschka. so grausam' kann doch der liebe Gott nicht sein, nicht wahr? Ich kann mir nicht ausdenken, wie das fein würde. Mein Joachim — er müßte gleich ins Feld und Sans Ullrich auch. Ach nein — das ist doch aller Unsinn. Ich will an so eine Möglichkeit nicht denken Frau von Frankenau streichelte ihre Tochter und sah mit schmerzlichem Ausdruck über sie hinweg in Hans Ullrichs Ge. sicht. Wie war es plötzlich so dunkel um sie her! Sollte ihr übermütiger kleiner Wildsang durch eine so harte Schule gehen müssen, wie der Krieg sie mit sich brächte? Und ihr Sohn? Das arme Mutterherz schlug angstvoll in der Brust. Die Baronin Haßbach war mit ihrer Tochter abgereist. Weder Christa, noch Herr von Virkenheim waren noch einmal mit den beiden Damen zusammengetroffen. wjh-ji. . I , , I. . Wie selbstverständlich übernahm Christa di« Hausfrauen^ pflichten in Virkenheim. Herr von Birkenheim gab der Dienerschaft Befehl, Thrista in allen Dingen zu gehorchen, wie ihm selbst. Er sagte den Leuten, daß die junge Dame seine Verwandte und eine Freiin von Plaren sei. Am Spätnachmittag hatte Herr von Virkenheim eine lange Konferenz mit seinem Verwalter. Indischen wollte Christa einen längeren Spaziergang in den Wald machen. Onkel Heinz hatte ihr versprochen, am nächsten Vormittag mit ihr nach Frankenau zu fahren. Dort sollte sie sich selbst als Marias Tochter zu erkennen geben Ein feines Lächeln war über feine Züge geflogen, als er sah, daß Christa errötete. Nun ging sie langsam, in Träumerei verloren, durch den Wald. Ihr Blick haftete am Boden, und ihre Brust hob sich ln tiefen Atemzügen. Sie dachte an Hans Ullrich. Was er wohl tun und sagen würde, wenn er erfuhr, wer sie war? Ein süßes Lächeln flog über ihr Gesicht. Wie gut war es doch, daß sie schon jetzt wußte, daß Hans Ullrich sie liebte. Würde er es ihr erst sagen, nachdem er erfahren haben würde, daß sie Christa von Platen, die künftige Herren von Birkcnhe'm sei dann hätte sie sich einbilden können, seine Werbung gälte diesem Umstand mehr, als ihre Person. Wie glücklich war sie, daß ste seiner Lrebe sicher war. Hatte ihn ihre Sehnsucht herbekgezaubert? Sie hörte plötzlich das Schnauben eines Pferdes, und gleich darauf hielt ein Reiter dicht vor ihr auf dem Wege — Hans Ullrich von Frankenau. Er erblickte sie zu gleicher Zeit. Schnell sprang er vom Pferd, schlang den Zügel um einen Baum und trat mit'Llassem, erregtem Glicht auf sie zu. „Mein gnädiges Fräulein — haben meine Wünsche Gewalt über Sie? Soeben dachte ich Ihrer mit dem intensiven Wunsch, daß ich Ihnen begegnen möge — und nun stehen Sie vor mir, wie die Erfüllung meines Wunsches," sagte er mit vor Erregung heiserer Sttmme. Sie sah ihn an und richtete sich jäh empor. Etwas in seinem Gesicht machte sie unruhig. „Warum wünschten Sie mir gerade jetzt zu begegnen?** fragte sie. Er atmete ttef aus. „Eigentlich wünsche ich mir das immer. Aber heute Habich einen besonderen Grund — ich wollte von Ihnen Abschied nehmen — ohne Zeugen," stieß er hervor. Sie sah erschrocken in sein ernstes, blasses Gesicht, in dem die Erregung zuckte. „Abschied?" fragte sie atemlos. — Abschied, mein gnädiges Fräulein. Soeben Habs ich auf der Post ein Telegramm erhalten — der Kaiser ruft z* den Fahnen. Ich bin auf dem Weg nach Virkenheim. Unter dem Vorwand. Herrn von Virkenheim diese Kunde zu bringen, wollte ich versuchen. Sie zu sprechen. Christa — der Krieg ist da — und ich kann nicht ohne Abschied von dir gehen." Eie wurde totenbleich. „Der Ktteg — der Krieg! Und Sie müssen fort?" „Ja, morgen ist der erste Mobilmachungstag — in drei Tagen muß ich fort, und ich weiß nicht, ob ich dich noch einmal vorher sehen werde — du mein geliebtes Mädchen.- Ihre Hände sanken schlaff herab. Fortsetzung folgt. Es ist vorbei mit unserem Sehnen Nie kehrt er heim ins Elternhaus; 2hn wecken niemals un!ere Tränen 2n fremder Erde ruht er aus. Auf's Herz preßt bebend sich die Hand, Du nahmst uns viel, o Vaterland; Auf Wieder eh'n schriebst du 2n jedem Brief nach Haus, Run ist es dir nicht mehr befchieden, Du ruhst nach heißen Kämpfen aus. plötzlich und unerwartet traf uns die tieftraurige Nachricht, daß unser innigstgeliebter herzensguter braver Sohn, unser heißgeliebter unvergeßlicher Bruder, Neffe und Vetter Atzk Wilhelm Karl Hrseathal aktives 2nf.-Neg. 118, M.-G.-Komp., am 4. Juli sein junges hoffnungsvolles Leben im Alter von 19 Jahren durch den grausamen Weltkrieg lassen mußte. Affenheim, den 26. Juli 1918. In tiefem Schmerz: Friede. Wilh. Hesenthal u. Frau geb. Liffa Arthur Gallisch, z. Zt. im Felde Frieda Hesenthal Anna Hefenthal Rudolf Hefenthal, z. Zt. in Garnison Emma Hefenthai Marie Hesenthal und alle Verwandten. Ein Posten I BB Cerstenspreu Sä füg Napsschotten! " abzugeben Bekanntmachung. 2n den Kolonialwarengeschäften von Fr. Michel, Fr. Wagner und A. Schmidt bringen wir kondensierte Vollmilch von Samstag, den 27. ds. Mts. ab, zum Verkauf. Es werden an jede auf der Lebensmittelkarte verzeichnele Perion des Bezirks fl 50 Gramm znm Preise von 25 Pfennig abgegeben. Gefäße sind beim Abholen mitzubringen. Die Lebensmittelkarte ist als Ausweis vorzulegen. Friedderg, den 24. Juli 1018. Der Bürgermeister. 2. B.: Damm. Bindegarn für SrldKbiudtr, prima Ware. AckksWüllje, beste zur Zeit lieferbare Oualitär, abzugeben. Preise auf Anfrage. Heb. SchuUlaeis i. Steinfurth, b. Bad-Nauheim * Helmolt, Schützenrain 11 Friedberg i. H. Lchiitzenrsin II tza»«-bachkk Hos bei Friedberg.' in verschiedenen Ausführungen hält vorrätig ÜSinflCil Holler, Schreinermeister, tioirasene EenosseisMt mil öescüränülar W» Gegr. 1864. Keichsbank-Giro-Conto. Tel.-No. 15, stellt ein Entgegennahme von Spar-Einlagen. za den höchsten Zinssätzen. X Provisionsfreier Checkverkehr. 2IS Conto-Corrent-Qredit- Gewährung. ac Diskontierung von Wechseln. X Verwahrung u. 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